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Full text of "Beschreibender catalog des Bibliographischen museums"

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Besc\iveibenc 


Bibliograpliiö 


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HeLiulc 

KiinigV.  Sachs.     Co»»"^"* 


X)veP 


Beschreibender  Catalog 


des 


Bibliographischen  Museums 


von 


Heinrich  Klemm 

Königl.  Sachs.  Cominissionsrath  in  Dresden. 


Erste  und  aweit«  Abtheilang: 

Manuäcriptd   und  Druckwerke   des  15.  und  16.  Jahrhunderts  auü   den   18  frühesten 
bis  1470  bekannt  gewordenen  Druckst&dten,   zusammen  über  1000  Uegenständt 

umfassend. 


Preis:   brosohirt  6  Mark;   antik  gebunden  in  Deckel  von  rweitausendjahrigem  Hole« 
aus  den  Fundamenten  der  ehemaligen  Mainzer  Römerbrücke  12  Mark. 


Dresden  1884. 

H.  Klemm's  Verlag'  &  artistische  Anstalt. 


Zur  Einführung. 


Der  unterzeichnete  Begründer  und  Eigenthümer  des  „Biblio- 
graphischen Museums'*  in  Dresden  übergiebt  hiermit  seinen  Fach- 
gelehrten Freunden  und  Allen,  die  sich  für  die  ehrwürdigen  Denk- 
mäler der  grössten  deutschen  Erfindung  interessiren,  den  ersten  Theil 
eines  beschreibenden  Cataloges  dieser  vielbesprochenen  Sammlung, 
worin  neben  einer  Auswahl  von  handschriftlichen  Werken  und 
Holztafeldruckcn  die  wichtigsten  typographischen  "Erzeugnisse  der 
bis  zum  Jahre  1470  entstandenen  IS  frühesten  Druckorte  in  chrono- 
logischer Folge  verzeichnet  sind. 

Im  Ganzen  haben  in  diesem  ersten  T heile  bereits  über  1000 
grössteritheils  seltene  Gegenstände  Aufnahme  finden  können.  Die 
mit  beweglichen  Typen  gedruckten  Werke  gehören,  mit  Ausnahme 
von  nur  neun  besonders  wichtigen  Büchern,  sammtlich  dem  /««/- 
zehnten  und  sechszehnten  Jahrhunderte  an.  Trotzdem  sind  aus  jenen 
frühesten  achtzehn  Druckorten  die  wichtigsten  typographischen 
Erzeugnisse  von  nicht  weniger  als  38ö  verschiedenen  Buchdruckereien 
hier  zu  beurtheilen  und  zu  verzeichnen  gewesen,  soweit  sie  überhaupt 
erforderlich  waren  zur  Darstellung  möglichst  aller  lypengattungen 
von  Johann  Gutenberg  bis  zum  Ausgange  des  sechszehnten  Jahr- 
hunderts, und  soweit  sie  jenen  18  Druckstädten  angehören. 

Die  zahlreichen  Typengattungen  seihst  mit  darzustellen,  muss 
ich  mir  als  überaus  schwierige  und  zeitraubende  Arbeit  so  lange 
versagen,  bis  auch  die  frühesten  typographischen  Erzeugnisse  der 
übrigen  in  meiner  Sammlung  vertretenen  circa  ^00  Druckorte 
catalogisirt  sein  werden,  um  erst  eine  Uebersicht  des  überhaupt 
Nothwendigen  zu  gewinnen.    Wenn  der  Zweck  erreicht  werden  soll, 


lY  —    Zur    Einführung.    — 

müssen  alle  Alphabete  autographisch  haargenau  copirt  und  dann 
systematisch  geordnet  werden,  um  beispielsweise  sofort  die  kleinen 
Unterschiede  zwischen  Typen  zu  zeigen,  die  man  wegen  ihrer 
Aehnlichkeit  bisher  für  die  gleichen  gehalten  und  daher  so  oft  einem 
und  demselben  Drucker  zugeschrieben  hat.  Vielleicht  trägt  unsere 
Anregung  auch  dazu  bei,  ein  derartiges  Unternehmen  von  anderer 
Seite  hervorzurufen,  dem  übrigens  von  hier  aus  gern  jede  Unter- 
stützung zu  Theil  werden  würde. 

Wie  in  diesem  Cataloge  an  vielen  Stellen  nachgewiesen  ist,  sind 
es  bei  manchen  stärker  verbreitet  gewesenen  Typenarten  des  fünf- 
zehnten und  sechszehnten  Jahrhunderts  oftmals  nur  einzelne  besonders 
charakteristische  Buchstaben,  nach  denen  sich  der  ungenannte 
Drucker  mit  Sicherheit  bestimmen  lässt.  Aus  diesem  Grunde  wäre 
auch  die  photo- lithographische  Wiedergabe  von  ganzen  Columnen 
der  Wiegendrucke  ein  eben  so  kostspieliges  wie  verfehltes  Unter- 
nehmen, weil  es  hierbei  nur  in  wenigen  Fällen  möglich  sein  würde, 
alle  Buchstaben  des  Versal -Alphabets  zu  treffen,  die  eben  nöthig 
sind.  Aus  diesem  Grunde  habe  ich  mich  auch  den  desfallsigen 
Wünschen  vieler  Herren  Fachgelehrten  und  Bücherfreunden  gegen- 
über stets  ablehnend  verhalten  müssen,  wenn  auch  jenes  Verfahren 
das  am  wenigsten  mühsame  sein  würde. 

Uebrigens  sind  in  diesem  Cataloge  zur  Vergleichung  und  Beur- 
theilung  der  Typen  so  vielseitige  Winke  und  praktische  Vortheile 
angegeben,  dass  der  Hauptzweck  nahezu  erreicht  ist,  denn  man 
wird  die  praktischen  Typenstudien  an  den  Wiegendrucken  vieler 
öffentlichen  Bibliotheken  schon  in  ziemlichem  Umfange  mit  Vortheil 
hiemach  betreiben  können.  Es  befinden  sich  in  diesen  Sammlungen 
genug  hierzu  geeignete  Werke,  deren  Drucker  man  bisher  nicht 
kannte,  und  die  in  Folge  dessen  kaum  Beachtung  fanden.  Der 
leidige  typographus  ignotus  hat  es  eben  auch  verschuldet,  dass 
schon  so  Ndele  werthvolle  Wiegendrucke,  weil  man  ihre  Bedeutung 
nicht  kannte,  theil s  ganz  verschwunden,  theils  nur  noch  in  wenigen 
Exemplaren  erhalten  sind,  und  dass  man  sie  heute  oft  gern  mit  Gold 
aufwiegt. 

Es  lag  nicht  in  der  Absicht  des  Besitzers  dieser  Sammlung 
eine  grosse  Menge  alter  Drucke  aufzuhäufen ,  von  denen  ja  eine 
Unzahl  sehr  leicht  zu  erlangen  wären,  sondern  der  leitende  Grund- 
gedanke war  die  Vereinigung  von  kaum  mehr  als  ein  paar  tausend 
besonders  characteristischen  Druckwerken  behufs  typologischer  und 
bibliographischer  Studien  in  ganz  anderer  Weise,  als  solche  bisher 
gepflegt  worden  sind. 

Das    „Bibliographische    Museum",    eine    Errungenschaft    vieler 


—    Zur    Einführ ungj.    —  V 

Jahre,  hat  sich  also  von  vorn  herein  die  Aufgabe  gestellt  gehabt, 
nur  möglichst  viele  für  das  Typen  -  Studium  zur  Feststellung  der 
Drucker  erforderliche  Werke,  besonders  Seltenheiten  ersten  Ranges, 
in  schönerhaltenen  Exemplaren  zu  sammeln  und  so  zu  vereinigen, 
dass  man  zum  Zwecke  einer  zuverlässigen  vergleichenden  Autopsie 
nicht  mehr  nöthig  hat,  das  eine  seltene  Werk  vielleicht  in  Paris, 
das  andere  in  London  oder  Wien  einzusehen,  denn  eben  hierdurch 
sind  so  viele  Irrthümer  in  unserer  ganzen  bibliographischen  Literatur 
herbeigeführt  worden.  Man  glaubte  oftmals  genau  dieselben  Typen  vor 
sich  zu  haben,  die  man  schon  anderwärts  gesehen,  während  höchstens 
von  einer  Aehnlichkeit  die  Rede  sein  konnte. 

Wir  werden  die  hierdurch  entstandenen  oft  haarsträubenden  Irr- 
thümer, welche  sich  in  den  Angaben  von  Druckorten  und  Typgraphen 
eingeschlichen,  an  vielen  Stellen  dieses  Cataloges  überzeugend  nach- 
weisen ,  aber  auch  die  Leichtfertigkeit  rügen ,  mit  welcher  unsere 
älteren  Bibliographen,  denen  man  noch  heute  folgt,  bei  Beurtheilung 
anonymer  Drucke  und  ihrer  Typen  oftmals  zu  Werke  gegangen  sincl. 
Was  sich  halbwegs  ähnlich  sah,  wurde  flugs  in  einen  Topf  geworfen, 
während  es  künftig  durch  Anwendung  der  hier  gegebenen  sichern 
Anleitungen  ein  Leichtes  sein  wird,  selbst  bei  ganz  gleich  scheinenden 
Typen  oftmals  den  auffälligsten  Unterschied  zu  entdecken. 

Es  lässt  sich  hiernach  dreist  behaupten ,  dass  es  durch  fort- 
gesetzte Typenstudien  und  Vergleiche  recht  wohl  möglich  wäre,  alle 
nach  Drucker,  Druckort  und  ungefährer  Zeit  des  Erscheinens  bisher 
völlig  unbekannten  werthvoUen  Incunabeln  richtig  zu  bezeichnen. 
Ein  ganz  respectabler  Anfang  ist  hier  gemacht,  und  die  Mittel  zur 
bequemen  Fortführung  der  Arbeit  sind  gegeben. 

Ferner  glaubte  der  Eigenthümer  dieser  Sammlung  durch  die- 
selbe auch  instructiv  auf  die  Buch dr ucker kun st  der  Jetztzeit  wirken 
zu  können,  da  nicht  so  leicht  an  andern  Orten  die  Gelegenheit  zu 
finden  sein  dürfte,  die  verschiedenartigen  altern  Typen  formen  in 
solcher  systematischen  Auf-  und  Zusammenstellung  kennen  zu  lernen, 
worunter  doch  so  viele  sich  befinden,  die  ein  hohes  künstlerisches 
Interesse  erwecken  und  heute  noch  als  mustergiltig  zu  betrachten 
sind. 

Aber  auch  in  andern  Beziehungen  bietet  unser  Museum  eine 
Fülle  authentischer  Belege  dar,  die  für  eine  künftige  bessere  Ge- 
schichtschreibung von  unschätzbarem  Werthe  sind;  denn  über  so 
manchen  Drucker  und  Druckort  verbreitet  sich  ein  neues  Licht,  und 
was  bisher  als  frühestes  typographisches  Erzeugniss  einer  Stadt 
oder  eines  Landes  angestaunt,  von  allen  Bibliographen  deshalb  ein- 
gehend  beschrieben,   und  im  Handel   mit  hohen   Summen   bezahlt 


VI  —     Zur  Einfühning,     — 

wurde,  kommt  nun  auf  einmal  erst  in  zweite  od  .  dritte  Linie  zu 
stehen ,  wie  zum  Beispiel  der  berühmte  Lactantius  von  1465 ,  der 
bisher  als  erster  italienischer  l!)ruck  o:eg:olten  und  über  den  man 
ein  Langes  und  Breites  deshalb  geschrieben  hat. 

Durch  die  in  unserer  Sammlung  bereits  vorhandenen  circa  150 
„ersten  Drucke**  von  Drickorten  und  besonders  berühmten  Typo- 
graphen  sind  überhaupt  für  die  Geschichte  der  Typographie  so  viele 
sprechende  Zeugen  gefunden,  dass  für  den  gründlichen  Forscher 
oft  ganz  neue  Gesichtspunkte  gegeben  sind,  und  manche  bisher  als 
richtig  angenommene  Daten  oft  um  eine  lange  Reihe  von  Jahren 
weiter  zurück  verlegt  werden  müssen. 

Bei  der  Richtung  unserer  schreibseligen  Zeit,  über  einzelne 
Zweige  der  menschlichen  Thätigkeit  womöglich  neue  Geschichte  zu 
machen,  ist  es  ganz  besonders  die  Typographie,  deren  Entwickelungs- 
geschichte  nicht  blos  mit  der  gelehrten  Brille,  sondern  an  der  Hand 
der  Original-Urkunden,  insbesondere  nach  sorgfaltigster  Untersuchung 
der   Wiegendrucke  bearbeitet  werden  sollte. 

Wenig  kann  uns  Deutschen  namentlich  damit  gedient  sein, 
wenn  man  einfach  unsere  altem  Geschichtschreiber  copirt  und  in 
etwas  anderer  Form  neu  auftischt,  einzelne  Irrthümer  vielleicht  be- 
richtigt um  destomehr  neue  hinzuzufügen,  oder  wenn  gar  der  Eine 
aus  purer  Rivalität  das  Gegentheil  von  Dem  behauptet,  was  der 
Andere  entdeckt  zu  haben  glaubte.  Was  dabei  Komisches  zu  Tage 
gefordert  worden  ist,  daran  fehlt  es  nicht  an  Beispielen. 

Unter  solchen  Umständen  ist  es  aber  Pflicht  eines  Jeden,  welcher 
hierzu  irgendwie  beizutragen  im  Stande  ist,  die  typographischen  Denk- 
mäler mit  aller  Liebe  zu  pflegen,  damit  der  Zahn  der  Zeit  nicht 
so  bald  das  noch  Vorhandene  vernichtet ;  denn  ohne  die  sprechenden 
Zeugen  der  grössten  deutschen  Erfindung  möchte  uns  wohl  diese 
Ehre  nur  zu  bald  von  neuem  streitig  gemacht  werden. 

In  Bezug  auf  gute  Erhaltung  der  ehrwürdigen  Druckdenk- 
mäler dürfte  unser  Museum  wohl  als  Muster  dienen  können,  indem 
es  zeigt,  wie  man  werthvoUe  Seltenheiten  mit  Defecten  aller  Art 
wieder  in  den  besten  Stand  zu  setzen  vermag,  um  sie  vor  baldigem 
Untergange  zu  bewahren.  Es  zeigt  femer,  wie  man  interessante 
alte  Original  -  Einbände  wo  irgendmöglich  restaurirt,  oder  wie  man 
sie  mit  Einschluss  der  Metallbeschläge  nach  alten  Mustern  neu 
herstellt,  damit  die  oft  kostbarsten  Druckwerke  wieder  Jahrhunderten 
Trotz  bieten  können. 

Mit  Bedauern  sieht  man  nur  zu  oft  in  öffentlichen  Bibliotheken, 
wie  an  Seltenheiten  ersten  Ranges  Stücke  herunterhängen  und 
die  so  nothwendigen  Metallschliessen  den  Dienst  versagen  oder  ab- 


—    Zur  Einführung.    —  VlI 

gerissen  sind,  so,  dass  der  SauerotofF  der  Luft  und  der  Bücherwurm 
ihr  Zerstörungswerk,  ruhig  fortsetzen  können.  Kein  Wunder  wenn 
der  Besucher  einer  Bibliothek  selbsi  an  den  werthvoUsten  Büchern 
in  so  desolatem  Zustande  keine  Freude  und  kein  Interesse  findet. 
In  unserm  Museum  sind  alle  irgend  wertbvoUern  Werke  mit  Metall, 
viele  mit  Silber  beschlagen,  mindestens  raber  ist  jedes  Buch  mit 
Schliessen  versehen. 

Bezüglich  der  Aufstellung  ist  unsere  Sammlung  so  geordnet, 
dass  zunächst  die  achtzehn  frühesten  Druckstädte  chronologisch 
folgen,  ganz  wie  in  gegenwärtigem  Cataloge.  Die  Erzeugnisse 
dieser  Druckorte,  soweit  sie  zur  Darstellung  möglichst  aller  Typen- 
gattungen besonders  wichtig  erschienen,  sind  übersichtlich  ^ni frei- 
stehenden Repositorien  placirt,  an  denen  zu  beiden  Langseiten 
zugleich  bequeme  und  mit  grünem  Tuch  beschlagene  Lesepulte  an- 
gebracht sind.  Die  meist  frühesten  Erzeugnisse  der  übrigen  bei 
uns  vertretenen  circa  400  Druckorte  von  1471  ab  sind  dann  nach 
dem  Alphabet  der  Ortsnamen  in  gewöhnlichen  Regalen  an  den 
Wänden  entlang  aufgestellt. 

Ferner  sind  alle  Einblattdrucke  und  wichtige  Einzelblätter 
zwischen  Doppelglas  und  Messingrahmen  gefasst,  so  dass  sie  von 
beiden  Seiten  zu  sehen  sind.  Darunter  befindet  sich  auch  die  ganze 
werth volle  Sammlung  aus  dem  Nachlasse  des  Archivars  Ludwig 
Bechstein  in  Meiningen,  die  seiner  Zeit  käuflich  in  unsern  Besitz 
überging.  Unsere  Holztafeldrucke  sind  theils  ebenfalls  eingerahmt, 
theils  befinden  sie  sich  in  Schaukästen,  zugleich  mit  verschiedenen 
alten  Original-Holzstöcken  und  andern  interessanten  Gegenständen. 

Die  Reihe  der  typographischen  Erzeugnisse  eröffnen  Mainz  und 
Eltville  mit  über  IßO  Druckwerken  allein  aus  der  Zeit  von  Gtiten- 
berg  bis  zum  Aussterben  der  Fust-SchöfFerschen  Druckerfamilie  im 
Jahre  1555,  also  genau  100  Jahre  nach  Erscheinen  der  herrlichen 
42  zeiligen  Gutenbergbibel ,  von  der  unser  Museum  das  schönste 
aller  noch  bekannten  acht  Pergament- Exemplare  aufweist.  Unter 
Mainz  finden  sich  überhaupt  die  grössten  Seltenheiten  der  frühesten 
Periode  in  prachtvoll  erhaltenen  Exemplaren,  und  zum  Theil  auf 
Pergament  gedruckt.  Ebenso  reich  sind  aber  auch  Strassburg  und 
nach  Verhältniss  ihrer  Leistungen  alle  übrigen  frühesten  Druckstädte 
vertreten. 

Noch  dürfte  es  manchen  Bücherfreund  interessiren,  die  oft  ge- 
stellte Frage  beantwortet  zu  sehen:  wie  es  in  unserer  Zeit  über- 
haupt noch  möglich  gewesen,  eine  so  kostbare  Bibliothek  zusammen 
zu  bringen?  Hier  muss  ich  der  seit  Jahren  für  mich  angestrengten 
Thätigkeit    fast    des    gesammten    deutschen    Antiquar  -  Buchhandels 


VIll  —    Zur  Einführung.    — 

rühmlich  gedenken.  Insbesondere  verdanke  ich  den  weitverzweigten 
Geschäftsverbindungen  des  Herrn  Albert  Cohn  in  Berlin  die  Herbei- 
schaifnng  der  meisten  und  wichtigsten  Schätze  meiner  Sammlung; 
aber  auch  Privatagenten  in  aller  Herren  Länder  schafften  mir  direct 
so  manches  Prachtstück  ins  Haus. 

Im  Laufe  der  hierzu  allerdings  erforderlichen  langen  Jahre 
gewann  ich  trotz  meiner  vielseitigen  literarischen  Berufsgeschäfte 
zugleich  die  nöthige  Zeit,  jedem  Druckwerke  die  eingehendste 
Untersuchung  zu  widmen,  um  bei  anonymen  Drucken  durch  Typen- 
studien und  Vergleiche  in  zahlreichen  Fällen  mit  Sicherheit  die 
Drucker  zu  ermitteln  und  manchen  bisherigen  Irrthum  klarzustellen. 
Bei  der  Sichtung  und  schliesslichen  Verarbeitung  des  seit  Jahren 
aufgehäuften  Materials  an  Nachweisen  und  Notizen  aller  Art  fand 
ich  endlich  im  verflossenen  Jahre  auch  eine  wesentliche  Stütze  in 
Herrn  Max  Ilgenstein  aus  Berlin,  der  sich  meine  gesammelten  Er- 
fahrungen mit  regem  Interesse  aneignete,  und  der  bei  seinen  jungen 
Jahren  hoffentlich  Gelegenheit  finden  wird  sie  nutzbringend  weiter 
zu  verbreiten. 

Fachgelehrte  mögen  übrigens  diesen  ersten  Theil  eines  Gesammt- 
Catalogs  meiner  Sammlung  umsomehr  mit  Nachsicht  beurtheilen, 
als  das  Werk  zugleich  bestimmt  ist,  als  Führer  für  nichtgelehrte 
Besucher  meines  Museums  zu  dienen.  Es  dürften  sich  daher  wohl 
hier  und  da  Notizen  und  Erläuterungen  finden,  die  für  den  rein 
bibliographischen  Zweck  überflüssig  erscheinen.  Allein  was  der 
Fachgelehrte  am  besten  selbst  weiss,  ist  für  den  Laien  oftmals  ge- 
rade das  Wissenswerthe.  Wenn  übrigens  auch  nur  der  Kern  der 
Sache  auf  guten  Boden  fällt,  wird  mit  der  Zeit  die  Frucht  nicht 
fehlen.  Das  lebhafte  Interesse,  das  sich  für  meine  Sammlung  von 
allen  Seiten  mehr  und  mehr  kundgiebt,  lässt  mich  die  Erfüllung 
dieses  Wunsches  jedenfalls  hoffen.  — 

Dresden,  im  März  1884. 


Heinrich  Klemm. 


^rj^e  ZbtheHm^, 


tat^eftellt  in  einer  ?Cu0wat;l  l;rtti&fcl?riftlicl?cr  Werfe  i>eo  neun: 
ten  t>i8  fiJnfse^nten  OaI;rl;un^ertö,  vom  einfrtcl7ften  ^Betbücl^cl  öcö  ge: 
wcf^nlic^en  UTannes  biß  snwi  gr^fjten  peröament^UTiOale;  femer  Mird? 

mcl;rcre    feltenc   ^ol^tafcUiDxudit  ^cß  fünf.5el;nten 

3af;rl;un5'ertß. 


1.  pc  confirmalionc  vcj\wUe  d'anoiurorum  bcrrctac  in  OToucilio  ^quift- 
granensi,  anno  816.  —  Pergamentheft  in  Folio-Format 

Ein  Pergament  -  Manuscript ,  welches  der  Schrift  und  seinem  ganzen  Aussehen 
nach  aus  der  Zeit  stammt,  die  sich  aus  dem  Inhalte  ersehen  lasst,  also  aus  dem 
•lahre  816  nach  Christus.  Es  enthält  die  Regeln,  welche  auf  dem  C'oncil  zu  Aachen 
für  die  Einkleidung  der  Geistlichen  gegeben  wurden.  — 

2.  |3er$ainrnt-?3latt  rtnes  latcinifdien  Jöibel-CL^ober,  1).  .3al)rl)unbert.  — 
Gross  Folio-Format. 

Die  eigenthümliche  Orthographie  des  Latein,  sowie  die  Form  des  Buchstaben  Ä, 

die  schon  zur  Zeit  des  ülphilas  im  vierten  Jahrhundert«  vorkommt ,  lassen  beinahe 

auf  ein  noch  höheres  Alter  dieser  Handschrift  schliessen.    Das  Blatt  geht  vom  Ende 

des  Capitel  24  bis  fast  zum  Ende  von  Capitel  27  des  zweiten  Buches  der  Chronika: 

Paralypomenon.  — 

3.  iDa6   älUfle  tfiitfd^e  05(Md)t  nad)  htm  einigen  iDrit^inaU  in  bcm 
bayrischen  Kloster  Wessobrunn.  8.  Jahrhundert.  In  Rahmen. 

f,4  bis  6.    JIrd  Jlcr^ament-JBlätter  aus  bnn  13.  biö  15.  ^al)rl)unbtrtt.  — 
Folio-Format. 

Zwischen  Glas  und  Messing-Rahmen.  Die  Missal  -  Blätter  5  und  6  mit  reicher 
Malerei  und  Miniaturen  in  den  vergoldeten  grossen  Initialen  R  und  A  sind  das 
Schönste,  was  das  spätere  Mittelalter  aufzuweisen  hat.  — 

7.  (Ein  auf  Pergament  9crd)vicbcner  Kaufbrief  uom  S>al)re  1341.  — 
Quer  Quart-Format. 

Zwischen  Glas  und  Messing-Rahmen;  betrifft  den  Kauf  eines  Weinberges.  — 

8.  (öereimtc  bcutfcfce  "ganbfdjrift  auf  Pergament  aus  bcm  14.  3al)r- 
hnnderte.  —  Quart- Format. 

9  und  10.    Jjiuei  lateimfd)e  CErbauungebüdjer  aus  bem  15.  ^al)rl)unberte. 
Sedez-Format. 

Xo.  9:  Hübsches  Manuscript  in  kleiner  Schrift  auf  Papier  und  Pergament  in  ziem- 
lichem Umfange.  Der  schöne  alte  Ledercinband  mit  reicher  Pressung  ist  mit  ver- 
goldetem Beschläge  versehen ;  jedenfalls  war  der  Besitzer  schon  ein  tvoMhabender 
Jifann.    Wie    ganz   anders   nimnat   sich  'das  Buch  im  Vergleich  zu   !No.  15  biü  18 


2  —     Erste  Abiheilung.     — 

au».  Unter  10  folgt  ein  noch  niedlicheres  Pergament-Biicliel,  Jedenfalls  ein  Taschon- 
buch,  zwar  ziemlich  dick  aber  nur  7  Centimeter  hoch  und  5  breit,  mit  zwei  Minia- 
turen in  Gold  und  Farben ;  Maria  Verkündigung  und  Anbetung  des  Jesuskindes.  — 

11.  ^Ubfwtfd)»   (Sfbetbud);  ein  <Kobqr  uon   15   üerfdjubeitni  %iin\i' 
Schriften  des  14.  und  15.  Jahrhunderts.  —  Klein  Octav-Foniiat. 

Auch  dieses  hübsch  geschriebene  Buch  gehörte  sicher  schon  einem  taohl~ 
habenden  Manne;  der  hellbraune  Original-Lederband  ist  mit  vei^oldeten  Bukein 
versehen.  — 

12.  €tl)irche  ^rtradjtungm  wnb  fob  btr  Jlrneintökeit.    JDfutfdjer  (Sohtr 
aus  dem  14.  und  15.  Jahrhunderte.  —  Quart-Format. 

13.  0ie  licbtnSlu^-pfjtlTncii;  gefdjriebnt  inn  bas  ^«l)r  1400.  —  (i^xof} 
Folio  Format. 

Ein  herrlich  ausgeführtes  Pergament- Manuscript  mit  blauen  und  rothen  Ini- 
tialen und  einer  grossen  mit  Gold  gehöhten  Miniature  auf  dem  ersten  Blatte. 

14.  J)eutfd)er  JiHamifcripl-(Eober;  gffdjrirbtn  wm  bas  ;0al)r  1400.  — 
Quart-Format. 

Dieser  schone  mittelalterliche  Codex  enthält:  1.  Vision  der  heiligen  Carissimu. 
2.  Die  sieben  Zeiten  unseres  Herrn  Jesu  Christi.  8.  Mystik  der  heiligen  Messt-. 
4.  Das  Buch  der  ewigen  Weisheit  von  Saso.  S.  Epistel  des  jüdischen  Meisters  .Sa- 
muel aus  der  Stadt  Marrochitan  an  Uabbi  Isaac,  verdeutscht  von  Pfarrer  Prinhert  xii 
8trazgang.  6.  Mystische  Verehrung  (Jottes  an  den  sieben  Wochentagen.  7.  Myttisch- 
theologisch-aseetische  Betrachtungen.  8.  Moral  gegen  Unmässigkeit  und  Wollust, 
nach  Boethius  „De  consolationo  philosophicae". 

15  bis  18.    Wxtx  klfinc  ^tbetbudjtl  au$  bem  ffinf|el)iiten  ^al)rljimbntf. 

Diese  vier  interessanten  Werkchen  enthalten  verschiedene  Handschriften  in 
deutscher  und  lateinischer  Sprache.  Es  sind  kleine  Gebetbücher  der  wohlfeilsten 
Art,  wie  sie  sich  „der  gemeine  Mann",  der  überhaupt  zu  lesen  verstand,  eben  nur 
erzeugen  konnte.  Das  eine  derselben  enthält  als  Knopf  des  Verschlussbandes  eine 
gehenkelte  altromische  ächte  Kupfermünze.  In  der  Regel  aber  dienten  zum  Ver- 
schluss der  einer  Brieftasche  ähnlichen  Bucheinbände  ganz  sehmale  Leder  streifchen, 
die  einfach  zugebunden  wurden.  Proben  von  häuslichen  Erbaunngsbüchern,  wie  sie  im 
Mittelalter  bei  reichenden  Leuten  üblich  wai'en,  führten  wir  unter  9,  10  und  11  vor. 

19.  jSHagiflcr    ^uribartu».     (Ein    beutrd)ed    ^d)ulbud)^    gefä)ricbm    in 
Sulzbach  1406.  —  Gross  Octav-Format.1 

Ein  1&€  Blätter  umfassendes  Leltrbtich,  in  Frage  und  Antwort  abgefasst.  welches 
in  seinem  stellenweise  höchst  lächerlichen  Inhalte  ein  drastisches  Bild  von  dem 
blühenden  Unsinn  giebt,  der  damals  in  den  Schulen  gelehrt  worden  ist.  So  erfuhrt 
man  auf  Blatt  4,  dass  der  Teufel  nur  einei. halbe  Stunde  im  Himmel  gewohnt  habe; 
auf  der  Kehrseite  desselben  Blattes  wird  die  geographische  Lage  der  Hölle  genau  l)e- 
schrieben;  Blatt  7  und  folgende  geben  die  Beschreibung  des  Paradieses  und  des 
ei'sten  Menschenpaares.  Unglaubliches  wird  auf  Blatt  10  und  folgende  auf  dem  (Jc- 
biete  der  Geographie ,  der  Völkerkunde  etc.  geleistet.  Mit  dem  128.  Blatte  schliesst 
das  eigentliche  Schulbuch  und  es  beginnt  auf  der  Kehrseite  desselben  Blattes  eine 
medicinische  Abhandlung,  welche  die  übrigen  Seiten  des  interessanteir  Buches  füllt.  — 

20.  (Beifllidje  (6cfäni^c  bes  lo.  3al)rl)unbertö.  —  (Srof?  Jolio-3?ormat. 

Ein  in  grosser  Antiqua-Schrift  ausgeführtes  Manuscript  mit  Musik-Noten.  — 

21.  (£in  IJreinarium  awa  htm  l.">.  3al)rl)imbcrte.  —  iDuobej-^^ormaU 

Ein  mit  wunderbarer  Correctheit  in  ziemlich  grosser  Mönchssclirift  hergestelltes 
Pergament -Mamtso'ipt   von    beträchtlichem    Umfange.      Die    Kehrseite    des    achten 


—     Handschriftliche  Werke.     — 


3 


BlAttes  zeigt  eine  mit  Gold  gehöhte  MinUture,  die  Jungfrau  mit  dem  Kinde  dar- 
stellend, und  die  Vorderseite  des  neunten  Blattes  einen  mit  Gold  gehöhten  Initiul- 
bucbstaben.  — 

22.  yatfinirdjce  CSJtfanjbud)  bcö  15.  ^Äl)rl)unbcrt9.   —  IDrtau-Jormat. 

Enthält  kirchliehe  Gesänge  mit  Musiknoten.    Schöne  Pergament-Handschrift.  — 

23.  ^in  j^faitfrium  aus  bcin  fünf^cl)ntnt  3ai)rl)unb(rt(«  —  i$cbc|-3^ormat 

Saubere  Pergament  -  Handschrift  in  mittelgrosser  Mönrhsschrift  mit  rothen  und 
blauen  Initialen,  von  denen  die  grösseren  mit  Gold  gehöht  sind.  Original-Klnband 
von  gepresstem  Schweinsleder.  — 

24  bis  26.    ^rbrtimg  vom  l)(tUgnt  ;?lbmbmal)l  unb  Jde^rabm^^  n(b|l  bcn 
sieben  Busspsalmen,  15.  Jahrhundert.  —  Octav-Fonnat. 

No.  S4 :  Bin  deutsch-lateinisches  Pergament-Manuscript  in  ziemlich  grosser  Mönchs- 
schrift mit  Musiknoten.  Unter  No.  25  und  26  folgen  zwei  ähnliche  kleine  handschrift- 
liche Bücher  ans  derselben  Zeit.  — 

27.  <^ro^w  ptrgamfnt-lftin'ale  bca  15.  ^al)rl)unbfrtft.  —  C^roß  3FoUo- 
Format. 

Prachtvolle  Handschrift  mit  Musik-Not&n  in  sehr  grosser  Missalsohri/t*  Den  Ein- 
gang zieren  fein  gemalte  Initialen  mit  Miniaturen,  durch  Gold  erhöht.  Einband, 
Bukein  und  Verschlussbänder  sind  höchst  originell  und  praktisch.  — 

28.  Jir«ltfr  mit  ^ultk-Uotni  aus  brm  15.  5al)rt)unbertt.  —  ß^oUo- 
Format. 

Handschrüft  auf  starkes  Papier  in  Anti({na  ausgeführt.  Alter  Original -Ein1)and 
von  dunklem  F^der  mit  Pressung.  — 

29.  |ralcimrd)e  ^trt^enjefänge  bre  15.  ^al)rl)unbfrt».  —  Jk\nn  jÖiiart- 
Format. 

Ein  Pergament-Manuscript  in  ziemlich  grosser  Mönchsschrift  mit  Musik-Noten. 
Bemerkens werth  ist,  dass  in  deutscher  Sprache  mit  rother  Schrift  Anweisungen  für 
die  Ausübung  des  (iosanges  in  kurzen  Notizen  eingestreut  sind.  Schön  geprosster 
Originol-Blnband  von  Schweinsleder.  — 

30.  JJftnie  Qromfptor.    l^iptoria  ^d)oUflira ;   anno  1440.  —   Jluart- 
Fonnat. 

Ein  umfangreiches  Manuscript  mit  hübscher  Handschrift.  Das  Work  ist  im 
zwölften  Jahrhunderte  von  Petrus  Comestor,  einem  Zeitgenossen  des  Petrus  Lombardus, 
verfa^sn  und  zuerst  in  Strassburg  circa  1469  im  Druck  erschienen:  es  giebt  eine 
Bearbeitung  und  Erläuterung  der  ganzen  biblisohen  Geschichte.  Vergleiche  No.  187 
nnserer  Sammlung.  — 

31.  ^oljanufö   be   ^ttia:   jSumma  J»ecretal!um.    15.  ,^al)rl)unbcvt.  — 
Octav-Format. 

Manuscript  auf  Papier  in  zweierlei  äusserst  zierlichen  Handschriften.  — 

32.  prtri  $(rd)orti  .|)fctamen|id :  iDirttonartum  mU()o  Heprrtorium  moraU. 
15.  Jahrhundert.  —  Quart- Format. 

Hübsch  geschriebenes  Werk,  zuerst  gedruckt  1489  von  Koburger  in  Nürnl)erg, 
später  auch  an  andern  Orten.     Das  Buch  hängt  an  der  Kette.  — 

33.  |)turnaU  SJambergenrc;   15.  Sal)rl)unbert.  —  MUin  Suart-Jormat. 

Kin  reizendes  Pergament-Manuscript  von  beträchtlichem  Umfange,  mit  einer  über- 
aus zierlichen  Uiimischrili  ausgeführt  und  mit  reichen  in  (juld  gehöhten  Initialen 
geziert.  Alter  Üriginal-Einband  in  Schweinsleder ,  mit  reizender  Pressung  und 
Mossing-Bükelr«  — 

I* 


4  —     Erste   Abtheilung.     — 

34.  Fragment  nncr  bfiitfd)eii  (ötfd)id)te  bcft  nnim  8:cflametiUö  aus  htm 
15.  Jahrhunderte.  —  Klein  Quart-Format. 

Die  sieben  Blätter  enthaltende  Handschrift  zeigt  auf  der  Kehrseite  des  ersten 
Blattes  eine  ziemlich  rohe  bildliche  Darstellung :  Die  Anbetung  des  Jesuskindes.  Die 
Schrift  ist  ziemlich  gross  und  deutlich.  — 

35.  ¥Äteimfd)er  ÖTobfj:  aus  htm  15.  ^al)rl)unbcrlf.  —  JoUo-Jormat. 

In  mittelgrosser  Mönchsschrifi  abgefasstes  Pergament -Manuscript  ascetischen 
Inhaltes.    Alter  OriginaUEinband  von  Schweinsleder.  — 

36.  ^^Ji)'\t  \)tbt  fxd)  an  öas  pud)  h^   l^eilign  ^U  ||  uatcr  unb  »on  er(l 
f    Sand  pauls  lehn  ||  des  ersten  ainsidel."  —  Gross  Octav-Format. 

I   Handschriftlicher  deutscher  Original- Codex  aus  der   ersten  Hälfte  des  15.  Jahr- 
hunderts.   Origineller  Ledereinband  mit  Verschlussbändern.  — 

37.  -„jDaö  ^wd)  genant  (Sin  5«pifgfl  rinftj  tioUkomni  Icbtns^.  (ffrpe 
Hälfte  des  15.  Jahrhunderts.  —  Klein  Octav-Format. 

Ziemlich  umfängliche  Handschrift  auf  Papier,    (iuterhaltener  I^dereinband.   — 

38.  ,,iDa9  i(l  bie  notel  mm  ain  fruiue  (Icrbtn  utiU**  IDerganunt- 
Handschrift  aus  der  ersten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts.  — 
Octav-Format. 

39.  SDffiriaU.  Jatcinird)  unb  bcutfd)  jjffd)rifbrner  QLohtr  uom  ^al)rc  1436. 
Folio-Format. 

Ein  prachtvolles  Pergament-Manuscript  von  236  Blättern  mit  über  400  reizenden 
Initialen  und  Miniaturen ,  von  kostbarer  Erhaltung  und  luxuriösester  Ausstatttmg. 
Das  Bedeutungstollste  aber  bietet  der  OriginaUEinband:  Die  mit  dickem  Schweins- 
leder überzogene  starke  Holz-Einbanddecke  ist  in  der  Mitte  und  an  den  acht  ]<>ken 
mit  alten  höchst  merkwürdigen  Messingbeschlägen  und  ebenfalls  inessiogbeschlugenen 
Verschlussbändcrn  von  starkem  Leder  versehen.  Die  ganze  Vorder-  und  Hückseite 
der  Einbanddecke  ist  mit  kleinen  originellen  Ornamenten  geziert,  Avelchc  mittels 
Stanze  in  das  Leder  eingepresst  wurden ;  alle  diese  Beschläge  und  Ornamente  zeigen 
in  ihrem  Stil  romanische  Motive. 

Zwei  Centimeter  vom  äussern  Kandc  des  Deckels  abstehend  läuft  ringsum  auf 
der  Vorderseite  eine  lateinische,  auf  der  Uuckseite  eine  deutsche  Inschrift.  Diese 
Schrift  ist  unstreitig  mit  einzelne^i,  beweglichen  Typen  oder  Stanzen  in  da8  Pergament 
hineingedrückt,  denn  man  bemerkt  zwischen  jedem  Buchstaben  eine  erhöhte  Linie, 
welche  die  kleinen  Zirischenrüume  der  Typen  kennzeichnet. 

Aus  der  Schrift  erfährt  man,  dass  der  Mönch  Conrad  Forster  zu  Nürnberg  im 
Jahre  14S6  das  Buch  eingebunden  hat,  und  es  geht  also  zur  Evidenz  daraus  hervor, 
dass  man  schon  vor  Erßndung  des  JBuehdrttcks  bewegliche  Metallbiichstaben  gehabt 
hat,  und  dass  man  bereits  dicht  vor  der  Thür  des  Geheimnisses  stand,  durch  iielche 
tTofuinn  Outenherg  in  glücklicher  Ideen-  Combination  nur  zu  dem  befreienden 
Gedanken  seiner  neltbewegenden  Erfindung  iiinaustreten  durfte. 

Die  lateinische  Schrift  der  Vorderseite  lautet:  Anno  dnl.  M.CCCCXXXVI  liher 
iste  ligatus  est  per  fratre  Conradü  forster  de  onolspach  sacristS  Conventus  Nuiem- 
bergcnsis  ordls  prcdicatorum."  Nach  der  deutschen  Inschrift  der  Rückseite  ist  da^ 
grossartige  Manuscript  das  Werk  der  Schwester  Maria  Katharina  Ursula  Barbara  im 
Katharinenkloster  zu  Nürnberg. 

An  dem  ganzen  umfänglichen  und  herrlich  geschriebenen  Pergament -Codex  ist 
Alles  Original,  Alles  aber  auch  ist  gleichmässig  gut  erhalten  und  hat  dem  lan;,'en 
Zeiträume  von  nahezu  450  Jahren  Trotz  geboten,  ein  Meisterstück  der  Buch- 
binderkunst und  der  Kalligraphie.  —  ' 


—     Handschriftliche  Werke.     —  5 

40.  ^uöfdjrnbfn  beft  OTonctlft  ju  V^titti,  1437.  —  iDctau-:3!FormÄt. 

Kleine  deutsche  Handschrift  von  neun  Blättern  auf  starkem  Papier  mit  vollstän- 
diger Datirung.  — 

41.  dDompcnbium  tl)eologic«f  »tritatie.    ^imo  1446.  —  3^oUo  -  3^onnat. 

Ein  umfangreiches  Manuscript  auf  Papier.    Alter  Einband  von  Schweinsleder.  — 

42.  Cörofjfft  Utrinifd)«  53rtiiiarium  in  }wti  13änbcn,  gefdjricben  wnb 
vollendet  zu  Nürnberg  1446  und  1452,    in  grösstem  Folio. 

Ein    Riesenwerk   der  Kalligraphie   und  Miniaturmalerei   auf  ausgesucht  schönes 
Pergament  geschrieben.    Der  Wintertheil  dieses  Breviarium  enthtilt  auf  d^m  ersten 
Blatte  folgende  Inschrift:   y,tlQ(t)  fpi  Qfpnrt  M°  ctct,  jn  be  f lo}  iar  t)at  bif)  bud)  qe  j 
fdjribr  frara  anna  grnmperger  ||  itt  borQfrin  c^n  ttnr  qn  nn$  ||  bem  dofter  qn  fant  hat^rein| 
in    nur   pbig'orbens.  ptt  gotll  fnr  fte." 

Demnach  scheint  dieser  Theil  ein  Geschenk  der  liürgerin  Anna  Grnmperger 
an  das  Kloster  St.  Katharina  gewesen  xu  sein.  Jedenfalls  im  Aufkrage  desselben 
Klosters  wurde  später  von  der  Nonne  Margaretha  der  Sommerfheü  dazu  gefertigt, 
denn  dieser,  in  Ausstattung  dem  Wintertheil  vollkommen  entsprechend,  zeigt  auf 
dem  ersten  Blatte  folgende  Inschrift:  „Hod)  3fpi  gepurt  .  ||  ill° .  CCCC<> .  }n  bem  Itj  ||  Jjttt 
bif;  bOi^  gefdiribrn  .  ^toeflrr  .  |i  illargaretl)a  harten  i|  ferin .  ®jn  nn$  ire  ||  doflrr  .  qti 
3otit  Äol.t^eriiia  jn  nnreiij  jberg  .  prebiger  or|!betiB  .pit  got  furllfie." 

Die  beiden  prachtigen  Pergamont-Einbände  sind  abermals  ein  Werk  des  Bruder 
Conrad  Forster  von  Onoldsbach  im  Augustinerkloster  zu  Nürnberg,  denn  auch  hier 
zeigt  wie  beim  Officiale  unter  No.  .39  die  gepresste  Inschrift  dieses  an,  woraus 
die  Thätigkeit  dieses  kunstreichen  Mönches  durch  mindestens  16  Jahre  erwiesen 
wird.  Die  Schönheit  und  der  Reichthum  der  Miniaturen  und  sonstigen  Malereien 
dieses  kostbaren  Schriftwerkes  trotzen  jeder  Beschreibung.  — 

43.  fateinifd)f$  löreiiiarmm  uom  M))xt  1447.  —  Ikitm  ?Durtrt-;jFormat. 

Schöne  Pergament-Handschrift  mit  reizenden  Initialen  und  Datirung.  Branner 
gepresster  Ledereinband  mit  grün  oxidirten  Schliessen.    — 

44.  1öaiibfd)riftad)er  Ablaßbrief  uom  ^al)re  1454.  —  JoUo-3?onnat. 

Auf  Pergataient  geschrieben.  Der  Ablass  ist  ausgestellt  auf  Johanm  Gerhard , 
Vicarius  der  Bartholomäuskirche  zu  Frankfurt  am  Main.  — 

45.  ^,Jla»  Pwd)  fa^t  uon  ben  ^t\)tn  gcbotl)en  gotteö.*^  —  Jlwatt-JorTnat. 

Pergament  -  Manuscript  aus  der  zweiten  Hälfte  des  15«  Jahrhunderts  mit  einem 
schönen  in  Gold  gehöhten  Initialbuchstaben  auf  dem  ersten  Blatte.  — 

46.  dohtr  ?3ibliorum.     ecfdjruben   um  hM  3al)r  1470.   —  |Uittel 
Folio-Format. 

Ein  prachtiges  Manuscript  auf  Papier  in  schöner  kleiner  Handschrift.  — 

47.  I^enricuö  pifloris:  ^bmonitioneö  ftl)ifae4  —  JoUo-3^ormat* 

Manuscript-Codex  auf  Papier  vom  Jahre  1475.  Brauner  gepresster  Ledereinband.  — 

48.  '^^enricuö  ^rimencnpö«  Sractahw  be  quatuor  »irtutibu»  carbtnalibus. 
1475.  —  Quart-Foiinat. 

I^ateinische  Handschrift  mit  Datirung.  Das  Buch  y^ron  den  vier  Haupt- 
Tugenden"-  wurde  um  dieselbe  Zeit  in  Strassbnrg  auch  bereits  gedruckt.  — 

49.  Jatrinifd)«  ?3rcütanum  »om  ^aljre  1483.  —  SDuart-ßFormat. 

Ein  schönes  umfangreiches  Pergament-Manuscripi  mit  sehr  vielen  grossen  und 
kleinen  Initialen  und  Musiknoten.  Brauner  Ledereinband  mit  reicher  Pressung  und 
^rün  oxidirten  Messingschliessen.  — 


6  —     Erste  Abtheilung,     — 

50.  €in  Slatt  aus  einem  pergÄment-piiffÄle  be*  15.  3«l!)tl)untert$.  — 
Folio-Format. 

Das  Initial  A  ist  eine  10  Centimeter  im  Quadrat  messende  Miniatnre  in  schönen 
Farben  tuad  reicher  Goldhöhung.  — 

51.  €me  kleine  Jlergameitt^aiiöfdjrift  be««  15.  ^al)rl)unbertfl.  —  JDuobej- 
Format;  zwkchen  Dop^lglas  und  Messingrahmen. 

Ein  äusserst  zierliches  Mmiuscript  mit  18  feinen  Initialen  in  Farben  und  (lOld, 
und  zwei  schönen  Bordüren  in  geschmackvoller  Ausführung.  — 


^ol}tafeb2)racfe* 


52.  ^Uleiiber  beij  ^oljanne»  ht  C5amimbia  »om  ^aljre  1439.    ^^oljtafel- 
Druck  von  der  Originalplatte. 

Der  älteste  bis  jetzt  bekannte  deutsche  Calender ,  von  dem  Astronomen  Johann 
von  Umünden  am  Traunsee  verfasst,  und  1439  in  Holztafeldruck  ausgeführt.  Die 
Original-Platte  wurde  in  Nürnberg  aufgefunden.  — 

53.  (XLVi)  „J»ie  kunfl  Otiromanüa.^'  ^on  Jlr.  ^oljann  f)artUeb.  |)ol)t«fel- 

Druck   von  Jörg  Schapff  in  Augsburg  um  7450,   mit  der 
Jahrzcdil  1448  versehen. 

Die  Kunst,  aus  der  Hand  »wahrzusagen,  wurde  im  Jahre  1448  zuerst  von  Dr.  Johann 
Hartlieb  aus  dem  Lateinischen  übersetzt,  und  auf  48  Holztafeln  xylographisch  dar- 
gestellt. Es  giebt  von  dieser  werthvoUen  Seltenheit  ersten  Kaages  nur  noch  6  com- 
plete  Exemplare,  von  verschiedenen  Ausgaben.  Unser  Exemplar  ist  jedoch  insofern 
ünictwn,  als  es  der  aller/rühesten  Ausgabe  augehört,  und  jedenfalls,  bald  nach 
der  Fertigstellung  durch  den  Autor,  von  Oeorg  Schapff  in  Holz  geschnitten  und 
gedruckt,  daher  wahrscheinlich  bis  zum  Jahre  14ßO  tfoUetidet  wurde.  — 

Dieses  complete  Exemplar  ist  daher  auch  noch  ohne  besondern  Titel»  ebenso 
fehlen  ihm  die  Signaturen  der  drei  Blattlagen  und  am  Schlüsse  des  letzten  Blattes  auch 
der  Name  des  Formschneiders  „jorg  schapff^  zu  Augsburg.  Dies  Alles  wurde  erst 
bei  den  späteren  Auflagen  in  die  Holztafeln  eingefügt. 

Da  nun  alle  Bibliographen,  welche  das  seltene  xylographlsche  Produet  besehreiben, 
nur  die  später  gedruckten  Exemplare  der  Staatsbibliotheken  zu  Wien,  München,  Wolfen- 
büttel, Paris  und  bei  Lord  Spencer  in  Althorp  kannten,  so  hat  man  angenommen« 
dass  das  Werk  erst  um  1470  hergestellt  sei,  weil  man  namentlich  Signaturen  vor- 
her nicht  kannte  und  anwendete. 

Es  ist  aber  gar  nicht  anzunehmen,  dass  der  Autor  das  Werk  im  Jahre  1448  für 
den  xylographiscben  Buchdruck  gezeichnet,  und  dann  bis  zwanzig  Jahre  nach  Er^ 
findung  des  Drucks  mit  beweglichen  Typen  liegen  gelassen  haben  sollte,  ohne  einen 
so  gesuchten  Gegenstand  zu  verwerthen. 

Unser  prächtiges  Exemplar  löst  daher  —  wie  so  viele  seltene  Gegenstände  unsei*er 
Sammlung  —  ein  wichtiges  bibliographisches  liäthsel ;  und  den  sichersten  Ben  eis  für 
unsere  Annahme  giebt  von  selbst  der  Umstand,  dass  unser  Exemplar  nicht  erst  auf 
der  Buchdruckpresse  nach  Guten bergs  Erfindung,  sondern  nach  dem  ältesten  Verfahren 
des  Holztafeldruckes  hlos  einseitig  nUt  dem  Jieiber  gedrueht,  und  di& 
Blätter  alsdann  je  swei  und  zwei  mit  den  leeren  Röcksraiten  Sn  Eins  zusammen- 
geklebt sind. 

Eisen  femeni  Beweis  für  das  grössere  ATter  unsers  Unicum  liefert  der  Umstand,. 
di^LSii  an  Stelle  des  Titels,  der  sich  bei  den  andern  Ex«m01«ren  auch  am  Sobhisse  des 


—     Holztafel-Drucke.     —  y 

jiuches  wiederholt,  hier  zwei  andere  reichverzierte  Blätter  vorhanden  sind,  die  den 
Umschlag  des  Buches  bilden.  Jedenfalls  ist  unser  Exemplar  das  werthvoUste  von 
allen  noch  existirenden  ,  und  bildet  einen  wahren  Edelstein  unter  den  Schätzen  des 
Kücberdrucks  vor  Einführung  der  betoeglichen  Typen  durch  Johann  Gutenberg.  — 

54.  ^^jOer  Srijurm  bcr  Ulmljcit.*^    "li^oljtaW-iDnidi  au9  htm  15.  ^al)r- 
hunderte.  —  Gross  Folio-Format. 

Alt  colorirt  und  zwischen  (»las  und  Rahmen  gefasst.  Ein  äusserst  inhaltreiches 
Blatt.  — 

55.  iDer    \}t\i\c^t   ^ebaflian.     Knbekaniiter   "jtioljtafel  -  jOrudt    au»    htm 
15.  Jahrhunderte.  —  Folio-Format. 

56.  (Bin  IBlatt   in  l^ai^tafd-iDruäi   au«   htm  (üaUnber   ht^  IKlagtltn: 
Johann  von  Kungsperk,  anno  1473.  —  Folio-Format. 

57.  jDonatuö    in    latcinifdjcr   ^pradje.     lijaljtafel-jDrudi   uon   Conrab 
Dinckmut  in  Ulm,  circa  1475.  —  Folio-Fwmat. 

^ur  noch  in  ein  paar  Fragmenten  bekannter  Hoktafel-Druck,  und  eines  der  frii- 
hcsten  Ulmer  Druckerzeugnisse,  obgleich  wir  nur  erst  das  Jahr  1476  als  muthmaes- 
liches  Druckjahr  angenommen  haben.  Da  hiernach  Conrad  Dincknmi,  der  bisher  als 
Drucker  mit  bew^cglichen  Typen  nur  erst  von  1488  ab  bekannt  ist,  gleich  seinem 
Vorgänger  Hohenicang  ursprünglich  jedenfalls  Briefdrucker  und  Formschneider  ge- 
wesen, so  ist  sogar  nicht  ausgeschlossen,  dass  der  Druck  unsers  interessanten  Donat 
noch  in  die  sechsziger  Jahre  des  fünfzehnten  Jahrhunderts  zurückreicht ,  wo  der 
Druck  solcher  kleinen  lateinischen  Sprachlehren  besonders  stark  betrieben  wurdo. 

Wenn  trotzdem  selbst  Fragmente  solcher  Holztafel-Drucke,  wie  der  unsrige,  zu 
den  Seltenheiten  ersten  Ranges  zahlen,  so  erklärt  sich  dies  leicht  dadurch,  dass 
Schulbücher  eben  durch  den  starken  Gebrauch  völlig  abgenützt  wurden  und  dann 
verschwanden.  Auch  von  unserm  schönen  Donat  -  Fragmente  existirt  sicher  kein 
completes  Exemplar  mehr,  und  es  ist  als  ein  Glück  zu  betrachten,  dass  hier  nicht 
nur  dass  erste  Blatt  mit  dem  grossen  Initialbuchstaben  P,  dessen  Ausläufer  eine 
herrliche  Bordüre  um  die  ganze  Druckseite  bilden ,  sondern  dass  auch  das  leiste 
Blatt  mit  der  Druckfirma  so  schön  erhalten  ist. 

Ohne  dieses  Colophon  wäi*e  der  Ursprung  dieses  ehrwürdigen  Druckdenkmals 
kaum  zu  vermuthen  gewesen.  Das  erste  Blatt  ist  auf  beiden  Seiten  mit  je  sieben- 
nndzwanzig  Zeilen  bedruckt;  dass  letzte  Blatt  giebt  noch  zwölf  Zeilen  und  das  vier- 
zeiiige  Colophon:  ,,®tto  ßarriuin  ffranoni«.  II  bffttHt«s  ,  per  (Itunrabum  II btnckmnt 

iJlmMis  #pßibi.  II  Ciunn  imerCWnS  finit  itYmV*  Dieser  prächtige  Holztafel-Druck- 
in sehr  grossen  Charakteren  geseichnet,  ist  zugleich  ein  wichtiges  Document  zur 
Ifuchdrucker-Geschichte  von  Ulm.  — 

58.  :i'atcimrd)£r  iDri9inal-.3^bUPntf  uom  .Sal)re  1482.  —  %\\vc  ^FoUo- 
Format. 

Die  grosse  Ungleichheit  der  Buchstaben  dieses  seltenen  Einzelblatt-Druckes  lässt 
deutlich  erkennen,  dass  wir  hier  einen  Holztafel- Druck  vor  uns  haben,  obgleich  von 
andern  Seiten  einzeln  geschnitzte  Typen  angenommen  worden  sind. 

Dergleichen  Holzplatten  wurden  für  bestimmte  kleinere  Drucksachen  selbst  noch 
lange  nach  Erfindung  der  beweglichen  gegossenen  Typen  angewendet,  besonders  von 
I'.ricfdruckern  und  Formschneidern,  die  keine  Schriftgiesserei  besassen.. 

Die  Form  der  Buchstaben  zeigt  übrigens  eino  auffallende  Aehnlichkeit  mit  den 
typograpliischen  Erzeugnissen  Friedrich  Creussner's  in  Nürnberg  und  wir  kommen 
in  der  zweiten  Abtbellung  unter  No.  74»  hierauf  noch  näher  zu  sprechen.  Die  Be- 
schaffenheit der  leeren  Rückseite  des  Blattes  lässt  darauf  schliessen,  dass  es  nicht 
mit  dem  Reiber,  sondern  auf  der  Presse  gedruckt  worden  ist. 


8  —     Erste  Abtheilung.     — 

Verkauft  wurde  der  Ablassbrief  durch  den  Klosterbruder  Petrus  Ciaidianus  von 
München  im  Auftrage  von  Papst  Sixtus  dem  Vierten.  Das  guterhaltene  Exemplar 
ist  zNvischen  Doppelglas  in  Messingrahmen  gefasst. 

59.  jPie  fünf  Wmhtn  QL^xxfil     (gin  ^bU^-?öilb  uom  3fll)re  USo, 
dessen  Original-Holzstock  sich  in  unserer  Sammlung  befindet. 

Dieses  interessante  alte  Bild  zeigt  in  der  Mitte,  umgeben  von  einer  Dornenkrone, 
ein  Herz,  aus  dessen  klaffender  Wunde  das  Blut  träufelt;  in  den  vier  Ecken  des 
Bildes  sind  die  gleichfalls  mit  den  Wundmalen  bed^^ckten  Hände  und  Füsse  des 
Heilandes  veranschaulicht.  In  der  Mitte  oben  befindet  sich  eine  Tafel  mit  „tThs*^ 
und  unten  eine  gleiche  mit  ^fXps",     (Jhesus  Christus).     Die  Unterschrift  lautot: 

Mpstr  infajtnbigtr  ^irthcl  fn  btm  fetrt^:  br^niijtt  bie  foar^afftigcn  leng  bitb 
bmite  |{  bcr  baunbtn  btr  seittcn  xpi  foelc^t  nxt  it^lit^  nunst^  mit  fcoarer  refo  bnb 
ptk^t  Ä'  I '  mit  anbat^t  ansitbt  btrbient  bij  jar  bcrgebüg  aUtr  sunb  linrc^  bcr- 
itg^üg  bcs  I  beiücten  battrs  bnnb  ^ern  f  notencg  ^t^  ac^tm  pabst  als  üfft  bas 
bwcbrc^t  2*VQ".  — 

Veranstaltet  wurde  dieser  Ablassbrief  vom  Papst  Innocenss  VIII.  im  Jahre  1485  zu 
Nnrnherfj ,  doch  zählt  derselbe  zu  den  sogenannten  „unächten",  die  von  späteren 
Päpsten  desavouirt  wurden.  Die  Strassburger  Bibliothek  besitzt  einen  alten  Original- 
Druck  hiervon.  — 

60.  ^oljtaffl-Jlrutk  auö  bcm  €nbc  brs  15.  ^al)rl)imbertö ,    gebnwkt  >u 
Augsburg  durch  Hans  Hofer,  Briefmaler.   Lang  Folio-Blatt. 

]']s  beweist  dieses  interessante  mit  sehr  grosser  Schrift  gedruckte  Blatt,  dass 
man  sich  für  gewisse  kleinere  Drucksachen  noch  lange  nach  Gutenbergs  Erfindung 
des  Holztafeldrucks  bediente,  nur  dass  man  ihn  nicht  mehr  mit  dem  Keiber,  sondern 
auf  der  Buchdruckpresse  ausführte. 

Unser  Exemplar,  zwischen  Glas  und  Rahmen  gefasst,  ist  wahrscheinlich  Vnioni} 
und  dessen  Drucker  kaum  bekannt;  es  ist  aus  zwei  Stücken  zusammengesetzt,  weil 
das  (ianze  jedenfalls  eine  zu  grosse  Holzplatte  erfordert  haben  würde.  — 

61.  (Kine  Ifanbkartc  uon  |3alä|liiia,  (Enbf  bes  15.  J^aljrljimbcrt"} ^  bcrnt 
Original-Holzstock  sich  in  unserer  Sammlung  befindet. 

Es  sind  nur  sehr  primitive  Umrisse  Und  Linien,  die  den  Bestandtheil  dieser  Karte 
bflden  und  man  würde  sicher  nicht  ahnen  können,  welches  Land  dargestellt  werden 
sollte,  wenn  die  eingedruckten  Ortsbezeichnungen  nicht  auf  Palästina  deuteten;  ein 
interessantes  Zeugniss  für  die  geringe  Ausbreitung,  welche  die  geographischen  Kennt- 
nisse damals  noch  gewonnen  hatten.  — 

62.  (gilt  Jlu^blatt  awf  ^^arl  IL  »on  (Sitjlanb/um  tm  3«J)t^  1660. 

Das  Blatt  stellt  in  einem  hügelichen  Felde  eine  grosse  Anzahl  von  Galgen  vor, 
an  deren  einem  drei  Menschen  baumeln;  an  den  andern  sind  einzelne  mensdhliclie 
Gliedmassen  aufgehängt;  links  im  Vordergrunde  ist  der  Henker  damit  beschäftigt, 
die  todtcn  Leiber  mehrer  Menschen  zu  zerstücken.  Ueber  der  Abbildung  steht  in 
einem  Bande:  y.E'xecution  der  Englischen  Königs -Yerräther"-. 

Das  Blatt  bezieht  sich  auf  den  Antritt  der  Regierung  Karls  II.  von  England, 
der  die  Mitglieder  des  Parlamentes ,  welches  seinen  Vater  Karl  1.  hatte  hinrichten 
lassen,  den  Händen  des  Henkers  überlieferte,  ja  sogar  die  Leichname  der  Haupt- 
anführer der  revolutionären  Partei  aus  den  Gräbern  reissen,  schleifen,  zerstückeln 
und  an  den  Galgen  hängen  Hess.  Der  Original  -  Holzstock  dieses  schauerlichen 
Blattes  befindet  sich  in  vmserer  Sammlung.  — 

63.  5»d)ablonfn  -  Jirudi   uom  |Jrtl)re  1461;   du  5d)mäl)bilb  gegen  einen 
Grafen  Niclas  von  Abensberg. 

Schon  lange  vor  Erfindung  des  Holztafel-Druckcs  kannte  man  den  Sehablonen- 
DrueJc ,  und   bediente  sich  dessen  zur  Darstellung  von  Bildern  und  Schrift     B«- 


—     Holztafel-Drucke.     —  g 

sonders  die  KamensuuterscUiHften  wurden  häufig  mit  einer  Schablone  oder  Patronr- 
in  Form  eines  dünnen  Blechbluttchens  ausgeführt,  in  welchem  die  Buchstaben  aus- 
geschnitten waren  und  über  die  man  einen  mit  Farbe  getränkten  Pinsel  hinweg- 
führte. Das  Original  dieses  Schmähbildes  existirt  nur  in  einem  einzigen  Exemplare.  — 

64.  (fTonfffponalf  ou  ,,?3eid)tfpu9el  nad)  bcn  ?cl)n  (Sfboten*%  rcprobuit 
en  facsimile  avec  une  introductioA  par  J.  W.  Holtrop .  La 
Haye.    Klein  Quart-Format. 

65.  ^^agmtntc  oon  bnitfd)«n  (grbammgebüdjern.  ^^arfimiUö  uon  ?jol|tafcl- 
Drucken  aus  der  Zeit  vor  Gutenberg-. 

66.  Cgin  Sllatt  au^  beti  ,,Jfmfjel)n  ^tx^tw  be»  jiini^flcn  (!5cridit6'\ 
Holztafel-Druck  vom  Brief  maier  Junghanss  in  Xüniberg*  vom 
Jahre  1472.  Facsimile  nach  dem  Exemplar  der  Gothaer 
Hofbibliothek.  — 


Ferner  befinden  sich  in  unserer  Sammlung  noch  folgende 
SolztCLfel-Dr liehe  in  getreuen  Facsimiles,  welche  diese  früheste 
Art  des  Bücherdruckes  vollständig  vergegenwärtigen:  67:  Der  heilige 
Christoph  von  1423»  nach  dem  Unicum  in  Lord  Spencers  Bibliothek. 
Ferner  68:  Einzelblätter  aus  der  „Apocalypse" ;  69:  „Ars  memo- 
randi";  70:  „Ars  moriendi";  71:  „Entkrist";  72:  „Fünfzehn  Zeichen 
des  jüngsten  Gerichts";  78:  „Biblia  pauperum";  74:  „Spie^ghel  der 
menscheliker  Behoudenisse";  76:  „Das  hohe  Lied  oder  Historia 
B.  V.  Mariae";  76:  „Defensorium  inviolatae  Virginitatis  b.  Virginis 
Mariae";  77:  „Buch  der  Könige";  78:  „Symbolum  Apostolicum"  ; 
79:  „Confessionale  oder  Beichtspiegel**;  80:  „Todtentanz";  81:  „Fabel 
vom  kranken  Löwen"  und  82:  ,, Legende  vom  heiligen  Meinrad", 
die  sich  übrigens  unter  ^,Basel'*  auch  in  der  höchst  seltenen  Aus- 
gabe mit  beweglichen  Typen  ^  von  Michael  Furter  1496  gedruckt, 
in  einem  vorzüglich  schön  erhaltenen  Exemplare  bei  uns  vorfindet, 
in  welcher  die  alten  Original-Holzstöcke  mit  den  Bildern  nochmals 
Verwendung  gefunden  haben.  — 


Swcite  2tbtbeitung< 


Der  ORuc^ktt^  mit  ßetDcglidjm  Sypen 

in    feiner  ientwicfelunö   ^a^•0cftc^t   i»urcl?  befcni>cr6   d7araPtcrifltifcl7e 
unt>  feltene  jDrucfwerFe  von  (ßutenberöß  5«lt  ab. 


PorbcmcrEungen. 


Im  Nachfulgenden  sind  zuräclist  die  frühesten  18  Druckorte  von  14M)  bis  1470 
in  chronologischer  Ordnung  verzeichnet,  ebenso  sind  ilire  Typographen,  soweit  die 
Jabre  ihrer  Wirksamkeit  bekannt  oder  zu  ermitteln  gewesen,  nach  der  Zeitfolge 
aufgeführt. 

Zu  den  Druckorten  bis  1470  zahlt  man  zwar  auch  das  Städtchen  Trevi  in  Italien, 
(loch  war  hier  ein  gewisser  Johann  Keynard  aus  Deutschland  jedenfalls  nur  als 
Wandet' -  Ti/pograph  vorübergehend  thätig,  und  erscheint  1475  in  Venedig.  Auch 
Verona  galt  bisher  als  Druckort  von  1470  ab,  doch  haben  bereits  Dibdin  und  Deschamps 
gerechte  Zweifel  angeregt,  ob  das  Werk  „Batracomiomachia''  Homer"«  wirklich  ein 
Veroneser  Druck  sei.  Dasselbe  zeigt  allerdings  die  Sclilussschrijt:  „Verona,  die 
XV.  Jannarii,  MCCCC.LXX* ;  allein  es  ist  dies  jedenfalls  nicht  das  JOrueliJniir, 
denn  Charaktere,  Druck  uud  Ausstattung  sind  ganz  verschieden  von  dem  ersten 
Drucke  Verona's,  der  zwei  Jahre  später  den  Namen  des  ersten  dasigen  Drucker^» 
iiufweist.  Aus  diesen  Gründen  weisen  wir  auch  der  Stadt  Verona  ihren  Platz  erst 
im  zweiten  Theile  an,  in  welchem  alle  in  unserer  Sammlung  vertretenen  Uruckorte 
nach  1470  in  alphabetischer  Folge  verzeichnet  werden  sollen. 

Die  übrigen  IS  frühesten  Druckorie  sind  folgende :  Mainz  mit  Eltville  —  Bam- 
berg —  Strassburg  —  CÖln  —  Subiaco  —  Rom  —  Basel  —  Augsburg  —  Marienthal 
hei  Mainz  —  Venedig  —  Mailand  —  Ulm  —  Nürnberg  —  Foligno  —  Heromünster 
—  Paris  und  Lübeck.  Es  ist  übrigens  bei  der  Auswahl  der  hier  zu  verzeichnenden 
Werke  besonders  darauf  Rücksicht  genommen,  dass  möglichst  alle  Typenformen  zur 
Anschauung  gelangen. 

Von  mehr  als  hundertfünfzig  Druckorten  und  besonders  berühmten  Typogruphen 
sind  sogar  die  ersten  Ihrueke  in  unserer  Sammlung  vertreten;  auch  erscheinen 
mehrfach  Druckorte ,  die  man  bisher  als  solche  nicht  gekannt,  während  aus  andern 
wiederum  Druckwerke  vorliegen,  durch  deren  Jahrzahlen  die  Einführung  der  Typo- 
graphie daselbst  oft  in  eine  wesentlich  frühere  Zeit  verlegt  wird,  als  In  der  (<e- 
scliichte  dieser  Kunst  bisher  angenommen  und  verzeichnet  worden  ist.  Manche 
andere  bisherige  Irrthumer  klären  sich  leicht  durch  die  Vergleichung  der  Druck- 
werke auf,  die  man  bisher  selten  oder  gar  nicht  nebeneinander  vorgefunden  hat,  und 
gerade  solche  Vergleiche  bilden  ein  Kriterium  der  bisherigen  Forschung  von  nicht 
zu  tmterscbätzender  Wichtigkeit.  — 


—     Mainz.     —  II 

dutenbrrg  hn  (Erftnkr 

mit  ^of^ann  guft  m  (Bemeinfd)aft  1450  bie  1455;  f  1468. 


No.  1. 

„1§iblta  facta  Bulgata/* 

Mainz,  Johann  ^tenberg^  1450  bis  1455. 

Die   zw  eiundvier  zig  zeilige,  auch  Mazar  in- Bibel  genannt^  in  2  starken 

Folio-Bänden  auf  Pergament  gedruckt. 

Ton  diesem  erhabensten  Denkmale  der  grossten  Erfindung  des  Menschon- 
geschlecbts,  das  Johann  Gutenberg  sich  selbst  errichtete,  haben  \vir  hier  unter  allpa 
noch  bekannten  acht  Pergament-Exemplaren  das  einzige  mit  Miniatur-Malereien,  und 
zugleich  das  schönste  in  jeder  Beziehung  vor  uns ,  dessen  wahrhaft  fürstliche  Aus- 
stattung sich  selbst  auf  die  kostbaren  Einbände  erstreckt ,  die  im  Geschmacko  der 
Fräh-Renaissance  aus  verschiedenfarbigen  Holzarten  zusammengesetzt  und  mit  starken 
Silberbeschlägen  reich  ornamentirt  sind. 

Auf  ausgesucht  schönes  grosses  Pergament  mit  sehr  breitem  Rande  gedruckt, 
macht  das  herrliche  Werk  beim  ersten  Anblick  mehr  den  Eindruck  eines  handschrift- 
lichen Codex,  da  es  ganz  in  jener  luxuriösen  Weise  ausgestattet  ist,  in  welcher 
schon  vor  Gutenbergs  Zeit  hohe  fürstliche  Personen  einzelne  Manuscripte  für  den 
eigenen  Handgebrauch  durch  Maler  und  Schreibkünstler  ersten  Ranges  herstellen  Hessen. 

Sämmtliche  Zeilen  des  641  Blätter  umfassenden  Werkes  sind  nämlich  mit  rother 
Tinte  unterstrichen,  und  jede  einzelne  Columne  noch  besonders  durch  doppelte 
ruthe  Linien  höchst  gleichmasslg  eingerahmt.  Da  nun  von  den  1982  Seiten  5  leer 
sind  und  auf  der  nur  theilweise  bedruckten  Schlussseite  des  ersten  Bandes  die  Quer- 
linien  Jedenfalls  vergessen  wurden,  so  waren  auf  den  überhaupt  bedruckten  und 
linirten  1276  einzelnen  Spalten  nicht  weniger  als  lÜfdf752  Linien  sorgfältig  mit 
der  Hand  auszuführen! 

Jedes  einzelne  Buch  durch  das  ganze  Bibel  werk  beginnt  mit  einem  grossen  hunt- 
gemalten und  reich  mit  achtem  Golde  belegten  Initial-Buchstaben,  an  welchen  slcli 
jedesmal  eine  prächtige  Rand-Malerei  in  Gold  und  mehren  Farben  anschliesst,  und 
meist,  über  die  ganze  Länge  und  Breite  des  Blattes  geht.  Dergleichen  grosse  Initiale» 
tjind  104  vorhanden,  alle  in  ihrer  ursprünglichen  wundervollen  Schönheit  wie  neu 
erhalten. 

Dazu  gesellen  sich  aber  noch  eine  ungleich  grossere  Anzahl  von  mittleren  und 
kleineren  Initialen,  alle  ebenso  schön  in  Gold  und  Farben  gemalt.  Mit  einem  solchen 
Initial-Buchstaben  beginnt  nämlich  jedes  einzelne  Capitel  durch  das  ganze  Bibel  werk, 
Ko  dass  sich  ihre  Gesammtzahl  auf  1334  beläuft.  Alle  wechseln  unter  sich  stets 
in  den  Hauptfarben  ab. 

Ein  w^ahres  Unicum  in  seiner  Art  bildet  aber  unser  Exemplar  durch  die  hunderte- 
von  bildlichen  Darstellungen  des  Bibeltextes,  -wie  sie  nach  Gutenbergs  Zeit  in  ähnlicher 
Weise  durch  Holzschnitte  eingedruckt  und  dann  zuweilen  bunt  ausgemalt  w^urden. 
In  unserm  Exemplare  sind  diese  Miniaturen  auf  den  untern  breiten  Rand  der  Blatt-^ 
Seiten  mit  der  Hand  gemalt,  und  jedesmal  von  reichen  Arabesken  in  Gold  und  Farben 
umgeben ;  sie  sind  Jedenfalls  das  Werk  eines  nicht  unbedeutenden  Künstlers,  und  sicher 
wurde  unser  Exemplar  nur  für  eine  holie  fürstliche  Person  so  prachtvoll  ausgestattet. 

In  Bezug  auf  die  typographische  Arbeit  gehört  unser  Exemplar  zu  den  wenigen 
noch  existirenden  ersten  Abdrücken,  wo  die  ersten  neun  Seiten  nur  40  Zeilen  ,  die 


12  —     Mainz.     — 

zehnte  41  und  alle  übrigen  42  Zeilen  haben.  Dieser  merkwürdige  Umstand  beweist, 
dasä  Guteuberg  auch  bereits  das  sogenannte  „DurchschiesseD  des  Satzes*  erfand,  denn 
die  ersten  neun  Seiten  sind  ganz,  die  zehnte  grösstentheils  dv/rchschossen  und  haben  da- 
durch fast  genau  dieselbe  Spaltenhöhe,  wie  weiterhin  42  compress  gesetzte  Zeilen. 

Ausser  den  acht  Pergament  -  Exemplaren  kennt  man  v«n  dieser  ehrwürdigen 
Gutenherg -  Bibel  noch  neun  auf  Papier,  wovon  das  hübscheste  bei  Lord  Spencer. 
Das  minderschöne  Exemplar  von  Perkins  in  London  ging  1873  für  77  000  Mark  in 
andere  Hunde  über.  Nur  vier  Exemplare  sind  zur  Zeit  noch  im  Privatbesitz.  Aber 
leider  nicht  alle  sind  complet;  selbst  in  dem  Pergament-Exemplare  der  Königlichen 
Bibliothek  in  Berlin,  das  im  Uebrigen  als  eins  der  schönsten  gilt,  fehlen  Blätter. 
Tun  den  berühmten  drei  Mainzer  Bibeln  aus  den  Jahren  145Ö,  1462  und  1472  haben 
viele  Staats-  und  Stadtbibliotheken  nichts  oder  höchstens  einzeln^  Blätter  aufzuweisen; 
unser  Museum  gewahrt  die  Annehmlichkeit,  diese  typographischen  Schätze  alle  drei 
neben  einander  bewundern  zu  können. 

Mit  den  Typen  der  42 zeiligen  Bibel  gedruckt,  haben  sich  nach  und  nach  eine 
Anzahl  Donate  vorgefunden ,- die  zum  grossen  Theile  nur  fragmentarisch  in  ver- 
schiedenen öffentlichen  Bibliotheken  aufbewahrt  werden.  Es  giebt  davon  Ausgaben^ 
die  in  24,  2.5,  26,  33  und  ^5  Zeilen  gedruckt  sind.  Indess  müssen  wir  von  dem 
in  Mainz  befindlichen  Donate  zu  32  Zeilen,  der  ebenfalls  mit  Typen  der  48  zeiligen 
Bibel  gedruckt  sein  soll,  bekunden,  dass  dies  nicht  der  Fall  ist. 

Die  Typen  desselben  weissen  einen  merklichen  unterschied  auf,  der  schon  bei 
dem  i  zu  Tage  tritt.  Während  nämlich  über  dem  i  der  48  zeiligen  Bibel  stets  ein 
kleiner  Halbzirkel  steht ,  bemerkt  man  in  dem  Fragmente  des  32  zeiligen  Donats 
dafür  überall  einen  kleinen  Schrägstrich,  was  neben  andern  Abweichungen  den 
aufFälligsten  Beweis  der  Verschiedenheit  beider  Typengattungen  liefert. 

Wir  haben  dagegen  die  Entdeckung  gemacht,  dass  die  Typen  dieses  Donat- 
Fragmentes  vielmehr  denjenigen  vollständig  gleichkommen,  mit  welchen  Johannes 
Xumeister  seine  „Meditationes  Johannis  de  Turrecremata,"  vom  Jahre  1479  in  Mainz 
gedruckt  hat,  die  wir  unter  No.  46  anführen  werden.  Das  betreffende  Mainzer  Donat- 
fragment  darf  daher  nicht  als  Gutenherg's,  sondern  als  Xumeister'' s  Druck  gelten. 
Unsere  Sammlung  enthält  davon  eine  genaue  photographische  Abbildung.  — 

Wenn  einige  Bibliographen  behaupten  wollen,  die  42  zeilige  Bibel  sei  von  Peter 
Schoeffer  gedruckt,  weil  ihre  Typen  denen  gleichkommen,  mit  welchen  er  um  1407 
den  in  Paris  aufbewahrten  Donatus  gedruckt  habe,  so  bekundeu  wir:  das  Druck- 
werkzeug Gutenberg's  war  schon  14.'>f)  durch  den  Prozess  Fust's  gegen  den  Erfinder 
in  die  Hände  von  Fust  &  SchÖffer  gelangt,  und  konnte  also  Peter  Schöffer  mit 
Gutenberg's  Typen  später  ungehindert  drucken,  ohne  doch  der  Schöpfer  dieser 
Bibeliypen  zu  sein.  Behauptung  steht  hier  gegen  Behauptung,  aber  mit  der  über- 
wiegenden Mehrzahl  aller  Kenner  und  Forscher  halten  wir  daran  fest,  dass  Johann 
Outenberg  der  unsterbliche  Schöpfer  des  herrlichen  42 zeiligen  Bibelwerkes  in  der 
That  gewesen  ist,  und  lassen  jede  andere  Ansicht  kampflos  daneben  bestehen. 

Wie  es  aber  Forscher  ^iebt,  die  dem  Erfinder  den  Druck  der  42 zeiligen  Bibel 
absprechen,  so  giebt  es  auch  solche,  die  in  gleicher  Weise  ihm  das  j^Catholicon^ 
entziehen,  weil  mit  denselben  Typen  später  von  Heinrich  und  Nicolatts  Bechtermünze 
das  »Vocabularium  ex  quo"  zu  Bltvil  gedruckt  wurde;  und  so  bliebe  denn  für  den 
grossen  Erfinder  Gutenberg  nichts  übrig,  als  die  Idee,  die  ihm  auch  seine  grossten 
Widersacher  nun  einmal  nicht  rauben  können,  und  allenfalls  ein  paar  kleine  Donate 
oder  Kalender  als  mühsame  ei-ste  Versuche,  aber  nicht  Ein  grösseres  Werk,  das  den 
zur  That  gewordenen  grossen  Gedanken  der  Erfindung  verkorpertel  Und  doch  giebt 
hierfür  die  Schlussschrift  des  „Catholicon",  zu  dem  wir  uns  nun  wenden,  auch  in 
ihren  dunkeln  Worten  einen  fühlbaren  Ausdruck.  — 


—     Mainz.     —  i 


^ 


No.  2. 

MainZy  Johann  GFutenberg,  1460«     Gross  Folio-Format. 

Die  viel  bewunderte  Schlussschrift  dieseB  herrlichen  Druckwerkes  besagt  zu  deutsch : 
, Unter  des  Allerhöchsten  Beistand,  auf  dessen  Wink  der  Kinder  Zungen  beredt 
werden,  und  welcher  den  Geringen  oft  plötzlich  enthüllt,  was  er  den  Weisen  verbirgt, 
ist  dieses  vortreffliche  Buch  „Catholicon"  im  Jahre  der  Menschwerdung  des  Herrn 
1460  im  guten  Mainz  gedruckt  und  vollendet  wurden,  der  ruhmwürdigen  Stadt  deut- 
scher Nation ,  die  Gottes  Gnade  mit  so  hohem  Geisteslichte  und  freiem  Gnaden- 
geschenke den  andern  Völkern  der  Erde  fortan  voranzuleuchten  gewürdigt  hat. 
Nicht  mittels  des  Rohres,  des  (iriffels  und  der  Feder  ist  dies  bewerkstelligt,  sondern 
durch  ein  wunderbares  Zusammenpassen,  Verhältniss  und  Mass  der  Patronen  und 
Formen." 

Wer  anders  als  der  Jürßnder  hätte  eine  so  edle  un(i  dennoch  bescheidene  Sprache 
tinden  mögen,  in  der  hohe  Begeisterung  mit  prophetischem  Blicke  die  leuchtende 
Gewalt  der  göttlichen  Erfindung  kündet,  eine  Erscheinung  so  ricsengross,  dass  der 
Erfinder  selbst  sich  demüthig  nur  als  irdisches  Werkzeug  eines  höheren  Willens 
t-rkennt ! 

Das  vorliegende  Exemplar  des  weltberühmten  Werkes  ist  eines  der  schönatm 
von  allen  existirenden ,  wie  neu  erhalten  und  mit  Malereien  von  höchster  Feinheit 
geziert.  Mit  dem  Titel  ^Catholicon"  wollte  der  Verfasser  nur  „die  Allgemeinheit'^ 
bezeichnen,  der  das  Werk  dienstbar  zu  sein  bestimmt  war.  Man  kann  es  die  entte 
Real  - Encyclopädie  nennen,  die  verbunden  mit  einer  lateinischen  Grammatik  vom 
Dominikanermönche  Johannes  Baibus  aus  (ienua  schon  im  vorletzten  Decenium  des 
13.  Jahrhunderts  verfasst  wurde. 

Unser  prichtiges  Exemplar  ist  höchst  geschmackvoll  in  dunkelrothes  Ijeder  ge- 
l>unden  und  überaus  reich  mit  achtem  Silber  beschlagen.    Huin  No.  2254.  — 


No.  3. 

@:t)oma9  br  ^quino:  „.Summa  be  articulb  fibri^^ 

Mainz ^   Johann  Gutenberg,   circa  1461*     Klein  Quart-Format. 

Dieser  höchst  seltene  lileine  Tractat  über  die  Glaubensartikel  ist  mit  der  Ciifho- 
Ukon-Type  gedruckt  und  muss  daher  den  Erzeugnissen  Gutenberg's  zugezählt  werden, 
obwohl    er  weder  Augabc  des  Ortes  noch  des  Druckers  und  der  Jahrzahl  aufweist.. 

Der  Einband  dieser  kleinen  unschiit'/t  aren  Ginielie  ist  von  dunkelgrünem  Maroquin 
und  enthält  den  Namen  dos  berühuitgn  Huchbinders  Dtirii  in  Paris  nebst  der  tlahr- 
zahl  1854;  er  ist  zudem  mit  ächten  Silber-Beschlägen  versehen.  Das  Werkchen  selbst 
ist  wie  neu  erhalten.    Hain  Xo.  1425.  — 


Bis  vor  Kurzem  schrieb  man  (jutenberg  auch  eine  Keihe  anderer  Druckwerke 
zu,  die  mit  einer  Type  gedruckt  sind,  auf  welche  zuerst  Fischer  in  seinem  Essai 
pag.  79  aufmerksam  maclite.  Dort  wird  einer  handschriftlichen  Xotiz  in  einem  mit 
diesen  Chrakteren  gedruckten  „Tractatus  de  celebrutione  missarum"  Erwähnung  ge- 
than ,  nach  welcher  das  betreffende  Exemplar  dieses  Buches  14fi0  an  die  Kai-thause 
bei  Mainz  durch  Schenkung  von  Johann  Gutenberg  und  Johann  Xwneister  gekommen 
wäre.  Mit  den  gleichen  Typen  ist  ein  »Kalender  von  1460"  gedruckt,  den  die  herzog- 
liche Bibliothek  in  Darm  Stadt  besitzt. 

AUein  der  Engländer  Hesseis  hat  in  seiner  neuesten  Schrift  über  Gutenberg 
pag.  108  bis  113   nachgewiesen,    dass    die   Juhr-uhl  dieses    Kalenders  gefälscht   ist. 


Ij^  —     Eltwyl.     — 

indem  darin  mehrere  Zahlen  radirt  vrorden  sind,  und  er  erhärtet  auch  aus  dem 
Inhalte  des  Kalenders,  dass  die  Jahrzahl  ursprünglich  Ixxxii  gelautet  haben  muss, 
staXt  Ix.  Hierdurch  nun  erhellt  gleichzeitig,  dass  auch  jene  handschriftliche  Notn 
ein  Faleificat  ist,  da  beide  JahnEahlen  nicht  zu  vereinbaren  sind. 

Wir  besitzen  die  mit  derselben  Type  gedruckte  älteste  Ausgabe  von  ,,Cl09en  onlt 
im|liit)e  itxt  onfj  (jiemet^en  befi^riebeiieti  rtdjte«**,  Hain  No.  3727,  die  wir  hier  ohne 
aparte  Nummer  ihrer  grossen  Seltenheit  wegen  anfTibren.  Hesseis  bat  an  derselben 
Stelle  8  verschiedene  Werke  bezeichnet,  die  mit  der  gleichen  Type  gedruckt  sind  und 
welche  nunmehr  wieder  einem  y^unbekannten  JUainzer'*  um  die  Zeit  der  achtziger 
Jahre  zugeschoben  werden.  Ueber  Letztern  können  wir  eine  ziemlich  sichere 
Vermuthung  aussprechen. 

Da  nämlich  in  der  mit  Erhart  Betvich's  Firma  gedruckten  holländischen  Ausgabe 
von  „ Breydenbach's  Reisen",  untermischt  mit  den  sonstigen  Schwabaeher  Charakteren 
des  Werkes,  sämmiliche  Majuskeln  der  oben  bezeichneten  Typen  wieder  zu  finden 
sind,  so  liegt  es  nahe,  an  diese  überraschende  Thatsache  Combinationen  zu  knüpfen. 
Da  aber,  wie  man  bisher  anzunehmen  berechtigt  war,  Erhart  Rewich  die  Breyden- 
bach^schen  Reisen  mit  Schoeffer's  Typen  gedruckt  hat,  so  würde  auch  in  obigem 
Falle  Peter  Schoeffer  in  Erwägung  zu  ziehen  sein. 

Diese  letztere  Eventualität  möchten  wir  indess  am  wenigsten  für  annehmbar 
halten;  denn  trotzdem,  dass  in  den  „Clo^en  vnb  ltn|li(^e  Ure*'  auch  Typen  von  un- 
verkennbar SchoeflFer'schem  Ductus  erscheinen,  so  sind  der  Druck  und  das  ganze 
Exterieur  dieser  Werke  so  schülerhaft  und  so  gewaltig  von  den  5'cÄö//er'8chen  Leistungen 
nhweidiend,  dass  man  Letzterem  diese  Arbeit  unmöglich  zutrauen  kann.  Es  ist  so  zu 
sagen  ein  Sammelsurium  von  allerhand  Typenformen,  als  habe  der  Verfertiger  alle 
damaligen  Mainzer  Typen,  gut  und  schlecht,  nachgeahmt. 

Wir  glauben  kaum  zu  irren,  wenn  wir  annehmen,  dass  Johann  Humeialei'^, 
der  Mitarbeiter  Gutenbergs,  noch  während  seines  ersten  Aufenthaltes  in  Mainz  der 
Urheber  jener  unvoUkonunenen  Drucke  ist,  denn  was  er  darin  leisten  konnte,  beweist 
sein  erster  Druck  in  Foligno  noch  im  Jahre  1470,  Jene  Mainzer  Typen  Numei8ter*s 
können  ja  später  recht  wohl  in  BewicVs  Hände  gelangt  sein.  Mögen  unsere  An-> 
deutungen  zu  weiteren  Forschungen  Anregung  geben.  — 


CItttenberg  in  €ltnit)l  bei  plainj. 

In  Folge  der  im  Jahre  1465  stattgehabten  Ernennung  Guten- 
bergs zum  Hof-Cavalier  des  Erzbischof  Adolfs  II.,  der  seine  Residenz 
in  Kltvil  hatte,  war  auch  Gutenberg  veranlasst,  dorthin  überzusiedeln 
und  auch  seine  mit  den  Mitteln  des  Dr,  Humery  errichtete  zweite 
Drtickerei  dorthin  zu  verlegen.  Daselbst  wohnten  auch  seine  Ver- 
wandten Heinrich  und  Nicolaus  Bechtermünze ,  mit  denen  er  nun 
in  geschäftliche  Berührung  kam. 

Wir  besitzen  ein  kleines  Druckwerk,  das  den  Bibliographen 
schon  viel  Kopfzerbrechen  verursachte,  da  man  nicht  weiss,  wohin 
es  zu  placiren  ist.  In  neuerer  Zeit  will  man  dieses  in  nächster  Nummer 
näher  beschriebene  Werkchen  wegen  der  Aeknlichkeit  eines  M  und 
eines  S  dem  Arnold  Therhoernen  in  Cöln  zuschreiben ,  trotzdem 
dessen  kleinste  Type  ungleich  grösser  und  mit  jener  kaum  zu  ver- 
gleichen  ist.     Viel    eher  könnte   man   hierbei  an  die  Druckerei  der 


—     Eltwyl.     —  IC 

Brüder  des  gemeinsamen  Lebens  in  Brüssel  denken,  deren  eben  so 
niedliche  älteste  Typen  Holtrop  in  seinen  ,,Monuments  typographi- 
ques  1868*^'  auf  Tafel  75  wiedergiebt,  wenn  man  nicht  auf  den  ersten 
Blick  ungleich  mehr  an  die   Catholicontype  erinnert  würde. 

Auch  die  Brüder  des  gemeinsamen  Lebens  in  Marienthal 
führten  eine  ähnliche  kleine  Type;  doch  sprechen  zu  viele  typo- 
graphische Merkmale  dafür,  dass  das  nach  verzeichnete  Werkchen 
früher  entstanden  ist,  als  die  Klosterdruckereien  in  Brüssel  und 
Marienthal  errichtet  worden  sind,  und  bevor  auch  Therhoernen  in 
Cöln  gegen  1469  zu  drucken  begann.  — 


No.  4. 

^ugultini  „fibfr  bc  fancta  IJirginitatr". 

Ohne  Angabe  des  Ortes,  der  Jahrzahl  und  des  Druckers. 

Octav-Format. 

Diese  Seltenheit  ersten  Ranges,  von  der  nur  noch  fünf  Exemplare  bekannt  sind, 
ist  mit  einer  der  Catholicon-Type  auffallend  ähnliehen  Schriftgattung  von  höchst 
ungleichem  Schnitte  gedruckt,  die  nur  wesentlich  kleiner  ist.  Auch  Panzer  besass 
davon  ein  Exemplar  in  seiner  Sammlang,  von  dem  er  in  den  Annales  lY  pag.  89 
Nr.  185  schreibt:  „Dieses  bisher  von  Niemand  citirte  Werkchen  scheint  der  allet'- 
ersien  Typographie  anzugehören.  Die  Typen  kommen  denjenigen  am  nächsten ,  die 
in  Maine  gebraucht  wurden." 

Der  Vergleich  mit  den  Catholicon-Typen ,  denen  sie  allein  von  allen  Mainzer 
iSchriftgattungen  ähnlich  sehen,  ist  in  der  That  interessant.  Uebrigens  ist  das  Werk- 
chen eine  wahre  Schülerarbeit,  sowohl  in  Hinsicht  der  höchst  ungleichen  Typenform 
wie  des  Druckes,  bei  dem,  wenigstens  in  unserm  Exemplare,  sogar  auf  jeder  der 
42  Seiten  stellenweise  die  Driickschwärze  versagt  hat.  Die  Columnen  stehen  grossten- 
tbeils  schlecht  im  Register,  und  die  Ungleichheit  namentlich  der  Versalbuchstaben  ist  so 
gross,  dass  man  allein  auf  Seite  17  fünf  verschiedene  N  sehen  kann,  ebenso  noch  mehre 
anf  Seite  27  und  28,  während  auf  Seite  20  gleich  nach  einander  fünf  verschiedene  B 
stehen,  darüber  auch  noch  ein  R  statt  B  als  Satafehler,  wenn  es  nicht  gar  bloss  an 
einem  sechsten  B  gefehlt  haben  sollte.  Dieselben  Verschiedenheiten  kann  man 
durch  das  ganze  Alphabet  hindurch,  selbst  bei  den  Minuskeln  und  bei  den  wenigen 
Ligaturen,  wahrnehmen. 

U  Es  wäre  {nicht  unmöglich,  dass  die  Entstellung  des  seltenen  Werkchcns  in  die 
Zeit  fällt,  wo  Quienherg  mit  seinem  Verwandten  Heinrich  Becbtermüntse  die  neue 
Druckerei  zu  Kltwyl  begründete,  wohin  ja  auch  die  Catholicon-Typen  übergingen, 
und  dass  es  somit  zu  den  ersten  Rechtermfinzo'schen  Druckversuchen  des  Jahres 
1464  biB  1465  zu  zählen  ist.    Hain  No.  2078.  — 


No.  5. 

^ücabularium  Utitto-tctttomcum, 

auch    „Vocabularium    ex   quo"    genannt. 

Eltwyl,  Nicoloas  Bechtermüncze,  1472.  Hoch  Quart-Format. 
Von  diesem  kostbaren  Bibliothekschatze  ersten  Ranges  haben  nur  noch  einzelne 
Staatsbibliotheken  ein  Exemplar  aufzuweisen.  Das  ehrwürdige  Druokdenknial  ist 
doppelt  interessant  durch  seine  Typen,  die  von  den  vorhergehenden  beiden  Auflagen 
de.sselben  Werkes,  den  Catholicon-Typen,  völlig  abweichen.  Glücklicherweise  ist 
dasselbe  aber  mit  Druckort  und  Jahrzahl  verschen. 


l6  —     Mainz.     — 

Das  „Vocabitlarium  ex  quo**  —  so  genannt  nach  seinen  Anlangsw orten  — 
wurde  zuerst  von  Heinrich  Becliternuinze  in  Elttvyl,  auch  ^Ituille  oder  Elfeld  bei 
Mainz,  1467  gedruckt,  dann  1469  ein  Neudruck  begonnen  und  im  November  durch 
Nicohms  liechtennünze  vollendet,  nachdem  der  Bruder  inzwischen  gestorben.  Auch 
druckte  Nicolaus  eine  dritte  und  vierte  Auflage,  1472  und  1477,  in  welchem  Jahre 
tT  ebenfalls  starb  und  die  Druckerei  in  Eltwyl  erlosch. 

Die  erste  Ausgabe  von  1467  ist  gleich  der  von  1469  mit  den  Typen  des  Guten- 
berg'schen  Cafholicon  gedruckt.  Da  wir  das  Catholicon  selbst  besitzen,  war  die 
obige  Ausgabe  von  1172  für  unsere  Sammlung  viel  wichtiger,  denn  sie  ist  mit  einer 
ganz  neuen  originellen  Type  gedruckt,  gleich  der  von  1477,  die  übrigens  ähnlich. 
schon  in  den  Ablassbriefen  von  1454  und  1455  vorkommt,  aber  keineswegs  die  gleiche 
ist,  wie  Mancho  glauben,  trotzdem  sie  sich  .schon  in  der  Grösse  unterscheiden. 

Das  Vocabularium  ex  quo  ist  eigentlich  ein  kurzer  Auszug  aus  Gutenberg's  Ca- 
tholicon unter  Beifügung  des  Deutschen.  Es  ist  demnach  das  erste  deutsch-lateinische 
\V<)rterbuch ,  das  bei  der  damaligen  Zunahme  des  Gebrauchs  der  deutschen  Sprache 
jedenfalls  einem  dringenden  Redürfniss  entgegenkam,  und  mit  der  weiteren  Aus- 
lireitung  der  Buchdruckerkunst  auch  eine  Menge  ähnliche  Wörterbücher  zur  Folge  hatte. 


owcitc  tHainscr  JDrucfcrci: 

JJol)attn  /Uli  ^  Pfter  3d)oetfer^ 

1456  bi6  1466. 


No.  6. 

„Pfalmorum  ÖEobrjr/' 
Das  Mainzer  Psalterium,  Ton  Fust  &  Schoefter  145  7  und  i^oO, 

von  Peter  Schoeffer  1490  und  1502  und  von  Johann  Schoeffer  1516 

durchgehends  im  Folio-Format  gedruckt. 

Das  Mainzer  Psalterium,  in  der  Editio  princeps  vom  Jalire  14o7  als  das  erste 
mit  Firma  und  Jahrzahl  gedruckte  Buch  der  Welt  bekannt,  ist  ebenso  hochgeschätzt, 
wie  von  grösster  Seltenheit,  denn  es  existiren  von  allen  /tm/ Ausgaben  im  (ianzen 
nur  noch  circa  zwanzig  Exemplare,  zumeist  in  Staatsbibliotheken. 

Eine  der  seltensten  Ausgaben,  die  nur  noch  in  drei  Exemplaren  vorhandene 
letzte  von  1516,  enthält  unsere  Sammlung  in  einem  guterhaltenen  Exemplare,  und 
da  alle  fünf  Auflagen  mit  den  gleichen  Typen  gedruckt  sind,  kann  man  sich  danac*h 
einen  vollständigen  Begriff  auch  von  den  übrigen  machen,  zumal  von  den  Ausgaben 
1457  und  1502,  w^elche  letztere  Peter  Schöffer's  letzte  Arbeit  war,  auch  noch  Original- 
Blätter  in  unserer  Sammlung  vorhanden  sind,  ebenso  von  der  Ausgabe  1459  die' 
facsimilirtc  Schlussschrift  nach  dem  Exemplare  der  Mainzer  Stadtbibliothek. 

Es  ist  bei  der  Umständlichkeit  des  ganzen  ursprünglichen  Druckverfahrens  übrigens 
kaum  denkbar ,  dass  Fust  mit  seinem  damaligen  Diener  Peter  Schöf/er  nach  Aus- 
gang des  Processes  gegen  Gutenberg,  Ende  1456,  gleichsam  im  Handumdrehen  nicht 
nur  die  sämmtlichen  Typen  des  Psalters  in  drei  verschiedenen  Gattungen,  der 
grossen  Psalm-Type  und  zweierlei  Choral-Typen,  geschnitten  und  gegossen,  sondern 
auch  den  Druck  des  Werkes  bis  zum  Monat  August  1457  vollendet  haben  sollte. 
Viel  wahrscheinlicher  hatte  der  Erfinder  Giitenberg  mit  der  Vollendung  seiner  herr- 
lichen Btblia  socra  laiina  im  Jahre  1455  auch  den  Druck  des  Mainzer  Psalters  ganz 
oder  theilweise  schon  vorbereitet,  als  ihm  in  demselben  Jahre  das  ganze  Druckwerkzeug 
von  seinem  Associc*  Johann  Fast  durch  schlau  angelegten  Procoss  ahgepländet  wurde. 


—    Mainz.     — 


17 


Fust  erntete    eben  die  Frucbt    des    Outehberg^acben  Fleiflses  vnd  seiner  grossen 
Erfindung! 

Das  Mainzer  Psalterwm  ist  von  allen  Bibliographen  als  einM  dAr  kosCbanrtMi 
Documente  rar  Erfindangsgeschichte  der  Buchdrackerkunst  anerkannt,  durob  welcfeea 
die  Bhre  der  Stadt  Main»  als  Wiege  der  grossen  Erfindung  unantastbar  für  alle 
Zeiten  feststeht.  "Det  merkwiirdige  Umstand,  dass  die  noch  vorhandenen  venigeB 
Exemplare  dieses  Edelsteins  der  Incnnabeln  th«ils  im  Texte,  theils  in  der  typö- 
graphi«chen  Ausstattung  mehr  oder  weniger  verschieden  sind,  lasst  es  ausser  Zweiftl, 
dass  das  Werk  xumeist  für  einzelne  Kirchen  und  lUöster  auf  befloadere  BesteUung 
gedruckt  worden  ist. 

Ein  solches  scheint  auch  das  in  unserer  Sammlung  befindliehe  Exemplar  deb 
Psalters  von  IM 6  zu  sein,  von  dem  es  nur  noch  ein  zweites  auf  Pergament  ge- 
drucktes in  der  National-BibUothek  zu  Pa/ris  giebt,  das  in  der  Orthographie  wie  im 
Texte  genau  mit  unserem  Exemplare  übereinstimmt.  Ein  zweites,  wie  das  unserige 
auf  Papier  gedrucktes  Exemplar  Jener  Bibliothek ,  stimmt  dagegen  in  Orthographie 
und  Zeileneintheilung  nicht  überein,  obgleich  es  dieselbe  Firma  und  Jahrzahl  trfigt. 
Wahrscheinlich  wurde  dasselbe  ebenfalls  nur  in  wenigen  Exemplaren  wieder  für  eine 
andere  reiche  Diözese  in  demselben  Jahre  gedruckt. 

Der  Preis  ^Uies  Psalters  mag  schon  ursprünglich  ein  'ziemlich  bober  gewesen 
s^n.  Aus  der  späteren  Zeit  sind  die  Ankaufspreise  zum  Theil  bekannt.  Das  de» 
Bibliographen  zuerst  bekannt  gewordene  Exemplar  in  der  Königlichen  Bibliothek  su 
Ih-08den  vom  Jahre  1467  wurde  1648  auf  dem  Chore  der  Domkirche  zu  Freibwg 
entdeckt.  Obwohl  sehr  defeot  und  durch  langen  Gebrauch  entstellt,  wurde  es  doch 
1776  von  der  Königlichen  Bibliothek  für  die  damals  sehr  hohe  Summe  von  804  Thalem 
und  4  Groschen  erworben.  Das  Berliner  Exemplar  wurde  noch  vor  25  Jahren  aus 
der  Königlichen  Bibliothek  in  Stuttgart  für  nur  5000  Thaler  angekauft. 

Das  ebenfalls  defecte  Exemplar  der  National-Bibllothek  in  Paris  wurde  1817  für 
12CO0  Franken,  und  dasjenige  des  Lord  Spencer  in  London  im  Jahre  1798  für 
3000  Bheinische  Gulden  angekauft.  In  Zukunft  dürfte  nur  durch  ganz  besondere 
Umstände  jemals  qoch  ein  Exemplar  in  den  Handel  kommen,  denn  alle  sind  in 
festen  Händen,  und  der  französische  Bibliograph  Fournier  spricht  sich  in  seinem 
DicUonnaire  schon  1809  wie  folgt  aus: 

,Moui  ne  serions  point  surpris  qu^nn  exemplaire  de  ce  livre,  s'il  se  pr^entait 
en  vente  publique,  füt  adjug^  i  15  ou  20090  francs."  Heute  würde  man  diesen-Preis 
gern  mehr  als  dreifa(^  zahlen. 

Das  in  unserem  Ifuseum  befindliehe  Exemplar  des  Psidters  von  1516  befend  ^cb 
bis  1810  in  Paris  und  gelangte  von  da  durch  Verkauf  zunächst  nach  der  S^weis; 
es  ist  kostbar  in  blaues  Leder  gebunden,  mit  Silber  reich  besehlagen  und  lAUt  im 
Ganzen  zu  den  am  besten  erhaltenen«  Exemplaren  dieses  ehrwürdigen  Mainzer  I^uek« 
deftkmals.  — 


No.  7. 

^^jBuranbi  MatiouaU  biiiinorum  ofjtciorum/^ 

Mainz,  Johann  Fust  &  Feter  Schoeffer  1459; 

auf  Porgament  in  Folio. 

Wir  haben  hier  wiederum  ein  seltenes  und  hochgeschätztes  Mainzer  Druckdenk- 
mal vor  uns ;  es  ist  das  zweite  mit  t)ruckfirma  imd  Jahrzahl  Versehene  Buch  der 
Welt,  gedruckt  nach  Gutenber^^s  neuei^  herrlicher  Erfindung,  wenn  auch  in  der 
Schlussschrift  von  Pust  und  Schöffer  wohlweisslich  verschwiegen  wird,  wer  „die  neue 
künstliche  Art  Bücher  zu  drucken*  eigentlich  erfunden  habe! 

2 


l8  —    Mainz.     — 

Das  Rationale  ist  aber  das  erste  Werk,  -welches  mit  Schö£fer's  neuer  Type  ge- 
druckt wurde.  Die  Form  derselben  ist  der  damals  üblich  gewesenen  Handschrift 
meisterhaft  nachgebildet.  Die  Schriflgattung  hat  nach  obigem  Werke  die  Bezeich- 
nung y^Durandus-Type*  erhalten,  der  vir  noch  mehrfach  begegnen  werden. 

Uebrigens  ersdieint  bereits  in  der  Schlussschrift  des  Rationale,  die  10  Zeilen 
imifasst,  zum  Erstenmale  die  Bibel-Type  von  1462,  während  man  bisher  annahm, 
diese  neue  schöne  Schrift  sei  jeden&lls  für  diese  Bibel  gegossen  worden.  Es  ist 
dies  umsoweniger  der  Fall,  als  auch  die  Constitutiones  von  Clemens  dem  Fünften 
1460  damit  gedruckt  sind,  weshalb  sie  ja  auch  die  Clemens-Type  genannt  wird. 

Unser  Exemplar  gebort  übrigens  zu  den  wenigen,  bei  denen  mehrere  rothe  Ini- 
tialen nicht  eingemalt,  sondern  mit  in  Holz  geschnittenen  Formen  wohl  mit  der 
Hand  eingedruckt  sind.  Letztere  sind  Jedenfalls  Peter  Schofleres  Werk,  dem  als 
früherem  Schriftmaler,  Buchschreiber  oder  Clericus  ein  besonderes  Talent  nicht  ab- 
zusprechen ist. 

Der  Inhalt  des  Werkes  glebt  eine  Kirchenordmmg,  das  beisst  eine  Beschreibung 
der  Gebrauche,  welche  in  der  Kirche  schon  im  18.  Jahrhimderte  üblich  und  bis  in 
das  15.  Jahrhundert  allgemein  beliebt  waren.  Verfasst  wurde  das  Werk  im  Jahre 
1286  von   Wilhelmus  Durandus  Episcopus  St.  Minatensis  ecclesiae.' 

Yon  den  vielen  späteren  Ausgaben  des  Rationale  besitzt  unser  Museum  die  wich- 
tigsten und  schönsten  von  Mentelin  in  Strassburg  von  circa  1464,  Johann  Zainer  in 
Ulm  1473,  ein  wahres  Prachtwerk;  Anton  Koberger  in  Nürnberg  1481  und  Johann 
Prüss  in  Strassburg  1486.  —  Unser  Rationale  von  1459  ist  neu  nach  altem  Muster 
in  azurblaues  Leder  gebunden,  mit  Schliessen,  reichen  Eckbeschlägen  und  Bukein 
von  vergoldetem  Messing;  ein  Meisterwerk  des  Metallarbeiters.  — 


•    No.  8. 

^ancti  ^tt9u|lint  ^^jQe  mU  (^riflmtta^^ 

Mainz^  Fust  &  SchoefFer,  circa  1461« 
Klein-Quart. 

Der  Umstand,  dass  diese  Seltenheit  ersten  Ranges  nur  in  so  wenigen  Exem- 
plaren bis  auf  unsere  Zeit  gekommen,  und  dass  das  Werkdien  mit  der  Durandus- 
Type  gedruckt  ist,  berechtigt  zu  der  Annahme,  dass  sein  Entstehen  in  die  früheste 
Periode  der  Fust-SchÖffer^scben  Thätigkeit  bald  nach  dem  Erscheinen  von  Durandi 
Rationale  f&llt,  vielleicht  schon  in  das  Jahr  1460.  Dafür  spricht  auch  die  Unvoll- 
kommenheit  des  Schriftsatzes,  denn  die  Ungleichheit  in  der  Liänge  der  Zeilen  ist 
hier  genau  so  gross,  wie  im  Rationale  von  1459. 

Das  Schriftchen  umfasst  17  Blätter  mit  28  Zeilen  in  Klein-Quart  und  beginat 
mit:  ,^ticij}  ^logitB  beati  Xngitflini  U  uita  rpiana'S  Das  zweizeilige  Schlusswort  lautet: 
„CfpUcit  iiber  beati  angnftini  be  nita  f ptana  ||  i^tt  facienbo  qnifq}.  oita  obtiliebit  tUrnä". 
Darunter  steht  das  roth  gedruckte  Fust  imd  SchÖffer'sche  Wappen.  Der  Inhalt  giebt 
eine  erbauliche  Anleitung  zu  einem  christlichen  Lebenswandel. 


No.  9, 

üuUe  Iftatfer  2fttelrrid)0  III.  jegrn  iBietl)er  [tian  jTfettburg* 

Mainz  ^  Fust  Sc  Schoeffer,  10.  August  1461. 
Quer-Folic-Format. 

Von  den  sechs  interessanten  Urkunden,  welche  sich  auf  den  Streit  Adolph^s  von 
Nassau  gegen  Diether  von  Isenburg  beziehen ,  geben  wir  in  obiger  die  erste ,  welche 


•^     Mainz.     — 


19 


In  deutscher  Sprache  und  mit  der  Clemens-Type  gedruckt  ist.    Zur  Geschichte  dieser 
Urkunden  von  hervorragend  historischem  Interesse  das  Noth wendigste : 

Ersbischof  Diether  von  Mainz  hatte  dem  Grafen  Adolph  von  Nassau  die  Be- 
lehnnng  aber  das  Eichsfeld  und  den  Mainzer  Hof  zu  Erfurt  abgenommen.  Adolph 
gewann  nun  durch  Klage  den  Papst  für  sich,  welcher  letztere  die  bisher  nur  vom 
Kaiser  bestätigte  Wahl  Diether's  noch  nicht  sanctionirt  und  genügenden  Grund  sie 
xa  missbilligen  hatte,  da  Diether  sich  der  Zahlung  des  Kaufgeldes  und  des  ge- 
forderten Zehnten  weigerte.  Der  Papst  wirkte  auf  den  schwachen  Kaiser  und  dieser 
willigte  in  der  uns  vorliegenden  Bulle  in  die  Absetzung  Diether^s  durch  den  Papst. 
Dieselbe  ist  vom  10.  August  1461  datirt;  die  darauf  folgende  päpstliche  Entsetzung^- 
ürkunde  ist  vom  21.  August,  welches  Datum  noch  drei  andere  päpstliche  Bullen  führen, 
von  denen  eine  an  Adolph  von  Nassau,  eine  an  das  Mainzer  Domkapitel  und  eine 
an  die  Geistlichkeit  und  Diözese  Mainz  gerichtet  ist. 

Doch  vermochten  alle  diese  Massregeln  nicht,  den  von  Erfurt  unterstützten  £k%- 
hischof  Dieiher  von  Isenburg  seiner  Würde  zu  entheben;  in  seinem  vom  4.  April 
1462  datirten  bekannten  ^Mamfest*,  welches  wir  in  nächster  Nummer  kennen  lernen 
werden,  appellirte  er  an  ein  Concilium,  und  erst  am  27.  October  1462  kam  die  Stadt 
Mainz  durch  Verrath,  Ueberfall,  Zerstörung  und  Massenmord  in  die  Hände  Ädolpk's 
von  Nassau,  imd  Diether  wurde  flüchtig. 

Diese  Urkunden  sind  sammtlich  von  Fust  und  Schoffer  und  zwar,  ausser  der 
obigen  mit  der  Clemens-TTpe  hergestellten,  mit  der  kleinen  Type  des  „Rationale" 
gedruckt.  Die  vorliegende,  im  Original  heute  wohl  unauffindbare  Bulle  Friedrich's  III. 
ist  auf  einem  kleinen  Bogen  in  Quer-Folio  auf  88  Zeilen  gedruckt  und  vermag  in 
dem  getreuen  Facsimile  unter  Glas  und  Messingrahmeo ,  welches  unsre  Sammlung 
aufweist,  eine  hinreichende  Vorstellung  von  dem  interessanten  Originale  zu  geben. 


No.  10. 

^Slanifrll  beo  ffrjbift^afa  uan  IMainj^  il9ietl)rr  tjon  ^fenburg, 
gfjcn  ^bolf  oon  ÄaffaM^  trlaffen  am  4.  ^pril  1462. 

Mainz^  Fust  &  Schoeffer,  1462. 
FolioMaximo. 

Es  ist  dies  die  auf  .einem  Folio-Blatte  mit  den  Typen  des  „Rationale"  in  106  Zeilen 
gedruckte  Entgegnung  des  Erzbischoüs  auf  die  gegen  ihn  von  Kaiser  und  Papst  ge- 
richteten Massregeln,  worin  er  aus  staatsrechtlichen  Gründen  die  ünrechimässigkeit 
seiner  Absetzung  zu  erweisen  und  Hülfe  und  Unterstützung  gegen  seine  Feinde  zu 
erwirken  sucht. 

Von  dem  bisher  nur  in  fünf  Exemplaren  —  in  Frankfurt,  München,  Strassburg, 
Paris  und  bei  Lord  Spencer  —  bekannten  Rarissimum  bewahrt  unsre  Sammlung 
eine  dem  Originale  täuschend  ähnliche  Reproduction  unter  Glas  und  Messingrahmen, 
welche  eine  Vorstellung  des  Originales  durchaus  zu  ersetzen  im  Stande  ist.  Das 
Manifest  ist  in  deutscher  Sprache  abgefasst,  aber  —  was  für  ein  Deutscht  Die  am 
Rande  und  zum  Theil  auch  zwisdien  den  Zeilen  ersichtlichen  Correcturen  sind  jeden- 
falls gleich  nach  dem  Drucke  bewirkt,  noch  ehe  das  Plakat  öffentlich  angeschlagen 
und  verbreitet  wurde.  Unser  Exemplar  g^ebt  sie  ebenfalls  originalgetreu  wieder ;  es 
ist  nach  dem  am  besten  erhaltenen  Exemplare  der  Kaiserlichen  Bibliothek  in  Strass- 
burg hergestellt,  das  uns  in  dankenswerther  Weise  zum  Zwecke  der  Verviel- 
filtigung  überlassen  wurde.  — 

2* 


20  "—     Maina.     — 

No.  11. 

Hiblta  ftLCXtL  Utim.    jBxt  at^tunlrDier^tg^etltge  fSibel. 

Mainz  ^  Johann  Fast  &  Peter  Schoeffer,  1402« 
Auf  Pergament  in  Gross-Folio  gedruckt. 

Auch  Ton  diesem  BibliotheksobatM  ersten  Ranges  enthält  unser  Museum  eines 
der  schönsten  Peigtunent-ExemplaTe.  Der  zweite  Band  enthält  die  vollständige  Sohluss- 
•chiift:  ^Is  1)M  opafCBlii  3lrtifidora  ab  innetiotie  ||  imilintnbi  ftn  caracUrt^anbi  •  adf«} 
(ftlavi  U  er«raci9  in  mttate  iH4»9tt«t9  effigtatn  •  tt  {|  ab  cnfebii  bti  iabnflrit  per  3ob'em 
fall  dw  il  ft  yetrn  i^oxffl^tt  U  gemflye^«  dtrini  M- 1|  oUf  tinfbem  tfl  confämatii}. 
3liiao  bäi  «ilUlUaCflrii.  3n  Qi)ilia  affmnpcöis  Qir|.  morie/'  Darunter  wieder  da« 
Fust-SchÖffer^sche  Wappen. 

Merkwürdig  ist  bei  der  hier  in  Anwendung  gebrachten  neuen  Type,  die  grosser 
als  die  Durandus-Type  ist»  und  mit  welcher  zuerst  die  Schlussschrift  des  Rationale 
▼on  1459  gedruckt  wurde,  dase  die  Versal-Buchstaben  sich  in  zweierlei  ganx  ver- 
schiedener Gettaltung  vorfinden;  es  sind  dabei  namentlich  anfallend:  8,  N,  A,P,  M,V' 
welches  letstere  sogar  in  drei,  und  das  Q,  welches  in  vier  diversen  Formen  vor> 
kommt.  Wir  kommen  auf  diesen  interessanten  Gegenstand  bei  Besprechung  der 
mit  denselben  Typen  gedruckten  Mainzer  Bibel  von  1472  unter  No.  25  zurück.  — 


No.  12. 

StLXittx  (Sgibii  ^^^urra  mxb^^K 

Mainz  9  Fust  Sc  Schoeffer,  circa  1463.    Klein*Quart-Fonnat. 

Der  Umstand,  dass  nach  der  Verwüstung  von  Mainz  durch  Adolph  von  Nassau, 
im  Oetober  1462,  erst  1465,  also  nach  drei  Jahren  wieder  ein  grosseres  Werk  die 
Mainzer  Presse  verliess,  legt  die  Vermuthung  nahe,  dass  Fust  und  Schöffer  in  dieser 
Zwischenzeit  nur  mehrere  kleinere  Druckwerke  ohne  Firma  und  Jahrsahl  zu  Stande 
gebracht,  die  zumeist  mit  der  Bibel -Type  von  1462  gedruckt  sind,  und  wobei  sich 
wahrscheinlich  neue  Arbeitskräfte  heranbildeten. 

Da  diese  und  spätere  Drucke  beweisen,  dass  die  bis  dahin  vorhanden  gewesenen 
verschiedenen  Typen  bei  der  Verwüstung  der  Stadt  und  den  Brand  des  Druckhauses 
nicht  verloren  gegangen  waren,  so  lässt  sieh  das  Damiederliegen  der  Druckerei  nach 
14^  wohl  mehr  dadurch  erklären,  dass  das  Druckerpersonal  bei  der  Belagerung  von 
Mainz  nach  allen  Himmelsgegenden  ausgewandert  war,  um  in  Strassburg»  CÖln,  Rom, 
Venedig,  Augsburg,  Basel  etc.  Druckereien  zu  gründen. 

Es  ist  aber  wohl  kaum  anzunehmen ,  dass  Fust  und  Sehoffer  ihre  bedeutende 
Offizin  so  ganz  und  gar  von  Arbeitskräften  entblösst  haben  sollten,  um  nicht  wenig- 
stens unbedeutendere  Drucksachen  herstellen  zu  können,  und  zu  solchen  Arbeiten 
dürften  wohl  die  kleinen  undatirten  Tractate  zählen ,  die  wir  unter  No.  12  bis  15 
aufführen,  und  von  denen  die  ersten  zwei,  die  wir  mit  circa  1463  und  1464  be- 
zeichneten, sogar  ohne  Druckeraeichen  sind. 

Wer  weiss  was  die  Herren  Fust  und  Soh5ffer  als  Gegner  des  Beawingere  von 
Mainz  veranlasste,  in  diesen  beiden  Jahren  ihre  Firma  nicht  an  die  grosse  Glocke 
zu  hängen,  wie  sie  es  bei  ihrem  Ehrgeize  noch  in  der  Schlussschrift  der  Bibel  von 
1462  in  grossspreeherischer  Weise  gethan.  Jedenfalls  war  aber  ihre  Druckerei  in 
dieser  Drangsalsperiode  auch  nicht  besonders  leistungsfähig,  so  dass  sie  wohl  neben 
kleineren  Accidenz-Arbeiten  eben  genug  zu  thun  hatte  mit  den  obengenannten 
kleineren  Druckwerken  von  1468  bis  1464,  zumal  in  dieser  Zeit  auch  schon  die 
grossem  Werke  .Cieero  de  officiis*  und  Bonifacius  Vm.  ,Liber  seztus  decretaliimi'' 


—    Mainz.    —  21 

TOTKUbflreiten   und   auBcufuhren    waren,    da   sie   beide    noch    im   Jahre    1466    er- 
sohieBen.  — 

Der  Inhalt  obiger  keineswegs  orthodoxen  Schrift  g^ebt  Abhandlungen  über  die 
Tugenden  Tom  Stan^^MEokte  praktischer  Lebens  weisheU^  Bei  Paaier,  Annales  IV,  464»  Ist 
-das  Werk  unter  den  Bachern  ohne  Angabe  des  Jahres,  Ortes  und  Druckers  angeföhrt.  — 


No.  18. 

^«ntti  ISerttarki  ^^Sptminm  be  ^tneßatt  sitae ^^ 

Mainz  ^  Fust  Sc  Schoefler,  circa  1464« 
In  Klein-Quart-Format. 

Das  bei  Hain  L  9901  erwähnte,  jedenfalls  höchst  seltene  Schriftchen  ist  mit  der 
Bibel-Type  ron  1462  gedruckt.  Der  Inhalt  desselben  giebt  des  Heiligen  Bemard  von 
Olidryaux  Betrachtungen  über  die  Ehrbarkeit  des  Lebens,  eine  Abhandlung  voll  der 
strengsten  Observans  und  ascetischen  Eifers.  — 


No.  14. 

<9o^aimt9  it  ^tLbxxttL^  ilitolat  Mtc^arbt  et  ^nt^onim 

^)9ractatu0  fufier  beclaratione  tnl»ttl0enttanim  can- 

cefTarum  |iro  animatma  in  fiurgatorio/^ 

Mainz  ^  Fust  &  Schoeffer,  circa  1404.    Klein-Folio-Format. 

Prfiher  Maittser  Druek  von  grösster  Seltenheit,  mit  der  DvroMduS'jype  gedruckt, 
jed^oiUls  aber  no<^  vor  dem  Cicero  von  1465,  als  Fast  und  Schofler  nach  der  Zer- 
störung von  Hains  1468  nur  kleinere  Druckwerke  henntstellen  vemochten,  deaan 
sie  "weder  Firma  no<A  Jahrsahl  beifügten,  wie  es  von  1465  ab  wieder  nat^weislleh  Ist. 

Diese  drei,  von  der  gottlichen  Barmhenigkeit  für  die  von  Sünden  geveiaigten 
Geschöpfe  handelnden  Tractate,  sind  von  Panser  bei  den  undatirteo  Druiden,  Aa- 
nales IX,  pag.  828,  und  von  Hain  unter  No.  6876  ungenau  beschrieben.  Errterer 
w«Sdkt  in  den  Zeilenangaben  gans  ron  der  Richtigkeit  ab;  Letiterer  giebt  nur  4en 
Aofiuig  des  ersten  Tractates.    Wir  geben  daher  die  genaue  Beschreibung: 

FoL  1  beginnt  mit  dem  vieraeBlgen  Titel:  „Crwtfttlis  cüpsfltttB  £  KttertttbK  flUh 
fiftfi  n  noflri  Jlagiflnt  3«|«ntie  he  fobrica  orbinis  fratri  miiiMi  fscre^fivfttiftfflMre 
fuM^nimv  9ftrifliu  in  pfaix  ot^inii  fcota  regntte  ftt£  btclococo  II  ne  (sici)  Sutatlgnttiani 
tocf  ffftri  ji  otiimoft}  in  inargatorio.** 

Auf  Fol.  9  verso,  Zeile  V7  •«^Hesst  der  Tractat  des  Johannes  de  Fiabriea  und 
«s  beginnt  der  des  Nicolaus  Richardus  mit  dem  vierzeillgen  Tit^:  „VrndatM  ttft- 
fitvs  2  Hettermbi  «agiftti  ||  noflri  magiftrü  nicoloi  rid^arM  fscre  pagünt  irffff^rtw  famo- 
finKamm  ||  feaiiarm  fnji  eohe  «ottrio  itt^nigrntiitrtt  tnc  in  vninrrlitatt  pidasitn.  H  fftwdft 
ncl^rem**. 

Auf  PoL  6,  ZeQe  14  schliesst  der  sweite,  und  es  beginnt  der  dritte  Tractat  ndt 
den  einleitenden  Worten:  ,^eqiritttr  rtfolntio  fmniiif  Xnftrmrtvt  ard|i-| fe^fcoyi  flörtt- 
ti«i%  und  endigt  mit  der  87.  Zeile  auf  Fol.  6  verso:  »g  »  0t  «Klto  minus  qvi  fnt  in 
inftmo.* 

Das  gansse  Werkchen  nmfasst  also  nur  6  Blätter  in  Folio  und  mit  Je  48  Zeilen, 
«hne  Signaturen,  Custoden  und  Seitenzahlen.  Die  Dngleiehheit  in  der  Zeitenlftng» 
spridit  ganz  für  das  hohe  Alter  des  kleinen  interessanten  Druckwerkes. 


22  ""     Mainz.     — 

No.  15. 

^rrtini  ^^^t  amüre  (Suiecarlri  rt  ^igiemunbaf  pUae  Sancrrti*^- 

Mainz^  Fust  &  SchoefFer,  circa  1465. 
In  Klein-Quart-Format. 

Wieder  mit  der  Bibel-Type  von  1463  gedruckt.  Dass  man  zu  solch  kleinei> 
Werkeben  diese  grosse  Type  wählte,  hängt  wohl  eben  damit  zusammen,  dass  es  in 
dieser  Drangsalsperiode  bei  Fust  imd  SchÖifer  an  geschulten  Schriftsetzern  fehlte^ 
die  mit  der  kleinen  Durandus-Type  zurechtgekonmien  wären.  Obiges  Werkchen  ist 
die  lateinische  Uebersetzung  einer  Erzählung  des  berühmten  Italieners  Boecaccio,. 
welche  die  unglückliche  Liebe  der  Tochter  Tancreä^s  von  Salerno,  Sigtsmunde,  zu 
Quiscard  behandelt.  — 


No.  16. 

löarci  ®uUü  €icer0ni0  „Sfpcia  rt  parabo|ra*^ 

Mainz,  Fust  &  Schoeffer,  1466.    Klein -Folio -Format. 

Cicero^s  drei  Bücher  von  den  laichten  nebst  den  Paradoxa  repräsentiren  in  dieser- 
zweiten  Mainzer  Ausgabe,  auf  Pergament  gedruckt,  einen  hervorragenden  Bibliothek- 
schatz. Diese  zweite  Auflage  ist  seltener  wie  die  erste,  die  1465  erschien,  während 
die  zweite  schon  im  Februar  1466  die  Presse  verliess.  Wahrscheinlich  wurde  nur 
ein  kleinerer  Yorrath  mit  ganz  geringen  Abweichungen  im  Texte  nachgedruckt,  weil 
Johann  Fust  im  Frühjahre  1466  mit  genügenden  Yorräthen  seine  Geschäftsrüse  nach 
Paris  antreten  wollte,  wo  er  in  demselben  Jahre  an  der  Pest  starb. 

Die  Typen  sind  die  von  ^Durandi  Rationale"  mit  Yerkürzungen  und  Ligaturen 
von  zwei  auch  drei  Buchstaben ;  der  Satz  ist  aber,  was  bislang  wohl  nur  von  JBemard 
beobachtet  wurde,  im  Cicero  durchschossen  und  erscheint  dadurch  grosser,  klarer  und 
viel  ausdrucksvoller;  es  kommen  auf  28  Zeilen  der  ^Officia*'  nur  24  des  ^Rationale".. 
Es  ist  das  ein  Beweis,  wie  bald  diese  den  Druck  veredelnde  und  klärende  Technik 
den  ersten  Praetioanten  schon  offenbar  wurde. 

Die  rothe,  sechszeilige  Schlussschrift  ist  mit  den  Typen  der  Bibel  von  1462  ge- 
druckt. Typographisch  wichtig  ist  es,  dass  in  den  Paradoxa,  welche  auf  der  Rück- 
seite des  75.  Blattes  beginnen,  zum  ersten  Male  griechische  Typen  vorkommen ,  mit 
denen  die  griechischen  Ueberschriften  gedruckt  sind.  Wie  primitiv  diese  Erstlinge 
auch  erscheinen,  so  sind  sie  doch  als  solche  von  Bedeutung. 

Besonderes  Interesse  hat  das  Werk  auch  deshalb,  weil  es  das  erste  ist,  in  dessen» 
SchluBSSchrift  Fust's  Schwiegersohn  Peter  Schöffer  mit  der  Bezeichnung  «puer  meus" 
bedacht  wird,  obgleich  seine  Yerheirathung  mit  Fust's  Tochter  schon  um  1454  statt- 
gefunden haben  dürfte.    Klappern  gehorte  Jetzt  zum  Handwerk.  — 

Der  Lihalt  dieser  bekannten  Schriften  des  grossen  Redners  und  Staatsmannes 
Cicero  ist  ein  philosophisch-pädagogischer.  Die  drei  Bücher  der  ^Officia*  sind  an. 
seinen  Sohn  Marcus  gerichtet,  von  denen  das  erste  Buch  über  das  Gute  an  sich,  daa 
zweite  über  das  Nützliche  und  das  dritte  von  dem,  was  nach  Umständen  von  beiden 
das  Vorzüglichere  sei,  handelt.  Die  »Paradoxa"  entwickeln  sechs  verschiedene  Sätze 
der  stoischen  Philosophie. 

Unser  Pergament-Exemplar  ist  ganz  complet  und  wohlerhalten,  mit  stark  ver- 
goldetem Initial-Buchstaben  und  Randmalereien  auf  der  ersten  Seite  des  Buches» 
Auch  der  prächtige  veilchenblaue  Leder-Einband  mit  reichem  vergoldetem  Beschläge,, 
nach  altem  Muster  gearbeitet,  schliesst  sich  dem  kostbaren  Druckdenkmale  würdig  an. 


—    Mainz.    — 


23 


No.  17. 

Smtlx  ^ujiuHim  ^,5f  arte  firebkanbi". 

Mainz  ^  Johannes  Fust,  wohl  1466*     Klein -Folio -Format. 

Diese  mit  der  Ihirandus-T^pe  gedruckte  Ausgabe  der  ytKunst  zu  predigen'*  von 
Aurelius  Augustinus  ist  als  erster  yachdrueh  zu  betrachten  und  deshalb  besonders, 
bemerkenswerth;  sugleicb  ist  es  der  leiiU  Druck  mit  Johann  t\tBVs  Namens  welcher 
auf  Blatt  1  verso  in  der  88.  Zeile  vorkommt,  wonach  Schaab  zu  berichtigen  wäre, 
welcher  in  Band  I,  Seite  448  des  Bonifacll  „Liber  sextus  Decretalium''  vom  Jahre 
1465  als  das  letzte  mit  Fust^s  Namen  bezeichnete  Werk  angiebt. 

Beschrieben  ist  das  Buch  namentlich  bei  Ebert,  No.  1864,  der  dazu  Folgendes  sagt: 

,Die  zum  Behufe  des  Registers  an  den  Band  [gesetzten  Buchstaben,  für  welche 
in  der  vorigen  Ausgabe  —  Strassburg,  Mentelin,  vor  1466  —  Raum  gelassen  war, 
der  in  der  vorigen  fehlende  Zusatz  am  Ende,  und  der  Umstand,  dass  in  dem  Vor-, 
berichte  zwar  Heidelberg,  Speyer,  Worms  und  Strassburg,  aber  nicht  Mainz  erwähnt 
werden,  setzt  es  ausser  Zweifel,  dass  Fust's  Ausgabe  die  spätere  und  blos  Nachdruck 
der  vorigen  ist.  Da  Fust  1466  starb ,  so  muss  sie  wenigstens  in  diesem  Jahre  ge- 
druckt sein.* 

Der  Nachdrucker  Fust  hat  übrigens  bei  der  Sache  nichts  weiter  gethan,  als  dass 
er  den  Druck  des  Prologus  auf  der  Vorderseite  des  ersten  Blattes  anfing,  statt  wie 
bei  Uentelin  auf  der  Rückseite,  und  dass  er  auf  der  zweiten  Columne  seinen  Nunen 
j^Johannes  Fust  in  Mainz**  an  die  Stelle  von  „Johannes  Mentelin  in  Strassburg** 
seilte.  Er  giebt  uns  aber  damit  wenigstens  eine  schätzbare  Urkunde,  dass  er  nicht 
aPatist*  geheissen,  wie  ihn  einige  Bibliographen  beharrlich  genannt  haben.  —  Ein- 
band von  blauem  Leder  mit  reichem  durchbrochenem  Silberbeschlage.  — 


©ritte  ITTainscr  SDrutfcrei: 

Prter  ß^o^tx  allein 

nad)  Suft'0  lofee  1467  bie  f  1502. 

No.  18. 

St),  be  ^quinm  ^^Summae  tl)eol09im  frcunlra  fecunbae  |lartt0^^ 

MaillZ^  Petrus  SchoefFer  de  gernssheim,  1467*    Folio-Format. 

Seltenheit  ersten  Ranges  und  der  erste  Mainzer  Druck,  den  Peter  Schöffer  nach 
Fust's  Tode  allein  lieferte. 

Es  giebt  hiervon  zweierlei  Exemplare;  solche,  die  auf  Blatt  458  eine  neun- 
zeilige  Schlussschrift  haben,  in  welcher  Peter  Schöffer  als  Drucker  und  das  Jahr 
1467  angegeben  ist;  dann  Exemplare,  wie  das  unsrige,  in  welchen  die  Schlussschrift 
fehlt.  Die  letzteren  sind  viel  seltener,  und  man  möchte  annehmen,  dass  sie  zum 
Verkauf  als  Manuscripte  bestimmt  gewesen  sind.  Vielleicht  ist  aber  auch  Schöffer 
nach  dem  Tode  Fust's  wegen  der  Firma  nicht  sofort  schlüssig  gewesen  und  hat  sich 
erst  spater  für  die  Aenderung  derselben  und  deren  Beifügung  entschieden. 

Das  Werk  ist  mit  der  Jhirandus-Type  gedruckt,  nicht  —  wie  Schaab  Band  I, 
Seite  446  sonderbarerweise  angiebt  —  mit  der  Bibel-Type  von  1462.  Der  Inhalt 
dieses  Hauptwerkes  des  berühmten  Theologen  und  Scholastikers  Thomas  von  Aquino, 
welcher  1224  geboren  wurde,  giebt  den  ersten  Versuch  eines  vollständigen  iheolo- 


24 


—    Mainz.     — ^ 


gischen  Systems,  in  welchem  auf  höchst  geistvolle  Weise  die  aristotelische  Philo- 
sophie auf  die  wissenschaftliche  Behandlung  der  Theologie  in  Anwendung  gebracht 
wurde.  — 


No   19. 

J^iifitmam  ^^^\\^\ivA\mt%  cum  gloffa.^^ 

Malnz^  Peter  SchoefFer,  1468*     In  Gross -Folio -Format. 

Die  erste  Ausgabe  der  vom  Kaiser  Justinian  un  sechsten  Jahrhunderte  aus  frü- 
heren Rechtsschriften  zusammengestellten  und  von  ihm  selbst  vermehrten  »Verord- 
nungen*'. Bar  Text  ist  mit  der  Bibel-Type  von  1462  gedruckt,  und  die  den  Text 
rings  umgebenden  Randbemerkungen  oder  Glossarien  mit  der  Durandus-Type. 

Dieses  seltene  Werk  ist  besonders  interessant  durch  seine  SchlussschrifteiL  In 
der  roihgedruckten  Endschrift  von  18  Zeilen  ist  Peter  Schaff  er  als  Drucker  genannt. 
Du>auf  folgen  aber  noch  in  Schwarsdruck  24  Zeilen,  welche  nim  Theil  für  die  Ge- 
schichte der  Buchdruckerkunst  wichtig  sind.  Die  Verleugnung  des  Erfinders  Qnien- 
berg  durch  Feter  Schöffer  nimmt  hier  ihren  Anfang,  wenn  derselbe  auch  im  Todes- 
jajwe  ijlutenberg's  noch  nicht  ganz  direct  es  wagte,  die  ganze  Erfindung  der  Kunst 
sich  allein  zuzusehreiben. 

Der  Versemacher  spricht  daher  gleichnissvoll  von  zwei  Johannes,  welche  die 
Stadt  MiUzkz  als  Meister  der  Kunst  geboren,  und  einem  Peiarus,  der  mit  ihnen  zum 
Grabe  gegangen  und  in  das  Geheimniss  der  Erfindung  zuerst  eingetreten  sei,  ot^leieh 
er  im  Laufe  der  Letzte  gewesen.  Er  habe  ein  vollkommenes  Verfahren  des  Typen- 
gusses entdeckt  und  dadurch  mehr  geleistet,  als  die  beiden  Johannes. 

Es  ist  dies  eine  Anspielung  auf  Evangelium  Johannes  Capitel  80,  Vers  3  bis  8, 
wo  die  Apostel  Petrus  und  Johannes  zum  Grabe  Christi  laufen.  In  obigem  Gleich- 
niss  ist  es  nun  unbestimmt  gelassen,  welcher  Johannes  der  rechte  „Magister  der 
Druckkunst*  gewesen,  ob  Johann  Gutenberg  oder  Johann  Fust;  aber  beide  hat  der 
Petrus,  das  ist  der  Peter  Schöffer,  überholt.  —  Dieses  interessante  Document  findet 
sich  auch  abgedruckt  auf  der  lezten  Seite  in  Gregorys  Decretalen  von  1478  unter 
No.  S7  unserer  Sammlung. 

Ein  schönes  Exemplar  der  Fortsetzung  dieses  Werkes:  „Novellae  constitutiones* 
von  1477  werden  wir  noch  unter  No.  34  ebenfalls  in  unsrer  Sammlung  finden.  — 


Ko.  2a 
Slt)0ma0  it  ^quino:  ^^@^o|ttt0  qmxXi  libri  fentmttarium^^ 

MainK^  Feter  Schoeffer,  1469*    In  Gross -Folio -Format. 

Seltenheit  ersten  Ranges.  Prächtig  erhaltener  Foliant  mit  der  Durandus-J^pe 
auf  starkes  Papier  gedruckt  Das  Werk  ist  ein  Commentar  zu  dem  vierten  Buche 
der  Sententia  des  Petrus  Lonibardus,  um  die  Mitte  des  zwölften  Jahrhunderts  ver- 
fusty  worin  die  Ausspräche  der  Kirchenväter,  besonders  des  Augustinus,  ober  die 
Dogmen  unter  gewissen  Titeln  und  mit  Hinzufugung  der  Einwendungen  gegen  die- 
selben und  der  Widerleg^mgen  dieser  Einwände  durch  kirchliche  Autoritäten,  cu- 
sftnmiengebraoht  sind;  ohne  eigenes  Endurtheil  hatte  dieses  Werk  doch  bis  zur  Re- 
formation beinahe  classischen  Ruf. 

Unser  Exemplar  ist  in  prächtigem  altem  Original-Einbande  von  braunem  Leder, 
wie  neu  erhalten,  und  reich  mit  durchbrochenen  Metallbeschlägen  geeiert.  — 


—    Mainz.     — 


25 


No.  21. 

Müha^  Peter  Schoeffer,  1470.     In  Gross -Folio -Format. 

Bin  oftloflsaies  und  pFa<ditroU«6  Werk,  gans  mit  der  Bibel^l^pe  von  1469  ge- 
dru^ct  und  mit  vielen  schönen  Initialen  ausgemalt.  Es  ist  die  aweite  A.usg»)»e  der 
Briefe  des  ascetischen  und  im  Bibeltexte  vor  allen  Andern  bewanderten  Heiligen  des 
vierten  Jahrhunderts;  vrir  werden  der  ersten  Ausgabe  in  unsrer  Sammlung  unter 
Rom,  bei  Sweynheim  &  Pannartz  146$,  auch  noch  begegnen. 

In  der  Auetion  Didot  zu  Paris  wurde  1879  ein  Bxemplar  des  seltenen  Werkes 
um  SOOO  Francs  versteigert.  Der  riesige  Foliant  unsrer  Sammlung  ist  in  unversehrtem 
hellbraunem  Ledereinbande  mit  Ifessingschliessen  und  grossen  Bukein  versehen.  — 


No.  22. 

^o^annt0  llard^eftni  ^vlttatnmotractud^^ 

Mainz ^  Peter  SchoefFcr,  1470.     In  Folio -Format. 

Seltenes  Prachtexemplar,  wie  neu,  mit  der  Durandus-Type  gedruckt,  nur  die 
fldilnssschrift  hat  die  Paulus-Type;  so  benannt  nach  dem  Oialogus  Pauli  de  Sancta 
Maria  von  1478,  welchen  wir  unter  No.  36  kennen  lernen  werden.  Sie  ist  etwas 
grSflser  und  eckiger  als  die  Durandus-Type,  ihr  aber  sonst  sehr  ähnlich.  In  der 
SeUussschrift  des  „Ifammotractus"  tritt  sie  zum  ersten  Male  auf,  danach  bis  zum 
Jabre  1478  in  mehreren  anderen  Werken ;  dennoch  erhielt  sie  —  sonderbar  genug  — 
von  jenem  Paulus  de  Sancta  Maria  erst  ihren  Namen.  Dieser  ,Mammotractus*  — 
wörtlich:  der  Zug  des  Säuglings  aus  der  Brust  —  ist  ein  biblisches  Wörterbuch 
und  enthält  eine  Erklärung  aller  in  der  Bibel,  den  Gesängen  und  Legenden  der 
U^Ugen  vorkommenden  Ausdrücke.  Der  Verfasser  lebte  im  Anfange  des  vier- 
zeltBten  Jahrhunderts  in  Italien. 

Bei  Schaab,  I,  488,  ausführlich  beschrieben.  Unser  Exemplar  ist  in  reich  ge- 
presetem  rehbraunem  Lederbande,  mit  eben  so  reichem  Metallbeschlage  versehen.  — 


No.  23. 

St^omaa  Irr  ^quino: 
^^3ummar  ti^rologicae  |iarttd  fccunbac  |irima  |lar0^^ 

Mainz,  Petrus  SchoefTer,  1471.   In  Gross-Folio-Format. 

Wahrscheinlich  die  zweite  Ausgabe  des  ersten  Theiles  dor  „Summa  theologica", 
deren  Btce^em  Theile  wir  bereits  oben  unter  No.  16  begegneten;  sie  ist  gleichfalls 
mit  der  Duremdut-Tffpe,  die  Schlussschrift  aber  mit  der  Paulus-Type  gedruckt. 

Unser  wohlerhaltenes  Exemplar  ist  nach  altem  Muster  prachtvoll  in  grfines  Leder 
gebunden  und  mit  vei^oldetem  Messingbesohlage  versehen.  — 


No.  24. 

1?at.|lllaytmu0 :  ,^2Factorum  et  Mctorum  mr  morabilium  Ubri  IX^^ 

•  Mainz,  Peter  Schoeffer,  1471.    In  Folio-Format. 

Schönes  Bxemplar  einer  seltenen  Ausgabe,  welche  jedenfalls  die  erste  datirte  ist, 
'wftlirend  man  die'Prioritat  der  wicht  datirten  von  Mentelm  in  Strassburg  um  1468 
zeuchreibt. 

In  unserer  mit  der  Bibel-Type  von  1468  gedruckten  Ausgabe  erscheinen  zum 
ersten  Male  neben  dem  Punkte  auch  andere  Interpunctattenen,  Komma,  AusruAiögs- 
zeichen  tmd  Fragezeichen. 


20  —    Mainz.    — 

Dieses  Werk  eines  römischen  Bürgers  und  Gelelirten  entstand  um  das  Jahr  3.> 
naeh  Christus  und  behandelt  in  philosophiseh-p&dagogischer  Form  die  verschieden^ 
sten  Fragen  und  Erscheinungen  auf  moralischem  sowie  auf  dem  Gebiete  des  öffent- 
lichen. Lebens.  Ueber  Tugenden  und  Laster  bei  seinen  Landsleuten  wie  bei  Aus- 
ländem, die  der  Verfasser  auf  seinen  Reisen  aufsuchte,  handelt  er  gleich  unparteiisch. 

Ein  wohlerhaltener  alter  Ledereinband  mit  reichem  Metallbeschlage  giebt  diesem 
Bibliotheksehatie  ein  würdiges  Gewand. — 


No.  25. 

$tblia  facra  latina. 

Mainz,  Peter  Schoeffer,  1472.    In  Folio -Format. 

Ein  stariier  Foliant,  [Pracht-Exemplar  wie  neu  erhalten ;  auf  starkes  Papier  ge- 
druckt Diese  dritte  Mainzer  Bibel- Ausgabe,  ebenso  selten  wie  die  in  unsrer  Samm- 
lung unter  No.  11  besprochene  zweite  Auflage  von  1468,  ist  ein  genauer  Abdruck  der 
letzteren  mit  den  gleichen  Typen;  nur  sind  die  in  zwei-  auch  dreierlei  Form  vor- 
kommenden Majuskeln  hier  anders  angewendet,  das  heisst  bei  denselben  Wortern 
umgewechselt,  was  so  manchen  Gelehrten,  der  die  Sache  nicht  genauer  untersuchte, 
zu  der  irrigen  Annahme  führte,  dass  beide  Bibelwerke  »zwar  mit  sehr  ähnlichen» 
aber  dennoch  verschiedenen  üj^Qn'^  gedruckt  seien. 

Auch  der  Umstand,  dass  der  Druck  auf  dem  schonen  kräftigen  Papiere  klarer 
und  schärfer  hervortritt,  als  in  der  zehn  Jahre  früher  auf  Pergament  gedruckten 
Ausgabe  hat  schon  manchen  oberflächlichen  Forscher  irre  geführt,  und  der  gelehrte 
Schaab  sagt  in  seiner  „Geschichte  der  Buchdruckerkunst*'  Band  I,  Seite  496  über 
die  Bibel  von  1472,  im  Vergleich  mit  der  von  1462  aiisdrücklich :  „ihre  Lettern  sind 
verschieden,  wie  es  schon  Panzer  bemerkt  hat,  und  in  dieser  Auflage  —  von  1472  — 
grösser  und  schöner."' 

Beides  ist  nicht  zutreffend;  und  wenn  [die  Ausgabe  von  1472  schöner  gedruckt 
ist  wie  die  von  1462,  so  hatte  man  eben  in  den  zehn  Jahren  besser  drucken  gelernt, 
oder  den  Druckapparat  verbessert  Wären  dagegen  die  Typen  wirklich  grösser, 
dann  müssten  doch  auch  die  48  Zeilen  auf  jeder  Columne  in  den  beiden  Bibeln 
einen  verschiedenen  Höhenraum  einnehmen,  auch  müsste  die  Ausgabe  mit  der  grösseren 
Type  mehr  Blätter  umfassen. 

Beides  ist  nicht  der  Fall;  die  Hohe  der  Columnen  ist  in  beiden  Ausgaben  ganz 
gleich,  das  heisst  sie  schwankt  zwischen  27'/«  und  28  Centimeter  von  Grundstrich  zu 
Grundstrich  gerechnet  Diese  kleine  Differenz  hängt  mit  der  Verschiedenheit  des 
Materials  zusammen,  auf  welches  gedruckt  wurde.  Namentlich  durch  das  Anfeuchten 
der  Bogen  vor  dem  Drucke,  das  nicht  immer  gleichmässig  erfolgt,  läuft  manches 
Papier  mehr,  das  andere  weniger  ein;  und  ebensowenig  constant  bleiben  die  ver- 
schiedenen Pergamentarten  nach  dem  Drucke.  Beim  Papiere  kommt  aber  noch  hinzu, 
dass  dasselbe  früher  erst  nach  dem  Drucke  „geleimt",  also  durch  Leimwasser  ge- 
zogen und  dann  getrocknet  wurde,  was  nicht  immer  ganz  gleichmässig  ausfiel. 

Erwähnt  sei  noch  bei  diesem  letzten  Mainzer  Bibelwerke  des  fünfiEehnten  Jahr- 
hunderts, dass  in  diesem  sowohl  wie  in  den  Ausgaben  von  1455  und  1462  die  rothen 
Versalien  des  Psalters  sämmtlich  mit  der  Hand  gezeichnet,  bei  allen  andern  nBüchem*^ 
aber  gedruckt  sind,  eine  Besonderheit,  die,  so  merkwürdig  sie  ist»  bisher  von  keinem 
Bibliographen  bemerkt  wurde,  viel  weniger  eine  Erklärung  gefunden  hat. 

Ohne  ganz  besondere  vielleicht  rituelle  Gründe  dürfte  man  sich  schwerlich  die 
ungeheure  Mühe  gegeben  haben,  die  grossen  Anfangsbuchstaben  jeden  Satzes  durch 
alle  150  Psalmen  hindurch  roth  cinzumalen,  anstatt  sie  gleich  mit  zu  drucken,  wie 
bei  allen  übrigen  Büchern  der  heiligen  Schrift,  da  man  doch  die  Typen  daau  in  aus- 
reichender Anzahl  gehabt  hätt«,  um  nicht  die  enorme  Menge  von  2S00  Versalbuch- 
staben einzeln  mit  der  Hand  ausführen  zu  müssen. 


—    Mainz.    —  27 

Bass  dies  nicht  ohne  einen  ganz  besondern  Orund  schon  von  Gutenberg  1455 
und  Ton  Peter  Seboffer  in  den  lateinischen  Bibeln  von  146S  und  1472  geschehen  sein 
kann,  beweist  noch  der  Umstand,  dass  -wir  [es  auch  in  andern  religlfisen  Druek> 
merken  Jener  Zeit  vorfinden,  wie  lum  Beispiel  in  dem  seltnen  Marienthaler  ,Brevi- 
arium  Moguntinense*  1474  und  den  zwei  gleichen  Brevieren  von  Johann  Schoflfer, 
die  sieh  unter  den  Jahren  1509  und  1510  in  unsrer  Sammlung  befinden. 

Aber  auch  die  früheste  lateinische  Bibel-Ausgabe  von  Anton  Koberger  in  Nüm- 
beigll475  zeigt  jene  Merkwürdigkeit,  wogegen  es  in  den  alten  Strassburger  Bibeln 
von  Johann  Mentelin  1460  und  1464  ebensowenig  der  Fall  ist,  wie  in  der  alten 
Bixsler  Vulgata  von  Bernhard  Eichel  1477.  Waren  etwa  in  einzelnen  Diözesen  be- 
sondere Rücksichten  vorwaltend,  oder  wurden  von  den  Psaltern  Exira-Ahdrücke  ver- 
anstaltet, die  man  mit  eingeschriebenen  Versalbuchstaben  um  so  leichter  als  Ma^ 
wuscripte  verkaufen  konnte?  Dann  wäre  doppelt  zu  bedauern,  dass  sich  kein  der- 
artiges Buch  bis  auf  unsere  Zeit  erhalten  hat  — 

Unser  herrliches  Exemplar  von  1472  ist  nach  altem  Muster  in  dunkelgrünes 
Ijeder  mit  reicher  Pressung  gebunden,  und  mit  vergoldetem  Meeslngbeschläge  ver- 
sehen, in  welchem  Engelsköpfe  in  erhabener  Arbeit  reizend  schön  angebracht  sind.  — 


No.  26. 

(Sratiatti  ^^Öecrrtum  cum  jlofitö". 

Mainz,  Peter  SchoefFer,  14  7  2.     Gross -Folio -Format. 

Die  dritte  Ausgabe  der  kirchenrechtlichen  Vorschriften  des  Mönches  Gratian. 
worin  er  die  aus  früheren  Kechtsschriften  geschöpften  Bestimmungen  in  eine  ge- 
wisse Ordnung  brachte  und  durch  Deductionen  und  Aufstellung  von  Rechtspiincipien 
verband,  um  das  Jahr  1150  vollendete,  und  hierdurch  der  Begründer  des  canoni- 
schen Rechtes  geworden  ist.  Das  Werk  ist  im  Texte  mit  der  Bibel-Type  von  1462 
und  in  den  Glossarien ^  welche  den  Text  umgeben,  mit  der  Paulus-Type  gedruckt. 

Von  dieser  seltenen  Ausgabe,  welche  nach  den  beiden  in  Strassburg  bei  Egge- 
stein 1471  und  1472  gedruckten  erschien,  besitzt  unsre  Sammlung  leider  nur  ein 
wohlerhaltnes  Blatt  auf  Pei^ament  gedruckt,  aus  der  berühmten  Bechstein^schen 
Sammlung,  welches  in  Messingrahmen  mit  Doppelglas  vorliegt;  dagegen  sind  die  noch 
seltneren  Strassburger  Ausgaben  von  1471  und  1472  in  schönen  und  completen 
Exemplaren  vertreten,  welche  wir  später  unter  „Strassburg*'  näher  kennen  lernen 
werden.  — 

No.  27. 

(&xt%mm  IX,:  i^ötJa  compilatto  iBecretalium  cum  jlcffa.^*^ 

Mainz,  Peter  Schoeffer,  1473.     Gross -Folio- Format. 

Die  erste  Mainzer  und  dritte  daiirte  Ausgabe  dieses  im  Texte  mit  der  Clemens- 
Type  und  in  den  Glossarien  mit  der  kleineren  Paulus-Type  gedruckten  voluminösen 
Folianten.  Auf  der  letzten  Seite  vor  der  rothen  Sohlussschrift  finden  sich  die  histo> 
risch  wichtigen  24  lateinischen  Verse  in  ebensoviel  Zeilen  abgedruckt,  von  denen 
wir  schon  unter  No.  19  Näheres  bemerkten.  — 

Das  Exemplar  ist  von  prachtvoller  Erhaltung;  der  nach  altem  Muster  reich  ge- 
presBte  laubgrüne  Ledereinband  ist  mit  einem  kolossal  starken  Messingbeschlage 
versehen,  dessen  grosse  Ecken  und  Mittelstücke  zugleich  riesige  Bukein  von  2  Centi- 
meter  Höhe  bilden.  Dieser  ganze  Beschlag  stammt  übrigens  von  dem  alten  Ein- 
bände eines  handschriftlichen  Codex  des  dreizehnten  Jahrhunderts,  und  ist  sonach 
hier  nur  passend  wieder  verwendet  worden. 


28  —     Mainz.     — 

No,  28. 

Srnüx  ^tt((uflim  ^fit  cinttate  f^ti  cum  contmentanb  Sl^onme 

Mainz  5  Peter  Schoeffer,  14  7  S*    In  Gross -FoKo-Fönttat 

Scbones  Exemplar  dieser  ersten  Mainzer  Ausgabe  mit  vollständiger  DaUrwig; 
die  Editio  princeps  werden  -wir  jedoch  bei  Stce^nkeim  &  BinnartZt  in  Subiaco  unter 
dem  Jahre  1467  finden. 

Die  Mainzer  Type  für  den  Text  ist  die  der  Bibel  von  1462  oder  die  Chmens-Tjfpe, 
während  die  auf  Blatt  285  beginnenden  Commentarien  mit  der  Durandtts-Tifpe  gedruckt 
sind ;  die  neunzehnzeilige  rothe  Schlussschrift  hat  wieder  die  grössere  Clemens-Type. 

Diese  aus  22  Büchern  bestehende  theologische  Schrift  des  AureUus  Augustinus  »Von. 
dem  Reiche  Gottes"  begegnet  in  ihrem  Inhalte  den  Einwendungen  der  Heiden  gegen  das 
Christenthum  und  ist  zugleich  die  Hauptschrift  des  um  354  bis  430  lebenden  Kirchenvaters. 

Die  Gelehrten  Dominikaner  Valesius  und  Triveth  haben  im  vierzehnten  Jahr- 
hunderte zu  diesem  Werke  ihre  Gedanken  niedergeschrieben,  welche  zu  dieser  Aus- 
gabe als  Commentar  erschienen.  —  Unser  Prachtexemplar  ist  in  laubgrünes  Leder 
mit  reicher  Pressung  nach  altem  Muster  gebunden,  und  mit  vergoldetem  Messing- 
beschlage   in   durchbrochener  Arbeit  geziert.    Die  Beschläge  sind  Original.  — 


No.  29. 

Santfactua  VIIL :    i^lTtbcr  ffyttt»  iBfcretalium  cum  apjiarattt 

^oannia  ^nirear^^ 

Hainz^  Peter  SchoefFer,  1473*     In  Gross- Folio -Format. 

Seltenheit  ersten  Ranges,  zugleich  als  Pergament-Exemplar  ein  Frachtstück  von 
bewundemswerth  schöner  Erhaltung,  vielleicht  das  schönste  von  den  etwa  acht  noch 
existirenden.  Es  ist  die  dritte  Mainzer  und  die  fünfte  datirte  Ausgabe ,  im  Texte  mit 
der  Clemens-Type  und  den  ringsum  laufenden  Glossen  mit  der  Paulus-Type  gedruckt. 

Pabst  Bonif actus  Till,  verfasste  dieses  „sechste  Buch  der  Verordnungen*  als 
Ergänzung  zu  Gregorys  IX.  »fünf  Büchern  Decretalien",  wovon  wir  einem  schönen 
Exemplare  schon  auf  voriger  Seite  unter  No.  27  begegneten,  zu  Ende  des  dreizehnten 
Jahrhunderts.  Die  unbedingte  Macht  des  päbstlichen  Stuhles,  welche  beide  Päpste 
mit  gleichem  Ungestüm  und  gleicher  Heftigkeit  durchzusetzen  trachteten,  ist  auch  der 
Canon  dieser  Verordnungen,  weliche  ihr  Riehteramt  auf  alle  Könige  der  Weh  anedetanan. 

Die  Anmerkungen  sind  im  Anfange  des  vierzehnten  Jahrhunderts  von  dem  ge- 
lehrten Johannes  de  Andrea  verfasst,  der  von  seinen  Zeitgenossen  y,der  Fürst  des 
canoniscken  Rechtes'^  genannt  wurde.  —  Das  Exemplar  hat  auf  dem  ersten  Blatte 
eis  sehönes,  mit  Gold  gehöhtes  Initial,  welches  in  einer  reizenden  MiMatuie  den 
Papst  Bonifacius,  über  seinem  Werke  beschäftigt,  darstellt.  Der  prächtig  •erhAltene 
braune  Lederband  ist  mit  grün  oxydirtem  Metall  reich  beschlagMi.  — 


No.  30. 

%vmxm  3|erp:  ^^^peculum  aurmm  becem  |irarcept0rttm  ^ei.*^ 

Mainz^  Peter  Schoeffer,  1474.    Mittel -Folio -Format. 

Vorliegendes  ist  die  erste  Ausgäbe  dieses  schönen  und  seltnen  „goldenen  Spiegels 
der  zehn  Gebote  Gottes",  welchen  -der  Franciscanermönch  Heinrich  Herp  zum  Unter- 


—    Mainz.     — 


29 


richte  der  Beichtväter  und  Prediger  verfasste,  wie  es  in  der  sechszeiligen  rothen 
Einleitungsschrift  des  zwölften  Blattes  heisst.  Der  umfängliche  Band  ist  mit  der 
Suraa^tus-Type,  die  Sebhisschrift  aber  mit  der  Paulus-Type  gedruckt. 

Unser  Exemplar  ist  so  schon  erhalten»  als  ob  es  eben  erst  die  Presse  verliesse, 
und  nicht  minder  ansprechend  ist  der  rothbraune  Lederband  mit  starken  vergoldeten 
Schliessen  und  Eckbescblfigea.  — 


No.  31. 

ßamntB  be  Surtfcrcntata:  ^^(ffnuj|itia  fuper  tota  |Jfalterio/^ 

MaillZ^  Peter  Schoeffer,  1474.     Klein-Folio-Format. 

Sehr  seltene  erste  Mainzer  und  dritte  datirte  Ausgabe  ^  da  ihr  die  von  1471  in 
Kom  und  1472  in  Augsburg  erschienenen  vorangingen. 

Diese  , Auseinandersetzung  über  den  ganzen  Psalter''  von  Johannes  de  Turrec- 
remata  oder  Torquemada  ist  mit  einer  eigenartigen  Type  gedruckt,  welche  in  den 
Minuskeln  gleich  der  Clemens-Type  ist;  die  Versalien  aber  von  fetter  und  breiter 
Form  sind  ganz  eigenartig  und  finden  sich  nur  in  den  beiden  Auflagen  des  Münzer 
Turrecremata,  von  denen  die  spätere  von  1476  ebenfalls  in  unsrer  Sammlung  ver- 
treten ist  und  imter  No.  33  vorliegt 


No.  32. 

^ancti  SSernarii  ^^3frm0nc»  be  tcmpDrc  et  be  fancti©/^ 

Mainz,  Peter  SchoefFer,  1475.    Folio -Format 

Seltenheit  ersten  Ranges.  Ganz  complet  und  gut  erhalten.  Es  ist  die  erste  Mainzer 
Ausgabe  ,der  Reden  über  die  Zeit  und  über  die  Heiligen"  des  Abtes  Bernhard  von 
Clairvattx,  in  orthodoxer  Tendenz  gegen  die  philosophische  Richtung  des  Abälard  zu 
Sens  und  Gilbert  von  Pettiers  verfasst. 

Das  Werk  ist  ganz  mit  der  schonen  Clemens-Type  gedruckt.  Einige  'grossere 
Initialen  sind  in  Gold  und  Farben  ausgemalt;  die  kleineren  zum  Theil  roth  oder 
auch  nur  mit  dem  Stempel  ohne  Farbe  auf  das  starke  Papier  vorgedruckt,  also  noch 
nicht  mit  Tinte  nachgeschrieben.  — 


No.  33. 

<90antte0  be  Surrecretnata :    ^^(gjrpofittd  fuper  tota  ISfaltmo/^ 

Mailiz,  Peter  SclioefFer,  1476*    In  Klein-Folio-Format. 

Die  zweite  Mainzer  Ausgabe  des  seltenen  Buches,   welches  'wir  unter  No.  31  in 
erster  Auflage  kennen  lernten.    Die  Typen  sind  ganz  dieselben  wie  dort.  — 


No.  34. 

J^ufttniam  ^^HoueUar  Conflitutioncs/^ 

Mainz  5  Peter  Schoeffer,  1477.     Gross -Folio -Format. 

Seltenhdt  ersten  Ranges.  Prächtiges  completes  Exemplar.  Es  ist  die  zweite 
Ausgabe  der  „neuen  Ordnungen"  des  Kaisers  Justiniaa,  von  denen  die  erste  1476  in 
Rom  erschien.  Das  Buch  bildet  eine  Fortsetzung  zu  dem  imter  No.  19  beschriebenen, 
und  ist  mit  denselben  Typen  gedruckt.  — 


30  —     Mainz,     — 

No.  35. 

iBeciflonra  Antiquar   rt  iJooae  Motae  Motnanae^  a  narüd 

atictoribud  coUrctae  et  rbttar. 

Mainz  9  Peter  Schoeffer,  1477«     In  Folio  -  Format. 

Die  Schöffer^sche  Ausgabe  der  „Entscheidungen  des  Romischen  Rota-Gerichtes", 
welche  von  Guilielmus  Horborch  herausgegeben  und  um  mehrere  „Decisiones"  ver- 
mehrt ist  Sie  umfasst  289  Blätter,  von  denen  vier  leer  sind;  Schaab  giebt  sonder- 
barerweise 174  Blätter  an.  Nach  diesem  Werke  ist  die  kleine  Durandus-Type ,  mit 
welcher  es  durchgehends  gedruckt  ist,  die  „Rota-Type*  genannt  worden.  Aus  wel- 
chem Grunde  gerade  dieses  Buch  dazu  ausersehen  wurde,  der  Type  den  Namen  zu 
geben,  nachdem  sie  beinahe  zwei  Jahrzehnte  vorher  existirt  hatte,  ist  freilich  nicht 
einzusehen.  Wahrscheinlich  hielt  man  sie  durch  die  gelehrte  Brille  für  eine  andere 
Typengattung  und  vollzog  darauf  hin  nochmals  die  Taufe.  — 


No.  36. 

Pau(u0  br  <^attcta  Itlaria: 
^^Stalagua^  qtii  TJ0catur  fcrutinium  fcrifituaruni.^^ 

Mainz^  Peter  SchoeflFer,  1478»   In  Folio-Format. 

Pracht-Exemplar  des  mit  der  Paulus-Type  gedruckten  Werkes.  Diese  „wissen- 
schaftliche Untersuchung  in  Gesprächsform"  zerfällt  in  zwei  Theile;  der  erste  Theil 
enthält  ein  Gespräch  des  Paulus  imd  Saulus ;  der  zweite  ein  anderes  zwischen  Lehrer 
und  Schüler.  Beide  Dialoge  behandeln  in  sokratischer  Methode  die  Grundsätze  der 
Paulinischen  Lehre  vom  Christenthume. 

Verfasser  des  Werkes  ist  der  spanische  Prälat  FOulus  de  Burgos,  welcher  um 
1850  bis  1435  lebte.  Unser  Exemplar  ist  wie  neu  erhalten,  mit  sehr  hübscher  Ru- 
brication  und  in  geschmackvollem  Lederbande  mit  Messingbeschlägen.  — 


No.  37. 

1Sartl)olomaru0  br  €l)at)mt0: 
„Snterragatarium  (toe  (Konfeffionalr/^ 

Mainz^  Peter  Schoeffer,  1478.     In  Klein-Quart-Format. 

Schönes  Exemplar  eines  seltenen  Werkes,  mit  der  Durandus-Type  gedruckt,  die 
zehnzeilige  rothe  Schlussschrift  mit  der  Clemens-Type.  Das  Werk  handelt  von  Schuld 
und  Sühne  aller  Vergehen  und  Laster.  —  Alter  schöner  Einband  mit  Beschlägen. 


No.  38. 

^^aractatu0  be  cäcepttane  marie  uirUginia  ebitua  a  fratre  fietr0 

aureoU  ||  orbinta  mtnorü.*^ 

Mainz 9  Peter  Schoeffer,  circa  1480*     In  Octav- Format 

Das  äusserst  seltene,  im  Jahre  1338  von  dem  Bruder  Petrus  aus  Yerheria  ver- 
fasste  Schriftchen  über  „die  Empfängniss  der  Jungfrau  Maria**  ist  im  Texte  mit  der 
Durandus-Type,  die  Ueberschriften  aber  sind  mit  einer  grosseren  Missal-Type  gedruckt. 


—    Mainz.     —  ^I 

No.  39. 

Itttffalc  ^loguntinunt. 

MainZy  Peter  SchoefFer,  1483»     In  Gross -Folio -Format. 

Dieses  älteste  der  gedruckten  Mainzer  Missalen  ist  sehr  selten  und  bei  keinem 
Bibliographen  vollständig  beschrieben.  Nach  Schaab,  I.  pag.  527,  hatte  Adolph  von 
Breitbaupt  noch  vor  Erscheinen  des  grossartigen  Werkes  testamentarisch  angeordnet, 
dass  aus  seinem  Nachlass  ein  Exemplar  angekauft,  gebunden  und  ehrbar  illuminirt 
Verden  solle,  falls  er  es  nicht  noch  selbst  erleben  sollte. 

Es  sind  in  diesem  Folianten  dreierlei  verschiedene  Typen  in  Anwendung  ge- 
kommen, und  zwar  entsprechen  dieselben  —  jedoch  nur  ihren  Grössen  nach  — 
hauptsächlich  den  Typen  der  zweiundvierzlgzeiligen  Bibel,  und  der  grossen  Psalter- 
Type,  mit  denen  sie  zum  Theil  auch  Aehnlichkeit  haben,  besonders  die  letztere,  mit 
welcher  der  sechs  Blätter  upafassende  Canon  gedruckt  ist.  Zwei  grosse  in  Farben  und 
Gold  ausgeführte  Initialen  schmücken  das  Werk,  welches  auch  viele  kleinere ,  blaue 
und  rothe  Initialen  enthält,  von  ^.denen  die  ersteren  mit  der  Hand  ausgeführt,  die 
letzteren  aber  meist  eingedruckt  sind. 


No.  40. 

^^%txbmm  cum  l)crbarum  jtgurie/^ 

Mainz^  Peter  SchoefFer,  gegen  1484.     In  Hoch- Quart -Format. 

Diese  lateinische  Ausgabe  ohne  Datirung  ist  wahrscheinlich  noch  älter,  doch 
setzt  man  sie  in  das  Jahr  1484,  weil  ein  Jahr  später  der  deutsche  Hortus  sanitatis 
erschien,  obwohl  derselbe  keineswegs  blos  eine  deutsche  Uebersetzung  ist.  Das 
Werk  ist  das  erste  arzneim'ssenschaftltche  Buch;  es  enthält  150  Abbildungen  von 
Pflanzen  und  Kräutern  in  Holzschnitt  und  ist  mit  der  Paulus-Type  gedruckt  — 
-  Das  Buch  ist  von  grösster  Seltenheit.  Der  Herzog  de  la  Valliere  besass  übrigens 
ein  Exemplar  mit  der  gedruckten  Jahrzahl  1484,  n^^bst  Schoffer's  Firma  und  Drucker- 
zeichen, worüber  De  Bure  unter  No.  1555  ausführlicher  berichtet.  Hain  citirt  unter 
No.  8443  und  8i44  ebenfalls  eine  undatirte  und  eine  datirte  Ausgabe,  ohne  eine  der- 
selben gesehen  zu  haben*  Die  undatirte  Ausgabe,  zu  welcher  unser  Exemplar  zählt, 
ist  sicher  die  erste  und  älteste. 


No.  41. 

3o^?anne0  von  Cub^: 
o6oxtn&  fanitatia  Dff  tcutfcb  cyn  gart  bcx  gcfunbl^cit/' 

Mainz  5  Peter  SchoefFer,  1485.     In  Folio  -  Format. 

Erstes  naturwissenschaftliches  Buch  in  deutscher  Sprache  und  zugleich  das  erste 
mit  der  von  Peter  Schöffer  hergestellten  Schwahacher  Schrift  gedruckt.  Das  Werk 
ist  eine  sehr  vermehrte  Ausgabe  des  schon  oben  aufgeführten  SchÖffer'schen  Herba- 
rius  von  circa  1484,  jedoch  mit  durchweg  neuen  Abbildungen,  deren  Anzahl  nicht 
weniger  als  390  beträgt,  unser  Exemplar  hat  358  Blätter,  während  das  von 
Hain  tmter  No.  8948  beschriebene  mit  einem  Holzschnitt  auf  dem  ersten  Blatte  nur 
356  Folien  nach  dessen  Angabe  enthielt. 

Das  Werk  enthält  sowohl  Abbildungen  von  Pflanzen  wie  von  Thieren  in  illumi- 
nirten  Holzschnitten,  deren  Hersteller  wahrscheinlich  der  Maler  Reioich  ist,    welcher 


32  —    Mainz.    — 

auch  die  in  Breydetiback's  Reisen  nach  dem  gelobten  Lande  von  1486  vorkommenden 
Abbildungen  auf  derselben  Tour  gefertigt  hat.  — 


No.  42. 

Bcrnartttö  fcc  Brcybctibacfe:   „0pu6culum  fanctarum 
Pcregritiationum  ab  fepulcrum  (H?rifli  in  ^icrufalcm/' 

Mainz^  Druck  von  Erhard  Rewlch,  jedoch  mit  Peter  Schoeffer's 
Typen,  1486.    In  Mittel -Folio -Format. 

Eän  sehr  schönes  Exemplar  des  höchst  seltenen,  ohne  Custoden,  Slg^mturen  und 
Seitenzahlen  gedruckten  Werkes,  welches  als  erste  gedruckte  Reisebeschreibung  und 
als  Druck  mit  Retrich's  Firma  am  Schlüsse  doppelt  bemerkenswerth  ist.  Es  ist  das 
sveite  Werk  mit  den  Schicabacher  Typen  aus  der  Officia  Peter  Schöffer^s,  die  «um 
ersten  Male  in  der  deutschen  Ausgabe  des  Hortus  sanitatis  1485  Verwendung  gefunden. 

Durch  den  besondem  Umstand,  dass  sowohl  das  grosse  wie  das  kleine  d  im 
Texte  des  Hortus  in  zweierlei  Form  vorkommt ,  und  dass  in  Breydenbaeh^s  Reisen  nur 
eine  Form  dieser  Buchstaben  Verwendung  fand,  gewinnt  der  Satz  beider  Bücher  ein 
etwas  verschiedenes  Ansehen ;  zimial  bei  dem  häufigen  Auftreten  des  verschlungenen 
D  im  Hortus  erscheint  der  Text  des  letzteren  gegen  den  der  »Heylichen  Eeisen"  viel 
verschnörkelter  und  bunter ;  die  Type  aber  ist  im  Uebrigen  ganz  dieselbe  und  stimmt 
in  der  Kegelhöhe  auüs  Haar  überein« 

Hier  nun  ist  es  nothwendig,  auf  einen  Irrthum  des  Herrn  Professor  FauHmann 
in  seiner  illustrirten  „Geschichte  der  Buchdruckerkunst  1881  **  hinzuweisen,  van.  nicht 
durch  weitere  Fortpflanzung  die  Verwirrung  zu  grösserer  Ausdehnung  anwachsen  zu 
lassen.  Herr  Faulmann  giebt  auf  Seite  203  seines  so  fleissig  gearbeiteten  und  schönen 
Werkes  ein  Faosimile  der  Schoifer'schen  Hortus -Type  von  1486,  und  zwar  da  die 
Original- Ausgabe  des  Werkes  auf  der  Wiener  Hofbibliothek  nicht  voiiianden  ist,  nach 
dem  Wetter' sehen  Werke  in  einer  gothiBehen  Typet 

In  dem  darauf  folgenden  Facsimile  giebt  Herr  Faulmann  uns  nun  eine  Schrift- 
probe und  Alphabet  von  Rewich's  Typen,  welche  hier  allerdings  einen  ganz  anderen 
Charakter  zeigen,  als  das  Facsimile  der  Hortus-Type.  Sieher  wurde  Herr  Paidmann 
sieh  nicht  zu  weiteren  falschen  Conjecturen  verstiegen  haben,  hätte  er  ahnen  können, 
dass  das  Wetter'sdie  Facsimile  der  Hortus-Type  ein  ga/nK  faleehe»  ist;  sicher  wurde 
er  durch  Autopsie  des  Schöffer'schen  Hortus  sofort  ersehen  haben,  dass  die 
Schuabacker  Type  desselben  mit  keiner  Idee  den  gothischen  Charakteren  des 
Wetter^schen  Facsimile  entspricht. 

Wer  weiss,  welcher  obscure  Nachdruck  Herrn  Wetter  zur  Herstellung  seines 
Facsimile  gedient  hat;  ein  Schöffer'scher  'HortuB  \on  1485  ist  es  keinenfalls  gewesen  1 
Durch  Vergleich  beider  Originalwerke  w&re  Herr  Paulmann  sicher  zu  demselben  Re- 
sultate gelangt,  dass  die  Typen  derselben  gleich  sind;  er  wurde  femer  nicht  nölftdg 
gehabt  haben,;  den  Maler  Rewich  für  sein  einziges  Werk  besondere  Schriften  zeichnen 
und  die  Typen  von  Peter  Schöffer  sehneiden,  schliesslich  aber  Letsteien  noch  die 
vermeintliche  RetoicKsche  Type  für  seine  „Cronecke  der  Sassen"  von  1493  abermals 
copiren  zu  lassen;  er  würde  im  Gegentheil  gefimden  haben,  dass  die  Schriften  aller 
drei  genannten  Werke  gleich  sind  und  alle  dreh  zweifellos  der  Officin  Peter  Schöffers 
angehören.  Dergleichen  weitgehende  Coi^ecturen  sollten  wenigstens  stets  nur  auf 
Grxind  sicherer  Original -Vorlagen  gemacht  werden.  — 

Die  wahre  Geschichte  des  uns  vorliegenden  kostbaren  Druckwerkes  des  Bemardus 
de  Breydenbach  lehrt  uns  Folgendes:  Erhard  Rewich  aus  Utrecht  hatte  als  Maler  die 
Reise  nach  dem  gelobten  Lande  mitgemacht,  ebenso  die  Holzschnitte  für  das  Werk 
gezeichnet;  um  nun  auch  den   Satz  besser  überwachen  zu  können,    stellte  Peter 


—    Mainz.    — 


33 


Schoffer  zweifellos  den  nöthigen  Druckapparat  in  RewiclC»  Hause  selbst  auf,  denn 
der  Verfasser  des  Buches  erzählt  in  der  im  seihen  Jahre  erschienenen  deuischm 
Ausgabe,  dass  bei  der  Beisegesellschaft  Bernhard  Brejdenbach^s  auch  ein  Maler 
Erhart  Rmich  gewesen  sei  „der  all  dis  gemelt  in  diesem  buch  hat  gemalet,  vnd  die 
Druckerey  in  seinem  huss  volfuret*. 

Auf  Blatt  110  verso  der  vorliegenden  lateinischen  Original-Ausgabe  ist  Erhardus 
Bericb  de  Traiecto  inferiori  ebenfalls  als  Zeichner  und  Maler  aufgeführt  Wir 
unterlassen  nun  aus  allen  diesen  Gründen,  ihm  einen  besondern  Plats  unter  den 
Mainzer  Druckern  zu.  geben;  auch  liegt  ausser  diesem  und  der  nachfolgenden 
deutschen,  sowie  einer  holländischen  Ausgabe  desselben  ein  weiteres  Druckwerk  von 
ihm  nicht  vor. 

Unser  Exemplar  von  Breydenbach's  Reisen  umfasst  152  Blätter',  nicht  147,  wie 
Hain  unter  No.  8956  angiebt;  und  es  finden  sich  darin  13  leere  Seiten  vor. 

Die  18  zum  grossten  Theil  illmninirten  HolzschniUe  verbildlichen  Städteansichten, 
Trachten  und  Thiere.  Auf  Blatt  80  bis  89  finden  sich  auch  die  mit  sehr  richtigen  Typen 
gedruckten  Alphabete  mehrerer  orientalischen  Sprachen:  Sarracenisch ,  Hebräisch, 
Griechisch,  Chaldäisch,  Surinamisch  und  Abessinisch.  Blatt  2  recto  und  108  verso 
weisen  Jedes  ein  mit  Gold  gehöhtes  farbiges  Initial  auf;  ersteres  ist  in  Holz  ge- 
schnitten, das  letztere  mit  der  Hand  gemalt 

Die  Abbildungen  sind  mit  gleich  lebhaften  Farben  ausgeführt,  wie  diejenigen 
des  vielbewunderten  Exemplares  der  National-Bibliothek  zu  Paris,  dem  das  unsrige 
an  innerer  Schönheit  nichts  nachgiebt,  im  Aeusseren  aber  es  wesentlich  fiberbietet 
durch  den  schönen  hellgrünen  Ledereinband  mit  reicher  Goldpressung  und  mit  ver- 
goldeten Beschlägen.  Die  eben  so  schon  erhaltene. deu^acAe  Ausgabe  von  ,Breiden- 
bach's  heiligen  Reisen"  bringt  unsre  Sanmilung  in  nächster  Nummer;  auch  werden 
wir  unter  .Augsburg*'  eine  ebensolche  Ausgabe  von  Anton  Sorg  gedruckt  vorfinden, 
die  jedoch  blos  den  Text  bringt.  — 


No.  43. 

25crnlS?arfe  von  Äreyöcnbacfe'e 
„^eilige  Ucifcn  tiad)  3cr«falcm*" 

Mainz^  bei  Erhart  Rewich  1486  mit  Peter  SchoefFer's  Typen  gedruckt. 

In  Folio-Format. 

Hier  haben  wir  die  deutsche  nicht  minder  werthvolle  und  höchst  seltene  Aus- 
gabe vor  uns ,  welche  4  Monate  nach  der  lateinischen  Original  -  Ausgabe  vollendet 
wurde.  In  allem  Wesentlichen  ist  sie  der  letzteren  gleich  und  es  gilt  von  ihr  Alles 
das,  was  wir  schon  bei  voriger  Niunmer  bemerkt  haben.  — 


No.  44. 

ddnrai  18otl)0:  ,^(tronccCcn  fecr  faffcn'^ 

Mainz,  Peter  SchoeflFer,  1492«     In  Mittel -Folio -Format. 

Bin  prächtiges,  ganz  completes  Exemplar  dieses  interessanten  mit  Schwdhacher 
Bchrift  gedruckten  Werkes ,  welches  in  erster  Linie  historischen  Werth  hat  durch 
die  vielen  brauchbaren  und  hauptsächlich  die  niedersächsischen  Ortschaften  betreffen- 
den Nachrichten ,  welche  darin  enthalten  sind.  Die  Ausstattung  mit  gegen  700  Ab- 
bildungen in  Holzschnitt  imd  prächtigen  Initialen  ist  ebenso  luxuriös  wie  interessant 
Auf  dem   Holzschnitte    des   dritten   Blattes,    welcher   die   Vertreibung   des   ersten 


34 


Mainz.     — 


Menschenpaares  aus  dem  Paradiese  vorstellt,  findet  sich  in  der  Ecke  unten  links  ein  V, 
jedenfalls  die  Känstlermarke  des  unbekannten  Formsehneiders,  von  dem  die  Holz- 
schnitte herrühren.  — 

Man  darf  indessen  nicht  glauben,  dass  zur  Herstellung  des  Werkes,  wie  es 
scheinen  möchte,  wirklich  volle  700  verschiedene  Holzstöcke  in  Anwendung  gebracht 
wurden.  Die  Naivetät  unsrer  Altvordern  fand  kein  Bedenken  darin,  dieselbe  Ab- 
bildung im  Werke  sich  für  eine  Menge  verschiedener  Begebenheiten,  nur  mit  anderen 
Bezeichnungen,  wiederholen  zu  lassen,  so  dass  es  im  Ganzen  nur  etwa  50  verschie- 
dene Darstellungen  sind,  die  abwechselnd  für  die  manchfaltigsten  Vorstellungen 
immer  wiederkehren. 

Bibliographisch  merkwürdig  ist  bei  dem  ohne  Custoden  und  Seitenzahlen  er- 
schienenen Buche,  dass  die  Signatur  erst  auf  Blatt  67  -~  nicht  auf  Blatt  66,  wie 
Panzer  unrichtig  angiebt  —  mit  iiij  beginnt.  Das  ganze  Werk  hat  auch  nicht,  wie 
Panzer  sagt,  281,  sondern  284  Blätter;  es  scheinen  also  dem  von  ihm  beschriebenen 
Exemplare  nicht  nur  das  letzte  Blatt  mit  der  Schlussschrift,  das  gewöhnlich  fehlen 
soll ,  sondern  noch  2  andere  Blätter  gefehlt  zu  haben.  Zur  Entscheidung  der  Streit- 
frage ,  ob  jenes  Blatt  mit  der  Schlussschrift,  die  Panzer  nur  nach  dem  Uffenbach'sehen 
Cataloge  geben  konnte,  überhaupt  existire ,  geben  wir  dieses  in  7  Zeilen  roth  ge- 
druckte Colophon  dem  Wortlaute  nach: 

,,?Dufre  frotiecfe  van  Feyferen  vnbe  anbexm  \\  furfteii  vnbe  fteben  bet 
faffcn  mit  orert  Wrtven  ||  ^efft  ^e\>xe\}t  peter  fc^offer  van  öemfs^eim  |  [ 
2n  bet  ebbeUn  (tat  XTTctics  ♦  bie  cyn  rttiefatiöF  II  iö  bet  yretitcry  •  3n 
beme  täte  na  cx'ifti  gebort  ♦  ||  JDufetit  vietpvinbext  Ixxxxü  y>^pe  ben 
öeften  ||  baO)  be^  vncrcseti*" 

Darunter  steht  das  Fust  -  SchöflPer'sche  Druckerzeichen  ebenfalls  roth  gedruckt. 
Der  schöne  Einband  mit  Beschlägen  entspricht  ganz  dem  Werthe  des  seltenen  Werkes.  — 


No.  45. 

iiMxfftLlt  |Ö09ttntinttm/^ 

Mainz  5  Peter  Schoeflfer,  1498«     In  Folio -Format. 

Von  dieser  enormen  Seltenheit  besitzen  wir  leider  nur  ein  Fragment  von  8  Bl&ttem 
auf  Pergament  und  1  Blatt  auf  Papier  gedruckt.  Das  Werk  wurde  auf  Befehl  des 
Erzbischofs  Berthold  von  Henneberg  verbessert,  und  von  Peter  Schöffer  jedenfalls 
nur  in  sehr  kleiner  Auflage  gedruckt.  Unser  Fragment  beweist  aber,  dass  es  sowohl 
Pergament-  wie  Papierexemplare  gegeben  hat.  — 


Die  folgenden  Jahre  des  fünfzehnten  Jahrhunderts  weisen  von  dem  gealterten 
Peter  Schöffer  nur  noch  unbedeutende  und  wenig  werthvoUe  Werke  auf,  mit  Aus- 
nahme des  Missale  Wratislaviense  von  1499,  das  er  für  die  Schlesischen  Kirchen 
und  Klöster  druckte. 

Die  Concurrenz  zweier  neuen  Buchdruckereien  von  Jacob  Meydenbach  1491,  imd 
Peter  Friedberg  1498  mochte  ebenfalls  auf  die  Schöffer'sche  Offizin  nicht  ohne  ESn- 
fluss  geblieben  sein.  Einen  würdigen  Abschluss  fand  Peter  Schöffer's  Leben  und 
typographische  Thätigkeit  im  Jahre  1502  mit  einer  vierten  Auflage  des  schonen 
Mainzer  Psalterium,  das  wir  schon  unter  No.  6  mit  den  übrigen  Auflagen  dieses 
ehrwürdigen  Chorbuches  aufgeführt  haben.  — 


Mainz.    — 


35 


Jot|anne0  ilttmet|ter 

alB  tJierter  Wlainscr  ZypoQvaipl) 
^  1478  uti6  1479   in  maitis  fclbfl  tl^ätig. 

No.  46. 

J^o^nniÄ  bc  STurrecrnnata :  ^^IHebttatiditfe^^ 

Mainz 5  Johannes  Numeister,  1479.    In  Folio-Format. 

Seltenheit  ersten  Ranges ,  von  der  man  nur  noch  neun  Exemplare  kennt.  Claudin 
▼idmet  in  seinen  ^  Origines  de  Vimprimerie  d  Albi  en  Languedoc  1480  d  HSi**  dem 
Drucker  Numeister  oder  Neumeister  eine  höchst  gründliche  Untersuchung,  begleitet 
ron  vonüglichen  Reproduetionen  Nnmeister^scher  Drucke ,  namentlich  aus  nnserm 
Turrecremata.  Das  Claufh'n'sche  Werk  liegt  neben  unserem  prächtigen  Originale 
selbst  vor. 

Danach  druckte  Numeister  aus  Mainz  zuerst  in  Rom,  dann  in  Foligno,  ging 
wieder  nach  Mainz  zurück,  avo  er  1479  den  vorliegenden  Turrecremata  mit  einer 
wunderbar  glatten  und  eorrectcn  Missal-Ti/pe  vollendete,  die  grosse  Aehnlicbkeit  mit 
der  der  43  zeiligen  Bibel  Gntenberg^s  hat.  Dann  wanderte  er  abermals  ttas ,  um  in 
Albi  in  Languedoc ,  und  später  in  Lyon  seine  Thätigkeit  fortzusetzen. 

Unser  Turrecremata  ist  zugleich  das  wichtigste  Denkmal  des  acht  deutschen 
MetaUschnittes ,  von  welchem  das  48  Blätter  umfassende  Werk  in  48  Abbildungen 
die  schönsten  Abdrücke  von  vorzüglicher  Klarheit  und  kostbarer  Brhaltung  aufzu- 
weisen hat.  Unter  Foligno  1470  werden  wir  Numeister  resp.  dessen  eben  so  seltenen 
nsien  Druck  von  1470  genauer  kennen  lernen. 

Jedenfalls  war  Numeister  einer  der  tftchtigsten  Qebülfen  Gutenberg^s  und  wahr- 
scheinlich auch  noch  nach  Gutenberg^s  Trennung  von  Fust  und  Schöffer  sein  th&tiger 
Mitarbeiter.  Als  selhstständigen  Mainzer  Drucker  lernen  wir  ihn  erst  aus  dem  vor- 
liegenden prächtigen  Turrecremata  kennen.  — 


Jacob  |llei)ltenba(t) 

feer  fünfte  ITTainscr  Cypograpl?  1491  bie  1498. 

No.  47. 

^0|)antte0  br  (Kuba:  i^l^ortu»  fanitatte". 

Mainz  9  Jacob  Meydenbach,  1491.      In  Folio-Format. 

Es  ist  dies  eine  vervollständigte  lateinische  Ausgabe  des  Werkes,  welches  wir 
schon  unter  No.  41  bei  Peter  Schöffer  1485  kennen  lernten.  Sie  umfasst  458  Blatter 
mit  1066  Abhildnngm  in  Holzschnitt,  welche  die  verschiedensten  Objecto  des 
Pflanzen-,  Thier-  und  Steinreiches  darstellen;  viele  andere  verbildlichen  den  Ge- 
brauch, welchen  der  Mensch  von  den  Producten  der  Natur  macht.  Sieben  von 
den  Holzschnitten  sind  in  Blattgrosse. 

Der  Drucker  Jacob  Meydenbach  ist  der  Sohn  des  Gehülfen  Gutenberg's,  der  den- 
selben Namen  führte  und  die  grossen  Initialen  des  Psalters  von  1467  geschnitten 
haben  soll.  Die  gothischen  Charaktere,  deren  er  sich  für  obiges  Werk  bediente,  und 
die,  wie  er  in  der  Schlussschrift  versichert,  8eine  eigenen  waren,  sind  sehr  beachtens- 

3* 


36  —    Mainz.     — 

wertli.  Da  aus  derartigen  illustrirten  Werken  nur  zu  häufig  Bilder  herausgerissen 
wurden,  ist  unser  prachtiges  ganz  completes  Exemplar  eine  um  so  grössere  Selten- 
heit; es  ist  mit  eben  so  schönem  als  reichbeschlagenen  Einbände  versehen.  — 


No.  48. 

,3^Ätif|imi  (Irejorij  pafie  ||  toctuö  ecclUc  luminia  fi  clartf|i 
mi  in  fcpte  fifalmoa  fimtcnti||alf0  ejrplanatia  abmobü  util\^^ 

Mainz^  Jacob  Meydenbacli,  1495. 

Der  zteeiie  Meydenbach^sche  datirte  Druck,  mit  derselben  Type  und  von 
grosser  Seltenheit.  Nach  allgemeiner  Annahme  der  Bibliographen  soll  Meydenbach 
ausser  seinem  „Hortus"  und  des  Papstes  Gregor  vorliegender  y,Erklärung  der  sieben 
Busspsalmen'*  kein  weiteres  Werk  gedruckt  haben,  was  man  indessen  wolil  dahin- 
gestellt sein  lassen  möchte,  da  der  „Hortus  sanitatis"  die  Jahrzahl  1491,  das  obige 
kleine  Werk  aber  das  Druckjahr  1495  tragt,  also  eine  grosse  Zwischenpause  statt- 
gefunden haben  müsste.  Jedenfalls  sind  aber  seine  übrigen  Drucke  entweder  ver- 
schwunden, oder  als  solche  noch  nicht  erkannt.  — 


Peter  ^xlthbtx^ 

bcx  fcd)fte  ttTainscr  ZypoQxa^l)  1493  bi6  1498. 

No.  49. 

iil^0l)anm0  be  trittrnljcm  ab-||batid  fpanlientenfta  orbtnid  || 

fancti  bctttbkti  it  obferuantia  bur^felbenf!  •  Über  lugu-Hbris  • 

br  ftattt  et  rutna  tnonaflici  orbinia:   omnibus  rrli-||gio|i9 

ac  beuotia  piria  non  minue  tJtiltö  q^  iucübua,^^ 

MainZy  Peter  Friedberg,  1493*     Klein-Quart-Format. 

Man  nahm  als  erstes  Druckjahr  des  sechsten  Mainzer  Typographen,  Peter  Fried- 
herg,  den  wir  nunmehr  kennen  lernen,  das  Jahr  1494  an;  allein  obiges  Schriftchen 
des  Abtes  Trithemius  „  Ueher  Bestehen  tmd  Untergang  der  Mönchsorden'*,  datirt  vom 
Jahre  1493,  stammt  zweifellos  von  Peter  Friedberg,  wenn  derselbe  auch  nicht  als 
Drucker  angegeben  ist. 

Man  kann  die  Friedberg^schen  Drucke,  alle  aus  derselben  kleinen  gothischen 
Schrift  und  in  gleichem  Quart-Formate  gedruckt,  sofort  daran  erkennen,  dass  im 
Texte  hier  und  da  gleichsam  als  Wahrzeichen  ein  ganz  anderes  Ä,  und  «war  aus 
fetter  Antiqua,  zwischen  der  gothischen  Textschrift  verwendet  ist. 


—     Mainz.     —  X] 

No.  50. 

Miacobi  Vt)nt|il)elin9t  ||  3Utflatten|t0  0!le9an-||tiarü  mebull«  • 
oratomqT  precrpta  .  ^n  orbine  ||  inueittu  faciü  .  copiofc .  da« 

breutterq);  rrbucta/^ 

Mainz^  Peter  Friedberg,  1493.     Klein-Quart-Format. 

Jakob  Winpheliog  von  Schlettstadt  giebt  in  diesem  lileinen  Werkchen  ^das 
Wesentlielie  eines  eleganten  StyW*  in  Beispielen  und  Regeln.  Am  Sctilusse  des 
letzten  Blattes  stellt  die  Datirung.  Den  Drucker  erkennen  wir  aus  dem  anf  Blatt  16 
recto  vorkommenden  fetten  S.  — 


No.  51. 

M.9e  laubibu0  fancttfftme  ||  ntatrb   anne  tractatud  )itr-||qua 
otilid  bomini  ioannid  ||  triUmi)  abbatis  f])ani)nnenft0  orbini^ 

biui  fia-||tri0  bencbirti.^^ 

Mainz^  Peter  Friedberg,  1494«     Klein-Quart-Format. 

Der  zweite  Druck  Friedberg's  mit  Datirung  und  Druckfirma.  Der  Tractat  des 
Abtes  Trifhemius  handelt  ,über  das  Lob  der  heiligen  Anna".  Er  hat  wie  die  fol- 
genden die  schon  erw&hnten  typographischen  Besonderheiten.  — 


No.  52. 

iidptgrämata    fancti   l^rofperi  ||  rpt   rr9ttnfi0  be  oicij0  et 
uirtu-||ttbu0  fjT  bictt0  ^uguHint.^^ 

Mainz,  Peter  Friedberg,  1494.     Klein-Quart-Format. 

In  diesem  Drucke  der  , Epigramme  des  heiligen  Prosper  über  Laster  und  Tu- 
genden nach  Sätzen  des  Augustinus",  herausgegeben  vom  Abte  Trittenheim,  kommt 
das  charakteristische  fette  S  nicht  vor.  aber  das  Werkchen  hat  duf&r  Friedberg's 
J^ruckßrma  nebst  Datirung.  — 


No.  53. 

if8l)(ob(nci  grefmübi  ium0  ||  m  tnoguntini  luatbraciun 
cuU  bonarü  frptetn  arttutn  liberatiü  ^pologiam  H  eiufbemqj 
cü  p^ta  bialogu  rt  orattone  ab  rerum  ||  ftublicarum  rect0rr0 

in  fe  camplfctfntf0.^^ 

Mainz,  Peter  Friedberg,  1494.    Klein-Quart-Format. 

Die  vom  Abte  Trittenheim  herausgegebene  Abhandlung  des  Gresmundus  aüber 
die  sieben  freien  Künste'  mit  Firma  und  Datum  zeigt  an  einigen  Stellen  wieder  das 
charakteristische  Friedberg'sche  S  in  Antiqua.  — 


xS  —    Mainz.     — 

No.  54. 

^fit  nmxMt  rt  nttfma  l^uma-,'|ne  mU  •  liber  bni  .So^ania 
tritmtij  abbatia  ffianl^etnen^  ||  oxVim  btui  pntx'xB  benrbicti/^ 

Mainz^  Peter  Friedberg,  1495«     Klein-Quart-Format. 

Das  kleine  Schriftchen  ^ilber  die  Leerheit  und  Erbärmlichkeit  des  menschlichen 
Lebens'^  bietet  keine  neue  Eigenthümlichkeit  bezüglich  des  Druckes  dar.  — 


No   55. 

ifiBe  profirietatr  tnonad)orunt  |l  tractatua  p  qua  Dtilis  bo- 
mini  |j  J>ol)anntd  tritcmij  abbatia  fpanl)emrn|l6  orbintd  fancti  || 

beitebicti/^ 

Mainz^  Peter  Friedberg,  1495»    Klein-Quart-Format, 

Mit  Firma  und  Datirung.  —  In  seiner  Schrift  „«&er  das  Eigenthum  der  Mönche'^ 
eifert  der  Verfasser,  von  dem  dreifachen  Gelübde:  der  Armuth,  der  Keuschheit  und 
des  Oehorsams  ausgehend,  heftig  gegen  die  Besitzthümer  der  Ordensbrüder.  — 


No.  56. 

^,?ibeUu0  putili0  bf  fratcrni-Htatc   fancttf|ima  et  Hofaria 
brate  tnarie  Virginia  fratri»  ||  ^oliänia  be  l'am^liepm  Cano- 
nici rejularie  in  '$tr^-||0arten  prope  Muormaciam.^^ 

MainZy  Peter  Friedberg,  1495.     Klein-Quart-Format. 

Dieses  Schf-iftchen  ^liber  die  heilige  Brüderschaft  vom  Rosenkränze'* ^  welches 
zur  grösseren  Verbreitung  dieses  Ordens  beitragen  wollte,  hat  ebenfalls  Datirung 
und  Firma  des  Druckers.  — 


No.  57. 

^^€atl)al09U0  illu|lriunt  Dtror^  ||  gerntaniä  fuid  ingenij»  et 

lu-||cubrationibu0  ontnifariam  eiromantium:  bni  ioi^annia  || 

tritemtj  abbatta  fpani^entenfla  orbinia  fancti  benebicti:  ||  ab 

J>acobü  ISintpfelingü  fletftatinü  tljeologum/^ 

MainZy  Peter  Friedberg,  1495«     Klein-Quart-Format. 

Dieser  Catalog  des  Abtes  von  Trittenheim  enthält  über  800  Namen  von  deut- 
schen Gelehrten,  von  denen  Jeder  kurz  nach  seinen  Lebensumständen  beschrieben 
ist.  Auf  Blatt  82  recto  —  nicht  81,  wie  Hain  unrichtig  angiebt  —  steht  die  Da- 
timng,  jedoch  nicht  die  Drnckfirma,  welche  indessen  auf  leichte  Weise  durch  die 
von  uns  bereits  gekennzeichneten  Merkmale  sofort  zu  finden  ist,  wenn  sie  auch  Ilain 
—  No.  15615  —  merkwürdiger  Weise  nicht  kannte.  Es  gehören  eben  vielseitige 
Vortheile  dazu,  einen  ungenannten  Drucker  mit  Sicherlieit  festzustellen,  und  oft 
genügt  hierzu  ein  einziger  charakteristischer  Buchstabe,  der  nachweislich  bei  keinem 
andern  Drucker  jener  Zeit  sich  wiederholt.  — 


l 


—     Mainz.     — 


39 


No.  58. 

ßt  ojirratione  bittt  am0n0  •  ||  oratio  bni  joannift  tritemtj 
^bbatt0  f])anl)emenß  •  l)a-||bita  cr))l)orbtr  in  cafil^a  ^nnali  • 
Dj  •  kaUnbas    ^ffitfm-||bri«  .  ^nuo    rrtemptioniö    nofii^ 

lÄ  •  CCCC  •  JfCDtj/^ 
Mainz^  Peter  Friedberg,  149  7.    Klein-Quart-Format. 

lo  dieser  kleinen  Rede  des  Abtes  Trittenheim  „über  die  göttliche  Liebe^  erkennt 
man  an  dem  nur  einmal  auf  Blatt  9  b  erseheinenden  fetten  8  wieder  den  Dioicker 
Friedberg,  welcher  hier  nicht  genannt  ist.  — 


No.  59. 

,^?tber  be  trifiltci  rcgione  clau-,||lraüum  et  fpiritualt  eycr- 
citio  II  tn0na(i)0runt:  otnnibud  reli^iofid  non  minud  Dtilta  q; 
nrcrlfanud  •   ||  <90  •  tritemio  abbate  fpanlirmrnfr  ||  ctnenbante 

opufculunt/* 

Mainz^  Peter  Friedberg,  1498*    Klein-Quart-Format. 

Das  Buch  „üifer  die  dreifache  Beschränkung  und  aber  die  geistige  üebung  der 
Mönche'*  ist  Peter  Friedberg's  letzter  Druck,  der  auch  die  vollständige  Datirung  und 
die  Druckfirma  enthält.  —  Hiermit  haben  wir  Friedberg^s  vorzüglichste  Drucke  vom 
Anfange  bis  lum  Schlüsse  seiner  typographischen  Thätigkeit  kennen  gelernt;  die 
noch  dazwischen  liegenden  biieten  eben  typographisch  nichts  Anderes  dar.  — 


Peter  6*5ffet'ö  &UeHtv  6o|jn  unb   (ßefcfeäfWsVtadjs 
folger,  als  fieb enter  lypograplj  »oti  ttTains, 

1503  W0  t  1531. 

NB.  Ein  zweiter  und  zwar  der  jüngste  Sohn  Peter  Schöffer's,  also  der  jüngere 
Bruder  des  Johann,  hiess  nach  dem  Yater  ebenfalls  Peier,  Diesen  Peter  Schöfifer 
den  Sohn  werden  wir  weiterhin  sowohl  in  Mainz,  wie  unter  Worms  und  zuletzt 
in  Venedig  vorfinden,  wo  er  nach  kurzem  Aufenthalte  in  Strassburg  ebenfalls  das  Ge- 
schäft betrieb,  wie  es  datirte  Drucke  unserer  Sammlung  sowohl  aus  Worms  wie 
Venedig  beweisen.  — 

No.  60. 

„«jBmifd)e  Hiporie  ||  u^  Sito  liuia  ||  gejogen." 

MainZy  Johann  Scfaoeffer,  1505« 
Erste  Auflage.     Klein-Folio-Format. 

Johaim  S^ofier^s  erstes  grösseres  Druckwerk  ist  zugleich  ein  wichtiger  Zeuge 
in  der  Erfindungsgeschichte  der  Buchdruckerkunst.  Auf  Blatt  Ib,  in  der  Dedication 
•0  den  Kadser  Maxitnilian  liest  man  die  bedeutungsvolle  Notiz: 


40 


—    Mainz. 


„3ti  wel\d)n  ftabt  —  Mains  nämlich  —  mä)  atifeti^fllc^  b\e  wvmbex: 
t^are  funfit  ber  ZriKfetey,  vi?  2^  erfteti  rem  ^etn  lutifltrelc^en  5fo= 
t^atin  (ßuttenbcrgf,  öo  man  3^1 1  nac^  d^rtfti  rnferö  ^ercn  gc: 
t>mtf)  iEaufent  t)icrt;une»ert^  vnb  funffsiö  3rtre  erfunden,  »n  feamac^ 
mit  »leyß  fcflt  vnb  artjcyt  3o^an  Sauften  vnb  petcr  04?6ffer0  3U 
nienö  öet>efTertt;  rnö  bcftenMö  gemacht  iflt  werben,^* 

Nach  diesem  völlig  sachgemässen  Zeugnisse  von  dem  eigenen  Sohne  jenes  Pif^er 
Schöffer,  dessen  Ehrgeiz,  so  lange  er  lebte,  bestrebt  war,  sich  die  Ehre  der  Er- 
findung des  Buchdrucks  im  Wesentlichen  selbst  anzueignen,  ist  es  freilich  unbegreif- 
lich, diesen  selben  Johann  Schoffer  nar  4  Jahre  später  in  der  Schlussschrift  des 
sEnchiridion*  vom  Jahre  1509  seinen  Grosstuter  mütterlicher  Seite,  Johann  Fust, 
den  riErßndsr  der  Kunst*  nennen  zu  hören! 

Stannenerregend  ist  es  aber,  dass  diese  kaltblütig  in  die  Oeffentlichkeit  ge- 
schleuderte Lüge,  unhaltbar  in  sich  selbst,  geduldige  Hörer,  endlich  sogar  Gläubige 
gefunden,  sodass  hierdurch  und  durch  die  als  Mitbewerber  um  die  Ehre  der  Er- 
findung aufgetretenen  Städte  Strassburg  und  Haarletn,  die  wahre  Geschichte  der 
grossen  Erfindung  auf  Jahrhunderte  verdunkelt  werden  konnte  und  man  endlich  in 
Büchern  von  deutschen  Gelehrten  kaum  noch  ein  Wort  von  Johann  Gutenberg,  wohl 
aber  den  Geldmann  Johann  Fust  und  seinen  Schwiegersohn  Peter  Schöffer  als  die 
Erfinder  verherrlicht  sehen  konnte. 

Obige  erste  deutsche  Ausgabe  der  römischen  Geschichte  des  Livius  ist  im  ersten 
und  zweiten  Theile  von  Bernhard  Schöf erlin,  im  dritten  Theile  aber  von  Ivo 
Wittig  übersetzt  worden,  jedoch  nicht  wörtlich,  sondern  in  freier  Nachbildung.  Das 
Werk  ist  mit  circa  950  Holzschnitten  eines  unbekannten  Formschneiders  geziert;  es 
kehrt  jedoch  ein  und  dieselbe  Darstellung  oftmals  und  an  den  verschiedensten 
Stellen  des  Werkes  wieder,  wie  wir  dieses  schon  bei  Botho's  „Cronecken  der  Sassen* 
unter  No.  44  unserer  Sammlung  zu  beobachten  Gelegenheit  fanden.  Der  Titel  des 
Werkes  ist  mit  der  grossen  Psalter-Type,  der  Text  mit  Schuabacher  Schrift  gedruckt.  — 


No.  61. 

Mainz^  Johann  Schoeflfer,  1506«     Klein-Quart-Format. 

Ein  höchst  seltenes  Werkchen  mit  Datirung  und  Angabe  der  Druckfirma.  Unter 
dem  Titel  befindet  sich  ein  Holzschnitt,  Avelcher  den  heiligen  Martin,  sein  Gewand 
zertheilend,  darstellt.  Bemerkenswerth  ist,  dass  Titel  und  Schlussschrift  mit  der 
grossen  Psalter-Type  von  1467  gedruckt  sind,  die  Johann  Schöffer  auch  noch  1516 
zur  letzten  Auflage  des  Mainzer  Psalterium  benutzte.  Der  Inhalt  des  Werkes  giebt 
eine  Anleitung  zur  Abhaltung  des  Gottesdienstes,  besonders  der  heiligen  Messe. — 


No.  62. 

^^?8^mber9ifd)e  l^al^gmc^t»  ||  vnb  red)tlicfc  (Drbenung,  jti 
peynlid)c  fadjen  suDolnfarn,  aUtn  Stetteti,  (tommuncii|| 
Ucgimenten,  Sfmptlcütcn,  lOSgtcti,  TOcrwefcrn,  @d)ult:: 
cyßen,  Qi^^^m  tjn  ricfctcrn  1|  jDicnli*,  fürfcerlicfe  v\\ 
bc^ilff  lid),  jDarnac^  su  ^anfecln  vnb  redjtfpre^c,  gang 


—    Mainz.     — 


41 


glicftsllformig  gcmcyne  gcfdjribcn  Ucdjtcn  tc.    5Dar  aix$ 

and)  bi$  büc^Iin  gesogen  vn  ffeiffig  |1  gemeinem  nug 

Swgut,  gefammelt  vnb  vtvoxbmt  ift. 

Mainz^  Johann  Schoeft'er,  1508.     Folio -Format. 

Die  zweite  von  den  dreien  im  selben  Jahre  erschienenen  Auflagen  mit  Datirung 
und  Druckerfirma.  —  Die  „Bamhergische  Halsgerichtsordnung",  zuerst  im  Jahre 
3507  in  Bamberg  gedruckt,  ist  von  dem  Freiherrn  und  Bambergischon  Geheimen 
Rath  Johann  von  Schuarsenherg  verfasst,  und  als  Vorläufer  und  Quelle  der  fürchter- 
lichen ,Constitutio  Carolina  criminalis",  der  Halsgerichtsordnung  Kaiser  Karl  V.  zu 
betrachten,  welche  von  1533  an  ihre  schrecklichen  Gerechtsame  über  Deutschland 
geltend  machte. 

Es  befinden  sich  in  obiger  Ausgabe  10  Abbildungen  in  Holzschnitt,  von  denen 
einige  aus  dem  Livius  von  1505,  den  wir  bereits  unter  No.  60  kennen  lernten,  herüber- 
genommen  sind. 

Dieser  ziemlich  seltene  Mainzer  Druck  wird  von  den  Sammlern  hauptsächlich 
gesucht  und  hoch  geschätzt,  weil  nicht  nur  die  grosse  Titelzeile  auf  der  ersten  Seite 
des  Buches  wirklich  mit  Typen  des  Mainzer  Psalierium  gedruckt  ist,  sondern  weil 
man  auch  in  den  Capitel-Ueberschriften  durch  das  ganze  Werk  hindurch  die  Typen 
der  42zeiUgen  Bibel  Gutenberg's  zu  erblicken  glaubt. 

Letzteres  ist  jedoch  ein  grosser  Irrtfiwn;  jene  Schriftgattung  hat  zwar  auf  den 
ersten  Blick  viel  Aehnlichkeit  mit  den  angeführten  Gutenberg'schen  Bibel -Typen, 
doch  erkennt  man  bei  etwas  näherer  Untersuchung  leicht  einen  himmelweiten  Unter- 
schied, indem  nicht  nur  die  Form,  sondern  sogar  die  Kegelhöhe,  also  die  Grösse  der 
Buchstaben  gänzlich  verschieden  sind;  denn  die  Type  der  42zeiligen  Bibel  Guten« 
bei^'s  ist  nur  V»  so  gross  wie  diejenige,  aus  welcher  in  der  Bambergischen  Hals- 
gerichtsordnung die  Capitel-Ueberschriften  gesetzt  sind,  i^o  dass  eine  solche  Ueber- 
schrift  von  4  Zeilen  die  Höhe  von  4Va  Zeilen  der  Bibel  repräsentirt. 

Dies  würde  allein  schon  genügen,  den  Xrrthum  nachzuweisen,  selbst  wenn  die 
Typen  an  sich  genau  dieselbe  Form  hätten,  was  aber  bei  genauer  Untersuchung 
eben  nicht  stimmt.  Dass  die  älteren  abgenutzten  Typengattungen  der  Schöffer- 
schen  Offizin  nach  und  nach  durch  neue  ersetzt  wurden,  die  den  alten  ähnlich,  aber 
doch  nicht  gleich  waren,  ist  sehr  natürlich,  und  man  muss  daher  bei  Beurtheilung 
alter  Drucke  ungemein  vorsichtig  verfahren,  um  nicht  in  Trugschlüsse  zu  verfallen, 
wie  sie  in  der  Geschichte  der  Typographie  an  der  Tagesordnung  sind  und  immer 
wieder  nachgeschrieben  werden.  — 


No.  63. 

^^Üt^nuale  €urat0-{{rü  .  firebicäit  pvtbtB  \\  mobum :  tarn  U- 
tino  iqj  uuljarl  fcrinone  practice  iUuminatü  :  cum  crrtta 
altj0  ab  curam  animarü  pertinentibuf :  omnibua  ||  curatid :  tarn 

C0nbucibili0  q^  falubria.^^ 

Mainz^  Johann  SchoefFer,  1508*    Klein -Quart -Format. 

Der  Verfasser  dieses  „Handbuch  für  Seelsorger  über  die  Kunst  zu  predigen* 
nennt  sich  in  der  Vorrede  Johannes  Ulricus  Surgant  Die  vorliegende  Ausgabe  ist 
mit  Datirung  und  Druckfirma  versehen.  Die  zwei  ersten  Zeilen  des  obigen  Titels  sind 
wieder  mit  der  grossen  Psalter-Type  von  1457  gedruckt.  — 


^2  —     Mainz.     — 

No.  64. 

^flBrcttiarium  SWIaguntincn^  .  ||  ^ouifftntr  J^ntfirrffum .  ||  emen- 
batum :  ac  pluritnid  lucuü-||tifftmi0  abbitamrtis  con  ||  grflum 

ft  abfolutü.    ^Fflicitrr  tnctpit/^ 

Mainz^  Johann  SchoefFer,  1509t     Folio  -  Format. 

Diese  sehr  seltene  und  kostbare  Ausgabe,  welche  4  Monate  später  als  das  »En- 
chirldion  von  1509"  erschien,  hat  dieselbe  lügenhafte  Schlussschrift  vrie  das  letztere, 
deren  wir  schon  bei  dem  ersten  deutschen  Livius  von  1505  unter  No.  60  unserer 
Sammlung  Erwähnung  gethan;  die  betreffende  Stelle  daraus  laut«t: 

„3mpre|fnm  ||  ülogntttie  imprnfis  et  Ofiera  ^onefli  i  (ironibi  oiri  3oatmii  l|  S^i^t^tx 
tm%  ülogittitti.  Cnins  antts  prinns  ortU  3ini)ref-|  (forte  fsit  innentor  >  antor.*'  Zu 
deutsch  also  wörtlich:  „Gedruckt  zu  Mainz  mit  Kosten  und  Mühe  des  ehrenvollen 
und  sorglichen  Mannes  Johann  Schaff  er,  Bürger  von  Mainz,  dessen  Orossvater  der 
erste  Erfinder  und  Urheber  der  Buchdmckerkunst  war."    Man  staune!  — 

Die  ersten  beiden  Zeilen  des  Titels  und  das  erste  Wort  der  nächsten  Seite:  Con- 
betnnotio  ^ind  mit  der  grossen  Psalter  -Type  gedruckt,  im  Texte  finden  wir  die 
Missal- Type  wieder,  welche  zu  den  Ueberschriften  der  „Bambergischen  Halsgericbts- 
ordnung"  von  1508  angewandt  wurde  und  deren  Aehnlichkeit  mit  der  Gutenberg- 
schen  42zeiligen  Bibel-Type  zu  Verwechselungen  Veranlassung  gegeben  hat.  —  Unser 
prachtiges  Exemplar  ist  höchst  elegant  in  laubgrünes  Leder  gebunden  und  mit  ver- 
goldetem Messingbeschlage  versehen.  — 


No.  65. 

„18rrutariu0  SMajuntin/^ 

Mainz^  Johann  SchoefFer,  circa  1510«     Klein -Octav- Format. 

Dieses  Breviarium  bat  ein  besonderes  Titelblatt  mit  obigen  zwei  Worten,  aber 
weder  Datirung  noch  Druckfirma,  es  ist  Jedoch  mit  einer  niedlichen  gotbischen  Type 
gedruckt,  die  sich  genau  in  dem  mit  Schöffer^s  Firma  versehenen  Placentinus:  „De 
varietate  actionum"  vom  Jahre  1531 ,  ebenfalls  in  unserer  Sammlung,  wiederfindet, 
und  ist  daher  zweifellos  8chöffer*8eher  Druck,  aber  aus  früherer  Zeit,  denn  es 
finden  sich  weder  Custoden  noch  Seitenzahlen  vor. 

Der  schöne  schwarz  und  roth  ausgeführte  Druck  des  zwar  starken,  aber  nied- 
lichen Buches ,  ist  ein  wahres  Meisterstück  des  Druckers  in  Bezug  auf  genaues  Re- 
gister der  Columnen,  so  dass  die  rotheingedruckten  Sätze,  oder  einzelne  Zeilen  und 
Worte,  immer  haargenau  zwischen  dem  Sohwarzdruck  eingefugt  sind.  In  Eücksicht 
auf  diese  Vollkommenheit  des  höchst  mühsamen  Druckes  haben  wir  auch  das  Werk- 
chen  nicht  in  eine  noch  frühere  Zeit  als  um  IßlO  zurückversetzt,  zimfial  die 
gleichen  Typen  noch  1531  imversehrt  gebraucht  sind. 

Bevor  wir  dies  nachzuweisen  vermochten,  wurde  von  bedeutenden  Fachgelehrten 
angenommen,  dass  es  kein  Mainzer,  sondern  ein  Lyoner  oder  Venediger  Druck  sein 
müsse,  Letzteres  besonders  auch  aus  dem  Grunde,  weil  mihi  oder  mir  als  Dativ  von 
ego  in  dem  Breviarium  nu'chi  laute  und  mithin  auf  Italien  hinweise.  Es  wäre  jedoch 
im  Uebrigen  kaum  denkbar,  dass  in  der  grossen  Diözese  Mainz  seit  den  Marienihaler 
Ausgaben  von  1474  und  1478  kein  einziges  derartiges  Breviarium  in  kleinem  Formate 
für  den  Handgebrauch  wieder  gedruckt  worden  sein  sollte.  — 


—     Mainz.     —  43 

No.  66. 

^,^9fba  PaöiTtin  ||  cum    DtiUfpmiö    fcituq?   btgiüfli-llmis 

(prioriij   tarnen    non  ||  inftrtis)   qbufbä    nota-|;bilib«f  :iam 

nomter  ||  ac  biliflcnter  ||  jmpf.^.  ||  1513.^^ 

Mainz^  Johann  Schoeffer,  1513*    Klein-Quart-Format. 

Dieses  Werkchen,  eine  Ordnung  der  Sacramente,  ist  äusserst  selten.  Die  erste 
Zeile  des  Titels  ist  mit  der  grossen  Psalter-Type  von  1457,  der  Text  mit  der  neueren 
Missal-Type  gedruckt,  welche  in  der  Bambergischen  Halsgerichtsordnung  von  1508 
und  in  dem  Breviarium  Moguntinense  in  Folio  von  1509  vorkommt.  —  Eleganter 
grüner  Einband  mit  Beschlagen  und  Bukein.  — 


No.  67, 

,,'g0rtulu0  animae/^ 

Mainz^  Johann  Schoeffer,  1514«     Klein-Octav-Format. 

Sehr  wenig  gekannte  Ausgabe  eines  ascetlschen  Gebetbuches.  Bemerkenswerth 
sind  die  reizenden  Bordüren,  Initialen  und  Miniatur-Bildchen  in  Holzschnitt.  Der 
prachtige  Original  -  Einband  von  braunem  Leder,  gepresst  mit  reicher  Ornamentik, 
zeigt  auf  dem  vorderen  Deckel  eine  männliche,  auf  dem  hinteren  eine  weibliche 
Costümfigur.  — 


No.  68. 

^,«SBmifd)e  ^iftorü  Sitl  üuij  ||  mentjUd)  kur^weilic^  ||  wxi^ 

bienftlid)  ju  U fm  •  1514/^ 

MainZ5  Johann  Schoeffer,  1514*    Klein -Folio -Format. 

Die  zweite  deutsche  Ausgabe  des  Livlus  mit  verändertem  Titel  und  um  einen 
Titel-Holzschnitt  vermehrt;  sonst  der  unter  No.  60  beschriebenen  ersten  Ausgabe 
von  1505  gleich.  —  Reich  gepresster  dimkelbrauner  Original-Einband  nüt  Beschlag.  - 


No.  69. 

^,C0mjiebiü  |!ue  Sirrutariü 

PRIMI  VOLÜMINIS  ANNALIVM  SITE  HISTOEIAßüM,  ||  DB  OBIGINE 
EEGVM  ET  GBNTIS  FBAN-||CORVM  AD  REVERENDISSIMVM  |1  IN 

CHRISTO  PATRBM  ET 
principe     dominu     Lauren tiu  ||  Episcopu    vuirtzpurgen    || 

orietalisq3  Fiancie  ||  ducem  •  Joannis  ||  Tritemij  Ab-||batis." 

MaiDZ5  Johann  Sehoeffer,  1515*     Klein-Folio-Format. 

Seltenes  und  interessantes  Werk,  in  Antiqua  gedruckt;  eine  vom  Abte  Trithc- 
mius  verfasste  frankische  Geschichte,  die  aber  nur  bis  zu  Pipin  fortgeführt  ist. 

Die  erste  Zeile  des  Titels  und  die  Namen  der  Konige,  welche  als  Capitel-Ueber- 
schriften  dienen,  sind  mit  der  grossen  Psalter-Type  von  1467  gedruckt.    Zwei  Holz- 


44 


—    Mainz. 


schnitte  —  der  eine  auf  dem  Titelblatte  unterhalb  des  Titels  den  doppelten  Reichs- 
adler mit  vielen  Yenierungen  darstellend,  der  andere  das  ganze  zweite  Blatt  fällend, 
zieren  das  Werk.  Das  Beiwort  oriStalisqj  im  Titel  ist  falschlich  „orieialisq3"  gesetzt. 
Die  höchst  merkwürdige,  in  Form  eines  Kelches  gedruckte  Schlussschrift  er- 
zählt die  Erfindungsgeschichte  der  Buchdmckerkunst  mit  derselben  lügenhaften 
Tendenz,  welche  schon  im  „Enchiridion  von  1509"  den  Johann  Fusi  an  die  Stelle 
des  wahren  Biünders  Johann  Gutenherg  setzte.  Man  sieht,  dass  die  Oeschichts- 
fülsclningen  in  Bezug  auf  die  grosse  Erfindung  Gutenberg's  schon  sehr  frühe  ihren 
Anfang  genommen  haben,  und  es  gar  kein  Wunder  ist,  wenn  über  keine  andere 
grosse  Erfindung  bis  auf  unsere  Tage  soviel  Unhaltbares  gedruckt  worden  ist.  — 


No.  70. 

Mainz^  Johann  SchoefFer,  1516*     In  Folio-Format. 

Dieses  herrliche  Mainzer  Druckdenkmal,  von  dem  nur  noch  ein  Paar  Exemplare 
bekannt  sind,  wurde  bereits  auf  Seite  16  und  17  bei  den  übrigen  Mainzer  Psaltericn 
naher  erwähnt.  Es  ist  mit  denseWen  Typen  gedruckt,  wie  alle  früheren  Aasgaben 
von  1467,  1469,  1490  und  1502. 

So  wie  man  bei  der  Ausgabe  von  1490  nur  noch  drei  Exemplare  kennt,  die  sich 
in  der  Stadtbibliothek  zu  Trier,  in  der  Nationalbibliothek  zu  Pari»  und  bei  Lord 
Spencer  in  London  befinden,  so  dürften  auch  von  der  in  unserer  Sammlung  befind- 
lichen Ausgabe  von  1516  kaum  mehr  als  drei  Exemplare  auf  unsere  Zeit  ge- 
kommen sein. 

Die  beiden  Exemplare  in  der  Nationalbibliothek  zu  Paris  zeigen  übrigens  auch 
noch  Verschiedenheiten  in  der  Orthographie,  doch  tragen  beide  dieselbe  Schlussschrift 
mit  Druckfirma  und  Jahrzahl.  Mindestens  die  eine  dieser  Varianten  wurde  für  die 
berühmte  Bursfelder  Congregation  der  Benedictiner  gedruckt,  deren  75  Klöster  in 
allen  Theilen  Norddeutschlands  auch  wohl  für  die  ganze  Auflage  dieser  Psalter- 
Ausgabe  massgebend  gewesen  sein  dürfte. 

Die  vom  Concil  zu  Basel  1440  zuerst  bestätigte  Benedictiner- Abtei  zu  Bursfelde 
im  ehemaligen  Fürstenthum  Oöttingen  wurde  in  Folge  der  Reformation  säcularisirt. 
Mit  ihren  75  Klöstern  sind  auch  die  kostbaren  Psalterien  nahezu  verschwunden,  und 
das  Wenige,  was  davon  auf  unsere  Zeit  gekommen  ist,  gewinnt  dadurch  einen  um  so 
höheren  Wertb.  Im  Uebrigen  verweisen  wir  auf  die  unter  No.  6  auf  Seite  17  über 
diesen  Bibliothekschatz  gemachten  Bemerkungen.  — 


No.  71. 

^^^Jegiment  ^fn-||rid)ftt   3tr0mfr^0  uä    ^ur|lbac^  ...  in- 
Ijaltntbt  wie  pd)  wibrr  ||  bif  pefttlen^  ju  brtDaren  || , .  .^^ 

MainZ;  Johann  Schoeffer,  1517*     Klein-Quart-Format. 

Sehr  seltene  deutsche  Ausgabe  dieser  Schrift  des  Leibarztes  der  Brüder  Chur- 
fürst  Albrecht  von  Mainz  und  Churfürst  Joachim  von  Brandenburg,  von  ihm  selbst 
zu  Ehren  der  Churfürstin  Elisabeth  von  Brandenburg  aus  seinem  lateinischen  Ori- 
ginale übersetzt.  Schaab  kannte  nur  die  im  selben  Jahre  erschienene  lateintsche 
Ausgabe.     Der  Text  ist  mit  Schwabacher  Typen  gedruckt!  — 


—    Mainz.    — 


45 


No.  72. 

„T.  LIVIVS  PA||TAVINVS  HISTO||RICVS.MOBVS  ||  LIBRIS  AVCTVS 

CVM  L.  FLOßl  II  EPITOME  .  ||  BT  AMOTATIS   IN  ||  LIBROS  VII. 

BELIILI  MACEB.  ||  CVM  PRIVILEGIO  AD  ||  DECENNIVM." 

Mainz,  Johann  SchoefFer,  1618.    Mittel-Folio-Format. 

Mit  zwei  scbonep  Bordüren  und  einer  Menge  herrlicher  Initialen  eines  leider 
unbekannt  gebliebenen  Meisters  —  vergl.  Butsch,  Bilcher-Ornamentik,  I,  Tafel  77  a 
b,  78  und  80.  —  Diese  sehr  wichtige  Ausgabe  der  Macedontschen  Kriege  des  Livius 
ist  nach  einem  alten  Mainzer  Manuscrlpte  gedruckt  und  ist  die  erste,  welche  die 
Bücher  83  und  40  nebst  Varianten  zu  den  übrigen  Büchern  der  dritten  Decade 
enthält. 

Da  unsere  Sammlung  ausser  obigem  Exemplare  noch  ein  anderes  in  der  folgenden 
Nummer  besitzt,  welches  in  demselben  Jahre  gedruckt,  dennoch  wesentliche  Ver- 
schiedenheiten zeigt,  so  wollen  wir,  da  diese  zwei  Ausgaben  desselben  Jahres  noch 
nirgends  witerschieden  wurden,  eine  genaue  Beschreibung  folgen  lassen: 

Obiger  Titel  steht  auf  Blatt  la;  auf  Blatt  Ib  die  Dedication  des  Kaisers  Maxi- 
milian ;  es  folgt  auf  Blatt  2  a  die  Vorrede  Ulrich's  von  Hütten  mit  der  Signatur  aij ; 
Blatt  8  a  die  Vorrede  des  Erasmus  von  Rotterdam,  beide  mit  der  Datirung  von  1519; 
Blatt  3  b  eine  Rede  des  Vulphganus  Augustus  an  den  Leser,  auf  der  82.  Zeile  schliessend 
mit  dem  Worte  ,Vale*.  Es  folgt  auf  demselben  Blatte  eine  Emendatio  errorum 
und  reicht  bis  Blatt  4  a  Zeile  13;  hieran  schliesst  sich  ein  Verzeichniss  der  vor- 
kommenden Jahreszahlen  bis  Blatt  4  b  Finis. 

Mit  Blatt  5a  beginnen:  ,L.  Flori  epitome  in  qvattvordecim  decadas"  mit  Signatur 
aa,  schliessend  auf  Blatt  26a;  26b  ist  weiss;  Blatt  27a  zeigt  einen  neuen  Titel: 
,T.  LIVIVS  PA||TAVINV8  HIST0I|RICV8  .  DV0BV8  ||  V0LVMINIBV8  ||  REGENS 
EX  II  VETVSTO  II  CODICE  ||  MOGVNTIN.  ||  BIBLIOTHECAE  ||  AVCTVS."  Auf 
Blatt  27  b  folgt  ein  Verzeichniss  der  von  Livius  benutzten  Autoren  und  Bücher, 
darunter  ein  Epitaph  des  Livius  aus  dem  grossen  Palast  zu  Padua;  auf  Blatt  28  a 
mit  Signatur  Aij  die  Vorrede  des  Livius ;  mit  28  b  beginnt  das  ernte  Buch ;  das  nächste 
Blatt  bat  die  Signatur  Aüj  und  die  Seitenzahl  1;  die  folgenden  SO  Bücher  um- 
fassen 730  Seiten. 

Avd  dem  hiemach  folgenden  Blatte  steht  ziemlich  in  der  Mitte  die  Schlussschrift: 
,MOGVNTIAE  IN  AE||DIBVS  JOANNIS  ||  SCHEFPER,  MENj  SE  NOVEMBRI.  || 
AN.MDXVIII."  Das  nächste  Blatt  enthält  eine  Nachschrift  des  Nicolaus  Carbachius  mti 
der  Datirung  von  lßl9  und  dann  beginnen  auf  der  Kehrseite  dieses  Blattes  die  Annotata, 
welche  noch  13  Blätter  einnehmen  und  mit  den  Worten  ^Hac  cü  praetoria  naue" 
schliessen.  Nach  der  obenerwähnten  Jahrzahl  Iß  19  muss  man  auch  annehmen, 
dass  beide  Ausgaben  erst  in  diesem  Jahre  fertig  geworden  seien.  Denn  obgleich  am 
Schlüsse  des  Werkes  das  Druckjahr  1518  steht,  so  ist  dieser  doch  offenbar  nicht  zu- 
letärt  gedruckt  worden,  und  der  Zeitpunkt,  wann  das  vollendete  Werk  die  Presse  ver- 
lassen, wird,  nach  der  wiederholten  Datirung  von  1519  zu  urtheilen,  erst  in  dieses 
Jahr  gefallen  sein.  — 

No.  73. 

„T.  LIVIVS  PipAVINVS  HISTOJßlCVS.DVOBVS  ||  LIBRIS  AVCTVS  || 

CVM  L.FLOEI  II  EPITOME  .  ||  INDIiJCE  COPIOSO  .  ET  INNOTATISIN  || 

LIBROS  vn.  BELIJLI  MACED.  ||  CVM  PRIVILEGIO  DECENfl." 

Mainz^  Johann  Schoeffer,  1518*     Mittel-Folio -Format. 

Eine  Yariante  des  vorigen  Werkes.  Schon  der  Titel  zeigt  Verschiedenheiten' 
sodann  bis  Blatt  8a  übereinstimmend;  aber  auf  3b  beginnt  der  Index,  um  welchen 


46  —    Mainz.     — 

dies«  Ausgabe  vermehrt  ist,  und  schliesst  «nf  Blatt  56  b;  daran  schliesst  sich  erst 
die  Rede  des  Yolphganus  Augustas  und  auf  Blatt  56  a  die  Emendatio  eirorum, 
welcher  das  Verzeichniss  der  Jahreszahlen  bis  zum  Ende  der  Kehrseite  des  Blattes 
folgt. 

Blatt  A7a  bis  78  a  enthalten  die  Bpitome  des  L.  Florius;  auf  Blatt  79  bis  82 
kehrt  der  Titel  der  vorigen  Ausgabe  nebst  dem  Privileg,  den  drei  Vorreden,  der 
Emendatio  errorum  nochmals  wieder.  Blatt  83  a  enthält  den  auf  Blatt  27  a  citirten 
steeiten  Titel  und  von  hier  ab  stimmt  bis  zum  fichlnss  die  vorliegende  Ausgabe  mit 
der  zuerst  beschriebenen  überein.  Beide  Werke  sind  in  alten  schonen  Original-Ein- 
banden  und  mit  Metallschliessen  versehen.  — 


No.  74. 

„HOC  IN  VOLVIMINE  HAEC  CONTINENTVß|i  VLBICHI  HVTTENI 

EQV," 
Super  interfectione  propinqui  fui  Joannis  Hut||teni  Equ. 
Deproratio.  ||  Ad  Ludouichum  Huttenum  fuper  inter- 
emptio  II  ne  filij  Confolatoria.  j|  In  Vlrichum  Vuirtenper- 
genfem  orationes  V.  ||  In  eundein  Dialogus,  cui  titulus 
Phalarifmus.  ||  Apologia  pro  Phalarifmo,  &  aliquot  ad  ami- 
cos  II  epiftolse.  ||  Ad  Francifcum  Galliarum  regem  epiftola 
ne  II  caufam  Vuirtenpergen  .  tueatur  exhortatoria.  Ad  lec- 
torem.  ||  Res  eft  noua,  res  eft  atrox,  &  horrenda,  di- 
fpeream  ||  nifi  legifle  noles.     Vale." 

Mainz^  Johann  Schoeffer,  1519«     Klein-Quart-Format. 

Höchst  seltene  Schrift  des  Ulrich  ton  Hütten  mitDatirung  am  Schlwise;  doppelt 
gesucht  als  Druck  Sdiöffer's,  dessen  Firma  zwar  nicht  angegeben,  der  aber  aus  den 
Typen  imd  Initialen  bekannt  ist.  Das  Buch  ist  in  Antiqua  gedruckt  und  enthält 
Hutten^s  j,]Cl(tge  über  den  Mord  seines  Yertrandien  Johannen  Hutten*^^  „Trostworte 
an  Ludwig  Hütten  über  den  Tod  seines  Sohnes",  nlfnni  Reden  an  Ulrich  von  Württem- 
berg*', „Gespräch,  mit  dem  Titel  Phalarismus*,  .Yertheidigung  desselben  und  einige 
Briefe  an  seine  Freunde*,  »Brief  an  Franz,  König  von  Frankreich,  mit  der  Er- 
mahnung, die  Sache  W^ürttembergs  nicht  zu  schützen". 

Ulrich  von  Hütten,  empört  über  den  Tod  seines  Verwandten  Hans  ron  Hütten, 
welcher  vom  Herzog  Ulrich,  der  ihn  mit  seiner  Gemahlin  im  Verdacht  hatte,  im 
Jahre  1515  mit  eigner  Hand  getödtet  wurde,  schlenderte  zornentbrannt  gegen  den 
Herzog  von  Württemberg  mehrere  Schriften,  in  welchen  er  ihn  unter  Anderen  mit 
dem  berüchtigten  Tyrannen  Phalaris  von  Agrigent  verglich;  trat  später  dem  gegen 
den  Herzog  gerichteten  Schwäbischen  Städtebnnde  bei  und  gab  in  Schrift  und  That 
seinem  Zorne  gegen  den  zur  Zeit  höchst  bedrängten  Fürsten  den  leidenschaftlichsten 
Ausdruck.  — 

Interessante  Belege  hierfür  liefert  der  obige  ColUciit-Band,  eine  Ausgabe,  welche 
die  bezüglichen  Schriften  Hutten^s  ans  den  Jahren  1515  bis  1519  vereinigt.  Schon 
das  an  den  Leser  gerichtete  Wort:  »Die  Sache  ist  neu,  die  Sache  ist  wild  und 
forchterlich,  ich  mfisste  des  Todes  sein,  wenn  Dn  sie  nicht  lesen  wolltest',  lässt  in 
ihrer  ganzen  Heftigkeit  und  Schärfe  des  Beformators  fenrige -Rednergabe  erkennen. 


—    Mainz.    — 


47 


Aoüfallend  ist  es,  Butten'»  Werke,  sowie  Schriften  des  JErastmts  von  Rotterdam  und 
Philipp  Melunchüion's  im  »trengkatholischen  Mainz  bei  einem  der  Schöffer  gedruckt 
za  finden.  — 

Das  Buch  ist  mit  mehreren  schonen  Initialen,  mit  einem  Holzschnitt,  der  die 
Brmordung  Hans  von  Hutten's  darstellt  auf  Blatt  18  verso,  und  mit  dem  nach  dem 
Lieben  gezeichneten  und  in  Holz  geschnittenen  Portrait  des  Verfassers  auf  Blatt  84 
verso  geädert.  —  Schöner  alter  ponceaurotber  Einband.  — 


No.  75. 

„flVLDEßlCHI  II  HVTTENI  EQ.  GERM.  ||  DIALOGI.  ||  FORTVNA. 
Febris  prima.  ||  Febris  fecunda.  ||  Trias  Romana.  ||  Infpi- 

cientes." 

Mainz  9  Johann  SchoefFer,  1520*     Klein-Quart-Format. 

IMe  berühmten  Dialoge  des  genialen  Reformators,  in  welchen  er  den  Lastern  der 
Päpste,  Fürsten  und  Geistlichen  auf  das  Rücksichtsloseste  zu  Leibe  ging;  besonders 
ragen  Gespräche  „über  das  Fieber*  und  »die  romische  Trias"  durch  den  feurigen 
Styl  hervor,  bei  welchem  Schärfe  und  Kraft  des  Gedankens  sich  mit  ungewöhnlicher 
Kenntniss  der  Dinge  vereinigen.  Hier  auch  findet  man  zuerst  das  berühmte  ;,Jacta 
est  alea«  —  „tcÄ  haVs  gewagt!^ 

Diese  Schriften  in  dem  orthodoxen  Mainz  gedruckt  zu  finden,  ist  in  der  That 
höchst  seltsam  und  lässt  wohl  auf  einen  mächtigen  reformatorischen  Impuls  in  der 
Geistesrichtung  Johann  Schoffer's  schliessen.  Das  Buch  ist  in  Antiqua  gedruckt,  mit 
einem  litelbildchen  in  Holzschnitt,  die  Fortuna  darstellend,  und  mit  melireren 
schonen  Initialen  geschmückt.  — 


No.  76.' 

^,FA]ffl[LI||ARIVM  CÖLLOQjjVIORVM  FORj  MVLAE, 

in  gratia  iuuetutis  reco-||gnit8e,  &  auctse  ab  ERA||SMO  Roter- 

damo .  . ." 

Mainz 5  Johann  SchoefFer,  1520«     Klein- Ocfav-Format. 

^Die  Formen  vertraulicher  Gespräche*  des  gelehrten  Erasmus  gehören  zu  seinen 
philologischen  Sebriften,  in  denen  er  das  Studium  der  beiden  classischen  Sprachen, 
hier  der  lat^nischen,  und  ihre  geschmackvolle  Anwendung  im  mündlichen  und  schrift^ 
liehen  Vortrage  zu  befördern  trachtete. 

Das  Büchelchen  ist  datirt  und  mit  Schöffer's  Firma  versehen;  es  ist  mit  An- 
tiqua gedruckt,  hat  ein  Initial  auf  Blatt  88  verso  und  eine  Titelbordüre  in  Holz- 
schnitt; auf  der  Letzteren  in  der  Mitte  unten  ist  das  netie  Johann  Schöffer^sche 
Druckerzeicheti,  welches  späterhin  auch  Ivo  SchöflFer  übernahm,  sichtbar.  In  einem 
Schilde  das  Zeichen  eines  steilen  griechischen  Lambda,  A^  rechts  und  links  oben 
ein  Sternchen  und  zwischen  den  Füssen  des  Zeichens  eine  kleine  Blüthe;  über  dem 
Schilde  befindet  sich  eine  schmale  Tafel  mit  dem  Monogramm    $  ^  — 


No.  77. 

„iBÄ0  5|irid)n)0rt ^  ||  UTäii  mu|f  entmcr  ein  1Ka-||m0  ober 
aber  ein  narr  ge  ||  barn  werben^  ITIit  feiner  auji^lllegutid, 


48 


—    Mainz.     — 


von  ^tvtn  (Erafma  ||  Hoterobamo  bcfcferibcn  ||  vnb  a\x$i 

gelegt,  von  btn  tn^WQtnbttn  einem  (C^rift^HUcbe  Sfirften 

vnb  II  ^nxn  5tts|||leMg  t>er  ||  teutfcbt/' 

Mainz  ^  Johann  SchoefFer,  1520*     Klein-Quart-Format. 

Eine  von  Oeorg  SpaUztin  besorgte  Uebersetsung  des  Erasmus'  „Moriae  encomium*' 
—  Lob  der  Narrheit  —  jener  schneidenden  Satyre  auf  die  kirchlichen  und  wissen- 
schaftlichen Erbärmlichkeiten  jener  Zeit,  welche  er  nach  seiner  Rückkehr  aus  Italien 
zuerst  um  1509  bei  Gilles  Gourmont  zu  Paris  in  lateinischer  Sprache  veröffentlichte. 

Die  Schriftgattung  des  kleinen  Druckwerkes  ist  im  Texte  die  Schwabacher,  nur 
der  Titel  ist,  wie  oben  veranschaulicht,  theilweise  in  gothischen  Charakteren  gesetzt, 
ebenso  vereinzelte  Worte  im  Texte  mit  derselben  Missal-Type.  Auf  Blatt  2  und  3 
findet  man  zwei  hübsche  Initialen,  und  den  Titel  umrahmt  eine  schöne  Holzschnitt- 
Bordüre,  welche  unten  in  der  Mitte  das  neue  Johann  Schöffer'sche  Druckerzeiclien 
mit  den  Sternchen  und  der  Blume  aufweist.  Dessenungeachtet  wusste  Panzer  in 
den  „Annalen  der  alteren  deutschen  Literatur"  No.  970  den  Drucker  nicht  zu  nennen 
dessen  Name  allerdings  nicht  extra  dabeisteht.  — 

Das  Werkchen  ist  mit  JKelanchthon's  „Verzaichnung  vnd  kurtzliche  antzaigung* 
von  1524  zusammengebunden,  und  zwar  sehr  schön  in  weisses  Leder  mit  Vergoldung 
und  Metallverschluss.  — 


No.  78. 

^,i0ic  tjfrtfutfd)t  (Spillel  ||  ^trxn  Ärafmue  t>oti  Hoter^am, 

vor  feinem  l)anbtbüö^ltin  von  \\  btm  (Ll^riftHc^en  Hittcr, 

mit  vil  (t^^riftli^en  ||  vnterxoeyfnnQ  \\  getsiert  || 

xn.  vi  nh'' 

MainZ;  Johann  Schoeffer  1521«    Klein-Quart-Format. 

Uebersetzung  einer  Schrift  des  Erasmus,  wiederum  von  dem  verdienstvollen  Kanzler 
Spalatinus,  deren  lateinisches  Original  unter  dem  Titel  ,Enchiridion  militis  Christian! * 
im  Jahre  1518  zu  Basel  erschien;  eine  theologische  Schrift,  die  einen  Abriss  des  prak- 
tischen Christenthums  liefert,  unter  Yergleichung  des  Christen  mit  einem  Krieger. 

Die  erste  Zeile  des  Titels  und  die  des  zweiten  Blattes  ist  mit  einer  Missal-Type, 
der  Text  mit  Schwabacher  Lettern  gedruckt.  Den  Titel  umgiebt  dieselbe  Holzschnitt- 
Bordüre  mit  dem  neuen  Druckerzeichen,  die  wir  bei  dem  verdeutschten  .Lob  der 
Narrheit"  in  voriger  Nimimer  fanden.  Auch  sind  zwei  hübsche  Laitial-Buchstaben 
auf  Blatt  2  und  3  zu  erwähnen.  — 


No.  79. 

^,(Sin  ffr  €ljriftlid)f  pre-HMg  bt^  I^eilige  »if*off6  fant 
(Bre^llgorittö  vo  VCa^an^J^  jDae  man  ^ie  ||  armen  lewt 
foll  lieb  l)ahi.  JDurd)  ||  JDoctor  i£coIampa^iu6  an$  \\  btt 
Eriecftifcfte  fprad)  in  ||  feie  ftateinifcfee ,  vnnb  volQtnb 
bmdi  ein  ||  anfeerii  jn  feie  ||  lefitfc^e   geHsogen^ 

Mainz^  Johann  Schoeffer,  1621.    Klein-Quart-Format. 

Seltene   deutsche  Piece  aus  der  Zeit,  wo  das  Latein  noch  so  sehr  die  Oberhand 
behauptete.  — 


Mainz.    — 


49 


No.  80. 

rid)tfii  i«n-||lid|.1521." 

Mainz^  Johann  SdboefFer,  1521*     Folio-Format. 

Erste  Ausgabe  dieses  seltenen  Druckes.  Obiger  Titel  ist  mit  einer  grossen 
Missal -Type  gedruckt  und  von  einer  schönen  Holzschnittbordfire  eingetest,  die 
unten  das  Wappen  des  brandenbui^ischen  Churfursten  Albert  von  Maine  vorstellt, 
auf  dessen  Anordnung  diese  Hofgerichts  -  Ordnung  von  seinem  Kanzler  Johann 
Pürderer  entworfen  und  am  Sl-  Mai  1521  von  Kaiser  Karl  Y.  best&tigt  wurde.  Der 
Text  ist  mit  Schwabacher  Typen  gedruckt.  — 


No.    81. 

f,^txt  Ärafmuö  von  V^oUtbam,  t>ertetttf(bte  an^UQunQ, 
über  feae,  gJttlid)  trSfill^  wort  t>nfer6  Heben  ^txxn 
vnnb  feligma^ere  (l^rlfii,  Hement  auff  md)  mein  3o(^, 

vnb  lernent  von  mir/' 

Mainz^  Johann  SchoefFer,  1521.     Quart-Format^ 

Oline  Druekfirma.    Am  Ende  steht  nur  die  Jahrsabl  M.  v^,  xxj.    Dl«  Titelbordüre 
enthält  das  Druckerzeichen.  — 


No.  82. 

^^%$mtfd)er  Jkti^^txlxd)tx  \\  Hairftat  ^eorbrnt  €a-||mergertd)t 

Hilf  ^m  II  %eid)0t«0  ;u  ||  Il90rm0  H  ||  3^nna  -  |M.  d?  jj  ^^<9.  |{ 

(Kunt  prioilrgiü  fpeciali  ||  j^mpfratortB  €aroU  •  d/^ 

Mainz^  Johann  Schoeffer.  1521.    Folio -Format. 

Der  Titel  ist  mit  der  grossen  Psalter-Type  gedruckt,  welche  sich  auch  noch  auf 
Blatt  2  in  den  Worten:  J003v  ftarl  f^  findet;  das  ,y^wn  jiritliUgio  ....'*  am 
Schlüsse  des  Titels  und  die  Ueberschriften  der  einzelnen  Capitel  mit  der  bekannten 
KDssal-Type ;  der  Text  des  Werkes  aber  mit  Schwabacher  Schrift.  — 


No.  83. 

„RBGINOIINIS  MOMCHI  PRO.||MIENSIS  ANNA-||LB8,  NON  TiM 

DB  II  AVGVSTO-IIRVM  VI1|TIS,  ||  QVAM  ALIORYM  GBRHMAITORVM: 

6E-IISTIS  ET  DO-IICTE  ET  OOM||FENDIOSB  ||  DIBSERENTEB,  ANTB 

SEXIN  II  GENTOS  FEßE  ||  ANNOS  E-||DITL" 

Cum  privilegio  Imperiali/* 

Mainz^  Johann  Schoeffer^  1521«    Mittel  Folio -Format 

Der  Verfasser  Regino,  ein  M6nch  des  Klosters  Prüm,  giebt  in  vorstahAndem 
Werke  eine  allgem«ine  Chronik  vom  Kaiser  liberins  an  bis  lom  Jahre  907  nach 
Christus.    Das  Buch  ist  in  Antiqua  gedruckt  mit  mehreren  schSnen  Initialen  und 

4 


50 


—     Mainz.     — 


einer  Titelbordäre  in  HolESchnitt,  welche  wir  schon  in  Livii  bellum  macedonicum 
von  1518  fanden ;  ausserdem  findet  sich  das  sch5ne  Portrait  des  Sebastian  ron  Roten- 
ban  und  dessen  Wappen  darin,  beide  nach  Albrecht  Dürer  in  Holz  geschnitten.  — 


No.  84. 

,4NMCTU  II APOSTOLI  AD  ||  COMNTfflOS. 
Cu  autem   fubiecta  fuerint  ||  illi  omnia,  tunc  &  filius  ipfe  || 
fubijcietur  ei   &c,  ||  De  müdatone    leprofi,    de    my||fterio 

temarij,  &  cornu  olei. 

SBRMO  B.  JOiN-l|NIS  CHRYSO-||STOMI  ||  INTERPRETE  JO.  ||  OECO- 
LAM-ÜPAWO.  II  MOGYNTIAE  AN.  XXH." 

MainZ;  Johann  SchoefFer,  1522*    Klein  Quart -Format. 

Eine  Auslegung  der  Epistel  an  die  Corinther  von  dem  Kirchenvater  Chrysost&muSf 
der  im  4.  Jahrhundert  nach  Christus  lebte,  mit  einem  Vorwort  von  Johannes  Oeco~ 
lampadius,  dem  Reformator  und  Freunde  Ulrich  Zwinglt's.  Das  kleine  Bfichelchen 
ist  in' Antiqua  gedruckt  mit  einer  Titelbordüre  und  einem  schönen  Initial  in  Holx- 
sehnitt  auf  dem  dritten  Blatte. 

No.  85. 

iilTanlitfn)  II  liurd)  Tktix^\tx  OCa-JIrol  ben  funprn:  ||  off  hm 
Ärid)0-l|ta9  ju  »0rm0.  ||  ^mti  •  |tt.  tit  yyj.  ||  auffgerid)!/^ 

Mainz^  Johann  SchoefFer,  1523»    Mittel  Folio -Format. 

•  Inmitten  eines  schonen  Holxschnittes,  in  welchem  die  Allegorien  kriegerischer' 
Feindseligkeit  und  die  Segnungen  des  Friedens  versinnbildlicht  sind,  steht  der  Titel, 
dessen  erstes  Wort  mit  der  grossen  Psalter-Type,  der  im  Uebrigen  aber  mit  der 
Missal-Type  gedruckt  ist.  Die  Psalter-Type  findet  sich  noch  in  den  Anfangsworten : 
„WJr  Karl"  auf  Blatt  2;  die  Missal-Type  in  den  Ueberschriften  der  Capitel;  sonst 
ist  der  Text  mit  Schwabacher  Schrift  hergestellt. 

Diese  zweite  Ausgabe  von  1528  war  bisher  wohl  ganz  unbekannt  und  ist  jedenfalls 
noch  seltener  als  der  rare  erste  Druck  vom  Jahre  1581.  —  Das  Exemplar  befindet 
sich  in  braunem  Original-Ledereinbande  itiit  Pressung  und  Metallverschluss.  •— 


No.  86. 

^^Il0inifd)e  ||  ^iftorien  ||  Siti  liuij  1|  mit  etlichen  newe  Cranell 
flation,  fo  Burtsuerfcftic^jlncn  jarcn  im  ^^o^^c  t^um  || 
ötyfft  5tt  tticnö  jm  la::||tein,  erfunfecn,  t)ni)  t>ot^p)m 
nit   mcr  gefeiert   fein*  ||  ^auon  fud)  im  enM  ||  fceö 

ISlcgiflere/' 

Mainz,  Johann  Schoeffer,  1523«    Mittel  Folio -Format. 

Die  dritte  deutsche  Ausgabe  des  Livius,  welche  um  die  beiden  Bücher  der  Mace^ 
dönisiAen  Kriege  vermehrt  ist,  die  schon  in  den  lateinischen  Ausgaben  der  letsteren 
von  1518  nach  dnem  in  Mains  auj^efundenen  Manuscripte  Auftiahme  fanden;  man 
vergleiche  No.  72  unserer  Sammlung. 


—    Mainz. 


51 


Die  Holuchnitte  sind  in  dieser  Ausgabe  durchweg  andere  als  in  den  yorber- 
gehenden  Ton  1505  und  1614  und  man  kann  in  den  Darstellungen  der  verschiedenen 
Ausgaben  den  interessanten  Wandel  der  Trachten  Jener  Zeit  beobachten,  welcher  sich 
in  dem  Abschnitte  von  beinahe  zwei  Decennien,  vom  Erscheinen  der  ersten  Auflage 
bis  lUT  gegenwirtigen,  vollzog.  Da  man  im  Livius  die  alten  Volker,  deren  Kriege 
er  besehreibt,  in  der  Tracht  und  Kriegsrüstung  des  sechszehnten  JahrhunderU  dar- 
stellte, fehlen  den  alten  R5mem  auch  die  Flinten  und  Kanonen  nicht. 

Die  Typen  sind  dieselben  wie  in  den  früheren  Ausgaben.  — 


No.  87. 

^  „SANCTI II PROSPERI 
prefbyteri  Aqui  ||  tanici  aduerfus  inlmicos  gratisB  ||  dei  li- 
bellus,  in  quo  &  de  gratia,  ||  &  libero  arbitrio  fententia  || 
diui  Aurelij  Auguftini  ||  defenditur.  EPISTOLA  Aurelij  Car- 
thagi  II  nienfis  epifcopi  contra  Pelagianos.  ||  ROMANORYM 
PON-||tificu  authoritas  de  gra-||tia  dei  pro  Profpero  ||  aduerfus 

Pela-||gianos.'* 
Mainz 5  Johann  Schoeffer,  1524.    Klein  Quart-Format. 

Eine  theologische  Schrift  des  im  fünften  Jahrhimdert  nach  Christus  lebenden 
Prosper,  welche  für  die  Lehren  des  Heiligen  Augustinus  von  der  Dankbc^keii  gegen 
Oott  und  dem  freien  Willen  eintritt. 

Das  in  Antiqua  gedruckte  Werkchen  hat  eine  hübsche  Titelbordüre  und  einige 
Initialen  in  Holzschnitt.  — 


No.  88. 

„VLEICHI 11  DB  HVT-IJTEN  EQ.   DE   GVA-||IiCl   MEDICINA  \\  ET 

MOEBO  II  GALLICO  |1  LIBER  |1  VMS." 

Malnz^   Johann   SchoefFer,   1524.     Klein  Qnart 

Die  zweite  Auflage  —  die  erste  erschim  schon  1519  —  dieser  Abhandlung  über 
die  BeiJkra/t  des  Ouajacwn  oder  Pockenholees,  durch  welches  Ulrich  von  Hütten 
selbst  von  seiner  schrecklichen  Kranlüieit  geheilt  zu  sein  glaubte;  dennoch  fiel  er 
derselben  in  der  Blfithe  seines  Alters  im  Jahre  1583  zum  Opfer. 

Diese  zweite  Auflage  ist  also  nach  seinem  Tode  edirt,  wahrscheinlich  infolge 
des  neu  erwachten  Interesses.  Sonstige  Besonderheiten  sind  bei  dem-  in  Antiqua 
gedruckten,  mit  einer  Titelbordüre  und  einigen  Initialen  in  Holzschnitt  gesehmfickten 
Bfichelchen  nicht  zu  erw&hnen.  — 


No.  89. 

„CANONBS    APO-llSTOLOßVM.    VETEßYM   CONCIHLIORYM    CON- 

STITVnONES.  II DECBETA  PONTI-||PICVM  AlJTI-ilQUIORA  . . ." 

Mainz  9  Johann  SchoefFer,  1525*    Folio  -  Format. 

Yerfosser  dieser  kirchlichen  Vorschriften  ist  Johannes  Vuendelstmus.  Das  Werk 
ist  in  Antiqua  gedruckt,  untermischt  mit  einer  reizenden  Owrsivschri/L  Die  Initialen 
sind  zahlreich  yertreten.  Der  alte  Original-Holzband  mit  braunem  gepresstem  Leder- 
rücken ist  mit  grnnoxydirten  Schliessen  rersehen.  — 

4» 


52 


—    Mainz.     — 


No.  90. 
„PRO  DIVO  II  CAROLO,  EIVS  NOMINIS 
quinto  Romanorum  Imperatore  In-||uictiffimo,  pio,  felice, 
femper  Augu-||fto,  Patrepatrise ,  in  fatisfactione  qui-||dem 
^ine  talione  eoru  quse  in  illum  ||  fcripta,  ac  pleraqj  etiam 
in  uul||gum  ^dita  fuere,  Apolo-| jgetici  libri  duo  nu-||per  ex 
Hifpani-||is  allati  cum  ||  alijs  no-||nullis,  quorum  catalogos  || 
ante    cuius    q3  exordi-||um  reperies.** 

Mainz 5  Johann  Schoeffer,  1527«     Klein   Quart -Format. 

Eine  anonyme  Schrift  zum  Schutze  der  Sache  Kaiser  KarVs  des  Fün/teti,  gegen 
vrelchen  Papst  Clemens  VII.  „die  beilige  Ligue"  zur  Vertreibung  des  Kiüsers  aus 
Ober-Italien  errichtet  hatte.  In  Antiqiia  gedruckt,  mit  schönen  Initialen  und  einer 
Titelbordure  in  Holzschnitt. 


No.  91. 

„mVI  IMP.  jySTINIA- 

ni    Inftitutionum    fiue  ||  elementoru    iurifpru-||denti8e    libri 
quatuor,  ||  genuinae  puritatia-|(deo  reftituti,  lon||geq3  caftiga-|j 

tilTimi.  II  Hijs    adiecti    funt    fepa-||ratim    tarne    Caij    In-|| 

ftitutionü  lib.  IL  ||  MOGVNT.  AN.  1|  M.  D.  XXIX." 

MainZ;  Johann  SchoefFer,  1529.     Klein  Octav-Format, 

Das  merkwürdig  kleine  Format  dieser  in  Antiqua  gedruckten  sp&teren  Ausgabe 
erscheint  höchst  eigenthümlich,  besonders  wenn  man  damit  den  mächtigen  Pergament- 
Folianten  der  Editio  princeps  yon  1468  in  unserer  Sammlung  vergleicht.  Der  hübsche 
schwarze  Ledereinband  ist  altes  Original  mit  MetaUbeschlägen.  — 


No.  92. 

,,S)octor  SO'||t|antt  gabrt  •  ©l^riftenüd^e  StMe^nung  ||  fece 
crfcl)r5(fcnli(ften  yrrfal,  fo  ||  (tafpar  fc^wecf felöcr  in  btx 
©d)Ic::||fy,  xcyb  ^ie  X0atl)cyt  öce  l[?od)  ||  wiröigenn  Sa? 
cramente  II  leibe  _x)n  blute  (llS?ri?||fti,  auffsüricfe  |l  ten 
vn^er^tä::||^cnn  lS?at*  H  9K.  3).  jjij." 

Mldnz^  Johann  SchoefFer,  1529.    Klein  Quart -Format. 

Die  mit  der  Schwabacher  Type  gedruckte  theologische  Streitschrift  hat  Da- 
tirung  und  Druckfirma.  Dies  ist  der  erste  unserer  Mainzer  Drucke,  in  welchem  sich 
die  neuentstandene  Fraetur-Tupe  zeigt;  wo  zur  Auszeichnung  in  Schwabacher 
Schrift  ürüher  die  Gothische  angewendet  wurde,  bürgert  sich  nun  bei  Titeln  und 
Ueberschriften  ganz  und  gar  die  Fractwr  ein.  Wir  werden  von  nun  an,  wie  wir 
es  bisher  bei  den  anderen  Schriftgattungen  gethan,  auch  die  neue  Type  in  der 
Wiedergabe  des  Titels  stets  entsprechend  kennzeichnen.  — 


—     Mainz.     — 


53 


No.  93. 

„(SSKj  Suttj  Sefariö  beS  gro^^^Hmec^tigen  erften  9iömifd^*»||en 

Äe^ferS  |)iftorien  öom  ||  ©aÜier  t)n  ber  SRömer  öurgerifd^e  || 

frieg  :  fo  er  fclbft  befd^riben  :  t)n  burd^  ||  fonbere  groffc 

manf)et)t  feiner  ||  rttterlid^en  tugent  ge^Hfüret  I)at ..." 

MainZ;  Johann  Schoeffer,  1530«     Folio -Format. 

Diese  deutsche  üebersetzung  der  Historien  des  Cäsar  ist  ein  Nachdruck  der 
ersten  deutschen  Ausgabe,  die  1507  in  Strassburg  bei  Grüninger  erschien,  und  von 
Pbiiesius  besorgt  wurde. 

Die  vielen  Abbildungen  wiederholen  sich  oft  und  sind  zum  Theil  dieselben  wie 
diejenigen  des  Schoflfer'schen  Livius  von  1528.  Das  Werlc  ist  mit  Scbwabacher  Typen 
gedruckt,  der  Titel  mit  der  neuen,  der  Schrift  des  f^Theu&rdahkh'*  ähnlichen  Fractur- 
Type,  welche  bei  Schöffer^schen  Drucken  nun  öfter  wiederkehrt.  —  Alter  dunkler 
Original-Lederband  mit  Metallschliessen.  — 


No.  94. 
„PLACEN-IITmi  lYBISCON- 

fulti  uetuftiffimi  de  ua-||riftate  Äcti0num  übri  ffir/^ 

Mainz^  Johann  SchoefFer,  1531*    Klein  Octav-Format. 

Placentinus,  der  älteste  Lehrer  des  römischen  Rechtes  in  Frankreich,  gestorben 
im  Jalire  1192,  wendet  sich  in  obigen  6  Büchern  „über  die  Verschiedenariigheit 
der  Rechtsfälle'*,  eingeleitet  von  Nicolaus  Rhodius,  gegen  das  System  des  Juristen 
Rogerius,  welches  er  im  Verlauf  gänzlich  tun  sein  bisheriges  Ansehen  brachte. 

Wir  begegneten  der  reizenden  kleinen  gothischen  Type,  mit  welcher  der  Text 
des  Buches  gesetzt  ist,  bereits  bei  dem  Breviarius  Moguntinus,  ohne  Jahrsahl,  aber 
jedenfalls  wesentlich  älter,  unter  No.  65  unserer  Sammlung.  Sämmtliche  Initialen 
des  Werkes,  sowie  die  Ueberschriften  der  einzelnen  Capitel  und  auch  theilweise  der 
Titel  sind  aus  Antiqua  gesetzt. 

Schaab  setzt  in  Band  I,  Seite  579,  das  Werk  irrthümlich  unter  das  Jahr  1580; 
es  ist  aber  datirt  vom  Februar  1S31  und  somit  einer  der  letzten  Druck«  Johann 
Schöffer^s,  da  sein  Neffe  Ivo  Schöffer  schon  im  Monat  August  des  nämlichen  Jahres 
in  „Vitalis  pro  conservanda  sanitate"  mit  seiner  Druckfirma  als  Nachfolger  auftritt.  — 


No.  95. 

„9fiDntifd^cr  Äe^fer^||Itd^er  SRateftat  Drbe=^||nung  ün  SRcfor* 

matton  ||  guter  §ßoIlicet  im  ^e^HI^^Ö^^  9iomifd|en  8tetd^  || 

3lnno  9K.  2).  jj£-  h^  Slugfjjurg  t)ff:=||gerid^t." 

Mainz  5  Johann  SchoefFer,  15  3L     Folio-Format. 

Eine  von  dieser  abweichende  Ausgabe  mit  anderem  Titel  und  83  Blättern,  wäh- 
rend die  unsrige  nur  14  Blätter  enthält,  besctireibt  Schaab,  Band  I,  Seite  681  und 
582.  Die  vorliegende  Auflage  desselben  Jahres  ist  nirgends  beschrieben,  sie  be- 
«nsprueht  daher  zumal  als  eine  der  letzten  Arbeiten  Johann  Schöffer's  ein  immerhin 
grösseres  Interesse.  Sie  ist  in  Schwabacher  Schrift  hergestellt  und  mit  der  bekannten 
Titelbordüre  der  Macedonischen  Kriege  des  Livius  von  1S18  geschmflckt.  — 


54 


Mainz. 


Mit  dem  Jahre  153 1  und  dem  Tode  Johann  Schoffer's,  von  dem 
wir  nicht  weniger  als  3ß  Druckwerke  aufgeführt,  geht  das  Ge- 
schäft nunmehr  auf  Tvo^  den  Sohn  des  jüngeren  Peter  Schöffer  über, 
dem  wir  jedoch  erst  weiterhin  begegnen  werden,  da  wir,  um  chrono- 
logisch zu  verfahren,  nun  erst  diejenigen  drei  Drucker  aufführen 
müssen,  die  sich  während  Johann  SchöfTer's  zwanzigjähriger  Thätig- 
keit  in  Mainz  neu  etablirt  haben:  Peter  Schaff  er  der  Sohn,  Friedrich 
Hewmann  und  Mathias  Auerbach  von  AschafTenburg,  welchen  letz~ 
teren  man  bisher  kaum  gekannt  hat.  — 


Peter  ^^l^tx  kr  30l)tt 

i)e6  3o^ann  \tn^tttt  Btuöer,   ale  a*tet  XITainser 
lypograp^,  von   1507  bie  na^   1520* 

lieber  die  Tb&tigkeit  dieses  Mainzer  Druckers  herrscht  noch  grosse  Unklarheit; 
man  hat  ihn  nicht  nur  häufig  mit  seinem  Vater  Peter  8ch5ffer  rerwechselt,  sondern 
auch  angenommen,  dass  er  wohl  nur  für  Rechnung  des  Schöffer' sehen  Haupt- 
geschäfte» gedruckt  haben  könne,  wenn  auch  in  einem  zweiten  Druckhause,  als 
welches  man  bald  das  «Haus  zum  Korb",  bald  das  „zum  Sawlofiel*'  anfahrt,  das 
früher  dem  Jacob  Meydenbach  zugeh5rte. 

ürkimdlich  verbürgt  ist  nur,  dass  dem  Peter  Schöffer  junior  von  seinem  Vater 
das  „Haus  zimi  Korb''  als  Erbtheil  zufiel,  das  er  aber  in  Folge  misslicher  Yerh&lt- 
nisse  im  Jahre  1512  verkaufen  musste.  Man  hat  angenommen,  dass  er  in  diesem 
Jahre  Mains  verlassen  und  sich  in  Worms  etablirt  habe. 

Beides  kann  richtig  sein,  doch  tragt  sein  erster  bekannter  Druck:  ,,€911  nol- 
georbntt  nttb  nnt^lid)  bii4ilitt,  nie  man  Itergtoerk  fit4itit  unb  finden  fal^'  die  Schlnss- 
schrift  f,|0ormbs  |ltttir  3ll)3|fer  1818'*.  Er  musste  also  vorher  in  Worms  nur  un- 
datirte  Drucke  geliefert  haben,  oder  die  datirten  sind  verschwunden. 

Daraus  würde  aber  mit  Sicherheit  hervorgehen,  dass  er  schon  von  1518  ab  so- 
wohl in  Worms  wie  in  Mainz  zugleich  gedruckt  habe,  wie  dies  von  1518  ab  fest- 
steht, denn  man  kennt  auch  ein  in  Mains  gedrucktes  Werkchen  von  ihm:  „Accessus 
altaris*'  mit  der  Schlussschrift  „Moguntiae  per  Petrum  Schoeffer  ISfdO",  wovon  sidi 
ein  Exemplar  in  der  Stadtbibliothek  zu  Frankfurt  am  Main  befindet.  — 

Das  Wahrscheinlichste  ist  nun,  dass  er  nach  dem  Verkauf  seines  Hanses  im 
Jahre  Ißlfd  nodi  einige  Jahre  im  Hause  „zum  Sawloffel"  gedruckt,  dann  aber  eine 
zweite  Druckerei  in  "Worms  errichtet,  das  Midnzer  Geschäft  aber  noch  mindestens 
bis  1520  beibehalten  habe. 

In  Worms  finden  wir  Beweise  seiner  typographischen  Th&tigkeit  bis  1S99,  von 
welchem  Jahre  wir  weiterhin  unter  „  Womur"  ein  Werk  mit  Firma  und  Jahrsahl 
von  ihm  anführen  werden.  Auch  in  Worms  scheint  ihm  das  Glück  nicht  besonders 
günstig  gewesen  zu  sein,  denn  er  zog  nunmehr  über  Strassburg  nach  Venedig,  wo 
wir  seine  Firma  ebenfalls  wiederfinden  werden,  und  zwar  bis  zimi  Jahre  1548.  — 

Von  dem,  was  Peter  Schöffer  junior  in  seiner  Vaterstadt  Mainz  gedruckt,  ist 
nur  noch  Weniges  bekannt.  Wir  besitzen  von  ihm  die  nachyerzeichneten  beiden 
Ausgaben  der  „  Wormser  Reformation'^  von  1507  und  1509,  die  man  übrigens  bis 
Jetzt  fnst  allgemein  seinem  Bruder  Johann  zugeschrieben  Iiat,  weil  sie  keine  Druck- 
firma  tragen  und  «os  einer  Sohwabacher  Schrift  gedruckt  sind,  die  man  for  die  des 
Johann  SdiSffer  angesehen  hat. 


Mainz.     — 


55 


Bei  genauer  Vergleichung  ergiebt  sich  Jedoch  zur  Evidens,  dau  diese  Typen 
bei  Johann  Schöffer  nirgends  vorkommen,  dessen  Scbwabacber  Schrift  in  rielen 
Eixoelheiten  wesentlich  anders  ist.  Dieselbe  ,Wonn8er  Reformation''  soll  abrigens 
auch  ISlfd  nochmals  gedruckt  und  sogar  mit  der  Firma  des  Peter  Schoffer  junior 
▼ersehen  sein,  doch  halten  wir  die  Quelle  dieser  Brüsseler  Notiz  nicht  für  curer- 
lassig  genug. 

Nach  dem,  was  über  Peter  Schöffer  den  Sohn  als  sicher  bekannt  ist,  schien  es 
uns  schon  ausreichend  gerechtfertigt,  ihn  als  wirklichen  Mainzer  Drucker  hier  auf- 
zufuhren ;  Tielleicht  tragen  unsere  Notizen  dazu  bei,  dass  man  sich  auch  von  anderer 
Seite  angelegen  sein  lässt,  über  die  typographischen  Leistungen  dieses  Mannes  melir 
Licht  zu  schaffen. 


No.  96. 

^)iBrr  3tat  Il9onn0  ||  )lrfarnt«cion :  ftatute  •  orbtnüg  ||  Sti(m% 

Mf  alle  5^tftte :  cmnunm  :  Mfjlmeten  :  ^J^firfft-Iltlpim  :  3|er- 

fdyaffte :  ^mptleute :  nu^lid)  furberlid) :  Dttli  ||  bei)UfUd)  \txß: 

Dttb  ;u  0utrr  xt%\txviXi%  erfd)te|frn  mö^e. 

MainZ;  Peter  Schoeffer  jnn.,  1507«    Folio-Format. 

Die  zweite  Ausgabe  des  ^ormser  Stadtrechtes,  von  welchem  die  erste,  uns  fehlende 
1499,  die  dritte  in  unserer  Sammlung  vertretene  im  Jahre  1509  erschien.  Alle  drei 
entbehren  der  Angabe  des  Druckers,  aber  wie  die  Typen  der  ersten  Ausgabe  un- 
streitig auf  Peter  Schaff  er  den  Vater  hinweisen,  so  wird  man  bei  den  späteren  auf 
leichte  Weise  die  Aehnüchkeit  und  wiederum  die  Unterschiede  der  Typen  erkennen, 
welche  für  die  Selbständigkeit  der  Ofßcin  Peter  Schoffer''»  des  Jüngeren  Zeugniss 
ablegen.  — 


No.  97. 

„iBrr  3tat  IBorinö  ||  llrfonnacian :  ftatute .  orirnüg  etc." 

Mainz^  Peter  Schoeffer  jun.,  1509«    Folio -Format. 

Diese  dritte  Mainzer  Ausgabe  des  Wormser  Stadirechtes,  deren  wir  schon  bei 
der  vorigen  Ausgabe  imter  No.  96  Erwähnung  gethan ,  ist  mit  demselben  Titel  und 
ganz  geringen  Abweichungen  im  Texte  gedruckt.  —  Schwarzer  Original-Ledereinband 
mit  reicher  Pressimg  und  Messingbesclilag.  — 


feer  neunte  ttlainser  €y|)ogtaf)^  1508  unö  1509. 

No.  96. 

f^iSe  W<^t  nteretrictt  in  fuoB  amat0-||re0.  Htuftiü  vmm 
princiiiar  Drbanitatta  3  facrde  ||  caufa^  in  frne  qn0blibrtt 
%v^t\btt%m^  beter  ||  minata  a  mgro  jtacobo  1|artUib  fan-|| 


56 


—     Mainz.     — 


bonirnfi.   Vionh  qmbußtim  ab)ii-||tiombu0  nu|ier  tUuftrata. 

^d)  lieb  «Ifi  bi^  mir  \)olV'  \\ 

MainZ;  Friedrich  Hewmann,  1508«    Klein  Quart. 

'Eine  originelle  Schrift  „über  die  Treue  der  Dirnen  zu  ihren  Liebhabern",  deutsch 
und  lateiniseb,  in  Prosa  und  Versen ;  von  nur  10  Blättern  Umfuig.  Das  Schriftchen 
ist  iusMrst  selten  und  von  den  Heumann^schen  Druclien  auch  der  theuerste.  Die 
dixin  vorkommenden  deuUchefi  Floskeln  geben  keineswegs  eine  vollständige  Ueber- 
setning  des  Latein;  sie  sind  aber  meist  urkomisch  und  gewähren  einen  Begriff,  auf 
welch  niederer  Stufe  sich  damals  noch  unsere  deutsche  Muttersprache  befand.  — 


No.  99. 

^^J9^ffiom0  bominicr  fermo  ^i-||ftartali0  n0tabilt0  titq}  pclat 
nt0.     I9enerabtli0  bni  ^abrieli0  bul  ||  ^rttü  m^ri  :  facre 

tljfologie  licctiati." 

Mai]lZ5  Friedrich  Hewmann,   1509*     Klein  Quart 

Es  ist  dies  einer  von  denjenigen  Heumann'schen  Drucken,  welche  durch  Un- 
kenntniss  oder  oberflächliche  Beurtheilung  der  Typen  von  Seiten  der  Herren  Ge- 
lehrten die  unschuldige  Ursache  von  gane  falschen  historischen  Schlüssen  ge- 
worden sind. 

Ueber  obiges  Werkchen  schrieb  sogar  der  rühmlichst  bekannte  Bibliograph 
HeJbig  in  Brüssel  1865  eine  eigene  Broschüre  unter  dem  gewichtigen  Titel  »üne 
dicouverte  pour  Phistoire  de  l'imprimerie",  worin  er  auf  Seite  4  und  5  haarklein  nach- 
weist, dass  die  ziemlioh  grossen  Blatt-  und  Capitel-Ueberschriften  des  obigen  Heu- 
mann^schen  Druckes  mit  Typen  der  86zeil$gen  Bibel  gedruckt  seien;  auf  Seite  14 
liest  man  sogar  noch  ausdrücklich:  „Ze  titre  est  imprime  avec  les  gros  caractires 
de  Gutmberg  sur  quatres  Ugnes!^ 

And«re  Bibliographen  gingen  noch  weiter,  olme  sich  die  Sache  vorher  selbst 
anzusehen,  und  so  liest  man  beispielsweise  in  der  „Besclireibung  der  Grossherzog- 
lichen Hofbibliotbek  cu  Darmstadt*  pagina  88  als  Beschreibung  des  Heumann^schen 
Druckes  „Directorium  missae*'  von  1509,  dass  dieses  Buch  y,mit  den  alten  Guten- 
herg'schen  Typen  gedruckt^  sey. 

Wenn  davon  auch  nur  eine  Silbe  wahr  wäre,  wie  hoch  müssten  die  Heumann- 
schen  Drucke  heute  im  Preise  stehen,  denn  sie  sind  aUe  mit  den  gleichen  Typen 
gedruckt.  Von  den  in  der  ehemaligen  Druckerei  zu  Marienthal  angewendeten 
Typen,  die  nach  einer  Bodmann^schen  Erfindung  1509  von  Heumann  angekauft 
worden  sein  sollen,  ist  aber  darin  keine  Spur!  Ebensowenig  finden  wir  Bibeltypen 
angewendet  bei  Bechtermünze  in  Eltwyl,  durch  den  sie  von  Gutenberg  gekommen 
sein  sollen. 

Heibig  ist  aber  keineswegs  der  Erfinder  dieser  Mähr ,  wenn  er  auch  „so  thuf^ ; 
denn  der  Ankauf  der  MarienQialer  Druckerei  durch  Heumann  und  die  Gutetiberg- 
sehen  Typen  in  8ein«D  Druckwerken  spuken  schon  seit  fänfeig  Jahren  in  den  Ge- 
schichten der  Buchdruckerkunst,  sogar  in  den  „Hundert  Merkwürdigkeiten  der 
Herzoglichen  Bibliothek  zu  Wolfenbüttel*^  von  18^9 ,  obgleich  ein  sonst  tüchtiger 
Fachgelehrter  und  zugleich  erfiUirener  Typograph  der  Verfasser  ist. 

Helfaig  bat  durch  seine  Broschüre  nur  dazu  beigetragen,  dass  deutsche  Gelehrte 
der  Sache  blindlings  Glauben  schenkten,  und  dass  man  nun  das  Anecdotchen  in 
allen  «Geschichten  der  Buchdruckerkunst"  bis  auf  die  neueste  Zeit  lesen  kann!  Es 
sei  aber  nun  hiermit  ebenAdls  zur  wohlverdienten  Ruhe  bestattet.  -~ 


Mainz. 


57 


Wahr  Ist  an  der  gansen  Sache  nur,  dass  einige  Tersalbuehstaben  in  den  Üeber- 
schriften  bei  Heiunann  denen  der  36aeiligen  Bibel  auf  den  ersten  Blick  ähnlich 
sehen ,  bei  genauerer  Untersuchung  aber  sich  nicht  decken.  Einige  derselben ,  wie 
das  3,  S,  C  ül  und  so  weiter  sind  gatus  und  gar  anders,  und  es  w&re  sonderbar  su 
glauben ,  dass  Heumann  die  bedeutende  Druckerei  der  Bruder  des  gemeinsamen 
Ijebens  in  Marienthal  gekauft  luibe,  ohne  in  seinen  Drucken  mehr  als  einige  Versal- 
buchstaben davon  zu  benutzen ,  abgesehen  davon ,  dass  ähnliehe  Typen  in  Marien- 
thaler Drucken  gar  nicht  vorkoftwien ! 

Es  liesse  sich  also  höchstens  annehmen  ,  dass  Heumann  für  seine  Druckerei 
sich  die  Typen  der  SGseiligen  Bibel  theiltoeise  zum  Muster  genommen,  oder  dass 
er  überhaupt  einem  damals  üblichen  Ductus  gefolgt  ist.  Man  vergleiche  nur  genau 
sein  £  mit  dem  der  Sßzeiligen  Bibel ;  welche  Aehnlichkeit  und  doch  -«  welcher 
Unterschiedi  So  ist  es  aber  auch  mit  dem  Heumann'schen  kleinen  Alphabete  zu 
Jenen  Minuskeln;  sie  sind  in  Schnitt  und  Grosse  sehr  ähnlich,  aber  etwas  schlanker. 
Man  vergleidie  nur  den  innem  leeren  Raum  des  o,  m  und  n;  auch  hat  das  i  der 
36 zeiligen  Bibel  als  Punkt  durchgehends  einen  zierlichen  Halbkreis;  bei  Heu- 
mann theils  ein  mehr  rechts  hängendes  kleines  Häkchen,  th^ls  einen  Simpeln  Punkt; 
und  das  sollen  dieselben  Typen  sein?  — 


No.  100. 

^^jBirrctorium  ^i|fr  br  nouo  ||  perf)iectum  3  mtenbatum/^ 

Mainz  5  Friedrich  Hewmann,  1509*    Klein  Quart. 

Diese  neuverbesserte  Ordnung  der  heiligen  Messe  zählt  vorzugsweise  auch  zu 
denjenigen  iTeumann'schen  Drucken,  in  denen  einzelne  Typen  die  Veranlassung  ge- 
geben haben,  dass  seit  Decennien  so  viel  leeres  Stroh  gedroschen  und  so  sehr  viel 
unsehuldiges  Papier  verdruckt  worden  ist.  — 


5er  scl^nte  Wlalnser  ly^^ogtap^  1529  unö  1530, 

No.  101. 

„  StSf c^ibt  be^  II  gfleic^ftagg  ||  ju  ©pe^er  Slnno  ||  3K.  2).  jEtj. 
©ant^Jt  ber  feiferlic^cn  ©onftitution  SBie  ||  gcbrfifecr  obtx 
f^wiflcr  tynbtx  jrc6  t>erflorbcn  Vatttt  obtt  ||  mutter 
brufeer  o6cr  fc^wcfter  Ärbfc^afft  t>nt)cr  ^&j  t\)ty\tn  \\ 
foUen*  II  t)n6  einem  Äeyferli^en  tITanfeat  ter  VOxbzxi 

tauffer  l^alber  Mx^i^Mt^tn,  \\  " 

Mainz^  Mathes  Auerbach,  16 2^9«    Folio-Format. 

Also  ein  nefuer,  bWUf  tvoiil  unbekannter  Mainxer  Drucker!  Wir  kSnnen  seine 
Existenz  nicht  nur  durch  dies  eine  Beispiel  beweisen,  sondern  durch  noch  zwei 
andere,  die  wir  in  den  beiden  nächstfolgenden  Nummern  kennen  lernen  werden. 


c8  -*•    Mainz.    — 

Obiger  Folio-Druck  enth&It  auf  der  Kehrseite  des  Titels  das  Privileg  KarPs  V.; 
in  demselben  auf  Zeile  8  lesen  wir  Folgendes:  //iDad  Wir  VflfetW  t)ii||&eÖ  xeid}^ 

Utbl  getrewe  tltat^eyfen  %wetf>adf  vö  ^fc^ äffen :||burtf  ben 
%f>id)ibt  i^  ief)alü  reic^d  ta^d  3U  ^veyer  in  |Druce||  5 übrige 

t^euel^e  laffen  ^ftbe  •  «  /^    und  auf  der  ersten  Seite   des   zwanzigsten   und 

o 

letzten  Blattes,  am  Schlüsse,  steht:  „(6ebtü(Xt  5U  tHent)*^^ 

Wir  entnehmen  daraus  die  Gewissheit,  dass  Mathes  Auerbach  in  Mains  ge- 
druckt hat.  Die  Typen ,  mit  welchen  das  Werk  gedruckt  ist,  kommen  allerdings 
mit  den  Schoffer^sohen  nberein;  sollte  also  Auerbach  nur  Besitzer  des  Privilegs  und 
Johann  SchoefFer  der  Drucker  gewesen  sein?  Dann  konnte  dies  allerdings  nur  bei 
diesem  einen,  dem  ersten  Drucke  Auerbach^s,  der  Fall  sein ;  denn  wir  finden  in  den 
beiden  nächsten  Nummern  mit  dem  Privileg  desselben  eine  fremde  Type ,  4ie  bei 
Schoeffer  niemals  vorkommt  und  wodurch  wohl  Jeder  Zweifel  gehoben  sein  dürfte.  — 


No.  102. 

,,2ig5fc|t)ebt    befe  3te^H|c|feta9^  tjfi  SlugfeHH^i^i^S-  II  Slnno 

3Ji.  3).  jxj.  getialten. " 

Mainz^  Mathes  Auerbach,  1530«    Folio-Format. 

Ein  xtcetter  Druck  Auerbach's  mit  einer  neuen  Type  von  mehr  gothischem 
Charal^ter.  Er  nmfasst  82  Bl&tter  in  Folio;  unter  dem  Titel  befindet  sieh  ein  Holz- 
schnitt, den  Kidser  vor  versammeltem  Reichstage  vorstellend.  Auf  der  ersten  Seite 
des  letzten  Blattes  steht  das  Privileg  mit  der  bezüglichen  auf  Auerbach  weisenden 
Stelle.  — ■ 

No.  103. 

„9iDmtfd^er  Äe^feerttd^er  ||  SJimefetat  Drbenung  bitnb  ||  9le^ 

fomtattott,    guter   5ßot||licet    im   ^e^Iigen    9lo*||mtf^cn 

9ieic|.  II  Sltttto  SR.  ®.  UJC,  \\  ju  2lugf<3urgl  ||  SBffgcrtc|t. " 

Mainz^  Mathes  Auerbach,  1530«    Folio-Format. 

Der  dritte,  18  Folioblatter  imifassende  Druck  Auerbach^s,  mit  derselben  Type 
wie  der  vorige  und  mit  dem  für  Auerbach  lautenden  Privileg  auf  der  Kehrseite  des 
Titels.  — 


300  3d)0efftr 

Hacbfolger  feince  (D^eime  2ol)ann  nnb  btt  elfte 
tttainset  ZyipOQxa^pl)  1531  bie  f  1555* 

No.  104. 

„2)3e  Sel^enred^t  i)er||teütfd^t  :  aud^  in  e^n  ne^||toe  önb 
rid^tige  orbUnung  ber  titel  ge||fatjt:t)nb  jufa^||nien  brad^t . . .'' 

Halnz^  Ivo  SchoefFer,  1581»    Klein  Quart-Format. 

Von  Schaab  nicht  gekannte  seltene  Ausgabe,  mit  Schwabacher  Schrift  gedruckt.  — 


—     Mainz.     — 


No.  105. 


59 


,,aSfd^iebt  beg  SRctHid^fetag^  ju  3ieflen|!f)3ur8  Slnno 
5ro.  3).  jjftj.  II  getialten.  ||  9leformattott  be^  fetifetHJltd^en 
©ammergerid^tö,  burd^  9iomtfd^er  ||  fe^ferttdjer  SJiateftatt, 
anä)  ©tiur^'jlfurften,  gurften  öit  gemeiner  SRet^lJd^ftettbc 
©ömtffarien  t)nb  retl)e,  |j  jü  @)3eter  ttii  etiit  önnb  ||  bretf[ig= 

ften  jar  auff*l|gerid^t." 

Mainz  5  Ivo  SchoefTer,  1532»    Folio -Format. 

Einer  der  ersten  Drucke  Jvo  Schoeffer's  mit  Oatinmg  und  Firma.  Der  „9Pb' 
fil^iebt"  umfiMst  18  Bl&tter;  die  ^efonnation",  welche  noch  einen  aparten  Titel  hat, 
nur  10  Blätter.  Die  mit  der  Schwabacher  Type  gedruckte  Schrift  weist  am  Schlüsse 
das  bisher  Johann  SchÖffler^sche  Druckerseichen  auf.  — 


No.  106. 

„95Dn  ben  übertreff:^||Itd^iftett  t)n  6crüm^)ttften  fratt)]|cti, 
5w6lff  in  btx  gemeyni,  vnb  5w5lff  in  funier^cyt 
gcllsclt,  famf)t  jren  rämlid^en  t^atten  ♦ . .  von  welchen 
Äufctitt0, piutartf||cbtt0  vnnb  anöcre  zV.  in  jren f^iflorien 
8e6e*tnu0  ||  t^un,  ♦ . .  6ur*  ♦  ♦  ♦  3o^ann  Pfclffclman 
tP&nshirg^llifc&en  Secretario  zV.  au^  bl  Jtatcin  ||  in 
Ceutf4>  tranffcricrt,  y>Xinb  \\  filrtcr  bur*  2<>i)Ciri  d<^||feU 
ber0  6em  0emei;::||nen  rmi^  5U  ||  gut  an  bM  lit&it  bra^^t^  || 

vnnö  xnn  jOrucC  ||  vcrorbnet/' 

Mainz^  Ivo  Schoeffer,  1533»    Klein  Quart-Format. 

Diese  Schrift  von  den  historisch  berühmten  Frauen,  aus  lateinischen  Classikem 
suMunmengetragen,  lless  Johann  Haselberg  von  Reichenow  auf  seine  Kosten  von 
Sdkoffer  drucken.    Auf  dem  vorletsten  Blatt  befindet  sich  ein  Holsschnitt.  — 


No.  107. 

,, 3)®^  aEerburd^Ieud^ttg^llften  grofemed^ttgfte  bn*||ü6er* 
tüinbüid^ftctt  fe^^lfet  fiarfö  be^  füitfften  :  bnnb  be^  ||  \^t\^-- 
Itgen  SRotnifd^cn  äietd^g  )3etnKd^  getid^tö  orb^ljnung,  auff 
ben  JReid^fetagen  ju  ?lügf)3urgf  ||  i)nb  3iegettf)3urgt  tit  jaren 
bretfftg,  \m  jj  jtoe^  bnb  breiffftg  get)alten,  auff^lgertd^t  bnb 

befd^Ioffen. " 

Mainz^  Ivo  SchoefFer,  1583,    Folio-Format. 

Die    erste  höchst  seltene  Auflage  der  fürchterlichen  peinUt^^n  Gerichtsordnung 
Kaiaer  Karls  des  Fünften ,  die_  unter  dem  Namen  der  „OaroUnaf*  eine  schreck- 


6o 


Mainz.     — 


liehe  Berühmtheit  erlangte  und  deren  wir  schon  unter  Nr.  62  bei  Beschreibung  der 
Bambergischen  Halsgerichtsordnung  von  1608  Erwähnung  gethan.  —  Schaab,  I, 
585,  hat  das  Buch  ausführlich  beschrieben.  Unser  Exemplar  ist  mit  braunem 
Original-Lederbande  und  Metallbeschlag  verseben.  — 


No.  108. 

„%^i\  Stutj  be§  II  aller  rebtf^)red^ften  ünnb  tjod^be^^Hrüntptften 
gefd^id^t  f^reiber^  :  9io^||mtfd^e  ^iftorien  mit  etlichen  netüeit 
tranflatton  au§  bem  ||  Satein,  fo  furtj  üer jd^inen  jaren  ?iu 
SJic^ntj  im  l^ol^en  ||  C^umbflifft,  ^cmipi  tiun  6cm  vxttbun 
i\)tyl  btt  K^mifd^cn  äiftoricn  aufs  ||  fftnff  Jtatcinifc&cn 
böd^ern  Äiuij,  jeßt  nen>It^  im  (tloflcr  (Corfs  genannt) 
crfun&cn,  gcmcyncm  n\xii  su  gut  \)xt  sugctbon,  im 
\Xl.^.rtX\x\  iar  t)er5||tctttfd)t,  swcy  brxxii  Uicolaum 
(tarbad^ium,   bxt   anbtx   bxti   bxxxii   3a5||cobttm   XXlu 

cyllum  ♦  ♦  ♦  /' 

Mainz^  Ivo  Schoeffer,  1533«    Klein  Folio. 

Die  inerte,  abermals  und  zwar  um  die  5  Bücher  der  fünften  Dekade  Termehrte 
Ausgabe  des  deutschen  Livius ,  welche  zum  grössten  Theile  die  Holzschnitte  der 
Ausgabe  VGA  1583  enthält.  — 

No.  109. 

„9iÖmijd)er  fe^jer==||Iid^er  SKaieftat  öubgcmcy^Hner  Stcn&c 
bte  ^cyligc  Kcidjeor&nung  ||  auff  jungfl  gebaltcn 
T^cid)f5tagen  gemalt,  wie  e6  in  ||  fa(ften  pnferö  b^yligen 
(t^rlftlid^en  glauben  du  ||  religion  betreffen ,  in  btnx 
^eyligen  Keidb  ||  tonfc  befonöer  teutfÄer  Uation  bifs 
anff  md)^  tünfftig  gemeyn  ||  (Concilium  foU  gel[?al||ten 

wer&en." 

Mainz  5  Ivo  Schoeffer,  1533*     Quart  -  Format. 
Ein  seltener  kleiner  Druck  von  8  Blättern  in  Quart-Format,  mit  der  Schwa- 
bacber  Type,  den  Schaab  nicht  erwähnt.    Auf  Blatt  7  finden  wir  Im  Artikel  f/OOtl 
btV  irrU(f  erey^^  das  erste  hSchst  interessante  CenaurgeaetZf  in  welchem  //tt(td^ 

^em  6ur^  Me  ||  rtior&etiUd;e  txwHtty  t>i6  «nt?er  vil  ftbeW  eiitflaii:|{ 

^tt\f^f  das  Verbot  ergeht,  etwas  Neues  zu  drucken  noch  feil  zu  halten,  //SC(  fcl 

^m  3Mttorll&ttrc^  Me  felt>  deyftU(^  öfter  welttid^  o^erFeyt  ftarsu  [| 
tjercrbetit,  verfletibitfe  v^xSow,  \>t^d^iW,  &ei>  trucCerö  1|  nomm  vxiXib 
sunameti/  auc^  ftie  ftatt  ftarin  fclc^e£(  cre=||tiru(ft/  ttiit  tiemlic^en 
Worten  barin  ^efe^t."  — 


—    Mainz.    —  6l 

No.  110. 

„SBnbergertd^tö  orbnung  ||  beö  ©rtäftifftä  äJte^ntj  :  ||  tix 
tüdd^er  gantj  ftetffig  attgeje^gt,  tt)ie  bnb  n)eld)*||er  gejtalt 
an  allen  t)nb  jeben  obgemeltö  (Srtäfttfftg  ||  aud^  anbem 
SBnbergertd^ten  in  redjt  gel^anbelt,  ||  ünb  ^)rocebtrt  njerben 
foE  önb  mag,  @d|uU|  |tt)e^§en,  ©d^offen,  Sütd^tem,  bit  an- 
bern,  ||  fo  an  ©endeten  jutianbeln  l^aben,  tl  tJaft  bienlid^  tm 
be^tlfflid^,  ictjt  II  netültd^  gemeinem  nntj  ju  ||  gut  gemad^t, 
georHlbent  tinb  auffgertd^t.    m.  3).  XXX^SSS.'' 

Mainz 5  Ivo  Schoeffer,  1534.     Folio -Format. 

Im  Text   mit  Schwabacher  Schrift   gedruckt.    Ein  prachtvoller  drei  Zoll  hoher 
Initialbiichstabe  Q)  in  Holzschnitt  befindet  sich  auf  dem  zweiten  Blatte.  — 


No.  111. 

,,9S9ibergerid^tö  orbnnng  beö  ||  ©rtäftifftö  SJte^ntj,  inn 
tt)eld^cr  gantj  ftetffig  an-Hgeje^gt,  tüie  bnb  toetdier  geftatt 
an  aUen  bnb  ||  jc&en  obgemelte  I£rt5flifft6  aud)  anbtxn 
Vnbtt^ttid^ttn  in  |i  recfet  Qtfyanbdt^  vnb  proce&irt 
werben  foU  vnb  mag,  ||  SAuU^eyfsen,  Sd^Sffen,  Ki*^ 
utn,  vnb  II  an&ern  fo  an  (Berieten  su^an&eln  ||  l[?aben, 
vaft  II  bitnlid)  vnnb  bes||^ftlffltd^,  fetst  newlid)  IJ  gemrys 
fiem  nuts  II  5^   8&t  gc^jlmacbt,  ||  geor&ent  vnnb  \\  auffs 

0erid)t.  II  m.  JD.  aesesex?/' 

Mainz^  Ivo  SchoefFer,  1535«     Folio-Format. 

Auf  dem  Titelblatte  und  der  Kehrseite  des  vorletzten  Blattes  befindet  sich  je 
ein  Holzschnitt,  die  wir  indessen  schon  im  deutschen  Livius  vorfanden.  Auf  dem 
zweiten  Blatte  bemerken  wir  den  schönen  Initialbuchstaben  W,  welchen  wir  schon 
in  voriger  Nummer  erwähnten,  und  auf  dem  Schlussblatte  das  früher  Johann  Schöffer- 
sche  Druckerzeichen.  — 

No.  112. 

,,S)er  Siomifd^en  ||  Seifet  ^tftorien  :  bon  bem  abgang  ||  be§ 
Slugufti  an  :  bi^  auff  %\twxi  ||  t)nb  SSef)3afianum,  bon 
iar  ju  jar,  burd^  (£orne==||Iium  Xacitum  befd^riben,  Sit 
tt)eld^en  nit  ||  oXityn  b\t  Mng,  fo  fid)  su  llom  su  öen 
felbcn  seitsjjten  begeben,  fonbern  Mxif  vx\  anbetet 
vnb  II  ftembber  Station,  fonbetlicfe  aber  ||  bet  teutf*en 
gefcfeidjt,  an=:||ge50gw  vnb  erseiet  ||  werben*  ||  Stern  ba§ 


52  —     Mainz.     — 

Süd^Iein  t)on  ber  alten  Xcufeüf^en  hvand)  vnnb  leben, 

aui)  bnvd}  btn  \\  felben  (Cornelium  Cacitum  ||  bef^ries 

ben*  II  (ßetru* t  5U   VUeynts  bei  3tto   Öd^^ffern   mit 

'Bityftr^4lid)tt  freibeyt,  3m  jar  Ul.  ID.  XXXV." 

Folio-Format. 

Die  erste  deutsche  Ausgabe  des  Taettua,  übersetct  von  Jacobus  Hicyllus,  der 
sich  in  der  Vorrede  nennt.  Das  Werk  hat  viele  und  schone  grosse  und  kleinere 
Initialen  und  eine  schon  aus  dem  deutschen  Liyius  bekannte  figürliche  Titelbordüre 
auf  dem  Zwischentitel  des  Blattes  <L87,  aber  sonst  keine  Abbildungen.  Es  ist  der 
erste  Mainzer  Druck,  der  die  vollständige  Angabe  des  Druckers  und  der  Jahresxahl 
auf  dem  Titel  zeigt.  Das  Buch  umfasst  12  unnummerirte  und  452  nummeiirte 
Blätter.  — 


No.  113. 

„LATINISSI II  MAE  COLLOQVIOEVM  ||  FOEMVLAE. 
Ex  Terentij   Comcedijs  felectae,  ||  ae  in  Germanicam  Lin-jj 

guam  uerfae." 

Mainz^  Ivo  Schoeffer,  1537.    Klein  Folio. 

Diese  lateinisch-deutschen  Formeln  aus  den  Comödien  des  Terenz  fahrt  Schaab 
nach  Panzer''s  Annales  IX,  Seite  640  unter  dem  Jahre  15S6  „Mense  Julio"  auf;  wir 
bezweifeln  eine  uidere  Ausgabe ,  da  auch  die  obige  ^Mense  Julio*  datirt  ist ,  ver- 
muthen  vielmehr  einen  Irrthum  Panzer's,  welcher  sich  wiederum  «ai  ^Zapfs  BibUo- 
ihek'^  beruft,  in  welcher  wir  die  Ausgabe  Jedoch  vergeblich  gesucht  haben.  Auf 
dem  Titel  und  der  Rückseite  des  Schlnssblattes  befindet  sich  das  spitzwinkelige 
8choe£fer^8che  Druckeraeichen  in  zweierlei  Grossen.  — 


No.  114. 

„S^n  üerantoortjltuttg  5ßobagrae  ||  t)or  bemSitd^ter  :  k)ber 
t)itf altige  Ätage  ber  ||  armen  5ßoba^||grtfd^en  rott.  ||  5u 
Xritynti  bey  3ttO  &d)&fftt  \\  ANNO  M.  D.  XXXVII.'' 

Klein  Quart. 

ißin  launiges  Gedicht  in  17  Blättern,  mit  S  hübschen  Holzschnitten.  Graesse  — 
Tresor  Y,  374  —  citirt  ein  Exemplar  mit  nur  16  Blattern ;  Schaab  kennt  das  Schrift- 
chen gar  nicht.  — 

No.  116. 

^^^ibcrgertd^tö  orbnung  beg  @r^||täftifftS  23^rter,  butd^  ben 
^od^tüirbigftcn  tttn  &0Ü  \\  vatter,  Sfirflcn  vnb  Ferren, 
öerrn  3o^anfen  Ättjbifdbouen  su  Ib^ier,  bte  6^Tli0en 
T^Smifdben  llei*6  öurd)  (ßaViitn,  vnb  6a5  ESnigreic^ 
verdaten  ||  Ärtscantsler  vnb   (Cburfftrflen  zce,  feiner 


—    Mainz.     —  63 

(H?ttrfarjllid)cn  Qtiabtn  \\  Vnbtnf^antn  su  gutem  auf^ 
geriet,  vnb  gegeben,  ||  3m  3ate,  M.  D.  XXXVII." 

Mainz 9  Ivo  Schoeffer,  1587«     Folio -Format. 

Auf  dem  Titelblatte  befindet  sich  ein  grosser  rotb  illuminirter  Holsschnitt,  das 
Wappen  von  Trier,  und  auf  der  Kehrseite  des  «weiten  Blattes  eine  andere  Abbildung, 
den  Kl&ger  vor  Gericht  darstellend,  welche  schon  f&r  verschiedene  frühere  Werke 
verwendet  war.  — 


No.  116. 

,,5)®^  aller  S)urd^Ieu(|tig5||ften  grofemed^tigften  t)n*|jüber* 
imnbtlid^ften  Äe^fer  fiarfe  ||  be§  fünfften,  t)nb  be^  I)et)tigen 
Somifd^en  JRe^d^S  <3ein||Ud^  gertd^tö  orbnung,  auff  ben 
Sletd^tagen  ju  ||  3lugfpurgl  önb  9legcnf)3urgl  in  jaren  || 
brcifftg  i)nb  ätoe^  t)nb  bretfftg  ge^|'l)alten,  auffgerid^t  t)nnb 
bef^Ioffen.  j|  5u  WTeynts  bei  3uo  0**ffer^  ttllt  Rey:: 
fcrli<ber  Xttay*  \\  freybeyt  begabt,  nit  na^sttörucCen*" 

Mftiiiz^  Ivo  SchoefFer,  1537.    Folio -Format. 
Die  sweite  nicht  wesentlich  veränderte  Auflage  der  „Carolina*^  von  163S.  — 


No.  117. 

,,»SRbergcrtd^tö  orbnung  be^  er^ltjfttfftö  Sl^rter  . . .'' 

MainZy  Ivo  SchoefFer,  1589«    Folio-Format. 

Zweite  Auflage  der  Üntergerichts-Ordnung  von  Trier  aus  dem  Jahre  1.537;    von 
Schaab  nicht  gekannt.  — 


No.  118. 


„TTPVS  BCCLB-IISIAE  PRI0-||RIS. 

änjcigung,  tüte  bie  I)eilig  Ä^rd^e  ||  (Bottee,  inwetiMg  fiben 
mb  me^r  ^un^Hbert  jaren,  nad)  pnfere  ^er^jlren  Aufs 

fart,  geflalt  ||  gewefen  fey.||" 

Mftiiiz,  Ivo  Schoeffer,  1540«     Klein  Quart. 

Ohne  Angabe  des  Druckers;  die  Type  und  das  krunungestielte  Bl&ttchen  unter 
d«m  Titel  weisen  Jedoch  auf  Ivo  Schoffer.  Interessant  ist  die  angewendete  Mischung 
dtt  Sdneabcidier  Schrift  mit  Cursiv ,  womit  im  Texte  die  lateinischen  Citate  ge- 
settt  sind.  -> 


64 


—    Mainz.     — 


No.  119. 

,,3)er  fietitgen  SKejfenllbraud^,  tote  er  in  ber  alten  Ä^r-J 
cfeen  por  taufenb    jarcn  ||  gewcfeti»  ||  2Cu6  0»  2o(^n* 

CCbryfoflomo  ||  per&eutfci^t. 

Mainz  5  Ivo  Schoeffer,  1540«     Klein  Quart. 

Wie    das    vorige    ohne    Angabe    des   Druckers;    aber  die  Type  ist  SchoSeriscta* 
Der  Uebersetzer  der  theoli^iscben  Schrift  nennt  sich  »Georg  Vicelius  zu  Berlin."  — 


No.  120. 


„  3l95fd)tebt  bejj  9ieid^fe*||tag§  ju  giegenHIfrurg  gefial^^Hten 

AMO  II  M.  D.  III." 

Mainz  9  Ivo  Schoeffer,  1541*     Folio  -  Format. 

Der  Drucker  ist  in  der  Schlussschrift  nicht  angegeben ,  steht  aber  auf  dem 
zweiten  Blatte  im  Privileg  KarPs  Y.  Die  Ausgabe  hat  8  schon  öfter  yorgekommese 
Holzschnitte.  — 


No.  121. 

„Zxü  Sintj  be§  ||  aller  rebf)3red^ften  t)nb  I)od^beH|rüin<)ften 
gejd^td^t  jd^reiberfe,  Siomtfd^e  §tftorien ..." 

Mainz^  Ivo  Schoeffer,  1541«     Klein  Folio. 

Die  sechste  Auflage  des  deutschen  Livius,  welche  nichts  Besonderes  darbietet, 
da  sie  weder  vermehrt  noch  verändert  ist;  sie  erschien  nur  drei  Jahre  nach  der 
fünften  Auflage  und  beweist,  wie  stark  die  Nachfrage  nach  dieser  deutschen  Ueber- 
Setzung  gewesen  sein  muss.  — 


No.  122. 

„3)@fe  aller  3)nrd)Iend^ttgften  ||  grofemed^tigften  :  Unübcr-H 

njinbtlid^ften  fie^jer  tarfe  befe  fnfften,  t)nnb  befe  ^e^HIKs^« 

3i6mif(|en  SRetd^g  )3etnli(|  (Sertd^töorbnung  ..." 

Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1542.    Folio-Format 
Die  dritte  Auflage  der  „CaroUna'^.   Das  Drucker-Privileg  ist  hier  weggelassen. — 


No.  123. 

„Slbfd^iebt  be^  SRctd^§tag§  ju  ©pe^er  auffgerid^tet :  im  jar 
als  man  galt  nad^  ber  gebnrt  (Sl^rifti  1544." 

Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1544«     Folio- Format. 
Mit  Druckfirma  und  Datirung  auf  dem  TiteL  — 


—     Mainz.     —      .  55 

No.  124. 

,,2:iti  Stüü  aüomijd^e  ^iftorien/' 

Maihz^  Ivo  Schoeffer,  1546.    Mittel  Folio. 

Die  siebente  Auflage  des  deutschen  LiYiiis,  deren  Bzistenz  Schattb  —  I,  Seite  609  — 
uisweifelt.  Im  dritten  Bande  pagina  463  bestätigt  er  jedoch  deren  Existens,  nach- 
dem er  das  Buch  inzwischen  ausfindig  gemacht.  Er  rügt  hier  nur  noch  mit  Recht 
dftSB  der  gelehrte  Würdiwein  dieseü  Druck  noch  dem  Pete*'  Schöffer  zugeschrieben.  — 


No.  125. 

„?ß8fd^iebt   ber  II  SRom.   %f.  ^SÄateft.    t)nb   geHlme^ner 
@tenb,    t)ff   bent  Sieid^fetag    ju   3Iug*||fpurg  vjf geriet. 

Anno  domini  ||  M.  D.  XLVm. 
Mainz  5  Ivo  SchoefFer,  1548«    Folio-Format. 

Dieser  „Abschiedt"  enthält  nebst  der  Einleitung  die  Resolution,  wie  es  mit  der 
Reiigion  gehalten  werden  soll;  dann  „die  Reformation  des  geistlichen  Standes*' 
,den  Landfrieden";  „die  Kammergerichtsordnung"  und  „die  Reformation  der  Polliei*. 
Dem  Bande ,  der  diese  Verordnungen  des  Reichstages  zu  Augsburg  vereinigt,  sind 
auch  die  lateinischen  Ausgaben  der  oben  angefahrten  „Resolution,  die  Religion  be- 
treffend", und  der  „Reformation  des  geistlichen  Standes"  beigefügt. 

Die  Thätigkeit  der  Schoffer^schen  Officin  wird,  wie  wir  bemerken  konnten,  seit  Jahr- 
sehDten  vorwiegend  für  den  Druck  der  Beichsgeseise  in  Anspruch  genommen,  deren  erste 
A.usgaben  vorzugsweise  in  Maine,  der  damaligen  Metropole  des  Reichs,  gedruckt  wurden, 
wie  wir  auch  in  den  nächsten  Jahren  noch  zu  beobachten  Gelegenheit  haben  werden.  — 


No.  126. 

„AVREA  BYLLA  ||  CAEOELI  QVAETI  RO]ÄANO-||RVM  IMPBRATORIS, 

&  REGIS  BOHEMU!  &c.'' 

Mainz^  Ivo  SchoefFer,  1549*     Folio-Format. 

Die  „goldene  Bulle"  Karls  lY.  wurde  vor  wie  nach  in  vielen  Auflagen  und  an  ver- 
schiedenen Orten  in  lateinischer  und  deutscher  Sprache  gedruckt,  wovon  unsere 
Sammlung  besonders  die  frühesten  und  seltensten  Ausgaben  aufweist.  — 


No.  127. 

„Kotnifd^er  Äe^ferli^^jld^er  SKateftat,  unb  I|  be§  tie^tigcn 
Seidig  fonbere  Son^lflitutionce,  t)ff  cttlid)tn,  ^icuor, 
8e^^ab|jtencn  llei^ßtagen  vjfgcri^t  ||  i>n6  bef^^loffen,  :ct" 

MailU;  Ivo  Schoeffer,  1549.     Folio-Format, 

No.  128. 

„Slöfd^tebt  ber  Üiotrt.  Äe^f.  SKaieft  bnb  9e*||me^tter  ©tenb, 
t)ff  bent  fReid^fetag  ju  3lug==||fpttrg  Dffgerl^^t,  Anno  Do- 
mini M.  D.  LI." 

Mainz^  Ivo  Schoeffer,  1551«     Folio-Format. 

5. 


l 


56  —    Mainz.     — 

No.  129. 

,,5ß.  Dutbij  S'lafonte  bej5  aller  @tn*|lretd^ften  ^octen 
METAMORPHOSIS,  . .  . .  &txoan  buxdf  btti  \\  Wolgelerten 
ttlt  2tlbrcd)tcn  von  ^alhcxftatt  inn  Keime  ||  weiß  vm 
teutf^^t,  3eö  erftli*  gebeffert  vnb  mit  Si-Hguren  fcer 
Säbeln  gesirt,  bnxd)  (ßeorg  I|  XVidxam  5u  Colmar  7c/' 

Mainz^  Ivo  SchoefFer,  1551«    Folio  -  Format. 

Zweite  Ausgabe  dieser  geschätzten  Uebersetzung,  mit  zahlreichen  Holzschnitten 
geziert;  von  Schaab  ausgelassen.  — 


No.  130. 

,,2)e6  aller  SJurd^^^HIeud^tigften,  ®rofe^||mcd^ttgften,  SStt^ 
ubertDtnbtHlIidiftett  Äetjfer  Äarfö  be^  fünfften,  ünb  be^ 
^e^ttgen  ||  TSl5mif*en  Keidbe  \>cmliö;)  (Rcxid^t^  (DxbnnriQ, 
anff  btn  \\  T^eidjß tagen  su  2Cttgfpurgf  vnb  llegenfpurg, 
in  II  3aren  fereißig  vnb  ycocy  vnb  ^reißig  ge^Hbalten 
auffgerict^t  vnb  \\  befc^^Ioffen  ||  (ßetrutft  in  6er  (C^urs 
fÄrftli^en   Statt  Wleynß,  ||  bnxd^  3uonem   ©ASffer, 

im  3ar  ||  M.  D.  LV." 

Folio-Format. 

In  dieser  vierten  Auflage  der  ^Carolina'*,  welche  bisher  von  keinem  Bibliographen 
gekannt  war,  erblicken  wir  zugleich  den  thatsachlich  letzten  IHttek  des  Ivo 
Schöffer,  welcher  nach  allen  andern  Bibliographen  schon  im  Jahre  16S2  gestorben 
sein  sollte,  weil  sie  von  ihm  keinen  späteren  Druck  als  „Des  heiligen  römischen 
Reichs  Ordmingen"  vom  $0.  Januar  1552  kannten. 

Wir  wollen  diese  unbekannte  Ausgabe  daher  ausführlicher  beschreiben.  Sie  um- 
fasst  48  Blätter,  von  denen  86  nummerirt  sind;  auf  dem  Titel  befindet  sich  das  Hols- 
schnittbildchen,  welches  den  Kaiser  Karl  in  ganzer  Figur,  zwischen  zwei  Säulen 
stehend,  darstellt;  darübersteht:  ^Christo  auspice^^PLYS  VLTBA*^,  darunter:  ^Cum 
ORATIA  &  Priuilegio  ImperiaM*.  Auf  Blatt  2  verso  erscheint  ein  Holzschnitt,  den 
Kaiser  auf  dem  Throne  vor  den  Gburfürsten  darstellend;  auf  Blatt  6  verso  wieder 
ein  Holzschnitt:  Christus  am  Tage  des  Jüngsten  Gerichts. 

Blatt  7  beg^nt  mit  dem  Motto:  y,Christo  auspice  \\  PLVS  VITRA'*,  worunter  sich 
der  doppelte  Adler  zwischen  zwei  Säulen  in  Holzsclmitt  befindet;  auf  dem  letzten 

Blatte  recto  lautet  die  Schlussschrift:  „^n\)e  beg  \>eXXÜi6)tn  ^alggertd^tS.     (SC- 

brucft  ju  3Jie^n|  be^  3üo  ©d^öffcr,  ||  aw  man  aalt  nad^  bet  gehurt 

(tfjrifti  rnfercl  IJ^erWI,  WT.  JD»  €♦  t)*"  Auf  der  Ruckseite  des  Blattes  steht 
das  lange  Ivo  SchÖfTer^sche  Druckerzeichen.  — 


—     Mainz.     — 


67 


3ti0  3d)5ffer'0  fei.  «rben 


1556  bie  1557, 

dann 

welcher  6a0  (St\d)&ft  ale  5w5lftcr  Wlainser  Zy\>Oi 

Qvciy})  von  1558  ab  fortführte* 

No.  131. 

,,2:iti  2m\  befe  ||  aQer  9lebf)3rcdöftcn  önb  §od^bc||rpnH3teften 

&t\djiä)t\ä)xtiia^,  Sll^ömifd^e  §tftoricn  || ©ebrucft 

in  ber  ©l^urfürfttid^eti  ©tatt  3J?e^ntj,  ||  öutd)  3ttotii6 
e*5ffcr6  feiigen  Ißrbem  ||  im  3are  ||  M.  D.  Lvn." 
Am  Ende:  ,,®ebrudt  ttt  bct  löMtd^eu  t)nb  ||  ©l^urfürftlid^en 
©tatt  SKc^ntj,  burd^  ©eorgium  ||  tPagner*  VoVitnbtt 
am  miinbttn  taQ  5e#  3enner6,  ||  Äl6  mann  5alt  nad) 
6er  geburt  vnfere  lieben  (|  ifttrtn  3eftt  (Clj^rifli  M.  D.  Lix." 

Klein  Folio. 

Wahrend  des  Dnicks  dieser  achten  und  leieien  Mainxer  Auflage  des  Livius  ging 
die  Scböffer'sehe  Druckerei  von  den  Erben  Ivo's  in  andere  Hände  über,  daher  wir 
in  der  Schlussschrift  des  Werkes  schon  Georg  Wagner  als  Drucker  finden, 
welcher  ißS9  das  Werk  sum  Abscbluss  brachte. 

Mit  dieser  letzten  Ausgabe  des  Livius,  welche  gerade  100  Jahre  nach  Erscheinen 
des  Mainzer  Psalterium  von  den  Nachkommen  des  ersten  Peter  Schöffer,  des 
Stammvaters  der  berühmten  Druckerfiamilie,  begonnen  wurde,  erlischt  also  die  typo- 
graphische Th&tigkeit  des  Hauses  Schöffer  in  Mains. 

Erwähnen  woUen  wir  noch,  dass  die  stattliche  Reihe  von  Auflagen  des  Livius, 
welche  wir  in  unserer  Sammlung  vereinigt  haben,  in  der  DedicaUon  an  den  Kaiser 
Maximilian  von  1505  ab  durchgehends  Johann  OuHenberg  die  Ehre  der  Er- 
findung der  Bu^drutkerkwnst  ausdrüeiUch  einräumen,  wahrend  dacwisohen  in  den 
Schlussschriften  anderer  Werke  ihm  dieser  Ruhm  auf  jede  Weise  streitig  za  machen 
gesucht  wird ;  ein  Widerspruch,  der  cur  Genüge  kennseiohnet,  wie  unberechtigt  Jene 
neidischen  Ansprüche  der  Familie  Sdweffer  allezeit  gewesen  sind.  In  einem  an  den 
Kaiser  gerichteten  Documente  wagte  man  Jedenfalls  die  Lüge  nicht.  — 


bcv  btti^e^ntt  tüainsec  ZyipOQvcapi)  1532  He  1536. 

No.  13Ü. 

„3ttnt>Alt  Mffes  Bfi*Ieytie  :  U  (5^n  lünftUd^e  fonn|H)|>r 
inn  tynts  ytbtn  menf^ti  Cincten  ^An6t,  ||  gte)>d>  n>ie 


68  —    Mainz,     — 

o 

in  tymm  (tompag,  5tt  erlernen  . . .  Von  3<^cob  Ä5beln 
@tat)tfd)reybem  5tt  (D^jpenbeym  . . .  Su  VUents  bey 
Peter    ^oxban,   im  tttertsen,  ||  bt6  Xll.  ^.  dcXSlcJI. 

3ar0/' 

Klein  Quart. 

Das   kleine   Büchelchen   umfasst  nur  11  Blätter  mit  6  Holzschnitten.    Scbaab 
kannte  das  Werkchen  nicht.    Es  ist  Peter.  Jordan's  erster  Druck.  — 


No.  133. 

,,3lHerIe^  SJiadel  t)ttb  ||  SledCen  an^  (Btwant,  öammat^, 
Öeyfeen,  (Dfil&inen  |1  ftftcfen,  Eleybern  ic.  su  bringen, 
l£0  feycn  Öd^ntalQ  ||  fle* en ,  61  o&feer  weyn  fledCcn, 
ofcfeer  wie  feie  m^gen  ||  Qtntnnt  wer&en,  X>rxb  bae  aUee 
UyAitlid)  on  ||  fdjaben,  mit  waffern  obfeer  laugen,  wie  || 
ee  bann  inn  fciffem  »fid)leyn  gelett  ||  wirt,  su  poU 
bringen*  ||  jDasu  aud)  wie  eynem  yedClic&en  ®ewant 
feyn  t)er:!||lorne  färb  wi&öer  5ubringen  fey,  jDeßglcydjen 
wie  II  man  garn  vn  leynwat^  aucfe  bolö  vnb  beyn,  || 
mandjerley  färben,  ferben  fat  ||  (BetrudCt  5U  Uleinö  bey 
Peter3or5anim||  merßen  öee  m.  JD.  36383611. 3ar6." 

Klein  Quart. 

Der   erste   ,^Pleckenreiniger" ;   ein  interessantes  Schriftchen  von  nur  6  Blattern 
Inhalt,  das  Schaab  ebenfalls  nicht  gekannt  und  nicht  verzeichnet  hat.  — 


No.  134. 

,,93tblia,  beiber  ||  SlUt  önnb  9letpen  Xefta  ||  menten,  fleiffig, 
treülld)  vn  (Cbriflljlid),  nad)  alter^  inn  (tbriftlidjer  || 
Eircben  gebabter  Iranfiation,  mit  aujisj|legttng  etlicher 
feundCeler  ort,  vnnb  be(fej5||rung  mler  »erriidCter  wort 
vnb  f|?rft<fe/  II  fo  biß  anbere  inn  anbttnn  furß  auß^lj 
gangnen  tbeutfcben  Bibeln  gesUfpftrt  vnb  gefe^en  || 
2)urd^  2).  SoI)att  S)ieten||berger,  new  tjeröeutfcbt*  (Bott 
5«  II  ewiger  ebre,  x>nn6  wolfartb  feiner  ||  ^eiligen  C^rifls 

lid)en  ||  Äircben  ♦  ♦  ♦" 

Mainz  5  Peter  Jordan,  1534*      Folio -Format. 

Eine    deutsche  Bibel   speziell  fQr  Katholiken.    Der  Uebersetzer  ist  der  Domini- 
kaner IHetenherger ,   welcher  in   der  Dedication   an   den  Markgrafen  Albrecht  von 


—    Mainz.'   —  69 

Brandenburg ,  im  Vorworte  an  den  Leser ,  sowie  auch  in  den  dem  Texte  hinsuge- 
fagten  „Adnotationes"  seine  Pfeile  gegen  Luther  und  dessen  Bibelübersetzung  richtet 
und  auch  dem  hebräischen  Originaltexte  keine  Gnade  angedeihen  lasst. 

Für  die  Ueberselasnng  des  alten  Testamentes  ist  der  Text  der  „Vulgata",  für  das 
neue  Testament  die  Emser^ache  Uebersetzung ,  deren  beide  Ausgaben,  Dresden  1587 
und  1529,  ebenfalls  in  imserer  Sammlung  vertreten  sind,  zu  Grunde  gelegt;  vielleicht 
haben  auch  die  Bmser'schen  giftigen  Ausfalle  gegen  Luther  unserem  Dietenberger 
als  Vorlage  gedient. 

Bei  alledem  hat  aber  der  eifrige  Dominikaner  sehr  viel  von  Luther  selbst 
profitirt,  dessen  kraftvolles  Deutsch  man,  trotz  aller  Anfeindung  die  ilmi  sonst 
wider£Uirt,  höchst  auffallend  im  Texte  dieser  katholischen  Bibel  wiederfindet  Die 
Ausgabe  enthält  8  unniunerirte  und  578  numerirte  Blätter  mit  107  Holzschnitten, 
welche  von  Anton  von  Worms  herrühren. 

Auf  der  Rückseite  des  letzten  numerirten  Blattes  578  findet  sich  in  einer  Holz- 

schnlttbordüre  die  Schrift:  „(Scbturft  tUtl  bct  Slfe  Ibifd^offUd^Cltlt  @tobt  SKcinfe, 

be^  $etcr  i|  3ot*öati,  3nti  :Koften  vtiö  verleduticT/  öeö  iBrÖamen  ||  vxixxh 
9(c^tbaren  fetten  Peter  (lXentelö,»ttr|  der  tJti&»Mc^trtttft;er3tttft^tten . ." 

Drucker  und  Verleger  sind  hier  also  zwei  verschiedene  Personen.  — 


No.  135. 

„Petrus  Jordan  Lectori  S.  D. 
EN  TIBI  NraC  ITEEYM  CMDIDE  LECTOR  ||  COELESTIVM  RBRVM 

DISCIPLINAE,  ATQVE  TOTIYS  SPHAERICAE 
peritiflimi,  Johannis  Stoeflerini  Juftingenfis,    uiri    Germäni, 
uariorum  Aftrolabi-||orum  compofitonem  feu  fabricam  .  .  .** 

Mailiz^  Peter  Jordan^  1585.     Folio- Format. 

Von  Peter  Jordan  selbst  besorgte  Aiisgabe  des  astronomischen  Werkes  von  Jo- 
hannes Stoeffler,  welches  zuerst  1513  Koebel  in  Oppenheim  druckte.  Von  letzterem 
sind  auch  die  in  dieser  Ausgabe  vorkommenden  Liitialen  des  mit  vielen  astrono- 
mischen Figuren  und  Tabellen  ausgestatteten  Werkes.  — 


/ran?  IBeljem 

ober  »5bmc,  CKVi^  Ulcißen  gebürtig,  6cr  tJierse^nte 
ttlainscr  lypograi)^,  1540  bie  1558, 

ist  als  derjenige  Drucker  bekannt,  bei  welchem  Arnold  von  JBergel  oder 
BergeUanus  als  Corrector  tbatig  war,  und  das  nachfolgende  berühmte  lateinische 
Lobgedicht  cmf  (He  Erfindwng  der  Buchc^ckerkimst  verfasste.  Böhme  druckte 
zuerst  in  den  Räumen  des  Klosters  St.  Victor  bei  Mainz,  dann  zuletzt  „lim  Maul- 
havm\  wie  mehrere  seiner  Drucke  besagen.  — 


70  —     Mainz.     — 

No.  136. 

„DE  CHALCO-IIGRAPHIiE  INTENTIO-||NE  POEMA  ENCOMIA-||STICVM,|| 

JOANNE  ARNOLDO  ||  BERGELLANO  AVTORE." 

Mainz^    Franciscus    Behem,   1541*     Klein  Quart 

Ein  schönes  Exemplar  des  historisch  überaus  wichtigen  Lohgedichtes  in  lateini- 
schen Distichen  auf  die  Erfindung  der  Buchdruckerkunst  dttreh  J'ohann  Guten- 
berffm  Das  Bändchen  enthält  12  Blätter  und  war  bei  seiner  Seltenheit  selbst  Schaab 
nicht  bekannt  Da  es  genau  100  Jahre  nach  Gutenbergs  ersten  typographischen 
Versuchen  in  Strassburg  von  einem  Kunstgenossen  in  Mainz  verfasst  wurde,  kann 
man  es  wohl  als  Jubiläumsschrift  betrachten. 

Das  Titelblatt  enthält  eine  Buchdruckpresse  nebst  Setzerkasten,  in  Holzschnitt 
dai^estellt  —  ein  im  Ganzen  höchst  interessantes  Schriftchen,  dem  wir  eine  mög- 
lichst genau  deutsche  üebersetzung  angefügt  haben.  — 


No.  137. 

„COMMENTARIAIIJOANNIS  COCHLAEI,  DE  ACTIS  ||  ET  SCRIPTIS 

♦  MARTINI  LYTHERI  SAXONIS, 

Chronographice,  Ex  ordine    ab  Anno  Domini  M.D.XVn.  || 
ufq3  ad  Annum  M.  D.  HjVI.  Inclufiue,  fideliter  confcripta  || 
.  , .  Apud    S.    Victorem    prope    Moguntiam,    ex    officina  || 
Francifci  Behem  Typographi.  ||  M.  D.  XLIX." 

Folio-Format. 

Ein  „Commentar  zu  Luthers  Handlungen  und  Schriften",  der  ein  beredtes  Zeug- 
niss  giebt  von  der  heftigen  Gegnerschaft  zwischen  dem  berühmten  Gelehrten  Goch- 
laeus  nnd  dem  Reformator  Dr.  Martin  Luther.  — 


feer  fftnf5e|?nte  Ulainscr  lypograpt?  1594  hie  1622. 

No.  138. 

„S)ret)  Sc^))3ontfd^e  ©d^reiben.  ||  ®ag  erft.  ||  SBa^  tnaffen 
26.  ®eift-i|Itc|e  ünb  aBeltlic^e  ^ßerfonen,  ömb  ||  ©^riftt 
toiüen,  am  ©teufe  grtöbt.  ||  S)aS  anber.  |1  Snnl)att  ctlid^er 
Söunber  t)nb  fd^red^;jltd^en  fürgelaufenen  Qdä)en.  \\  S)a§ 
britt  II  3al)rf(]^retben,  m^  bie  ©octetet  Sefu  im  96.  ^a^x 
in  befe  ||  §@gi3i(SSR  SBeinberg  aufegerid^t.  ||  %n  ben  ©.  5p. 
(Slaubium  Slquaninam,  ©ocietet  ||  Sefu  ©eneratn,  burd^ 
Subouicum  ^toiS  aujs  ||  ^a)p)pon  getl^on.  ||  ?IuJ3 1|  Stalieni- 


—    Mainz.     — 


71 


[d^er,  in  bk  ^od^teutfd^e  ||  ©praad)  überfe^t.  ||  ®etrudt  ju 
2RctTt^,  Bet|  Sol^an  3llbtn.  ||  M.  D.  XCIX." 

Klein  Quart. 

Das  ganze  Buch  ist  in  Fractar  gedruckt.  Johann  Albin  ist  deijenlge  Typo- 
graph,  in  dessen  Druckerei  der  gelehrte  Jesuit  Nicolaus  Serraritts  noch  um  das 
Jahr  1600  ttUe  gesehniiafte  Molzlypen  gesehen  hat,  wie  er  selbst  in  ^Reruni 
Mogunh'acarwn  Ubri  V,  Ingolstadt  IfiOi**  berichtet. 

Diese  Holehuchstahen  sollten  noch  von  €h*tenherg*s  Zeit  herstammen,  und  Jedem 
in  Mainz  ansgelernten  Jungen  Typographen  als  Wahrzeichen  oder  zu  seiner  Legiti- 
mation mit  auf  die  Reise  gegeben  worden  sein.  Dass  man  ursprünglich  mit  Holz- 
buchstaben gedruckt  habe,  ist  wohl  ausser  Zweifel  gestellt,  wenn  es  sich  auch  nur 
um  die  ersten  rohen  Versuche  handelte,  denen  die  gegosseneri  Typen  auf  dem  Pusse 
folgten. 

Herr  Professor  Faulmann  in  Wien  giebt  auf  Seite  40  seiner  „Geschichte  der, 
Buchdruckerknnst"  188S  eine  ganz  respectable  Bruckprobe  mit  aus  Holz  geschniteten 
Typen  und  sucht  damit  eine  andere  Autorität  zu  widerlegen,  die  Alles,  was  von  Je- 
her über  die  Möglichkeit  von  Wolztypen  geschrieben  worden,  einfach  für  —  Unsinn 
erklärt.  Probiren  geht  über  Studiren,  und  wir  haben  uns  daher  durch  Versuche 
selbst  mit  noch   "kleineren  Typen,'  von  der  Ausführbarkeit  recht  wohl  überzeugt.  — 


No.  139. 

^^Drbnung  bejs  ^ettiltd^en  ®erid^t§  ||  ®er  Slömijd^en  ||  Sat= 
ferltd^en  SRa^eftat  1|  ©aroli  be^  S^nfften,  .  .  .  Sn  bcr 
©j^utfürftltd^en  ©tatt  3Äe^n|,  burd^  SotiannSlIbtn,  ||3m 

3a^r  e^rifti  M.  DC.  XV.'' 

Folio-Format. 

Eine  neue  Auflage  der  berüchtigten  „Carolina",  ganz  in  gewohnlicher  Fraktur 
gedruckt.  — 


No.  140. 

))%antu0  (irrgoriano  |Uo0ttntinu0  IStmiario  romano  accom- 

mobatuö/^ 

Zwei  riesige  Bände  in  Folio  maximo.  MainZy  Christoph  Küchler,  1666* 

Wir  fähren  diesen  späten  Mainzer  Druck,  den  ersten  Küchler' s,  nur  noch  auf 
wegen  seiner  grossariigen  Ausstattung  und  seiner  enormen  Seltenheit,  denn  man 
wird  in  den  öffentlichen  Bibliotheken  Europas  nicht  so  leicht  ein  Exemplar  vor- 
finden. In  der  That  ist  es  das  grossartigste  Chorbuch  des  siebzelmten  Jahrhunderts, 
in  zwei  riesigen  Foliobänden,  mit  eigens  dazu  gegossenen  grossen  Choral-l^pen 
und  Mus^oten  gedruckt 

Das  Prachtwerk  wurde  nämlich  mit  einem  enormen  Kostenaufwande  und  nur 
in  wenigen  Exemplaren  für  die  reiche  Benedictiner- Abtei  Bursfeld  hergestellt,  für 
welche  J«  audi  das  nur  noch  in  drei  Exemplaren  bekannte  Mamtier  PsalUrium  von 
1516,  unter  Nr.  70  unserer  Sammlung  1  eben&Us  nur  in  kleiner  Auflage  gedruckt 
worden  war< 


72 


—     Mainz.     — 


Durch  solche  F&lle  erklart  sich  die  heutige  Seltenheit  derartiger  Druckdenk- 
m&ler.  Das  prächtige  Werk  ist  rotb  und  schwars  gedruckt;  die  z'wei  Biesenfblianten 
theilen  sich  in  Pars  liiemalis  und  Pars  aestiralis. 

Die  Original-Einbände  sind  von  sollstarken  Eichenbretem,  mit  hellem  Schweins- 
leder übersogen  und  eben  so  schon  wie  reich  gepresst,  mit  Messingbukeln  und 
starken  Schliessen.  Das  Exemplar  scheint  kaum  in  Gebrauch  gewesen  eu  sein,  denn 
es  ist  in  Allem  wie  neu  erhalten.  — 

Der  Drucker  dieses  Prachtwerkes  war  eigentlich  in  der  Reihe  der  Firmen  der 
vierundzwatutigHe  von  Maine.  Wir  haben  mehre  seiner  Collegen  übersprungen, 
da  von  ihnen  typographisch  interessante  Werke  nicht  vorliegen.  Nach  Johann  Albm, 
den  wir  vorhin  auf  Seite  70  als  den  fünfzehnten  Mainzer  Drucker  Yei;peiehneten, 
folgten  cunichst  16)  dessen  JB!rben,  unter  welchen  das  Geschäft  fortexistirte  bis 
zur  Occupation  von  Mainz  durch  die  Schweden  1631. 

Diesen  folgen  nun:  17)  Balthasar  Lippius  um   1599.  —  18)  Johann  Volxnar 
um  1615.   —   19)  Anton  Strohecker    1622.   —    20)    Hermann  Meresius  1624.  — 
'21)  Nicolaus  fleyl  1649.  —  92)  Johann  Peter  Zubrodt  1676.  —  23)  Hieronymus 
Bmser  1667.  — 

Küchler,  der  24)  druckte  übrigens  von  1666  bis  1691,  wo  er  sein  Geschäft  den 
Jesuiten  abtraL  Ihm  folgten  im  siebzehnten  Jahrhunderte  noch  Johann  Baptist 
Schönwetter  1670,  und  Johannes  Meyer  1698.  Damit  schliessen  wir  die  Reihe  der 
Mainzer  Typographen  260  Jahre  nach  Gutenberg's  Erfindung  ab.  — 


A(s  £rgän5ungs-£tteratur  5U  Main^ 

wollen  wir  hier  noch  kurz  anfuhren  die  in  unserer  Sammlung  be- 
findliche reiche  Auswahl  von  älteren  und  neuesten  Studien -TVerken 
sowohl  über  Mainz  selbst,  wie  über  die  Erfindung  und  Ausbreitung 
der  Buchdruckerkunst  und  über  die  wichtigsten  Mainzer  Druck- 
werke;  sodann  Albums,  Säcular Schriften  und  dergleichen,  soweit 
sie  sich  eingehender  mit  Gutenberg's  Erfindung  oder  ihren  Re- 
sultaten  beschäftigen. 

Wir  fuhren  alle  diese  Schriften,  in  denen  man  auch  über  unsere 
reiche  Sammlung  von  alten  Mainzer  Drucken  mit  wenig  Ausnahmen 
SpecieÜeres  nachlesen  kann,  ohne  Rücksicht  auf  die  Druckjahre 
rein  aiph€llhetisch  hier  auf.  — 

1.  „Album  typographique   et  La  vie  de  Gutenberg."    Paris  1840. 

Festschrift  mit   Druckproben   von   eigens    dazu   gegossenen 
Typen.  — 

2.  „Als   das  dritte  Jubeljahr  der  Buchdruckerkunst   gekommen.** 

Frankfurt  a.  d.  Oder,  zum  Jubiläum  1840.  —  . 

3.  «Gepriesenes   Andenken   von    Erfindung    der    Buchdruckerey.** 

Leipzig,  zum  Jubiläum  1740.  — 

4.  Bechstein:  „Deutsches  Museum."    Jena  1842.  — 


—     Mainz.     ~ 


73 


5.  BemHart:   „Meine  Ansicht  von  der  Geschichte  der  Entstehung, 

Ausbildung  und  Verbreitung  der  Buchdrucker kunst."  München 
1807.  — 

6.  Blancken:    „Bildnisse   berühmter  Künstler,  Buchhändler,  Buch- 

drucker und  anderer  Männer.     Nürnberg."     1725.  — 

7.  Bockenheim  er:    ,,Beiträge    zur    Geschichte    der    Stadt    Mainz.^ 

Mainz  1874.  — 

8.  Braun:    „Notitia    historica-literaria.^^      Augsburg    1788  — 1789. 

Mit  zahlreichen  Schriftproben.  — 

9.  Breitkopf:    „Ueber    die    Geschichte    der    Erfindung    der    Buch- 

druckerkunst."    Leipzig  1779.  — 
10.  „Bresslauisches   Jubelgedächtniss    der   vor    dreyhundert   Jahren 
erfundenen  Buchdruckerkunst."    Breslau  1740.  — 

11.  Butsch:   „Die    Bücher-Ornamente    der   Renaissance."     Mit   100 

Tafeln,  Leipzig  1878.  — 

12.  Catalog  der  Incunabeln  in  der  Universitäts-Bibliothek  zu  Greifs- 

wald.    18  71.  —  ^ 

13.  Delprat:  „Die  Brüderschaft  des  gemeinsamen  Lebens."    Deutsch 

von  Mehnicke.     Leipzig  1840.  — 

14.  Dibdin's  „Tour  in  France  and  Germany."     London  1829.  — 

15.  Falkenstein:  „Geschichte  der  Buchdruckerkunst."    Leipzig,  zum 

Jubiläum  1840.  — 

16.  Faulmann:  „Illustrirte  Geschichte  der  Buchdruckerkunst."  Wien 

1882.  — 

17.  Fischer :  „Geschichte  der  Buchdruckerkunst."    Nürnberg  1801.  — 

18.  Fischer:    „Essai    sur    les    monuments    typographiques   de   Jean 

Gutenberg,^^     Mainz  1802.  — 

19.  Fischer:   ,^schreibung    typographischer    Seltenheiten."     Nürn- 

berg 1804.  — 

20.  Fritsch:  „Geschichte  der  Buchdruckerkunst."    Nordhausen,  zum 

Jubiläum  1840.  — 

21.  Fuchs:  „Geschichte  von  Mainz J-^    Mainz  1771.  — 

22.  „Gedenkbuch    an    die    festlichen    Tage    der    Inauguration   des 

Crntenberg-Denkmals."     Mainz  1837.  — 

23.  „Gedenkbuch  zur  vierten  Jubelfeier  der  Erfindung  der   Buch- 

druckerkunst."     Frankfurt  a.  Main  1840.  — 
24«  »Gedenkbuch    des   in  Mainz   im  Jahr   1840   gefeierten  vierten 
Buchdrucker- Jubilaei."     Mainz  1840.  — 

25.  Gesner:  „Verzeichniss   der  vor  1500  gedruckten  auf  der  öffent- 

lichen Bibliothek  zu  Lübeck  befindlichen  Schriften."    Heraus- 
gegeben  von  Suhl.     Lübeck  1782.  — 

26.  Grotefend:  „Geschichte  der  Buchdruckerei."    Festschrift  I840.  — 


74  —     Mainz.     — 

27.  Gutenberg -Album,    Braunschweig,  H.   Meyer,  zum  Jubiläum 

1840.  — 

28.  Gutenberg-Album.     Festschrift,   Ulm  1840.  — 

29.  „Jean  Gutenberg    n6    en    1412    ä  KuttenJ^evg  en  Boheme." 

Bruxelles    1847. 
NB.  Hiemaoh  ist  die  Buchdruckerkunst  in  Stockböhmen  erfunden!  — 

30.  Harless:  „Die  Literatur  der  ersten  hundert  Jahre  nach  der  Er- 

findung der  Typographie."     Leipzig  1840.  — 

31.  Heibig:    „Une    d^couverte     pour    Thistoire    de    Timprimerie." 

Bruxelles  1855. 
NB.  Auf  Seite  56  ausfuhrlicher  erwähnt. 

32.  Heinecken:    „Nachrichten    von    Künstlern    und   Kunstsachen." 

Leipzig  1768 — 1769.  — 

33.  Katalog    frühester   Erzeugnisse    der   Druckerkunst    der   T.    O. 

Weigel'schen  Sammlung.     Leipzig  1872.  — 

34.  Klein:    „Sur  Gutenberg    et    le    fragment   de   sa  presse,   trouv6 

dans    la    maison    oü   11   a   etabli    sa    premi^re    imprimerie." 
Mainz  1856.  — 

35.  Klein:  ^^Ueber  Gutenberg,  den  Erfinder  der  Buchdruckerkunst, 

und  das  im   ersten  Druckhause  aufgefundene  Fragment  der 
ersten  Druckerpresse,^^     Mainz  1857. 

NB.  Sowohl  in  dieser  wie  in  der  vorhergehenden  fratuösischen  Ausgabe  von  Pro- 
fessor Kleines  authentischen  Nachrichten  iiber  die  Aufßndtmg  von  Outenherg's  erster 
JBuchdruehpresse  im  ehemaligen  Druckhause,  dem  „Hof  zum  Jungen*^  in  Mainz, 
ist  der  Haupttheil  der  Presse,  nanüich  der  obere  Querbalken  mit  der  Inschrift 
,^.  MCBSJLI.  fb.^  von  dem  unachtsamen  Zeichner  dergestalt  abgebildet  worden»  dass 
Jene  Inschrift  in  der  schönsten  modernen  CurHvachrifl  erscheint,  die  allerdings 
erst  von  Aldus  Manutius  fiinMg  Jahre  später  erfunden  sein  soll. 

Der  Zeichner  hatte  sidi  Jedenfalls  bei  seiner  Arb^t  nicj^tß  weiter  gedacht ;  seine 
in  ganz  anderem  Ductus  wiedergegebene  Inschrift  ist  aber  dJiB  Yeranlassung  ge- 
worden, dass  diese  alte  Presse  von  einem  hervorragenden  Bibliographen  der  Neuzeit 
als  Fälschung  bezeichnet  und  lächerlich  gemacht  worden  ist.  Die  Presse  selbst  ent- 
halt aber  keine  Idee  von  Cursivschrift,  weder  im  Monogramm  Qutenberg's  noch  in 
der  Jahrzahl  1441. 

Derselbe  Schnitzer  des  Zeichners  wiederholt  sich  auch  in  dem  kostbaren  Kulan(i'scl).en 
y,Gutenberg-Albwn^,  Mainz  1868,  das  wir  weiterhin  (53)  anfuhren.  Darin  hat  man 
den  Haupttheil  der  Presse  einfach  nach  Jener  unrichtigen  2teichnimg  in  vergrossertem 
Maassstabe  photographirt,  trotzdem  sich  damals  die  Presse  selbst  noch  in  Mainz  )»e- 
fand,  die  wir  vom  früheren  Besitzer  des  ehemaligen  Gutenberg^scben  pruckhauses 
erst  später  käuflich  an  uns  brachten.  — 

36.  Koehler:  „Hochverdiente  und   aus  bewährten  Urkunden  wohl- 

beglaubte     Ehrenrettung     Johann     GuUnberg"  s,**      Leipzig 

1741.  — 

37.  Külb:    „Geschichte    der    Erfindung     der    Buchdruckerkunst" 

Mainz  1837. 


r 


—    Mainz.    —  75 

38.  Lange:  ,,Peter  Schoeffer  der  Buclidracker  und  Buchhändler.^^ 

Leipzig  1864. 
NB.  Enthalt  auch  die  wichtigen  Actenstäeke,  wonach  Schöffer  einem  Lübecker 
Buchhändler  200  Exempl&re  von  JustmiarCs    Decretalen  1478    zum  Verkauf  über- 
geben, aber  nichts  dafür  erhalten  hat  — 

39.  Lehne:    „Diverse   Geschichten    über    die   Erfindung    der   Buch- 

druckerkunst"    Mainz  1823.  — 

40.  Lessem:  „Kurzgefasste  Historie   der  Buchdruckerei"    Leipzig, 

zum  Jubiläum  1740.  — 

41.  Lichtenberger:   „Erfindung  der  Buchdruckerkunst."     Strassburg 

1825.  — 

42.  Von   der   linde:    „Gutenberg.      Geschichte    und   Erdichtung." 

Stuttgart  1878.  —  . 

43.  Lorck:    „Handbuch     der    Geschichte    der   Buchdruckerkunst." 

Leipzig  1882.  — 

44.  V.  Maasslieb:    „Peter   SchoefFer    und    die  Erfindung    der  Buch- 

druckerkunst."    Neu-Ruppin  1880.  — 

45.  Meermann:  „Origines  typographicae."    Haag  1765.  — 

46.  Mettaire:  „Annales  Typographici."    Haag  1719.  — 

47.  Müller:  „Beschreibung  des  Festes  dem  Andenken  des  Erfinders 

der   Buchdruckerkunst   Johann   Gensfleisch    zum    Gutenberg 
gefeiert."     Mainz  1824.  — 

48.  Nagler:  Monogrammisten.     5  Bände.     München  1858 — 1879.  — 

49.  Oberlin:    „Essai    d'annales    de    la   vie    de    Jean    Gutenberg." 

Strassburg  1801.  — 

50.  Panzer:  Katalog  seiner  Privat-Bibliothek.     Nürnberg   1806  bis 

1807.  — 

51.  Petzold,  Dr.:  ,,Bibliotheca  bibliographica."     Leipzig  1866.  — 

52.  Reichhart:  „Die  Druckorte  des  XV.  Jahrhunderts  und  die  Er- 

zeugnisse ihrer   erstjährigen  typographischen   Wirksamkeit." 

Augsburg  1853.  — 
53-  Ruland:  Gutenberg- Album.     Mainz  1868. 

NB.  Hit  kostbaren  blattgrossen  Photographien  Gutenberg'scher  Drucke,  denk- 
würdiger GebSnde  etc.,  nur  in  ganz  kleiner  Auflage  hergestellt.  — 

54.  Schaab:  „Randglossen  zu  Gutenberg."     Mainz  1836.  — 

55-  Schaab :  „Geschichte  der  Erfindung  der  Buchdruckerkunst  durch 

Johann  Gensfleisch,  genannt  Gntenberg."    Mainz  1831.  — 
56.  Scheltema:  „Bericht  und  Beurtheilung  des  Werkes  von  Schaab." 

Amsterdam  1833.   " 
57-  Schmidt -Weissenfeis:    „Zwölf  Buchdrucker."      Stuttgart,    ohne 

Jahr  (1800).  — 
58.  Schneider:    „Mittelalterliche  Ordensbauten  in  Mainz,"     Mainz 

1879.  — 


n(y  —     Mainz.     — 

59.  Schoenemann :    „Hundert    Merkwürdigkeiten    der   Herzoglichen 

Bibliothek  zu  Wolffenbüttel,*'    Hannover  1849.  — 

60.  SchÖpflin:  „Vindiciae  typographicae."     Strassburg  1760,  — 

61.  Schulz:  „Grutenberg."    Festschrift,  Leipzig  1840.  — 

62.  Schwabe:  „Erfindung  der  Buchdruckerkunst. ^^  Festschrift,  Leipzig 

1840.  — 

63.  Sotzmann :  „Gutenberg  und  seine  Mitbewerber."  Leipzig  1837.  — 

64.  Stoeger:    „Zwei  älteste  Druckdenkmäler."     München  1833.  — 

65.  „Thüringisch -Erfurter  Gedenkbuch   der  vierten  Säcularfeier  der 

Erfindung  der  Buchdruckerkunst."     Erfurt  1840.  — 

66.  „Verzeichniss  typographischer  Denkmäler  aus  dem  fünfzehnten 

Jahrhundert,  welche  sich  in  der  Bibliothek  des  regulirten 
Korherrenstiftes  zu  Neusttft  in  Tyrol  befinden."  Brixen 
1789.     Mit  zahlreichen  Schriftproben.  — 

67.  „Verzeichniss  der  Incunabeln,    ausgestellt  bei   den'  Guteriberg^ 

Jubiläen   zu   Frankfurt  a,  Main  und   zu  Leipzig"  1840.  — 

68.  Walther :  „Beiträge  zur  näheren  Kenntniss  der  GrossherzogUchen 

Bibliothek  zu  Darmstadt."    Darmstadt  1867.  — 

69.  Wetter:  „Kritische  Geschichte  der  Erfindung  der  Buchdrucker- 

kunst durch  Johann  Gutenberg  zu  Mainz."     Mainz  1836.  — 

70.  Wetter:  „Facsimiles  der  Schriftarten  besonders  werthvoller  und 

seltener  Druckwerke  zu  seiner  Geschichte  der  Erfindung  der 
Buchdruckerkunst."     Mainz  1836.  — 

71.  Wetter:   „Beantwortung   der  Frage:   In  welchem  Jahre  ist  die 

Buchdruckerkunst  erfunden  worden?"     Mainz  1837.  — 

72.  Wolf:  „Monumenta  Typographica."  Festschrift,  Hamburg  1740.  — 

73.  Würdtwein:  „Bibliotheca  Moguntina.**     Augsburg  1789.  — 

74.  Zapf:  „Annales  t3rpographicae."     Augsburg  1778.  — 

75.  Zapf:  ^Aelteste  Buchdruckergeschichte  von  Mainz/*  Ulm  1790.  — 


Weitere  Materialien  liefern  die  grossen  allgemeinen  Biblio^ 
graphien  von  Baumgärtner,  Brunet,  de  Bure,  Ebert,  Götze, 
Graesse,  Hain,  Hamberger,  Helmschrodt,  Panzer,  van  Praet, 
la  Vaüih'e  und  Anderen,  die  sich  ebenfalls  in  unserem  Museum 
befinden. 


—    Bamberg.     — 


77 


28amßerg 

—  Bamberga,  Pabeberga,  auch  Pavonis  mons.  — 

6cr  crflc  »ambergcr  ZyipoQxaip\)  um  1453  ble  1462, 
t>or^cr  al6  Soxnxfd^ntibtx  nnb  i^olitaftU^xnditx. 

Pfister  ist  derjenige  Typograph,  über  den  vor  allen  anderen 
fort  und  fort  die  meisten  und  verschiedenartigsten  Conjecturen  unter 
den  Herren  Gelehrten  entstanden  sind.  Mit  der  edelsten  Beharr- 
lichkeit sucht  ihm  seine  Heimathstadt  Bamberg  den  dritten  Platz 
als  Mitbewerber  um  die  Ehre  der  grossen  Erfindung  zu  erkämpfen 
und  zu  erhalten;  zurück  schleudern  ihn  die  Streiter  für  Mainz, 
ihm  auch  das  kleinere  Verdienst  nicht  gönnend,  was  Gutenberg' s 
Grösse  ihm  gern  und  willig  lassen  dürfte! 

Aber  zu  wenig  Tkatsächliches  ist  bisher  bei  den  combinirtesten 
Tüfteleien  gefordert  worden;  die  widersprechendsten  Conjecturen 
mussten  im  Streite  der  Meinungen  ihre  Dienste  leisten.  Seinem 
Systeme  zu  Liebe  lässt  hier  ein  Gelehrter  den  Albrecht  Pfister  von 
Johann  Gutenberg  die  Typen  der  SßzeUigen  Bibel  käuflich  er- 
werben; bei  einem  anderen  hat  er  sie  einfach  mitgenommen,  we- 
nigstens ein  Alphabet  zum  Zwecke  der  Vervielfältigung,  und  ein 
dritter  sagt,  er  habe  sie  gestohlen! 

Der  eine  grosse  Gelehrte  behauptet,  die  Typen  der  ßözeiligen 
Bibel  seien  schon  in  Mainz  von  dem  geschickten  Formschneider 
Pfister  in  Holz  geschnitzt,  aber  für  Gutenberg,  der  sich  natürlich 
mit  der  Schnitzelei  nicht  habe  befassen  können,  und  so  habe  auch 
Pfister  mit  Gutenberg  gemeinsam  die  Ablassbriefe  von  1454  und  die 
„Mahnung  der  Christenheit  wider  die  Türken*'  von  1455  gedruckt! 

Da  man  nun  aber  nicht  so  viele  Holzbuchstaben  habe  schneiden 
können,  um  die  36zeilige  Bibel  damit  zu  drucken,  so  seien  wahr- 
scheinlich nur  die  ersten  Versuche  mit  Holzbuchstaben  in  Guten- 
berg's  Besitz  geblieben,  die  darnach  gegossenen  Typen  habe 
Pfister  bekommen  und  damit  bis  1462  in  Bamberg  gedruckt. 

Den  Nachweis  geschnitzter  Typen  für  die  36zeilige  Bibel  sucht 
man  in  der  aufTälligen  Verschiedenheit  oft  eines  und  desselben 
Buchstabens,  selbst  im  Alphabete  der  Minuskeln,  zum  Beispiel  des 
m,  das  bald  oben,  bald  unten  mehr  zusammenhängt,  und  des  0, 
dessen  innerer  Raum  bald  grösser,  bald  kleiner  ist*  Obgleich  nun 
dieser  Umstand  leicht  auch  dadurch  zu  erklären  wäre,  dass  man  — 
Tim  mehre  gleiche  Buchstaben  auf  einmal  giessen  zu  können  — 


78  —    Bamberg.    — 

auch  mehr  als  eine  Matrize  oder  Gussform  herstellte,  und  dass 
schon  diese  Formen  nicht  ganz  gleichmässig  ausfallen  konnten,  so 
findet  sich  doch  ein  noch  grösserer  Gelehrter,  der  auf  Grund  tech- 
nischer Gutachten  haarklein  die  pure  Unmöglichkeit  beweist,  dass 
man  mit  hölzernen  Buchstaben  Oberhaupt  drucken  könne! 

Wie  traurig  es  in  Bezug  auf  die  Geschichte  der  Buchdrucker- 
kunst noch  heute  bestellt  ist,  weil  seit  Decennien  meist  Einer  dem 
Andern  nachschreibt,  ohne  selbst  zu  untersuchen,  davon  kann  man 
sich  aus  den  Widersprüchen  überzeugen,  wenn  man  ein  Dutzend 
derartiger  Geschichtswerke  aufschlägt  und  vergleicht« 

Die  französische,  englische  und  hoUändische  Literatur  dürfen 
wir  hierbei  zum  guten  Theile  gar  nicht  in  Betracht  ziehen,  sonst 
bleibt  uns  am  Ende  nichts  übrig,  als  schnurstracks  sich  wider- 
sprechende leere  Behauptungen,  und  man  weiss  schliesslich  nicht, 
hat  Coster  oder  Mentelin  die  Kunst  erfunden,  wars  der  Gutenberg 
von  Mainz  oder  der  von  Kuttenher g  in  Böhmen,  von  dem  uns  ja 
ebenfalls  haarklein  berichtet  wird! 

Wo  es  möglich  ist,  oft  so  ganz  verschiedenartige  Schlüsse  ohne 
die  geringste  Beurkundung  in  die  Welt  zu  schleudern,  da  hat  die 
Forschung  aufgehört  und  der  wissenschaftliche  Klatsch  fängt  an. 
Man  wird  uns  aber  nicht  verargen,  wenn  wir  uns  die  Resultate 
solcher  Forschung  hier  nicht  zu  Nutze  machen,  sondern  uns  auf 
die  Benutzung  des   Thatsächlichen  beschränken. 

Thatsache  ist  aber,  dass  zuerst  im  „Buch  der  vier  Historien" 
von  14:62,  mit  den  Typen  der  36zeUigen  Bibel  gedruckt, 
Albrecht  JPftster  sich  als  Drucker  ausdrücklich  genannt  hat; 
Thatsache  ist  auch,  dass  die  Typen  dieses  Druckes  genau  denen 
anderer  Druckwerke  entsprechen,  welche  schon  frikhev  entstanden 
sind,  und  hiernach  würden  wir  vom  Jahre  1454  ab  folgende  Ar- 
beiten dem  Albrecht  Pfister  zuzuschreiben  haben: 

Die  Ablassbriefe  von  14:54:  und  1450,  welche  in  einzelnen 
Zeilen  bereits  Typen  aufweisen,  die  in  Form  und  Grrösse  denen  der 
l6zeüigen  Bibel  entsprechen,  die  ^^JUanug  b*  mflel)eit  wibb*  5ie  bttth?* 
von  1455,  den  Kalender  mit  der  Jahrzahl  1457,  ^^  lateinische 
Tfizeilige  "Bibel  von  circa  1457  bis  1460,  ,^oner*s  Edelstein  oder 
Fabelbuch"  mit  gedruckter  Jahrzahl  1461,  „Die  sieben  Freuden 
Maria"  um  1461,  die  „Leidensgeschichte  Jesu"  desgleichen^  das 
„Buch  der  vier  Historien"  1462,  mit  Pfister^s  I}rucf^rma 
und  tfaihrzahl,  die  „Armenbibel",  lateinisch  und  deutsch,  um 
1462,  „Rechtsstreit  des  Menschen  mit  dem .  Tode"  in  zwei  Aus- 
gaben, und  den  „Belial  oder  der  Trost  der  Sünder",  beide  um 
dieselbe   Zeit,  der  Belial  vielleicht  auch  früher. 


—    Bamberg.     —  yg 

Albrecht  Pfister  war  ein  geschickter  Formschneider,  dem  man 
sogar  die  Urheberschaft  für  die  frühesten  Holztafeldrucke  „Ars  mo- 
riendi"  und  „Ars  memorandi'*  zuschreiben  will,  und  als  solcher  war 
er  der  erste  Typograph,  welcher  seine  späteren  Drucke  mit 
Abhiid/Utigefl  zu  schmücken  begann. 

"Difi  Ablassbriefe  von  1454  und  1455,  welche  in  ihrer  kleinen  Text- 
Schrift  von  den  grossen  Typen  der  obigen  Druckwerke  gänzlich  ab- 
weichen, und  nur  einzelne  Zeilen  der  grosseren  Pfister'schen  Type  auf- 
weisen, sind  von  mehreren  Gelehrten  für  Holztafeldriicke  erklärt  wor- 
den, was  wir  indess  nach  genauester  Untersuchung,  wie  wir  es  weiterhin 
näher  darthun  werden,  entschieden  in  Abrede  stellen  müssen.  Wären 
die  Ablassbriefe  Holztafeldruck,  dann  wäre  ja  auf  einmal  der  fünf  zig' 
jährige  Gelehrtenkrieg  dahin  entschieden,  dass  nicht  Gutenberg, 
sondern  Albrecht  Pfister  auch  die  berühmte  SßzeUige  ßibel  ge- 
druckt habe^  wie  wir  es  als  sicher  annehmen  möchten,  denn  nur  auf 
jene  Ablassbriefe  stützt  man  sich  bei  ^ex  gegentheiligen  Behauptung. 

So  lange  nun  aber  die  Gelehrten  unter  sich  selbst  ganz  und  gar 
uneinig  sind,  selbst,  über  die  muthmassliche  Zeit  des  Erschei- 
nens der  ^6zeili§en  Bibel,  und  so  lange  dieses  Bibelwerk  von 
ebensoviel  gelehrten  Forschern  dem  Albrecht  Pfister  in  Bamberg 
zugeschrieben  wird,  während  die  Anderen  für  Johann  Gutenberg 
stimmen,  so  lange  erlauben  wir  uns,  dieses  ehrwürdige  Druckwerk 
demjenigen  Drucker  zu  lassen,  der  nachweissiich  und  auch  von 
allen  Parteien  unbestritten  eine  ganze  Reihe  €Mlclerer  Werke 
mit  denselben  Typen  in  Bamberg  gedruckt  hat! 

So  behauptet  der  gelehrte  Verfasser  der  „Hundert  Merkwürdig- 
keiten der  Herzoglichen  Bibliothek  zu  WolfFenbüttel"  auf  Seite  64, 
die  36zeilige  Bibel  sei  von  Gutenberg  in  den  Jahren  14:ö7  bis 
14:09  in  Mainz  gedruckt,  also  nach  Gutenberg's  Trennung  von 
Fust  und  SchöflFer;  Andere  lassen  den  Erfinder  während  dieser  Zeit 
nach  Strassburg  gehen,  obwohl  er  schon  1460  sein  umföngliches 
Catholicon  mit  ganz  neuen  Typen  in  Mainz  erscheinen  Hess! 

Femer  tischt  uns  derselbe  gelehrte  Autor  auf  Seite  65  die  alte 
Fabel  auf,  dass  in  den  HewmanrC sehen  Drucken  von  1509  ebenfalls 
die  Typen  der  ^bzeiligen  Bibel  enthalten  seien,  und  auf  Seite  67 
erfahren  wir  ohne  jede  thatsächliche  Unterlage,  Albrecht  Pfister 
habe  nach  der  Trennung  Gutenberg's  von  Fust  und  SchöfFer  „eine 
kleine  Anzahl  der  schon  zum  Bibeldruck  gebrauchten  Buchstaben 
entweder  gegen  Zahlung  oder  als  Abfindung  erhalten**,  womit 
er  die  in  Mainz  erlernte  Kunst  in  Bamberg  ausübte  1 

Hiemach  müsste  also  Pfister  jene  „kleine  Anzahl'*  von  Typen  doch 
erst  vervielfältigt  haben,  um  ganze  Bücher  zu  drucken;  gleichwohl 


8o  —    Bamberg.     — 

verneint  dies  jener  gelehrte  Autor,  denn  er  sagt  nocli  in  dem- 
selben Satze,  dass  die  Typen,  womit  Pfister  gedruckt,  „keineswegs 
nachgeschnitten,  sondern  wirklich  schon  gebratlchP^  gewesen 
seien,  was  man  an  seinen  Drucken  erkennen  will! 

Andere  Gelehrte  sind  derselben  Meinung,  ja  sie  finden  die  Typen 
schon  ,,so  sehr  abgenützt",  dass  Gutenberg  unbedingt  vorher  die 
36zeilige  Bibel  damit  gedruckt  haben  müsse!  Als  ob  die  Typen, 
die  jedenfalls  noch  nicht  vom  besten  Materiale  waren,  sich  nicht 
auch  dann  abgenützt  haben  könnten,  wenn  Pfister  selbst  jene  Bibel 
damit  gedruckt  hätte!  Jedenfalls  verstand  doch  nicht  Gutenberg 
allein  die  Kunst,   Typen  abzunützen! 

Wieder  andere  Forscher  stützen  ihre  Behauptungen  auf  die  be- 
kannten Nachrichten  in  der  niederdeutschen  .Cölner  Chrenih 
von  1499*),  wo  gesagt  ist,  dass  Gutenberg  schon  14:50  eine  la- 
teinische Bibel  gedruckt  habe  ^^mtt  txßxt  groütr  fdjrifft,  ttfl  i0  bte 
fd)rlft,  bae  man  mi  Ji^trilfeboldjcr  mit  brückt^*  Diese  „grobe  Schrift" 
soll  nun  mit  aller  Gewalt  gerade  diejenige  der  3ßzeüigen  Bibel 
gewesen  sein,  und  folglich  muss  sie  Gutenberg  gedruckt  haben! 

Andere  verstehen  aber  mit  gleichem  Rechte  hierunter  Guten- 
berg's  Typen  der  4:2zeUigen  Bibel,  die  1455  beendet  wurde,  deren 
Vorarbeiten  aber  sicher  schon  um  1450  begonnen  haben,  und  deren 
Typen  ebenfalls  völlig  gross  genug  sind,  um  zu  denjenigen  zu 
zählen,  womit  man  nach  der  Cölner  Chronik  um  1499  „Messbücher 
druckte**,  denn  um  diese  Zeit  hielt  man  schon  lange  nicht  mehr 
jene  ganz  grossen  Choral-Typen  fiir  nöthig,  wie  wir  sie  in  den 
frühesten  Chorbüchern  und  Psalterien  finden. 

Einen  ferneren  Beweis,  dass  nicht  Pfister,  sondern  Gutenherg- 
die  ^ßzeilige  Bibel  gedruckt  habe,  will  man  mit  aller  Gewissheit 
in  den  beiden  27zeiligen  Donat^Fragmenten  erblicken,  welche 
Bodmann  im  ersten  Decennium  dieses  Jahrhunderts  in  Heider sheim 
bei  Mainz  als  Umschläge  alter  Rechnungen  von  14:01  und  1402 
entdeckte,  wie  Schaab  in  Band  I,  Seite  193  und  194  berichtet,  und 
wie  nach  ihm  bei  fast  allen  Bibliographen  zu  lesen  ist. 

Auf  das  eine  dieser  beiden  Donatblätter  ist  von  älter  Hand 
einfach  der  Ortsname  ^fSEeydersheym**  geschrieben;  auf  dem 
zweiten  steht:  „Vffgerichter  vertrag  wegen  der  aigen  guetter  zu 
Heydersheym  1492.'* 

Beide  Aufschriften  beziehen  sich  aber  nut*  auf  das  betreffende 
Actenstückf  dem  die  Donatfragmente  als    Umschlag  dienten. 


*)  Man  vergleiche  diese  Nachrichten  im  Originale  selbst  auf  Blatt  3x2  der 
in  unserer  Sammlung  unter  „Cölff'  befindlichen  imd  auch  weiter  unten  näher 
beschriebenen  Chronik.  — 


—     Bamberg.     —  8l 

und  welcher  Letztere  ebensogut  weit  spüter  hinzugefügt  sein 
kann.  Die  Heidersheimer  Acten  beweisen  also  für  das  Alter 
des  Umschlages^  also  der  Donatfragmente,  gar  nichts;  diese 
können  sogar  sehr  wahrscheinlich  beim  Ordnen  der  Acten  erst  14:92 
angeheftet  worden  sein.  Wenn  man  aber  dem  Alter  der  Acten  eine 
Bedeutung  beimessen  wollte,  dann  könnte  man  ebensogut  behaupten 
das  eine  Donatblatt  sei  14 51,  das  andere  aber  erst  14:92  gedruckt 
und  an  das  Actenstück  geheftet. 

Diese  Fragmente  befinden  sich  übrigens  in  der  Nationalbiblio- 
thek zu  Paris,  wo  man  so  überaus  freundlich  war,  uns  von  dem 
werthvollen  Unicum  eine  haargenaue  photographische  Copie 
anfertigen  zu  lassen,  die  wir  noch  weiter  besprechen  werden. 

Die  Geschichte  des  angeblichen  ,,Donatus  von  1451"  beweist 
übrigens,  zu  welchen  Geschichtsfälschungen  es  nach  und  nach  führen 
moss,  wenn  ein  Bibliograph  dem  andern  unbesorgt  nachschreibt, 
ohne  der  Sache  selbst  auf  den  Grund  zu  gehen,  und  wobei  sich 
Mancher  so  geberdet,  als  wisse  er  es  ganz  genau  und  schüttele  das 
Alles  nur  so  aus  den  Aermeln,  daher  kaum  ein  Widerspruch  da- 
gegen gewagt  werden  dürfe.  Da  gerade  jener  angeblich  von 
Gutenberg  schon  14Ö1  gedruckte  Donat  als  Grund  dienen  musste, 
unserm  Gutenberg  auch  die  Sßzeilige  Bibel  zuzuschreiben,  weil 
ja  1451  noch  kein  zweiter  Drucker  existirt  habe,  so  wollen  wir  dem 
schon  ziemlich  alten  Schwindel  etwas  näher  zu  Leibe  gehen. 

Als  Bodmann  unter  dem  ersten  Napoleon  seine  Stellung  als 
Archivar  in  dem  damaligen  französischen  Departement  Donners- 
berg, mit  Mainz  als  Hauptstadt,  dazu  benützte,  sich  in  Heiders- 
heim,  oder  jetzt  Hattenheim,  jenen  alten  Acten- Umschlag,  also  die 
Donat' Fragmente,  anzueignen  und  nach  Paris  zu  spediren,  da  hat 
wohl  kein  Mensch  behauptet,  dass  es  sich  um  einen  schon  14Ö1 
gedruchten  Donat  handele,  imd  die  sehr  tüchtige  und  musterhafte 
Verwaltung  der  Nationalbibliothek  ist  heute  noch  so  unbefangen, 
nicht  von  einem  1451  gedruckten  Donat  zu  sprechen. 

Das  1879  und  1882  herausgegebene  Verzeichniss  der  ältesten 
Druckdenkmäler  in  den  Schaukästen  der  Nationalbibliothek  führt 
jenen  Donat  unter  Nu.  37  einfach  so  auf:  ^,Fragment  de 
LHmat»  D^sign6  quelquefois  sous  la  d^nomination  de  Donat  de 
1451,  parce  que  les  2  feuillets  qui  constituent  ce  fragment  couvraient 
un  livre  de  comptes  de  1451.*^ 

Von  einer  Aufschrift  f^Heydersheym  1451^'  ist  hier  also 
gar  keine  Rede;  erst  unsere  gelehrten  Bibliographen  haben  diese 
Aufschrift,  soweit  es  als  Hauptsache  die  tfdhrzahl  betriflft, 
hinzugedichtet y  um  darauf  ihre  weiteren  trügerischen  Conjecturen 

6 


82  —     Bamberg.     — 

zu  bauen  und  Geschichte  zu  machen.  Keiner  aber  hat  sich  das 
Ding  in  Paris  selbst  angesehen,  denn  sonst  hätten  ihm  von  selbst 
die  Augen  aufgehen  müssen! 

In  Wahrheit  liegt  die  Sache  so:  das  eine  anscheinend  mit  den 
Typen  der  36zeiligen  Bibel  gedruckte  Blatt  des  fraglichen  Donatus, 
dessen  Aufschrift  die  Jahrzahl  1492  mit  enthält,  kann  hier  wohl 
ganz  ausser  Betracht  bleiben,  soweit  es  nicht  als  Beweisstück  dient, 
dass  das  Exemplar  eines  Donatus  erst  im  Jahre  14:92  für  Acten- 
Umschläge  Verwendung  gefunden  hat,  denn  die  Donatblätter  stammen 
ja  aus  demselben  Exemplare. 

Das  zweite  Donatusblatt  —  und  jetzt  stehen  wir  vor  der 
Hauptsache  —  trägt  überhaupt  gar  heitie  Jahrzahl,  sondern 
nur  oben  am  Rande  das  Wort  „Heydersheym"  in  einer  Handschrift, 
4ie  eher  an  den  rheinischen  Ductus  des  siebzehnten  Jahrhunderts 
als  an  die  Zeit  um  1451  erinnert!  Wo  bleibt  nun  aber  der  Be- 
weis für  einen  schon  1451  gedruckten  JDonat  ?  Nichts  bleibt 
davon  übrig  als  die  viele  Makulatur,  die  bis  auf  die  neueste  Zeit 
darüber  gedruckt  worden  ist. 

Wer  nun  zuerst  die  Jahrzahl  1451  dem  Worte  „Heyders- 
heym"  hinzugedichtet,  und  auf  den  angeblichen  f^DonatUS  voti 
1451^^  als  ,,erstes  Mainzer  Druck- Er zeugniss  mit  beweglichen 
Typen*'  seine  ganze  Geschichte  der  Buchdruckerkunst  gebaut  hat, 
ohne  das  Donatfragment  je  gesehen  zu  haben,  der  möge  sich  mit 
seinen  Nachschreibern  trösten.  Wir  können  nur  constatiren,  dass 
wir  seiner  Zeit  bei  unserm  eingehenden  Studium  der  typographischen 
Cimelien  in  der  Nationalbibliothek  von  jener  Jahrzahl  1451  nichts 
zu  entdecken  im  Stande  gewesen  sind. 

Und  mit  diesem  erdichteten  Capitalbeweise  hat  man  bisher  die 
ßözeilige  Bibel  dem  Pfister  abgestritten,  um  sie  für  Mainz  zu 
bergen,  trotzdem  man  selbst  nicht  recht  weiss,  in  welche  Jahre  man 
sie  verlegen  soll,  denn  dass  ein  so  grossartiges  „erstes  Druckwerk 
der  Welt"  nicht  in  einem  Jahre  fertig  geworden  sein  könne,  sagt  sich 
am  Ende  jeder  Buchdruckerlehrling. 

Nun  soll  aber  trotzdem  in  den  Jahren  1450  bis  1455  auch 
die  herrliche  42zeilige  Bibel  Gutenberg's  entstanden  sein,  wie  es 
auch  kaum  wegzuleugnen  ist,  und  so  müsste  der  schwergeprüfte 
Erfinder  in  seiner  actenmässig  nachgewiesenen  unausgesetzten  Geld- 
noth  mit  den  primitivsten  Werkzeugen  gleich  in  den  ersten  fünf 
Jahren  nicht  blos  ein  Bibelwerk,  sondern  zum  Ueberfluss  gleich, 
zwei  so  riesige  Bibelwerke  hergestellt  haben,  noch  dazu  mit  zweierlei 
sehr  ähnlichen  Typen,  wenn  diese  auch  in  ihrem  Hauptcharakter 
keineswegs  für  eine  und  dieselbe  ausführende  Hand  sprechen! 


—     Bamberg.     —  83 

Daneben  soll  er  aber  zM^moch  viererlei  Ablassbriefe,  Kalender 
und  dergleichen  gedruckt  haben,  als  ob  er  ein  paar  Dutzend  geübte 
Schriftgiesser,  Setzer  und  Drucker  nur  gleich  so  hätte  von  der 
Strasse  hereinrufen  können,  während  Papier  und  Pergament  von 
selbst  fuderweise  ins  Haus  geflogen  kamen.  Der  sorgenbelastete 
Erfinder  wird  sicher  Gott  gedankt  haben,  als  er  1455  das  eine 
grosse  Bibelwerk  beendet  hatte,  und  wer  ihm  weit  mehr  als  die 
doppelte  Leistung  ansinnen  wiU,  der  hat  nicht  die  leiseste  Idee  da- 
von, was  es  heute  noch  zu  bedeuten  haben  würde,  ohne  unsere 
jetzigen  technischen  Fortschritte  und  Hilfsmittel  das  Material  zu 
einem  grossen  Bibelwerke  herzustellen,  und  es  auf  der  primitivsten 
Handpresse  fehlerfrei  zu  drucken! 

Die  angebliche  Jahrzahl  14:51  existirt  also  für  uns  flicht; 
der  betreffende  Iknuitus  kann  recht  wohl  in  den  fünfziger  Jahren 
oder  um  1460  von  Pfister  in  Bamberg  gedruckt  und  nach  Heiders- 
heim  gekommen  sein,  sowie  man  ja  in  weit  entfernteren  Städten, 
in  Würzburg,  Erfurt,  Neuss  und  Lüneburg  auch  zur  Verwendung 
gekommene  Ablassbriefe  kennt,  die  von  Gutenberg  oder  von  Peter 
SchöfFer  mit  Typen  der  ^^zeiligen  Bibel  gedruckt  sind. 

Aus  allen  diesen  bis  jetzt  noch  kaum  zur  Erörterung  gekommenen 
Gründen,  denen  noch  so  manche  hinzugefügt  werden  könnten,  haben 
wir  Me  36zeilige  Bibel  nicht  unter  Mainz  aufgeführt;  soweit 
wir  sie.  leider  nur  erst  in  Fragmenten  besitzen,  möge  sie  bei 
Ffister  in  Bamberg  stehen  bleiben,  bis  vielleicht  doch  einmal 
ein  glücklicher  Zufall  sichere  Kunde  bringt  über  ihren  Entstehungsort. 

Alles  aber,  was  bis  jetzt  gegen  Pfister  vorgebracht  wurde,  be- 
ruht auf  Conjecturen  und  Hypothesen.  Mit  gleichem  Rechte  und 
viel  mehr  Wahrscheinlichkeit  kann  man  annehmen,  dass  der  HolZ' 
tafeldrucker  Albrecht  Pfister  bereits  dieses  sein  Geschäft  betrieb, 
als  Gutenberg's  grosse  Erfindung  in  Mainz  perfect  wurde,  und  dass 
Pfister  hiervon  auf  irgend  welchem  Wege  schon  in  den  ersten 
Jahren  der  Gutenberg'schen  Thätigkeit  so  weit  Kenntniss  erhielt, 
um  ebenfalls  bewegliche  Typen  herstellen  zu  können. 

Dass  es  schon  143G  gravirte  Schriftstanzen  auch  in  Nürnberg 
gab,  die  sehr  leicht  auf  die  Idee  der  beweglichen  Typen  führen 
konnten,  dies  haben  wir  schon  auf  Seite  5  unumstösslich  nach- 
gewiessen,  und  sehr  wahrscheinlich  benutzte  man  auch  nicht  blos 
in  Nürnberg  derartige  Metallbuchstaben  zum  Aufdrucken  von  /«- 
Schriften,  wie  es  ja  noch  heute  unsere  Buchbinder  in  ganz  ähn- 
licher Weise  thun.  —  Wir  haben  hiermit  unsere  unmassgebliche 
Meinung  ausgesprochen;  wer  Beweise  dagegen  besitzt,  der  bringe 
sie  nur  herbei!  — 

6* 


Sa  —     Bamberg.     — 

No.  141  und  142. 

^^3lhla^-??rief  >f0  |9ap|tf 0  «icolau^  bea  ^fünften  jtt  «tttipen 

>f0  Don  ien  afirkm  bebrängten  lkM%$  jJoljannr»  11.  uon 

ffi^pern^  uerbreitrt  burd)  bcn  dffanbtrn  Ißmlxn  Cl)appe.*^ 

In  zwei  Varianten.    BambergT»  Albrecht  Pfister,  14:54:,    Quer  Folio. 

Das  Original  des  einen  dieser  Ablassbriefe  befindet  sich  in  der  Nationalbibliothek 
«u  Paris,  es  ist  in  81  Zeilen  gedruckt  und  in  dem  für  den  Namen  des  Empf&ngers  firei- 
gelassenen  Räume  mit  der  Bezeichnung  desselben  „3«bocnf  ®tt  901t  iUofvadl^;  in  der 
für  den  Ort  und  das  Datum  gelassenen  Lücke  durch  „ülosnnciae  .  •  .  ultima  .  .  . 
I>ecmbris"  handschriftlich  ausgefüllt;  die  Jahrzahl  ,^cccclmi"  ist^  dagegen  gedruckt. 

Ausgestellt  ist  dieser  Ablassbrief  von  ^o.  abb.  monofttni  fei  btttifearM  ||  ab  ptt^ 
milfo  beyntns*',  also  von:  „Johannes,  einem  vom  Abte  des  iüosters  zum  heiligen 
Burekart  zur  Abgabe  Ermächtigten",  welcher  in  obigen  zwei  Zeilen  sich  hand- 
schriftlich unterzeichnet  hat. 

Ein  zweites  Exemplar  eines  handschriftlich  nicht  ausgefüllten  Ablassbriefes  toq 
1454,  ebenfalls  mit  81  Zeilen,  weist  im  sonst  ganz  gleichen  Satze  einen  Unterschied 
auf,  indem  nämlich  nach  der  achtzehnten  Zeile,  welche  mit  dem  Worte  „bntuti'^ 
endigt,  ein  Zwischenraum  von  ungefähr  zwei  Zeilen  Hohe  Jedenfalls  für  handschrift- 
liche Zusätze  gelassen  wurde,  wonach  erst  die  in  der  andern  Ausgabe  sich  un- 
mittelbar anschliessende  nächste  Zeile  mit  dem  Worte  ,^tt{ta''  anfängt. 

Nach  und  nach  sind  gegen  20  solcher  Ablassbriefe  bekannt  geworden,  von  denen 
Schaab  und  Wetter  nur  erst  sechs  kannten,  unter  denen  aber  der  Pariser,  nach  welchem 
unser  genaues  Facsimile  an  Ort  imd  SteUe  photographisch  angefertigt  wurde»  sich 
nicht  befand.  Durch  "Vergleich  der  verschiedenen  Exemplare  haben  sich  vier  ver- 
schiedene Ausgaben  dieser  Indulgenz-Briefe  ergeben;  die  erste  mit  30  Zeilen  und 
der  Jahrzahl  14ß4f  die  ztoeite  mit  31  Zeilen  und  der  Jahrzahl  14S4,  die  dritte 
mit  30  Zeilen  und  der  Jahrzahl  14SS,  die  vierte  mit  31  Zeilen  und  ebenfalls 
der  Jahrzahl  14SS. 

Es  hat  sich  nun  herausgestellt,  dass  die  Typen  der  Ausgaben  mit  30  Zeilen  von 
denen  der  Ausgaben  mit  81  Zeilen  wesentlich  abweichen.  Indem  nämlich  die  in 
ersteren  vorkommenden  Missalbuchstaben  kleiner  sind  und  für  Typen  der  d^zeiligen 
Bibel  gelten,  die  Missalbuchstaben  der  letzteren  jedoch  grosser  sind  und  in  ihrer 
Form  den  Typen  der  36zeiligen  Bibel  entsprechen.  Erstere  wären  daher  Outen- 
berg,  letztere  Pfister  in  Bamberg  zuzuschreiben. 

Unser  vorliegendes  Facsimile  eines  Ablassbriefes  mit  31  Zeilen  würde  also  dem 
Albrecht  Taster  zuzuweisen  sein,  sobald  es  festgestellt  ist,  dass  die  grossen  Missal- 
Typen  sich  in  der  That  mit  denen  der  86zeiligen  Bibel  decken,  was  wir  indessen 
nicht  absolut  entscheiden  wollen,  denn  die  fragliche  Missal-Type  erscheint  uns  aller- 
dings etwas  kleiner  als  die  der  86zeiligen  BibeL  Uebrigens  finden  wir,  dass  auch 
Bemard  auf  Seite  172  des  zweiten  Bandes  mit  den  unserigen  ganz  gleich  gestimmte 
Zweifel  ausspricht,  durch  welche  wir  van.  so  weniger  ermuthigt  werden,  ein  be^ 
sUmmtes  Votum  für  einen  oder  den  andern  Drucker  abzugeben.  Die  Typen  können 
allerdings  bei  Pfister  in  dieser  früheren  Zeit  noch  neu  und  schärfer  gewesen  sein, 
während  sie  sich  später  nach  und  nach  auf  ihrer  Oberfläche  etwas  mehr  breit  ge- 
drückt haben,  und  dadurch  natürlich  etwas  dicker,  ja  selbst  grösser  erscheinen 
können. 

Nicht  unberührt  mögen  wir  indessen  die  Ansicht  des  gelehrten  Süiaab  fiber 
diesen  Gegenstand  lassen,  der  ohne  genauere  Berücksichtigung  der  grösseren  Tjf^e 
die  kleinere  des  übrigen  Textes  der  Ablassbriefe  als  „die  mit  verbessertem  Schöffer^ 
sehen  Oussver/ahren  hergestellte  Catholioon-Type*'  bezeichnet.  Soviel  Worte, 
soviel  Irrüiümerl    \'ei'b(8sert  sind  diese  kleinen  Typen  —  wenn  man  sie  mit  den 


—     Bamberg.     — 


85 


grossen  Charaicteren,  die  bis  1454  verwendet  wurden,  vergleicht  —  allerdings  schon 
XU  nennen,  aber  von  einer  „Catholicon-Type"  haben  sie  nichts  weiter,  als  was  Herr 
Scbaab  ihnen  andichtet,  und  das  ISst  sich  vor  den  Augen  des  unbefangenen  Be- 
sehhauers  in  Nebel  auf. 

Indessen  phantasirt  Herr  Schaab  —  auf  Seite  890  und  891  —  tapfer  weiter:  „Die 
letzte  Stufe  war  Schöffer's  Facilitirung  des  Gussverfahrens.  Diese  fallt  in  die  Jahre 
1154  und  1456  und  wer  wird  zweifeln,  dass  die  Gesellschafter  nicht  gleich  damit 
sollten  Proben  gemacht  haben."  Wir  fragen  nur  das  Eine:  Würde  die  Gatholicon- 
Tjpe,  wenn  Schoffer  sie  noch  bei  Bestehen  der  Gesellschaft :  Gutenberg,  Fnst  ft  Schoffer 
gegossen  hatte,  wohl  Eigenthum  Outenberg^s  geblieben  sein,  als  ihm  nach  dem  be- 
kannten Prozesse  von  1455  von  den  beiden  Biedermännern  Alles  genommen  wurde, 
er  aber  dennoch  damit  bis  1460  sein  Catholicon  drucken  konnte? 

Aber  nachdem  bei  Schaab,  wie  oben  citirt,  die  Gesellschaft  um  14ß4  Proben 
mit  dieser  Type  gemacht  hat,  verrathen  ihm  die  seiner  Meinung  nach  gleichen  Typen 
beim  Drucke  des  Catholicon  um  1460,  also  6  Jahre  später,  auf  Seite  888  abermals 
einen  „ersten  damit  gemachten  Versuch  I"  Beide  unmittelbar  neben  einander 
gestellte  Notizen  tragen  die  Kritik  ihres  Werthes  in  sich  selbst  und  überheben  uns 
der  Mühe,  sie  Verdientermassen  zu  würdigen.  — 

Thatsache  ist,  dass  die  kleinen  Typen  der  Ablassbriefe  in  keinem  andern  Druck- 
werke genau  in  derselben  Grosse  wiederkehren,  demnach  recht  wohl  erste  Versuche 
gewesen  sein  mögen,  welche  nach  Anfertigung  vervollkonunneter  Schriften  von  dem 
Verfertiger  verworfen  wurden.  Vielfach  hat  aber  der  Umstand,  dass  diese  Typen 
in  keinem  andern  typographischen  Erzeugnisse  wiedergefunden  wurden,  den  Ge- 
lehrten die  Yermuthimg  nahe  gelegt,  dass  man  es  bei  den  Ablassbriefen  nicht  mit 
Druck  durch  bewegliche  Typen,  sondern  mit  BoUitafeldruehen  zu  thun  habe; 
ein  paar  andere  nebenher  gehende  Erscheinimgen  wurden  dann  für  das  System 
Kurechtgeschnitten,  und  hierdurch  gestärkt,  waren  alsbald  die  Ablassbriefe  „imbedingt 
Holztafeldruckef*,  Aber  die  Gründe,  welche  die  Gelehrten  Wetter,  Lambinet  und 
Andere  für  ihr  Holztafeldruck-System  „fanden",  sind  ebenso  leicht  zu  widerlegen, 
als  es  uns  unschwer  gelingen  soll,  den  Typendruck  zu  beweisen. 

Der  erste  jener  beiden  Gründe  ist,  dass  das  grosse  D  in  dem  Anfangsworte 
„Oviverfif''  über  das  n  herüberragt,  was  die  Möglichkeit  eines  vierkantigen  recht- 
winkeligen Kegels,  mit  welchem  der  Buchstabe  gesetzt  sein  sollte,  aussohliesst.  Das 
ist  schon  richtig.  Allerdings  können  weder  der  Initialbuchstabe  D  noch  die  beiden 
andern  Initialen  iU,  welche  in  den  Ablassbriefen  vorkommen,  mit  der  Type  gedruckt 
sein,  wohl  aber  staimpirt,  oder  noch  wahrscheinlicher  mit  Patronen  hineingemalt  { 
deshalb  bleibt  aber  alles  Uebrigc  mit  beweglichen  Typen  gedruckt 

Es  folgt  der  zweite  Grund:  Der  Buchstabe  p  in  dem  grosser  gedruckten  Worte 
„yanlinns"  ist  absichtlich  unten  abgekürzt,  um  für  das  gerade  darunter  stehende 
ff  in  dem  Worte  ^QCtiffim9^'  Platz  zu  gewinnen.  Auch  richtig.  Aber  was  beweist 
das?  Man  hat  eben  den  Typenkegel  unten  abgeschnitten,  lun  den  Satz  passend  zu 
machen,  oder  das  fragliche  p  ist  durch  das  Aufstossen  auf  die  Typen  der  nächsten 
Zeile  bereits  bei  früherem  Gebrauche  unten  ein  wenig  verletzt  worden,  was  bei 
weichlegirtem  Metall  recht  wohl  denkbar  ist  und  wovon  wir  Beweise  in  dem  ersten 
ganz  merkwürdigen  Drucke  von  Numeister  in  FoUgno  1470  beibringen  können. 

Dagegen  vergleiche  man  mm  in  den  Ablassbriefen  die  in  steter  Gongruenz 
wiederkehrenden  Formen  der  ohnehin  für  Holztafeldruck  nur  äusserst  mühsam  her- 
zustellenden kleifien  Schrift,  und  man  wird  die  Idee  des  Tafeldruckes  aufgeben 
müssen,  auch  wenn  nicht  noch  andere  Merkmale  zwingend  auf  Typendruck  hin- 
wiesen. Aber  man  betrachte  nur  die  am  Ende  der  zwanzigsten  Zeile  stehende  Jidir- 
zahl  ÜUcalni;  Mer  sieht  man  deutlich,  dass  naeh  dem  1  ein  m  und  dann  ein  i  folgt, 
welche  aus  Bequemlichkeit  oder  Noth  für  vier  einzelne  i  gesetzt  wurden.  Hier  sieht 
man  deutlich  den  Schriftsetzer  seine  Vortheile  geltend  machen. 


86  —    Bamberg.     — 

Interessant  ist  es  aber  noch,  dass  die  kleine  Textschri/t  dieser  Ablassbriefc  grosse 
Aehnlichkeit  hat  mit  den  Typen  des  „Yocabularium  ex  quo"  von  Heinrich  Bechter- 
münze  in  Eltwyl  1472;  die  ganz  originell  geformten  Buchstaben  II  imd  3  sind 
sogar  genau  übereinstimmend!,  und  dasselbe  II  findet  sich  auch  in  Gutenberg^s 
Catholicon  1460  vor.  Indess  darf  man  bei  aller  Aehnlichkeit  doch  keinerlei 
Schlüsse  daraus  ziehen,  denn  alle  drei  angefahrten  Druckwerke  haben  zwar  Typen 
von  ähnlichem  Charakter,  diese  sind  aber  nicht  einmal  in  der  Grösse  und  Kegel- 
hohe  übereinstimmend,  denn  16  compresse  Zeilen  der  Ablassbriefe  haben  genau  die 
Höhe  von  18  bei  Bechtermünze  1472.  Und  Das  soll  beweisen,  dass  Gutenberg  oder 
auch  wohl  Bechtermünze  die  Ablassbriefe  gedruckt  haben  müsse!  — 


No.  143. 

^,(Si)n  ttianüg  b^  cri|tfl)fit  mW  bie  burkr/^ 

Mit   den  Typen    des  Albrecht  P fister  in  Bamberg  1455   gedruckt, 
aber  auch  Johann  Gutenberg  zugeschrieben.     Klein  Quart-Format. 

Das  Original  dieses  aus  nur  9  Quartseiten  von  80  bis  81  Zeilen  bestehenden 
Druckwerkes  befindet  sich  als  Umcum  in  der  Staatsbibliothek  zu  München.  Das 
vorliegende  Facsimile  gewährt  eine  genügende  Vorstellung  von  diesem  hochwichtigen 
Druckdenkmale.    Auf  der  untersten  Zeile  der  ersten  Seite  befindet  sich  die  Jahrzahl, 

Das  Bachlein  stellt  eine  Art  Kalender  für  das  Jahr  14SS  vor  mit  einer  geist- 
lichen Ermahnung  icider  die  Türken,  welche  damals  gerade  Constantinopel  erobert 
hatten  und  das  ehristllche  Buropa  zu  überschwemmen  drohten.  Es  beginnt  mit 
einem  Gebete  zu  Gott;  darauf  folgt  die  Mahnung  in  zwölf  Abtheilungen,  deren  jede 
mit  dem  Namen  eines  Monats  überschrieben  ist;  das  Ganze  schliesst  mit  dem  Neu- 
jahrswunsche:  „dl)«  gnt  feiig  numt  3or.**  — 


No.  144. 

^,Sfr  i0ottatu0/^ 

Nur  noch  in  Einem  Fragmente  von  zwei  Blättern  in  der  National^ 

bibliothek  zu  Paris  vorhanden. 

Mit  Typen  Albrecht  Ffister's  um  1460  gedruckt.  Klein  Folio-Format. 

Wir  haben  über  dieses  berühmte  Streitobject  schon  ausfuhrlich  in  den  ein- 
leitenden Worten  zu  Bamberg  gehandelt.  Unser  photographisch  genaues  Facsimile 
unter  Glas  und  Bahmen  möge  nun  auch  durch  den  Augenschein  die  angebliche 
Jahrzahl  1451  hinter  dem  Worte  Heydersheym  auf  dem  einen  Blatte  als  fabelhaft 
erkennen  lassen. 

TJebiigens  finden  wir  soeben,  dass  aueh  der  rührige  Forscher  Mr.  Hesseis  in 
seinem  „Outen^erg :  Was  hi  the  Inventur  of  Printingf"  es  bezweifelt,  dass  sowohl 
die  Typen  dieses  Donaius,  wie  die  ähnlichen  im  Ablassbriefe  von  1454,  identisch 
seien  mit  denen  der  86zeiligen  Bibel.  Wir  lassen  dies  dahingestellt,  wenigstens 
in  Bezug  auf  die  Donatfragmente,  die  viel  zu  schlecht  erhalten  sind,  um  ganz  be- 
stimmt urtheilen  zu  können.  Dagegen  stimmen  wir  gern  der  Ansicht  dieses  Ge- 
lehrten bei,  der  sich  auch  auf  das  Urtheil  dreier  angesehenen  Archivare  in  Stuttgart 
und  Würzburg  beruft,  dass  das  Wort  „Heydersheym"  auf  dem  einen  Donatfragmente 
eher  dem  achtzehnten  Jahrhunderte  angehören  könne,  als  dem  Jahre  1451,  wo  man 
auch  sicher  ein  so  kostbares  Buch  nicht  schon  zerrissen  haben  würde,  wenn  es 
überhaupt  bereits  existirt  hätte.  — 


—    Bamberg.     —  gy 

No.  145. 

i^üihlia  facta  Dulgata/*^ 

Bambergr^  Albreckt  Pfister^  um  1457  bis  1460^  aber  auch  Johann 
Gutenherg  zugeschrieben.     Gross  Folio-Format. 

Diese  sogenannte  SßzeiUge  Bibel,  von  ihrem  ersten  Ekitdecker  auch  die  Schel- 
horn'sche  genannt,  wird  von  Vielen  für  die  erste  Gutenberg-Bibel  gehalten  und  selbst 
von  Solchen,  welche  die  mit  derselben  Type  gedruckte  „Mahnimg  wider  die  Türken" 
dem  Fftater  lassen,  ohne  doch  eine  genügende  Losung  für  diese  Inconsequenz  geben 
lu  können. 

Die  Motivirung,  dass  Gutenberg  mit  einer  ähnlichen  Type  seine  ersten  Donate 
gedruckt  habe,  ist  gegenüber  der  Thatsache,  dass  Pfister  eine  ganze  Reihe  von  Werken 
mit  derselben  Type  gedruckt,  nichts  weniger  als  zulänglich. 

Yon  diesem  ehrwürdigen  Bibelwerke  besitzt  die  Nationalbibliothek  zu  Paris  ein 
Exemplar,  welchem  von  der  Hand  des  Bubricators  die  Jahrzahl  1461  beigesetzt 
ist.  Weitere  Exemplare,  welche  aber  zum  Theil  mehr  oder  weniger  unvollständig 
sind,  besilzen  nur  noch  die  Universitäten  zu  Leipzig  und  Jena,  dann  London,  Ant- 
werpen,  Stuttgart,  Wolfenbüttel,  Lord  Spencer  und  Jenkinson  in  England. 

Die  Stadt  Bamberg  selbst  hat  von  diesem  Druckdenkmale,  auf  das  sie  stolz  ist, 
leider  nur  Fragmente  aufeuweisen,  und  auch  unsere  Sammlung  theilt  mit  ihr  dieses 
Schicksal.  Schwerlich  dürfte  auch  ausser  den  oben  angeführten  9  Exemplaren  noch 
ein  solches  aufzufinden  sein,  wir  müssten  denn  dasselbe  Glück  haben  wie  mit  der 
Gutenberg'schen  4/izeiligen  Bibel,  wo  auch  Niemand  geglaubt  hätte,  dass  ein  so 
herrliches  Exemplar  auf  Pergament  sich  noch  irgendwo  finden  imd  plötzlich  bei 
uns  auftauchen  könne.  — 

No.  146. 

„?80nfr^»  «bflftrin  ober  3fabelbud)/^ 

Bamberg^  Albrecht  Pfister,  1461*    Klein  Folio-Format. 

Dieses  deutsche  Reimbuch  mit  Holzschnitten  weist  in  der  Schlussschrift  die 
volle  Angabe  des  Ihruehorles  und  des  tTeihres  auf.  Es  besteht  aus  88  Blättern 
mit  101  Holzschnitten.    Jede  Seite  zählt  25  Zeilen. 

Die  Herzogliche  Bibliothek  zu  Wolfenbüttel  besitzt  das  einzige  Exemplar  dieser 
Ausgabe  und  die  Königliche  Bibliothek  zu  Berlin  conservirt  ein  Exemplar  einer 
andern  Auflage  von  nur  77  Blättern,  ohne  Schlussschrift  und  Datum.  Das  in  un- 
serer Sammlung  befindliche  Facsimile  des  ersten  Blattes  mit  einem  Holzschnitte 
dient  zur  Yeranschaulichimg  von  Satz  und  Druck  hinlänglich. 


No.  147. 

^^Sielial  ober  brr  aroft  ber  ihunber.^^ 

Bamberg^  Albrecht  Füster,  um  1462.     Klein  Folio-Format. 

Dieses  ist  die  erste  Ausgabe  der  deutschen  Uebersetzung  des  von  Jacobus  de 
Theramo  im  14.  Jahrhunderte  verfassten  sonderbaren  Werkes.  Es  soll  jedenfalls 
eine  Prozessordnung  sein  und  zwar  nach  canonischem  Rechte.  Was  kann  aber 
wolil  proj^er  sein,  als  die  dafür  gewählte  Form;  es  wird  nämlich  ein  Prozess 
verhandelt,  in  welchem  Belial  gegen  Christus  als  Kläger  auftritt,  Moses  dient  als 
Anwalt,  Salomo  ist  der  Richter,  und  dieser  Prozess  wird  bis  zur  Appellation  durch- 
geführt. 


88  —    Bamberg.    — 

Wir  haben  zur  Veranscbaulichung  dieses  nicht  mehr  käuflichen  Werkes  ein 
Facsimile  des  ersten  Blattes  herstellen  lassen,  wozu  uns  das  Exemplar  des  Gemian»- 
sehen  Museums  in  Nürnberg  fireundlichst  zur  Yerfugimg  gestellt  wurde.  Das  Blatt 
gicbt  die  Pfister'scben  Typen,  also  die  der  36zeiligen  Bibel,  so  haargenau  wieder, 
als  ob  man  den  Originaldruck  selbst  vor  sich  bitte.  — 


Joi)ann  ^enfenfd)mtit  oon  (Sger 

btv  5  weite  »amberger  ZyipoQva^pl)  1481  bie  1490. 

Nachdem  seit  1463,  wo  Albrecht  P fister  verschwindet,  in  Bam- 
berg keine  Druckerei  mehr  bestanden,  kam  zuerst  Johann  Sensen- 
schmid  von  Nürnberg  herüber,  wo  er  seine  Künstlerlaufbahn  be- 
begonnen, und  druckte  in  Bamberg  zuerst  allein,  später  in  Gesell- 
schaft Heinrich  Petzensteiner* s  seine  berühmten  ChorbUcher,  von 
denen  wir  das  erste,  seltenste  und  schönste  in  folgender  Nummer 
erkennen  werden.  Unter  „Nürnberg,"  das  chronologisch  erst  später 
folgen  kann,  werden  wir  ebenfalls  Sensenschmid*s  ersten  seltenen 
Druck  vorfinden,   der  zugleich  der  erste  Nürnberger  von  1470. ist. 


No.  148. 

^,|öt|Talf  fabenbergenff/^ 

Bamberg^  Johann  Sensenschmid  von  Eger,  1481« 

In  Folio  auf  Pergament  gedruckt. 

Ebenso  schönes  wie  seltenes  Missale  und  als  Fevgame!ni,äx%Kk  doppelt  werthvoll. 
Es  ist  zugleich  der  erste  Bamberger  Druck  Sensenschmid' s,  welcher  von  Nürnberg 
herüberkommend,  achtzehn  Jahre  nach  erloschener  Thatigkeit  Albredit  Ffister's  zuerst 
wieder  eine  Druckerei  in  Bamberg  dauernd  begründete. 

Das  vorliegende  prachtvolle  Missale  Benediciinum  mit  dem  grossartigen  Canon 
in  der  Mitte,  dem  ein  blattgrosser  Holzschnitt  vorangeht,  war  also  Sen8enschmid''8 
erstes  Meisterwerk  in  Bamberg,  dem  er  am  Schlüsse  glücklicherweise  Firma  und 
.Jahrzahl  beigefügt  hat.  Der  Canon  mit  seinen  aussergewöhnlich  grossen  Typen  ist 
in  der  That  noch  eflfectvoller  wie  die  Choral-Type  in  den  Mainzer  Psalterien. 

Unser  Pergament-Exemplar  ist  wie  neu  erhalten,  und  ebenso  schon  ist  heute 
noch  der  braunlederne  Original-Einband  mit  reichem  grün  oxydirtem  Metallbeschlage. 


Joliatttt  J8fenfettfd)mtl>  ^  Heinrid)  pe^enfletncr 

1482  bie  1490. 

No.  149. 

^^^faltertum  latinum.*^ 

Bamberg^  Johann  Sensenschmid  &  Heinrich  Fetzensteiner,  circa  14 85« 

Klein  Folio-Format. 
Dieses  mit  einer  ziemlich  grossen  Missal-Type,  aber  ohne  Angabe  des  Ortes, 
Jahres  und  Typographen  gedruckte  ISmnberger  JPstUteHum  ist  von  Hain  unter 
No.  18466  seines  Repertorium  beschrieben,  aber  er  wusste  den  Drucker  nldlt  an- 


Bamberg.     — 


89 


zugeben.  Durch  die  yollkommene  Üebereinstimmung  der  Typen  mit  den  beiden 
folgenden  Werken,  d<)m  Missale  Olomucense  von  1488  und  dem  Missale  Bam- 
bergense  ton  1490  gelangt  man  indessen  zu  der  Einsicht,  dass  auch  der  obige  in- 
teressante Psalter-Druck  zweifellos  der  obigen  Firma  angehört 

Da  aber  die  ganze  Anordnung  und  Ausführung  des  Druckes  weit  weniger  schön 
und  gelungen  ist,  als  wir  von  dem  geübten  Meister  Sensenschmid  erwarten  durften, 
so  liegt  die  Yermuthung  nahe,  dass  Jenes  Psalterium  von  Petzmsteitier  allein  ge- 
druckt sein  durfte  und  zwar  im  Jahre  1485,  wo  Sensenschmid  vorübergehend  nach 
Regenshurg  berufen  wurde,  um  dort  das  prachtige  Missale  Ratisbonense  zu  drucken, 
wodurch  er  sich  in  diesem  Genre  einen  bedeutenden  Ruf  erwarb. 

Der  grosse  Canon  zvan  Hissale  Ratisbonense  ist  aber  schon  wieder  in  Bamberg 
gedruckt,  wie  dessen  Schlussschrift  besagt,  und  es  beweist  dies  wohl  genugsam, 
dass  Sensenschmid  bald  wieder  nach  Bamberg  zurückgekehrt  sein  dürfte. 

Beaehtenswerth  ist  es,  dass  das  nun  folgende  Missale  Olomucense  von  1488  nur 
Sensenschmid^s  alleinigen  Namen  tragt,  während  das  Missale  Babonbergense  von 
1490  wieder  die  Firma  Sensenschmid  &  Petzensteiner  nachweist. 

Durch  obige  Feststellung  der  Typen  ist  es  uns  also  gelungen,  auch  den  Drucker 
des  so  seltenen  Bamberger  Psalterium  festzustellen,  worüber  sich  schon  mancher 
Bibliograph  den  Kopf  zerbrochen  hat,  ohne  auch  nur  eine  Yermuthung  aussprechen 
zu  können.  Dass  ein  vorsugsweise  mit  Missaldruck  beschäftigter  Typograph  der 
Drucker  sein  müsse,  konnte  man  schon  nach  den  grossen  Typen  annehmen.  — 


No.  150. 

Bambergr^  Johann  Sensenschmid,  1488«  Folio-Format. 
Erste  Ausgabe  dieses  schönen  und  ungemein  seltenen  Chorbuches  der  Diözese 
Olmütz  in  Mähren,  aus  dessen  Schlussschrift  wir  zugleich  ersehen,  dass  es  in  Bam- 
berg auf  Kosten  des  ebenfalls  berühmten  Typographen  Peter  Drach  in  Speyer  und 
zwar  diesmal  von  Sensenschmid  allein  ohne  Petzensteiner  gedruckt  wurde.  Eine 
eweite  Ausgabe  des  Olmützer  Missale  druckte  Oeorg  Stuchs  in  Nürnberg  im  Jahre 
1499.  Unsere  Editio  princeps  ist  mit  Firma  und  Jahrzahl  versehen;  der  wohl- 
erhaltene dunkele  Einband  mit  Messingbeschlag  ist  Original.  — 


No.  151. 

^i^tlfaU  rcclfpac  liambergenfte/^ 

Bamberg«   Johann  Sensenschmid  &  Heinrich  Petzensteiner,  1490« 

Folio-Format. 
Mit  denselben  Typen  wie  das  vorige  Missale  und  im  Ganzen  ebenso  schön  in 
Roth  und  Schwarz  gedruckt.  Blatt  186  ist  bis  auf  einige  Worte  ganz  in  Rothdruck 
ausgeführt.  Die  Firma  Sensenschmid  &  Petzensteiner  findet  sich  hier  wie  bei  der 
grosseren  Anzahl  der  Drucke  aus  dieser  2^it  wieder  vereinigt  Den  schönen  Ein- 
band ziert  ein  reicher  Messingbeschlag  mit  eingefügten  Engelsköpfen.  — 


1497  biö  1512. 

Falkenstein  lässt  diesen  Typographen   nur    bis  I5<X)  drucken, 
indessen  widerlegt  Dies  unser  Druck  von  1512  unter  No.  153.  — 


go  —    Bamberg.     — 

No.  152. 

^^ürcDtarium  IBabenbergtitfiö  ecclefiae/^ 

Bamberg^  Johannes  Ffeyl,  1501.     Folio-Format. 

Mit  einer  gothischen  Type  in  zweierlei  Grosse  gedruckt ;  ein  seltenes  und  pracli- 
tigos  Werk  des  durch  seine  Chorbächer  berühmten  Typographen.  Firma  und  Jo/ir- 
zahl  befinden  sich  auf  Blatt  178  in  der  ersten  Spalte,  die  dann  noch  folgenden  drei 
Seiten  sind  fast  ganz  in  Roihdruck  ausgeführt.  Der  schone  Einband  ist  reich  mit 
vergoldetem  Messing  beschlagen.  — 


No.  153. 

)f  statuta  iBiocefana  (tue  ^i^nobalia  Urtierrnbifftmt  ||  in 
€^ri(lo  patri0.  SUttftrifqs  principta  et  biit  •  bomtni  ||  Jfo- 
l)änm0  bei  et  ^^pl^ice  frbi»  gratia  ^bmimBra-||tort0  ecclefie 
Hatifponrn.  Comttia  palatint  ||  ll)em  ISauarieqs  bttct$  • 
noutffime  ||  innuuata  et  pubUcata/^ 

Bamberg^  Johannes  Pfeyl,  1512. 

Unter  diesem  mit  einer  kleineren  Missal-Type  gedruckten  Titel  befindet  sich 
in  Holzschnitt  ausgeführt  das  von  zwei  Engeln  gehaltene  Wappen  von  Regenshurg 
mit  der  Jahrzabl  1512.  Der  interessante  gothische  Druck  wird  von  Panzer,  ohne 
dass  er  ihn  gesehen,  in  seinen  Annales,  Band  YI,  Seite  172,  kurz  aufgeführt.  Jeden- 
falls ist  das  Werk  höchst  selten.  Mit  ihm  schliessen  wir  die  kleine  aber  kostbare 
Sammlung  von  Bamberger  frühesten  Drucken  ab.  — 


ergänjungs'ftteratur  ju  Xamöerg. 

1.  Heller:  ,,Leben  Georg  Erlinger's,  Bachdruckers  und  Formschneiders 

zu  Bamberg."    Bamberg  1837.  — 

2.  Jäck:  »^Denkschrift  für  das  Jubelfest   der  Buchdruckerkunst   zu 

Bamberg."     Erlangen  1840.  — 

3.  „Historische  Nachrichten  von  Bamberg."     Bamberg  1838.  — 

4.  Pfeiffer:  „Der  Edelstein  von  Ulrich  Boner."    Leipzig  1844.  — 

5.  Sprenger:  „Aelteste  Buchdruckergeschichte  von  Bamberg,"  Bam- 

berg 1800.  — 

Viele  andere  allgemeine  typographische  Werke  unserer  Samm- 
lung liefern  werthvolle  Beiträge  für  die  Bamberger  Buchdrucker- 
geschickte,  darunter  besonders  Falkenstein:  ,,Geschichte  der  Buch- 
druckerkunst, Leipzig  1840,  worin  Seite  128  bis  141  über  Albrecht 
Pfister  besonders  interessant  zu  lesen  ist;  -FwcÄ^r :  „Typographische 
Seltenheiten,*'  Nürnberg  1801 — 1804,  und  Wetter :  „Kurze  Geschichte 
der  Erfindung  der  Buchdruckerkunst,"  Mainz  1836.  — 


—     Strassburg.     —  qi 

Argentina,  Argentoratum.  — 


ßof^mn  IHenttl  ohtr  IHentelin 

1458  bi6  1478. 

Diesem  berühmten  Strassburger  Drucker  ist  ähnlich  wie  Albrecht 
Fßster  in  Bamberg  eine  Zeit  lang  die  Erfindung  der  Buchdrucker- 
kunst  zugeschrieben  worden.  Er  war  vielleicht  ein  Schüler  und 
Gehilfe   Gutenherg*s,  aber  verbürgt  ist  es  keineswegs. 

Die  Bestimmung  der  von  diesem  Typographen  herrührenden 
Drucke  ist  besonders  schwierig,  weil  er  mit  wenig  Ausnahmen  es 
unterliess,  seinen  Druckwerken  die  Firma  und  Jahrzahl  beizufügen. 
Glücklicherweise  fanden  wir  andere  Anhaltspunkte  genug,  die  es 
ermöglicht  haben,  die  meisten  seiner  Erzeugnisse  mit  Bestimmtheit 
feststellen  zu  können. 

Es  sind  das  unter  Andern  drei  Verlags -Verzeichnisse 
Mentelin's,  von  ihm  selbst  gedruckt,  in  welchen  er  eine  Reihe 
seiner  Hauptwerke  namhaft  macht.  Hierdurch  lernten  wir  schon  im 
Ganzen  vierzehn  seiner  Druckwerke  auf  das  Bestimmteste  kennen ; 
durch  Vergleichtmg  der  Typen  dieser  mit  denen  anderer  gelang  es 
dann,  den  Bau  mit  logischer  Folgerung  weiter  zu  führen,  sodass 
von  mehr  als  einem  Viertelhundert  der  bedeutendsten  Mentel'schen 
Drucke,  die  wir  bis  jetzt  in  unserer  Sammlung  vereinigen,  der  fast 
zweifellose  Nachweis  ihrer  Herkunft  zu  führen  möglich  war. 

Diese  für  die  Geschichte  der  Typographie  so  höchst  wichtigen 
Verzeichnisse j  welche  zugleich  die  ersten  primitiven  Verlags-CdtCl- 
loge  sind,  wollen  wir  unter  No.  154  nachstehend  genauer  besprechen, 
da  sie  einen  lichtvollen  Beitrag  für  die  Strassburger  Buchdrucker- 
geschichte überhaupt  abgeben.  Uebrigens  lassen  wir  —  wie  bei 
Mainz  und  Bamberg  -  auch  die  Strassburger  Typographen  in  der 
Reihe  nach  der  Zeit  ihrer  Etablirung  folgen,  soweit  dieselbe  über- 
haupt festzustellen  war.  — 


No.  154. 

„Die  Uerra^soerietcOrnffe  oon  Oo^anri  SKenferin  in  SfragOurg;'' 

das  nächstfolgende   von  6  Zeilen  nach   dem  einzigen  noch  vorhan- 
denen, um  1473   gedruckten  Originale   in  der  Nationalbibliothek  zu 
Paris  photographisch  genau  wiedergegeben, 


02  —     Strassburg.     — 

„(Cuvletiö  i0itur  vtactu  volnmen  crncreviiacü  cetetle  fubfcrivtiö  betie  eine 
batlfi  veiöt  ab  ^cfviciü  Infra  itotatum  •  et  l;at>ebit  laröü  venbitoitm 

Otem  övccl'm  ^iftoi'mle  vlticenctj: 

jtem  fümam  aftö;i:aTil  • 
5te  (tvdjibyaconn  fuv  bccretiö 

Item  yff&ozü  et^imoloölaril" 

Die  zweizeilige  Ueberschrift  dieses  kleinen  Zweitältesten  Bücher-Cataloges  lautet 
zu  deutsch:  „Wer  also  das  vorstehende  Werk,  ebenso  wie  die  unten  angeführten 
sehr  verbesserten  kaufen  will,  der  möge  in  das  unten  benannte  Hospiz  kommen,  wo 
er  einen  billigen  Verkaufer  finden  wird." 

Es  ist  hieraus  leicht  zu  entnehmen,  dass  die  Hauptanzeige  —  jedenfalls  die  einer 
eben  vollendeten  neuesten  Publication  —  dem  Obigen  vorausgegangen  ist,  sowie 
auch  der  Name  des  Hospizes  unten  ebenfalls  handschriftlich  zu  ergänzen  war.  Der 
geniale  Buchdrucker  Mentelin  war  auch  ein  praktischer  Geschäftsmann;  er  be- 
schränkte sich  nicht  darauf,  seine  Publicationen  in  Strassburg  selbst  an  den  Mann 
zu  bringen,  er  sorgte  auch  dafür,  dass  sie  weit  und  breit  bekannt  wurden  und  be- 
zog mit  ihnen  Messen  und  Märkte. 

Anzeigen  wie  die  obige,  in  denen  er  die  Liebhaber  bat,  in  die  Herberge  zu 
konunen,  wo  er  oder  sein  Agent  abgestiegen  waren,  dienten  dem  rührigen  Gesch&fts- 
geiste  dazu,  seine  Bücher  zu  empfehlen.  Dass  er  diese  Praxis  viel  geübt  habe,  be- 
weist die  Existenz  von  noch  zwei  andern  ganz  ähnlichen  Anzeigen,  von  denen 
die  erste,  welche  sich  nur  auf  die  um  1468  erschienene  „Suntma  Asteacani** 
bezieht  und  sonach  Jedenfalls  die  älteste  ist,  von  Weigel  in  seinen  „Anfängen  der 
Druckerkunst^'  veröffentlicht  wurde. 

Das  Original  der  zweiten  befand  sich  noch  im  ersten  Decennium  unseres  Jahr- 
hunderts in  der  Königlichen  Bibliothek  zu  München.  Leider  wurde  aber  dieses 
werthvoUe  Ünicum  an  die  Jliord  Spencer'sche  Bibliothek  zu  Althorp  in  England  zur 
Anfertigung  eines  Facsimile  „verliehen,"  und  ist  von  dort  Jedenfalls  nicht  wieder  zu- 
rückgekehrt, denn  es  findet  sich  in  München  nicht  mehr  vor. 

Dieses  Yerzeichniss  war  um  so  werthvoUer,  als  es  schon  über  eine  grössere  A.n- 
zahl  Mentelin'scher  Publicationen  bestimmte  Auskunft  gab;  es  war  auf  einem  Octav- 
blatte  in  19  Zeilen  gedruckt  und  lautete  nach  der  Veröffentlichung  des  „Neuen  li- 
terarischen Anzeigers,"  Nürnberg  1807,  Seite  308,  folgendermassen : 

„t?cletiteö  emere  IBviftolaö  %\xxeln  ?tu0uftitii  ^vonetifiü  vrefuUö 
bi^iffimU  311  quibuö  non&ü  Rumäne  cloquentie  facunMtt  öonat. 
verü  etlam  vturlml  öacre  öcrivture  v<»fru0  ölfficlleö  et  ovfcurlffttni: 
Inclbe  e;i:votiuiitur»  ^ereöeö  qs  et  erroreö  a  recta  ftbe  bevil:  quaft 
malleo  folibiffime  reritatiö  cöterutitur  •  et  totiuö  vite  a^ebe  norma 
In  ivfiö  verftritiöitur  •  virtutü  motifträtur  inffötiia  •  et  vicia  queqs 
ab  ima  meröctia  iufta  racöne  culvötur. 
Sovtaliciü 

3tem  ißviftolaö  qxJ3  hü  3emotiiml 
5ofevt;ü  be  antiquitatibuö  et  belle  hxbaico 
t?ir0ilü  ^erenciü 

6crutlniü  öcrivtuartt2|. 
€ibrtt  cotifeffiotitt  beati  2Cuöuftitii 
Valexln  xnaxinnu^^ 

„lOetiiat  ab  ^ofplciü  5u   5cm" 


—     Strassburg.     —  g^ 


Gans  ähnlich  wie  in  dem  oben  abgedruclcten  Pariser  Verzeichnisse  heisst  es 
hier  also:  „Wer  die  Briefe  des  Aurelius  AugiMÜfma  kaufen  will  etc.*',  —  dann 
fol^  eine  ausgedehnte  IdangvoUe  Anpreisung  derselben,  der  sich  die  Titel  von  den 
vorstehenden  ttoht  andern  Verlagswerken  anschliessen  —  und  zuletzt  „der  komme 
in  die  Herberge  Zu  dem  . .  ." 

Die  Stelle  für  den  Namen  der  Herberge  oder  Niederlage  ist  also  auch  hier  wieder 
für  den  handschriftlichen  Zusatz  offen  gelassen.  Der  grammatische  Fehler,  welcher 
In    dem  sich    auf  „volentes"   beziehenden   „veniat"   statt  „veniant"  in  der  obigen 

etzten  Zeile  .liegt,   ist  wohl  nur  auf  einen  Druckfehler  zurückzufuhren,  indem  offen- 
bar eine  Abbreviatur  vergessen  wurde. 

Die  in  den  angeführten  drei  Mentelin' sehen  \erlagsverzeickmssen  aufgeführten 
14:  Druckwerke  gehen  bis  zum  Jahre  1473,  wo  die  zweite  Auflage  des  „Speculum 
historiale"  zum  ersten  Male  Mentelin'a  JB^rma  und  die  tTahrzahl  brachte.  Die 
meisten  dieser  alten  Mentelin'schen  Drucke  sind  —  wie  man  sich  in  unserer  Samm- 

ong  am  besten  durch  den  Augenschein  überzeugen  kann  —  umi^ngliche  Folianten, 
die  von  der  Leistungsföhigkeit  der  Firma  Mentelin  den  sprechendsten  Beweis  geben. 
Da  bei  der  Charakteristik  der  nachfolgenden  Mentelin'schen  Druckwerke  auf 
obige  Verlagsverzeichttisse  mehrfach  Bezug  genommen  werden  mnss,  um  einen  ge- 
naueren Einblick  in  das  Ganze  zu  gewähren,  wollen  wir  das  oben  zuerst  abgedruckte 
Yerzeichniss  y,das  Pariser",  dagegen  das  zuletzt  mitgetheilte  „das  Münchner"  Ver- 
zeichniss  Hentelin^s  benennen.  — 


No.  155. 

^nbreas  1|tfpanu0:  ^^Mühm  canjttenbi/^ 

Strassbnrg,    Johann  Mentelin,  circa  1460*      Klein  Quart-Format. 

In  diesem  überaus  seltenen  Werkchen  haben  wir  eins  der  interessantesten  typo- 
graphischen Denkmäler  vor  uns.  Es  ist  sicher  einer  der  frühesten  Drucke  des  be- 
rahmten ersten  Strassburger  Typographen,  mit  eigenthümlich  «ckigen  und  steifen 
gothlschen  Charakteren  von  ziemlicher  Grosse  gedruckt,  welche  wohl  in  keinem 
zweiten  von  ihm  noch  existirenden  Werke  wiederkehren. 

Schöpflin  hat  ims  glücklicherweise  in  seinen  „Yindiciae  typographicae,  Strass- 
burg  1760'*  das  Facsimile  der  Typen  eines  Werkchens  aufbewahrt,  dass  sich  im  Be- 
sitze dieses  Gelehrten  befand  und  jedenfalls  derselben  Zeit  angehörte,  wenn  man 
nicht  gar  die  im  Titel  vorkommende  Jahrzahl  1448  als  Druckjahr  annehmen  will, 
in  welchem  Falle  dann  ein  Zehnerzeichen  zu  wenig  eingesetzt  sein  müsste;  denn 
sieber  kann  man  wohl  annehmen,  dass  Mentelin  seine  Thätigkeit  schon  14S8  be- 
gonnen haben  muss,  um  bis  1460  seine  unter  No.  157  mit  erwähnte  erste  lateinische 
Bibel  zu  vollenden. 

Jenes  Werkchen  war  des  Lotharius  „Liber  de  miseria  l^umana",  58  Blätter 
stark.  Nach  dem  Facsimile,  welches  Schöpflin  auf  Tafel  1  seines  Werkes  giebt,  war 
es  genau  mit  denselben.  Typen  gedruckt,  wie  imsere  vorliegende  15  Blätter  starke 
Cimelie,  mit  dem  ganz  originellen  fi  und  3,  die  man  bei  Schöpflin  sofort  wieder- 
erkennt. 

Da  dessen  werthvolle  Cimeliensammlung  nach  seinem  Tode  für  die  Strassburger 
Universitätsbibliothek  angekauft  wurde,  die  beim  Bombardement  1870  verloren 
ging,  so  sind  leider  auch  Schöpflin^s  älteste  Bücherschätze  ein  Raub  der  Flammen 
geworden,  .imd  unser  Exemplar  des  „Modus  conßtendi"  ist  deshalb  von  um  so 
boherem  Werthe.  Ein  zweites  Exemplar  des  Werkchens  dürfte  sich  wohl  nur 
noch  in  der  Münchner  Hofbibliothek  befinden,  von  wo  wir  das  imsrige  als  Doublette 
erhielten.    Jedenfalls  zählt  es  zu  den  Seltenheiten  ersten  Ranges.  — 


94 


—     Strassburg.     — 


No.  156. 

Jol)anne0  Balbua  bc  Janua :  ^^Summa  quaeoocatur  Catl)oltcon/^ 

Strassburg^  Johann  Mentelin,  circa  1462.   Gross  Folio-Format. 

Höchst  seltene  Strassburger  Ausgabe  des  zuerst  von  Gutenberg  1460  gedruckten 
Caäwltcon,  ein  riesiger  Foliant  von  870  Blättern.  Die  höchst  merkwürdige  Type 
dieser  MetUelin' sehen  Ausgabe,  deren  Majuskeln  romanischen,  die  Minuskeln  aber 
semigothischen  Charakter  haben,  ist  diejenige  der  berühmten  ersten  undaUrten 
Ausgabe  des  „Speculum  historiale",  welche  wir  unter  No.  163  in  einem  Pracht- 
exemplare n&her  kennen  lernen  werden,  und  deren  Druck  sicher  ebenfalls  noch  in 
die  sechsziger  Jahre  fallt,  da  1473  bereits  die  zweite  Auflage  mit  Mentelin's  Firma 
und  Jahrzahl  erschien. 

Wir  setzen  das  grossartige  Mentelin^sche  Caüiolicon  nicht  ohne  gewichtige 
Grande  in  eine  so  frühe  Zeit  Wie  bei  Johann  Gutenberg,  Günther  Züner  and  «n- 
dem  frühzeitigen  Druckern  das  so  vielbegehrte  CathoUcon  neben  der  Btbel  einen 
der  ersten  Gegenstande  der  typographischen  Vervielfältigung  bildete,  so  blieb  sicher 
auch  der  rührige  Mentelin  nicht  damit  zurück,  nachdem  er  schon  1460  seine  erste 
Biblia  sacra  glücklich  voUendet  hatte,  mit  der  er  jedenfalls  seine  Thätigkeit  schon 
14S8  begann. 

Dieser  ersten  Bibelausgabe  folgte  aber  schon  um  1468  eine  zweite  und  um  1466 
die  grossartige  deuts(^e  Bibel  Mentelin's.  Endlich  häufen  sich  in  den  nun  folgenden 
axiht  Jahren  eine  solche  Menge  zmn  Theil  in  wiederholten  Auflagen  gedruckter  Fo- 
lianten, dass  man  unbedingt  genöthigt  ist,  einen  guten  Theil  derselben  viel  weiter 
zurück  zu  datiren,  als  es  bisher  geschehen  ist,  wo  man  die  Mehrzahl  dieser  Druck- 
werke meist  in  die  ersten  siebziger  Jahre  versetzte. 

Wenn  man  eine  Reihe  dieser  meist  grossartigen  Folianten  vor  sich  hat,  kommt 
man  zu  der  Gewissheit,  dass  dies  Alles  unmöglich  blos  in  den  mittleren  Jahren  der 
Mentelin'schen  Thätigkeit  geschaffen  werden  konnte  und  dass  man  nothgedrungen 
eine  ganz  andere  Zeiteintheilung  vornehmen  muss,  um  annähernd  das  Richtige  zu 
treffen,  unter  Berücksichtigung  der  verschiedenen  Typen  und  der  sonstigen  be- 
stimmten Merkmale  für  das  Alier  eines  Druckwerkes  war  uns  dies  recht  wohl  mög- 
lich, nachdem  es  uns  gelungen,  fast  alle  bedeutenden  Druckwerke  Mentelin's  in  un- 
serer Sammlung  zu  vereinigen.  Die  Datirung  der  nachfolgenden  Nummern  ist  das 
Ergebniss  der  reiflichsten  Erwägungen.  — 


No.  157. 

„Biblia  sacra  latina." 

Strassbnrg,  Johann  Mentelin,  circa  1468.     Folio-Format. 

Die  zweite  Strassburger  lateinische  Bibel,  eins  der  ehrwürdigsten  Denkm&ler  der 
Buchdruckerkunst  und  seltener  als  die  erste  Ausgabe,  von  welcher  festgestellt  ist, 
dass  sie  schon  im  Jahre  1460  erschienen  sein  muss,  da  ein  Exemplar  der  Uni- 
versitäts-Bibliothek von  Freiburg  im  Breisgau  von  der  Hand  des  Rubricators  am 
Ende  des  Psalters  das  Datum  von  1460  trägt. 

In  vorliegender  Ausgabe  haben  wir  das  erste  deutsche  Druckwerk  vor  uns, 
welches  mit  ramttnischen  Chara^kteren  gedruckt  ist.  Allgemein  hat  man 
Sweynheim  &  Pannartz  in  Rom  um  1468  den  allerersten  Typenschnitt  der  AnUquo 
zugeschrieben,  und  Oünlher  Zainer  in  Augsburg  soU  der  Erste  gewesen  sein,  der  im 
Jahre  1472  zuerst  in  J^eutsehland  mit  der  romanischen  Type  seinen  „Isidorus 
Ethymologia/mm  Über"  gedruckt  hat,  aber  in  beiden  Fällen  gebührt  MenteUn  die 
Priorität,  denn  sicher  ist  diese  zweite  lateinische  56zeilige  Bibel  schon  im  Anfang 
der  sechsziger  Jahre  von  ihm  begonnen  worden. 


—     Strassburg.     —  g^ 

Diese  sogenannte  M'Bibel  ist  zugleich  der  erste  Druck  Mentelin's,  in  \7elchem 
du  bekannte  „Merarr«  R"  abwechselnd  erscheint,  und  welches  man  gleich  am  Kopfe 
des  ersten  Blattes  bemerken  kann.  Da  ganz  dasselbe  eigenthämliehe  R  noch  in 
mehreren  bedeutenden  Druckwerken  Mentelin's,  selbst  in  der  ersten  undaUrten 
Auflage  des  im  Jabre  1478  mit  Wirtna  und  tTethrzahl  wiederholt  gedruckten 
„Speculum  historial^*  vorkommt,  sr^  ist  es  unbegreiflich,  wie  unter  den  gelehrten 
Bibliographen  das  selbst  bei  Hain  unter  No.  8034  ersichtliche  Märchen  entstehen 
konnte,  wonach  Jene  alten  Dmcke  mit  dem  „bizarren  R"  einem  „unbekannten  Cölner 
Drucker**  angehören  sollen,  ganz  zu  schweigen  von  der  überlebten  Version  Meer- 
nunm'Sf  der  in  Cfüniher  Zainer  den  Drucker  vermuthete. 

Der  gewaltig  starke  „Typographus  ignotus",  dem  man  noch  heute  gern  Alles 
nisehiebt,  was  man  nicht  ketmt,  schwindet  Gott  sei  Dank  durch  neuere  Forschungen 
und  so  auch  namentlich  durch  so  manches  Zeugniss  unserer  Sammlung  (mehr  und 
mehr  in  sein  Nichts.  Wir  werden  gerade  unter  Strassburg  mehrfach  auf  diesen 
Gegenstand  suroekkommen  müssen.  ^ 

Das  berühmte  sogenannte  „bizarre  R"  hat  folgende  Form:/\ ,  die  wir  haargenau, 
in  eine  Legirung  von  Zinn  tmd  Blei  geschnitten,  wiedergeben.  ^«^ 

Eän  zweites  originelles  R,  sogar  in  zweierlei  Grossen,  hat  diese  Form :  1^,  und 
es  lassen  sich  darnach  ebenfalls  Mentelin'sche  Drucke  leicht  erkennen.  Dieses 
letztere  R  haben  wir  nach  Mentelin's  „Serutinitun  scripturarum"  von  1471  ohne  viele 
Mähe  einfach  in  gewöhnliches  Bimbaumholz  geschnitzelt  und  glauben,  dass  es,  ohne 
stumpf  zu  werden,  den  Druck  von  einigen  Tausend  Exemplaren  aushalten  wird. 
Unsere  höchst  seltene  It-Sibel  ist  übrigens  von  schönster  Erhaltung,  in  Eichen- 
breter  gebunden  und  mit  starken  Messingschliessen  versehen.  — 


No.  158. 

Eabanus  Maurus:  „Opus  de  Universo." 

Stragsburgy  Johann  Mentelin,  circa  1464.    Folio-Format. 

Ein  seltener  Druck  mit  derselben  Antiqua-Type  und  dem  „bizarren  R",  welche 
wir  schon  vorstehend  bei  der  Bibel  von  1463  näher  besprachen.  Der  ausgezeich 
nete  Gelehrte  Rabanus,  welcher  im  achten  Jahrhimderte  nach  Christus  lebte,  giebt 
in  obigem  Hauptwerke,  welches  „das  ganze  Weltall"  in  sich  begreifen  soll,  einen 
allerdings  glänzenden  Beweis  der  Universalität  seines  Geistes.  Nicht  minder  be- 
wandert zeigt  er  als  Theologe  sich  in  den  Schriften  der  Heiligen,  wie  er  als  Philo- 
loge in  den  Werken  alter  Classiker  zu  Hause  ist.  Da  ist  keine  Wissenschaft,  keine 
Kunst,  kein  Handwerk  und  keine  sociale  Frage,  über  die  er  nicht  mit  gleicher 
Kenntniss  zu  handeln  wfisste.  Für  die  geistige  Entwickelung  damaliger  Zeit  ist 
das  vortreffliche  Werk  sicher  von  bedeutendstem  Einflüsse  gewesen.  — 


No.  169. 

Robert  Caracciolus  de  Licio :  „Sermones  per  Adventum/* 

Strassburg^  Johann  Mentelin,  circa  1464.    Klein  Folio-Format. 

Die  erste   Ausgabe  der  „Adventpredigten"  in   Antiquadruck   und  mit  dem  „6t- 
iarren  Jl",  gleich  der  Bibel  von  circa  1463.  — 


q6  —     Strassburg.    — 

No.  160. 

Äancti  ^^ttgufltni  ^ßt  arte  prrtuanbt/* 

Strassburg^   Johann  Mentelin,  circa  1464.     Klein  Folio-Format. 

Des  heiligen  Augustinus  „Buch  von  der  Kunst  zu  predigen"  zählt  in  dieser 
ältesten  Ausgabe  zu  den  Seltenheiten  ersten  Ranges,  und  ist  nur  in  wenigen  Exem- 
plaren auf  unsere  Zeit  gekommen. 

Als  der  älteste  mit  dem  JVomen  Johann  Mentelin  im  Vorworte  versehene 
Strassburger  Druck  ist  das  Werkchen  zugleich  das  erste,  welchem  die  Ehre  zu  Theil 
wurde,  naehgedrueht  zu  werden,  wie  wir  es  schon  unter  Mainz  No»  17  bei  der 
Ausgabe  desselben  Werkchens  durch  Johann  Fk*8t  nachgewiesen  haben. 

Am  Anfange  sind  zwei  Zeilen  mit  einer  grossen  gothischenType  gedruckt,  welche  wir 
nur  noch  in  Einem  Werke  unserer  Sammlung,  in  des  Chr^sostomus  HomiUae  wieder- 
linden, in  welchem  auch  die  sehr  hübsche  kleinere  Type  wiederkehrt,  mit  der  im 
Uebrigen  das  vorliegende  Werk  gedruckt  ist.  Dieselbe  kehrt  auch  in  der  „Summa" 
des  Thomas  von  Aquino  unter  nächster  Nummer  wieder.  Es  ist  ein  Irrthum  Eberfs» 
wenn  er  bei  Beschreibung  dieser  Ausgabe  unter  No.  1863  sagt,  dass  „die  Typen  der 
zwei  ersten  Zeilen  dieselben  sind,  mit  welchen  Mentelin  den  Terentius,  Virgilius, 
Valerius  Maximus,  Hieronymus  und  andere  Schriften  druckte."  Die  Type  dieser 
Werke,  welche  gemeinhin  die  grosse  Gothische  MenteUn's  genannt  wird,  ist  dennoch, 
wie  der  Augenschein  lehrt,  wesentlich  kleiner,  als  die  in  Rede  stehende,  welche 
nach  den  Beispielen,  die  uns  vorliegen,  wohl  nur  hier  und  da  zu  üeberschriften 
und  sonstigen  ausgezeichneten  Stellen  angewendet  worden  ist.  —  Reich  verzierter 
blauer  Ledereinband  mit  Silberbeschlage.  — 


No.  161. 

<$anctt    St^omar    ^quinatis    ^^^ummae   tl^eologicae   partim 

ffcunbae  pars  frcunba.^*^ 

Strassburg^  Jobann  Mentelin,  circa  1465.     Folio-Format. 

Höchst  seltene  erste  Ausgabe  und  einer  der  wenigen  ältesten  Strassburger  Drucke, 
von  denen  man  sicher  weiss,  dass  er  schon  1465  gedruckt,  spätestens  aber  1466 
vollendet  ist,  denn  die  Königliche  Hofbibliothek  in  München  besitzt  hiervon  ein 
Exemplar  mit  Inschrift  des  Rabricators,  wonach  das  umfängliche  Werk  1466  bereits 
fertig  rubricirt  war.  — 

No.  162. 

QEnnrabttö  be  Alemannia:  ,^€oncorbanciaf  SStbltorum.*^* 

Strassbnrg^  Jobann  Mentelin,  circa  1465.    Folio-Format. 

Diese  Bibelconcordanz  ist  eines  jener  Hilfsbücher  für  die  Geistlichen,  welche  in 
alphabetischer  Ordnung  alle  in  der  heiligen  Schrift  vorkommenden  Worte,  gleich- 
autende  Stellen  und  Ausdrücke  mit  genauer  Angabe,  wo  sie  zu  finden  sind,  auf- 
führen, und  sämmtlich  in  lateinischer  Sprache  nach  dem  Texte  der  „Vulgata"  ab- 
gefasst  wurden. 

Der  riesige  Foliant  ist  mit  derselben  kleinen  gotischen  Type  gedruckt,  die  wir 
später  in  Archidiaconi  de  Baysio  „Bosarnim  super  decreto"  und  in  Astexani  de 
Ast:  „Siitmma  de  casibus  consdenOae"  finden  werden.  Letztgenannte  Werke  sind 
beide  in  dem  schon  oben  abgedruckten  Pariser  Verlagsverzeichnisse  Hentelin^s  auf- 
geführt und  legitimiren  also  auch  das  vorliegende  Werk  als  Mentelin' sehen  Druck. 
Unser  Exemplar  befindet  sich  in  einem  prächtigen,  mit  Messingbeschlag  versehenen 
alten  Original-Einbande.  — 


i 


—     Strassburg.     —  gy 

No!  163. 

Strassburg  9  Johann  Mentelin,   circa  1466.     Folio-Format. 

Auch  die  Briefe  des  Heiligen  Hieronymus  sind  mit  der  soeben  bezeichneten 
grösseren  gothischen  Type  gedruckt  und  finden  sich  ebenfalls  in  dem  ytMünchener 
Yerlagsherichte'^  Mentelin's  erwähnt.  Das  obige  bedeutende  Prachtwerk  ist  die 
EdiUo  princeps  dieser  Briefe.    Hain  No.  8549. 

Wir  setzen  in  das  Jahr  14ßß  absichtlich  nur  dieses  eine  bedeutende  Haupt- 
werk unserer  Sammlung,  weil  in  diesem  Jahre  auch  Mentelin^s  deutsche  Bibel  er- 
schien und  jedenfalls  auch  schon  die  älteste  Auflage  der  ebenso  umfänglichen 
„Summa  Astexani"  in  Arbeit  genommen  werden  musste,  die  wenigstens  1469  sicher 
bereits  erschienen  war. 

Aus  letzterem  Grunde  darf  man  auch  in  das  Jahr  ^467  nicht  mehr  als  zfrei 
bedeutende  Druckwerke  setzen,  die  wir  nachstehend  folgen  lassen,  zimial  es  ja  neben 
diesen  Hauptwerken  sicher  noch  Accidenzarbelten  der  verschiedensten  Art  gegeben 
haben  dürfte,  wovon  nichts  auf  unsere  Zeit  gekommen  ist.  — 


No.  164. 

J>0l)annfs  €l)ri)fo|lomtt0:   „^nmiliae  ?^^  in  eoangrltum 

3.  jaatt!)aft^^ 

Strassburg^   Johann  Mentelin,  circa  1467.     Mittel  Folio-Format. 

Der  Herausgeber  dieser  Predigten  ist  Georgius  Trapezuntius.  Die  kleine  Type 
des  Textes  ist  dieselbe,  welche  wir  in  Augustini  „de  arte  predicandi'^  von  1464, 
und  in  der  „  Summa'*  des  Thomas  von  Aquino  1466  kennen  lernten.  Auch  die  grosse 
Tyi>e  der  Capitelüberschriften  erblickten  wir  schon  in  den  zwei  Anfangszeilen  der 
»Ars  predicandi'  von  1464. 

Es  ist  hier  bemerkenswerth ,  dass  diese  Schriftgattung  sehr  ähnlich,  in  den  Ma- 
juskeln sogar  vollkommen  gleich  einer  andern  Type  Mentelin's  ist,  welche  wir  be- 
reits in  des  Hieronymus  Epistolae  bemerkten,  sowie  später  in  des  Augustimis  Epistolae 
und  Confes^onum  libri  XIII. ,  im  Yalerius  Maximus  und  andern  Werken  kennen 
lernen  werden,  aber  sie  ist  dabei  grösser.  Es  gehen  nämlich  auf  10  Zeilen  der 
Tjrpe  des  vorliegenden  Werkes  beinahe  11  Zeilen  der  Schriftgattung,  mit  welcher 
die  eben  genannten  Werke  gedruckt  sind. 

Es  kehrt  diese  grössere  Type  auch  in  keinem  andern  unserer  Mentelin'schen 
Dmcke  ausser  der  schon  genannten  „Ars  praedicandi*'  unter  No.  160  wieder,  und 
wurde  wahrscheinlich  ihrer  QrÖsse  wegen  bald  durch  eine  neue  ersetzt,  sowie  man 
Ja  auch  anderwärts  von  den  grossen  Typen,  jedenfalls  aus  Rücksichten  auf  Papier- 
erspamiss,  bald  mehr  und  mehr  zu  kleineren  überging.    Hain  No.  5034.  — 


No.  165. 

Al)il)0nfu0  be  Spina:  ^^FortaltctumFibei  contra FU»ci  (l)rißtanae 

l)0(lC0". 

Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1467.     Folio-Format. 

Diese  „Apologie  des  christlichen  Glaubens'*  bemerken  wir  als  zweites  Werk  in 
dem  ehemals  Münchner  Verlagsverzeichnisse  Mentelin's  aufgeführt.  Das  Werk  hat 
eine  eigenartige  Type,   etwas  grösser  al3  die  der  imdatirten  Auflage  des  „8peculimi 

7 


g8  —     Strassburg.     — 

historiale",  aber  die  romischen  MajusKeln  sind  in  beiden  Werken  dieselben,  nur 
dass  in  vorliegendem  das  «bizarre  R*'  des  „Speculum*'  nicht  erscheint.  Dieselbe 
Type  findet  sich  in  noch  einem  Werke  unserer  Sammlung,  in  Isidori  «Etymologiarum 
liber**  von  1471,  wo  wir  darauf  zurückkommen  werden.    Hain  No.  872.  — 


Na.  166. 

Vinccntitt0  BeUooacenfta:   ,,Spcculum  Hifbriale^^ 

Strassbnrg,  Johann  Mentelin,  circa  1468. 
Zwei  starke  Bände  in  Gross  Folio  -  Format. 

Das  Mentelin^sche  „Speculttm  historiale'^  existirt  bekanntlich  in  zwei  verschie- 
denen Ausgaben,  einer  tmdaiirten  ohne  Ort  und  Firma  und  einer  datirten  von  147S 
mit  Menteliti's  IVrma.  Beide  Auflagen  enthält  unsere  Sammlung;  vorliegende  ist  die 
älUre  wndaUrU  Ausgabe. 

.  Das  Werk  ist  ein  Theil  des  von  dem  gelehrten  Dominikaner  Vincent  zu  Beau- 
vais  auf  Veranlassung  Ludwig's  IX.  für  den  Unterricht  seiner  Sohne  verfasaten 
„Si>ecnlum  quadruplex** ,  welches  eines  der  ersUti  encyclopädisehen  Werke  war  imd 
in  folgende  an  sich  höohs  tumfangreiche  Theile  zerfillt:  „Speculum  naturale*^ ^  worin 
die  gesammte  Naturtnssenschaft;  „Speculum  doctrinale*^ ,  worin  alle  Künste  und 
Wissensdia/ten ;  ^Speculwm  historiale'*,  worin  die  ganze  Weltgeschichte  bebandelt  wird. 

Der  vierte  Theil,  das  „Speculum  moraW^ ,  ist  nicht  von  Vineentius  selbst  ver- 
fasst,  sondern  aus  den  theologischen  Schriften  des  Thomas  von  Aquino ,  besonders 
aus  dessen  „Summa"  von  andern  Autoren  zusammengetragen.  Alle  vier  Abtheilungen 
dieses  Riesenwerkes  sind  von  Mentelin  gedruckt  und  in  imserer  Sammlung  in  aus- 
erlesen schönen  Exemplaren  vertreten  —  eine  Reihe  machtiger  Folianten  in  pracht- 
vollen Einbänden,  wodurch  selbst  der  Laie  in  Erstaunen  gesetzt  wird.  Bei  Hain 
fehlt  das  Speculum  ganz;  vergleiche  Ebert  No.  28612.  — 


No.  167. 

lltcalau0  bf  Jxfctn   ^^pnfltUa  fuper  39faltfrittm*^ 

Strassburg 9  Johann  Mentelin,  circa  1468*     Folio-Format. 

Dieses  Werk  hat  dieselbe  kleinere  goünsche  Type,  mit  welcher  die  in  dem 
„Münchener  Verlagsverzeichnisse"  angeführten  Werke  Archidiaconi  de  Baysio  „Ro- 
sarium" und  Astexani  „Summa"  gedruckt  sind ,  die  w^ir  übrigens  auch  schon  in  des 
Conradus  de  Alemannia  „Concordanciae  bibliorum"  von  1465  zu  erwähnen  hatten.  — 


No.  168. 

i9almtt0  playtmua:   ^^^Factorum  tX  butnrttm  mrmorabUtum 

Ubri  ;l^«. 

Strassburg^  Johann  Mentelin,  circa  1469.     Folio-Format. 

Erste  und  sehr  seltene  •  Ausgabe ,  in  dem  „Münchener  Verlagsverzeichnisse " 
mit  Yirgil  und  Terenz  aufgeführt,  welche  die  gleichen  Typen  haben,  ims  aber  ber 
ihrer  grossen  Seltenheit  zur  Zeit  noch  fehlen.  Da  ihr  Druck  ebenfalls  in  1468  &  1469 
zu  setzen  ist,  haben  wir  in  diese  beiden  Jahre  auch  nur  Je  zwei  weitere  Hauptwerke 
eingereiht,  die  nach  allen  Anzeichen  noch  in  dese  ziemlich  frühe  Zeit  gehören. 
Prachtiger  Original-Schweinslederband  mit  Messingverschluss.  —  Hain  No.  15  773.  — 


—     Strassburg.    —  go 

No.  169. 

St  ^«Bttllim  „«ontefponum  Ubri  jEJTc?^". 

Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1469«     Klein  Folio-Format. 

Die  jtdreteehn  Büdier  Beketmituisse'^  des  heiligen  Augustinus  bilden  eine  in 
Beichtform  mit  grosser  Strenge  und  Selbstverleugnung  abgefasste  Darstellung  und 
Kritik  seines  eigenen  Lebens.  Mentelin  hat  diese  „Editio  princeps**  mit  seiner 
grösseren  gothischen  Type  drucken  lassen.    Hain  No.  2080.  •— 


No.  170. 

PlutarcM  „Vitae  illustrium  Virorum". 

strassburg  9  Johann  Mentelin,  circa  1470* 

Zwei  Bände,  Mittel  Folio-Format. 

Die  „Lebensbeschreibungen  berühmter  Männer",  auch  „Parallelae"  genannt,  weil 
darin  je  einem  bedeutendem  Manne  aus  Griechenland  ein  solcher  aus  Rom  ver- 
gleichend gegenübergestellt  wird,  erscheinen  hier  wiederum  in  erster  Attsgabe,  welche 
der  verdienstvolle  Mentelin  mit  der  schönen  romischen  Type  herstellte,  die  uns 
durch  das  bixarre  B  bekannt  ist.    Hain  No.  18 124.  — 


No.  171. 

Vittcfntiuö  BeUauacenfiö  ,,Spfculum  Naturale*^ 

Strassbnrg^  Johann  Mentelin,  1470 — 1471. 
Zwei  starke  Bände  in  Gross  Folio-Format. 

Auch  dieser  Theil  der  Encyclopadie  des  Ylncens  von  Beauvais  ist  mit  der  Type 
des  undatirten  «Speculiun  historiale"  von  1468  (No.  166)  gedruckt. 

Man  sollte  meinen,  die  Druckerei  müsse  an  diesen  zwei  machtigen  Folianten 
schon  allein  ein  paar  Jahre  zu  thun  gehabt  haben.  — 


No.  172. 

|äaultt0  bf  3ancta  JlÄaria:  ^^^crutinium  fcripturarum^^ 

Strassburg,  Johann  Mentelin,  14 7]«    Klein  Folio-Format 

Diese  Ausgabe  ist  in  dem  mehrfach  schon  erwähnten  ehemals  Münchener  Ver- 
lagsverzeichnisse Mentelin^s  aufgeführt.  Die  Type  kommt  in  keinem  andern  Werke 
unserer  Sammlung  wieder  vor;  sie  kommt  nach  ihrem  Ductus  und  ihrer  Grösse  jener 
Schriftgattang  fast  gleich,  welche  wir  in  des  Oonradus  de  Alemannia  »Concordanciae 
Bibliorum*'  von  1465  schon  kennen  lernten,  aber  in  den  Versalien  weicht  sie  voll- 
standig  davon  ab ;  unter  letzteren,  welche  überhaupt  einen  eigenthfimlichen  Charakter 
haben,  ist  besonders  interessant  das  breite  weitschichtige  R,  das  wir  schon  auf 
Seite  95  vorführten. 

Von  den  zwei  verschiedenen  Ausgaben,  welche  Mentelin  mit  derselben  Type 
druckte,  ist  vorliegende  dieselbe,  von  welcher  auch  die  Münchener  Bibliothek  ein 
Exemplar  besitzt,  dem,  wie  Eain  berichtet,  die  Jahrzahl  1471  beigeschrieben  ist. 
In  unserem  wie  neu  erhaltenen  Exemplare  s^eht  am  Schlüsse  von  alter  Hand  die 
Jahrzahl  1472,  doch  scheint  ^dieselbe  schonj  corrigirt  zu  sein.  Das  Exemplar  in 
metallbescblagenem  Lederbande  ist  übrigens  wie  neu  erhalten  und  auf  dem  ersten 
Blatte  mit  einer  prächtigen  Randmalerei  versehen.    Hain  No.  10762.  — 


lOO 


—     Strassburg. 


No.  173. 

Smtti  ^ttguftini  „Ifibrr  Cfpiflolarttm". 

Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1471.     Folio-Formal. 

Die  ^Briefe  des  Heiligen  Augustinus*'  finden  vir  in  dem  „Münchener  Verlags- 
TeTzeichnisse"  Mentelin's  aufgeführt;  sie  sind  mit  der  bekanntesten  grossen  gothischen 
Type  Mentelin^s  gedruckt,  deren  Haupt  -  Charakteristicum  die  flotten,  breitspurigen 
Majuskeln  sind.    Hain  No.  1966.  — 


No.  174. 

Vincfntiu0  BelloDacmfia  ,,8pfculum  DoctrinaU^^ 

Strassburg,    Johann  Mentelin,   circa  1472,     Gross  Folio-Format. 

Ist  mit  derselben  Type  wie  das  undatirte  „Speculum  Historiale"  von  1468  ge- 
druckt, woselbst  wir  auch  über  den  Inhalt  der  vorliegenden  Abtheilung  dieser  grossen 
Encyclopädie  das  Nöthige  sagten.  — 


No.  175. 

Vincentius  Bellovacensis  „Speculum  morale". 

Strassburg^    Johann  Mentelin,  circa  1472«     Gross  Folio-Format 

Die  Type  ist  eine  etwas  grössere  Antiqua,  wie  die  unserer  Mentelin'schen  Bibel 
von  1468,  aber  ohne  das  «bizarre  R".  Es  existirt  auch  noch  eine  spätere  Ausgabe 
mit  der  Jahrzahl  1476  dieses  vierten  und  letzten  Theües  der  grossen  Encyclopädie^ 
über  deren  Inhalt  unter  No.  166  schon  das  Weitere  gesagt  worden  ist.  — 


No.  176. 

Ipbori  Hifpalenps  ^,ltbfr  Et^Tnalojtanim**. 

Strassburg^  Johann  Mentelin,  circa  1472«     Folio-Format. 

Hauptwerk  des  Isidorus,  Bischofs  von  Sevilla,  eines  der  verdienstvollsten  Ge- 
lehrten des  7.  Jahrhunderts,  in  welchem  er  eine  Menge  der  wissenswerthesten 
Kenntnisse,  die  sich  auf  das  classische  Alterthum  beziehen,  der  Mit-  und  Nachwelt 
überlieferte.  Dieses  encydopädische  Werk  ist  mit  derselben  Type  gedruckt,  wie  das 
^Fortalicium  fidei",  unter  No.  165  unserer  Sammlung.    Hain  No.  9870.  — 


No.  177. 

^fleyanue  be  ^ft:  ^^Summa  be  cafibua  canfcifnttar". 

Strassburg^  Johann  Mentelin,  circa  1472.     Folio-Format. 

Diese  Encyclopädie  der  geistlichen  Wissenschaften,  ein  der  ,^Summa'^  des  Baibus 
ähnliches  aber  specielleres  Werk,  ist  in  dem  „Pariser  Verlagsberichte"  von  Mentelin 
als  zweites  Werk  verzeichnet  und  hat  dieselbe  Type,  wie  das  nachfolgende  „Rosarium*. 

Mentelin  hat  dieses  grosse  Werk  dreimal  gedruckt  und  Schöpflin  beschreibt  ein 
Exemplar  der  ersten  Auflage,  welchem  vom  Rubricator  die  Datirung  von  1469  und 
Mentelin's  Firma  hinzugefügt  war,   so  dass  angesichts  der  umßnglichen  Arbeit  des 


—     Strassburg.     —  lOI 

Rabricators  anzunehmen  ist,  dass  der  mächtige  Foliant  von  448  Blättern  bereits 
1168  vollendet  wurde.  Unser  schönes  Exemplar  ist  die  zweite  Auflage  des  Werkes, 
die  auch  Hain  No.  1889  in  circa  1472  setzt.  — 


No.  178. 

^rc^ibtaconi  be  IBapfio:  ^^Mofarium  fuper  becreto^^ 

Strassburg 9    Johann  Mentelin,   circa  1472«     Gross  Folio-Format. 

Dieses  grosse  theologische  Werk  über  das  y^Decreium'^  ist  in  dem  ^Pariser 
Yerlagsverzeichnisse*'  als  drittes  aufgeführt;  wir  lernten  die  kleinere  gothische  Type 
desselben  bereits  in  mehren  andern  Werken  kennen.    Hain  No.  8713.  — 


No.  179. 

Vincentius  Bellovacensis:  „Speculum  Historiale". 

strassburg^  Johann  Mentelin,  1478* 
Zwei  starke  Bände  in  Gross  Folio-Format. 
Dieses  ist  die  schon  mehrfach  erwähnte  zweite  Ausgabe  d«s  „Speculum  historiale" 
mit  MentelirCs  Firma  und  Daiirung  von  147 S;  es  ist  also  der  erste  datirte  Xhttok 
Mentelin's!  Er  ist  mit  einer  andern  Type  gedruckt,  als  die  erste  Ausgabe, 
welche  -wir  unter  No.  166  aufführten,  nämlich  mit  der  römischen  Schrift  des  vor- 
hin besprochenen  Speculum  morale  unter  No.  175  unserer  Sammlung.  — 


No.  180. 

^Iberti  lltapi  ^Sf^»  in  dDangrltum:  plt|fu0  efl  dabricl 

,ßc  laubibu0  ISirgtme  lÄariac/^ 

Strassburg^  Johann  Mentelin,  circa  1474 — 14  7  6«     Folio  -  Format. 

Die  beiden  wie  gewöhnlich  zusammengebundenen  theologischen  Schriften  des 
berühmten  Albertus  von  Bollstädt  sind  mit  der  kleineren  goihischen  Type  gedruckt, 
welche  wir  schon  Öfters  erwähnten.    Hain  No.  461  &  467.  — 


No.  181. 

Wolfram  von  Eschenbach:  „Titurel". 

strassburg,  Johann  Mentelin,  1477.     Klein  Folio-Format. 

Unsere  altern  Bibliographen,  welche  die  überaus  seltene  älteste  Ausgabe  des 
gTiturel"  wohl  meist  nicht  gesehen,  sondern  nur  nach  Andern  verzeichnet  und  be- 
schrieben haben,  führen  Günther  Zainer  in  Augsburg  als  Drucker  an,  mit  dem  ganz 
unrichtigen  Beifügen,  das  Werk  sei  mit  der  römischen  Type  des  Zainer'schen  Isi- 
dorus  von  1472  gedruckt  Es  hätte  statt  Zainer  Johann  Mentelin  in  Strassburg 
heissen  sollen,  dessen  Folio- Ausgabe  des  Isidorus  ebenfalls  um  1478  erschien  imd 
den  unsere  Sammlung  unter  No.  176  enthält. 

Selbst  Hain  No.  6683  imd  Ebert  No.  6925—26  druckten  diesen  doppelten  Irr- 
thxun  nach,  welcher  denn  auch  noch  heute  vielfach  getheilt  wird.  Ein  vergleichender 
Blick  in  den  aTiturel"  und  in  Günther  Zainer's  Isidorus,  ebenfalls  in  unserer 
Sammlung,  ergiebt  aber  sofort,  dass  beide  Werke  aus  ganz  und  gar  verschiedenen 
Typen  gedruckt  sind. 


I02  —     Strassburg.     — 

Hofrath  Zapf  in  seiner  Geschichte  der  ,Biichdmckerei  in  Aagsburg"  1786,  zweiter 
Theil,  Seite  216,  beruft  sieh  auf  Panzer^s  ,AnnaIen  der  altem  deutschen  Literatur", 
erster  Band,  Seite  102,  wo  ebenfalls  Gün&er  Zainer  als  Drucker  des  »Titurel«  an- 
geführt werde,  und  dies  ,aIso  keinem  Zweifel  unterworfen  sei,  wenn  auch  Helm- 
schrot in  seinen  Druckdenkmalen  des  Benedictinerstifles  zu  Fuessen  Seite  42  daran 
zweifle  und  den  Druck  dem  Johann  MenteHn  in  Strassburg  zuschreibe!" 

Brunei  und  Falkengtein  haben  zwar  denselben  Zweifel  genugsam  angeregt,  jedoch 
ohne  ihn  zu  beseitigen;  man  hätte  aber  ausser  dem  Mentelin^schen  Isidortis  auch 
nur  dessen  „Speculum  hlstoriale"  mit  Firma  und  Jahrzahl  1473  zu  vergleichen 
brauchen,  um  vollige  Gewissbeit  zu  erlangen. 

Uebrigens  sind  es  nur  die  Mentelin'schen  TersaUBtuihstaben ,  die  man  im  ^Ti~ 
tureV^  genau  wiederfindet;  die  Minuskeln  sind  andere  Hentelin^sche  Typen,  die  für 
den  ^Titurel"  Jedenfalls  passender  erschienen,  da  dieser  mittelhochdeutsch,  das  »Spe- 
culum"  des  Yincentius  imd  der  Isidorus  aber  in  lateinischer  Sprache  geschrieben 
und  gedruckt  sind. 

Das  Heldengedicht  „liturel^  ist  nicht  das  Originalwerk  Wolfram^s  von  Sschen- 
bach.  Der  Dichter  Albrecht  von  Scharffenberg  bearbeitete  um  das  Jahr  1272,  also 
57  Jahre  nach  Wolfram's  Tode,  die  von  letzterem  Unterlassenen  Brudistücke  des 
Gedichtes  über  die  Liebe  der  Kinder  Schionatulander  und  Sigune,  welche  letsrtere 
eine  Urenkelin  Titurel's  ist.  Er  verband  damit  die  Schicksale  und  Tbaten  des 
Oralkönigs  Titurel  und  seines  Sohnes  Frimutel,  und  erlangte  mit  diesem  unter  dem 
Namen  „der  neue  Titurel"  bekannten  Gedichte  das  grosste  Ansehen,  zumal  sich  das 
Gedicht  den  Namen  Wol/ram's  von  Eschenbach  anmasste. 

Wie  von  so  vielen  würdigen  Büchern  hat  auch  von  diesem  werthvoUen  Denk- 
male deutscher  Poesie  der  wackere  Mentelin  ims  die  «Edltio  princeps"  bescheert, 
die  man  heute  als  kostbaren  Schatz  in  unsern  Bibliotheken  bewahrt,  und  womit 
wir  nun  den  glanzvollen  Ueberbllck  abschliessen,  den  wir  von  der  rühmlichen  Thätig- 
keit  eines  der  ältesten  deutschen  Topographen  zu  geben  im  Stande  waren.  — 


1464  big  1478. 

Heinrich  Eggestein  war  eine  Zeit  lang  Mentelin' s  Geschäfts - 
genösse;  Hieronymus  Gebwiler  —  in  seinen  Panegyris  Carolina 
Strassburg  15  2i,  folio  19  —  hat  noch  ein  Document  gesehen,  durch 
welches  Eggestein  sich  Mentelin  verpflichtete,  ihr  gemeinsames 
Verfahren  geheim  zu  halten.  Hieraus  darf  man  wohl  schliessen, 
dass  Mentelin  es  war,  der  Jenen  die  Kunst  gelehrt  hatte. 

Die  Genossenschaft  hat  aber  nicht  lange  gedauert;  durch  einen 
Schirmbrief  vom  30.  April  1466  nahm  Kurfjirst  Friedrich  von  der 
Pfalz,  Landgraf  von  Elsass,  Eggestein  und  seine  Arbeiter  in  seinen 
Schutz,  wonach  angenommen  werden  muss,  dass  die  Verbindunjj 
mit  Mentelin  aufgehört  hatte,  und  Eggestein  bereits  für  sich  allein 
Geschäfte  betrieb,  was  auch  seine  zwar  nicht  datirte,  aber  sicher 
schon  1466  erschienene  erste  deutsche  Bibel  documentirt. 

Der  erste  datirte  Druck  Eggestein's,  wie  überhaupt  Strass- 
burg^s,    ist   das   Decretum  Gratiani  von   14:71  ^    der  schönste  und 


—     Strassburg.     —  IO3 

wichtigste  ist  aber  seine  erste  deutsche  Bibel,  von  welchen  beiden 
Werken  sich  Prachtexemplare  in  unserer  Sammlung  befinden. 
Wenn  aber  die  erste  deutsche  Bibel  1466  bereits  fertig  war,  kann 
man  wohl  annehmen,  dass  Eggestein  sich  bereits  14:04:  selbständig 
etablirte.  In  den  letzten  Jahren  stand  übrigens  schon  sein  Sohn 
dem  Geschäfte  vor.  — 

No.  182. 

„1@iblia  (Scrmanica.*^    i0ie  erftc  brutfdje  JlibeL 

Strassburg^  Heinrich  Eggestein,  circa  1466*     Gross  Folio-Format 

Eins  der  ehrwürdigsten  Denkmäler  der  Buchdruckerkunst  von  enormer  Selten- 
heit und  hohem  Werthe.  Die  erste  deutsche  Bibel,  deren  Uebersetzer  wahrscheinlich 
IXicolaus  Syberus,  Canonicus  zu  Eisenach  gewesen ,  wurde  also  bereits  17  Jahre  vor 
Luther's  Geburt  gedruckt. 

Die  Ausgabe  hat  weder  Angabe  des  Druckers  noch  des  Jahres,  aber  es  ist  durch 
rubrizirte  Exemplare  erwiesen,  dass  Eggestein  sie  bis  1466  fertig  gedruckt  haben 
muss.  Der  Druck  ist,  abweichend  von  mehren  andern  Eggestein'schen  Enseng- 
nissen,  sehr  schön  und  glatt,  die  Type  nicht  gross  und  sehr  hübsch.  Der  pr&chtige 
reich  beschlagene  Einband  von  grünem  Leder  entspricht  ganz  dem  hohen  Werthe 
des  ehrwürdigen  Druckwerkes.    Hain  No.  3129.  — 


No.  183. 

fonifacü  Yin.  „?tbrt  fnXm  brcrctalium  cum  appartu 

^oljanme  <3lnbrrar", 

Strassbnrgr^  Heinrich  Eggestein,  circa  146  7«     Folio-Format. 

Ist  im  Teste  mit  einer  gprösseren,  in  den  umlaufenden  Glossarien  mit  einer 
kleinen  Type  gedruckt;  beide  Gattimgen  haben  einen  steifen,  rauhen  Charakter  und 
der  Druck  entbehrt  ganz  der  Sauberkeit,  welche  wir  bei  der  deutschen  Bibel  be- 
merkten. Dieselben  Typen  von  zweierlei  Grösse  kehren  auch  in  den  folgenden 
Nummern  mehrfach  wieder.    Hain  No.  S588.  — 


No.  184. 

„IBiblta  ITatina.*^ 

Strassburg,  Heinrich  Eggestein,  circa  1468.     Gross  Folio-Format. 

Die  ungemein  seltene  zweite  lateinische  Bibel  Eggestein's  ist  mit  einer  mittel- 
grossen  gothischen  Type  gedruckt,  welche  uns  bisher  noch  nicht  vorgekommen. 
Schöpflin  hat  in  seinen  «Vindiciae*  auf  Seite  43  das  Exemplar  der  ehemaligen 
'Strassbuiger  Bibliothek  beschrieben,  welchem  am  Ende  des  Psalters  von  der  Hand 
des  Rubricators  die  Jahrzahl  1468  beigesetzt  war,  wovon  Schopflin  auf  Tabula  V 
»uch  ein  Facsimile  giebt.  Dieses  interessante  Druckdenkmal  besitzen  wir  leider  bis 
jetzt  nur  unvollständig.  Hain  No.  3036,  Panzer  I  Seite  81  No.  436  beschreiben  die 
höchst  seltene  Biblia  näher.  — 


I04  —     Strassburg.     — 

No.  185. 

(^xt^oxms  IX :  j^UoDa  compÜÄtto  ä5ccrrtiiUum*\ 

Strassburg,  Heinrich  Eggestein,  circa  1468.     Gross  Folio-Format. 

Mit  derselben  Type  von  zweierlei  Grösse  gedruckt,  -wie  die  jfDecretalen'^  des 

Bonifadus  unter  No.  188;  ziemlich  seltener  und  früher  Druck.    Hain  No.  7996.  — 


No.  186. 

IBanaurntura:   ,,30Ulaqmttm  Brncrabilte^^ 

Strassbnrg,  Heinrich  Eggestein,  circa  1469.     Quart-Format. 

Das  Werk  ist  mit  derselben  Type  wie  die  erste  deutsche  Bibel  gedruckt;  es  ent- 
halt religiöse  Betrachtungen  in  Form  eines  Selbstgespräches,  welches  der  Mensch 
mit  seiner  Seele  führt.    Hain  No.  3483.  — 


Wir  kommen  nun  zu  einer  Reihe  von  Druckwerken,  die  seit  mehr  als  hundert 
Jahren  auf  das  Conto  des  gerade  in  Strassburg  ungewöhnlich  starken  „Typographus 
ignotus^  geschrieben  wurden;  über  die  man  hin  und  her  disputirte  und  Irrthümer 
auf  Irrthümer  häufte,  sodass  man  sich  noch  heute  im  Zustande  vollständiger  Yer- 
wirrung  über  diesen  allerdings  etwas  verwickelten  Gegenstand  befindet.  Eins  nach 
dem  Andern  durchnehmend,  wollen  wir  uns  bemühen,  die  Sache  in  ein  möglichst 
klares  Licht  zu  setzen. 

Die  Druckwerke,  um  welche  es  sich  handelt,  verzeichnet  Panzer  I  pag.  92  ss.; 
Typen-Alphabete  davon  geben  Braun  I  Tafel  V  No.  VII  und  Gras  I  Tafel  V  No.  80. 
Dass  die  mit  dieser  Type  gedruckten  Werke  Strassburg  angehörei\,  beweist  eine 
Ausgabe  von  Henrici  Ariminensis  „Tractatus  de  quatuor  virtutibus  cardinalibus^,  an 
deren  Schlüsse  Strassburg  als  Druckort  ausdrücklich  angegeben  ist.  Dieses  wichtige 
Buch,  No.  194  in  unserer  Sammlung,  bildet  also  den  Schlüssel  zu  der  ganzen  Aufgabe. 

An  einem  weitverbreiteten  Irrthume,  nach  welchem  die  in  Rede  stehenden  Typen 
auch  Christoph  Yaldarfer  in  Mailand  zugeschrieben  worden,  ist  Placidiis  Braun  die 
Schuld  zuzumessen.    Dieser  verdienstvolle  Bibliograph  hat  nämlich  —  verführt  durch 
eine  mit  dieser  Type  gedruckte  Folio  -  Ausgabe  von  des  Bartholomaeus  de  Chaimis 
„Interrogatorium   sive    Confessionale*' ,    welche    am   Schlüsse    die   nämlichen    zwölf 
Distichen  aufweist,  die  Valdarfer  in  Mailand  seiner  Octav-Ausgabe  von  U74  beisetzte  — 
auch  diese  Ausgabe;,   wie  alle  mit  derselben  Schriftgattung  gedruckten  Werke  dem 
Christoph  Valdarfer  zugeschrieben.    Jene  Verse  aber,  welche  Valdarfer  als  Drucker 
nennen,  sind  merkwürdiger  Weise  in  fast  alte  späteren  Ausgaben  anderer  Drucker 
mit  übergegangen  und  liefern  zugleich  ein  olassisches  Beispiel  des  in  jener  ersten  Zeit 
üppig  blühenden  Nachdruckes.    Wir  kennen  ausser  unserer  Maineer  Ausgabe  von 
Peter  Schöffer  1478  unter  No.  87,  die  ebenfalls  dieselben  Verse  enthält,  ferner  Aus- 
gaben   von   Martin  Flach  in   Strassburg ,   Friedrich   Creussner  in  Nürnberg  1477, 
Bominicus  de  Vespolate  &  Jacobus  de  Marliano  in  Mailand  1478,  R^naldus  de 
Novimagio  in   Venedig  1436,  Erhard  Ratdolt  in  Augsburg  1491  imd  ausserdem  mehre 
ohne  Druckfirma,  welche  alle  die  Valdarfer'schen  Distichen  enthalten.     Welch'  eine 
heillose  Wirthschaft   würde   nun  daraus  entstehen,  wenn  man,  wie  es  vielfach  ge- 
schehen, alle  diese  Drucke  und  besonders  diejenigen,  welche  die  eigentliche  Druck- 
firma nicht  extra  aufweisen ,   auf  Valdarfer  übertragen'  wollte.    Dieser  Fall  beweist 
eclatant,  wie  unentbehrlich  es  für  den  Bibliographen  ist,  sich  eine  gründliche  Keant- 
niss  der  Typen  alter  Druckwerke  anzueignen,  die   ihn   allein  befähigt,    in  solchen 
Fragen  klar  zu  sehen. 

Aber  nicht  genug  an  dem  einen  Irrthum,  auf  den  schon  Panzer  I  Seite  89  und  83 
aufmerksam  luachte;  es  kommt  ein  anderer  dazu,  dem  gerade  dieser  Gelehrte  das 
Wort  redete.    In   dem  Verzeichnisse,   das   er  Band  I  Seite  92  No.  497  bis  534    von 


—     Strassburg.     —  105 

den  bezeichneten  Strassburger  Drucken  giebt,  mengt  er  unter  diejenigen,  welche 
tbatsächlich  mit  derselben  Type  gedruckt  sind,  igrieder  andere,  die  eine  zwar  frappant 
ähnliche,  aber  desto  nothwendiger  zu  unterscheidende  Type  aufweisen. 

Der  erste  datirte  Druck  von  Würzhurgt  das  ^Breviarium  Herbipolense*^  von  1479, 
gedruckt  von  Joharm  Beckenhub,  Stephan  Bold  und  Oeorg  Reyser,  zeigt  eine  Type, 
deren  Aehnlichkeit  nut  unserer  Sirasshwrger  Typengattung  eine  so  tauschende  ist, 
dass  man  sich  allerdings  schon  ein  gründliches  Quantum  Misstrauen  auf  diesem 
Gebiete  angeeignet  haben  muss,  lun  sich  durch  den  Augenschein  nicht  unbedingt 
bestechen  zu  lassen.  Aber  wie  nothwendig  ein  solches  Misstrauen  ist,  zeigt  in 
wunderbarer  Weise  der  vorliegende  Fall,  so  bald  wir  ihm  mit  Meterstab,  Zirkel  und 
Loupe  auf  den  Leib  rucken.  Alsbald  wird  die  Sache  klar,  dass  beide  Schriftgattungen 
trotz  aller  Aehnlichkeit  nicht  gleich  sein  können,  denn  die  eine  ist  grosser  als  die 
andere;  es  gehen  nämlich  auf  80  Zeilen  des  Strassburger  Druckes  21  von  denen  des 
Würzburger,  wonach  die  letztere  sich  als  kleiner  herausstellt.  Nachdem  dies  einmal 
gewiss  war,  brachten  uns  dann  emsige  Vergleiche  in  der  That  auch  ein  paar  factische 
Unterschiede  in  der  Gestalt  der  Typen/o fmen,  nach  welchen  wir  nun  auch  ohne  An- 
wendung des  Meterstabes  im  Stande  sind,  die  genannten  Drucke  auf  den  ersten  Blick  zu 
unterscheiden.  Da  diese  Merkmale  besonders  interessant  sind,  haben  wir  im  Interesse 
der  Sadie  eine  genaue  Nachbildung  derselben  anfertigen  lassen.  Diese  Unterschiede 
finden  sich  bei  den  Ligaturen  ft  und  et;  indem  wir  diese  Unterscheidungs-Merkmale 
hier  nebeneinander  setzen,  bemerken  wir,  dass  die  in  beiden  Fällen  zuerst  stehende 
Form  des  ft  imd  et  die  Strassburger,  die  zweite  die  Würzburger  Type  darstellt: 
^\  f^  £^^  J^  ^  ^^^^  ^^  ^^  einzigen  Merkmale,  welche  sich  ausser 
■*''^'      V'lvl'*     der  Grossendifferenz  zur  Unterscheidung  genannter  Drucke 

gefunden  haben  und  sie  dürften  in  der  Folge  für  die  Bestimmung  derselben  sehr  zu 
beaditen  sein. 

Aber  es  giebt  auch  noch  eine  andere  Nachbildimg  dieses  Typencharakters,  deren 
Urheber  man  bis  heute  leider  nicht  hat  feststellen  können.  Man  weiss  nur  soviel, 
dass  es  ein  niedersächsischer  Typograph  gewesen  sein  muss,  denn  von  ihm  rühren 
eine  hochdeutsche  und  eine  niedersächsische  Ausgabe  vom  „Buch  der  Heiligen  Väter" 
des  Hieronymus  her,  Hain  No.  8603  und  8609.  Die  Typen  dieser  beiden  Ausgaben 
sind  es  eben,  die  eine  so  grosse  Aehnlichkeit  mit  den  vorgenannten  aufweisen,  dass 
man  unfraglich  eine  Nachbildung  voraussetzen  [muss.  Die  Grösse  <lerselben  ent- 
spricht so  ziemlich  der  WOrzburger  Schriftgattung;  das  et  und  ft  hingegen  wieder 
der  Strassburger  Type.  Es  giebt  jedoch  auch  Merkmale,  die  sie  von  beiden  Gat- 
tungen unterscheiden.  Dad  sind  vor  Allem  die  Formen  der  Buchstaben  f,  f^,  \,  die 
bei  dem  niedersächsischen  Drucke  von  langer  Figur  sind  und  unter  die  Linie 
reichen,  während  f,  h,  f  in  den  Strassburger  und  Würzburger  Drucken  mit  der 
Linie  abschneiden.  Ausnahmen  finden  jedoch  in  dem  niedersächsischen  Drucke 
bei  den  Doppelbuchstaben  ft  und  ff  statt,  die  ebenfalls  mit  der  Linie  abschneiden. 
Ein  zweites  Merkmal  bildet  auch  der  Buchstabe  W.  Dieser  kommt  hier  in  zweierlei 
Gestalt  vor,  ist  aber  wesentlich  kleiner,  als  in  Strassburg  und  Würzburg.  Ein 
Facsimile  dieser  Typengattung  findet  man  in  Bodemann  „Incunabeln  zu  Hannover" 
Tafel  816.  Nach  den  angegebenen  Kennzeichen  wird  man  nun  alle  d^ei  Schrift- 
gattungen leicht  unterscheiden  können. 

Wer  aber,  und  wir  kommen  nun  zu  der  Hauptfrage,  wer  war  der  erste  Ver- 
fertiger der  schönen  Schriftgattung,  mit  welcher  eine  so  beträchtliche  Anzahl  von 
Werken  zu  Strassburg  gedruckt  wurden  ?  Wir  antworten :  Heinrich  Eggestein, 
und  werden  den  Beweis  nicht  schuldig  bleiben.  Zu  diesem  Beweise  jedoch  ist  es 
nöthig,  dass  wir  noch  eine  neue,  wenigstens  noch  zur  Hälfte  unentschiedene  Frage 
berühren,  nach  deren  vollständiger  Klarlegung  es  erst  möglich  ist,  ein  beweis- 
kräftiges Urtheil  über  alle  diese  Gegenstände  abzugeben  und  dadurch,  wie  wir  hoffen, 
die  leider  thatsächliche  Verwirrung  auf  diesem  Gebiete  aus  dem  Grunde  aufzulösen. 


Io6  —     Strassburg»     — 

Unter  No.  196  werden  wir  die  höchst  seltene  Editio  princeps  von  Ludolphi 
•Saxonis  „Opns  vitfte  Christi"  ohne  Ort  und  Drucker  1174  aufführen,  über  deren  typo- 
graphischen Ursprung  die  verschiedensten  Gerüchte  verbreitet  sind.  Zunächst  be- 
schreibt De  Bure  unter  No.  109  die  Ausgabe  und  folgert  aus  der  Schlussschrift,  dass 
sie  in  der  Druckerei  dsr  Sartaufie  untoett  Strassburg  gedruckt  sein  mochte.  Gras  I 
pag.  13  citirt  die  De  Bure^sche  Ansicht.  Panzer  I  pag.  19  &  80  No.  15  sagt,  ,er 
zweifle  nicht,  dass  dies  Werk  zu  Strassburg  gedruckt  sei,  aber  durch  einen  Typo- 
grapben,  dessen  Namen  annoch  fehle".  In  Mac  Carihy's  Katalogue  wird  Eggestein 
als  Drucker  angegeben,  aber  Ebert  No.  12481  rügt,  dass  dies  zu  voreilig  geschehen 
sei,  ,der  Druck  sei  vielmehr  von  einem  noch  unbekannten  Drucker".  Gleichwohl 
haben  Hain  No.  10  290  und  Brunei  III  col.  1285  Mac  Carthy's  Ansicht  acceptirt. 
Graesse  IV  pag.  291  hegt  wieder  Bedenken  und  führt  noch  Sensenschmid  und  Pris- 
ner in  Nürnberg  in's  TreflFen. 

Was  ist  nun  richtig?  Betrachten  wir  zunächst  die  Schlussschrift  des  Werkes. 
Sie  lautet  in  der  Hauptsache:  y^Et  sie  est  finis  huius  operfs  rita  cristi  nuncupaÜ  et 
a  quodä  Religioso  fratre  LudoJpho  ordinis  Carthusienf  MonÜs  Beate  virginis  extra 
ciuitafe  Argen  •  monacho  ...  et  precellenti  theologo  cöpilati  .  .  .  Impressü  Anno 
dni  '  1  »  4  '  74,*^  Hieraus  ist  weiter  nichts  zu  entnehmen,  als  dass  das  Werk  von 
Ludolphus  in  dem  Kartäuserkloster  verfasat  ist,  und  da»»  es  im  tTtihre  147't 
ffedrueht  wurde.  Aber  wo  imd  von  wem,  steht  nirgends  geschrieben.  Die  An- 
nahme, dass  es  die  Klosterdruckerei  der  Kartau»e  gewesen  sei,  deren  Existenz  nicht 
einmal  betciesen  ist,  ermangelt  also  jedenfalls  der  Segründung,  Dagegen  besitzen 
wir  einen  durch  Firma  und  Jahrzahl  beurkundeten  Druck  Heinrich  Eggestein's,  in 
welchem  genau  dieselben  Typen  vorkommen,  mit  denen  Jene  Editio  princeps  der 
Vita  Christi  des  Ludolphus  gedruckt  ist.  Es  sind  das  die  „  Consuetudines  Feudorum*^, 
No.  194  unserer  Sammlung,  von  Hain  No.  9491  als  Annex  zu  Justiniani  JnsÜtiUiones 
beschrieben,  die  jedoch  ein  selbständiges  Werk  bilden.  Die  kleine  Type  des  Glossar's 
ist  hier  mit  allen  Einzelnheiten  übereinstimmend  mit  der  des  Ludolphus,  und  es  ist 
daher  keinem  Zweifel  mehr  unterworfen,  dass  auch  der  Letztere  ein  wahrhaftiges 
Produkt  der  Eggestein'schen  Officin  ist 

Dieses  hochwichtige  Buch  liefert  uns  aber  zugleich  auch  den  unbezahlbaren 
Beweis,  dass  ebenso  alle  jene  zuerst  genannten  Producte  des  bisher  „unbekannten 
Strassburgers"  keiner  andern  als  einzig  der  Heinrich  Eggesteih'achen  Druckerei  ent- 
stammen können,  denn  gleich  am  Anfange  der  Vita  Christi  befinden  sich  seeh» 
rothgedruekte  Zeilen,  deren  Typen  dieselben  aind  wie  »ie  jene  „un- 
bekannten Drucke**  aufweisen.  Damit  ist  es  unzweifelhaft,  dass  wir  mit  gutem 
Gewissen  die  ganze  Reihe  jener  Drucke  den  Erzeugnissen  der  Eggestein'schen  Presse 
zufügen  dürfen. 

Noch  eine  allgemeine  Betrachtung  wollen  wir  uns  hierzu  gestatten.  In  dem 
Explicit  der  Clementinen  vom  21.  November  1471  sagt  Eggestein,  es  seien  schon 
vorher  von  ihm  ^innumera  divini  humanique  juris  volumina'^  gedruckt,  ohne  dass 
man  bisher  für  diese  „Unzahl  von  Bänden"  eine  andere  Erklärung  finden  konnte, 
als  dass  man  volumina  blos  im  Sinne  von  Exemplaren  auffasste,  da  man  von  Werken 
über  göttliches  und  menschliches  Hecht,  die  Eggestein  vor  1471  gedruckt  haben 
konnte,  nur  sehr  wenige  kannte.  Durch  unsere  Entdeckung  dürfte  aber  die  dunkle 
Stelle  ein  neues  Licht  erhalten.  Es  sind  der  Werke,  die  wir  durch  Feststellung 
jener  Typengattung  der  Eggestein'schen  Offizin  zuzuzahlen  haben,  so  viele,  dass  nun 
das  stolze  Wort  des  Meisters  im  eigentlichen  Sinne  wahr  zu  werden  scheint.  Panzer 
zählt  an  genannter  Stelle  nicht  weniger  als  28  verschiedene,  mit  derseUten  Type  ge~ 
druckte  Werke  auf,  und  wenn  von  dieser  Zahl  auch  solche  Drucke,  die  .der  Reyser- 
schen  Presse  in  Würzburg  angehören,  abzurechnen  sind,  so  ist  das  Verzeichniss  auf 
der  andern  Seite  sicher  noch  nicht  vollständig,  denn  die  „Historia  Scholostica«, 
welche  Panzer  Band  IX  Seite  209  No.  518b    anfuhrt,    gehört  ebenfalls   zu  diesen 


—    Strassburg.    —  107 

Druckwerken,  and  so  Jedenfalls  noch  manches  Andere.  So  erscheint  denn  Eggestein 
allerdings  als  yollkommen  ebenbürtiger  Rivale  des  grossen  Mentel  und  würdig  des 
besondern  Schutzes,  den  sein  Landesherr  ihm  und  seinen  Arbeitern  angedeihen  Hess. 


No.  187. 

|9ftru0  €omt|tar:  „Hiptoria  5d)ola(ltca'^ 

strassburg^   Heinrich  Eggestein,   circa  1469.     Folio-Format. 

Jedeotfalls  die  älteste  Ausgabe  dieses  Werkes,  welches  nichts  Anderes  ist,  als 
ebe  bibliscbe  Geschichte  des  alten  und  neuen  Bundes  bis  auf  die  Apostel,  nach 
Anleitung  der  historischen  biblischen  Bücher  geschrieben  und  eingetheilt.  Die  Type 
der  bei  Panzer  IX  Seite  809  No.  518  b  und  bei  Hain  No.  5529  beschriebenen  Ausgabe 
ist  dieselbe,  von  welcher  wir  in  der  obigen  Einleitung  ausführlich  handelten.  Alpha- 
bete davon  gaben  Braun  I  Tafel  V  No.  VII  und  Gras  I  Tafel  V  No.  30.  — 


No.  188. 

ffmarblm  be  3eni0  „atÄCtatua  be  contracttbue  et  ufuri«''. 

Strassburg,   Heinrich  Eggestein,  circa  1469«     Folio-Format. 

Des  Heiligen  Bernardinus  „Abhandlung  über  Verträge  und  Nutzungen"  ist  mit 
der  gleichen  Type  wie  die  in  voriger  Nummer  besprochene  „Historia  Scholastica"* 
gedruckt.    Man  vergleiche  Panzer  I  Seite  94  No.  504,  Hain  No.  2885.  — 


No.  189. 

€^0ma0  it  ^qutno:    „^f  ueritatc  €atl)oltcac  3?tbfi". 

Strassburg,  Heinrich  Eggestein,  circa  1470.     Folio-Format. 

Mit  derselben  gothischen  schönen  Type  gedruckt,  wie  die  vorhergehenden.  Diese 
nndatirte  Ausgabe  des  Werkes  „über  die  Wahrheit  des  katholischen  Glaubens'*  ist 
jedenfalls  Editio  princeps.  Man  vergleiche  auch  Panzer  I  Seite  95  No.  510  und 
Hain  No.  1385.  —  

No.  190. 

,ßtx  brutfd)-latftntfd)c  Jäfalter  mit  ber  dlaffe  br»  Micolaue 

bf  IT^ra/' 

Strassburg)  Heinrich  Eggestein,  circa  1470«     Folio-Format. 

Von  grosster  Seltenheit  und  'erste  Ausgabe.  Die  Typen  sind  dieselben  wie  in 
den  vorhergehenden  Werken.  Man  vergleiche  auch  Panzer,  Annalen  der  altern  deut- 
schen Literatur  No.  14,  dessen  Annales  I  Seite  95  No.  514  und  Hain  No.  13  .'»08. 
Panzer  giebt  an  beiden  Stellen  10  Blätter  zu  wenig  an ;  ein  completes  Exemplar  muss, 
wie  Hain  richtig  feststellt,  404  Blätter  zählen,  während  Panzer  nur  894  notirt. 


No.  191. 

Sancti  JBfrnarbi  „(£pi|talae  cum  altte  ejudbem  tractatibus.'' 

Strassbni^^  Heinrich  Eggestein,  circa  1470.     Folio-Format. 

Schönes  Exemplar  des  mit  der  deutschen  Bibel -Type  gedruckten  Werkes.  Das 
erste  Blatt  ist  mit  2  in  Gold  und  Farben  ausgeführten  Initialen  und  einer  schönen 
gemalten  Bordüre  geschmückt,  der  Einband  ebenfalls  vorzüglich  und  mit  Metall - 
beschlagen.    Hain  No.  2870.  —     


lo8  —     Strassburg.     — 

No.  192. 

drattÄtii  ,3^c^^^^wt  cum  apparatu". 

Strassbnrg^  Heinrich  Eggestein ,  1471«     Gross  Folio-Format. 

Erster  dtUirter  Druck  Eggestein^s  und  zugleich  StrasBburff'B ,  da  Mentelin 
seine  Firma  erst  1478  der  Jahrzahl  beidruckte.  Das  wunderbar  schön  erhaltene 
Exemplar  dieses  riesigen  Folianten  ist  auf  der  ersten  Seite  mit  einer  interessanten 
Miniature  und  einem  grossen  in  Gold  gehöhten  Initial  -  Buchstaben  geziert.  Der 
Druck  ist  derselbe,  wie  in  des  Gregor  und  des  Bonif actus  Decretalen;  für  den  Text 
dient  die  grössere,  für  die  Glosse  die  kleinere  dort  beschriebene  Typengattung. 

Dieser  seltene  und  berühmte  Druck  ist  gleichzeitig  die  erste  gedruckte  Atisgäbe  der 
von  dem  Mönche  Gratianus  tun  1158  gesammelten  Kirchengesetee ,  welche  wiederum 
das  erste  Kirchengesetzbuch  repräsentiren ,  aus  welchem  spater  das  y^Corpus  jurts 
canonici'^  abgeleitet  wurde.  Autor  der  Glosse  ist  Bartholomäus  Brixiensis,  welcher 
dieselbe  erst  100  Jahre  nach  dem  Entstehen  des  Originals  verfasste.  Unser  Exemplar 
hat  noch  den  alten  schönen  Original-Elnband  und  ist  pompös  mit  riesig  starken  Mes- 
sing-Ornamenten fast  über  und  über  bedeckt.    Hain  No.  788S.  — 


No.  193. 

^ratianl  „^rcrftum  cum  appartu^'. 

Strassburg,  Heinrich  Eggestein,  1472«     Gross  Folio-Format 

Die  eweite  Auflage  dieses  Riesenwerkes,  welche  wunderbar  genug  schon  ein 
Jahr  nach  der  ersten  nöthig  geworden,  wie  die  Datirung  von  1472  beweist,  ob- 
gleich in  demselben  Jahre  auch  Schöffer  in  Mainz  sich  beeilt  hatte,  die  Strassburger 
Ausgabe  nacheudrucken.  Auch  dieses  Fxemplar  ist  im  Geschmacke  der  Zeit 
prächtig  in  Leder  gebunden  imd  mit  Messing  beschlagen.    Hain  No.  7884.  — 


No.  194. 

^^ConfuftwbhifÄ  feubarum.'* 

Strässbnrg,  Heinrich  Eggestein,  1472.     Folio-Format. 

Eine  Sammlung  der  Lehnrechte  mit  Glossarien,  welche  als  Supplement  zu  den 
„Institutiones''  des  Justinian  gedruckt  wurde,  die  Hain  unter  No.  9491  beschreibt. 
Die  grossen  Typen  des  Textes  sind  dieselben,  wie  diejenigen  der  beiden  Ausgaben 
des  „Decretum"  unter  den  vorigen  beiden  Nummern.  Die  kleine  Glossartype  dagegen 
ist  uns  bis  hierher  noch  nicht  vorgekonunen.  Sie  ist  deshalb  sehr  wichtig,  weil  sie 
den  Beweis  liefert,  dass  auch  die  Editio  princeps  von  Ludolphi  Saxonis  ,Vita  Christi'' 
unter  No.  196  ein  Druck  Eggestein^s  ist,  wie  wir  auf  Seite  107  schon  erwiesen 
haben.  Dass  die  Consuetutines,  wie  einige  Gelehrte  fabeln,  mit  Holzbuchstaben  ge- 
druckt seien,  würde  am  wenigsten  auf  Eggestein  passen.  — 


No.  195a. 

iJinccnltu»  (Iruner:  «?:poflti0  ?9f)icU  |ötDae". 
3^enricu0  ^riminrtt|t»  „®ractatu0  be  quatuar  Birtutibu» 

carbinaltbua". 

strassburg,   Heinrich  Eggestein,  1472.     Mittel  Folio-Format. 

Diese  noch  im  Originalbande  befindlichen  beiden  Werke  sind  zusammengebunden. 
Die  y^ Auslegung  des  Amtes  der  heiligen  Messe'^,  wovon  Vincenz  Grüner  der  anonyme 
Verfasser  ist,  findet  sich  bei  Hain  unter  No.  6808,  der  y^Tractat  über  die  vier  Cardtnal- 


—     Strassburg.     —  IOQ 

ti^mden^  des  Henricus  Ariminensis  bei  Panzer  Band  I  Seite  92  No.  497,  bei  Hain 
No.1649  beschrieben.  — 

Das  letztere  Werk  beginnt  mit  einer  Einleitung,  welcher  sich  ein  Register  an- 
schliesst,  an  dessen  Schluss  auf  Blatt  10  verso  der  Herausgeber  Thomas  Dorniberg 
erklärt,  dass  er  die  Ausgabe  mit  dem  Register  im  Jahre  1472  vollendet  habe;  am 
Schlüsse  des  Werkes  steht  aber,  das  der  Tractat  —  arte  imprefforia  3lrgeittiite  arti- 
jirilirc  effigiattts  —  zu  Strassburg  gedruckt  ist.  Beide  Werke  sind  mit  der  gothischen 
Type  hei^esteUt,  von  der  wir  auf  Seite  105  bis  107  ausführlich  handelten  und  womit 
auch  die  unter  No.  187  bis  190  beschriebenen  Werke  gedruckt  sind.  — 


No.  195b. 

?lurtlU  ^uguftim  „fiber  |irol0cutiani»  rt  mrtitationtÄ". 

Strassburg^  Heinrich  Eggestein,  circa  1472.     Klein  Folio-Format. 

Mit  derselben  Type  wie  die  vorige  Nummer  gedruckt    Einzige  bekannte  Ausgabe 
des  15.  Jahrhunderts.    Panzer  I  Seite  95  No.  507.    Hain  No.  8109.  — 


No.  196. 

?ttbol|il)i  5a^0tti0  yß^m  utlae  dljrtfli  juyta  frrirm 

(Ktiangflt0rum*^ 

Strassburg;  Heinrich  Eggestein,  1474«     Gross  Folio-Format. 

Höchst  seltene  Bditio  princeps  dieses  Werkes  und  von  grösster  Wichtigkeit, 
da  aus  ihr  eine  gp*osse  Anzahl  anderer  Drucke  nach  ihrem  Ursprünge  erwiesen  sind, 
wie  wir  dies  auf  Seite  106  umständlich  erörtert  haben.  Die  roth  gedruckte  sechs- 
Keilige  Einleitungsschrift  hat  die  Type  des  Tractatus  Henrici  Arimenensis  von  1478 
unter  No.  195  a;  der  übrige  Text  aber  die  kleine  Glossartype  der  „Consuetudinea 
feudoram"  mit  JEggeatein's  Firma,  No.  194  unserer  Sammlung.  Hain  No.  10  290.  — 


No.  197a. 

fotl)arii  „ftbfr  mifcrtae  C0nbittani8f  l)umanac*\ 

Strassburg;  Heinrich  Eggestein,  circa  1475«     Quart-Format. 

Diesen  Druck,  welcher  weder  Druckort,  noch  Firma  und  Datirung  hat,  müssen 
vir  gleich  dem  vorigen  ebenfalls  Heinrich  Eggestein  zutheilen,  da  er  mit  Jenem 
Tollsommen  übereinstinunende  Typen  aufweist.  In  merkwürdigem  Widerspruche 
schreibt  Hain  unter  No.  10810  dieses  Werk  des  Lotharius  „üeber  die  Erbärmlichkeit 
des  menschlichen  Lebens"  dem  Peter  Schaff  er  zu,  betonend,  dass  sich  die  Typen 
fl««Är  von  denen  Eggestein's  unterscheiden'*,  wiewohl  er  den  mit  ganz  gleichen  Typen 
gedruckten  Ludolphus  zehn  Seiten  weiter  unten  No.  10890  dennoch  richtig  dem 
Gestein  lässt.  Braun  I  pag.  80  hatte  schon  das  Richtige  getroffen;  Panzer  I 
Seite  85  No.  454  zog  hingegen  Braun's  Ansicht  wieder  in  Zweifel ,  aber  wie  Hain 
»uf  Schoffer  verfallen  konnte,  ist  in  der  That  nicht  begreiflich,  da  man  nicht  einmal 
Ton  Ähnlichkeit  der  Typen  sprechen  konnte.  — 


No.  197b. 

„Ill«|l«m  malotum  graiiÄtorum." 

Strassburg  9  Heinrich  Eggestein,  circa  1476.     Folio-Format. 

Diese  hochintercFsante  Incunabel  ist  den  Bibliographen  so  gut  wie  unbekannt 
geblieben;  Denis,  Panzer  und  Hain  No.  11654  kenneu  davon  nichts  als  den  Titel. 


HO  —     Strassburg.     — 

Sie  hat  weder  Druckfirma  noch  Datirung;  da  die  Typen  jedoch  mit  denen  der  vorigen 
beiden  Nummern  übereinstimmen,  so  ist  der  Druck  von  Heinrich  Eggestein.  Das 
Werk  ist  von  einem  anonymen  Verfasser,  der  darin  unter  dem  eignen  Titel  „Most 
schlechter  Granatäpfel"  christliche  Unterweisungen  nach  den  Schriften  der  Kirchen- 
väter und  Scholastiker  ertheilt.  Uebrigens  erinnert  der  Titel  an  das  „Buch  Granat- 
apfel'^ oder  y^Malogranatus*^  des  berühmten  Geiler  von  Keisersperg,  wovon  wir  eine 
Ausgabe  unter  No.  279  noch  anführen  werden.  Es  ist  glaublich,  dass  der  grosse 
Kanzelredner  die  Anregung  dazu  durch  das  vorliegende  ältere  Werk  empfangen  hat. 
Das  erste  Blatt  beginnt:  „Q®  babo  tibi  mit|lnm  ntalorittn  ||  granatorn  meorum 
(Han.  tJiij.  ||  **  Der  Schluss  lautet;  ,,. . .  ^bucot  tt08  bomittiis  «ofler  li  3t\va  crifltts  qui  II 
cum  patre  i  fpi  fancto  oiuit  t  regnat  ptt  inftnita  ||  fecnla  feculornm  kirnen  (SrpUctt*^ 
Das  Werk  ist  in  2  Columnen  zu  54  Zeilen  gedruckt  und  enthält  215  unbezeichnete 
Blätter,  von  denen  13  verso  imd  14  leer  sind.  — 


auch 

ISedintbattb  oon  lllatnf^ 

1473. 

Huszner  war  ursprünglich  Goldschmied  und  heirathete  1470  die 
Tochter  des  Nicolaus  von  Hanau,  der  gleichfalls  Goldschmied  und 
Buchdrucker  genannt  wird.  Bekenhub  nennt  sich  „Clericus  Mogun- 
tinus'*\  seine  Thätigkeit  wird  wohl  zumeist  die  eines  Correctors 
und  Herausgebers  gewesen  sein.  — 


No.  198. 

CßmUelmi  iSuranbi  „Speculum  ^JubtctÄlc^^ 

Strassburg^  Huszner  &  Bekenhub,  1473.     Folio-Format 

Diese  Ausgabe,  ein  colossal  umfänglicher  Foliant,  enthält  am  Schlüsse  die  Firma 
und  Datirung.  Der  Druck  ist  von  wundervoller  Accuratesse,  die  Type  ebenso  originell 
als  geschmackvoll.  Das  Explicit  dieser  Ausgabe  des  „Spiegels  der  Bechtstoissensdia/t^t 
das  Hauptwerk  des  Bischofs  Durandus,  ist  auch  noch  wegen  der  darin  erwähnten 
y,ai4S  Kupfer  (?)  gebildeten  Typen""  —  exsculptae  aere  literae  —  bemerkenswerth, 
Hain  No.  6506.  — 

Ein  weiteres  Produckt  der  Societät  Huszner  &  Bekenhub  zu  Strassburg  ist  nicht 
bekannt,  wir  werden  jedoch  noch  auf  die  Leistungen  Huszner^s  in  Strassburg,  welcher 
von  1476  hier  allein  druckte,  zurückkommen.  — 


ÄÄrger  »on  ötrafiburg,  nacb  Unbtvcn  aud)  =  <tonr<ib 
Wolf«*,  um  1473  bis  1478. 

Dieser  geheimnissvolle  wahrscheinlich  vierte  Strassburger  Typo- 
graph   hat   uns   von   seiner   ziemlich   kurzen  Thätigkeit   doch    ganz 


—     Strassburg.     — 


111 


respectable  Zeugnisse  hinterlassen,  namentlich  in  dem  unter  No.  200 
verzeichneten  Folianten,  an  dessen  Schlüsse  wir  lesen:  ^^3^imt .  .  . 
per  €.  W.  Cioon   ^Ärgetitinntfetn  . . .  WTS.**^ 

Dass  er  nicht  Conrad  Wolf  ach  geheissen,  auch  nicht  Ce- 
phakteus  Wolfius,  wie  ihn  andere  getauft,  geht  aus  einer  alten 
geschriebenen  ,,Chronik  der  Strasshurger  Familien**  hervor,  wo- 
nach ClaSf  Claus  oder  Nicolas  Wencker  1465  das  Bürgerrecht 
erhielt.  Er  soll  ausser  den  drei  nachverzeichneten  Werken  unserer 
Sammlung  auch  noch  das  bei  Hain  Nr.  5023  aufgeführte  Buch  des 
Chrysopolita  gedruckt  haben.  Schon  1474  soll  Wencker  die  Druckerei 
bereits  auf  Andreas  JEEarttnann  übertragen  haben,  was  jedoch 
nach  den  von  uns  festgestellten  Druckwerken  wohl  einige  Jahre 
später  geschehen  sein  dürfte;  auch  war  Andreas  Hartmann  von 
Eppingen  1478  noch  Corrector  hei  Eggestein,  wie  aus  dem  Explicit 
auf  Folio  404  in  den  Decretalen  Innocenz  IV.  (Hain  No.  9191)  her- 
vorgeht. 

Soweit  diese  älteren  Strassburger  Nachrichten;  dagegen  leitet 
Schmidt  in  seiner  „Geschichte  der  Bibliotheken  und  Buchdruckereien 
Strassburgs",  1882  pag.  99,  Anmerkung  2,  aus  der  Schlussschrift  des 
unter  No.  200  folgenden  Werkes  merkwürdiger  Weise  ab,  dass  dieses 
Werk  gar  nicht  in  Strassburg,  sondern  in  JParis  1473  gedruckt 
und  1474  ausgegeben  sei.  Wir  werden  unter  No.  2CX)  die  Schluss- 
schrift noch  genauer  anführen  und  bemerken  nur  noch,  dass  Braun 
und  nach  diesem  auch  Panzer  und  Hain  infolge  ungenauer  Vergleiche 
die  Typen  des  „C.  W."  dem  Richard  Paffroedt  in  Deventer  zu- 
schreiben, worauf  wir  sogleich  näher  zurückkommen  werden.  — 


No.  199. 

l^ttja  bf  5'ancto  19ictorf :  „3oltloqmum  in  mobttm  bialagi". 

Strassburg,  „C.  W.«  =  Clas  Wencker,  1478.    Klein  FoUo-Format. 

Der  Drucker  dieses  seltenen  theologischen  SchrÜtchens,  worin  der  Autor  ein  Zwie- 
gespräch mit  seiner  Seele  pflegt,  konnte  bisher  von  keinem  Bibliographen  festgestellt 
werden.  Nach  Famer,  „Annales**  IT,  pag.  144,  soll  es  „vielleicht"  von  Richard 
Paffroedt  in  Deventer  gedruckt  sein,  der  aber  nur  eine  täuschend  ähnliche  Type  führte 
und  nicht  vor  1476  druckte,  während  das  Exemplar  der  Münchner  Hofbibliothek 
Tun  obigem  Soliloguium  die  Kubrication  1473  tragt,  die  wir  auch  als  ganz  zutreffend 
nachweisen  können. 

Hain  No.  9028  erkannte  den  Drucker  hier  ebenfalls  nicht,  schreibt  aber  gleich- 
wohl tmter  No.  391  die  genau  mit  denselben  Typen  gedruckten  Distinctiones  Alani, 
die  wir  unter  No.  201  besprechen  werden,  fälschlich  ebenfalls  dem  Richard  Paffroedt 
zu,  obgleich  er  das  rubrizirte  Münchener  „Soliloqium**  mit  der  Jahrzahl  1473  vor 
sich  hatte. 

Schöpflin  bezeichnet  in  den  «Vindiciae  typographicae"  1760  das  obige  Werk  so- 
gar als  einen  selteneti  alten  Strassburger  Druck  von  tTohann  Guienberg  und  gicbt 
*la2u  auch  ein  recht  gelungenes  Facsimile  der  ganzen  ersten  Seite. 


112  —     Strassburg.     — 

80  -wie  man  nun  die  Drucke  von  Anton  Koberger  in  Nürnberg  und  Richard 
Paffroedt  in  Deventer  verwechselte,  so  geschah  es  auch  mit  dem  Strassburger  «C.  W.', 
mag  man  denselben  nun  Clas  Wencker  oder  Conrad  Wolfach  nennen  wollen.  Wir 
können  aber  das  Ganze  sofort  ins  klarste  Licht  stellen  und  ebenso  beweisen,  dass 
trotz  der  augenscheinlichen  Gleichheit  der  Typen,  um  die  es  sich  hier  handelt,  doch 
wesentliche  Yerschiedenheiien  bei  allen  drei  Typographen  zu  erkennen  sind,  sowohl 
in  der  Form,  wie  namentlich  in  der  Kegelhöhe  ihrer  Charaktere. 

Der  Vater  dieser  schönen  leicht  leserlichen  Type  ist  Anton  Koberger  in  Nürn- 
berg, denn  bei  ihm  finden  wir  sie  schon  1471  in  der  ältesten  gedruckten  Geschichte 
der  Philosophie  des  Walter  Burleigh,  Hain  No.  4112,  dem  bei  unserm  Exemplare 
unter  No  720  und  721  auch  des  Honorius  älteste  Geographie,  Hain  No.  8800,  an- 
gebunden und  ebenfalls  von  Koberger  mit  denselben  Typen  um  1471  gedruckt  ist 

Jedenfalls  gefielen  diese  Charaktere  unserm  Strassburger  Typographen  „C.  W.^ 
und  er  copirte  sie  1473  für  seine  neu  errichtete  Druckerei;  er  wählte  jedoch  die 
Kegelhohe  seiner  Typen  etwas  kleiner,  sodass  bei  ihm  im  comjiressen  Satze  30  Zeilen 
—  von  den  äussersten  Punkten  der  langen  Buchstaben  gemessen  —  in  der  Höbe 
nur  15^10  Centimeter  betragen,  während  sie  bei  Koberger  17*lio  messen;  auch 
fielen  seine  Gussformen  weniger  schon  aus,  denn  seine  Drucke  haben  nicht  ganz  das 
gefiillige  Aussehen,  wie  die  des  Koberger,  der  namentlich  auch  seine  erste  lateinisch« 
Bibel  147 ß  (in  unserer  Sammlung)  noch  mit  derselben  frühesten  Type  herstellte. 

Später  copirte  auch  Richard  Paffroedt  in  Deventer  um  1477  diese  Type,  doch 
traf  er  die  Kegelhöhe  noch  kleiner,  denn  30  Zeilen  messen  hier  nur  15*/io  Centi- 
meter, auch  sind  die  Majuskeln  etwas  kleiner,  wie  bei  den  andern  beiden  Druckern. 

Auf  den  ersten  Blick  findet  man  übrigens  bei  allen  drei  Druckern  nicht  den 
geringsten  Unterschied  in  der  Typenform,  zumal  wenn  man  zunächst  die  Majuskeln 
vergleicht.  In  der  Koberger'schen  Bibel  von  1475  finden  sich  bereits  zwei  etwas 
verschiedene  9  und  IS  vor,  und  wenn  man  länger  und  länger  das  Ganze  vergleicht, 
dann  ist  der  Eindruck  für  das  Auge  entschieden  nicht  mehr  derselbe.  Jeder  Fach- 
gelehrte sollte  derartige  Studien  durchgemacht  haben,  ehe  er  über  Incunabeln  über- 
haupt etwas  schreiben  wilL 

Wir  finden  endlich  sogar  noch  eine  vierte  täuschend  ähnliche  Gattung  dieser 
Type  in  Nyder's  „Manuale  confessorum'*,  welches  von  Hain  unter  No.  11834  dem 
Koberger  zugeschrieben  wird,  der  es  aber  nicht  gedruckt  hat;  denn  die  dazu  ver- 
wendete Type  hat  auf  30  compresse  Zeilen  nur  17  Centimeter  Höhe,  auch  finden  sich 
mehrfache  Verschiedenheiten  selbst  in  der  Form  der  Typen.  Das  D  ist  bei  Koberger 
breiter,  hier  hoher,  das  0  bei  Koberger  ebenfalls  breiter  und  sein  tl  erscheint  im 
obem  Bogen  eckig,  während  es  hier  ganz  abgerundet  ist  —  kurz,  es  liegt  bei  der 
täuschendsten  Aehnlichkeit  doch  eine  vierte  Art  dieser  Type  vor,  deren  Schöpfer 
wir  ebenfalls  noch  zu  ermitteln  bemüht  sein  werden.  — 


No.  200. 

|9etru0  %txd)oxxm:    ^^fiber  blbliae  moratid^^ 

Strassburg^    Clas  "Wencker,  1474«      Folio  -  Format. 

Fälschlich  hat  man  diesen  datirten  Druck  früher  auch  dem  Wolff  Köpffei  alias 
Cephalius  Wolphius  zugeschrieben,  indem  man  die  in  der  Schlussschrift  angegebenen 
Initialen  »C.  W."  in  dieser  Weise  glaubte  deuten  zu  müssen ;  allein  WolflF  KopffePs 
Thätigkeit  gehört  einer  viel  spätem  Zeit  an,  wie  wir  weiter  unten  erfahren  werden, 
denn  dort  lernen  wir  seine  Drucke  vom  Jahre  1524  und  1525  kennen. 

Wir  wollen  nun  hier  die  schon  auf  Seite  109  kurz  erwähnte  Sehlussaeh'rift 
dieses  interessanten  Druckwerkes  näher  erwähnen.  Dieselbe  lautet:  ,,^intt  Xporotillfj 
3it8tt))  A  integer  Kehn|;ctorii  moralis  febedmns  Über  ftgurara  biblie  ||  «enerabilis  boni 


—     Strassburg»    —  II  j 

ifhs  ptui  bertt^ortj  fact3  aoinione,  parisins  correctns,  d  iom  ci)ro||9ra)i|)ata  n  scrip- 
tnra:  Utterns  rebnctus  ah  \\  prtstas  biligenti  correctnre  abuttncia  d  9ttu|,ctiirt  yer  ®.  10. 
einem  Xrgetttinefem  <Sr||annts  bomtif  ittcarnacöis  iUittesimoqiuibn  ||  sentesinofeptna- 
gtlimo  ttrtio  elapsiB  ^iniiltns  3liitto  feqvtuti :  i|bi>ns  feiitembriBm  %tpiini»*** 

Das  dem  Werke  vorgedruckte  29  Bl&tter  starke  Inhaltsverzeichniss  schliesst 
noch  ausdriicklich  mit  der  Jahrzahl  1474»  Aus  dem  (jauEen  geht  jedenfalls  nur 
hervor,  dass  Petrus  Berthorius ,  der  im  14.  Jahrhunderte  lebte,  das  Werk  in 
Avignon  verfasst,  in  Paris  verbessert  hat,  und  dass  es  endlich  durch  „C.  W.  Civem 
Argmtmensem*^  gedruckt  wurde,  nicht  aber,  dass  dies  in  Paris  geschehen  sei. 

Bekannt  ist  ja  auch  genugsam,  dass  in  Paris  von  1470  ab  zunächst  nur  die  drei 
dahin  berufenen  Deutschen:  Ulrich  Gering,  Martin  Crantz  und  Michel  Friburger  in 
der  Sorhonne  druckten,  die  wir  unter  ^Paris'^  wiederfinden  werden,  dass  ihnen 
aber  bis  1476  nur  noch  Peter  Kaiser,  Johann  Stol  und  Pasquier  Bonhomme  als 
Typographen  gefolgt  waren.  Es  dürfte  also  wohl  genugsam  erwiesen  sein,  dass  wir 
in  obigem  Prachtwerke  einen  Strassburger,  aber  keinen  Pariser  Druck  vor  uns  haben. 

Der  obige  starke  Foliant  ist  nüt  der  ziemlich  grossen  Type  gedruckt,  die  yrir 
schon  auf  Seite  112  naher  besprachen,  auf  der  ersten  Seite  wie  an  mehren  andern 
Stellen  mit  reizenden  Initialen  und  alten  schönen  Randmalereien  geschmückt;  das 
Ganze  ist  selbst  bis  lauf  den  schwarzen  reichgepressten  und  messingbescblagenen 
Originaleinband  vorzüglich  gut  erhalten.    Hain  No.  2798.  — 


No.  201. 

?llanu0  ab  J)^nfuU5:  ,^9t|lincttone0  bictionum  tl)rolo9icaUum*^ 

Strassbni^,   Clas  Wencker,  14 7 6«     Folio-Format. 

Braun  hat  in  seiner,  „Notitia  historico-littararia"  Band  I  Seite  70  diese  Aus- 
gabe dem  Richard  Paifroedt  zugetheilt,  und  seinem  Beispiele  sind  alle  spätem  Biblio- 
graphen gefolgt.  Allein  unsere  genaueren  Untersuchungen,  welche  wir  schon  bei 
den  vorhergehenden  Nummern  ausführlich  veröffentlichten,  führten  dahin,  dass  wir 
auch  diesen  Druck  als  ein  Strassburger  Erzeugniss  erkannten,  welches  der  anonyme 
Typograph  C.  W.  geliefert  haben  muss. 

Das  Werk  giebt  ein  alphabetisches  Verzeichniss  mit  Erläuterungen  deijenigen 
Ausdrücke  der  heiligen  Schrift,  welche  bei  den  Theologen  und  Kirchenvätern  nicht 
vorkonunen.  Vorliegende  Ausgabe  ist  die  einzige  bekannte.  Hain  No.  891,  der  auch 
Paffroedt  als  Drucker  angiebt,  ist  demnach  zu  ändern.  — 


Partm  ^^4 

latinifirt  CKHicf  Wlartinue  ©imue,  1475  bl6  1501|. 

No.  202. 

Strf^SsburST,  Martin  Flach,  1475«  Klein  Folio-Format 
Diese  lateinische  Ausgabe  vpm  „Spiegel  des  menschlichen  Lebens'*  gilt  als  der. 
9fste  Druck  des  fünften  SirassiMrger  Druckers,  liarÜn  Flach  aus  Basel,  der  sich 
latinislrt  auch  Marünus  Simus  n^nte ,  wie  wir  unter  No.  311  finden  werden.  Er 
var  nicht  nur  berühmt  als  Drucker,  sondern  auch  als  Schriftgiesser.  Seine  frühesten 
1'ypen  zeigen  jedoch  so  sehr  den  eigenthümlichen  Baseler  Ductus,  dass  man  wohl 
annehmen  kann,  er  habe  bei  seiner  Uebersiedelung  nach  Strassburg  diese  nicht  be- 
sonders schönen  Typen  mifc  von  Bsisel  herübergebracht. 

3 


114  —    Strassburg.     — 

Eine  ganz  besondere  Eigenthümlichkeit  dieser  Flach^schen  Typengattung  bestebt 
darin,  dass  die  Silben  ffa,  fft,  ffi,  ffo,  ffn  gleich  in  Eins  zusammengegossen  sind,  wie 
man  dies  bei  keinem  andern  Drucker  in  so  eigenthnmlicher  Form  wiederfindet. 

Dieser  Umstand  —  abgesehen  von  andern  Kennzeichen  —  giebt  uns  aber  den 
Beweis,  dass  auch  die  nachfolgenden  drei  wenig  bekannten  Drucke  von  Mariin  Flach 
sind,  denn  selbst  bei  der  deutschen  Ausgabe  der  ,,Goldnen  Bulle  Karls  IV.'^  finden 
sich  Jene  zusammengegossenen  Buchstaben,  wenn  sie  sich  auch  im  Deutschen  nicht 
80  oft  wiederholen. 

Aber  auch  die  originelle  Form  mehrer  Versalbuchstaben  spricht  entschieden  für 
dieselbe  Druckerei.  Man  vergleiche  nur  in  der  Goldenen  Bulle  die  haargenau  auf- 
einander passenden  Buchstaben  !X,  D,  €  und  das  lateinische  M,  das  in  der  Goldenen 
Bulle  zuweilen  auch  mit  einem  mehr  deutschen  iU  abwechselt ;  dann  aber  namentlich 
das  ganz  charakteristische  II  mit  dem  innem  Häkchen  am  Rundbogen;  ebenso  das 
ganz  unverkennbare  )l,  das  K,  3,  9  und  Q. 

Ganz  entscliieden  massgebend  für  die  Bestimmung  des  Druckers  ist  aber  noch 
der  Umstand,  dass  in  unsern  vier  ältesten  Flach^schen  Drucken  der  Buchstabe  jS  in 
drei  ganz  verschiedenen  Formen  auftritt,  bald  mehr  in  die  Breite  gezogen  und  oben 
tiach  links  überhängend,  bald  unten  mehr  zusammengezogen  und  senkrecht  stehend. 
Auf  noch  andere  höchst  interessante  Merkmale  in  den  Flach'schen  Alphabeten  wollen 
wir  bei  nachfolgenden  beiden  Drucken  auiinerksam  machen.  Auf  dem  drittletzten 
Blatte  findet  man  die  Firma  und  Datirung.    Hain  No.  13944.  — 


No.  203. 

^,JBie  j|ul«n  bull  HftÄtlr  V  üiftt/^ 

Strassbnrg;  Martin  Flach,  um  1475«     Klein  Quart-Format. 

Von  dieser  höchst  seltenen  und  jedenfalls  ältesten  deutschen  Ausgabe  der  Gol- 
denen Bulle  Kaiser  KarVs  IT.  ist  uns  bis  jetzt  nur  noch  ein  Exemplar  in  der 
Incunabeln-Sammlung  des  Germanischen  Museums  in  Nürnberg  vorgekonunen ;  den 
Bibliographen  blieb  diese  sprachlich  höchst  interessante  Ausgabe  unbekannt.  Mit 
der  von  Hain  No.  4077  angeführten  stimmt  sie  nicht  fiberein ,  denn  sie  beginnt  mit 
den  Worten:  ,,()l8  regifler  ber  gulbin  bnlHlen  nie  Jbas  geUit  füllt  ftn  ||ber  fivrffirfltn  b3 
(rfle  callpittel",  und  schliesst:  „Her  oierb  ift  faljbnrg'*.  Das  Werkchen  enthält  74  un- 
bezeichnete  Blätter  mit  28—34  Zeilen. 

Obwolü.  dasselbe  weder  eine  Druckfirma  noch  Ort  oder  Jahrzahl  trägt,  sind  wir 
doch  durch  Vergleich  des  vorhergehenden  sowie  des  nachfolgenden  Druckes  in  der 
Lage,  festzustellen,  dass  nur  Marlin  Flach  in  Strassburg  diese  Goldene  Balle,  und 
zwar  um  das  Jahr  1475  gedruckt  habe,  weil  die  hierzu  verwendeten  alten  Typen 
in  «pätern  Flach'schen  Drucken  nicht  mehr  vorkommen. 

In  unsern  vier  seltenen  Incunabeln  No.  ^SOS  bis  205  erkennt  man  aus  der  Ver- 
sclüedenbeit  mehrer  Typen  eine  gewisse  Vielseitigkeit  der  Formen,  wozu  wohl  sdion 
der  Umstand  Veranlassung  gab,  dass  der  Drucker  bemüht  war,  der  Gtoldenen  Bulle 
durch  Verwendung  mehrer  abweichender  Buchstaben  etwas  weniger  den  Charalcter 
eines  lateinischen  Druckes  zu  geben.  Wir  finden  daher  in  der  Goldenen  Bulle  auch 
einige  Verschiedenheiten,  namentlich  sind  die  Versalbuchstaben  jB«  4»  und  3  anders ; 
das  ül  ist  meist  dasselbe,  kommt  aber  noch  in  einer  zwriten  Art  vor,  während  das 
komische  tt  und  das  10  und  3  überhaupt  nur  in  dem  deutschen  Drucke  vorkommen. 

Auch  in  den  Minuskeln,  also  im  kleinen  Alphabete,  finden  sich  mehrfache  Ver- 
schiedenheiten ,  wie  z.  B.  in  der  Form  des  g  und  ^ ,  wogegen  aber  andere  ganz  be- 
sonders charakteristische  Typenformen  unverändert  und  völlig  Hbereinsiimmend  in  allen 
vier  Druckwerken  vertreten  sind,  so  dass  ein  Und  derselbe  Drucker  gar  nicht  zu  ver- 
kennen ist.    Dahin  gehören  die  gan£  sicher  aus  derselben  Form  gegossenen  Ver- 


—     Strassburg.     —  Ije 

salbuchstaben  3t,  «,  D,  «,  ^,  €,  11,  9,  K,  ;5»  C  und  ü,  sowie  die  gleich  in  eins 
gegossenen  Typen  ff  mit  den  angehängten  Voraien  a,  e,  i,  0  und  tl.  In  der  deutschen 
Bulle  ist  sogar  gans  wie  im  Lateinischen  das  V  noch  als  t(  verwendet  und  das  3  tritt 
ebenfalls^  sowohl  in  der  Goldenen  Bulle,  wie  in  den  lateinischen  Drucken  in  dreierlei 
Formen  auf,  die  sich  vollständig  decken.  — 


No.  204. 

<Sacobt  be  €tufn  be  |9ardbtfo  ^^Sractatua  be  ortitate  bicenba 

aut  tacfttba/^ 

Strassburg,  Martin  Flach,  circa  1476.     Klein  Folio-Format. 

Wi6  schon  bei  den  vorigen  beiden  Nummern  nachgewiesen,  stammt  auch  dieser 
alte  undatirte  Druck  den  Typen  nach  von  Martin  Flach.  Ausser  den  schon  an- 
geffihrten  untrüglichen  Merkmalen  spricht  hierfür  ganz  besonders  auch  der  Umstand, 
dass  der  Drncker  in  obigem  Tractatus  genau  dieselben  ganz  und  gar  originellen' 
Buchstaben  6  und  3  anw^endet,  die  zwar  nicht  in  No.  202,  wohl  aber  in  der  .Cluldin 
Bull"  No.  203  vorkommen,  während  fast  alle  übrigen  Versalbuchstaben  dieselben 
siod.  Das  höchst  bizarre  (6  findet  steh  in  obigem  Tractatus  nur  ein  einziges  Mal, 
auf  der  sechsten  Seite  von  hinten,  angewandt. 

Es  ist  daher  gar  kein  Zweifel,  dass  auch  der  vorliegende  Tractatus  von  Martin 
Flach  gedruckt  wurde.  Die  Verwendung  von  verschiedenen  Versalbuchstaben  finden 
wir  übrigens  auch  bei  den  meisten  andern  Druckern  Jener  Zeit.  Selbst  schon  bei 
Fust  ä  Schoffer  und  fiel  Peter  SchofTer  tritt  es  in  den  Rit)eln  von  1462  und  l472 
angenscbeinlich  hervor,  ffain  allerdings  schreibt  unter  No.  9386  diese  Ausgal)e 
fiihchh'ch  dem  Bernhard  Eichel  in  Basel  zu.  — 

No.  205. 

5ancti  1Brrnl)arbt  ^,i0e  l)ottr|latf  uitae/^ 

Slrassburgr^  Martin  Flach,  circa  1477.     Klein  Quart-Format. 

Ist  ebenso  selten,  wie  die  vorigen  aus  gleicher  Type  gedrückten  Werke,  die  wahr- 
scheinlich unmittelbar  hinter  einander  erschienen,  >>evor  Flach  sich  geschmackvollere 
Typen  zulegte.  Diese  vier  Seltenheiten  durften  kaum  ein  zweites  Mal  vereinigt  an- 
getroffen werden.  Hain  erwähnt  diese  Ausgabe  unter  No.  2900,  kennt  aber  den 
Drucker  nicht. 

In  den  Flach'sehen  Drucken  der  folgenden  l>ciden  Decennien  werden  wir  nun 
ganz  andern  Typen  begegnen,  in  denen  wir  kaum  denselben  Drucker  wiedererkennen 
würden,  wenn  wir  darnach  urtb eilen  w^oUten.  — 


No.  206. 

iitöfff|t0nale  bomt||ni  ;3lntljontni  ard)i  ||  epifcopi^ftorentini/^ 

StrassburgT;  Martin  Flach,  1488.     Klein  Quart-Format. 

T)or  Druck  dieser  Abhandlung  y^Uebcr  die  Beichte'^  zeigt  ganz  neue  gothiscbe 
Typen,  welche  in  ihrem  viel  gefälligeren  Schnitte  denen  der  vorhergehenden  Werkd 
ganz  unähnlich  ist.  Die  in  der  Folge  sich  allgemein  verbreitende  neue  gofhische 
Sdm'jiform  finden  wir  in  allen  spätem  Flach'schen  Drucken  und  wir  werden  unter 
Coln  noch  Gelegenheit  haben,  auf  diese  Typen-Gattung,  welche  viel  Veranlassung 
«i  yericechgehmgen,  besonders  mit  denen  des  Colner  Druckers  Queniel  gegeben  hat, 
tttrficktukommen.  Am  Schlüsse  steht  die  Druckßrtna  unrf  Datining.  Hain  No.  llVf>^^ 

8*  . 


1j5  —    Strassburg.    — 

No.  207. 

^^3ancti  ISonuitttre  tra||ctattt6  t  libri  q3  plurimi-*^ 

Strassburg,  Martin  Flach,  1489.  Mittel  FoUo-Format. 

Gesammelte  theologische  Schriften  des  Heiligen  Bonaventura.    EbenMls  mit  Da- 
tirung  und  Druckfirma  am  Schlüsse.    Hain  No.  8405.  — 


No.  208. 

^,3umma  ^ngclica  be  ||  capbua  confcientic/^ 

strassburg,  Martin  Flach,  1489.     Mittel  Folio-Format. 
Verfasser  des  encyclopadischen  Werkes  ist  Angelus  de  Clavasio.   Mit  Datirung  und 
Druckerfirma  am  Schlüsse.    Der  uemlich  starke  Foliant  ist  in  braunes  Saffianleder 
mit  hübschem  Silberbeschlag  gebunden.    Hain  No.  5S88.  — 


No.  209. 

^^Manipultta  curatorü  offi{|Cia  rdcrrbotü  f3m  orbints  ||  fepti 
facrametorü  perbrcj  uiter  complcctena/^ 

strassburg,  Martin  Flach,  circa  1490.     Klein  Quart-Format 
Eine  Ordnung  für  die  sieben  Sacram^nt'e,  verfasst  von  Guido  Rotherius.    Hain 
No.  8166.  —  

No.  210. 

^f^ennotu0  i|uabra9r|tmale0  ||  Sf^rfauri  nout/^ 

strassburg,  Martin  Flach,  1491«     Klein  Folio-Format 
Eine  Sammlung  von  lateinischen  Fastenpredigietif  mit  der  Datirung  und  Dntck- 
Jirma  am  Schlüsse.    Fehlt  bei  Hain ;  Panzer  I,  Seite  46.  — 


No.  211. 

^^urcUi  ^ttgtt|ltni  ||  opufcula  plurima/^ 

Strassburg,  Martin  Flach,  1491.    Klein  Folio-Format. 

Eine  Ausgabe  der  gesammelten  Schriften  des  Heiligen  Augustinus.  Am  Schlüsse 
steht  die  Druckfirma  mit  Datirung,  darunter  folgen  noch  fünf  lateinische  Distichen, 
in  welchen  sich  der  Drucker  nochmals»  hier  aber  latinisirt  Martinu»  Simus 
nennt    Hain  No.  1960.  —  

No.  212. 

fi^pva  infignr  be  laubibuB  ||  btate  maric  Dtrginid  alias  |1 

IHariaU  apprllatü/^ 

strassburg,  Martm  Flach,  1493.    Mittel  Folio-Format 
In  diesem  .Mariale*'  aum  Lobe   der  Jungfrau  Maria  nennt  sich  Kach  in  der 
fioUusssehrift  wieder  Martinus  Simus,    Hain  No.  10768.  — 


—     Strassburg.    —  117 

No.  213. 

,,3umma  ^ngrlica  br  ||  cafibua  confctrntie  cu  ||  abbittonibus 

nottiter  ||  abbitte/* 

Strassburg,  Martin  Flach,  1495.    Mittel  Folio-Format. 

Eine  cweite,  etwas  vennehrte  Auflage  des  enoylopädischen  Werkes  von  AngeluR 
de  Clavasio,  mit  Datirung  und  Druckfirma  am  Schlüsse.    Hain  No.  5897.  — 


No.  214. 

„Ittarialf  tfimix  mxx  1Brm-||arbim  be  buptt  orbinte  ffra| 
)tl)ict  ^xmtiftx :  br  ftnguUa  frfttuitatibtta  beate  otrgintd  per 

Tnobü  II  frrmonu  ttactane  . .  /* 

Strassbnrgy  Martin  Flach,  1496.     Mittel  Folio-Format. 

Ein  ahnlicbes  Werk  wie  das  unter  No.  212  aufgeführte,  mit  Druckfirma  und 
Datlrung  am  Schlüsse.    Hain  No.  4t61.  — 


No.  216. 

^^t(^loi^ti  naturalw  fiue  li-||brr  rrratttrarum  fpectaliter  || 

bf  \}üvxm  rt  bf  natitra  nm  inqiiantum  Ij0ma  •  et  [br  bt« 

qttf  II  funt  ei  nece(faria  ab  C09n0fcettbum  fttpfum  t  beum  • 

(t  omrte  ||  bebitu  ab  quob_l)omo  tenetur  et  obttgat  tarn  beo 

qj  grimo.^* 

Strassburg,  Martin  Flach,  1496.     Mittel  Folio-Format. 

Verfosser  dieser  ,^Natv/r-Religion'*  ist  Raymundus  de  Sabunde.  Vorliegendes 
Exemplar  ist  interessant  durch  einen  grossen  Druckschnitzer,  der  sich  beim  zweiten 
Blatte  bemerkbar  macht.  Dieses  enthält  nämlich  recto  statt  der  ersten  Seite  der 
«Tabula",  welche  hier  beginnen  sollen,  den  Abdruck  einer  Seite  Text,,  die  man  im 
Werke  auf  Blatt  z  recto  wiederfindet. 

Diese  Verwechselung  wurde  jedenfalls  erst  bemerkt,  als  bereits  mehrere  Exem- 
plare verkauft  waren  und  ist  später  erst  geändert  worden,  wie  man  aus  Hain  unter 
No.  14089  ersehen  kann,  der  ein  reciificirtes  Exemplar  beschreibt.  — 


No.  216. 

w^trmoneÄ  fancti  ISemarbt  abbatia  clareualltÄ  fuper  Äätica 
citiwn  II  Serm0ne0  (SUbettt  fujier  €anttca  canttc0rutn,** 

Strassburg^  Martin  Flach,  1497.     Mittel  Folio-Format. 

Biese  Ausgabe  der  Predigten  des  Bernhard  von  Clairvaux  „  Ueber  das  hohe  Lied 
Palomonit'*^  mit  der  Fortsetzung  des  Gilbert  de  Hoilandia,  hat  am  Schlüsse  gleich- 
falls; Angabe  der  Druckfirma  und  die  Datirung.    Hain  No.  2859.  — 


Ilg  —     StraSsburg.     — 

No.  217. 

^)^t)(oto9ia  ttaturalia  |iue  U||brr  crraturarum  fpectalitrt  {| 
be  l^omine  et  be  natura  nu9  inquantiim  t^omo.et  bc  l^ia 
que  \[  funt  rt  necepria  ab  cognofcenbum  fr  ipfum  t  brum  • 
et  0mne  ||  bebitü  ab  quob  l)omo  tenetur  et  obligat  tarn  beo 

q}  primo/^ 

Strassbnrg^  Martin  Flach,  1501.     Mittel  Folio-Format. 

Flach's  letsfter  Druck.  Zweite  von  Panzer  VI.  pag.  26  aufgeführte  Ausgabe  der 
^Theologia  naturalis**  des  Raymund  de  Sabundia,  welches  vir  in  erster  Auflage 
bereits  unter  No.  215  kennen  lernten. 

Damit  schliesst  die  reiche  Wirksamkeit  eines  der  bedeutendsten  Strassburger 
Typographen  ab,  den  aber  auch  die  Stadt  Basel  zu  den  Ihrigen  zählt,  obwohl  nicht 
nachgewiesen  werden  kaön,  dass  er  auch  in  Basel  schon  selbständig  gedruckt  habe. 
In  Strassburg,  wo  er  das  Bürgerrecht  schon  1472  erlangt  haben  soll,  schrieb  er  sich 
noch  lange  „Martin  Flach  aus  Basel".  — 


tiad)  2(ufIofutig  6er  (ßefcUfd^.ift  öufs^i^r  &  Zclcn\)uh, 

von  1476  biö  1498  aUein. 

No.  218. 

<Jol)anne0  l^eroU:  ^^?tber  be  erubitione  QL\)x\^x  3^ibelittm.*^ 

Strassburg^    Georg    Huszner,    circa    14  70«     Klein    Folio-Format. 

Dieses  „Buch  über  die  Unterweisutig  im  christlichen  Glauben'^  entbelirt  zwar  der 
A^gabe  des  Druckers  und  der  Jahrzahl,  aber  man  erkennt  leicht  die  höchst  originelle 
Type  Huszner^s,  mit  welcher  auch  das  grossartige  „Speculum  Judiciale*',  No.  192 
unserer  Sammlung,  von  Huszner  &  Bekenhub  1473  gedruckt  ist.   Hain  No.  8617.  — 


No.  219. 

ITaurentuiö  19aUa:  „i0e  Ubero  arbUri0/^ 

Strassburg^    Georg    Huszner,    circa   14  7  8«      Klein    Folio-Format. 

Qleichfalls  ohne  Angabe  des  Druckers  und  der  Jahrzahl,  mit  derselben  Type 
wie  dfts  Torige  Werk  gedruckt.  Diese  Schrift  eines  der  berühmtesten  Humanisten 
des  15.  Jahrhunderts  und  Förderers  altclassischer  Literatur  „  üeber  dm  freien  Willen*^, 
ist  gegen  das  fünfte  Buch  der  berühmten  „Consolatio  philosophiae"  des  Boeting 
gerichtet,  wovon  wir  weiter  unten  noch  eine  interessante  Ausgabe  Johann  Schotfg 
vom  Jahre  1500  finden  werden.    Hain  No.  15830.  — 


—     Strassburg.     —  Hq 

<iudf  Unobloßer,  Änoblißer    unb   Knoblocbger,    um 

1477  bi6  1485. 

Dieser  Typograph  betrieb  sein  Geschäft  in  der  Knoblauchgasse 
^Zum  Knobloch tzer  Hofe**  in  Strassburg.  Er  druckte  namentlich 
■deutsche  "Werke  von  geringerem  Umfange,  unter  denen  der  nach- 
stehend beschriebene  „Belial"  eine  hervorragende  Stelle  einnimmt; 
auch  kennt  man  von  ihm  einen  deutschen  Kalender  auf  das  Jahr 
1483.  Ein  paar  Jahre  später  übersiedelte  er  nach  Heidelberg ,  wo 
Avir  ihn  wiederfinden  werden.  — 


No.  220. 

^acobufl  bf  8il)tram0:  ^,i9a0  1@ttd)  Jirltal  jtnaitnt.*^ 

Strassburg^    Heinrich  Knoblochzer,    1481«     Klein   Folio-Format. 

Seltenheit  ersten  Ranges  mit  höchst  interessanten  Holzschnitten.  Eine  frühere 
Auflage  des  BeUal  hatte  er  schon  1477  herausgegeben.  Das  Werk,  bereits  100  Jahre 
früher  verfasst,  soll  vohl  eine  Prozesiordnung  nach  canonischem  Uechte  sein. 

Die  eigenthumliche  Foi'm  des  Inhaltes  besprachen  wir  bereits  unter  No.  147  bei 
Alhrecht  Pßgter  in  Bamberg.  Das  Werk  ist  prachtvoll  in  rothes  Leder  gebunden, 
mit  theils  vergoldeten,  theils  silbernen  Beschlagen.  Diese  Ausgabe  blieb  den  Bihlio- 
ip*aphen  unbekannt.  — 


1478  bis  1489. 

Adolph  Rusch  war  zuerst  Gehilfe,  dann  Schwiegersohn  von 
Johann  Mentelin»  der  1478  starb.  Man  würde  kaum  einen  Druck 
mit'  völliger  Sicherheit  als  den  seinigen  anführen  können  —  denn  kein 
einziger  hat  sich  noch  gefunden,  der  seinen  Namen  trägt  —  wenn 
nicht  glücklicher  Weise  ein  gelehrter  Zeitgenosse  von  ihm,  Ru- 
dolph Lange,  in  einem  bereits  148ß  in  Münster  gedruckten  la- 
teinischen Gedichte  das  enthusiastische  Lob  des  Meisters  und 
Schöpfers  eines  neuen  grossen  Bibelwerkes  in  vier  Theilen  ver- 
kündet hätte. 

Aus  jedem  Worte  dieser  Ode,  welche  dem  Werke  und  den  Um» 
ständen,  unter  denen  es  entstanden  ist,  eine  ausführliche  Beschreibung 
widmet,  geht  hervor,  dass  jenes  Meisterstück  der  Typographie  in 
vier  riesigen  Foliobänden  und  aus  vier  verschiedenen  Typen-Grössen 
zusammengesetzt  —  ein  ,,immensum  opus",  wie  Lange  selbst  es- 
nennt    —   identisch   ist  mit   dem  kostbaren  Bibliothekschatze,   den 


120  —     Strassburg.     — 

wir  in  einem  wie  neu  erhaltenen  Prachtexemplare  in  nächstei 
Nummer  besitzen  und  durch  den  wir  Adolph  Rusch  als  Meister  der 
Strassburger  Typographie  und  Chef  einer  grossen  Druckerei  daselbst 
kennen  lernen. 

Die  Forschungen  des  Kammergerichtspräsidenten  v.  Strampf  in 
Berlin,  dem  wir  die  Belehrung  über  diesen  Gegenstand  verdanken, 
sind  im  „Serapeum"  von  1852,  Seite  135  fF.  und  1853,  Seite  236  ff. 
niedergelegt.  Von  beiden  Artikeln,  deren  erster  auch  den  Abdruck 
des  Lange' sehen  Gedichtes  bringt,  besitzen  wir  sogar  die  Originale- 
Manuscripte  des  verdienten  Forschers,  sowie  die  zwischen  ihm  selbst 
und  dem  damaligen  Königlichen  Oberbibliothekar  Pertz  einerseits, 
dann  mit  Herrn  Culemann  in  Hannover  über  diesen  Gegenstand 
geführte  wissenschaftliche  Original-Correspendenz. 

Von  Interesse  sind  auch  die  im  Basler  Stadtarchive  aufbewahrten 
und  in  C.  Schmidt's  Schrift  „Zur  Geschichte  der  ältesten  Biblio- 
theken zu  Strassburg  1882"  abgedruckten  acht  Originalbriefe  des^ 
Adolph  Rusch  an  den  Baseler  Drucker  Johann  Amerba^h,  aus  denen- 
hervorgeht,  dass  beide  Drucker  in  Wechselverbindung  verschiedene 
"Werke  für  einander  gedruckt,  sich  auch  Typen  und  Papier  geliefert 
haben;  so  erklärt  es  sich  leicht,  dass  Atnerbctch' sehe  Druckwerke 
die  Typen  der  Ofücin  von  Adolph  Rusch  aufweisen,  womit  derselbe 
vorher  jenes  grossartige  Bibelwerk  gedruckt  hat.  — 


No.  221. 

^)1@tblta  tatina  cum  gloffa  orbinarta  199alafnbi  <3trab0ni0  rt 
intfrlinrari  ^nfelmi  faubunrnlia/^ 

Strassburg;  Adolph  Rusch,  1478  bis  1480. 

Vier  Bände  in  Gross  Folio-Format. 

Ein  bewundern8\perthes  Denkmal  für  die  Ausdauer  und  Geschicklichkeit  des 
Kunstfleisses  damaliger  Zeit.  Zum  Druck  dieser  [glossirten  Bibel  wurden  viererlei 
Typen  benutzt:  1.  die  Textschrifk,  7.  die  kleinere  Glossenschrift,  8.  die  noch  kleinere 
Inierlinear-Glossenschrift  und  4.  die  Missal-Type  zum  Druck  einzelner  Worte,  der 
Ueberschrüten  der  Columnen  und  der  ersten   Zeile  des  Textes  von  jedem  CapiteL. 

Den  Bibeltext  umgiebt  auf  jeder  Seite  die  «glossa  ordinaria"  des  Walafrid  Strabo,. 
während  zwischen  die  Zeilen  desselben  die  Interlinear -Glosse  des  Anselm  von  Laon 
eingeschoben  ist.  Unser  schönes  Exemplar  dieses  grossartigsten  aller  Bibelwerke 
befindet  sich  noch  im  wohlerhaltenen  alten  Original-Einbande  und  scheint  kaum  Je- 
mals in  Gebrauch  gewesen  zu  sein. 

Frfiher    wurde    dieses  Werk   allgemein   dem  Johann   Amerhadi   in   Basel  zu- 
geschrieben, weil  derselbe  um  1480  mit  denselben  Typen  nachweislich  gedruckt  hat. 
Wir  haben  jedoch  oben  bereits  nachgewiesen,  wie  dieser  merkwürdige  Umstand  eu 
sammenhfingt  und  worüber  die  historischen  Belege  glücklicher  Weise  sich  bis  auf 
unsere  Zelt  erbalten  haben.    Ilatn  No.  3178.  — 


—     Strassburg.     —  121 

Utartin  3d)ott, 

jwfiter  @d)iricgcrfo^n  WTcntcIin'6  unb  Uad^folger  bt^ 
%bolf  Ättfd)   im   wcilanfe  WTcntcIin'f*en  (ßcfcbÄftC;. 

1481  bi6  1498. 

No.  222. 

iiBtxmmt^  ptx  tAmntn  bomini  ||  cu  muUia  alita  inclu|!0  • 

frrmocid  ||  nanti  prr  tittlee  •  famoftfftmi  )}rr||bicatort0  IMaijflrt 

Hubcrti  it  Ucio  italtri  orbtnt©  min0ru/* 

StrassburgT;  Martin  Schott,  circa  1481«     Klein  Folio-Format. 

Ohne  Druckort  und  Firma;  aber  die  vollständige  Gleichheit  der  Typen  dieser 
«Adventspredigten*  mit  denen  des  Augustini  „Canonum  opus"  mit  Schotfs  Firma 
▼om  Jahre  1490  lasst  auch  dieses  Werk  als  zweifellosen  Druck  von  Martin  Schott 
erkennen,  ffain  wusste  unter  No.  4471  den  Druckort,  aber  nicht  den  Drucker  eu 
nennen.  — 

No.  223. 

^o!)annf0  it  aiirrccremata :  ^^€]rpo|ttiö  fuprr  toto  pfalterio/* 

Strassburg;  Martin  Schott,  1482.     Klein  Folio-Format. 

Vorliegende  hübsche  Ausgabe  des  Turrecremata  hat  am  Schlüsse  die  Daürung^ 
von  Slrasshurg  1482,  und  durfte  wohl  dem  Martin  Schott  zuzuschreiben  sein, 
da  man  annehmen  muss,  dass  derselbe  nach  Uebernahme  des  Geschäftes  von  seinen^ 
Schwager  Adolf  Rusch  auch  theilweise  n^te  Typen  herstellen  Uess,  denn  weder  bei 
Hentelin ,  ncch  bei  Rusch  kommt  die  hier  verwendete  Type  bereits  vor,  ebenso- 
wenig stimmt  sie  aber  mit  einer  Schriftgattung  der  übrigen  StrassburgerTypographenp 
damaliger  Zeit  überein.    Hain  hat  das  Werk  unter  No.  15703.  — 


No.  224. 

^t$i^  bud)  ifl  grnant  btc  ttirr  onb  jtoen^ig  alten  ober  bcr 
9uibtn  II  tron  grfr^rt  mn  brubrr  ^ttrn  0011  )iaD0t0e  rttoan 
Ugmeipter  ber  ||  minbrrn  bruber  barfü||>r  clo|ler0  brr  (lat 
?iaffl  mit  0il  fc^Snrr  bf||rid)tt9un0f  brr  Irrer  ber  Ijeillgen  ge- 
f4)rifft  bie  minnenbe  frle  ^u  be;  |{  eniigen  gitttid^en  t00t9euaUen/^ 

Strassburg;  Martin  Schott,  1483.    Klein  Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  ist  von  den  älteren  Bibliographen  nicht  gekannt,  wir  wollen  si» 
daher  etwas  näher  beschreiben.  Obiger  Titel  steht  am  Kopfe  des  dritten  Blattes  ia 
fonf  rothgedruckten  Zeilen;  das  Blatt  ist  von  einer  schonen  illuminirten  Randleiste 
umrahmt,  welche  sehr  ähnlich  derjenigen  in  Boccaccio  „berühmte  Frawen"  von 
Joh.  Zainer  in  Ulm  ist,  vorher  gehen  2  Blätter  Register  und  es  folgen  noch  149" 
BUtter  ohne  Custoden,  Signaturen  und  Seitenzahlen.  Auf  Blatt  151,  dem  vorletzten, 
steht  die  Schluseschrift :  ,,ISebrftifcet  ni  «oUenbet  bttri||  ittarttn  i$dpot;|tett  an  bonflag^^ 
flfd^ft  nor  faitt  iKIortttis  tagl|3Cttno  bni  x'v  ül.  tcrt.  Irrriij.  iare^;  die  Kehrseite  des 
Blattes  ist  weiss,  und  auf  dem  letzten  Blatte  (152)  folgt  noch  eine  Seite  mit  Inhalts- 


122  —     Strassburg.     — 

verzeichniss.  Das  Buch  enthält  24  AbMldungen  in  Holzschnitt,  in  welchen  aber 
nur  zwei  verschiedene  Darstellungen  immer  wiederkehren.  Höchst  interessant  ist 
auch  der  Typencharakter,  welcher  in  dem  Seltenen  Druckwerke  bemerkbar  ist,  und 
den  wir  auffallend  ähnlich,  aber  nicht  ganz  gleich,  bei  Heinrich  Knobhchtzer  unter 
Wo.  220  bereits  vorfanden.  — 

No.  225. 

^^C!tK  UrbUd)r  l)))flor))  oon  brm  ||  ^od)9rlrrtcn  metftrr 

luctbario/^ 

Strassburg;  Martin  Schott,  circa  1484.     Folio-Format. 

Eine  den  Bibliographen  unbekannt  gebliebene  Ausgabe  dieses  primitiven  Lelir- 
buches,  welches  wir  seinem  Inhalte  nach  schon  unter  der  Sammlung '  unsrer  Hand- 
schriften, Seite  2,  kennen  lernten ;  sie  hat  weder  die  Angabe  von  Druckort  und  Firma 
noch  Jahrzahl,  aber  wir  sind  aus  der  Gleichheit  der  interessanten  Typen  mit  dem  in 
voriger  Nummer  beschriebenen  Werke  des  Otto  von  Passau  in  der  Lage  festzustellen, 
dass  die  Ausgabe  aus  Martin  Schotts  0/ßcin  stammt. 

Auch  die  ganz  einzigen  Initialen  aus  Menschen-  und  Thiergebilden  sind  ein 
charakteristisches  Merkmal.  Obiger  Titel  ist  mit  ziemlich  grossen  Buchstaben  ganz 
in  Holz  geschnitten;  auch  befinden  sich  ausser  den  erwähnten  Initialen  in  dem 
interessanten  Druckwerke  noch  fünf  Holzschnitt- Abbildungen.  Prächtiger  Holzband 
mit  vergoldeten  Beschlägen.  — 


No.  226. 

i^Bn  gratia  lH9ilt)rlmo^  ||  cpua  €))ftrtrn  •  3^tbelt  noflro  bilrct 

0  nii)9r0  II  platl)if  roalckrr  ie  Reutlingen,     ^alutem  fla-j 

ttttorü  noftrorü  ^^nobalium  ac  puincialcu  no  ||  tumina  que 

a  nobts  fümia  prrcibns  prti» .  .  .*^ 

Strassburg,  Martin  Schott,  14:86«     Quart-Format. 

Das  Buch  ist  von  Hain  unter  No.  15031  beschrieben,  aber  wie  es  sc4ieint,  nach 
einem  incompleten  Exemplare.  Unsere  Ausgabe  stimmt  mit  der  Hain'schen  Be- 
schreibung bis  zum  Ecde  der  Tabulae  mit  der  leeren  Seite  auf  Blatt  40  b  iiberetn. 
Das  folgende  Blatt  beginnt  aber  nicht  mit  No.  XXXXI  wie  bei  Hain,  sondern  mit 
No.  XXXIII,  indem  es  die  nur  durch  acht  unnumerirte  Blätter  Tabulae  unterbrochene 
Numerirung  bis  zum  letzten  vorhergegangenen  Textblatte  XXXII  wieder  aufoimmt. 

Die  folgenden  numerirtejn  Blätter  83—40  fehlen  demnach  bei  Hain,  im  Keat 
stimmen  die  Exemplare  wieder  überein.  Diese  bei  Hain  fehlenden  acht  Blatter  ent- 
halten aber  gerade  einen  interessanten  Tbeil  des  Buches.  Hier  findet  sich  nämlich 
mitten  in  dem  lateinischen  mit  gothischen  Typen  gedruckten  Texte  des  Werkes 
etn  deutscher  Abschnitt,  welcher  aus  Schwabacher  Schrift  gesetzt  ist;  er  enthält 
eine  Botschaft  des  Bischofs  von  Eystet  an  alle  Pfarren  seines  Bisthums,   das  Sacra- 

ment  des  Fronleichnams  betreffend,  beginnt  auf  Blatt  88  mit  den  Worten  //^t  ^UCV 

liebfiten   hl   gOt",  und  schUesst  auf  Blatt  36  recto   wie  folgt:  „fcaö    ej*  W'tbeV 

fellieö  beid^tuaterö  verbot  |1  emvftt^et,"  Blatt  sc  verso  beginnt  mit:  „|>rO- 
l^ibitiovfs  a  cöiotte  facta"  und  Blatt  40  verso  schliesst  mit:  „firvt  tnbas  et  be  offt  .|| 
öfc.  fi  fttcerbos." 

Als  Druck   von  Martin  Schott  ist  das  Buch  an  den  grossen  Typen  der  Ueber- 


—     Strassburg.     —  123 

schri/tm  kenntlich,  welche  wir  bereits  in  der  Bibel  von  Adoif  Rusch  unter  No.  231 
fanden  und  die  mit  auf  Schott  übergingen,  was  zugleich  den  interessanten  Beweis 
giebt,  dass  sein  Vorgänger  im  Gesch&fC  doch  nicht  alle  Jene  Typen  des  Bihelwerkes 
an  Amerbach  nach  Basel  verkauft  hatte.  — 


No.  227. 

„^urelU  ^ugufttni  (Eanonrs  jit^rta   triplicem   quam  rbibtt 

rrgttlam/* 

Strassbnrg^  Martin  Schott,  1490.     Mittel  Folio-Format. 

Mit  Druckfirma  und  Datirung.  Auf  Polio  VIII  verso  und  CXIII  recto  befindet 
sich  Je  ein  blattgrosser  Holzschnitt.  Dieselbe  Ideine  gothische  Type  Schottes  trafen 
wir  schon  in  Caraccioli  „Sermones"  unter  No.  222  an.    Hain  Nu.  2076.  — 


No.  228. 
^)^j)Utpptca  II  Jacobi  Vuimpfelingi  Sletftatini :  In  laudem  &  | 
defensionem     Philippi    Comitis    Rheni    Pala-||tini    Bauarie 

Ducis  &c." 

Strassburg^  Martin  Schott,  1498.     Klein  Quart-Format. 

Diese  Schatz-  und  Lobrede  auf  Philipp,  P/alzgrafen  vom  Uhcin,  ist  in  Anti<jua 
gedruckt  Falkenstein  lasst  Schott  nur  bis  1493  drucken,  indessen  beweist  die 
lUUirung  des  vorliegenden  Ideinen  Schriftchens  seine  Thätigkeit  bis  zum  Jahre  149 H, 

Am  Schlüsse  befindet  sich  das  originelle  £ncA^rucA:er£eiW(«}t  Schottes :  eine  kugcl- 
iurdiige  Artischocke  zwischen  den  Initialen  M.  S.,  zu  dessen  Wahl  Martin  Schutt 
wohl  durch  die  Consonanz  mit  seinem  Kamen  bestimmt  worden  sein  mag.  Hain 
No.  16186.  — 


3ol)ann  prt)^  ^um  @:t)tergarten, 

auch  Briese,  Pryse,  Priiscius,   Priis,  Prues,  Prus,  Pryhs  und  Prusz 

gedruckt, 

um  1482  bl6  1508, 

^'on  da  bis  1321  unter  gleicher  Firma  von  Johann  Pryss  junior 

geführt. 

No.  229. 

^,5tatuta  }jrouincia'  Ua  ijetera  rt  naua.*^ 

Strasgbnrg;  Johann  Pryss,  circa  1482.     Klein  Folio-Format. 

Diese  „Statuta"  für  Mainz  sind  ohne  Ort,  Firma  imd  Jahrzahl  erschienen;  aber  die 
a'ypen,  besonders  das  merkwürdige  3  mit  den  beiden  schrägen  Querbalken,  welches 
bei  keinem  andern  Drucker  vorkommt,  deuten  unstreitig  auf  Pryss.  Hain  No.  15041 
cltirt  wohl  diese  frühe  Ausgabe  der  Mainzer  Statuten,  kennt  aber  den  Drucker  nicht. 

Man  hat  sogar  diese  Auflage  mit  einer  andern  unter  gleichem  Titel  verwechselt, 


124 


—     Strassburg.     — 


die  alfl  ebenso  wenig  beliannt  dem  Johann  Outmberg  siigesehrieben  und  die  deshslb 
bei  Vorlcommen  im  Handel  mit  bolien  Summen  besablt  worden  ist,  zumal  selbst 
Hain  unter  No.  150S9  diesen  Irrtbum  bestärkte»  indem  er  seiner  Notix  den  Zusatz 
gab:  jjortasse  Johannes  Outenberg*^,  wenn  auch  mit  zwei  Fragezeichen  versehen. 

Wenn  man  jedoch  das  angeblich  Gutenberg^sche  Produet  mit  dem  ersten  Reuilmger 
Drucke,  der  j,  Summa  Fisani^  ron  1482  rergleicht,  so  gewinnt  man  bei  der  eigen- 
thfimlichen  Form  der  Typen  sofort  die  feste  Ueberzeugung,  dass  nur  Johann  Ottmar 
in  Reutlingen  der  Drucker  gewesen  sein  kann.  Unter  „Reutlingen"  werden  wir  mit 
beiden  Druckwerken  den  Nachweis  noch  genauer  führen.  — 


No.  280. 


^ßxtw  5amtatt0  ||  fBt  Ijerbt»  et  pUntie  •  ||  i8f  ^tiimali- 
bu9  ^  reptitibus  ||  jBr  ^uibua  rt  oolatiltbua  ||  fBt  ptfctbua  i 
natatittbu0  ||  ^t  fapibibua  ^  in  trrre  ornid  nafce||(ttbu9  |i 
i9e  WmxB  et  rar3  ffiectrbus  ||  S^abula  mebtcinalia  Cum  ix- 
rfctö-|riö  generali  per  omnea  tractatua.*^ 

strassburg,  Johann  Pryss,  circa  1483«     Mittel  Folio-Format. 

Die  erste  Ausgabe  des  Pryss^schen  „Hortus"  mit  1058  Holzschnitten;  der  Autor 
des  Werkes  ist,  wie  wir  von  der  Mainzer  Ausgabe  her  unter  No.  41  wissen,  Johanne» 
de  Cuba,  das  ist  Caub  am  Rhein.  In  obiger  ersten  Strasslmrger  Ausgabe  findet 
sich  derselbe  TitelholzsckntU,  wie  in  der  mit  Firma  und  Datirung  versehenen  Aus- 
gabe der  ^Formulare  und  Tütach  Rhetorica*  von  1502,  weshalb  wir  den  Druck,, 
abgesehen  von  andern  ganz  untrüglichen  Kennzeichen,  dem  Johann  Pryss  zu> 
erthellen  müssen. 

Hain  No.  8941  wusste  keinen  Drucker  anzugeben ;  er  führt  ebenso  noch  zwei 
ihm  unbekannte  und  wenig  von  einander  abweichende  Ausgaben  an.  Wir  besitzen 
deren  vier  aus  derselben  Offizin,  und  wie  wir  also  wohl  sagen  dürfen  ^^aUe  vier'^; 
sie  sind  durchgehends  ohne  Firma  und  Jahrzahl  gedruckt,  allein  durch  sorgfaltige 
Vergleichung  der  Typen  und  der  Holzschnitte  konnten  wir  den  sichern  Nachweis 
liefern,  dass  nur  Johann  Pryss  in  Strassburg  der  Drucker  von  allen  vier  Ausgaben 
dieses  Hortus  gewesen;  und  indem  wir  sie  ungefähr  auf  gleiche  Zeiträume  des  Er> 
scheinens  wahrend  der  geschäftlichen  Thätigkeit  dieses  Typographen  vertheilten» 
konnten  wir  annähernd  auch  die  Zeit  ihres  Erscheinens  bestimmen. 

Jedenfalls  ist  die  obige  erste  Ausgabe  des  Hortus  sanitatis  älter  als  der  Mainzer 
Herbarius  von  1484  und  „(l^n  gart  ber  gefvnb^eit"  von  1485,  und  vielleicht  wurden 
diese  Mainzer  Ausgaben  erst  hierdurch  veranlasst.  Unsere  Editio  princeps  trägt 
übrigens  alle  Zeichen  eines  hohen  Alters,  und  das  Jahr  1483  ist  sicher  nicht  zu  früh 
gegriffen,  zumal  man  unbedingt  annehmen  muss,  dass  zwischen  dem  Erscheinen  der 
r««r  Auflagen  doch  immer  mindestens  ein  Zeitraum  von  vier  bis  fünf  Jahren  gelegen 
haben  wird. 

Alle  vier  Ausgaben  dieses  Hortus  sind  aus  der  im  fünfzehnten  Jahrhunderte 
schon  so  viel  verbreiteten  mittelgrossen  goihischen  J^pe  auf  Corpuskegel  gedruckt, 
die  wir  namentlich  in  den  frühesten  Drucken  folgender  Typographen  ganz  ähnlich 
wiederfinden : 

Bei  Martin  Flach,  Johann  Grfininger,  Peter  Attendorn,  Martin  Schott  und  Ma- 
thias Schürer  in  Strassburg;  Heinrich  Quentel  und  Cornelius  de  Zyrychzee  in  Cöln; 
Benedict  in  München  1488;  Heynberger  in  Tübingen  1499;  Jacob  Meydenbacb,. 
Peter  Friedberg  und  Friedrich  Hewmann  in  Mainz;  Caspar  Hochfeder  in  Nürnbergs 
Heinrich  Gran  in  Hagenau;  Friedrich  Misch  in  Heidelberg  und  Andern. 


—     Strassburg.     —  125 

Die  grosse  Aehnlichkeit  der  Schriften  dieser  Typographen  hat  nun  bei  unbezeicb- 
neten  Drucken  zu  vielfachen  Täuschungen  und  unrichtigen  Angaben  der  Bibliogra- 
phen geführt.  Weil  die  Typen  meist  bis  auf  geringe  Abweichungen  einzelner  Buch- 
staben dieselbe  Form  zeigten,  glaubte  man  oft  Druckwerke  eines  und  desselben 
Typographen  vor  sich  zu  haben,  obwohl  es  nicht  im  Enferntesten  der  Fall  war. 

Die  Typen  der  genannten  Drucker,  denen  wir  auf  Grund  unserer  reichen  Sammlung 
noch  viele  liinzufugen  konnten,  sind  nämlich  bei  gleicher  Form  doch  fast  durch- 
ijehends  von  verschiedener  Segelhöhe,  also  eigentlich  von  verschiedener  Grosse,  ob- 
jjleich  die  Differenz  meist  so  unbedeutend  ist,  dass  man  sich  nur  durch  genaues  Aus- 
mmen  der  Höhe  von  einer  gewissen  Anzahl  compresser  Zeilen  davon  überzeugen  kann. 

Da  viele  der  betreffenden  Incunabeln  nur  in  kleinem  Quartformate  von  etlichen 
dreissig  Zeilen  pro  Blattseite  gedruckt  sind,  so  haben  wir  34  Zeilen  ais  Xass- 
sUxh  für  unsere  Untersuchungen  angenommen,  und  sind  dadurch  zu  höchst  wichtigen 
Besultaten  gelangt,  die  uns  so  manchen  anonymen  Drucker  mit  Leichtigkeit  fest- 
stellen liessen. 

Die  ganze  Höhe  von  34  Zeilen  Jener  kleinen  jjoüiischen  Corpus -Type  schwankt 
nämlich  zwischen  11  utid  14  Centimetern,  bei  den  meisten  Typographen  bewegt  sie 
«ich  ab^  nur  zwischen  12Vs  und  18^/a,  so  dass  man  auf  den  ersten  Blick  einen 
Unterschied  meist  gar  nicht  wahrnimmt.  Legt  man  aber  den  genauen  Massstah 
mit  UiUimeter-Eintheilung  an,  und  misst  die  Hohe  von  34  Zeilen  bis  auf  den  Milli- 
meter genau  aus,  so  erkennt  man  sofort  jeden  Unterschied. 

Die  Ausmessung  geschieht  stets  vom  höchsten  bis  zum  tiefsten  Ende  der 
Zeilen.  Die  Versalbuchstaben,  sowie  das  kleine  lange  f,  das  f  und  1  ragen  gewöhn- 
lich am  meisten  über  die  Vocalbuchstaben  hinaus,  während  in  der  Tiefe  ausser  dem 
liuigen  f  und  dem  |l  namentlich  die  Buchstaben  g,  p  und  q  am  meisten  unter  die 
'Clrandstriche  der  Vocale  herabgehen.  •  Man  muss  also  immer  eine  Stelle  suchen ,  wo 
sich  zufiUlig  oben  und  unten  ein  langer  Buchstabe  befindet. 

Zu  berücksichtigen  ist  aber  bei  dieser  Ausmessung,  dass  fast  in  jedem  Druck- 
werke bei  compressem  Satze  dennoch  kleine  Differenzen  vorkommen ;  denn  an  ver- 
schiedenen Stellen  eines  und  desselben  Buches  ist  oftmals  das  Papier  jedenfalls  nach 
<iem  Anfeuchten  nicht  ganz  gleichmassig  eingelaufen ;  einzelne  dünnere  Bogen  mancher 
Papiersorten  mögen  sich  durch  das  Anfeuchten  auch  wohl  ausgedehnt  haben,  und 
man  findet  daher  in  manchen  Druckwerken  die  Höhe  einer  gewissen  Zeilenzahl 
^llenweise  lun  1  bis  IV»  Millimeter  grösser  oder  kleiner. 

Um  daher  sicher  zu  gehen ,  muss  man  die  Höhe  von  84  Zeilen  stets  an  ver- 
^ehiedenen  Stellen  eines  Buches  ausmessen,  und  dann  die  am  misten  vorgefundene 
Höhe  als  die  richtige  Durchschnittshöhe  annehmen.  Hierdurch  geht  man  völlig  sicher, 
-denn  die  Differenzen  finden  sich  meist  nur  an  vereinzelten  Stellen. 

Nur  bei  wenigen  frühen  Typographen  stimmt  nun  bei  dieser  gotblschen  Schrift 
die  AoA«  der  Typen  von  84  Zeilen  ganz  überein,  und  wo  dies  ja  der  Fall  ist,  da 
giebt  es  stets  andere  zuverlässige  Merkmale  und  Eigenthümlichkeiten  des  Schriftsatzes, 
bei  deren  Kenntniss  ein  Verwechseln  der  DruckAr  völlig  ausgeschlossen  ist.  Da  nun 
gerade  die  interessanten  vier  Strassburger  Hortus  vielseitigen  Stoff  zu  vergieiehen- 
den  Typen-Studien  darbieten,  wollen  wir  sie  gleich  an  dieser  Stelle  einer  nähern 
^fitrachtung  unterziehen. 

Die  erste  Auflage  von  circa  1483  zeigt  verschiedene  Merkmale  eines  hohem 
Ahers.  Custoden  und  Blattzahlen  fehlen  noch  gänzlich,  dagegen  sind  bereits  Signa- 
turea  vorhanden.  Alle  Initialen  sind  noch  mit  der  Hand  abwechselnd  blau  und  roth 
mitgeschrieben.  Die  Seiten  haben  mit  ganz  wenigen  Ausnahmen  55  Zeilen,  die  vom 
höchsten  bis  zum  tie£sten  Ende  der  längsten  Buchstaben  b,  f,  l,  f  und  q  eine  Gesammt- 
höhe  von  SS  Centimeter  ei^ebeb. 

F6r  unsere  Untersuchungen  behufs  späterer  Vergleiche  mit  andern  auch  weniger 
Zeilen  umfassenden   Druckwerken   nehmen   wir,    wie   schon   oben   bemerkt,    nur 


126  —     Strassburg.     — 

34  Zeilen  ah  Jdaimstttb  an,  und  diese  34  haben  hier  bei  Pryss  eine  durchschmttUche 
Böhe  von  13^/t  Centimeier.  An  vielen  SWlen  findet  man  auch  ^'2  Millimeter  mehr, 
was  von  der  nicht  immer  ganz  gleichmassigen  Behandlung  der  einzelnen  Papierbogen 
beim  Anfeuchten  und  Glätten  herrührt,  zumal  die  Bogen  schon  in  ihrer  Stärke  ni^Iit 
ganz.  glMch  sind. 

Da  es  in  jener  Zeit  nicht  gebräuchlich  war,  im  fortlaufenden  Texte  viele  sogenannte 
Aufgänge  zu  machen,  das  heisst,  einen  neuen  Satz  auch  mit  einer  nmien  Zeile  anzu- 
fangen, so  sind  an  diesen  Stellen  sogenannte  Rubricationsz eichen  in  der  Form  eines 
kleinen  Kannenhenkels  eingesetzt.  Der  Setzer  hat  aber  in  obiger  Hortus-Ansgabe 
die  ,  Ausgange*'  auch  noch  besonders  durch  Budtstaben  X,  6,  C  und  so  weiter  numerirt, 
die  er  seitlich  auf  den  weissen  Rand  des  Blattes  setzte;  hier  und  da  ist  dies  aber 
auch  unterblieben. 

Diese  Ausgabe  von  1488  zeigt  ferner  auf  der  Rückseite  des  achtzeiligen  Titeln 
einen  ziemlich  blattgrossen  Hohitchm'tt,  welcher  den  Docenten  auf  seinem  Lehrstuhle 
und  vor  ihm  vier  Studenten  in  der  Tracht  der  Zeit  vorstellt,  den  einen  mit  langen 
Schnabelschuhen. 

Dieser,  wie  die  nun  folgenden  mehr  als  tausend  Holzschnitte,  wiederholen  sich 
nun  auch  in  der  moeUen  Ausgabe  von  circa  1487  (Hain  8942).  Auch  die  Typen 
des  Textes  wie  der  grossem  Blatt-  und  Capitel  -  Ueberschriften  sind  wieder  genau 
dieselben,  und  sie  wiederholen  sich  als  sprechende  Zeugen  auch  noch  in  solchen 
Druckwerken  des  Johann  Pritss,  die  seine  Druckfirma  tragen. 

Auch  bei  dieser  ztreiten  Auflage  sind  alle  die  zahlreichen  Initialien  noch  mit 
der  Hand  geschrieben,  jedoch  öfter  roth  als  blau.  Die  Höhe  der  55  Zeilen  einer 
Spalte  betragt  auch  hier  genau  22  Centimeter,  und  die  von  34  Zeilen  13^1*,  oft  mit 
dem  kleinen  Plus  von  V>  ^^^  1  Millimeter. 

Die  dritte  Auflage  von  1492  (Hain  8948)  hat  mit  Ausnahme  der  letzten  16  Text- 
seiten dieselben  Typen  für  Text  und  Ueberschriften,  dieselbe  Zeilenzahl  der  Columnen 
und  folglich  auch  dieselben  Höhenmasse.  Aber  ein  wesentlicher  Unterschied  und 
ein  Merkmal  der  inzwischen  fortgeschrittenen  Kunst  liegt  darin,  dass  sämmtliche 
Initialen  nicht  mehr  mühsam  mit  der  Hand  eingemalt,  sondern  gleich  mit  dem  Texte 
schwarz  gedruckt  sind. 

Ein  fernerer  Unterschied  dieser  Auflage  besteht  darin,  dass  das  vorhin  beschriebene 
Titelbild  durch  einen  andern  eben  so  grossen  Holzschnitt  ersetzt  ist.    Das  Ursprung--, 
liehe  Bild  mag  entweder  abhanden  gekommen,  zerbrochen  oder  durch  Krummlanfen 
des  Holzes  unbrauchbar  geworden  sein,  wie  das  .<a  heute  noch  sehr  oft  vorkommt. 

Man  benutzte  nun  hier  als  Titelbild  einen  Holzschnitt,  der  schon  in  den  vorigen 
beiden  Auflagen  als  Vortitel  zum  letzten  Abschnitte  des  Werkes  ^.De  Urinis"  gedient 
hatte,  der  aber  hier  in  Wegfall  gekommen  ist  Statt  dessen  findet  sich  nun  über 
dem  Abschnitte  „De  Urinis"  auf  Blatt  4K(||  nur  ein  ganz  kleiner  Holzschnitt  in  Spalten- 
breite vorgesetzt,  hinter  welchem  unmittelbar  der  Text  mit  „Quoniam  medicus  est 
artifex  sensitifus"  beginnt;  der  Holzschnitt  zeigt  den  Medicus  am  Tische  sitzend,  die 
Urinflasche  in  der  Hand  und  vor  ihm  eine  Frau. 

Merkwürdig  ist  nun  bei  dieser  dritten  Auflage,  dass  der  letzte,  IG  Seiten  umfassende 
Abschnitt  „De  Urinis"  bereits  aus  einer  andern  tauschend  ähnlichen,  aber  etwas 
kleinem  gothischen  Schrift  gesetzt  ist.  Die  Höhe  der  Blattseiten  beträgt  hier  zwar 
wieder  genau  22  Centimeter,  aber  es  befinden  sich  darauf  nicht  blos  bft,  sondern 
62  Zeilen,  während  auf  34  solcher  Zeilen  nur  12  anstatt  18V>  Centimeter  HÖhL* 
kommen. 

Untersucht  man  diese  neue  kleinere  Type  genauer,  so  erkennt  man  auch  noch 
einen  Unterschied  in  der  Form  einiger  Versalbuchstaben  im  Texte.  Die  Buchstabon 
jß  und  M  sind  ganz  anders;  beim  £  fehlen  am  vordem  Hanptstriche  zwei  kleine- 
Federchen,  die  bei  dem  Ä  der  vorigen  etwas  grossem  Typengattnng  eine  Art  Ver- 
zierung bildeten ;  im  (Bl  fehlen  zwei  kleine  Schrägbalken,  und  das  II  ist  viel  schlanker 


Strassburg.     —  127 


und  schmäler,  auch  felilt  ihm  der  borizontalc  Querbalken  in  der  Mitte,  dagegen  hat 
66  zwei  kleine  Häkchen  am  vordem  Grundstriche  als  Ausputz.  Im  Uebrigen  ist 
diese  kleinere  Schrift  der  vorigen  tauschend  ähnlich,  ob-wuhl  man  bei  näherer  Ver- 
glelchung  auch  den  Unterschied  in  der  Grosse  leicht  wahrnimmt. 

Jedenfalls  war  die  bisherige  etwas  grossere  Textschrift  durch  die  drei  Auflagen 
des  Hortiis,  und  wohl  auch  in  andern  Druckwerken  durch  Abnutzen  und  Ausrangiren 
vieler  einzelner  Typen  bereits  stark  reduzirt;  sie  kehrt  daher  auch  in  der  vierten 
Anflage  des  Hortits  von  circa  149S  gar  nicht  wieder,  wohl  aber  bleiben  die  grossem 
Typen  der  Blatt-  und  Capitel-Ueherschrifien  immer  dieselben,  und  beurkunden  schon 
allein  den  Drucker  ebenso,  wie  die  abermals  zur  Verwendung  gekommenen  zahl- 
reicben  Holzschnitte. 

Als  Titelbild  dient  bei  der  vierten  Auflage  wieder  derselbe  Holzschnitt  wie  bei 
der  vorigen;  er  wiederholt  sich  aber  nochmals  auf  der  Rückseite  des  Vortitels  zum 
letzten  Abschnitte  „De  Urinis"  Blatt  ftg,  während  auf  der  Vorderseite  dieses  Vor- 
titels ein  ganz  neuer  Hobsschnitt  erscheint,  der  einen  Patientep  auf  dem  Krankenlager 
und  vier  Männer  vergegenwärtigt,  wahrscheinlich  Aerzte. 

In  dieser  vierten  Auflage  tritt  uns  nun  wieder  eine  ganz  neue,  aber  bis  auf 
einen  einzigen  Versalbuchstaben  ganz  gleichgeformte  gothische  Type  für  den  Text 
entgegen,  während  alle  Ueberschriften  und  Initialen  wieder  dieselben  sind,  wie  in 
der  vorigen  Auflage. 

Die  Textschrift  unterscheidet  sich  in  der  Form  nur  durch  ein  anderes-  II ,  das 
hier  niedriger  und  ohne  Schrägbalken  in  der  Mitte  ist.  Dagegen  ist  die  Schrift  im 
Ganzen  wieder  ettras  grösser  als  die  obenbeschriebenen  beiden  Typengattungen. 
Die  Columne  hat  nämlich  wieder  BS  Zeilen^  diese  sind  aber  nicht  mehr  22,  sondern 
23  Centimeter  hoch,  und  auf  34L  Zeilen  kommen  nicht  blos  13'/-' >  sondern  volle 
14  Centimeter  Höhe. 

Diese  gothische  Type  ist  mithin  etwas  grosser,  wie  die  der  vorigen  drei  Auflagen, 
und  zwar  lässt  sich  leicht  berechnen,  dass  die  Kegelhohe  jedes  einzelnen  Budistaben 
hier  um  ^ja  Centimeter  höher  sein  muss.  Für  das  Auge  ist  dies  kaum  bemerkbar, 
und  doch  kann  es  selbst  bei  der  vollkommensten  Uebereinstimmung  in  der  Form 
der  einzelnen  Typen  unmöglich  derselbe  Schriftsatz  sein;  denn  wenn  bei  der  einen 
Type  auf  22  Centimeter  Columnenhohe  Sß  compresse  Zeilen  gehen ,  die  bei  einer 
andern  Type ,  ebenfalls  compress  gesetzt ,  23  Centimeter  Höhe  erfordern ,  so  muss 
die  letztere  Type  eben  grösser  sein  wie  jene.  — 

Wie  wichtig  die  Kenntniss  dieser  an  sich  einfachen  Vortheile  für  jeden  Sammler, 
Bibliothekar  und  Antiquar  bei  Feststellung  anonymer  Drucke  ist,  bedarf  wohl  kaum 
einer  weitern  Auseinandersetzung,  nmsomehr  als  gerade  jene  gothische  Type  bei  den 
meisten  Druckern  des  fünfzehnten  und  sechszehnten  Jahrhunderts  vorkommt,  aber 
anch  bei  allen  andern  Typongattimgen  jene  Vortheile  in  derselben  Weise  in  Anwen- 
dung gebracht  werden  können. 

Wir  wollen  aber  hier  nur  noch  an  einigen  Beispielen  zeigen,  wie  verbreitet  gerade 
jene  zierliche  goünsche  Type  gewesen,  wie  sie  sich  aber  auch  bei  fast  jedem  Drueker, 
trotz  der  scheinbar  genauesten  Uebereinstimmurg ,  doch  durch  ihre  Kegelhöhe,  also 
durch  ihre  Grosse,  in  Etwas  uiiterscbeidct,  so  zwar,  dass  man  im  Stande  ist,  den 
Bntcker  mit  Sicherheit  festzustellen,  sobald  man  nur  einen  einzigen  »iiY  Firma  ver- 
sebenen Druck  desselben  mit  dieser  Type  dagegen  halten  kann. 

Uerkwürdig  ist  ferner,  das  sich  diese  vielgebrauchte  gothische  Type,  die  eigentliche 
damalige  „Brodschrift",  selbst  bei  zufällig  übereinstimmender  Kegelhöhe  doch  immer 
durch  Etwas  unterscheidet,  wodurch  ein  Verwechseln  unmöglich  wird.  Diese  Unter- 
scheidungszeichen beschranken  sich  meist  auf  einzelne  Versalbuchstaben,  die  man 
nur  zu  leicht  übersieht,  wenn  man  nicht  schon  darauf  vorbereitet  ist.  Es  mögen 
daher  ioji  Nachstehenden  einige  instructive  Beispiele  folgen,  unter  Anwendung  der 
*on  ntiM  zuerst  geübten  Praxis  bei  Untersuchung  der  Typen. 


128  —     Strassburg.    — 

In  der  Regel  variiren  bei  Jener  gothischen  Schrift  die  Versalien  IC,  €  und  II. 
Das  tt  hat  oft  bei  dem  einen  Druclcer  in  der  Mitte  zwei  Icleine  in  feinen  linien  be- 
stehende Schrägbalken,  die  bei  andern  Drucicern  fehlen,  während  im  Uebrigen  dieselbe 
Form  vorhanden  ist.  Zuweilen  unterscheidet  sich  das  K  aber  auch  noch  dadurch, 
tiass  es  viel  niedriger  ist,  ganz  so,  wie  wir  es  schon  in  der  dritten  Auflage  des  Hortus 
▼on  Johann  Prysa  circa  1492  fanden. 

Das  €  erscheint  bei  den  Druckern  zuweilen  mit  zwei  kleinen  sogenanten  Federchen, 
^ie  am  vordem  Hauptbalken  nach  links  herausstehen,  während  bei  andern  Typo- 
graphen  diese  Federchen  nicht  vorhanden  sind,  der  Buchstabe  aber  im  Uebrigen 
dieselbe  Form  hat. 

Das  11  kommt  in  6  Hauptarten  vor,  die  man  sofort  entdeckt,  wenn  man  es 
weiss.  Das  eine  11  ist  von  reichlicher  Breite,  wir  wollen  es  wenigstens  in  den  nach- 
folgenden Beispielen  als  „br^t"  bezeichnen  zum  Unterschied  von  einem  „mittel- 
leiten"  und  einem  viel  schmäler  vorkommenden,  das  wir  ,fäehnuMV*  nennen 
werden.  Jedes  dieser  H  hat  wieder  zweierlei  Arten ;  bei  der  einen  hat  es  in  der  Mitte 
der  beiden  senkrechten  Hauptbalken  einen  horizontalen  Querstrich  mit  einem  Punkte 
in  dessen  Mitte,  die  andere  Art  hat  diesen  Querbalken  einfach  nicht.  Zum  Studium 
mag  man  nun  folgende  meist  seltene  Druckwerke  vergleichen. 

Ausser  den  drei,  schon  oben  im  Hortus  sanitaüs  beschriebenen  Schriftgrössen, 
finden  wir  in  Nicolai  de  Lyra  „  Posiilla'^  von  1492  bei  Johann  Pryss  noch  eine  vierte 
kleine  Gotlüsch;  sie  ist  hier  bloss  fnr  die  Glosse  verwendet  und  es  gehen  davon  auf 
nur  19  Centimeter  84  Zeilen.  Von  der  im  Hortus  1498  verwendeten  genau  ebenso- 
gössen  Gothisch  unterscheidet  sie  sich  durch  meist  andere  Versalien,  wodurch  sie 
-auch  in  ihrer  ganzen  Erscheinung  einen  etwas  andern  Charakter  zeigt.  — 

Bei  Johann  Qrüninger  findet  sich  in  Boetii  »De  discipline  scolarium*'  1495 
{Hain  8424)  eine  der  kleinsten  gothischen  Typen,  bei  welcher  84  Zeilen  knapp 
<iie  Höhe  von  1 1  Centimeter  erreichen ;  sie  ist  deshalb  auch  hier  nur  zur  Glosse  ver- 
wendet, für  den  Text  dient  eine  mittelgrosse  Gothisch,  die  aber  so  starlc  durch- 
schossen ist,  dass  sie  um  so  grosser  erscheint.  Dass  Grüninger  hier  der  Drucker 
ist,  beweisen  die  grösseren  Tyen  der  Blatt- Ueherschrif teil,  die  sich  auch  in  andern 
Druckwerken  Grfininger^s  wiederfinden. 

Eine  dritte  Grfininger'sche  Gothisch  von  Mittelgrosse  finden  wir  in  „Oratio  contra 
Invasores  Sacerdotum"  von  circa  1490  (Hain  13027).  Die  Höhe  von  84  Zeilen  be- 
trägt hier  13*lio  Centimeter;  das  II  ist  mittelbreit,  mit  Querbalken  und  ziemlich 
schlank,  das  £  hat  nach  links  die  schon  näher  besprochenen  zwei  kleinen  Federchen 
und  das  K  hat  die  zwei  feinen  Querbalken  in  der  Mitte.  Als  weitere  Unterscheidungs- 
iteichen  von  der  gleichen  Type  anderer  Drucker  finden  sich  hier  die  Versalbuchstaben 
Siy  3  und  D  in  zwei  verschiedenen  Arten  vor. 

Noch  eine  Gothisch  hat  Grüninger  in  Antonini  j,Repertorium'^  1496  (Hain  1S49) ; 
bei  dieser  beträgt  die  Höhe  von  34  Zeilen  genau  12  Centimeter,  daher  sie  zu  den 
ftleineren  Arten  zählt,  obwohl  sie  hier  noch  als  Textschrift  verwendet  ist,  wobei 
■allerdings  auf  die  gewöhnliche  Spaltenhöhe  in  Mittel-Folio  nicht  weniger  als  67  Zeilen 
kommen.  Das  H  ist  hier  schmal,  das  U  ohne  Sehrägbalken  und  das  t  ohne  Federchen. 
Ausserdem  hat  das  JA  eine  andere  Form  wie  bei  den  meisten  gothischen  Mittel- 
Typen.  — 

Wir  kommen  nun  zu  Martin  Flach  in  Strassburg,  der  bei  seiner  reichen  Aus- 
wahl von  Typen  die  gewöhnliche  Gothisch  besonders  in  zwei  Mittelgrössen  viel  ver- 
wendete, und  dessen  anonyme  Drucke  oft  mit  solchen  von  Heinridi  Quentel  h%  Cöln 
verwechselt  werden,  wenn  man  nicht  genauer  untersucht. 

Eine  mittelgrosse  gothische  Textschrift,  bei  welcher  sich  auf  84  Zeilen  eine  Höhe 
von  18*/io  bis  18'/io,  im  Durchschnitt  aber  13^*1»  Centimeter  ergeben,  findet  sich 
bei  Martin  Flach  in  folgenden  Druckwerken:  Antonini  f,Confeftionale^  1488;  Bona- 
venturae  i,Opuscula'^  1488;  im  ffMariaW  1498  und  in  Raimundi  de  Sabunde  ^Theo- 


—     Strassburg.     —  120 


iogia  naturalis'*  1501«  Bei  dieser  sehr  hübschen  Gothisch  ist  das  £  ohne  Federchen, 
das  n  schmal  mit  Querbalken  und  Punkt  in  der  Mitte,  das  tt  ohne  Schrfigstriche. 
Ausserdem  erkennt  man  den  Drucker  an  den  grossem  oft  ^wiederkehrenden  Typen 
der  Blatt-  und  Capitel-Uebersehriften. 

Bei  Martin  Flaches  kleinerer  Gothisch  kommen  auf  die  H5he  von  34  Zeilen  nur 
lJ^/10  CenUmeter.  Das  11  ist  hier  ebenfalls  schlank,  aber  ganz  ohne  Querbalken, 
das  IC  ebenfalls  und  das  €  ist  ohne  Federchen,  das  üt  ist  ein  anderes.  Diese  Type 
kommt  unter  andern  vor  in  Bemardini  de  Busti  j,Mariale'*  1496  und  in  Angeli  de 
Clavasio  ,, Summa'*  149S.  Es  ist  anseheinend  genau  dieselbe  Type,  wie  in  Johann 
ihümnger's  «Repertorium  Antonini*  1496;  Selbst  das  abweichende  itt  ist  ganz  wie 
bei  Flach,  und  man  würde  die  Drucker  kaum  unterscheiden  können,  wenn  sich  nicht 
ergäbe,  dass  die  Grüninger'sche  Type  noch  merklich  kleiner  ist,  indem  liier  84  Zeilen 
nur  12  Centimeter  hoch  sind,  anstatt  12",  10.  Das  Alles  haben  Hain  und  andere 
berühmte  Bibliographen  nicht  bemerkt,  imd  so  blieb  es  in  der  Regel  bei  dem  bekannten 
«Typographus  ignotus.*'  — 

Bei  Peter  Attendorn  in  Strassburg  ist  die  gothische  Type  mittelgross,  und  kommen 
auf  die  Hohe  von  34  Zeilen  13^ Iva  CenUmeter.  Das  H  ist  schmal  mit  Querbalken  in 
Form  eines  langgezogenen  Striches;  das  tt  hat  die  zwei  Schrägstriche  und  das  £  die 
zwei  Federchen.  Ausserdem  finden  sich  die  Versalien  P,  3,  M  und  S  in  zweierlei 
Arten  vor.    Man  findet  dies  in  Wimphelings  „Directorium  statuum"  1498.  — 

Auch  Martin  Schott  in  Strassburg  führte  die  gothische  Type,  aber  mit  vielfach 
andern,  mehr  g^chnörkelten  Versalien.  Das  )l  ist  hier  breit,  mit  Querbalken  und 
Punkt  iu  der  Mitte,  und  vom  mit  doppeltem  Grundstrich.  Die  Hohe  von  84  Zeilen 
betragt  hier  13^fio  Centimeter.  Man  findet  die  Type  beispielsweise  in  Augustini 
,Opus  canonnm«'  1490  mit  Schottes  Firma.  — 

Noch  weisen  wir  hin  auf  Matthias  Schürer  in  Strassburg,  dessen  anonyme  Drucke 
oft  mit  solchen  von  Chrünmger  und  Heinrich  Quentel  verwechselt  werden.  Sein  Vi  ist  aber 
viel  s(M4inker  und  mit  Querbalken,  der  im  IC  fehlt,  auch  ist  das  €  ohne  die  zwei  Feder- 
Hsben  nach  vom.  Man  sehe  die  Type  in  Geiler  von  Eaisersperg:  „De  oratione  dominica" 
1510,  und  vergleiche  sie  besonders  mit  Drucken  von  Orüninger  und  Quentel.  — 

Auch  bei  Cornelius  de  Zyrychzee  in  Cöln  finden  wir  die  gothische  Type,  und 
zwar  ganz  ähnlich  wie  bei  Heinrich  Quentel  und  dessen  Erben  von  1502  ab.  Genauer 
betrachtet  ist  aber  Zyrychzee  sehr  leicht  zu  unterscheiden.  Das  £  hat  bei  ihm  nic^t 
die  zwei  Federchen  nach  vom,  auch  findet  sich  noch  ein  zweites  ganz  anderes  €  bei 
ihm  vor,  und  das  )l  ist  viel  schlanker.  Das  (ffi  findet  sich  sogar  in  dreierlei  Formen 
vor,  überhaupt  erkennt  man  leicht  mehrfache  Verschiedenheiten  in  den  Versalien. 
Man  vergleiche  von  Zyrychzee  y^Mensa  phHosophica**  1508,  mit  dem  niedlichen  colorirten 
Titelbilde.  Uebrigens  findet  man  bei  genauem  Ausmessen  auch  noch  einen  Unter- 
scMed  in  der  Grösse  des  Schriftgrades,  indem  bei  Zyrychzee  auf  84  Zeilen  IS^/ao  bis 
I8V10  Centimeter  kommen,  bei  Quentel  aber  nur  IS^io  Centimeter  im  Durchschnitt.  — 

Der  QuentePschen  Gothisch  noch  ähnlicher  und  selbst  in  der  Hohe  von  84  Zeilen 
i&it  18^/io  Centimeter  übereinstimmend,  finden  wir  sie  bei  Heinrich  Oran  in  Hagencm 
in  Holkot  ,Super  saplentiam  Salomonis*'  1194  (Hain  No.'8761).  Hier  hat  auch  das 
-t  die  zwei  Federchen,  das  U  ist  eben  so  breit,  auch  das  V  ist  dasselbe,  und  man 
würde  sie  für  genau  dieselbe  Type  erklären  müssen,  wenn  sich  nicht  ein  unterschied 
vorfinde,  der  trots  der  völlig  gleichen  Kegelhohe  und  der  Form  der  Typen  den 
Beweis  giebt,  dass  es  nicht  dieselbe  Schrift  sein  kann,  denn  das  kleine  i  hat  bei 
Quentel  und  Andern  den  gewohnlichen  JPunhi,  bei  Gran  dagegen  einen  kleinen 
Strich,  der  häufig  sogar  mit  dem  Grundstriche  des  i  so  zusammenhängt,  dass  er 
gar  nicht  als  Punkt  erscheint 

Man  vergleiche  nur  genau  die  mit  Firma  versehenen  Drucke  von  Quentels  »Trac- 
tstus  Alberti  Magnl*  1498,  und  Grands  HoJkot  ^Opus  super  sapientiam  Salomonis*'  1494. 
Beide  Drucker  haben  sogar  als  Trennungszeichen  bei  getheilten  Worten  am  Ende 


l^o  "^     Strassburg.     — 

41er  Scalen  ^oen  idemMch  grossen,  unsenn  heutigen  Komma  ähnlichen  Sckrägstridt, 
der  Jedeeh  bei  Gran  nicht  ganz  so  lang,  auch  mitunter  doppelt  ist  und  dann  unsenn 
heutigen  „Divis"  gleichkommt. 

Es  liegt  uns  nun  von  Emirich  Gran  ein  zweiter,  aber  anonymer  Druck  vor, 
den  noch  kein  Bibliograph  festzustellen  wusste,  den  man  aber  an  den  schon  angegebenen 
Merkmalen  sofort  erkennt,  wenn  man  ihn  mit  Gran's  HoTkot  «Opus  super  sapieotiam 
Salomonis"  1494  vergleicht:  es  sind  die  in  klein  Quart  gedruckten  y^Semumes  SaneU 
AugtMtmi'^  circa  1490.  Selbst  alle  die  zahlreichen  Abbreviaturen  sind  genau  dieselben, 
von  denen  übrigens  nicht  wenige  auch  bei  Qnentel  vorkommen,  dem  man  daher  auch 
Jene  „Sermones  Angustini"  mitunter  zugeschrieben  hat,  während  sie  Hain  unter 
No.  1996  fälschlich  dem  Martin  Flach  vindicirt. 

Interessant  ist  aber,  dass  man  die  gleichen  Typen  und  vielfach  auch  die  gleichen 
Abbreviaturen  im  ersten  Tübinger  Drucke  von  Friedrich  Me^nberger :  Gabrielis  Biel 
„Bpitoma  expositionis  canonis  missae"  1499  vor&ndet.  Die  Typen  sind  aber  bei 
Meynberger  um  ein  Geringes  grosser,  denn  84  Zeilen  haben  IS^/io  Centimeter  Höbe. 
Auch  hat  er  als  Theilungszeiehen  unser  gewöhnliches  Divis,  sonst  ist  aber  in  den 
Typen  selbst  kein  Unterschied  zu  entdecken;  der  Punkt  über  dem  i  ist  übrigens 
wie  bei  Qi/ientel,  nicht  wie  bei  Oran.  — 

Auch  in  Mainz  finden  wir  die  fragliche  Gothisch  mehrfach  vertreten.  P^o' 
Friedberg  hat  sie  in  seinen  schon  unter  „Mainz"  aufgeführten  Drucken  bis  1498,  doch 
ist  sein  II  viel  schlanker  und  das  V  ohne  die  zwei  feinen  Schrägbalken ;  auch  ist  sie 
etwas  grösser,  denn  die  Höhe  von  34  Zeilen  schwankt  zwischen  IS^io  und  l&^io  Centi- 
meter, kommt  also  in  der  Grösse  ziemlich  der  von  Johann  Pryss  in  Strassburg  gleicta 

Dasselbe  ist  nun  auch  der  Fall  bei  Friedrich  Heumannn,  dessen  Drucke  vir 
ebenfalls  unter  Mainz  beschrieben ,  und  in  denen  34  Zeilen  an  den  meisten  Stellen 
auch  13^/10  Centimeter  Höhe  ergeben;  doch  ist  sein  )l  mit  Querbalken  breit,  das  £ 
bat  die  zwei  Federchen  imd  das  V  die  zwei  feinen  Schrägbalken. 

Bei  Johann  Schaff  er  findet  sich  die  Gothisch  ebenfalls  täuschend  ähnlich;  die 
84  Zeilen  sind  aber  nur  13^/io  bis  13^/io  Centimeter  hoch,  also  im  Mittel  Jd^/ao.  Dabei 
ist  das  )l  schmal,  das  U  ohne  Schrägbalken  und  das  £  ohne  die  zwei  Federeben 
nach  vom.  Man  vergleiche  zum  Beispiel  dessen  j,Mawuale  curatorum'*  von  Sttrgatit 
1508.  Schon  die  gänzliche  Verschiedenheit  der  angeführten  drei  VersalbudisicAen 
würde  hinreichen,  um  die  gothischen  Drucke  Johann  SchÖffer's  von  denen  Heumum^s 
sicher  zu  unterscheiden,  trotzdem  die  Typen  im  Uebrigen  sich  aufs  Haar  gleichen. 

'Wenn  man  überhaupt  die  von  uns  angegebenen  sehr  einfachen  Vortheile  kennt, 
und  sich  nebenbei  für  besondere  Fälle  eines  sehr  starken  Vergrösserungsglases  bedient, 
wird  man  nie  in  die  Lage  kommen,  einen  anonymen  Druck  falsch  zu  bezeichnen, 
oder  den  Drucker  nicht  bestimmen  zu  können.  Natürlich  gehört  dazu  audi  eine 
Incunabeln-Sammlung,  die  für  die  Autopsie  aUes  nöthige  Material  bietet. 

Besonders  rathsam  ist  es,  zunächst  die  ersten  Drucke  der  berühmtesten  Typo- 
graphen  und  frühen  Druckstädte  gehörig  zu  studieren,  dann  zu  untersuchen,  welche 
neue  Typen  etwa  im  Laufe  der  Jahre  bei  diesem  oder  Jenem  Typographen  auftauchen. 
Es  ist  dies  nothwendig,  um  unter  Umständen  nicht  etwa  falsche  Schlüsse  zu  ziehen, 
was  leicht  geschehen  könnte.    Ein  einfaches  Beispiel  wird  dies  sofort  klar  machen. 

Wenn  man  nämlich  die  so  ungemein  ähnlichen  gothischen  Typen  yon  Qaentel, 
Flach  imd  Andern  mit  dem  ersten  Hagenauer  Drucke  von  Heinrich  Gran :  CormUus 
magistri  Joanms  de  Garlandria  1489  vergleichen  wollte,  weil  man  weiss,  dass 
Heinrich  Gran  ganz  ähnliche  Typen  geführt  haben  soll,  dann  würde  man  sich  getäuscht 
sehen,  denn  Jener  Erstlingsdruck  enthält  zwar  auch  schon  eine  sehr  hübsche  gothisetae 
Type,  aber  sie  ist  schon  durch  ihre  niedlichen  und  meist  verzierten  Versalien  gänzlich 
verschieden  von  Gran's  späterer  Brodschrift,  die  der  gothischen  so  vieler  andrer 
Typographen  täuschend  ähnlich  ist,  und  unsere  berühmtesten  Typographen  zu  ganz 
falschen  Schlüssen  führte. 


—     Strassbnrg.    —  Iij 

So  schreibt  zum  Beispiel  ffain  unter  Nr.  1998  die  Sermones  Augusüni  von  dtrea 
1490  dem  Martin  Flach  zu,  der  allerdings  in  Bemardi  Sermones  1497  eine  täuscbend 
Ihnlicbe  Type  aufweist;  doch  wird  sie  Niemand  für  die  gleidie  halten,  der  sich  die 
liübe  nimmt,  naher  zu  untersuchen.  Denn  die  schon  öfter  angeführten  Versalien  £ 
tt  und  1(  sind  bei  Qran  und  bei  Flach  ganzlich  verschieden;  auch  findet  man  Ja 
leicht  das  schon  oben  angeführte  hauptsachlichste  Unterscheidungszeichen  in  dem 
Buchstaben  t,  der  bei  Flach  einen  wiridichen  Punkt,  bei  Gran  aber  nur  einen  feinen 
Strich  als  Punkt  aufweist.  Wer  nur  einigermassen  nicht  ins  Blaue  hineinschreiben  will, 
möchte  sich  doch  wohl  ffir  die  Folge  etwas  mehr  um  so  auffallige  Merkmale  kümmern, 
üebrigens  hat  vrohl  Hain,  obgleich  er  das  Werk  selbst  gesehen,  die  Notiz  bezuglich 
Flach  nur  dem  frühern  Irrthum  Panzer's  unter  No.  484,  Band  I  Seite  90  seiner 
,A.iiQales*<  nachgeschrieben. 

Wir  konnten  Hunderte  von  derartigen  Beispielen  anfuhren,  wollen  aber  den 
künftigen  Bibliographen  nicht  allzusehr  das  eigene  Forschen  und  „Finden*  verderben. 
Nur  mögen  noch  einige  wichtigere  Typographen  des  fünfeehnten  und  vom  Anfange  des 
sechszehnten  Jahrhunderts  hier  Erw&hnung  finden,  deren  ähnliche  gothische  Typen 
mit  mehr  oder  weniger  Abweichungen  ein  besonders  interessantes  Studium  bieten. 
£b  sind  dies  namentlich  folgende :  Johann  Amerbach  in  Basel,  Arnold  de  Colonia  in 
Leipzig,  Peter  Berger  in  Augsbui^,  Laurent  Bornemann  in  Münster,  Michel  Furter 
in  Basel,  Lucas  Antonius  de  Giunta  in  Venedig,  Nicolaus  Götz  in  Coln,  Bartholo- 
mäus Gothan  in  Lübeck,  Johann  Froschauer  in  Augsburg,  Gregorius  de  Forlivlo  in 
Venedig,  Michel  Gryff  in  Reutlingen,  Conrad  Hist  in  Speier  in  seinem  Donatus  von 
1498,  Nicolaus  Jenson  in  Venedig,  Nicolaus  Eesler  in  Basel,  Heinrich  Knoblochzer 
in  Heidelberg,  Anton  Kobei^er  in  Nürnberg,  Peter  LÖslein  und  Hermann  Liechten- 
stein in  Venedig,  Martin  Landsber^  und  Melchior  Lotther  in  Leipzig,  Friedrich 
Misch  in  Heidelberg,  Kilian  Piscator  in  Freiburg,  Baptista  de  Tortis  in  Venedig, 
Erhart  Batdolt  in  Venedig  und  Augsburg,  Bernhard  Richel  in  Basel,  Johann 
SchÖnsperger  in  Augsburg,  Johann  Schopser  in  München,  Sensenschmid  &  Friesner 
in  Nürnberg,  Simon  de  Luere  in  Venedig,  Anton  Sorg  in  Augsburg,  Arnold  Ter- 
hoemen  in  Cöln,  Ugo  Rugerius  in  Bologna^  Peter  Wagner  in  Nürnberg,  Paul  Wider 
in  Erfurt  und  Andere. 

Die  gotfaischen  Typen  dieser  Typographen,  die  mit  wenig  Ausnahmen  natürlich 
auch  noch  aadere  Schriften  führten,  bieten  in  ihren  Einzelheiten  sehr  interessante 
Abwechselungen  dar,  besonders  in  den  Versalbuchstaben,  den  ligaturen  und  Abbrevia- 
turen. Indem  wir  in  Bezug  auf  den  obigen  y^Hortus  sanitaüs'^  von  Jobann  Pryss 
den  Naehw^  des  Typographen  durch  seine  Typen  führen  mussten,  haben  wir  nicht 
unterlassen  vollen,  auch  noch  einige  andere  interessante  Beispiele  dieser  Art  passend 
uzusehliessen.  —  

No.  231. 

i^3Martil0{ittt  itx  fjnlxitn  \\  Vidi)  htm  kalenber/^ 

Strassbnrg^  Johann  Pryss,  1484.    Folio-Format. 
Interessanter  alter  Druck  in  eigenthümlicher  Schrift,  mit  Druckfirma  und  Jahr- 
•alil;  ftflWkpid  sind  M*  schl^BfC^ht  ansgodmokten  Initialen  von  eigentbüiiüi€jt^r^<)^pqB. 
Der  Titel  ist  in  Holz  geschnitten.  — 


No.  232. 

^^Skxmtmtis  8l)efattri  ||  noui  br  5ttictte/^ 

Strassburg^  Johann  Pryss,  1484.    Folio-Format. 
Bas  Werk   hat  nur  die  Angabe   des  Druckortes  und  der  Jahrzahl;   die  Firma 
feihlt    Aber  durch  Vergleichung  mit  andern  legitimirten  Drucken  von  Pryss  ^  z.  B. 

9* 


1^2  —    Strassburg. 


mit  dem  „Martyrologium  der  Heyligen"  von  1484  mit  Firma  findet  man,  dast  die 
Typen  der  grossen  Capitelüberachriften.  vollständig  gleich  sind,  aueh  weisen  Eiiuel- 
heiten  der  damals  allgemein  gebräuchlichen  Gothiscb  des  Textes  deutlich  auf  Jo- 
hann Pryss.    Fehlt  bei  Hün,  steht  aber  bei  Panzer  I,  Seite  26.  — 


No.  233. 

^^Äationalf  biuinoHrum  officiorum/^ 

Strassbnrgy  Johann  Pryss,  1486.     Folio-Format. 

Diese  nur  mit  Druckort  und  Jahrzahl  versehene  Ausgabe  des  Durand!  y^RaUonaU* 
ist  ohne  Zweifel  dem  Johann  Pryss  zuzuertheilen,  denn  die  Typen  sind  dieselben 
wie  in  vielen  andern  Drucken  von  ihm;  auch  ist  das  originelle  JS  das  sicherste 
Kennzeichen.  Hixin  beschreibt  das  Werk  unter  Nr.  6491  nach  dem  Münchner  Exem- 
plare, kannte  aber  den  Drucker  nicht.  — 


No.  234. 

^,?Brtuff  fanitatia .  .  .^^ 

Strassburg,  Johann  Pryss,  circa  1487.'    Folio-Format. 

Die  tmeüe  Auflage  des  Pryss^chen  Eortus,  von  welchen  wir  die  erste  unter 
Nr.  280  kennen  lernten.  Hiün  fuhrt  sie  unter  Nr.  8942  an,  wieder  ohne  Drucker, 
aber  mit  der  Notiz,  dass  diese  Ausgabe  wahrseheinlich  aus  der*Offizin  der  vorigen 
stamme.  — 

No.  235. 

^^fUtXitm  malfllftcanim/* 

Strassbni^,  Johann  Pryss,  1487.    Folio-Format. 

Yerfasser  dieser  berüchtigten  Schrift,  welche  zu  Deutseh  „Hexen-Hammer"  ge- 
kannt wird,  sind  die  beiden  Inquisitoren  HenricM  Insütoris  und  Jacob  Sprenger; 
sie  enthält  eine  Sammlung  der  auf  die  «Hexerei*  bezüglichen  Gesetze.  Die  Typen 
der  Ausgabe  sind  dieselben  wie  die  in  den  Pryss^schen  ^fforttis'^f  weshalb  wir  diesen 
nndatirten  Druck  ohne  Firma  auch  diesem  Drucker  zutheilen  müssen,  obgleich  Hiün 
unter  Nr.  9288  schon  eine  andere  Ausgabe  ohne  Druckfirma  dorn  Pryss  zuschrieb, 
dagegen  von  vorli^ender,  welche  von  ihm  unter  Nr.  9239  beschrieben  ist»  den 
Typographen  nicht  zu  nennen  wusste.  — 


No.  236. 

3triil)anu0  ?li||fm0  it  30ntin0:  ^^Vamtatc»  fcntmtiantm 

Strassburg,  Johann  Pryss,  1487.    Klein  Quart-Format 

Das  Werkehan,  eine  Sammlnng  von  Bedensarten  und  Phrasen  mit  Berück- 
siflbtigung  ihrer  Yerschiedenheiten  und  Synonymität  in  deutscher  und  lateinlseher 
Sprache,  hat  am  Schlüsse  Firma  und  JahrzaU.  — 


—     Strassburg.     —  133 

No.  237. 

^Jafctculu0  tttapon  omnt^  anfi{|i|utorum  cromca0  c0nqUectm0.^ 

Strassburg^  Johann  Pryss,  1488.     Folio-Format. 

Mit  Druckort,  Finna  und  Datimng.  Der  Verfasser  des  bekannten,  oft  auf- 
gelegten Werkes,  einer  Chronäc  von  Anfang  der  Welt  bis  zum  Jabre  1484,  ist  der 
Cartäuser-MÖncb  Werner  Bolevinck.  Die  Ausgabe  ist  mit  einigen  kleinern  Holz- 
scbmttchen  ausgestattet  Unter  dem  Jabre  14tS7  dieser  Cbronik  befindet  sich  eine 
Notiz  über  die  ssu  Mainz  erfimdene  Buckdriickerkunst.  — 


No.  238. 
Strassburg^  Johann  Pryss,  1488.    Klein  Folio-Format. 

Eins  der  ältesten  deutsoben  Formular-Bücber,  in  Scbwabacber  Scbxift  gedruckt. 
])ass  Johann  Pryss  der  Drucker  ist,  beweisen  seine  Typen;  auch  trägt  die  spätere 
Btmte  Auflage  des  Werkes  von  1502  die  Dnuikfirma.  Diese  Ausgabe  ist  zwar 
wiederum  aus  einer  etwas  andern  Type  gedruckt,  aber  zum  Titel  des  Buches,  der 
bis  auf  das  grosse  F  ganz  in  Holz  geschnitten  ist,  hat  man  1502  wieder  ganz  den- 
selben Holzstock  benutzt,  und  nur  ein  anderes,  ebenfalls  in  Holz  geschnittenes,  aber 
nicht  so  grosses  JP  vorn  angesetzt,  weil  hier  das  hinzugefügte  originelle  Titelbild 
weniger  Baum  für  den  darübergedruckten  Buchtitel  übrig  liess.  Eine  Ausgabe  des 
Johann  Pryss  von  1483  beschreibt  Panzer  ausführlich  in  seinen  „Annalen"  unter 
No.  181;  die  vorliegende  citirt  er  nur  kurz  unter  No.  260,  Jedoch  besitzt  München 
ein  Exemplar,  welches  .Hain  imter  No  7263  beschreibt,  ohne  den  Drucker  zu  kennen. 

Interessant  ist  femer  eine  Yergleichung  der  Ausgabe  des  Johann  Pryss  von 
1502  mit  derjenigen  des  Johann  Knoblock  von  ISll,  Beide  sind  gleichlautend 
und  man  könnte  die  letztere  für  Nachdruck  halten,  wenn  Knobloch  nicht  merk- 
würdiger Weise  zum  Tltelbilde  seiner  Ausgabe  genau  denselben  Holzstock  benutzt 
bätte  wie  Pryss  neun  Jahre  früher.  Man  kann  also  nur  annehmen,  dass  Johann 
Pryss  das  Verlagsrecht  sammt  dem  Holzstocke  an  Knobloch  abgetreten  habe.  — 


No.  239. 

Strassburg^  Johann  Pryss,  1489.  Klein  Folio-Format. 
Der  anonyme,  von  Hain  imter  8105  beschriebene  Druck  ist  unzweifelhaft  von 
Pryss  in  Strassburg)  denn  die  Typen  sind  genau  dieselben  wie  bei  dem  unter 
No.  887  angeführten  „Fasciculus  temporum*  von  1488  und  andern  mit  Firma  ver- 
sehenen Drucken.  Man  vergleiche  besonders  das  originelle  jS  mit  den  zwei  Schräg- 
balken, das  bei  keinem  zweiten  Drucker  in  dieser  Form  vorkommt.  Am  Ende  der 
Apocaiyps«  steht  nur  die  Jahrzahl  M.  CCCCLXXXIX.  — 


No.  240. 

i^Stblia  fiaufierum  a  bo||inmo  ISünauenfura  ebi|{fa  tmnxbg 

jirfbicatari-||btt0  ptxnXxlx^^^ 

Strassburg,  Johann  Pryss,  1490.     Klein  Quart-Format. 
Das  Werk   hat  nur  die  Datirung  von  1490,  aber  keine  Angabe  der  Druckfirma; 
das  charakteristische  S  jedoch  lasst  die  letztere  erkennen.    Hain  Nr.  8502.    Bisher 
begnügte  man  sich  mit  dem  beliebte  )  „Typographus  ignotus".  — 


1^4  —     Strassburg.     — 

No.  241. 

Strassburg^  Johann  Pryss,  drca  1492.     Folio-Format. 

Die  dritte  Auflage  des  interessanten  Werkes.    Hain  No.  8948  hat  diese  Ausgabe 
angefahrt,  aber  nicht  selbst  gesehen.  — 


No.  242. 

^i%mxtn  ptLxa  im  Vtcolat  br  firaUcum  fuie  abbtttonibus, 
beqa  rrpUcia  ||  tractan^  fttper  toto  corpore  biblie/^ 

Strassburg,  Johann  Pryss,  1492.     Folio-Format, 

Dieser  vierte  Theil  der  „Postilla  über  die  Bibel"  mit  den  Erg&nzungen  des  Paulus 
Btii^ensis  enthalt  das  neue  Testament.  Der  Dmcker  ist  nicht  angegeben,  w<dil  aber 
Ort  und  Jahrzahl«  Erstem  erkennt  man  an  den  grossen  Typen  der  Ueberschriften, 
welche  wir  schon  in  andern  Werken  antrafen.    Hain  No.  3169.  — 


No.  243. 

^QRn  €rotttca  uon  anfang  ber  weit  •  btj^  ||  uff  ble  jar  Cljrtfti 
pl.  cccc.  IjTTfiij.  Cle-i|nattt  ^Fafctcttlus  temjiorttitt  •  CKn  bttrt 
lin  ber  }^t  •  fagt  tion  allen  Itppn  •  m  \\  IKet^fem  P9ud)  von 
nxl  mar^fftigrn  gr||fd)td)ten.  Uni  mt  mm  H»  nerven  jj 
fol  fud)  am  er^en  jilat  nad)  be  regtftfr/* 

Strassbnrg,  Johann  Pryss,  circa  1498*     Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  ohne  Datirung  und  Druckfirma  setzt  Hain  unter  No.  6940  und 
auch  Brunet  in  Band  II,  Columne  1189-  unter  Strassburg,  ohne  den  Drucker  an- 
geben cn  können.  Letzterer  ist  unzweifelhaft  Pryss;  das  beweisen  die  Holzschnitte 
dieser  Ausgabe,  welche  dieselben  sind,  wie  die  seiner  lateinischen  und  mit  Firma 
versehenen  Ausgabe  vom  Jahre  1488;  nur  dass  hier  noch  einige  Abbildungen  hinzu- 
gekommen sind.  Da  die  Chronik  in  obiger  Ausgabe  bis  in  das  Jahr  1498  gebt, 
dürfte  der  Druck  kaum  vor  1493  vollendet  worden  sein. 

Die  Schwabacher  Schrift  des  Textes  und  die  grössere  gothische  des  Titels  imd 
der  Ueberschriften  sind  ebenfalls  dem  Pryss  angehörig.  Ein  grösserer,  eigenthümlicb 
roher  Holzschnitt,  einen  Pilger  mit  dem  liosenkranze  darstellend,  bekleidet  die  Rück- 
seite des  Titelblattes.    Auf  dem  numerirten  Blatte  126  dieser  deutschen  Ausgabe  liest 

man  unter  dem  Jahre  1457:  ,/?E)ie  ^rutfcr  bet  hÜ6:)et  WUtbent  jiemevW 
Möglicherweise  hat  das  Erscheinen  des  grossen  j^Mainzer  Psalierium'* ,  welches  mit 
dieser  Jahrzahl  zuzammentrifPt ,  erst  diese  nachhaltige  Wirkung  auf  die  grossere 
Verbreitung  der  Kunst  ausgeübt. 

Win  man  annehmen,  dass  nach  der  Trennung  Gutenl>erg'8  von  seinen  undank- 
baren Gesellschaftern  um  1456  sich  schon  die  erste  Auswanderung  der  Mainzer  Ge- 
hilfen ereignet  hat,  welche  gegen  Fust  und  SchÖflfer  wohl  nicht  dieselbe  Verbindlich- 
keit hatten,  wie  gegen  Gutenberg,  so  bildet  diese  Stelle  der  Chronik  eines  gleicheeitig 
•und  in  der  Nähe  von  Mainz  lebenden  Autors,  Werner  Rolevinck  von  Laer,  ein  be- 
deutsames Zeugniss  und  ein  wichtiges  Document  für  die  Erfindungsgeschichle  der 
typographischen  Kunst.  — 


—     Strassburg.    —  l^j 

No.  244. 

8tniB8burg,  Johann  Fryss,  circa  1498.     Folio-Format. 

Die  vierte  und  leiaste  Auflage  desselben  Druekers,  die  vir  sclion  bei  der  ersten 
unter  Ko.  280  ausfütirlicli  mit  besprochen  haben.    Hain  hat  sie  nicht  au%efulirt.  — 


No.  245. 

„t)M  ifl  fant  Paule  leben  ||  bte  crften  tynfibtle  •  vnb 
ifl  aud)  bM  leben  btB  \\  beyligen  mattere  fant  %nt\)iniQB 
wie  iy  in  btt  \\  wftfte  warcnt  vn  fy  got  fpyfet  butd^ 
ein  tappen  ||  Vinb  wie  fy  ix  leben  geffitt  i^aben .  vnb 
wie  fy  vfs  ||  Mfer  weit  vtxfdiybtn  fynb/' 

S^trassbnrgj  Johann  Pryss,  14$8*     Klein  Quart-Format. 

Ein  'biteressaaiter  Druck,  in'  Schwabacher  -  Typen  ausgeführt.  Die  Majuskeln 
geboren  aber  der  gothiaohen  Type  des  Johann  Pryss  an;  unter  dieser  kommt  anoh 
das  bekannte  S  vor.  Diese  Legende  hat  nur  Datirung  und  Druckort,  aus  genannten 
Merkmalen  war  der  Drucker  aber  leicht  zu  erkennen.  Das  Werkchen  ist  mit  21  hüb- 
sehen Holzschnitten  geziert.  Hain  führt  es  unter  No.  12474  iein,  ohne  den  Drucker 
zu  kennen.    Panzer  hat  das  Werkchen  nicht  gekannt.  — 


No.  246. 

,,3F0rmttUre  unb  ||  Sfitfd)  r^rtorica.^' 

Strassbvrgr^  Johann  Pryss,  1502.     Klein  Folio-Format. 

Die  zweite  mit  Druckfirma  und  Jahrzahl  versehene  Auflage  des  Werkes,  von 
T^elchcr  -wir  schon  bei  der  ersten  von  1488  unter  No.  238  sprachen.  Der  Titelholz- 
Bchnitt  ist  derselbe,  den  wir  schon  bei  der  ersten  Ausgabe  des  „Hortus  sanitatis' 
unter  No.  280  zu  erwähnen  hatten  und  der  uns  mit  in  den  Stand  setzte,  den  Hortus 
und  eine  Reihe  anderer  bisher  unbestimmter  Drucke  auf  Johann  Pryss  zurück- 
xufübren.  — 


No.  247. 

),Margarita  poetica.'^ 

StrassbHFgy  Johann  P^yss,  1508.     Quart-Format. 

,Die  Perle  Dichtkunst'  ist  das  bedeutendste  Werk  des  Albrecht  von  Eyh,  eines 
Schriftstellers  im  fünüzehnten  Jahrhunderte,  den  seine  Zeit  als  Staatsmann,  Redner 
und  Dichter  gleich  hodiachtete.  Das  Werk  ist  eine  Verherrlithung  der  DicMkunst 
ond  Zugleich  eine  gelehrte  Prosodie;  der  erste  Theil  giebt  die  Theorie,  der  zweite 
die  Ausübtmg  der  Kirnst  in  Anfuhrungen  aus  den  Werken  der  berühmtesten  Redner 
und  Dichter  des  Alterthums. 

Der  starke  Quartband  ist  in  Antiqua  gedruckt  mit  Angabe  des  Drückortes,  der 
Pinna  und  Jahrzahl.  — 


136  —     Strassburg.     — 

No.  248. 
^^IBajlttße  l&antutant  ||  Bucolica   feu   adolescentia  in  decem 
SBglogas  II  diuisa  :  Ab  Jodoco  Badio  Ascensio    fami||liariter 

exposita  :  cum  indice  edictionu." 

Strassburg,  Johann  Pryss,  1508.       Klein  Quart-Format. 

Diese  mit  langen  Conunentaren  versehene  bukolische  Dichtung  auf  die  Jugend 
ist  in  Antiqua  gedruckt  und  tragt  die  Jahrzahl,  sowie  Dmokort  und  Firma.  Daran- 
gebanden ist  desselben  Yerfassers  kleines  Schriftchen  „De  vita  beata**  von  nur 
16  Blättern  Inhalt,  gleichfalls  mit  Pryss'  Firma  und  mit  der  Jahizahl  1507.  — 


No.  249. 

^^Sranf^latjton  ||  ober  tfitrd)un9e  bre  l)0d)9ead)tetrn  %ico{{lai 
Dan  mtjle :  \itn  jijten  ^tatfc^riber  ber  Stat  (Effflingen :  rtUd)tr 
büd)cr  (Enrc  ftljluij  :  läajij  Horcttni :  ||  3Ff Itcia  \)mtxlxn : 
boc||tori0.  |Mtt  fampt  anbern  fd^r^fltm :  btrn  ||  püj.  nad)- 
fiitanbcr  Dnbfrfd)5benUd)ftt  ||  mit  trm  ftgurfn  Dub  titeln  bt- 

griffen  flnt/^ 

Strassburg,  Johann  Pryss  junior,  1510.     Folio-Format. 

Diese  Verdeutschungen  von  18  verschiedenen  Erzählungen  und  Novellen  erschienen 
zuerst  im  Jahre  1478  zu  Esslingen,  von  Conrad  Fyner  gedruckt  Vorliegende  Ausgabe 
iiM  im  Texte  mit  ziemlich  grosser  Schwabacher-Schrift,  in  den  Ueberschriften  mit 
einer  kleinen  Missaltype  gedruckt 

Mit  einer  etwas  grossem  Missalschrift  ist  der  Titel  bis  auf  das,  die  erste  Zeile 
beanspruchende  Wort  ,,Q!rQltf}lat{oit''  gesetzt;  letzteres  ist  in  Holz  geschnitten •  und 
der  schöne  Initialbuchstabe  T  ist  sehr  bemerkenswerth.  Das  Werk  ist  mit  19  Holz- 
schnitten  geziert;  unter  denselben  befindet  sich  einer  auf  Blatt  101  verso,  welcher 
einen  auf  einer  Bank  sitzenden,  zum  Tbeil  in  einen  Esel  verwandelten  Mann  vorstellt 
vor  welchem  eine  Frau  steht;  hier  sieht  man  links  unten  in  der  Ecke  ein  Monogramm,, 
welches  auf  den  Künstler  Hans  Baidung  Orten  deutet.  In  der  mit  Druekort,  Firma, 
und  Jahrzahl  versehenen  Schlussschrift  nennt  sich  diesmal  det  Drucker  Johannes 
Bryse  ohne  den  Beisatz  yjunioris'^ ,  den  er  in  einigen  seiner  Drucke  von  IßOS 
ab  anwendete.  •— 

No.  250. 

^^9ocabulariu0  ||  gtntnta   gemmaru  ||  nouiter  tmfire|[u0  :  ab- 
bltianeqa  multa||rum  btctionunt  ejrljarnatu».^* 

Strassburg)  Johannes  Pryss  junior,  1612.     Quart-Format. 

Diese  Auflage  des  lateinisch  -  deutschen  VocabuUrium  kannte  Putzer,  der  eine 
solche  von  1505  imd  eine  zweite '  von  1508  auffährt,  nicht  Sie  trägt  am  Ende  die 
Firma  „Johann  Prüs  junior'^,  was  bei  nur  wenigen  Drucken  der  Fall  ist  die  aus 
der  Offizin  des  jw^fem  Pryss  hervorgegangen  sind,  der  es  in  den  meisten  FäUea 
vorzog,  einfach  die  alte  Firma  seines  Vaters  zu  führen.  — 


—     Strassburg.     —  ixj 

ßof^mn  drümnger  alias  ^etni)arltt^ 

1483  bie  1528. 

Der  ziemlich  bedentende  Strassburger  Typograph  Johann  Rein-- 
hardt  nannte  sich  nach  seinem  schwäbischen  Geburtsorte  gewöhnlich 
Grüninger  oder  auch  Greninger ;  seine  vielen  Druckwerke  sind 
grossentheils  ohne  Firma,  aber  glücklicherweise  mit  Druckort  und 
Jahr%akl  versehen. 

Die  meisten  anonymen  Drucke  Grüninger's  fallen  in  die  ersten 
Becennien  seiner  typographischen  Thätigkeit,  und  sind  meiste ntheils 
aus  einer  sehr  schönen  gothischen  Type  gesetzt,  welche  an  Klarheit 
und  Ausdruck  allen  andern  Strassburger  Schriften  den  Rang  ab- 
läuft. Jedenfalls  brachte  Grüninger  diese  schöne  Schrift  von  Basel, 
wo  er  Professor  war,  nach  Strassburg  herüber,  denn  es  offenbart 
sich  in  ihr  unverkennbar  der  Baseler  Ductus,  —  Gras  hat  in  seinem 
„Nachtrag"  auf  Tafel  II  Nr.  III  und  IV  Alphabete  dieser  Schriftart, 
wenn  auch  unvollständig  gegeben,  da  viele  in  doppelter  Form  vor- 
kommende Versalien  von  ihm  nur  einfach  wiedergegeben  wurden ;  auf 
Seite  60  beschreibt  Gras  die  Ausgabe  der  Werke  des  Dionysius  Areo- 
fagita  vom  Jahre  1503,  welcher  er  diese  Alphabete  entnommen,  ohne 
jedoch  auf  den  Drucker  derselben  geführt  zu  werden. 

Auch  in  unserer  Sammlung  befindet  sich  ein  schönes  Exemplar 
dieser  Ausgabe,  welche  zugleich  von  dem  Typen-Reichthum  der 
Grüninger'schen  Of&zin  Zeugniss  ablegt,  denn  wir  zählten  darin  nicht 
weniger  als  sechs  verschiedene  Typen- Alphabete,  sämmtlich  aus  go- 
thischer  Schrift,  wobei  also  seine  Schwabacher-  und  Antiqua- Alpha- 
bete, die  er  später  auch  einführte,  noch  nicht  in  Betracht  kommen. 

Eine  •  andere  gothische  Type  Grüninger's,  mit  welcher  er  nächst- 
dem  vorwiegend  druckte,  ist  ganz  ähnlich  derjenigen  von  Martin 
Flach  und  Johann  Pryss,  über  die  wir  schon  auf  Seite  128  und  129 
Specielleres  gesagt  haben,  doch  unterscheidet  sie  sich  glücklicher- 
weise von  Beiden  namentlich  durch  den  Grad  ihrer  Grösse  oder 
Kegelhöhe,  denn  sie  misst  auf  34  Zeilen  nur  i3*/ao  bis  i3'^/io  Centi- 
meter,  während  bei  Johann  Pryss  durchschnittlich  13V10,  bei  Martin 
Flach  i3*Vjo  bis  13V10  Centimeter  sich  ergeben.  Die  Ginininger'sche 
ist  also  von  den  dreien  die  kleinste. 

Auch  geben  die  Versalbuchstaben  %  II  und  1K  bei  den  genannten 
drei  Druckern  ein  wichtiges  Unterscheidungszeichen  ab.  Bei  Grü- 
ninger und  bei  Pryss  hat  das  *%  vorn  die  schon  mehrerwähnten 
zwei  kleinen  Federchen,  bei  Flach  fehlen  sie.  Das  Hl  ist  bei  Flach 
und  bei  Grüninger  schlank  und  schmcUf  bei  Pryss  dagegen  breit 
geformt.    Das  HC  ist  bei  Pryss  mit  zwei  feinen  Schrägbalken  in  der 


1^8  —  Strassburg.     — 

Mitte  ausstaffirt,  bei  Flach  fehlen  diese  Schragbalken,  wäbrend  in 
Grüninget's  Offizin  beid^  Arten  des  H  vertreten  sind,  w^nn  sie 
auch   nicht  in  allen   seinen  Druckwerken   zugleich  vorkommen. 

So  findet  man  in  Petri  Alliaco  ,^Qti£stiones''  1490  (Hain  No.  841) 
nur  das  IC  ohne  Schrägbalken,  während  in  „Modus  Legendi"  1494, 
No.  264  unserer  Sammlung,  die  beiden  1K  mit  und  ohne  Schräg- 
balken zahlreich  abwechseln,  wie  man  es  schon  auf  der  ersten  Text- 
seite Blatt  d  4  nach  dem  Register  sehen  kann. 

Das  hauptsächlichste  Erkennungszeichen  dieser  Grüninger'schen 
Drucke  sind  aber  die  grossem  Typen  der  JSldtt^  und  C/CLpitelr 
TJ eher  Schriften,  da  diese  bei  keinem  zweiten  Strassburger  Typo- 
graphen  vorkommen,  und  also  von  selbst  auf  Grüninger  führen, 
auch  wo  kein  Druck  mit  dessen  Firma  für  ihn  spricht.  Namentlich 
das  J)  ist  in  jenen  Rubriken  besonders  charakteristisch,  und  findet 
sich  nur  noch  ähnlich  in  der  grossen  Biblia  latina  von  Adolph 
Rusch;  aber  auch  hier  ist  es  nur  beim  ersten  Anblick  für  dasselbe 
J)  zu  halten,  denn  man  erkennt  schliesslich,  dass  es  von  ganz  an- 
derer Zeichnung  und  nur  der  augenblickliche  Effect  der  gleiche  ist. 

In  den  späteren  Drucken  Grüninger' s  werden  wir  natürlich  auch 
noch  andere  grössere  Typen  für  Titel  und  Rubriken  vorfinden. 
Das  oben  angeführte  charakteristische  grosse  |3  findet  sich  übrigens 
nebst  den  andern  Typen  dieses  Alphabets  in  den  nächstverzeichneten 
frühesten  Drucken  Grüninger's  ebenso  angewendet,  wie  in  den  spatem, 
die  aus  einer  ganz  andern  Gothisch  gesetzt  sind,  welche  so  oft  mit 
derjenigen  von  Flach,  Pryss,  Quentel,  Gran  und  Andern  verwechselt 
wird,  und  es  spricht  auch  dieser  Umstand  dafür,  dass  alle  von  uns 
festgestellten  Grüninger'schen  Drucke  wirklich  von  ihm  herrühren.  — 


No.  261. 

,,$fiu0  |9ofttUartt  et  3ermo||num  Jtorbant  be  Semiiore/^ 

Strassbnr^^  Johann  Grüninger,  1488,     Folio-Format. 

Dieses  voluminöse  Predigtbucli  der  Jordanus  von  Quedlinburg  ist  mit  der  prÄcli- 
tlgett  Qothisch  gedruckt,  deren  igcir  oben  im  Eingange  gedachten,  tind  hat  am  Schlosse 
die  Angabe  des  Druakortes  und  der  Joäirzahh  Hain  Nr.  9496  bezeichnet  das  Werk 
näher,  ohne  sich  um  einen  Drucker  zu  bemühen.  — 


No.  252. 

t,Cll0fÄ  jifaltfnj  J^a|||)anm0  br  turre  ctfUtnata.^* 

Strassblirg^  Johann  Grüninger,  1485.     Folio-Format. 

Dieselbe  Type.    Der  Druckort  und  die  Jahrzahl  befinden  sich  auf  der  vorletzten 
Seite  des  Werkes.     Hain  No.  15706.  — 


—     Strassburg.     —  13Q 

No.  263. 

if3colafHcft  iH^ift  H  pl^iftxi  )ßttxi  comc |||l)0Vi0  f«are  ficrifi- 
luvt  II  fettem  breitem  ttumtf  et  ||  ejrpoftti  erpottetttts.^ 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  1485«     Folio-Format. 

MH  der  n&mlichen  tehonen  Type  gedraokt.  Draekort  und  JahTx«hl  befinden 
sieh  am  Schhuse  des  Werkes ,  vrelehes  wir  dem  Inhalte  naek  bereits  an  anderer 
Stelle  kennen  lernten.    Hain  No.  5588.  — 


No.  254. 

üStxmontB  iBormi  fecure  •  ||  «el  iöormt  (ine  cura.** 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  1485»     Folio-Format. 

Kit  derselben  Schrift  gedruckt.  Der  Verfasser  dieser  „Nachtgebete"  ist  nicht 
bekannt  Das  Buch  enthält  am  Schlüsse  die  Angabe  des  Druckortes  und  der  Jdhr- 
zahl  Fehlt  bei  Hain.  Panzer  hat  es  in  Band  I,  Seite  27  No.  69  aufgeführt,  na- 
türlich ohne  den  Drucker  zu  ermitteln.  — 


No.  255. 

^fxhtv  ht  iiroiirietati||bw0  rerum  ?8artl)al0||mel  angltcl/^ 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  1485.     Folio-Format 

Dieselbe  Schrift  Der  Verfasser  dieses  encyclopädischen  Werkes  ist  Bartholo- 
maem  de  GlanviUa.  Am  Schlüsse  stehen  wieder  Druckort  und  Jahrzahl  ohne  An- 
^be  des  Druckers.    Hain  No.  3506.  — 


No.  256. 

^3|lorta  ^le^räbri  ||  magttt  rt^is  mace{|bottte  be  pxtlxjü.^^ 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  1485«     Folio-Format. 

Abermals  ein  Druck  mit  der  schönen  frühen  Type  Grüninger^s.  Eine  Geschichte 
Alexanders  des  Grossen  von  einem  unbekannten  Verfasser;  wiederum  ohne  Angabe 
des  Druckers,  aber  mit  Druckort  und  Jahrzahl.    Hain  No.  779.  — 


No.  257. 

^ilBptt0  ruraUum  C0m||m0b0rum  |9ctri  be  ||  cre|ctttttj0.^^ 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  148(t.     Folio-Format. 

Dieses  höchst  interessante  Vy^'erk  über  die  Annehmlichkeit  des  Landlebens  ist  ein 
vorzugfiehes  und  umfassendes  Lehrbuch  für  die  Landwirthschaft,  worin  Haus  und 
Garten,  Wiese  und  Wald,  Vieh-  und  Vögelzucht,  Jagd  und  Fischfang  mit  gleicher 
Ansführliehkeit  behandelt  werden.  Am  Schlüsse  ist  Druckort  und  Jahrsahl  ange- 
geben.   Hain  No.  6881.  — 


I40 


—     Strassburg. 


No.  258. 

5iJBratio  querulofa  contra  ||  ßnm^m»  StLttxictnvü^ 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  circa  1488»     Klein  Quart-Format 

Ein  kleines  ttieolog^isehes  Schriftchen  von  nur  8  Blattern,  welches  Hain  anter 
Nr.  12027  erwähnt,  ohne  es  gesehen  zu  haben.  Es  ist  ohne  Firma  und  Datirong, 
hat  aber  zweifellos  Grfininger'sche  Typen,  welche  jedoch  kleiner  wie  die  in  den  bisher 
beschriebenen  Werken,  und  auch  uiders  geformt  sind,  wie  die  bisherigen,  die  wir 
schon  in  der  Einleitung  Seite  187  kennzeiclineten.  — 


No.  259. 

^^Äafua  Ungi  JimtarM  ||  fufifr  bfcrftaU0/^ 

StraSSburgT)  Johann  Gnininger,  148$*  Folio-Format. 
Des  Bemadus  von  Parma  y,ti>eitläufiige  Erwägungen  über  die  Decretalen*  tragen 
wie  die  meisten  Grüninger'sohen  Drucke  am  Schlüsse  ebenfalls  nur  Druckort  und 
Jahrzahl,  aber  nicht  die  Firma  des  Druckers.  Hain  hat  das  Werk  unter  Nr.  fSß6 
verzeichnet,  natürlich  ohne  Drucker.  Die  Typen  sind  die  nämlichen  wie  in  dem. 
vorhergehenden  und  dem  folgenden  Werke.  — 


No.  260. 


^^€omuni  loi|tu  fiue  fuma  C0l||lationu  ^ol)ant0  gallenfiB.^^ 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  1489.     Folio-Format. 
Hat   w^ieder   nur  am  Schlüsse   die  Angabe  des   Druckortes  und  der  JahrcahL 
Hain  Xo.  74<*4  beschreibt  das  Werk  specieller,  aber  ohne  Drucker.  — 


No.  261. 

^y%xfimtL  ^Uirabriilmagnt  •  regia  macf||bomf  be  prelij«/^ 

StraSSbnrgr^  Johann  Grüninger,  1489*     Folio-Format. 
Oline  Dmckfirma,   aber  gleich  der  Ausgabe  von  1486  (No.  25<>)  zweifellos  mit 
Reinhardts  Typen  gedruckt.    Hain  No.  780.  — 


No.  262. 

„3ermonf0  br  fan||ctt0  bormi  fecure/^ 

Strassbnrgr^  Johann  Grüninger,  1489*     Folio-Format. 

Ein  zweites  Buch  mit  Gebeten  für  die  Nacht,  wie  wir  eins  schon  unter  No.  S54 
fanden;  ohne  Grüninger^s  Firma.    Fehlt  bei  Hain.  — 


No.  263. 

„Stuffttonr«  tnagißri  Järtri  be  ||  ^iUtaca  carbinalis 
camrracen||ft0  fujirr  libroa  fententiarü/^ 

Strassburg^    Johann    Grüninger,    1490.      Folio -Format. 
Einer  der  zahlreichen  und  umfänglichen   Conunentare  des   berühmten  Weikes 
von  Pel/rus  Lombardus:  »vier  Bücher  Aussprüche  der  Kirchenväter*.     Am  SchlaBse 
findet  sich  Druckort  und  Jahrzahl.    Hain  fuhrt  unter  No.  841  ein  Exemplar  auf,  ohne 
es  gesehen  zu  haben.  — 


—     Strassburg.     — 


141 


Angebunden  ist  das  ,f^tViftVLb\vin  t||e|  oUgice  oeritatif*',  dessen  Herausgeber  Tho- 
mas Jk/rnberg  in  der  Schiussschrift  genannt  wird,  -welche  aach  die  Jahrzahl  1489  und 
-Stnisburg  als  IhMckort  aeigt.  Der  Dmcker  des  Compendium  ist  aber  nicht  Grü- 
nisger,  sondern  Johann  Pryss,  dessen  gothische  Type  awar  tauschend  ähnlich,  aber 
um  ein  Geringes  grösser  ist,  denn  34  Zeilen  haben  hier  die  Höhe  von  18Va>  zuweilen 
IS^V«  Centimeter,  bei  Grüninger  nur  18*/»  bis  höchstens  18Va-    Hain  No.  442. 

Ausserdem  finden  sich  auch  noch  die  Unterschiede  in  den  Versalien  €,  U  und  K^ 
die  wir  in  der  Einleitung  auf  Seite  137  &  188  n&her  besprochen  haben.  Das  Com- 
pmdium  des  Albtrtm  Magma  ist  eben  von  einem  ehemaligen  Besitaer  hinten  an- 
gefagt  worden,  und  das  Werk  befindet  sich  auch  noch  heute  in  dem  alten  schön 
jepresBten  Original-Binbande.  — 


No.  264. 

i^üiUB  Ifgenlri  abbrruiaturaa  in  ||  utxoqs  iure  fiur 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  1494«     Folio-Format. 

Eine  Process-Ordnung  für  canonisches  und  römisches  Recht.    Mit  Ort  und  Datum 
Schlüsse.    Fehlt  bei  Hain  und  Panzer.  — 


No.  266. 

iiüoefius  it  Mfrifilina  fcola  Iriurn  nt  (tömito  natabili/^ 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  1495«    Klein  Quart-Format' 

Dieses  bei  Hain  unter  Nr.  8424  beschriebene  Werk  über  die  „Disciplin  in  den 
Sehulen*'  ist  Alschlich  dem  Boetius  beigelegt  worden.  Wie  Jacob  Thomasius  aus 
der  Cölnischen  Ausgabe  von  1509  erwiesen  hat,  ist  der  wahre  Verfasser  Hiovnas 
Brdbanimut,  der  um  die  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  lebte  und ,  um  dem  Werke  ein 
grösseres  Ansehen  zu  geben,  ihm  den  Namen  des  Boetius  vorsetzte. 

Am  Schlüsse  dieser  Ausgabe  befindet  sich  folgendes  Colophon  mit  einem 
I>niekfehler  in  der  Jahrzahl:  ^Cfylictt  jBoetiBS  be  MfcipUna  fcolarlnn  3»vre|rits|| 
Irgestise  3llllto  Itomitli .  ÜL  tttan"  Jedenfalls  ist  vor  dem  g  ein  c  in  der  Jahnahl 
ausgelassen.  Andere  Druckfehler  desselben  Typographen  erwähnt  Falkenstein  auf 
Seite  16»  und  170.  —  

No.  266. 

)i3tnitonc0  meitocree  ||  fancti  %mmtxAvxt  bt  tmjiore.^^ 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  1496«    Qaart-Format.    ' 

Ohne  Firma,  aber  mit  Ort  und  Jahrzahl.  Ham  No.  8628  führt  das  Werkjwie 
gewöhnlich  ohne  Drucker  auf,  den  er  nicht  festaustellen  gewusst.  — 


No.  267. 

iiSt)irrtorin  tottti0  funtme  ||  bütnim  ^ntontni  ard^tefii  ||  fcqti 

ftoritim  orMnia  jirebi.*^ 

Strassburg,  Johann  Grüninger,  1496«    Folio-Format 

Dieses  ▼oluminSse  theologische   Compendium  ist  am  Gchlussa  mit  Druckort, 
Jahnahl  und  Firma  rersehen.  — 


1^2  —     Strassburg.     — 

No.  ^8. 

^f^lM^rifmi  com)iuHctto||nt0  t^rolofiicale^  •  3ii^0||ny°äi  ^^ 

düng :  artiu  et  mediciaKi)  doctoris  &c.  |j  Ad  reuerendiflimu 
in    xpo   patre  et   dnm  :  dnm  ||  Eridericum  (sie !)  prefulem 

Auguftenfem   &c.** 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  1497.    Klein  Quart-Format 
Bin   kleiaes  Scbriftchen   geiBtlicfaen   Inhaltes,   welches,   ausgenommen  die  mit 
Missaltypen  gedruckten  zwei  ersten  Zeilen  des  Titels  und  die  Capitelüberaohriftca, 
in  Anti^pta  gedruckt   ist.     Am  Schlüsse   steht  die  vollständige  Datirung  und  die 
Firma.    Im  Texte  befinden  sich  10  unbedeutende  Holzschnitte.  — 


No.  269. 

Strassbnrg,   Johann  Grüninger,  1499.     Klein  Folio-Format. 
Ein  Compendium  des  Kanonischen  Rechtes;   am  Schlüsse   sind  Drackort  and 
Jahrzahl  angegeben.    Hain  No.  5558.  — 


No.  270.  _ 

iiPttWij  Vwfilij  mfxm  i^iiera/^ 

Straasbvrg)  Johann  Grüninger,  1Ö02.  Folio-Format 
Der  Herausgeber  dieser  seltenen  und  hochgeschätzten  Ausgabe  von  YirgiVs  W^rkm 
ist  der  berühmte  Dichter,  Gelehrte  und  Staatsmann  Sebastian  Brant,  der  einen  er- 
staunlich fleissigen,  rings  um  den  grosser  gedruckten  Text  laufenden  Glossar  lieferte. 
Auch  besonders  wegen  der  interessanten  und  bedeutsamen  HoUfsehnUte,  deren 
sich  192  verschiedene  in  dem  an  500  Blätter  umfassenden  Bande  finden,  ist  dw 
Werk  gesucht. 

Der  Künstler,  der  die  Abhildtmgen  lieferte,  ist  leider  nicht  bekannt;  wir  bemerkten 
auf  der  Kehrseite  von  Blatt  6  in  der  zweiten  Nummerfolge  ein  Täfelchen  mit  den 
Initialen  C.  A.,  die  auf  einen  Strassburger  Formschneider  deuten,  und  welchen  in. 
Nagler*8  Monogrammisian  Band  I,  No.  2186  ein  kleiner  Abschnitt  gewidmet  ist. 
Man  erfiUirt  hierin,   dass  dieselbe  Abbildung  sieh  in  Marsilius  Ficinns   „Buch  des  . 
Lebens",  Strassburg  bei  Qrüninger  150t),  auch  befindet.  — 

Das  Werk  ist  in  Antiqua  von  zweierlei  Grösse  gedruckt;  die  Ueberschriften  mit 
Missaltypen.  Am  Schlüsse  befindet  sich  die  vollständige  Angabe  defi  DToekoftas  mit 
Jahrzahl  und  Firma.  Unser  selten  schön  erhaltenes  Exemplar  hat  noch  den  altea 
prächtigen  Original-Einband.  — 


No.  271. 

^^äBjirra  ^Bionifti  •  Ueteri»  et  noue  tranfUtionis  •  etiam 
xum\^m  ifiiu0  parßlij  fldm  cum  com||nuntnrij«  Hxgmi»  * 
^Ibfrtt .  ®l)amf  •  Mbrofij  oratarU » ITmcornrnfte  •  t  «er-|| 

cfUenfta." 

strassburg)   Johann  Grüninger,  1503«     Folio-Format 
Bine  nicht  häufige  Ausgabe  der  Werke   des  Dioti^siHS  Areopaifita,  der  am  54 
nach  Christus  als  Bischof  in  Athen  lebte  und  dort  den  Märtyrertod  starb,   dessen 


Strassburg.    —  1^3 


hier  vorliegende  Werke  aber  yoo  den  Gelehrtea  «us  flnfhliehen  Gründen  ins  fü%\fU 
Jahrhundert  Tersetet  wurden,  wonacli  sie  also  dem  Dionysius  nur  nominell  auigehören. 
Diese  pseudodionysius'schen  Schrillen  erlangten  grossen  Einfluss  auf  die  abendländische 
Mystik,  indem  sie  sich  bestrebten,  die  heidnischen  vorhandenen  Mysterien  mit  Znbilfe- 
nahme  neuplatonischer  Anschauungen  in  das  CIiristenthTim  sn  übertragen,  und  sind 
dadurch  für  die  Einführung  des  Chn'stenÜmms  von  nicht  gering  zu  schätsendem 
Weithe  gewesen.  —  Der  Typen  -  Reichthum  dieser  Ausgabe,  welche  auch  Gras  in 
seinem  Nachtrag  auf  Seite  60  naher  bescbreiM-^  ist  v«n  uns  schon  in  den  einleitenden 
Worten  Seite  187  naher  gekennzeichnet. 


No.  272. 

ifiit  }t\)(  9^1  bot  in  bifcm  ||  bfld)  ercUrt  unb  uf^ge JUgt  burd) 
rtlid^  l)0d)||berttmbte  lerer,  Vnb  fragt  btx  iftngHer  öen 
meifter,  6er  lert  xoit  man  bit  \\  gebot  gotted  l)alun  vnb 
fid)  t)or  II  toöfönben  träten  vn  fear  |5u  wie  ob'  W5  man 

bette  fol  ♦  ♦  /' 

E2       Strassburg,   Johann  Grüninger,  1516«     Folio-Format. 

Ein  schönes  Buch,  im  Texte  mit  Schwabacher,  in  den  Uebcrscbriften  mit  Missal- 
typen gedruekt.  £ine  reizende  Titelbordüre  und  10  werthvolle  Hohschwtie  von  Hans 
Bülthmg  Orün,  dessen  Monogramm  sich  mit  Ausnatmie  der  achten  und  zehnten  Ab- 
bildung darauf  findet,  schmücken  das  Werk. 

Wfar  bemerken  mit  dem  Auftreten  des  Hans  Baidung  in  der  Grüninger^schen 
O&san  einen  ausserordentlichen  Aufschwung  in  der  Behandlung  des  Formschnittes, 
ersidttlieh  unter  Dürer'schem  Einflüsse.    Dem  Buche  ist  angehüngt  ,,(Siit  lti|  |]  lil^e 

Im  tn^  mbenottftttiQ  »5  onb  »9  ||  man  f>etteti  fcl.    Vnb  auf3le0Uticre  t>e& 

^eiligen  PateV  tlOftCrö",  mit  einem  Titelholzschnitte.  — 


No.  273. 

liSfUitl  ber  II  S^rfftir)  bea  ||  9elrid)en  oormald  nie  ||  00  keine 
boctor  in  tüt||f(fo  Djigange  ifi  nftglid^  vn  pit  alle  ||  öenen 
fo  btt  arßet  rabt  begeret,  andf  \\  btn  geftreiffelten  leye, 
welche  ftcb  Dnb||winben  mit  av^my  vmh  segon.  3n  || 
welchem  btt  ftnbeft  berieft  aller  |?enb||el  ber  arftnev, 
SQoge  üß  bcn  fÄrne||ften  bfidjern  b'  alten,  mit  fd)5ne  || 
bewerte  (lft*en  w  BftrßwyHgen  reben,  gemalt  von  jj 
taurentio  Pf^ryefen  vo  [\  b'  Pbilofo||p^y  vnb  %x^nty 

jDoctor/' 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  1^1 8*      Folio-Format. 

Das  interessante  Buch  ist  mit  Schwabacher  Schrift  gedruckt;  die  Ueberschriften 
mit  einer  Missaltype.    Es  enthält  12  illuminirte  Holzschnitte.  — 


IAA  —     Strassburg. 

um  1485. 

No,  274. 

Ättb0ljil)tt0  rertor  in  3ud)fn:  ^^iBe  terra  fancta  et  itlnere 

jl)crofal0mitanff/^ 

Strassburg^  Nicolas  Pistoris  de  Berasheim  &  Marc  Reinhard, 

circa  1485*     Folio-Format. 

Die  handschriftliche  Jahrzahl  1485  am  Schlüsse  dieser  Reisebeschreibimg  als 
ungeßhres  Druckjahr  angenommen,  können  nur  Bistaris  &  Reinhard  die  Drucker 
sein,  die  auch  1478  die  EggesieirCsche  Druckerei  übernommen  haben  sollen,  denn  das 
Buch  ist  mit  der  bekannten  kleinen  Type  Heinrich  Eggestein's  gedruckt,  die  derselbe 
schon  in  der  ersten  deutsehen  JBibel  von  1466  verwendete,  daher  auch  wohl 
Hain  unter  No.  10607  das  obige  Reisewerk  des  Ludolphus  dem  Heinrich  Eggestein 
zuschreibt. 

Während  Schöpflin  Seite  104  und  auch  spätere  Autoren  den  Marcus  BeinhaH 
von  Strassbui^  und  seinen  Associö  Nicokms  Pistoris  aus  Bernsheim  zu  den  Sirass- 
bttrger  Druckern  zählen,  führt  Schmidt  in  seinen  „Bibliotheken  und  Druckereien  zu 
Strassburg*'  1882  an,  dass  diese  beiden  Drocker  1479  in  Lyon  thätig  gewesen,  148S 
aber  nach  Paris  und  nicht  nach  Strassburg  gegangen  seien.  Nach  anderweiten  Unter- 
suchungen sollen  sie  jedoch,  wie  schon  oben  bemerkt,  1478  die  Eggestein'sebe 
Druckerei  übernommen  haben. 

Richtig  ist,  dass  die  Firma  Reinhard  &  Pistoris  bis  1482  in  Lyon  besteod. 
Dieser  Reinhard  war  angeblich  der  Sohn  des  Johann  Reinhard,  dessen  vorzüglichste 
Druckwerke  wir  schon  oben  kennen  lernten,  und  der  von  1488  ab  ebenlsUs  io 
Strassburg  druckte,  sich  aber  nach  seinem  Geburtsorte  OrUninger  nannte,  wohl 
zum  Unterschied  von  seinem  Sohne,  dessen  Geschäft  er  1483  übernommen  haben 
soll,  um  es  bis  1525  fortzuführen. 

Diese  Daten  sind  entweder  ungenau,  oder  Qrüninger  hat  ausser  dem  Sohne  noch 
einen  andern  gleichnamigen  Verwandten  gehabt,  da  ja  der  eine  als  Associö  des 
Pistoris  bis  1482  in  Lyon  thätig  gewesen  ist.  Wir  wollen  uns  über  den  Zosammen- 
hang  des  Ganzen  kein  bestinuntes  Urtheil  erlauben  und  führen  nur  die  Daten  an, 
wie  sie  vorliegen.  Gewiss  ist  aber,  dass  das  obige  Werk  des  LudolphM  mit  der 
Eggestein' sehen  JBibeltype  von  1466  gedruckt  und  nach  der  lateinischen  Insehrift 
von  alter  Hand,  die  sich  in  unserm  Exemplare  befindet,  im  Jahre  1485  erschienen 
ist,  wo  Eggestein  und  auch  sein  Sohn  und  Nachfolger  bereits  nicht  mehr  druckten.  — 


Peter  ^ttetti0rtt, 

1489, 

No.  275. 

,iiBirectoriü  ^tatuu  •  3en|)Derm0  •  aribulatio  fcniU/^ 

[   [^Strassburg,  Peter  Attendorn,  1489.    Klein  Quart-Format. 

Bin  höchst  merkwürdiges,  nur  86  Blätter  umfassendes  Werkchen,  welches  ver- 
sehiedene  Reden    und    philosophische  Abhandlungen    der   bekannten  Schrifkstellar 


—     Strassburg.     — 


145 


Wihphflmg,  Geiler  von  Keisersherg ,  Jodocus  Gatticus  enthält.  Eingeleitet  wird 
die  kleine  Schrift  durch  ein  Schreiben  Wiinpheliim's  an  Peter  Attendorn  und  des 
leteterö  Antwort  darauf,  wonach  dem  Attendorn  die  Herausgabe  des  kleinen  Werk- 
chens äbertragen  w^ird. 

Dieser  seltene,  mit  drei  interessanten  Holzschnitten  gezierte  Druck  ist  wohl  der 
einzige  bekannte  dieses  Strassburger  Typographeii  und  Buchhändlers,  wenn  derselbe 
Sboi-baupt  nicht  blos  Letzteres  gewesen  ist,  da  ihn  ^uch  Wimpheling  in  seinem 
Sch'iben  y,Bibliopola  Argentineusis'^  titulirt.    Hain  No.  6274.  — 


aud)  Unoblott^;,  Martin  Slaäi'e  Uad)foIgcr, 

1497  bie  1528. 

No.  276. 

„^acobi  tömpdeiingt  ||  j0f  j^ntfflritatf  ||  fibcUtts." 

Strassbnrg,  Johann  Knobloch  1505.  Klein  Quart-Format. 
Das  kleine  Schriftchen  des  bekannten  Autors  »über  die  Keuschheit"  enthält 
nur  19  Blätter  und  ist  am  Schlüsse  mit  vollständiger  Datirung  und  Firma  des  Jo- 
hann Knobloch  versehen,  eines  Typographen,  welcher  nicht  unwahrscheinlich  eiUen 
Th»;!  des  Druckapparates  von  Johann  Pryss  übernommen  haben  dürfte;  denn  wir 
finiT.'ü  in  seinen  Publicationen  Pryss'sche  Typen  und  Holzstöcke  wieder,  wie  wIj: 
seh- 11  bei  folgender  Nummer  sehen  werden.  — 


No.  277. 

^,3Formularr  !9nb  ||  tütfd)  1SI)rtorica.** 

Strassburg^  Johann  Knobloch,  1511.     Fölio-Format. 

Diese  mit  vollständiger  Firma  und  Datirung  versehene  Ausgabe  ist  Ehert  und 
Pm.zer  unbekannt  geWieben.  Das  Titelblatt  zeigt  denselben  Holzschnitt,  wie  die. 
Ausgabe  des  Johann  Ptyss  von  1502  und  die  verschiedenen  Ausgaben  von  dessen 
»Hortus  sanitatis".  Die  Schwabacher  Text-Type  ist  der  Pryss'schen  sehr  ahiÜich, 
Jedoch  in  Einnebelten  abweichend.  Der  Text  beider  Ausgaben  stimmt  Blatt  für 
BlatT  überein.  — 


No.  278^ 

,,flauicttla  fiuf  fpccul'lutn  fatuorü  |9rr(lantif|tmi  facraru  U- 
tfraru  II  jQoctom  ,30anni0  (Seiler  IReiifrrfbrrlJgij  Qüanciona- 
tovifi  ^rjentitifn  •  |j  a  J^acobo  ?9ttljfro  ||  callccta  ||  dompcn- 
btctfa   mtc   nufbitn    befcrtfiUo  ;  per  ||  $ratiim    Hiidtannm 

3flc|lattrmm.** 

Strassburg^  Johann  Knobloch,  1518« 
Dieses  Werk  des  Geiler  von  Keisersberg,  „Schiffchen  oder  Spiegel  der  Narren", 
besteht  «08  no  Predigteu  über  Sebastian  Brandts  „Narrenschijff^.    Am  Schlüsse  be- 
findet sich  die  Lebensbeschreibung   Geiler'Si    Diese  Ausgabe  ist  selten,  aber  nioht 
die' erat^denn  es  ging  ihr  die  von  ^attlttas  Schürer  im  Jahre  1511  voraas.  — 

lO 


146  —    Strassbttfg.    — 

No.  279. 

ffjBfta  bu(^  dranatafifel  •  im  U-||tnn  gmant  JStalo^ratuifitc  • 
l)fU  in  im  gar  oil  mi  manig  f^tilfam  vnb  fftffer  vnbn^ 
weifung  »n6  leer,  6cn  anbebenben,  t>ffne  ||  mertben  »nb 
voltonim  menfd)en^  mit  fampt  geifllidber  bebefitung 
bea  II  v(igang6  ber  Finber  3frael  von  Cgvpto*  3tem 
ein  mercCn^e  vnber$||ri(btung  ber  geiftlicbrn  fpinnerin. 
3tem  etlid)  prebigen  »on  be  l>a5||fen  im  pfeifen  Dnnb 
von  iyhen  (Äwertern^  Dtinb  fcbeiben^  nach  ||  geiOUcber 
x)jilegung«  tHerere  ttylB  geprebigt  burd)  btn  f)odis\\ 
gelerten  boctor  2ol)ctnnem  (ßeylcr  vonn  Ueyferfperg  tu'* 

Strassbiurg,  Johann  Kiiobloch,  1516.    Folio-Format. 

Unter  obigem  Titel  befindet  sich  ein  grosser  illiuninirter  Holsschnitt,  weicher 
den  Verfasser  Otüer  von  Keiierib&rg  auf  der  Kanael  im  Mfinster  mit  sieben  Zn- 
hfirem  Torstellt ;  weiterlün  enthalt  das  Werk  6  schöne  Holaschnitte  von  Han»  BaUkmg 
Qrien,  welcher  seine  Kunst  noch  mehreren  Schriften  des  berühmten  Kanselredners 
SU  ihrer  Yerschönemng  geliehen  hat.  Der  Text  des  Werkes  ist  mit  Schwabacher 
Typen  hergestellt.  Am  Schlüsse  steht  die  Firma  mit  yollst&ndiger  Datirung.  I>er 
alte  Holaband  mit  reichen  und  starken  Messingbeschlagen  ist  OriginaL  — 


No.  280. 

iiiB^e  f9bm  9u^-||fifalme  ^it  trfitfd^tr  att^leg-||ung,  \Xad9 
bem  fcbrifftlidben  fynne  5U  (C^?ri||fli  vnb  öottte  ^nattn, 
mht  fein0  felbe  •  ||  n>are  erCanntnftf,  grunbtlid)  ge^ 
rlc^Ä||teu  jDurd)  btn  i)OdfQtUtun  ||  JDoctore  tTlartinS 
iutl)tt  II  ÄttgttfHner  su  tPitsjjtemberg/' 

Strassbnrg^  Johann  Knobloch,  1519.     Klein  Quart-Format 

Mit  einem  Holzschnitt  ,unter  obigem  Titel:  David  knieend  vor  dem  in  Wolken 
erscheinenden  Gott  Vater.    Selten  und  gesucht.  — 


No.  281. 

,^TH  ÖBLIILn  NOCTIYM  ATTI-||CARYM  .  LIBM  TN  ||  DBYIGINTL" 

Strassbnrgy  Johann  Knobloch,  15  21.    Octav-Format. 

Die  »Attischen  Nichte«*  des  Römischen  Schriftstellers  Auktt  OMUiu,  welcher  um 
die  Mitte  des  »weiten  Jahrhunderts  lebte,  enthalten  in  81  Bfichem  eine  Beihe  ▼•& 
Ezaerpten  aus  den  verschiedenartigsten  Schriftstellern,  ohne  bestimmtes  Priaeip  m- 
sammengesteUt;  sie  sind  deshalb  wichtig,  weU  ein  grosser  Theil  der  von  ihm  «r- 
■erpirten  Schriftwerke  vtrioren  gegangen  ist  Den  Titel  erhielt  das  Werk  von  den 
langen  Wintemichten,  welche  der  Verfasser  bei  seinen  Studien  in  Athen  rabiaohte. 


—    Strassbarg.    —  i^j 

Die  erste,  sehr  'werthyolle  kvafpbe  ist  die  von  1489  bei  Sweynheim  *  Pannaiik  ift 
Som,  wdeber  eine  grone  Zahl  ^M^Mterholungen  in  Deutschland  und  Italien  folgte.' 
Vorliegende  Oetav-Ausgabe  ist  im  Texte  mit  Cuniy-Typen  gedruetct.  — 


1499  bi0  1520. 

No.  282. 

,^iBer  IBntnn  be»  rabts.** 

Stnusbnrg^  Mathias  Hüpfuff,  1504.     Klein  Quart-FonnaU 

Kit  Scbwabacher  Schrift  gedruckt;  ein  kleines  8ehriftchen  in  gepresites  Schweins- 
leder gebunden.    Am  Ende  Tollstandige  Datirung  und  Firma.  «— 


No.  283. 

)i1K(?9ferUd)  mb  1lunt9||iid)e  tm\  mh  Itlftnxt^i  \\  m^  gr- 
mflncm  ftttr  unb  gebrud)  ber  rrdjtcn/^ 

Strassbur^^  Mathias  Hüpfuf,  1507  oder  15121    Folio-Format 

Die  erste,  höchst  seltene  Ausgabe  des  Sdiioäbischen  Land-  und  Lehnre^ie», 
Unter  obigem  Titel  befindet  sich  das  kaiserliche  Wappen  und  auf  der  Rückseite  des 
Titelblattes  ein  blattgrosser  Holsschnitt,  welcher  den  Kaiser  auf  dem  Throne  mit 
den  sieben  Kurfürsten  vorstellt,  dem  iwei  knieende  Männer  den  Geset»-Codex  über- 
reichen. Das  Werk  ist  mit  ziemlich  grosser  schwabacher  gedruckt  Die  durch  ihre 
eigenthümlich  fehlerha/ie  Datirwng  merkwürdige  Schlussschrift  lautet:    (SmtXVkiJtt 

hl  der  feiferUcl;e  Srev^'e  ftatt  6tra0bur8f  öurd?  mat^te  ||  ^upfuff  vff 
fönt  Zart^olcm^va  abtnt.'vm  \ax  als  ma  aalt  tn«9^  vxu  v*^ 


No.  284. 

^<Ex  Ujct  br0  |9af|!om9.  ||  fSbrr   libtitd  d)nßi  •  au^  ben 
w  niangel.liflen  suiammen  inn  eyn  fym  brad)t  mitt 

fd)5ncn  ftgurcn/' 

Strassbarg,  Mathias  Hüp.uff,  1518.     Klein  Folio-Format 

Diese  deutsche  Ausgabe  der  Passion  ist  noch  seltener  als  die  früher  erschienenen 
deutschen  Ausgaben  von  1&06,  15()7  und  1A09,  sowie  die  lateinischen  von  1M)7  und 
l^OS,  sämmtlich  bei  Johann  Knobloch  in  Strassburg  gedruckt  Sie  entli&lt  einen 
Titelholzschnitt  und  9S  blattgrosse,  höchst  bedeutsame  EoUschnttt-Abbüdungen  des 
Künstlers  V  0;  nach  Dr.  His  in  Basel,  dessen  Forschungen  über  diesen  Künstler 
in  den  „Jahrbüchern  für  Kunstwissenschaft'',  Band  V  pag.  857  ff.  und  Band  VII 
P«g>  14!^  fL  niedergelegt  sind,  kommen  sie  dem  Pormschneider  Urs  Graf  zu,  der 
swisohen  1486  imd  1490  in  Solotiium  geboren  wurde, 

lO* 


1^8  —     Strassburg.     — 

Die  HolsBchnitte  sind  identisch  mit  denen  der  firnheren  Ausgaben,  nur  daas  hier 
da£  Torletzte  Blatt  derselben,  -welcbes  der  Passion  von  J.  Wachtelin  entnommen  ist 
und  die  Auferstehimg  vorstellt,  ausgefallen  ist,  so  dass  hier  25  und  dort  96  Ab- 
bildungen vorhanden  sind.  Der"  dänne  Foliant  zählt  nur  83  Blätter  und  ist  mit 
Sohwabacher  Typen  gedruckt.  — 


Wlartin  SAott'a  ©o^n  nnb  tHentelin'e  itrtUh 

von  1500  ab* 

No.  285. 

^ifüottxm  irr  l)od)brrfimpt  ||  metflrr  mi  Port  vi  brm  tr0|l 

brr  Tori^ljrit^*. 

Strassbnrgr^  Johann  Schott,  1500*     Klein  Quart -Format. 

Eine  interessante  deutsche  Ausgabe  des  berühmten  Werkes  des  unglücklichen 
Boetins,  der  sich  in  seiner  Kerkerhaft  über  das  Wandelbare  alles  irdischen  Glückes 
tröstet  und  in  der  Weise  eines  platonischen  Philosophen  die  Tugend  als  das  einzig 
Sichere  und  Bleibende  preist.  Diese  ^ConsolaÜo  philosophiae'^  war  seine  denk- 
-würdige  Hinterlassenschaft,  als  ihn  Kaiser  Theodorich  im  Jahre  524  in  Folge  no- 
begründeten  Verdachtes  der  Yerrätherei  hinrichten  Hess. 

Unter  obigem  Titel  befindet  sich  in  unserer  Ausgabe  ein  illuminirter  Holzschnitt; 
er  zeigt  den  Boetius  auf  einem  Ruhebette  ■  liegend ;  vor  ihm  erscheint  die  Philoso- 
phie in  Gestalt  einer  königlichen  Frau  mit  den  Bachern  der  Weisheit,  während  im 
Hintergrunde  die  in  Gestalt  leichter  Dirnen  erscheinenden  Musen  vergeblich  za 
locken  scheinen. 

Dieser  Holzschnitt  kehrt  noch- zweimal,  in  der  Mitte  und  als  letztes  Blatt  wieder. 
Der 'Druck  des  Textes  ist  in  Schwabacher  Schrift  ausgeführt  unter  der  Schliiss- 
Bchrift  auf  dem  vorletzten  Blatte,  welche  die  vollständige  Datirong  imd  Firma  gieH 
befindet  sich  das  originelle  Druckerzeichen:  die  Kugel- Artischocke  zwischen  den 
Initialen  J.  8.,  welche  schon  Martin  Schott  als  Signet  führte.     Hain  No.  S850.  — 


No.  286. 

ii^u  ntcr  t)nb  ||  jTornjig  altrn/^ 

Strassbnrg,  Johann  Schott,  1500.    Folio-Format. 

Der  obige  Titel  ist  mit  sehr  grossen  Buchstaben  in  Holz  geschnitten.  Auf  der 
Rückseite  befindet  sich  ein  Holzschnitt,  der  den  Heiland,  von  den  Köpfen  der  viei^ 
undzwanzig  Alten  umgeben,  darstellt  Tm  Uebrigen  hat  diese  Ausgabe  dieselben 
Abbildungen  als  die  frühere ,  welche  wir  bei  Mariin  Schott  zu  verzeichnen  hatten. 
Die  Schrift  ist  die  nämliche  Schwabacher,  die  wir  unter  voriger  Nummer  in 
Boetius  Trost  der  Weisheit  fanden.  Am  Scirnnse  steht  die  Datirung  mit  Druck- 
finna.     Hain  No.  19t8a  — 


—     Strassburg.     —  jm 

|llattl)ia9  3d)ürfr  ööer  3d)ttrfr, 

1500  bie  1521. 

No.  287. 

^^ÜitlJtbrrrtmt  facrantm  Utr|;rarttm  iBactoris  jtoannis  (Setltr 
Sfiftrfbergij  :  ^rgcnttnrnfitt  €oruiom\oxxi  btnt  mrri-||flt 
|f  oraüottf  biiicÄ  ^ermoncB.  ||  |9fr  ^Mohü  ^H^m  Hnne-|| 

Cf ufern  l)ac  forma  ||  €oUfcti/^ 

Strassburg^  Matthias  Schürer,  1510.    Klein  Quart-Format 

Klf  gesammelte  Reden  des  beruh  mten  Kancelrednero  &Ml&r  von  Keisersberg 
Aber  ageistliiAe  Beredsamkeit."  Bezüglioh  der  Typen  Schürev's  vird  man  anneluöen 
därfen,  dass  letzterer  dieselben  von  Mariin  Flach  übernommen  hat,  welcher  mit 
ganz  gleichen  Charakteren  um  1497  seine  Bernardi  „Sermones"  druckte.  Flach,  der 
durch  die  'wesentliche  Yerbesserung  des  Typenschnittes  berühmte  Typograph,  mag 
wohl  noch  far  andere  Drucker  gemeinsame  Quelle  gewesen  sein;  so  auch  wohl  für 
Qiuntel  in  Cöln,  der  dieselbe  Type  hat,  nur  mit  andern  £,  K  und  U ,  was  yielleicht 
auf  besondem  Wunsch  des  Bestellers  zum  Unterschiede  von  Flachs  eignen  Typen 
geschehen  sein  dürfte.  — 

No.  288. 

„HIEROCLIS  STOICI  PHILOSOPHI 
in  aurea  Pythagorse   carmina  ||  Commentarius." 

Strassbnrgr^  Matthias  Schürer,  1511.    Klein  Quart-Format. 

Der  stoische  Philosoph  Hierocles  gab  im  fünften  Jahrhundert  diese  Erklürung 
der  „Goldenen  Sprüche*'  des  Pythagoras  heraus,  sehreibt  sie  aber  nicht  dem  Pytba- 
goras  selbst,  sondern  seinen  Schulern  zu.    Die  Typen  des  Druckes  sind  römische.  — 


No.  289. 

ii^auicula  |9emtcnttr  ||  |9er   rjrceUenttfftmum    facre   paginr 

iortanm  j>a||anttfm  IReijfrrfpcrflium  ^rgentinenlium  ||  Con- 

ctonatorrm  prebicata.    X  .3a-||cobflf  ^U\)txo  CoUecta.** 

Strassbnr^^  Matthias  Schürer,  1512.     Klein  Quart-Format. 

Dieses  ist  die  zweite  lateinische  Ausgabe  des  j,  Schiff  der  Pönitenz  und  üuss- 
Wirkung'^,  ein  Nachdruck  der  Augsburger  Ausgabe  von  1511.  Eine  deutsche  Aus- 
gabe erschien  daselbst  erst  1514.  Obgleich  Geiler  von  Keisersberg  seine  Predigten 
in  deutscher  Sprache  abhielt,  so  erschienen  sie  im  Druck  stets  zuers;t  lateiniseh. 
So  auch  die  in  vorliegendem  Werke  enthaltenen  13  Predigten,  welche  zum  Zweck 
des  allgemeinen  Verständnisses  erst  später  aus  der  lateinischen  Uebertragung  in  die 
deutsche  Sprache  zurückübersetzt  werden  mussten.  Die  kleine  Gothisch  des  Textes 
weehselt  auf  Blatt  1  verso  und  2  recto  in  den  Widmungen  des  Urbanus  Rieger  und 
des  Jacobus  OtÜterus  mit  romanischen  Charakteren  ab.  — 


150  —    StnMbwf.    — 

latfnifirt  2ol)annt9  ^ervagfu«, 
1522  bie  1528. 

Sirvagtus  ist  derselbe  Drucker,  der  im  Jahre  1528  nach  Basel 
aog  and  dort  lant  Rathsprotocoll  das  Bürgerrecht  als  Dmcker  er- 
warb. Er  wurde  geboren  1497  und  starb  dort  1560.  In  Basd 
druckte  er  bis  1531  in  Gemeinschaft  mit  Bieronymus  Frohen  und 
Nicolaus  Episcopius.  In  Panzer  VI,  Seite  220  No.  348  ist  eine 
Ausgabe  der  nK^etorica  et  poetica**  des  Aristoteles  an%efahrt^ 
welche  Henragins  schon  1520  in  BtLsel  gemeinschaftlich  mit  dem 
damals  19jährigen  Hieronymns  Froben  gedruckt  haben  soll,  aber 
dieselbe  ist  apokryph.  — 


No.  290. 

,4M0-||TATI0NES  FHILIFFI 
Melanchthonis  in  Epiftolam  Pauli  ||  ad  Romanos  una.    £t 
ad  Corinthi Jos  duas,  diligentifs  recognit».  |{  ITEM  FRAEFATIO  || 
Methodica  in  Epiftolam  ad  ||  Roma  .  Lutheri.  ||  CYM  INDIOK 

AD  II  calcem  Libelli  addito.'* 

Btrassbnrg,  Johann  Hervagius,  1524«    Klein  Octav-Format 

Btne  Mhr  hfibscbe  Ausgabe  der  »AnmerkuDgen  IfeUnchthon^s  m  den  Briefea- 
dea  Apoatal  Panlna  an  die  Römer  und  Corintber"  mit  einem  Vorworte  LntherB. 
Die  Text-Type  iat  eine  höclut  reinliche  Cursiy,  der  Sats  seichnet  sieb  durch  höchst« 
Aeenrateeae  ans.  Eine  bübeebe  Titelbordnre  und  desgleichen  8  InitialbuchsUbe&r 
J  und  Q»  *^  Blatt  1  Terso  undT^ecto  sind  bonerkenswertb.  — 


10ol|f  $o))|fel  alias  ISolfgangua  Ce))l)alaett0^ 

von  1524  ab. 

No.  291. 

,/jDie  weyfe  vnb  (Drs||feenutig   6er  Wle0,  Dtitib  ||  wie 


man   bM   i)o6Ds\\xo\xb\%   Sacras|metit   meffen  ||  foH 
JD,  mart  «utbere- 1|  WT-  JD-  icjciii^  ||  t»ittenberg/' 

Strassbnrg^  Wolff  Köpffei,  1524.    Klein  Octav-Format. 

BüM  des  Bibliographen  .unbekannt  gebliebene,  jedenfalls  seltene  Ausgabe  und 
'vahraehelalieh  Haehdmek  der  Wittenberger  Tom  selben  Jahre.  — 


—    Strassbnrg.    —  lej 

No.  292. 

,,IMP£RA|{TOBYM  BOMANOBYM  ||  UBELLYS. 

Vnä  cum  imaginibus,  ||  ad  uiuam  effigiem  ||  exprefjis.*' 

Strassbnrg^  Wolff  Köpffei,  1525.    Klein  Octav-Format. 
Ist  mit  «iner  kleinen  CuniT-Type  gedruckt.    Der  Yerfaafer  ijit  Johamtet  Hui- 
UAiut.    Das  Werkehen  enthalt  die  Portndts  der  rSmisohen  und  deuteehen  Kaiser 
und  Kaiserinnen   bis  auf  Carl  Y.  in  Holsschnittnaohbildungen   alter  If  finaen ;  alle 
ireiss  auf  schwaaraem  Grunde,  also  in  Tiefsciinitt  ansgefOhrt.  — 


1529  mb  1530. 

No.  298. 

//MDßgebrente  vnnb  JDi|||liaierte  wajfer,  wie  fie  $tt 

ieöem  ge||breflen  feea  ttlenfc^enleiba;  vnb  xoatin  fünft 

bereit  gebrauch  ||  f&xttiQlidf,  bietien«    3eg  mxvUd^  nach 

(DtbnnriQ,  mit  groffem  flelß  sufamen  braAt  ♦  ♦  ♦" 

Strassbnrg,  Christian  Egenolph,  1580.  Klein  Quart-Format. 
Bin  höchst  originelles  Receptbuch  mit  einem  lltelholssclinitt,  den  Chemiker  in 
sehiem  Laboratorium  vorstellend.  Am  Schlüsse  findet  sich  die  vollständige  Firma 
nnd  JährMohl,  Es  ist  wohl  als  sicher  anzunehmen,  dass  Egenolph  1580  nach  Viratih- 
fm^  a»n  Main  sog,  um  dort  die  Typographie  einsufuhren,  denn  hier  finden  wir 
Bchon  in  einem  der  ersten  Drucke:  „Die  Heymlicheytenn  Alberti  Magni*  15dlsfimmt- 
li«be  TffpengaUungen  wieder,  die  in  dem  obigen  Strassburger  Dntcke  von  IfiSO 
enUialten  sind;  eine  Entdeckung,  die  bis  heute  woU  noch  keiner  der  Herren  Biblio- 
graphen gemacht  haben  durfte;  auch  wfirde  s.  B.  Falkensttfn  auf  pag.  SOS  den 
Egenolph  nicht  schon  von  1Ö18  ab  in  Frankfurt  drucken  lassen.  — 


um  1530. 

No.  294. 

„^xonka,  \\  ßeiitbüd^  önb  gefd^ijd^t  ||  bibct  öon  anbcg^n  U% 
itttt  bi§  ge||getttt)erttg  SR.  S).  jjji.  jar.  i)arin  beibe  ©otteS 
J)nb  II  6er  weit  lauff,  \)tnbtl,  att,  wort,  wercf,  tbun, 
Iftifen,  Briegen,  wefen  vnb  leben  ||  erfe!  en  vnb  begriffen 
Wirt  ♦  ♦  ♦  in  ♦  lij*  CbronldE  ob  b^ubtbti  er,  ||  t)erfa#t  • 
JDurd)  ©ebafilanum  Sracf  en  von  \\  Wirb,  votmalB  in 
tefitfdjer  sun^  ||gen,  nie  gebart  nod)  ges||iefcn/' 

Strassbnrg,  Balthasar  Beck,  1581*    Folio-Format. 
Das  erste  Wort  des  obigen  Titels  mit  dem  schönen  Initial  <S  ist  gans  in  Hois  ge^ 
admitten.  Im  Uebrigen  ist  das  umfEngÜche  Werk  mit  Schwabacher  Schrift  gedruckt.  ~> 


152 


Strassburg. 


No.  295. 

„Sofe^}{|i  be§  §odE)6e|jrümptett  t)nb  daft  nugüd^-lien  ^iftoxku" 

Strassburgr^  Balthasar  Beck,  1535*  Folio-Format. 
Dies  ist  die  zweite  deutsche  Ausgabe  der  Werke  des  berühmten  GesobichtB- 
schreibers  der  Jaden,  Flavius  Josephus:  die  erste  erschien  schon  15S1  ebenfalls  in 
Strassburg  bei  Michael  Meyer  &  Balthasar  Beck.  Vorliegende  Ausgabe  enthält: 
.Die  Jüdischen  Alterthümer"  in  20  Büchern,  den  „Ersten  Krieg  der  Römer  mit  den 
Juden"  in  7  Büchern,  „Die  Vertheidigungsscbrift  für  seine  jüdische  Geschichte  ge^n 
Apion"  in  2  Büchern;  ferner  ein  Buch  „Von  der  Meisterschaft  der  Vernunft",  und 
endlich  eine  kurze  , Lebensgeschichte  des  Josephus"  nach  den  alten  Quellenäclulften 
des  EusebiuB,  Hieronymus,  Suida  und  Volateranns".  Das  Buch  ist  mit  Sch\v:i  ..eher 
Typen  gedruckt.  — 


1536. 

No.  296. 

,,®art  ber  gefuntfjeit  ||  Qu  latein,  HORTVS  n  SANITATIS .  Sagt 
in  vier  ||  »ud)cren  xvk  l)cxnad)  folgen 

3m  traten. 
Dierffigfigen  vnb  Rtidicnöcn 

3m  ^fn beten* 
Dogicn  vnb  bm  SItegenbcn 

3m  JCvittcn 
t?ifd)cn  vnb  @d)n?immenbcn 
3m  TDicrbem 
JDem  ftbUn  (ßeftcym  xmb  allem  fo  in 
btn  2Cfeeren  feer  erben  \rad)fen  ift*" 

Strassbnrg^  Mathias  Apiarius,  1536.     Folio-Format 
Mit  einer   schönen  Titelbordüre   und  sehr  vielen  Holzschnitt -Abbildungen  aus- 
gestattet. — 


Von  { 


t^ierc 


WtnM  ltl)fl, 

aud)  tPenbelin  J\id)el,  ein  nad)fommc  bee  berühmten 

»ernl^arb  J\id)cl  in  BATel, 
um  1535  bie  1555. 

No.  297. 

,,S)3l§  9ldertt)erd  II  Sucii  Solumeüc  önb  ^ßaHabij  ||  äUctjer 
l)0^erfarner  $Römer  .  .  .  gartenwercC  .  ♦ .  Vnb  av^nty  ♦ » ♦ 


—     Strassburg.     —  I^^ 

Dcrteütf^^et  |I  jCurd)  ttttd^ael  {)txv^n,  licb^abcrn  6er  || 

freien  UÄnflen  vnb  ar§nei/' 

Strassbnrgr,  Wendel  Rihel,  1588.    Folio-Format. 

Mit  Seh wabacher- Schrift  gedruckt.  Die  erste  Zeile  des  Titels  ist  in  Holz  ge- 
schnitten. —  Angebunden  ist  dein  Werke  ein  Exemplar  des  Bocaccio,  gedruckt  von 
Paul  Messerschmidt  in  Strassburg  1561,  das  wir  weiterhin  noch  besonders  aufführen 
werden.    Alter  Originallederband.  — 


No.  298. 

„S)6r  SRid^tertid^  Stagfpiegcl  •  ||  @itt  nul^bartid^er  begriff, 
SBte  man  feiert  t)ttnb  for'||micreit  fol  nad)  orbnung  feer 
Vitijttti  ein  ytbt  Clrtg,  ^fntwurt,  vnb  aug- |fprc*ene 
Vnclltn  '  (ßesogen  au0  (DciflUcfcen  vnb  XVcltliiien 
T^ed)r|'teit  ♦  ♦  .  JDurd)  )ro::|jctorem  Sebaflianu  Srant, 
wibtx  öurd)  ftd)tiget,  vnb  mit  merernt  fleiß  von  \\  newcm 

5wm  tbeyl  gebeffert/' 

Strassburg^  Johann  Albrecht  &  Wendel,  Rihel,  153$. 

Folio- Format; 

Diese  Ausgabe  des  oft  aufgelegten  Rechtsbuches  enthält  zwei  schöne  Holzschultte 
eines  nicht  ersichtlichen  Künstlers.  — 


Xo.  299. 

„^xc  alt  önb  Ttett)  @d)et||men  3ii^ff^-  II  ®i^  ftä^öne  ©at^ra, 
baS tft,  ftraffbüc^lleiti  piler baiibt  lafler,  We  allentbalben 
in  ber  votlt  ||  vbtxl)Cinbt  genumen  ittixoann  burdb 
5),  Z\)o\[mae  ttTurnar  5u  Stanctfurt  am  WTeyti  ges 
pre||bigt,  jeberman  5u  leer,  vnnb  niemanta  5ur  ||  fAmacfe, 
ieftunt  tx?iber  von  ncwem  ver::||lefen  vnnb  gebeffert 
nad)  ber  ]6i'|igen  VPelt  laiiff/' 

Strassburg,  Wendel  Rihel,  circa  1540*    Klein  Quart-Format. 

Biese  mit  42  Holzschnitten  und  auf  jeder  Seite  mit  ganz  originellen  Randleisten 
reich  illustrirte  Ausgabe  der  berühmten  Murner'schen  Schelmensunjt  ist  von  grosser 
Seltenheit.  Leider  ist  sie  weder  mit  Drucker  noch  mit  Jahrzahl  versehen ;  wir  finden 
aber  in  den  vierziger  Jahren  des  sechszehnten  Jahrhunderts  dieselben  Typen  bei 
"Wendel  Richel  in  Strassburg,  der  mit  denselben  Typen  auch  den  „Spiegel  menschlicher 
Blödigkeit*  1549  druckte,  den  unsere  Sammlung  enthält,  und  an  dessen  Schlüsse 
■ich  der  Drucker  ,  Wendel  ßeihel"  nennt. 

Allerdings  findet  sich  dieselbe  Typengattung  auch  in  dem  nicht  minder  sejtcuen 
l>rncke:  «Aussgebrennte  vnd  distillierte  Wasser«,  von  Christian  Egenolph  in  Strass- 
burg IpSO,  doch  ist  hier  namentlich  das  L  ein  anderes. 


154  —    StraMbnrg.    — 

Muraen  bflrQhmte  Sobelmeniiuift,  die  «äs  seiara  in  FnmkAirt  un  llidii  gehal- 
ienen  Predigten  hervorging  und  die  Laster  aller  St&nde  seiner  Zeit  demlieh  giob 
geisselt,  wurde  zuerst  ebenlUls  mit  Holsschnitten  nnd  Randleisten  im  Jahre  15U 
gedruckt«  dann  1618  und  1514  in  Augsbni^,  1518  wieder  in  Strassbnrg  Ton  Johann 
Knobloch;  und  wenn  wir  obige  etwas  veränderte  und  rermehrte  Ausgabe  ungefibr 
in  das  Jahr  1540  setsten,  so  ist  dies  sicher  nicht  xu  früh  gegriffen.  Eine  späten 
Ausgabe  ist  nicht  bekannt.  Das  seltene  Werkchen  ist  übrigens  auch  in  sprachli^er 
Hinsicht  von  besonderem  Interesse.  Es  befindet  sich  in  schönem  grünem  Led«r> 
dnbaode.  —  

No,  300. 

„WiCQd  ber  aRenfd^Hlli^^^«  Möbigfeit    || . .  ." 

Strassbnrg^  Wendel  Bihel,  1546.    Klein  Quart-Format 

Die  kleine  gegen  die  Eitelkeit  imd  Yermessenheit  der  Menschen  und  besonden 
der  Fürsten  polemeeirende  Schrift  lehnt  sich  an  die  Tendens  sweier  in  deutscher 
'Bearbeitung  mit 'Unfgenoquonenen  Qedichte  des  griechischen  Dichters  Ludamu:  de» 
»TyrannuB*'  und  „Charon*'.  Das  Werkchen  ist  mit  bedeutungslosen  Holiaobntttea 
ausgestattet  — 


um  1532. 

No.  301. 

,,aSaIeriu8  3Kajt*|]mu§  öon  gefd^id^ten  ber  ||  Äimer  nnb^ 

au^tvB  t?oIcf6  ♦  ♦  ♦" 

strassbnrg^  Jacob  Cammerlander,  1&4U    FoUo-Format 

Ziemlich  unbekannter  Strassbuiger  Typograph.  läne  Bigentbümlicbkeit  seiner 
Drucke  sind  die  liin  und  wieder  und  nicht  recht  passend  angebrachten  ZierleMenr 
▼on  welchen  auch  der  Titel  vorliegeuder  Ausgabe  eingeschlossen  ist  Diese  dentsebe 
Ausgabe  des  Yaierius  Mazimus,  übersetzt  von  Petrus  von  Selbet,  erschien  soerst 
^533,  dann  1585  bei  demselben  Drucker.  Auf  dem  fünften  Blatte  findet  man  ein 
Initial  D  aus  einem  Alphabet  nach  Albrecht  Dürer,  welches  zuerst  Bneharins  Hirtihom 
in  Cfiln  anwandte.  — 

No.  802. 

„®n  ttetoe  SBantung,  ||  SBie  bie  bä^}ft  aHtPegen  tt)tbcr  bic 

ieut^jfdien  Äcyfer  geweßt,  auff  5a5  Rireefl  ane  allen 

(Cbro^llnicfcn  gesogen   Ä*  VU.  ffirsubringen  ♦  ♦  ♦" 

Strassbnrg^  Jacob  Cammerlander,  circa  1542.    Klein  Quart-Format 

Interessante  Schrift  wider  die  Päpste  ohne  Druckort  Firma  und  Jahruhl,  roa 
der  wir  durch  die  yollkommene  Uebereinstimmung  der  Typen  mit  Toriger  Nvnuner, 
einiger  gleichen  Zierleisten  nnd  Initialen  den  Drucker  in  Jacob  Ckumnerkmdir  Mr 
gesteUl  haben.  — 


—     Strassburg. 


155 


€rato  |lli)litt0^ 


um  1540. 

No.  803. 
»PHILIPFi;|XELMGHTHONISHO-||raHsPhilosophi»||£pitoine..'' 

Strassburg,  Crato  Mylius,  1540.     Octav-Format. 
^ODOOI II  YTILLIGHn  BE  SELLUNI EBOTE  ||  mafum  Dialectices 

Slrassbnrgr,  Crato  Mylius,  1540.    Octav-Format 

Obif^  beiden  Werke  mit  Firmii  und  Jabnahl  sind  in  Format,  Dmek,  Pikier 
ToUniiidig  gleich  augestatket,  und  befinden  sich  noch  im  Original- Sohweinslederbande 
wiammengebunden.  Der  Druck  ist  Cursiv  und  Antiqua.  Zu  bemerken  ist  das 
vierfwh  Terschleden  Torkommende  Druckeneichen.  — 


Paul  |lte|ferfd)mtM^ 


1561. 

No.  804. 

^ßcnto  SftoucHa  So||]^anntö  »ocatij .  ||  S)a«  tft  ^unbcrt 

Jlctocr  ^iftorien,   toc^Hd^e    ein  ©rbare  gefclfd^afft,   öott 

btc^cn  SRänncm,  ön  ||  fifebcn  tPelbern,  fßebetit  ein  gro# 

flerben  su  Slotenö.  jufanien  gereM,  H**/' 

Strassburg,  Paul  Messerschmidt.  1661.    Folio-Format. 
Kit  l&r  die  Zeit  sehr  geringen  Holiscbnitten  ausgestattete  Ausgabe  des  „Deco- 
«Mron*  Ton  Boetiecio.    Das  Exemplar  ist  susammengebunden  mit  dem  j,Aekerwerk'^ 
fon  Wendel  Bihel  1588  unter  No.  297  unserer  Sammlung.  — 


VOtnbtl  TMbtVB  Qobn  nnb  nachfolget, 

um  1565  bl0  1600, 

[No.  805. 
^CHIDOIA  FHnJFPI  THEO-FHBASTI  FABAOELSI  BOH- 

boft-bcS  l^od^erfa^rnen,  önnb  bc-Htül^mfteften  5ß]^iIofo^)f|j[, 
t)nb  be^ber  3IrfeHl^^i  S)octori8,  Sßott  l^e^müd^f entert  ber 

SRatur,  II  3e^cn  öüd^er." 

Strassburg^  Theodosius  Rihel,  1570.     Octav-Format. 
Obigem  Werke  des  berfihmten  Arstes  und  Chemikers  sind  noch  swei  kleinere 
Sehrlften:  ,De  tinetura  physioorum*  und  «De  oeculta  philosophia*  angehingt    Das 
Claose  befindet  sich  in  altem  Original-Schweinslederbande.  — 


1^6  "~     Strassburg.     — 

»Ott  1578  rtb, 

später 

ßobm  fei  €rbftt^ 

1597. 

No.  306. 

„SBinenforb  ||  2)eö  §e^I.  SRömif^en  Snten=|jfd^tüarm§,  fetner 
^umeföäeUen  (ober  ||  ^immeföäcllcn)  ^urrnaujsnäftcr,  8rä* 
Tnen^||gefd)wiirm  xmb  tPdfpengcrcß*  ||    ♦  ♦  ♦  3"  ©l^rift« 

lingcn,  Anno  1579." 

StraSSbnr^^  Bernard  Jobin,  1579.     Klein  Octav-Format 

Ein  literatuT-  und  kulturhistorisch  interessantes  Werk,  dessen  holländisches 
Original  von  Bnlipp  Marnix  de  Adelgonde  verfasst  und  um  1569  unter  dem  Titel 
„De  Bienkorf  der  H.  Roomsche  Kercke  Ac."  ohne  Ort  und  Jahr  herausgegeben  wurde. 
Vorliegende  deutsche  Uebersetzung  hat  der  berühmte  Satiriker  Johann  Fisdiart  ge- 
liefert, der  sich  in  obiger  Editiu  princeps  nicht  nennt,  aber  in  den  spatem  Aus- 
gaben, wovon  wir  die  vom  Jahre  1581  in  nächster  Nummer  auffuhren,  mit  dem 
Pseudonym  „Jesuwalt  Pickhart"  vorkommt. 

Der  ebenfalls  Pseudonyme  Druck  ort  ^CJiristlingen"  ist  Strassburg  und  der 
Drucker  ist  des  Dichters  Schwager  Bernhard  Jobin  aus  Basel,  obgleich  letzterer 
hier  garnicht  und  in  den  spätem  Ausgaben  in  halb  latinisirter,  halb  verstellter 
Umbildung  „Ursinus  Gottgwinn"  genannt  wird.  Die  Typen  aller  folgenden  Jobin- 
sehen  Drucke  bis  zu  dem  „Ehezuchtbüchlein"  aus  der  Offizin  von  Jobin*s  sei.  Erben 
stimmen  überein.  — 

No.  307. 

„SBincnforb  ||  3)e§  |)e^l.  9iömifcf)en  Smen||fcf)tt)arm^\  . . . 

JDurd)  3efun)alt  picEl^art,  fcce  (Laiionifd)cn  Äecfes^tcn^ 

ßanonifirten  ober  ® ett)ürbigten ,  2c.  ||   .  .  .  ®etrudEt  ju 

(£l)riftüngen.  ||  Am  Ende:  bet)  9Srfino  ©ottgtütnn. 

M.  D.  LXXXI." 

Strassburg^  Bernard  Jobin,  1581.     Klein  Octav-Format. 

Dritte  Auflage  dieser  sensationellen  Schrift,  von  welcher  GÖdeke  in  seinem 
Grundriss  Band  I,  Seite  393,  nicht  weniger  als  dreizehn  Auflagen  citirt,  von  deaen 
acht  mit  und  fünf  ohne  Jahrzahl  innerhalb  eines  Decenniums  erschienen.  Das  hol- 
ländische Original  selbst  erlebte  einige  zwanzig  Auflagen ;  auch  giebt  es  noch  melii  ere 
andere  Uebersetzungen,  Angriffe  und  Nachahmungen.  — 


No.  308. 

„S)cr  |)et)Iig95rotIorb  ||  2)cr  §.  SRömi-Ufd^enStcliquien,  ober 
SBürbigen  ^etiligHittjum^  proden :  ||  2)ag  ift,  ||  JüHANNIS 


—     Strassburg.     —  jcy 

CALYINI I!  Wottücnbtge  tjermanung,  t)on  bet  ||  IßaJpiften  ^c\jlliQ^ 
t^iifn :  ®arauJ5  äufcl)en,  tüaS  ||  6amlt  für  SCbgSttcrey  vnb 
Betrug  getrie5[|bcn  woröen,  5cm  C^rifllicben  Cefet  ]| 
5«  gure   perfeeutfd)t,     (SebrudEt    ju    SI)riftItngen,    SBe^ 

Sßrfu||no  (ßutwino  .  1584/' 

StraSSbnrg^  Bernard  Jobin,  1584*    Klein  Octav-Format 

Die  Üebersetzung  dieser  Schrift  des  berühmten  Calvin  ist  von  Jacob  Eysenherg. 
Aaf  der  Kehrseite  des  letzten  Blattes  der  Vorrede  befindet  sich  ein  Gedicht,  dessen 
Anior  der  satirische  Johann  Fischart,   und   welches   folgendennassen  betitelt   iit: 

/PSefc^ldge  3uni  >6eindt^utiib0  Pdfltleiti.  ||  ^eiligt^umbd  fpong  ||  gefu;: 
»qIH  ^icf^art,  ju  bcfcfilaöung  ||  gcgentocrtigS  §ciltgtf)uinb8  fäfÜeinS 
ober  Ij  »rotPorbö,  feer  nierPlld7eti  ^eillgr'  t^umba  partitfel"»  — 


No.  309. 

M^  5ßPofopl)tfc^  e^cäuditbüc^lin  ||  ober  ||  ®ie  «er- 
nunfft  II  gemäfc  9?aturgefd^etbc  ||  ©l^ejud^t,  fan^)!  ber  Ätnber* 
ju^t.  II  3lu§  be^  SBerütimbftcn  ünnb  §od^er==||Ieud^ten, 
®vied)tjd^en  ^ßl^itofopl^i  $ßtutard^i,  ||  üernunfft  gemäfen 
Sljegcbotten  .  . .  burd) . . .  öcrrn  So{|ann  gifd^arten  ge^? 
nonbt  TOen^er . . .  tjertcutfcfjt,  ünb  äufammen  getragen.  ** 

Strassbnrgr,  B.  Jobin's  seL  Erben,  1597*     Octav-Format. 

Ein  originelles  Bfichlein  mit   vielen  Holzschnitten,  in  blauem  Lederbande  mit 
Goldpressung.  ^ 

No.  310. 

,^enebergische  Chronica." 

Stransbnrg^  Bemard  Jobin's  sei.  Erben,  1699.    Folio-Format. 

Die  Hennebergisehe    Chronika  mnss  fnr  Jene  Zeit  ein  besonderes  Interesse  ge- 
boten habe'»,  da  sich  Unternehmer  fimden,  die  den  Folianten  wiederholt  druckten.  — 


8cOfu߻35cincrftimflen. 

Der  Vollständigkeit  wegen  führen  wir  noch  folgende  Drucker 
in  Strassburg  an,  deren  Leistungen  aber  wohl  nicht  genug  typo- 
STtiphisches  Interesse  bieten  dürften,  um  sie  ebenfalls  eingehender 
M  besprechen.  Es  druckten  Johann  Albrecht  oder  Albertus  von 
mi  ah;  Renatus  Beck  um  1511  bis  1526;  Mathias  Brant  umT5CX): 


1^8  —    Strassboig.    — 

Patd  Götz  am  1514;  Hüronymus  Greff  um  1502;  Conrad  Kermr 
um  1517;  Peter  Kornmann  am  1526;  Jörg  Kunnast  um  1520; 
Bartholomäus  Kystler  am  1497  ^^  1506»  Heinrich  Sybold  am  1529 
bis  1530;  Ulrich  Morhard  um  1519  bis  1522,  der  später  auch  in 
Tübingen  druckte;  Wilhelm  Schaffener  de  Raperschwiler  um  1500 
bis  1515;  Johann  Schwan  um  1524;  Georg  Ulricher  von  1529  ab; 
Johann   Wahinger  um  1502  bis  1504. 

Der  uns  schon  von  Mainz  her  bekannte  JPeter  Schöffer  der 
tFilngere  druckte  mit  Johannes  Apronianus  gemeinschaftlich  von 
1530  bis  1531  in  Strassburg;  als  ihre  Producte  kennt  man:  Albinos 
seu  Alcuinus:  „De  Trinitate  ac  Mysteriis  Christi"  und  Valentini 
Cratoaldi  „In  tria  priora  capita  libri  Geneseos  annotata",  1Ö30;  " 
„Epistola  Apologetica   adversus   Erasmum   Roterodam**,   1531* 

Von  da  ab  druckte  Peter  Schrffer-,-  der  sich  wie  sein  Vater 
auch  fj  OpUio^^  nannte,  noch  einige  Jahre  allein ;  bekannt  sind  ans 
dieser  Zeit:  „Syria,  Pulaestina,  Arabia  petraea,  Aegyptus,  Schondia, 
Holmiae  .  .  .  cum  Regionum  singulis  Tabulis  Geographicis*'  1532, 
und  Cornelii  Agrippae  ,.Kpistola  Apologetica"  1535»  Dann  sie- 
delte er  nach  Venedig  über,  wo  wir  ihn  wiederfinden  werden.  — 

Als  im  Anfange  des  16.  Jahrhunderts  die  neue  Kunst  mehr  uid 
mehr  industrieller  ausgebeutet  wurde  und  immer  breitere  Bahnen 
betrat,  bemerkt  man,  wie  allmählig  von 'der  eigentlichen  Kunst  das 
Geschäft  sich  abzweigt;  wie  sich  Leute  finden/  die  ohne  praktische 
Typographen  zu  sein,  ihren  Geschäftsvortheil  durch  Vertrieb  typo- 
graphischer Erzeugnisse  zu  finden  wissen,  und  wie  sich  so  im  Gefolge 
der  grossen  Kunst  durch  Ertheilung  von  Aufträgen,  Bestreitung  der 
Kosten  und  ausgedehnte  Verbreitung  der  Druckwerke  ein  neuer 
grosser  Berufszweig  heranbildet. 

Der  hoch  angesehene  Stand  der  VerltlOHbuchhünffleTf  durck 
deren  speculativere  Vermittelung  die  Lilepatar  mehr  und  mehr  Ver- 
breitung fand,  wurde  im.Vcrfeiufe  der  Zeit  zur  einfiussreichen  Macht, 
zur  causa  movens  der  ganzen  Typographie.  Von  jenen  Erstlings' 
Verlegern  finden  wir  auch  in  Strassburg  zu  Anfang  des  16.  Jahr- 
hunderts bereits  einige  in  Thätigkeit,  die  wir  wegen  ihres  innigen 
Zusammenhanges  mit  der  typographischen  Geschichte  hier  auch  noch 
auffuhren  wollen. 

Da  ist  Dr.  Georgius  Uebelin  oder  Maxillus,  der  bei  Johann  Schott 
drucken  liess;  dann  die  Brüder  Leonhard  und  Lucas  Alantsee,  die 
auch  in  Nürnberg,  Basel,  Venedig  und  Wien,  hier  in  Strassboig 
aber  bei  Matthias  Schürer  drucken  Hessen.  Ferner  Paul  Götz,  der 
vier  verschiedene  Strassburger  Offizinen  beschäftigte,  nämlich:  Johann 
Knobloch,  Johann  Schott,  Johann  Prüss  jr.  und  Christian  Egenolph. 


— -    Stratsburg.    —  I^g 

Noch  ist  der  berühmte  Typograph  PeUr  Druck  in  Speier  zu 
erwähnen,  der  —  wie  wir  es  in  Bamberg  schon  beobachteten  — 
auch  in  Strassburg,  and  swar  bei  dem  nicht  minder  namhaften 
Johann  Grüninger  drucken  liess. 

Bei  Knobloch  liess  auch  Johannes  Haselberg  aus  Reichenan  bei 
Constanz  drucken,  der  ebenso  in  Mainz  bei  Johann  SchoefFer,  in  Nürn- 
berg und  Oppenheim  Aufträge  ertheilte.  Noch  mancher  andere  Name 
könnte  hier  seinen  Platz  finden,  doch  legen  uns  die  Grenzen  unserer 
Arbeit  hier  eine  Beschränkung  auf;  möge  das  Weitere  einer  „Special- 
geschichte des  Buchhandels''  überlassen  sein,  wozu  unser  Biblio' 
graphisches  Museum  das  ausgiebigste  Material  bieten  würde.  -^ 


Hiermit  schliessen  wir  die  lange  Reihe  yon  nicht  weniger  als 
^  Strassburger  Typographen  des  fünfzehnten  und  sechsnehnten 
Jahrhunderts  ab,  nachdem  wir  von  den  spätem  Druckerfirmen 
immer  nur  Einiges  angeführt,  was  in  typographischer  Beziehung 
interessant  erschien. 

Die  typographischen  Leistungen  der  so  hervorragenden  Druck- 
stadt Strassburg  sind  hierdurch  in  mfhr  als  150  I>ruck^ 
werken  ebenso  vollständig  zur  Darstellung  gelangt,  wie  wir  es 
in  Bezug  auf  Mainz  mit  gleicher  thunlichster  Vollständigkeit  er- 
möglicht haben.  Jedenfalls  stehen  die  typographischen  Leistungen 
Strassburgs  in  keiner  Weise  hinter  denen  von  Mainz  zurück, 
während  sie  in  Bezug  auf  Menge  und  Vielseitigkeit  entschieden  den 
Vorrang  behaupten.  Ziehen  wir  aber  in  Betracht,  dass  die  erste 
Idee  der  grossen  Erfindung  Gutenberg's  unbedingt  m  Strassburg 
entstand,  und  selbst  die  erste  Buchdruckprease  der  WeU 
nicht  in  Mainz,  sondern  in  Strassburg  erfunden  und  gebaut  wurde, 
so  ist  wohl  nicht  in  Abrede  zu  stellen,  dass  die  alte  Druckstadt 
latraes^rg  in  Bezug  auf  Gutenberg's  grosse  Erfindung  einen 
weit  hohem  Rang  beanspruchen  darf,  als  man  ihr  in  der  Greschichte 
gemeinhin  angedeihen  lässt  — 


(frgän^ungs^Ctteratttr  &u  StragOurg. 

1«  nStrassburgische  Chronik  oder  kurze  Beschreibung  von  ankunfift, 

Erbaw :  vnd  Erweiterung  der  Stadt*'  etc.    Strassburg,  Johannes 

Carolas,  1626. 
HB.  Diese  kleine  Beim-Chionik  eDtbil»  anf  Seite  100  auoh  eine  interessante 
J'otb  ober  die  ErfMuang  der  BuckdrudterkwHMi  m  8traaib¥rg  unter  dem  Jahre  14iO.  • 


l6~y  —     Strassburg      — 

2.  „eiöscner^s  Strassburgische  Chronik  von  1362".    Stuttgart  1822.— 

3.  „FÄtes  de  Gutenberg  ä  Strasbourg".     1840.  — 

4.  „Gutenberg,  Erfinder  der  Buchdruckerkunst**.    Strassburg  1840.  — 

5.  Heitz:  „Biblioth^que  Alsatique".     Strasbourg  1868.  — 

6.  „Zum    zweiten   Jubiläum     der  Buchdruckerkunst  in   Strassburg 

1640.'*     Strassburg  1640.  — 

7.  Laborde :  „Debüts  de  l'imprimerie  ä  Strasbourg".    Paris  1840.  — 

8.  Lichtenberger:  „Geschichte  der  Erfindung  der  Buchdruckerkunst". 

Strassburg  1825.  — 
9;  Niesert :  „Ueber  Mentelin's  „De  arte  predicandi'* .     1825.  — ^ 

NB.  Eine  yergleichung  dieser  >Schrift  mit  den  beiden  Ausgaben  des  OriginiLs, 
Strassburg  circa  1464  und  Mainz  circa  14C6,  ist  von  besonderem  bibliographiscbem 
Interesse.  — 

10.  Schmidt:    „Bibliotheken    und   Buchdruckereien    in   Strassburg". 

Strassburg  1882.  — 

11.  Schöpflin:  „Vindiciae  typographicae".     Argentorati  1760.  — 

12.  Steinberger:   „Literarisch -kritische    Abhandlung    über   die   zwo 

allerältesten  gedruckten  deutschen  Bibeln".    München  1787.  — 

13.  „Urkunden    und   Belege    zu    Gutenberg's   Erfindung    der  Buch- 

druckerkunst."    Strassburg  1840.  — 

14.  Wolfram  von  Eschenbach:  „Parzival".     Nach  der  Urschrift  neu 

gedruckt  1783.  — 
NB.  Der  ^TarzimV^  wurde  M77  gleich  dem  ^TiiwreV^,  den  wir  auf  Seite  IO8 
unt^r  No.  181  ausführlicher  besprachen,  ebenfalls  von  Ufenleltn  gedruckt,  und  ist 
80  ungemein  selten  geworden,  dass  wir  selbst  ein  Exemplar  noch  nicht  erlangen 
konnten.  Yorstehendc  Ausgabe  von  178S  ist  aber  ein  buchstiblich  genauer  Abdruck 
des  Orjiginala«  das  hierdurch  wenigstens  dem  Inhalte  nach  ersetzt  wird.  — 

15.  Wolfram    von    Eschenbach:    „Parzival    und   Titurel".      Heraus- 

gegeben von  Karl  Bartsch,  3  Theile.     Leipzig  1870   — 

16.  Wolfram  von   Eschenbach:   „Parzival,  Lohengrin   und  Titurel". 

Uebersetzt  von  Karl  Simrock,   2  Theile.     Stuttgart  1842.  — 

17.  „Zur  Geschichte  des  Strassburger  Buchdrucks  und  Buchhandels," 

im  „Archiv   für  Geschichte  des   deutschen  Buchhandels"  V. 

1879.  — 
Kurz  gedenken  wollen  wir  auch  der  früher  schon  angeführten 
Schriften  und  Bibliographien,  in  denen  gleichwohl  auch  für  Strass- 
burg vieles  Wichtige  enthalten  ist :  Baumgärtner,  Bernard,  Braun, 
Brunet,  de  Bure,  Eberi,  Falkenstein,  Faulmann,  Fischer,  Gras, 
Graesse,  Hain,  Hamberger,  jffarless ,  von  Heinecken,  von  der 
Linde,  Maittaire,  Panzer,  van  Praet,  Reichhart,  Schoenemann,  la 
Valli^re,   Wetter  und  Aridere.  — 


t 


—     Cöln.     — 


i6i 


ööfn  am  QR^dn 

' —  Colonia  Agrippina;   Colcesitria.  — 


Vlrtd)  ^rU  ii0n  %iM% 

1464  bis  1494. 

Ulrich,  auch  üdalricus  Zell,  druckte  im  Hause  der  Herren  von 
Lyskirchen,  welches  ihm  diese  für  sein  Geschäft  eingeräumt  hatten. 
Wenn  in  verschiedenen  Drucken  Cölns  die  Anzeige  „apud  Lyskirchen" 
jjelesen  wird,  so  ist  kein  anderer  als  Ulrich  Zell  der  Drucker,  der 
blos  seinen  Namen  nicht  beisetzte. 

Dass  Zell  der  erste  Typograph  Cölns  gewesen  und  die  Kunst 
bei  Gutenher g  in  Mainz  erlernt  habe,  steht  historisch  fest.  Wie 
wir  schon  in  seinem  datirten  Drticke  von  14^7  unter  No.  314 
sehen,  nennt  er  sich  selbst  ,,Clericus  Moguntinus" ;  auch  bestätigt 
die  Colner  Chronik  von  1499  auf  Blatt  312,  dass  Ulrich  Zell  der 
Erste  gewesen,  der  die  Kunst  von  Mainz  nach  Cöln  gebracht  habe. 

Jedenfalls  geschah  dies  aber  bald  nach  der  Verwüstung  von 
Mainz  durch  Adolf  von  Nassau,  1462,  und  man  kann  mit  Sicherheit 
annehmen,  dass  er  spätestens  1465  schon  seine  ersten  undatirten 
Drucke  vollendet  habe,  die  wir  nachstehend  verzeichnen.  — 


No.  311. 

3ol)annc0  derfon:  „Sractatuluö  br  poUuttone  nocturna." 

Coln,  Ulrich  Zell,  circa  U64— 1465.    Klein  Quart-Format 

Kostbare  Erstltngsatisgabe  dieser  merkwürdigen  Schrift,  und  einer  der  frühesten 
Zell^Bchen  Druclie  von  grosster  Seltenheit,  wahrscheinlich  noch  vor  1465  gedruckt. 
Obiger  Tradat  ist  mit  denselben  ältesten  Typen  gedruckt,  wie  die  iwei  ersten  bereits 
»rtY  Firma  tmd  Jahrzahl  versehenen  Zell'schen  Drucke  von  1466  und  1467^  die  su 
den  Bibliothekscbätzen  ersten  Ranges  zahlen;  den  schon  etwas  grossem  Druck  von 
J467  findet  man  unter  Nr.  314  unserer  iSammlung,  während  der  Chrisostomus  von 
1466  nur  10  Blätter  umfasst.  Falkenstein  giebt  auf  Seite  153  und  154  Proben  dieser 
«testen  Zell'schen  Schriftgattung.     Hain  Nr.  7695.  — 


No.  312. 

dregorii  ^,llfflula  paftüraUö.*^ 

Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1465.     Klein  Quart-Format. 

Eine«  der  frühesten  und  seltensten  Druckerzeugnisse  ZeWs,  in  seinen  Typen  mit 
dem  Gerson^schen  Tractatulus  übereinstimmend  und  gleichfalls  ohne  Firma  und 
Oatirung.    Hain  lifo.  7981  —  

U 


l62 


—     Cöln. 


No.  318. 

3anctt  IBemarbfni  ^^fit  gloriofa  oirginr  |Maria/^ 

CSln^  Ulrich  Zell,  circa  1466.    Klein  Quart-Format 

GleidifaUs  ohne  Firma  und  Datirung ;  mit  derselben  Type  wie  die  vorhergehenden 
f  ednickt.  Ein  kleines  Schriftchen  von  grösster  Seltenheit.  Hain  citirt  unter  No.  S8SS 
diese  Ausgabe,  ohne  sie  gesehen  zu  haben.  — 


No.  314. 

€lfricorum.*^ 

Cöln,  Ulrich  Zell,  1467.     Quart-Format. 

Beide  Schriften,  obgleich  von  Hain  unter  verschiedenen  Nummern  —  S088  und 
209i  —  aufgeführt,  hängen  typographisch  susammen;  die  erste  umfasst  19  Blatter, 
dann  folgt  ein  leeres  Blatt;  die  zweite  enthält  SS  Blätter,  denen  sich  zwei  leere  an- 
schliessen.  Die  weissen  Blätter  fehlen  also  bei  Haines  Anführungen,  die  er  nach 
dem  Exemplare  der  Münchner  Bibliothek  gegeben.  — 

Als  zweiter  daürter  Druck  mit  ZelFs  Firma,  welche  sich  am  Schlüsse  der  zweiteit 
Schrift  befindet,  ist  das  Doppelwerkchen,  das  dieselben  Typen  wie  die  vorhergebenden 
aufweist,  höchst  werthvoU  und  wichtig.  Der  ersten  bekannten  Abhandlung  begeg- 
neten wir  bereits  in  einer  nicht  minder  werthvoUen  frühen  Ausgabe  unter  Mains 
mit  No.  8  bezeichnet;  die  zweite  „Ueber  die  Ehelosigkeit  der  Geistlichen"  ist  EdiUo 
princeps  und  die  einzige  bekannte  des  15.  Jahrhunderts.  Der  kleine  Bibliotheksehatc 
befindet  sich,  dem  hohen  Werthe  entsprechend,  in  elegantestem  braunem  Lederbande 
mit  vergoldeten  Beschlägen.  — 


No.  315. 

i,5fnn0nc0  be  fanctta." 

Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1468.  Folio-Format 
Dieser  Dmck  giebt  eine  Yorstellung  einer  andern  Typengattung  Ulrich  ZelPs. 
Es  ist  dieselbe,  mit  welcher  er  seine  lateinische  Bibel  druckte,  auch  j,d4e  ffrotse 
Zeirscke  Type*  genannt ;  hier  offenbart  sich  in  noch  höherm  Maasse  der  Mainzer 
Ductus  und  giebt  Anregung  zu  naheliegenden  Yergleichungen  mit  den  Typen  der 
Mainzer  Bibel  von  1462  unter  No.  11  unserer  Sammlung.  Die  Typen  sind  sich 
täuschend  ähnlich  und  stimmen  selbst  in  der  Grösse  überein,  wobei  indess  doch 
manche  kleine  Erkennungszeichen  übrig  bleiben.  Die  Ausgabe  ist  von  den  Biblio- 
graphen nicht  gekannt.  Sie  hat  3.'>9  Blätter,  in  2  Spalten  und  34  Zeilen  gedruckt. 
Blatt  la  ist  leer;  Blatt  Ib  enthält  die  Tabula.  Blatt  2a  beginnt  mit  ,f3ncipint  der- 
montf  per  II  notabilts  bifcipnli  U  fäcHsUptr  auni  drculü-  3n  qnornm  ||  qnoliba  tria 
pjniiitxTimt  bellbncntnr  mnnbra".  Der  Schiuss  lautet:  ^.djcplictt  tatmU  (mptttorij  || 
(feplort  f3  orbitit  olp^abtti'*.  —    

No.  316. 

j>obanttf0  derfon:  ^^Conclultonea  be  bberpa  mÄteriia 

tttoralibu0." 

Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1470.     Klein  Quart-Format. 
Hat  die  Type  der  imter  No.  811  bis  814  verzeichneten  Schriften.    Die  fünfEeiUge 
Binleitungsschrift  zeigt  dagegen  die  sogenannte  „grosse**   Type  Ulrich  ZelPs.    Die 


—    Cöln.    —  163 

Aiu^^abe  iat  von  Hain  nicht.  besehriebeD.  Sie  entb&lt  89  Bl&tter  mit  87  Zellen  auf 
der  vollen  8eit&  Der  Anfang  lantet:  ,,3itciyit  yrolo^M  fw^  COttClnflOlief  |)  be  hittt^. 
natiriif  noralibnt  vU||lej  valbe  pofltf  jftr  mgm  iol^onve  |l  f  fon  . . /*  Die  4  aeilige 
ädüusssehrift:  „tfrytUittttt  covclvfionej . . .  eccie  bti  norie  yoriflei^. 


No.  317. 

j  ...  .  '  '  : 

.^ancti  ^"luguflini  ^^^rnno  fuper  orattonrm  bomtnicam/^ 

C^hkf  Ulrich  Zell^  circa  1472.     Klein  Quart-Format 

Des  heiligen  Augustinua  ^Predigt  über  das  Vater -Unser'*.  Ein  nur  8  Blitter 
nJüeader  seltener  Druck  mit  der  bekannten  Zell^schen  Type.  Von  Hain  unter 
N«.  1990  ohne  Angabc  des  Druckers  beschrieben.  — 


No.  318. 

Ätcolai;  it  ITtjra:  ^^|9ofltUa  fuprr  fibnim  jafalmorum." 

Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1473,      Folio-Format. 

Dieses  seltene  typographische  Product  blieb  seihst  Hain  gänzlich  unbekannt. 
Wiewohl  ohne  Ort  und  Firma,  erkennt  man  doch  auf  den  ersten  Blick  Ulrich  ZelVs 
kleinste  gothische  Type  mit  dem  bei  keinem  andern  Drucker  übereinstimmend  vor- 
kommenden 3,  Avährond  die  Capitel-  und  Blatt -Ueberschriften  aus  der  genugsam 
bekannten  sogenannten  grossen  ZelPschen  Bibel-Type  gesetzt  sind ,  die  Ja  auch  in 
Drucken  mit  ZelPs  Firma  vorkommt.  Die  Ausgabe  enthält  443  Blätter  mit  Signaturen, 
in  i  Spalten  mit  52  Zeilen  gedruckt.  Am  Kopfe  des  ersten  Blattes  steht  in  Zwischen- 
numen : , JIref fttio  -  IHolliliiitom  -  3»  -  Ufalterinm''.  Alsdann :  ,,Po|liUa  Denerobilis  iUgrii  | 
tt|C0Ui9  )e  e^ra  r«£  CUmm  ||  flfalmon  Sncipit  ^eliciter:-''  Am  Schlüsse  Blatt  443  a 
Spalte  2  Zeile  42:  „Qti  q3  effet  meMocrit'  puldire**    Die  letzte  Seite  ist  leer.  — 


No.  319. 

nicoUii0  be  Jtfcn:  i^poflUla  fuper  quatuor  eDangeliflad/^ 

Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1474.     Folio-Format, 

Von  grösster  Seltenheit,  selbst  Main  und  Ebert  unbekannt.  Mit  der  kleinen 
Zell'sehen  Type  gedruckt.  Die  Ausgabe  enthält  269  Blätter  mit  Signaturen,  in 
2  Spalten  und  50  Zeilen  gedruckt.  Am  Kopfe  des  ersten  Blattes  steht  in  zwei 
Spalten:  ^proiogvs  fn^  qntnor  rngäl.  und  ,^Uicolai  be  lira  orbts  minort*^  Dann  beginnt 
der  Text  mit  „PofliUo  fttp  Mai^tvi  friB  m,|colQi  be  llro .  orbts  frm  mlnon".  Das 
Werk  schliesst  mit  Zciile  M)  auf  der  ersten  Columne  des  BlaUes  269  b:  „iiiCi||)lit 
feHinitas  feqsenrt  biei^^    Die  letzte  Columne  ist  leer.  — 


No.  320. 

dmllrrmus:  ^^]ßofixU  fuprr  eptftolaa  et  euangelia/^ 

Cöln,  Ulrich  Zell,  1482.     Folio-Format. 

Ist  mit  den  schönen  kleinen  Typen  Ulrich  Zell's  gedruckt,   denen   wir  in  den 
Ausgaben  der  Postilla  des  Nicolaus   de  Lyra  begegneten;  die  Capitel-Ueberschriften 

II* 


164  —    Cöln.    — 

sind  aus  der  sogenannten  Mgrossen*  2^ir8chen  Type.  Auf  dem  dritÜetEten  Blatte 
findet  sich  die  Angabe  des  Druckortes  und  der  Jahrsalil.  Haines  Besebreibung  unter 
No.  7259  ist  dabin  su  ergansen,  dass  FoL  la  leer  ist  und  das  erste  Wort  nicht 
,yitaxn'  sondern  «Itam"  lautet.  — 


No.  321. 

^ü^mntB  (Serfon:  ^^Sractatue  be  ntebttattone  et  e^rpofitto 
fuprr  frptem  pfalntos  poenitrnttales/' 

CÖI1I5  Ulrich  Zell,  circa  1485.    Klein  Quart-Format. 

Diese  beiden  zusammen  gedruckten  Abhandlungen  „über  das  Nachdenken"  und 
„über  die  7  Busspealmen"  haben  die  Type  der  in  JNr.  311  bis  314  ▼erseiehneten 
Werke.  Dem  von  Hain  unter  No.  7628  beschriebenen  Exemplare  fehlt  ein  letztes, 
leeres  Blatt  — 

No.  322. 

eSol)annf0  ^tbrr:  ^^Sractatus  br  morali  lepra.** 

Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1486.     Klein  Qnart-Format. 

Seltene  Ausgabe  dieser  Abhandlung  „über  moralische  Bande",  mit  der  nämlichen 
Type  gedruckt  wie  das  vorhergehende  Werk.  Die  Ausgabe  ist  von  H^n  nicht 
beschrieben;  sie  umfasst  80  Blätter,  von  denen  die  beiden  letzten  leer  sind,  mit 
9B  bis  28  Zeilen.  Der  Anfang  lautet:  ^3ncipit  trflCtotnB  «rverabtr  nagiflri.  3ol|ö  litis 
Itihrr  orhinis  "iihicatort.  he  morali  itTfia**,  Der  Schluss:  „^r^ilicit  tractatss  he  lemrt 
morali .  Tottis  .  3oi|t)äitiB  .  Iti)hrr  focre  ti^eologie  inrofefTods  orhi'.'nis  inrehiratonrm**.  — 

In  den  bisher  beschriebenen  12  kleinem  wie  grossem  Zeirsehen  Druckwerken 
von  1465  bis  1485  haben  wir  genugsam  alle  ZeWschen  TypengaUungen  vorgeführt, 
um  diesen  berühmten  Typographen  in  seinen  Leistungen  genauer  kennen  zu  lernen.  — 


^rnolh  @:t)erl)oernrn) 

1469  biß  1483, 

der  zweite  Cölner  Typograph  und  Niederländer  von  Geburt,  druckte 
seinen  Namen  selbst  so  verschieden,  dass  man  eigentlich  nicht  sicher 
behaupten  kann,  welches  sein  richtiger  Name  gewesen.  Wir  lesen 
da  in  verschiedenen  seiner  Werke  auch  ter  hoemen,  ter  hoymen, 
ter  huemen  und  therhumen.  Wahrscheinlich  gab  es  unter  dem 
Setzerpersonale  dieser  Oflficin  so  verschiedene  Landsleute,  die  je 
nach  ihren  eigenen  Dialecten  sich  den  Namen  zurechtlegten,  ohne 
dass  dagegen  eine  Einwendung  erhoben  worden  wäre.  Wir  finden 
dies  ja  auch  bei  vielen  andern  Typographen. 


—     Cöln.     —  165 

No.  823. 

^omAB  it  ^quino:  .^lltobua  procrbenbi  in  fermonta  1^ 

facramrnto  oic^artfliar/^ 

Cölliy  Arnold  Therhoernen,  circa  1469«     Folio-Format. 

Diese  sAnweisang  für  Dispositionen  von  Predigten  über  das  Sacrament  des 
Abendmahls'  ist  muthmasslich  der  ertfte  Jhrttck  des  zweiten  Cölner  Typographen, 
der,  wenn  aucli  an  ProductiLvitat,  so  doch  nicht  an  Würdigkeit  dem  Ulrich  Zell  etwas 
Daciigiebt.  Die  Ausstattung  seiner  Druelcwerke  ist  besonders  auch  in  Becug  auf  das 
Ptpier  TOrsfigUch. 

Die  eigenthflmlich  scharfen  Formen  der  Therhoet'nen' sehen  Typen  mit  ihrem 
besonders  charakteristischen,  verschlungenen  3  verrathen  in  ihrem  Ductus  unver- 
kennbar ihre  imd  ihres  Yerfertigers  holländische  Abkunft.  Als  Erstling  offenbart  sich 
der  vorliegende  Druck  schon  durch  die  schlecht  im  Register  stehenden  Zeilen. 

Nicht  unerwähnt  dürfen  wir  das  Verdienst  lassen,  welches  Therhoernen  sieh 
durch  die  Einführung  der  JBiaUmeiehen  erwarb,  und  das  zweite  grossere  Verdienst, 
dass  er  zu  allererst  in  Deutschland  sich  der  arabischen  Ziffern  in  gegossenen, 
bewqslichen  Charakteren  bediente;  hiervon  giebt  ein  Zeugniss  der  dem  vorliegenden 
Werke  vorangehende  Index,  in  welchem  die  Verweisung  auf  die  betreffenden  Capitel 
durch  arabische  Ziffern  in  der  damals  üblichen,  uns  heute  besonders  in  den  Zifllsm 
4,  5,  7  g^mdich  fremden  Form  ausgedrückt  ist 

^ne  geschmackvolle,  in  Farben  ausgeführte  Bordüre  dient  dem  ersten  Blatte 
des  höchst  seltenen,  ohne  Angabe  des  Druckers  und  der  Firma  erschienenen  Werkes 
»un  Sclunucke.  Der  schone  Einband  mit  Messingbesehlag  ist  dem  Gänsen  ent- 
sprechend.   Hain  No.  1396.  — 


No.  324. 

,i7ibrr  it  rmubüs  utriuaquc  fortunar  proffirnir  fcilicet  et 

aburrfae.** 

Coln^  Arnold  Therhoernen,  1471«     Klein  Quart-Format. 

Verfasser  des  Buches  »Von  den  heil  wirkenden  Mächten  des  Geschickes,  des 
günstigen  wie  des  feindlichen",  ist  der  Kartäaser  Adrianus,  dem  wohl  ein  ähnliches 
Werk  des  Petrarca  dazu  Anregung  gab.  Die  vorliegende  höchst  seltene  Original- 
Ausgabe  enttiält  am  Schlüsse  die  Firma  und  DaUrung ;  die  Blätter  sind  in  der  Mitte 
des  rechten  seitlichen  Randes  mit  den  arabischen  Zahlen  von  1  bis  148  bezeichnet; 
oar  för  die  arabische  Ziffer  von  Blatt  1  ist  ein  grosses  3  in  Anwendung  gebracht. 
Auch  Sggestein  in  Strassburg  hat  eine  Ausgabe  desselben  Werkes  ohne  DaUrung 
geliefert,  welche  nach  Panzer  I  Seite  226,  No.  448  mit  der  vorliegenden  übereinkommt 
und  auch  dieselben  Blattzeichen  enthält.  Die  Meinung  ist  gerechtfertigt,  dass  die 
eine  Ausgabe  Nachdruck  der  andern  sei ;  doch  sollte,  was  wir  indess  bezweifeln,  der 
Bggestein'sche  Druck  auch  das  Original  sein,  so  wäre  die  Annahme,  dass  Eggestein 
auch  die  Priorität  bezüglich  der  Blattzeichen  gebühre,  dennoch  nicht  motivirt,  da 
das  vorliegende  Buch  nicht  das  erste  mit  Blatteahlen  ist,  sondern  schon  der  mit 
Pinna  und  Jahrzahi  versebene  ,8ermo  ad  populum  predicabilis"  von  1470  die 
TOD  Thaiiloemen  eingefülirten  Blattsahlen  entlialt  und  zugleich  dessen  erster  daMr~ 
ter  Druck  ist. 

Hoelist  interessant  ist  in  vorliegendem  Werke,  dass  die  in  zweierlei  Form 
von  Blatt  1  bis  46  wechselnden  rothen  Rubrikationszeichen  nicht  wie  gewöhnlich 
roth  eingeschrieben,  auch  nicht  auf  der  Presse  eingedruckt,  sondern  einzeln  stampirtt 
<Us  heisft,  mittels  in  Holz  oder  Metall  geschnittener  Stempel  einzeln  mit  der  Hand 


l66  —     Cöln.     — 

eingedrückt  sind  und  daher  oft  ganz  scAt«/  stehen.  Merkwürdig  ist  ferner,  dass  man 
nur  bis  Blatt  46  sich  dieser  Mfihe  nnteraogen  hat;  auf  Blatt  56^68  erscheinen  dann 
mit  der  Hand  geschriebene  Rnbricationen ;  im  gaasen  übrigen  Theile  des  Buches  sind 

'cdeselböh  aber  ausgefallen.'    Haih  Nb.  96.  .  •    •  * •     • 

In  seinem  hübschen  Origfnal-iEinbande  von  hellbraunem  Leder  mit  Tergoldeten 
Beschlägen  in  sierlichster  Zeichnung  bildet  der  kleine  Quartband  eine  interessante 
Biblioihekzierde.  —  

No.  325. 

8tl)onta0  be  ^quino:  ^«ilBe  corpore  (STt^rifti^  cum  llicolai  be 
ftyra  bictts  be  ^acrantrnto  rt  r^o|!ttone  oralionia  bomimcar/^ 

Cdln^  Arnold  Therhoemen,  circa  1471*     Qaart-Format 

Sehr  früher  und  seltener  Druck  mit  Therhoemen^s  Type,  ohne  Ort,  Druckfinu 
und  Jahnahl.  In  der  Schlussschrift  befindet  sich  der  interessante  Druckfehler  „fiii^* 
statt  mro.    Hain  No.  1S73.  — 


No.  326. 

%mxKm  be  Maffia:  ^^(Sirpolttio  fitfier  ane  ntaria.^^ 

^uguflint  ^^Qfjrpofttio  fuper  ^^mbolutn.^^ 

QFjttabrm  ^^^ermo  fuper  orationem  bontinicant/' 

Cöln^  Arnold  Therhoemen,  drca  1472.    Klein  Quart-Format. 

Dieser,  drei  verschiedene  theologische  Abhandlungen,  aber  nur  19  Blatter  um- 
fassende kleine  Druck  hat  weder  Firma  noch  Jahrzahl.  Die  originelle  Type  erweiat 
Jedoch  den  Drucker.  Fehlt  bei  Hain.  Die  Ausgabe  hat  27  Zeilen  auf  der  vollen 
Seite.  Der  Anfang  lautet:  ^^f^oficio  l)enrict  be  Maffia  fni^  ane  moria  ||  ( )Qf  iiuuia.(8ic!) 
^oQil  bttbio.  Mnm  fävcte  (sici))|inafris  »cUfte'cöMvbiüF:'''  DerSchluss-'^^rilicit 
ftrmo  brati  Xitgitflini  ||  be  orociont  bominica;»'*  — 


No.  827. 

f^Sractatue  be  emptiontbua  et  uenbitionibua  rcbbituum 

perpetuorum/^ 

Göln^  Arnold  Therhoemen,  circa  1473*     Folio-Format. 

Juristische  Schrift  „Ueber  Kauf  und  Verkauf  lebenslänglicher  Einkünfte*.  tSebr 
seltener  Cölner  Druck  mit  der  altem  grossem  Type  des  Arnold  Therhoemen  und  den 
meisten  Bibliographen  unbekannt,  ohne  Firma  und  Datirung,  aber  nUi  Si^^nahiren. 
Hain  No.  6066.  —  

No.  328. 

Jfanctt  ^u^uftlm  ,,SoUloqutum/^ 

Cöln^  Arnold  Therhoemen,  circa  1475«    Klein  Quart-Format 

Die  kleine  nur  7  Quartblätter  umfassende  Abhandlung  ist  den  Bibliographen 
unbekannt  geblieben.  Ein  mit  derselben  zusammen  gedruckter  Tractat  des  HiomaB 
Toü  Aquino,  „ait  Uttat  vti  3nbtci{s  aftrormn^,  „ob  es  erlaubt  sei»  die  Gestirne  in  be- 
rathen«*,   bildet   das  achte  Blatt  der  kleinen  ohne  Firma  und  Jahntkhl,  Aber  mit 


—     Cöln.     —  167 

der  Type  Tkerhoemen^s  gedruckten  Schrift;  sie  hat  27  Zeilen  auf  der  vollen  Seite. 

Der  Anfang  lautet:  ,,3ttci)iit  foiiloqttittm  beoti  3i«9V|liiii  epifco)ii",  der  Schluss:  ,,Cc- 

flicit  bt  iBbicifB  afton  ||  bmti  ti^ome/' 

Einige  Biblio^aphen  wollen  dem  Therhoernen  auch  das  kleine  seltene  Sehriftchen 

des  Augustinus:  f^Liber  de  sancta  Yirginitatt^  zuweisen,  das  andere  dem  Johann 

Gutenberg  oder  dem  Bechtermüfuse  in  ICUvU  vindiciren,  wo  auch  wir  es  n&her  an- 
geführt haben.  Nicht  weil  Therhoernen  die  gleichen  Typen  geführt,  sondern  weil 
einige  seiner  Versalbuchstaben,  besonders  JS  und  M  den  gleichen  holländischen  Charakter 
haben,  soll  er  auch  der  Drucker  Jenes  Werkchens  sein! 

Wie  viele  anonyme  Drucke  mit  „ahnlichen  Typen"  müsste  man  dann  aber  dem 
Tberhoemen  zuschreiben!  Wurden  doch  nicht  wenige  Bücher  mit  holl&ndischen 
Typen  in  verschiedenen  DruckatSdten  des  1&.  Jahrhunderts  hergestellt.  Weit  eher 
könnte  man  dabei  an  die  Druckerei  in  Marietithal  denken ,  wo  sich  eine  nicht  blos 
ganz  ähnliche,  sondern  sogar  noch  kleinere  Type  dieser  Art  in  einem  der  Marien- 
tbalsr  Breviarien  vorfindet,  während  die  kleinste  Type  bei  Therhoernen  noch  wesent- 
lich grösser  ist  als  in  dem  angeführten  Schriftchen  des  Augustinus.  Der  holl&ndische 
Charakter  der  Typen  ist  so  vielfach  vertreten,  dass  man  daraus  sichere  Schlüsse 
niemals  ziehen  kann.  — 


1470  bi»  1500. 

Nicht  minder  berühmt  als  dritter  Cölner  Typograph,  der  wie 
der  vorige  seine  Firma  ebenfalls  verschieden  druckte.  Wir  finden 
daher  auch  Koelhof  de  Lubick,  ColhofF  de  lubec  und  Coelbeff.  Von 
seinen  ziemlich  vielen  Drucken  fähren  wir  ebenfalls  nur  diejenigen 
auf,  die  zur  Darstellung  seiner  sämmtlichen  Typen  erforderlich 
■waren.  — 

No.  329. 

^,iBwta  falttttö.^* 

Cöln^  Johann  Koelhoff,  1474«     Folio-Format. 

Dieser  Tractat  fehlt  bei  Hain ;  er  ist  Jedoch  in  Denis  Supplement  Pag.  86  ge- 
nügend beschrieben. 

Wie  Arnold  Therhoernen  der  Erfinder  der  Blatteeichen,  so  wurde  der  dritte 
CöUier  Typograph  Johann  Koelhoff  oder  CoUioff  —  wie  er  sich  in  der  Bndschrift 
obigen  Werkes  „Ueber  den  Weg  des  Heils*'  nennt  >-  der  Erfinder  der  Signaturen, 
welche  er  mm  exsten  Male  in  „Nideri  praeceptorium  divinae  legis"  1472  vi  wendete. 

Für  die  bibliographische  Forschung  wurde  diese  Erfindung,  welche  den  Buch- 
bindern eine  Erleicht^nng  ihrer  Arbeit  verschaffen  sollte,  von  nicht  au  unterschitaender 
Wichtigkeit,  indem  das  neue  Merkmal  Anhaltspunkte  für  die  Zeiten  undatirter 
^^cktoerke  abgab,  die  natürlich  nicht  vor  1472  entstanden  sein  können,  sobald 
Signaiwren  vorhanden  sind. 

Koelhoff  ist  auch  der  Drucker  der  für  die  Geschichte  der  Buchdruckerkunst  so 
wichtigen  Cölner  Chronik,  die  wir  weiter  unten  näher  besprechen  werden.  — 


l68  —     Cöln.     — 

No.  330. 

Sl^omaa  be  ^qutno:  ^^pluaelliones  bisfiutatar  be  Deritatr.^^ 

Göln^  Johann  Koelhoff,  1475.     Quart-Format. 

Die  K  Streitfragen  über  die  Wahrheit  gehören  su  den  weniger  berühmten  philo- 
sophischen Schriften  des  Thomas  von  Aquino.  Der  sehr  starke  Quartband  ist  mit 
denselben  Typen  wie  die  „Düta  salutis*^  gedruckt,  auch  mit  Firma  und  vollständiger 
Datirung  versehen.   Hain  JNo.  1419.  — 


No.  331. 

^flHargarita  iBecretaltum.^^ 

CÖln^  Johann  Koelhoff,  1481.  Klein  Folio-Format 
Hat  dieselbe  Type  wie  die  vorhergehenden,  aber  der  Satz  ist  hier  durrh»cho»»en. 
Die  Ueberschriften  sind  mit  grössern  Charakteren  gedruckt,  die  denselben  Ductus 
haben.  Am  Schlüsse  steht  die  Jahrzahl,  aber  ohne  Ort  und  Firma.  Zur  Ergänzung 
der  dürftigen  Notiz  Hains  unter  Nr.  1084^,  welcher  die  Ausgabe,  ohne  sie  gesehen 
zu  haben  und  auch  ohne  den  Drucker  nennen  zu  können,  citirt  hat,  sei  noch  gesagt, 
dass  sie  in  zwei  Columnen  mit  28  Zeilen  gedruckt  ist.  Die  Schlussschrift  lautet: 
^into  bonivi.  M.  cccc  Ifiri.  hit  ||  vero  fabbati  fecnnba  mettp  3n  \ifl  bc  quo  laabetar 
bnif  gloril  ofss  in  fecnta  fecnlort".  ^ 


No.  332. 

^^^ümariu  trytuaU  t  €oncltt(!o||nf0  fuprr  Ärytum.*^ 
if^ümariü  tejrtualr  t  €onclufto|{ne0  fu|ier  Clemrntinas.^^ 

CÖI1I5  Johann  Koelhoff,  1484«     Quart-Format. 

Es  sind  dieses  zwei  Werke  mit  verschiedenen  Titeln;  aber  stets  zusammen- 
gebunden und  Jedenfalls  auch  zusammen  gedruckt,  wenngleich  die  Druckbogen  nicht 
zusammenhangen  und  die  Signaturen  im  zweiten  Werke  von  Neuem  beginnen.  Die 
sehr  grosse  Üeberschrift-Type  im  ersten  Werke  zeigt  wieder  ganz  den  KoeJiwff' sehen 
Ductus,  der  vorzüglich  beim  31,  D  und  U  zu  Tage  tritt. 

Im  zweiten  Werke  diente  zu  den  Ueberschriften  eine  andere  Type,  an  Form  und 
Grosse  der  42  zeiligen  Bibeltype  Qutenberg's  vergleichbar.  Der  Text  ist  mit  der  damals 
gewöhnlichen  Gothisch  gedruckt.  Auf  Blatt  o3  verso  des  zweiten  Werkes  findet  man 
die  Druckfirma  und  Jahrzahl.  Der  Autor  dieser  Conuuentare  der  päpstlichen  Decxetalen 
und  Clementinen  ist  Johannes  Koelner  de  Yanckel.    Hain  No.  9786.  — 


No.  333. 

„;>0l>annf0  djrijf0fl0|]!nu0    fuper   |aattl)cü.^^     1487. 
^^^ottirUe  (iri)ri)fo|lomt  ||  fuper  iol)anne.^^    1486. 

Cöln,    Johann    Koelhoff,    1486  bis   1487.     Quart- Format. 

Diese  beiden  Homilien  des  Chrysostomus  über  die  Evangelien  des  Matthäus  und 
Johannes  sind  in  aufeinanderfolgenden  Jahren  gedruckt,  erscheinen  aber  gewöhnlich 
zusammengebunden,  wie  auch  hier.  Beide  haben  die  Firma  und  Datirung  am  Schlüsse ; 
über  die  Typen  ist  nichts  Neues  zu  sagen.    Hain  No.  50S5  und  &037.  — 


—     Cöln.     —  l5g 

No.  334. 

f)jBu  •  n^tUi  •  3^[hm  of  bie  9ul-||be  tro^n  •  mit  09!  fc^ointe 
Irre  ||  mtfli^t  ii)t  ba  fagm  nä  ben  lieiü  feü/^ 

Cöln,  Johann  Koelhoff,  1492.     Folio-Format. 

Auch  in  vorliegender  Ausgabe  dieses  Erbauungsbuches  von  Otto  von  Passau 
lernen  wir  einen  den  Bibliographen  unbekannt  gebliebenen  Druck  kennen,  wie  wir 
es  schon  bei  der  Ausgabe  desselben  Werkes  von  Martin  Schott  in  Strassburg  1483 
erfuhren.  Die  vorliegende  ist  vor  Allem  sprachlich  höchst  interessant,  da  sie  Im 
Cölner-Niederdeutschen  —  nicht  Niedersäcbsischen  —  Dialecte  geschrieben  ist.  Die 
Holssebnitte  sind  in  beiden  Ausgaben  die  gleichen,  aber  doch  von  andern  Stöcken 
gedruckt,   wie   an  kleinen  Yerschicdenheicen  der  Technik  leicht  zu  erkennen  ist. 

In  dieser  Ausgabe  ist  noch  ein  Titelholzschnitt  dazu  gekommen:  Christus  auf 
dem  Throne,  umgeben  von  den  34  Alten.  Dieses  Titelbild  ist  mit  Gold  und  Farben 
ausgemalt.  Die  Type  ist  die  8chwabacher  der  Cölner  Chronik  von  1499,  welche  wir 
in  nächster  Nummer  kennen  lernen.  Am  8chlu88e  steht  die  Druckfirma  und  voll- 
ständige Datirung.  — 


No.  335. 

^tiBie  (Eronica  oan  ber  |i  billiger  3tat  oä  €orUr/^ 

Göln^  Johann  Koelhoff,  1499.     Folio-Format. 

Es  ist  dies  die  berühmte  und  von  den  Gelehrten  unzählige  Mal  citirte  Chronik, 
welche  auf  Blatt  Sil  und  312  die  bekannte  Nachricht  von  der  Erfindung  der  Buch- 
druckerhiUMt  durch  Johann  Gutenberg  in  Mainz  um  1440  und  deren  YoUendnng  im 
Jahre  14S0  enthält.  Das  seltene  Werk  ist  mit  Schwabacher  Typen  gedruckt  und 
enthält  drca  400  Abbildungen  in  Holzschnitt,  welche  in  unserm  Exemplar  zum 
grössten  Theil  in  Farben  ausgemalt  sind. 

Zur  CoUation,  welche  uns  von  mehreren  Bibliographen  falsch,  von  keinem  präcis 
gegeben  zu  sein  scheint,  das  Folgende :  12  unnumerirten  Blättern,  Titel  und  Register, 
und  S50  numerirten  Blättern  müssen  noch  4  hinzugezählt  werden,  da  zwischen  den 
numerirten  Blättern  67  und  59  noch  5  unnumerirte  Blätter  mit  heraldischen  Abbil- 
dungen eingeschaltet  sind ;  es  würde  von  diesen  also  ein  Blatt  dte  feiende  Blati- 
nummer  58  abgeben,  die  übrigen  vier  aber  müssen  der  Gesammtzahl  einverleibt  werden, 
so  dass  ein  completes  Exemplar  im  Ganzen  866  Blätter  zählen  muss. 

Binxer,  der  übrigens  ein  incompletes  Exemplar  beschreibt,  und  Hain  bringen 
Verwirrung  in  die  Sache;  Ersterer,  indem  er  von  801  numerirten.  Letzterer,  weil  er 
von  813  Blättern  im  Ganzen  spricht.  Beide  sind  in  denselben  Irrthum  verfallen, 
die  Zahl  des  letzten  Blattes  CC(S.l  für  ®C€.i  ku  lesen.  Hain  zählt  nur  flüchtig  die 
12  unnumerirten  Blätter  des  Registers  hinzu  und  erhält  somit  die  Zahl  318. 

Die  Schluss-Schrift,  welche  Koelhofif  als  Drucker  nennt,  drückt  die  Jahrzahl  durch 
/^%nt10  t>Urf5^'  —  das  vorgenannte  —  aus,  indem  sie  sich  auf  das,  den  ächluss 
des  Inhaltes  der  Chronik  bildende  Jahr  1499  bezieht  Unser  Exemplar  ist  geschmack- 
"voU  in  blaues  Leder  gebunden  und  mit  vergoldetem  Messingbeschlage  versehen.  — 


I70 


—    Cöln.    — 


petrr  $rrgmann  oon  0ipt^ 

1470  bi6  1477. 

No.  336. 

i^dwcixtAt  i|uatuor  noDifftmomm.'^ 

Cöln,  Peter  von  Olpe,  1477.     Folio  -  Format. 

Von  diesem  Drueker  finden  sich  nur  wenige  Zeugnisse  seiner  Thaügkeit;  sviscben 
1471  und  1476  ist  sogar  nicht  ein  einnges  Werk  von  ilim  bekannt  Die  ner  Utztm 
Fragen,  welebe  in  diesem  ^CardiaU^  bebandelt  werden,  sind  Tod,  Verdamniu,  jmgit» 
Oericht  und  ewige  SeeUgkeit  Es  scheint,  dass  speciell  Cöln  ein  gutes  GescfaÜt  mit 
dem  Werke  gemacht  hat,  denn  Hain  citirt  bis  1500  sedis  verschiedene  Colner  Aoa^ 
gaben;  die  vorliegende  unter  No.  5700  ohne  sie  gesehen  su  haben.  — 


Conrad  WinXtr  wn  ^ombnrg^ 

aud)  einfad)  Conrad  von  ig^^^^i^fl  Qtl)ti$tn, 

1472  bi6  1489. 

No.  337. 

Iteonarbi  be  Vtino:  ^,3rrmone0  quabragrßmalcB.^^ 

GSlny   Conrad  von  Homburg,   circa  1473.     Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  der  Fastenpredigten  wird  von  Hain  unter  No.  16116  dem  ülri^ 
Zell  Bttgeschrieben ;  allerdings  verführt  auch  die  auffallende  Gleichartigkeit  der  Typeo- 
form  vorliegenden  Werkes  und  der  Zell^schen  Schriftgattung,  von  welcher  Falkenstün 
auf  Seite  158  und  164  Proben  giebt,  leicht  zu  der  Annahme,  dass  man  es  hier  mit 
einem  ZelFschen  Producte  zu  thun  habe.  Es  ist  aber  dennoch  ein  wesentlicher 
Unterschied  vorhanden.  Misst  man  nämlich  die  Höhe  von  97  Zeilen  der  Zell'schen 
Drucke  dieser  Typengattung,  so  wird  man  bei  Vergleich  des  vorliegenden  Druckes 
finden,  dass  hier  /ii9  2Seilen  derselben  Höhe  entsprechen;  ein  betrachtlicher  Unter- 
schied, der  auf  die  verschiedene  Kegelhöhe  der  Typen  zurückzuführen  ist,  und  der 
also  der  Annahme  einer  vollkommenen  Gleichheit  des  Druckes  entgegensteht. 

Auch  Jü&rt  sich  die  Sache  sehr  leicht  durch  eine  mit  den  ganz  gleidien  Typen 
gedruckte  und  in  der  Zeilenhöhe  haaigenau  nbei einstimmende  Ausgabe  der  ^Legenäa 
sanctorum  awrea^  des  Jacobus  de  Yoragine  vom  Jahre  1476  auf,  welche  auf  Blatt  48 
die  vollständige  Datirung  imd  Angabe  des  Druckers  Canradus  de  Hoemborch  aufweist 
Wir  schliessen  daraus,  dass  Letzterer  die  beliebte  ZelPsche  Type  auf  etwas  kleinerem 
Kegel  nachgebildet  und  damit  eine  beträchtliche  Anzahl  von  Werken  gedruckt  liat» 
von  denen  unsere  Sammlung  noch  drei  andere  aufweist.  — 


No.  338. 

Stomas  be  ^quino:  ^ßt  ^rtiotUa  fibri.^^ 

Cöln^  Conrad  von  Homburg,  circa  1474*     Klein  Octav-Format 

Diese  Abhandlung  über  die  Glaubensartikel  imd  Sacramente  ist  mit  derselben 
Type  wie  die  vorbeigehende  Nummer  gedruckt.  Die  Ausgabe  blieb  den  Bibliographen 
unbekannt,  sie  umfasst  16  unbezeichnete  Blätter,  von  denen  das  letzte  ein  leeres  ist» 


—     Cöln.     —  Ijl 

mit  27  Zeilen  auf  der  vollen  Seite;  der  Anfang  lautet:  ^utipii  flinma  tMtft  X  fancto 

t|ona  bi II llqnittö .  be  :Xrttcnl{f  filti.i'9ttit  3o(ra| |nf tttiJ*^    Der  Schluss:  ^(h- 

^itidt  ßm  ebtta  .  %  fancto  t||oma  1  be  aq]  vo  .  be  llrtioiiis  fibei .  Ct  tccUfie  faarainttts*'» 

Zirei  abweichende  Ausgaben  werden  von  Hain  No.  1488  und  1424  dem  Ulrieh 

Zell  Bugesohrieben.  — 

No.  339. 

$o^mfm  Mtixiftpxi  ^^lüantmotractua  (iu|ier  bibliant.*^ 

(j^htf  Conrad  von  Homburg,  1476«    Mittel  Folio-Format 
Sehr  seltener  iind  Hain  unbekannt  gebliebener  Druck  mit  Jahrzah).    Die  Type 
eotspriehk  den  beiden  vorhergehenden ;  dem  folgenden,  mit  Firma  versebenen  Werke 
«ftrtsprieht  auch   das.  Format   und  der   Satz  in  Höbe  und  lireite  der  Spalten  und 
^i^tomnen. 

Die  Ausgabe  umfasst  903  unbezeichnete  Blatter  mit  2  Colomnen  k  40  Zeilen 
auf  der  vollen  Seite.  Der  Anfang  lautet:  „.  .  MpütitUB  jgipxit  iilt|»ericie  ac  rttbi  [tati 
ibwiatinij  pattpert  clericon  ||  qni  ob  prebicacöis  offtciv  promo;.neittttr''.  Von  der  sehn- 
wiligen  Bchlussschrift  mögen  hier  Anfang  und  Ende  genügen :  ,,€iber  rtUgiofi  potris 
initii  Muvü^ifmi:  (sict)  bi  farro  orbine  ||  minorn  benotiffimi : . . .  er pltdt  felicitrr  . 
ttti  a  najltiititate  bin.  itt.  CCflCUrfer to .  in  uigilia  fcH  nataiis  bm.'^ 


No.  340. 

<9acobu0  be  l^oragine:  ^?rigrnba  fancforutn  aurra/' 

Göln^  Conrad  von  Homburg,  1476«     Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  der  „Legenden  der  Heiligen"  ist  von  dem  Drucker,  wie  er  selbst 
Mif  Blatt  48  des  Werkes  erzahlt,  um  38  Legenden  vermehrt.  Nur  dieser  Notiz,  in 
welcher  die  Angabe  der  Firma  und  der  Jahreahl  enthalten  ist,  haben  wir  es  zu 
Linken,  dass  wir  den  Besitzer  dieser  der  Zell'schen  so  täuschend  ähnlichen  Type 
keinen  lernten  und  nachweisen  konnten.  Der  ganze  Artikel  „Yoragine"  ist  bei 
tfaih  ausgelassen,  obgleich  er  unter  „Jacobu8"  nach  No.  93r>3  darauf  verweist.  Ver- 
^eiche  Panzer  I  Seite  280  No.  37. 


Mtcolaua  %ot^  non  3ct)lettftitbt^ 

1474  bi«  1478. 

Der  vierte  Cölner  Typograph,  dessen  anonyme  Drucke  meist 
Andern  zugeschrieben  werden,  nennt  sich  auch  Götz  von  Slettstadt. 
So  schreibt  man  heute  noch  die  berühmte  Cölner  Bibel  in  nieder^ 
sächsischer  Mundart  dem  Heinrich  Qttentel  zu,  während  sie  nach- 
weislich das  Prachtwerk  des  Nicolaus  Götz  ist,  auf  das  wir  an  be- 
treffender Stelle  näher  zurückkommen  werden.  — 


No.  341. 

Cöln,  Nicolaus  Goetz,  1475.    Folio-Format. 
Aas  dem  Vergleich  der  Typen  dieses  mit  Firma  und  Jahrzahl  versehenen  Druckes 
mit  der  anonymen  Cölner  niedersäohsischen  Bibel  miisste  man  schon  auf  die 
Cemeinichaftliehe  Quelle  beider  Werke  schliesson  können,  wenn  nicht  schon  Heinrich 


172 


—     CÖln.     — 


Lemperte  im  J*hre  1839  dargethan  hatte,  dass  Nicolaus  Ooetz  auch  der  Urtteber  dleaer 
seltenen  Bibel  sei,  weil  sie  in  Format,  Papier  und  WassermariLe  mit  dem  ersten 
datirten  Dmcke  aus  dessen  Offisin:  „Lutholphi  Carthusiani  Vita  Jhesu  Christi' 
von  1474  am  meisten  übereinstimmt. 

Es  scheint  uns  aber  für  diesen  Beweis  die  Gleichheit  namentlich  der  originellefi 
Yergal'Buchiiahen  viel  sprechender  su  sein,  als  Jene  immerhin  relativen  Folgerongea 
Das  in  dieser  Form  ganz  einsige  %  mit  dem  nach  links  herüberragenden  Balken, 
das  breite  II,  das  JS,  jQ,  #,  tt  geben  in  dieser  Frage  den  entscheidenden  Bewds. 
Wir  werden  in  nächster  Nummer  ein  schönes  Exemplar  dieser  äusserst  seltenen 
Bibel   noch  näher  kennen  lernen.    Hier  noch  ein  paar  Worte  über  das  obige  Werk. 

Die  lfiOu*^6^>  welche  man  darin  findet,  sind  sämmüich  von  zweierlei  Gtostalt* 
Die  gotliische  imd  romanische  Form  wechseln  durch  das  ganse  Buch  ad  libitum  ab. 
Es  finden  sich  wohl  auch  dreierlei  Charactere,  so  sum  Exempel  bei  "X^  C,  tt.  Hodut 
merkwürdig  ist  das  schief  auf  dem  Kegel  stehende  Q,  welches  nach  rechts  herübei^ 
hängt.  Zwar  findet  sich  auch  ein  gerade  stehendes  Y  vor;  dieses  aber  ist  von  dem 
vorigen  durch  die  Anordnung  des  vordem  Strichelchen  schon  ohnedem  unterschieden. 

Das  Werk  ist  ein  alphabetisch  geordnetes  Handbuch  beider  Rechte  und  hat  am 
Schlüsse  ausser  der  schon  erwähnten  Endschrift  das  hübsche  Dmckeraeichen  Gioetoen's 
mit  der  Inschrift:  ,^ola  fyei  mta  ||  inte  «irgis  ^xä**'  JSdiiio  princeps;  von  Hain  unter 
No.  11153  citirt,  ohne  dass  er  sie  gesehen  hat.  — 


No.  342. 


,^xt  txfU  (üolntr  IBibtl  in  nirberfäd^ltfd^er  lütunbart/^ 

CÖlliy  Nicolaus  Goetz,  circa  1476«    Zwei  Bde.  in  Gross  FoUo-Format 

Dieses  grosse  Bibelwerk  in  zwei  Foliobänden  ohne  Firma  und  Jahrzahl  gedruckt, 
ist,  wie  wir  in  voriger  Nummer  erwiesen  haben,  ein  Product  unseres  vierten  Cölner 
Druckers,  nicht  wie  früher  angenommen  wurde,  Heinrich  QuenteVs,  des  fünften. 
Ueber  100  Holzschnitte,  wie  die  Vorrede  sagt:  alle  nach  Originalgemälden  vieler 
Ivirchen  und  Klöster  hergestellt,  geben  dem  Werke  einen  kunsthistorisch  bedeutenden 
Werth,  um  so  mehr  als  die  Originale  der  altcölnischen  Maler-Schule  zum  grossen 
Theile  inzwischen  zu  Grunde  gegangen  sind. 

Wir  finden  dieselben  Abbildungen  in  der  nicht  minder  wertbvoUen  neunta^ 
deutschen  Bibel  von  1483  bei  Koberger  in  Nürnberg,  und  zwar  von  denselben  Stöcken 
gedruckt,  wieder.  Letztere  wurden  also  wahrscheinlich  dorthin  verkauft.  In  vor- 
liegendem Exemplare  ist  ein  Theil  der  Abbildungen  sauber  mit  der  Hand  colorirt 
Der  prachtvolle  Einband  von  hellbraunem  Leder  mit  den  überaus  luxuriösen  Beschlägen 
nach  Originalen  des  18.  Jahrhunderts  zeigt  auch  äusserlich  die  Bedeutung  des  ehr- 
würdigen Druckwerkes  an.    Hain  No.  3141.  — 


No.  343. 

?otl)arii   ,,$r   miferia    l)umanar   conbittonie.^ 

Cöln^  Nicolaus  Goetz,  circa  1477«    Hoch  Quart-Format. 

Dieser  Druck  ohne  Firma  und  Jahrzahl  zeigt  die  charakteristische  Type  des 
Nieolaus  Goetz  mit  dem  schiefstelienden  V.  Es  wäre  noch  auf  das  merkwürdige  Zeichen, 
welches  hier  als  Punkt  dient,  ein  wie  aufs  Kleinste  redudrtes  z  hinzuweisen.  Bei 
Hain  ohne  Angabe  des  Druckers  unter  No.  10211.  — 


—    Cöln.    — 


173 


No.  344. 

^(mäi  it  ^qtttno:  ,,Sractatu0  bc  corpore  (ü^rifli/^ 

Göln^  Nicolaus  Groetz,  circa  1478.  Klein  Quart-Format. 
Die  theologische  Abhandlung  des  berühmten  Kirchenlehrers  ^Ueber  den  Leib 
Christi*  ist  mit  denselben  Typen  wie  die  CÖlner  Bibel  gedruckt,  ohne  Firma  und 
Dkünmg.  Dem  von  Hain,  der  leider  die  weissen  Blätter  grundsätzlich  selten  angab. 
nnter  Nr.  1872  beschriebenen  Exemplare  von  nur  80  Blättern  fehlen  das  vordere  nnd  das 
hintere  Uere  Blatt,  mit  welchen  die  Ausgabe  in  82  Blättern  erst  complet  ist.  — 


Jiartt)olomarit0  ht  Hnrkrl^ 

1476  bie  1483. 

No.  346. 

JßttxvLB  ?8frtl)oritt0 :  ^iTtber  IBtbltat  ntoralw.*' 

Göllly  Bartholomaeus   de  Unckel,  1477*     Folio -Format. 
Seltene  Ausgabe  des  beliannten  Werkes  von  einem  Typographen,  der  nicht  sehr 
productiv  gewesen  ist,   nach  dem  Wenigen  zu  nrtheilen,   was  von  ihm  auf  unsere 
Zeiten  gekommen  ist.     Am  Schlüsse  befindet  sich  die  Firma  mit  der  vollständigen 
Datinmg.    Hain  No.  2797.  — 


1477  biß  1487. 

No.  346. 

Antonius  1l4tm)ii0oUt9:    4,^una  fSiblta  ftoe  ^rprrtartum 

Htbliontm.'' 

Cöln^  Johann  GuldenscbafF,  circa  1477.     Folio-Format. 

Sicher  einer  der  frühesten  noch  undatirten  Drucke  Guldenscbaffis  von  Mainx. 
D«88  derselbe  wirklich  der  Drucker  dieser  „Goldnen  Bibel"  ist,  beweisen  andere  mit 
denselben  Typen  gedruckte  Werke,  die  seine  Firma  tragen  und  die  wir  nächstdem 
vetEeichnen.  Man  findet  bei  Hain  unter  Nr.  19680  eine  Ausgabe  mit  37  Zeilen, 
velche  GuldenschaflF  zugeschrieben  wird  und  die  er  nach  Panzer^s  Angabe  in  Band  IV 
>^«ite  281  aus  dem  Cataloge  des  Bolongaro  Crevenna  nur  dürlftig  citlren  konnte,  ohne 
dan  einer  der  Beiden  sie  gesehen  hätte. 

JedenhUs  ist  damit  die  vorliegende  Ausgabe  gemeint;  sie  umfasst  112  nnbezeich- 
nete  Blätter  mit  87  Zeilen  auf  der  vollen  Seite.  Der  Anfang  lautet:  ^3tt  flgvrari 
kiklic  frnctnoftt  t  utile  cöpenbin  tinoh  i  flnre||vin  alias  biblie  reperlorin  nicnpatnr:  |)log9 
ftlicit .  ittitioat'' •  Der  Schluss:  .ftdittran  biblie  fmctnofn  t  sttle  cöpenbinm  anrenm  biblie  | 
rejjertorlam  «r^)lidt  feltciter".  Die  Worte  ^repertorium  Explicit«  sind  nicht  aus- 
gedruckt und  von  der  Hand  des  Rubricators  mit  rother  Farbe  ergänzt.  — 


No.  347. 

^^Slcnfa  pl)ilofopl)tca.^* 

CSln^  Johann  GuldenschaflF,  circa  1481«     Klein  Quart-Format. 
Soll  nach  dem  Urtheile  älterer  Bibliographen  mit  geschnitzten  Holz-Typen  gedruckt 
■*ein  und  Guldenschaff  eine  Typengiesserei  niemals  besessen  haben.    Woher  man  dies 


174 


Cöln.     — 


ableiten  will ,  ist  nicht  recht  ergichtlieh ,  denn  die  Typen  sind  weder  unschön  noeb 
nngfleich,  und  wenn  er  selbst  keine  Sdiriflgiesserei  besass,  so  gab  es  um  1480  sdion 
Gelegenheit  genug,  sich  in  Strassburg,  Nürnberg  oder  Augsburg  Typen  giessen  m 
lassen. 

Dass  Quldenschaflf  wirklich  der  Drucker  der  f,Men»a  philosophica'*  oder  «I^kk^ 
ordmmg*  von  Theobaldns  Anguilbert  ist,  beweist  seine  Firma:  ^ Johannes  Quldenscboeff 
civem  Coloniensem"  in  „Auctoritates  Aristotelis"  etc.  1487,  welches  Werk  ganx  vat 
denselben  Typen  gedruckt  ist.  Hain  führt  dasselbe  unter  No.  1987  an,  die  Meosa 
philosophica  unter  Nr.  11075  als  erste  unter  den  undatirten  Ausgaben.  — 


No.  848.  _ 

l^ifloria  be  traflatione  bratifl  jtmorü  trium  rrgü/^ 

Cöln  5   Johann  Guldenschaff,  i486«     Klein   Qaart-Format 

Dieser  Druck  zählt  im  Ganzen  110  Blätter;  auf  Blatt  88  schliesst  die  „OesdiidkU 
von  der  Heise  der  heiligen  drei  Kömge^t  deren  Verfasser  Johannes,  Bischof  too 
Hildesheim  ist,  und  es  folgt  die  Schlussschrift  mit  Datirung  utid  Firma  Guldenscbaffi. 
Die  übrigen  Bl&tter  enthalten  das  Register  und  noch  zwei  Reden  des  Albertns  Ifagnus 
und  des  Helligen  Augustinus  über  Epiphanias.    Hain  No.  9388.  — 


No.  349. 

,,^uctoritatf»  ^riftoteliö  Srnrce  ||  ISoectj  JSlatonis  ^pulri) 
africani  ||  J90rp^irij  et  dtlberti  porritani.** 

Cöln,  Johann  Guldenschaflf,  1487.     Mittel  Folio-Format 

Krste  daUrte  Ausgabe  dieses  seltenen  Druckwerkes,  zugleich  aber  der  UbiU 
Druck  von  Johann  Guldenschaff,  dessen  zehnjährige  Thätigkeit  mit  1487  absehliesst. 
In  der  Schlussschrift  zeichnet  er  sich  hier  Johannes  Guldenschoeff.  Hain  No.  1987.  — 


%tm\^  jöuftitfl, 


1479  biö  1502. 

No.  350. 

^|lryanu0  be  %,p,  ,^3uma  be  capbua  confcimtiae.** 

Cöln,  Heinrich  Quentel,  1479.     Folio-Format. 

Erster  und  sehr  seltener  QuentePscher  Druck,  mit  vollständiger  Datirung  und 
Druckfirma,  ein  Riesenwerk  von  1030  grossen  Polioseiton,  mit  66  Zeilen  in  der 
Spaltenhohe.  Da  Quentel  um  1479  die  Druckerei  von  Nicolaus  Götz  übernahm,  so 
ist  es  kein  Wunder,  wenn  man  in  vorliegendem  Opus  die  Typen  wiederfindet,  mit 
welchen  die  Cölner  Niederdeutsche  Slbel  gedruckt  ist,  woraus  nun  gefolgert  wurde, 
dass  Quentel  auch  der  Drucker  dieser  berühmten  Bibel  sei. 

Allein  dem  wiederspricht,  dass  Quentel  in  sämmtlichen  Producten  seiner  OfBxin 
von  1479  an  8ign€Uuren  in  Anwendung  brachte,  welche  in  der  Cölner  Bibel  nicki 
vorhanden  sind.  Dieses,  zusammengehalten  mit  den  Untersuchungen  von  Heinrich 
Lempertz,  deren  wir  unter  Nr.  341  schon  Erwähnung  thaten,  dürfte  für  uns  die  Frage 
endgültig  entscheiden.     Hain  No.  1894.  — 


—    CÖln.    — 


175 


No.  351. 

derarbud  be  lutpl^aiiia:  ,,Sractattt0  be  fpiri||tualtbua 

afcf(!0ntb3.*' 
),9e  mta  t  benrftcijd  ||  faluatoriB  «Sefu  d^riHflt  beuotifftme 
mebi||tationf9  cum  gratia||rum  actione/^ 
fj^oroloQtum  bruott||om0  circa  mtam  jrpi/^ 

GÖI1I5  Heinrich  Quentel,  circa  14  8 4«     Klein  Octav-Format 

Die  Bestimmung  der  folgenden,  mit  der  zu  Jener  Zeit  allgemein  übllcheQ  Qotkisch 
gedruckten  Werke  QuentePs  wärde  die  grössten  Schwierigkeiten  bieten,  da  sie  zum 
grossen  Theil  ohne  Firma  und  Datirung  gedruckt  sind,  wenn  nicht  glücklicher  Weise 
aus  ein  paar  mit  Firma  erschieneneft  Werken  seiner  Offizin  sich  bestimmte  Wahr- 
seichen gefunden  hätten,  aus  denen  man  die  Urheberschaft  Qiuintels  zugleich  mit 
Unterscheidung  der  auffallend  ähnlichen  Drucke  Peter  Friedberg's  imd  Friedrich 
Hewmann'8  in  Mainz,  sowie  Mariin  Flach's  in  Strassburg  sicher  bestimmen  kann. 

Die  nächsten,  mit  gleicher  Type  gedruckten  Nummern  werden  uns  Gelegenheit 
zu  interessanten  Typenstndien  bieten,  während  hier  noch  einiges  über  das  Werk 
selbst  zu  sagen  ist.  Hain  beschreibt  unter  Nr.  16294  ein  Exemplar  des  Werkes, 
welches  auf  104  Blättern  nur  die  erste  Abhandlung  „  lieber  geistige  Vervollkommnung'*^ 
enthält,  während  die  zweite  „Ueber  das  Leben  und  die  Wohlthaten  des  Heilandes 
Jetu  Chrish^  und  die  dritte  mit  dem  sonderbaren  Titel  „Die  Uhr  für  den  Gottes- 
dienst, gerichtet  nach  dem  Leben  des  Heilandes**  bei  ihm  fehlen,  obgleich  sie  mit 
dem  ersten  Tractatus  zusammengedruckt  sind  und  die  Signaturen  durch  alle  drei 
fortlaufen.  Die  zweite  Abhandlung  zählt  112,  die  dritte  noch  80  Blätter,  der  ganze 
Band  zusammen  also  296.  Hain  ist  zudem  in  seiner  Beschreibung  nicht  genau;  in 
seiner  Anführung  der  Einleitungsschrift  auf  Blatt  2a  heisst  es:  Inctpit  deuotus 
trallctaius;  das  letzte  Wort  muss  aber  heissen:  ^allctatuli*s. 

Nodi  wäre  anzuführen,  dass  für  die  roth  und  blau  eingemalten  Initialen  jedesmal 
zur  Bequemlichkeit  des  Rubricator^s  in  den  ursprünglich  leeren  Platz  ein  gang  kleiner 
Bucksiabe  vorgedruckt  wurde;  schliesslich,  dass  auf  der  Kehrseite  des  Titels  'der 
dritten  Abhandlung  sich  ein  kleiner,  den  gekreuzigten  Christus  darstellender  Holzschnitt 
befindet,  der  durch  das  Colorit  besonders  auffällig  ist.  — 


No.  352. 

„<Sn  l)oc  libfUa  C0nttnenf|]trffi  tractatuU  |9rimu0  eft  fancti 
ai)omf  ^(juinatiö  ||  be  mirabiU  quibbttate  t  ffecacia  ucne- 
rabilia  facramen||ti  r«d)ari(lif  StVs  eft  magiplri  Äpcolai 
^t  li)ra  br  ||  ibonro  minrflrate  t  fufctpicte  ibe  facramrtum 
S(r-{|cm0  rpt  alicuiud  bocti  coUectom  br  e^o|ttione  bomi-|{ 
nicf  oratiottt»  •  fcilicrt  JSater  nofter  ||  €fffctu0  \jax\xm  trac- 
tatum  t  (|ur|lianf0  mate  t  f0-||l«tf  in  rifbem  annotantur  in 
rf0ipr0  quobam  in  ultimo  ||  folio  I)nin0  libri .  Sibr  ibibrm." 

Göln^  Heinrich  Quentel,  circa  1492.     Klein  Quart-Format. 

Diese,  drei  verschiedene  Abhandlungen,  zwei  „über  das  heilige  Abendmahl"  und 
eine  ,über  das  Gebet  des  Herrn"  enthaltende  Schrift  wird  von  Hain  unter  No.  1369 


1^6  —     Cöln.     — 

unreehtmissig  dem  Peter  Friedberg  in  Maim  zugeschrieben.  iDdem  wir  zur  Präfang 
der  allerdings  geringen  Typen-Unterschiede  auffordern,  welche  wir  nachstehend  ver- 
zaichnen.  theilen  wir  auch  diesen  Druck  mit  Ueberceugung  dem  Heinridi  Qimäel 
in  Coln  zu :  Bei  Friedberg  h&ngt  das  3  rechts  oben  ganz  zusammen ,  hier  ist  es 
getrennt  und  erseheint  Oberhaupt  etwas  grösser;  Friedberg^s  U  ist  sc^mä2«r  als  hier; 
sein  S  ist  innen  leer,  hier  hat  es  zwei  Schrägsiridt e ;  endlich  stimmt  die  Kegedkoh 
der  Typen  nicht  nberein,  da  die  Höhe  von  34  Zeilen  des  vorliegenden  Druckes  gleieh 
33  der  Friedberg^schen  Zeilen  sind;  wogegen  die  vollkommene  Uebereinstimmaog 
mit  den  von  uns  schon  besprochenen  QuenteFschen  Typen  (^en  entscheidenden  Hinweis 
für  den  CÖIner  Ursprung  des  Druckes  giebt  — 


No.  353. 

^^tiattuor  nottifftma  cu3  ||  multta  eirrmplia  fittld^rrrimis  q 

funt  occa|!o  falutia." 

Göln^  Heinrich  Qnentel,  1492.     Klein  Quart-Format 

Diese  unter  dem  Titel  „Cordiale*  bekannte  Schrift,  welche  die  vier  leisten  Fragen: 
vom  Tode,  von  der  Yerdammniss,  vom  Jüngsten  Gericht  und  von  der  etcigen  Seeligkeit 
behandelt,  erscheint  hier  in  einer  von  Quentel  mit  seiner  Firma  und  mit  Datimng 
gedruckten  Ausgabe.  Unter  obigem  Titel  befindet  sich  ein  Hobeschnitt:  Der  Lehrer 
mit  zwei  Schülern.  Die  Texttype  ist  eine  sehr  kleine  Oothisch,  auffallend  durch  die 
häufig  vorkommenden  fetten  Majuskeln.     Hain  Nr.  5707.  — 


No.  354. 

,,]9ntitea9  cito  Ubrllue  ifte  ||  ntincupatur  •  tractans  comfien- 
biofr  be  penitmtia  rt  ||  eine  circüftanttja  ac  Dttam  peccatid  ^t 
prauatä  emr-||barr  ntpientibud  tntiltum  Dt\U0  et  necclfams/^ 

Cöln^  Heinrich  Qnentel,  1495«     Klein  Quart-Format 

Dieser  sogenannte  y^PoenitenUonarius^ ,  gleich  Bitssordnung ,  scheint  ein  Buch 
gewesen  zu  sein,  mit  welchem  die  QuentePsche  Ofüzin  ein  sehr  lohnendes  Geschift 
gemacht  hat,  denn  in  fünf  Jahren  erschienen  nicht  weniger  als  vier  Auflagen,  1491. 
1492,  1498  und  1495.  Es  finden  sich  darin  die  uns  schon  bekannten  gothiscben 
Typen  von  zweierlei  Grösse;  ein  illuminirter  Holzschnitt  auf  dem  Titel:  der  Lehrer 
mit  zwei  Schülern  und  die  Schlussschrift  mit  Firma  und  Jahrzahl.  Hain  eitirt  die 
Ausgabe  unter  No.  13162  ohne  sie  gesehen  zu  haben.  Ist  zusammengebunden  mit 
Boetius  No.  356  und  Äquino  Tractatus  No.  355  unserer  Sammlung.  — 


No.  355. 

^^j)n  ^0C  libfUo  cantinentur  ||  trrs  tractatuU/^ 

Vergleiche  No.  352. 
Cöllly  Heinrich  Quentel,  circa  1495*     Klein  Quart-Format 

Hier  ist  eine  neue  Auflage  der  schon  unter  No.  352  besprochenen  drei  Tractate. 
In  ihr  taucht  eine  neue  Eigenthümlichkeit  Qnenterscher  Drucke  auf.  Es  ist  da« 
Jenes  halbromanische  JD,  welches  neben  dem  gothischcn  stellenweise  auftritt;  ähnlich 
wie  bei  Friedberg  in  \fainz  das  fette  Ä  auch  gleichsam  als  Wahrzeichen  vereinzelt 
in    seinen  Drucken   erschien.    Wir   werden    diesem   originellen  D  sp&ter  in  Drucken 


—     Cöln.     — 


177 


Qoentels  mit  Firma  und  Jahnabi  beg^egnen.  Vorliegender  Druck  entbehrt  der  letstem; 
Hain  theilt  denselben  unter  Nr.  1S70  iK-iederum  irrthämlich  Peter  Friedberg  in  Mains 
xu;  er  ist  übrigens  zusammengebunden  mit  Boetius  No.  S56  und  Poenitentionarius 
No.  864.  —  

No.  356. 

i,1ioftij  mx  crlrbrrrimi  be  9f0-||latiöf  ji^i)lof0jil)tf  Über  cu 
O)i-|{tim0  oratio  bratt  Strome.  ||  (Eolonia/^ 

Cöln,  Heinrich  Quentel,  1497.     Klein  Quart-Format. 

Eäne  commentirte  Ausgabe  von  des  Boetius  ^Trost  der  Weisheit'^,  dessen  Inhalt 
vir  schon  unter  Strassburg  No.  286  näher  berücksichtigten.  Hier  ist  der  Text  ge- 
druckt mit  der  schon  öfters  besprochenen  gothischen  Corpus,  die  Glosse  mit  den 
kleinen  Typen,  die  in  dem  CordiaU  unter  No.  f53  unserer  Sammlung  zu  bemerken 
waren.  Interessant  ist  es,  das  der  Text  hier  dto'ehaehosaen  ist;  die  fün&eilige 
Schlnssschrift,  in  welcher  Firma  und  Jahrzahl  vorkonunen,  ist  aber  compress.  Unter 
dem  Titel  befindet  sich  ein  in  Farben  ausgeführter  Holzschnitt:  Der  Lehrer  mit  Tier 
Acbülem.  Hain  No.  8390.  Ist  zusammengebunden  mit  den  zwei  Tractaien  unter 
Nr.  354  und  355,  — 

No.  357. 

y^^XB  loqucbt  rt  ||  tacenM/' 

Cöln,  Heinrich  Quentel,  1497.     Klein  Quart-Format. 

Dieses  nur  13  Blätter  umfassende  Schriftchen  des  AIbertanu8,  eines  Brescianer 
AdTocaten ,  „dt«  Kunst  zu  reden  und  zu  schweigen'* ,  enthält  die  Angabe  des  Ortes 
and  der  Jahrzahl,  des  Druckers  aber  nicht.  Die  Typen  sind  die  bekannten  Quentel- 
schen,  auch  mit  dem  vereinzelt  vorkommenden  fetten  JD.  Dem  von  Hain  ohne  An- 
gabe des  Druckers  unter  Nr.  41S  beschriebenen  Exemplare  von  nur  11  Blattern  fehlt 
da«  letzte  Blatt,  welches  leer  ist,  — 


No.  358. 

i^^lbfrti   magni   bo||:ton0    laubatif|imi    tractatua  •  ||  qui 
«pprllatur  parabifud  anime  tractans  be  mrtutibud  am|{mr 

0rri0  rt  perfrctte/^ 

Cöln,  Heinrich  Quentel,  1498«     Klein  Quart-Format. 

Dieser  mit  vollständiger  Datimng  und  Druckfirma  versehene  Tractat  „über  die 
Tugenden*^  giebt  den  sichersten  Anhalt  für  die  genaue  Bestimmung  so  mancher 
vndaUrter  Drucke,  die  man  wegen  der  auffallenden  Aehnlichkeit  der  Typen  falschlich 
andern  Druckern  und  besonders  Martin  Flach  in  Strassburg  zuschreibt.  Hier  auch 
finden  wir  das  originelle  D  wieder,  das  wir  schon  bei  einigen  Drucken  ohne  die  Firma 
Quentel's  bemerken  konnten.    Hain  No.  482.  — 


No.  359. 

i)S^craruj  |I  Uttcrarum  pro-||ff|for   rirtmtuö  ^rrnanbu«  . 
3aitcttq3   palactj   ^poftoUci   magifler  bene-j|mrrttii9  •  $iui 


12 


178  —    Cöln.     — 

orbinta  prebicatonj  frater  ||  rrligtofud  •  fit  brclaratione 
btffiä||ltum  trrmtnorum  •  tarn  Sl^eologtcaltum  q|  |9i|il0||f0pl)ie 

ac  f Oßicf/^ 

GÖI1I9  Heinrich  Quentel,  1502.     Klein  Quart-Format. 

•.  f  Diese  Ausgabe  ist  jedeofalls  der  letzte  Druck  Heinrich  QuentePs,  den  Falken- 
stein  nur  bis  IßOO  drucken  lasst,  obgleich  Panzer  die  Jahrzahl  richtig  angegeben. 
Die  vorliegende,  den  Bibliographen  unbekannte  Ausgabe  enthält  109  Blatter  und  auf 
Blatt  100  verso  die  vollständige  Datirung  mit  der  Firma.  Hain  citirt  eine  Quentel'sche 
Ausgabe  mit  der  Datirung  Xnno  profimo  ante  inbtlen  ceuteftmä«  also  von  1499. 

Das  Buch  giebt  eine  Erklärung  der  schwierigen  Ausdrucke  in  der  Theologie, 
Philosophie  und  Logik. '  Die  Typen  sind  die  bekannten  in  zweierlei  Grösse ;  das 
bekannte  0  findet  sich  in  der  sechsten  Zeile  des  Titels,  gleichsam  als  WahrzeicheD 
Quentels.  Das  Werkchcn  ist  geschmackvoll  in  rothes  Leder  gebunden  und  mit 
Messingbeschlag. 

Von  1502  ab  setzten  übrigens  Quentels  Wittuc,  Kinder  und  Kindeskinder  das 
Geschäft  fort,  so  dass  der  Name  Quentel  selbst  noch  im  17.  Jahrhunderte  in  CSlncr 
Druckwerken  vorkommt. 

Das  Hauptgeschäft  übernahm  jedenfalls  zunächst  die  Wittice  Quentels;  wir  vrerdeD 
sie  weiterhin  in  einem  Drucke  von  1518  kennen  lernen,  worin  sie  merkwürdiger  Weise 
„Helisabet  vidua*'  firmirt,  also  nur  ihren  Vornamen  anglebt,  jedoch  unter  Beifügung 
des  Quentel'schen  Druckerzeichens,  das  wohl  die  Firma  der  ^Wittwe  Helisabet"  er- 
gänzen sollte.  Neben  ihr  begegnen  wir  aber  in  einem  Drucke  von  1504  auch  einem 
Arnold  Quentel,  w^ährend  nach  ihr  Peter  Quentel,  Johann  Quentel  und  „Johann 
QuenteFs  Erben"  nach  und  nach  folgen,  wie  wir  weiter  unten  finden  werden.  — 


,,Äfttd)fn^^, 

1484  biö  1501. 

No.  360. 

^^^ureum  remtmf-||cenbi  mrmoräbtq;  prrbrcuc  opufculü  mtrum 
in  mobum  naturali  TfxtpLXiB  me-||morif  Dbcrrimum  fuffra- 

gium  .  •  /^ 

Cöln^  Ludovicus  Renchen,  1501*     Quart-Format. 

Dieses  kleine  Schriftchen  von  nur  8  Blättern  Inhalt  liefert  [uns  mehre  hoch- 
interessante Daten  der  Buchdrucker-  und  Literaturgeschichte.  Der  Typograph  Zttrfo- 
ticus  de  Renchen  war  bisher  nur  durch  einen  einzigen  von  Panzer  in  Band  I,  Seite 
293  No.  128  aufgeführten  Druck,  ein  Psalterium  latinum  von  1484  bekannt,  das 
Panzer  nicht  einmal  fselbst  gesehen  hatte,  sondern  nur  nach  Denis  Supplement 
pag.  191  oitirte,  der  es  wiederum  aus  Maschas  Bibliothek,  Halle  1778  entnommen  hatte 


—     Cöln.     —  IjQ 

Dass  dieser  nahezu  unbekannte  Drucker,  aus  Renchen  im  Radiscbcn  gebürtig, 
■eine  ganze  Keihe  von  Jahren  in  Cöln  thä'ig  gewesen  sein  muss,  wird  durch  vor- 
liegenden bisher  allen  Bihiiograihen  unbekannten  Druck  von  IßOl  erwiesen,  an 
dessen  Schlüsse  man  die  Firma  und  Jahrzahl  findet.  Das  Werkchen  selbst  ist  eine 
von  dem  geistvollen  Dichter  und  Gelehrten  Herman  von  dem  Busche  verfasste  „Oe- 
dächtntsskunst*^ ,  ein  in  gleicher  Weise  fast  unbekannt  gebliebenes  Product  dieses 
bocbgescbätzten  Gelehrten  und  Freundes  von  Reuchlin  und  Ulrich  von  Hütten. 

Man  kennt  durch  die  kurze  Notiz  aus  Maittaire^s  Index  I,  pag,  217  nur  eine 
einzige  Ausgabe  dieses  Werkchens  von  Zwolle  1502;  und  so  ist  denn  die  vorliegende 
von  ISOl  als  Ediiio  princeps  zu  betrachten;  sie  wird  auch  durch  ihre  vielfach 
interessanten  Daten  die  Aufmerksamkeit  der  Bibliophilen  mit  Recht  auf  sich  lenken.  — 

Auch  typographisch  bietet  das  mit  2  Holzschnitten  ausgestattete  Werkchen  ein 
Interesse  darch  die  holländischen  Typen,  welche  darin  mit  einer  kleinen  Gothisch 
abwechseln.  Die  Stelle  der  Schlussschrift ,  in  welcher  sich  der  Typograph  nennt, 
lautet:  „.  .  .  3mD»ffnM  in  felici  Cinitote  ||  «olottienfi  per  Ijontflum  uirum  fioöowicnm  || 
Hend)»  morotttem  in  Itoua  plotra  in  Vota.  ||  Xnno  oirgttioltfi  portns  illiU(|imo  qnin- 
cinite  II  limo  primo  becima  Me  bte  menf:>  JDecembris.'*  — 


Cornelitt»  tjon  Ji)ri|d)jee, 

1489  bis  1517, 

druckte  Anfangs    auch  blos   unter   der  Firma   der  „Fratres  Predi- 
catores",  wie  schon  das  nächstfolgende  Schriftchen  zeigt, 

No.  361. 

i,SScabulariu0  partijlcu»  5iue  (£lucibari||u0  Öiarmittum  et 
Hiftoriarum  •  cantincnö  fabula»  •  ^^iftoria»  prouinctae  Mrbcs 
Infula«  3?lttutoö  rt  ||  Ittontrs  tUufirfa  ft  cetera.    Am  Ende: 
etmprefTum  €o||lome  apub  prebi  |catareö/^ 

Circa  1489.  Klein  Quart-Format. 
Eine  Art  Wörterbuch  der  schönen  Wissenschaften.  Seltener  CÖlner  Druck  mit 
schönen  kleinen  Typen  einer  wenig  bekannten  Druckerei  im  Kloster  des  Prediger- 
ordens  in  der  Stolckgasse  zu  Coln,  die  unter  Leitung  des  Cornelius  de  Zyrychzee 
sland,  der  später  auch  seinen  Namen  beisetzte,  wie  die  folgende  Nummer  zeigt.  — 
Fehlt  hei  Hain.  —  . 


No.  362. 

,i!I^turale»  quefiianeö  an|(tiquonim  pl)ilofapl)ortt  ||  tractätes 
ie  bttter(i0  9e||neribu6  cibarü  t  poHtite  que  Ijüane  ||  nature 
faniora  atqs  obucilii||lt0ra  funt  •  ob  cöttalefcen||ttä  feruatibas  • 
W0t3  II  queftiöibt  •  earüqa  II  folulioibsr  ab||tuttctt0  fttc-||ctncte 
be  II  claran||tur.  Am  Ende:  J^mpreflum  in  Calonta  apub  can- 
«entü  preljbicatorum  per  me  ÖEornelium  be  |t)rpd)jee.*^ 

Circa  1495«     Klein  Quart-Format. 

12* 


l8o  —     Cöln.     — 

Ein  seltenes  8chriftchen  „Ueber  verschiedene  Speiaen  und  Qeirünke,  die  dem 
Menseben  am  zutr&gliebsten  sind/  welches  den  Bibliographen  unbekannt  blieb  bis 
auf  Grässe,  der  eine  Ausgabe  desselben  Druckers  von  1489  mit  2  HoUisdnuttm  er- 
wähnt, welche  letztere  aber  unsere  obige,  nur  10  Blatter  umfassende  Ausgabe  nidit 
enthalt. 

DasB  die  obigen  Quesüones  aus  derselben  Druckerei  stammen,  wie  das  vorher- 
gehende Werkchen  Tpn  circa  1489,  trotzdem  beide  in  der  Hauptsache  aus  ganc  ter- 
»chiedenen  Typen  gesetzt  sind,  erkennt  man  namentlich  an  dem  j^Impressum'^,  das 
sich  am  Schlüsse  beider  befindet,  und  aus  ganz  gleichen  Typen  gesetzt  ist,  besonders 
sofort  an  dem  Buchstaben  3,  der  von  ganz  eigenthümlicher  Form  ist  Aber  aach 
auf  dem  Titel  des  unter  No.  361  beschriebenen  Werkchens  kommen  noch  drei 
Zeilen  vor,  welche  ebenfalls  aus  der  grössern  gothischen  Corpus  gesetzt  sind,  und 
die  sich  auch  in  dem  nachfolgenden  Drucke  von  1508  wiederfindet.  — 


No.  363. 

^^^  l|0clBpufculo  tra-||ctatur  br  i|t0  quibud  ||  Dtimur  i  menf$ 
iBe  naturiia  rerum  Dtbcltcet  ctbi  t  po|{tu0  iBc  queftionibus 
menfaltbtt0  t)arij0  ac  iucunbid  || . . .  Euare  i|oc  opus  merito 

appellatur  ||  Ittenfa  |9t|ilofopt|tca/^ 

Colli;  Cornelius  de  Zyrychzee,  1508«     Klein  Quart-Format. 

Auch  dieses  Schriftchen  behandelt  denselben  Gegenstand  wie  das  vorige,  bildet 
Jedoch  in  mehr  praktischer  Ausführung  das  Ganze  einer  ^Tischordnung*  oder  eine 
philosophische  Anweisung,  wie  man  beim  £^sen  und  Trinken  seine  Gesundheit  und 
sein  Vergnügen  befördern  soll.  Eine  frühere  Ausgabe  lernten  wir  schon  unter 
No.  347  bei  Guldenschaff  kennen.  Auch  hier  ist  der  Drucker  wieder  in  Verbindung 
mit  den  Brüdern  vom  Predigerorden  angegeben.  — 


^ermann  Paumgart^  liomgart  oher  liungaert 

1495   bis   1509. 

No.  364. 

^^Manuale  confeD'orum  ||  metricU)  epud  t)tiq3  omenbabilr  t 
fuccinljctu  fjT  bitter|t£(  autenticia  boctoribus  fttt-Hbiofr  coUectü 
nebtt  cuittfUbet  |lat^  cöfeffa  |ribu0  Dcrt  rt  rfUijiofia  (sici)  ac 
facerbottb^  cf-||ter^  jutiU  binofcitur  Dt  clare  patet  ^mS  || 

prolo0um  infpicienttbtt0  >c/^ 

Cdln^  Hermann  Baamgart  de  Ketwicb,  1498«     Quart-Format. 

In  dieser  „Ordnung  für  Beichtiger"  kommen  nicht  weniger  als  sechs  verschiedene 
Sohriftgattungen  vor.  Die  erste  Zeile  des  Titels  ist  mit  kleiner  Missalsohrift,  die 
übrigen  sechs  mit  einer  Type  holländischen  Schnittes  gedruckt.  Auf  der  Kehrseite 
desJTitels  in  der  Inhaltsangabe  erscheinen  schon  zwei  andere  Schriften,  eine  grössere 


—     Cöln.    —  l8i 

und  eine  kleinere  Gothisch  gewöhnlichen  Schnittes.  Auf  dem  folgenden  BUtte  ent- 
halt der  Prologus  wiederum  Stellen,  wo  eine  ganx  originelle  Schwabacher  in  hollän- 
dischem Ductus  erscheint,  und  schliesslich  sind  Initialen  und  Blattsahlen  durch 
Bachstaben  altgothischen  Charakters  vertreten. 

Ein  blattgroaser  Holzschnitt  findet  sich  auf  der  Kelirseite  des  letxten  Blattes, 
die  Anbetung  des  Jesuknäbleins  vorstellend.  Diese  Darstellung  befindet  sich  swischen 
zwei  Pilastern,  auf  welchen  die  beiden  wilden  Männer,  das  Druckerzeichen  Baum- 
gart^s,  stehen.  In  einem  Bande  unter  der  Abbildung  liest  man:  „Cfbrnikt  in  Collen 
09  bm II 3libmort  •  $0  li  »qllbi  man  qbrm  biigart'*  und  weiter  unten:  ,,0  £t[h 
Coltmia.**    Hain  No.  10,718.  —     

No.  365. 

,,Coin))nibiunt  ^uxxs  ciuiUa  bnt  ||  jBoctom  Jßttxx  Hauennattd 

cü||inttlti0  ^bbtttötbu0  X  ^wcm  bt|icti0  que  non  |unt  in 

))nmo  €om|{ptnbto  etufbrm  jSoctom.^^ 

Cöln^  Hermann  Baumgart  de  Ketwich,  1506»  Klein  Quart-Format. 
Die  eigentliche  Texttype  dieses  Juristischen  Handbuches  ist  die  originelle  hoUäu- 
dische  Sclacahacher  des  vorigen  Werkes;  der  Titel  ist  wieder  mit  noch  einer  andern 
kleinem  Missal-Type  gedruckt;  femer  bemerken  w^ir  auch  die  holländische  Gothisch 
in  der  kurzen  Vorrede,  welche  sich  unter  obigem  Titel  befindet  und  in  den  Ueber- 
Schriften.  Auf  der  Kehrseite  des  letzten  Blattes  finden  wir  das  Druckerzeichen  mit 
den  beiden  wilden  Männern.  — 


Metro  plinort», 

KlofltcrbrucCerei,  1501  bis  1504. 

No.  366. 

^JBiffalf  ;?ti-  Inetattum  •  fru  |ai|]>  pcculiarea  Dal-|  be  beuote : 

que  fequuntur.*^ 

Cöln^  Retro  Minores,  1503«     Klein  Octav-Format. 

In  den  Drucken  dieser  Brüderschaft  erblicken  w^ir  ein  interessantes  Beispiel  fi'ir 
die  Beobachtung,  dass  die  alten  Typographen  mit  ihren  Schriften  mancherlei  Geschäfte 
gemaclit  haben  müssen,  sei  es  durch  Verleihen,  Verkauf  oder  sonstige  Abtretung. 
Wir  erkennen  nämlich  in  diesem  mit  Firma  und  Datirung  versehenen  Werke,  welches 
sonach  keinen  Zweifel  übrig  läset,  dass  dasselbe  wirklich  in  der  Druckerei  dieser 
Brüderschaft  hergestellt  wurde,  mehrerlei  uns  schon  sehr  bekannte  Typen :  Da  findet 
»ich  1.  eine  Missaltype,  2.  eine  gothisdie,  welche  beide  unzweifelhaft  dem  Drucker 
Guldenschaff  in  Cöln  angehören ;  8.  die  bekannte  goüiische  Corpus  und  4.  die  Meine 
PeUi-Qo&isch,  beide  Gattungen  ebenso  leicht  erkennbar  als  0(«n^«r«cA0n  Ursprunges. 

Wir  werden  in  diesem  Falle  annehmen  dürfen,  dass  die  Retro  Minores  sowohl 
von  Guldensehaff,  der  Ja  um  1R08  längst  nicht  mehr  druckte,  als  auch  von  Heinrich 
Qitentei  resp.  dessen  Erben  Schriften  ertcorben  haben.  Zwar  führten  die  Erben 
Quentels,  dessen  letzten  Druck  von  1502  wir  imter  No.  359  kennen  lernten,  das 
Geschäft  fort,  sie  haben  aber  wahrscheinlich  die  alten  viel  gebrauchten  Typen  ver- 
kauft, um  sie  durch  neue  zu  ersetzen ;  und  in  der  That  erblicken  wir  in  den  uns 
bekannten  Drucken  von  QiienteVs  Erlen  jene  alten  Typen  nicht  mehr.  — 


l82 


Cöln.     — 


No.  367. 


^,3Fttnbamfttttt  tUxnt  ff-||ltcitatis  •  (£vl  Itbro  be  miff||rw  ccn- 

bitiöi»  liumanr/^ 

CÖI1I9  Retro  Minores,  1503«     Klein  Octav-Format. 
Diese  beiden  Erbauungsschriften  sind  mit  denselben  Typen  wie  die  vorige  Nummer 
gedruckt;   am  Schlüsse  steht  die  Firma   mit  Datirung;  auf  dem  Titel  befindet  sich 
ein  Holzschnitt,   der   die  Junf^frau  und  die  heilige  Anna  mit  dem  Jesusknaben  vor- 
stellt.   Ist  mit  nach.ster  Nummer  zusammengebunden.  — 


No.  368. 
Colli;  Retro  Minores,  1504«     Klein  Octav-Format. 

Diese  Schrift  von  150  Blättern  Umfang  beginnt  ohne  Titel  mit  5  Seiten  Tabula; 
auf  Blatt  145  schliesst  das  Hauptwerk  und  es  folgt  auf  8  Seiten  ein  kleiner  Tract*t, 
,.De  construetione  tabemaculi*',  eine  Beschreibung  des  Zeltes  Mosis,  welche  mit  f/mw 
und  Datirung  schliesst.  Eine  Nachschrift  von  2  Seiten  und  auf  der  letzten  Seite 
derselbe  Holzschnitt,  der  sich  auf  dem  Titelljlatte  voriger  Nummer  befand,  bilden 
den  Schluss  des  Werkes.   -  . 


1502  bt6  1520. 

No.  369. 

^,^Äbort   triü   cä  ||  fanguinitatie    afpnati»  .  co-Ugnationifqs 
fpualia .  . .  bni  ||  Wca|]j  bcUorrba  plat^limeii ...   Am  scwusse: 
ÖCalonif  in  (Kbibo.  Suentell . . .  JIH  .  ccccc  •  mij." 

Quart-Format. 

Der  ^Baum  der  Verwandschaft"  ist  ein  oft  gedi-ucktes  Werk,  welches  die  Erbfolge 
in  ihren  verschiedenen  Graden  behandelt;  wir  werden  unter  Augsburg  eine  interessante 
sehr  alte  Ausgabe  Johann  Bümler's  besprechen,  — 


No.  370. 

iiH'äeuiflres  fpt-|||lolf  ;?lntontj  ^abcUtci  || .  .  .    Am  scwusse: 
(Kf  fbipa  Slufntf Itanis  ^nm  tc .  yiy.** 


IHartitt  non  ^txbtn  oher  he  löerhena, 

1504  bie  1516. 

No.  371. 

i,l»5^0t(lri  Taurelltij  €orumt  Houo  forenpö :  uiri  lfpibt|]tmt  || 
(Kom^imbtofa  et  facili»  biurrforum  ciar-||minum  ftructura :  cü 


—    Cöln.    — 


183 


r^empUs  aptifftmis    ac  ab  DitguF  elaboratta  :  et  pofhremo 
bre-||utbu0  cognofcmbarum  ft)Uabarum  pre-cqitia/^ 

Cöln^  Martin  von  Werden,  1508*     Klein  Quart-Format 

Auch  dieser  Drucker  scheint  gleich  den  Retro  Minores  QuenUrsche  und  Oul- 
denschaff*8die  Typen  erworben  zu  haben,  welche  in  diesem  interessanten  Drucke, 
-einem  Lehrbuche  der  Poetik,  abwechseln.  Am  Schlüsse  steht  die  Datirung  mit 
Firma,  darunter  ein  Holzschmtt:  Der  Lehrer  mit  vier  Schülern.  — 


No.  372. 

i^^b  Krurrfbifftmü  bitm  bnm  ||  ptitlippü  fancte  rcclr|ie  €olo-|{ 
nunft0  arc^iriim  •  Sractat^  magt-ßralid  brclarana  iqt  gtamtrr 
]trccrt  II  qitrrentea  au^liü  a  maleffcia  •  com||pUat^  ab  tpvm 
facrr  tlieologie  Ti||fe|f0re  t  artiü  magißro  necnö  l|fr(-||ttce 
pmtati0  inquilttore  mgro  <9a-||cobo  t|oed)flra|fm  orbtnid 
Järrbi-Ilcatort  ouentus  ^olomcnps.** 

€dln^  Martin  von  Werden,  1510«     Klein  Quart-Format. 

Dieser  Tractat  über  die  siebente  Bitte  des  Vater  ünsers  zeigt,  wie  die  vorige  Nummer, 
die  Tjrpen  Quentels  und  Ouldenschaffs.  Am  Schlüsse  des  letzten,  achten  Blattes,  ist 
Firma  und  Datirung,  und  auf  der  Ruckseite  derselbe  Holzschnitt  wie  im  vorigen 
Druckwerke.  — 


1509  bis  1515. 

No.  373. 

11$))^  aurnim  ac  no{|uum  et  a  bocti»  Dtmbiu  ejrpectatum 

biit  Uictoris  be  Carbeti  olim  iubeifs  m  ji^iam  i  facerb0t3 

in  qua  oh  tubeort  errorr»  manife^ant . .  ." 

Colli;  Henricus  de  Nussia,  1509«     Klein  Quart-Format. 

Diese  Schrift  des  Victor  de  Carben,  eines  gelehrten  zum  Christenthum  über- 
getretenen Juden f  der  die  Irrthüiner  der  Jüdischen  Lehre  aufdeckt,  ist  ein  seltener 
Druck,  interessant  durch  Typenreichthum  und  durch  die  Abbildungen;  von  letztem 
sind  drei  blattgrosse  in  Holzschnitt  ausgeführt;  die  vierte,  auf  Blatt  87  verso,  ist 
ein  werthvoller  MetaUaehniU  in  sogenannter  „geschrotener  Manier*.  — 


No.  374. 

iilUobud  otDenbt  ||  amnium  €i|rifti  ffbeliu  iB0||ctom  (^ri|lia- 
niflimtlttagtfln  jro||anm0  derfan  €ancel-||larij  parifien-||p0/^ 

Colli;  Henricus  de  Nussia,  1510«     Klein  Quart-Format. 

Eine  wie  es  scheint  unbekannte  Ausgabe.  Sie  enth&lt  nur  8  Blätter.  Auf  dem 
Titel  befindet  sich  ein  Holzschnitt:  das  Sudarium  von  zwei  Engeln  gehalten,  und 
feeto  und  verso  des  letzten  Blattes  sind  ebenfalls  zwei  schöne  Holzschnitte.  — 


184  —    Cöln.     — 

1516  biö  um  1540. 

iNo.  375. 

„PHILO-I  STRiTI  LEMn  SE|| 

niorü  Hi/iorm   de  uiia  Apollinij  //  lihri   VIII.  //  Alemano 

Rhinuccino    Florentino  \\  interprete.  \\  Eufebii    Ca/arien/is 

aduer/us  Hieroclemj    qui   ex  \\  Philo/trati  hifioria  Apollo- 

nium    Chrifto    OBgui-'jlparare    contendebat  ^     con/utatio,   /tue 

Apologia,  II  Zenobto     Acciolo     Florentino     interprete    .    .  ► 

Colonicß    excudebat    Joannes    Gymnicus  .  ANNO  ML  D.  XXlll/" 

Klein  Octav. 
Herausgeber  dieser  beiden  Schriften  ist  Gybertus  Longolius.   In  Cursiv  gedruckt.  — 


No.  376. 
„DES  .  EM-IISMI  ROTERODAMI,  DE  DY- 
plici  Copia  Verborum  ac  Rerum  ||  Commentarij  duo  .  .  r 

COLONIAE  Apud  Joannem  Gymnicum  ||  ANNO  .  M,  D.  HITI." 

Klein  Octav. 

Ist  in  romischer  und  in  Cursiv-Scbrift  gedruckt.     Herausgeber  ist  M.  Yeltkircb, 
Professor  in  Wittenberg.  — 

No.  377. 
„HOMILIAE  II  ORTHODOXAE. 

5ßoftilI,  ober  ||  ^rebigbud^,  burd^ö  gan||^e  Sar  .  .  .  Georgij 
VVicelij  Theologi."   Am  Ende:  „(Sebrud  ju  6öln,  burd^  ||  So^ 

^annem  (ä^mnicum.     1539." 

Folio-Format. 
Der  Titel  dieses  seltenen  Buches  ist  von  einer  schonen  Bordüre  umgeben.  — 


<ltt(t)artttd  f|ir^l)Qnt^ 

c^ev   latittifirt   Cervicornu6, 
1517  biß  1536. 

Um  1536  finden  wir  diesen   Drucker  in  Marburg  wieder. 

No.  378. 
,^CRO|Bn  AYRELH  THEODO-iJSn  VIRI  CONSVLARIS  ||  IN  SOM- 
NIYM  SCIPIONIS  LIBRI  DVO :  ET  SEPTEM  EIVSDEM  ||  SATVRN'A- 

LIORVM." 


—    Cöln.     —  185 

Cöln^  Eucharius  Cervicornus,  1526*     Folio-Format. 

In  dieser  Ausgabe  sind  die  zwei  Bücher  philosophischer  und  physikalischer 
Betraehtungen  des  Macrobius,  welche  er  unter  dem  Titel,  y,der  Traum  des  Scipio'*, 
herausgab,  mit  den  sieben  Bachern  „Satumalien"  vereinigt,  ein  Werk,  ähnlich  ^vie 
,die  attischen  Naohte"  des  Gellius.  Es  ist  die  zweite  Auflage  desselben  Druckers, 
welche  er  nach  der  ersten  von  1521  neu  revidirt  herauszugeben  sich  bewogen  fühlte. 
Das  Werk  ist  in  Antiqua  gedruckt  und  hat  eine  schöne  Titelbordüre.  — 


No.  879. 
,^  GELLH II  LVCTLENTISS  •  ||  SCRIPTOMS  ||  NOCTBS  ATTI||CAE-" 
Cölliy  Eucharius  Cervicornus,  1526*     Folio-Format 

Hat  dieselbe  Titelbordfire  und  dieselben  Typen  wie  das  vorige  Werk.  Diese 
Ausgabe  ist  hochgeschätzt  wegen  der  wundervoUen  Initialen  nach  Zeichnungen  von 
iUtretkt  Dürer,  die  auch  spater  in  Nürnberg  copirt  wurden,  in  der  Offizin  des  Colner 
Eucharius  Hirtzhom  aber  zuerst  erscheinen.  — 


No.  380. 

„HENBICI II  CORNELH  AGEIPPAE  ||  AB  HETTESHETM  || 
De  incertitudine  &  vanitate  ||  feien tiaRo  declamatio  || 

inuectiva:  ||  .  .  .** 
Apud  Eucharium  Agrippinatem,  ||  Anno  M.  D.  XXXJ.  .  .**^ 

Klein  Octav. 

Es  ist  dies  die  zweite  Colner,  noch  un verstümmelte  Ausgabe  dieser  berühmten 
Saiiyre  des  Agrippa  gegen  den  Stand  der  damaligen  Wissenschaft.  Von  Ebert  sind 
unter  No.  284  sämmtliche  Ausgaben  mit  Unterscheidung  der  castrirten  aufgeführt, 
von  denen  jedoch  Bnmet  die  beiden  ersten:  Cöln  1527  und  Paris  1529  für  apokryph 
hält.  Die  spater  ausgelassenen  Stellen  zeigt  Clemetit  in  der  Bibliotheque  curieuse» 
Tome  I,  pp.  81—89  an.  — 


Pte  l^ittme  l^eitfabet  ^ueittei, 

1518  &  1519. 

Als  Repräsentantin  der  Firma  „Jleltsabet  vidua",  unter  welcher 
nur  zwei  bekannte  Dnickwerke  erschienen,  nennt  Panzer  in  seinem 
„Index  ürbium  et  Typographorum«  Band  XI  Seite  608  der  „Annales*^ 
die  Wittwe  Heinrich  Quentels,  Diese  Annahme  bestätigt  das  unter 
nächster  Nummer  aufgeführte  Werkchen,  welches  ausser  der  Firma 
»Melisäbet  vidua"  auch  das  QuenteVsche  Drucker%eichen  aufweist^ 
das  einen  Leser  vorstellt,  der  am  Pulte  vor  einem  geöffneten  Buche 
sitzt  — 


l86  —     Cöln.     — 

No.  381. 

„HER-BV||SCfln  PASIPHILI.  ||  DECIMATIONVM  PLAV||TINAßVM 
ilEMTAS  II  SITE  QYINTANA  SECVNDA  |1  Am  Schlüsse:  „Colonise 
in  platea  ciuica  apud  Helifabet  viduam  . . .  M.  D.  XVIII . .  .** 

Quart-Format. 

Der  erste  bekannte  Druck  der  Witwe  Heinrich  Quentels  ist  von  grosser  Seltenheit. 
Das  in  Antiqua  gedruckte  Schriftchen  von  nur  18  Blättern  Umfang  enthält  gesammelte 
Sentenzen  aus  fünf  Comodien  des  romischen  Lustspieldichters  FUmius,  und  zwar 
aus  EpidicuSt  Bacchides,  Musiellaria,  Miles  gloriosus  und  Mercator.  Der  Titel  ist 
von  einer  hübschen  Holzschnittbordnre  eingeschlossen;  am  Schlüsse  steht  das  schon 
oben  erwähnte  Druckerzeichen.  — 


^oi^mnti  ^oitx  alias  %tU^ 

1518  bie  um  1536. 

Dieser  Typograph  druckte  um  1536  auch  in  Solingen. 

No.  382. 

,^BBßTI  KRANTZ  WANDALU  ET  SAXONU." 

Cölliy  Johannes  Soter  alias  Heil,  1519 — 1520*     Folio-Format 

Dieses  sind  die  ersten  Ausgaben  der  beiden  geschätzten  Geschichts werke  über 
-die  Yandalen  und  über  die  Sachsen,  in  schönem  Antiqua-Druck.  Auf  dem  Titel 
befindet  sich  eine  herrliche  Bordüre  nach  Hans  Holbein.  — 


1519  biß  1523. 

^No.  383. 

„BEATISI  SIMI  PATRIS  NILI  ||  EPISCOPI  ET  MAE 

tjnris   antiquiffimi  Sentetise   mo-||rales   egreco   in   latinum  || 

uerfse  •   ||  Bilibaldo    Pir-||cheimero    Norimbergenfi  ||  Inter- 

prsete  .  .  .** 

CÖI1I5  Conrad  Caesar,  1522.  Quart-Format. 
Der  Verfasser  dieser  moralischen  Sentenzen  ist  wahrscheinlich  der  Erzbischof 
Nilns  Cabasüa  in  Tessalonich,  der  im  14.  Jahrhunderte  lebte,  wenngleich  Bestimmtes 
hierüber  nicht  zu  sagen  ist.  In  der  Widmung  an  seine  Schwester  Clara  erzählt 
Pirkheimer  nur,  dass  er  den  griechischen  sehr  alten  Codex  durch  Jacob  Bannisius 
«rhalten  hätte,  der  ihn  von  Griechenland  aus  der  Gefangenschaft  mitbrachte.  Die 
Bibliographen  schweigen  von  der  interessanten  Schrift  gänzlich.  Am  Schlüsse  steht 
Firma  und  Datirung.  — 


—  Com.    —  187 

■|ero  4^ttd)0  ober  ^lopecma, 

1520  bis  1532. 

* 

No.  384. 
DmiiAYEELn  AVIIGVSTINI  „DE  SPIEITV  ||  ET  LITERA  LIBER  | 

VNUS." 

CÖI1I9  Hero  Alopecius,  152 7«     Klein  Octav-Format. 

Hübscher  Antiquadruck  eines  selten  vorltomraenden  Typographen,  dessen  ehr- 
licher deutscher  Name  eigentlich  Fuchs  lautet,  und  welcher  eine  ziemliche  Anzahl 
Bücher  gedruckt  hat.  — 


1520  bie  um  1540, 


No.  385. 

„ASSERTIONIS  i  LUTHERANAE  CONFVTATIO  . . . 

per  reuerendum  patrem  Johan-||nein  ROFEENSEM." 

Cöln,  Peter  Quentel,  1524.  Folio-Format. 
Verfasser  dieser  antilutherischen  Schrift  ist  John  Fisher,  Bischof  zu  Rochester 
und  Kanzler  der  Universität  Cambridge ;  einer  der  gelehrtesten  Theologen  und  Günstling 
Heinrich  VIII.,  den  letzterer  auch  bei  Abfassung  seiner  Schrift  „Adversio  VII.  sacra- 
mentorum  adversus  M.  Lutherum"  zu  Käthe  zog,  ihn  aber  später,  als  der  achtzigjährige 
Gelehrte  in  der  Ehescheidungssache  des  Königs  anderer  Meinung  >var,  enthaupten 
Hess.  — 

No.  386. 

•i^{0)(B  tintrrattottc  ||  fancton  •  Ubri  buo  jtuboci  Qrit(^-||tourt  • 

1}eO|SOrt]trft0'ejrcrUrttf|t-]mi  Parifienfis  academise  Theologi..." 

Cöln,  Peter  Quentel,  1525.     Quart-Format.; 

Firma  und  Datirung  stehen  am  Schlüsse  dieser  in  Antiqua  gedruckten  Schrift 
j^über  die  Yerthrung  der  Heiligen'*.  Das  D  am  Anfang  des  Titels  ist  ein  in  Holz 
geschnittener  Initialbuchstabe.  — 

No.  387. 
„D-HA-IIYMONIS  EPISCOPI  HAL|| 

berftattenfis     in    Efaiam    Commenj|tatoriuin    Ubri    tres  .  .  . 

Colonise,    Per    honeftum    einem    Pe||trnin    Quentell  .  An  . 

M.  D.  XXXI.** 

Klein   Octav  -  Form  at. 

Eigenthümlicher  und  Jedenfalls  auch  seltener  Druck  in  Antiqua  mit  Gothisch 
vermischt.  — 


l88  —    Cöln.    — 

1524  bxB  1529- 

Druckte  auch  in  Paris,   Antwerpen  und  Hagenau,  wo  seine  Firma 

vorkommt. 

No.  388. 

„RVPEETI  ABIIBATIS  MONASTEEU  |i  TYITIENSIS  OKDINIS 

S.  BENEBICTI  THEjI 
ologi  antiqui,  Opera  duo  .  .  .  IN  MATTBIEVM  ||  Je  glorla  t 
liottorf  pltj  I|ommt0  LIBRI  xm.  ||  BE  GLOEIPICATI-||ottf  erint- 
tatiö  t  pracffftone  fpirttuft  fancti  LlBRl  K." 

„EVPERTI  AB-I  BATIS  . . . 

Commentariorum,  in  ||  Euangelium  ||  Johannis  ||  libri.XIlI." 

„RVPERTI  AB-IIBATIS... 
Commentariorum,  in  ||  Apocalypfim  ||  Johannis  ||  libri  •  XII." 
„Rvperti  Abbatis  ...  De  diuinis  ||  Officiijs  ||  libri  •  XII.** 

Colli;  Franz  Birckmann,  1526.     Folio-Format. 
Erste  Ausgaben  dieser  vier  in   schönen  Original-Schweinslederband  lusammcn- 
gebundenen  Werke,  sämmtlich  mit  schönen  Initialen  ausgestattet;  die  Erklärung  der 
Apokalypse  enthält  auch  Holzschnitt- Abbildungen,  welche  man  dem  Anton  von  Worms 
zuschreiben  möchte.    Herausgeber  ist  Johann  Cochlaeus.  — 


^ane  prael^ 

1530  bie  1533. 

No.  389. 
„B  •  HAYMO-;|NIS EPISCOPI  BAL-  BERSTATTENSIS,  BE  VAREBTATB 

librorum,  fiue  de  Amore  cceleftis  ||  patriae,    libri  .  III.  nunc 

primü  II  typis  excufi.** 

Colli;  Johann  Prael,  1531.    Klein  Octav-Format. 

Editio  princeps  eines  seltenen  theologischen  Schriftchens.  — 


No.  390. 
„RABANI  MAYRI  MOGVNTI-|| 
nenfis   Archiepifcopi,   de   Clericorum  ||  inftitutione   &   cre- 
monijs  Ecclefiae,  ex  ||  Veteri  &  Nouo  Teftamento,  ac  Hei-|| 
ftulphum   Archiepifcopum  ||  libri  XIII  .  .  .  EXCüDEBAT  JO- 
HANNES PRAEL  II  COLONIAE  M.  B.  XXXH." 

Octav-Format. 
'Mit  einem  Holzschnitte,  Rabanus  am  Studiertische,  auf  der  Rückseite  des  Titel- 
blattes, Initialen  und  dem  Druckerzeichen  Praels  auf  der  Rückseite  des  letzten  Blattes.  — 


—     Cöln.     — 


189 


|lleld)ior  non  l^tm^ 


ober  latinifirt  Hotjcfianue, 
1530  bt6  1538. 

No.  391. 

„CONCnJVM  i!  DELECTORVM  C1RJ)IN1LI-| 
Tim  &  aliorum  Praßlatorum    de  emendanda  EC||CLBSIA,   S. 

D.   N.   D.    Paulo  III.    ipfo  ||  iubente    confcriptum,   &   ex- 

hibitum,  ANNO  M.  D.  ||  XXXVIII.V* 

C0I1I9  Melchior  Novesianus,  1538«     Klein  Quart-Format. 

Das  kleine  Scbriftchen  von  8  Blättern,  in  hübscher  Antiqua  gedruckt,  enthalt 
die  Resolutionen  der  von  Papst  Paul  III.  einberufenen  Commisaion  cur  Darlegung  und 
Hdhug  der  Schäden  und  Gebrechen  der  Kirche.  Unter  dem  Titel  befindet  sich  ein 
Holsschnitt  mit  den  päpstlichen  Insignien.  — 


um  1540  bie  um  1550. 

[No.  392. 
^yDe  Traditione  Apo-^^stolica   el  Eccle/ia/tica  •    ||  .  .  .  2)Utd^ 

©eorgium  SBicelium,    Su  (tSln  6urd>  3of?ati  (liuentel,  || 

Anno  M.  D.  XL1X>* 

Quart-Format. 

Gegen  die  Neuerungen   der  Reformation  gerichtete  Schrift  far  die  Autorität  der 
Kirchenväter  und  Concilien.    In  Schwabacher  und  Antiqua  gedruckt«  — 


No.  393. 

^Seftenbige  2lnts||n)ort  luiber  ber  Suterifi^en  jSE^eoIogen 
Sebentfen,  ||  tocld^e  fic  toiber^  ||  Interim   gef(^rie*||6en,  || 

CEOR-  VICELÜ  FACCHENSIS  - 

(Bcbrucft  5u  CSln  bur*  3o^?an   (Euentcl,  ||  im  ttTcrß 

6e6  3ar8  1549." 

Quart-Format. 
Das^seltene  Werkchen  ist  in  Scbwabacher  Schrift  gedruckt.  — \ 


igo 


—     Cöln.     — 


Pte  €rben  hti  ^o\)Amts  d^mnicua^ 


um  1540. 

No.  394. 
„EVANGEI  LIA  ET  BPISTOLIE  |i 
BREVIVSCVLIS    QVIBVSDAM   Hermanni   Torrentini 

fcho-\\lijs  illuftrata, 
ColonicB  hcBredes   Gymnici  excude-\\bant  ^  Anno 

M.  D.  XLIIIIi' 

Klein  Octav-Format. 
Als  Druck  der  Erbeti  des  Johannes  (lymnicus  ist  dieses  sonst  bedeutuns:s!ose 
Werk  von  Interesse.  — 


^enrictt»  llUmerami»  vV  ^furirua  ^rtopaeus^ 

um  1550. 

No.  395. 
„CATALO-I.GYS  EXPEMTIO-i  NIS  REBELLIVM  PRINCIPYM  , 

ac  Ctuitaium  Ger7na,  fuh  duohus  potifsi'\\mum  generalib, 
Praefectis ^  \\  Jahanne  Friderico^  Duce  Electore  Sa-\\xoni(R'. 
Et  Philippo  Lantgrauio  He/sicB  //  CONTRA  ||  CAROLYM  •  V  •  KOI- 
DDP  •  AVG  •  II  confriptcR    er    productce ,     Anno    .    1546.  //  Per 

NIC  MAMERANYM  ||  Lucenburg  .  collectus. 
COLONIAB   Typis  CT    impenfis  Henriei  Ma'\\merani  in  platea 
Judaica  prope  Proelorium,  Hen-l'ricus  Artopceus  excudebat  • 

Anno  .  1550." 

Klein  Octav-Format. 
Dieses  kleine  in  Cursiv  gedruckte  Schriftchen  behandelt  die  unglückliche  Unter- 
nehmung Jobann  Friedrichs  von  Sachsen  und  Philipps  von  Hessen  gegen  Kaiser  Karl  V. — 


3ol|annf0  1lotif|tantt9, 

um  1550. 

No.  396. 
„OPERA  D.INNOCEN-||Tn  PONTfflCIS  JIA-||nMI,  BIVS 

NOMINIS  III .. . 

Colon:<ß  excudebat  Joannes  Nouefianus  .  //  Anno  M,  D,  LII}^ 

Folio-Format. 
Es  ist  dies  die  w%U  Ausgabe  der  Werke  des  Innocentius  III.,  mit  Initialen  nach 
Dürer  und  Andern.  — 


Cöln.     — 


191 


um  1550  bi6  um  1560, 


später  mit 


^txmnui  Calentu» 


xusammen. 


No.  397. 
„CHORYS  II  SANCTOßVM  OMNIVM  | 

ätüelff  Sudler  ^^ftorien  2lIIcr  ||  ^eiligen  ©otteö  ...  bc:= 
f^rteben  burd^  |1  GEOGIUM  WICELIVM.||...  5U  C6Un  am 
lßi\)tin,  feurd)  ^ie  iErbcn  6e8  itrhavn  3o&an  (Etucntcle . . . 

1554. 

Folio-Fonnat. 

Mit  Schwabacher  Schrift  gedruckt,  noch  im  Original  Schweinslederbande  befindlich 
Auf  dem  Titel  der  mit  dem  Löwen  k&mpfende  Herkules  als  Druckerzeichen.  — 


No.  398. 

„...FßlDERICIJI... 

cognomento   Naufese  Blancicampiani,    .   .    .    Catholicarum 

Poftillanim  &  Homiliarum  in  ||  totius  anni  tarn  de  Tem- 
pore quam  II  de  Sanctis  Euangelia,  ||  epitüme  fiue  compen- 
DiUM . . .  Colonige  ex  officina  hseredu  Joannis  Quentel,  .  .  . 

M.  D.  LV.** 

Klein  Octav-Format. 

Antiqua- Druck  mit  dem  Druckerzeichen   des  Herkules  auf  der  Rückseite  des 
Titels.  — 


No.  399. 

„OECONOMIi  I BBLIORVM  || . .  AVTHOßE  HD-  GEOßGIO  EDEßO  . . 

COLONIAE  AGRIPPINAE\  Apud  Geruuinum  Calenium, 

cT  heredes   Johannis   Quentelij,  Anno  M,  D.  LXVIII.'^ 

Folio-Format. 

Das  Werk  ist  eine  hxi  Bibel-Concordam,  schon  gedruckt  in  Antiqua  und  Cursiv- 
schrift,  ond  in  geschmackvoll  gepresstem  Originallederbande  vom  Jahre  1577  vor- 
zfiglieh  erhalten.  — 


192 


—     Cöln.     — 


um  1566. 

No.  400. 

„F .  LBANDRI  ALBEETI  ||  BONONIENSIS  •  |i  DESCKIPTI0||T0TIVS1 

ITALIAE  . . ." 

CÖI1I5  Nicolaus  Graphaeus,  1566«     Folio-Format 

Schöner  Antiqua-Druck  mit  bübscben  Holzschnitt- Initialen.  DerOriginallederbuid 
ist  vom  Jahre  1676.  — 


um  1568  bi6  um  1600. 

Arnold  Birckmann   selbst   druckte  von  1532  ab  in  Cöln.      _ 

No.  401. 

„PBIMVS  TOMVSIILIBRORVM  OMi|NIYM  NATYRALIS  PHILOSÖ-I 

PHIAE  ARISTOTELIS  . . . 

Interprete  Joanne  Ar- Jgyiopylo,  addita  e  regione  Joachimi 
Pe-||rionij  verfione,  ex caftigaftione  (sie !)  ||  Nicolai  Grouchij .. . 
COLONIAE||ApudhaBredesArnoldi Birckmann i .  M.D.LXVIU." 

Quart-Format. 

In  Antiqua  und  Cursiv  gedruckt;  mit  dem  Druckerzeichen  eines  , Birkhahns* 
auf  dem  Titelblatte.  Der  Herausgeber  ist  Raijanus  Welsdalius,  Professor  der  Mediein 
zu  Cöln,  — 


No.  402. 

„QYmCTVS  II  HOKATIVS  ;|  FLACCYS  AB  OMNI||OBSCOBNITATB 

PYE-IIGATVS. 
COLONIAE  AGRIPPINAE,  ||  In  Officina  Birckmannica  fumpti-|| 

bus  Arnoldi  Mylij  •  Anno  M.  D.  Lxxxviii." 

Klein  Octav-Format. 

Vorliegende  Ausgabe  des  „gereinigten"  Horaz  ist  von  den  Bibliographen  nicht 
citirt.  Graesse  erwähnt  eine  Ausgabe  von  1589  in  Sedez  von  demselben  Drucker, 
wozu  er  treffend  bemerkt,  sie  sei  jnur  interessant  bezüglich  der  Schwachköpfigke'* 
ihres  Herausgebers.  — 

No.  403. 
„R.  P.||  VINCENTIIj  BRVNI,  SOCIE-  .TATIS  JESY,  MBDITATIONBS,  | 
IN  SEPTEM  PRAECIPVA  JFE\\/ta  B,    Virginis  . . . 


—     Cöln.     —  igj 

COLONIAE  AGRIPPINAE,  |  in  Officioa  Birckmannica ,    fumpti- 
bus  Arnoldi  Mylij  .  M.  D.  XCIX."- 

Duodez-Format. 

Angebunden  ist  diesem  Werkchen  noch  desselben  Verfassers  kurzer  Tractat, 
,pe  Saeramento  poenitentiae",  wek;ker  in  dei]aaett)en  Jahre  ebenfalls  von  der  mi^- 
mann^hen  Officin  gedruckt  wurde.  — 


|ltiiternu0  Ct)olinu0^ 

um  1570  bi5  1575. 

No.  404. 

„PÄEATITLAIIIN  LIBKOS  QVIN-||^K^6^/A^7:^  2>/-// 
geßorum    feu  Pandecta'\\rum    Imperatoris    Ju-\\ftiniani  •  // 

OPVS  JACOBIl|CVIACn.|| 

COLONIAE  .  Apud  Maternum   Cholinum  //  Anno  M.  D,  LXX,'' 

Duodez-Format. 
In  römischer  Schrift  gedruckt;  hübscher  Original-Schweinslederband.  — 


No.  405. 
„PAYLI II  OROSn  PRES-IIBTTERI  HISPANI,  ||  ADVERSVS  PAGANOS 
fflSTORIARVM  LI||bri  Septem  .  .  . 

COLONIAE  II  Apud  Maternum  Cholinum  ||  M.  D.  LXXim.'^ 

Klein  Octav-Format. 

Herausgeber  der  sieben  Bucher  Qeschichte  des  Orosius  ist  Fabricius  Marcu- 
duranus;  es  ist  der  Ausgabe  auch  des  Verfassers  „Apologeticiis  contra  Pelagtura'' 
beigefögt.    In  romischer  Schrift  gedruckt.  — 


(iotefribttö  ^lempettfia^ 

\xm  1577  M6  1579. 

No.  406. 
„fflERONYMI  1 1  OSORH ...  IN  ISATAlff :  |'  LIBRI  V. 
Apud  haeredes  Arnoldi  Birckmanni  Anno  D.  M.  LXXIX.  || 

Am  Schlüsse:  COLONLiE  AGRIPPINAE,  Excudebat  Gotefridus 
Kempenfis  .  ||  Anno    Salutis,   M.    D.   LXXVII   fed   1679." 

Mit  dem  Drucker-Zeichen  der  Birckmann,  aber  wie  man  sieht,  von  einem  andern 
Drucker.  — 

13 


l 


t04  ""    Cöln.    — 

Peter  Sorfl, 

um  1580. 

No.  407. 

,JACOBI  SADOliB-||TI . . .  BPISTOLAßVM  \Ä-\\BRI  SEXDECIM,.. 
COLONIAE  AGRIPPINAEW  Excudebat  Petrus  Horst  || . . .  1580." 

Klein  Octav-Format. 

In  Cursiv  gedrucktes  Werkchen  «Ines  sehr  selten  vorkommenden  Cdlner  Typo- 
grftphen.  —  

No.  408. 

„BPISTOLOEVM  |1  PAVLLI .  MANVTn  ||  libri  xii. 
COLONIAE,  II  Apud    Pelrum    Horst  .  .  .  ClDlDLXXXVI.'* 

Klein  Octav-Format. 

Den  Briefen  des  berühmten  Gelehrten  imd  Typographen  sind  hier  auch  die  ron 
ihm  verfassten  „Vorworte"  zu  den  von  ihm  herausgegebenen  gelehrten  Werken 
beigefügt.  — 


ScOrugöemer&ungen. 

Hiermit  haben  wir  die  typographische  Tbätigkeit  auch  der  alt- 
berühmten Druckstadt  Cöln  bis  zum  Ende  des  sechszehnten  Jahr- 
hunderts  verfolgt.  Zur  Vervollständigung  des  Bildes,  das  wir  in 
Vorstehendem  gegeben  haben,  führen  wir  in  Kurzem  auch  noch 
diejenigen  Druckfirmen  auf,  welche  gleichfalls  Antheil  an  dieser 
Thätigkeit  hatten,  wenn  auch  ihre  Leistungen  für  uns  weniger  wichtig 
erschienen  und  wir  darauf  verzichten  dürfen,  diese  einzeln  aufzufahren. 

Wir  finden  da  als  Cölner  Drucker  noch :  Gerardus  ten  Raem  de 
ßercka  1478;  Conradus  de  Bopardia  i486;  Johannes  Landen  1490 
bis  1521;  Arnoldus  Quentel  1504;  Johann  Helmann  1505;  Johann 
Pfefferkorn  1508,  der  getaufte  Jude,  von  dem  es  übrigens  zweifel- 
haft ist,  ob  er  selbst  eine  Druckerei  besessen,  oder  ob  Johann  von 
Landen  für  ihn  gedruckt  hat;  vergleiche  Weller's  Repertorium 
No.  454  und  455.  Ferner:  Anton  Keyser  1511;  Hermann  Guitschai  ff 
1512;  Arnt  von  Aich  1514  bis  15 19;  Henrtcus  Novesiensis  1517  bis 
1522;  Johannes  Potkenaur ,  der  auch  in  Rom  druckte,  1518;  Nico- 
Laus  CoLesar  1518;  Conrad  Burger  1518;  Servatius  Cruftanus,  der 
vorher  auch  in  Basel  vorkommt,  1520  bis  1531 ;  Johannes  Dorstius  1532. 

Als  erste  Verlag shuchhdndler  finden  wir  in  Coln  zu 
Anfang  des  16.  Jahrhunderts  schon  mehrere  etablirt,  deren  Greschäfte 
von  grosser  Bedeutung  gewesen  sein  müssen;  dahin  gehört  vor  aLen 


—     Cöln.     —  195 

Gotfrted  Hittorp,  der  zahlreiche  Werke  in  den  Officinen  von  Johannes 
Soter,  Eucharius  Cervicornus,   Hero  Alopecius  und  Caspar  Genne- 
paens  drucken  liess,  aber  auch  in  Basel,  Leipzig  und  Paris  Geschäfte 
hatte.    Femer  Franz  Birckmann ,  der  neben  seiner  Druckerei  auch 
Verlagsgeschäfte  in   Cöln,  Antwerpen,  Paris  und  Hagenau  betrieb. 
^uch  Peter  QuenteVs  bedeutende  Offizin  beschäftigte  je  und  je  einen 
andern  Drucker,  darunter  auch  den  Johannes  Soter  und  Hero  Alo- 
pecius.   Arnold  Mylius  beschäftigte   die  A.  Birckmann*sche  Officin, 
während  letztere  auch  wieder  bei  Gotfried  Kempensis  drucken  liess. 
Auf  den  Einfluss,    den   Cöln   auf  die   Entwickelung  der  Kunst 
aach  in  andern  Städten  und  speciell  in  den  Niederlanden  geübt  hat, 
wies  schon  Falkenstein  in  seiner  Geschichte  der  Buchdruckerkunst 
auf  Seite  155  treffend  hin.     Dass  die  berühmten  Buchdrucker  William 
Caxton  in  London  und  Colard  Mansion  zu  Brügge  unter  Colnischem 
Einfluss   ihre   Kunst   geübt;    dass   Richard   PaflTroet    aus   Cöln    die 
Buchdruck erkunst  in  Deventer  eingeführt;  dass  Johannes,  Bernhard 
und  Heinrich,  alle  drei  aus  Coln,  zu  Venedig,  Brescia  und  Bologna 
ihrer  Kunst  zum   Ruhme  verhalfen,   —   das   sind   alles   unstreitige 
Thatsachen,  aus  welchen  das  Verdienst  der  Stadt  Cöln  um  die  Ver- 
breitung und  Veredelung  der  Kunst  für  alle  Zeiten  sichtbar  hervor- 
geht; — 


Srgnn^ungs'Ctteratur  5U  (Cdrn. 

I*  Falk.     Die   Druckkunst   im    Dienste   der  Kirche   bis   zum   Jahre 

1520.     Cöln  1879.  — 
2.  Goezen's   Versuch    einer    Historie    der  Niedersächsischen  Bibeln 

vom  Jahre  1470  bis  16  21.     Halle  1775.  — 
3'  Lempertz.     Bilderhefte   zur  Geschichte  des  Bücherhandels.     Cöln 

1853  bis  1865.  — 
4«  Lempertz.     Bibliograpische   und   xylographische  Versuche.     Cöln 

1838.  — 

5.  Merlo.    Kunst  und  Künstler  in  Cöln,  1850. 

6.  Niesert.     Literarische  Nachricht  über  die  erste  zu  Cöln  gedruckte 

niederdeutsche  Bibel.     Coesfeld  1825.  — 
Im  Uebrigen  verweisen  wir  noch  auf  die  schon  Seite  160  namhaft 
gemachten  Werke  zur  allgemeinen  Bibliographie.  — 


13 


IQÖ 


—     Subiaco  und  Rom.     — 

S)nU(ico  äf  '21lom 

Sublacense  coenobium;  Sublacium;  Sublaqueum. 

—  Roma.  — 


Conralr  ^toeiinljeim  k  ^rnollr  pannarlf 

in  tttonaflcrio  6ttbUccnfe 
1464  bie  1467. 

Zwei  wackere  J^eutsche^  muthmasslich  Gehilfen  Gutenbergs 
waren  es,  die  bald  nach  der  Verwüstung  von  Mainz  1462  gleich 
andern  Collegen  auswanderten,  und  zu  allererst  in  lUxiien  die 
Buchdruckerkunst  einführten.  Das  nahe  bei  Rom  gelegene  Augusti' 
nerkloster  des  Städtchens  SubiäCOj  wo  sie  unter  besonderer  Begünsti- 
gung ihre  Pressen  herstellten,  wurde  dadurch  der  eVSte  Druck' 
ort  atisserhatb  Deutschland.  — 


No.  409. 

€xttxmxü  ^^e  oratore  ab  qutntum  fratrem  Ubri  trcö.** 

Subiaco^  Sweynheim&Pannartz,  1464  bis  1465«  Hoch  Quart-Format. 

X}r8te8  ErzeugnisB  der  Buchdruckerkunst  in  Italien  und  eine  Seltenheit  ersten 
Ranges,  da  nur  noch  et>^a  vier  Exemplare  desselben  existiren.  Unser  Exemplar  ist 
aber  hiervon  das  einzige  mit  der  höchst  werHivoUen  Sehlusasehrift  des  Rubricaiors 
und  der  JaJirzahl  1465,  in  welchem  Jalire  der  Druck  spätestens  vollendet  wurde. 

Den  specieUern  Nachweis  über  das  Alter  des  noch  vor  dem  Lactantius  ton 
146ß  erschienenen  imd  mit  den  gleichen  Typen  gedruckten  Cicero  findet  man 
in  der  für  die  Bibliographie  höchst  wichtigen  Schrift:  „Dei  primi  libri  a  stampft  in 
ItaUa  6  specialmente  di  un  Codice  Sublacense  impresso  avanti  il  Lattanzio  e  finore 
creduto  posteriore". 

Dem  Verfasser,  Carlo  Fumagalli  in  Lugano,  lag  bei  dieser  ausführlicben  Ab- 
handlung unser  Macemplar  vor,  das  sich  damals  im  Privatbesitze  dieses  Gelehrten 
in  Lugano  selbst  befand.  Die  Eröffnung  des  St.  Gotthardt-Tunnels  im  Mai  188S 
führte  uns  den  seltenen  Schatz  für  eine  allerdings  sehr  hohe  Summe  zu.  Jedenfalls 
haben  wir  hier  den  historisch  interessantesten  und  werthvollsten  aller  itaüemsckfn 
Drucke  vor  uns.  Hain  führt  denselben  unter  No.  f098  nach  dem  Münchner  Exem- 
plare an.  Ausser  in  München  soll  sich  je  1  Exemplar  dieses  Bibliothekschatzes  in 
Paris  und  London  befinden.  Man  vermuthet  ein  solches  auch  in  der  Vaticanischen 
Bibliothek  zu  Born,  doch  dürfte  es  schwer  sein,   darüber  Gewissheit  zu  erlangen. 

Die  erwähnte  Schlussschrift,  welche  ein  so  wichtiges  Docimient  für  die 
Geschichte  dieses  Druckes  liefert,  lautet  nun  wörtlich:  „Correctuf  &  emendatuf 
fideliter  hie  codex  peT\\A,  OTridentone  conferente  optimo  doctiffimo||pre  meo  fratre 
Johanne  Tiburtino  pridie  Kal|  joctobref.  M  .  cccclxv". 

Woraus  also  hervorgeht,  dass  der  gelehrte  Atitonios  Tridenione  mit  demBeirath 
des  Bruder  Johannes  Tiburtinus  das  Buch  schon  am  SO.  September  =  pridie  Kalendas 
Octobres  —  des  Jahres  1465  corrigirt  hatte;  und  in  derThat  findet  man  in  dem  Exemplare 
zahlreiche  Correciuren,  welche  mit  derselben  Handschrift  an  die  Rander  gesetzt  sind. 


—    Subiaco  und  Rom«    —  igy 

ScboB  die  über  allen  Zweifel  stehende  Gleichheit  der  aUen  Handsehrift,  welche 
In  den  Correcturen  und  in  der  Schlussschrift  bemerkbar  ist,  wurde  kaum  einen 
Zweifel  an  der  Echtheit  derselben  zulassen,  allein  der  überaus  gprfindliche  und  gewissen- 
hafte Verfasser  der  vorerwähnten  Schrift  hat  sich  damit  noch  nicht  genügen  lassen 
Denn  nachdem  er  diese  Schlussschrift  entdeckt,  ging  er  in  seinen  Bemühungen  weiter 
und  war  so  glücklich,  alte  Originalhandschriften  des  Gelehrten  Antonios  Tridentone 
aufEufinden,  durch  deren  Yeitglelob  mit  obiger  SdUusseohrift  die  Echtheit  der  letzteren 
unanfechtbar  documentirt  wurde. 

Der  Bibliothekar  zu  Parma  Federico  Odorici  bestätigt  in  einem  Schreiben,  welches 
in  der  Schrift  des  Carlo  Fumagalli  gleichfallB  abgedruckt  ist,  dass  die  auf  der  National- 
bibllothek  zu  Parma  aufbewahrte  Handschrift  des  Parmenser  Gelehrten  Antonio 
Tridentone  mit  der  Handschriit,  welche  sich  in  dem  Exemplare  des  Cicero  gefunden, 
tollkommen  übereinstimmt. 

Es  steht  dadurch  also  zweifellos  fest,  dass  diese  Ausgabe  des  Cicero,  da  sie  schon 
t/or  dem  30,  September  1465  gedruckt  vorgelegen  haben  muss,  äUer  ist  als  der 
LaetanHus  desselben  Jahres,  dessen  Schlussschrift  bezeugt,  dass  er  erst  am 
29,  Oelober  146ß  vollendet  worden  ist.  Uebrigens  muss  man  dem  Gelehrten 
Panzer  die  Ehre  lassen,  eine  gleiche  Vermuthung  schon  viel  früher  ausgesprochen 
zu  haben,  wie  man  sich  in  den  Annales  II  Seite  406  überzeugen  kann.  — 


No.  410. 

Äujjupim  ii^t  cbitate  ^n^K 

SnbiacO;  Sweynheim  &  Pannartz,  1467.     Gross  FoKo-Format. 

Ist  mit  derselben  Type  von  semigothischem  Schnitt  gedruckt,  die  schon  der 
Antiqua  sehr  nahe  kommt  und  ist  der  letzte  Druck  von  Subiaco.  In  demselben 
Jahre  folgten  die  beiden  Typographen  dem  Rufe  der  Marchesen  Pietro  und  Francesco 
de  Maximis  nach  Rom  und  druckten  dort  zunächst  Ciceros  Briefe.  Vorliegende 
JEdüio  princeps  ist  von  grosster  Seltenheit;  sie  steht  bei  Hain  unter  No.  8046. 
Bei  der  kostbaren  Ausgabe  von  Peter  SchofFer  in  Mainz  vatL  1473  haben  wir  das 
Werk  unter  No.  28  schon  ausführlicher  besprochen.  Der  höchst  werthvolle  Foliant  ist 
geschmackvoll  in  braun  Leder  gebunden  und  reich  mit  Silber  beschlagen.  — 


3iöet)nl)eim  ^  pannart?  in  Höm^ 

1467  bie  1473. 

Von  1473  bis  1478  druckte  Pannartz,  der  sich  in  letzterem  Jahre 
Arnold  Biicking  nennt,  allein,  während  Sweynheim  mit  Domitianus 
Calderinus  die  Herausgabe  der  Geographie  des  Ptolemaeus,  des 
ersten  Werkes  mit  geographischen  Karten  begannen,  welches  aber, 
als  beide  nach  drei  Jahren  starben,  noch  nicht  vollendet  war. 

Erst  Pannartz  übernahm  nun  die  Weiterfiihrung  des  Werkes, 
welches  er  dann  147^  zu  Stande  gebracht;  eben  die  Schlussschrift 
dieses  Werkes  ist  es,  in  welcher  er  sich  Arnold  Bucking  nennt, 
wonach  einige  Bibliographen  auf  einen  andern  deutschen  Kupfer- 
Stecher,  der  das  Werk  vollendet  habe,  schliessen,  obwohl  schon 
Raidel  in  seiner  „Commentatio  critica  literaria  de  Caudii  Ptolemaei 


Iq8  —     Subiaco  und  Rom.     — 

Geografhia"  Nürnberg  1737    den    klaren    Nachweis    der  Identität 
dieses  Arnold  Bucking  mit  Arnold  Pannartz  geführt  hat.  — 


No.  411. 

Lactantii  „Opera". 

Bom^  Sweynheim  &  Pannartz,  1468«     Folio-Format 

Dies  ist  die  moeiie  von  Hain  unter  Nr.  9907  angeführte,  sehr  -werthvolle  und 
prächtige  Ausgabe  der  Werke  des  berühmten  Kirchenschrifcstellers  und  Redners, 
von  denen  die  erste  Ausgabe  schon  146.5  in  Subiaco  erschien.  Hier  ist  schon  die 
neue  Type  von  rein  römischem  Schnitt  in  Anwendung  gebracht,  mit  welcher  zuerst 
die  Briefe  Cicero»  von  1467  gedruckt  wurden  und  deren  Brfindung  man  diesen 
Druckern  allgemein  suschreibt,  obwohl  mit  unrecht,  denn  wir  haben  unter  Strassburg 
gesehen,  dass  Mentelin  Jedenfalls  schon  früher  in  Antiqua  gedruckt  hat 

In  Falkensteins  Geschichte  der  Buchdruckerkunst  liesst  man  auf  Seite  210  eben- 
falls, dass  Sweynheim  und  Pannarts  „der  Ruhm  gebührt,  die  Antiquatype  U67'io 
Rom  eingeführt  zu  haben **,  dagegen  erfahren  wir  schon  auf  Ssite  2 14  desselben  Werkes, 
dass  Nicolaus  Jenson  in  Yenedig  „wegen  der  Umgestaltung  des  Typenschnittes  in  die 
Antiqua  eine  neue  Epoche  herbeiführte  und  sich  den  Ehrennamen  eines  neoen 
Daedalus  erwarb".  Man  hat  nun  die  Wahll  Für  uns  ist  Deutschland  die  Wiege 
auch  der  Antiqua- Schrift. 

Unser  Lactantius  von  1468  ist  übrigens  wie  neu  erhalten,  mit  prächtig  gemalten 
und  in  Gold  «rhöhten  Initialen  ausgestattet,  wozu  auf  der  ersten  Textseite  noch 
•ine  Randmalerei  in  Qold  und  Farben  konunt,  deren  Schönheit  Jeder  Beschreibung 
spottet  Merkwürdig  ist  der  Umstand,  dass  mehre  der  prachtigen  Initialen  Jedenfalls 
des  stark  aufgelegten  Qoldes  wegen  herausgerissen  waren,  und  zwar  sammt  einem 
Theile  des  Textes  und  der  mit  rother  Farbe  geschriebenen  mehrzelligen  Ueberschriften. 
Beide  sind  aber  —  nachdem  die  Stellen  durch  gleiches  Papier  wieder  ergänzt  waren  — 
so  kunstvoll  wieder  mit  der  Hand  nachgeschrieben,  dass  Niemand  die  Ergänzung 
gewahr  wird ,  wenn  er  nicht  darauf  aufmerksam  gemacht  worden  ist.  Das  pompöse 
Werk  ist  in  roth  Maroquin  gebunden  und  mit  vergoldetem  Messing  reich  beschlagen.  — 


No.  412. 

Hieronymi  „Epistolae". 

Born,  Sweynheim  &  Pannartz,  1470.  Zwei  Bände  in  Folio-Format 
Mit  derselben'^Antiqua  gedruckt  wie  der  Lactantius  von  1468«  Die  zwei  starken 
Foliobände  dieser  werthvoUen  und  seltenen  Ausgabe  sind  in  gepresstes  Kalbleder 
gebunden,  dessen  schöne  Ornamentik  eine  bedeutende  Künstlerhand  verrath.  Hain 
No.  8S68.  -  

No.  418; 

Caecilii  Cypriani  „Epistolae". 

Born,  Sweynheim  &  Pannartz  1471.  Folio-Format. 
Mit  derselben  Type  gedruckt  wie  voriges  Werk.  Dieses  ist  die  aüerertte  Aus- 
gabe (der  Briefe  des  Heiligen  Cyprianus,  der  um  die  Mitte  des  dritten  Jahrbunderl» 
lebte.  Die  Seltenheit  des  Buches  ist  erklärlich,  da  überhaupt  nur  S75  Exemplare 
davon  gedruckt  wurden.  —  Hain  No.  5896.  Das  seltene  Werk  befindet  sich  noch  in 
altem  Original-Lederbande  mit  Messingbeschlag.  — 


—     Subiaco  und  Rom.     — 


199 


No.  414. 

Nicolaus  de  Lyra:  „Glossae  super  Psalmista". 

Rom^  Sweynheiin  &  Pannartz,  1472.     Gross  Folio-Format. 

Dieses  ist  der  zweite  Theil  der  in  fünf  Volnmina  edirten  ersten  Ausgabe  der 
BibeUErklärungm.  Er  ist  dstirt  70m  26.  Mai  1472,  Der  mit  der  nämlichen  Type 
gedruckte  starke  Foliant  ist  im  Origlnallelerbande  und  (schön  beschlagen.  Hain 
Nr.  10362.  —  

No.  415. 

Nicolai  de  Lyra:  „Glossae  super  libros  novi  testamenti". 

Rom^  Sweynheim  &  Pannartz,  1472«     Gross  Folio-Format. 

Dieses  ist  der  fünfte  Band  der  Bibel-Erklärungen  des  Nicolaus  de  Lyra,  welcher 
auf  dem  Eweiten  Blatte  den  für  die  Geschichte  der  Buchdruckerkunst  so  hochwichtigen 
Brief  des  päpstlichen  BibUothecars  Johannes  Antonius  de  Buxiis  an  Sixtus  lY.  enthält, 
welchen  Ersteren  die  meisten  Bibliographen  Johannes  Andrea  nennen,  obgleich  Götze 
sehon  im  Jahre  1744  in  seinen  „Merkwürdigkeiten  der  Königlichen  Bibliothek  zu 
Dresden"  Band  I  Seite  36  diese  heillose  Verwechselung  ausführlich  erwiesen  hat 

Weil  nämlich  der  obige  Gelehrte,  welcher  der  Herausgeber  und  Corrector  fast 
aller  bei  Sweynheim  &  Pannanz  in  Rom  gedruckten  Werke  war,  seinen  Namen,  wie 
auch  in  dem  vorliegenden  Briefe,  nur  mit  den  Silben  Joan.  An.  Episcopus  Alerten. 
andeutete,  so  hat  man  sich  eingebildet,  dass  er  Johannes  Andrea  geheissen,  und  in 
der  Folge  ihn  sogar  mit  dem  alten  gleichnamigen  Juristen  von  Bologna ,  der  doch 
hundert  Jahre  zuvor  gelebt,  verwechselt,'  ihm  auch  einige  seiner  Werke  zuge- 
schrieben. 

Der  erwähnte  wichtige  Brief  enthält  die  Aufzählung  fast  aller  bei  Sweynheim 
<fc  Pannarte  gedruckten  Werke,  welche  man  vervollständigt  und  verbessert  in  dem 
schon  erwähnten  Schriftehen  von  Fumagalli:  „Dei  primi  libri  a  stampa  in  Italia*', 
^ite  85  und  folgende  nachlesen  kann;  der  eigentliche  Inhalt  der  Epistel  aber  ist 
eine  Bitte  an  den  Papst  um  Unterstützung  der  in  äusserste  Bedrängniss  gerathenen 
Dnickergenossenschaft,  die  durch  grosse  Unkosten  und  Mangel  an  Absats  ihrer  so 
hochverdienten  Ausgaben  in  der  Weiterfährung  ihrer  Officin  gehemmt  wurden. 

Die  zweizeilige  Ueberscbrift  dieses  Briefes  lautet:  „Jo.  An.  Alerien  Epifcopi. 
8.  D.  n.  Pape  Biblio*hecarii  i|  ad  Xyftum.  IUI.  fummum  Pontificem  Epiftola".  — 
Tt^yftus'*  ist  eine  andere,  häufiger  vorkommende  Schreibweise  für  y^Sixius'^. 

Bei  diesem  letzten  Werke,  welches  wir  ans  der  Offizin  der  Sweynheim  &  Pannartx 
^  auffahren,  sei  auch  noch  der  hervorragenden  Eigenthfimlichkeiten  ihrer  Antiqua^ 
Drucke  gedacht,  in  welchen  allen  das  i  ohne  Punkt  erscheint,  am  Ende  der  Wörter 
aber  das  s  stets  ein  langes  ist,  wie  sie  überhaupt  das  runde  s  gar  nicht  anwenden. 
Das  dritte  Blatt  unseres  Exemplares  ist  von  einer  farbigen,  reich  mit  Gold  gehöhten 
Bordüre  von  wunderbarer  Erhaltung  umrahmt.  Der  alte  Sfthweinsledereinband  ist 
geschmackvoll  und  reich  mit  Silber  beschlagen.    Hain  Nr.  10362.  — 


Vlritt)  %m  olter  (üaUus  te  l$mm^ 

1467  bis  1478. 

Ulrich  Han  ist  aus  Ingolstat  gebürtig,  schrieb  sich  aber  „Bürger 
von  Wien".  Einmal  nennt  er  sich  auch  in  einer  Schlussschrift  eigen- 
thümlicher  Weise  „Barbatum."  — 


200  —     Subiaco  und  Rom.     — 

No.  416. 

Cicero:  „Tnseulanae  quaestiones". 

Bon,  Ulricus  Han,  1469.     Hoch  Qnart-Format. 

Erste  Aufgabe  ron  ausserordentlicher  Seltenheit,  am  Schlüsse  mit  Firma,  Ort 
imd  Jahrsahl  versehen,  und  mit  einer  ganz  originellen  kleinen  und  unregehnissigen 
romanischen  Tyi>e  gedruckt  Es  existiren  nur  noch  -wenige  Exemplare  dieses  firfiben 
romischen  Druckes  mit  der  Schlussschrift:  „Fioiti  sunt  libri  Tullii  TuTculananin 
Queftionum  ||  Rome  per  Mgfm  Ulricum  han  de  -wienna  Anno  dni  ||  Mcccclxviüi  Die 
nero  Prima  mensis  Aprilis**. 

Den  «Unterredungen  zuTasculum"  angefügt  sind  no«h  Ciceros  «Paradoxa",  ,C« 
amicitia",  «De  senectute*'  und  «Somnium  Scipionis" ;  sammtlich  ohne  Datimog,  ab» 
mit  denselben  Charakteren  gedruckt ;  auch  in  gleichem  Formate  und  auf  gleichem 
Papier,  dessen  Zeichen,  der  Anker,  durchweg  dasselbe  ist.  Jedoch  enthalt  die 
Columne  der  „Tusculanae  quaestiones"  S5  Zeilen,  während  die  der  übrigen  Schrien 
nur  deren  82  zahlen.  Dessenungeachtet  halten  die  Bibliographen  Laire  und  Audiffredi, 
die  ein  Exemplar  kannten,  welches  ausser  den  obigen  Schriften  auch  noch  die  aOfida* 
enthielt,  die  datirten  „Tusculanae  quaestiones*'  für  den  zweiten  Theil  einer  Gesaouat* 
Ausgabe  der  philosophischen  Schriften  des  Cicero,  deren  ersten  Theil  die  «officia* 
mit  den  übrigen  Abhandlungen  bilden  sollen. 

Dass  diese  über  100  Jahre  alte  Notiz  von  den  späteren  Bibliographen  nur  dtirt 
-wird,  ohne  dass  einem  derselben  Gelegenheit  gegeben  war,  ein  zweites  Exemplar  lu 
sehen ;  ferner  die  nicht  übereinstimmende  Zeilenzahl ,  sowie  der  Umstand ,  dass  die 
„officia"  in  vorliegendem  Bande  nicht  enthalten  sind,  scheinen  uns  Beweise  dafiir, 
dass  gedachte  «Gesanuntausgabe"  gar  mcht  existirt,  vielmehr  die  Schriften  einseht 
wenn  auch  um  dieselbe  Zeit  gedruckt  sind.  Hain  Nr.  .5312;  vergleiche  auch  seine 
Anmerkung  zu  Nr.  52.M.  — 

No.  417. 

Paulus  de  Sancta  Maria:  „Scrutinium  scripturarum". 

Rom,  Ulricus  Han,  circa  1470*     Gross  Quart-Format. 

Hier  neiint  sich  der  Drucker  mit  dem  latinisirten  Namen  Vdalri<ms  Qaütts.  Von 
dem  Antiqua-Texte  des  Werkes  heben  sich  die  fetten  gothischen  Ueberschriften,  welebe 
am  meisten  Aehnlichkeit  mit  den  Typen  Koelhoffs  in  Cöln  haben,  charakteristisch  ab. 

Das  Interessanteste  an  dem  werthvollen  Druckerzeugnisse  ist  jedoch  eine  mit 
rother  Tinte  geschriebene  Notiz  am  Schlüsse  des  Buches,  welche  besagt,  dass  Jobannes 
Franciscus  Ajrdianus  das  Werk  am  11.  Juni  1471  im  Auftrage  des  Papstes  Paul  U> 
gekauft  hat.  Diese  Inschrift  lautet:  »Emptum  fuit  iXtud  fcmtiniu  £  me  Jo.  Fran 
Ardian  ||  Bomae  Ajino.  d.  Mcceclxxi  die  xj.  JuniJ  ||  ponti.  S.  d.  n.  d.  Pauli  diuina 
prouidentia  pap«e  ||  fecundj  Anno  feptimo".    Hain  Nr.  10764.  — 


1470  bi6  1481. 

No.  418. 

„Chrysostomi  Homeliae  super  evangelio  Johannis". 

Born,    Georgias  Lauer,    1470«      Folio-Format. 
Einer  der  frühesten  Drucke  des  dritten  Typographen  Borns,  der  aus  WüiAurg 
stammend  im  Jahre  1469  von  dem  Cardinal  Caraffa  dahin  berufen  -wurde,  um  in  dem 


—     Subiaco  und  Rom.     —  20i 

Oolestinerkloster  zam  heiligen  Eusebius  eine  Druckerei  einzurichten.  Einer  seiner 
Gebilfen  oder  Mitarbeiter  dürfte  Johannes  Numeister  aus  Mainz  —  ein  Mitarbeiter 
Gntenbei^s  —  gewesen  sein,  dem  wir  im  Jahre  1470  in  FoUgno  begegnen,  von 
weloftem  aber  bekannt  ist,  dass  er  vorher  soipn  in  Rfm  thitig  gewesen.  Vielieieht 
▼w  er  dem  Georg  Lauer  nur  bei  Einrichtung  der  Druckerei  behilflich,  namentlich 
bei  Herstellung  der  Typen;  denn  Numeisters  erster  Druck  in  Foligno,  Aretins  ,De 
Belle  italioo  adversus  Gothos"  1470,  zeigt  mit  den  Lauer^schen  romanischen  Typen 
des  yoTÜegeBden  Werkes  eine  so  überraschende  AehnUchkeit  im  ganzen  Character, 
dass  man  jedenfalls  auf  dieselbe  Künstlerhand  schliesen  darf. 

In  der  Schlussschrift  ist  gesagt,  dass  das  Werk  „im  Kloster  des  heiligen  Eusebius" 
im  Jahre  1470  geschrieben  und  corrigirt  wäre ;  daraus  ist  der  Drucker  Oeorg  Lauer 
zu  entnehmen,  welcher  zu  jener  Zeit  daselbst  thätig  war.  Hain  Nr.  &0d6.  Das  Werk 
ist  geschmackroU  in  Hokdeckel  mit  grünem  Lederrucken  gebunden,  mit  Schliessen.  — 


(£ud)$nu0  3tUirr  alias  ßxmk^ 

1478  big  1512. 

Dieser  Typograph  war  nach  seiner  eigenen  Angabe  „Clericus 
moguntinus"  und  aus  JVürzburg.  Nachdem  er  selbst  über  30  Jahre 
in  Rom  thätig  gewesen,  setzte  sein  Sohn  Marcisllus  das  väterliche 
Geschäft  noch  15  Jahre,  von  15 13  bis  1527  fort.  — 


No.  419. 
„MODESTI  LIBELLYS  DE  YOGABY||LIS  REI  MILITARIS  AD 

TACITVM," 
Boni;  Eucharius  Silber,  1487.  Klein  Quart-Format. 
Uit  romischer  Schrift  gedruckt  Mit  obigem  Titel  beginnt  das  kleine  Schriftchen 
des  Modestus  „über  die  Kriegführung«',  das  nur  6  Blättchen  k  84  und  35  Zeilen  ent- 
hält. Hain  No.  11444  hat  das  seltene  Werkchen  nicht  gesehen.  —  In  demselben 
Jahre  gab  Eucharius  Silber  auch  die  Schriften  der  drei  andern  alten  Autoren  »Vege- 
^'AeUanus  und  Frontimts  über  denselben  Gegenstand  heraus;  und  1494  erschien 
bei  ihm  eine  Collectan-Ausgabe,  die  alle  vier  Schriften  enthält,  von  denen  man  nicht 
▼eiss,  welche  das  Original  gewesen  ist.  — 


dlelietme  päp|llt(l)e  ^ruikeret^ 

um  1520. 

No.  420. 

,3ttlla  contra  ®rro-||re0  Söartini  Ttttljeri  et  fequatmm/^ 

fiom,  Päpstliche  Druckerei,  am  17.  Juli  1520.     Quart-Format. 
Bs  ist  dies  diejenige  Päpstliche  Bulle,  welche  Dr.  Martin  Luther  am  10.  Decem- 
ber  1520  in   Wittenberg   öffentUck  verbrannte.     Wir   haben   also   hier   ein   höchst 
wichtiges  historisches  Document  vor  uns.  — 


202  —     Subaico  und  Rom.     — 

No.  421. 

^ßit  Drrteutfl^  ||  IBulte  unbrr  htm  na-||inen  it9  ISapfl  ?ro 
its  ^e^ntben.    Wtfitt  bo||ctor  |nartt-{|ntt0  ||  ftttl)rr  auf- 

janflm/* 

Born 9  Päpstliche  Druckerei,   am  17«  Juli  1520«     Quart>Fonnat 
DeuUehe  Ausgäbe  iemelbeTi^  Bulle,  von  eben  so  grosser  historischer  Wichtigkdt 
-wie  Seltenheit.  — 


^te  Congregation  irer  propaganha^ 

um  1630. 

No.  422. 
mSSALB  II  EOMAMM  |1  SLAVONICO  IDIOMATB  ||  IVSSV  S.  D.  If. 

VRBANI  OOTAYI  ||  EDITVM. 
BomsB,   Typis  &  impensis  Sac.   Congr.    de  Propag.  Fide, 

MDCXXXI.     2  Bände  in  Quart. 

Dieser  sp&tere  Druck  möge  wegen  der  interessanten  glagoUtischen  Ti/pen^ 
mit  denen  er  gedruckt  ist,  hier  ebenfalls  eine  Stelle  finden»  Diese  altslaviscben 
Charakterö  bilden  den  Gegensatz  zu  dem  cyrillischen,  dem  eigentlich  russischen  Alpha-  ^ 
bete,  welches  von  Cyrillus,  dem  Apostel  der  Slaven  im  9.  Jahrhundert  aus  dem 
griechischen  Alphabet  mit  Hinzufiigung  von  12  neuen  Zeichen  gebildet  wurde.  Das 
Wort  «Qlagol"  bedeutet  Rede.  Das  Alter  dieser  Schrift,  welche  vornehmlich  von 
den  slavisch- katholischen  Priestern  in  Dalmatien  gebraucht  wird,  ist  zweifelbaft; 
doch  ist  es  wahrscheinlich,  dass  sie  nicht  älter  ist,  als  das  cyrillische  Alphabet, 
-welches  vielmehr  dem  Urheber  des  glagolitischen  zum  Muster  gedient  zu  haben 
scheint.  — 

Ueber  die  Geschichte  glagolitischer  Typographie  ist  im  Allgemeinen  Folgendes 
zu  sagen:  Hans  Ungnad,  Baron  ;von  Sonneg  aus  Kämtben  floh  vor  der  reUgiöseo 
Verfolgung  und  Hess  sich  in  Urach  in  Württemberg  nieder.  Im  Jahre  1!)61  etablirte 
er  zum  Zwecke  der  protestantischen  Propaganda  eine  Druckerei  in  Tübingen  unter 
der  Leitung  des  Primus  Trüber  aus  Rastshitz  und  des  Stephan  und  Anton  ab  Alexan- 
dro  Dalmata,  aus  welcher  eine  Reihe  glagolitischer  Drucke  hervorgingen. 

Die  Typen  wurden  in  Nürnberg  von  Johannes  Hartwach  geschnitten  und  von 
Simon  Auer  gegossen«  Hans  Ungnad  starb  alsdann  1564  zu  Wintritz  in  Böhmen 
und  die  Druckerei  wurde  geschlossen;  die  Büchervorr&the  wurden  confiscirt  und 
in  der  Festung  Neustadt  aufbewahrt,  wo  sie  zu  Grunde  gingen.  Die  Typen  gingen 
im  17.  Jahrhundert  in  die  Druckerei  der  CongregaUo  de  Propaganda  fide  in  Rom 
über,  und  in  ihr  ist  gegenwärtiges  Missale  1631  mit  denselben  Typen  gedruckt 


ScOruB '%emer6ungen. 

Nachdem  die  Typograhie  1464  in  Italien  eingeführt  war,  ver- 
breitete sie  sich  dort  viel  schneller  als  in  Deutschland;  so  entstan- 
den auch  in  JRom  bald  zahlreiche  Druckereien,  die  wir  nicht  alle 
einzeln  auffuhren;  wir  nennen  nur  folgende  wichtigere: 


—     Subaico  und  Rom.     — 


203 


Joannes  Philippiis  de  Lignamine  1470  bis  1481;  Adam  Rot 
1471  bis  1474;  Leonardas  Pfiügel,  der  mit  Georg  Lauer  zusammen 
druckte,  1472  bis  1474;  Simon  Nicolai  de  Luca,  der  bis  1474  mit 
Ulrich  Han  zusammen  arbeitete,  1472  bis  1479 ;  Vindelinus  de  Villa 
1473  bis  1475 ;  Theohaldtis  Schenckbecher  1473 ;  Johannes  Reynardi 
de  Eningen  1473  bis  1476,  der  auch  mit  Paulus  Leenen  1474  bis 
1476  zusammen  druckte  und  als  wandernder  Typograph  vorher  in 
dem  Städtchen  Trevi^  wo  er  die  Buchdruckerkunst  einführte,  zu 
bemerken  ist.  Femer:  Johannes  Gensherg  1473  bis  1474;  Georgius 
Sachsel  de  Reichenthal  zusammen  mit  Bartholomaeus  GoUsch  de 
Hohenbart  1474;  Johannes  Nicolaus  Hanheymer  de  Oppenheim  1474 
bis  1475  zusammen  mit  Johannes  Schurener  de  Bopardia  1474  bis 
1478;  Arnoldus  de  Villa  1474;  Bartholomaeus  Guldinbeck  de  Sultz 
1475  ^is  1481;  Vitus  Pücher  1475  bisi478;  JVolfyang  Gallus  1^76  .^ 
Johannes  Bremer  alias  Bulle  1478  bis  1479;  Stephanus  Planck  de 
Patavia  1479  bis  1499;  Georgius  Herolt  de  Bamberga  148 1;  Johannes 
Hugo  de  Gengenba^h  1482  bis  1485;  Johannes  Besicken  1484  bis  1506, 
den  wir  schon  in  Basel  kennen  lernten  und  der  in  Rom  auch  mit 
Sigysmundus  Mayr  de  Marchfam  um  1493  bis  1495,  und  mit  Mar- 
tinus  de  Amsterdam  um  1500  zusammen  druckte;  Letzterer  druckte 
vorher  auch  in  Neapel. 

Femer:  Petrus  de  la  Turre  1490  bis  1497;  Andreas  Fritag, 
der  vorher  in  Gaeta  war,  wo  wir  ihn  in  seinem  ersten  Drucke  von 
1487  noch  kennen  lernen,  1492  bis  1496;  Jacobus  Mazochius  1506 
bis  1524,  später  in  Zürich;  Stephanus  Guüereti  de  Lotharingia 
1506  bis  1524.  Der  grosse  Venediger  Typograph  Bernardinus 
Venetus  de  VitaUbus  findet  sich  um  1508  ebenfalls  in  Rom,  wo  er 
für  den  Buchhändler  Evangelista  Tosino  die  prächtige  Ausgabe  der 
Geographie]  des  Ptolemaeus  druckte.  Hercules  Nani,  15 11  bis  15 14, 
druckte  mit  Guilereti  zusammen. 

Wir  finden  ferner  in  Rom:  Johannes  Beplin  de  Argentina  15 12; 
Marceüus  Silber  alias  Franck  15 13  bis  1527;  Stephanus  Caliergus 
1515  bis  1523;  Augustinus  Cisius  1515;  Bartholomaeus  Zanetus 
1516;  Angelus  CoUotius  1517;  Die  Brüder  Isaac ,  Jörn  Tov  und 
Jacobus  Avigador  1518;  Angelus  Barbatus  1520;  Antonius  Bladis 
de  Asula  1520  bis  1536;  Ariotus  de  Trino  1521;  Franciscus  Mini- 
tius  Calvus  1524  bis  1531;  Ludovicus  Vincentinus  1524  bis  1527, 
zusammen  mit  Lautitius  Perusinus  1524  bis  1525;  Ludovicus  degli 
Arrighi  1524;  Demetrius  Ducas  1526;  Nicetas  Pistophüus  1528  und 
ohne  Angabe  des  Jahres  Francesco  da   üdine,  — 

Wie  wir  schon   einen  Druck  kennen  lernten,  der  nur  die  Be- 
zeichnung: „in  monasterio   5.  Eusebii"  als  Druckangabe   enthielt, 


204  —     Subaico  und  Rom.     — 

von  dem  wir  aber  wissen,  dass  Georg  Lauer  der  Drucker  war,  so 
giebt  es  auch  noch  Druckwerke  mit  ähnlichen  unbestimmten  An- 
gaben,* von  denen  über  den  Drucker  jedoch  nichts  Gewisses  be- 
kannt ist.  Da  giebt  es  in  den  Jahren  1473  ^is  1474  Werke  mit 
der  Notiz:  ,,/«  domo  Antonii  du  Raphaelis  de  VtUteriis  ap.  S. 
Eustachium" ;  um  1475  bis  1478  solche  mit  ,^pud  Sanctunt  Mar- 
cum*'  —  hier  dürfte  vielleicht  Nicolai  de  Luca  der  Drucker  sein  -— ; 
femer  um  1479  mit  „In  domo  Francisci  de  Cinquinis*' ;  um  1517  ,*t« 
Gymnasio  Medices  ad  Cäbaüinum  montem"  und  „in  Gymnasio 
collis  Quirinalis  in  do?no  Angelo  Collotii", 

Für  Werke,  welche  die  Notiz  „In  Campo  Flore**  fähren,  wer- 
den wir  nicht  fehlgehen,  Eucharius  Silber  als  ihren  Drucker  anza- 
nehmen,  welcher  oftmals  seinem  Namen  diesen  Zusatz  gegeben,  dea 
er  dann  auch  ab  und  zu  ohne  seinen  Namen  angewandt  haben  mag. 

Noch  wollen  wir  einige  Namen  anführen,  deren  Träger  sich 
als  erste  Verlagsfmchhändler  Mom's  um  die  Typographie 
verdient  machten;  da  ist:  Johannes  Fhilippus  de  Lignamine,  der 
neben  seiner  eigenen  Druckerei  auch  noch  andere  Of&cinen  be- 
schäftigte; im  Jahre  1481  finden  wir  einen  Drucker  Georgius 
Theotonicus  für  ihn  thätig,  der  entweder  mit  Georg  Lauer  oder 
Georg  Herolt  identisch  ist.  jfacobus  Mazochius  besass  neben  seiner 
Druckerei  einen  bedeutenden  Buchhandel,  wie  er  sich  auch  selbst  fast 
immer  „hihliopola**  nennt;  für  ihn  druckte  Johannes  Besicken.  I-etz- 
terer  wurde  auch  von  dem  Typographen  Guilereti  beschäftigt,  den 
wir  deshalb  gleichfalls  zu  den  frühzeitigen  Verlegern  zählen  dürfen 

Ferner  finden  wir  um  1534  Johannes  Baptist  de  Maximis, 
wohl  ein  Nachkomme  der  Brüder  de  Maximis,  welche  Sweynheim 
&  Pannartz  unterstützten;  für  jenen  druckte  Antonius  Bladus  de 
Asula.  Ervangelista  Tosino,  für  den  Bernardinus  Venetus  de  Vita- 
libus  druckte,  erwähnten  wir  bereits.  Für  Johannes  Fotkenius,  den 
wir  auch  schon  in  Cöln  als  Verleger  kennen  lernten,  druckte  Mar- 
cellus  Silber.  Auch  Johannes  Jacobus  Fazot  wäre  noch  zu  nennen, 
in  dessen  Hause  und  «auf  dessen  Kosten  die  Brüder  Avigador  ihre 
hebräische  Druckerei  betrieben.  Johannes  Mazochius,  der  zu  Fer- 
rara  eine  Druckerei  besass,  auch  zu  Mirandula  druckte,  liess  im 
Jahre  15 21  bei  Ariottus  de  Trino  in  Rom  drucken.  Schliesslich 
erscheint  auch  noch  ein  Geistlicher,  der  Bruder  Thomas  Strozius 
aus  Florenz,  auf  dessen  Kosten  in  Rom  des  Pagnini  „Enchiridion* 
gedruckt  wurde.  Damit  glauben  wir  nun  auch  eine  genügende 
Uebersicht  der  Typographen  Roms  im  fünfzehnten  und  bis  weit  in 
das  sechszehnte  Jahrhundert  hinein  gegeben  zu  haben.  — 


—     Basel.  ■  — 


205 


2Bal'el' 

Basilea  Rauracorum  -^  Colonia  Munatiana.  — 


«m  1464  W«  1478. 

Bertholdus  de  Basilea  war  ein  früherer  Gehilfe  Gutenbergs  und 
druckte  wohl  mindestens  schon  von  1464  ab,  da  nach  einer  sehr 
glaubhaften  Tradition  die  Buchdruckerkunst  in  Basel  wenige  Jahre 
nach  der  1460  erfolgten  Gründung  der  dasigen  Universität  eingeführt 
sein  mag.  Was  auch  sollten  die  nach  der  Eroberung  der  Stadt 
Mainz  um  1462  dort  ausgewanderten  Druckergehilfen  Gutenbergs 
und  Fust  &  SchöfiFers  in  der  Zwischenzeit  getrieben  haben?  Ist 
es  nicht  natürlich,  dass  sie  die  erlernte  Kunst,  deren  Einträglichkeit 
sie  kannten,  alsbald  für  sich  auszubeuten  suchten,  nachdem  Krieg 
und  Plünderung  ihnen  Grund  zur  Lösung  des  Contractes  mit  ihren 
Meistern  geworden  war? 

Ganz  ungerechtfertigt  ist  daher  die  Aengstlichkeit ,  mit  welcher 
man  sich  scheut,  die  vielen  vorhandenen  undatirten  Drucke  in  eine 
frühere  Zeit  zu  setzen.  Man  ist  darüber  einig,  dass  gerade  in  den 
frühesten  Zeiten  die  Typographen  es  unterliessen ,  den  fertigen 
Prodw^en  ihre  Firma  und  die  Jahrzahl  beizusetzen;  ganz  natürlich 
befolgten  sie  dabei  die  Weise  der  Schreiber,  die  ja  fast  nie  den  von 
ihnen  gefertigten  Copien  einen  derartigen  Zusatz  anfügten. 

Da  nun  die  neue  Kunst  die  alte  ablöste  und  zudem  aus  vielen 
der  früheren  Schreiber  oder  „Kleriker"  geradezu  Drucker  wurden, 
so  -war  es  selbstverständlich,  dass  man  die  alte  Manier  vorläufig 
beibehielt  und  dass  die  Gewohnheit,  in  einer  Schlussschrift  den  Ort, 
die  Zeit  und  den  Namen  des  Verfertigers  auszudrücken,  mit  weni- 
gen Ausnahmen  erst   eine  spätere  Usance  der  Typographen  wurde. 

Es  ist  damit  nicht  ausgesprochen,  dass  oMe  undatirten  Druck- 
werke älter  sein  sollen  als  die  datirten;  die  Entscheidung  über  den 
einzelnen  Fall  wird  jedesmal  von  äuseren  Merkmalen  bestimmt  sein, 
über  die  der  Kenner  leicht  klar  wird.  Betrachtet  man  zum  Exempel 
das  in  nächster  Nummer  näher  beschriebene  Opus,  so  kann  man 
gar  nicht  übersehen,  dass  der  Druck  ein  noch  höchst  unvollkommener 
und  unregelmässiger  ist;  das  Register  der  Zeilen  ist  ganz  ungleich 
eingehalten;  die  Druckerschwärze  dick,  klecksig,  ungleich  aufgetragen 
T—   mit    einem  Worte:   man  bemerkt   alle   Unebenheiten  und  Un- 


2o6  —    Basel.     — 

fertigkeiten ,  die  man  von  einem  der  frühesten  Druckdenkmäler 
nur  erwarten  kann. 

Wie  sollte  man  sich  nun  da  bedenken,  diesen  undatirten  Druck, 
der  dieselben  Typen  hat  wie  das  mit  dem  N'afnen  Rttppels  ver- 
sehene „Repertorium  vocabulorum",  in  der  Zeit  dem  letzteren  noch 
voranzusetzen,  da  dieses  ofifenbar  schon  mit  viel  grösserer  Voll- 
kommenheit gedruckt  ist ! 

Wiederum  können  wir  nicht  umhin,  auch  dem  „Vocabularium" 
—  denn  auch  von  diesem  seltenen  Bibliothekschatze  besitzt  unsere 
Sammlung  ein  Exemplar  —  für  die  Zeit  seines  Erscheinens  mindestens 
das  Jahr  14:ßß  anzuweisen,  jenen  undatirten  Druck  aber^  näm- 
lieh  des  Gregorius  ,,Moralia  in  Jobum'S  dann  schon  um  14tß4 — 65 
zu  setzen,  indem  wir  uns  nicht  ungern  der  Ansicht  Brauns  anschlies- 
sen,  der  in  seiner  Notitia  I,  pag.  53  ff.  der  Thätigkeit  Berthold 
Ruppels  in  Basel  schon  um  14:H0 — 1460  das  Wort  redet. 

Dass  wir  übrigens  den  frühesten  schweizerischen  Druckstädten 
nicht  das  Städtchen  Beromünster  voransetzen,  wo  nach  der  irrigen 
Meinung  berühmter  Bibliographen  in  der  Schweiz  zuerst  gedruckt 
worden  sein  soll,  wird  man  uns  nicht  verargen.  Dass  ein  Druck 
von  1470  mit  Jahrzahl  von  Beromünster  existirt,  beweist  eben  nur, 
dass  man  dort  zufallig  früher  begonnen  hat,  Ort  und  jfahrzahl 
beizufügen.  Wir  kommen  übrigens  auf  Beromünster  weiter  unten 
ausführlicher  zurück.  —      

No.  423. 

C&regori  I^agni  ^,|aoraUa  0fu  Äfpafltior  in  j>0bum/^ 

Basel  ^  Berthold  Kuppel,  circa  1464.  Gross  Folio-Format 
Schönes  Exemplar  dieser  Editio  princeps,  welche  in  Brienne^s  Exemplar  die 
von  einem  Käufer  notirte  Jahrzahl  146B  aufwies,  die  aber  jedenfalls  noch  älter  ist, 
wie  wir  es  oben  in  den  einleitenden  Worten  schon  ausführlicher  motivirten.  Die 
Ausgabe  ist  von  den  Bibliographen  Bräunt  Denis,  Helmschrott,  Panzer,  Hain  (No.  7936) 
Brunet,  Ehert  etc.  mit  Ausführlichkeit  beschrieben,  und  wenn  man  von  der  Aosfohr- 
lichkeit  auch  auf  gewissenhafte  Sorgfalt  schliessen  darf,  so  ist  zu  sagen,  dass  allen 
bisher  beschriebenen  Exemplaren  ein  in  seiner  Art  wichtiger  und  interessanter  Be- 
standtheil  gefehlt  hat. 

In  unserm  Exemplare  folgt  nämlich  nach  dem  letzten  Blatte  noch  ein  halbes 
Blatt,  auf  dessen  beiden  Seiten  in  Höhe  der  übrigen  Columnen  des  Werkes  sieh  ein 
Yerzeichniss  der  EmendoMda  et  Corrlgenda,  also  ein  J>r%iek fehler  -  VtT' 
zeiehnia»  befindet.  Es  ist  dies  nnsers  Wissens  das  erMte  JElrzeugnit8  dieser 
Art,  das  bisher  bekannt  geworden  ist  und  bietet  daher  nicht  weniger  an  sich  als 
historisches  Denkmal,  wie  im  Zusammenhange  mit  dem  hierdurch  erst  ganx  voü- 
ständigen  Werke  selbst  ein  hervorragendes  Interesse.  Dieses  Yerzeichniss  beginnt: 
„ttenerfittiniiiio  (sicl)  tii  .  j  .  elapfns  qpp***  ^^<^  schliesst  auf  der  Kehrseite  mit  Zeile 
47  in  den  Worten  „Deo  Sracias'*.  Wir  glauben  sicher,  dass  der  prachtig  erhaltene 
Foliant  zu  den  ülUaten.  Druckdenkmälem  der  Stadt  Basel  zählt,  wenn  das  Werk 
nicht  den  frühesten  Baseler  Druck  überhaupt  bildet.  — 


—    Basel.     — 


207 


No.  424. 

dmxtiim  it  Hture,  9[urtcen|i0  ecle|!ae  (Kantor:  ^^Urpertorium 

^ocabttlorum/* 

Basels  Berthold  Rnppel,  circa  1466.     Klein-Folio. 

Dieses  ist  der  von  uns  ebenfalls  in  den  Einleitungsworten  schon  erw&hnte 
seltene  Bibliothekssohatz ,  dessen  Existenz  wir  allein  die  Bekanntschaft  mit  dem 
ebrenwerthen  j,Bertoldus  in  basilea'^t  wie  er  sich  in  den  einleitenden  Versen  nennt, 
verdanken.  Ueber  die  Docimiiente,  aus  welchen  herrorgeht,  dass  er  (und  der  spätere 
Nürnberger  Heinrich  Kefer)  Gehilfe  Outenberg's  gewesen  sei.  sowie  eine  ausführ- 
liebe Beschreibung  des  vorliegenden  Werkes  m5ge  man  in  Stockmeyer  &  Reber 
«Geschichte  der  Basier  Buchdruckerkunst*  1840,  nachlesen. 

Auch  in  Haines  Repertorium  findet  man  die  Ausgabe  unter  No.  11642.  Das 
Werk  selbst  giebt  in  alphabetischer  Ordnung  Worterklärungen  auf  dem  Gebiete 
eUasischer  Literatur  mit  besonderer  Berücksichtigung  doppeldeutiger  Stellen.  — 


um  1469  bi0  1491. 

Wenssler  druckte  zuerst  in  Verbindung  mit  Friedrich  Bielf 
dessen  Name  sich  nur  in  Einem  Werke  findet,  das  wir  in  nächster 
Nummer  kennen  lernen  werden;  später  arbeitete  er  allein  und  mit 
Bemard  Michel  zusammen. 

Q^  Wenssler  war  von  Strassburg  [gebürtig  und  erhielt  das  Basler 
Bürgerrecht  im  Jahre  1473.  Man  hat  jedoch  den  Beweis,  dass  er 
bereits  im  Jahre  1462  in  Basel  gewesen  ist,  denn  in  der  „Matrtcula 
Studiosorum  Unvversitatis  Basileensis"  liest  man  unter  dem  Monat 
Mai  des  Sommer- Semester's  1463  ^  dass  er  dort  das  Immatricula- 
tions-Geld  entrichtet  habe,  mit  folgenden  Worten:  „Michahel  Wen- 
senler  (sie!)  de  Argentina  dedit  totum."  Ihm  war  ein  ähnliches 
Schicksal  wie  Gutenberg  aufgespart;  die  Erfolge  seines  Fleisses 
blieben  aus,  und  zum  Schlüsse  war  er  genöthigt,  seinen  Hausrath 
und  die  ganze  Werkstätte  den  Gläubigern  zu  überlassen. 

£r  ist  darauf  nach  Frankreich  ausgewandert  und  kam  zunächst 
nach  Cluny  in  Burgund,  dann  nach  Macon  und  starb  schliesslich 
2u  Lyon.  Wir  verdanken  diese  interessanten  Daten  der  vortreff- 
lichen Schrift  A.  Claudin's:  ^Origines  de  Timprimerie  ä  Albi  en 
I-anguedoc** ,  Paris  1880,  wo  sie  in  einer  Anmerkung  auf  Seite  61 
gegeben  sind,  und  der  Verfasser  zugleich  eine  Special- Studie  über 
den  Typographen  Michael  Wenszler  in  Aussicht  stellt.  — 


2oS  —     Basel.     — 

No.  425. 

<$«fpatutu9  1liar;i}iu9  ISergamfiiftd :    ^^ITtber   €ptfloUntm^ 

Basel^  Michael  Wenzler  &  Fridericus  Biel,  circa  1469. 

Klein  Folio-Forraat. 

Seltener  Baseler  ErstUnggdruck  mit  den  ältesten  Typen,  die  man  von  diesem 
Druckorte  kennt.  Bei  Reichhart  „Druckorte  des  15.  Jahrhonderts"  findet  maa  dM 
Werk  sogar  als  erften  Baseler  J>rueh  veraeichnet,  doch  ist  die  dort  angenommme 
Jahrzabl  1472  jedenfalls  eine  viel  zu  späte,  sowie  man  überhaupt  die  undatixtes 
alten  Baseler  Drucke  nicht  weit  genug  zurückversetst 

Auf  Blatt  1  verso  werden  dieee  Briefe  des  Barsiadus  mit  sehn  Oistiehen  er- 
öffnet, in  welchen  Mains  die  Stadt  genanat  wird,  in  der  die  Druckerkunst  erftmdm 
wäre,  die  Jedoch  Basel  erst  zu  Ehren  gebracht  hatte;  weiterhin  nennen  sich  ,^ik*- 
liel  tapiomut  9tnf}in**  und  ,,6iel  fribmcns"  als  Drucker  des  Werkes.    Hain  No.  J69&. 

In  Stockmeyer  &  Keber''s  ,Buehdruckergeschichte  von  Basel"  liest  man  auf 
Seite  7  von  einem  Exemplare,  welchem  der  Käufer  die  Jahrzahl  1472  beigeschriebea 
hatte.  Es  wird  daran  die  Bemerkung  geknüpft:  , Sonach  w&re  also  dieses  Jahr  das 
früheste,  aus  welchem  Basel  mit  voller  Gewissheit  eine  Leistung  in  der  Buchdrucker^ 
kunst  aufzuweisen  hat** 

Man  mus«  gestehen,  viel  Mühe  haben  sich  die  Herren  zur  Ehre  ihrer  Yatentadt 
nicht  gegeben,  sonst  hätten  sie  finden  müssen,  dass  eine  ähnliche  Inschrift  is 
Briennes  Exemplar  von  »Gregorii  Moralia  in  Jobum*  (No.  428)  von  Bertold  Ruppel 
gedruckt  schon  vom  Jahre  14tC8  existirte,  von  der  auch  Brunet  und  Ebert  berdts 
20  Jahre  vor  Erscheinen  der  «Baseler  Buchdruckergeschichte"  berichteten. 

Der  berühmte  Wackemagel  knüpft  daran  in  der  Vorrede,  die  er  zu  dem  Werke 
Hchrieb,  sogar  die  stolzen  Worte:  es  fehle  in  genannter  Buchdruckergeschichte  «aach 
keineswegs  an  solchen  für  die  Grelehrten-  und  Bücbergeschiehte  immertiin  bedmien- 
den  Resultaten,  Daüiin  gehöre  die  Feststelliing  des  Jahres  1479  als  dasjenistn, 
in  welchem  der  älteste  Baseler  Druck  spätestens  erschienen  sein  müsse."  — 

Leider  ist  das  Resultat  dieser  berühmten  „Feststellung"  ein  durchaus  negatives, 
indem  es  zur  Verwirrung  und  Hemmniss  wie  kein  anderes  auf  dem  Gebiete  biblio- 
graphischer Forschung  gesciiaffen  ist.  Es  ist  wie  im  vorliegenden  Falle  sehr  natür- 
lich, dass  man  einem  Autor,  der  sich  ein  enghegrenztes  Specialgebiet  zu  wissen- 
schaftlicher Bearbeitung  vorgenommen  hat,  ein  grösseres  Vertratten  entgegenbringt 
als  man  bisher  in  sich  selbst  und  in  die  schon  über  diesen  Gegenstand  vorhandenen 
Resultate  zu  setsen  pflegte,  und  dass  man  an  dessen  Autorität,  die  er  von  vornherein 
beaniprudit,  auch  gerne  glauben  möchte. 

Man  setzt  voraus,  dass  sich  ein  solcher  Autor  bevor  er  das  Wort  ergreift,  nicht 
nur  mit  dem  Vorhandenen  abgefunden,  das  heisst  gelesen,  verglichen,  gesiebtet, 
sondern  auch  sein  bestes  Theil  daran  gewendet  hat,  es  zu  vervollkommnen:  and 
nun  begegnet  man  auf  dem  manchmal  recht  muhevollen  Wege  Sehriftstellem  von 
Namen  und  Ruf,  deren  grosse  Absichten  an  mangelhafter  Durchdringung  des  sebon 
vorhandenen  Stoffes  scheitern  müssen,  und- statt  Vertrauen  fassen  zu  können,  moss 
man  doppelt  misstrauen ,  *umsomehr  wenn  man  die  üble  Erfahnmg,  auf  solche  Art 
missleitet  zu  werden,  mehr  als  einmal  zu  machen  genöthigt  war. 

Niemand  wird  sich  aller  Irrthümer  zu  entschlagen  vermögen,  aber  man  wird 
von  Special  -  Historikern  verlangen  können,  dass  sie  sich  die  schon  vorhandene  be- 
kannteste und  wichtigste  Literatur  zu  Nutze  gemadht  haben,  ehe  sie  die  Feder  er- 
greifen. Man  wird  femer  verlangen  können,  dass  Autoren,  welche  sich  zu  gemein- 
schaftlicher Bearbeitung  Eines  Stoffes  verbinden,  ihre  Meinung  derart  in  Einklang 
bringen,  dass  in  dem  was  sie  schreiben  nicht  Aussprüche  und  Widersprüche  un- 
vermittelt nebeneinander  bestehen  und  sich  gegenseitig  paralysiren. 


—     Basel.     — 


209 


80  lesen  "wir  aueh  in  der  Vorrede  Wackernagers  noch  auf  derselben  SdHä: 
,Die  Jahreszahl  1470  in  der  Unterschrift  des  zu  Beromünster  gedruckten  Manuno- 
trecius  Ist  samint  dem  ganzen  Buche  nur  der  Mainzer  Ausgabe  desselben  von  1470 
DMbgedruckt  und  das  wahre  Druckjahr  ist  frühestens  1474.  So  bleibt  auch  für 
Beromfmster  kein  &lteres  Datum  als  1472,  das  Datum  der  ersten  dort  gedmekteti 
Ausgabe  Ton  Roderici  Specnhtm  vitae  humanae.  Der  Slteste  Basier  Druck  ist 
tpütesiens  von  1472«  *). 

Dagegen  schreiben  auf  Seite  7  die  Herren  Stockmeyer  &  Reber  das  Folgende : 
^Schwer  zu  trösten  -werden  diejenigen  sein,  welche  die  typographische  Ehre  unserer 
Vaterstadt  Basel  darin  suchen,  dass  sie  der  erste  Ort  in  der  Schweiz  gewesen,  wo 
ein  Buch  unter  der  Presse  hervorgegangen  sei.  Diese  Ehre  macht  uns  das  KloMer 
Beromünster  im  Aargau  streitig,  welches  ein  topographisches  Monumetit  aus  dem 
Jahre  2470  aufweisen  kann **  — 

Wie  soll  sich  nun  ein  Unbefangener,  wohl  gar  ein  Lernender  zu  diesem  Ge- 
wühle  von  Unzulänglichkeiten  und  Widersprüchen,  das  autoritätsvoll  als  Special- 
Studie  auftritt,  verhalten  ?  Sollte  man  den  Herren  wohl  gar  Glauben  schenken,  wenn 
sie  weiterhin  auf  Seite  87  von  der  Antiqua  -  l^pe  als  einer  plumpen  Mlfnehs- 
sehriftf  einer  eckigen  aehwerfälligen  nogenannten  gothischen  Schrift 
sprechen?  Oder  thut  man  da  nicht  besser  AUp8  zu  bezweifeln,  was  man  nicht 
selbst  gesehen  hat?  Wir  gestehen,  dasa  wir  bisher  auf  letztere  Weise,  und  mit  den 
Originaldrucken  In  der  Hand,  am  klarsten  haben  sehen  gelernt.  — 


No.  426. 

^^19ocabulariu0  juris  utrtuöque.** 

Basels  Michael  Wenszler,  circa  14 7 3*    Klein  Folio-Format. 

Dieses  juristische  Wörterbuch  eines  unbekannten  Verfassers  hat  weder  Firma 
noch  Datirung,  aber  die  Typen  stimmen  mit  denen,  des  Michael  Wenseler  nberein, 
und  wie  Helmschrott  in  seinem  Yerzeichniss  von  1790  berichtet,  ist  in  dem  Exemplare» 
welches  sich  in  FüMen  befindet,  von  ganz  alter  Hand  die  Jahrzahl  1478  eingeschrieben. 

Eine  Besonderheit  Wenszlerscher  Typen  ist  ein  eigenthümliches  Y,  welches  am 
Fasse  eine  nach  links  gehende  Schlinge  hat.  Aber  nicht  in  allen  Drucken  Wenszler^s 
kommt  dieses  V  vor;  so  ist  b^spielsweise  in  den  mit  Datirimg  und  Firma  ver- 
sehenen Constitutiones  ClemeQtis  V.  von  1476  ein  anderes  V  in  Anwendung  ge- 
kommen, welches  diese  Schlinge  nicht  hat.    Vergleiche  Nr.  429  unserer  Sammlung.  — 

Eine  oflüene  Frage  bleibt,  ob  der  Gesellschafter  Wenszler^s,  Friedrich  Biel,  den 
wir  bei  voriger  Nummer  bemerkten,  auch  Antheil  an  späteren  Werken  gehabt;  sein 
!Name  findet  sich  bei  keinem  mit  Firma  gedruckten  Baseler  Buche  wieder.  Der  Ar- 
tikel , Vocabularius*  fehlt  bei  Hain  gänzlich ;  die  Ausgabe  Ist  Jedoch  von  den  Biblio* 
graphen  Loire,  Braun,  Helmsclirott,  Panzer  (L  Seite  196)  zur  Genüge  beschrieben.  — 


No.  427. 

^i9]taepitcmc0  Sr^eologicae  be  <9ncarttatione  et  ^anramentta/^ 

Basels  Michael  Wenszler,  circa  1474.    Gross  Folio-Format. 

Höchst  seltener  Druck  mit  den  Wenszlerschen  Typen  und  dem  charakteristischen 
V,  den  Denis  auf  Seite  647  des  Supplementes  anonym  anf&hrt;  nach  ilun  geben 

*)  Mit  dem  oben  festgestellten  ^ahre  1468  für  Basels  Priorität  würde  der  Ver- 
^Mser  vermöge  einer  kleinen  Mühe  des  Nachschlageos  vollends  getröstet  worden 
•ein.  —  Die  bizarre  Idee,  den  Beromünster  „Mammocrectus*  für  einen  Nachdruck 
der  Sehöfierschen  Ausgabe  zu  halten,  werden  wir  unter  ^Beromünfie**  in  nähere 
Betracbtong  dehen.  — > 

14 


210  —     Basel.     — 

PUiser  IV,  Seite  182,  unter  den  Dzticken  «sine  loco,  anno  et  typographo",  und  Hain 
unter  Nr.  13641  kurz  den  Titel,  ohne  das  seltene  Werk  gesehen  su  haben. 

Diese  , theologischen  Fragen  über  die  Menschwerdung  und  die  Bacramente*'  ent- 
halten 770  Blätter  in  2  Spalten  gedruckt  und  beginnen  auf  Blatt  1  mit:  ,,Qia  falnator 
mrll  bis  i||'Bi  rpvM\\(Uflt  ängelo) || pöynl«  fnn  fal-Hatt  fadens  a  i^tcH cutis  tor},  nii 
9t  B  ritotis  ift  ipfo  ||  btauw|lrasit.*^  Blatt  2G5  verso,  Spalte  1  schUesst:  „^  fU  t|i  fmt, 
IX^.    Dann  folgen  b  Blatt  Register. 

Dieser  auch  Stockmeyer  A  Reber  unbekannte  Druck  war  also,  wie  es  scheint, 
hundert  Jahre  hindurch  verschollen,  und  wir  freuen  uns  um  so  mehr,  ihn  als 
Wensderschen  Druck  den  Lebenden  wiedergeben  su  können,  unser  wohlerhaltenes 
Exemplar  befindet  sich  noch  im  alten  schönen  Original -Ledereinbande  mit  reirbom 
Metallbeschlage.  — 

No.  428. 

Ci)rtUt  ,^5prcttlum  fapirntmc.** 

Basel  ^  Michael  Wenszler,  circa  1475*     Klein  Folio-Format. 

Der  Verfasser  dieses  ursprünglich  in  gpriechischer  Sprache  erschienenen  »Spiegel 
der  Weisheit**,  eines  Fabelbuches  mit  moralischen  Anwendungen,  ist  nicht  CTrillus, 
Bischof  von  Jerusalem,  wie  Hain  unter  Nr.  5903  angiebt,  auch  nicht  der  gleich* 
namige  Bischof  von  Basel,  wie  Panzer  in  seinen  Annalen  der  alteren  deutschen 
Literatur,  sich  auf  Jocher^s  Gelehrten-Lexicon  berufend ,  glauben  machen  will ,  son- 
dern CyriUuB  axts  Tessalanich,  Apostel  der  Slaven,  -welcher  im  9.  Jahrhunderte 
lebte.  Vergleiche  hierüber  auch  die  Untersuchungen  in  Millin^s  Magasin  encydo- 
pÄdique,  Paris,  180*<,  tome  U,  Seite  17  und  folgende. 

Das  Werk  gehört  ebenfalls  den  ohne  Angabe  des  Typographen  und  der  Jabnabl 
erschienenen  Arbeiten  der  Wenszlerschen  Offisin  an,  und  ist  mit  denselben  Typen 
wie  das  vorhergehende  gedruckt.  — 


No.  429. 

<2riementt0  9.  .^Coufltttttioned.'^ 

Basel,  Michael  Wenszler,  1476.     Gross  Folio-Format 

Der  Text  ist  mit  der  schon  bekannten  Type  gedruckt,  aber  mit  einem  andern 
Y,  —  vergleiche  Nr.  42ß  unserer  Sammlung  — ;  die  Glossarstype  ist  eine  kleinere. 
Hin  und  wieder  treten  römische  Majuskeln  auf.  Auf  Blatt  70  recto  befindet  sich 
in  der  achtzeiligen  rothgedruckten  Schlussschrift  die  Firma  und  vollständige  DaU- 
rung.  Auf  Blatt  70  verso  befindet  sich  ein  Register  und  dann  folgen  noch  4  Bttktar 
mit  den  Constitutiones  Johannis  XI  i.    Hain  No.  r>419.  — 


No.  430.  ■ 

^ttttlü  ^uBufltni  „IBf  «tuttatt  0tV' 

Basel,  Michael  Wenszler,  1479,     Gross  Folio-Format. 

Dieselbe  gothische  Schrift  in  zweierlei  Grosse;  auch  bemerkt  man  im  Mi^uskei- 
Alphabete  neben  den  Qothischen  Buchstaben  wieder  solche  in  runder  oder  romischer 
Form,  sowohl  in  der  grossen  als  auch  in  d^' kleineren  Schrift  Mit  Pinna  and 
Datirung  am  Schlüsse.     Hain  Nr.  2058.  - 


—     Basel.     —  211 

No.  431. 

|Ktd)ÄeUö  bf  Äarel)Äno:  ^^^tmonartuni  tripHcatum  per  ab- 
»mtum  rt  prr  bnae  quatragcfimaa/* 

Basels  Idichael.  Wenszier,  1479.    Folio-Format. 

Dieses  Predigtbaeh  für  die  AdTents-  und  Fastenzeit  ist  im  Texte  mit  der  kleinen 
Type,  In  den  Ueberschriften  mit  der  grösseren  gedruckt.  Von  den  auch  hier  im 
Texte  eingestreuten  römischen  Minuskeln  tritt  besonders  häufig  las  8  auf.  Mit 
Pinna  und  Jahrzahl  am  Schlüsse.     Hain  No.  4509.  — 


No.  432. 

(Srattattt  ,)l9rcretttm  cum  apparatu^^ 

Basels  Michael  Wenszler,  148h     Gross  Folio-Format. 

Mit  neuen  verbesserten  go^S(^en  l^pen  gedruckt,  bei  denen  wir  vier  Grössen 
unterscheiden.  Die  kleinste  dient  für  den  Glossar,  eine  grössere  bildet  den  Text, 
die  dritte  Grösse  die  Titel  der  Glosse,  und  die  gprosste  giebt  die  ueberschriften  der 
Seiten,  welche  roth  gedruckt  sind.  Der  durch  solche  Verschiedenheiten  wohl  sehr 
compliflirte  Druck  imponirt  durch  Correctheit  und  Bleganz.    Hain  No.  7895.  — 


1472  bis  1486. 

Der  dritte  Baseler  Typograph,  welcher  zuerst  mit  J^uppel,  auch  mit 
Wenszler  gemeinschaftlich  gedruckt  hat.  Seine  Nachkommen  druck- 
ten in  Strassburg,  wo  wir  ihnen  bereits  unter  Nr.  297  bis  300  & 
No.  305  begegneten. 

No.  433. 

,)1Btblta  facta  tJuljata.*^ 

Basel)  Bernhard  Richel,  circa  1472*     Zwei  Bände  in  Folio. 

Die  älteste  der  drei  lateinischen  Bibelausgaben  Bernhard  Bichels,  welche  der- 
selbe bis  1477  selbststandig  zuwege  gebracht,  nachdem  er  auch  schon  mit  Ber&iold 
Suppel  oder  Rodt  gemeinschaftlich  eine  Vulgata  gedruckt  haben  soll,  indem  er  dazu 
den  zweiten  Band  lieferte.  Man  kann  also  sicher  annehmen,  dass  die  Entstehung 
der  obigen  frühen  Ausgabe  in  die  Zeit  von  1470  bis  1472  fallt,  und  eben  so  wahr- 
scheinlich ist  es  der  evMte  selhstständige  RicheV^che  Druck. 

Unser  in  Jeder  Beziehimg  prachtig  erhaltenes  Exempli>r  ist  in  zwei  Bände  ge- 
bunden; die  Originalbände  sind  sorgfaltig  restaurirt,  so  dass  das  Ganze  wie  neu 
erscheint  Die  schone  Biblia  ist  so  selten,  dass  nach  Reber's  „Baseler  Bnchdrucker- 
gescbicbte*'  die  Stadt  Basel  selbst  kein  liSxemplar  davon  besitzt.  Die  Type  ist  der 
älteren  des  Michael  Wenszler  sehr  ähnlich.  Jedoch  etwas  kleiner.    Hain  No«  S041.  — 

14* 


212  —    Basel.     — 

No.  434. 

drttttni  ffjircretum  cum  a^iarttii^^ 

Basel  5  Bernhard  Richel,  1476«    Gross  Folio-Format 

Der  Text  ist  mit  derselben  Type  -wie  die  vorstehend  beschriebene  Bü>€l,  die 
Olosse  mit  eioer  kleineren  gedruckt.    Hain  No.  7889*  — 


No.  4a5. 

„Äitt  bürbltn  ber  jit/* 

Basel,  Bernhard  Richel,  1481*    Folio-Format 
Die  erste  Ausgabe  der  deutschen  Uebersetzung  des  bekannten  ,Fa8ciealiis  tempo- 
rum",  wovon  wir  rine  lateinische  und  eise  deutsche  Ausgabe  bereits  unter  No.  837  ft 
848  kennen  lernten.    Verfasser  des  Werkes  ist  bekanntlieh  Werner  Rolevinck  von 
Laer.    Die  Ausgabe  entibilt  einige  unbedeutende  Holzschnitte. 

Die  naive  Schiassschrift  mag  hier  noch  Fiats  finden:  ,,|»tbnufct  Ober  ^tnifi  f«to 
«üb  reis  bttr4  ^mnn^fler  flrmliart  )tiil|el  Imrgrr  ;ii  ||  flaftl  al0  moTjatt  «o4|t  ber  setart 
4riflL  A.  cccc  .  itni.  ior  pribit  fit.  iSeytnubrtf  .**  Hain  No.  «959.  ^  unser  pridi- 
tiges  Exemplar  ist  in  Deckel  7on  fächenholz  gebunden  und  mit  stark  vergeude- 
ten Scbliessen  versehen.  — 

No.  436. 

1|u9ani0  OTarbinalid  ^^|3ofltUa  fttper  qitatitor  <SDattgelia^^ 

Basel  9  Bernhard  Richel,  1482.     Folio-Format. 
Bei  dieser  „Evangelien-Erklärung«  kommt  schon  eine  neue  Type  von  verbesser- 
tem Schnitt  in  Anwendung;    sie  findet  sich  in   dreierlei  Grösse  vor.    Firma  and 
Jahrzahl  stehen  auf  Blatt  1  verso  und  auf  Blatt  108  recto  am  Schlüsse  des  Matthias. 
Hain  No.  89TO.  —  

No.  437. 

),?africulti0  tempontm.^^ 

Basels  Bernhard  Richel,  1482.    Folio-Format 

Diese  Ausgabe  des  lateinischen  Fasciculus,  merkwürdig  durch  die  viel&eh  eitirte 
Nachricht  von  Erfindung  der  BucMruckirkumt ,  die  sich  hier  auf  der  vorletiten 
Seite,  nicht  aber  in  der  deutsehen  Ausgabe  von  1481,  welche  wir  oben  beschrieben 
haben,  vorfindet,  ist  der  letzte  JDruek  Bernhard  Richers,  mit  Firma  und  JahnahL 
Die  Ausgabe  hat  dieselben  Typen  und  Holssohnitte  wie  die  vorige.    Hain  No.  C9SIL  — 


(£bfrl)art  /romolt, 

1481. 

No.  438. 

Solfanne0  be  Surrrcrrmata:  ^^Iftuaeflionea  mangelicontm  tarn 
be  tcntfiore  quam  be  fanctis  et  ftos  tt)ealo9iae/^ 

Basels  Eberhard  Fromolt,  1481.     Folio-Format 
Der  erste  Druck  Fromolt's,  von  dem  man  überhaupt  nur  »wei  Produete  kenm, 
beide  von  1481.    Der  zweite  Druck  ist  Oldradi  ,De  laude  consilia  Juridica«  vom 


—    Basel     —  213 

19.NoTaiiber  desselben  Jabies,  während  der  vorliegende  Druck  vom  84«  Juli  datirt. 
Hidn  15716b  Das  Exemplar  ist  vonfiglich  schön  in  rothes  Leder  gebunden  und  mit  Me 
l^beschlag  versehen.  -» 


1478  bie  1518. 

Amerbach  erlangte  im  Jahre  1483  das  Baseler  Bürgerrecht.  £r 
ist  einer  der  berühmtesten  und  gelehrtesten  Drucker  dieser  Stadt; 
sein  jüngster  Sohn  Bonlfadus  wurde  ein  hervorragender  Rechts- 
gelehrter und  Alterthumskenner,  zugleich  der  vertrauteste  Freund  des 
Erasmus  von  Roterdam.  Später  druckte  Amerbach  auch  mit  Johann 
JB'roben  und  Johann  Petri  von  LangendorfF  gemeinschaftlich.  — 


No.  439. 

^anctt  ^itrelü  ^u$iußtiti  |,|9falmontm  eirfilanttior^^ 

Basels  Johann  von  Amerbach,  1489*     Folio-Format. 
Bditio  prineeps   dieser   Psalmen -Erklärung.     Mit  goihisohor  Schrift  gedruckt. 
Firma  und  Datirung  befinden  sich  auf  dem  letzten  Blatte.    Hain  Nr.  1971.    Das 
gttterhaltene  Exemplar  hat  noch  den  alten  Original-Ledereinband.  — 


No.  440. 

^uguftinu0:  ^ßt  €tui||tate  jBti  cum  commento.^^ 

Basel^  Johann  von  Amerbach,  1490.  Folio-Format. 
Hit  gothischerType  gedruckt  Es  ist  dies  die  aweite  Amerbaoh^sohe  Ausgabe,  denn 
im  Jiüire  vorhw  schon  erschien  eine  Auflage  dieses  mit  dem  Comm^ntar  von  Thomas 
▼alesiuB  und  Nicolaus  Triveth  verbundenen  Werkes.  Auf  der  Kehrseite  des  Titels 
befindet  sich  eine  Holzschnitt- Abbildung.  Bis  auf  die  veränderte  Datirung  am  Schlüsse 
stimmen  beide  Ausgaben  völlig  überein.  Hain  No.  2066.  —  Unserm  Exemplare  in 
altem  Original- Ledereinbande  ist  noch  eine  Ausgabe  von  ,De  Trinilate"  1490  an- 
gebunden; sie  kommt  hier  nicht  in  Betracht,  weil  die  nächste  Nummer  ein  zweites 
Bxemplar  davon  bringt  —  , 

No.  441. 

^uguHiTitt«:  ,^8e  8:ttnitate^^ 

Basels  Johann  von  Amerbach,  1490*     Folio-Format. 
Zweite   Auflage    dieses    schon   1489    bei   Amerbach    erschienenen  Werkes   mit 
goflktscher  Typ^  gedruckt ;  mit  der  Jahrzahl  am  Schlüsse  des  letzten  Buches ,   und 
mit  Fbcaa  am  Ende  des  noch  folgenden  Registers.    Hain  No.  2039l  — 


No.  442. 

Cafpobori  «ariffimi  5ena||t0rt0  ^,tn  ppilteriü  fJrpo(itio*^ 

Basel ^  Johann  von  Amerbach,  1491«     Folio-Format. 
Mit  gofhischer  Type  gedruckt  und  mit  Datirung  und  Firma  am  Schlüsse.    H&in 
Ä.  4W4.  — 


214  —    Basel.     — 

No.  443. 

^ancti  ^mbropt  ^^Spcra^^ 

Basel^  Johann  von  Amerbach,  1492*    3  Bände  in  Folio.  W^- 

Die  erste  Gesammt-Ausgabe  der  Werke  des  heiligen  Ambrosius  ^^oi^ '^'"^^^'^ 
und  gothischen  Typen  gedruckt.  Im  dritten  Bande  findet  sidi  am  Schlüsse  der 
ftEpistolae"  und  wiederholt  am  Sohlasse  der  „Sermones'*  die  Firma  imd  DatiruDg. 
Hain  Nr.  88d.  —  

No.  444. 

Fransciscus  Petrarcha:  „Opera." 

Basel  ^  Johann  von  Amerbach,  1496*     Folio-Format. 
Die  Werke  des  Petrarcha  sind  ganz  mit  romischer  Schrift  gedruckt.     Am  Schlüsse 
auf  Blatt  867  stehen  Firma  und  Datirung,   wonach  noch  81  Blfitter  Register  Mgen. 
Hain  No.  1«749,  — 


^of^umti  ht  |Br|!dtrn  ober  ^rftdiein, 

.  14^3. 

Dieser  wenig  bekannte  Drucker  aus  dem  württembergischen 
Städtchen  Besigheim  erhielt  1478  das  Baseler  Bürgerrecht,  siedelte 
aber  1492  nach  Rom  über,  wo  er  mit  Sigmund  Mayr,  dann  mit  Martin 
von  Amsterdam  gemeinschaftlich  druckte.  — 


No.  445. 

<3ot)anne0  inoefd):  ^,Slractatu9  br  l^ons  canamcia  bicenbtB". 

Basel^  Johannes  de  Besickein,  1483.     Klein  Quart- Format. 

Der  einzige  von  seiner  Wirksamkeit  in  Basel  bekannte,  höchst  seltene  Drae 
dieses  TyjMgraphen,  denn  eine  Ausgabe  desselben  Werkes  von  1489,  welche  Maittaire 
Seite  &11   dtirt,   ebenso  die  von  Hain  unter  No.  115S2  ohne  Jahr  angeführte  sind 
wohl  fabelhaft  und  wahrscheinlich  identisch  mit  der  vorliegenden  von  148S.    Hain 
Nu.  11588.  — 


i486  bi0  1509. 

Wurde  schon  1480  Bürger  von  Basel;  1496  Meister  zum  Schlüssel; 
1500  Deputirter.  In  einem  Gedicht,  welches  Sebastian  Brand  dem 
Kesler'schen  Drucke  mit  Firma  ohne  Jahrzahl:  „Margariu  Decre- 
talium"  vorangesetzt  hat,  lautet  ein  Vers:  „Consule  te  gaudet  Basüea 
et  cive  probato.'*  Aus  diesem  Consul  folgert  Denis,  das  Kesler 
auch  „Bürgermeister**  gewesen  ist,  ohne  die  geringste  Bestätigung 
durch  die  Archive  hierfür  zu  finden.  Der  kühne  Schluss  wird  wohl 
mit  Recht  von  Schweighauser  in  seinem  Manuscript  über  die  Baseler 


—     Basel.     —  215 

Buchdrucker,  welches  die  Herren-  Reber  &  Stockmeyer  zur  Abfas- 
sung ihrer  schon  erwähnten  „Baseler  Buchdruckergeschichte'^  be- 
nutzten, als  unrichtig  bezeichnet.  Die  Frage  der  Letzteren,  „was 
Brant  alsdann  durch  den  Titel  Consul  habe  andeuten  wollen'S  be- 
antwortet sich  ja  von  selbst  dahin,  dass  „ein  Meister  vom  Schlüssel*' 
und  „Deputirter**  einer  Stadt  vom  Dichter  auch  sehr  wohl  ihr  „Be- 
rather" genannt  werden  kann.  — 


No.  446. 

Petri  l^ombarM  ^»Sefttta  Senlftitiamin^^ 

Basel  9  Nicolaus  Kesler,  i486«     Folio-Format. 

Der  erste  datirte  Druck  Keslers.  Am  Schlüsse  des  mit  sehr  Bchöner  gothisoher 
Type  gedruckten  Werkes  befindet  sich  seine  Firma  und  die  Jahnsahl,  wonach 
17  Blätter  Register  folgen.    Hain  No.  10190.  — 


No.  447. 

„toncorbilie  liiblu  i  €anonü  cü'  Sli-||tuUft  irrcretaliü  to- 

tittfqj  ^ttrifctttiltd/' 

Basels  Nicolaus  Kesler,  1487«     Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  der  Bibelconcordanz  des  Johannes,  Abt  von  Nivelles,  hat  gothische 
Schrift  und  Firma  mit  Datirung  am  Schlüsse.  Hain  No.  9416.  —  Angebunden  ist 
in  dem  alten  gut  restaurirten  Holzbande  noch  „Margarita  decreti",  Strassburg  148*?, 
welches  hier  nicht  in  Betracht  kommt.  — 


No.  448. 

,,1@iblta  facra  lattna.^* 

Basels  Nicolaus  Kesler,  1487.  Folio-Format, 
(idthischer  Druck.  Nach  der  Apokalypse  steht  das  Colophon  mit  Druckfirma 
und  Datirung;  auf  dem  nächsten  Blatte  folgt  noch  eine  Abhandlung  von  den  Ueber- 
setzero  der  Bibel;  auf  den  folgenden  sechs  Blättern  sind  die  Episteln  und  Evangelien 
für  das  laufende  Jahr  verzeichnet  und  den  Schluss  bilden  „Interpretationes"  hebräi- 
wher  Namen,  welche  noch  22  Blätter  einnehmen.     Hain  No.  3l(J0.  — 


No.  449. 

^jCafuö  bfcret0rum  13ari|ll)0lomfi  ISriirtenfi».*^ 

Basel 9  Nicolaus  Kesler,  1489«     Klein  Folio-Format. 

Einer  der  vielen  Commentare  über  das  Decretum  Gratiani,  welches  noch  «ur 
2eit  des  Verfassers,  Bartholomaeus  von  Brescia  im  Anfange  des  12.  Jahrhunderts 
eine  grosse  literarisobe  Bewegung  in  der  theologischen  Welt  ausübte,  zumal  erst 
ein  balies  Saculum  nach  seinem  Erscheinen  verstrichen  war.  Das  Werk  ist  mit 
gothiscber  Type  gedruckt,  hat  die  Firma  des  Druckers  und  Datirung  am  Schlüsse. 
Hain  citirt  die  Ausgabe  unter  No.  2472,  ohne  sio  gesehen  zu  haben. 


2l6  —     BascL     — 

No.  460. 

^fSwttx  Sporne  it  ^qttino  fcrqitd  ||  ab  ^anibalbn  tjfxpfi 
fviftr  qitat||titot  Ubro«  fententiarttm/' 

Basel,  Nicolaus  Kesler,  1492«  Folio-Format. 
Diese  Anegabe  dee  Commentars  fiber  die  vier  Büdier  SetUeneen  des  Petrus 
Jbosibardas  ist  nit  gotiüscber  Type  gedzuckt  und  liat  am  Schlüsse  Pinna  und  Datirung. 
Hain  f&hrt  diese  Ausgabe  nicht  an ;  Panser  I  Seite  171  No.  141  halt  sie  för  einen 
Theil  des  „Textus  sententiarum  cum  conclnsionibus  Henrici  Gorichem*' ,  von  Kesler 
ebenfUls  1493  gedruckt.  Wir  besitsen  diese  Ausgabe  zur  Zeit  noch  nicht,  besveifeln 
aber  Panser's  Ansicht  und  bitten  Besitzer  der  genannten  Ausgabe  zu  yergleicben: 
Obiger  Titel  steht  auf  dem  ersten  Blatte;  das  zweite  Blatt  beginnt:  Söfitt  a2»«U||oef 
qni  com-,  lyifcitif  uu  i  a  graeratöil»  n  nHi  impUni.^  Am  Schlüsse  des  Registers  steht 
unter  dem  Druckerzeichen:  ^yScriyto  beati  S|^onu  ab  i^anibolbitm  tyitni  in  gutur 
Ubrof  fenUiitiarti  fininnt  ftUciter  in  offi-  cina  Hicolai  ktPitr  dnii  iBafilieiilif  inpreffi. 
31«  II  «0  0  portn  oirginis  falntifero.  M.  cccc  .  wdl"  Das  Werk  z&hlt  158  Bl&tter  mit 
Signaturen  in  8  Columnen  gedruckt;  die  vier  letzten  Blatter,  welche  das  Register 
aufweisen,  sind  jedoch  in  3  Columnen  getheilt  — 


No.  451. 

ftinraiflui  beuotifltlmiq;  beati  $rmar||bi  abbatta  Clareual- 
'le|i0  .  tnftgne  opua  ||  Sttmtfm  be  trmpr  firrcipuifq^  fr|)tui|i 
tatibua  nc  qntbufbam  ffiectalibue  ina-||tertj0  3^eliciter  inctpit.^^ 

Basels  Nicolaus  Kesler,  1495.     Folio-Format 
Am  Schlüsse  dieser   mit  gothischen  Typen  gedruckten  Ausgabe   der  Predigten 
des  Bernard  von  Clairvaux  befindet  sich  Firma  und  Datirung;   dann   folgen  noch 
7  Blätter  Register.    Hain  No.  S848.  — 


^acob  von  Pfor^l)rtm^  aud)  Pforl^rn^ 
|^l)orc|rn^  pforr^rn^ 

1488  bis  1518. 

Ein  aus  Kempten,  nicht  wie  man  glauben  konnte  aus  Pfortzheim 
gebürtiger  Typograph,  der  schon  im  Jahre  1482  das  Baseler  Bürger- 
recht kaufte.  —  

No.  452. 

^fiitt  bucetort  rt  triginta  fummort  ||  fiotttifim:  a  brato  |9rtvo 
aiioftolo||Dfq3  ab  «Suliü  fecunbü  mobernum  ||  |9ontt(icrm/^ 

Basel  5  Jacob  von  Pfortzheim,  1507»     Folio-Format. 
Uat«r  obigem  Titel  befindet  sieh  ein  Holzschnitt,   welcher  den  Papst  thronend 
darstellt.    Das  Werk  giebt  eine  Ijebensbeschreibung  der  P&pste  yom  Apostel  Petrus 
bis  Aut'  Julius  II.    Auf  der  vorletsten  Seite  des  mit  gothischen  Charakteren  gedruck- 
ten lluehes  befindet  sich  die  Druokfirma  und  ToUstandige  Datirung«  — 


—    Basel.    —  217 

No.  458. 

Basel^  Jocob  von  PfortzheiiDy  1510*    Folio-Format 

Pr&chttg  roth  und  schwarz  gedrucktes  Chorbuch  für  die  DiSsese  Salzburg,  welches 
man  zuerst  in  Nürnberg,  dann  in  Basel  und  später  in  G51n  drucken  liess.  Vor 
Bhtt  162  befindet  sich  ein  13  Seiten  langer  Canon  auf  Pergament  gedruckt  mit  aus- 
gemalten figürlichen  Initialen,  vor  diesem  ein  blattgrosser  Holzschnitt,  die  Kreuzi- 
gung Christi  vorstellend.  Der  Canon  ist  mit  einer  sehr  grossen  schonen  Psalter- 
type gedruckt  — 

No.  454. 

^f(!ldirieU0  ISiel  facre  tl)eofofil)te  ltce|{ttati  noftre  temfiepiatis 
pfunMffimt:  facti  ||  canottb  ini|fe  tarn  m])|ttca  q3  l{Uera-||U9 
tjnfß^Xm  itmia  fumma  cü  Mlil^entia  itcrü  atq3  itcrü  rruifa 
iticorrecta:  ml)tl  be  pnoribuejlamiffid:  aliquibuef  ttt  tii  || 
in  (olünid:  tu  in  mar{|9mibu0  abbttis:  q-|bu0  facilius  ra 

q  II  nitit  Irctor  in-||ttfnirt  jiöt/* 

Basel  ^  Jacob  von  Pfortzbeim,  1510«     Folio*Format. 

Bine  gesichtete  imd  verbesserte  Ausgabe  der  Mess- Ordnung  des  Qabriel  Biel. 
Vor  dem  18  Blätter  starken  Register  befindet  fleh  am  Sehlusse  des  Werkes  die  Firma 
und  Datirung.  — 


|«lid)ael  /urter, 

1490  feie  1517. 

Durcb  einen  Druckfehler  in  einem  seiner  Werke:  „Reforma- 
torium  vite  morumque  et  bonestatis  clericorum  saluberrimum", 
worin  er  am  Schlüsse  die  Jahrzahl  M.  CCCC.  XLTIII  —  statt 
M.  CCCCXCIIII  —  gesetzt  hat^  erhielt  Michael  Furter  eine  Zeitlang 
den  Ruf  nicht  nur  des  ersten  Baseler ,  sondern  des  alUr frühesten 
Buchdrucker'' s  überhaupt.  Bald  aber,  als  ein  gelehrter  Baseler  selbst, 
der  Professor  der  Theologie  Dr.  Jacob  Christoph  Iselin,  in  seinem 
historisch-geographischen  Lexikon  unter  dem  Artikel  „Buchdruckerei" 
den  Irrthum  gründlich  erwiesen,  hatten  Basel  und  Furter  auf  diesen 
leicht  erworbenen  Ruhm  wieder  Verzicht  zu  leisten.  — 


No.  455. 

„iöf  nioribu0  et  ||  facttija  mrnft/^ 

Basels  Michael  Furter,  1490*     Klein  Quart-Format. 

Dieses  seltene  Bfichlein  trägt  zwar  keine  Druckfirma,  ist  aber  suverlässig  einer 
<der  ersten  Drucke  Michael  Purter's  in  Basel,   der  von   1490  ab   daselbst  druckte. 


2i8  —     Basel.     — 

Dieselben  Typen ,  aus  welchen  hier  das  gaose  20  Blätter  umfassende  Werkchen  ge- 
druckt ist,  finden  wir  haargenau  wieder  in  Gregorii  Libri  dialogorum  von  1496, 
wo  der  Drucker  sich  am  Schlüsse  nennt.  Dort  sind  dieselben  Typen  cu  den  Cafit^ 
l'eherachriften  verwendet.  t 

Dieses  MTischbnchlein*'  enthalt  in  launigen  Hexametern  eines  unbekannten  lata- 
nischen  Dichters  die  Anweisung,  tote  man  sich  bei  Tische  zu  benehmen  hat  Za  Jeder 
einzelnen  dieser  poetischen  Regeln  hat  der  berühmte  Sebastian  Brant  eine  deulsek» 
l'eberiragung  in  achtfüssigen  Jamben  hinzugesetst.  Die  Schlusssehrift  bexdcbnet 
Brant  als  den  Uebersetzer  imd  setzt  das  Jahr  1490  dazu.  Fehlt  bei  Hain,  ye^ 
gleiche  Panzer's  Annalen  No.  804.  — 


No.  456. 

^jlTibri  bialogorum  fan|  cli  (ürrgarij  papr." 

Basels  Michael  Furter,  1496.  Klein  Quart-Format 
Die  vier  Bücher  Gespräche  des  Papstes  Gregor  des  Grossen  sind  bis  auf  den 
Titel,  der  in  Missalschrift  gesetzt  ist,  mit  noch  zweierlei  gothischen  Typen  gedrack^ 
^on  denen  wir  die  grössere,  welche  zu  den  Ueberschriften  dient,  bereits  in  Sebastiaa 
Branfs  „Tischbüchlein*'  antrafen;  die  Texttype  ist  äusserst  klein  und  zieriicb«  Am 
Schlüsse  steht  die  Firma  mit  der  Jahrsahl.    Hain  No.  7966.  — 


No.  457. 

^,|9aftorale  brati  ||  <5nr|ortj  papf/* 

Basels  Michael  Furter,  1496.  Klein  Quart-Format. 
Trotzdem  dieser  Druck  mit  seinen  äusserst  niedlichen  und  schönen  Typen  nur 
mit  Druckort  und  Jahrzahl  bezeichuet  ist,  erkennt  man  doch  sofort  den  Drucker, 
wenn  man  es  mit  dem  ▼orbergehenden  im  gleichen  Jahre  hergestellten  Werkchen 
mit  der  Firma  Michael  Furter's  vergleicht.  Hain  No.  7988,  der  beide  Drucke  in 
Hunden  hatte,  sagt  von  einem  Drucker  nichts,  obgleich  schon  Braun  IL  Seite  280 
111)  1  nach  ihm  Panzer  den  Drucker  genannt  hatten.  — 


No.  458. 

„JJaffia  fancti  llle^nrabi  marti)ri0  et  Ijerrmitr." 

Basel ^  Michael  Furter,  1496. 

Seltenheit  ersten  Ranges,  wovon  nur  noch  wenige  Exemplare  bekannt  sind. 
Das  unsrige  stammt  aus  der  berühmten  Bibliothek  von  Firmin  Didot  in  Paris.  Es 
giebt  von  dieser  mit  81  Holzschnitten  reich  ausgestatteten  Legende  nur  diese  einiigo 
mit  beweglichen  Typen  gedruckte  Ausgabe  des  15.  Jahrhunderts,  und  von  einer 
andern  xylographischeti  Ausgabe  derselben  kennt  man  nur  noch  ein  einziges  Exemplar. 

In  einer  deutschet!,  Ausgabe  mit  verändertem  Texte,  gedruckt  von  Abraham 
(lUmperlin  zu  Freiburg  in  der  Schweiz  1587,  findet  sich  merkwürdiger  Weise 
der  grösste  Theil  der  Holzschnitte  aus  der  vorliegenden  Baseler  Original  -  Ausgabe 
wieder,  und  es  ist  wohl  anzunehmen,  dass  sie  von  Basel  aus  dahin  gekommen  nnd. 
In  dem  am  Schlüsse  stehenden  drei  lateinischen  Distichen  Sebastian  Branfs,  der 
jedenfalls  Verfasser  oder  Herausgeber  des  Büchleins  ist,  wird  Michael  Furter  als 
Drucker  und  das  Druokjahr  U96  angegeben.  Die  erwähnte  deutsche  Ausgabe  von 
1587  «-erden  wir  unter  „Freiburg"  ebenialls  näher  kennen  lernen.    Hain  No.  12458-  — 


—     Basel.     — 


219 


No.  459. 

^jKronica  i^on  itx  ||  loblid^cn  (£])bt|{9nofd)afl  $x  l)ar|{kömen 
tinb  fuft  II  fel^am  (tritt mit  ||  tiitb  9rfd)t(^ten/^ 

Basel,  Michael  Furter,  1507.     Folio-Format 

Verfasser  dieser  Chronik  der  Eidgenossenschaft  ist  Peterman  Etterlyn,  Gericht- 
schreiber zu  Luzern.  Obiger  Titel  mit  zoUgrossen  Buchstaben  ist  ganz  in  Holz  ge- 
schnitten. Das  Werk  ist  im  Texte  mit  Schwabacher  Schrift,  bei  welcher  ganz  auf- 
fällig ein  gothisehes  V  erscheint,  in  den  Ueberschriften  mit  einer  kleineren  Missal- 
type gedruckt.  Mehrere  Holzschnitte  und  Initialen  bilden  die  |künstlerisch  nicht 
bedeutende  Ausstattung  des  Werkes.  — 


1491  bl6  1527. 

Der  berühmteste  und  zugleich  gelehrteste  Baseler  Drucker,  von 
Hammelburg  in  Franken  gebürtig;  sludirte  in  Basel  und  lernt« 
dort  den  grossen  Drucker  Johann  von  Amerbach  kennen,  bei  dem 
er  als  Corrector  thätig  wurde.  Nachdem  er  1490  Bürger  von  Basel 
geworden,  begann  er  1491  seine  selbständige  "Wirksamkeit,  deren 
Verlauf  ihn  zeitweilig  mit  Johann  Amerbach  und  Johann  Petri  von 
Langendorf  als  Socien,  und  mit  den  gelehrtesten  Männern  seiner 
Zeit  in  intimen  Verkehr,  mit  dem  berühmten  Erasmus  von  Roterdam 
aber  in  die  innigste  Freundschaft  brachte,  und  welche  der  Nachwelt 
durch  mehrere  Grabschriften  des  grossen  Gelehrten ,  die  er  nach 
dem  Tode  Froben's  verfasst  hat,  sowie  durch  zahlreiche  Stellen  in 
seinen  Briefen,  als  ein  rührendes  und  erhebendes  Denkmal  über- 
liefert wurde. 

Trotz  Froben's  rastlosem  Eifer  und  bewundernswerthem  Streben, 
womit  er  bis  an  seinen  Tod  mit  Hilfe  von  4  und  später  von  7  Pressen 
über  300  meist  sehr  bedeutende  Werke  gedruckt  hat,  bemerken 
wir  gleichwohl  ihn  an  der  gewaltigen  Bewegung  der  Reformation 
durch  Luther  keinen  Antheil  nehmen.  Rücksichten  auf  Erasmus 
mögen  dabei  hemmend  auf  ihn  gewirkt  haben,  eine  Verläugnung, 
die  er  sicher  mit  finanziellen  Nachtheilen  bezahlen  musste,  denn 
der  Absatz  seiner  Bücher  blieb  bald  hinter  den  grossen,  ihm  auch 
durch  Beschäftigung  von  Künstlern  wie  Holbein,  Urs  Graf  und 
Anderen  erwachsenen  Kosten  zurück,  seit  Luther's  Werke  in  Schwung 
gekommen.  So  ist  denn  Froben  auch  bei  allen  seinen  Anstrengungen 
kein  reicher  Mann  geworden ;  es  ging  ihm  eben  der  Stolz  auf  seine 
Kunst  und  die  Ehre,  welche  er  darin  fand,  Vorzügliches  zu  leisten, 
über  den  Erwerb  vergänglichen  Gutes.  — 


220  —    BaseL    — 

No.  460. 

^^ütblia  tnteora  :  fummatt :  bt|,^nct«  :  «cmrathift  rermeba-l 
ta  :  Qtrinfqa  trftantrnti  cöicor-||banHj9  tllitftrata^^ 

Basel^  Johannes  Froben,  1495«    Klein  Octav-Format 

Diese  seltene  Bibelausgabe  ist  mit  ganz  feiner  gothischer  Diamantschiift  gedruckt 
und  in  Original -Schweinslederband  mit  interessanten  Ornamenten  gebunden.  Haio 
No.  S118.  — 


No.  461. 

„OPBM  DIVI  CAEICILn  CTPEIANI  EPISCOPII CABTHAGI-Hnenris, 
ab  innumeris  mendis  repurgata,  adiectis  ||  nonnullis  libellis 
ex  vetuftiflimis  exemplari-||bus,  quae  falR)  uidebantur 
infcripta,  uni  cu  annotatiun||culis.  Atqß  haec  omnia  no 
bis  praeftltit  ingen|;ti  labere  fuo  ||  ERiSMYStRO  |T£RODAMTS, 
uir  iu-||uandis  optimis  ftudijs  natus.  ||  IPVD  INOLTTAM  BA8I- 
LBAM  EX  I  ( OFFICINA  PROBENIANA."  Am  s^^imse  :2„ANN0,  M.  D.  H." 

Folio-Format. 

Obigen  Titel  umgiebt  eine  schone  Holzschnittbordüre  ^von  AmbrosiuefHolbeio, 
dem  alteren  Bruder  von  IHans  Holbein  dem  Jüngeren«  Diese  von  {Brasmus  jtod 
Roterdam  besorgte  Insgabe  der  Werke  des  Heiligen  Gjrpriaaus  ist  die  erste  Ge- 
sammtausgabe.  Der  schöne  Druck  in  römischer  Schrift  ist  durch  zahlreiche  loi- 
tialen  höchst  geschmackvoll  ausgestattet.  — 


No.  462. 
„OPBRA|i  Q  •  SBPTmn  FLOREN  |TIS  TERTYLLIANI INTBR  LiTINOS 
BOOLESIiB  II  fcriptores  primi,  fine  quotü  lectione  nuUum  diem 
intermittebat  olim  di-Juus  Cyprianus,  per  BBATYM  RHfiNA- 

NYM  Seletftadienfem  . ." 

Basel^  Johannes  Froben,  1528*     Folio-Format. 

Die  zweite  Ausgabe  der  von  Beatus  lUienanus  herausgegebenen  Schriften  des  Ter- 
tnllianns,  vrelche  Johann  Froben  zuerst  im  Jahre  1521  druckte.  Die  sehr  fehlerhafte 
erste  Ausgabe,  welche  nach  zwei  Manuscripten  der  Klöster  Päterlingen  und  Hirs(^a^ 
gedruckt  wurde,  fand  erst  in  einer  dritten  Ausgabe  durch  Heranziehung  eines  dritten 
ManuBcriptes  eine  Berichtigung. 

Der  schöne  Antiquadruck  ist  mit  zahlreichen  Initialen  geziert,  von  denen  einige 
der  Meisterhand  des  unbekannten  Metallschneiders  mit  der  Marke  I.  F.  eatstanunea, 
welche  letztere  von  Einigen  auf  den  Drucker  Johannes  Froben  selbst,  von  anderen 
auf  Hans  Frank  gedeutet  wird.    Alter  Original-Lederbaad  mit  Schliessen.  — 


—     Basel.     —  221 

^oi^mme  ^tx^mmn  von  0ipt^ 

1494  W8  1499. 

Bergmann    aus  Olpe  ist  besonders  bekannt  durch  die  früheste 
Ausgabe  von  Sebastian  Brant's  „Narrenschiff*  vom  Jahre  1494.  — 


No.  463. 

^)ilrrmanon  oeterum  fimctpü  ;e-{|lu0  et  frruor  in  d)n|ltanam 

religi-llonmt  brti|3  mmflxoB.^ 

Baself  Johannes  Bergmann  von  Olpe,  1497*     Folio-Format. 

Verfasser  dieser  Schrift  y,über  den  anfänglichen  Ei/er  und  die  Hitze  der  alten 
Oermemen  gegen  die  chrittUdie  BeUgion  und  deren  Verbreiter'^  Ist  Lupoid  von  Beben- 
biiig,  wie  aus  den  luater  obigem  Titel  befindlichen  Distichen  Sebastiui  Brant's  her- 
vorgeht. Der  schöne  und  interessante  Druck  ist  bis  auf  den  Titel  und  die  Ueber- 
scbriften,  welche  mit  ziemlich  grosser  Missal schrift  gedruckt  sind,  durchweg  aus 
glatter  Antiqua  gesetzt    Hain  No.  S7S5.  — 


30l)aitnr0  pttri  von  ^jtngrttirorf^ 

1494  bis  1514. 

Druckte  das  Meiste  gemeinschaftlich  theils  mit  Johann  Amerbach 
Tmd  Johannes  Proben,  theils  mit  letzterem  allein,  nachdem  er  schon 
1484  Bürger  von  Basel  geworden  war.  — 


No.  464. 

f^3ttntma  magilln  ^ü\)inxfi  ||  be  fancto  drntiniatto  orbi-|{m0 
fratrü  {irebtcaton  be  er||em)iU0  t  fttitubinibus  rert/^ 

Basel,  Johannes  Petri  von  LangendorfF  &  Johannes  Proben,  1499« 

Klein  Quart-Format. 
Dieses  mit  Ueiner  gotWaoher  Type  gedruckte  compeodiose  philosophische  Werk 
tragt  am  Schlüsse  die  Coalitions-Firma  von  Langendorff  &  Frohen.    Hain  No.  7546.^ — 


Htcülaita  jTatttpartfr^ 

1505  W6  1519. 

No.  465. 

„iBoctor  ürantö  Äarrenfdjtf  ||  fü.  accc,  uttij.  ||  «üt  on 

Btfac^/* 

Basel,  Nicolaus  Lamparter,  1509«    Klein  Quart-Format 

Diese  immerhin  seltene  Ausgabe  ist  ein  Abdruck  der  ersten  vom  Jahre  1494 
ohne   die    sp&ter  ron  Andern  hinsugefagten  Verlängerungen.    Unter  obigem  Titel 


222  —     Basel.     — 

befindet  sich  ein  Holsschnitt,  der  ein  mit  Narren  gefülltes  Schiff  yorstellt;  es  Iii 
dies  derselbe,  den  man  auf  dem  Titel  der  lateinischen  Üebersetzung  findet,  die  1497 
Jobann  Bergman  von  Olpe  herausgab,  wie  denn  auch  die  Jahizahl  1497  darauf  be- 
findlich ist.  Unmittelbar  darunter  steht  die  gereimte  Protestation  Sebastian  Brant^s 
gegen  die  seinem  Narrenschiff  beigefügten  Verlängerungen.  Die  Firma  des  Drucken 
findet  sich  auf  dem  drittletzten  Blatte  des  gothisch  gedraekten  Werkes.  HeUer 
Ledereinband  mit  reicher  Pressung  und  Metallschliessen.  — 


^Hm  ^ftri  Bim  fm^tnhox% 

1509  bi0  1528. 

Ein  Neffe  des  Jobann  Petri  von  Langendorff.  Hervorrapend 
durch  seine  zahlreichen  Drucke  Lutherischer  Schriften,  durch  welche 
er  zu  Reichthum  gelangte.  — 


No.  466. 

f,iBa0   pUnarinm  ||  ober  (Sman^rlii   buod):    JNnn||mer  vn 

XVintnttyl,  öurd)  bM  gatift  iat  in  eine  tefee  Sotisl 

tag,  ron  feer  seyt^  vnb  von  bi  ^e iligen  ♦  ♦  ♦ ." 

Basel)  Adam  Petri  von  Langendorff,  1516.     Folio-Format 

Dieses  mit  Sehwabaeher  Schrift  gedruckte  Evangehenbuch  enthalt  186  schone 
Holzschnitte;  davon  6  blattgrosse  von  JSans  Schäu/eldn  mit  seinem  Monograoun, 
einen  von  gleicher  Gröese  ohne  das  letztere,  40  von  Urs  Oraf,  wovon  die  meisten 
mit  Monogramm,  und  89  von  einem  unbekannten  vortrefflichen  Meister,  sammtlich 
io  schönen  Abdrucken.  Die  von  Urs  Qraf  umfassen  die  vollständige  kleine  Passion 
dieses  Künstlers.  —  Schöner  hellbrauner  Lederband  mit  Messingbnkeln  und 
Schliessen.  — 

No.  467. 

ii]9rtn  ITombarbi  ||  |9arr^9ftfnfi0  rcclrfir  quon-||bam  anttflittd: 
uiri  btuinarü  reri  fnt-'|bttttf!mt:  drntntttannn  Sr^us:  jJft 
capitula  ac  ca])itttm  || « § .  rrcrtttrr  bifUnctttd:  (EuUibrtqs 
biptncttont  %txix\a  (SQri||d)nntj  ppofittoitfe:  (fgtbtj  br  ^oma 
elunibratiäre :  ||en{!nct  be  Primaria  abbitiöes:  • .  }^ 

BftSely  Adam  Petri  von  Langendorff,  1516«     Folio-Format 

unter  dem  Titel  befindet  sich  das  Kolner  Wappen  mit  dem  Namen  des  Bach- 
händler  Ludwig  Homken,  auf  dessen  Kosten  das  Werk  von  A.dam  Petri  gedruckt 
wurde.  Der  ganze  Titel  steht  in  einer  Einfassung.  Am  Ende  der  .Distinctiones', 
deren  im  Ganzen  fün&ig  sind,  steht  eine  ausgedehnte  Schlussschrift,  worin  nebst 
der  Angabe  des  Druckers  der  Verleger  Ludwig  Hornken  genannt  und  die  vollständig 
Datirang  gegeben  ist.    Darunter  nochmals  daaselbe  Gölner  Wappen. 


—    Basel.     — 


22 


1509  big  1522. 

Der  Drucker  Gengenbach  war  auch  zugleich  ein  productiver 
Dichter  und  der  erste  Dramatiker  des  i6.  Jahrhunderts,  dem  Karl 
Goedecke  —  Hannover  1856  —  eine  umfängliche  Special-Unter- 
nichung  von  XXVIII  und  699  Seiten  gewidmet  hat.  — 


No.  468. 

,,.IXlobu0  rli()rnbt  || 

Creandi  in  coronandi  Imperatore  cüjjrorma  iurameti  necnö 
tituli  omnium  ||  Regü  Patriarcharü  &  Car." 

Basels  Pamphilus  Gengenbach,  1519«     Quart-Format 

Höchst  seltenes-,  den  Bibliographen  unbekanntes  Sohriftchen  von  nur  4  Bl&ttern 
Umfang.  Der  Titel  steht  in  einer  von  sechs  Stocken  gedruckten  Holxsohnitt  -  Bor- 
dire  und  ein  weiterer  Holzschnitt  befindet  sich  am  Schlüsse.  Es  enthält  die  Be- 
adireibung  der  bei  Wahl  und  Kronang  des  Kaisers  üblichen  Qebr&uche  und  die 
Titulaturen  aller  weltlichen  und  geistlichen  Ffirsten.  — 


No.  469. 

Basel^  Pamphilus  Gengenbach,  drca  1522*     Quart-Format. 

unter  dem  Titel  befindet  sich  ein  Holsschnitt  imd  ein  zweiter  auf  der  Rückseite 
desselben,  welcher  sich  auf  der  Rückseite  des  letzten  Blattes  wiederholt.  In  den 
Initalen  P  und  G,  welche  über  und  unter  dem  Spruche:  ^^iSpet  nta  itt  bto  rfl''  am 
Sohlttsse  des  Sebriftcbens  stehen »  kennzeichnet  nch  der  Drucker,  welcher  hier  auch 
sogleich  Verfuser  ist;  unter  dem  Spruche  befindet  sich  eine  hübsche  Querleiste.  — 


^nltreaa  Cratanbrr^ 

1518  bj0  1536. 

No.  470. 

„BE  ORIGINB  GYELPHORYM,  ET  |1  GIBELLINORYM,  QUI||BVS 
OLH  GERMANIi,  ||^VNC  ITALIA  EXAR;|DET.  LIBBLLYS  1|  EEV- 
BITYS.  II  In   quo   oftenditur,    qnantum   hac  ||  in   re  CJarifs. 


224  —    Basel.     — 

fcriptores,  Bartho-jjlus,  Panormitanus,  Blondus,  Piatina  & 
Georgius  Merula  Alex|  drinus,  ä  ueritate  aberrauerint." 

Baoel^  Andreas  Cratander,  15 19.     Klein  Quart-Format. 

Diese  kleine  Schrift  von  (nur  6  Blattern  ^nber  den  Ursprung  der  Weifen  und 
Waiblingen  mit  Naehweisung  der  Irrthfimer  älterer  Historiker*  ist  mit  rombeber 
Type  gedruckt  und  bat  eine  bfibsche  'Htelbordüre.  — 


No.  471. 

„ALEXANIIDRI  AFHRODISEI,  SYPER  || 

nonnullis  Phyficis  qu8eftio|  nibusSolutionum  ||  Liber.  ||  ITBM|| 
Plutarchi  Cheronei  ArDa-||toriae  narrationes.  ||  ANGELO  POLl- 

TIANO  INTERPRETER 

Basel;  Andreas  Cratander,  1520.     Klein  Quart-Format 

Eigenthfimliche  Vereinigung  der-  tief  philo8ophis<Aen  Schrift  des  Alexander 
Aphrodiseus  mit  den  ,Liebe8geschicbten<'  des  Plutarcb  zu  Einem  Druckwerke.  Niebt 
weniger  bizarr  ist  die  Bordüre  des  Titelblattes.  — 


No.  472. 

^^i0a0  ber  mifjuer-Uftatiö  JD*  ttlartin  fiut^ere,  rff  We 
ewig^llbftenötge  wort,  jDa6  ifl  mein  leib,  ||  nit  befton 
mag*  jj  i6if  anirr  billid)f  ant-||wört3oanni0i6coIampaMj*^ 

Basel;  Andreas  Cratander,  1527.     Klein  Quart-Format 

Eine  der  Schriften  des  Johannes  Oecolampadius,  des  Freundes  ZwinglTs,  welche 
über  dem  Streite  mit  Luther  betreffs  der  Abendmablslehre  entstanden;  sie  ist  mit 
Schwabacher  Typen  gedruckt.  — 


1519  bi6  1535. 

No.  478. 

,,(Befpre*  bied)Iin  tteilw  ||  *&avft\)an^''. 

Basel,  Thomas  Wolf,  1621.     Klein  Quart-Format 

Wie  [alle  in  deutscher  Sprache  erschienenen  Schriften  Ulrich  von  HutUiCs  ist 
auch  diese  Reformationsschrift  von  grosser  Seltenheit.  Bei  der  Schwabacher  Type, 
mit  welcher  die  kleine  Schrift  gedruckt  ist,  fällt  das  nach  links  herüberhangende  J> 
imd  das  in  zweierlei  Form  vorkommende  L  sehr  ins  Auge»  Drucker  und  Jahnahl 
sind  nicht  angegeben.    Vergleiche  Bocking  XLI,  1.  — 


Basel.     — 


225 


No.  474. 

,,SBerjaid^nüg  mh  ||  Äurglid^e  anö^igung  ||  in  65  iEuan^ 
geliu  II  3oati.  pi?ilippi  ||  ttTeland)^||t^^cnd/' 

Basel;  Thomas  Wolf,  1624.     Klein  Quart-Format. 

Die  Erkluning  des  Evangelisten  Johannes  ist  wie  alle  deutschen  Sohriffcen  Melanch 
thons  von  grosser  Seltenheit  Der  Drucker  ist  nicht  angegeben;  am  Ende  steht  nur: 
Geendet  im  Äugst  Monat  |1 1.524.  Im  unteren  Theile  der  Titelbordüre  befindet  sich 
dM  Drackerzeichen  des  Thomas  Wolf:  ein  zwischen  zwei  Säulen  stehender  Mann, 
der  den  Zeigefinger  der  rechten  Hand  auf  den  Mund  leg^,  mit  der  Ueberschrift: 
„DIGITO  C0MPE8CB  LABELLVM«. 


I^alentitt  Curio^ 

1521  bi0  1535. 

No.  475. 
„VRBANI II  GßAMMATICAE  INSTITV||tiones,  Graßcse,  nunc  denuo 
fumma  di||ligentia  excuffse,  &  ä  mendis  ||  hactenus  minus 
obfer|  uatas  uindicatae,  ||  Adhec|[quid  operae  (praeter  fufficen- 
tem  principa]|lium  locorum  nunc  additum  indi-|  cem)  ex- 
pectabis,  epistola  ||  fubfequenti  re-||peries." 

Basel,  Valentin  Carlo,  1530.     Klein  Quart-Format. 

Diese   Ausgabe    der   griechischen   Grammatik  in    lateinischer   Sprache  ist  mit 
geringen  Aendernngen  Reproduction  der  Aldine  von  1497.    — 


geinrid)  petri, 

1523  bi8  1579. 

Der  Sohn  von  Adam  Petri  von  Langendorf.  In  Anerkennung 
seiner  Verdienste  wurde  er  von  Kaiser  Karl  V.  in  den  Ritterstand 
erhoben.  Zum  Unterschiede  von  den  anderen  Petri's  nannte  er  sich 
dann  Henric-Petri  und  veröffentlichte  unter  diesem  ritterlichen 
Namen  1566  sein  erstes  Buch.  — 


No.  476. 
„BN DAMS  II  DIODOM  ||  SICVLI  || HISTORICI  GßAECI,  QVAE  NYNC 

QYIDEM  EXTARE  NO-IJSCVNTYE  OPERA,  |1  NEMPE." 
Basel;  Henricus  Petrus,  1581.     Folio-Format. 
Diese  lateinische  Ausgabe  der  Werke  des  griechischen  Historikers  Diodorus  ist 
nach  Ebert's  Meinimg  ein  Nachdruck  der  ersten  sehr  seltenen  Ausgabe  von  Hierony- 

mus  Vietor  in  Wien  1516.  — 

^5 


226  —     Basel.     — 

No.  477. 
„STEPHANI  NI-IIGM  QVAE  QVIDBM  PRAESTABE  SVI|NOMmSiC 
STTDIOSIS  VTILIA  NOVE-|;rimus  monimenta,  nempe 

translatiönes." 

Basels  Henricus  Petrus,  1532.     Klein  Quart-Format 
Der  Band  enthält  die  lateinischen  Uebersetzungen  verschiedener  Schriften  griechi- 
scher Autoren,  des  Ffiilostratus,  Pythagoras,  Athenaeus,  Isocrates  und  Anderer.  — 


No.  478. 
„BABANl    MAVEIliMOGONTINENSIS    ARCHIEPISCOPI  COM-|MEN- 
TABIA  IN  HIEREMIAM  PROPHETAM.   ITA  CVM  |1  Apoftolicis  literis 
confententia BASILEAE  EXCUÜEBAT  HEN-||RICVSPETßyS.|| 

M.  D.  xxxnn." 

Folio-Format. 

In  Antiqua  gedruckt.  Auf  dem  Titel  und  am  Schlüsse  steht  das  Drudcerzeicben,  die 
feuersprühenden  Hammer  &  Amboss.  — 


No.  479. 

„P.     OTI-llBn    NASONIS    OPERA,  ||  YETERTM    EXEMPLA-||mw 

auxilio  ah  infiniiis  mendis  emendata.  HENRICI  GLABEANI  ANNO- 1 

tationes  in  metamorphoin  cJ    ad  uerha  ei  ad  res  \\  intelligenda 

magni  u/us,     PrcBierea  Logolij,  //  qucB  leciorem  plurimum  in 

impeditis  locis  iuuare  pof/unt,  //ITEM,  FEAGMENTA  QVAE-|//flW 

Ouidij   ex   libris^    qui  magna   ex  parte  perie-\\re  Epigram-' 

mation.     Et  non  male  natum  //  Carmen  ad  Pi/onem*^ 

Basel^  Henricus  Petrus,  1537.  Octav-Format. 
Diese  Ausgabe  der  Werke  des  Ovid  ist  den  Bibliographen  ganz  unbekannt 
geblieben.  Panzer  zeigt  in  den  Annales  VI  Seite  239  eine  Ausgabe  Petri's  von  1523 
an;  Ebert  kennt  ausserdem  eine  von  1587,  zu  welcher  er  bemerkt,  sie  „muss  von 
vorzüglicher  Seltenheit  sein".  Nicht  weniger  selten  dürfte  die  vorliegende,  ganz 
imbekannte  Ausgabe  sein.  Sie  ist  in  Cursiv  gedruckt.  Das  Exemplar  hat  noch  den 
alten  wohlerhaltenen  Einband  von  Schweinsleder.  — 


t>on  1523  a\\ 

Druckte  theils  mit  Andreas  Cratander  zusammen,   wie  die  fol- 
gende Nummer  zeigt,  theils  mit  Michael  Isengrin,  aber  auch  allein.  — 


J 


—    Basel. 


227 


Xo.  480. 
..nJOYTAPXOr  \\  nAPAAjilUA   EN  BI0I2  EjUH\\ 
NQNTE  KAI   PQMAWN,  \\  PLUTARCHI  QVAE  VOCANTVR 

PARAIi-lllela:  hoc  eft,  uitae  illuftrium  uirorum  grseci  nominis 
ac  |[  latini,    prout    quae    que    alteri   conuenire   uide-|  batur, 
accuratius  quam  antehac  ||  unquam  digeftae.** 

Basel^  Andreas  Cra tander  &  Johannes  Bebel,  1533.     Folio-Format. 

Diese  griechische  Textausgabe  der  Lebensbeschreibungen  ausgezeichneter  Griechen 
und  Römer  des  Plutarch,  auch  Parallela  genannt,  weil  darin  je  ein  Grieche  und 
ein  Romer  mit  einander  verglichen  werden,  ist  von  Simon  Qrinaeus  besorgt  und 
mit  einem  lateinischen  Vorworte  versehen.  Es  ist  ihr  der  Text  der  Aldine  von  1619 
7.U  Onmde  gelegt.  Die  typographischen  Fehler  der  letztem  und  die  durch  schlechtes 
Manuseript  entstandenen  sind  darin  beseitigt.  Ebert  kennt  vorliegende  Ausgabe 
nicht,  führt  aber  eine  mit  Bobel's  Firma  vom  Jahre  1530  an,  welche  sich  auf  der 
Königlichen  Bibliothek  in  Dresden  befindet.  — 


1531  bt0  1561. 

Hieronymus  Froben  ist  der  älteste  Sohn  des  Johannes  Froben; 
Nicolaus  Episcopius  ist  der  Schwager  des  Hieronymus.  Von  1528 
ab  hatte  Ersterer  schon  gemeinschaftlich  mit  Johann  Herwagen,  der  die 
Wittwe  seines  Vaters  geheirathet,  gedruckt;  doch  löste  sich  schon 
1531  das  Verhältniss  mit  Herwagen,  welchem  1521  Nicolaus  Episco- 
pius beigetreten  war,  durch  das  Ausscheiden  des  ersteren  auf;  wir 
werden  diesen  im  nächsten  Drucke  wiederfinden.  — 


No.  481. 
„Rechnungsbuch   der  Froben  &  Episcopius,   Buchdrucker 
und  Buchhändler   zu   Basel,    1557 — 1564.      Herausgegeben 

durch  Rudolf  Wackernagel.** 

Basels  Benno  Schwabe,  1881.     Grross  Octav-Format. 

Die  Originalhandsohrift  dieses  für  die  Geschichte  BaseVs  sowohl  als  des  ge- 
rammten Buchhandels  jener  Zeit  bedeutsamen  Rechnungsbuches  befand  sich  vormals 
im  Besitze  eines  Nachkommen  des  alten  Nicolaus  Episcopius,  Dr.  Gottlieb  Bischoff 
in  Basel,  und  ist  seitdem  der  öffentlichen  Bibliothek  daselbst  übergeben  worden. 
Durch  interessante  Personal- Nachrichten  über  die  Baseler  Drucker,  denen  das  Rech- 
nongsbuch  diente,  und  erläuternde  Anmerkungen  zu  dem  reproducirten  Originale 
hat  der  Verfasser  dem  ohnehin  wichtigen  Documente  ein  gesteigertes  Interesse  zu 
verleihen  gewnsst.  — 

15* 


228 


—     Basel.     — 


Jiol)ann(0  ^rctoagen^ 


1531  bl0  1555, 

den  wir  schon  in  Strassburg  von  1523  bis  1528  antrafen.  In  diesem 
Jahre  wurde  er  laut  RathsprotocoU  Bürger  von  Basel,  vermählte 
sich  mit  des  verstorbenen  Johann  Froben  Wittwe,  Gertrud  Lachner, 
und  wurde  Geschäftstheilhaber  seines  nunmehrigen  Stiefsohns  Hiero- 
nymus  Froben,  zu  welchen  beiden  sich  noch  Nicolaus  Episcopius 
gesellte,  welcher  des  Hieronymus  Schwester  geheirathet  hatte.  Im 
Jahre  1531  schied  Herwagen  aus  der  Gesellschaft  und  druckte  nun 
allein.  — 

No.  482. 
„L.  PLOBI  DB  GBSTIS  ||  ßOMANORVM  LIBBI  QYATVOE  A  MENDIS 
ACCV-llratiffime  repurgati,  unA  cu  adnotationibus  JO.  CAMEß- 
TIS,  qu8B  II  commentarij  uice  in  omne  Romanam  hiftoriä  efle 
poffunt.  II  AD  HAEC,  SEXTI  RVFFI  VIBI  CONSVLABIS  DB  Hill 
ftoria  Ro.  epitome  multo  quam  antehac  emaculator.  ||  ITEI, 
MESSALAE  COßVINI  ORATOBIS  DISERTIS-fimi  de  progenie  AV- 
6VSTI  CAES.   libellus,    nunc   primü    excufus.  ||  His   acceffit 

rerum  copiofiffimus  index." 

Basel^  Johannes  Herwagen,  1532«    Folio-Format. 

Schon  in  Strassburg  gab  Herwagen  16'^8  die  Schriften  des  Lucius  Floros  in 
einer  Octav-Ausgabe  heraus.  Gegenwärtige  schöne  Folio-Ausgabe  ist  mehrfach  nach- 
gedruckt worden;  su  Cöln,  Paris  und  in  Miünz  von  Jvo  Schöffer.  Der  Original- 
bchweinslederband  enthält  angebunden  die  Werke  des  Diodorus,  gedruckt  von  H.  Petri 
15S1,  die  wir  unter  No,  476  schon  besonders  verzeichneten.  — 


No.  483. 
„DIVI   CAECim  CY-I.PRIANI   EPISKOPI  CARTHAGINENSIS  BT|| 
martyris  opera  iam  quartum  accuratiori  uigilantia  ä  men|i- 
dis   repurgata,   per  DES.  ERASMYM  ROTEROD.  ||  Acceffit  liber 
eiufdem  apprim^  pius  ad  Fortunatum  De  du-||plici  martyrio, 

antehac  nunquäm  excufus» 
BASILEAE,  EX  OFPICINA  HERVAGIANA  ||  AMO  M.  D.  XL. 

Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  der  Werke  des  Heiligen  Cyprianus  ist  den  Herren  Stockmeyer  & 
Reber,  den  Verfassern  der  „Baseler  Buchdruckergeschichte",  unbekannt  geblieben.  — 


r 


—    Basel.    — 


229 


von  1531  ab* 

Druckte    anfangs    mit   Johann   Bebel  zusammen,    dem   wir  auf 
Seite  226  &  227  schon  begegneten.  — 


No.  484. 

,,®(£n  SRieutüen  §er6ariu§,  ||  bat  ig,  bboed  Dan  ben  cru^^H 
ben,  int  tüdde  met  groote  neerfti^||dE|e^t  befcreuen  i^  niet 
otteen  bie  gantfe  Ijiftorie,  bat  i§,  bie  namen,  ||  tfaetfoen, 
notuere,  cradE|t  enbe  operatte  t)an  niccften  beel  be  crn^:=||ben, 
bie  ^ier  enbe  in  anber  lanben  tüaffenbe  [ijn,  mibtfgaberg 
ber  plccCen  oft  fttbt,  tnbt  6cti  tijt  waer  cti6c  wantieer 
ftj  Waffen*  ♦♦♦♦♦♦♦  ®oor  ben  §oodE|gt)eIeerben  ©octoor 
in  SKcbicijnen  |!  Seont)aert  gndE|§." 

Basel^  Michael  Isengrin,  1543.     Folio-Format. 

Auf  der  Rückseite  des  Titels  befindet  sieb  ein  blattgrosser  Holsschnitt,  das 
schöne  Portrait  des  Verfassers  Leonhart  Fuchs  in  ganzer  Figur.  Die  zahlreichen 
Abbildungen  von  Pflanzen,  welche  sich  in  dem  Werke  finden,  sind  von  Veit  Rudolf 
Speckle  sehr  sauber  in  Holz  geschnitten.  Vergleiche  Heller,  Gesokichte  der  Holz« 
Schneidekunst  Seite  142.  — 


t?cn  1533  aK 

No.  485. 

,^.   VEßGILnilMAROmSilBüCOLICOßVM,   GEORGICO-|!RVM  ET 
AENIDOS.  il  Cum  accurata  fimul  &  fideli  Seruij  ||  Mauri 

Honorati  expofitione.  || 
BISILEAE  APÜD  JOAN  VALDERRVM.  |  ANNO-    M.  D.  XXXim." 

Quart-Format. 

Vorliegende  Ausgabe  der  Hirtenlieder,  der  Bücher  vom  Äckerbau  und  der  Aeneide 
Tirfjifa  sind  im  Texte  mit  romischer,  im  Commentar  mit  Cursiv-Schrift  gedruckt.  — 


No.  486. 

,4)ICTI0NARIVM  II LATINAE  LINGVAE  ||  AMBROSH  CALEPINI  BER- 
GOMATIS  PRIMO||deinceps  aliorum  quoq3  hominum  ||  docto- 


230  '—    Basel.     — 

rum   opera   &   ftudio,    Ex  ||  omnium   tum  ueterum,  ||  tum 

recentium    in  ||  hanc    diem   La||tinorum  ||  COMMENTARÜS  |, 

collectum,  &  in  fuum  ordi(lnem  defcriptum. 

Basel;  Johannes  Walder,  1540«     Folio-Format. 

Mag  dieses  unzahlige  Mal  aufgelegte  lateinische  Wörterbuch  nunmehr  ganz 
veraltet  sein,  immerhin  beansprucht  diese  den  Bibliographen  unbekannte  Ausgabe, 
welche  mit  einer  reizenden  Italique  gedruckt  ist,  ein  grösseres  Interesse.  Das 
Exemplar  hat  noch  den  alten  dnrabeln  Ledereinband  mit  Schliessen.  — 


Mobert  HJittter^ 

von  1533  ab* 

Dieser  Typograph  war  der  Schwager  des  Johannes  Oporinus.  — 


No.  487. 
„JOANNIS  II  LODOVICI  YIVIS  VALEN-||TINIDECLAMATIONESSEX. 
SYLLANAB  QVINQVE.  ||  SEXTA,   qua    refpondet  Parieti  \\  pal- 
mato  Quintiliani.  |1  EIVSDEM  JOAN.  LODO.  YIHS  OE  ||  prsefenti 
ftatu  Europse,  &  bello  Tur-||cico  diuerfa  opufcula.  ||  ITEM.  I 
ISOCRATIS  ORATIONES  DVAE,  ||  Areopagitica&Nicocles,  eodem 
JOAN.  II  LODO.   VIYE   INTBRPBETE.  ||  Omma  per  ip/um  auto- 
rem    nunc    demum  //  CT    aucta   ct    recogmta.  //  Adiecto  etiavi 
rerum    cT    uerborum  //  Indice    diligentt/jimo.  ||   BASILEAE." 

Basels  Robert  Winter,  1638.     Klein  Quart-Format 

Die  Ausgabe  der  gesammelten  Schriften  des  Ludovicus  Vives  scheint,  vie  dies 
alle  Druclce  Winter's  sind,  sehr  selten  zu  sein.  Auf  dem  letzten  Blatte  befindet  sich 
das  hübsche  Druckerzeichen:  Athene  mit  der  Eule.  — 


@:i)oma0  platter^ 

t)on  1536  ah. 

Dieser  merkwürdige  und  vielseitige  Mann,  der  aus  einem  Seiler- 
gesellen ein  berühmter  Gelehrter  und  Pädagog  geworden  war,  be- 
sass  auch  eine  ziemlich  bedeutende  Druckerei,  als  deren  ersten  Theü- 
haber  wir  im  Jahre  1536  Balthasar  Lasius  finden.  Bei  Johann  Oporin 
mit  dem  er  eine  Zeitlang  ebenfalls  vereint  war,  werden  wir  noch 
auf  ihn  zurückkommen. 


—     Basel.     —  2^1 

No.  488. 

,ßlAECELLI  II  PALINGENE  STELLATI  POE  ||  tSB  doctifsimi,  Zodia- 

cus  uitae,  hoc  eft,  de  Hominis  Vita,   studio,    ac  moribus 

optixne  instituendis  Libri  Duodecim  .  .  .  BASILEAE 

M.  D.  XLm." 
Basels  Thomas  Platter,  1543,     Klein  Octav-Format 
Den  Drucker  erkennt  man  aus  dem  sich  auf  der  Rückseite   des  letzten  sonst 
leeren  Blattes   befindenden   Druckerzeichen:   die   mit  Schild   imd   Lanze   gerüstete 
Uincrra.    Hübscher  Cursivdruck  in  altem  Schweinslederbande.  — 


von  1536  ab« 

No.  489. 

„SSDn  ber  toaren  ||  (£t)riftenlt(i^en ,  t)n  crba(i^*»||ten  ünu 
(briftifdbe  Eirdje,  6erf  ^aubt  ||  6tatt1S?aIter,  (Bvoalt  vnb 
Sd)lftffcL  2Cttcb  rca&  ||  ein  Ädgcr,  recbter  vnb  falfcfecr 
Äan,  II  Wnfcen  vnb  cntbin&en  fej^  zc,  ||  2oanm&  Qptts 

terue  Uctwtlenft5." 

Basel;  Bartholomäus  Westheymer,  1543,     Klein  Quart-Format. 

Seltenes  Schriftchen  von  nur  18  Blattern  Umfang,  in  Schwabacher  Schrift  ge 
druckt.  — 


auch  vereint  mit 

|iartt)olomaeu0  €alt)baeu0^ 

x>on  1537  ab. 

No.  490. 

„POETARYM  OMNIVM  SECY-IILOßYM  LONGE  PRINCIPIS  p HOMEM || 

OMNU  QVAE  QYIIIDEM  EXTANT  OPERA,  GRAECE,  ADIECTAYEB- 

BIONB  LATINA  AD  YEKBVM,  ex  diuerfis  doctiflimorum  uirorum 

translationibus  concinnata.  •  .  /' 

Basel;  Nicolaus  Brylmger  &  Bartholomaeus  Calybaeus,  1551* 

Folio-Format. 
Wenig  bekannte   griechisch-lateinische  Ausgabe  des  Homer,   mit  dem  Drucker- 
zeichen  Urylinger's  auf  dem  Titelblatte.  — 


232  —    Basel.    — 

1540  bi«  1568. 

Neben  Johannes  Frohen,  dessen  Gehülfe  er  eine  Zeitlang  war, 
ist  Oporinus,  zu  deutsch  Herbster,  der  berühmteste  und  gelehrteste 
Baseler  Drucker.  Dr.  Streuber  hat  in  seinen  „Neuen  Beitragen 
zur  Baseler  Buchdmckergeschichte" ,  welche  in  den  „Beiträgen  zur 
vaterländischen  Geschichte"  III,  erschienen  sind,  einen  Aufsatz  über 
Johann  Oporinus  geliefert,  der  aber  in  den  Daten  nicht  ganz  zu- 
verlässig ist.  Wenn  dort  gesagt  wird,  dass  im  Jahre  1539  Johannes, 
Oporinus,  Robert  Winter,  Thomas  Plater  und  Balthasar  Ruch 
zuerst  mit  einem  Druckergeschäft  begonnen  hätten,  so  ist  das  dabin 
zu  modificiren,  dass  in  diesem  Jahre  Oporinus  sich  mit  den  anderen 
zu  gemeinsamer  Action  vereinigte,  welche  letztere  schon  früher, 
Robert  Winter  nämlich  schon  von  1533 ,  Thomas  Plater  und  Balt- 
hasar Lasius  (idelleicht  identisch  mit  Balthasar  Ruch?)  von  1536  zu 
drucken  begonnen  hatten. 

Wenn  Thomas  Plater  in  seiner  Autobiographie  selbst  die  Ge- 
schichte seiner  Buchdrucker-Unternehmungen  in  der  von  Dr.  Streu- 
ber dtirten  Weise  geschildert  hat,  so  muss  man  annehmen,  dass 
dem  alten  Manne,  der  seine  Erinnerungen  nach  dem  Gedächtnisse 
hinschrieb,  die  Einzelheiten  selbst  nicht  mehr  treu  geblieben 
waren;  denn  Thatsache  ist,  dass  sowohl  Winter* sehe  Drucke  von 
1533  an,  als  auch  Plater'sche  von  1536  bekannt  sind.  Panzer  citirt 
sogar  in  Band  VI  Seite  316  bis  318  neun  verschiedene  Drucke, 
welche  Thomas  Plater  aUe  im  Jahre  1536  mit  Balthasar  Lasius 
producirt  hat,  was  doch  einen  schon  bedeutenden  Um&ng  seiner 
Druckerei  voraussetzen  lässt.  •»— 

Oporin  hatte  Indessen  kein  Glück  mit  den  Genossen.  Gegen 
allmählige  Abzahlung  des  Kaufpreises  von  800  Gulden  hatten  sie 
dem  Andreas  Cratander  sein  gesammtes  Druckwerkzeug  abgekauft, 
aber  das  Geschäft  ging  nicht  nach  Wunsch ;  die  Schulden  mehrten 
sich,  und  bald  trennte  sich  die  Gesellschaft  wieder,  Schriften  und 
Werkzeug  theilend.  Kurze  Zeit  war  nun  Oporin  mit  seinem  Schwa- 
ger Winter  allein  verbunden,  dann  druckten  beide  einzeln;  und  als 
Winter,  nachdem  er  Alles  verthan,  gestorben  war,  zog  Oporin  dessen 
Officin  für  700  Gulden  an  sich,  wodurch  seine  schon  bestehende 
Schuldenlast  beträchtlich  vermehrt  wurde. 

Später  erscheint  Oporin  mit  Bernard  Brand  und  Johann  Her- 
wagen dem  Jüngeren,  dessen  Wittwe  er  nachmals  heirathete,  zu- 
sammen, und  in  letzter  Zeit  stand   er  auch  mit  den  Episcopius  in 


Basel     — 


233 


Verbindung.  Trotz  der  grossen  Ausdehnung  seines  Geschäftes  und 
der  immensen  Productivität  seiner  Druckerei ,  welche  in  den  28 
Jahren  ihres  Bestehens  über  750  "Werke  lieferte,  starb  Oporin,  da 
er  nicht  Haus  zu  halten  wusste,  in  zerrütteten  Vermögensumständen.  — 


No.  491. 
j^VRIPIDES  POETA  1 1  Tragicorü  princeps,  in  Latinum  ||  fer- 
monem  conuerfus,  adiecto  j|  eregion^  textu  Graßco:  CVM 
AMOTATIONIBVS  ET  PRAEFA-||tionibus  in  omnes  eius  Tragoe- 
dias:  autore  ||  aASPARO  STIBLINO.  1'  Accefferunt  JACOBI  MI- 
CYLLI,  De  Euripidis  uüa,  ex  diuer-jl/is  autorihus  collecta: 
item^  De  Tragcßdia  et  eius  \\  partihus  ngoXsyofisva  quae^ 
dam.  11  Item^  JOANNES BRODAEI  Turonen/is  Annotationes  \\ 
docii/j,  nunquam  antea  in  lucetn  ediioß,  jj  Adhaec,  Rerum 
CT  uerborum   loio    Opere  prcBciptü    memora-jjbilium    copio/us 

INDEX," 

Basel  9  Johannes  Oporinus,  1562«     Folio-Format. 

Grieehisch-lateinische  Ausgabe  der  Tragödien  des  Euripides,  ron  Stiblinus  über- 
«etkt,  in  Acte  getbeiit  und  mit  Inhaltsangaben  zu  den  einielnen  Acten  versehen. 
Die  Noten  des  Brodäus  sind  nur  für  elf  von  den  neunzehn  Stücken  verfasst,  nämlich 
ni:  Resvfi  —  Troades  —  Bacchae  —  Cyclops  —  Heraclidae  —  Helena  —  Jon  — 
Hercules  furens  —  Supplices  —  Iphigenia  in  Aulide  —  Iphigenia  in  Tauride.  — 


No.  492. 
,,rPHrOPIOr  tot  NYSSHI  \\  imaxoTiov  &avfiaaT^  ßCß- 
Ao^,  n^ql  xa-Wjaaxevtjg  aV^^V».  ||  OPYS  ADMIRANDYM  ||  GRE- 
GOmilNTSSENI  ANTISTmS,  II  DE  HOMINIS  0PI-||FICIO:  Inter- 
prete  JOHANNE  LEVVBNKLAIO:||Annotationibus  etiam  necef-  || 
farqs  additis.  ||  Liber  MedicinoR^   Philo fophitz ^  Sacrarum  q.  // 

litterarum  ftudiofis  peruiilis/* 

Basel  9  Johannes  Oporinus,  1567.     Octav-Format 

Des  GreogoriuB  Nyssenus,  Bruder  Basilius'  des  Grossen,  Schrift  über  den  Beruf 
des  Menschen  in  griechisch-lateinischer  Ausgabe.  — 


234 


—    BaseL     — 


3arobtt0  parnt0^ 

1552. 

No.  493. 

„Chronicornm  snmma  ||  ancta  &  emendata/' 

Basel;  Jacobus  Parcus,  1552«    Klein  Quart-Format 
Dieser  kleine  Druck,   eine  nach  Jahrzablen  geordnete  Chronik  in  Tabellenfonn 
von  Erschaffung  der  Welt  bis  zum  Jahre  1552,  stellt  uns  einen  bisher  unbekannten 
Basler  Drucker  vor.  — 


1557  H»  1564. 

"Wir  lernen  ihn  in  der  Gesellschaft  Bemard  Brand's  um  1557 
kennen,  der  wahrscheinlich  nur  einen  finanziellen  Antheil  hatte; 
späterhin  druckte  er  gemeinschaftlich  mit  Johannes  Oporinus,  welcher 
nach  Herwagen's  Tode  dessen  Wittwe  heirathete.  — 


No.  494. 

„L.  ANNAEI  SENECAE  ||  Philofophi  Stoicoium   omnium  acu- 

tifsi-||mi  Opera  quse  extant  omnia,   Coelii  Secun||di  Curio- 

nis    uigilantifsima    cura    caftigata,  ||  &   in    nouam    prorfus 

faciem,  nimirum  pro-|'priam  &  fuam,  mutata:  quorum  lectio 

non  II  modo    ad  bene    dicendum    uerum  etiam   ad  ||  bene 

beat^que  uiuendum  prodef-  ||  fe  plurimüm  proteft." 

Basel)  Johannes  Herwagen  &  Bernard  Brand,  1557*   Folio-Format 
Revidirte  Ausgabe  nüt  vielen  Varianten  iind  Conjecturen  versehen.  — 


No.  495. 

„D.  BPIPHANn  EPI-l.fcopi   Conftantise  Cypri,    contra  (  octo- 

aginta  hserefes  opus,  Panarium,  fiue  ||  Arcula,  aut  Capfula 

Medica  appellatum,  ||  continens  libros  tres,  &  tomos  ||  fiae 

fectiones  ex  to-jlto  feptem.  ||  ^ANO   CORNARIO  MEDI-^co 

Phy/ico  interprefe,^^ 

Basel)  Johannes  Oporinus  &  Johannes  Herwagen,  1560*  Folio-Format 
Das  »Panarium*  oder  »Hausapotheke*  ist  die  Hauptschrift  des  selotischen  Bischöfe 
Too  C jpern  £piphaaius ;  er  giebt  darin  Mittel  für  aehtiig  Ketzereien  an,  deren  Erfin- 
dung seine  Hauptstirke  ^irar.  Man  findet  dies«  latdniscbe  Uebersetzung  vom  Jahre 
1^<X>  bei  den  Bibliivgraphen  nicht  aufgefulirt.  Alter  interessanter  Schveinslederband 
mit  SehUes$en.  — 


Basel      — 


235 


von  1564  aK 

No.  496. 
„  IBLIA II  SACRA  ||  VETBRIS  j|  BT  NOVI  ||  Teftamenti,  \\  fecundüm 

editionem  ||  vulgatam.** 

Basel;  Thomas  Guarinus,  1578«     2  Bände  in  Octav-Format. 

Die  zahlreichen  schönen  Holzschnitte  dieser  lateinischen  Bibel  sind  von  Tobias 
Stimmer.  — 


Sthnfiim  ^ftirtc-petri, 

1574  bis  1627. 

Der  jüngste  Sohn   des   Heinrich   Pelri  und  Enkel  des   Adam 
Petri  von  LangendorfF.  — 

No.  497. 

„SBelt  (Spiegel,  ober  ||  SRarren  ©d^iff,  ||  bartii  aller  ftänbt 
f^anbt  önb  II  Uftcr,  rppigce  leben,  grobe  narte(btc  || 
fitten  t)nb  ber  SBcItlauff,  gleich  at§  in  einem  ||  Spiegel 
gefcj^en  uti6  geftrafft  ireröcn:  allce  ||  aujf  Sebaflian 
»ranöe  Keimen  ||  gerichtet.  || , . .  SBcilanbt  ||  jDurd)  6en 
Mgelerte  3CDö*iCn  (BtM£V,,  \\  SDoctore  bor  §.  ©d^rifft, 
in  ßateinifdEjcr  \pxad)  befd^ricben,  jcfet  aber  mit  fonberm 
fkife  auB  bcm  Satein  inn  baö  ||  red^t  IjodEj  Sentfc^  gebradjt, 
t)nnb  erftmat^  im  ||  2;rud  aufegangen,  ||  JDurd),  ||  Hicctaum 
-ö^ntger  x>on  lausjlber  USnige^^offen/' 

Basel;  Sebastian  Henricpetri,  1574.     Klein  Oclav-Format. 

Es  ist  dieses  eine  deutsche  Uebersetzung  der  lateinischen  Predigten  Qeyler's  über 
Brandts  Narrensehiff,  denen  der  Originaltext  des  Dichters  beigesetzt  ist.  Die  nicht 
gerade  bedeutenden  Holzschnitte  sind  neu  gefertigt.  — 


No.  898. 

,,ßofmograj)t)et|:  ||  baö  ift,  1|  Sefd^reibung  ||  Silier  Sänber, 
§crrftf)afften  ünb  für  ||  ncmeften  ©tettcn  beö  ganzen  (&xi>' 
bobenö,  fampt  il)ren  ||  ®clegent)eiten,  ||  S^genfrtjaften,  9{eli= 
gion,  ©ebränd^en,  ||  (Befdjicbten  vnb  öanfetierungen,  zc  || 
SvftUd^  burdl)  §crrn  ©cbaftian  3J?nnfter  mit  groffcr  2lr= 


236  —     Basel     — 

bett  in  fedE|§  ||  öüd^er  öerfaffet:  S)emnac^  an  SBelt  önb 
9?atürüd^en  ^iftorien  buxäj  \f)m  felbö  gebeffert:  ||  Se|t 
aber  mit  allerlei  ©ebed^tnu^tntrbigen  ©ad^en  bife  in§  M. 
D.  XCVIII.  jar  gemelrret,  ||  mit  netoen  Sanbtaflen,  t)ieler 
Stetten  t)nb  fürnemmen  SJiännern  Sontra^  Ifracturen,  SBoa- 
pen,  t)nb  ©eburt^ünien,  fo  ober  bie  alten  ||  l^erju  fommen, 

gelieret. " 

Basel^  Sebastian  Henricpetri^  159$* 

Die  berühmte,  zuerst  im  Jahre  1544  erschienene  xCosmographie*'  Sebastian 
Münster^s,  an  welcher  der  Verfasser  18  Jahre  hindurch  im  Verein  mit  den  namhaftestem 
Künstlern  Deutschlands,  welche  bei  den  Holzschnitten  thätig  waren,  gearbeitet  hatte. 
Die  vielen  Auflagen,  von  denen  über  20  in  deutscher  Sprache  bekannt  sind,  bezeugen, 
welch'  eine  Verbreitung  dieses  verdienstvolle  Werk,  das  erst  durch  die  Topographien 
Merian's  an  Schätzung  verlor,  zu  jener  Zeit  gehabt  hat.  Alter  Ledereinband  mt 
Schli  essen.  — 


No.  499. 
„OTFEIDI  II  EVANGELIORVM  ||  LIBER:  ||  ueterum   Germanorum 
gramma-||tic8e,  poefos,  theologise,  ||  praßclarum  inoni-||men- 

tum.  II  (guangelien  öudi,  in  att*  frencfifcfeen  reimen,  bmii 
(Dtfris'löen  von  tPeiffetiburg^  ntön*  su  ||  &.  (ßaUen, 
vor  ftbenl?ttn^|]5ert  jaren  befcbrisübett:  ||  3e$  aber  mit 
gutifl  6e0  geftrenge  ||  el^renueften  })zxxr\  2C6oIpben  ^r^ 
man  Hieöe^lfel  €lbmarfd)alc8  su  ö^ffen,  6er  alten 
Ieut*|  fd)en  fpraad)  vnb  gotteöfordjt  suerlerne,  in  trudP 

verfertigen" 

Basels  Josias  Münsch  (?),  1671.    Klein  Octav-Format. 

Dieses  ist  die  erste,  höchst  seltene  Ausgabe  des  berühmten  Gedichtes  Otfiried's 
von  Weissenburg,  in  welchem  er  als  erster  rein  christlicher  Dichter  eine  poetische 
Geschichte  des  Heilandes  giebt,  welche  er  gegen  865  vollendete.  Die  Schwabaeher 
Type  des  Textes  ist  interessant  und  erscheint  älter  als  die  Jahrzahl  sie  bezeichnet. 
Wir  werden  wohl  nicht  fehlgehen,  wenn  wir  als  Drucker  dieser  Ausgabe,  welche 
nur  die  Angabe  des  Ortes  und  der  Jahrzahl  enthält,  den  Josias  Münsdi  annehmen, 
der  zu  damaliger  Zeit  der  einzige  bedeutendere  Drucker  BasePs  war,  dem  man  diese 
hübsche  Ausgabe  zuschreiben  konnte,  was  wir  jedoch  eben  nur  als  Vermutbung 
von  grösserer  Wahrscheinlichkeit  ausgesprochen  haben  wollen.  Das  vorzfiglich 
erhaltene  Exemplar  ist  in  eben  so  schönem  altem  Schweinslederbande  befindlich 
und  reich  mit  v^ergoldetem  Messing  beschlagen.  — 


—     Basel.     — 


ScOfugOemerßungen. 


237 


Von  Typographen  die  wir  nicht  einzeln  aufgeführt,  wären  in 
Basel  noch  folgende  zu  nennen:  Leonhard  Ysenhut  1489;  Gre* 
gorius  Bartholomaeus  1509;  Johannes  Faber  Emmeus,  der  später 
in  Freiburg  druckte,  von  1526  bis  1529;  Polycarpus  Gemusaeus 
um  1560  bis  1572;  Conrad  Waldkirch  von  1585  ab;  Johannes 
Schroetter  1597.  Auch  der  Strassburger  Johann  Schott  kommt  um 
1508  in  Basel  vor,  wo  er  mit  Michael  Furter  zusammen  druckte, 
nachdem  er  auch  schon  um  1503  und  1504  zu  Freiburg  gewirkt  hatte. 

Es  ist  bekannt,  dass  der  berühmte  Nürnberger  Typograph  und 
Buchhändler  Anton  Koburger ,  wie  in  Lyon  so  auch  in  Basel  und 
zwar  bei  Johann  Amerbach  drucken  Hess;  sein  Neffe  Hans  Kobur- 
ger^  der  auch  in  Hagenau,  Lyon,  Strassburg  und  Paris  drucken 
liess,  gab  dann  mehrfache  Aufträge  in  die  Offizin  des  Adam  Petri 
von  Langendorff.  Der  letzlere  war  ein  von  Verlegern  vielbeschäf- 
tigter Drucker;  seine  Pressen  arbeiteten  für  die  Brüder  Leonardtts 
&  Lucas  Alantsee,  welche  auch  in  Strassburg,  Hagenau,  Venedig 
und  Wien  zu  finden  sind ;  ferner  für  Ludwig  Hornken  in  Cöln,  der 
auch  in  Paris  drucken  liess^  für  den  bedeutenden  Gotfried  Hitorp, 
der  hauptsächlich  zu  Coln^  aber  auch  in  Paris  und  Leipzig  verlegte ; 
für  Conrad  Hysch  und  Johann  Riem  von  Augi^burg. 

Ein  rühriger  und  gelehrter  Verleger  war  Wolf  gang  Lachner, 
dessen  Tochter  Gertrud  den  berühmten  Johann  Froben  und  nach 
dessen  Tode  den  Johann  Herwagen  heirathete.  Lachner  beschäf- 
tigte in  Basel  </r«  Typographen:  Michael  Furter,  Jacob  von  Pfortz- 
heim  und  Gregorius  Bartholomaeus.  Christoph  Thum  liess  bei 
Jacob  von  Pfortzheim  drucken ;  Servatius  Cruftanus,  dem  wir  auch 
schon  in  Cöln  als  Verleger  begegneten,  bei  Andreas  Cratander; 
Conrad  Resch,  der  in  Paris  einen  bedeutenden  Verlagsbuchhandel 
betrieb,  liess  in  seiner  Vaterstadt  Basel  bei  Thomas  Wolf  und 
Henric-Petri  drucken. 

Auch  Johann  Rynmann  von  Geringen,  der  ein  ausgedehntes 
Verlagsgeschäft  in  Augsburg,  Ilagenau ,  Venedig  und  Nürnberg 
betrieb,  findet  sich  in  Basel,  wo  er  Aufträge  an  Jacob  von  Pfortz" 
heim  ertheilte.  Letzterer  war  es  auch,  der  für  Jacob  Kilchen  oder 
Kirchen  druckte. 

Noch  wäre  JcLcob  Rechburg  zu  nennen,  welcher  Theilhaber  an 
der  Ausgabe  des  Hieronymus  von  1516  war,  die  Johann  Froben 
für  die  Söhne  des  eben  verstorbenen  Amerbach:  Bruno,  Basilius 
and  Bonifacius  in  Druck  gab.  Auch  beschäftigten  Henric-Petri 
und  Michael  Isengrin  die  Officin  Johann  Bebel's.  — 


238  —     Basel.      — 

Man  sieht,  dass  in  Basel  auch  der  Verlagsblichhandel 
bald  ein  blühendes  Geschäft  wurde,  und  dass  die  Stadt  für  Aus- 
bildung und  Verbreitung  der  Kunst  Ausserordentliches  geleistet, 
wozu  sie  denn  auch  als  Sitz  der  bedeutendsten  Gelehrten,  aus  deren 
Mitte  ein  Erasmus  von  Roterdam  mit  seinem  universellen  Ruhme 
hervorragte,  in  erster  Linie  berufen  war. 


CrflänjunflS'Citcratur  ju  Kafef. 

T.  Catalogus  librorum  tabernae  Hervagii,  Frobenii  et  Henrici  Petri. 
Original-Handachrift  voui  Jahre  1554:. 

NB.  Dieses  15  engbeschriebene  Blatter  umfassende  Manuskript  in  Octav-Format 
enthält  in  3SO  Nummern  3  alphabetische  Verzeichnisse  der  wahrscheinlich  damals 
vorzugsweise  im  Handel  befindlichen  und  bei  den  obigen  drei  Druckern  verkäuflichen 
Werke,  und  wird  daher  einen  höchst  wichtigen  Beleg  zur  Geschichte  der  Buch- 
druckerei und  des  Buchhandels  bilden.  —  Eine  Original -Notiz  des  berühmten  Re- 
nouard,  in  dessen  Besitz  das  werthvoUe  Vnicv/m  vordem  gewesen  zu  sein  scheint, 
besagt,  dass  der  kleine  Katalog  von  Herwageti's  eigener  Hand  herrühre.  — 

2.  Dr.  Sebastian    Brand's  Narrenschiff  nach   der   ältesten  Ausgabe 

von  1494  erneuert  von  Karl  Simrock.  Mit  Holzschnitten  der 
ersten  Ausgabe  und  dem  Bildnisse  Brandts.     Berlin,  1872. 

3.  Otfrid*s  Krist.     Das    älteste   im   neunten   Jahrhundert  verfasste 

Hochdeutsche  Gedicht  nach  den  drei  gleichzeitigen  zu  Wien, 
München  und  Heidelberg  befindlichen  Handschriften  kritisch 
herausgegeben  von  E.  G.  Graff.     Königsberg,  183 1. 

4.  Otfried    von   "Weissenburg   Evangelienbuch    von  Johann  Kelle. 

Regensburg,  1856. 

5.  Stockmeyer   &    Reber.      Beiträge    zur    Baseler    Buchdruckerge- 
schichte.    Basel,  1840. 

6.  Dr.  Streuber.     Neue  Beiträge  zur  Baseler  Buchdruckergeschichte 

mit  Anhang  einiger  Briefe  von,  an  und  über  Oporin  (1844; 
aus  den   „Beiträgen  zur   vaterländischen   Geschichte  III).  — 

7.  Claudin.     Origines   de   Timprimerie   ä  Albi  en  Languedoc  (1480 

bis  i486).     Paris,  1880. 

8.  Gedichte  zur  Feier  der  Buchdruckerkunst  am  Johannistage  des 

Jahres  1840.     Basel,  1840 


—     Augsburg.     —  23g 

SCugöBurg 

Augusta  Vindelicorum  sive  Rhaetorum.  — 


(&üntl)er  ^nmx  um  ^(utitngen^ 

1466  biß  1478. 

Die  schon  im  Mittelalter  hoch  berühmte  alte  Augusta  bot  als 
Sitz  des  Handels,  der  Wissenschaft  und  Kunst  auch  für  die  Ein- 
führung der  Typographie  daselbst  ein  günstiges  Terrain;  denn  wie 
Mainz  und  Cöln  in  geistiger  Beziehung  für  ganz  Niederdeutschland 
ihren  dominirenden  Einfluss  übten,  so  waren  es  für  Oberdeutsch- 
land  in  gleicher  "Weise  die  alt  ehrwürdigen  Städte  Augsburg  und 
Nürnberg  und  es  ist  die  bisherige  Annahme,  dass  die  Typographie 
erst  1468  in  Augsburg  eingeführt  worden  sei,  jedenfalls  eine  irrige, 
wenn  auch  der  erste  datirte  Augsburger  Druck  „Bonaventurae  Me- 
dicationes  vitae  Jesu  Christi*  die  Jahrzahl  1468  trägt. 

Jedenfalls  erschienen  bereits  zwischen  1466 — 1468  die  12  diver- 
sen Druckwerke,  die  wir  unter  nächster  Nummer  vereinigt  aufführen, 
und  deren  Schöpfer  der  erste  Augsburger  Typograph  Günther 
Zainer  aus  Reutlingen  war,  welcher  übrigens  von  den  Bibliographen 
mehrfach  mit  Johann  Zainer  in  Ulm  verwechselt  wurde,  der  eben- 
falls aus  Reutlingen  stammte.  Der  gelehrte  Herr  Geheimrath  Zapf 
schrieb  1803  sogar  eine  Broschüre  über  die  Krakauer  Ausgabe  des 
Turrecremata ,  worin  er  in  Folge  unrichtigev  Beurtheilung  der 
Typen  haarklein  nachweist,  dass  Günther  Zainer  jenen  Turrecre- 
mata schon  1465  in  Krakau  gedruckt  haben  müsse.  Wir  werden 
nnter  „Krakau"  diesen  allgemein  verbreiteten  Irrthum  spezieller 
nachweisen  und  richtig  stellen, 

Günther  Zainer  war  nicht  nur  der  evste^  sondern  auch  wohl 
der  bedeutendste  Augsburger  Typograph  des  fünfzehnten  Jahrhun- 
derts. Er  war  ursprünglich  Beisitzer  —  comanens  Augustensis  — 
und  wurde  erst  1472  Bürger  von  Augsburg.  Für  die  plausible 
Annahme,  die  namentlich  auch  Zapf  vertrat,  dass  Günther  Zainer  — 
anch  Ginther  Z einer  und  Zayner  —  früher  Gehilfe  bei  Gutenberg 
in  Mainz  gewesen  sei,  giebt  es  zum  Mindesten  keinerlei  Nachweise ; 
der  Umstand  würde  aber  nur  noch  mehr  für  unsere  Meinung  sprechen, 
dass  Zainer  nach  dem  Weggange  von  Mainz  1462  nicht  erst  von 
1468  ab  in  Augsburg  gedruckt  habe.  — 


240  —     Augsburg.     — 

No.  500. 

iiVmti  anttquorum  t^eologorum  fcrtyita/^ 

AagSbnrgr^  Günther  Zainer,  1466  bis  1468.     FoUo-Format. 

Inhalt: 
1.  Hieronymus  &  Grennadius:  „De  viris  illustribus".    37  Blatter. 

3.  Hieronymus:  .De  essentia  divinitatis.''        1     „  ,«  ^,. 

l    Zusammen  16  Blatter. 
8.  Thomas  de  Aquino:  „De  articulis  fidei*.    j 

4.  Augustinns:  „De  quantitate  anlmae".    29  Blätter. 

5.  Augustinus:  „Soliloquium".    29  Blatter. 

6.  n  Spekulum  peccatoris."     5  Blätter. 

7.  Thomas  a  Kempis:  „Quatuor  libri  de  Imitatione  Christi*'.    Mit  Zainer$  Firma 
am  Schlüsse.    76  Blätter. 

8.  „Errores  judaeorum  extracli  ex  Talmut. "    4  Blätter. 

9.  »Probationes  nori  testamenti  ex  veterl  testamento."    8  Blatter. 

10.  „Processus  Judiciarius  ipsius  Mascaron  contra  genus  humanum.*    9  Bl&ttw. 

11.  „Liber  de  arte  moriendi.*'    81  Blätter. 

12.  „Donatus  allegoricus."    7  Blätter.  — 

Der  in  dieser  Vollständigkeit  und  prächtigen  Erhaltung  ganz  ausserordentlich 
seltene  Miseellan-Druck  enthält  die  ersten  typographischen  Producte  der  Zainer- 
schen  Offizin  ohne  Datirung.  No.  2  und  3  hängen  typographisch  zusammen;  idle 
übrigen  waren  jedenfalls  auf  den  Einzelverka'Uff  berechnet  imd  sollten,  dem  altoQ 
Geheiomisse  der  ältesten  Drucker  gemäss,  wahrscheinlich  als  Manuscripte  gelten. 
Nur  am  Schlüsse  der  hier  in  erster  eminent  seltener  Ausgabe  erscheinenden  ^ImiU- 
tatio  Christi'^,  dem  nächst  der  Bibel  populärsten  und  naeh  und  nach  über  die  guue 
Erde  verbreiteten  Andachtsbuche,  findet  sich  der  Name  des  Typographen ;  aber  die 
vollständige  Uebereinstimmnng  der  fetten  gothischen  Typen  in  allen  zwölf  Drucken 
ergiebt  Günther  Zainer  evident  als  Drucker  aller  dieser  Werke. 

Unser  schönes  Exemplar  im  wohlerhaitenen  mit  vergoldetem  Messing  beschlagenen 
Lederbande  stammt,  wie  auch  das  Wappen  auf  dem  Rücken  des  Einbandes  beweist, 
«US  der  ehemaligen  ku/rfürstUchen  Bibliothek  zu  Berlin.  Beim  YerscImielzeD  jener 
kurfürstlichen  Sammlung  mit  der  gegenwärtigen  öffentlichen  Berliner  Bibliothek  wurden 
die  sich  ergebenden  Doubletten  versteigert ;  das  Exemplar  gelangte,  laut  einer  eigen- 
händigen ausführlichen  Inschrift  auf  den  Vorsatzblättern  des  Buches,  zunächst  in  den 
Besitz  des  berühmten  Sammlers  Bamheim,  und  von  diesem  in  unatr  Museum.  Fnauet 
hat  sämmtliche  zwölf  Traktate  unter  Einer  Nimuuer  in  Band  I  Seite  131  and  132 
näher  beschrieben.  — 

No.  501. 

Augsburg,  Grünther  Zainer,  circa  1467«     FolioFormat 
Diese  jedenfalls  früheste  typographische  Ausgabe  der  „Kunst  zu  sterben*  ist  von 
grösster  Seltenheit.  Wir  besitzen  sie  noch  einmal  in  4em  Sammelbande  dieses  Druckers 
imter  Augsburg  No.  500.  

No.  502  &  503. 

5lu9tt|llm  ^,1tiber  be  animae  quantitate^^ 
^,ttber  30Ul0qttt0rum/^ 

Augsburg,  Günther  Zainer,  circa  1468«     Folio-Format. 
Diese  zwei  seltenen,  in  dem  Miscellan-Bande  No.  500  schon  enthaltenen  Traetate 
Augusiins:  „Von  der  Seelengrösse*  und  „Selbstgespräch  mit  seiner  Vernunft*  befin- 
den   sich  einsein  gebunden  und  in  vorzüglich  schönen  Exemplaren  nochmals  in  un* 
serer  Sammlung.  — 


—     Augsburg.     —  241 

No.  504. 

^3umma  laagiflri  be  ^urbad),  Dtcarij  IBambergenliJ/^ 

Angsbnrgr^  Günther  Zainer,  1469.     Folio-Format. 

Hain  No.  S194.  —  Zweiti^  Augsburger  Druck  mit  Jahreahl  and  Firma  des 
berühmten  Typographen.  Prachtexemplar  auf  starkes  pergamentartiges  Papier  mit 
sehr  breitem  Rande  gedruckt.  Die  Typengattung  ist  wesentlich  kleiner  wie  diejenige 
der  ersten  Zainersehen  Druclce,  die  wir  oben  mit  1466—68  bezeichneten. 

Das  Werk  enthält  eine  Anweisung  für  die  Geistlichen  bei  ihren  Amtsvorrich- 
tuQgeo;  so  zum  Beispiel  bei  der  Beichte  auf  Blatt  6  recto:  „satlsfaetio  consistit  in 
tribas,  scilicet,  oratione,  jejunio  &  elemosina  . .  .  oratio  sit  contra  superbiam,  jejunium 
contra  carnis  concupiscentiam  &  elemosina  contra  avariciam  . . .  •  Elemosina  com- 
pletias  habet  vim  satisfactionis  quam  oratio  yel  Jejunium I*  Zu  deutsch:  „Die 
Genugthuang  besteht  in  Dreierlei,  nämlich:  Gebet,  Fasten  und  Almosen;  das  Gebet 
gegen  den  Hochmuth,  Pasten  gegen  die  Begierde  des  Fleisches  und  Almosen  gegen 
den  Geiz.  Almosen  aber  haben  grössere  Kraft  bei  der  Qenugthuung 
ols  Gebet  und  Fasten  !**  Das  Werk  ist  seinem  Werthe  entsprechend  vorzüglich 
scbön  in  rothes  Leder  gebunden  und  reich  mit  Silber  beschlagen.  — 


No.  506. 

Angsbargr^  Günther  Zainer,  1469«  Gross  Folio-Format. 
Von  diesem  Catholicon,  das  noch  weit  seltener  als  das'  Gutenberg'sche  von  1460 
geworden  ist,  besitzen  wir  wenigstens  einige  wohlerhaltene  Blätter,  und  zwar  auf 
Pergament  sowohl,  wie  auf  Papier.  Dieses  Werk  gilt  als  das  eweite  gedruckte  Catho- 
licon, imd  Jedensfalls  ist  es  die  zweite  daUrte  Ausgabe,  wenn  auch  das  grossartige 
CathoUcon  Johann  Mentelin's  mit  dem  bizarren  R  bereits  1467  erschienen  sein  dfirfte, 
obschon  es,  wie  die  allermeisten  Mentelin'schen  Drucke,  leider  keine  Jahrzahl  trägt. 
Die  Type  des  obigen  stimflMnit  derjenigen  der  , Summa'  von  Aurbach  uberein.  Hain 
No.  2256.  —  

No.  506. 

Guilielmi  Durandi   „Kationale   divinorum  offlciornm". 

Augsburg' 9  Günther  Zainer,  circa  1470*  Gross  Folio-Format. 
Diese  seltene  zweite  datirte  Ausgabe  des  RtUionale  ist  mit  derselben  Type 
▼ie  das  „CaihoUeon"  desselben  Typographen  gedruckt,  welche  übrigens  ftnppirende 
Aehnlichkeit  hat  mit  der  Type  des  „Mationale*'  von  tTohann  Zainer  in  ITZm 
and  sog»  in  der  Orösse  nüt  ihr  übereinstinomt ,  denn  die  50  Zeilen  der  Columnen 
sind  in  beiden  Werken  29  Centimeter  hoch.  Offenbar  hat  die  eine  der  andern  zur 
Vorlage  gedient,  und  es  bleiben  nur  geringe  Merkmale  zur  Unterscheidung  beider 
iSchriftgattungen  übrig,  weshalb  es  nicht  zu  verwundem  ist,  dass  beide  gleichnamige 
Drucker  um  so  häufiger  verwechselt  worden  sind.  Kleine  Differenzen  in  den  Typen 
finden  sich  namentlich  bei  der  einen  Gattung  des  M  und  des  JP.  Günther  Zainer^s 
H  ist  nach  unten  mehr  rundlich  geschlossen,  das  des  Johann  dagegen  mehr  offen. 
^)ie  beiden  P  unterscheiden  sich  nur  in  der  Lange  des  kleinen  untern  Querhäkchens. 
Hain  No.  6472.  —  

No.  507. 

®utUfrmu0:  ^,^o(liUa  fuper  rpiftolaö  et  cDangrUa." 

Augsburg^  Günther  Zainer,  circa  1470*     Folio-Format. 
Dieses  Werk   hat  weder  die  Angabe  des  Druckjahres  noch  des  Typographen, 
4ber  die  dicken  gothischen  Typen  Zainer^s  sind  ein  unverkennbares  Zeichen  für  den 

1.6 


242  —     Augsburg.     — 

Drucker.  Der  Theologe  Guillennus  oder  Guilerinus  sammelte  im  18.  Jahrhundert 
diese  Predigten  zur  Benntsung  für  den  unerfithrenen  Clerus  und  nennt  in  der  Vor- 
rede die  Quellen  derselben.    B.ain  Nr.  8288.  — 


No.  508. 

Sobfricu0  |amorfn|t0:  ,^5|ifculttm  Dttae  t)ttmanaf.** 

Augsburg^  Günther  Zainer,  14  71,     Folio-Format 

Mit  der  fetten  Type  Zainers  gedruckt.  Am  Schlüsse  befinden  sich  Firma  und 
Datirung,  worauf  noch  8  Blätter  Tabula  folgen.  Der  Autor  ist  ein  Spanier,  Bisehof 
zu  Zamora.  lieber  die  Veranlassung  zu  diesem  Werke,  welches  zuerst  in  Rom  1468 
bei  Sweinheym  &  Pannartz  gedruckt  wurde,  erzählt  der  Verfasser  selbst:  »Nacb 
geendeten  Studien  zu  Salamanca  sollte  er  einen  Lebensberuf  wählen;  es  wird  darnber 
▼on  Rodericus,  seiner  Mutter  und  Anverwandten  eine  Berathschlagimg  gehalten  und 
daraus  entstand  das  Werk.  Nachdem  sie  alle  Stände  durchgegangen  sind  und  m 
von  der  guten  und  schlimmen  Seite  betrachtet  haben,  fehlt  es  zum  Schlüsse  doch  an 
der  Entscheidung,  welcher  Stand  der  beste  sei".  Hain  Nr.  13940.  Das  Exempltr 
befindet  sich  noch  im  alten  Original-Lederbande  mit  Messingbeschlag.  — 


No.  509. 

$er   }m\U  btdtjer  gau;  unbekannt   genirfenr  ^ugsburger 
Ikütnbtx  in  bmtfdjfr  3firad)f  auf  bas  H^x  1472. 

Angrsbnrg^  Günther  Zainer,  um  1471.     Ein  Blatt  Quer-Folio. 

Unter  Kalas  in  Messingrahmen.  Das  höchst  wichtige  Fragment  ist  wahrscheinlich 
Uriicwn.  Bisher  kannte  man  nur  den  ersten  deutschen  Kalender  Günther  Zalner^ 
auf  das  Jahr  1470,  welchen  der  Hofbibliothekar  Steigenberger  im  Jahre  1784  in  der 
kurfürstlichen  Bibliothek  zu  München  an  der  Decke  eines  alten  Buches  klebend  fand 
und  an  das  Licht  zog,  das  ihn  freilich,  in  Deutschland  nicht  lange  beschien,  —  denn 
er  befindet  sich  gegenwärtig  in  der  Nationslbibliothek  zu  Paris. 

Die  Typen  imsers  Kalenders  sind  genau  dieselben,  womit  Qünther  Zainer  sein 
ebenfalls  nahezu  verschwundenes  ,Catholioon<'  mit  Firma  und  Jahrzahl  1469  druckte, 
dem  wir  schon  oben  unter  diesem  Jahre  begegneten,  und  das  Hain  unter  No.  8866 
richtig  bezeichnet.  Da  der  Kalender  nach  der  Ueberschrift  ffir  das  Sdialljahr  1478 
bestimmt  war,  geschah  der  Druck  Jedenfalls  noch  im  Jahre  1471.  — 


No.  610. 

jjpbori  Hifjjalcnps  ,^(ffti)mol09iarum  librt  ^^/^ 

Augsburg^  Günther  Zainer,  1472.    Folio-Format. 

Hain  No.  927?.  —  Diese  Ausgabe  des  Isidorus  hat  in  zweifacher  Hinsicht  n 
Lrrthümem  der  Bibliographen  Veranlassung  gegeben.  Einer  Nachricht  MeermamCs 
in  seinen  „Origines  typographicae<'  II,  ind.  8  Seite  386,  No.  9  zufolge  soll  die  obige 
Ausgabe  des  Isidorus  das  erste  Buch  m  Deutschland  gewesen  sein,  in  welchem  dU 
römische  Schriftgattimg  angewendet  wurde,  und  somit  Zainer  derjenige  Tjpograph, 
welcher  dieselbe  naoh  dem  Vorgange  Italiens  durch  Sweinheym  &  Paonarts  in  Rom 
m  Deutschland  eingeführt  habe. 


—     Augsburg.     —  243 

Wir  haben  bereits  unter  Strassburg  auf  Seite  103  bewiesen,  dass  diese  beiden 
Nachrichten,  -welche  seitdem  von  neuem  und  neuesten  Bibliographen  tapfer  colporürt 
wurden,  ganz  falsch  sind;  denn  fast  ein  Jahrzehnt  früher,  als  Günther  Zainer  in 
Aagsburg  und  ein  Lustrum  eher  wie  Sweinheym  &  Pannartz  in  Rom,  druekte  schon 
der  berühmte  Mentelin  in  Strassbui^  mit  einer  schonen  römischen  Type,  welche  wir 
in  zahlreichen  Drucken  seiner  Offizin  angetroffen  haben. 

Den  zweiten  Irrthum  hat  Panzer  hervorgerufen,  der  in  seinen  ^Annalen  der 
altern  deutschen  Literatur"  Seite  102  bei  der  Beschreibung  des  Parzival  und  Titurel 
ausspricht,  dass  die  Typen  ganz  mit  denen  übereinkämen,  welche  Günther  Zainer 
zu  denisidori  Etimologiarum  libri  XX  von  1472  gebraucht  habe.  Wie  falsch  auch 
diese  Nachricht  ist,  kann  man  bei  nur  flüchtigem  Typen  vergleich  des  Titurel  von 
■2477  und  des  Zainer^schen  Isidorus  von  1472  einsehen,  wie  wir  dieses  auch  schon 
an  anderer  Stelle  bei  dem  unter  Strassburg  beschriebenen  Titurel,  welcher  .von 
Johann  Mentelin  gedruckt  ist  und  sich  unter  No.  181  unserer  Sammlung  befindet, 
ansführlich  begründet  haben. 

Hier  genüge  dieser  nodimalige  Hinweis  auf  den  grossen  Schnitzer,  welcher  von 
vielen  Bibliographen  nachgeschrieben  und  unsers  Wissens  nur  von  Brv/net  vermieden 
worden  ist. 

Das  Facsimile  der  römischen  Charaktere  dieses  Werkes,  welches  Braun  in 
seiner  „Notitia"  auf  Tafel  II  Nr.  7  giebt  —  zu  schweigen  von  den  unglücklichen 
Schrift -Alphabeten,  welche  Herr  Hofrath  Zapf  seiner  „Augsbuiger  Buchdruckerge- 
geschichte"  beigegeben  hat  —  ist  in  den  Minuskeln  unrichtig.  Unter  No.  6  giebt  er 
ein  Majuskel -Alphabet,  welches  wir  in  Thomas  de  Aquino:  Catena  aurea  unter 
nächster  Nummer  finden  werden,  und  zu  welchem  die  semigothischen  Minuskeltypen 
seiner  No.  7  passen  würden,  obgleich  sie  etwas  grösser  scheinen.  Wahrscheinlich  hielt 
Braun  beide  Minuskel-Alphabete  des  Isidorus  und  der  Catena  für  übereinstimmend 
nnd  gab  deshalb  zu  zwei  Majuskel- Alphabeten  nur  ein  Alphabet  kleiner  Buchstaben; 
es  ist  dies  aber  ein  grosser  Irrthum.  wie  man  bei  gewissenhaftem  Vergleich  ersehen 
kann.  Das  am  Schlüsse  mit  Druckfirma  und  Datirung  versehene  Werk  hat  den 
Original-Schweinslederband  mit  schönen  Messingbeschlägen.  — 


No.  611. 

St)oma0  be  ;?lquino:  ^^Satina  aurea  ^m  conttnuum  in  qua- 

luor  fDangeliflas.*^ 

Augsburg)  Günther  Zainer,  circa  1472«     Folio-Format. 

Dieser  dickleibige  Foliant  hat  weder  Angabe  des  Druckers  noch  Datirung.  Der 
Text  ist  mit  der  fetten  Zainer^schen  Type,  die  Erklärungen  mit  einer  halbrömischen 
kleineren  Schrift  gedruckt,  von  deren  eigenthümlichen  Majuskeln  Braun  in  seiner 
,Notitia"  auf  Tai.  II  No.  6  ein  entsprechendes  Facsimile  giebt;  die  Buchstaben  H,  I, 
L,  M,  N,  T  zeichnen  sich  durch  kleine  runde  Buckel  aus,  die  ihnen  angesetzt  sind; 
beim  Isidorus  No.  510  finden  wir  ein  solches  H. 

Mit  diesen  ganz  merkwürdigen  Formen  steht  Günther  Zainer  ganz  einzig  da; 
ein  ähnliches  H  findet  man  nur  bei  Reyser  in  Würzburg  und  Husner  in  Strassburg, 
bei  letzterem  hat  aber  das  H  denselben  Buckel  unterhalb  des  Querbalkens,  während 
er  sich  bei  Zainer  oberhalb  desselben  befindet  Die  obige  Ausgabe  der  ,  goldenen 
Kette"  oder  Evangelien  -  Erklärung  ist  Editio  princeps.  Hain  No.  1328.  Einband: 
hellbraun  omamentirtes  Leder  mit  Buckeln  und  Schliessen.  — 


16* 


244  "~     -A-ugsburg.     — 

No.  512. 

,,9if  fünflf  icutfdjf  3\btV' 

An^sbur^^  Günther  Zainer,  circa  1473*     2  Bände  Gross  Folio. 

Diese,  alle  andern  Bibeln  durch  ihr  überaus  grosses  Formai  überragende,  nacb 
dem  Text  der  Yulgata  verbesserte  fünfte  deutsehe  Hibel  hat  am  Schlüsse  die 
Angabe  des  Druckortes.  Die  fette  Zainer^sehe  Type ,  mit  welcher  sie  gedruckt  ist, 
stellt  nnsem  ersten  Augsburger  Drucker  als  rühmlichen  Erzeuger  des  schönen 
typographischen  Denkmals  ausser  Zweifel. 

Jedes  „Buch"  des  schonen  Bibelwerkes  fangt  mit  einem  schönen  9  Centimeter 
hohen  und  7Vi  Centimeter  breiten  in  Holz  geschnittenen  Initial-Buchstaben  an,  in 
welchem  eine  auf  die  Geschichte  des  Buches  bezügliche  Abbildung  vorhanden  ist 
Kleinere  Initialen  sind  roth  eingedruckt.  Der  würdige  Einband  des  grossen  Folianten 
besteht  aus  braunem  Juchtenleder  mit  schweren  Messingbeschlägen  und  Buckeln. 
Hain  No.  8183. 

No.  513. 

Smtti  %txmxi\  ^^(ffptflala  it  cura  et  mobo  rft  fainiliarw*^ 

Au^sbnrgTy  Günther  Zainer,  circa  1478«     Ein  Blatt  in  Gross-Folio. 

Diese  höchst  seltene  Ausgabe  des  Briefes  des  Heiligen  Bernardi*s  an  seinen  Enkel 
Eay1mlnd^l8  „über  Verwaltung  des  Hauses  und  der  Familie"  ist  auf  einem  grossen 
Folio-Blatte  mit  der  kleineren  gothischen  Type  Günther  Zainer^s  gedruckt.  Zapf  er- 
wähnte davon  ein  Exemplar  Band  II  No.  111 ,  aber  ungenau.  Panzer  und  Hün 
haben  indessen  keine  Notiz  davon  genommen. 

Das  Blatt  ist  in  60  Zeilen  auf  einer  Seite  gedruckt.  Der  Anfan»  lautet: 
,,3itcipit  epiflola  ütuti  bemarbi  ab  ttaiimmtbit  nepoUm  ||  fttom  He  ntra  ft  mobo  retfun- 
iiaris  Dtilitu  gnbernanbo.**  Der  Schluss:  ',,3mpr(|ra  tfl  prefens  tvVa  in  angsflo  •  ptr 
ffint^entm  jaincr  be  Ketttlittcien.''  Es  ist  dies  jedenfalls  die  erste  Ausgabe  dieses 
spätestens  1478  gedruckten  Briefes,  ein  enorm  rarer  Einblattdruck ,  der  sich  unter 
Glas  und  Messingrahmen  in  imserer  Sammlung  befindet.  — 

Mit  den  bisher  angeführten  fünfundzwanzig  hervorragenden  imd  seltensten 
Druckwerken  Günther  Zainer's  sind  die  Leistungen  dieses  berühmten  Typographen 
genugsam  documentirt.  — 


^ojjannea  3d)tteper, 

1470  bis  1472. 

Der  zweite  Augsburger  Drucker,  dessen  Drucke  sich  durch 
schönes  weisses  Papier  und  durch  gefallige  Typen  auszeichnen. 
Von  Letzteren  wird  behauptet,  dass  sie  frühere  Zainer'' sehe  Typen 
wären,  wofür  aber  zum  Mindesten  keine  Belege  vorhanden  sind. 
Die  Druckerei  Schüssler'' s  ging  laut  einer  Urkunde  vom  Jahre  1472 
schon  in  diesem  Jahre  durch  Kauf  mit  Lettern  und  allem  Zubehör 
für  73  Gulden  an  das  Kloster  St,  Ulrich  <St  Afra  über,  dessen 
typographische  Leistungen  wir  später  kennen  lernen  werden.  — 


r 


—    Augsburg.     —  245 

No.  514. 

3flat)m0  J>0fept)U0:  ^^ftbri  antiquitatum  ^^^^ 
,St  beU0  jttiatco  libri  »^JT/^ 

Augsburg*^  Johannes  Schuessler,  1470*    Folio-Format 

Diese  Ausgabe  der  ^Jüdischen  Alterthümer*  und  des  „Jüdischen  Krieges  mit 
den  Bomern*'  ist  die  EdiUo  princeps,  und  Exemplare  derselben  sind  nach  De  Bure  I 
Seite  464  und  Supplement  No.  2840  höchst  selten  und  gesucht.  Zugleich  ist 
die  Ausgabe  der  erste  Druck  Schüssler' 8 ,  dessen  letzten  Druck  wir  bereits  in 
oicbster  Nunmxer  antreffen,  da  seine  tyiragraphische  Thätigkeit  nur  eine  kurze  war. 
Das  Exemplar  des  Josephus  ist  mit  mehreren  in  Farben  und  Gold  ausgeführten 
Initialen  und  schönen  Bordüren  geziert.  Der  schöne  braune  Lederband  ist  mit 
geschmackvollen  Beschlägen  ausgestattet.    Hain  Nr.  9451.  — 


No.  515. 


lacobttd  be  Sb^^^mo:  «^Confolatto  pKcatorum  |toe  iSialops 

IBflial/^ 

Augsburg^  Johannes  Schuessler,  1472*     Folio-Format. 

Der  letzte  Druck  Schüsslers  und  die  erste  daUrte  Ausgabe  dieses  zu  damaliger 
Zeit  sehr  verbreiteten  originellen  Prozessbuches,  von  dem  wir  schon  unter  Bamberg 
«af  Seite  87  eine  Beschreibung  gaben.  Das  Werk  ist  in  sehönem  Einbände  mit  ver- 
silberten Beschlägen  und  Buckeln  versehen. 

Bei  Hain  sucht  man  den  Artikel  „Theramo"  vergeblich,  obgleich  er  unter  „Belial-' 
and  „Jacobus"  darauf  verwiesen  hat.  Es  folge  daher  eine  genauere  Beschreibung: 
Die  Ausgabe  enthalt  115  unbezeichnete  Blätter  mit  85  Zeilen  auf  der  vollen  Seite. 
Der  Anfang  lautet:  Hentrrnbi  patris  bowini  3acobi  be  31)cramo  Comptnbin  pbretu  | 
Confolatio  ptccatomm  itnncapatttin :  (St  apub  nonnnllos  £tUal  ||  oocitatnm .  ab  papäQrbann 
feita«  Mttfcriptttm:  3ttcipit  ftlicittr."  Der  Schluss:  „grpUcit  lib'  bellal  ttücttpQt9  al's 
Dcton  jfolatio  Der  3o^\  ädiUVt  ||  eine  Sing*,  impfftts  .  Uno  bni  üiocccclrrii.  3nlti  oero 
ttj«as  tjj."  — 


€l)n|lmann  ^(t)ni)^ 

1471  bis  1481. 

Dieser  sehr  wenig  bekannte  Typograph,  dessen  ersten  Druck 
wir  besitzen,  hat  wahrscheinlich  seine  Druckerei  mit  Günther  Zainer 
zusammen  betrieben,  denn  sowohl  der  in  unserer  Sammlung  befind- 
liehe  Druck  als  auch  das  zweite  von  ihm  bekannte  Werk,  welches 
Gras  in  seinem  „Verzeichniss  typographischer  Denkmäler  zu  Neu- 
stift in  Tyrol"  I.  Sammlung,  Seite  52  verzeichnet:  „Das  sacrament 
d'  heiligen  Ee"  vom  Jahre  1481,  sind  mit  Zaiiier's  fetter  gothischer 
Type  gedruckt.  — 


246  —     Augsburg.     — • 

No.  516. 

(ßuibo  be  monte  1lotl)em:  ^iMAtivfXLluB  curatorum/^ 

AugnsbnrgTj  Christmann  Heyny,  1471.    Klein  Folio-Format. 

Dieses  Buch,  eine  „Anweisung  für  die  Priester  bei  allen  Handlungen  des  Gottes- 
dienstes", hat  unter  der  Geistlichkeit  eine  grossartige  Verbreitung  genossen.  Hain 
citirt  davon  unter  No.  8157  bis  8215  nicht  weniger  als  Ö9  Ausgaben,  welcb«  bis 
1500  ers<dilenen  sind  und  wovon  die  obige  Ausgabe  unter  No.  8171  die  erste  datirU 
und  sehr  selten  ist.  — 


1472  bie  1495. 

Johann  Bämler  zählt  ebenfalls  zu  den  bedeutenderen  Augs- 
burger Typographen  des  fünfzehnten  Jahrhunderts.  Ihm  gebührt 
namentlich  das  Verdienst,  in  seinen  Druckwerken  besonders  die 
deutsche  Sprache  gepflegt  zu  haben.  Seine  eigenthümlichen  Typen 
nähern  sich  der  Fractur-Schrift;  aus  einzelnen  Buchstaben,  M,  N,  A 
und  andern  scheint  sichtlich  französisch-holländischer  Einfluss  hervor- 
zugehen. — 

No.  517. 

Angsburg,  Johann  Bämler,  1472«  Folio-Format. 
Die  erste  daiirte  Ausgabe  dieses  Werkes,  dem  wir  schon  wiederholt  in  andern 
Ausgaben  begegneten.  Es  sei  hier  noch  angefügt,  dass  der  Verfasser  Johmmes  Nyder 
diese  geistlichen  Aufs&tze  den  y^Collationes  patrum  XXI V*  des  CSMSüznu«  entlehnt  hat, 
welche  er  in  freier  Uebersetzung  theils  mit  Verkürzungen,  theils  mit  Erweiterungen 
in  die  deutsche  Sprache  übertrug.  Am  Schlüsse  des  Werkes  befindet  sich  die  Druck- 
firma nebst  Datirung.  Hain  No.  11847.  Das  Werk  befindet  sich  in  altem  schönen 
Lederbande  mit  Schliessen.  — 


No.  618. 

,8ol)anne0  ^nbrra:  „jBer  IBoin  brr  jfpptcn  frfint fdjafft.^^ 

Angnsblirg,  Johann  Bämler,  14 74,     Folio-Format. 

Ist  mit  einer  kleinen  Type  von  holperigem  Charakter  gedruckt.  Der  dünne 
Foliant  um&sst  nur  6  Blätter,  von  denen  das  letzte  eine  Tafel,  den  Baum  derVer- 
wandtscha/t  j,Arbor  consanguinitatis*  vorstellt.  Am  Schlüsse  befindet  sich  die  Fiims 
und  Datirung.    Hain  No.  105S.  — 

Panzer  besass  nach  den  „Annalen"  No.  57  eine  Ausgabe  ohne  Firma  und  Datirung, 
welche  eine  deutsche  Uebersetzung  von  dem  „Tractatus  Jo  .Andreae  super  arboribiis 
consanguinitatis,  affinitatis,  cognationis  spiritualis  nee  non  legalis**  war. 

Unsere  Ausgabe,  welche  nur  eine  kürzere  Bearbeitung  des  lateinischen  Trsctstus 
des  Andrea  ist,  besass  Panzer  nicht  und  führte  sie  auf  Seite  81  nur  nach  Zapf s  „Buch- 
druckergeschichte  von  Augsburg"  an;  er  knüpft  daran  die  Fragen:  „Vielleicht  ist 


—     Augsburg,     —  247 

b«i  der  gegenwärtigen  auch  eine  Uebersetzung  des  im  lateinisohen  befindlichen 
arboris  consangutnitatis  legaUsf  Vielleicht  ist  diese  unter  der  ,t„vnver8ckaffien 
Erbschaft""  zn  verstehen?"  — 

Wir  wissen  nicht,  ob  Panzer  die  Antwort  bei  Lebzeiten  erhalten  hat;  aber  Beides 
ist  nicht  der  Fall.  Die  Consanguinitas  legalis»  das  ist:  eine  Verwandtschaft  durch 
Toriiergegangene  Adoption,  ist  auch  in  dieser  Ausgabe  nicht  enthalten;  die  ^vnver- 
ichaffte  Erbschaft^,  wie  die  Schlussschrift  sagt,  bezieht  sich  auf  den  Inhalt  der 
guzen  Abhandlung,  und  soll  wohl  die  rechtmässige  Erbfolge  ohne  anderslautende 
teBtamentarische  Bestinunungen  bedeuten.  — 


No.  519. 

Hlid)ael  Ät^rirk:  ^^Uon  au^gfbrantten  nja|fern*^ 

AQgsbnrgr,  Johannes  Bämler,  1482.    Klein  Folio-Format 

Die  Schlussschrift  dieser  noch  nicht  beschriebenen  Ausgabe  lautet:  ^Cebnükt 
isttb  QoUtnnbit  oon  3o-|,l>oniti  ItfimUr  ^n  Zu^fpitrs.  ün  fanct  || Ülargaretieit  abent. 
3I1110  bonini.  ||  Ül.  cccc .  Irrttj.  \ta.  icl'*  Sie  umfasst  14  unbezeichnete  Bl&tter  mit 
S8  Zeilen  auf  der  vollen  Seite. 

Zapf  und  Pamer  kannten  folgende  Augsburger  Ausgaben:  Bämler  1478;  Blau- 
birer  1481  und  1482;  Sorg  1488;  Schoensperger  1484.  Hain  citirt  noch  Ausgaben 
▼on  Schönsperger  1488  und  14SS;  Froscbauer  1496,  ohne  sie  gesehen  zu  haben. 
Gnesse  citirt  auch  die  vorliegende,  aber  nur  ganz  kurz.  Die  Type  ist  die  schon 
bekannte  grossere.  — 

No.  520. 

^^^u^Ugung  itB  amyitre  ber  tjetfligen  mrlJe/^ 

Augsburg,  Johann  Bämler,  1484.    Folio-Format 

Wenn  Zapf  in  seiner  „Buchdruckergeschichte  von  Augsburg"  I  Seite  78  bei 
Beschreibung  dieses  ohne  Firma ,  nur  mit  der  DaÜnmg  gedruckten  Werkes  von 
den  Typen  desselben  urtheilt,  dass  sie  „den  Sorgischen  sehr  nahe  kommen",  so 
müssen  wir  hingegen  bemerken,  dass  gleich  der  erste  Anblick  des  Buches  uns  auf 
Bämler  schliessen  liess.  Bestätigt  wurde  unsere  Ansicht  auch  durch  ein  Alphabet, 
welches  Braun  auf  Tafel  I  No.  6  des  zweiten  Theiles  seiner  „Notitia"  von  Charakteren 
Johann  Bämler^s  giebt,  mit  welchen  Letzterer  nach  der  Vorrede  desselben  Theiles 
den  mit  Firma  und  Datirung  versehenen  ,4>eutschen  Kalender**  von  1488  gedruckt 
luit.    Hain  hat  unter  No.  2144  die  falsche  Vermuthung  Zapfs  nachgeschrieben.  — 


No.  521. 

^jjBie  Hier  Vixib  ^metncjtg  gulbin  l)ar)))fen/^ 

Augrsburgr,  Johann  Bämler,  1488«     Folio-Format. 

Da  Zapf  zwei  verschiedene  Ausgaben  des  Werkes  vom  Jahre  1488  anfuhrt,  geben 
wir  nachfolgend  die  Schlussschrift  de?  vorliegenden:  ,,Das  Idblil^  oi  nttQli4)  bBdl  ^ot 
^rtruAt  3ol|ati-||nes  fifimter  jn  ZngfpnrQ.  Vnb  uoleibet  %m.  freii-Htag  oor  fant  M\i^ti% 
tsg.  3lnno  xt,    3«  bi,  Ifnriii/' 

Uebrigens  ist  die  von  Zapf  aus  dem  Museum  Helveticum  Tomus  VI,  Particula  XXIII 
pag.  377 — 878,  dtirte  Ausgabe  vom  „sant  Bartholmäus  Abent"  desselben  Jahres  auch 
siAter  von  Niemand  gesehen  worden,  so  dass  man  an  der  Existenz  der  sonderbaren 


248  —    Augsburg.     — 

ztoM  Auflagen   in   zwei   aufeinander  folgenden  Monaten  wohl  nieht  unbedingt  fest- 
halten dar! 

Panzer  beschreibt  die  Torliegende,  zwei  colorirte  Holzschnitte  in  Blattgrösse  ent- 
haltende Ausgabe  genau.  Ihre  grossen  Typen  finden  wir  bereits  früher.  Hain 
No.  11852.  Das  Exemplar  hat  noch  den  alten  wohlerhidtenen  Schweindederband  mit 
starken  Schliessen.  — 


1472  bi8  1516  (1). 

Die  von  Vielen  angezweifelte  Existenz  dieser  Druckerei  liat 
der  Geheime  Rath  Zapf  in  seiner  „Augsburger  Buchdruckerge- 
schichte** in  hartem  Kampfe  mit  andern  Meinungen  urkundlich 
bewiesen»  Nach  dem  dort  mitgetheilten  Facsimile  jener  Urkunde 
erwarb  das  Kloster  im  Jahre  1472  fünf  Pressen  der  Schüssler  schtn 
Druckerei  nebst  allem  Zubehör  für  den  Preis  von  73  Gulden. 

Durch  einen  handschriftlichen  „Catalogus  Abbatum  monasterii 
SS,  Vdalrici  &  Afrae**  eines  zu  derselben  Zeit  im  Kloster  leben- 
den Schriftstellers  Wilhelm  JVittwer,  ist  ferner  nachgewiesen,  dass 
der  gelehrte  Abt  des  Klosters  Melchior  de  Stamphain  oder  Stein- 
heim, auch  Stanham,  den  ,,Dialogum  beati  Gregorii  in  moralibtis 
in  vulgär i",  beendet  1473,  und  die  „Sermone s  aureos  Magistri 
Leonardi  de  Utino  de  sanctis" ,  beendet  1474,  drucken  Hess,  und 
dass  er  ferner  die  Vollendung  des  letzteren  und  eines  dritten  Werkes, 
des  „Speculum  historiale"  von  Vincentius  in  drei  Bänden,  nicht 
erlebte,  dass  vielmehr  beide  durch  seinen  Nachfolger  zu  Stande  ge- 
bracht wurden,  nachdem  er  bereits  1474  gestorben  war. 

Hierdurch  wurden  Anhaltspunkte  gegeben,  auch  andere  Drucke, 
welche  im  Kloster  producirt  wurden,  von  denen  aber  kein  einziger 
eine  darauf  bezügliche  Angabe  enthält,  durch  Typen-Vergleichungen 
aufzufinden.  In  Nachfolgendem  werden  wir  drei  dieser  typographi- 
schen Cimelien  näher  kennen  lernen.  — 


No.  622. 

Leonard!  de  TJtino  „Sermones  aurei  de  sanctis". 

Augrsbnrgr^  im  Kloster  St.  Ulrich  &  Afra,  1474.  Folio-Format. 
Des  Leonardus  von  Utino  „goldene  Predigten  von  den  Heiligen"  haben  wir 
bereits  in  dem  kurzen  Vorworte  über  die  Druckerei  des  Klosters  St.  Ulrich  &  Afra 
als  eines  der  Werke  genannt,  die  in  dem  gleic4izeitigen  Manuscripte  des  WUhelm 
Wittwer  als  solche  erwähnt  werden,  welche  der  Abt  des  Klosters  Mdchior  von 
Steinheim  hatte  drucken  lassen;  die  vorliegende  Ausgabe,  welche  am  Schltisse  die 
Datirung  enthält,  ist  daher  als  Druck  des  berühmten  Klosters  von  vornherein  legitimirt. 
Von  der  schonen  römischen  Type  hat  Braun  in  seinen  Notitia  auf  Tabula  III  No  VI 
ein  treffendes  Facsimile  gegeben.    Hain  No.  16180.  — 


r 


—     Augsburg.     —  249 

No.  528. 

^ntoniue  1Sam])tgoUta :  ^^i3tr  brutfd)  gulbtn  ISibrl  nad) 

AngfSburgj  im  Kloster  St.  Ulrich  Sc  Afra,  circa  1475.    Klein  Folio. 

Diese  ungemein  seltene  Uebersetzung  der  „Aurea  BibliA"  oder  des  ^Repertorium 
Bibliae'  —  von  dem  italienischen  Professor  des  canonischen  Rechtes  Antonius  Rampi- 
gollns,  AmpigoUus  oder  Rampelogus  im  14.  Jahrhunderte  veräisst  —  hat  als  Schluss- 
scbrift  die  Worte :  ,,!){(  enbrt  bi(  gtilMn  6{iiel  gebmdit  }vi  Zugsimri)/'  Wer  sie  aber  in 
Augsburg  gedruckt  haben  könne,  dies  festzustellen  ist  man  bis  heute  in  Verlegenheit 
gevesen.  Es  kann  indessen  hierüber  gar  kein  Zweifel  sein,  wenn  man  sie  mit  dem 
prächtigen  Werke  Salemonis  ^Oloisae  ex  ittustrisgimis  collectae  auctoribus'^  vergleicht, 
das  spätestens  1476  mit  denselben  Typen  wie  die  Sermones  Leonardi  de  Utino  in 
der  Druckerei  des  Klosters  St.  Ulrich  &  Äfra  hergestellt  und  mit  prachtigen,  sehr 
geschmackvoll  gezeichneten  Initialen  verziert  wurde,  die  heute  noch  vielfach  als 
Muster  dienen. 

.  Eben  diese  Initialen  nämlich  finden  sich  auch  in  der  y^Quldin  BiheV^  und  obwohl 
die  übrigen  Typen  der  beiden  seltenen  Werke  verschieden  sind,  so  wird  hierdurch 
der  gemeinsame  Ursprung  beider  Werke  aus  derselben  Offizin  dennoch  zur  Evidenz 
ersichtlich.  Wunderbar  genug  ist  es,  dass  ein  so  charakteristisches  Merkmal  bisher 
allen  Bibliographen  entgehen  konnte. 

Nachdem  wir  nun  einerseits  den  Beweis  für  die  Zugehörigkeit  dieses  seltenen 
Druckwerkes  nach  Augsburg  und  speciell  zur  Druckerei  des  Kloster  St.  Ulrich  &  Afra 
geführt  haben,  müssen  wir  andrerseits  etwas  näher  auf  die  Conjecturen  der  Gelehrten 
eingehen,  welche  es  von  dort  zu  entführen  sich  unendlich  viele  Mühe  gegeben  haben. 
Schon  Seemiller  soll  nach  Panzer  III  Seite  588  die  Unterschrift  der  „guldin  Bibel*', 
aus  welcher  hervorgeht,  dass  sie  in  Augsburg  gedruckt  ist,  für  y^verdächUg'^  gehalten 
haben  und  daran  knüpft  Herr  Professor  Hassler  in  seiner  Buchdruckergeschichte 
nim's  vom  Jahre  1840  eine  Reihe  von  Scheinbeweisen  für  die  Yerstärsimg  dieser 
Hypothese;  er  glaubte  dadurch  den  seltenen  Druck  für  sein  Ulm  und  besonders  für 
seinen  Liebling  Ludwig  Hohenwang  gewonnen  zu  haben. 

Hiemach  nämlich  soll  nun  „die  Endschri/t  nicht  gleichzeitig  mit  der  Presse  gedruckt, 
sondern  mit  einzelnen  Buchstaben  später  aus  freier  Hand  eingedruckt  se*«";  die 
Beweise  aber,  die  dafür  unterstellt  werden,  sind  alle  aus  der  Luft  gegriffen.  Es 
sollen  nämlich  nicht  nur  das  nächste  Blatt,  sondern  noch  mehre  Blätter  rückwärts 
die  Spuren  des  Drucks  unverkennbar  an  sich  tragen.  Wir  können  aber  nur  sagen, 
das»  wir  selbst  mit  der  Loupe  keine  Spur  dieser  Spuren  zu  entdecken  vermochten. 
Die  Buchstaben  sollen  grober  und  zum  Theil  von  ungleicher  Dimension,  namentlich 
das  H grösser  sein,  als  in  der  Schrift  des  Textes.  Unsere  genauesten  Untersuchungen 
vermochten  aber  nur  die  vollkommene  OrössenübereinsUmmung  in  den  Typen  der 
Endschrift  mit  denen  des  übrigen  Textes  zu  constatiren. 

Wir  begnügen  uns  damit,  diese  beiden  Hauptbeweise  zu  dementiren,  während 
die  Nichtigkeit  aller  andern  daran  geknüpften  Combinatiönchen  ebenso  klar  zu  Tage 
liegt,  und  kommen  nur  zu  der  Frage:  Wer  in  aller  Welt  sollte  überhaupt  ein  Interesse, 
wer  auch  nur  Gelegenheit  gehabt  haben,  diese  Unterschrift  durch  die  ganze  Auflage 
des  Werkes  zu  f&lschenl?  Denn  in  sämmtlichen  bekannten  Exemplaren  lautet  ja 
diese  Schlussschrift  gleicht  Die  Ungereimtheit  und  Unmöglichkeit  dieser  Hypothese 
liegt  so  sehr  auf  der  Hand,  dass  man  sich  wirklich  wundern  muss,  wie  ungleich  sie 
sich  zur  geraden  Denkkraft  des  Menschen  verhält,  und  dennoch  nur  ausgesprochen 
KU  werden  brauchte,  um  sofort  Anhänger  zu  finden;  denn  wir  lesen  dieselbe  Unge- 
reimtheit bereit«  in  der  Schrift  des  Professor  Mezger:  , Augsburgs  älteste  Druckdenk- 
male"  1840,  wo  sie  auf  Seite  70  und  71  sogar  ohne  Angabe  der  Quelle  benutzt  wurde. 


250  —    Augsburg.     — 

Die  Ursache,  wodurch  man  zu  jener  Vermathung  gelangte,  liegt  in  der  von  den 
Gelehrten  festgestellten  Gleichheit  der  Typen  dieser  „Guldin  Bibel" ,  mit  denen  der 
^  Summa  hostiensis"  des  Heinrich  von  Susa,  welche  Ludtvig  Hohenwang  im  Jahre  1477 
mit  Firma  und  Datirnng,  wenn  auch  ohne  Angabe  des  Ortes  gedruckt  bat  Obwohl 
wir  nicht  selbst  Gelegenheit  hatten,  die  Typen  beider  Werke  zu  ve^leichen,  so  wollen 
wir  ihre  Gleichheit  zwar  nicht  bestreiten,  lassen  sie  jedoch  vor  der  Hand  dahingestellt, 
da  wir  hierin  schon  schlimme  Erfahrungen  machten. 

Diese  Uebereinstimmung  der  Typen  aber  als  richtig  angenommen,  konnte  ja 
immer  noch  das  Werk  in  Augsburg  von  Hohenwang  selbst  gedruckt  sein,  zumal  keim 
Urkunde  beweist,  dass  er  um  jene  Zeit  wirklich  in  Ulm  gewesen  ist,  wenn  anders 
nicht  die  Initialen  des  Werkes  auf  das  Kloster  St.  Ulrich  wiesen,  während  sie  bei 
Hohenwang  in  keinem  Drucke  vorkommen. 

Wir  wollen  Herrn  Professor  Hassler's  sehr  wahrscheinlich  klingende  fieweise  für 
Hohenwang's  Zugehörigkeit  nicht  weiter  anfechten,  aber  warum  sollte  sich  Hohenwang 
nicht  vorübergehend  in  Augsburg,  der  Hauptstadt  des  Schwabenlandes,  aufgehalten 
haben?  Wäre  dies  auch  nur  gewesen,  um  dort  die  Typen  des  Klosters  St. Ulrich 
für  seine  Druckerei  zu  erwerben ,  wie  wir  es  auch  nur  annehmen  könnten,  wenn  es 
eich  bestätigte,  dass  die  Gleichheit  jener  Typen  in  der  That  vorhanden  ist. 

Möge  jedoch  Ludwig  Hohenwang  immerhin  in  Ulm  verbleiben,  deshalb  verbleibt 
die  „Guldin  Bibel"  dennoch  Augsburg  und  der  Druckerei  des  Klosters  St.  Ulrich  als 
ihrer  Schöpferin.  Denn  auch  die  weithergeholten  Erwägungen  Professor  Hassler^s, 
der  in  <lem  Uebersetzer  der  Bibel  den  Autor  des.  verdeutschten  Yegetius,  also  wieder 
Hohenwang  erkennen  will,  sind  lediglich  vom  Standpunkte  seines  übereilten  Strebens 
für  sein  Thema  zu  betrachten.  Wenn  beide  Uebersetzungen  schülerhaft  erscheinen, 
beide  im  schwäbischen  Dialekte  gehalten  sind ,  so  ist  dies  einmal  ein  Zeugniss  für 
den  betrübenden  Stand  damaliger  philologischer  und  specieU  deutscher  Sprachkennmiase, 
und  zum  Andern  beweist  es  die  gemeinsame  Quelle  des  Landes,  in  welchem  beide 
Uebersetzungen  entstanden  sind;  aber  aus  der  ängstlichen  Abhängigkeit  von  der 
lateinischen  Construction ,  welche  diesen  Uebersetzungen  in  schülerhafter  Weise  ge- 
meinsam ist,  die  womöglich  berechtigte  Originalität  eines  bestimmten  Sprach-Meisters 
herauszufinden,  dies  muss  man  erst  wollen,  um  es  zu  können! 

Schliesslich  sei  auch  noch  die  Ansicht  Professor  Hassler's,  dass  die  Uebersetzung 
der  „Guldin  Bibel"  nach  der  bei  Johann  Zainer  zu  Ulm  im  Jahre  1475  gedruckten 
Ausgabe  des  lateinischen  Originales  gefertigt  sei,  in  kurzen  Betracht  gezogen.  Die 
lateinische  Original-Ausgabe  Johann  Zainer's  ist  allerdings  die  erste  datirte,  und  wenn 
die  Uebersetzung  nach  Ulm  verlegt  werden  sollte,  so  war  es  ganz  bequem,  die  erstere 
das  Original  dafür  sein  zu  lassen;  aber  schon  viel  früher  waren  undatirte  Ausgaben 
des  lateinischen  Originales  in  Cöln  und  Augsburg,  hier  sogar  in  der  Klosterdruckerei 
zu  St.  Ulrich  selbst  erschienen,  und  es  erklärt  sich  also  daraus  das  Erscheinen  einer 
bald  darauf  (gedruckten  deutschen  Ausgabe  in  dieser  Druckerei  um  so  leichter;  wir 
können  daher  auch  in  Betracht  aller  Kennzeichen  eines  hohen  Alters,  welche  unsere 
„Guldin  Bibel"  aufweist,  den  Druck  mindestens  in  das  Jahr  1475  versetzen,  obwohl 
sie  eher  noch  um  1473  bis  1474  entstanden  sein  dürfte.  Hain  No.  13690  ist  bezüglich 
des  Formates  zu  corrigiren,  welches  nicht  Quart,  sondern  klein  Folio  ist.  — 


No.  6U. 

Salemonis  ecclesiae  Constantiensis  episcopi  „Glossae  ex 
illustrissimis  coUectae  auctoribus". 

Augsburg,  im  Kloster  St.  Ulrich  &  Afra,  1476.    Gross  Folio-Format 

Die  vollkommene  Typengleichheit  des  vorliegenden  höchst  seltenen  Werkes  mit 

den  Sermones  Leonardi   de  Utino    unter  No.  622    macht    es  als  einen  Druck  des 


Augsburg.     —  251 


berühmten  Klosters  kenntlich.  Aufifiallend  ist  es,  dass  Hofrath  Zapf,  der  in 'seiner 
Augsburger  Bnchdruckergesobichte  von  1786  sich  das  Verdienst  erwarb,  die  Druckerei 
des  Klosters  St.  Ulrich  &  Afra  recht  eigentlich  ans  Lebenslicht  zu  ziehen,  in  den  im 
^&hre  darauf  Ton  ihm  herausgegebenen  „Merkwürdigkeiten  der  Zapf  sehen  Bibliothek" 
L  Stück  Seite  130  und  folgende  den  Drucker  dieses  Werkes  nicht  herauszufinden 
vusste,  obgleich  die  inüme  Beschäftigung  mit  diesen  Drucken  noch  kurz  vorher  ihn 
Auf  leichte  Weise  zu  dieser  Erkenntniss  hätte  führen  müssen. 

Das  obige  Werk  enthält  gesammelte  Citate  aus  berühmten  Schriftstellern  und  ist 
Ton  hervorragend  philologischem  Interesse.  Berühmt  sind  die  wundervollen  Initialen 
in  Holzschnitt,  welche  darin  enthalten  und  in  unserm  Exemplar  höchst  abwechselungs- 
Toll  mit  lebhaften  Farben  ausgemalt  sind.  Das  lexicalisch  eingerichtete  Werk  enthält 
im  Ganzen  287  Blätter;  auf  Blatt  239  fängt  ein  neues  Alphabet  oder  Glossarium  an, 
velcbes  als  zweiter  Theil  gelten  kann.  Auf  diese  Weise  findet  sich  bei  den  Initialen 
Jeder  Buchstabe  des  Alphabetes  zweimal  vertreten ;  nur  im  ersten  Theile  ist  das  P 
ausgefallen  und  hierfür  ein  mit  der  Hand  gemaltes  gesetzt;  im  zweiten  Theile  fielen 
die  Buchstaben  K  und  Y  aus,  weil  der  Text  des  Werkes  sie  nicht  brachte.  Hain 
«itirt  das  Werk  unter  No.  14134  ohne  es  gesehen  zu  haben  und  die  Druckerei  zu 
kennen.  — 


1475  bi0  1493. 

Einer  der  productivsten  Augsburger  Drucker,  der  sich  nicht 
weniger  durch  den  Werth  seiner  Druckerzeugnisse  verdient  machte, 
aus  welchem  das  von  ihm  im  Jahre  1483  herausgegebene  „Concilium 
zu  Consranz"  als  das  erste  gedruckte  Wappenbuch  mit  1200 
Abbildungen  besonders  hervorragt,  von  dem  ein  Prachtexemplar 
auch  in  unserer  Sammlung  eine  Stätte  gefunden  hat.  Interessant 
ist  es,  dass  Anthon  Sorg  sich  zinnerner  Typen  bedient  hat,  wie  er 
in  mehreren  Werken  durch  die  Schlussschriften  selbst  bekundet. 


No.  525. 

3anrti  ^Jlttgttftim:  ^^Jxbtx  qut  nocatur  j&uinquagtnta." 

AngTSburgr^  Anthon  Sorg,  1476.     Folio-Format. 

Der  erste  Druck  Anthon  Sorg's  mit  der  Firma  und  Datirung  vom  Februar  1475 ; 
«igleich  im  15.  Jahrhimdert  die  einzige  bekannte  Ausgabe  dieser  50  Homilien  des 
heiligen  Augustinus,  welche  von  Hain  unter  No.  1987  beschrieben  ist.  — 


No.  526. 

;?ol)annt0  pitl)fam  „?ibfr  ie  oculo  Tnoralt*^ 

Augsburg^  Anton  Sorg,  circa  1475«     Folio-Format. 

Des  Johannes  Pithsanus,  Erzbischof  von  Canterbury  „Buch  über  das  moralische 
Auge«  ist  mit  der  gleichen,  interessanten  .Type  gedruckt,  wie  das  in  voriger  Nummer 
beschriebene  Werk,  hat  aber  weder  die  Angabe  des  Druckers  noch  der  Jahrzahl. 


^«52  —     Augsburg.     — 

Zapf  chirt  in  der  Augsburger  Bachdruckergeschichte  1  Seite  1S9  das  Werk  mit 
folgender  Schlussschrift:  „Tractatns  (Johannis  Pithsani  Archiepiscopi  Cantuariensi«) 
de  oculo  morali  finit  feliciter  Auguste  per  Antonium  Sorg.*  Allein  die  letxten  vier 
Worte  befinden  sich  nicht  bei  dem  Colophon  unseres  Exemplares;  ancb  bat  kein 
anderer  Bibliograph  dieselben  wiedergegeben ;  wir  müssen  also  ein  Falsum  vermutbeo. 
Hain  No.  9426r—  

No.  527. 

^,iBa0  id  ber  feie  trofl  genannt.*^ 

Augrsbnrgr«  Anthon  Sorg,  1478«     Folio-Format. 

Aelteste  Ausgabe  dieses  Andachtsbucbes  mit  der  Erklärung  der  Zehn  Gebote; 
zu  deren  Jedem  ein  blattgrosser  Holzschnitt  gegeben  ist,  wovon  in  unserm  Exemplar 
die  meisten  in  Farben  ausgemalt  sind.  Die  Type  ist  eine  viel  grossere  wie  in  den 
frühem  Nummern,  ähnlich  der  fetten  Zainer^schen  Schriftgattung*  Hain  No.  14582. 
Unser  schönes  Exemplar  hat  dunkelbraunen  Ledereinband  mit  versilberten  Buckeln 
und  Schliessen.  — 

No.  628. 

^mbropi  ^^ÖEfplanatto  in  corpus  eDangclü  5.  ?^^cae*^ 

Augsburg,  Anthon  Sorg,  1476.  Folio-Format. 
In  dem  Colophon  „der  Erklärung  des  Evangelisten  Lucas",  welches  Firma  und 
Datirung  enthält,  kommt  auch  die  Notiz  vor,  dass  Sorg  mit  zinnernen  Typen  — 
y^stagneis  Karacteribus*^  —  druckte.  Da  es  dieselben  Typen  sind,  wie  bei  den  vor- 
he^ehenden  Werken,  so  sehen  wir,  dass  er  von  Anfang  an  mit  solchen  Charakteren 
gedruckt  hat.  Hain  No.  900  hat  unrichtig  „aUuineis*'  geschrieben.  Der  schöne 
braune  Ledereinband  unsers  Exemplars   hat  versilberte  Buckeln  und  Schliessen.  — 


No.  529. 

„^eiftfrlieb  Dom  Stob  als  ?8rttelmann  in  bes  JJorj 

Sd)tll)fr  «Briff/* 

Augsburg^  Anthon  Sorg,  circa  1480*     Fragment  eines  Einblatt- 
Druckes  in  Folio-Format. 

Wahrscheinlich  Unicum  eines  hochinteressanten  typographischen  Productes  und 
eines,  wie  es  scheint,  Goedecke  unbekannten  Meisterliedes,  welches  zu  unserm  grossten 
Leidwesen  nur  Fragment,  wenn  auch  ein  grösseres  und  gut  erhaltenes  ist.  Es  ent- 
hält 13  Strophen  von  meist  sechs,  aber  auch  acht  Versen,  und  es  ist  nur  der  Anfang, 
von  dem  ein  Theil  fehlt,  das  Ende  ist  unversehrt.  Die  erste  Strophe  des  Fragmentes 
lautet : 

,,IOommb  klaibc/l  bn  bid)  fo  in  woniger  geflalt  •  M  on  ba;  rei^titiig  vnb  gcnalt  • 
gar  bolb  l)in  tl^St  fd)U9tf»i  •  mit  xtiö)  nitb  mSditig  er  ba  ifl  •  in  Ifilfft  nidft  rridjtnng  ntii 
ktin  lifl  •  b'  tob  tut  in  btgreijfen."  Die  vierte  giebt  den  Anhaltspunkt  für  den  Dichter 
d^  Liedes;  sie  lautet:  „Das  laßt  tnd}  }u  ^(rqen  gan  •  tr  »erben  criflenleftte,  brr  retik 
«nb  ani4  ber  karge  man  •  t^unb  w%  bie  teiirnnq  beftten  •  bie  l^at  «aria  «nb  ir  liebes 
kinb  bitigefdioben  •  bes  foU  loir  got  banken  onnb  loben  «im  oller  l^oibflen  prt^^  •  bei 
rot  ttb  in  bes  iörg  fdjilljerw'iß. 

Möge  noch  die  letzte  Strophe  hier  Platz  finden:    Des  lob  toir  bilb  ba  roine  mo^b  • 
bie  ibefnm  bot  getragen  •  bn  ijofl  keinem  ffinber  nm  oerfotit  •  ber  fein  fiinb  tl)lt  et- 
«lagen  •  nnb  aolget  naib  \itB  prieflers  rot  •  fo  wirb  im  gnob  tljnt  nnß  flltte|ler  fngen,** 


r 


—    Augsburg.     —  253 

Der  Druck  dieses  Rarissimum  stammt  zweifellos  aus  der  Officin  Anihon  Sorg*8, 
«bgleieh  besilgliche  Angaben  nicht  vorbanden  sind;  die  Typen  entsprechen  aber  genau 
denen,  welche  Braun  in  seinem  zweiten  Theile  auf  Taf.  1  No.  II  durch  ein  treffen- 
des Alphabet  facsimilirt  hat,  die  auch  in  mehren  Druckwerken  unserer  Sammlung, 
unter  No.  583  bis  584  vorkommen.  Die  einzelnen  Verse  des  Liedes  sind  fortlaufend 
gedruckt;  die  Strophen  aber  abgesetzt.  Das  Ganze  betragt  28  Zeilen  im  Druck.  Auf 
der  Kückseite  findet  sich  von  alter  Hand  geschrieben :  ^^Dos  bai^  ge^drb  yiM  l^e^Hscn  || 
trefi}  jn  ngtnfynrg  prebiger  orbens.'*    Unter  Doppelglas  und  Messingrahmen.  — 


No.  530. 

^ßtiB  Conciliumbud)  9Cfd)el)fn  ju  Co|tencj/^ 

Augsburg 5  Anthon  Sorg,  1483«     Folio-Format. 

Die  berühmte  erste  A-usgabe  dieser  Beschreibung  des  Concils  zu  Constanz, 
von  einem  Augenzeugen  in  allen  seinen  Begebenheiten  treu  wiedergegeben,  erhält 
neben  ihrem  historischen  Werthe  ihren  besondern  Vorzug  durch  die  darin  abgebil 
deten  UM  Wappen  aUer  der  vornehmen  Männer,  welche  aus  der  ganzen  Christenheit 
«uf  jenem  Ökumenischen  Concile  vom  Jahre  1414  versammelt  waren.  Es  ist  dadurch 
zugleich  das  erste  ziemlich  vollständige  Wappetihuch  und  für  die  heraldische  Wissen- 
schaft von  hervorragendem  Interesse. 

Weitere  44  Holzschnitte  dienen  zur  bildlichen  Veranschaulichung  aller  Au£Eüge, 
Feste  und  Begebenheiten,  welche  sich  auf  dem  Concile  zugetragen.  Der  Original-Codex 
dieses  Buches  befindet  sich  in  der  Kanzlei  der  Stadt  Constanz,  nach  welchem  Anton 
Sorg  die  Ausgabe  mit  ihren  trefflichen  Malereien  herstellen  liess.  Die  Type  in  dem 
mit  Firma  und  Datirung  versehenen  Werke  ist  dieselbe  wie  im  »Seelentrosf  unter 
No.  527  unserer  Sammlung.     Hain  No.  5618.  — 


No.  531. 

^^^5|l0ri  öon  bfm  jrofffn  ^Irjranber.^^ 

Augsburg  9  Anthon  Sorg,  1483«  Klein  Folio-Format 
Dieses  Werk  ist  eine  deutsche  Uebersetzung  des  lateinischen  „Liber  Alexandri 
magni  regis  macedonie  de  preliis"  —  erste  Ausgrabe:  ohne  Ort  und  Jahr,  mit  den 
Typen  von  Kettelaer  &  Leempt  in  Utrecht  gedruckt,  ein  Werk,  das  auf  historische 
Treue  den  geringsten  Anspruch  macht,  vielmehr  die  Geschichte  Alexander's  roman- 
haft in  die  Ritterzeit  des  Mittelalters  übertragt.  Panzer,  der  die  vielen  Ausgaben 
dieser  von  Dr.  Hartlieb  besorgten  deutschen  Uebersetzung  in  seinen  Annalen  aufführt, 
urtheilt  in  sichtlichem  Aerger  über  den  Inhalt  des  Werkes  als  „einer  abgeschmack- 
ten und  einfaltigen  Fabel"  und  stellt  den  vom  Uebersetzer  der  Ausgabe  proponirten 
Autor  des  Originales  Eusebivs  entschieden  in  Abrede. 

Der  wirkliche  Autor  ist  indessen  unbekannt  geblieben.  Die  Uebersetzung  wurde 
znerst  1473  von  Bamler  in  Augsburg  gedruckt  und  erschien  darauf  noch  oftmals  in 
Augsburg  uud  Strassburg.  Die  vorliegende  Ausgabe  enthält  27  in  unserm  Exemplar 
illuminirte  Holzschnitte,  am  Schlüsse  Druokort,  F^rma  und  Jahrzahl  und  ist  mit  der 
grossen  Type  gedruckt.  Dasselbe  hat  geschmackvollen  grünen  Ledereinband  mit 
silbernem  Beschläge.    Hain  No.  789.  — 


No.  532. 

^,ö?in  wäre  nad)-||ttol9ung  Cl)ri(lt/^ 

Augsburg 9  Anthon  Sorg,  i486.     Klein  Quart-Format. 
Erste  sehr  seltene  deutsehe  Auttgabe  dieses  berühmten  und  im  fünfzehnten 
Jahrhunderte  vielfach  lateinisch  und  deutsch  gedruckten  Gebetbuches  von  Thomas  a 


254  —     Augsburg.     — 

Kempifl,  dessen  allererste  Ausgabe  des  lateinischen  Originaltextes  gleichfalls  Augsburg 
lieferte,  wie  wir  bei  Gänther  Zainer  bereits  unter  No.  500  gesehen  haben.  Die  Type 
ist  von  derselben  Gattung,  mit  welcher  das  Meister-Lied  unter  No.  529  gedruckt  ist, 
und  die  nun  häufiger  wiederkehrt.  Am  Srhlusse  steht  die  Datirung  mit  der  Dmckfirma. 
Original-Lederband  mit  vergoldetem  Messingbeschlag.    Hün  No.  9116.  — 


No.  533. 

^^i0if  fart  ober  vttf^  ihn  merr  ||  ju  bcm  IjfijUöf  grab  unfcra 
i)fr  II  xtn  ß\)tfn  crifli  gen  jJljrrufaUm  ||  ^uc^  ju  in  \)tr)[\^n 
tttnckfral|ttJfn  fant  lRatl)mnfn  grab  auf  bem  brrg  Sj^mV^ 

Augsburg,  Anthon  Sorg,  1488«  Klein  Folio-Format. 
JSin  schönes,  wohlerhaltenes  Exemplar  dieser  deutschen  Ausgabe  der  „Reisen  des 
Bemardus  de  Breydenbach" ,  mit  Druckfirma  und  Jahrzahl  und  mit  den  nämliclieD 
Typen  wie  das  vorhergehende  Werk  gedruckt.  Es  enthält  auf  193  Blättern  auch 
8  colorirte  Holzschnitte,  die  aus  der  Mainzer  Original- Ausgabe  von  1486  —  vergleiche 
No.  42  unserer  Sammlung  —  entlehnt  sind.  Der  Original-Holzeinband  mit  Leder- 
irücken  ist  sehr  hübsch  vait  Messing  beschlagen.    Hain  No.  8960.  — 


No.  634. 

ISrtolf  uon  bcijfrlant;  ,^^rcJne^bud)*^ 

Augsburg,  Anthon  Sorg,  1488.  Quart-Format. 
Dieselbe  Type  wie  in  vorigem  Werke,  mit  Druckfirma  und  Datirung  am  Schlüsse. 
Ueber  den  Inhalt  des  medicinischen  Werkes  und  über  den  Verfasser,  welcher  sich 
in  der  Vorrede  wie  oben  angeführt  nennt,  sehe  man  die  Untersuchungen  Fanzer's 
bei  den  verschiedenen  Ausgaben  des  Werkes,  die  er  in  den  Annalen  der  altem 
deutschen  Literatur  besprochen  hat.    Hain  Nr.  12116.  — 


No.  535. 

,)€urfU0  bfootionaUd  oarit  cum  feptcm  JSfalmid  porniten- 

tialibud  uigtUtd  mortuorum/^ 

Augsburg)  Anthon  Sorg,  1489.  Klein  Octav-Format. 
Dieses  kleine  aber  ziemlich  starke  Buss-  und  Andachtsbuch  ist  mit  einer  gotbi- 
schen  Type  verbesserten  Schnittes  gedruckt.  Am  Schlüsse  steht  die  Firma  mit 
Datirung.  Auf  der  Innern  Seite  des  hintern  Deckels  befindet  sich  in  dem  Exemplare 
ein  historisch  höchst  wichtiges  Holzschnittbild,  den  Ablass  betreffend,  auf  welchem 
zu  lesen  ist:  ,,liali|l  ÜUiabtv  b'oi  .  Ijat  gebe  eim  ielTellbrr  biß  gebet  asbeditig  breimtl 
ryriibtlloor  fanct  Slnnabilb,  f.  m.  iar  ablas  t9t||H4er  fttnb,  on.  ir.  m.  tfiglidier . . ." — 
Original-Lederband  mit  Messingbnckeln  und  Schliessen.    Hain  No.  5860«  — 


No.  536. 

y^^AB  bud)  uon  beut  U||bfn  mi  pttm  itx  t^tijinillfdjfnmatflfr.** 

Augsburg  5  Anthon  Sorg,  1490.    Quart-Format. 

Die  interessante  Schlussschrift  auf  Blatt  160  dieses  Werkes  lautet:    „Hit  »btt 
fii^  ba}  bttib  ber  le',|beit,  ber  notilrlidien  moifler,  mit  fren  }ftd|-  |t(n:  leren,  onb  fvvi^ 


—     Augsburg.     —  255 

^er  IltUtt  naß  {res  ||  bnditxü  utSse^oge«.  Qnsb  l^qeiitn  bnrd)  ||  3(itti)oiii  forgett  }n  Slngf- 
btrg  mit  gtiicjc  ||  fltiß  onb  oai^enber  arbeit  von  nene  ang  ||  bem  lotein  in  teiltf4  gcf^ribett 
nb  (jema  |d)et,  getrnAtt  nnb  ooUenbet  am  offtermö  ||  tag  nad)  fatit  £ti\ctn  tag.  Dnbtr 
)en  iarllonfcrs  \^trrtn  3i)efa  (Srifli  tanfenb  tii(rbn-|  bert  onb  nefincjig  3ar/' 

Man  ersieht  daraus,  dass  der  berühmte  Drucker  Anthon  Sorg  auch  die  lieber^ 
Sitzung  des  Werkes  geliefert  hat,  dessen  lateinisches  Original  der  gelehrte  Engländer 
Walter  Burley  wohl  in  den  ersten  Decennien  des  14.  Jahrhunderts  rerfasste.  Diese 
»Vitae  Philosophorum"  erwähnt  Hornberger  in  seinen  „Nachrichten"  IV  Seite  584  ia 
einer  wenig  schmeichelhaften  Kritik  als  eines  Werkes  ,¥011  von  den  sonderbarsten 
Fehlern,  die  bei  den  Quellen,  deren  sich  der  Verfasser  bedient  hat,  mit  der  Unwissen- 
heit der  damaligen  Zeiten  nicht  entschuldigt  werden  können".  Alter  Original-Leder- 
band mit  Messingbesehlag.  —  Hain  No.  4185.  — 


3ol)ann  Wxtntx  be  H^ienna^ 

1475  bis  1479. 

Ein  Typograph,  von  dessen  näheren  Lebensumständen  Nichts 
bekannt  ist.  Es  ist  fraglich,  ob  er  mit  dem  Johann  von  Wien,  der 
auch  im  Jahre  1476  in  Vicenza  eine  Officin  hatte,  Eine  Person  sei.  — 


No.  537. 

Augsburg^  Johann  Wiener,  circa  1475*  Folio-Format 
Der  Drucker  dieser  Ausgabe  ohne  Druckfirma  und  Datirung  ist  durch  die  Typen 
festgestellt,  welche  auf  den  ersten  Blick  viele  Aehnlichkeit  mit  der  fetten  Schrift  des 
Gänther  Zainer  haben;  aber  es  giebt  bei  genauerer  Prüfung  viele  unterscheidende 
Merkmale,  von  denen  wir  einige  anfuhren  wollen:  Das  3  hat  hier  vorn  2  Häkchen, 
bei  Zalner  nur  eins.  Beim  £  ist  die  obere  Schlinge  hier  nach  oben  gebogen,  bei 
Zainer  nach  unten.  JD,  It  und  (A  erscheinen  hier  viel  breiter,  als  bei  Zainer.  Ganz 
abweichend  ist  das  £,  welches  hier  drei  Federchen,  bei  Zalner  nur  deren  eins  hat. 
Gras  führt  auf  Seite  228  seines  Verzeichnisses  das  Werk  an  und  giebt  auf 
Tafel  IV  No.  17  ein  ziemlich  treffendes  Facsimile  der  Typen  des  Johann  Wiener. 
Bin  gleiches  giebt  auch  Placidus  Braun  auf  Tafel  II  Nr.  VIII  seiner  „Notitia", 
sehreibt  die  Type  aber  unrichtig  dem  Qünüier  Zainer  zu.  Es  ist  indessen  aus 
15rucken,  welche  die  Firma  Wieners  tragen  und  mit  gleicher  Type  gedruckt  sind, 
«um  Beispiel  S.  Alberti  sermones  de  tempore  et  de  sanctia,  ohne  Datirung  —  vergleiche 
Helmschrott  II  Seite  16  —  unwiderleglich  Johann  Wiener  als  Drucker  des  Werkes 
festgestellt. 

Herr  Bibliothekar  Ö'ras]  behauptet  am  angeführten  ^Orte,  dass  dieser  Traktat 
„über  verschiedene  moralische  Gegenstände"  fälschUch  dem  Pariser  Kanzler  Johannes 
Person  zugeschrieben  würde,  ohne  Jedoch  sich  auf  Begründung  seiner  Ansicht  ein- 
nüassen.  Fehlt  bei  Hain.  Die  Ausgabe  enthält  23  gezählte  und  2  ungezählte  Blätter 
mit  34  Zeilen  auf  der  vollen  Seite.  Der  Anfang  lautet:  „3(cnntlir  cöclnflones  i>e 
iiserfis  vottriis  mOToUhl  «ti  ||  Uf  ualbe  . .  ,^  und  das  hintenanstehende  Register 
sehliesst:  „dcios  etiam  in  Svn^tx  qi  malta  initenits  notahila  in  ))ro|;ctfrn  rtgularum. 
«IM  non  continent  regiflrttm  pfcriplum.*»  — 


256  —     Augsburg,     — 

1478. 

Ein  Drucker,  der  nur  durch  ein  einziges  mit  Firma  versehe- 
nes Werk  als  Augsburger  Typograph  bekannt  ist.  Indessen  hat 
der  verdienstvolle  Bibliothekar  Gras  in  seinem  Verzeichniss  Seite  57 
ein  Werk  unter  dem  Titel  „Viola  Sanctorum"  mit  der  Jahrzahl  1482 
namhaft  gemacht,  von  dem  er  behauptet,  dass  die  Typen  vollkom- 
men mit  den  Johann  Keller'schen  zusammentreffen.  — 


No.  538. 

„!9acabttlariu0  rerum  latinoteutomcus/^ 

Augsburg^  Johannes  Keller,  1478«     Folio-Format. 

Als  Verfasser  dieses  „Vocabularius"  wird  von  mehreren  Bibliographen  falschlich 
Weiizeslatis  Brack  angegeben.  Das  ist  aber  eine  Verwechselung  mit  einem  andern 
Vocabularium ,  von  dem  wir  Johannes  Schoensperger's  Ausgabe  von  1495  besitzen, 
und  welches  zusammengesetzt  ist,  wie  der  Verfasser  selbst  angiebt,  aus:  1.  Isidon 
eüiymologiae  libri  X;  2.  einem  alphabetisch  geordneten  latetntsch-deutschen  Wörter- 
verzeichnisse ;  3.  einem  modus  scribendi  epistolas,  also  Brief-Steller ;  4.  den  6  Büchern 
des  Bidascalion  Hugonis  de  S.  Victore, 

Der  Verfasser  des  obigen  Vocabularius  ist  unbekannt;  er  enthält  nur  ein  lateiniscb- 
dentsches  nach  121  Sacheintheilungen  geordnetes  etymologisches  Sprach-  und  Sacb- 
wörterbuch.  Der  Druck  ist  als  einziges  legitimirtes  Erzeugniss  der  Keller^schen 
Offizin  bekannt  und  von  grösster  Seltenheit.  Genugsam  bekannt  ist  es  auch,  dass 
€8  davon  Exemplare  mit  der  Jahrzahl  M  .  CCCC  .  LXVIII  giebt ,  welche  durch  einen 
Druckfehler  mit  Auslassung  einer  X  entstanden  sind. 

Von  der  eigenthümlichen  Typenform  giebt  Falkenstein  Seite  159,  auch  Placidos 
Braun  Tafel  III  No.  V,  eine  Probe  in  Facsimile.  Auch  Hain  führt  dieses  Vocabula- 
rium ßlschlich  unter  Brack  No.  37U9  auf,  ohne  es  selbst  gesehen  zu  haben.  Unser 
wie  neu  erhaltenes  Exemplar  ist  nach  altem  Muster  geschmackvoll  in  braunes  Leder 
gebunden  und  mit  Messingbeschlag  geziert.  — 


Jol)antte0  pilaubirer^ 

um  1481. 

Ein  nur  wenig  bekannter  Drucker,  der  wahrscheinlich  nach 
Günther  Zainer*s  Tode  dessen  Schriften  oder  einen  Theil  derselben 
erworben  hat,  da  in  den  uns  vorliegenden  zwei  Drucken  die  fette 
Type  Zainer's  bemerkt  wird.  — 


No.  539. 

,,Ser  tnitfd)  CaUnbrr  1481/^ 

Augsburg,  Johannes  Blaubirer,  1481.     Klein  Quart-Format. 
Ein  Buch  von  der  grössten  Seltenheit,   von  den  Bibliographen,  deren  ketlner  es 
gesehen  hat,   zwar  erwähnt  aber  nicht   beschrieben.    Panzer  No.  138  weiss  nur  an- 


—     Augsburg.     —  257 

iugeb«o:  „Ein  Kalender  mit  astrologischen  Anmerkungen",  was  Hain  No.9788  coptrt 
bat.   Graesse  und  Brunei  kennen  es  gar  nicbt. 

Der  Band  besteht  aus  80  Blättern,  davon  das  erste  und  das  letzte  leer  ist.  Die  Type 
ist  fett  gothisch,  der  Günther  Zainer'schen  vollkommen  gleich  und  jedenfalls  nach 
dessen  Tode  von  Blaubirer  angekauft.  Am  Anfange  Jeden  Monats  befindet  sich  eine 
Gesundsheitsregel  in  Prosa  und  eine  zweite  in  Yersen  von  Je  10  VerszeilaD. 

Ein  Dichtwerk  aus  so  früher  Zeit  verdient  eine  Stelle  in  der  Geschichte  der 
deutschen  Nationalliteratur,  doch  ist  es  weder  bei  Goedeke  noch  anderswo  zu  finden, 
vreil  eben  kein  Bibliograph  es  gesehen  hat. 

Der  eigentliche  Kalender  beginnt  bei  jedem  Monat  mit  einem  Holzschnitte ^  die 
der  Jahreszeit  eigenthümliche  Beschäftigung  darstellend,  daneben  stets  das  StemhilA 
Dann  folgt  ein  grosser  Holzschnitt  auf  einem  Blatte  besonders  abgezogen  gegenüber 
der  Tafel  der  „b5sen  verworffen  tag",  eine  menschliehe  Figur  mit  den  zwölf  Zeichen 
darstellend,  die  Erklärung  der  zwölf  Zeichen  wiederum  mit  den  HolzschniMen  der 
Sternbilder,  die  der  sieben  Planeten  mit  ebenso  vielen  höchst  merkwürdigen  Holz- 
schnitten, denen  die  Sternbilder  nochmals  beigafügt  sind  und  mit  Je  4yer8zeilen 
schliessend. 

Dann  folgen  die  Kapitel  „Von  den  übrigen  Kören  der  hymel"  mit  4  Holzschnitten, 
„Vom  dem  kalten  Magen",  von  den  Aderlässen  und  viele  andere  Gesundheisregeln 
mit  zahlreichen  Holzschnitten.  Wir  zählen  im  Ganzen  44  Holzschnitte  ohne  die 
zahlreichen  Wiederholungen  zu  rechnen.  Dieselben  tragen  ein  gleichzeitiges,  leichtes 
Colorit.  Unser  schon  erhaltenes  Exemplar  ist  in  grünes  Leder  gebunden,  mit  ver- 
goldeten Messingbuckeln  und  Schliessen.  — 


No.  540. 
Aagsburg^  Johannes  Blaubirer,  circa  1482«     Klein  Quart-Format. 

Das  Original  dieses  Schriftchens,  von  dem  wir  nur  ein  gutes  Facsimile  besitzen 
fanden   wir  nirgends  aufgeführt.    Es  enthält  auf  8  Blättern   ein  launig  -  poetisches 
Drei -Würfelspiel;   in  56  sechszeiligen  Versen  ist  zu  jedem  Wurfe,  von  der  höchsten 
»Achtzehn"  bis  zur  untersten  „Drei',  die  Erklärung  oder  Deutung  desselben  gegeben. 
Am  Schlüsse  steht  nur:  ^^fftbrugt  tyx  iXugfpttrg  1|  oon  3o^es  ißlaubirer.*' 


||enn$nn  Häftlin^ 

1481  bt6  1488. 

In  der  Augsburger  Jubiläumsschrift  vom  Jahre  1840  lässt  Herr 
Dr.  Meyer  diesen  Drucker  nur  bis  14:84:  thätig  sein,  obgleich  selbst 
^^Pf»  der  sein  vielleicht  einziger  Gewährsmann  war,  in  sein^  »»Zu- 
sätzen" schon  Drucke  von  1485  und  1488  anführt;  eine  etwas  gründ- 
lichere Benutzung  nur  dieses  Einen  Schriftstellers  hätte  also  schon 
ein  anderes  Resultat  geliefert. 

Wenn  man  bemerkt,  wie  bei  der  mühsamen  "Wissenschaft  der 
Bibliographie  selbst  die  glücklich  geförderten  Resultate  häufig  mit 
gleichgültiger  Negation  behandelt  werden,  wenn  Schriftsteller  ihrem 

17 


258  —    Augsburg.     — 

Publikum,  dass  doch  von  ihnen  belehrt  werden  soll,  Nachrichten 
auftischen,  die  vor  einem  halben  Saeculum  schon  überwundener 
Standpunkt  waren,  so  möchte  man  sich  fragen,  wie  Jemand  sich 
berufen  fühlen  kann,  in  einem  Fache  lehren  zu  wollen,  worin  er 
zu  lernen  verschmähte?  Wenn  Literatoren,  die  durchaus  unter  die 
Bibliographen  gehen  und  Bücher  machen  müssen,  nur  wenigstens 
gründlicher  abschreiben  wollten,  dann  läge  gerade  diese 
bisher  so  vielseitig  maltraitirte  Wissenschaft  gewiss  viel  weniger  im 
Argen!  —  

No.  541. 

Jfacöbt  bf  190rag.inf:  ,,?3jiU8  fermonum  ir  faitctto^*. 

Angsbnr^^  Hermann  Kästlin,  14S4«    Folio-Format 

Sehr  seltener  Druck  Kästlin^s,  von  dem  nur  Weniges  bekannt  ist.  Die  gothische 
Type  zeigt  schon  einen  modernen  Schnitt.  In  dem  „Verzeichniss  der  ältesten  Druck- 
denkmale  von  Augsburg  in  der  Stadtbibliothek  daselbst",  welches  der  Bibliothekar 
Professor  Mezger  im  Jahre  1840  erscheinen  liess,  finden  \rir  auf  Seite  58  eine  Aus- 
gabe des  vorliegenden  Werkes  von  1483  angezeigt  mit  der  Bemerkung:  »Zapf  ▼« 
dieses  Buch  nicht  bekannt''. 

Indess  war  Zapf  die  Ausgabe  von  1484  sehr  wohl  bekannt,  und  wir  müssen 
besweifeln,  dass  eine  Ausgabe  von  1483  in  der  That  existirt,  vermuthen  -vielmebr 
einen  Schreibfehler' in  der  Angabe  der  Jahrzahl,  zumal  die  Schlussschrift  nnd  aucb 
die  übrige  Datirung  vom  10.  April  ganz  gleichlautend  sind;  es  müsste  dfflin  ein 
sonderbarer  Zufall  sein,  dass  eine  Ausgabe  von  1483  tmd  eine  von  1484  am  selbe» 
Tage  des  Jahres  erschienen  wären.  Fehlt  bei  Hain.  Die  Ausgabe  hat  8  ungec&blte 
tmd  198  gezahlte  Blätter  in  zwei  Spalten  imd  mit  41  Zeilen.  Panzer  I  Seite  lü, 
No.  63.  — 


1482  bi8  1484. 

Die  Wittwe  eines  Augsburger  Typographen  Thomas  Rüger, 
mit  welchem  zusammen  Johann  Schonsperger  im  Jahre  1481  die 
„deutschen  Evangelien  und  Episteln**  druckte.  Die  wenigen  Drucke 
der  Anna  Rügerin  sind  sehr  selten.  — 


No.  542. 

aUf0  ju  brufmad)ftt  WntxA  t(l/^ 

Ingsbnrg,  Anna  Rügerin,  1484.     Folio-Format, 

Das  gänzliche  Schweigen  der  Bibliographen   von  dieser  Ausgabe   kennzeichnet 

ihre  grosse  Seltenheit.     Sie  hat  keinen  Titel.    Die  erste  Seite  beginnt  mit  den  Worten: 

„3«  bem  ttaracn  ber  lietiltgen  un-üjerteijltett  (TrifoUiktijt  -  Äme« -**.     Dann  folgt  eii- 

Register,   welches   auf  Blatt  5  recto  mit  den  Worten   schliesst:   „Igte  fttbtt  fi4p  bli 


—     Augsburg.     —  259 

rtgilUr.'*  Blatt  5  verso  ist  leer.  Blatt  6  beginnt  mit  dem  Worte:  „|lMj§Otl3C3l'S 
welches  aus  den  eigenthümlichen  Majuskelcharakteren  gesetzt  ist,  deren  sich  Ambrosius 
Keller  häufig  bedient  haben  soll  und  von  denen  Zapf  in  seiner  „Buchdruckergeschichte 
Augsbargs" ,  Seite  58  ein  freilich  missrathenes  Pacsimile ,  Braiin  im  zweiten  Bande 
seiner  Notitia  auf  Tafel  I  No.  I  aber  ein  gutes  Alphabet  liefert.  Auf  Blatt  22  beginnt 
die NummeriruDg  der  Bl&tter  mit:  Das  |  bUt,  endigend  mit  dem  Schlnssblatte,  eigeut- 
Ucli  dem  1558ten,  aber  mit  der  Nummerirung:  Das  €{ffiiii  blat. 

Die  Schlussschrift  auf  Blatt  156  verso  lautet:  ,,jQie  tnbet  fi^  ber  formalari  baritin 
ke§rife«  ü  frisb  aUn  ijanbbritf  debnukt  onb  ooUtnbt  ||  }n  SLugfynrs  ooti  3(nna  fiftgtriu  . 
IM  bornflag  ||  nadp  oor  fast  |)ettrs  gefengknns  .  tn  iars  als  ||  man  }alt  naib  crifli  gebart 
JI.  ttU  .  If ff iüi.  iwc.**  Den  Forscher  dürfte  es  auch  interessiren ,  dass  die  Typen 
des  Werkes  aufs  Genaueste  mit  denen  übereinkommen,  von  welchen  Braun  auf 
Tabula  I  No.  III  des  zweiten  Theiles  seiner  „Notitia"  ein  dem  Johannes  ßchoensperger 
zukommendes  Alphabet  geliefert  hat,  mit  welchem  der  Letztere  seine  „Summa  Joannis" 
Tom  Jahre  1489  gedruckt  haben  soll.  — 


No.  543. 

„iBic  |eid)fn  brr  fal('d)fn  gulitn  im  nijbfrlanb  jemad)!.*^ 

jin^bui^^  Anna  Rügerin,  circa  1484.     Einblattdruck  in 

Klein  Folio-Format. 

Dieser  hochinteressante  Einblattdruck  hat  zwar  keine  Druckfirma  und  Jahr- 
uihl,  da  die  Typen  aber  ganz  genau  mit  den  in  voriger  Nummer  vorkommenden 
übereinstimmen,  können  wir  mit  gutem  Gewissen  auch  diesen  Druck  der  Anna 
Käger  zntheilen. 

Das  Blatt  findet  sich  nirgends  beschrieben  und  ist  vielleicht  Unicum,  Es  ist 
in  82  Zeilen  auf  einer  Seite  gedruckt  und  beginnt  folgendermassen :  „i^^t  feinb  }t- 
menfctn  bic  jett^en  ber  falfd)eit  gnlbin  ||  im  nt^berlanb  gemat^t.  «ntib  ftitib  ttlidjer  mftti-;  I 
%tx  }n  69tting(it  in  JBadpfett  m  ]n  anbers  ftat-liten  verbrannt  oab  aaff  vier  tt^antitti  von 
in  gemilnift.** 

Dann  folgt  die  Beschreibung  von  fünf  verschiedenen  Arten  der  falschen  Münzen 
und  daneben  sind  die  Abbildungen  von  Vorder-  und  Rückseite  derselben  gestellt; 
letztere  in  Holz  geschnitten.    Daran  schlieast  sich  noch  eine  Nachschrift: 

„3tem  bie  norgenanten  gnlbin  ifl  einer  nit  beffer  bann  •  o  ||  oe9ß9fennig  *  onb 
ifl  ber  raiff  ombl^er  gnlbin  eins  ^al-  |ben  i^alms  btib  •  onb  bas  corpns  ifl  gan$  hftpjferin 
«nnb  II  ilbergült.  ||  Dnb  bas  knpjfer  i|l  fo  Prt  gemiin|et  on  gefotten  bas  ||  es  no(|l  klingt, 
banimb  mag  \^  niemant  erkennen  an  bem  ||  klang  ober  an  bem  flri^l-*'  —  Das  seltene 
Ueine  Druckwerk  gehört  zu  unserer  reichen  Sammlung  von  Einblatt-Drucken  unter 
Glas  und  Rahmen.  — 


^mm  ober  30l)attn  3d)oenf}ier0er, 

1481  bl0  1524. 

Der  über  vierzig  Jahre  in  Augsburg  thätige  Drucker  begründete 
seinen  glänzenden  Ruhm  namentlich  durch  den  wundervollen  Druck 
seines  ^^Theuerdanlc^^ ,  zu  dessen  Herstellung  ihn  Kaiser  Maxi- 
milian im  Jahre  1517  nach  Nürnberg  beschied,  jedenfalls  damit  der 
grösseren  Correctheit  wegen  das  Werk  unter  den  Augen  des  Ver- 
fassers Melchior  Pfinzing  gedruckt  werden  konnte. 

17* 


26o  —    Augjburg.    -- 

Wir  werden  unter  „Nürnberg"  ein  prachtvolles  Pergament- 
Exemplar  der  ersten  Auflage  des  Theuerdank  vorführen,  während 
hier  unter  Augsburg  die  zweite  Ausgabe  vorkommt,  welche  Schon- 
sperger  im  Jahre  XöXO  daselbst  unverändert  herausgab.  Ein  Sohn 
Hanns  Schönsperger's  druckte  vom  Jahre  1502  ebenfalls  in  Augsburg 
unter  der  Firma  Hanns  Schönsperger  der  Jüngere.  — 


No.  544. 

„1990cabuUritt»  rerum.*^ 

Aagsbnrgy  Johann  Schoensperger,  1495.  Klein  Quart-Fonnat. 
Ueber  den  Inhalt  dieses  Uteinisch-deutschen  Yocabiüarium,  dessen  Autor  Wenc«- 
Ums  Brack  ist,  sprachen  wir  schon  ausführlicher  unter  Nr.  587.  Unter  obigem 
Titel  befindet  sich  ein  ziemlich  roher  Holzschnitt,  den  Lehrer  mit  zwei  Schülern 
darstellend.  Am  Schlüsse  des  mit  modemer  gothischer  Type  gedruckten  Werkcbens 
ist  die  Datirung  und  Druckfirma  zu  finden.  Hain  No.  3709.  Das  seltene  Buch  ist 
in  grünes  Leder  gebunden  und  mit  reichem  Metallbeschlage  versehen.  — 


No.  545. 

iiH^r  l)ebt  ftd)  an  btr  faHiydienlpiegel  mitfamtit  ||  ben  caute- 

len  Dttb  abM||ttombu0  bockftorf/^ 

Augsburg 5  Johann  Schoensperger,  1496«     Folio-Format. 

Dieser  „Sachsenspiegel"  ist  soviel  als  ein  „Sachsisches  Landrecht",  ein  Werk 
jedoch,  welches  niemals  staatsrechtliche  Autorität  gehabt,  wohl  aber  als  verdienst- 
volle Privat- Arbeit  des  Verfassers  Eycke  von  Repgowe,  der  es  in  der  ersten  Hälfte 
des  dreizehnten  Jahrhunderts  verfertigte,  stets  in  grossem  Ansehen  gestanden,  und 
selbst  bis  in  das  19.  Jahrhundert  noch  zur  Entscheidung  streitiger  Rechtssachen  ge- 
dient hat.  Es  ist  zugleich  die  erste  Sammlung  deutscher  Gerechtsceme  im 
Gegensatze  zum  Römischen  Rechte,  welche  sogar  von  dem  Papste  Gregor  XI.  im 
Jahre  137S  mit  dem  Bann  belegt  wurde. 

Der  Verfasser  hat  darin  die  allgemeinen  Landesgewohnheiten,  besonders  was  in 
den  Landgerichten,  das  heisst  in  den  Gauen  und  Dörfern  Recht  und  Herkommen 
gewesen  ist,  zusammengestellt  und  auf  solche  Art  das  frühere  ^Gewohnheitsrecht' 
in  ein  „geschriebenes  Recht"  umgewandelt. 

Die  Glosse  der  vorliegenden  Ausgabe,  welche  schon  eine  der  späteren  ist  — 
denn  die  erste  erschien  im  Jahre  1471  bei  Bernhard  Richel  zu  Basel  —  ist  von 
Theodorich  von  Bocksdorff,  auch  Buchsdorff  oder  Bitrgsdorff  genannt,  verfiisst,  der 
als  Bischof  zu  Naumburg  im  Jahre  1466  starb.  Die  Type  ist  eine  ziemlich  grosse 
verbesserte  Gothisch.  Hain  beschreibt  die  Ausgabe  unter  No.  14080,  ohne  sie  ge- 
sehen zu  haben.  — 

No.  546. 

f,iBa0  buc^  iBer  ||  Croniken  mni  ge-||Fd)id)teti  mit  |!guH|t^ 
mi  ptlbnu^llfeti  mn  Anbeginn  ||  brr  toelt  bi^  mff  bife 

tinferc  lept.^^ 

Angrsbnrg^  Johann  Schoensperger,  1496«     Folio-Formati 
Diese  eweiU  deutsche  Ausgabe  der  SchedePschen  Chronik,  wovon  wir  das  Ori- 
ginal unter  „Nürnberg«  kennen  lernen  werden,  ist  ein  genauer  Nachdruck  des  lata- 


—    Augsburg.     —  261 

teren,  womit  sich  schon  in  alten  Zeiten  selbst  die  vornehmsten  Dmckerherren  gerne 
belissten.  Die  Hokschnitte  sind  kleiner  und  geringer  als  die  berühmten  von  Wohl- 
gemut &  Pleydenwurf  in  der  Originalausgabe  von  1493, 

Obiger  Titel  mit  sehr  grossen  Buchstaben  ist  sicher  ganz  in  Holz  geschnitten. 
Die  Type  des  Textes  ist  eine  kleine  Schwabacher;  bemerkenswerth  ist  der  Druck- 
fehler in  der  Schlussschrift,  wo  die  durch  JH.  ccc»  rnj  gegebene  Jahraiahl  mit 
Auslassung  eines  c  1396  lautet.  Was  weiter  von  dem  bekannten  Werke  zu  sagen 
wäre,   sparen  wir  fär  Nürnberg  auf,  wo  wir  ein  Pracht-Exemplar  der  ersten  Aus- 

e  zu  besprechen  haben.    Hain  No.  14511.  — 


No.  547. 

f^fSbcr  cronicantm  ||  cum  jlgum  et  ^tna-Hginibuo  ab  itücio 

mn{|M  tifq;  nfic  temportd/^ 

Augsburg^  Johann  Schoensperger,  1497«     Folio-Format. 

Ebenfalls  Nachdruck  der  lateinischen  Original -Ausgabe,  Nürnberg  1498.  Mit 
denselben  Typen  und  Holzschnitten  wie  die  deutsehe  in  voriger  Nummer.  Hain  hat 
die  Ausgabe  nicht  selbst  gesehen;  No.  14509.  — 


No.  548. 

^fiBir  gruerltd)fiten  tinb  txm  tetl0  ||  ^et  gefd^td^tm  )if0  lob- 
ltd)f  (lrfU-||barcn  unb  l)ad)betumbten  \)üiB  \\  r^ni  fittterö 

afttjrbanncht)0." 

AngfSbnrg^  Johann  Schoensperper,  1519«     Gross  Folio-Format. 

Zweite  Aasgabe  des  herrlichen  „l^euerdanl^*,  Blatt  fnr  Blatt  mit  der  ersten 
von  1517  tibereinstimmend  und  nur  um  das  Druckeir-Privileg  auf  der  Kehrseite  des 
Titels  vermehrt.  Was  über  dieses  Prachtwerk  zu  sagen  ist,  behalten  wir  uns  für 
die  Editio  princeps  unter  Nürnberg  vor,  von  welcher  wir  eines  der  kostbarsten 
Pergament-Exemplare  dort  kennen  lernen  werden.  Die  vorliegende  Ausgabe  präsen- 
tirt  sich  in  einem  selten  schon  erhaltenen  Papier-Exemplare  mit  breitestem  Rande 
und  mit  sehr  guten  Abdrucken  der  famosen  Holzschnitte  SchäufelMs.  Der  Einband 
von  braunem  Leder  ist  äusserst  fein  ornamentirt  und  mit  silbernen  Beschlagen  geziert.  — 


1486  bis  1516. 

Der  berühmteste  Augsburger  Typograph,  welcher  als  gebomer 
Augsburger  seine  Kunst  vorher  schon  In  Venedig  ausübte,  und  sich 
dort  durch  die  Schönheit  und  Correctheit  seiner  Drucke  solchen 
Ruf  erwarb,  dass  er  von  den  Bischöfen  von  Augsburg  beständig 
eingeladen  wurde,  nach  seiner  Vaterstadt  zurückzukehren,  so  dass 
endlich  Ratdolt  im  Jahre  i486  den  Einladungen  folgte  und  dort 
bis  zum  Jahre  1516  mit  gleichem  Ruhme  thätig  war. 


202  —     Augsburg.     — 

Im  Geschmacke  damaliger  Zeiten  durfte  er  sich  daher  billig 
selbst  „einen  geschickten  und  sehr  berühmten  Mann"  —  ▼iram 
sollertem  et  nominatissimum  —  in  seinen  Druckwerken  nennen.  — 


No.  549. 

In^bnrgy  Erhard  Ratdolt,  1488.  Klein  Quart-Format 
Obige  zwei  Worte  stehen  auf  dem  Titelblatte  dieses  seltenen  Augsburger  Druckes, 
eines  astronomischen  Werkes  des  arabischen  Gelehrten  Albumasar  oder  Aboasv, 
der  es  im  9.  Jahrhunderte  verfasste.  Es  enthält  circa  70  astronomische  Figuren 
und  viele  geschmackvolle  Initialen  in  Holzschnitt.  Die  Type  ist  eine  kleine  gothiscbe. 
Editio  prineeps,  von  Hain  unter  No.  609  beschrieben.  — 


No.  550. 

Augsburg  5   Erhard  Ratdolt,  1491.     Folio-Format 

Der  schone  Roth-  und  Schwarz-Druck  in  dreierlei  gothischen  Typen  mit  seisem 

Canon,  der  sehr  frühe  Proben  des  Notendrucks  mit  beweglichen  Typen  aufweist,  ist 

ein  sprechendes  Zeugniss  für  Ratdolds  berühmte  Kunstfertigkeit,   welche  ihm  ^e 

ehrendsten  Aufträge  von  vielen  hindern  Diözesen  eingetragen  hat.    Hsdn  No.  11S60*  — 


No.  551. 

^^Pfaltfrium  cum  ap-||jiaratu  tiulgari  fami||ltaritcr  appreffo. 
ITatfinifd)  pfalter  mit  Arm  tnitfd)m  ||  nfi^lid^rn  babei) 

gebrückt.*^ 

JLvLg^hurgf  Erhard  Ratdold,  1499.     Quart-Format. 

Dieses  ist  die  zweite  Ausgabe  des  lateinisch-deutschen  Psalter' 8,  von  welchem, 
den  Bedürfoissen  damaliger  Zeit  sehr  entgegenkommenden  Werke  Ratdold  schon 
1494  die  erste  Ausgabe  gedruckt  hatte.  Am  Anfang  eines  jeden  Psalms  ist  ein  schönes 
Initial  in  Holz  geschnitten.  Der  lateinische  Text,  in  einer  ziemlich  grossen  gothi- 
schen Type  gedruckt,  bildet  den  Hauptbestandtheil .  während  der  deutsche  Text  als 
Glossar  an  den  Rändern  je  zweier  gegenüberstehenden  Seiten  den  grossen  Druck  in 
kleinerer  Schrift  umgiebt.    Hain  No.  13511.  — 


No.  552. 

u^b^ttfühlt  flue  benfbi|!cttanale  ftVm  mlf|!-||am  Conflatttiffi.*' 

Augsburg^  Erhard  Ratdolt,  1510.     Quart-Format 
Auf  dem  zweiten  Blatte   dieses  von  Zapf  nicht  gekannten  Chcrbuches,  der  nur 
eine  Ausgabe  von  1502  anführt,  befindet  sich  die  Datiruag  und  darunter  die  Insig- 
nien  des  Bischofs  von  Constanz.  — 


—    Angsbutg.    —  263 

1488  bis  1493. 

Ein  Typograph,  von  dessen  Lebensumständen  in  Augsburg 
nichts  Näheres  bekannt  ist;  doch  scheint  er  mit  Anton  Sorg  in 
Verbindung  gestanden  zu  haben,  da  in  seinen  Erzeugnissen  die 
Typen  dieses  Druckers  vorkommen.  Er  wurde  später  als  Hofbuch- 
drucker der  Herzöge  von  Baiern  nach  München  berufen  und  er- 
scheint dort  von  1497 — 1520.  — 


No.  553. 

,,9te  tualfart  ober  bil-Hgerung  unffr  lirbm  frauujen/* 

An^sbnrg^  Hanns  Schobser,  1489«     Klein  Quart-Format. 

Incunabel  von  grösster  Seltenheit  und  vorzüglicher  Erhaltung  in  geschmack. 
vollem  rothen  Ledereinbande  mit  vergoldeten  Beschlägen. 

Die  Typen  sind  anolog  den  Anton  Sorg'schea  Charakteren,  von  denen  Braun  in 
seiner  Notitia  Band  II  Tabula  I  Nr.  II  ein  treffendes  Alphabet  giebt,  und  welche 
auch  in  mehreren  Sorg'schen  Drucken  unserer  Sammlung  vorkommen.  Das  Werk- 
chen ist  mit  19  blattgrosscn  Holzschnitten  ausgestattet.    Hain  No.  9326. 

Die  Ausgabe  zahlt  69  Blätter  mit  Signaturen  und  23 — 34  Zeilen.    Die  Schlussschrift 
lautet:  ,,<Sebrn:kt  onb  »olenitbet  bic  »alfart  il  ober  bilgeruug  onftr  lieben  frotoen  ber  || 
mttter  gottes  bnrd)  (^nnnfett  3(^ob|]rer  ||  in  ber  hei)ferli:^e  flatt  ^Ingrpnrg.    Ila4)  |1  ®ri|li 
nnfers  Ferren  ge^iarb.    ül.  tccc  nnbUim.  Irrrir.  ynit  an)f  montag  nai^  3eoriiHbts 
^eiligen  raortrers.*'  — 


peter  ierger, 

wm  1488  bi6  1489. 

Auch  dieser  Augsburger  Typograph  druckte  gleich  dem  Bämler 
während  seiner  kurzen  Wirksamkeit  mit  Vorliebe  deutsche  Bücher, 
von  denen  wir  ein  paar  der  vorzüglicheren  vorführen  wollen.  — 


No.  554. 

yMn  ttrn)  geteütfd)t  It(d)tbud)  ||  gebogen  au^  ®et)itltd)en 

D»b  II  tDfltlidjen  fir d)tfm^^ 

AngfSbnrg^  Peter  Berger,  circa  14:88«     Klein  Folio-Format. 

Dieses  ohne  Anzeige  des  Druckjahres  und  der  Druckerfirma  erschienene  Werk 
hat  Panzer  in  seinen  Annalen,  Seite  33  ausführlich  beschrieben;  es  ist  die  zweite 
Ausgabe,  welche  Panzer  als  erste  bezeichnete,  da  er  die  letztere,  von  uns  auf 
Seite  13  angeführte  nicht  kannte.  Daselbst  haben  wir  auch  erwiesen,  dass  Sebastian 
Brand  nicht  als  Autor  dieser  ersten  Ausgaben  gelten  kann,  wie  es  Panzer  angenom- 
nien,  sondern  erst  die  Strassburger  Ausgabe  von  1516  neu  herausgegeben  hat. 
Panzer  wusste  den  Drucker  nicht  anzugeben,  vermuthete  aber,  dass  es  ein  Strass- 


204  —     Augsburg. 


hurger  sei ,  was  Andere   wiedertun   naebgeschrieben  haben ,   ¥rie  auch  Hain  unter 
No.  8728,  der  die  Ausgabe  nicht  selbst  gesehen. 

Mit  Gewissheit  haben  wir  dagegen  festgestellt,  dass  die  Typen  des  vorliegenden 
Werkes  vollkommen  mit  denen  des  in  folgender  Nummer  beschriebenen  ^Spiegel 
menschlicher  Behaltnuss*'  übereinstimmen,  imd  dass  dieser  höchst  seltene,  bisher 
keimaüose  Druck  demnach  der  Ofßcin  des  Peter  Berger  um  1488  bis  1489  zuzuweisen 
i^t.  Der  obige  Titel  ist  in  Holz  geschnitten.  Der  laubgrüne  Ledereinband  unsers 
schonen  Exemplars  hat  reiches  Metallbeschläge  mit  Vergoldung.  — 


No.  555. 

i^^tiB  tfl  ber  fpir^tl  mmfclilic^er  ||  brt)altnu^  mit  ben  (Smigclie 
i^ni  II  (Sjit|lf If  burc^  bj  gancj  j>ar/* 

Angsbnr^,  Peter  Berger,  1489.     Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  ist  von  Panzer  in  seinen  Annalen  Seite  177  nach  ,«m«r  muster- 
haften Becension'*  des  Stadtpfarrers  Am  Ende  nicht  überall  musterhaft  richtig  be* 
schrieben.  Auf  dem  ersten  Blatte  steht  obiger  Titel  mit  ziemlich  grossen  Charak- 
teren  in  Holz  geschnitten;  auf  der  Ruckseite  ein  illuminirter  Holzschnitt,  welcher 
in  fünf  Medaillons  den  Apostel  Paulus  und  die  vier  Evangelisten  darstellt. 

Das  Werk  enthalt  nicht  387,  sondern  wie  auch  Hain  No.  14937  richtig  ang^ebt, 
23ß  Bl&tter,  davon  6  ungezählte  und  229  gezählte.  Die  Zahl  der  Holzschnitte  be- 
trägt nicht  874,  sondern  279;  auch  nehmen  dieselben  nicht  die  Hälfte  einer  Co- 
lunme  ein,  sondern  sind  wesentlich  kleiner,  wie  in  wiederholten  Fällen  ersicfatlicA 
ist,  wo  in  einer  Columne  zwei  Holzschnitte  übereinander  stehen  und  wo  ^sdann  noeh 
Plate  ist  war  für  mehre  Zeilen  Text.  Die  Abbildungen  sind  von  alter  Hand  leicbt 
eoiorirt,  so  dass  die  Arbeit  des  Formschneiders  überall  klar  zu  sehen  ist  Unser 
fi«h5nes  Exemplar  bat  hellen  Ledereinband  mit  vergoldeten  Beschlagen.  -^ 


auch  unter  dem  Namen 

Jiol)ann  ^i)mtx^ 

1494  bie  1519. 

Obgleich  Panzer  in  seinen  Annalen  fünf  Drucke  dieses  Typo- 
graphen  aus  den  Jahren  1481  bis  1490  aufführt,  welche  er  sämmtlich 
nach  einen  Catalog  des  österreichischen  Klosters  Lilien feld  citirt, 
so  bleibt  es  doch  mehr  als  zweifelhaft,  dass  diese  Drucke  wirklich 
existiren,  da  kein  späterer  Bibliograph^  wie  audi  Panzer  selbst  nicht, 
eines  dieser  "Werke  zu  Gesicht  bekoivimen  hat  JEin  wirkliches 
Product  Froschauer's  lassen  wir  nachstehend  folgen.  — 


No.  556. 

^^attttltts  in  Ubelluj  fancti  ||  |artl)obij  mart^ria  x  fptj|(IC0jJt 
|Bartinf|i0  ccclrpf  ||  prouincic  gtccors  conttnea  in  fc  reues 


—     Augsburg.     —  ^65 

latio||ne0  bimriM  a  fancti6  angelie  facta^  5e||princtpio 

munM  :  eraMcatione  varioru  ||  regnor$  atqj  i^Itimi 

regia  romanotttj  gcfiie*  ♦  ♦" 

Augsburg 9  Johann  Froschauer,  1496«     Klein  Quart-Format. 

Diese  lateinische  Ausgabe  der  nOfifenbarungen"  des  Jthtiiodms  enth&lt  noch  den 
ausführlichen  Conunentar  über  dieselben,  welchen  Wol/gang  Ayünger,  Clericus  zu 
Augsburg  verfasste.  Der  Druck  ist  mit  Schwabacher  und  Gothischer  Schrift  ausgeführt. 
Hain  No.  11120.  — 


jTtica»  ^eiffenmaijer, 

1495  biö  1502. 

Dieser  Augsburger  Drucker  besass  später  eine  Fresse  zu  Wesso- 
brunn  in  Oberbayem,  wo  wir  ihm  wieder  begegnen  werden.  — 


No.  557. 

^Mnftx  liehen  frawen  pfalter  ||  t»ttnb  t»on  itn  breien  rofcn 

kränzen  mc .  {|  man  Me  orbncn  t)nnb  {leten  fol  mit  ml  be  •  || 

wertr  f^rempeln  ein  iKt|i  nn^lid)  btted)lin.^^ 

jin^bur^,  Lucas  Zeissenmayr,  1495.     Quart-Format. 

Höchst  seltene  und  interessante  deutsche  Incunabel,  die  Zapf  und  Panzer  ver- 
zeichnet, aber  nicht  gesehen  haben.  Hain  hat  sie  unter  No.  14048.  —  Zeissenmayr 
scheint  überhaupt  nur  deutsche  Werke  gedruckt  zu  haben.  Dass  er  sich  in  der 
Schlussschrift  hier  ^Zeisselmair"  nennt,  dürfte  nur  auf  einem  Druckfehler  beruhen, 
denn  anderwärts  druckt  er  sich  „Zeyssenmayr",  und  sicher  ist  er  auch  derselbe  Typo- 
graph,  dem  wir  spater  unter  ^Wessobrunn*'  wieder  begegnen  werden.  Er  druckte 
nämlich  von  1494  bis  1508  in  Augsburg,  später  in  Wessobrunn,  wo  wir  ihn  übrigens 
auch  mit  gane  denn^iben  Typen  wiederfinden,  die  weder  rein  sothisch  noch  Bchwa- 
bacher  sind,  vielmehr  einen  U ebergang  zu  letzteren  bilden. 

Das  obige  Werkchen  über  die  Psalmen  enthält  fünf  prächtige  blattgrosse  Holz- 
stiinitie  und  zwei  grössere  Initialen  von  origineller  Zeichnung.  Die  übrigen  mittel- 
grosaen  Initialen  sind  bemerkenswerth  durch  die  Verschiedenartigkeit  in  Form  und 
Zeichnung  eines  und  desselben  Buchstabens,  daher  zum  Beispiel  das  D  in  mehr  als 
einem  Dutzend  ganz  verschiedenen  Arten  vorkommt.  Nur  der  Anfangsbuchstabe 
des  Vorwortes  auf  Blatt  2  ist  nicht  eingedruckt,  sondern  gemalt  und  mit  einer 
Bch&nen  bunden  Randmalerei  in  Verbindung  gebracht.  —  Unser  schonerhaltenes 
Exemplar  stammt  ans  der  berühmten  Bibliothek  des  Theodor  Karajan,  dessen  Biblio- 
thekzeichen der  alte  nicht  mehr  brauchbare  Holzband  trug.  — 


No.  558. 

^,5a0  bud)  jpi  jenant  ||  iSir  ^l^melfira^.*^ 

Au^bnrg^  Lucas  Zeissenmayr,  1501.     Klein  Folio-Format. 
Obiger  Titel  ist  mit  grossen  Charakteren  in  Holz  geschnitten.    Auf  der  Rück- 
seite des  Titels  befindet  sich  ein  ziemlich   roher  Holzschnitt:   Ein  Geistlicher  im 


266  —     Augsburg.     — 

Beichtstuhl  sitzend,  ihm  Eur  Seite  ein  Beichtender  knieend;  von  hier  aus  fülurt  die 
Strasse,  auf  i^elcher  man  verschiedene  Personen  von  Engeln  begleitet  gerades  Wegs 
in  den  Himmel  eingehen  sieht. 

Die  Type  ist  dieselbe  gothisirende  Schwabacher  wie  in  voriger  Nummer.  Am 
Schlüsse  des  Werkes  steht  in  der  Schlussschrift  Druckfirma  und  Datirung;  darsuf 
folgt  ein  leeres  Blatt  und  6  Blätter  Register.  Das  Werk  ist  ein  Erbaunngsbuch, 
-welches  vorzüglich  die  Erklärung  des  ganzen  Katechismus  enthält.  Unser  Exemplar 
hat  noch  den  alten  Original-Ledereinband  mit  Messingbeschlag.  — 


1505  bie  1518. 


Ein    Typograph,    der    sich    besonders    durch    Schönheit   seiner 
musikalischen  und  hebräischen  Druckwerke  auszeichnete.  — 


No.  559. 

^t^btruck  am0  la-||t(tntfd)(n  fanbtbriruea  an  bab|l-||(id^e 
^eiliglcit,  von  Rfinigllicl)cr  xvurbt  sfl  portcgall,  ||  W6 
iaxB  aufgangen,  von  ö'crorbcrtc  ftabt  WTalacba,  an 
fecrcn  Efinigrcyd)cn  vnnb  l[?ertfd)aftn  in  3ii^iÄ*  ♦  *" 

Augsburg^  Erhard  Oeglin,  circa  1513.     Quart-Format 

Unter  dem  Titel   befindet  sich  ein  Holzschnitt.    Am  Schlüsse  des  nur  6  Blätter 
starken  und  bisher  wohl  unbekannten  Druckes  steht:  //(ßc5rUCPt  3U  ?tU0fVUrd 

?Durd7  ISrI;art  50Un."  — 


1505  bi6  1514. 

Otmar  druckte  zuerst  in  seiner  Vaterstadt  Reutlingen  um  1479 
bis  1495;  zog  dann  nach  Tübingen  und  von  hier  erst  nach  Augs- 
burg. "Wir  werden  ihm  auch  in  seinen  früheren  "Wirkungskreisen 
wiederholt  begegnen,  namentlich  als  erstem  Reutlinger  Typographen, 
von  welchem  die  in  unserer  Sammlung  befindliche  Summa  Pisani 
von  1482  bisher  allgemein  als  der  erste  Reutlinger  Druck  betrachtet 
und  verzeichnet  wurde,  dem  wir  jedoch  einen  solchen  mit  der  Jahr- 
zahl 14:81  und  mit  den  gleichen  Typen  gedruckt  voranzustellen 
vermochten,  während  Nider's  „Praeceptorium  Legis"  —  ebenfalls  in 
unserer  Sammlung  —  sicher  schon  14:79  erschien,  und  somit  als 
der  wirklich  erste  Reutlinger  Druck  zu  verzeichnen  ist.  — 


No.  560. 

i,3frmanc0:  hte  l)od)||9cUrrtfn  in  gnaben  rrlfudjten  baüctorie 
^otjanniö  £l)attlfrii  fannt  ||  bomlntci  orbcna  bic  ba  wrifjenb  jj 


—     Augsburg.     —  267 

auf  brn  nädjeflrn  maren  mrg  im  ||  gaifl  ;u  tpanbrren  burd) 
übtrfn)t|{benbrnn  fi^n  •  von  latem  in  teütfd^  ||  genirnbt  mand^rm 
mftt("d)enn  jft  ||  fäligrr  frud^tbarkett/* 

Angsbnr^^  Johannes  Otmar,  1508»    Folio-Format. 

Es  ist  dies  die  zweite  Ausgabe  der  Tnnler'schen  Predigten,  welche  mit  der  ersten, 
1498  in  Leipzig  gedruckten,  bezüglich  des  Textes  übereinkommt.  Der  Titel  beider 
Aasgaben  besagt,  dass  sie  aus  dem  Lateinischen  in  das  Deutsche  übertragen  wurden, 
obgleich  der  berühmte  mystische  Prediger  des  14.  Jahrhunderts,  Johannes  Tauler, 
in  seinen  durch  anschauliche  Darstellung  und  populäre  Schrifterklärung  ausgezeich- 
neten Predigten  und  Schriften  sich  stets  der  deulsehen  Sprache  bedient  hat 

Es  ist  vorliegende  Ausgabe  demnach  die  Uebersetzung  einer  Uebersetzung,  wovon 
indess  sowohl  das  Manuscript  als  der  Verfasser  unbekannt  sind.  Auf  Blatt  6  verso 
befindet  sich  ein  Holzschnitt:  Christus,  das  Kreuz  tri^end,  darüber  fünf  deutsche 
Verse.  Die  Offizin  Otmar^s  mag  nicht  ganz  unbedeutend  gewesen  sein,  da  wir  in 
dem  Werke  fünf  verschiedene  Schriftgattungen  zählen,  wovon  drei  verschiedene 
Missaltypen  und  zwei  Grössen  Schwabacher  Schrift.  Die  Schlussschrift  mit  Firma 
nnd  Datirung  nennt  Johann  Ryiinman  von  Geringen,  auf  dessen  Kosten  das  Werk 
gedruckt  ist.  — 

No.  661. 

jiPrebigen  STffitfd):  ||  tjnb  ml  gutter  Irercn  j0eö  t)od)  ||  jeUrr- 

Un  l)frm  ßü[)m  i^m  kaiHffrfjjrrg  .  in  b^gotllic^e  gefrfjriflt  || 

boctor  tjnb  prebigcr  ju  bem  l)o||l)cn  fiiflit  •  tjnfrr  lieben  frau- 

wtn  II  mijnller  •  bcr  ftat  ^Irefjburg. 

AngfSbnrg,  Johannes  Otmar,  1508.     Klein  Folio-Format. 

An  den  vier  Ecken  des  obigen  in  sieben  Zeilen  gedruckten  Titels  befinden  sich 
in  thalergrossen  Medaillons  die  Sinnbilder  der  vier  Evangelisten  in  Holzschnitt,  und 
zwar  in  Tiefschniü.  Weitere  drei  blattgrosse,  in  dem  Exemplar  illuminirte  Holz- 
schnitte sind  dem  Hans  Burgkmair  zugeschrieben,  da  einer  derselben  die  Marke  des 
Künstlers  H.  B.  aufweist. 

Die  letzte  Seite  des  mit  Schwabacher  Schrift  gedruckten  Textes  füllt  eine  Er- 
mahnung, die  Schrift  fieissig  zu  lesen,  wobei  zugleich  angezeigt  wird,  dass  diese 
Predigten  ohne  Wissen  des  Verfassers  zu  Augsburg  von  Johannes  Otmar  auf  Kosten 
mehrerer  Ungenannten  gedruckt  seien.  Ganz  zuletzt  steht:  9111110  1508.  Unser 
Exemplar  hat  schönen  blauen  Ledereinband  mit  vergoldetem  Beschläge.  — 


No.  562. 

ißxfB  bnd)  Hb  ba  ||  gc6id)t  bat  öcr  cricflcbt  vattx  2Cnian^ 
btt0,  gcnaiit  ||  Scug  •  begreift  in  jm  t?il  guter  gaiftlicbcr 

leeren*  ♦  ♦  ♦" 

Augsburg^  Johannes  Otmar,  J512.  Folio-Format. 
Von  dem  sehr  weitläufigen,  zwanzig  Zeilen  langen  Titel  des  Werkes,  welcher 
bis  auf  die  erste  in  grossen  Charakteren  schwarz  gedruckte  Zeile  roüi  gedruckt  ist, 
geben  wir  oben  nur  die  ersten  drei  Zeilen.  Das  Werk  ist  ein  Predigten  buch.  Der 
Verfasser  war  ein  Dominikaner,  der  mit  seinem  Klosternamen  Amandus  hiess,  sich 
sonst  aber  Heinrich  Suso  oder  Seuss  nach  seiner  Mutter  nannte,  und  eigentlich  aus 


208  —     Augsburg.     — 

der  adlichen  Familie  von  B$rg  stammte,  wie  durch  seine  Geburt  um  das  Jthr  1900 
zu  Costnitz  in  Schwaben  erwiesen  ist.  Dieses  und  noch  mehreres  von  seinen  Lebeoi- 
umst&nden  Icann  man  aus  der  auf  den  Titel  folgenden  Vorrede  entnehmen. 

Von  den  2S  Holssehnitten ,  mit  denen  das  Bnch  ausgestattet  ist,  erkennen  wir 
einen  als  den  Titelholzschnitt  wieder,  der  merkwürdiger  Weise  schon  in  dem  ^Bud 
genannt  die  HimmeUirass*  (No.  .558)  1501  von  Zeissenmayr  gedruckt,  vorkam;  einen 
andern  finden  wir  bereits  unter  den  in  voriger  Nummer  beschriebenen  und  Hwi 
Burgkmair  zuertheilten,  wonach  man  auch  die  gegenwirtigen  diesem  Kunstief  übe^ 
lassen  mochte.  Indess  bleibt  dies  bei  der  geringen  kfinstleriscben  Ansfahning  der 
Holzschnitte  sehr  in  Prage.^ 

In  der  Schlussschrift  erfahren  wir,  dass  abermals  Johannes  Rynnnttn  dies« 
Werk  von  Otmar  fnr  seinen  Verlag  hat  drucken  lassen.  Für  das  Ansekeo,  io 
welchem  das  Qeschäft  dieses  Mannes  gestanden,  spricht  die  Bez^ehnung,  mit  welcher 

ihn    der   Drucker   Otmar     „eitlen      färfifd;tidetT     ^eWl"     und     „teUtfdS^« 

ttation  füvndmpiten  bfidi;fu^rer''  nennt.  — 


(ieorg  üaMer, 

1508  bi0  1521, 

druckte  auch  mit  Erhard  Oeglin ,   den  wir  auf  Seite  265  schon  an- 
führten, zusammen.  — 

No.  663. 

^^ßd)  l|C9f0  ain  bud)lrin  ber  iu||bm  fictd^t/^ 

„3fi  aUeti  orten  vlnU  man  m\d)  Uidft 
X)ll  newer  meren  felnö  mir  wol  befannt 
2(^  w\U  mid)  v^aytcn  In  alle  lanbt 
von  midj  lyft  bem  wüni^  i^  payl 
iDo^  bafi  \6j  ben  Inben  tilt  werde  in  tayW 
Augsburg^  Georg  Nadler,  1508.    Klein  Quart-Format 
Der   bekannte  Autor  dieaes  kleinen  höchst  seltenen  Schriffcchens   nennt  sich  in 
der  Schlussschrift.    Es  ist  der  getaufte  Jude  Johann  Ffefferkom  cn  CöhUt  ein  leloti- 
scher  Verfolger  seiner  frühem  Glaubensgenossen,  der  es  sogar  beim  Küser  Maximilian 
dahin   brachte,   dass  Letzteren   ihre  Bacher  weggenommen   und   verbrannt  werden 
^Otiten,  gegen  welche  vandalische  Massregel  der  berühmte  Keuchlin  dann  sein  mann- 
haftes Veto  einlegte.    Vergleiche  Panzers  Annalen  No.  611  bis  618.  — 


^r.  J^igmunb  ($nmm  U  JUarr  üirfttttg^ 

1512  bte  1522. 

Dr.  Sigmund  Grimm,  aus  Zwickau  gebürtig  und  Gatte  der 
Magdalena  Welser,  kam  1512  nach  Augsburg  und  druckte  hier  in 
Gemeinschaft  mit  Marx  Wirsung  bis  1522.  Von  demselben  Jahre 
ab  erscheint  Grimm's  Name  allein  bis  1524. 


—    Augsburg.     —  269 

No.  564. 

i^xn  anbrd^tigrr  m  }Vl  brlfe-Hrung  funbigee  Itbtm,  nfi^- 
lul)rr  II  Cractat^  bts  ^ayligen  vnb  (Ll)viillis\\(i^tn  lerere 
Äurelij  2(ugttftini  ||  von  5er  fipptgPayt  ||  5er  weit,  || 
6urd)  JDoctor  ||  WolffQanQtn  Kernen,  ||  »un5t0ri*tern  • 
IC*  aug  5em  II  ff ateyn ,  inn  öae  lefttfd)  gebracfcn" 

logsblirg^  Dr.  Sigmund  Grimm  8c  Marx  Wirsung,  1522« 

Quart-Format. 

Dieser  Tractat  von  nur  sechs  Blättchen  ist  der  letzte  Druck  der  vereinigten  Firma 
Grimm  &  Wirsung.  — 


^x.  3t0mttnl>  %xmm  allein^ 

1522  bis  1524. 

No.  565. 

,,®e§  l^od^gelerten  ||  ^ern  jDoctor  iSrafmi  von  \\  Uoter5am 
f^one  vti  \\  clare  aufilegung  Aber  Me  l£pU||ÜeI  Pauli  || 
5&  Cito*  II  jDurd)  Prbanum  Kegiü  5er  ||  l?ayligen  fcferifft 

JDoctor  ge^ljteütfcbt*" 

Angsbnr^^  Dr.  Sigmund  Grimm,  15 2 2,     Klein  Quart-Format. 

Sehr  seltener  und  Dr.  Grimmas  erster  Druck  unter  alleiniger  Firma  nach  Aus- 
scheiden oder  Tod  seines  Associö  Wirsung,  worüber  man  jedoch  nichts  Bestimmtes 
weiss.  Bemerkenswerth  ist  die  Fracturtype,  mit  welcher  auf  Blatt  4  verso  bis 
Blatt  7  recto  der  ganse  Text  der  Epistel  Pauli  an  Titus  gedruckt  ist,  während  im 
üebrigen  Schtodbacher  Schrift  angewandt  wurde.  Eine  mehr  originelle  als  schöne 
Holzschnittbordnre  umrahmt  den  obigen  Titel.  Vergleiche  Panzer^s  Annalen  No.  1299.  — 


No.  666. 

,,SßfaIter  be^  Mniglid^HI^*^  prop&etteti  5attl50  ge?||teutfd|t 
nacfe  war^affsljtigem  teyt  5er  ^?e5||braifcl)e  sungc/' 

Angsbnrg^  Sigmund  Grimm,  1528.     Klein  Octav-Format. 

'  D«r  Titel  steht  in  einer  Holsschnitt-Bordüre.  Auf  der  Ruckseite  befindet  sich 
ein  Holzschnitt:  der  Prophet  Nathan  vor  König  David.  Bin  zweiter  Holzschnitt: 
Voses  knieend  mit  den  Gesetzes-Tafeln  befindet  sich  auf  Blatt  28  verso;  von  den 
Initialen  sind  die  grossem  sehr  originell.  In  der  Zueignungsschrift  an  Johann 
Böschenstein  nennt  sich  der  Uebersetzer  des  Psalters  Caspar  Ammans  der  hailigen 
stkrifft  doctor.  Hinter  dem  darauf  folgenden  Register  befindet  sich,  dem  eigentlichen 
Werke  vorausgehend,  eine  Uebersetzung  des  Qebetes  Salomonia  im  dritten  Buch  der 
Könige  von  Johann  Böschenstein,  welche  durch  ein  Antwort-Schreiben  des  letzteren 
an  Caspar  Amman  eingeleitet  ist. 

Interessannt  ist  es,  diese  Psalter-Uebersetzimg,  welche  ein  Jahr  vor  Erscheinen 
des  Iiuiher'schen  Psalters  verfasst  ist,  mit  dem  lehrtem  zu  vergleichen.    Beide 


270  —     Augsburg.     — 

Uebersetser  griffen  auf  das  hebräische  Original  zurück  und  dennoch,  wie  unendlich 
yerscliieden  klingt  das,  wag  sie  hervorbrachten.  Da  erkennt  man  recht  unmittelbar, 
was  die  deutsche  Sprache  der  machtigen  Schöpferkraft  Luthers  allein  zu  verdanken  bat. 
Diese  Kraft,  Klarheit  und  Sicherheit  seines  Ausdrucks  lag  weit  ab  von  der  Sprache 
seines  Zeltalters.  Wie  mit  Zungen  einer  fremden  Welt  hören  wir  diese  zu  uns  reden, 
während  Er,  der  grosse  Held  seiner  Zeit  und  ihr  weit  voraus  in  allem  Grossen,  in 
Lauten  spricht,  die  sich  noch  heut«  gleich  dem  Mutterlaute  mit  der  Tiefe  unsers 
Gefühls  in  harmonischen  Einklang  setzen. 

Zur  Vergleichung  möge  der  erste  Psalm  in  beiden  Ueberseteungen  hier  eine  Stelle 
finden;  bei  Caspar  Anunan  lautet  sie:  „Selig  ist  der  man  das  er  nit  ist  gangen  im 
rath  der  vnmilten;  vnnd  im  weg  der  sünd  nit  ist  gestanden,  vnnd  im  sessel  der 
Spötter  nit  ist  gesessen.  Sonder  yn  dem  gesäte  gottes  ist  sein  begerung,  von  yn 
seinem  gesatz ,  wirdt  er  bethrachten  tag  vnd  nacht.  Yn  er  wirdt  sein  als  ain  holtx 
gepflanzt  auf  den  bachen  der  wasser,  das  do  wirt  geben  sein  frucht  zu  seiner  seit, 
vnnd  Fein  blat  wird  nit  erfaulen,  vnd  alles  das  er  wirt  thon  es  wirt  sich  thon  be- 
glücken.   Nit  also  die  schelk,  sond  als  der  spreuer  den  do  verwet  der  wind. 

„Darumb  werdendt  nit  aufstan  die  schelk  in  dem  gericht,  auch  nit  die  sünder 
in  der  versamlung  der  gerechteq.  Wann  got  erkent  den  weg  der  gerechten,  vnd  der 
weg  der  schelk  wirt  verloren." 

Dagegen  die  bekannte  Uebersetetmg  JJutherB : 

„Wol  dem  der  nicht  wandelt  Im  rat  der  Gottlosen,  Noch  trit  au£F  den  weg  der 
sunder,  Noch  sitzet  da  die  Spötter  sitzen.  Sondern  hat  lust  zum  Gesetz  des  HEBRN, 
und  redet  von  seinem  Gesetz  tag  und  nacht. 

„Der  ist  wie  ein  Baum  gepflanzet  an  den  wasserbächen,  der  seine  Frucht  bringet 
zu  seiner  Zeit,  Ynd  seine  Blätter  verwelken  nicht,  vnd  was  er  macht,  das  geret  wol. 
„Aber  so  sind  die  Gottlosen  nicht.  Sondern  wie  sprew,  die  der  Wind  verstrewet. 
„Darumb   bleiben  die  gottlosen  nicht  im  Gerichte,   Noch  die  Sünder  in  der  Ge- 
meine  der  gerechten.    Denn  der  HERR  kennet   den  weg  der  Gerechten,  Aber  der 
Gottlosen  weg  vergehet."  — 

Und  möge  nun  auch  noch  zur  Kennzeichnung  des  noch  grössern  Abstandes  der 
erste  Psalm  aus  der  ersten  deutschen  Bibel  von  1466,  Vielehe  wir  imter  Strassburg 
bei  Heinrich  Eggestein  Seite  103  schon  aufgeführt  haben,  hier  eine  Stelle  finden: 

„SElig  ist  der  man  der  nichten  gieng  in  den  rat  der  vnmilten  vnd  nichten  sm 
auf  dem  stule  der  Verwüstung.  Wann  sein  wil  ist  in  der  ee  des  herren:  vnd  in 
seiner  ee  betracht  er  tage  und  nacht.  Vnd  er  wirt  als  das  holtz  das  do  ist  gepflantitet 
bey  dem  ablauff  der  wasser:  Das  sein  wucher  giebt  in  seim  zeyt.  Vnd  sein  laub 
zerfleust  nit:  vnd  alle  ding  die  er  tut  die  werdent  gelücksam.  O  ir  vnnulten  nit 
also  tut  also:  wann  als  das  gestupp  das  der  wind  verwürfft  von  dem  antlüta  dererd. 
Dorumm  die  vnmilten  die  erstend  nit  in  dem  vrteyle :  noch  die  sünder  in  dem  rat 
der  gerechten.  Wann  der  herr  erkant  den  weg  der  gerechten:  vnd  der  steyg  der 
vnmilten  verdirbt."  — 

Eine  Vergleichung  der  Texte  in  den  verschiedenen  deutschen  Bibelausgaben 
ffor  Luther's  Auftreten  ist  übrigens  vom  höchsten  sprachgeschichtlichen  Interesse- 
Wir  haben  uns  hier  auf  eine  einzige  Probe  beschränkt,   die  schon  genug  besagt  " 


1514  biö  1530. 

Ob  dieser  Drucker  der  Sohn,  Bruder  oder  sonst  ein  Verwandter 
des  Johann  Otmar  ist,   hat    nicht   erwiesen  werden  können.    Seine 


—     Augsburg.     —  271 

Werke,  auch  ausgezeichnet  durch  künstlerischen  Schmuck,  den  ihm 
hauptsächlich  der  berühmte  Daniel  Hopf  er  lieferte,  haben  ihm 
manches  Lob  eingetragen.  — 


No.  567. 

„^b  atnem  fei)  )u  nf-||mfn  am  Cfelid)  m\\^y 

Augsbnrg^  Sylvan  Otmar,  1517«     Klein  Quart-Format. 

Die  Typen  des  Textes  sind  Schwabacher.  Unter  obigem  Titel  befindet  sich  ein 
schöner,  hier  colorirter  Holzschnitt:  Der  Verfasser  an  seinem  Schreibpulte  sitzend, 
bei  seinem  Werke  beschäftigt,  mit  der  Unterschrift:  ALBRBCHT  VON  EYBE  DOCTOR. 
Wir  haben  ein  anderes  Werk  dieses  berühmten  Dichters  und  Staatsmannes  bereits 
unter  Strassburg,  Nr.  247  unserer  Sammlung,  kennen  gelernt;  nicht  minder  geschätzt 
wurde  die  vorliegende  geistvolle  und  launige  Schrift  dieses  Dichters  über  den  Ehestand 
in  seinen  Beschwerlichkeiten  und  Annehmlichkeiten.  Auch  hier  erscheint  in  der 
Schlussschrift  wieder  der  Verleger  Johann  Rinnman  von  Geringen,  — 


No.  568. 

iv^ltt^Ugung  II  bz^    ^uti5crt  vnb   neäni)||tcn   pfalmcn  • 

JDiTtt  feoi|minxi5  öomino  mco,  ||  jDoctor  WTartini  lu  \x\)tx 

2Cuguftincr  5u  |I  Wittenberg,    5&  I?err  ^\txony^\m\x^ 

«bner  ||  ffofunger  ||  5Ö  nörn||berg/' 

Augsburg,  Sylvan  Otmar,  1518*     Klein  Quart-Format. 

Den  Titel  umgiebt  eine  schöne  Bordüre  von  Daniel  Hopf  er  in  Hols- Tiefschnitt 
mit  den  Initialen  des  Künstlers.  In  der  Widmung  des  Kanzlers  Oeorgius  Spalaünus 
tt  Sieronymus  Ebner^  welche  dem  Werkchen  voraufgeht,  heisst  es,  dass  Luüker  dem 

LetBtem  „{<ü^  aXtitm  fOTi5erlici7en  Ueb^aber  aller  fc^rift,  vnb  beuor 
bn  ^ailigen)  su  eere  vx\b  crefaUen  ^emac^  volgetifren  ^utT5e¥t  vwh 
neunten  vWm  mit  altter  teütfd;en  außXeöwtrd  ercldrt  ^at/'  — 


Jiol)attttf9  liiUer, 

1514  W8  1519. 

Ein  Augsburger  Typograph,  der  durch  seine  Freundschaft  mit 
dem  Gelehrten  Conrad  Peutin^er  bekannt  ist,  dessen  Anregung 
man  wohl  auch  die  verdienstlichen  Werke  der  Miller'schen  Offizin  mit 
zu  verdanken  hat.  —  

No.  569. 

„JOKNAN  II  DES  DB  RBBYS  ||  GOTHOßVM.     Piy|!LVS  DliCONVS  || 

POROIVLIBN-liSIS  DB  GBSTIS  ||  LANGOBARD0-||RVM." 

Augsburg^  Johannes  Miller,  161 6,     Folio-Format. 

Geschatrte,  von  Konrad  Peutinger  besorgte  Ausgabe  von  Jornandes'  Geschichte 
itfr  OoGien  und  Paul  Wamfried's  Geschichte  der  Longobarden  in  schönem  Antiqua- 


272 


—     Augsburg.     — 


Druck ;  die  erstere  ist  Editio  princep$.  Einen  herrlichen  Schmuck  des  Werkes  bildet 
der  schöne  Titelholzschnitt  von  Hans  Burgkmm'r,  die  Könige  Alboin  und  AthsDariciu 
in  der  Unterhaltung  vorstellend.  Dieser,  als  eines  der  schönsten  Werke  Burghmin 
bekannte  BoUfSchniU  erscheint  hier  in  einem  der  frühesten  und  kraftvollsten 
Abdrücke.  — 


|lleltl)ior  ^amminger, 


1520  bi5  1523. 

No.  570. 

^^jBi^  ipi  ein  trmftltd)f  ||  dag  tiber  Me  ®obtrn  fte|[fr:^^ 

Angbnrg,  Melchior  Ramminger,  circa  1522.     Quart-Format. 

Verfasser  dieses  satirischen  Gedichtes  auf  die  katholische  Geistlichkeit  ist  der 
Dichter  und  Buchdrucker  Pamphüus  Oengenbach  zu  I^asel,  dessen  Initialen  ))  6  sich 
auch  am  Schlüsse  des  nur  4  Blätter  umfassenden  Schriftchens  befinden.  Auf  dem 
Titel  findet  sich  ein  Holzschnitt  und  rechts  und  links  vom  Texte  geschmacIcTolle 
Bandleisten.  In  Weller's  Bepertorium  No.  2088  ist  als  Drucker  ebenfalls  M.  Ram- 
minger in  Augsburg  angegeben;  leider  ohne  nähere  Begründung.  — 


jSitmpr(d)t  Muf^ 


1524. 

Diesen  Augsburger  Typographen  bezeichnet  Falkenstein  Seite  i6i 
als  Factor  der  Offizin  von  Z^r.  Sigmund  Grimm  &  Marx  JVtrsun^. 
Zapf  sagt  auf  Seite  XLVI  seiner  Augsburger  Buchdruckergeschicbte 
„er  druckte  in  den  Jahren  1523  und  1524  auf  Kosten  Sigmund 
Grimm's,  nachher  aber  auf  seine  eigenen  Kosten*.  Man  erhalt  je- 
doch von  keinem  der  beiden  Gelehrten  etwas  von  Begründung. 

Wir  haben  dem  hinzuzufügen,  dass  das  in  nächster  Nummer 
beschriebene  Werk,  welches  am  Schlüsse  des  letzten  Blattes  recto 
die  Druckerfirma  Simprecht  Ruffs  mit  der  Jahrzahl  1524  hat,  auf 
der  Kehrseite  des  Blattes  das  bekannte  Druckerzeichen  Dr.  Grimm's 
mit  dem  Hercules  aufweist,  was  auf  eine  Verbindung  beider  Typo- 
graphen wohl  schliessen  lässt.  — 


No.  571. 

,,S)^e  ©uangelifd^  l^^ftort  |  nad^  aller  orbnilg  tote  fte  ergange, 

jn  ain  reo   geftelln  ♦  ♦  tJon  ||  Jtmmonio  2(Ieyanferino 

!&riec^||ifd)  befc^rieben^  vxi  burc^  ||  <Dt|?marü  nad^tgal  i| 

jDoctorem  sft  la^Htein  vnb  teutjjfcbem  ge^Hbtacfet/' 

Augsburg^  Simprecht  Ruff,  1524«     Klein  Octav-Format. 

Es  gilt  dieses  als  die  erste  Evangelien-HarmoniSf  welche  bald  dem  Ämmimi'»^ 
Älexandrinus,  bald  dem  Taiianus  zugeschrieben,  bald  beiden  abgesprochen  wird?  d*» 


—     Augsburg.     —  273 

üeberseteer  Otmar  Nachtigall ,  welcher  dieses  Werk  dem  Raimund  Fugger  widmete, 
verfasste  im  darauffolgenden  Jahre  selbst  eine  Evangelien  -  Harmonie  —  die  erste 
deutsche.  In  dem  kurzen  Vorwort  über  den  Drucker  erwähnten  wir  bereits  das 
Druckerzeichen  Dr.  Griirm^s,  welches  sich  auf  dem  letzten  Blatte  befindet.  — 


fleittrid)  ßimtx^ 

1524  bis  1545. 

Nannte  sich  auch  latinisirt  Henricus  Sllicenus.  Seine  zahlreichen 
Druckwerke,  meist  der  classischen  Literatur  angehörend,  zeichnen 
sich  durch  geschmackvolle  und  kostbare  Ausstattung  mit  Holz- 
schnitten der  berühmtesten  Meister  jener  Zeit  aus,  wie  Dürer, 
Burgmair,  Schäufelin,  Urs  Graf  und  Anderer.  — 


No.  572. 

„S)®^  |)od^berütn:pteften  ®e^||fc^ic^tfd|rtibfr0  eSupttni^  tt)ar-|| 

l)aflftigc  ^yftorien,  öte  er  aug  ZxoQo  Pompeio  ge5oge, 

tjn||tnn  Vitr^xQ  t)icr  »iicl)er  an^  geteilt,  ♦  ♦  ♦  5Die 

^kxonymu^  »oner  ♦  ♦  ♦  auß  6em  €atctn  itin  510 

tjMgcnö  lefitf*  tjcrtolmetfd)  l)au  ♦  ♦" 

Augsburg^  Heinrich  Steiner,  1531.     Folio-Format. 

Erste  von  Hieronymus  Boner  verdeutschte  Ausgabe  der  „Historiarum  Philippicarum 
libri  XLIV  des  Justinus,  eines  Auszuges  aus  Schriften  des  Trogus  Pompejus,  der 
zur  Zeit  des  Augustus,  also  beinahe  200  Jahre  früher  als  Justinus  lebte  und  dessen 
Werke,  in  denen  er  sich  vornämlich  mit  der  Macedonischen  Geschichte  beschäftigte, 
seitdem  verloren  gegangen  sind. 

Die  Ausstattung  des  "Werkes  mit  den  Holzschnitten  von  der  Künstlerhand  Burgk- 
mair's  ist  eine  höchst  würdige.  Ausser  einer  grossen  Zahl  Vignetten  und  Initialen 
befinden  sich  darin  SO  bildliche  Darstellungen,  von  denen  sich  mehre  wiederholen. 
Hervorragend  ist  der  Titelholzschnitt  mit  den  Gestalten  des  Assyrischen  Herrschers 
Ninus  und  Alexander's  des  Grossen. 


No.  573. 

,,2)er  fürtrefflid^  ®ried)ifd^  ||  9rrd)id)t  fc^rrtber  ^frobianu0,|| 
bm  5er  ^ocbglcrt  2(ngelxi5  Pclitianu5  inn  bae  €atein,  || 
vnb  ÖTcronvmu5  Soncr  in  nadfuolqcnb  lefitfd)  pracfet,  || 
tX>cUid)^r  äcrcötanu5  von  ITTarco  €Iio  2(ntotiino 
P^ilofopi^o  an,  tjng  awff  (ßorWanum  5en  jungem 
^6mif(feen  ||  Keyfern,  vnb  jrer  regierung,  biz  ftcb 
wunöetbarlid)  5U  tragen,  ||  gefd)riben  bat/' 

Augsbnrg,  Heinrich  Steiner,  1531.     Folio-Format. 
Diese  mit  dem  Justinus  zusammen  herausgegebene  und  an  Einem  Tage,  dem 
19.  August,  vollendete  Ausgabe  des  Herodianus  ist  auch  ge wohnlich  mit  dem  vorhcr- 

i8 


274  —     Augsburg.     — 

gehenden  zusammengebunden.  Sie  ist  aucli  ebenso  ausgestattet,  bis  auf  die  Holz- 
schnitte, von  denen  sich  hier  nur  einer,  auf  dem  fünften  Blatte  am  Anfang  der 
eigentlichen  Geschichte,  der  auch  schon  in  Justinns  Torkam,  und  der  schöne  Thfl- 
holzschnitt  findet,  welcher  die  Kaiser  Antonlnus  und  Gordianus  vorstellt.  — 


n^ 


No.  574. 

ptegel  bcr  loareit  ||  9it|etoric,  auß  äßarco  Xnlixo  ßice 
r0nt:  mi  anbrni  grttfitfdjt . . .  JDurA  Sriöricb  Kieberer 

Augsburg^  Heinrich  Steiner,  1535.     Folio-Format. 

Der  Uebersetzer  Friedrich  Riederer  ist  auch  der  Drucker  der  ersten  Ausgabe, 
welche  1493  zu  Freiburg  im  Breisgau  erschien,  wo  wir  sie  naher  kennen  lernen 
werden.  Ausser  der  Anleitung  zur  Rhetorik,  welche  hauptsächlich  aus  Cicero's 
rhetorischen  Schriften  entnommen  ist,  enthalt  das  Buch  noch  Formulare  zu  Briefen, 
Titulaturen,  Klagen,  Contrakten.  Die  sechs  eingedruckten  Holzschnitte  sind  wohl  von 
Haruf  Burgkmair,  wenigstens  zeigt  der  Titelholzschnitt  die  Initialen  dieses  Künstlers. 


No.  575. 

,,§Srobotu^  ber  aller  ||  ^odjberümpteft  ®ried^tfd^e  gefd^id^t'l; 
fd)rfi)bfr,  tJon  brnt  |9frfier^  mi  tiilen  anbern  ^rif-||gen 
vnb  gcfcl)tcl)ten,  tc.  JDurd)  ^icrcnymum  Homx,  (Dbcr^ 
fler  II  XXlayfUx  56  Colmar,  Muß  bcm  fiatin  inn  ba» 
nad)^||uolgen6e  Cefitfd)  gebracl)t*" 

Angrsbnrg,  Heinrich  Steiner,  1535.     Folio-Format. 

Dieses  ist  die  erste  Verdeutschung  der  historischen  Schriften  des  Herodot,  die 
Boner  uns  freilich  erst  aus  einer  lateinischen  Uebersetzung  vermittelt  hat.  Die  acht 
Holzschnitte,  mit  denen  die  Ausgabe  geschmückt  ist,  scheinen  von  Hans  SchäufeUn 
herzurühren,  dessen  Monogramm  mit  der  Schaufel  sich  auf  einem  derselben,  Blatt  XC^ 
verso  findet,  und  welcher  den  König  Darius  auf  dem  Throne  vor  den  Grossen  seines 
Reiches  darstellen  soll ;  in  Nagler^s  Monogranmiisten  fehlen  diese  Holzschnitte.  Mehre 
derselben  zeigen  übrigens  in  ihrem  Minderwerth,  dass  auch  bei  grossen  Künstlern 
damals  mitunter  schon  die  Kunst  nach  Brod  ging.  — 


No.  576. 

„OFFICU .  M .  T  •  C .  II  Sign  SBftdi,  @o  2RorcuS  XuIIiuS  [|  «tctro 
ber  Mömer^  ;u  feptm  Svatt  \\  SUarco^  nim  itn  tugentfamm 
ampttm,  tinb  ;u9fl)5rttn-||gen/  eince  xool  vnb  recbtieben« 
btn  menf^enn,  inn  tatrin  gefcl)riben,  tD6Id>6  ||  aujf 
begcre,  öftren  ^ob^nfcn  tjonn  Ödbwaröcnberge  :c» 
tjcrtefttf^ct,  II  Vnb  t>clgcnö6,  jDurd)  jne,  in  5icrlid)cr6 


—     Augsburg.     —  275 

äod)teötfcb  gcbracbr,  Wlit  ||  pit  ftguren,  vnnb  Ccütfd)cn 
Xeömcn,  gcmavnem  nug  sftUgut,  in  CrucC  gegeben 

woröen." 

Augsbnrg,  Heinrich  Steiner,  1535*     Folio-Format. 

Der  Ueberseizer  dieser  Auggal)e,  welche  auf  Antrieb  eines  Verwandten  des 
Freiherm  von  Schwarzenberg  nach  dessen  Tode  zuerst  1581  besorgt  wurde,  ist  der 
Caplan  desselben,  Johann  yeuber,  während  Schwarzenberg,  der,  wie  es  in  der  Vorrede 
heisst,  ,,11Ve  feit!  lateitl  gelemet,  nocl;  Pun&t",  an  dem  Styl  nur  etwas 
naehgeschlififcn  hat.  Sein  nach  Dürer  in  Holz  geschnittenes  schönes  Portrait  ziert 
die  Rückseite  des  Titelblattes.  Die  übrigen  Holzschnitte,  10}9  an  der  Zahl,  rühren 
von  Hans  Burgkmair  her  und  kommen  theilweise  schon  in  andern  Werken  vor.  — 


No.  577. 

„S)6ö  |)odj9c(örtcftcn  ||  pf)i(ofopI)en,  tüarl)afftigften  ®e^ 
frf)id)t||)cf)reibcit\  önb  aUcrttjcürften  |)auptmanng  3£eno= 
p^onti^  Som^jjmentarien  vnb  bcfcbteibungen,  von  öem 
leben  vn  bcersug ,  Cyri  bcB  erftcn  ||  ♦  ♦  ♦  burd)  ♦  ♦ .  ^ie^ 
ron^^mum  23oncr .  ♦  ♦  inne  Cbcütfd?  QcbtadfU  * ." 

Augsburg^  Heinrich  Steiner,  1540.     Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  des  Xenophon,  die  erste  deutsche,  enthält  ein  Hauptblatt  des 
Künstlers  Hans  Schäufelin,  welches  den  König  Philipp  von  Macedonien  in  Rüstung 
vor  einem  zwischen  Säulen  aufgespannten  Teppich  vorstellt,  mit  dem  gekrönten 
Wappen  zu  seinen  Füssen.  Links  steht  Alexander  der  Grosse  mit  dem  blanken 
Schwerte  und  rechts  die  gekrönte  Prinzessin  Ariba.  Links  unten  ist  das  Monogramm 
in  einem  aufrechtstehenden  Täfelchen  zu  finden.  Die  übrigen  25  Holaschnitte  des 
Werkes  sind  Hans  Burgkmair  zugeschrieben.  — 


1528  bie  1537. 

Dieser  Augsburger  Typograph  war  später  in  Ingolstadt  thätig, 
wo  wir  ihn  wiedertreffen  werden.  — 


No.  578. 

„Db^ffea  ||  2)o§  fettib  bic  aller  sierüd^ften  btib  ||  luftigften 

üier   t)nb   jtDaincätg  büd^er  be§  eltiften  fi!uitft^||reid)eften 

Vaxttt^  aller  Poeten  i)Oxntxh  ♦  ♦  ♦" 

Augsburg,  Alexander  Weissenhorn,  1637.     Folio-Format. 

Es  ist  dieses  die  ertte  deutsche.  Jedoch  freie  Uebersetzung  der  Odyssee,  deren 
Ver/ertiger  Simon  Schaidenreisser,  genannt  Minervins,  Stadtschreiber  zu  München  war. 
Das  Buch  hftt  mehrere  mittelmassige  Holzschnitte.  — 


18* 


276  —     Augsburg.    — 

1528  bi5  1533. 

No.  579. 

(Sf)ronica  3lcxt),  \\  9Kamd)erIa^  Ijtftorien,   tonb  be|!Jonberc 
gefd^idlt  teilet  \av,  1| . . .  Vnb  biß  in  ba&  ja^r  ||  ITT*  (tCCCt»  |: 

vrtb  XXX.  II  mxUnQtxt. 

Augsburg  f  Philipp  Ulhard,  1580.     Klein  Quart-Format 
Unter  dem  Jahre  1440  befindet  sich  in  dieser  seltenen  kleinen  Chronik  eine 

interessAnte  Notitz  über  die   Erfindung  der  Buchdruckerkunst,   wo  aus  Outetibtrg 

und  Oensfleisch  zwei  verschiedene  Personen  gemacht  werden. 

DasB  Philipp  Ulhard  in  Augsburg  der  Drucker  dieser  Chronik  gewesen,  bestätigt  Zapf 

in  „Augsburgs  Buchdruckergeschichte"  1786,  zweiter  Theil,  Seite  190,  wo  er  die  Chronik 

selbst  anfuhrt.  — 


ja!litl)ael  jajanger, 

um  1575. 

Als  selbständiger  Typograph  ist  Manger  wenig  bekannt,  wes- 
halb wir  ihn  wenigstens  in  einem  seiner  grossem  Druckwerke  vor- 
führen wollen.  Um  1594  trat  er  als  Geschäftsleiter  in  die  Augs- 
burger typographische  Gesellschaft  „Ad  insigne  Pinus" ,  deren  Be- 
gründer der  berühmte  und  gelehrte  Stadtpfleger  Marx  Weiser  war, 
in  Verbindung  mit  dem  gelehrten  Rector  David  Hoeschel;  ihnen 
schlössen  sich  noch  ein  Dutzend  andere  hervorragende  und  gelehrte 
Männer  an,  ebenso  als  Geschäftsleiter  der  Typograph  Johann  Prä- 
tor lus,  den  wir  noch  näher  kennen  lernen  werden.  Die  Gesellschaft 
führte  als  Druckerzeichen  einen  Fichtenbaum ,  und  sie  lieferte  in 
einem  Zeiträume  von  mehr  als  zwanzig  Jahren  zahlreiche  ansehn- 
liche Werke,  namentlich  lateinisch,  griechisch  und  hebräisch,  grossen- 
theils  von  den  Theilnehmern  dieser  Privatdruckerei  selbst  besorgt, 
überwacht,  und  auf  deren  Kosten  hergestellt.  — 


No.  580. 

,,®rünbltd^er Sendet  ||  )dx(^  aller  orbennItd)fteS8e4'fcbrcibung 
öcr  beiverten  jj  Kcßdröncy  . .  .  5Dxircb  3o&ann  S^yf^^ 
bcn  3flngern  ||  von  JCrnflairt*  ♦  ♦  Auf  dem  letzten  Blatte:  ©e- 
trudt  in  ^{ugfpurg,  burd)  ||  SKic^ael  äRauger,  in  Verlegung 
®eorgen  ||  aBiUer^i.    M.  D.  LXXVI." 

Folio-Format. 
Dieses   für  den  Fachmann   gewiss  interessante  Werk  findet  sich  bei  den  Biblio- 
graphen nicht  erwähnt.     Der  Titel  steht  in  einer  schönen   Holzschnittbordure ,  in 


—     Augsburg.     —  277 

welcher  die  verschiedenen  Krankheiten  der  Pferde  und  deren  Behandlung  durch  den 
Arzt  verbildlicht  sind.  Die  Rückseite  nimmt  das  überaus  schöne  und  grossartige 
Wappen  des  Markgrafen  Georg  Friedrich  von  Brandenburg  ein,  dem  das  Werk 
gewidmet  ist.  — 


gegen  £r\bc  bte  16.  3a^r^un5ert5» 

Auch  dieser  Augsburger  Typograph  gehörte  zu  den  Geschäfts- 
führern der  typographischen  Gesellschaft  „Ad  insigne  Pinus",  die 
wir  schon  oben  näher  erwähnten.  Er  führte  aber  jedenfalls  auch 
ein  eignes  Geschäft  nebenbei,  denn  seine  Firma  erscheint  um  das 
Ende  des  sechszehnten  Jahrhunderts  noch  selbständig..  Um  auch 
die  Rubrik  der  Augsburg  er  Typographen  mit  dem  Jahre  ^Ö90 
abzuschliessen ,  führen  wir  nachstehend  wenigstens  ein  vorzüglich 
schönes  Werk  auf,  das  die  Jahrzahl  mit  der  Firma  des  Johann 
Prätorius  trägt.  —  

No.  581. 
„TIEOLEN-IISIVMilPrincipum  ||  OOmTVM.   Am  Schlüsse:  AVGVST^ 
YINDELICORVM  II  Ex  typographeio  Johannis  Praetorij,  ||  Sum- 

tibus  Dominici  Custodis  .  ||cl3  •  I^  .IC  (1599)/* 

Folio-Format. 

Der  Hauptbcstandtheil  dieses  vorzüglich  schönen  Werkes  sind  die  von  Dommcxia 
Ciisios  in  Kupfer  gestochenen  Abbildungen  der  23  Grafen  von  Tirol,  von  Albertus  I. 
an  bis  zum  Kaiser  Kudolf  II.  Diese  in  ganzer  Figur  gezeichneten  Abbildungen  sind 
jedenfalls  wichtig  für  die  Costiumcissenscha/t ,  während  die  von  Marcus  Henning 
dazu  gelieferten  biographischen  „Eulogien"  sich  ein  historisches  Interesse  erhalten 
werden. 

Ausser  den  angeführten  23  Darstellungen  befinden  sich  noch  5  andere  meist  orna- 
mentale Abbildungen  darin,  in  deren  einer  eine  geographische  Karte  der  Grafschaft 
Tirol  mit  abgebildet  ist.    Den  Schluss  bildet  eine  chronologische  Geschlechtstafel.  — 


Sdjfußöcmßrftungcn. 

Als  minder  wichtige  Typographen,  die  wir  nicht  einzeln  auf- 
führten, sind  in  Augsburg  noch  zu  nennen :  Christoph  Schattier  1493 ; 
Jacob  Wacker  1503;  Jlans  Pirlin  1506;  Johann  Sittich  15 II;  Johannes 
Erphor dianus  l^ig;  Jobst  DenecJier  1522;  R,  Chaim  ben  David  i^^/^ 
^^s  1536;  Matthaeus  Elchinger  ohne  Jahr;  Philipp  Uhlhard  1536; 
Caspar  Tatz  1536. 

Schon  in  früher  Zeit  bemerken  wir  Verlag shuchhiindler 
oder  die  sogenannten  ,yBuchführer*'  auch  hier  in  Thatigkeit.  Um 
1487    Hess    Theobald   Feger    aus    Ofen    bei   Erhard    Ratdolt    eine 


278 


—     Augsburg.     — 


ungarische  Chronik  drucken.  Ausser  dem  schon  genannten  Johann 
Rynmann  von  Geringen,  der  sein  Hauptgeschäft  in  Hagenau  hatte 
und  ausserdem  noch  in  Venedig ,  Strassburg  und  Nürnberg,  in 
Augsburg  aber  bei  Ratdolt,  Johann  Othmar  und  Erhard  Oeglin 
drucken  Hess,  bemerken  wir  Jacob  Wacker  von  Salzburg,  Jodocus 
Birlin  und  Georg  Diemar ,  für  die  Johann  Othmar  druckte.  Letz- 
terer druckte  auch  die  meisten  Werke  für  den  Jüngern  Hans  Schön- 
sperger ,   der   sich   ganz   und   gar  dem  Verlagsbuchhandel  widmete. 

Der  Schriftsteller  Johannes  Foeniseca  verlegte  um  1515  eines 
seiner  Werke  mit  dem  Drucker  Johann  Miller  zusammen.  Ferner 
gab  der  Schulmeister  und  Typograph  Johann  Grüner  in  Ulm  Auf- 
träge in  die  Offizin  von  Sigmund  Grimm  &  Marc  Wirsung.  Krhart 
Sambach  aus  Ingolstadt  Hess  bei  Johann  Miller  und  bei  Sylvan 
Othmar  drucken;  bei  Letzterem  auch  Johann  Wagner  von  Regens- 
bürg.  Georg  Ratdolt,  ein  Sohn  Erhard's,  scheint  auch  Verlags- 
buchhandel betrieben  zu  haben,  denn  aus  einem  Regensburger  Bre- 
viarium  vom  Jahre  1515  geht  hervor,  dass  er  dieses  auf  seine  Kosten 
hat  drucken  lassen. 

Ganz  interessante  Daten  liefert  noch  das  kleine  Schriftchen: 
„Zur  Geschichte  der  Eififührung  der  Buchdru^kerkunst  in  Augs- 
burg/' Augsburg  1865.  (Separat-Abdruck  aus  dem  Augsburger 
Tagblatt  1865,  No.  170 — 172.)  Dort  werden  aus  den  Steuerbüchern 
Augsburgs  Namen  angeführt,  deren  Träger,  wenn  sie  auch  nicht 
selbständige  Buchdrucker  gewesen,  doch  mit  der  Buchdnicker- 
kunst  in  enger  Verbindung  gestanden  haben  müssen.  Zum  Beispiel 
ein  Briefmaler  Kropf enstein ,  der  vom  Jahre  1475  bis  1477  ^  ^^ 
Günther  Zainer  thätig  genannt  wird,  nach  dessen  Tode  aber  als 
selbständiger  Buchdrucker  aufgeführt  ist. 

Als  „Schreiber**  sind  in  jener  Zeit  eine  ganze  Reihe  von 
Namen  in  den  Steuerbüchern  zu  finden,  die  wohl  zum  Theil  Form- 
Schneider,  Briefdrucker  oder  Gehilfen  gewesen  sein  mögen.  ^^ 
werden  genannt:  Eisenhut*),  Kaiser,  Lengenfeld  schon  1457  ^^- 
1460.  Mangold,  Lotter  1460  bis  1476.  Niklas  und  bei  ihm:  Scherb 
1460  bis  1465.  Engelhard  1464.  Hans  Kicklinger  1464  bis  1469. 
Heinrich  Müller  1464  bis  1477. 

Hans  von  Werth,  früher  Architekt,  dem  aber  als  einem  Frem- 
den die  Arbeit  verboten  war,  1465  bis  1468.  Stephan  Schemer, 
Hans  1466.      Ulrich  Schüttrer   Veit,    Conrad  Müller ,  Hans  Weiss, 


•)  Es  mag  dieser  Eiaenhut  wohl  identisch  mit  jenem  Johannes  Eysetihut 
Bein,  welcher  durch  die  Schlussschrift  als  Verfertiger  des  Holsta/eldi'uckes :  „D«o- 
fensorium  inviolatne  virginitatis  Marlae"  vom  Jahre  1476  bekannt  ist,  und  den  man 
bisher  nirgends  unterzubringen  wusste.  — 


—     Augsburg.     —  279 

Schwaub ,  Conrad  Eltlin,  Hans  Kurfus,  Paul  Mair  1468.  Als 
Buchdrttcker  werden  ferner  genannt:  Hans  1475  ^is  1481,  Leonhard 
1475,  Christmann  1477  bis  1483. 

Als  ,,Buchführer"  finden  sich  daselbst  schon  von  14:83  ab 
eine  Reihe  von  Namen  verzeichnet:  Claus  Rächlin,  Peter  Haag, 
Simon  Oeglin.  Sodann  um  1490:  Sigmund;  1491:  Christoph  Schap- 
pelmann;  1492:  Jacob;  1494:  Wohlgemuth;  1497  ^is  1505:  Johannes 
Hermann,  Wenn  auch  wohl  kaum  in  Druckwerken  auf  uns  ge- 
kommen, so  mögen  diese  letzteren  Namen,  da  sie  urkundlich  belegt 
sind,  hier  immerhin  zur  Ergänzung  einen  Platz  finden.  — 


ßrgariäunQS'Citertttur  ju  flugsöurg. 

1.  Meyer,     Die  Buchdruckerkunst  in  Augsburg  bei  ihrem  Entstehen. 

Augsburg  1840. 

2.  Mezger,     Augsburgs   älteste  Druckdenkmale.     Augsburg  1840. 

3.  Zur  Geschichte  der  Einführung   der  Buchdruckerkunst  in  Augs- 

burg (Separat -Abdruck   aus  dem  Augsburger  Tagblatt  1865, 
No.  170— 172).     Augsburg  1865. 

4.  Zapf,     Annales  Typographiae  Augustanae.     1778. 

5.  Zapf.     Augsburgs  Buchdruckergeschichte  nebst  den  Jahrbüchern 

derselben.     2  Theile.     Augsburg  1786— 1791. 

6.  Zapf.      Vorläufige    Nachricht    von    der    ehemaligen    berühmten 

Privatbuchdruckerey  „Ad  insigne  pinus"  in  Augsburg.     1804. 

7.  Theur-Danck,     Der  Allerdurchleuchtigste  Ritter  oder  die  Ritter- 

mässige,    hochtheure,    höchst-gef ährliche    und    Glorwürdigste 
Gross-Thaten  .  .  .  Augsburg   bey  Matthäo   Schuttes  1079^ 

NB.  Wir  fiihren  diese  späte  Ausgabe  hier  an,  weil  sie  die  Original' Hohschnitie 
der  ersten  Ausgabe  dieses  berühmten  Werkes  aufweist.  Jedoch  befindet  sich 
Matthäus  Schultes,  der  Bearbeiter  des  Textes,  im  Irrthum,  wenn  er  in  der  Vorrede 
sagt,  dass  die  Holzstöcke  162  Jahre  verborgen  gewesen  seien;  denn  nach  der  ersten 
Ausgabe  sind  sie  noch  wiederholt  gebraucht  worden. 

Uebrigens  ist  diese  Ausgabe  kein  Augsburger,  sondern  eigentlich  ein  Ulmer 
Druck,  denn  es  befindet  sich  in  unserer  Sammlung  eine  andere  mit  der  vorliegenden 
vollständig  übereinstimmende  Ausgabe,  mit  dem  einzigen  Unterschiede,  dass,  wie 
hier  „Augsburg  bey  Mathäo  Schultes",  dort  „Ulm  bei  Mathäo  Schultes"  steht,  wo- 
runter aber  noch  zu  lesen  ist:  „Druckts  Mathäus  "Wagner.*  Da  Wagner  ein  Ulmer 
Drucker  ist,  und  in  beiden  Ausgaben  dieselben  Typen  vertreten  sind,  so  wird  auch 
die  |Vorliegende  ein  Ulmer  Druck,  und  Schultes  nur  als  Verleger  derselben  in  Ulm 
and  Augsburg  zu  betrachten  sein.  Haltaus  kennt  die  vorliegende  Ausgabe  gar  nicht; 
erwähnt  aber  eine  von  Augsburg  bei  Matthäo  Schultes,  in  Verlegung  Daniel  Goerlin's, 
Buchhändler  in  Ulm  1693.  — 


28o  —  Marienlhal.  — 


3lartentf)af 

im  H^eingau  bei  UTains. 

Vallis    beatae    Mariae    virginis, 


jBie  trüber  oom  gemeinfamen  leben^ 

^O0ell)erren. 

—  Fratres  vitae  communis.  — 

1468  biö  1507. 

Ueber  diese  berühmte  Kloster drucker ei  hat  bereits  Herr  Pfarrer 
Dr,  Franz  Falk  ein  kleines  Schriftchen  unter  dem  Titel:  „Die 
Presse  zu  Marienthal  im  Rheingau  und  ihre  Erzeugnisse",  Mainz 
1882,  erscheinen  lassen,  worin  die  hohen  Verdienste  dieser  im  Norden 
„goldene  Priester"  genannten  Fraterherren  um  Volksbildung,  Jugend- 
unterricht, Schreib-  und  Druckwesen  eingehender  gewürdigt  werden. 

Das  Verdienst  des  Herrn  Dr.  Falk  ist  es  auch,  die  vier  ver- 
schiedenen Typengattungen  festgestellt  und  durch  photolithographische 
Nachbildungen  vergegenwärtigt  zu  haben,  welche  man  in  den  Drucken 
der  Marienthaler  Offizin  unterscheiden  kann.  In  nachstehenden 
Druckdenkmalen  werden  wir  sämmtliche  vier  Gattungen  im  Or'i- 
ginale  zur  nähern  Veranschaulichung  bringen. 

Das  erste  Druckwerk,  das  bis  jetzt  von  dieser  Presse  bekannt 
geworden,  ist  ein  Indulgenzhuch  von  14:38,  Ein  incompletes 
Exemplar  von  12  Blättern  dieser  „Copia  indulgentiarum"  befindet 
sich  in  der  Nationalbibliothek  zu  Paris,  und  ist  unter  No.  167  des 
Verzeichnisses  vom  Jahre  1878  aufgeführt.  Die  wenigen  noch 
existirenden  Marienthaler  Drucke  sind  übrigens  Seltenheiten  ersten 
Ranges,  und  befinden  sich  ausser  den  unsrigen  und  einem  Breviarium 
bei  Lord  Spencer  nicht  weiter  in  Privatbesitz.  — 


No.  582. 

^,PfaltfrJum  rt  ?Srti)iariutn  plojjuntittenff.** 

Marienthal^  Klosterdruckerei  der  Brüder  vom  gemeinsamen  Leben, 

1474«  2  Bände  in  Quart-Format. 
Es  ist  dieses  Breviarium  das  bedeutendste,  zugleich  das  zweite,  oder  wenn  man 
die  Jahrzahl  im  Indulgenzbuche  von  1468  nicht  als  Druckjahr  gelten  lassen  vill, 
das  erste  datirte  Druckwerk  der  Marienthaler  Presse.  Man  kennt  von  dieser  kost- 
baren Incunabel  im  Ganzen  nur  noch  ctcht  zum  Theil  incomplette  Exemplare  in 
Paris,  Moskau,  Darmstadt,  Prankfurt  a.  M.,  Cassel,  Giessen,  bei  Lord  Spencer  nnd  bei  uas. 


—  Marienthal.  —  28 1 

Das  Breviariam  ist  mit  den  bei  Falk  unter  No.  1  und  8  bezeichneten  Typen 
gedruckt;  die  erste  seiner  Tafeln  giebt  ein  ziemlich  gutes  Facsimile  davon.  Die 
Exemplare  dieses  Bibliothekschatzes  sind  nicht  nur  selten  complet,  sie  weichen  auch 
im  Drucke  unter  einander  ab. 

80  beschreibt  Herr  I)r.  Kelcher  in  seiner  neuesten  Abhandlung,  „  Die  Marienthaler 
Drucke  der  Stadtbibliothek  zu  Frankfurt  a.  M,*  1883  drei  Varianten  des  Sommertheils, 
während  der  Wintertheil  in  Frankfurt  gänzlich  fehlt.  Wir  besitzen  ein  completes 
Exemplar  beider  Theile  und  werden  nachstehend  eine  Beschreibung  davon  geben. 
Die  älteren  Bibliographen  Maittaire,  Würdtwein,  Zapf,  Panzer  thcilten  noch  ge- 
meinsam  den  Irrthum,  das  „Breviarium"  für  einen  Druck  Peter  Schoeffer's  zu  halten 
und  auch  Hain,  der  kein  Exemplar  gesehen,  hat  dieses  Falsum  nachgeschrieben 
obgleich  schon  Braun  und  Fisdier  auf  die  Eigenthümlichkeit  der  Typen  aufmerk- 
sam gemacht  hatten. 

Auf  dem  ersten  Blatte  des  Sommertheiles  in  dem  Vorworte  sind  aber  neben  den 
AufscUüssen  über  l>ruc1eer  und  Jahr  auch  noch  umständliche  Erklärungen  ge- 
geben, welche  Sorgfalt  bei  der  Herstellung  des  Werkes  gewaltet  hat,  so  dass  man 
über  die  Officin  gar  nicht  im  Zweifel  sein  kann.    Nun  zur  Beschreibung: 

Der  Sotnvnerlheil  (Pars  aestivalis)  enthält  Folgendes: 

Blatt  1:    Vorrede  mit  dem  Anfange  „Äubiectum  uolttraen.  .  •" 

»        2 —    7:    Kalendarium. 

X  8:    Litera  dominicaiis,    Aureus  niunerus,    Indictio,    zugleich  mit  der 

Anmerkung,  welche  die  Jahrzahl  1474  nochmals  enthält. 

.,         9—  86:    Psalterium;  schliesst  auf  Blatt  86  verso  Zeile  5,  und  es  beginnen 

,       86—  98:    die  Hymnen  und  Vigilien. 

,  99  ist  leer. 

„     100—132:    Conunune  sanctorum;  steht  in  andern  Exemplaren  auch  am  Schlüsse. 

7,  133  ist  wiederum  leer. 

„     134—239:    Officium  de  Tempore,  mit  dem  Anfange:  ,/,3)  Vlbit  fcö  pafce  .  ,  ." 

,     ?40— 381:    Officium  de  Sanctis,  mit  dem  Anfange:  „(3j  tlcipit  Dinuiie  be  fcis  .  . ." 
Blatt  843  verso  Zeile  20  liest  man:  „Cetera  It  feflo  bebicttttouis." 

Es  giebt  Ausgaben,  die  hiermit  8chlle88en,  In  unseim  Exemplare  aber,  das 
sonach  zu  den  cfhsolut  vollständigen  gehört,  schliesst  sich  Zeile  21  noch  an : 
»(5)«  [tottt  onnü  ferietatis..  .**  und  endet  erst  Blatt  381  recto  Zeile  27:  „3tein  be 
Jmeraoracione  bt?  o'gis  on  .  \t%  puöba". 

Der  Wintertheil  (Pars  hiemalis). 

Blatt      1—    7:    Vorrede,  Kalendarium. 

„  8:    Litera  dominicaiis  etc.;  wie  oben. 

»        9—85:    Psalteriimi,  schliesst  auf  Blatt  85  recto  Zeile  26,  und  es  beginnen 
daselbst 

r,       85 —  97  recto:    die  Hymnen  und  Vigilien. 

T,  97  verso  ist  leer. 

„      98—108:  „3ncipit  regillrum  abuentus"  bis  „(Ketera  ut  in  breuinrio". 

n  109  ist  wiederum  leer. 

»     110—245:    Officium  de  Tempore,  mit  dem  Anfange:  „Dominica  prima  abuentU8'^ 

„     246—282:    Officium  de  Sanctis,  mit  dem  Anfange:  „3tt  uigilio  fancti  Änbree". 

„     283—315:    Commune  Sanctorum,  mit  dem  Schlüsse:  „t)t  notat  biiica  prima  poft 
trtnitatis." 

„  316  ist  leer.  — 

Dass  in  den  Psalterien  keine  gedruckten  Anfangsbuchstaben  vorkommen,  sondern 
sämmtliche  Versalien  roth  eingemalt  sind,  erwähnten  wir  schon  auf  Seite  27  mit 
Anführung  derjenigen  andern  Bibelwerke,  in    welchen  gleichfalls  diese  Eigenthüm- 


2S2  —     Marienthal.     — 

lichkeit  in  Anwendung^  gebracht  worden  ist.  Den  Einband  unsers  prächtigen  Cime- 
lien- Druckes  bilden  schone  Holz  -  Mosaikdeckel  mit  Rücken  von  Juchteoleder  und 
silbernen  Beschlägen.  Das  dunkle  zweitausendjährige  Eichenholz  stammt  von  der  alten 
Mainzer  RÖmerbrücke.  — 

No.  583. 

Marienthal^  Klosterdruckerei  der  Brüder  des  gemeinsamen  Lebens, 
circa  1474«     Ein  Pergamentblatt  in  Quart-Format. 

Falk  schreibt  auf  Seite  15  seiner  Abhandlung  bezüglich  des  Brevier^s  von  1474: 
, Dieses  Brevier  führten  die  Marienthaler  sowohl  auf  Pergament,  als  auf  Papier  ans. 
Von  der  Pergamentausgabe  ist  ein  vollständiges  Exemplar  wahrscheinlich  nicht 
mehr  erhalten,  die  Nationalbibliothek  zu  Paris  besitzt  davon  nur  9  Blätter, . . .  ^ergl. 
Van  Praet,  Cat.  des  livres  imprim6  sur  v61in  I,  203." 

Bei  Van  Praet  findet  man  allerdings  eine  ausführliche  Beschreibung  dieser 
9  Pergamentblätter,  aber  in  dem  Incunabeln  -Verzeichniss  der  Nationalbibliotbek  von 
1878  haben  wir  dieselben  vergeblich  gesucht  Sind  sie  also  noch  in  Paris?  Es 
scheint  wohl  nicht.  Um  so  mehr  gereicht  es  uns  zur  Freude,  von  dieser  Pergament- 
Ausgabe  ebenfalls  ein  ivohlerhaltenes  Blatt  zu  besitzen ,  das  nun  vielleicht  als 
in  seiner  Existenz  einzig  verbürgter  Zeuge  für  das  Vorhandensein  einer  Pergament- 
Ausgabe  des  Marienthaler  Brevier's  um  so  interessanter  sein  dürfte.  — 


No.  584. 

^iCrremontale  mouadjofrum  ortuuö  <3aucti  l^enebtcti  be 

obfertJantia  1@uröfelbfn|i.^^ 

Marienthal^  Klosterdruckerei  der  Brüder  vom  gemeinsamen  Leben, 

circa  1475-     Quart-Format. 

Dieses  „Oeremoniale"  hat  keine  Angabe  des  Druckers  und  keine  Datirung,  üt 
aber  mit  Type  I  der  Marienthaler  Presse  gedruckt.  Das  Buch  ist  ein  höchst  seltener 
Schatz,  von  dem  wohl  nur  noch  die  zwei  Exemplare,  zu  Mainz  und  Giessen,  bekannt 
sind ;  ein  sehr  incompletes  ist  in  Paris.  Hain  hat  das  Werk  nicht  gesehen  und  schreibt 
es  unter  No.  4883  wiederum  Peter  Schöffer  zu.  Falk  hat  es  unter  No.  6  genauer  und 
richtig  beschrieben.    Einband  von  Juchtenleder  mit  vergoldetem  Beschläge.  — 


No.  585. 

^,1@rrt)iarium  Bloiiuntinum.*^ 

Marientthal^  Klosterdruckerei  der  Brüder  vom  gemeinsamen  Leben, 

circa  1476«    Quart-Format. 

Dieses  undatirte  Brevier  ist  mit  den  kleineren  beiden  Typengattungen  gedruckt, 
von  denen  die  zweite  Tafel  Falk's  ein  Facsimile  giebt.  Zwar  findet  sich  kein  Druck, 
der  mit  diesen  Typen  ausgeführt  zugleich  Ort  und  Jahrzahl  trägt,  dennoch  ist  der 
Beweis  vorhanden,  dass  auch  diese  kleinern  Typen  nach  Marienthal  gehören. 

Die  Giessener  Universitätsbibliothek  besitzt  nämlich  ein  mit  den  beiden  grössm^^ 
Typengattungen  gedrucktes  Brevier,  dessen  Kalender  nicht  mit  Type  1  &  2,  sondern 
in  der  kleinern  Type  8  &  4  ausgeführt  ist;  ebenso  besitzt  dieselbe  Bibliothek  ein 


—     Venedig.     —  283 

anderes  Brevier,  in  weichem  Tbeile  der  mit  der  grössern  Type  gedruckten  Ausgabe 
mit  Theilen  einer  Ausgabe  verbunden  sind,  welche  die  kleineren  Typen  aufweist 

üebrigens  bleibt  der  Charakter  aller  vier  Typen-Arten  sich  gleich,  der  Unter- 
schied liegt  nur  in  den  Grössen- Abstufungen.  Von  diesem  höchst  seltenen  Bre- 
viarium  besitzen  wir  wenigstens  ein  aus  dem  Psalter  stammendes  Blatt,  in  welchem 
ebenfalls  die  Initialen  eingemalt  sind,  hier  aber  roth  und  blau.  Dasselbe  betindet 
sieh  unter  Ulas  und  Messingr ahmen  und  dient  zur  Veranschaulichung  auch  dieser 
beiden  interessanten  Typen-Grade  voUkommen.  — 


QÜenebtg 


—  Venetiae.  — 


Die  stolze  Republik  Venedig  war  zur  Zeit  der  Erfindung  und 
allgemeinern  Ausbreitung  der  Typographie  nicht  nur  die  Beherrscherin 
des  Welthandels  auf  allen  Meeren,  sondern  auch  eine  Pflegerin  der 
Künste  und  Wissenschaften,  daher  auch  die  grosse  Erfindung  Guten- 
berg's  in  ihren  Mauern  bald  die  geeignete  Stätte  fand,  um  sich  in 
einer  Weise  zu  entfalten ,  die  uns  noch  heute  in  Erstaunen  setzt, 
wenn  wir  vernehmen,  dass  die  Buchdruckereien  Venedig's  schon  im 
fünfzehnten  Jahrhunderte  die  Anzahl  von  zweihundert  erreichten, 
und  nicht  weniger  als  dreitausend  verschiedene  Druckwerke  aus 
ihren  Pressen  hervorgingen. 

Die  ersten  Typographen  der  Stadt  Venedig  waren  die  beiden 
Brüder  Johann  und  Wendelin  aus  Speyer,  deren  vorzüglichste 
frühe  Arbeiten  wir  nachstehend  kennen  lernen  werden.  Das  dem 
Johann  von  Speyer  schon  14:09  von  der  Stadtverwaltung 
ertheilte  Privilegium,  wonach  derselbe  auf  fünf  Jahre  allein  berechtigt 
sein  sollte,  daselbst  zu  drucken,  wurde  hinfallig  durch  seinen  baldi- 
gen frühen  Tod,  daher  auch  neben  seinem  Bruder  Wendelin 
schon  14:70  Christoph  Waldarf  er  und  der  berühmte  Nicolaus 
Jenson  aus   Tours  als  Venediger  Typographen  erscheinen. 

Der  Letztere   wurde   schon  1462   von  Ludwig  XI.  von  Frank- 
reich nach  Mainz   entsandt,   um    dort  die  neue  Kunst  zu  erlernen 
Er  war  also  ein  Schüler  Ftist  öt  Schoeffer's,  und  dass  er  sein  Fach 
gehörig   erlernt    gehabt,    werden    wir    aus    einigen    seiner  schönen 
Druckwerke  weiter  unten  ersehen.  — 


284  —     Venedig.     — 

Jol)annes  d(  ßpixA^ 

oder 

3ol)ann  von  ßptr^tx 

1469  ^  1470. 

No.  586. 

Aurelii  Augustini  „De  civitate  Dei". 

Venedig^  Johann  &  Wendelin  von  Speyer,  vollendet  1470. 

Gross  Folio-Format. 

Das  vorliegende  Hauptwerk  des  Augustinus  „Vom  Reiche  Gottes"  bildet  in  dieser 
Ausgabe  einen  der  wichtigsten  Zeugen  für  die  Geschichte  der  Buchdrnclierkunjt 
überhaupt  und  insbesondere  Vencdtys.  Wir  erfahren  durch  das  achtzeilige  Colofi^o* 
des  Werkes  eine  Reihe  getcisser  Thatsachen,  die  historisch  werthvoller  sind,  als 
mancher  dicke  Band  gelehrter  Forschungen.  Wir  wollen  daher  diese  interessante 
Schlussschrift,  die  in  lateinischen  Hexametern  abgefasst,  und  bei  Panzer  HI  Seite 
fi4  No.  5,  sowie  bei  Hain  No.  2048  copirt  ist,  hier  nur  in  freier  deutscher  Üebcr- 
tragung  wiedergeben.  Sie  lautet:  y, Johann  von  Speyer  war  es,  der  die  Venediger 
die  Kunst  der  Vervielfältigung  von  Schriften  lehrte;  er  hatte  im  dritten  Monate  fast 
100  Exemplare  des  Plinius  und  ebensoviel  des  grossen  Cicero  geschaffen,  und  das 
Werk  des  Äurelius  begonnen,  als  plötzlich  der  Tod  ihn  hin  wegraffte,  sodass  er 
dasselbe  nicht  vollenden  konnte:  Da  half  sein  Bruder  Wendelin ,  der  in  der  Kunst 
nicht  Geringeres  leistet  und  in  der  Adriatischen  Stadt  verweilen  wird." 

Es  bestätigt  diese  Schlussschrift  also  zunächst  das,  was  schon  aus  einem,  dem 
Johann  ton  Speyer  vom  Senate  zu  Venedig  am  19.  September  i469  bewilligten 
Druck- Privilegium  hervorgeht,  nämlich,  dass  er  der  erste  Typograph  Yenedigi 
war,  was  aber  seiner  Zeit  durch  die  ftUsche  Jahrzahl  1461  des  von  NicoUt»^ 
Jenson  gedruckten  „Puellarum  Decor"  ganz  unrechtmässig  angefochten  wurde.  Femer 
erfahren  wir,  dass  er  überhaupt  nur  drei  JUotwte  thätig  gewesen  ist,  imd  in  dieser 
Zeit  den  Cicero  und  den  Plinius  jeden  in  der  Auflage  von  100  Exemplaren  geärac^ 
hatte.  Weiter  ersehen  wir,  dass  Wendelin  sein  J^ntder  gewesen  und  endlich,  dass 
der  Augustinus  von  Johann  begonnen  und  von   Wendelin  beendet  isti 

Eine  Eigenthümlichkeit  dieser  sehr  schon  gedruckten  Antiqua-Ausgabe  vurde, 
so  auffällig  sie  auch  ist,  von  den  Bibliographen  bisher  nicht  bemerkt;  es  ist  nämlich 
die  sonderbare  Erscheinung,  dass  hier  das  Zeichen  &  nicht  nur  wie  gewohnlich  fnr 
das  JBindetoort  „et"  angewendet  ist,  sondern  auch  regelmässig  für  die  £nd»übe 
et  eintreten  musste;  so  zum  Exempel  in  den  Wörtern:  licÄ,  deb&,  crearft,  aider* 
und  andern.  Diese  bizarren  Verbindungen  geben  dem  Ganzen  eine  an  sich  eigen- 
thümlichc  Physiognomie,  ähnlich  wie  die  langen  Schluss-S  den  Drucken  dor  Swein- 
hoym  &  Pannartz  ihr  eigenes  Gepräge  verleihen,  als  ob  dadurch  die  betrefiPenden 
Künstler  sich  gleichsam  monogrammaiisch  fixiren  wollten. 

unser  Exemplar  ist  auf  sehr  grosses  Papier  gedruckt,  mit  handschrifUicbcn 
rothen  Rubriken  der  Capitel  versehen.  Der  dunkelgrüne  Ledereinband  mit  reichem 
vei^oldetem  Beschläge  giebt  dem  höchst  seltenen  und  kostbaren  Folianten  ein 
prächtiges  Aussehen,  zumal  das  Werk  selbst  beinahe  wie  neu  erhalten  ist  — 


—    Venedig.     —  .  285 

oder 

H^fttbfUtt  »Ott   3pfi|fr 

1470  bie  1477. 

No.  587. 

Cornelius  Tacitus:  „Annalium  et  historiarum  libri 

superstites,   de  situ,  moribus   et  populis  Germaniae 

libellus  et  dialogus  de  oratoribus  claris." 

Yenedig,  Wendelin  von  Speyer,  circa  1470.     Klein  Folio-Format. 

Indem  wir  zur  selbständigen  Thätigkeit  WendeltWs  übergehen,  gereicht  es  uns 
zur  Freude,  dieselbe  mit  einer  Seltenheit  ersten  Ranges,  zugleich  mit  seinem  einsig 
beglauhigten  ersten  Drucke  eröffiien  zu  können.  Diese  erste  Ausgabe  der  histori- 
schen Schriften  des  Tacitus  hat  durch  ihre  SehlussaehiHft  zu  Irrthiimern  und 
Controversen  der  Gelehrten  geführt,  zu  deren  Entscheidung  man  nur  das  gewichtige 
Zeugniss  der  Endschrift  des  in  voriger  Nummer  besprochenen  Werkes  heranzuziehen 
braucht,  um  über  das  Factum  klar  zu  werden. 

Jene  Stelle  des  Colophons  der  vorliegenden  Ausgabe:  „pressit  Spira  premens: 
artis  gloria  prima  sue''  wurde  von  den  älteren  BibUographen  dahin  gedeutet,  dass 
der  Tacitus  der  erste  Druok  des  Johann  von  Speyer,  also  der  erste  Venediger  Druck 
üh&rhaupt  sein  sollte.  Es  bleibt  wunderbar,  dass  erst  Ebert  unter  No.  221S4  auf 
den  Irrthum  und  Widerspruch  dieser  Annahme  aufmerksam  machte  und  auf  das 
Zeugniss  der  Schlussschrift  unsrer  Arsgabe  des  Augustinus  unter  No.  586  zurückgriff. 

Ob  er  wohl  alle  Bibliographen  bekehrt  hat?  Brunet  und  Graesse  sind  ihm  glück- 
licherweise gefolgt,  und  so  steht  zu  hoffen,  dass  jener  Irrthum  allmählig  ganz  getilgt 
werde,  obwohl  man  selbst  heute  noch  Zweiflern  und  Andersgläubigen  begegnet 
Nicht  überflfissig  durfte  es  Jedoch  sein,  auf  eine  bibliographische  Entstellung  auf- 
merksam zu  machen,  deren  sich  Falkenstein  auf  Seite  218  bei  Berührung  der  vor- 
liegenden Ausgabe  des  Tacitus  schuldig  macht.  Es  heisst  dort:  Diese  Princeps 
liefert  das  früheste  Beispiel  von  Blattbezeichnung  mittelst  arabiseher  Ziffern»** 
Von  solchen  ist  aber  in  dem  ganzen  Werke  nicht  das  Geringste  zu  sehen! 

Wie  dem  gelehrten  Bibliothekar  dieser  Schnitzer  passiren  konnte,  ist  um  so 
weniger  begreiflich,  als  alle  Bibliographen  mit  mehr  oder  weniger  Ausführlichkeit 
die  hier  bemerkbaren  Blattweiser  oder  sogenannte  Custoden  beschrieben  haben,  und 
welche  darin  bestehen,  dass  an  den  Schluss  der  Rückseite  jeden  Blattes  das  Anfangs- 
wort, manchmal  auch  die  beiden  ersten  Worte  des  nächsten  Blattes  angemerkt  sind. 
Ist  nun  auch  die  in  ihrer  Anlage  skizzenhafte  Arbeit  Falkenstein's  überhaupt  kein 
als  Grundlage  für  Studienzwecke  zu  benutzendes  Werk,  so  wird  man  doch  auch  vor- 
sichtig sein  müssen  bei  seinem  Gebrauche  als  bequemes  Nachschlagebuch. 

Zu  den  von  uns  schon  unter  Köln  gemachten  Anführungen  über  die  Erfinder 
der  BlatU:ahlen  und  der  Signaturen,  Therhoemen  und  Koelhoff,  gesellt  sich  also 
der  aus  vorliegender  Ausgabe  des  Tacitus  hervorgehende  Erfinder  der  dritten  Art 
bibliographischer  Blattbezeichnung:  der  Custoden  oder  Keclamen,  und  zwar  in  der 
Person  des  Wendelin  von  Speyer*  Merkwürdig  ist  es,  dass  die  Zeit  dieses 
ersten  Zeugnisses  der  Custoden  mit  dem  ersten  Colner  Zeugniss  von  Blattzahlen  im 
Jahre  147 O  zusammenfällt.  — 

üeber  den  Druck  der  obigen  Ausgabe  ist  zu  sagen,  dass  er,  obwohl  mit  sehr 
ähnlichen  Typen   wie  der  Augustinus  in  voriger  Nummer,  so   doch  weniger  schfin 


286  —     Venedig.     — 

und  exact  als  dieser  ausgeführt  ist.  Die  Druckschwärze  ist  offenbar  zu  fett  aufgetragen. 
Auch  fehlt  hier  die  Eigenthiimlichkeit ,  welche  wir  dort  bezüglich  der  Unterstellang 
des  Zeichens  &  für  die  Endsilbe  et  erwähnten ,  welche  hier  wie  gewohnlich  aus- 
gedruckt wurde. 

Dem  hohen  Werthe  des  Buches  ist  schliesslich  das  Kunstwerk  des  Einbandes 
gleichzustellen,  welcher  in  Leder-Mosaik  ausgeführt,  ein  Meisterstück  der  Buchbinder- 
kunst von  Dum  in  Paris  ist.  Die  wundervolle  Vergoldung  der  Deckel  ist  dagegen 
von  Marius  Michel,  dem  ersten  Yergolder  zu  Paris;  sie  ist  aus  kleinen  Stempeln 
mit  der  Hand  zusammengesetzt.  Die  Namen  beider  Künstler  befinden  sieb  nebst 
der  Jahrzahl  1863  unten  an  der  Innenseite  des  vordem  Deckels.  Ein  mühsameres 
und  prächtigeres  Werk  der  Buchbinderkunst  ist  uns  noch  nirgends  begegnet.  Dabei 
ist  dieser  Einband  noch  so  prächtig  erhalten,  als  verliesse  er  soeben  erst  die  Werk- 
stätte  der  Meister.  — 


No.  588. 

Jüvenalis  „Satyrae". 

Yenedlg;  Wendelin  von  Speyer,  1470.     Gross  Quart-Format. 

Erste  Ausgabe  der  Satyren  des  Juvetuil.  Ihre  grosse  Seltenheit  geht  schon 
daraus  hervor,  dass  seit  De  Bure,  welcher  ein  Exemplar  in  Beiles  -  Lettres  tome  I 
pages  372  &  S73  beschreibt,  erst  Dibdin  &  Brunet  wieder  Exemplare  zu  Gesiebt 
bekommen  haben. 

Dibdin  zahlt  in  dem  Exemplare  seines  Lord  Spencer  71  Blätter,  Brunet  nach 
dismjenigen  der  Nationalbibliothek  zu  Paris  nur  ßS ,  was  wohl  auch  richtig  sein 
würd,  da  das  unsrige  ebensoviel  enthält.  Die  dreizeilige  Endschrift,  welche  Brunet  & 
Debure  durch  Autopsie,  und  nach  ihnen  alle  andern  Bibliographen  unffenau  geben, 
lautet  folgendermassen: 

Juuenalis  Aquinaris  (sie)  sathirarum 
liber  ultimus  foellciter  explicit. 
M  .  CCCC  .  LXX. 

Ilain  führt  das  seltene  Druckwerk  unter  Nr.  9664  an,  ohne  es  gesehen  zu  haben, 
da  es  in  der  Münchner  Hofbibliothek  fehlt;  die  Zahl  der  Blätter,  ob  65  oder  71. 
lässt  er  unentschieden.  — 

No.  689. 

Caji  Crispi  Salustii  „Bellum  Catilinarinm  et  Jugurthinum". 

Venedig,  Wendelin  von  Speyer,  1470.     Hoch  Quart-Format 

Es  ist  dieses  die  erste  sehr  seltene  Ausgabe  von  den  Schriften  des  Sahisi,  «über 
die  Verschwörung  des  Catilina  und  über  den  Krieg  mit  Jugurtha" ,  w^elche  nur  in 
400  Exemplaren  gedruckt  wurde ,  wie  aus  den  am  Schlüsse  stehenden  sechs  Versen 
hervorgeht,  in  welchen  auch  der  Drucker  genannt  ist,  und  vor  denen  das  „EXPLICIT 
M.  C.  C.  C.  C.  L.  X,  X.«  steht. 

Gegenüber  Ebert,  welcher  in  Nr.  19  985  nach  Dibdin  ein  Exemplar  mit  70,  nach 
Brunet  eines  mit  71  Blattern  citirt  und  von  letzterm  vermuthet,  dass  es  mit  Inbegriff 
eines  weissen  Blattes  die  vermehrte  Blattzahl  aufweise,  bemerken  wir,  dass  ein 
completes  Exemplar  71  bedruckte  Blätter  zählen  muss. 

Auch  ist  noch  Hain  zu  berichtigen,  der  in  Nr.  14197  die  Endschrilt  des  ersten 
Buches  auf  Blatt  286  versetzt,  wahrend  sie  doch  in  der  That  sich  auf  Blatt  846  be- 
findet, so  dass  das  zweite  Buch  auf  Blatt  26  mit  den  Worten  ()  ALSO  QVERITVR 
beginnt.    Das  Werk  bildet  übrigens  das  merkwürdigste  Beispiel  von  Ungldchheit 


—     Venedig.     —  287 

der  Zeilen-Anzalil  auf  den  einzelnen  Blattern ;  wir  fanden  solche  mit  28,  J9,  80,  31 
auch  32  Zeilen,  wahrend  die  Bibliographen  in  harmonischer  Uebereinstimmung 
30  Zeilen  angeben.  —  

No.  590. 

Plutarchi  „Apophthegmata". 

Venedig,  Wendelin  von  Speyer,  1471.     Folio-Format. 

Es  ist  dies  die  lateinische  Uebersetzung  des  Franciscus  Philelphus  von  Plntarch's 
»Denksprüchen  berühmter  Feldherrn  und  Könige**  und  zwar  in  der  ersten  datirten 
Ausgabe.    Hain  No.  1S140.  —       ___________ 

No.  591. 

IJobrrtus  CEaracciahis :   ^pua  Suabragflintalf*^ 

Venedig,  Wendelin  von  Speyer,  1472«     Folio-Format. 

Diese  Fasten-  und  Poenitenz  Ordnung  ist  mit  gothischer ,  ganz  besonders  origi- 
neller und  schöner  Type  gedruckt.  Hain  fuhrt  die  Ausgabe  unter  No.  4411  an, 
ohne  sie  selbst  gesehen  zu  haben.  — 


1470  bie  1482. 

Dieser  Typograph  erwarb  sich  durch  die  von  ihm  geschaffenen 
schönen  Schriften  den  ausgezeichneten  Beifall  seiner  Zeitgenossen. 
Durch  die  grosse  Anzahl  und  Vorzüglich keit  der  von  ihm  gelieferten 
Werke  wurde  er  für  die  Kunst  und  ihre  Veredelung  Epoche 
machend.  Er  gab  sich  zur  Kennzeichnung  seiner  französischen 
Abkunft  den  Beinamen  „Gallicus",  auch  nannte  er  sich  zuweilen 
nur  kurz  Nicolaus  Gallicus,  — 


No.  592. 

Marcus  TuUius  Cicero:  „Epistolae  familiäres." 

YenedigTy  Nicolaus  Jenson,  1471*     Gross  Quart-Format. 
Höchst   seltene   und   schöne   Aus|;abe   der   Briefe    des  Cicero,   von  Hain  unter 
No.  5168  citirt,  ohne  dass  er  sie  gesehen  hat.    Sie  ist  mit  römischer  Schrift  gedruckt, 
welche  viel  Aehnlichkeit  mit  den  Typen  der  Brüder  Johann  &  Wendelin  von  Speyer 
hat;  sie  ist  aber  etwas  grösser  und  noch  klarer  und  ausdrucksvoller.  — 


No.  593. 

(Sratianl  ^^QEobejr  i^ecrrtarum  cum  apparatu^^ 

Tenedigy  Nicolaus  Jenson,  1474*    Gross  Folio-Format. 

Die  vorliegende  prachtige  Ausgabe  des  Codex  Decretorum  ist  in  zweierlei 
gothischer  Schrift  gedruckt.  Der  wirklich  bewundernswerth  schöne  Druck  zeigt, 
dass  Jenson  seinen  Lehrmeistern  Fust  &  Schöfifer  in  Mainz  alle  Ehre  machte.  Hain 
No.  7886.  —  


288  —    Venedig.    — 

No.  594. 

Nonii  Marcelli  „De  Proprietate  Sermonum". 

Venedig,  Nicolaus  Jenson,  1476.     Klein  Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  der  „Lehre  von  BeschafFenheit  der  Reden",  von  dem  lateiniBcben 
Sprachlehrer  Xonius  JUarcellus  für  seinen  Sohn  geschrieben,  zeigt  uns  den  typographi- 
schen Künstler  Jenson  in  nicht  minder  günstigem  Lichte;  denn  auch  dieser  mit 
römischer  Schrift  ausgeführte  Druck  ist  meisterhaft.  In  dem  fünfzeiligen  Colophon 
findet  man  den  Prucker  und  die  Jahrzahl  angegeben. 

Das  vorliegende  in  rothen  Maroquin  gebundene  Exemplar  stammt  aus  der  Biblio- 
thek des  Prinzen  Eugen  von  Savoi/en,  dessen  Wappen  sich  in  etwa  10  Centimeter 
Hohe  und  prächtiger  Ausführung  in  Goldpressung  auf  Vorder-  und  Rückseite  des 
Einbandes  befindet.  Hain  hat  die  von  ihm  unter  No.  11901  beschriebene  seltene 
Ausgabe  nicht  selbst  gesehen.  — 

No.  595. 

^^ntanini  ^rd)irpifcapi  3Fl0rentini  ,^3ttmmae  ari^cologicae 

pars  ffcunba/^ 

Venedig,  Nicolaus  Jenson,  1480.     Folio-Format. 

Gothischer  Druck.  Jenson  druckte  die  vier  Theile  dieser  „Summa"  des  Antonius 
allmählich  in  dem  Zeitraum  von  1 477-- 1480;  und  zwar  erschien  zuerst  der  drüte 
Theil  1477;  dann  der  erste  1479;  der  vierte  im  Mai  1480,  und  zuletzt  der  vorliegende 
zweite  Theil  im  Juli  desselben  Jahres. 

In  derselben  Zeit  veranstaltete  auch  Koburger  in  Nürnberg  eine  Ausgabe,  deren 
Theile  von  1477  an  successive  herauskamen,  aber  schon  1479  sämmtlich  vorlagen. 
Ein  schönes  Exemplar  aller  vier  Theile  auch  dieser  Ausgabe  wird  uns  imter  „Nürnberg* 
vorkommen.     Hain  No.  1843. — 


1470  bl6  1472. 

Dieser  berühmte  deutsche  Typograph  übte  seine  Kunst  später 
^u  Mailand  aus,  wo  wir  ihm  weiterhin  noch  begegnen  werden. 
Seine  Thätigkeit  zu  Venedig  beschränkte  sich  nur  auf  kürzere  Zeit  und 
auf  wenige  Werke,  die  alle  zu  dei^  grössten  Seltenheiten 
zählen ;  seine  erste  Ausgabe  des  „Decameron"  von  Boccaccio  wurde 
bereits  im  Jahre  1812  in  der  Roxburghe-Auction  zu  London  vom 
Herzog  von  Marlborough  für  2260  Pfund  =  43  200  Mark  er- 
standen. —  

No.  596. 

Utauri  Snm  ^onorati  ^,€ommrntariw0  in  Btrgiltum." 

Venedig,  Christoph  Valdarfer,  14:71.     Folio-Format. 

Höchst  seltene  Ausgabe  dieses  Commentars  zu  Virgil'fl  Werken,   ohne  den  Text? 
verbessert  von   Bapiista   Giiarimts.    Von   Panzer  und  Hain  No.  14  705  beschrieben, 


—     Venedig.    —  289 

aber  nicht  gesehen.  Besüglich  der  Typen  können  wir  bei  diesem  Drucke  eine  in- 
teressante and  neue  Bemerkung  machen.  Es  sind  nämlich  ganz  dieselben,  wie  sie 
der  Augtisiinus  des  Johann  von  Speyer  unter  No.  586  aufweist.  Valdarfer  scheint 
also  nach  des  Letzteren  Tode  diese  Scbriftgattvng  erworben  zu  haben,  womit  auch 
der  Umstand  übereinstimmt,  dass  Wendelin  von  Speyer  noch  in  demselben  Jahre 
mit  andern  Typen  druckte.  — 


^0t)$nn  Don  Cöln  ober  ^ot^annes  lit  Colonia) 

1471  bis  1487. 

Dieser  Drucker  verband  sich  gegen  1472  (nicht  1473  wie  Falkcn- 
stein  angiebt)  mit  Wendelin  von  Speyer,  nachem  er  bereits  1470  ein 
Register  der  Schriften  des  Johannes  Scotus  für  Wendelin  verfasst 
halte,  später  auch  mit  Johann  Manthen  de  Gheretzem  und  zuletzt  noch 
mit  Nicolatis  Jenson  und  Johannes  Herhort  de  Seigenstadt.  Die 
von  ihm  in  unserer  Sammlung  vertretenen  Druckwerke  werden  ihn 
in  seinen  verschiedenen  Phasen  kennzeichnen.  — 


No.  597. 

Marcus  Fabius  Quintilianus:  „Oratoriarum  institutionum 

libri  XII." 

Venedig^  Johannes  de  Colonia,  circa  1478.     Folio-Format. 

Man  schreibt  diese  undatirte  Ausgabe  der  ^,12  Bücher  über  die  Redekunst"  des 
Quintilian  nach  Ebert  No.  18418  allgemein  dem  Johann  von  CÖin  zu.  Obgleich  die 
romische  Type  des  Werkes  von  deijenigen  der  nächsten  Nummer  unterschieden  ist, 
so  ist  es  Ja  wohl  möglich,  dass  dieser  Typograph  mit  verichiedLenen  Alphabeten 
gedruckt  hat;  möge  daher  der  seltene  Druck,  der  ein  Isachärwik  der  Jenson^schen 
Ausgabe  von  1471  ist,  bei  Johannes  de  Colonia  stehen  bleiben  und  Anregung  zu 
weiterer  Forschung  geben.  Hain  No.  18644  hat  die  Ausgabe  nicht  selbst  gesehen, 
sie  fehlt  in  München.  — 


3o|)anne0  de  Colonia  k  <|ol)anne0  JUantJien 

1473    bis    1480. 

Panzer  führt  zwar  unter  dem  Jahre  1487  noch  einen  Druck  dieser 
beiden  Typographen  auf.  Augenscheinlich  liegt  aber  bei  diesem  in 
Band  I  Seite  238  No.  976  citirten  Werke  „Fallacie  secundum  Divum 
Thomam  de  Aquino"  von  14:87  eine  Verwechselung  mit  der  Aus- 
gabe von  14:77  zu  Grunde,  die  Panzer  auf  Seite  127  No.  290  eben- 
falls aufführt.  — 

19 


2go  —    Venedig.     — 

No.  598. 

Aristotelis  „Historia  de  animalibus". 

Yenedlg;  Johannes  de  Colonia  &  Johannes  Manthen  de  Gheretzem, 

1476.     Folio-Format. 

Die  erste  sehr  schöne  lateinische  Ausgabe  der  „Zoologie^  des  Aristoteles  in 
schöner  römischer  Schrift  gedruckt  und  am  Schlüsse  mit  Firma  und  Datirung  ver- 
sehen. 

Der  Herausgeber  Theodor  Gaza  hat  dieses  Werk  dem  Papste  Sixtus  IV.  gewidmet, 
und  De  Bure  erzählt  von  der  in  der  Literatur  wohl  einzig  dastehenden  Aufnahme, 
welche  diese  Dedication  seitens  des  Papstes  empfangen ,  Folgendes :  „Gaza  liess  ein 
Exemplar  des  Werkes  kostbar  einbinden  und  stellte  es  dem  Papste  zu;  Sixtus  IV. 
aber  schickte  dem  Autor  das  Buch  zurück  und  liess  ihm  die  Kosten  des  Einbandes 
auszahlen."  Hain  1699.  Hier  verabschieden  wir  uns  einstweilen  von  Johannes  de 
Colonia,  um  ihn  spater  in  seinen  Verbindungen  mit  Nicolaus  Jenson  und  Herbort  de 
Seigenstadt  wiederzufinden.  — 


/ranctsnis  Menner  Don  ^atlbronn  ^  mc$im 
mn  /rankfurt  oirer  ht  /rancoforbia, 

1473  bis  1476. 

Franciscus  von  Hailbronn  druckte  schon  von  1471  ab  in  Venedig; 
im  Jahre  1473  gesellte  sich  Nicolaus  de  Francofordia  zu  ihm.  Von 
1477  ab  druckten  dann  beide  wieder  theils  allein,  theils  in  Gesell- 
schaft Anderer.  — 

No.  599. 

irf0narbi  be  IKtino  ^^Sermanes  jauabragelimaU^". 

Yenedlgy   Franz  von  Hailbronn  &  Nicolaus  von  Frankfurt,  1478. 

Folio-Format 

Erste  Ausgabe  dieser  Fastenpredigten  mit  einer  reizenden^semigothiscben  Type 
gedruckt.    Hain  No.  16117.  — 

No.  600. 

Hlid)afl  be  €ard)ana  |llfbiolanen(i0:  „Äermanarium  tripli- 
catum  per  aborntum  rt  ptx  buas  quabragcflmas^^ 

Yenedig^  Franciscus  von  Hailbronn  &  Nicolaus  von  Frankfurt,) 

1476.     Quart-Format. 

Editio  princeps  dieser  Sammlung  von  «Advent-  und  Fastenpredigten*  mit  der- 
selben semigothischen  Schrift  gedruckt,  wie  das  vorige  Werk.  Umfilnglicber  Band 
in  Original-Schweinsleder.    Hain  Nr.  4508.  — 


—     Venedig.     —  29I 

No.  601. 

iilBiblia  fatina  mm  paftiUia  Nicolai  br  If^ra.*^ 

Tenedig^  Franciscus  Renner  de  Hailbronn,  1483. 

3  Bände  in  Folio-Format. 

Mit  einer  andern  gothischen  Type  von  sweierlei  Grosse  gedruckt.  Die  Anfangsseite 
jeden  Bandes  ist  mit  einem  Initialbuchstaben  und  schöner  farbiger  Bordüre  geziert. 
Hain  No.  8165.  — 


^rt)art  Matbolt  Don  ^ugdburg^ 

1476  bie  1486. 

Der  berühmte  Typograph,  welchen  wir  in  Augsburg  schon 
fanden,  wohin  er  im  Jahre  1487  vom  Bischof  Johann  von  Werden- 
berg berufen  wurde,  war  anfänglich  mit  Peter  Löslein  und  Bernhard 
Pictor  associrt;  in  folgender  Nummer  finden  wir  einen  Druck,  den 
er  nach  seiner  Trennung  von  jenen  allein  lieferte.  — 


No.  602. 

3?ranct6cu0  Ulataratius:   „j0c  compancnbiö  t)fr|!bu9*^ 

Yenedig^   Erhard  Ratdold,   1468  statt  1478.     Quart-Format 

Dieses  kleine  Werkchen  giebt  eine  Anleitung  den  Hexameter  und  Pentameter 
za  componiren.  Gothischer  Druck  mit  einem  ganz  eigenthümlichen  ^  und  mit  den 
berühmten  „Literae  Florentes".  Interessant  wegen  des  Druckfehlers  in  der  Jahrsahl 
durch  Auslassung  eines  r.    Editio  princeps.    Hain  No.  10889.  — 


No.  603. 

<3acobu0  )c  €iirtr:   ^^^z  urbia  CoUofrnfts  obfibione  a 

Siurciö  tcntata^S 

Yenedig^  Erhard  Ratdolt,  circa  1480.     Quart-Format. 

Auch  diese  kleine  Schrift  in  Sachen  der  von  den  Türken  belagerten  Stadt  Klausen« 
bürg  ist  mit  derselben  gothischen  Type  gedruckt,  wie  vorige  Nummer.  Hain 
No.  5868.  — 

No.  604. 

,,i0aft  bud)  bcr  jrijr  gcpot.*^ 

Yenedig,  Erhart  Ratdolt,  1483.  Folio-Format. 
Schöner  Druck  des  berühmten  Meisters  mit  einer  neuen  höchst  prachtigen  gothi- 
schen Type;  doppelt  interessant  als  deutsches y  zu  Venedig  gedrucktes  Werk.  Ver- 
glichen mit  dem  Lutherischen  Katechismus  zeigt  diese  Erklärung  der  Gebote  eines 
unbekannten  Autors,  welche  im  Geburtsjahre  Luther^s  gedruckt  wurde,  in  Sprache  und 
Sinn  allerdings  gewaltige  Unterschiede,  aus  denen  der  Geschmack  des  Mittelalters  redet. 

19* 


292  —    Venedig.     — 

Der  schonen  Katdolt'schen  Initialen,  aus  Blumengewinden  im  Renaissance  »Stil 
componirt,  finden  sich  in  dem  Werke  dreizehn;  diese  bekannten  „Literae  Florentes', 
für  deren  »Erfinder"  Ratdolt  von  Vielen  gehalten  wird ,  sind  jedenfalls  die  ersten  in 
HoIb  geschnittenen  Zierlmchstaben ,  welche  den  Renaissance -Styl  im  Bücherschmnck 
eingeführt  haben.  Wenn  auch  nicht  Erfinder  derselben,  denn  dergleichen  Motive 
haben  viele  italienische  Handschriften  Jener  Zeit  aufweisen ,  so  ist  Ratdolt  doch 
Jedenfalls  deijenige  gewesen,  der  zuerst  auf  die  Idee  kam,  die  schönen  Renaissance- 
Buchstaben  nachzeichnen  zu  lassen  und  durch  den  Holzschnitt  für  die  Typographie 
zu  verwerthen.    Hain  No.  40S4.  — 


No.  605. 

^,^pu0Cttlum  repertorü  prognofitcon  in  mutationee  arrts  tarn 
ma  aftrologtca  quam  metl)roro  logtca/^ 

Tenedig^  Erhart  Ratdolt,  1486.  Quart-Format 
Seltenes  astronomisches  Werk  des  berühmten  Typographen,  der  sieh  besonders 
durch  den  Druck  mathematiseher  und  astrologischer  Werke  verdient  machte.  Hain 
eitirt  es  unter  No.  19893  ohne  es  gesehen  zu  liaben.  Auch  hier  findet  sich  eine 
Anzahl  der  schönen  Literae  Florentes.  Der  Druck  ist  gothisch;  die  Type  abermals 
eine  neue.  — 


1476  bis  1483. 

Im  Anfange  mit  Ratdolt  und  Bernhard  Pictor  assodrt,  als- 
dann allein.  Wir  behalten  die  eigenthümliche  Schreibart  seines 
Heimathortes  bei,  der  jedenfalls  Langenzenn  bei  Nürnberg  war.  — 


No.  606. 

^Itbori  l^ifpalrnpö  ^^ITibrr  et^molagiarum  et  be  fummo  bona^ 

Yenedig^  Peter  Löslein  de  Langencen,  1488«  Folio-Format 
Die  selbständigen  Drucke  dieses  Typographen  sind  äusserst  selten.  Derselbe 
bildete  bis  1480  in  Gemeinschaft  mit  Erhard  Ratdolt  und  Bernhard  Pictor  oder  Maler, 
beide  von  Augsburg,  das  berühmte  Drucker  -Triumvirat ,  in  welchem  Loslein  oder 
L5slin  namentlich  als  Corrector  thätig  war,  und  aus  deren  Pressen  die  herrlichsten 
Druckwerke  hervorgingen.    Hain  No.  9279.  — 


1476  ^  1477. 

Ein  nur  wenig  bekannter  Typograph ,  der  blos  zwei  Jahre  in 
Venedig  druckte  und  dessen  wenige  Werke,  die  auf  unsere  Zeit 
gekommen,  sehr  selten  sind.  — 


—     Venedig.     —  293 

No.  607. 

Diodori  Siculi  „Bibliotheca  seu  historiarum  priscarum 

libri  IV". 

Yenedigr^  Andreas  Jacobus  Catharensis,  1476*     Folio-Format 

Das  Geschichtswerk  des  Diodorus  in  der  Uebersetzung  des  Franciscus  Poggins 
ist  der  erste  hoehst  seltene  Druck,  welchen  dieser  Typograph  lieferte.  Die  Typun 
Bind  romisch.    Hain  No.  6189.  — 


1477  bi5  1496. 

No.  608. 

QSregoriua  Jöagnua:   ^^Ularalia  pnc  (ff|rpo|tti0  in  Sobum'*. 

Yenedlgy  Raynaldus  de  Novimagio,  1484*    Folio-Format. 

Diese  „Moralia",  eine  Auslegung  des  Hiob,  sind  die  bekannteste  Schrift  des 
Papstes  Gregor  I.,  dem  man  den  Beinamen  „der  Grosse"  gegeben  hat.  Wir  haben 
die  interessante  Editio  princeps  von  Bertold  Ruppel  in  Basel  schon  unter  No.  423 
besprochen. 

Vorliegende  schöne  Ausgabe  ist  mit  hübscher  gothischer  Type  gedruckt  und 
enthalt  am  Schlüsse  Druckfirma  und  Datirung.    Hain  No.  7980.  — 


No.  609. 

ISartlyolomarus  be  €l)atmi$:   ^jjtnterrogatorium  fiDc 

(S:0nfff|ioiialr*^ 

Yenedigy   Raynaldus   de  Novimagio,   i486*     Klein  Quart-Format. 

Mit  kleiner  gothischer  Type  gedruckte  Ausgabe  dieses  Werkes  über  die  Beichte, 
wovon   wir  die  Mainzer   Ausgabe   von  Peter  SchÖffer   unter   No.  37   verzeichneten 
Hain  No.  8488.  — 


@:l)oma0  ht  Planta  ms  ^le)ran{rna^ 

1477  biß  1491. 

No.  610. 

Hyginus:  „Poeticon  astronomicon". 

Yenedlg,  Thomas  de  Blavis,  1488»  Quart-Format. 
Der  Titel  dieses  Werkes,  den  man  durch  ,  Poetische  Astronomie"  oder  „Astrono 
misches  Gedicht«  gleich  unzulänglich  verdeutschen  würde,  hat  schon  zu  oftern  Irr- 
thümem  Anlass  gegeben.  Das  Werk  ist  kein  Gedicht,  wie  man  denken  könnte; 
□eben  einem  mathematlüsch-astronomischen  Theile  enthält  es  mythologische  Unter- 
suchungen über  die  Sterfibilder,  wie  sie  durch  Benennung  der  Dichter  des  Alterthums 
nach  und  nach  entstanden  sind. 


294  —     Venedig.     — 

Die  erste  Ausgabe  dieses  Werkchens  druckte  1475  Augustinus  CameriusinFerr&ra; 
Erhard  Ratdolt  die  zweite  um  1482;  die  dritte  und  vierte  Thomas  de  BlaTis  um  14% 
und  1488.  Letztere  enthalten  die  eirca  50  Holzschnitte  der  Ratdolt'schen  Ausgabe 
in  leider  recht  rohen  Copien,  was  sieh  auch  auf  die  in  vorliegender  Ausgabe  sehr 
zahlreich  vertretenen  Initialen  erstreckt    Hain  No.  9065.  — 


pi)Utpp  Condam  Petrin 

1478  bi6  1482. 

No.  611. 

Marcus  Tullius  Cicero:  „Rhetorica  nova  et  vetus". 

Yenedig,  Philipp  Condam  Petri,  1479.     Folio-Format. 
Seltene   Ausgabe    von   Cicero^s    „Redekunst",   mit   romischer   Schrift  gedruckt. 
Die  Druekfirma  mit  der  Datirung  stehen  am  Schlüsse  der  Rhetorica  nova.  Hain 
No.  5062.   — 


2llarinM0  ^ararcttue^ 

1478  bis  1491. 

No.  612. 

Marcus  Tullius  Cicero:  „De  Officiis,  de  Amicitia,  de 
Senectute  et  Paradoxa  cum  commentariis  Fetri  Marsi". 

Yenedigr^  Marinus  Saracenus,  1487«     Folio-Format 

Wie  es  scheint,  eine  seltene  und  wenig  gekannte  Ausgabe,  welche  w^ir  bei  Panier 
Band  III  Seite  244  erwähnt  fanden ,  bei  allen  spätem  Bibliographen  aber  vergeblicb 
suchten.  Sie  ist  mit  römischer  Schrift  von  zweierlei  Grosse  gedruckt;  der  sehr  aus- 
führliche Commentar  des  Petrus  Marsus  mit  der  kleinem.  Die  Ausgabe  bat  1&8  Blatter 
mit  Signaturen.  —  

No.  613. 

Marcus  Tullius  Cicero:  „Rhetorica  vetus  et  nova"  cum 
commentario  M.  Fabii  Victorini. 

Yenedig,  Marinus  Saracenus,  1487.     Folio-Format. 
Auch  diese  im  selben  Jahre  erschienene  Ausgabe  der  Ciceronianischen  Schriften 
über  die  Kunst  der  Rede  scheint  selten  und  wenig  gekannt  zu  sein.    Wir  finden  sie 
bei  Panzer  Band  III  Seite  245,  aber  bei  keinem  neuern  Bibliographen.    Die  Aus- 
stattung ist  dei:)enigen  des  vorhergehenden  Werkes  vollkommen  analog.  — 


PemarMnua  ISenetua  he  l^ttaltbu») 

1480  bis  1536. 

Dieser  Typograph  druckte  in  der  langen  Zeit  seiner  Thäligkeit 
auch  Einiges  in  Rimini  und  in  Rom,  — 


—     Venedig.     —  295 

No.  614 

Paulus  Orosius:  „Historiarum  adversusPaganos  libri  VII." 

Tenedig^  Bemardinus  Venetus,  1500«     Folio-Format. 

Hübsche  Ausgabe,  in  römischer  Schrift  gedruckt;  am  Schlüsse  mit  dem  Drucker- 
zeiehen  und  den  Initialen  B.  V.    Haio  No.  12104.  — 


1480  bia  1500. 

No.  615. 

))|tlilTale  iominicanum  orbirita  praebicatorum.^^ 

Tenedlg'^  Octavianus  Scotus,  1482*     Quart-Format. 

Seltene  Editio  princeps  dieses  Missale  in  gothischem  Schwarz-  und  Rothdruck, 
mit  Firma  und  Datirung  am  Schlüsse.  In  hellbraunes  Leder  gebunden.  Hain 
No.  11Ä89.  — 


Jo|)anne0  fucilttta  ^antritter  Don  ^(Ubronn 

um  1480. 

Von  der  Gemeinschaft  dieser  beiden  Typographen  ist  nur  ein 
einziger,  höchst  seltener  Druck  bekannt,  den  yrir  in  Folgendem 
kennen  lernen  werden.  Vom  Jahre  1481 — 87  erfahren  wir  weder 
von  dem  einem  noch  von  dem  andern  Drucker  etwas;  dann  taucht 
Santritter  1488  und  1489  in  Gesellschaft  von  Hieronymus  de  Sanctis 
wieder  auf,  während  Dietrich  von  Würzburg  ganz  verschoUen  bleibt.  — 


No.  616. 

Prancisci  Nigri  „Grammatica". 

Venedig^  Johann  Lucilius  Santritter  &  Franz  Theodor  von  Würz- 
burg, 1480.     Quart-Format. 
Am  Schlüsse  dieser  Grammatik  befinden  sich  vier  Verse,  welche  die  Namen  der 
Typographen  enthalten: 

^Santritter  helbronna  genitus  de  gente  ioannes 

Lucilius:  prompsit  grammata  docta  nigri. 

HerbipoUsqz  satus:  socio  sudore:  lacunis. 

Hoc  ueuetis  francus  fert  theodorus  opus." 
Darunter  befindet  sich  die  D'atirung.  Das  Werk  zeigt  auch  einen  interessanten 
frühen  Versuch,  MMSiknoten  mit  beweglichen  Typen  zu  drucken,  bei  welchem 
allerdings  noch  die  Notenlinien  fehlen,  welche  Jedenfalls  mit  der  Hand  hineingezogen 
werden  sollten.  Hain  giebt  unter  No.  11858  eine  höchst  dürftige  Beschreibung,  ob- 
gleiclk  nach  dem  Münchener  Exemplare,  in  welcher  er  nicht  einmal  die  Stelle  anführt, 
in  der  die  Typographen  genannt  sind,  so  dass  der  Druck  bei  ihm  als  anonym  gelten 
kann.  — 


296 


—    Venedig. 


^rtbxtas  8;orffatttte  ht  ^ftila^ 


.       1480  bl6  1506. 

No.  617. 

^riftoteliö  „jBpcra  latina  cum  commentarite  ^Dcrrnia^^ 

®0mtt»  111. 

Yenedig,  Andreas  Toresanus  de  Asula,  1483.  Gross  Folio-Format 
SchÖDe,  gothiscb  gedruckte  Ausgabe,  welche  höchst  selten  complet  vorkommt, 
mit  dem  roth  gedruckten  Typographen-Zeichen.  Der  Drucker  ist  der  Schwiegervater 
des  Aldus  Manudus  und  späterer  Geschäftsleiter  der  Aldinischen  Officin,  als  welchen 
wir  ihn  noch  wiederfinden  werden«    Hain  No.  1660.  — 


Jol)anne0  ^  (iregottits  ht  dregoriia  be 

/orliiJto  /ratrf0, 

1480  bi0  1516. 

Nachdem  die  Brüder  de  Gregoiiis  bis  zum  Jahre  1516  unaus- 
gesetzt zusammen  gedruckt  hatten»  ist  wahrscheinlich  Johannes 
gestorben,  denn  von  1519  bis  1528  kommt  Gregorius  allein  vor.  — 


No.  618. 

^^i^eciftonea  l^ote  noue  t  antiqur  ||  cü  abbitiöibua:  caftbus 
bubij8  II  t  regulis  cScellaric  apo^oU  |ce  bUigentiftme  emrbatr.*^ 

Tenedig^  Brüder  de  Gregoriis  de  Forlivio,  1496.   Gross  Folio-Format. 

Schone  Ausgabe  dieses  Werkes,  über  dessen  Inhalt  wir  bereits  bei  dem  wertb- 
voUen  SchÖffer'schen  Drucke  von  1477  unter  No.  35  die  nöthigen  Angaben  machten. 
Hain  No.  6052.  — 


^tttonitta  irc  jgitrata  bc  Cremona^ 

1480  bi5  1489. 

No.  619. 

8:l)oma8f  be  Äquino:  ^,5upet  primo  5entfntiarttm*^ 

Yenedig,  Antonius  de  Strata,  i486*    Folio-Format 

Des  Thomas  von  Aquino  Commentar  über  das  erste  Buch  der  „Sententiae"  des 
Petrus  Lombardus;  ein  häufig  gedrucktes  Werk,  dem  wir  schon  öfters  begegneten. 
Dieser  Typograph  druckte  nur  diesen  ersten  Theil  des  Werkes.    Hain  No.  1474.  — 


—     Venedig.    —  297 

3d\)mntB  ht  Colonia  k  Hicolaua  Jfufon^ 

1480  $<  1481. 

No.  620. 

SmAx  Sljomac  be  ^quino  ,,3ujif r  quarto  libro  5fntfntiarum*^ 

Yenedigy  Johannes  de  Colonia  Sc  Nicolaus  Jenson,  .1481. 

Folio-Format. 

Die  Schlussschrifi  zeigt  uns  liier  den  Johann  von  Cöln  mit  Nicolaus  Jenson  ver- 
eint; die  gothische  Type  ist  von  Jenson.  Jobann  de  Colonia  scheint,  wie  auch  die 
Schlussschrift  annehmen  lasst,  wohl  mehr  der  materielle  Urheber  der  Societät  zu 
sein,    Hain  No.  1484.  — 


3o|)attttf0  ht  Colonia^  Hirolaue  J^cnfon 
^  ßo\)mntB  ^crbort  ht  Mgenflaöt^ 

1481. 

No.  621. 

<3ol)annr0  ^nm  ftBe  ^cotus:  ^^^uobltbeta  queflionunl^^ 

Venedig^  Johannes  de  Colonia,  Nicolaus  Jenson  &  Johannes 

Herbort  de  Seigenstadt,  1481«     Quart-Format. 

Das  Werlc  des  berühmten  Scholastikers,  welches  21  verschiedene  theologische 
Fragen  behandelt,  wurde  bereits  in  einer  frühem  Ausgabe  vom  Jahre  1477  von 
Johann  von  Cöln  im  Verein  mit  Johannes  Manthen  gedruckt.  Vorliegende  Ausgabe 
ist  mit  derselben  Jenson'schen  Type  gedruckt»  wie  der  in  voriger  Nummer  beschrie- 
bene Thomas  von  Aquino.    Hain  No.  64S6.  — 


1481  bi8  1485. 

Dieser  Typograph  druckte  schon  vorher  von  1475  bis  1480  in 
Padua.  —  

No.  622. 

CSttibo  bf  IBa^po:  ^^Äofarium  jBecrclorum^*. 

Yenedig,  Johannes  Herbort  de  Seigenstadt,  1481»    Folio-Format. 

Die  Editio  princeps  dieses  umfänglichen  Werkes  lernten  wir  bereit  unter  No.  178 
bei  JienteUn  in  Strassburg  kennen.  Vorliegende  Ausgabe  ist  nach  der  Schlnssschrift 
von  dem  berühmten  Drucker-Triumvirat  Nic^laus  Jenson,  Johann  von  Cöln  und 
Jobannes  de  Seigenstadt  veranstaltet;  doch  fuhren  wir  sie  unter  Letzterem  an,  weil 
dieser  in  erster  Linie  an  der  technischen  Vollendung  betheiligt  scheint,  wahrend  die 
Krsteren  neben  der  pecuniären  Betheiligung  hier  mehr  ein  kritischer  Beirath  waren. 
Hain  No.  2717.  — 


298 


—     Venedig.     — 


No.  628. 

3Franci6CU6  bf  labareUie:  ^^ITrctura  fuprr  Sletnentto**. 

Tenedigr,  Johann  Herbort  de  Seigenstadt,  1481«     Folio-Format 

Auch  dieser  „Commentar  zu  den  Clementinen''  wurde,  wie  aus  dem  Briefe  des 
Franciscus  Moleniensis  an  den  Verfasser  hervorgeht,  der  dem  Werke  yoraostebt, 
auf  Kosten  l^icolaus  Jenson's  und  Johannas  von  Cöln  gedruckt,  obgleich  in  der 
Endschrift  nur  „Johannes  magnus  (I)  de  Selgenstat"  als  Drucker  genannt  i^t.  Dieser 
muss  wohl  ein  bedeutender,  wenn  nicht  ebenso  ehrgeisiger  Typograph  gewesen  sein, 
da  er  sich  selbst  in  Gesellschaft  zweier  Riesen  wie  Jenson  und  Johann  de  Coloiüa 
nicht  scheute,  sich  j,den  Grossen"^  zu  nennen.    Hain  No.  16852.  — 


1481  ln6  1514. 

No.  624. 

^jSfcrftim  bf  II  tortiö/^ 

Tenedigr^  Baptista  de  Tonis,  1496.    Gross  Folio-Format. 

Hübsche  Ausgabe  des  „Decretum"  Gratian^s  mit  der  Glosse.    Hain  No.  7915.  * 


No.  625. 


^omnxB  3^abri  ^ßfm  fuper  inftitutionibus^^ 

Tenedig,  Baptista  de  Tonis,  1497.     Gross  Folio-Format. 

Ein  Commentar  über  das  Rechtsbuch  des  Justinian.  Höchst  seltene  Ausgabe, 
welche  Panzer  nur  aus  einer  ganz  unvollständigen  Notiz  des  geschriebenen  Leng- 
nichschen  Cataloges  der  Danziger  Bibliothek  bekannt  war,  und  Hain  unter  No.  6844 
nur  nach  Panzer  citirte.  Sie  umfasst  142  mit  Signaturen  und  arabischen  Blattublen 
bezeichnete  Blätter,  in  2  Columnen  i  71  Zeilen.  Der  obige  Titel  nimmt  das  erste 
Blatt  ein.  Am  Schlüsse  steht:  ^.Yenetijs  per  Baptistam  de  ||  Tortis.  M.  cccclxxxxvij.  |! 
die  .  xij.  Augusti."  und  das  Druckerzeichen  mit  B.  T.  — 


^ermann  jrird)tenftetn  ohn  fmlxp\% 

1482  bt6  1497. 

Hermann  Liechtenstein  aus  Cöln  druckte  zuerst  in  Vicenza  und 
Treviso ,  wo  wir  seine  Bekanntschaft  erneuem  werden,  zuletzt  in 
Venedig ;  hier  setzte  nach  1497  s^in  Sohn  Peter  Liechtenstein^  von 
dem  wir  auch  mehrere  Drucke  vorführen  werden,  die  väterliche 
Druckerei  fort.  — 


—     Venedig.      -  29g 

No.  626. 

5aticti  IBoTiÄDmturaf  ^,?Biblia  |lauprrum*^ 

Yenedigr«  Hermann  Liechtenstein,  circa  1485.  Quart-Format. 
Ohne  Angabe  des  Druckortes,  der  Firma  und  Jahrzahl;  aber  die  höchst  merk- 
würdigen Typen  Liechtenstein^s  sind  unverkennbar  und  finden  sich  auch  in  der  mit 
Firma  und  Jahrzahl  versehenen  , Summa  Kaineri,  1486"  unter  No.  687  unserer 
Sammlung.  Man  vergleiche  hier  nur  die  ganz  originellen  Buchstaben  der  grossen 
Capitel-Ueberschriften :  A,  M,  N,  S;  ebenso  die  in  Grösse  und  Form  übereinstim- 
mende kleine  Gothisch  des  Textes  und  man  wird  über  den  gemeinschaftlichen  Ur- 
sprung beider  Werke  nicht  zweifelhaft  sein  können.  Hain  No.  S501 ,  ohne  Angabc 
des  Druckers.  —  

No.  627. 

Hei^neruB  br  |9tft0  •  ^^^'umma  unitirrfae  &;l)eolo9ia^^^ 

Yenedig^^  Hermann  Liechtenstein,  i486«     Folio-Format. 

Dieses   mit  Firma  und    Datirung  versehene  theologische  Compendium   gewährt 
eine  interessante  Vergleichung  nut  der  vorigen  Nummer.    Hain  No.  13019.  — 


prregrinus  de  paequalibno  ht  liononia. 

1482  bis  1494. 

Druckte  nach  1494  bis  zum  Jahre  1500  in  Scandiano,  wo  wir  ihn 
wiederfinden  werden.  —      

No.  628. 
„Quintiliani   inftitutiones  cum  commento  ||  Laurentii 

Vallenfis:    Pomponii  et  Sulpitii." 

Yenedig,  Peregrinus  de  PasqualibuSi  1494.     Folio-Format. 

Nach  Ebert's  bibliographischem  Lexicon  No.  18125  würde  der  obige  Titel  einen 
Irrthuxn  enthalten,  indem  sich  die  dort  angezeigten  Noten  des  Sulpitius  in  dieser 
Ausgabe  der  „Redekunsf  des  Quintiliao  gar  nicht  vorfinden,  vielmehr  des  Yalla  und 
JPömponrus  Commentar  nur  bis  zum  zweiten  Buche  geht,  und  alsdann  vom  dritten 
Buche  an  des  Regius  Noten  folgen,  nach  dessen  Conjecturen  auch  der  Text  geändert 
ist.    Hain  No.  13C54.  — 


üernarbitttta  be  8:ribino  fjr  lUonteferrato, 

1483  bi5  1495. 

No.  629. 

Sljomae  br  ^quina:  ,,3ttmmae  e:l)folo9iac  pars  trrlia^^ 

Tenedlgr^   Bemardinus  de  Tridino,  14$6.     Folio-Format. 
Den  verschiedenen  Theilen   dieses   berühmten  Werkes  begegneten  wir  schon  in 
den    verschiedensten  Ausgaben.     Der  vorliegende   dritte  Theil   ist  viel  seltener  als 
die   beiden  ersten,   und   wurde  von  J3ernardinus  de  Tridino  apart  gedruckt.    Hain 
No.  1470.  — 


300  —     Venedig.    — 

1484  bl6  1485. 

No.  630. 

yronia  papae  ^,5rrmonc0  et  (Spiptolae^^ 

Yenedig,  Andreas  de  Sociis  Parmensis,  1485«     Folio-Format. 

Wenn  die  Beschreibung  Haines  unter  No.  10018  richtig  ist,  was  wohl  anzunehmeD, 
da  er  die  Ausgabe  selbst  gesehen ,  so  ist  unser  Exemplar  dieser  Ausgabe  der  ,Pre 
digten  und  Briefe  Papst  Leo  des  Grossen*  eine  Variante,  denn  die  Schlussschrift 
lautet  anders;  zum  Yerglelch  möge  sie  hier  Platz  finden:  ^fDioi  €tonis  ifüift  viri  Ho- 
qnetttiffi||iiii  ac  fonctiffiiiit  fermöes  7in\trtaB  \\  Jf^armifiB  focijs  artis  tmyrefforie  ||  fdita 
bilisentia  imprefftt  t)enett|8 1|  anno  falntis.    Ül-  cccc-  Irrxo  .  qninilto  Hon.  ülartil."  - 


üernarbinus  ^enalius^ 

1484  bie  1534. 

No.  631. 
,,noc  in  uolumine  continentur  .   ||  Bernardi  Justiniani  Ora- 
toris  Clariflimi  Orationes  •    ||  Eiufdem  nonnullae  Epiftol^  •  | 
Eiufdem     traductio     in     Ifocratis     libellum    ad    Nicoclem 
Regem  .  ||  Leonardi  Juftiniani  Epiftol».** 

Yenedig,  Bernardinus  Benalius,  circa  1492«     Folio-Format. 

,  Reden  und  Briefe"  zweier  Justiniani,  Venetianer  Patrizier  des  15.  Jahrhunderts, 
Leonardus  Vater  und  Bernardus  Sohn ,  welche  für  die  Zeltgeschichte  grosses  Inte^ 
esse  haben ,  wiewohl  die  Autoren  ziemlich  ephemer  geblieben.  Die  Ausgabe  ist  mit 
römischer  Schrift  gedruckt  und  am  Schlüsse  mit  Firma  des  Druckers ,  aber  nifW 
mit  der  Datirung  versehen ;  Jedoch  setzt  auch  Ebert  unter  No.  11107  das  Werk  unter 
das  Jahr  1492.    Hain  No.  9639.  — 


No.  632. 

„CPLINII  SECUNDI  NATUBAE  HI  |STOEJAßVM  LIBBIXnvn 

E  OASTIGATIONIßVS  ||  HERMOLAI  BAßßAl|EI  QVAM  EMEN  || 

DATISSIME  EDITI." 

Yenedig,  Bernardinus  Benalius,  1497.     Gross  Folio-Format. 

Schone  von  Johann  Baptist  Palmarms  nach  den  ^CaiUgationes  PUnianat^  de» 
Hermolaus  Barbarus  —  die  zuerst  in  Rom  1492  bei  Eucharius  Silber  ers'ffienen  — 
besorgte  Ausgabe  der  ^Xaturgeschichte*  Plinius  des  Aelteren,  dieses  Schatzes  univer- 
saler Gelehrsamkeit  und  leider  einzigen  Werkes  des  Gelehrten ,  welches  auf  unsere 
Zeiten  gekommen.  Es  ist  dieses  die  erste  von  Palmarius  besorgte  Ausgabe  and  mit 
römischer  Schrift  gedruckt,  nach  welcher  noch  mehre  andere  erschienen.  Hain 
No.  13101.  — 


—     Venedig.    —  301 

dabriel  ht  draffta  be  Papia^ 

1485  ^  1486. 

No.  633. 

Mobrrtu0  €aracciolu9:   ^rrmonre  Euabragcftmaled)  br 
aboentu  rt  br  timorr  fin  cum  quibuebam  aliis  annrjris. 

Tenedig^  Gabriel  de  Grassis,  circa  i486«     Quart-Format. 

Seltene  Incunabel  eines  wenig   bekannten  Typographcn;   mit  gothischer  Schrift 
gedruckt  und  dem  roth  gedruckten  Buchdruckeraeichen.    Hain  No.  44fil.  — 


Paganinus  ht  pagamnia  f^xifitnfxs^ 

1485  H5  1518. 

No.  634. 

^liirrlü  5^uj|u|litti  ,,fic  arlmtate»^  —  Sancti  ^ilarä  ^,Sf 

Srittitate  contra  ^rianas**.  — 
Softii  ^,1!rtbfr  ab  3r)mtnad)um  (|uomobo  trinitae  rpt  imus 

bfus  rt  non  ixtB  W\  — 

Tenedig,  Paganinus  de  Paganinis,  1489«     Quart-Format. 

Vorliegende  Collektan-Ausgabe  dieser  drei  Schriften  über  die  Drieeinigkeit  ist 
ein  Nachdruck  der  im  gleichen  Jahre  gedruckten  von  Johann  von  Amerbach  in 
Basel,  in  welchem  sogar  die  am  Schlüsse  der  Tabula  zur  Schrift  des  Augustinus  ge- 
gebenen zwanzig  Yerse,  welche  Amerbach  als  Drucker  nennen,  mit  aufgenommen 
sind.  Leicht  mochte  die  Ausgabe  daher  wie  in  andern  Fällen  zu  Verwechslungen 
Anlass  gegeben  haben,  wenn  nicht  vor  Beginn  der  Tabula,  am  Schlüsse  der  Schrift 
des  Augustinus,  das  Colophon  und  die  Datirung  des  eigentlichen  Druckers  standen. 
Hain  No.  2038.  — 


Jümon  .HetiUapa  olrer  ht  3abi0^  papienfle^ 

1485  W8  1500. 

Druckte   abwechselnd  in  Vicenz  und  Venedig;  später  in  Lyon 
und  Coni.    — 

No.  635. 

,i5pl)fra  JMuttbi  cu  ||  tribua  €ommfnti0  ||  miprr  rbttte  up  || 
€icd)t  (Efculani  1|  3Franctfci  (JEapuam  ||  br  Btatifrrboma  ||  JTacobi 

3?abri  ^tapulftiflfir/' 

Tenedig;  Simon  Bevilaqua,  1499«     Folio-Format. 

Verfasser  dieses  astronomischen  Werkes  ist  Johannes  de  Sacrobosco.  Der  obige 
Titel  Ist  gothisch  gedruckt,  während  Text  und  Commentar  mit  grösserer  imd  kleinerer 
römischer  Schrift  gedruckt  gind.    Das  letzte ,  auf  der  Stirnseite  leere  Blatt  enthält 


n 


02  —    Venedig.     — 


auf  der  Kehrseite  die  ebenfalls  in  gothischer  Schrift  gedruckten  Worte:  „||eoiU( 
itone  plancta  ||  rnm  ntm  commento/^  Dieses  Blatt  fehlte  dem  von  Hain  unter  5o.  U125 
beschriebenen  Exemplare. 

Am  Ende  des  vierten  Buches  der  „Sphaera**  befindet  sich  die  Schlussschrift  mit 
der  Firma  des  Druckers ,  welche  wegen  der  eigenthumlich  ausgedruckten  Jabmhl 
JUCDXCIX  interessant  ist;  darauf  folgt  bis  zum  Schlüsse  die  »Theorie«  Plane- 
tarum".  Hain  erwähnt  auch  ein  anderes  Exemplar,  dem  die  letztere  fehlte,  und  in 
welchem  Blatt  2  bis  5  neugedruckt  sein  sollen.  Der  an  dieser  Stelle  citirte  Tariirende 
Anfang  von  Blatt  Sa  stimmt  aber  mit  dem  unsers  KxemplarH  überem,  ol^leich  die 
Voraussetzung  nicht  zutrifft.  — 


(Seorgiua  ^rrumbenua, 

1485  biö  1515. 

No.  636. 

Venedig 5   Georgius  Amvabenus,  1495«     Octav-Format. 

Der  Verfasser  des  Werkes,  welches  auch  „Summa  de  casibus  conscientiae*  oder 
^Summa  Baptistiniana"  genannt  wird,  ist  Baptisla  Trovamala  oder  de  Salis.  Hain 
No.  14188.  — 


i486  bis  1500. 

Nach  dem  Tode  des  Octavianus  Scotus  treten  dessen  Erben  in  die 
Firma  und  setzen  das  Geschäft  auch  nach  dem  Tode  des  Bonetus 
noch  bis  15 31  fort.  

No.  637. 

„Valerius  Maximus  cum  commento||01iuerii  Arziganensis 

Vicentini." 

Venedig^  Bonetus  Locatellus  &  Octavianus  Scotus,  1493.    Folio. 
Nachdruck  der  Ausgabe  des  Bernardinus  de  Benaliis  vom  Jahre  1488;  mit  römi- 
scher Schrift  gedruckt.    Hain  No.  15792.  — 


I^artf)olomaru0  k  ^ante^ 

i486  bi6  1514. 

No.  638. 

,,5rnfce  omttia  aprra.** 

Tenedig^,  Bartholomäus  de  Zanis,  1508.    Folio-Format. 
Mit  hübschen  Holsscbnitt-Initialen  gezierte  Ausgabe  der  sammtlichen  Werke  des 
Philosophen   und  Liehrer  des  Kaiser  Nero,   Lucius  Annaeus  Seneca.    In  romiseber 
4Jchrift_ gedruckt  bis  auf  den  gothischen  Titel.  — 


r 


—    Venedig.     —  303 

@:f)eoltoru0  be  Haga^ambua  be  3^fula^ 

1488  bte  1500. 

No.  639. 

Lactantii  Firmiani  „De  divinis  institutionibus  adversus 

gentes". 

Tenedig^   Theodorus   de  Ragazonibus   de  Asula,   MCCCLXXXX 

statt  1490.     Folio-Format. 

Selten  und  interessant  durch  den  Ihruckfehler  in  der  tTtMhrttMhl,  Hätten 
die  Holländer  zufällig  dieses  Buch  geliannt  statt  eines  solchen  mit  1428  ebenfalls 
als  Druckfehler,  sie  hätten  die  Erfindung  der  Buchdruckerkunst  durch  ihren  Lorenz 
Coster  sicher  noch  um  38  Jahre  weiter  zurückverlegt  in  das  Jahr  13901  Das  Werk 
ist  mit  römischer  Schrift  gedruckt.     Hain  No.  9815.  — 


firrnardinua  ht  Cljorts  Ire  ^remottii) 
$c  Mmm  öf  ßxttSf 

um  1491. 

Beide  Typographen  druckten  gleichzeitig  vom  Ende  der  ach- 
ziger  bis  Ende  der  neunziger  Jahre  in  Venedig;  darunter  einige 
Werke  zusammen. 

No.  640. 

piatantö  ißftxn  Mim  ^arfllla  ^Ticina  intfrprele*^ 

Tenedigr^  Bemardinus  de  Choris  8c  Simon  de  Luere,  149]« 

Folio-Format 

Mit  gothischer^Schrift  gedruckte  Ausgabe,  welche  auf  Kosten  des  Andreas  Torre- 
sanus  de  Asula  veranstaltet  wurde.    Hain  No.  13063.  — 


|Uca0  3^ntomu0  ht  dliunta^ 

1489  bl6  1536. 

No.  641. 

HlWilfaU  !lomamim  (ffcclefiae.*^ 

Tenedig^^  Lucas  Antonius  de  Griunta,  1504«    Octav-Format. 

Ben  Bibliographen  unbekannte  erste  Ausgabe  dieses  Typographen,  in  gothischem 
Roth-  A  Schwarsdruck.  Die  Zierde  dieses  Chorbuches  sind  die  Tielen  kleinen  HolX' 
8(^niUet  Initialen  und  Zierleisten,  deren  über  1000  darin  enthalten  sind,  nebst  20 
hlattgrossen  Abbildungen  in  Holzschnitt,  sämmtlich  die  Hand  eines  trefflichen,  leider 


304  —     Venedig.     — 

unbekannten  Meisters  zeigend ,  welcher  Jedoch  von  der  Schule  der  YercelÜ  Macrm 
d'Alba  zu  sein  scheint.  Hochinteressant  ist  auch  der  in  zierlichem  Renaissancestyl 
geschnitzte  Original-Holzeinhand,  auf  dessen  Yorderseite  in  einem  Bande  die  Ini- 
tialen und  Jahrzahl :  £x,  iB.  %-  —  Ül.  D.  ti^  eingeschnitten  sind.  — 


pi)ili|)pu0  pinnua  |$lantuanus^ 

1490  bi6  1525. 

No.  642. 

„NESTOR  VOCABYLISTA." 

Venedig 9  Philippus  Pincius,  1496«     Folio-Format 

Mit  römischer  Schrift  gedruckte  Ausgabe  des  Yocabularium  von  Dionysias  Nestor 
Hain  No.  6255.  — 


No.  643. 

Diogenes  Laertius:  „Vitae  et  sententiae  Philosophorum". 

Venedig 9  Philippus  Pincius,  1497«    Folio-Format 

Diese  lateinische  Ausgabe  wurde  auf  Kosten  des  Typograpben  Benedictus  Fon- 
tana, dessen  Dmckerzeichen  mit  den  Initialen  B.  F.  sich  auch  darin  befindet,  von 
Philipp  Pinci  gedruckt.    Hain  No.  620^.  — 


No.  644. 

^ßüiviB  fufirr  t0t0{{cobice  ||  €um  tnultid  Mefietitionibud  t 
abbtttombu0  •  (?|r  proprio  ^u||ctori0  ryemplari  nouiter  inuentia 
t  fjrcrrpttö:  t  loci«  (*ui0  per  ||  Clarifftmum  J^urrcon.  i.  h 
3Francifcuj  bc  SMnfaptl»  |9ata  1|  uinum  accuratiffimc  poptia: 
itupfrimrqj  prr  runbr  fumma  cö  ||  biligcntia  rrcognito:  t 
cum  nouo  t  copio|tf|tmo  Äepertorio  ||  ab  fobrm  cü  fumnto 
ftttbio  fbito  munttue  •  (fft  cum  apollilltö  ||  ÖEariffimoruj  ßm- 
confultorj  •  b.  ^Icyanbri  be  ;Smola  •  b.  ^nbree  Waxhmt  |iculi 
ac.  b.  C!Erl|t  burgübi  btligenttfftmr  rrutft0.^^ 

Venedig  j   Philippus  Pincius,  1519«     Gross  Folio-Format 

Diese  schone  Ausgabe  in  gothischem  Druck  ist  den  Bibliographen  unbekannt 
geblieben,  weshalb  wir  in  Obigem  den  ganzen  langen  Titel  gaben,  welcher  mit  schöner 
Missalschrift,  die  ersten  zwei  Zeilen  in  überaus  grossen  und  prächtigen  Charakt6ren> 
ganz  roth  gedrucKt  ist;  darunter  befindet  sich  die  21  Centimeter  hohe  und  17Centi- 
meter  breite,  äusserst  wirkungsvoll  gezeichnete  ßruckennarke  des  Pbil^pus  Pincius. 
Das  Werk  behandelt  nicht,  wie  der  Titel  angiebt,  „rfcw  ganzen  Codex'^  des  Justinian, 
sondern  nur  die  ersten  drei  Bücher  desselben.  — 


J 


—     Venedig.     —  305 

1490  bie  1517* 

No.  645. 

i^^urra  ac  penr  btutna  totiu«  fa||cre  paginr  dommmtaria 

C0mpfnbtofe    rbita    per    €larif(!mum    Sl^falogum    ^^ratrrm 

^ftrum  ^«reolum  5frapl)icr  or-||bini0  alimum : . . /^ 

Venedig,  Lazarus  de  Soardis,  1507«     Quart-Format. 

Dieses  seltene  Werkchen,    eine  Erklärung   der  heiligen  Schrift,   ist  bis  auf  das 
in  Antiqua  gedruckte  Colophon  in  gothlscher  Schrift  gedruclct.  — 


Wcolaus  Ire  /errariis  be  Jlralormis^ 

1491  ^  1492. 

No.  64t). 

(Sttiltflmu0  bf  5alicfta  ^^ffiljirurgia^^ 

Venedig,  Nicolaus  de  Ferrariis,  1491.     Folio-Format. 

Höchst  seltene,  den  Bibliographen  unbekannte  Ausgabe  eines  Typographen,  der 
nur  sehr  wenig  gedruckt  hat.  — 


Petrus  ^ol)anne0  h(  ^itarengta  Irr  pjila|a00 

auch  vereint  mit 

|ol)annfs  JUlarta  öe  plonteferrato, 

1492  bie  1500. 

No.  647. 

(Sttiba  bf  CCatiUaco:   ^,CCI)trttr(\ta  cum  aliarum  tractatibuö 

bf  fabfm  tttatfria^^ 

Venedig,    Petrus    Johannes    de   Quarengis   &  Johannes   Maria    de 

Monteferralo,  1493.     Folio-Format. 

Höchst  seltene  italienische  Ausgabe ;  von  Hain  unter  No.  4817  angeführt,  ohne  dass 
er  sie  gesehen  hat.  — 


3ol)annc9  &e  Cercto  k  8;riMno 
alias  8;actttnus, 

1492  bis  1536. 

Ein  wenig  bekannter  Drucker,  welcher  meistens  mit  Guüielmus 
Cereto  de  Tridino  und  Macrnino.  ds  Tridinn^  beide  ebenfalls  in 
Venedigs  verwechselt  wird.  — 


20 


3o8  —    Venedig.     — 

Der  anonyme  Ver^ser  dieses  kunstgeschichtlich  hochwichtigen  und  berfibmtea 
Werkes  verbarg  sich  hinter  den  Initialen  der  38  Capitel  seines  „Traumes",  velche 
BusammengesteUt  den  Sats  geben:  „Poliam  frater  Franciscus  Columna  peranuvit'-, 
also,  „der  Bruder  Franciscus  Columna  liebte  die  Polia  sehr".  Polia  heisst  nunlicb 
in  dem  Werke,  das  im  Gewände  eines  Liebearomanes  die  ausgiebigsten  Belehrungen 
über  alle  Zweige  der  Kunst  enthalt,  die  Geliebte  des  Helden  Pöliphil.  Unter  Jener 
ist  nichts  Anderes  su  verstehen,  als  j,die  Antike'^,  und  unter  Diesem,  der  in  heftiger 
Liebe  zu  ihr  entbrannt  ist,  der  Sohn  des  Zeitalters  der  Renaissance. 

Das  griechische  Wort  j,Hppnerotoinachia'^,  durch  welches  das  Werk  betitelt  ist, 
erklärt  in  der  Vorrede  der  Verfasser  selbst,  indem  er  sagt,  es  solle  dadurch  rf<r 
Kampf  der  Liebe  im  Traum  ausgedrückt  werden.  Titel,  Vorrede  nnd  Nachschrift 
sind  in  Latein ,  der  Hauptinhalt  Jedoch  in  italienischer  Sprache  abgefasst  und  das 
Werk  steht  als  merkwürdiges  Beispiel  einer  humanistischen  Arbeit  da,  welche  niM 
in  Latein,  sondern  in  der  Volkssprache  geschrieben  ist. 

Mit  gutem  Grunde  aber  hat  der  Verfasser  wohl  seine  ursprünglich  ktäfätche, 
bereits  im  Jahre  1467  zu  Treviso  vollendete  Arbeit  vor  ihrer  VeröflFentllchung  im 
Jahre  1499  in  das  Volksidiom  übertragen ,  da  es  sich  ihm  darum  handelte,  dorch 
die  in  seinem  Werke  niedergelegten  Lehren  auch  auf  Künstler,  die  des  Lateioiscben 
nicht  mächtig  waren,  einen  praktischen  Einfluss  zu  üben ;  dies  geht  aus  der  Widmung 
an  Polia  und  Jener  des  Leonardo  Crasso  hervor. 

Neben  den  schönen ,  bereits  erwähnten  Initialen  bilden  den  eigentlichen  Haupt- 
schmuck des  Werkes  178  Holzschnitte,  von  denen  mehrere  in  BlattgrÖsse  sind.  Für 
den  Schöpfer  dieser  wundervollen  Arbeiten ,  welehe  das  Werk  noch  heute  als  die 
Perle  aller  illustrirten  Bücher  Italiens  während  der  Renaissance-Periode  gelten  lassen, 
wird  Jetzt  allgemein  Giovanni  BelUni  gehalten,  obgleich  auch  für  BenedeÜo  Montagna 
eine  Möglichkeit  vorhanden  wäre.  Die  Bewunderung  der  Kunstkenner  fnr  dieses 
liebenswürdige  Bildwerk  ging  indessen  früher  so  weit,  dass  man  einen  Raphael, 
Mantegna,  Botticelli  für  die  Meister  hielt  Eine  interessante  Studie  über  das  Werk 
hat  Albert  Ilg  unter  dem  Titel:  „üeber  den  kunsthistorischen  Werth  der  Hyneroto- 
machia  Poliphili,"  Wien  1873  veröffentlicht,  die  sich  neben  unserm  PoUphih  zur  Ein- 
sicht vorfindet. 

Das  vorliegende  Exemplar  ist  von  prächtigem  Ansehen ;  wie  auch  vielleicht  das 
einzige  ganz  wohl  erhaltene,  in  welchem  das  berühmte  ^Friapus -Bild*^  m'cA/ durch 
Ausschfieiden  oder  V eberpinseln  des  FhaUus  verstümmelt  wurde.  Als  Eigenthümlichkeit 
des  schönen  Druckes  in  runder  Schrift  sei  noch  angeführt,  dass  die  am  Schlüsse  be- 
findliche Jahrzahl  1499  in  ganz  besonderer  Schreibweise  durch  M .  ID .  ausgedrückt 
ist.    Hain  Nr.  6.S01.  — 


1495  bi6  1506. 

No.  656. 

^,*^oratitt0  cum  quattuor  cömentattje/^ 

Yenedig^  Benedictus  Fontana,  1495«     Folio-Forniat. 

Diese  Ausgabe  der  Werke  des  Boras  mit  den  Conunentarien  des  Manemelbts, 
Acron,  PorpAyrto  »und  Landinus  ist  der  erste  Druck  dieses  Typographen  und  Nach- 
druck der  im  Jahre  1492  von  Philippus  Pincius  edirten  Ausgabe.  Am  Schlüsse  des 
Werkes,  vor  dem  Register,  steht  Ort  und  Datirung;  der  Drucker  offenbart  sich  durch 
ein   eigenthümlicbes  Signet,   welches  einen  Brunnen   vorstellt,  in  dessen  Mitte  sich 


—    Venedig.    —  309 

«in  sprossender  Stamm  erhebt,  von  welchem  in  drei  Strahlen  das  Wasser  herahf&llt; 
zu  beiden  Seiten  dieser  Fontaine  befinden  sich  die  Initialen  B.  F.  Bis  auf  den 
gothischen  Titel  ist  das  Werk  in  Antiqua  gedruckt.  Hain  No.  8898,  ohne  Angabe 
Druckers.  — 


3ocobtt0  penriua  ht  ^ettd)o, 

1495  bi6  1523. 

No.  657. 

Baptista  Mantuanus:  „Parthenices". 

Tenedig^  Jacobus  de  Leucho,  1499«     Quart-Format. 

Diese  «Partheaices"  sind  Gedichte  zum  Lobe  der  Jungfrau  Maria.    Der  Verfasser 
war  ein  Carmeliter  und  lebte  im  IS.  Jahrhundert.    Hain  No.  2368.  — 


1496  bie  1507. 

No.  658. 

„MAfiSILU  Ficini  ||  Florentini  de   Chri||ftiana  religione  ||  ad 

Laurentiü  ||  Medicem  ||  opus  au||reum." 

Yenedig^^  Ottinus  Fapiensis,  1500.     Quart-Format. 
In  römischer  Schrift  gedruckt.    Der  Titel  steht  in  Spitzform  auf  dem  ersten 
Blatte.    Hain  No.  7070.  — 


Peter  |*ied)ten|leitt, 

1497  bi0  1522. 

<iessen  Vater  Hermann  Liechtenstein  wir  um  1497  gleichfalls  in 
Venedig  verliessen. 

No.  659. 

itAlmanad)  nouo  ||  plurimts  annie  Drntum  infrnttentia: 
^cr  II  ^oannF  ^toefflrrinu  «Sulltn^enfem  ||  t  ^acobum  |9|laumen 
Kimm,  II  ffj  accuratiffime  fupputata  ||  t  toti  fere  (Suropr  bfjr|| 

tra  fpbere  tpartita.*^ 
^jdanon  be  bomtbus  ||  celi  fabricanbta.^^ 

Venedig 5  Peter  Liechtenstein,  1607,     Quart-Format. 

Der  zweite  Titel  dieses  astronomischen  Werkchens  befindet  sich  auf  Blatt  17 
mit  der  Signatur  C  1.  Die  Ausgabe  ist  ein  Nachdruck  der  37  ersten  Blätter  des 
gössen  um  1499  bei  Johannes  Reger  in  Ulm  zuerstgedruckten  Werkes  des  j^Epheme- 


3IO  —    Venedig.     — 

riden\  Wir  werden  von  dieser  kostbaren  Ediiio  princeps  weiterhin  ein  Pracbtezem> 
plar  auliafähren  haben,  w&hrend  wir  unter  NwmJberg  den  Yoi^änger  Regiomonhixu» 
gleichfalls  in  der  Eddtio  princeps  von  1474  kennen  lernen  werden.  — 


No.  660. 

„Äacratiffime  ^|lrou0mif  |9tl)alfmft  ||  Jiber  biuerfarü  rrmm: 
Surm  pX'Wp.  (pc!)  ab  ^fri|ll)0tifm  filium  fuü :  ||  tractans 
cotnpenbtofr  br  bt-|luerfts  rebus:  t)t  l^abrtur  in  ||  tabula  qut 
ffl  in  princi-llpio  i(liu5  libri.  ||  M.  D.  Villi.  ||  JfflicibuJ 
^ptrift  probeat  in  ITucrm  ||  jDuctu  ^ctri  f ifd)tm(lein.^^ 

Tenedigr^   Peter  Liechtenstein,  1509.     Quart-Format. 

Panzer  fugt  obigem  Titel,  den  wir  vollständig  gaben,  in  Band  Till  Seite  398 
noch  hinzu :  , Yenetiis  per  Joh.  Bapt.  Sessa".  Es  scheint  also  dieser  der  Na<MrMier 
gewesen  zu  sein.  In  vorliegender  Ausgabe  ist  von  demselben  nichts  zu  finden. 
Das  seltene  Büchelchen  ist  von  Kästner  in  seiner  „Geschichte  der  Mathematik*  Bd. II. 
Seite  688  und  flg.  eingehender  behandelt.  — 


No.  661. 

^,3Miffale   \^m  rttum  et  orbinf  rccUlJie  biucep»  SFrilingrn/^ 

Venedig^  Peter  Liechtenstein,  1520.     Gross-Folio-Format 

Das  gänzliche  Schweigen  der  Bibliographen  von  diesem  prachtvollen  Missale 
fiVt  Freisinffen  kennzeichnet  seine  Seltenheit.  Es  ist  in  Druck  und  Ausstattong 
eines  der  schönsten  aller  existirenden  Chorbücher.  Zwei  grosse  Holzschnitte  von 
einem  anonymen  Künstler,  welche  beide  Seiten  des  Titels  bekleiden  und  wovon  der 
eine  das  bischöfliche  Wappen  von  Freisingen,  der  andere  die  Jungfrau  mit  dem 
Kinde  darstellt,  denen  von  einem  geistlichen  und  einem  weltlichen  Fürsten  gehuldigt 
wird,  sind  so  künstlerisch  vollendet,  dass  sie  recht  wohl  von  Dürer's  Meisterhand 
sein  konnten. 

Im  Uebrigen  ist  der  schone  roth  und  schwarze  Missaldruck  durch  eine  Menge 
herrlicher  Initiale  geziert,  von  denen  Jedes  einzelne  eine  figürliche  Bibeldarstellung 
in  zierlichster  Ausführung  aufweist;  wir  zählen  im  Ganzen  1G6  dieser  kleinen  und 
grossem  Zierrathe.  Die  Ausgabe  zählt  280  Blätter,  von  denen  11  unmmimerirt  und 
869  mit  arabischen  Zahlen  bezeichnet  sind;  am  Schlüsse  liest  man  in  rother Schriltr 
3lnno  1520  9tntt\\s  in  ^bibns  De]|tri  £te(t)ten|leitt.    3mp(nfts||  3oannU  ofnalt. 

Der  Letztere,  ein  Augsburger,  scheint  nicht  selbst  ausübender  Typograph  gevesen 
zu  sein,  da  er  nach  Panzer's  „Annales"  Band  VIII,  Seite  431  No.  797  undX,  Seite  45 
No.  998b  nur  weitere  zwei  Mal,  beim  „Breviarium  Frisingense*,  Venedig,  Pö^*' 
Liechtenstein  1516,  und  beim  „Breviarium  Saltzburgense",  Venedig,  Luca  Antonio  di 
Giunta,  1518  ebenfalls  als  0 eidmann  vorkommt;  wir  räumten  ihm  deshalb  einen 
eigenen  Platz  als  Buchdrucker  nicht  ein.  — 


—     Venedig.     —  ^U 

^lberttnu0  ht  ^ifom  1^erceUen|t0, 

1501  bi6  1505. 

No.  662. 
„Valerius Maximus  Cum  ComentoOliuerii  Arzi-||gnanenfis. .  .*' 

Yenedig^  Albertinus  de  Lisona,  1503.     Folio-Format. 
Ein  Nachdruck  der  Ausgabe  von  Benalius  de  Benaliis,  1188.  — 


1506  bis  1534. 

No.  663. 

,,?lld)abitiu5  cum  commento.  ||  llouitcr  Imprcffo.*^ 

Yenedig^  Melchior  Sessa,  J612.     Klein  Quart-Format. 

Mit   schonen   Holzschnitt  -  Initialen   und   astronomischen  Figuren    ausgestattete 
Ausgabe  dieses  Werkes,  mit  dem  Commentar  des  Johannes  de  Saxonia.  — 


1508  bis  1536. 

No.  664. 

Antonio  Tibaldeo:  „L'opere  d'Amore". 

Yenedigr^  Nicolaus  de  Aristotele,  1534.     Octav-Format. 

Der  Titel  steht  in  einer  Holzschnitt-Bordüre ;  hübsche  in  Cursiv-Schrift  gedruckte 
Ausgabe  dieses  Dichtwerkes.  — 


Unbekannter  ^rutker, 

um  1515. 

No.  665. 
JVLIVS  •  II  Dialogus  uiri  cuiu/piam  eruditi/simi^  feftiuusfane  |{ 
ac  eiegans,  quomodo  JVLIVS  •  II  •  P.  M,  pofi  ||  mortem^  ccßlifores 
pul/andOj  ah  ianitore  ||  illo  D,  Petro  intromitti  ne  quiuerit:  || . . . 

Yenedig^  circa  1515«     Octav-Format. 

Vergleiche  Ebert  No.  11007.  —  Der  Autor  dieser  oft  gedruckten  hasserfüllten 
Satire  auf  Papst  Julius  II,  ist  wohl  gewiss  Faustu»  Andrelinus  Foroliviensis,  welcher 
sich  in  der  ersten  Ausgabe  vom  Jahre  151S  auf  den  Titel  hinter  den  Initialen  F.  A.  F. 
versteckte:  denn  Ebert^s  Hypothese,  welche  Hleronymus  Balbi  als  Autor  in  Betracht 


312  —     Venedig.     — 

zieht ,  indem  er  diesem ,  einem  Todfeind  des  Faustus  Andrelinus,  zumuthet,  dass  er 
durch  Hinzusetzen  obiger  Initialen  die  Nachforschungen  des  angegriffenen  Theiieü 
habe  auf  Andreiini  leiten  wollen,  ist  doch  wohl  zu  weit  hergeholt 

Würde  sich  auch  Andreiini  des  Verdachtes  nicht  ebensowohl  öffentlich  entledigt 
haben,  wie  dieses  Erasmus  von  Roterdam  in  seinem  Hriefe  an  den  Cardinal  Laurentius 
Campegius  gethan,  als  man  dieselbe  Schrift  ihm  in  die  Schuhe  schob?  Dieser  interes- 
sante Brief  ist  in  der  Ausgabe  von  Hutteni  Opera  per  Ed.  liöcking,  Leipzig  1859 
aufgenommen  und  steht  dort  im  1.  liande  auf  Seite  265  und  folgenden.  ~ 


1515  bis  1550. 

Berühmter   Typograph   hebiäischer   Schriften,    der  zu  weseni- 
licher  Verbesserung  der  hebräischen  Typen  beigetragen  hat.  — 


„mTn  '^cTD-in  ntron" 

Biblia  hebraica. 

Venedig)  Daniel  Bomberg,  1545.     Quart-Format. 

Sehr  geschätzte  zweite  Ausgabe,  corrigirt  von  dem  gelehrten  Cbaja  Maier  Ben 
David,  und  mit  vorzüglichen  Typen  gedruckt.  Am  Schlüsse  mit  der  gleicbfall^ 
ho  räisch  gedruckten  Firma  und  Jahrzahl  5S0&=1.'S45;  übrigens  erschien  die  erste 
Ausgabe  nicht  1517,  wie  Bbert,  lirunet  und  Graesse  angeben,  sondern  nach  Jüdischer 
Zeitrechnung  im  Jahre  527^,  d.  i.  1018  nach  Christus.  Ebenso  irrthümlich  wurde 
die  vorliegende  Autlage  von  Jenen  in  das  Jahr  1.^44  gesetzt.  — 

Wir  haben  hier  zugleich  das  ehrwürdige  Hand -Exemplar  jfhilijip  Mektnek- 
thon's  vor  uns,  bereichert  durch  fünf  Seiten  Handschrift  desselben,  mit  Namen 
und  Jahrzahl  1646,    Ein  Bibliothek-Schatz  von  doppeltem  historischem  Wertbe.  — 


^ebf9  ^Ibi  5f  ^nbreaft  2:orrefattttft  be  ^|"ola. 

1517  bi»  1529. 

Nach  dem  Tode  des  Aldus  Manutiiis  im  Jahre  1516  setzte  sein 
Schwiegervater  Andreas  de  Asola  während  der  Minderjährigkeit  der 
Kinder  mit  seinen  Söhnen  Franciscus  und  Federicus  das  Geschäft 
bis  1529  f  jrt.  In  nächster  Jvummer  kommt  ein  Druck  aus  dieser 
Periode  vor. 

Als  Andreas  im  Jahre  1529  starb,  stellte  die  Officin  bis  1533 
ihre  Thätigkeit  ein,  und  erst  in  diesem  Jahre  nahmen  die  Söhne 
des  Aldus  und  des  Asola  gemeinsam  die  Arbeiten  ihrer  Väter  auf 
und  druckten  unter  Leitung  des  Paulus  Manutius,  dem  wir  später 
begegnen,   unter  der   Firma:    „/«  aedtbus  haeredum  Aldi  Manutii 


—     Venedig.     —  xi^ 

Romani  et  Andreae  Asolini  soceri**  bis  1540,  in  welchem  Jahre 
Paulus  die  Verbindung  mit  seinen  Vettern  aufhob  und  die  Druckerei 
mit  den  Brüdern  allein  fortsetzte.  — 


No.  B67. 

„M.  T.  CICERONIS  ORA-|,TIOx\VM  VOLVMEN  PRIMVM    Amstiiiusse: 

YENETIIS  IN  AEDIßVS  ALDI,  ||  ET  ANDREAE  SOCERI,  MENSE 

JANVARIO  •  I  M.  D.  XYIIH. 

Klein  Octav-Format. 

Schone  Aldine  in  Cursiv-Pruck  nud  hocbgeschätzte  von  Andreas  Naugeritts 
besorgte  Ausgabe,  welche  den  meisten  spateren  zur  Vorlage  gedient  hat.  In  gcschmack- 
Tollem  Original-Liederbande  von  voraügllcher  Erhaltung.  — 


jioljannfa  /ranci0ru0  ^  Joljannes  ^ntonitt0 

be  Mu6rombu0^ 

1522  bie  1524. 

No.  668. 

„PERISAVLI  II  FAVSTINI  TRADOCII  11  DE   HONESTO  APPETITV  •  || 

FAYSTINVS   TERDOOEOllDE   TRIVMPflO  STVLTITIAE- ||  ARIMINI 

TTPIS  HIERONYMI  |  SONCINI  ITERYM  OMNI  |;  DILIGENTIA 

EXCYSSA." 

Venedig^  Johannes  Franciscus  &  Johannes  Antonius  de  Rusconibus, 

1524«     Klein  Octav-Format. 

Obwohl  auf  obigem  Titel  das  Werkchen  als  Druck  des  Hieronymus  Soncinus  zu 
Ärimimiin  angegeben  ist,  befindet  sich   am  Ende  die  Bchlussschrift:    ^Impressum' 
Yenetüs  sub  IncUto  Principe  Andrea  Oriti  perlfJo.  Fraciscum  er  Jo.  Antoniuin  de 
Ruiconibus  Fratresl/M.  CCCCC  •  XXIIII.  Die.  VII.  Decembris'^.    Jedenfalls  ist  also 
die  Ausgabe  ein  Venediger  Nachdruck.  — 


/rancesro  Pnboni  vV  IHapljco  Pafini^ 

1524  biö  1543. 

No.  669. 

„LA  GRAMMATI  ;CA  YOLGARE  DI  M.  AL  iBERTO  DE  GLI  ACHA-;, 

RISI  DA  CEISTO." 

Yenedig^  Francesco  Bindoni  &  Mapheo  Pasini,  1543« 

Klein  Octav-Format. 

Höchst  seltenes  Buchelchen    von  16  Blättern  Umfang.    Die   älteste  italienische 
Grammatik.    Den  Bibliographen  blieb  diese  Erstlings-Ausgabe  ganz  unbekannt.  — 


314  —     Venedig.     — 

Hirolatts  ^icoUni  be  jSfabio, 

um  1534. 

No.  670. 

Henricus  Glareanus:   „De  Geographia  über  unus"» 

Tenedig^  Nicolaus  de  Sabio,  1534.     Octav-Format. 
Unbekannte  Aasgabe  eines  Typographen,  der  höchst  selten  vorkommt.  — 


Paulus  jllanutius 

unter  der  Firma 

„apud  Aldi  filios" 


oder 

„apud  Paulum  Manutium  Aldi  filium". 

1540  bi6  1562. 

No.  671. 
„C.  PLINII  SECVNDI  ||  NATVRALIS  fllSTOEIAB  ||  LIBRI  TMGINTA- 
SEPTEM,  II  A   Paulo  Manutio    multis    in    locis  ||  emendati.  f 
Custigat.ones  Sigismvndi  \\  Gelenii.  ||  INDEX PLENISSIMVS. 

VENETIIS,  Apud  Paulum  Manutium,  Aldi  F.  ||  MDLIX." 

Folio-Format. 
Der  Index  hat  die  Datimng  vom  Jahre  1558.  Die  Ausgabe  ist  nach  Ebert  blos 
ein  incorrecter  Nachdruck  der  Lyoner  von  1548,  welche  letztere  wiederum  Nachdruck 
der  Baseler  vom  Jahre  1589  aus  der  Officin  Proben's  ist.  Ein  Nachdruck  der  vo^ 
liegenden  ist  schliesslich  noch  die  Ausgabe  von  Hieronymus  Scotus,  Venedig  1571' 
Nachdruck  und  kein  Ende!  Der  Original -Schweinslederband  vom  Jahre  1567  mit 
reizenden  Ornamenten  ist  Original.  — 


Peter  jSfd)5fer  junior  tion  piain?, 

um  1540. 

Unser  Bekannter  von  Mainz  her,  der  Zweitälteste  Sohn  des 
alten  Peter  Schöffer,  den  wir  als  Wandervogel  nunmehr  in  Venedig 
finden.  Unter  Mainz  und  Strassburg  ist  Mehreres  über  ihn  gesagt 
worden.  — 

No.  672. 
„VVÜLGATA  II  AEDITIO  VETERIS  AC  ||  NOVI  TESTAMENTI,  QTO- 
EVM  II  alterum  ad  Hebraicam,  alterum  ad  Grsecam  ueritatem 


—    Venedig.     —  ßic 

emen-|  datum  eft  diligentifsime  .  . .  ||  AVTHORE  ISIDORO  CLARIO 
BKIXIA-PO  MONACHO  CASINATE.  ;|  Venctijs,  apud  Peirum 
Sch(Bffery  Magun'\pnum  Germanum.     Anno  ||  M,  D,  KLIL'^ 

Folio-Format. 

Den  Titel  dieser  lateinischen  Bibel  umgiebt  eine  schöne,  aus  9  biblischen  Dar- 
stellungen bestehende  Holzschnittbordüre.     Die  Schrift  ist  Antiqua  und  Cursiv.  — 


No.  673. 

„MIMVN!  [DI  LVLU  MAIO -  |RICI  PHILOSOPfll  ||  acutifsimi ,  medi- 
ciq3  celeberri-|  mi  De  fecretis  naturae  ||  fiue  Quinta  effen- 
tia  II  libri  duo,  |[  His  acce/ferunt,  \\  ALBERTI  MAGNI  ||  fummi 
pliilofophi,  De  mineralibus  &  ||  rebus  metallicis  libri  ||  quin- 
que.  II  Quae  omnia  folerti  cura  repurgata  rerum  natuise  | 
ftudiofis  recens  publicata  funt  per  magi-||ftrum  Gualtherum 
H.  Ryff,  II  Argentinenfem  ||  Medicum.  ||  Venetijs  apudPetruvi 
Schceffer  |[  Germanum  Äfaguniinum,  ||  Anno  ||  M,  D,  XLIIJ''' 

Klein  Octav-Format. 

Hübsche  Ausgabe  der  Schrift  des  Raimiindus  ImUus  »über  die  Geheimnisse  der 
Natur*,  und  der  Abhandlung  des  Albertus  von  Bollstädt  ^über  Mineralien  und  Metalle", 
in  Cursiv-Druck.  Auf  der  Kehrseite  des  Schlussblattes  steht:  „Venundantur  Yeneitjs 
apud  Jo.  Baptistam  \\  sub  insigm'o  Turris'* ;  darüber  das  Signet  dieses  Verlegers, 
bie  Venediger  Drucke  des  Peter  Schöffer  Junior  sind  eben  so  selten,  wie  diejenigen 
von  Mainz,  Worms  und  Strassburg.  — 


dabriel  (Siolito  M  /rrrara, 

lim  1549. 

No.  674. 

OPERA  DI  M.  II  FRANCESCO  PE-|  TRARCA,  1|  DE  RIMEDI  DE  ||  L'YNA 
ET  L'ALTRA  ||  FORTYNA,  ||  ADAZONE,  TRADOTTA  1|  PER  REMIGIO  || 

FIORENTINO. 
IN  YINETIA  APPRESSO  GABRIEL  ||  GIOLITO  DI  FERRARU. ,  |  MDXLIX- 

2  Bändchen.     Klein  Octav-Format. 

Die  beiden  Bücher  des  Petrarca  »^om  Tröste  im  Glück  und  im  Unglück".  Hübscher 
Cursiv-Druck.  — 


■»> 


l6  —     Venedig.     — 


vicUcicbt  23omberg  in  t)cncöig» 

No.  675. 

(tbronit  t>on  3ofepl?  Kobn ,  Kabbi. 

Yenedig.     1554.     Octav-Format. 

Diese  kleine  hebräische  Chronik  enthält  auch  die  interessante  Nachricht  von 
einem  angeblich  14iiS  gedruckten  Buche.  Obwohl  dies  lediglich  von  einem  Ikuck- 
J'fhler  in  der  Jahrzahl  herrührte,  wie  sie  unsere  Sammlung  an  noch  viel  komischeren 
Jieispielen  nachweist,  setzten  doch  die  Holländer  auf  diese  Nachricht  hin  die  Erfin- 
dung der  Hudkdruckerkunsi  schleunigst  von  1440  auf  14i28  zurück,  wo  natürlich 
wiederum  die  Herren  Holländer  die  grosse  Erfindung  gemacht  haben  mussten!  Die 
Nachricht  von  jenem  angeblich  1428  gedruckten  Buche  befindet  sich  —  natürlich 
von  hinten  gezählt,  wo  jedes  hebräische  Buch  beginnt  —  auf  der  ersten  Seite  von 
Blatt  89  unten  am  Schlüsse.  — 


Paulus  (iljevarbo^ 

um  1557. 

No.  «76. 
„LE  KICCHEZZE  DELLA  LINGVA  ||  VOLGAßE  SOPBA  IL  BOCCACCIO  I 

dt  M.  France  fco  Alunno  da  Ferrara   .   .   . 

IN  VINEGIA  PER  PAVLO  GHERAßDO.    M.  B.  LVH." 

Quart-Format. 
Der  Kciohthum   und  die   Feinheiten   der  Sprache  des   Boccaccio  erscheinen  in 
diesem  Wörterbuche  systematisch  gesammelt.    Die  Ausgabe  ist  in  Cursiv  gedruckt 
und    zeigt   auf   dem  Titel  das   feine   Holzschnitt  -  Porträt  des  Verfassers  Francesco 
Alunno.  — 


liicolauB  jBföilaqua, 

um  1561. 

No.  677. 
„ELVCIDAEIO  II  POETICO,  |  Nel  quäle  fono  contenute  le  Hißorie, 

Fauole,  Ifole^  \\  Regioni,  Cittä^  Fiumi^  cT  i  Monti  piu  famofi 
con  jj  altre  cofe  di  quefta  maniera:  opera  necef/aria  ä  tutti 
gli  ftudiofi  di  Poefia,  \\  RACCOLTO  PER  HERMANO  |  TOßßEÜ- 
IINO,  |Et  di  Latino  Atadotto  (sie!)  in  volgare  ||  DA  M.  OBA- 

TIÖ  TOSCANELLA. 
IN  VENETIA,  Appreffo  Nicolo  Beuilacqua,  MDLXI." 

Klein  Octav-Format 
Es   ist   dies   eine    italienische  Uebersotzung   der   zuerst   in   lateinischer  Sprache 
herausgegebenen  Terminologie  für  das  Studium  classiseher  Poesien.     Der  Erste,  der 
■das  brauchbare  Werkchen  druckte,  war  Johann  Pri/ss  in  Strassburg  um  1504-  — 


—     Venedig.     —  ^ij 

um  1568. 

No.  678. 

„TENORB  II  DI  CIPRIANO  DE  RüRE  |!  IL  QVINTO  LIBRO  DI  MADRI» 

GALIliA  CINQVE   YOCI  INSIBME  ALCVNI  DE  DIVBRSI  ||  Autori 

Nouamente  per  Antonio  Gardano  Con  noua  gionta 

Riftampato. 
In  Venetia  Appreffo  di  ||  Antonio  Gardano.  ||  1568/^ 

Quer  Quart-Format. 

Höchst  seltene  Ausgabe  des  fünften  Buches  der  Madrigalen  des  Ciprian  de  Rore^ 
welche  selbst  Fetts  ^  der  Director  des  Königlichen  Conservatoriums  für  Musik  zu 
Brüssel,  in  seiner  berühmten  Sammlung,  welche  über  73U0  musikalische  Werke  um- 
fasst,  nicht  besass;  er  hatte  nur  die  spätere  Ausgabe  von  1574.  Leider  ist  unser 
Exemplar  auch  nur  ein  Theil  des  ganzen  Werkes.  — 

Mit  diesem  seltenen  Drucke  schliesseu  wir  —  genau  100  Jahre  nach  Ein/iüirtmg 
der  Buehdrueher/cunst  in  Venedig  —  die  Uebersicht  der  altern  Venediger  Typo- 
graphen,  soweit  sie  mit  besonders  interessanten  und  seltenen  Druckwerken  in  tmserer 
Sammlung  vertreten  sind.  — 


ScöfußOemerfumflpn  ju  TJenebig. 

Bei  der  ungeheuren  Menge  von  Druckereien,  welche  sich 
bald  nach  Bekanntwerden  der  Kunst  gerade  in  Venedig,  dem 
Hanpthandelsplatz  Italiens,  etablirten,  müssen  wir  es  uns  versagen, 
ein  annähernd  vollständiges  Verzeichniss  der  Dnickfirmen  dieser 
Stadt  zu  geben,  von  denen  Panzer  bis  zum  Jahre  1Ö3H  allein 
circa  300  verschiedene  aufgeführt  hat. 

Die  von  uns  getroffene  Auswahl  bedeutender  und  besonders 
typographisch  interessanter  Druckwerke,  in  welchen  sich  über  ÖO 
verschiedene  Druckereien  Venediges  bethätigten,  wird  dessenun- 
geachtet ein  reiches  Bild  von  der  auch  qualitativ  hervorragenden 
Productivität  der  Lagunenstadt  auf  typographischem  Gebiete  zu 
geben  im  Stande  sein. 

Im  Rückblicke  auf  die  grossartigen  Erfolge,  welche  hier  die 
Kunst  errungen,  dürfen  wir  es  mit  um  so  grösserem  Stolz  betrachten, 
dass  auch  hier  wie  in  Rom  und  in  fast  allen  bedeutendsten  Plätzen 
der  'Welt  es  d>e%I^SChe  Künstler  waren,  welche  als  Schüler  der 
dentschen  Geburtsstätte  der  grossen  Erfindung  die  Kunst  zuerst  ein- 
geführt und  verbreitet  haben.  — 


3i8  —    Mailand.     — 

—  Mediolani.  — 


1469  bis  1489. 

Dieser,  durch  eine  Reihe  schöner  Druckwerke  ausgezeichnete 
Typograph  war  als  solcher  der  erste  Mailands,  welcher  sich  auch 
in  den  Schlussschriften  der  von  ihm  gedruckten  Werke  mehrfach 
selbst  als  solcher  kennzeichnete.   — 


No.  679. 

-^,5^0mma  pacipca  a  pa  Srattato  brUa  5cienja  ii  cottfe|[arf*^ 

Mailand^  Philipp  de  Lavagnia,  1479.     Octav-Format. 

Ausgezeichnet  schöner  Druck  mit  einer  Type,  deren  Majuskeln  r5miscb,  deren 
Minuskeln  aber  gothish  sind.  Panzer  und  Hain  No.  12259  haben  das  Werk  aufgeführt 
aber  nicht  gesehen.  Es  enthält  248  Blätter  mit  Signaturen  und  SO  Zeilen  auf  der 
-vollen  Seite.    Der  Anfang  lautet: 

, JESVMARIA.  II  EL  TITVLO.  |l  El  nome  be  Ctjrldo  Jeftt  e  U  la  foa  pifl||Motre 
Virgine  be  tntte  grotie  mtbiatrice  jj  Maria  biamante :  commencta  el  prologo  ||  in  la  \t^m\t 
4)|iereta  Mcta  Samnia  l|0  ne-üro  SnnKto  lie  paciflca  confdnttia:  cöpofla  ||  »tl  tniio  bei 
Sigttore  14'73.  Lotitio  2°.  lielyontifi  ||  cato  bH  Beatintmo  Siflo  papa .  4o.''  Blatt  88  verso 
schliesst:  ,,beffo  mcfe/'  Blatt  39  ist  leer.  Blatt  40  beginnt:  „Di  raiicti  P(|Uill|0  ^ 
Jocobo  majore:*' 

Die  Schlussschrift,  in  welcher  sich  der  Drucker  nennt,  ist  latetnisdi  abgetost, 
obwohl  das  ganze  Werk  in  italienischer  Sprache  geschrieben  und  gedruckt  ist. 
Hains  Wiedergabe  derselben  ist  nicht  ganz  richtig;  auch  steht  sie  im  Buche  hinttr 
dem  italienischen  Epigramm,  nicht  vor  demselben.  — 


1470  bi6  1497. 

No.  680. 

Marcus  TuUius  Cicero:  „Orationes". 

Mailand,  Antonius  Zarotus,  circa  1474.     Gross  Folio-Format 

Diese  schöne  Ausgabe  ohne  Drnckfirma  und  Datirung  ist  nach  BroBet  I 
Columne  86  mit  der  Type  des  „Livius"  von  Antonius  Zarotua  1480  gedruckt,  und 
wir  können  dies  nur  dadurch  bestätigen,  dass  auch  mit  der  in  Folgendem  auf- 
geführten Ausgabe  der  „Officia«  vom  Jahre  1476  mit  Firma  des  Zaroius  die  Typen 
übereinstimmen. 


—     Mailand.     — 


319 


Ebert  sagt  in  seiner  „Geschichte  und  Beschreibung  der  Königlichen  Bibliothek 
in  Dresden*'  Seite  158,  dass  von  dieser  Ausgabe  der  Reden  Cicero's  ausser  dem 
Dresdener  Exemplare  nur  das  in  der  Lord  Spencer^schen  Bibliothek  befindliche 
bekannt  sei. 

Vorliegendes  Exemplar  ist  also  das  dritte  bekannte.  Bei  ihrer  grossen 
Seltenheit  lionnte  auch  Hain  die  Ausgabe  nicht  selbst  sehen;  so  passirte  es  ihm 
denn,  dass  er  sie  unter  zwei  verschiedenen  Nummern  —  5119  &  5180  —  anführt, 
das  eine  Mal  ohne  die  Druckfirma.  Der  reichomamentirte  Einband  vom  Jahre  1556 
ist  von  Schweinsleder  und  mit  Messingbuckeln  versehen.  — 


No.  681. 

Ciceronis  „Officia,  Paradoxa,  de  Amicitia,  de  Senectute". 

Mailandy  Antonius  Zarotus,  1476«     Hoch  Quart-Format. 

Seltene  und  wenig  bekannte  Ausgabe,  am  Schlüsse  der  , Paradoxa"  mit  voll- 
standiger  Firma  und  Jahrzahl  versehen  und  mit  denselben  Typen  wie  die  undatirten 
Orationes  unter  voriger  Nummer  gedruckt.  Das  Format  ist  nicht  Folio,  wie  die 
Bibliographen  angeben,  sondern  nach  den  Wasserzeichen  Quart.  Auch  Hain  No.  5845 
hat  die  seltene  Ausgabe  nieht  gesehen;  sie  enthält  84  Blätter  mit  Signaturen  und 
85—86  Zeilen  auf  der  vollen  Seite.     Die  Schlussschrift  lautet: 

„Volumen  hoc  in  quo  continentur  libri  tres  officioB/.  Liber  de  I|  senectute. 
Liber  de  amicicia  :  &  paradoxa.  M.  Tulii  Ciceronis  ||  Impressit  Mediolani  Antonius 
Zarotus  parmensis.    1176.  ||  13  ksQlen  Nouembres.**  — 

Angebunden  ist  eine  höchst  seltene,  nur  Hain  bekannte,  von  ihm  unter  No.  14187 
beschriebene  Ausgabe  des  Sallust  ohne  Druckfirma  und  Jahrzahl,  welche  dem 
Hermann  Lichtenstein  in  Vicenza  zukommt,  der  dort  mit  gleichen  Typen  die  Epistolae 
des  Cicero  vom  Jahre  1479  druckte,  wie  wir  es  weiterhin  ausführlicher  begründen 
werden.  — 


1474  big  1484. 

Dieser  deutsche  Typograph  druckte  bereits  1470  &  1471  in 
Venedig.  Er  schrieb  sich  auch  Valdarpher,  Baldarfer  und  Valdafer; 
häufig  auch  nennt  er  sich  nur  kurz  Christophorus  Ratispovensis, 
50  auch  in  folgender  Nummer.  — 


No.  682. 

^rnolbwö  be  WxM  ISoua:  ,,1@rftiianum  practicac  larbtcinae^^ 

Mailand^  Chiistoph  Valdarfer,  1483.     Folio-Format. 

Es   ist  dies  die  erste  Ausgabe  des  „Handbuches  der  praktischen  Medicin"  von 
Amoldus  de  Yiilanova  und  von  grosser  Seltenheit.    Hain  No.  1800.  — 


No.  683. 

1fertI;ol0maribf(Cf|atmi0,)^ntfrro9atoriwm|!tif€anfff|i(malf^^ 

Mailand,  Christoph  Valdarfer,  circa  1480«     Quart-Format. 

Dieses  oft  aufgelegte  Werk  lernten  wir  schon  unter  Mainz  No.  87  und  Venedig 
No.  609  kennen.    Das  vorliegende  £xemplar  stammt  aus  Bamheim*s  Sammlung,  der 


320 


Mailand.     — 


hierüber  schreibt,  dass  diese  nur  von  Hain  unter  No.  24.79  aufgeführte  Ausgabe 
y,enttc€der  von  Yaldarfer  in  Mailand  selbst,  oder  —  wahrscheinlicher  —  von  einem 
andern  Drucker,  anscheinend  in  Strassburg,  der  datirten  Ausgabe  Yaldarfer's  Toa 
1474  nachgedruckt  sei,  und  zwar  mit  Etns^hluss  der  Valdarfer^schen,  ihn  als  Drucker 
bezeichnenden  Distichen  am  Ende",  die  übrigens  in  fast  allen  existirenden  Ausgaben 
nachgedruckt  sind.  Wir  haben  unter  Strassburg  Seite  105  und  106  die  hieraus 
gefolgerten  falschen  Schlüsse  bezüglich  mehrerer  anonymen  Drucke  schon  berührt. 
Die  letzten  anderthalb  Distichen  sind  in  diesem  Nachdrucke  weggeblieben. 
Indessen  können  wir  der  Ansicht  Barnheim's,  insofern  zumal  Strassburg  als  Druckort 
in  Betracht  gezogen  wird,  nicht  zustimmen;  die  Typen  haben  einen  durchajs  fremd- 
artigen Zug,  aus  welchem  wir  viel  eher  den  Baseler  Ductus  herauserkennen  würden. 
Jedoch  vermöchten  wir  auch  keinem  bestimmten  Baseler  Drucker  das  Werk  zu 
vindiciren,  indem  immerhin  grosse  Aehnlichkeiten  dazu  nicht  ausreichen  —  und  so 
möge  der  Druck  vorläufig  dem  Typographen  verbleiben,  dessen  Namen  er  auj- 
neist.  — 


pomitticu0  öe  l^efpolate^ 

1476  bi6  1478, 

1477  nnb  1478. 

No.  684. 

?3artl)0lamafu5  be  (Cf|ai)mt5:  ^^Ji^nterrogatartum  ptie  €on- 

fffponale^ 

Mailand^  Dominicus  de  Vespolate  &  Jacobus  de  Marliano,  1478» 

Klein  Octav-Format 
Abermals  eine  Ausgabe  des  bekannten  Beichtbuches.  Seltener  und  interessanter 
Druck.  Dae  höchst  originelle  gothische  Alphabet,  das  sich  darin  findet,  mit  gant 
eigenthümlichen  Zügen  in  den  Majuskel-Charakteren  steht  in  seiner  Art  ganz  einzig 
da,  so  dass  man  die  Schrift  aus  Tausenden  herauserkennen  würde;  um  so  auf- 
fallender ist  es,  dieselbe  originelle  Schriftgattung  noch  in  einer  andern  Druckerei 
wiederzufinden  und  zwar  in  den  scrupulösesten  Einzelheiten  so  übereinstimmeod, 
dass  man  im  ersten  Augenblicke  glaubt,  die  gleiche  Type  vor  sich  zu  haben. 
Letzteres  ist  Jedoch  nicht  der  Fall;  denn  die  Type  der  Druckerei  des  Attgustmer- 
Klosters  jeru  Nürnberg,  welche  diese  italienische  Schriftgattung  Jedenfalls  nachgebildet 
hat,  ist  bei  genauerer  Untersuchung  etwas  kleiner  als  die  letztere.    Hain  No.  t484.  ^ 


1478  bie  1520. 

Man  vergleiche  weiterhin  das  über  den  Dracker  Leonardas  Vegiui 
Gesagte,  der,  wie  wir  bewiesen,  ein  Schwiegersohn  des  Minutj^tftf*^ 
war  und  mit  denselben  Typen  druckte.  — 


— «     Mailand.     — 


321 


No.  685. 
INH0CVOLyMINBflAECCONTINENTÜR.||C.  Plinii  Secundi  epifto- 

larum  libri  nouem,  ||  Eiufdem  Plinii  libellus  epiftolarum  ad 

Traianum  cum  refcriptis  eiufdem  principis  ||  Eiufdem  panagy- 

ricus   Traiano    Caefari    dictus    cü    enarrationibus    Joannis 

Marig  Catanaei." 

Mailand  9  Alexander  Minutianus,  1506«     Folio-Format. 

Erste  und  seltene,  irenn  auch  incorrecte  Ausgabe  dieses  Commentars  der  Briefe 
des  Plinius.  In  römischer  Schrift  von  zwei  Grossen  gedruclit  Der  obige  Titel  steht 
auf  dem  letzten  Blatte  verso,  während  recto  die  Druclifirma  und  Datirung  zu 
finden  ist.  —  

No.  686. 
„Epiftolse  &  Commentarii   Jacobi   Pico  ||  lomini    Cardinalis 

Papienfis." 

Mailand^  Alexander  Minutianus,  1506«     Folio-Format. 
Erste  Ausgabe  der  Briefe  des  Cardinal^s  Piceolomini.    Schoner  Antiqua-Druck.  — 


Paulu0  öe  3uarM0, 

1480  biö  1482. 

No.  687. 

i^^tatttta  rnminalia  löfbiolani.** 

Mailand^  Paulus  de  Suardis,  14S2«     Folio-Format. 

Diese  „Ordnungen  für  Mailand'  sind  der  einzige  bekannte  Druck  dieses  Topo- 
graphen, welchen  derselbe  mindestens  schon  1480  begonnen,  da  die  Schlussschrift 
diese  Jahrzahl  aufweist,  während  am  Ende  des  Registers  die  Jahrzabl  1482  an- 
gegeben ist,  die  jedenfalls  den  Zeitpunkt  seiner  Vollendung  anzeigt. 

Hain  hat  die  seltene  Ausgabe  nicht  selbst  sehen  können;  wir  fügen  seicer 
Beschreibung  unter  No.  15009,  die  einen  Fehler  enthält,  indem  er  die  Jahrzahl 
MCCCCLXXXXII  statt  Mcccclx^xij  schreibt,  noch  hinzu,  dass  sie  im  Ganzen 
349  Blatter  mit  Signaturen  umfasst,  von  denen  14  das  in  zwei  Columnen  gedruckte 
Register  bilden.  Die  Zeilenzahl  ist  nicht  gut  anzugeben,  da  kaum  eine  Seite  voll 
bedruckt,  sondern  von  Zwischenräumen,  in  denen  die  rothgedruokten  Titel  stehen, 
häufig  unterbrochen  ist.  — 


von  1480  bi6  1493  gemcinfcbaftltd?. 

No.  688. 

Cornelii  Nepotis  „Liber  de  virorum  excellentium  vita". 

Mailand^   Scinzenzeler  &  Pachel,  circa  14S1«     Quart-Format. 

Dieses  Buch   der  „Lebensbeschreibungen  ausgezeichneter  Mänrer*'  des  Cornelius 
Nepos  ist  vielfach  dem  Aemilius  Probus  zugeschrieben  worden,  da  dieser  das  Werk 

21 


322 


—    Mailand.     — 


abgeschrieben  und  sieb  deshalb  auf  zweideutige  Art  „den  üriieber"  desselben 
genannt  hat. 

Die  Torliegende  Ausgabe  ist  von  ;  den^'iHeransgeber  Petrus  Comenis  dem 
J%eodoru8  Fiattts,  heraogliohen  Rath  in  Mailand,  gewidmet  und  enthalt  die  Biographien 
von  zwanzig  griechischen  Helden  und  die  Lebensgeschichten  des  Hamilcar,  Hannibal 
und  des  Atticus  Pomponius.  Den  Schluss  bilden  ein  Brief  des  Jacobus  Beduim 
und  des  Frandaeus  FhiMphus,  acht  Distichen  des  Petras  Comerus  und  deren  ivei, 
sämmtlich  an  Theodoms  Platas  gerichtet.  Der  Brief  des  Frandscus  Philelphus 
scbliesst  mit  den  Worten :  „JUediolani  ex  aed»b9  nostris  .  mV .  nonas  Januarias.'^ 

Man  hat  diese  Ausgabe  —  vergleiche  Hain  No.  6781  —  vor  1496  gesetzt,  veil 
dieses  das  Todesjahr  des  Plahts  ist;  aber  wir  werden  nicht  fehlgehen,  wenn  wir 
den  Druck  bedeutend  früher  datiren ,  da  im  Jahre  1480  bereits  der  Gelehrte  Frandscas 
Philelphus  starb ,  und  sein  Brief  an  Flatus  daher  mindestens  von  diesem  Jahre  sein 
mass ;  der  Druck  des  Werkes  aber  sp&testens  wohl  in  1481  fallen  wird,  imd  jedenCiil» 
der  OfGcin  der  Scinzenzeler  &  Pachel  entstammt.  — 


1483  bis  1489. 

Ein  Drucker,  der  sehr  selten  vorkommt  und  später  in  Pavia 
thätig  war.  — 

No.  689. 

„Vita  de  sancta  Catherina  Senese." 

Mailand  5  Johannes  Antonius  de  Honate,  1489«     Quart-Format 

Sehr  seltene  italienische  Incunabel,  die  Hiün  Now  4698  nicht  gesehen  htt  Sie 
ist  in  2  Columnen  und  86  Zeilen  mit  gothischer  Schrift  gedruckt  und  endialt 
152  Blätter,  von  denen  das  erste  leer  ist.  Die  Signatur  beginnt  auf  dem  driÜm 
Blatte  mit  a  3.  — 


1494  bi6  1500  aUcin. 

No.  690. 

3Micl)aelt0  bc  Cardjano:   ^i^ermonarium  be  cammenbationt 
otrttttum  et  reprobationc  tlicionlm^^ 

Mailaild5  Ulrich  Scinzenzeler,  1495.     Quart-Format. 

Dieses  Predigtbuch  ist  mit  einer  hübschen  gothischen  Type  gedrueict  und  bat 
am  Schlüsse  die  Firma  und  Datirung.  Man  kennt  nur  diese  eine  Ausgabe  dea 
15.  Jahrhunderts.    Hain  No.  4505.  — 


—     Mailand.     — 


323 


^  lüenelitctus  JÜtangtud^ 

1499. 

Diese  drei  Männer  führten  zu  Mailand  nur  einen  einzigen  Druck 
aus,  während  Bissolus  und  Mangius  bereits  1498  zu  Venedig  im 
Vereine  mit  Bartholomaeus  Justinopolitanus  und  Gabriel  Brasichellen- 
sis  die  Editio  princeps  von  Phalaridis  Apollonii  et  Bruti  Epistolae 
gedruckt  hatten,  ein  kleines  Werkchen  von  58  Blättern.  Benedictus 
Mangius  kommt  noch  im  Jahre  1501  zu  üeffffio  in  Modena  vor, 
während  Chalcondylus  und  Bissolus  vom  Schauplatze  verschwinden.  — 


No.  691. 

Suidae  „Lexicon  Graecum". 

Mailand,  Chalcondylus,  Bissolus  Sc  Mangius,  1499«    Folio-Format. 

Erste  und  prachtvolle  Ausgabe  dieses  griechischen  Lexikon^s,  herausgegeben  von 
Demetrius  Chalcondylus.  Ebert  hat  sie  umständlich  unter  No.  21975  beschrieben. 
Hain  No.  15135.  — 


1506  bies  1523. 

Panzer  führt  diesen  Drucker  nur  bis  15 21  auf,  indessen  beweist 
die  folgende  von  keinem  Bibliographen  erwähnte  Ausgabe  dier 
„Bucolica"  des  Virgil,  dass  er  bis  1523  gedruckt  hat.  — 


Xo.  692. 

„?iuC0lica:  II  CVM  COMMENTO  FAMI  II  LIARI  DISCENTIBYS  || 

QVAMVTILISIMO." 
Mailandy  Johannes  de  Castelliono,  1523«     Quart-Format. 

r)ie  vorliegende  Ausgabe  der  Bucolica  mit  dem  Torrentinischen  Commentar  ist 
den  Bibliographen  gänzlich  unbekannt.  Das  erste  Wort  des  obigen  Titels  ist  mit 
überaus  grossen  gothischen  Buchstaben  gedruckt.  Unter  dem  Titel  zeigt  sich  die 
Verlegermarke  von  Johannes  Jacobus  et  Fraires  de  Legnano. 

Die  Ausgabe  hat  4  ungezählte  und  46  gezahlte  Blatter,  die  Jedoch  mit  ^L  8 
bis  ^ol.  4*7  numerirt  sind.  Die  Schlussschrift  lautet:  „Impressum  Mediolani 
per  Joanne  de  Castelliono  ad  In||stantiam  Jo«  Jacob!  &  Fratres  de  Legnano^ 
M.  jl  D.  XXIII.     Die  .  yi  .  Mensis  Augusti.«     Römische  Schrift.  — 


21 


ß24  —    Mailand.     — 

1507  biß  1515. 

Dieser  Typgraph  ist,  was  man  bisher  noch  nicht  wusste,  der 
Schwiegersohn  des  Alexander  Minutianus,  den  wir  auf  Seite  320 
anführten.  Bewiesen  wird  dies  durch  die  Aufj^abe  des  Valerius 
Maximus  von  1513,  die  wir  in  nächster  Nummer  mit  Anführung  der 
Beweisstelle  beschreiben.  — 


No.  693. 

„^alcrü  IHairimi  opu0  cü  ?9ltufrU  cammentarUa.  .  .  .^^ 

Mailand^  Leonardus  Vegius,  1513.     Folio-Format. 

Seltene  Ausgabe  und  die  erste,  welche  den  Commentar  des  Oliverius  unverstäic- 
melt  enthält.  Hie  umfasst  6  ungezählte,  165  genLhlte  Bl&tter  und  1  Blatt  Register. 
Angehängt  ist  auf  97  gezählten  Blättern  nebst  1  Blatt  Tabula  des  JODOCI  BADII 
A8CENSII  PAMILIARI8  VA.  MAXIMI  EXPOSITIO,  welche  aus  der  Ascensian« 
von  1510  herübergenommen  ist.  Auf  dem  Titel  befindet  sich  das  Signet  des  Coloer 
Verlegers  Ludteig  Hornken  mit  dem  Wappen  von  Coln. 

Dieses  ist  nicht  in  allen  Exemplaren;  auch  Panzer  VII  pag.  89S  No.  127  besass 
selbst  eines  ohne  das  Wappen.  In  den  von  Brunet  und  Ebert  sehr  mangelhaft  ge- 
lieferten Verzeichnissen  der  Ausgaben  des  Valerius  Maximus  fehlt  auch  die  vorliegende. 
Das  beste  Verzeichniss  giebt  Graesse,  Tr6sor  VI,  pag.  242  ss,  der  zwar  bei  der  vor- 
liegenden den  Cölner  Ludwig  Hornken  irrthnmlich  nach  Basel  versetzt  und  auch  die 
Registerblätter  nicht  anführt.  Jedenfalls  irregeleitet  durch  ein  incompletes  Exemplar 

Der  Herausgeber  der  Ausgabe  ist  Antonius  Moretus.  Auf  der  Kehrseite  des 
Titelblattes  befindet  sich  nach  einem  Schreiben  des  Oliverius  an  Moretus,  datirt  von 
Vicenz  1492,  ein  zweites  des  Moretus  an  Alexander  MinutianuSt  den  gelehrten 
Mailänder  Buchdrucker.  Hierdurch  erfahren  wir,  dass  Leonardus  Tegius,  Dmcker 
vorliegender  Ausgabe,  der  Eidam  des  Minutianus  gewesen  ist;  denn  Moretus  schreibt: 
nCVm  proxime  Mediolam  essetn:  mecuqz  de  re  libraria  uerba  faceres,  dixüti 
Jjeonardum  generum  tuutn  a  nö  nulb's  bibliopolis  effla^/itari  Yaleriwn  ot 
OUuerii  cömentariis  suis  opißcibus  imprimendwn  traderef^ 

Diese  Entdeckung  ergänzend  ist  der  Umstand,  dass  die  römischen  Charactere 
von  zweierlei  Grosse,  mit  denen  diese  Ausgabe  hergestellt  ist,  sich  gleichfalls  in 
dem  unter  No.  685  beschriebenen  Drucke  des  Alexander  Minutianus  vorfinden.  — 


No.  694. 

La  Divina    Comedia  di  Dante, 

Mailand,  Ulrico  Hoepli,  IS 7  8. 

Diese  mikroskopische  Dante -Ausgale,  welche  circa  .'',5  und  2,5  cm  gross  ist, 
erregte  als  das  kleinste  Buch  der  Welt  (welches  es  aber  nicht  ist)  Aufsehen  aof 
der  Pariser  Ausstellung  im  Jahre  1878. 

Die  Herstellung  der  Lettern  begann  bereits  1834,  aber  20  Jahre  lang  wanderten 
dieselben  aus  einer  Druckerei  in  die  andere,  da  Setzer  und  Corrector  augenkrank 
davon  wurden.  Endlich  übernahmen  1873  die  Gebrüder  Salmio  zu  Padua  die  Aus- 
führung des  Druckes,  welcher  5  Jahre  dauerte,  worauf  die  Lettern  vernichtet  wurden. 


Ulm.     — 


325 


Wir  fügen  diesen  epaten  Drack  nur  des  besonderen  Interesses  wegen,  das  sich  daran 
knüpft,  den  Mailänder  Drucken  bei.  Das  niedliche  Werkchen  ist  in  grünes  Leder 
gebunden,  mit  silbernem  Verschluss,  — 


Sc^rußOemerrmuQen  ju  Ollairanb. 

Im  Jahre  1868  hat  man  einem  Typographen  Panfilo  Castaldi 
zu  Feltre,  seiner  Geburtsstadt,  einen  Denkstein  errichtet,  der  nach 
Andeutungen  einer  Chronik  des  Mönches  Cambruzzi  nicht  nur  der 
erste  Mailänder  Drucker,  sondern  auch  Johann  FusVs  Lehrer 

in  der  Kunst  des  Buchdruckes  und  Erfinder  der  &c- 
weglichen  Lettern  gewesen  sein  soll.  Auch  soll  sich  aus 
in  Mailand  gefundenen  Urkunden  ergeben ,  dass  Castaldi  13Q8  ge- 
boren und  1472  in  seinem  74.  Jahre  als  Lehrer  des  BuchdrucVs  an 
den  Hof  des  Galeazzo  Maria  Sforza  nach  Mailand  berufen  wurde, 
wahrend  er  andern  Nachrichten  zufolge  schon  1470  starb. 

Auch  wollte  man  den  ersten  Mailänder  Druck  „MiracuH  de 
la  gloriosa  Verzene  Maria"  von  1469  diesem  Castaldi  zuschieben, 
obgleich  in  den  sechs  Schlussversen  sich  Philippo  de  Lavagna  deut- 
lich als  DrucTcer  kund  giebt,  was  man  jedenfalls  gar  nicht  ge- 
wusst  hati  —  Wir  sind  zwar  weit  entfernt,  diese  Nachrichten  für 
etwas  Anderes  als  ein  tendenziöses  Geflanker  zu  halten,  aber  als 
historisch  merkwürdig  wollten  wir  sie  trotzdem  nicht  übergehen. 
Es  wird  trotz  aller  Denksteine  in  Holland,  Frankreich  und  Italien 
keiner  Nation  gelingen,  uns  Deutschen  die  grosse  Erfindung  der 
beweglichen  Typen  streitig  zu  machen.  — 


mrm. 

um  1469  bie  1501. 

In  Herrn  Professor  Hassler's  „Buchdruckergeschichte  Ulms, 
1840"  ist  diesem  jedenfalls  höchst  talentvollen  und  vielseitigen 
Typographen  eine  überaus  liebevolle  Abhandlung  gewidmet,  an 
welcher  nur  die  etwas  zu  kühnen  Hypothesen  mancherlei  Art 
einiges  Bedenken  erregen,  wie  wir  auch  schon  zu  einigen  Berich- 
tigungen dieserhalb  auf  Seite  249  unter  Augsburg  genöthigt  waren. 

Gleichwohl  folgen  wir  der  dort  ausgesprochenen  Ansicht,  in- 
dem wir  ihn  für  den  erstell  Drticker  Ulm*s  ansehen,  wenn  auch 
der  erste  datirte  Druck  Johann  Zainer's  von  14:73  dem  ersten 
datirten  Hohenwang's  um  vier  Jahre  vorausgeht.  — 


' 


326  —     Ulm.     — 

No.  695. 

^,5ocabularium  latinaleutonicum/^ 

Ulm^  Ludwig  Hohenwang,  circa  1469.     Folio-Format. 

Interessantes  Druckwerk  von  grösster  Seltenheit,  sowohl  als  ernter  Hmfr 
Druck,  wie  als  zweitältestes  latetnisch ' deutsches  Wörterbuch  nach  demjenigen  vod 
liechtermünze  in  Eltcyl.  Als  Ulmer  Druck  weist  sich  das  ohne  Ort,  Firma  und 
Datirung  gedruckte  Werk  schon  durch  den  specifisch  Ulmischen  Dialekt  aus,  velcben 
Professor  Kassier  an  hundert  Beispielen  aufs  Gründlichste  erwiesen  hat. 

Dass  Hohenwang  der  Drucker  ist,  wird  wohl  mit  Recht  angenommen,  da  ausser 
Johann  Zainer  und  ihm  vor  1182  keine  Spur  eines  andern  Druckers  in  Ulm  ge- 
funden wird,  und  Zainer  um  1480  ein  anderes,  an  Qualität  weit  imter  vorliegender 
Ausgabe  stehendes  Yocabularium  gedruckt  hat,  was  er  wohl  nicht  gethan  hatte, 
wäre  er  Drucker  des  besseren  Buches  gewesen. 

In  Hassler^s  oben  angeführter  Schriit  ist  auch  noch  zweier  Fragmeul- 
blüiier ,  welche  sich  sogar  in  Duplo  auf  der  Ulmer  Stadtbibliothok  befonden,  Er- 
wähnung gethan,  die  äu  obigem  Vocabularium  gehören,  merkwürdiger  Weise  aber 
nur  einseitig  bedruckt  sind ;  zum  Erstaunen  ist  es  aber,  dass  auch  unser  Museiun  — 
in  der  Sammlung  der  „Einzelblätter"  zwischen  Doppelglas  und  Messingrabmen  ge- 
lasst  —  ein  derartiges  einseitig  bedrucktes  Blatt  enthält,  welches  gerade  mit  dem 
einen  der  beiden  in  Ulm  befindlichen  übereinstimmt,  von  denen  Professor  Hassler 
in  seiner  Schrift  Facsimilcs  gegeben  hat. 

Die  von  ihm  an  diese  beiden  Fragmente  geknüpften  Erwägungen  und  der 
Schluss ,  dass  sie  Stücke  einer  früheren ,  nur  einseitig  gedruckten  Auflage  des 
Vocabular's  sein  möchten,  halten  wir  indessen  für  nicht  zutreffend,  wenn  schon 
mittlerweile  diese  Nachricht  als  Factum  in  die  Buchdruokergeschichte  übergegangen, 
und  von  Ludwig  Hohenwang  seitdem  allgemein  die  Kunde  verbreitet  ist,  das» 
er  anfanglich  Werke  mit  beweglichen  Typen,  aber  nur  auf  Einer  Papierseitt  uivl 
ohne  Presse  llus  mit  dem  Heiler  gedruckt  habe;  vergleiche  auch  Falkenstein,  Seite  171. 

Wir  müssen  diese  einseitig  bedruckten  Blätter  lediglich  für  Correctur  -Ahiü'ß 
halten,  die  in  mehrfacher  Anzahl  veranstaltet  worden  sind.  Bestimmt  werden  «ir 
zu  dieser  Ansicht  Einmal  durch  die  thatsächlich  im  Werke  vorhandenen  Correcturm 
der  im  ersten  Satze  (der  Fragmente)  bemerkten  Fehler,  wovon  Hassler,  auf  Columie 
87  selbst  fünf  aufgeführt  hat.  Dass  dagegen  noch  andere  Fehler  stehen  geblieben 
sind,  ist  einfach  durch  ein  Ueberschen  zu  erklären;  ebenso  ist  ein  anderer Einwurt, 
der  von  Professor  Hassler  gemacht  wurde,  zum  Theil  leicht  erklärbar,  zum  Theil 
auf  Irrthümer  seinerseits  zurückzuführen. 

Auf  Spalte  38  seines  Werkes  nämlich  lesen  wir:  y,tcie  koinmi  es,  dass  in  dein 
{ünyeblivh  nur  übertragenen,  verbesserten,  nicht  aber  ncugefertigien)  Satse  «'Vs 
Buchs  Fehler  sind,  tcelche  sich  im  Satze  des  Fragments  nicht  ßnden,  z.  B.  im  kiztern 
rüfhiig  Linie  8  consideo,  Linie  22  lista  vt,  dagegen  im  Buche  con  sideo,  listrt:  sotrie 
auch  im  Fragmente  der  Satz  des  consobitus  besser  ist,  als  im  Buche,  und  in  diesem 
am  Schlüsse  der  Linie  S  das  Absetzungszeichen  (*)  fehlt,  während  es  in  jenem  stcn 
fndet.  Dieser  Umstand  ist  entscheidend ,  denn  er  lässt  sich  nur  erklären 
durch  die  Annahme  eines  ganz  versvhisdenen  und  nicht  bloss  theiltceise  rer- 
besaerten  Salzes**  etc.  — 

Sämmtliche  hier  angeführte  Beispiele  befinden  sich  glücklicher  Weise  auf  dem 
in  tmserm  Besitze  befindlichen  Original-Fragment-Blatte,  und  wir  sind  daher  in  der 
Lage,  ihre  Widerlegung  mit  Gründlichkeit  führen  zu  können.  Zutreffend  ist  allei^ 
dings,  dass  auf  Linie  8  im  Werke  das  Wort  „cotiri^eo**  fehlerhaft  „co«  fibeo**  gedruckt 
ist,  während  es  im  l^^agmentc  richtig  dasteht;  ebenso  fehlen  auch  am  Ende  der 
Zeile  im  Werke  die  Absetzungsstriche  (»;,  welche  im  Fragmente  vorhanden  sind. 
Dafür  giebt  es  aber  die  einfache  l'irklärung ,   dass   die  am  Ende  befindlichen  *  "» 


—     Ulm.     — 


327 


Correetur-Satee  hinabgeglitten  mnd,  die  Zeile  in  d«n  leergewordenen  Raum  nach- 
rutsebte,  sich  dadurch  in  dem  Worte  consideo  üieilie  und  an  dieser  Stelle  der  er- 
übrigte fiaum  durch  eine  Lacke  sichtbar  wurde. 

Ganz  falsch  ist  es  dagegen,  dass  nach  Hassler  die  im  Fragment  auf  Zeile  90 
stellenden  Anfangssilben  ,,lifla  ot^'  im  Werke  selbst  angeblich  ,,li|lvt**  lauten,  denn 
hier  wie  dort  steht  richtig  „lista  vt" ;  nur  befindet  sich  im  Fragmente  das  1  in  »lista*' 
etwas  ausser  dem  Begister  stehend,  im  Werke  ist  es  mehr  eingerichtet  und  dadurch 
sind  dann  die  ersten  beiden  Silben  auf  das  folgende  Wörtchen  „vt"  mehr  heran- 
gerückt. Dase  femer  der  Satz  des  Wortes  ,,confobittts"  im  Fragmente  besser  sein 
soll,  ist  lediglich  „optische  Täuschung**;  im  Gegentheil  ist  der  Satz  dieses  Wortes 
mit  allen  Unregelmässigkeiten  in  beiden  Fällen  durchaus  conform! 

Wenn  wir  hierdurch  die  Gründe  Hassler's,  welche  er  als  j^enischeidende  Um- 
stände'*' anfuhrt,  widerlegt  haben,  so  bleiben  uns  noch  fernere  positive  Merlunale, 
die  den  Ausschlag  in  dieser  Frage  geben,  hinzu  zu  fügen:  Wenn  man  nämlich  die 
Typen  Hohenwang's  genau  vergleicht ,  so  findet  man ,  dass  er  von  mehreren  Buch- 
staben verschiedene  Formen  gehabt  hat.  80  bemerkt  man  zum  Beispiel  zweierlei  9, 
dann  ein  breites  nud  ein  schmales  n,  fernerhin  ein  spitzes  und  ein  rundes  o> 

Betrachtet  man  nun  das  Fragment  und  das  Werk  selbst,  Wort  mit  Wort,  die 
Buchstaben  genau  miteinander  vergleichend,  so  wird  man  finden,  dass  an  elen  gleichen 
Stellen  immer  der  gleichgestalieie  Buchstabe  wiederkehrt,  dass  auch  alle  Unregel- 
mässigkeiten des  Satzes  in  den  einzelnen  Worten  übereinstimmen ;  man  findet  ferner, 
dass  bei  der  Correctur  des  Wortes,  welches  im  Fragmente  „Swefltrifon**  lautet,  man 
einfach  das  i  herausgenommen  hat,  um  den  übrigen  Satz  nichc  zu  ändern,  sodass 
im  Werke  nun  getrennt;  „iJtDe^er  foti**  steht. 

Aus  alledem  geht  zur  Evidenz  hervor,  dass  man  es  hier  mit  demselben  Satze, 
mithin  keineswegs  mit  verschiedenen  Auflagen  des  Werkes  zu  thun  hat;  und  so  föllt 
denn  auch  die  sonderbare  Erscheinung,  dass  ein  Drucker  mit  beweglichen  Typen  auf 
der  Presse  doch  nur  einseüig  gedruckt  haben  solle,  in  Nichts  zusammen;  wofür 
man  auch  vergeblich  eine  vernünftige  Erklärung  suchen  würde,  da  man  weder  an- 
nehmen kann ,  dass  Hohenwang  am  Ende  der  sechziger  Jahre  des  15.  Jahrhunderts 
das  vortheilhattere  Verfahren  des  zweiseitigen  Druckes  nicht  gekannt  habe,  noch 
dass  er  zu  keinem  ersichtlichen  Zwecke  und  entgegen  allem  Gebrauche  dass  theure 
Papier  verschwendet  haben  sollte,  an  welchem  sonst  die  Buchdrucker  sogar  durch 
immer  enger  werdenden  Druck  mehr  und  mehr  zu  sparen  beflissen  waren. 

Ueber  den  Zufall  freilich,  der  in  einer  wunderbaren  Laune  dreimal  gerade  das- 
selbe Fragment  aus  der  Masse  des  Andern  heraussuchte,  um  es  der  Nachwelt  auf- 
zubewahren, darüber  wird  ein  Jeder  mit  Recht  als  einem  unerklärlichen  Rathsel 
erstaunen  müssen;  aber  vergeblich  würde  unser  Bemühen  sein,  der  Quelle  dieses 
Wunders  noch  weiter  nachzugehen.  — 


No.  696. 

^acobt  bf  €lwfa  ^^^ermonea  notabilCÄ  rt  fotmalrB  prr 

totum  anmim^^ 

Ulm^  Ludwig  Hohenwang,  circa  1470*     Folio-Format, 

Mit  derselben  Type,  ohne  Ort,  Firma  und  Datirung  gedrucktes  Werk  von  grosser 
Seltenheit  und  die  von  Hain  unter  No.  9SS0  beschriebene  der  beiden  mit  gleicher 
Type  gedruckten  Ausgaben  Hohenwang's. 

Der  Verfasser  dieser  Predigten,  bekannt  unter  dem  Namen  Jacobus  de  Clusa, 
wird  von  Trithemius  Jacobus  Junterbuck  genannt;  er  war  Vicar  im  Kartäuserkloster 
zu  St.  Salvator  bei  Erfurt  um  die  Mitte  des  15.  Jahrhunderts.  Aus  der  letzten  der 
vorliegenden  Predigten    geht  hervor,   dass  er  dieselben  vor  seinem  Eintritte  in  den 


328  —     Ulm.     — 

Kartikuserorden  ursprünglich  auf  der  Universität  zu  Cracau ,  deren  Mitglied  er  var, 
mündlich  in  der  Volkssprache  abgehalten  hat,  und  dass  er  erst,  nachdem  er  sich  zu 
den  Cartäusem  bekannt,  die  Predigten  in^s  Latein  übertragen  und  herausgegeben  hat  — 


ßo\)mn  Rainer  von  Hrntltngen^ 

1473  bi0  1515. 

Bis  zum  Jahre  1515  kennt  man  dalirte  Drucke  dieses  Typo- 
graphen,  aber  in  Ulmer  Urkunden  kommt  er  noch  bis  zum  Jahre 
1523  vor.  Falkensteins  Angabe,  die  ihn  nur  bis  1475  drucken  lässt, 
ist  wohl  ein  Drukfehler. 

Ob  der  berühmte  Drucker,  der  sich  auch  Czeyner,  Zeiner, 
Czeiner  und  Czainer  schrieb,  ein  Bruder  oder  Verwandter  des  be- 
deutenden Augshurger  Druckers  Günther  Zainer  ist,  mit  dem  er 
oft  verwechselt  wurde,  geht  aus  keiner  Urkunde  hervor;  jedoch 
waren  beide  aus  Reutlingen  gebürtig,  und  ist  daher  eine  Verwandt- 
schaft wohl  anzunehmen. 

Dass  Beide  auch  geschäftlich  eng  verbunden  gewesen,  geht 
daraus  hervor,  dass  sie  zum  Theil  die  gleichen  Typen  führten,  wie 
wir  schon  bei  dem  prächtigen  Rationale  des  Günther  Zainer  in 
Augsburg  auf  Seite  241  näher  nachgewiesen  haben.  Zufällig  hat 
auch  Johann  Zainer  in  Ulm  unter  andern  sein  schönes  Rationale 
mit  den  gleichen  Typen  gedruckt  bis  auf  wenige  Versalbuchstaben. 
Wir  werden  dasselbe  sogleich  näher  kennen  lernen,  ebenso  weiter« 
hin  desselben  Druckers  zweite  Auflage  vom  Jahre  1475.  — 

No.  697. 

®wtltflini  iSuranbi  „Sationale  bitiinorum  offfcionim^ 

Ulm^  Johann  Zainer,  1473»     Gross  Folio-Format. 

Am  Anfange  des  Werkes,  also  auf  der  dritten  Seite  befindet  sich  eine  prächtige, 
in  Holz  geschnittene  Randleiste  von  Figuren  und  Arabesken,  in  drei  Farben  colorirt; 
eine  Art  des  Bücherschmuckes,  welche,  von  Johann  Zainer  er/uncUn,  neben  dem 
ausserordentlich  geschmackvollen  gothischen  Druck  seine  Productionen  in  löblicber 
Weise  auszeichnet.  Am  Schlüsse  des  Werkes  befindet  sich  die  Endschrift  mit  Ort,  Finn« 
und  Datirung  von  1478,  in  welchem  Jahre  er  zuerst  in  datirten  Drucken  auftritt 

Man  kennt  von  diesem  ersten  Jahre  nicht  weniger  als  acht  ganz  bedeutende 
Werke  ans  seiner  Offizin,  welche  alle  mit  Jahrzahl  die  Presse  verliessen;  ein  Beweis 
für  den  bedeutenden  Umfang  seiner  Druckerei.    Hain  No.  6174.  — 


No.  698. 

(Siatianiü  5@accaccio^0  „??ud)  t)an  bm  bfrfiljmtfn  Wcibmi** 
t)crbfutfd)t  Don  l^cinrid)  5tfinl)ourl. 

Ulm,  Johann  Zainer,  1478.     Mittel  Folio-Format. 
Diese  deutsche  Uebersetzung  erschien  jedenfalls  in  demselben  Jahre  wie  dss 
Ton  Zainer  herausgegebene  lateinische  Original;  denn  die  Vorrede  des  üebersetiert 


—    Ulm.     — 


329 


scblieBst  mit  der  Datirung  von  1473.  Das  Werk  zählt  zu  den  grossten  SeUenhelten 
und  ist  von  mebr  als  einem  Gesichtspunkte,  besonders  auch  in  sprachlicher  Be- 
ziehung höchst  interessant 

Wenn  Boccaccio  in  seinen  lateinischen  Schriften  ungemein  weit  von  jener  Voll- 
kommenheit entfernt  war,  durch  die  er  sich  in  der  italienischen  Prosa  seines  ,De- 
cameron*  ein  classisches  Ansehen  erwarb ,  so  sehen  wir  hier  den  umgekehrten  Fall, 
wie  der  deutsche  Gelehrte  in  den  ersten  Yersuchen,  seine  Muttersprache  zu  Ehren 
SU  bringen,  halb  in  der  Plumpheit  und  Armuth  geistloser  Formen,  halb  noch  in  den 
Banden  des  gewohnten  Latein,  sich  nur  mühsam  fortzubewegen  vermag. 

Interessant  ist  es,  das  Buch  zu  lesen,  aber  zur  Erholung  darf  man  es  nicht 
thun  wollen.  Für  den  Etymologen  und  Literarhistoriker  wird  es  Jedoch  von  vielem 
Nutzen  sein. 

Neben  zwei  schonen  Randleisten  und  den  Holzschnitten  der  lateinischen  Aus- 
gabe findet  sich  im  Werke  auch  ein  trefflicher  Initialenschmuck.  Wunderbar  nur 
ist  es,  dass  die  Bibliographen  von  letzterem  als  von  j^sogenannten  Literae  Florentes'^ 
sprechen,  da  man  doch  unter  dieser  Bezeichnung  die  erst  später  von  Erhard  Katdolt 
in  Venedig  eingeführten  Zierbuchstaben  in  reinem  Renaissance- Stil  versteht. 

Unter  den  Holzschnitten  hat  die  Darstellung  der  ^ Päpstin  Johanna**,  welche  in 
verstellter  Mannheit  unter  dem  Namen  Johannes  VIII.  als  Papst  regiert  haben  soll, 
schon  vielfach  Interesse  erregt;  wie  sie  inmitten  der  vornehmen  Procession  von 
einem  Kn&blein  entbunden  wird,  sieht  man  hier  recht  natürlich  dargestellt  —  eine 
Fabel  übrigens,  die  ebenso  oft  widerlegt  als  behauptet  und  geschichtlich  nicht  nach- 
zuweisen ist.    Hain  No.  8833.  — 

No.  699. 

]ßt\xm  ?3rrd)oriwe:  ^^ITiber  IStbliar  m0rali8.*' 

Ulm 9  Johann  Zainer,  1474.     Gross  Folio-Format. 

Wiederum  ein  wahres  Prachtwerk  aus  Johann  Zainer-s  Officin  mit  zahlreichen 
grossen  Initialen  und  einer  pompösen  Randleiste  auf  der  ersten  Seite,  die  nicht  nur 
seitwärts  herunter,  sondern  auch  oben  und  unten  quer  über  die  ganze  Druckseite  läult. 

Die  Ausgabe  ^st  die  Editio  princeps  des  Werkes,  von  dem  eine  andere  Ausgabe 
fast  gleichzeitig,  im  October  desselben  Jahres  zu  ätrassburg  fertig  wurde,  während 
vorliegende  bereits  im  April  die  Presse  verliess.  Jene,  welche  wir  unter  Sirassburg 
als  Produet  des  geheinmissvollen  CW.,  alias  Clas  Wencker  unter  No.  200  kennen  lernten 
ist  indessen  keineswegs  Nachdruck,  sondern  sichtlich  aus  einem  andern  Manuskripte 
gedruckt  und  als  Editio  princeps  secunda  zu  betrachten.    Hain  No.  2794.  — 


No.  700. 

;?Lntamt  Matnptjiollts  ^^^urca  ?iiblia*^ 

Ulm,  Johann  Zainer,  1476.     Mittel  Folio-Format. 

Die  seltene  deutsche  Ausgabe  dieser  lateinischen  „goldenen  Bibel'  besprachen 
wir  umständlich  unter  Augsburg  auf  Seite  249  &  9^  bei  der  Druckerei  des  Klosters 
8t.  Ulrich  &  Afra.  In  vorliegender  lateinischer  Ausgabe  haben  wir  die  erste  da- 
tirte  vor  uns.  Zu  dem,  was  wir  früher  über  den  Verfasser  und  die  Zeit  ihres  Ent- 
stehens sagten,  mögen  hier  noch  ein  paar  Worte  über  den  Inhalt  folgen. 

Man  findet  darin  in  alphabetischer  Ordnung  die  verschiedensten  biblischen 
Materien  gesammelt  und  mit  moralischer  Anwendung  erläutert.  Das  Buch  sollte 
ursprünglich  jedenfalls  den  Predigern  als  eine  Art  Concordanz  dienlich  sein;  doch 
scheint  die  deutsche  Ausgabe  für  den  späteren  populären  Gebrauch  des  Werkes  zu 
sprechen.    Hain  No.  13C81.  — 


330 


—     Ulm.     — 


No.  701. 

®ttUiflmi  jSuranbi  ^^liationale  bbinorum  offlciorum^ 

Ulm^  Johann  Zainer,  1475«     Folio-Format. 
Ztceite  Auflage  des  Rationale,  welche  Zainer  mit  denselben  Typen  wie  die  erste, 
auch  mit  derselben  schonen  Randleiste  druckte.    Die  geschmaclcvollen  Initialen  sind 
hier  zum  Theil  andere.  —  Hain  No.  647.'>.  — 


No.  702. 

5anrti  3?0naDfnturae  ,,3crmoTtf0  be  Srmporc  et  bc  3ancti0*^ 

Ulm^  Johannes  Zainer,  14^1.     Klein  Folio-Format 
Mit  derselben  Type  des  Rationale  gedruckte  Ausgabe  der  Predigten  des  heiligen 
Bonaventura;  ein  Opus  von  beträchtlichem  Umfange,  bei  uns  in  zwei  Bände  getbeilt. 
Hain  No.  8.M3.  —  

No.  703. 

^Ibtrti  MtL^ni  ^,€ompmbium  Ötlifolo^icaf  Bcritatis^ 

Ulm  9  Johann  Zainer,  circa  1476«     Klein  Folio-Format 

Dieses  Compendium  des  Albertus  von  Bollstadt  ist  mit  einer  andern,  der  kleinste» 
gothischen  Typengattung  Johann  Zainer^s  gedruckt,  deren  er  sich  in  späterer  Zeit 
wohl  ausschliesslich  bediente.  Die  Ausgabe  hat  keine  Jahrzahl,  aber  die  Fiims  des 
Druckers,  weiche  am  Anfange  des  Registers  In  grosser  ^jchrift  angebracht  ist  Hain 
No.  437.  —  

No.  704. 

ßü\)tinme  ßnniüx:  ^,3cala  CCoeli*^ 

Ulm^  Johann  Zainer,  1480«     Klein  Folio-Format 
Mit  derselben  Type  gedruckt  wie  vorige  Nummer.     Hain  No.  9406.  —  Der  Ver- 
fasser des  Werkes,   ein  Prediger -Mönch,   der   um  die  Mitte   des  14.  Jahriiunderts 
lebte,  hless  Johannes  Oahius  und  wurde  zum  Unterschiede  von  einem  Aelteren  diesas 
Namens,  der  um  1814  starb,  „Junior"  genannt. 

Eine  Beurtheilung  des  sonderbaren  Werkes  mit  dem  Titel  j,Himmelsleit«r'^  g^eW 
Heinrich  von  Seelen  in  seinen  „ßelccta  literaria«  Lübeck  1726  pag.  589;  es  heisrt  dort: 
„Es  werden  in  diesem  Denkmal  des  höchsten  Barbarismus  verschiedene  heilige 
und  moralische  Materien  in  alphabetischer  Folge  durchgenommen,  aber  untermischt 
mit  soviel  lächerlichen  Fabeln,  Possen  und  Aberglauben,  dass  man  schlecht  beratlieB 
wäre,  wenn  man  auf  dieser  Leiter  zum  Himmel  aufsteigen  wollt«."  —  In  der  That 
würden  viele  dieser  albernen  Histörchen  ganz  gut  in  einen  .Anecdoten-Jäger  oder 
Du  sollst  und  musst  lachen"  hineinpassen.  — 


1482  bie  1484. 

Dieser  ausgezeichnete  Typograph  war  vorher  Spielkartendrucker, 
als  welcher  er  schon  bei  seinen  Bildern.  Inschriften  mit  beweglichen 
Typen   angebracht   hatte.     Wenn  seine  Thätigkeit  als  Buchdrucker 


Ulm.     — 


33^ 


nicht  schon  früher  begonnen  hat,  wie  man  bei  dem  Zeiträume,  der 
zwischen  den  Anfängen  Zainer's  und  dieses  Typographen  liegt, 
wohl  annehmen  könnte,  so  war  sein  Wirken  nur  von  sehr  kurzer 
Dauer,  denn  das  Unglück  wollte  es,  dass  er  schon  1484,  von  Gläubi- 
gem hart  bedrängt,  aus  der  Stadt  Ulm  verwiesen  wurde. 

Wir  sehen  darauf  andere  Ulmer  Typographen  im  Besitze  seines 
Druckapparates.  Er  selbst  ist  wohl  noch  einmal  nach  Ulm  zurück- 
gekehrt, aber  nachdem  es  ihm  offenbar  auch  dann  nicht  gelungen, 
festen  Fuss  zu  fassen,  nochmals  im  Jahre  1492,  wie  das  Einigungs- 
buch der  Stadt  Ulm  documentirt,  verwiesen  worden.  — 


No.  70n. 

Ulm^  Lienhart  Holl,   circa  1482.     Klein  Folio-Format. 

Sicher  einer  der  früh esteti  Drucke  Iloll's,  wahrscheinlich  noch  vor  1482,  dem 
er  seine  Firma  und  die  Datirung  noch  nicht  beifügte.  Den  altern  Bibliographen, 
selbst  Panzer  ist  diese  Ausgabe  ganz  imbekannt  geblieben.  Indess  besitzt  die 
Münchner  Hofbibliothek  ein  Exemplar,  das  aber  Hain  unter  No.  9030  bezüglich 
des  Druckers  nicht  zu  bestimmen  wusste. 

Das  Werk  ist  mit  denselben  Typen  gedruckt,  wie  das  von  Holl  gedruckte  „Buch 
der  Weisheit" ,  welches  wir  unter  nächster  Nummer  anführen.  Einen  interessanten 
Act  zur  Geschichte  dieses  Typographen  erfahren  wir  zugleich  durch  die  grosse 
Scbril'tgattung ,  mit  welchen  die  Ueberschriften  dieses  Werkes  gedruckt  sind.  Die- 
selben Charaktere  nämlich  finden  wir  in  den  spätem  Drucken  unseres  nächsten 
ülmer  Typographen,  des  Conrad  IHnckmut  wieder. 

So  bildet  denn  diese  Thatsache  nebcu  der  andern,  dass  ein  dritter  Ulmer  Typo- 
graph,  Johannes  Reger,  mit  Holl\scben  Typen  und  den  Landkarten  -  Platten  seiner 
berühmten  Geographie  des  Ptolemueus  eine  zweite  Auflage  desselben  Werkes  er- 
scheinen liess,  eine  neue  Illustration  zu  der  Klage  des  bedrängten  Künstlers  Holl, 
dass  ^ihm  seine  Habe  vertragen,  Verstössen ^  verpfändet,  versetzt  sei'*.  Vergleiche 
»Hassler's  Buchdrucker-Geschichte  Uim's"  1840,  Columne  115  &  116.  Das  seltene 
Ruch  ist  in  laubgrünes  Leder  gebunden  mit  stark  vergoldeten  Beschlägen.  — 


No.  706. 

i,i9a0  bud)  bcr  wrifjl)ait^  obrr  alttn  meifcn/* 

Ulm,  Lienhart  Holl,  1484.     Folio-Format. 

Eine  hochinteressante  Incunabel;  durch  Ausstattung  und  Inhalt  eines  der  merk- 
würdigsten Bücher  der  älteren  deutschen  Literatur.  Das  ursprüngliche  Original  des 
Werkes  ist  eine  mehr  als  zweitausend  Jahre  alte  Indische  Fabel-Sammlung,  welche 
später  in  die  meisten  orientalischen  Sprachen,  in's  Persische,  Arabische,  Türkische, 
Hebräische  übertragen  wurde. 

Aus  dem  Hebräischen  übersetzte  sie  ein  gewisser  Johannes  de  Capua  um  1862 
unter  dem  Titel  ^Dircctorium  vitae  humanae"  in's  Latein  und  hieraus  ist  dann  bald 
darauf  von  Eberhard ,  I.,  Herzog  zu  Würtemberg,  entweder  durch  ihn  selbst  oder  auf 
seinen  Befehl  die  deutsche  t3ebersetzung  verfertigt  worden.  Von  der  lateinischen  üeber- 
setzung  ist  nur  eine  einzige  Ausgabe  ohne  Jahr,  Ort  und  Drucker  erschienen,  w^elche 
nach  Graesse  I  pag.  421  noch  eine  Variante  hat,  während  von  der  Verdeutschung 
bis  zunti  Ende  des  16.  Jahrhunderts  17  verschiedene  Ausgaben  gedruckt  wurden. 


332 


—     Ulm. 


Einer  griechischen  Uebersetztmg  |von  Simeon  Sethus  hat  der  arabische  Text  als 
Original  vorgelegen  und  aus  ersterer  ist  dann  Ende  des  17.  Jahrhunderts  eine  zweite 
lateinische  Uebersetzung  von  Petri  Possini  zu  Berlin  durch  Sebastian  Gottfried  8tarck 
in  Druck  gelegt  worden.  Ziehen  wir  die  Uebersetzungen  des  originellen  Werkes  in 
fremde  Sprachen,  die  bis  in  die  neueste  Zeit  reichen,  in  Betracht  und  erfahren, 
dass  es  deren  spanische  und  französische,  italienische  und  englische,  bolIäDdiscbe 
und  ungarische  giebt,  so  werden  wir  begreifen,  welchen  Schatz  populärer  Weisheit 
dieses  Werk  enthalten  muss,  das  sich  eine  durch  Jahrtausende  dauernde  universelle 
Verbreitung  zu  erwerben  wusste. 

Eine  neuere  deutsche  Uebersetzung  dieser  Fabeliammlung  fehlt  zwar,  dafür  haben 
aber  zweifellos  ältere  und  neuere  deutsche  Fabeldichter  neben  Aesop  auch  aus  dieser 
Quelle  geschöpft.  Wem,  um  ein  Beispiel  anzuführen,  ist  nicht  die  Fabel  von  dem 
Hunde  bekannt,  der  mit  einem  Stück  Fleisch  in  der  Schnauze  im  Wasser  sein 
Spiegelbild  erblickte  und  während  er  nach  diesem  schnappte,  das  Fleisch  verlor? 

Diese  so  beherzigenswerthe  Geschichte  kann  man  in  vorliegender  Ausgabe  auf 
dem  zwölften  Blatte,  begleitet  von  einer  schönen  Abbildung  finden.  Letztere  ist  vie 
die  185  andern  in  dem  Werke  befindlichen,  für  die  Zeit  mit  vieler  Fertigkeit  in 
Hol«  geschnitten,  wahrscheinlich  ist  der  geschickte  Spielkartenschneider  Lienbart 
HoU  selbst  der  Verfertiger  dieser  sowohl  für  die  Geschichte  der  Formschneidekunst 
bedeutenden ,  als  zum  Theil  auch  für  die  Geschichte  der  Trachten  jener  Zeit  inter- 
essanten Darstellungen. 

Spezielleres  über  die  Einrichtung  des  Werkes  hat  Panzer  in  seinen  Annalen 
No.  189  &  209  sehr  ausführlich  geschildert,  auch  Hain  No.  4081  beschrieb  es  nach 
eigener  Anschauung.  Demnach  bleibt  uns  nur  noch  von  den  Typen  zu  sagen  übrig, 
d&ss  sie  dieselben  sind  wie  in  voriger  Nummer.  Diese  originelle  Schrift  ist  eine 
Art  Schwabacher,  die  sich  der  Fraktur  nähert,  aber  den  Vorzug  grosser  Deutlichkeit 
hat.  —  Schöner  Einband  von  Elchenholz  mit  rothem  Lederrücken  und  vergoldetem 
Messingverschluss.  — 


Conrab  ^tndimut^ 

um  1482  biei  1496. 

Der  erste  bekannte  datirle  Druck  dieses  vierten  Ulmer  Typo- 
^raphen  ist  allerdings  erst  von  1482,  aber  der  Umstand,  dass  er 
schon  im  Jahre  1476  in  den  Steuerbüchern  Ulm's  als  „Buchdrucker" 
geführt  wird,  verbunden  mit  der  Thatsache,  dass  wir  von  ihm  das 
schöne  xylographische  Product  eines  Donatus  besitzen,  das  wir  schon 
unter  No*  L  in  der  ersten  Abtheilung  unserer  Sammlung  auf 
Seite  7  näher  beschrieben  haben,  und  welches  wohl  mindestens  in 
die  Mitte  der  siebziger  Jahre  zu  setzen  ist,  macht  es  sehr  wahr- 
scheinlich, dass  auch  dieser  Typograph  bedeutend  früher  thätig 
war,  als  man  bisher  anzunehmen  geneigt  gewesen  ist.  — 


No.  707. 

^,5umma  J>ol)anni0  nad)  orbmmj)  bcs  ^.  %.  €." 

VhXLj  Conrad  Dinckmut,  1484«     Klein  Folio-Format. 
Mit  einer   der  HolVschen  ähnlichen  aber  etwas  kleineren  Type  gedruckt    Das 
Werk  ist  eine  Bearbeitung  der  lateinischen  „Summa  confessomm"  —  für  Beichtiger^ 


—    Ulm.    ~  333 

von  Johann  von  Freiburg,  die   der   Prediger-MÖnch  Berchtold  verdeutscht  und  in 
alphabetische  Ordnung  gebracht  hat 

Interessant  sind  die  IniÜalen  des  Werkes,  von  denen  bei  der  alphabetischen 
Einrichtung  vom  Ahlass  beginnend  bis  zum  Zueifel  jeder  Buchstabe  vertreten  ist. 
In  unserm  Exemplare  sind  dieselben  mit  gleichzeitigen  Farben  leicht  und  geschmack- 
voll colorirt.  Einband  von^dunkelblauem  Leder  mit  Messingbeschlag  und  Verschluss. 
Hain  No.  7871.  —  

No.  708. 

(guiUrrmt  |3ofltUa  fuprr  (Spijlolad  et  (i^Dangelia. 

Ulm^  Conrad  Dinckmut,  i486«     Klein  Folio-Format. 

Dieselbe  Texttype  wie  in  voriger  Nummer.  In  den  üeberschriften  erscheinen 
die  grosseren  Charakter,  welche  Dinckmut  jedenfalls  von  Lienhart  Holl  übernommen, 
nachdem  der  Letztere  imi  1484  aus  der  Stadt  verwiesen  war  und  sein  Druckwerk- 
zeug  eingebusst  hatte,  denn  wir  bemerkten  unter  No.  705,  einem  zweifellos  HoU- 
schen  Drucke,  dieselbe  Schriftgattung.    Hain  No.  8885.  — 


No.  709. 

^acobi  be  Soraginr:  „Tombarbica  ^ifloria  fit)e  ^urca 

Irgenba  Äanctorum". 

Ulm^  Conrad  Dinckmut,  1488«     Klein  Folio-Format. 

Ist  mit  derselben  Type  hergestellt.  Mit  den  grossen  Charakteren  sind  die 
Üeberschriften  und  das  Colophon  gedruckt.  Bei  HaiQ,  der  unter  .Historia*',  ,Jaco- 
bus*'  und  gLegenda"  auf  „Voragine"  verweist,  wird  die  Mühe  langen  Suchens  leider 
nicht  belohnt,  denn  der  Artikel  j,Yoragini>'*  fehlt  auch.  Zur  Ergänzung  diene  eine 
kurze  Beschreibung  der  Ausgabe: 

Diese  hait  425  Blätter  mit  Fignaturen,  in  8  Columnen  \  37  Zeilen  gedruckt. 
Folio  1  recto  steht  nur  der  Titel:  ,,€ombarbica  jQt)|loria'\  Das  Schlusswort  lautet: 
„Sr^iUciiitit  qnornnbam  U  fattctorä  legrnbe  aMnn-.de  pofl  Combarticä  l)Q||floriä  4-im- 
vrtfft  in  ttlm  U  ii  Conrabä  Dinikmiit  +  ||  3lnno  +  Ül  -f  cccclirroiii  -f.**  Charakteristisch 
ist  hier  das  kleine  Kreuz,  das  in  dem  gross  gedruckten  Colophon  als  Punkt  dient, 
welches  genau  so  auch  bei  den  mit  derselben  grossen  Schrift  gedruckten  Worten  der 
, Auslegung  Humberti'*  von  Lienhard  Holl  unter  No.  705  in  Anwendung  gebracht 
ist,  vnd  das  Resultat  unserer  bezüglichen  Untersuchungen  evident  bestätigt.  — 


Jol)ann  Mfötr, 

i486  W8  1499. 

No.  710. 
„Almanach  noua  plurimis  annis  venturis  ||  inferuientia:  per 

Joannem  Stoefflerinum  ||  Juftingenfem  &  Jacobum  Pflaumen 

Vlmenfem   accuratiffime    fupputata:    &   toti  ||  fere   Euiope 

dextro  fydere  impartita." 

Ulm,  Johann  Reger,  1499«     Quart-Format. 

Das  Werk  giebt  die  Ephemeriden  vom  Jahre  1499  bis  IfiSl  und  bildet  die  Fort- 
setzung zu  dem   von  Regiomontanus   herausgegebenen  Werke,   welches  wir  in  der 


334 


—     Ulm. 


Ediiio  prtnceps  von  1474  unter  j^Xümberg'^  näher  kennen  lernen  werden.  Der  obige 
Titel  ist  in  Antiqua  gedruckt,  während  für  den  Text  eine  kleine  Gothisch  angeven- 
det  ist.    Hain  No.  15  085.  -> 


1493  bl6  1501. 


Dieser  Typograph  druckte  auch  in  Freisingen  und  in  Constanz 
am  Bodensee.  — 

No.  711. 

^,3mbfnbi   ?3ranbiqj  ||  mobus  •  ptr  ^tttl)oni-||ttm 

IHancincIlttm/^ 

Ulm^  Johannes  Schaeffler,  1499«     Klein  Quart-Format 

Unter  dem  Titel  befindet  sich  das  Druckerzeichen  mit  den  Initialen  H  8f  welches 
sich  auf  der  Rückseite  des  Schlussblattes  wiederholt.  Der  Drucker  ist  weiter  nicht 
angegeben,  wohl  aber  Drnckort  und  Jahrzahl,  die  am  Ende  stehen.  Titel  and  Ueber- 
schrift  des  folg^den  Registers  sind  mit  einer  grösseren  Gothisch,  das  Uebrige  aber 
mit  Sehwabacher  Schrift  gedruckt. 

Der  Druck  zeichnet  sich  durch  Unvöllkommenheit  und  Unsauberkeit  aus.  Wo 
es  an  einem  ^  fehlte  musste  an  vielen  Stellen  ein  umgekehrtes  ©  den  Dienst  ver- 
richten. Das  Alphabet,  welches  Braun  II  Tabula  III  No.  IV  gegeben  hat,  ist  ganx 
unzutreffend  und  unzulänglich.  Hain  No.  10  598.  —  Der  Autor  des  Werkes  lebte 
im  1.^.  Jahrhundert  und  verfasste  neben  diesem  noch  mehrere  andere  grammatische 
Schriften.  — 


Joljantt  (grüner, 

1522  bie  1532. 

Dieser  Typograph  war  ursprünglich  Rector  der  lateinischen 
Schule  zu  Ulm.  Als  solcher  trieb  er  bereits  einen  Bücherhandel 
und  kam  deswegen  mit  Johann  Zainer  zu  wiederholten  Malen  in 
Conflikt. 

Trotzdem  breitete  sich  dieser  bewegliche  Schulmeister  und 
Speculant,  den  Urkunden  auch  als  Oekonom,  Fürkäufler,  Geld- 
schauer und  Wirth  (!)  bezeichnen,  immer  mehr  aus.  Er  liess  wie 
wir  in  Augsburg  gesehen  haben,  bei  Marx  Wirsung  &  Sigmund 
Grimm  auf  seine  Kosten  drucken  und  legte  sich  endlich  eine  figffte 
Druckerei  zu.  — 


J 


—     Ulm.     — 


335 


No.  712. 

3lm  SRü^üd^e  ||  Sermon  56  allen  ||  ^tjrifte  ntenfd^e,  t)on  ber 

rechte  ||  l£uangeUfd)e  meß ,  vnb  t)on  btv  htvavtnriQ  \\  sä 

btm  lifd)  gottce  .  .  .  Von  3obantic  jDicpoI6* 

Ulm 5  Johann  Grüner,  1522.     Klein  Quart-Format. 

Das  kleine  mit  Schwabacher  gedruckte  Schrifteben  von  nur  6  Blättern  Umfang 
liat  wohl  Ort  und  Jahnsahl,  aber  die  Druckerfirma  fehlt  auf  dem  Titel.  Yergleich» 
über  letztere  Weller's  Repertorium  No.  2397.  — 


lan0  ISarmrr  ms  htm  €tf(t)l$nite, 

1532  m  1560. 

No.  713. 

„jB^ttiba  «rbrud):  ,,llorbt  ||  straff  unb  3H  \\ . .  .'^    <Sc- 
bruikt  ;u  Bim:  burd)  %mftn  ||  Patniet,  3tn  VtT.  JD. 

Quart-Format. 
24  Blätter  in  Schwabacher  Schrift  gedruckt    Seltenes  Schriftchen. 


No.  714. 

Sfjronica  3^i^^l^fid)  önnb  ®efd^itf|tbtbeQ  t)on  ||  art6egt)n 
Mfä  in  bif§  gegentüertig  3Ä.  S).  jjj^i.  iar  öerlengt,  ||  JDa^ 
rinn  bei)e  (Dottee  vnb  btr  weit  laujf,  b^nö^'/  civx,  wort, 
wer*,  tbftn,  lajfen,  Friegen  |I  ♦  ♦  ♦  in  bx^y  (Ll)xonii  \\  obcv 
bauptbftcfter,  verfaßt  •  jDurd)  öcbaftian'Unum  SrancCcn 
von  W&tb,  normale  in  Ceütfcber  jungen,  nie  gebart  || 

nod)  gelcfen. 

Ulm^  Hans  Varnier,  1536«     Folio-Format. 

Der  Verfasser  dieser  Chronik  hatte  später  zu  Ulm  eine  eigene  Druckerei.  Er 
ist  durch  eine  Menge  Schriften  als  Anhänger  Schwenk f eider* s  und  der  Wiedertäufer 
bekannt.  Sein  Stil  ist  vortrefflich  und  die  vorliegende  Chronik  ein  Buch,  das  sich 
durch   freimüthigen   Sinn    imd   unparteiliche   Weltansicht  vortheilhaft   auszeichnet. 

Leider  ist  ihm  in  dieser  Chronik  das  Unglück  passirt,  dass  er  dem  Uebersetzer 
der  bekannten  Schedel'schen  Chronik  'zu  viel  Glauben  beig^taaessen ,  indem  er  den 
horribeln  Uebersetzungsschnitzer,  nach  welchem  jener  den  Kaiser  Domitian  statt 
von  Leichenträgem  (vespillones)  von  Fledermäusen  (vesperUUones)  wegtragen  lasst, 
mit  verbrauchte. 

Seine  schwärmeriBch>religiÖsen  Schriften  machten,  dass  er  aus  Ulm  1530  ver- 
trieben, und  seine  Jrrthümer  im  folgenden  Jahre  auf  der  Heligionsversammlung  zu 
Schmalkalden  verdammt  wurden.  Später  besass  er  zu  Basel  eine  Druckerei,  wo  wir 
auf  Seite  287  seiner  schon  gedachten.  — 


336  —     Ulm.     — 

ScOrugöetnerKungeri  ju  Ufm. 

Bei  den  immerhin  vortrefflichen  Leistungen,  welche  wir  zumal 
bei  den  ersten  Buchdruckern  Ulm's  gebührend  gewürdigt  haben, 
ist  die  Anzahl  der  Typographen  dieser  Stadt,  soweit  sie  durch  Er- 
zeugnisse ihrer  Pressen  bis  auf  unsre  Zeit  gekommen  sind,  eine 
nur  geringe.  Ohne  Gefahr,  einer  zu  weiten  Ausdehnung  des  Stoffes 
anheim  zu  fallen,  haben  wir  in  Vorstehendem  die  bekannten  Ulmer 
Typographen  des  15.  Jahrhunderts  sämmflich  in  ihrer  Thätigkeit 
veranschaulicht,  während  aus  dem  i6.  Jahrhundert  nur  noch  wenige 
hinzuzufügen  wären;  nämlich: 

Matthes  Hoffischer  um  1522  bis  1536;  Oswald  Gruppenhach 
von  Tübingen  1563  bis  1569;  Paul  Hiebner  von  Dillingen  1570  bis 
1578;  Johann  Anton  Uhlhard  1579,  dessen  Sohn  Johann  Uhlhard 
im  siebzehnten  Jahrhundert  das  Geschäft  fortsetzte. 

Als  Verla gshuchhänfUer  bethätigte  sich  zu  Ulm  in  den 
achtziger  Jahren  des  15.  Jahrhunderts  der  Venediger  Justus  de  AI- 
bano,  auf  dessen  Kosten  Johannes  Reger  in  der  ersten  Zeit  seiner 
typographischen  Thätigkeit  diuckte. 

Andere  Namen  sind  uns  noch  durch  Urkunden  Ulm's  über- 
liefert, ohne  dass  Zeugen  ihrer  Thaten  zu  finden  sind,  wonach 
ihnen  ein  gewisser  Platz  in  der  pragmatischen  Darstellung  an- 
gewiesen werden  könnte.  Auch  diese  mögen  hier  eine  Stelle  finden. 
Es  werden  darunter  als  Huchdrncher  genannt:  ^0^1484;  Aiam 
Planck  i486;  Jörg  1493;  Ulrich  Sawter  1488  bis  1499;  und  um  die- 
selbe Zeit  Simon  Wind  von  Kirchberg  und  Johann  Hoch^pring\  Jo- 
hannes Zorell  1528.  —  Als  Buchhändler  ferner:  Ulrich  1476  bis 
1495;  Conradin  1494;  Icarius  Oellin  von  Blaubeuern«  und  schliess- 
lich Conrad  Mantz,  der  1475  das  erste  Buch  zu  Blaubeuem  gedruckt 
hatte.  —  

erflaii5unQS=CilcrQtur  f^xi  Hfm. 

1.  „Der  Aller-Durchleuchtigste  Ritter  .  .  .  Theurdanck  . . .  Ulm  1679, 

zu  finden  bey  Matthäo  Schuhes,  Druckts  Matthäus  Wagner.' 
NB.    Wir  haben  dieser  Ausgabe  mit  den  Holzschnitten  von  den  Originalstorken 
schon  auf  Seite  279  No,  7  Erwähnung  gethan.  — 

2.  Hassler.     Die   Buchdruckergeschichte   Ulm's.     Ulm,   Verlag  der 

Stettin'schen  Buchhandlung  1840.  — 

3.  Gutenberg- Album.     Zur  Erinnerung  an  das  vierte  Säcularfest  der 

Erfindung  der  Buchdruck erktmt.     Ulm  1840.  — 

4.  Verzeichniss  alter  Druckdenkmale  der  Bibliothek  zum  H.  Mang 

in  Füssen.     Ulm  1790.  — 


i 


—  •  Nürnberg.     —  ^yj 

'SlflrnDerg 

-  Nuremberga,  — 


1470  biö  1473. 

Johann  Sensenschrmd  von  Eger  ist  jener  bedeutende  Typo- 
graph,  den  wir  schon  auf  Seite  88  und  89  unter  Bamberg  kennen 
lernten,  wohin  er  später  übersiedelte,  nachdem  er  ein  Jahrzehnt 
vorher  in  Nürnberg  die  Typographie  eingeführt  hatte, 

Heinrich  Kefer  von  Mainz  ist  ein  früherer  Gehilfe  Gutenberg's, 
welcher  aus  der  Mainzer  Process- Urkunde  /^«j^  contra  Gutenberg 
vom  Jahre  1455  in  Gemeinschaft  mit  Berthold  von  Hanau,  den  wir 
unter  Basel  schon  antrafen,  als  solcher  documentirt  ist. 

Vom  Jahre  1474  erscheint  Sensenschmid  bereits  mit  einem  an- 
dern Gesellschafter,  Andreas  Fr  isner  von  Wunsiedel  und  Kefer 
verschwindet  vom  Schauplatze.  Die  neue  Gesellschaft  dauert  bis 
zum  Jahre  1478;  darauf  ging  Frisner  nach  Leipzig^  wurde  dort 
Professor  der  Theologie  und  seit  1482  Rector  der  Universität.  Dass 
man  ihm  auch  den  ersten  Leipziger  Druck  von  1481  „Annii  Viter- 
biensis  Glosa  in  Apocalypsim"  zuschreibt,  ist  eine  Vermuthung,  die 
auf  sehr  schwathen  Füssen  steht.  Sensenschmid s  fernere  Wirksam- 
keit haben  wir  bereits  unter  Bamberg  Seite  88  &  89  weiter  verfolgen 
können.  —  

No.  715. 

<Sol)annr9  dSerfon:  ^^i!9e  fpiritualibtid  nuptUd  feu  opudculum 

fuper  cantica  cauticorum*^ 

Nürnberg^  Sensenschmid  &  Kefer,  1470«     Klein  Folio-Format. 

Der  fsTHte  Nürnberger  Typograph  Johann  Sensetisclmnd,  aus  Eger  gebürtig,  tritt 
«ns  hier  mit  seiner  ersten  Leistung  entgegen,  bei  der  er  ebenso  seinen  Namen 
verschweigt  wie  bei  einem  zweiten  Druckwerke,  dem  Comestorium  vitiorum  des 
Franciscus  de  Ketza,  das  dieselbe  Jahrzahl  tragt. 

Welches  von  beiden  Werken  zuerst  die  Presse  verlicss,  ist  zwar  nicht  mit  Be- 
stimmtheit zu  sagen,  muthmasslich  aber  ist  es  das  vorliegende  kleinere  von  nur 
39  Blättern.  Die  ziemlich  grossen  Typen,  von  denen  Braun  auf  Tafel  V  No.  VIII 
unter  der  Bezeichnung  „Characteres  Norimbergenses"  ein  gutes  Alphabet  gegeben 
hat,  sind  besonders  in  den  Majuskeln  sehr  originell. 

Dass  Sensenschmid  &  Kefer  die  Drucker  sind,  ist  durch  eine  mit  gleicher  Type 
gedruckte  Ausgabe  der  Moralia  Gregorii  in  Jolmm  erwiesen,  die  gleichfalls  Nürn- 
berg als  Druokort  und  die  Jahrzahl  1471  enthält.  Hierin  befindet  sich  nämlich  ein 
Register,  das  mit  denselben  Typen  gedruckt  ist,  mit  denen  die  unter  Nummer  718 
vorkommende  Pantheologia  Reyneri  mit  Firma  und  Datirung  von  Sensenschmid  & 
Kefer  1473  gedruckt  ist.    Diese  verdienstvolle  Entdeckung,  wodurch  zugleich  fest- 

22 


^^8  —    Nürnberg.    — 

gestellt  ist,  dass  Sensenschmid  &  Kefer  die  ersten  Nürnberger  Drucker  sind,  verdanken 
wir  Panzer  in  seiner  Buchdmckergeschichte  Nümberg's  1789  No.  1  bis  8.  — 

Wie  der  Titel  dieser  Kritik  des  Hohen  Liedes  Salomonis  „über  geistige  Ehe*  schon 
errathen  lässt,  liefert  der  berühmte  Pariser  Kanzler  Gerson  darin  eine  der  häafigen 
mystiBch-religlosen  Auslegungen  jener  Dichtung,  welcher  Herder  eine  bekannte  Ab- 
handlung unter  dem  Titel  „Lieder  der  Ldebe,  die  ältesten  und  schönsten  aus  dem 
Morgenlande",  Leipzig.  1778,  gewidme*.  hat.    Hain  7715.  — 


No.  716. 

Smtix  ISonaofiituraf  ^,1@rfmloquium  fcptcm  conflans  partibus 

be  facra  fcriptura". 

Nürnberg^  Sensenschmid  &  Kefer,  1472.     Klein  Folio-Format. 
Das  Breviloquium  behandelt  sieben  Materien  der  Heiligen  Schrift    Es  ist  nüt 
derselben  Type  gedruckt  wie  die  vorige  Nummer.     Am  Schlüsse  ist  wiederum  nur 
Druckort  und  Jahrzahl  angegeben,  die  Drucker  fehlen.    Hain  No.  8472.  — 


No.  717. 

ßo\)mniB  it  ^rrfon  ^,®ractatii0  be  rrguUs  manbatorum". 

Nttmbergy  Sensenschmid  &  Kefer,  circa  1472.  Klein  Folio-Format. 
Dieser  Tractat  ist  mit  derselben  Type  gedruckt  wie  die  vorigen.  Er  ist  inter- 
essant wegen  einer  Einschaltung,  die  sich  zwischen  Blatt  16  und  17  auf  einem  halben, 
einseitig  bedruckten  Blatte  befindet.  Wichtig  ist  auch  die  in  unserm  ExempUre 
befindliche  Jahrzahl  des  Rubricators:  147»,  Mit  dem  von  Hain  No.  7646  nicht 
erwähnten  leeren  Schlussblatte  zählt  das  Werkchen  20Va  Blätter.  — 


No.  718. 

Äri)nm  bc  |8i|ts  ^^3umma  Sll^fologiaf  ffu  JJant^f0l09iÄ^- 

Nürnberg^  Sensenschmid  Sc  Kefer,  1473. 
2  Bände  in  Gross  Folio-Format. 
Dieses  voluminöse  Opus  von  1720  Folioseiten  bildet  das  hervorragendste  Druck- 
werk der  Firma  Sensenschmid  &  Kefer,  zugleich  einen  der  schönsten  und  frühesten 
Nürnberger  Drucke  überhaupt,  mit  der  kleinen  Type  Sensensclmiid^s  hergestellt. 

Das  Werk  enthält  eine  alphabetische  Sammlung  alles  Dessen,  was  die  berühm- 
testen Theologen,  Schriftausleger  und  Canonisten,  natürlich  vor  der  Zeit,  in  welcher 
der  Verfasser  lebte,  geschrieben  haben.  Letzterer  war  ein  Dominikaner  und  lebte 
um  die  Mitte  des  14.  Jahrhunderts.    Hain  No.  13  Ol?i.  — 


Hier  nun  müssen  wir  vorläufig  von  dem  Drucker  Sensenschmid 
Abschied  nehmen,  dessen  letzten  Druck  in  der  Gesellschaft  Heinrich 
Kefer's  wir  in  obigem  „opus  vastum"  —  wie  Panzer  sagt  —  kennen 
gelernt  haben,  an  dessen  jedenfalls  bedeutenden  Kosten  die  Druckerei 
vermuthlich  sich  verblutet  hat.  In  der  chronologischen  Folge  wer- 
den wir  die  neue  Association:  Sensenschmid  dt  Frisner  mit  dem 
Jahre  1474  wieder  einführen.  — 


—     Nürnberg.     —  ^7g 

3ot)atnie0  ^rgtomontanua  otrrr  Irr  ptontrregio^ 

eigentlich 

3oI?ann  Wtüller  von  iRSnigeberg  in  Sranfcti; 

au*  lHolitor,  iRunepcrg,  ^o^^annce  (Bermanue 

unö  3cfl}cint\c&  Srancu6  genannt, 

1471  bie  1474. 

Einer  der  ausgezeichnetsten  älteren  Mathematiker  Deutschland's 
Hess  er  sich  1471  in  Nürnberg  nieder  und  errichtete  mit  pecuniärer 
Hülfe  eines  reichen  Nürnberger  Bürger's,  Bernhard  Walther,  eine 
Druckerei,  in  welcher  zum  Zwecke  der  Förderung  mathematischer 
Wissenschaft  verschiedene  dahin  einschlagende  Werke  gedruckt 
wurden  und  die  wegen  der  Correktheit  der  daraus  hervorgegangenen 
Bücher  berühmt  ist.  —       

No.  719. 

Johannis  Regiomontani  „Ephemerides  astronomicae  ab 

anno  1475  ad  annnm  1506". 

Nürnber^^  Johannes  Regiomontanus,  1474«     Quart-Format. 

In  diesen  sogenannten  „Ephemeriden*^  legte  der  gelehrte  Regiomontanus  seine 
astronomischen  Beobachtungen  nieder,  indem  er  in  taglichen  Tafeln  die  Constellation 
der  Gestirne  bis  zum  Jahre  1506  voraus  verzeichnete. 

JDie  Exemplare  dieser  Original- Ausgabe  sind  so  selten  f  dass  Panzer  im  Jahre 
1789  bei  Abfassung  seiner  Nürnberger  Buchdruckergeschichte  noch  schrieb:  ^Man 
hat,  soviel  ich  weiss,  bisher  noch  kein  Exemplar  davon  entdecken  können**.  Er  selbst 
beschreibt  dann  ein  von  ihm  auf  der  Nürnberger  Stadtbibliothek  entdecktes  Exemplar, 
-welches  incomplet  war  und  nur  bis  zum  Jahre  1500  reichte,  woriu  dann  auch  das 
Schlussblatt  mit  der  Jahrzahl  fehlte. 

Seitdem  ist  freilich  durch  Denis  Supplement  pag.  41  das  Exemplar  der  Wiener 
Küserlichen  Bibliothek  und  durch  Hain  No.  13  790  dasjenige  der  Königlichen  Biblio- 
thek zu  München  angezeigt  worden,  dennoch  zahlen  ganz  complete  Exemplare  zu 
den  Seltenheiten  ersten  Ranges.  Man  vergleiche  auch  die  Ulmer  Ausgabe  der  Ephe- 
meriden  unter  No.  710,  die  eine  -wichtige  Fortsetzung  der  vorliegenden  bildet. 

Unser  Prachtexemplar  ist  noch  heute  wie  neu  erhalten ;  die  Ausfüllung  der  zahl- 
reichen astronomiechen  Zeichen  in  dem  ziemlich  voluminösen  Werke  soll  übrigens 
von  des  Verfassers  und  Druckers  eigner  Hand  sein,  da  schwerlich  ein  Anderer  dazu 
die  nöthigen  astronomischen  Kenntnisse  gehabt  haben  dürfte ;  sie  sind  äusserst  sauber 
und  gleichmässig  mit  leuchtand  rother  Tinte  eingeschrieben.  — 


filtern  ^ober^er  ober  ^oburöft, 

1472  bi0  1513. 

Von   den   höchst   mannichfachen  Formen,   in  welchen  sich  der 
Name    des   berühmten  Druckers  ausgedrückt  findet,   sind  obige  die 

22* 


340 


Nürnters:.     — 


»• 


gebräuchlichsten;  es  finden  sich  auch  folgende  Schreibweisen  vor: 
Kohberger,  Kol)urgus,  Koburgius,  Coburgus,  Cobergus,  Coubergus, 
Copergius,  Compergius,  Conpergius,  Cobergerius,  Cobyrgius,  Co- 
burgensis. 

Von  dem  gleichzeitigen,  gelehrten  Pariser  Drucker  Jodocus 
Badius ,  der  ihm  seine  Ausgabe  der  Briefe  des  Polilianus  von  1499 
dedicirte ,  stammt  die  Bezeichnung  Koburger*s  als  eines  , »Königs 
der  Buchdrucker'*  her.  Wenn  man  die  colossale  Ausdehnung  des 
Koburger'schen  Geschäftes  betrachtet,  so  findet  man  dieses  Schmeichel- 
wort allerdings  gerechtfertigt. 

Nach  den  ältesten  Nachrichten,  die  der  gleichzeitig  lebende 
Neudörffer  in  einem  Manuscripte  über  die  vornehmsten  Künstler 
und  Werkleute  Nürnberg's  giebt,  hatte  Koburger  „täglich  mit  24 
Pressen  zu  drucken;  darzu  hielt  er  über  loo  Gesellen,  die  waren 
einestheils  Setzer,  Correctores,  Drucker,  Posselirer,  JUuministen, 
Coipponisten ,  Buchbinder".  Die  Gesammtzahl  der  von  der  Ko- 
burger'schen  Offizin  gelieferten  Drucke  beläuft  sich  auf  220  meist 
starke  Werke  in  gross  tem  Folio. 

Vergleicht  man  hiermit  die  Thätigkeit  Johann  OporirCs  zu  Basel» 
wie  wir  dieselbe  auf  Seite  231  &  232  schon  geschildert  haben,  so 
ergiebt  sich  ein  merkwürdig  difFerirendes  Resultat.  Während  Oporin 
in  der  Zeit  des  Höhepunktes  seiner  Thätigkeit  nur  etwa  50  Ar- 
beiter beschäftigte,  lieferte  er  dennoch  in  28  Jahren  mehr  als  750 
Druckwerke;  also  mit  der  Hälfte  der  Arbeiter  in  Vs  cler  Zeit  bei- 
nahe 3Va  mal  soviel  als  Koburger. 

Das  Verhältniss  der  Productivität  Koburger's  zu  Oporin  würde 
sich  demnach  auf  etwa  i :  9  stellen.  Dagegen  waren  Oporin's  Ver- 
mögensumstände als  er  starb  zerrüttet,  und  Koburger  hatte  sich, 
nach  Neudörffer,  „ein  grosses  Vermögen  erobert".  Zieht  man  nun 
die  geistige  Richtung,  den  Inhalt  der  Werke  dieser  beiden  Drucker 
in  vergleichenden  Betracht,  so  findet  man  in  Koburger's  stolzen. 
Folianten  neben  der  bis  zum  Ende  des  15.  Jahrhunderts  fünfzehn 
Mal  bei  ihm  aufgelegten  Bibel,  die  Scholastiker  und  besonders  jene 
dickleibigen  Encyclopädieen,  welche  unter  verschiedenen  Titeln  wie 
Summa,  Glossa,  Speculum,  Catholicon  die  Gelehrsamkeit  jener  Zeit 
alphabetisch  aufspeicherten. 

Während  hier  also  die  Tendenzen  des  Mittelalters  sichtbar 
vorherrschen  und  ihr  Vertreter  zu  Ehren  und  Reichthum  gelangt, 
sehen  wir  bei  Oporin,  um  ein  Menschenalter  später,  den  Humanis- 
mus die  herrlichsten  Blüten  treiben,  und  ein  unermüdliches  Ringen, 
gepaart'  mit  glänzendem  Wissen  von  äusseren  Erfolgen  gänzlich 
im   Stiche   gelassen.     Sollte   hieran   die   Schuld    Oporin's   schlechter 


—    Nürnberg.     —  34 1 

Wirtbschaftlichkeit  allein  zuzumessen  sein?  Dieses  Urtheil  möchten 
wir  nicht  unbedingt  unterschreiben.  Das  stattliche  Druckhaus  Ko- 
burger' s  in  Nürnberg  existirt  übrigens  noch  heute  ziemlich  unver- 
ändert. —  

No.  720. 

(Sualtfruö  18urlacu0:    ^,©f  uita  rt  moribuö  |9l)ilofopl)orum 

et  poetarum**. 

Nürnberg 5  Anton  Koberger,  circa  1472«     Folio-Format. 

Wir  haben  diese  ohne  Firma  und  Datiruog  gedruckte  Ausgabe  der  ältesten 
Geschichte  der  Philosophie,  sowie  auch  das  folgende  Werk  bereits  unter  No.  199 
als  mit  den  ältesten  Koberger'schen  Typen  gedruckt  bezeichnet,  bei  welcher  Gelegen- 
heit wir  auch  eine  längere  Auseinandersetzung  über  die  auffallende  Aehnlichkeit 
dieser  Typengattung  mit  denjenigen  von  drei  andern  Typographen  gegeben  und  von 
den  dadurch  hervorgerufenen  Verwechselungen  der  Bibliographen  gebandelt  haben. 
Hain  No.  4118.    Ist  mit  dem  Folgenden  zusammengebunden. 


No.  721. 

€ljri|liantt0  l^onoriuö:   ^,?ibri  tre»  be  Smagtnc  munbf*. 

Nürnberg  j  Anton  Koberger,  circa  14  7  2«     Folio-Format. 

Mit  denselben  Typen  gedruckt  wie  das  vorhergehende,  gleichfalls  ohne  Druck- 
firma und  Datirung  und  mit  diesem  zusammengebunden.  Wie  letzteres  die  erste 
Geschichte  der  Philosophie  enthält,  so  ist  dieses  als  erste  gedruckte  „Geographie** 
zu  betrachten,  denn  so  wird  man  die  den  ersten  Theil  des  Werkes  bildende  all- 
gemeine W«ltbeschreibung  nennen  dürfen;  im  zweiten  Theile  ist  von  der  Zeit  imd 
ihrer  verschiedenen  Eintbeilung  gehandelt,  und  der  dritte  Theil  giebt  eine  kurze 
Chronik  vom  Anfang  der  Welt  bis  auf  Conrad  III.,  deutschen  Kaiser,  zu  dessen 
Zeit  im  1?.  Jahrhundert  der  Verfasser  gelebt  haben  soll.    Hain  No.  8800.  — 


No.  722. 

^^ibüa  facva  latina." 

Nürnberg^  Anton  Koberger,  1475«     Gross  Folio-Format. 

Höchst  seltene  lateinische  Bibelausgabe,  die  nicht  nur  die  erste  von  den  15  ver- 
schiedenen Ausgaben  ist,  die  Koburger  im  15.  Jahrhunderte  hergestellt  hat,  sondern 
auch  die  erste  datirte  Nürnberger  Bibel;  sie  ist  noch  mit  denselben  ältesten  Koburger- 
schen  Typen  gedruckt  wie  die  beiden  vorhergehenden  Nummern,  nur  dass,  wie  wir 
bemerkten,  hier  noch  eine  Art  von  jD  und  <S  ausser  der  gewohnlichen  Form  dieser 
Buchstäben  vorkommt.    Hain  No.  3056.  — 


No.  723. 

^ntonint  ^rd)lfpi('copi  3Florentini  ^^3umma  Sl^eologica^^ 

Nürnberg,  Anton  Koberger,  1477  bis  1479. 

4  Bände  in  grösstem  Folio-Format. 

In  dieser  Editio  princeps  der  Summa  des  Antoninus,   Krzbischofs  von  Florenz, 
in  ihrem  gewaltigen  Umfange  nur  den  Mentelin'schen  „Speculis"  vergleichbar,  haben 


342  —     Nürnberg.     — 

wir  das  grösste  aller  Kobarger* sehen  Druckwerke  vor  uns.    Unter  No.  595  fährte 
wir  schon  die  Venediger  Ausgabe  des  Micolaus  Jenson  an,  die  mit  der  vorUpgenden 
gleichzeitig  gedruckt,   aber  doch  ein  Jahr  später  vollendet  wurde,  weshalb  wir  jene 
als  Editio  princeps  secunda  bezeichnen  können. 

Die  hier  in  Anwendung  gebrachte  ztceite  Koburger^sche  Typengattung  ist  eine 
ziemlich  grosse,  sehr  deutliche  und  schöne  gothische  Schrift,  durch  welche  das  ganze 
imposante  Druckwerk  ein  überaus  prächtiges  Ansehen  erlangt,  welches  selbst  die 
unstreitig  schöne  Ausgabe  Jenson^s  in  den  Schatten  stellt.  Die  stark  mit  Gold  be- 
legten Initialen  sind  von  ausserge wohnlicher  Grösse,  und  das  ganze  Riesenwerk 
durchgehends  wie  neu  erhalten.    Hain  No.  1242.  — 


No.  724. 

^etrus  iBanbulfen:  ^«Melatio  be  obfibione  nrbid  ül)obUe  all 

3Fribfricum  jJmperatorrm^^ 

Nürnberg,  Anton  Koberger,  1480.    Ein  Blatt  in  Gross  Folio-Format. 

Dieser  höchst  seltene  Einblalldruric  ist  von  keinem  Bibliographen  gekannt 
Kr  enthält  zwar  die  Firma  Koberger's  nicht,  ist  aber  zweifellos  sein  Produet,  denn 
er  ist  mit  denselben  kleinen  gothischen  Typen,  wie  untern  Andern  die  in  nächster 
Nummer  beschriebene   ,Biblia  cum   postillls  Nicolai   de  Lyra"   von  1481  gedruckt 

Das  Gross foUo- Blatt  ist  nur  auf  einer  Seite  in  84  Zeilen  gedruckt  und  beginnt: 
„jdereniffimo  oc  ^nnictifftmo  pnctpi  i  bno  nro  *  hno  irriberiro  ||  Komonoct  ^nyrrtitori 
frmji  Slagufio:  biio  nobiB  obfrrnäbifftmo"  Der  Schluss  lautet:  ,,Datn  Hljobi  •  bU  beci* 
niatrrria  ntrnflB  drptebris  •  3lnno  u  •  Irrr.  ||  i§amil(B  feraitorrB:  JlrtruB  banbolfro  J 
luogiflerliorpilnlis  Jjierrra.    <5t  afilin."  — 

Hain  iührt  unter  No.  5928  eine  Ausgabe  dieses  Briefes  von  5  Blattern  in  Quart 
an,  nennt  aber  den  Verfasser  Petrus  Danhusen,  ihn  wahrscheinlich  mit  dem  Nürn- 
berger Gelehrten,  den  wir  unter  No.  740  noch  kennen  lernen  werden,  verwechselnd. 
Der  Verfasser  des  obigen  „Berichtes  über  die  Belagerung  der  Insel  Rhodus  an  den 
Kaiser  Friedrich"  ist  jedoch  eine  ganz  andere,  historisch  sehr  interessante  Persön- 
lichkeit. Er  war  Ordensmeister  der  Johanniter -Ritter,  welche  sich  nach  ihrer  Ver- 
treibung aus  Palästina  im  Jahre  IBC'9  auf  Rhodus  niedergelassen  hatten,  sich  gegen 
die  unausgesetzten  Angriffe  der  Türken  mannhaft  wehrten,  dennoch  aber  1B89  run 
den  Türken  vertrieben  und  gezwungen  wurden,  sich  auf  Malta  niederzulassen,  daher 
denn  auch  die  Namen  Rhoil'^er  imd  Malteser  für  die  Ritter  desselben  Ordens  gleich- 
zeitig gebräuchlich  sind. 

Im  Jahre  1480  nun  wurde  Rhodus  einmal  wieder  von  den  Türken  heimgesaeht, 
und  Petrus.  Danhussen  war  es ,  der  damals  als  Ordensmeister  die  kluge  und  mann- 
hafte Vertbeidlgung  der  Insel  leitete,  sodass  die  Pläne  der  Türken  zur  Zeit  ganxlicli 
zu  Wasser  wurden.  Wir  sind  in  der  angenehmen  Lage,  in  Beziehung  hierauf  eine 
interessante  Notiz  zu  geben.  Es  findet  sich  nämlich  die  ganze  Geschichte  dieser 
Belagerung  in  dem  seltenen  und  wichtigen  Reisewerke  des  Bertihard  von  Breidenbucb, 
wovon  wir  die  ersten  Ausgaben  unter  Mainz  No.  42  &  43  antührten.  In  dem  vor- 
letzten Capitel  nämlich  ,,Don  hrr  flatt  Itobiß  mit  |le  oon  hen  Snrdtrn  »orb  beleDfict 
onb  onberflonben  }n  grnqnnen^'  werden  die  einzelnen  Umstände  dieser  Fehde  mit  be- 
sonderer Würdigung  der  Verdienste  des  Hauptes  der  Johanniter-lÜtter,  „Petrus  Dan- 
busson  vss  franckrik",  nach  Andern :  Pierre  d'Aubusson,  ausführlich  geschildert.  Für 
diese  Geschichte  der  Rhodiser  Belagerung  liefert  nun  die  vorliegende  Original- Urkunde 
l'anbussen's  eine  treffliche  Ergänzung,  und  es  ist  uns  in  der  That  angenehm,  den 
Zusammenhang  dieser  geschichtlichen  Denkmale  aufgefunden  zu  haben.  — ■ 


—    Nürnberg.    —  343 

No.  725. 

,,1Btblia  lattna  cum  |9o|ltUt0  l^icolat  be  ft^ra.'' 

Nfimberg^  Anton  Kobcrger,  1481«     3  Bände  in  Folio-Format. 

Es  ist  dieses  die  erste  von  den  fünf  verschiedenen  Ausgaben  der  Bibel,  die 
Koburger  mit  den  Glossen  des  Nicolaus  de  Lyra  im  Ganzen  gedruckt  hat.  Sie  ist 
mit  derselben  lileinen  gothischen  Type  gedruckt,  wie  die  vorige  Nummer.  Bei  den 
grossen  Typen  der  Ueberscliriften  wollen  wir  auf  ein  ganz  sonderbares  3  aufmerk- 
sam machen,  das  hier  wie  dort  vorkommt;  es  ist  dieses  ein  „Specificum  Kobergianum". 

Von  allen  Bibelausgaben  mit  der  Postille  ist  dieses  übrigens  die  einzige^  welche 
Holzsehnitie  enthält;  und  zwar  ist  es  nicht  nur  der  erste  Band,  in  dem  dieselben 
vorkommen,  wie  Panzer  in  seiner  „Geschichte  der  Nürnberger  Bibelausgaben"  Seite  60 
angiebt,  sondern  es  finden  sich  auch  deren  im  zweiten  Bande.  Nach  genauer  Zah- 
lung enthält  der  erste  Band  2ß  —  nicht  23,  wie  Panzer  sagt  —  von  denen  4  blatt- 
gross  sind;  der  zweite  Band  enthält  Iß,  darunter  wieder  4  blattgroBse;  im  dritten 
Bande  aber  sind  keine  anzutreffen.  Weshalb  Hain  diese  erste  Koburger'sche  Aus- 
gabe nicht  unter  die  „Bibeln'^  setzte,  wie  er  bei  den  Glossen  des  Lyra,  welche  den 
Bibeltext  mit  enthalten,  sonst  gethan  hat,  ist  nicht  ersichtlich.  Man  konnte  deshalb 
zu  der  Annahme  verführt  werden,  dass  der  Bibeltext  hier  nicht  vorhanden  sei. 
Dieses  ist  jedoch  der  Fall,  obgleich  er  nicht  durch  verschiedenen  Druck  ausgezeichnet 
ist,  sondern  mit  der  Glosse  fortläuft  und  nur  mit  Klammern  eingeschlossen  ist.  Man 
findet  die  Ausgabe  bei  Hain  unter  No.  10369.  — 


No.  726. 

^ol)anni0  ^nnB  <?cott  ^)<3criptum  in  quatuor  libras 

5rntrnttarttm^^ 

Nürnberg^  Anton  Koberger,  1481.     4  Theile  in  einem  Bande. 

Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  des  Commentars  des  Duns  Scotug  zu  den  vier  Bücher  Sentenzen 
des  Petrus  Lombardus  ist  mit  derselben  Type  wie  die  vorige  Nummer  gedruckt. 
Hain  No.  6417.  —  

No.  727. 

CSuUiflmi  i0uranbi  ^^MationaU  blmnorum  ofpciorum^^ 

Nürnberg^  Anton  Koberger,  1481.    Folio-Format. 

Auch  .diese  prächtige  Ausgabe  des  Rationale  ist  mit  derselben  Type  wie  die 
vorigen  Nummern  gedruckt;  sie  ist  die  zweite,  welche  Koberger  herausgab.  Die 
erste  erschien  1480,  eine  dritte  1494.    Hain  No.  6486.  — 


No.  728. 

^^^it  neunte  iSmtfd)e  JUbel/^ 

Nürnberg^  Anton  Koberger,  1483.     Gross  Folio-Format. 

Diese  höchst  seltene  Bibel- Ausgabe  ist  zugleich  die  einzige  deutsche,  welche 
von  Koberger  gedruckt  worden  ist;  sie  ist  jedoch  eine  der  schönsten.  Von  den 
:110  Holzschnitten  —  nicht  107  wie  Panzer  in  seiner  „Geschichte  der  Nürnbei^er 
Bibelansgaben*'  Seite  68,  auch  nicht  1C9  wie  Ebert  angiebt  —  ist  es  bekannt,   dass 


344 


—    Nürnberg.     — 


sie  identisch  mit  denen  der  ersten  CÖlnev  Bibel  im  Niedersächsischen  Dialekte  untar 
Nu.  842  unserer  Sammlung  sind ;  mit  einer  Einschränkung  jedoch.  Es  fehlt  nämliih 
in  vorliegender  Ausgabe  die  sich  neunmal  wiederholende  kleine  Abbildung,  -welche 
dort  zu  Anfang  der  Episteln  su  finden  iat;  während  dort  von  den  hier  vorhandenen 
8  Abbildungen  cur  Offenbarung  Johannis  nur  eine,  die  erstet  bemerkt  wird,  die 
andern  aber  fehlen.  Die  Holzstöcke  sind  übrigens  in  Cöln  zunächst  für  die  Niecer- 
sächsische  Bibel  hergestellt,  wofür  auch  schon  die  Ansicht  des  Cölner  Domes  auf  dem 
Holzschnitte  Blatt  216  im  Propheten  Esra  spricht. 

Wir  finden  aber  bei  Panzer  in  seinen  Annalen  No.  13  erwähnt,  dass  es  rer- 
schiedene  Exemplare  der  „Cölner  Bibel''  gäbe;  solche,  in  denen  die  Abbiidungeii  sar 
yvpocalypse  fehlen,  und  solche,  in  denen  sie  vorhanden  sind;  möglich  ist  es  also, 
dass  in  andern  Exemplaren  eine  vollkommene  üebereinstimmunp'  der  Holzschnitte 
obwaltet.  Die  Type,  mit  welcher  das  Werk  gedruckt  ist,  nähert  sich  bereits  der 
Fractur  und  der  ganze  Druck  fällt  sehr  schön  in's  Auge.     Hain  No.  8137.  — 


No.  729. 

„fBif  Srformatton  ber  Ätabt  Nürnberg/* 

Nttmbergy  Anton  Koberger,  1484«     Klein  Folio-Format 

Die  allererste,  höchst  seltene  Ausgabe  der  Nürnberger  Reformation*  Sie  ist  mit 
den  Typen  der  Bibel  von  1488  gedruckt;  es  sieht  jedoch  auch  die  Notiz  über  den 
Drucker  auf  der  Rückseite  des  ersten  Blattes  nach  dem  Register.  Die  Ausgabe  ent- 
.hält  114  Blätter,  von  denen  das  letzte  leere  Hain  No.  13716  nicht  angiebt.  Das 
erste  auf  der  Vorderseite  leere  Blatt  zeigt  auf  der  Rückseite  einen  schönen  blntt- 
grossen  Holzschnitt,  auf  welchem  der  heilige  Lorenz ^  der  heilige  Sebald  und  die 
drei  Nürnberger  Wappen,  der  Reichsadler,  der  Jungfemadler  und  das  StadMtappm, 
abgebildet  sind. 

Eigenthümlich  ist  es,  dass  die  Titel  zu  diesen  Gesetzen  Nürnberg^s  bereits  .5  Jahre 
früher  im  Druck  erschienen,  während  zimi  Gebrauche  der  Gesetze  selbst  solange 
noch  Manuscripte  dienen  mussten.  Wir  besitzen  auch  von  der  vorzüglich  seltenen 
ersten  Ausgabe  dieses  Registers  von  1479  ein  Exemplar,  welches  wir  am  Schlosse 
von  Nürnberg  beschreiben  werden,  da  es  zu  der  vorliegenden  ersten  Ausgabe  der 
Reformation  ein  willkommenes  Agens  bildet,  obgleich  die  »Titel"  nicht  in  Nürnberg, 
sondern,  wie  wir  durch  Vergleichung  der  Typen  feststellten,  bei  Conrad  Fyner  in 
Esslingen  gedruckt  wurden.  —      

No.  780. 

J>al)annt0  be  <?antta  ^,€atl)0Uc0tt**. 

Nümbergr^  Anton  Koberger,  i486«     Gross  Folio-Format. 

Vorliegende  ist  die  zweite  Ausgabe,  welche  Koberger  von  diesem  bekannten 
Werke  gedruckt  hat;  im  Jahre  1483  erschien  die  erste  von  ihm  gedruckte. 

Die  Typen  sind  eine  neue  Art  Gothiseher  Schrift  mit  einem  merkwürdig  ge- 
formten A  und  eingestreuten  altgotiiischen  Majuskeln.    Hain  No.  2258.  — 


No.  731. 

Hleffretl):  „^ertnonra  be  tempore  et  be  ("anctla''. 

Nfimber^,  Anton  Koberger,  1487.     Folio-Format 
Diese  Predigten  sind  wieder  mit  einer  anderen,  kleineren  gothischen  Type  ge- 
druckt.   Ein  Alphabet  dieser  Schriftgattung  findet  man  in  Gras^  Büchenn«rkwürdig- 
keiten  auf  Tafel  5  No.  4;  es  ist  die  kleinste  Koberger'sche  Type.    Hain  No.  11 004.— 


—    Nürnberg.     —  ^^^ 

No.  732. 

^^tx  3d)a^bcl)altcr  ober  fd)rcm  bcr  taarni  rci(^tl)fimfr 

Nttmberg^  Anton  Koberger,  1491«     Folio-Format. 

Dieses  bekannte  Werk  ist  ein  .Andachtsbuch",  das  eine  sehr  ausfülirlicliv  Lehr» 
von  Christus  enthält.  Es  ist  mit  der  Type  der  deutschen  Bibel  Koberger's  sehr 
schön  gedruckt;  das  Berühmteste  davon  sind  jedoch  die  schönen  blattgrossen  HolZ" 
achnitte  des  Meister  Wohlgemut.  Die  Zalil  derselben  wird  überall  unrichtig  an- 
gegeben; wir  zahlen  nicht  94,  auch  nicht  95,  sondern  06*. 

Die  Richtigkeit  der  letztern  Zahl  geht  auch  aus  folgender  Rechnimg  hervor:  87 
der  Abbildungen  sind  nummerirt;  ausserdem  sind  von  denselben  noch /ün/ doppelt 
vorhanden  (No.  85,  89,  46,  71,  68);  zwei  unnummerirte  Holzschnitte  (die  linke  und 
die  rechte  Hand)  gehen  voraus,  und  zwei  dergleichen  folgen  nach.  Diese  Rechnung 
ergiebt  die  Zahl  96.    Hain  No.  14  507.  — 


No.  733. 

Publius  Virgilius  Maro:   „Opera  cum  commentariis". 

Nürnberg,  Anton  Koberger,  1492.     Folio-Format. 
Diese  Ausgabe  der  Werke  des   Tirgil  hat  die  Commentare  des  Servius,  Donatus, 
Landinus   und  Domitlus  Calderinus;   sie  ist  in  Antiqua  von   zweierlei  Grössen   ge- 
druckt.    Fehlt  bei  Hain,  wie  der  ganze  Artikel  Yirgil.  — 


No.  734. 

^«ii^giftrr  be0  ||  budje  ber  Cro{|nikcn  üttb  grfd)ict)tcn,  ||  mit 
figurf  unb  pilbniif  |ffu  tion  anbegin  bcr  uielt  ||  bie  auf  bicfc 

tinffrf  |eit.^^ 

Nfimberg^  Anton  Koberger,  1493,     Gross  Folio-Format. 

Die  erste  deutsche  Ausgabe  dieser  berühmten  Chronik  Dr.  Hartmann  SchedeVs 
die  in  demselben  Jahre  wie  die  lateinische  Original-Ausgabe  erschien  und  jedenfalls 
schon  vor  Beendigung  des  Druckes  der  letzteren  von  dem  Uebersetzer  Georg  Alt, 
Losungschreiber  zu  Nürnberg,  begonnen  wurde;  denn  es  ist  nicht  anzunehmen,  dass 
Uebersetzung  und  Druck  in  den  fünf  Monaten,  die  zwischen  dem  Erscheinen  beider 
Ausgaben  liegen,  hätten  beendet  werden  können. 

Das  Viele,  was  über  den  Inhalt  dieser  Chronik  und  über  die  etwa  2000  Holz- 
schnitte von  Wohlgemut  und  Pleydenwurf  schon  gesagt  ist,  lasst  ein  näheres  Ein- 
gehen darauf  überflüssig  erscheinen.  Wir  beschränken  uns  darauf,  zu  erinnern,  dass 
der  Druck  dieser  Chronik  durch  Einfügung  der  den  Text  auf  mannichfache  Art  in 
Ranken  und  Arabesken  unterbrechenden  Holzschnitte,  ein  sehr  complicirter  gewesen 
sein  muss,  und  dass  dazu  eine  neue,  schöne  Schwabacher  Type  angefertigt  wurde. 

Der  wunderbare  Schnitzer,  der  dem  Uebersetzer  durch  Verwechselung  der  latei- 
nischen Vocabeln  „vespillo"  und  „vespertilio"  passirte,  in  lern  er  aus  den  Leichen^ 
trägern  des  ermordeten  Kaiser  Domitian,  Fledermüuae  machte,  die  seinen  Leich- 
nam hin  wegtrugen ,  möge  der  Curiosität  halber  hier  noch  angeführt  sein.  Die  be- 
treffende Stelle  auf  Blatt  cix  lautet:  „aber  3U  le^t  xoaxbt  er  auö  ö5tlicl7er 

ver^eiiöfnuö  von  feen  feinen  In  feiner  fd^lafPamnicr  crfclHööen  vwb 

fein  leic^^nam  feurd?  feie  flefeermeirfe  vertragen  vnt>  fdjentlid?  In'örabcn." 


^^6  —     Nürnberg.     — 

Sotbane  „Flederm&use"  sind  denn  auch  sorgsam  in  den  späteren  Ausgaben  von 
Schönsperger  in  Augsburg  conservirt  worden;  Ja  selbst  der  schwenkfelderiscbe  St' 
Bastian  Franck  von  Woerd  hat  in  seiner  ,, Chronica  oder  Zeitbucb**  durch  cu  gewissen- 
hafte Benutzung  der  Uebersetzung  des  Schederschen  Werlces  dieselben  Thierchen 
wieder  vorgefahrt,  wo  sie  denn  in  den  Ausgaben  von  Strassburg  1^31  und  Ulm  153ß, 
die  unsere  Sammlung  ebenfalls  aufweisst,  vei^nüglich  herumflattern.  — 


No.  735. 

^^MtiHtm  II  ntalrftcarum/^ 

Nürnberg,  Anton  Koberger,  1494.     Quart-Format 

Diese  Ausgabe  des  «Hexenhammer"  zeigt  wieder  eine  neue,  sehr  hübsche,  gothiscbe 
Typengattung.  Bibliothekar  Gras  hat  sie  auf  Tftfel  6  No.  6  seiner  «Bächennerk- 
würdigkeiten«  treffend  facsimilirt.  Ueber  das  von  den  Inquisitoren  Jacob  Sprenger 
und  Henricus  Institoris  verfasste  Werk  selbst  sprachen  wir  schon  bei  der  Ausgabe 
von  Johann  Pryfs  unter  No.  286  unserer  Sammlung.    Hain  No.  9245.  — 


No.  736. 

^»«piptoU  (fnrr  filuij.'* 

Nürnberg,  Anthon  Koberger,  1496.     Quart-Format. 

Diese  Ausgabe  zählt  zu  den  vollständigen,  welche  433  Briefe  enthalten.  Die 
Sammlung  der  Briefe  des  Aeneas  Sylvius,  spätem  Papstes  Pius  II.,  die  derselbe  cum 
Theil  noch  als  Qeheimschreiber  Kaiser  Friedrich^s  III.  und  später  als  Cardinal  ge- 
schrieben, sind  fär  die  kirchliche,  politische  und  gelehrte  Geschichte  des  15.  Jabi^ 
hundert's  noch  heute  von  dem  höchsten  Interesse.  Koberger  hat  sie  dreimal  gedraekt 
Der  Herausgeber  ist  Nicolaus  von  Wyle,  den  wir  unter  No.  249  unserer  Sammlung 
bereits  als  verdienstvollen  Uebersetzer  gewürdigt  haben.  Die  Typen  sind  bis  auf 
den  gothischen  Titel  römisch.     Hain  No.  156.  — 


No.  737. 

^,5umma  quc  |9r|lnictoj|rium  tJiciorum  apprlla^.^^ 

Nürnberg^    Anton  Koberger,  1496.     Folio-Format. 

Ist  mit  derselben  zierlichen  Type  gedruckt  wie  der  Malleus  maleflcarum  unter 
No.  736.  Nach  Clement  I  pag,  178  soll  dieses  Werk  wegen  verschiedener  scharfer 
Ausfälle  gegen  die  Geistlichkeit  von  der  letzteren  geflissentlich  unterdrückt  worden 
und  deshalb  sehr  selten  geworden  sein.  Der  Verfasser  ist  ein  Engländer,  Alexander 
Fabricius,  der  im  16.  Jahrhunderte  lebte.     Hain  No.  652.  — 


No.  738. 

Decii  Jurii  Juvenalis  „Satyrae  cum  commentariis". 

Nürnberg,  Anton  Koberger,  1497.     Folio- Format 

Der  Commentar  ist  von  den  drei  Gelehrten  Mancinellus,  Calderinus  und  Vall« 
verfasst.  Die  Ausgabe  ist  Nachdruck  der  Venediger  von  1492.  Romische  Schrift 
von  zweierlei  Grosse.     Hain  No.  9711.  — 


—     Nürnberg.     —  ^^.y 

No.  739. 

^,5untma  ^ngcllca  bc  ca||(ibiie  confcirntie  cum  ab  ||  bltionib'^ 

nouilfr  abbitie/^ 

NVmbergr^  Anton  Koberger,  1498*     Folio-Format. 
Mit   der   kleinsten  gothischen  Type  Koberger^s   wie  Meffreth:    „Sennones"  unter 
No.  731  gedruckt.  —  Den  Verfasser  des  Werkes,  Angeius  de  Clavasio,  kennen  wir 
bereits   durch   die  Ausgaben  von  Martin  Flach  in  Strassburg  unter  No.  2(i8  und  218 
unserer  Sammlung.    Hain  No.  5400.  — 


No.  740. 

„duilljfnni  biui  |Jart(ifn[ftö  rptfcopi  oprrd  .  be  fibf .  Ugi- 
bu0  .  II  bf  tjirtuttbuö  .  mortbua  •  utcijs  •  pfcca||tis  •  trmpta- 
lionibua  •  rr (tftrntijs  •  me |  ritt»  •  rttributionibua  et  tmmortalt- 

tate  anime.** 

Nürnberg^  angeblich  Anton  Koberger,  circa  1496*     Folio-Format. 

Von  dieser  Ausgabe  hat  der  Gelehrte  Fre>'tag  in  seinem  Adparatus  III  pag.  803  ff. 
eine  sehr  lange  Beschreibung  gemacht,  in  \r elcher  er  behauptet,  die  Ausgabe  wäre 
gOhne  Zweifel  aus  Koberger^s  Oflicin  im  Jahre  1496  herausgekommen.  Dies  würde 
bezeugt  durch  einen  Brief  des  Herausgebers  Peter  Danhauser  an  Theodoricus  Ulsenius 
mit  dessen  Antwort,  die  dem  Buche  vorangingen".  Und  er  lässt  nun  den  ganzen 
langen  Brief  und  die  Antwort  wörtlich  abgedruckt  folgen. 

Panzer  hat  sich  in  seiner  Nürnberger  Buchdruckergeschichte  No.  249  und  in  den 
gAnnales"  II  pag.  221  No.  269  wiederholt  auf  die  Notiz  Freytag^s  bezogen  und  gesagt, 
dass  Letzterer  die  Ausgabe  j^mit  allem  Rechte  Koberger  zueigne*^  und  dass  ^dieses 
aus  den  beiden  voranaiehenden  Briefen  erhelle'^.  Yei^eblich  aber  haben  wir  beide 
Briefe  durchlesen,  um  eine  Stelle  darin  zu  finden,  die  darauf  Bezug  haben  könnte; 
wir  fanden  nicht  das  Mindeste,  was  darauf  deutet,  dass  die  vorliegende  Ausgabe  von 
Koberger  gedruckt  sei. 

Das  Einzige,  was  daraus  zu  entnehmen,  ist  die  Jahrzahl  1496,  welche  am 
Schlüsse  der  Antwort  des  Ulsenius  zu  lesen  ist.  Wahrscheinlich  hat  auch  Freytag 
sein  „testatur  id"  nur  auf  den  unmittelbar  vorhergehenden  Satz  „anno  1496  euulgata 
fuit"  beziehen  w^ollen,  während  das  voranstehende  „sine  dubio  ex  offieina  Antonii 
Koburgeri"  nichts  w^eiter  als  eine  starke  Yermuthung  sein  kann.  Panzer's  miß- 
deutende Bestätigung  hat  darauf  aber  die  Sache  zur  Evidenz  erhoben,  obwohl  nichts 
weniger  als  erwiesen  ist.  dass  diese  Ausgabe  Koberger's  Werk  war. 

Dies  zeigen  folgende  Bedenken:  Man  findet  in  dem  Werke  drei  verschiedene 
Tjpengattungen,  die  alle  drei  in  keinem  andern  Produkte  Kobergers  wieder  erscheinen. 
Die  erste  Zeile  des  obigen  Titels  ist  mit  einer  ganz  besonderen  Missalschrift  gedruckt, 
deren  Charakter  wir  in  mancher  andern  Druckerei  wiederfinden,  nur  bei  Koberger 
nicht!  Zum  Exenipel  bcsass  diese  Schrift  ein  anderer  Nürnberger  Drucker,  Qeorg 
Stuchs  von  Suhlach,  der  sie  in  der  Vorrede  seines  „Missale"  von  1492  anwandte; 
sollte  also  das  Werk  in  Nürnberg  gedruckt  sein,  was  man  wohl  vermuthen  könnte, 
da  beide  obengenannte  (belehrte  Nürnberger  waren ,  so  könnte  leichtmoglich  Georg 
Stnchs  der  Urheber  desselben  gewesen  sein. 

Da  aber  die  beiden  andern  Typengattungea  des  Werkes  in  den  uns  vorliegenden 
legltimirten  Drucken  dieses  Typographen  nicht  vorkonunen,  so  wollen  wir  aus  der 
Uebereinstimmung  jener  wenigen  Worte  keine  bestimmten  Schlüsse  folgern,  umsomehr 
als  Jene  Missaltype  noch  in  verschiedenen  andern  Druckereien  bemerkt  wird;  dahin 


3^8  —     Nürnberg.     — 

gehören  besonders:  Johannes  Pfeil  in  Bamberg;  Wolf  gang  Stöckel  und  Melchior 
Lütter  in  Leipzig  und  Wittenberg.  Vielleicht  geben  die  von  uns  angeregten  Zweifel 
und  Anhaltspunkte  einen  Fingerzeig  für  andere  Forscher  zar  Erkennung  des  eigent- 
lichen Typographen  dieses  durchaus  mehr  als  zweifelhaften  Koberger-Druckes.  Hain 
No.  8800.  — 


^ßi)mn  jSfenfenfd)milr  ^  ^nirreaa  ßtisntr. 

1473  biö  1478. 

Hier  nehmen  wir  unseres  Sensenschmid^ s  Thätigkeit  wieder  auf^ 
der  sich  im  Jahre  1474  mit  Andreas  Frisner  aus  Wunsidel  associirte, 
welcher  von  1465  ab  in  Leipzig  studirte  und  dort  Magister  wurde. 
Es  ist  anzunehmen,  dass  er  ursprünglich  bei  Sensenschmid  als 
Corrector  thätig  war,  da  er  in  dem  ersten  von  der  neuen  Asso- 
ciation gedruckten  Werke,  welches  wir  in  folgender  Nummer  ver- 
zeichnen, so  genannt  wird.  Im  Jahre  1478  ging  er  dann  nach  Leipzig^ 
zurück,  wo  er  durch  den  ersten  Leipziger  Druck  von  148 1  die  Tjrpo- 
graphie  eingeführt  haben  soll.     Man  vergleiche  Seite  337.  — 


No.  741. 

^,i0if  j)icrte  bmtfdje  1@ibrl.*' 

Nttrnbergr^  Sensenschmid  &  Frisner,  circa  1473* 
Zweiter  Theil,  Gross  Folio,  zusammengebunden  mit  der  ersten 

deutschen  Bibel  unter  No.  182. 

Von  dieser  so  äusserst  seltenen  deutschen  Bibelausgabe  mit  den  schönen  Holzschnitt- 
Initialen  hat  Panzer  zuerst  in  seinen  Zusätzen,  Leipzig  1808,  pag.  2,  die  Drucker  ent- 
deckt. Die  ohne  Druckort,  Firma  und  Jahrzahl  erschienene  Bibel  ist  nämlich  mit 
denselben  Typen  gedruckt,  die  in  des  Petri  de  Monte  „Repertorium  Juris*  yorkommen, 
wovon  auch  wir  ein  Prachtexemplar  unter  No.  744  anfuhren  werden,  welches  die 
Druckfirma  und  Jahrzahl  von  147(>  aufweist. 

Es  scheint  uns  übrigens  zweifelhaft,  ob  man  diese  Bibel  mit  Recht  die  vierte 
deutsche  nennt,  oder  ob  nicht  vielmehr  der  Günther  Zainer'schen  (No.  512),  die  als 
fünfte  gekannt  ist,  der  Vorrang  gebührt.  Diese  konnte,  da  mit  den  ältesten  fetten 
Typen  Zainer^s  gedruckt,  recht  wohl  vor  1473  herausgekommen  sein.  Jene  aber 
kann  nur  frühestens  1473  gedruckt  sein,  da  die  Typen  erst  nach  Sensenschmid^s 
Trennung  von  Kefer  vorkommen.  Man  vergleiche  über  die  seltene  Bibelausgabe 
Panzer,  Literarische  Nachricht  Seite  30,  desselben  Annalen  Seite  18,  und  Zns&tie 
Seite  2;  desgleichen  Hain  No.  8133.  — 


No.  742. 

ai)omaf  ^(|utnatt0  ,,Sluac(li0itfe  bc  bu0btcim  ^ttobltbct". 

Nürnberg^  Sensenschmid  Sc  Frisner,  1474«     Folio-Format. 

Das  , Quodlibet"  des  Thomas  von  Aquino  enthält  12  Fragen  über  verschiedene 
theologische  Materien,  die  ihre  Beantwortung  darin  finden.  Es  ist  in  dieser  seltenen 
Ausgabe  mit  einer  schönen  und  grossen  gothischen  Type  gedruckt,  die  bei  Sensen- 
schmid bisher  nicht  vorkam.    Hain  No.  1402.  — 


—     Nürnberg.     —  j4q 

No.  743. 

i^^fr  I)ft)li9m  Irbrn  futtimcrtrijl.** 

Nümbergr^  Johann  Sensenschmid,  1475*     Gross  Folio-Format. 

Mit  derselben  schönen  Type  gedruckte  und  mit  vielen  Holzschnitten  ausgestattete 
sehr  seltene  Ausgabe  dieser  Heiligen-Geschichte.  Hier  kommt  der  Name  Frisner 
nicht  vor;  wahrscheinlich  weil  seine  gelehrten  Kenntnisse  als  Corrector  hier  ent- 
behrt werden  konnten.    Hain  No.  9969.  — 


No.  744. 

Ißtixx  bf  Jöotttf  ^^Seprrtoriiim  J^uria^^ 

Nürnberg,    Frisner    &    Sensenschmid,    1476* 

3  Theile  in  Gross  Folio-Format  in  einem  Bande. 

Dieses  Kepertorium  beider  Rechte  ist  wiederum  mit  einer  andern  Type  gedruckt, 
welche  viel  Aehnlichkeit  mit  der  Schoffer'schen  Paulus-Type  hat.  Wir  erwähnten 
bereits,  dass  mit  derselben  Schrift  auch  die  vierte  deutsche  Bibel  unter  No.  741  ge- 
druckt ist.  Hier  ist  Frisner  wieder  mit  Sensenschmid  zusammen  genannt  und  diesem 
in  der  rothgedruckten  Schlussschrift,  wo  es  heisst:  „,,3mp(|rn}  tlnremb^-Hge  V.  ^Ottora- 
libes  oiros  Xttbrea;  frirutr  6nn|;fidelfttrtm  et  üoannem  ütnfenrdimib  (Eine  ||  llnrembercien- 
fem**,  sogar  vorangestellt.  Die  tolle  Idee,  alle  drei  starken  Bande  einem  einzigen 
Volumen  zu  vereinen,  hat  daraus  einen  schier  ungeheuren  Schweinslederband  ge- 
schaffen; ein  merkwürdiges  Beispiel  alter  Buchbinderkunst.  Hain  No.  11588.  — 


/rifbrid)  Creu^ner, 

1472  bis  1497. 

Der  vierte  bedeutende  Nürnberger  Typograph,  von  dem  es 
zweifelhaft  ist,  ob  er  nicht  schon  vor  Koberger  gedruckt  habe,  da 
seine  undatirten  Ausgaben  des  lateinischen  Psalter  und  des  Donat  ein 
hohes  Alter  zeigen.  — 

No.  745. 

^lbred)t  uon  C!t)be:    ^,Pb  einem  planne  fei  ju  nemen  ein 

eitel)  ?öeib.<^ 

Ntimbergr,  Friedrich  Creussner,  1472.     Quart-Format. 

Erster  datirter  Druck  Creussner's.  Eine  Seltenheit  ersten  Ranges,  welche  weder 
Panzer  noch  Hain  gesehen  haben.  Es  ist  zugleich  die  erste  datirte  Ausgabe  dieses 
launigen  Werkchens,  das  wir  unter  No.  567  schon  kennen  lernten.  Der  Anfang 
lautet:  „(D)3«  natÖrlid)ett  meifler  l)Qben||ttt  irer  fil)nl  tinb  tibung  für  gennümi.**  Der 
Schluss :  „ülcccclrrii  •  1 1  £x\t}  Crcnßtier  ju  Hftrnberg".  Die  Ausgabe  enthält  119  Blät- 
ter und  ist  in  21  Zeilen  gedruckt    Hain  6829.  — 


350  —     Nürnberg.    — 

No.  746. 

menrictts  jferung:  „(SlMCtbariuft  Scripturarum". 

Nttmberg^  Friedrich  Creussner,  1476*     Folio-Format. 

Mit  grosser  gothischer  Type  gedruckt.  Das  Werk  ist  ein  Wörterbuch  über 
Ausdrucke,  die  in  der  Yulgata  vorkommen,  und  hier  grammatikalisch,  etymologisch, 
auch  prosaisch  erklart  werden.    Hain  No.  9371.  — 


No.  747. 

;!^Qannr9  ^nbrtae:  ^^Ittctura  fuptr  arboribtts  confanguimtatis^ 
affinttattsi  rt  co^nationte  fptntualts^S 

Nürnberg,  Friedrich  Creussner,  1478.     Folio-Format. 

Creussner  druckte  dieses  Werk,  das  wir  unter  No.  518  &  869  schon  verzeichneten, 
zweimal  in  den  Jahren  1477  A  1478.  Die  Type  ist  dieselbe  wie  in  voriger  Nummer. 
Die  Ausgabe  enthält  drei  blattgrosse  Holzschnitte  mit  dem  , Baume  derVerwaadtschaft". 
Hain  Ko.  1031.  —  

No.  748. 

«Antonius  l^ampigoUttd:  ^^^lurra  IStblia  feu  Mepertorium 

aureum  fStbltorum". 

Nttrnberg,  Friedrich  Creussner,  1481*     Folio-Format. 

Dieselbe  Type  wie  in  voriger  Nummer.  Man  vergleiche  auch  die  Ausgaben  der 
»goldenen  Bibel"  unter  No.  hZS  &  700  unserer  Sammlung.    Hain  No.  13633.  — 


No.  749. 

^tlttobiid  Irgrnbt  ^  ftubenbi  abbrentaturaa  in  utroque  jurr.*^ 

Nürnberg,  Friedrich  Creussner,  1482*     Folio-Format. 

Mit  derselben  Type  gedruckt,  wie  vorige  zwei  Nummern.  Das  Werk  ist  eine 
Art  Schlüssel  zu  den  kanonischen  und  kaiserlichen  Rechtsbüchern,  worin  Titel  nnd 
Inhalt  derselben. angezeigt  sind,  und  eine  Erklärung  der  Abbreviaturen  gegeben  ist. 
Im  Jahre  1476  druckte  Creussner  scho     eine  erste  Ausgabe  davon.  Hain  No.  11 466.  — 


No.  750. 

„Hatfinifcljer  ^bupricf  3irtu5'  IV.<^ 

Nürnberg,  wahrscheinlich  Friedrich  Creussner,  1482« 
Holztafeldruck  in  Quer-Folio-Format. 

Dieses  höchst  seltene  Blatt  ist  noch  nirgends  beschrieben  und  vermuthlich 
Umcum.  Die  grosse  Ungleichheit  aller  Buchstaben  und  Zeichen,  die  sich  derart 
kundgiebt,  dass  man  nicht  z\Nei  absolut  gleiche  Formen  findet,  lässt  es  zweifellus 
erscheinen,  dass  das  Blitt  iu  Holztafel  iruck  ausgeführt  ist,  wie  dieser  für  bestimmti» 
kleinere  Drucksachen  noch  lange  nach  Erfindung  der  beweglichen  gegossenen  l'^pen, 
besonders  bei  grösüeren  Auflagen,  entsprechend  unserm  heutigen  Stereotyp  Verfahrea, 


—     Nürnberg.     —  2C| 


von  den  Buchdruckern  in  Anwendung  gebracht  wurde.  Wir  bringen  das  interessante- 
Blatt,  'welches  keine  Angabe  einer  Druckfirma  hat,  unter  Creussner  vor,  weil  die 
Buchstaben  in  auffallender  Weise  den  Ductus  Creussner'scher  Typen  an  sich  tragen, 
in  Einxelnheiten ,  die  sich  bei  keinem  andern  Topographen  so  wiederfinden.  Dahin 
gehört  besonders  das  charakteristische  31,  worauf  der  Blick  des  Kenners  wie  auf  ein 
Monogramm  gelenkt  wird.  Man  wird  daber  annehmen  können,  dass  dem  Form- 
schneider für  die  Herstellung  der  Holzplatte  die  Weisung  ertheilt  wurde,  den  üblichen 
Ductus  in  seiner  Arbeit  beizubehalten. 

Der  ganze  Ablassbrief  besteht  aus  23  Zeilen.  Die  erste  besteht  aus  Missalschrift 
und  lautet:  ,,^orma  confeffionalis".  Zeile  1;>  ebenfalls  in  Missalschrift:  „^ornta  ab- 
folttttottis^.  Das  Uebrige  besteht  ans  kleinerer  gothiscber  Schrift  und  auf  Zeile  1)  & 
13  wird  der  Verbreiter  des  Ablassbriefes  genannt:  „(SfliO  fratrer  petr9  ®arbian9  t 
pbicttor  JÜet^  Ülotttcen  orbinis  iuino:||ram  fnbcomtttilfaritts  eiurbem  fanctiffiint  bii 
niiflri  3Uti  pape  qnarti . .  .*'  Zeile  14  steht  die  Jahrzabl :  ,,3lnno  bomini .  Ül .  (S((p®C  • 
Crtfijj.  Hit  —  "i  für  den  Tag  ist  Kaum  gelassen.  Unter  Doppelglas  und  Messing- 
rahmen. — 


No.  751. 

^^$txmmtB  fancti  IBcrn^arbini  ||  arbinis  minorö  •  0t  ff|liuita- 
tit>U0  Dirgintd  glo||Tiofr  {irr  annü  cü  ftnplariffimid 

lauMbu»  fiufbf  .** 

Nürnberg,  Friedrich  Creussner,  1493*     Klein  Quart-Format. 

Die  Predigten  des  Helligen  Bernhardinus  für  die  Marien  feste  sind  mit  einer 
hübschen  Schwabacher  Schrift  gedruckt.  Auf  der  Rückseite  des  Titels  befindet  sich 
ein  illuminirter  Holzschnitt:  Die  Jungfrau  mit  dem  Jesusknaben  auf  der  Mondsichel 
stehend,  neben  ihr  der  heilige  Bernhardinus,  mit  der  Rechten  über  sich  nach  einem 
Sterne  -weisend;  in  einem  Bande  die  Inschriit:  ^^tc  tfi  3tfUa  maris*\  Hain  No.  2832. 
Mit  folgender  Nummer  zusammen  gebunden.  — 


No.  752. 

it(*?)*cipit .  Mnfen  IHrntoria  ||  Ir  i^tuinorü  rloquiorum  ||  Uoiü 

uibcltcj  ac  VtUx'iB  II  tcftamcuti  (sie!)  compeöiofe  tonten* 

tiuum  II  fingulorurotiuebiblieprincipaltoree  ||  materiae^ 

capituloru  copiofc  per  car-||mina  ej^preffane*  ♦  ♦" 

Nürnberg)  Friedrich  Creussner,  1493.     Klein  Quart-Format. 

Mit  derselben  Schwabacher  Type  gedruckt  wie  das  Vorige.  Das  J  zu  Anfang 
des  Titels  ist  ein  schönes  Holzschnitt-Initial,  ähnlich  wie  die  Schöffer'schen  Initiale 
in  dessen  Cronecke  der  Sassen.  In  der  Vorrede  nennt  sich  der  Verfasser  Petrus  de 
Jtosenhaim.  Das  Werk  selbst  enthält  Summarien  der  heiligen  Schrift,  die  in  latei- 
nischen Distichen  abgefasst  sind,  derart,  dass  Jedem  Capitel  der  Bibel  ein  Hexa- 
meter und  ein  Pentameter  gewidmet  ist.  Ilain  No.  13  991.  Ist  mit  voriger  Nummer 
zusammengebunden.  — 


1C2  —     Nürnberg.     — 

1479  bi6  1491. 

No.  753. 

^ermannt  br  3d)UM^  ^,Spfculttm  manttalc  facfrbotum*^ 

Nürnberg^   in  der  Druckerei  des  Augustiner  Klosters,  1480» 

Quart-Format. 

Mit  kleiner,  ungemein  niedlicher  gothischer  Type  gedruckt,  deren  höchst  origi- 
ginelle  Formen  wir  bereits  in  der  Mailändischen  Druckerei  des  Dominicus  de  VeS' 
polaie  &  Jacohns  de  Marlinno  antrafen,  wo  Jedoch  die  Kegelfläche  etwas  grösser  ist ; 
zweifellos  hat  jene  italienische  Sc-hriftgattung  hier  zur  Vorlage  gedient. 

Der  Verfasser  dieses  Handbuches  für  Geistliche  wird  in  andern  Ausgaben  de 
Saldis  genannt;  er  lebte  im  14.  Jahrhundert.  Hain  No.  14  522  hat  das  seltene  Werk- 
chen nicht  selbst  gesehen.  —  Es  dürft«  für  Manchen  die  Notiz  nicht  ohne  Interesse 
sein,  dass  die  ehrw^ürdigen  Itaume  des  ehemaligen  Augustiner-Klosters  jetzt  vom 
Germanischen  Museum  mit  eingenommen  und  benutzt  sind.  — 


No.  7.n4. 

19incfntiu0  Jerrrrius:   i,t3pu8cultim  be  tinc  lnunbt*^ 

Nürnberg^  in  der  Druckerei  des  Augustiner  Klosters,  1483* 

Klein  Quart-Format. 

Das  vorliegende,  höchst  seltene  Schriftchen  „über  das  Ende  der  Welt"  hat  weder 
Angabe  des  Druckortes  noch  der  Druckfirma,  weisst  aber  am  Schlüsse  die  Jahrzahl 
1483  auf.  Hain  theilt  es  unter  No.  7021  dem  Albert  Kunne  in  Memmingen  zu;  allein 
dies  ist  ein  grosser  Irrthum,  da  die  Typen  des  letzteren  wohl  entfernte  Aebnlichkeit 
mit  den  hier  vorkommenden  haben,  von  Uebereinstimmung  aber  nicht  die  Rede  sein 
kann.  Desto  gewisser  ist,  dass  das  Werkchen  aus  der  Druckerei  des  Augustiner 
Klosters  hervorgegangen  ist,  denn  die  Gleichheit  der  Typen  mit  voriger  Nummer  ist 
eine  vollkommene.  — 


Conraii  ^eninger, 

1480  bis  1482. 

Ein  Typograph  aus  Mainz  gebürtig,  der  nur  wenige  Jahre  die 
Buchdruckerkunst  in  Nürnberg  ausübte.  — 


No.  755. 

l^incentii  3^errerü  ^,5erma  be  fine  munbi^^ 

Nürnberg  9  Conrad  Zeninger,  circa  1480«     Quart-Format. 

Diese  Ausgabe  derselben  Predigt,  die  wir  in  voriger  Nummer  verzeichneten,  hat 
Panzer  in  seiner  , Buchdruckergeschichte  Nürnbergs"  No.  96  richtig  beschriebea;  H^n 
bringt  sie  unter  No.  7020  mit  dem  von  Zeninger  1481  gedruckten  ^Traotatus  de 
Turcis",  den  wir  unter  folgender  Nummer  anfuhren,  unter  Eine  Kappe,  indem  er 
von  ersterer  den  Anfang  und  von  letzterem  die  Schlnssschrift  giebt. 


—    Nürnberg.     —  353 

Offenbar  waren  beide  Werke  msammengebunden  und  Jedenfalli  nicht  complet,  da 
Hain  nar  28  Blätter  Inhalt  angiebt,  während  der  „Tractatiu  de  Turcis*'  allein  schon  so- 
viel enthält,  und  der  »Sermo  de  fine  mundi*'  noch  15,  beide  zusammen  also  37  Blätter 
umfassen  worden.  — 

No.  756. 

^,@:ractatu0  qutbant  br  Surcta/^ 

Nttmbergy  Conrad  Zeninger,  1481.    Klein  Quart-Format. 

Dieser  Tractat  nber  die  Tarken  ist  mit  derselben  häbschen  gothischen  Type  ge- 
druckt wie  die  vorige  Nummer.  Yergleiche  Panzer^s  Buchdrackergeschichte  Näm- 
berg's  No.  95,  wo  das  Werkchen  ausfährlich  beschrieben  ist«  — 


»» 


Peter  USagner^ 

1483  bie  1499. 

Wir  können  diesen  Typographen,  der  sich  auch  latinisirt 
Currifex"  nannte,  mit  vollem  Rechte  wohl  als  den  Nachfolger 
G:>nrad  Zeninger's  bezeichnen,  da  er  in  dem  nächsten  Jahre,  als 
Zeninger  zu  drucken  aufhorte ,  mit  derselben  Type  wie  Zeninger  zu 
drucken  begann,  was  die  Bibliographen  allerdings  bisher  nicht 
bemerkt  haben.  —  

No.  757. 

j^oboci  (S9d)mann  ,,9ocabulariu0  )iraebtcanttum^\ 

Nürnberg^  Petrus  Currifex,  1488.     Quart-Format. 

Peter  Wagner's  oder  Currifex'  erster  Druck,  mit  derselben  hübschen  gothischen 
Type  gedruckt  wie  das  Werk  Zeninger's  unter  voriger  Nummer.  Dasselbe  Yoca- 
bularium  wird  auch  einem  Johannes  Melber  zugeeignet,  doch  ist  Letzterer  nur  Heraus- 
geber.    Hain  No.  11039.  — 

No.  758. 

„9tola  fancton.*^ 

Nttmberg,  Peter  Wagner,  i486.     Quart-Format. 

Es  ist  dies  dieselbe  Ausgabe  der  Geschichte  der  Kalenderheiligen,  welche  Panzer 
in  seiner  „Buchdruckergeschichte  Nürnbergs"  No.  146  und  in  den  „Annales''  11 
Seite  201  No.  158  beschreibt,  und  von  welcher  er  sagt,  sie  sei  scheinbar  mit  Ko- 
berger^ sehen  Typen  gedruckt.  Dies  ist  keineswegs  der  Fall ;  sie  ist  mit  Zeninger' sehen 
Typen  gedruckt. 

Da  dieser  Jedoch  um  1486,  wie  die  Datirung  des  Werkes  lautet,  nicht  mehr 
tbätig  war,  so  ist  Peter  Wagner ^  der  mit  denselben  Typen  auch  das  in  voriger 
Kummer  beschriebene  Werk  gedruckt  hat,  und  jedenfalls  Zeninger^s  Nachfolger  war. 
mit  Gewissheit  als  Drucker  anzunehmen.  Obiger  Titel  auf  der  ersten  Seite  ist  in 
Holz  geschnitten;  im  Uebrigen  ist  das  seltene  Werkchen  von  Panzer  genügend  be- 
schrieben. — 

23 


354  —    Nürnberg.     — 

No.  759. 

„Qiptcnla  omnie  flatu6  Rumäne  rite  t>cncrabUi6  pas 

tri6  JDyoniftf  prioriö  bomue  Cart^ufte  in  rurcmttn6  •  !| 

quon  tituloö  Di5c  in  primo  folio*" 

Nttmber^y  Peter  Wagner,  1495.     Quart-Format. 

Dieses  Werk  ist  mit  einer  hübschen  Schwabacher  Type  gedruckt.  Der  Heraus- 
geber ist  Peter  Tbanhanser,  der  es  dem  Cartauser-Prior  Georg  Pirckmner  dedicirte. 
Hain  No.  6246.  — 


1484  He  1515, 

nannte  sich  auch  Stüchs,  Stochs  und  Stöchs.  Durch  den  Druck 
seiner  schönen  Messbücher,  von  denen  unsere  Sammlung  drei  der 
schönsten  vereinigt,  gelangte  dieser  Typograph  zu  allgemeiner  Be- 
rühmtheit Er  wird  nicht  selten  mit  Johann  Stucks  dem  jüngeren 
verwechselt,  den  wir  auf  Seite  360  kennen  lernen  werden.  — 


No.  760. 

,,|ain*aU  Momanum/* 

Nürnberg)  Georg  Stuchs,  1484.    Quart-Format. 

Wiewohl  dieser  erste  Druck  des  Georg  Stuchs  in  schönem,  gothisehem  Roth-  und 
'Schwarzdruck  mit  zweierlei  Typen  ein  meisterhaftes  Werk  ist,  so  ist  er  im  Yergleich 
zu  seinen  spätem  Missalen  doch  nur  als  Versuch  zu  betrachten,  mit  welchem  er 
freilich  erst  den  Beifall  erringen  musste,  der  ihm  späterhin  so  viele  kircliliche  Auf- 
träge verschaffte.    Hain  No.  11801.  — 


No.  761. 

j>ol)annt0  |tlarcl)rftni  ^^|tlantntotrecttt0  ftt)ier  ISibltam'^ 

Nürnberg^  Georg  Stuchs,  1489.     Quart-Format. 

Diese  Ausgabe  des  „Mammotrectus*'  ist  mit  kleiner  gothischer  Type  gedruckt 
Bei  der  kostbaren  Mainzer  Ausgabe  von  1470  unter  No.  2S  ist  von  dem  Werke  seilet 
das  Nöthige  angeführt.    HainJNo.  10  .'^67.  — 


No.  762. 

^,9frfel)U9  leib  fei  ||  rr  unnb  %)xW^ 

Nfimbergr^  Georg  Stuchs,  1489.     Quart-Format. 

Dieses  rare  Buch  giebt  einen  Unterricht,  wie  Kranke  und  Sterbende  zu  behan- 
deln sind.  Der  Titel  und  die  fünf  ersten  Zeilen  des  nächsten  Blattes  sind  mit 
zierlichen  Ausschmückungen  in  Holz  geschnitten.  Auf  der  Rückseite  des  Titelt 
befindet  sich  ein  Holzschnitt,  auf  welchem  der  Kranke  mit  fünf  Personen  seiner 
Umgebung  abgebildet  ist. 

Im  Werke  .befindet  sich  eine  grosse  Anzahl  schöner  Holzschnitt-Initialen  und 
den  Scbluss  bildet  abermals  ein  Holzschnitt,   der  einen  leeren  Schild  darstellt,    um 


—    Nürnberg.     —  355 

dea  sich  ein  Band  schlingt;  links  in  diesem  Bande  liesst  man  die  Worte:  9,9u  pudl 
nnb  htx  f4|iU  i|l/*  Für  das  Wappen  und  den  Namen  des  BetitEers  ist  Raum  gelassen. 
Die  prächtige  gothische  Type  ist  dieselbe,  die  im  ^Missale  Romanum"  von  1584  vor- 
kommt, und  der  Drucker  des  Werkchens,  das  sonst  nur  die  Angabe  des  Druckortes 
und  der  Jahrzahl  «trägt,  sicher  Georg  Stuchs.    Hain  No.  16019.  — 


No.  763. 

,>3Mtfralc  ^aliöburgenfe/* 

Nürnberg^  Georg  Stuchs,  1492.     Folio-Format. 

Dieses  prachtvolle  Missale  für  die  Diöcese  Salzburg  ist  eines  der  grossartigsten 
Cborbncher ,  die  je  gedruckt  worden  sind.  Es  finden  sich  darin  dreierlei  verschie- 
dene Missaltypen  und  viele  mit  Farben  und  Gold  ausgeführte  Initialen.  Hain 
Ko.  11420.  —  

No.  764. 

^,31tffalf  ab  ufiim  M0fcf(t0  |Jra9fn|i0/^ 

Nürnberg^  Georg  Stuchs,  1503.     Gross  Folio-Format. 

Ein  nicht  minder  luxuriöses  Chorbuch  von  eminenter  Seltenheit,  das  den 
Bibliographen  gänzlich  unbekannt  zu  sein  scheint.  Es  enthält  16  Blätter  Kalender, 
Cautelen  etc.,  22  Blätter  Musik,  7  Blätter  Canon  und  485  numerirte  Blätter.  Auf 
dem  ersten  Blatte  befindet  sich  ein  schöner,  grosser  Holzschnitt,  auf  welchem  die 
Heiligen  Adalbertus,  Sigismundus,  Yitus  und  Wenceslaus  abgebildet  sind. 

Der  prächtige  Ccmon  ist  mit  einer  sehr  grossen  Missaltype  auf  Pergament  ge- 
druckt. Ausser  mehreren  in  Farben  imd  Gold  ausgeführten  Initialen  bemerkt  man 
zahlreiche,  die  in  Holz  geschnitten  und  roth  gedruckt  sind.  Hier  möge  noch  die 
Schlussschrift  Platz  finden: 

„üliffale  et  bc  te^e  tt  ht  \\  favct^:  ntbn  pm  orbtnaUri«  ardiicpifcopatiu  ec'jcUfit  pra- 
9enfis  «rbivaitnin:  .  .  .  poftremo  'nol  officina  <l>e-||or9ij  JStmt^s  »  j8nlq-||bad)  incole 
tlurembn-llgefis  ditracteribus  op-||priine  bellis  impreffnm  fi  bie  bedma  menfls  apr{-||lts 
anni  terdi  rnP^Q  "*U  llcfflmn  quingettteftmii}  |i  ab  ittcarnatione.  .  .  .  — " 


No.  765. 

i,€in  5pitgfl  btr  naturltcl)m  l)mltfd)fn  ||  vnb  prop&ctifc&cn 
febungcn  aller  trübfalcn,  angfl^  vnb  not,\\bxt  vhcv 
alle  ftenöe,  gefdjlecbte,  vnb  Qtmaynbm  btv  \\  (L\)vifunf 
\:)tyt,  funöerbar  fo  btm  !Rrebfen  vnbtv  \\  geworffen  fein, 
vnb  in  btm  fibenöen  (LIima  ||  begriffen,  in  turnen  tagen 

geen  weröen/' 

NttmbergTy  Georg  Stuchs,  1508«     Klein  Folio-Format. 

Ein  originelles  Bfichlein  mit  13  Holzschnitten,  dessen  Verfasser,  ein  Priester 
Joseph  Grünbeck,  sich  in  der  Vorrede  desselben  nennt.  Es  ist  dieses  die  erste, 
seltene  Ausgabe  davon,  welche  1^22  in  Leipzig  und  Augsburg  nachgedruckt  wurde. 
Die  Typen  sind  Schwabacher.  — 


23-' 


2^6  —     Nürnberg.    — 

Cafpar  ^odjfrlirr^ 

1491  bi8  1498. 

Druckte  später  in  Cracau  und  Metz,  wo  sich  sein  Name  bis 

9 

1517  findet.  —  

No.  766. 

^^S^onifij  ariopÄgite  boctoris  ^erardjtcl  ^)ita^^    weiter  unten: 
^,?3ratio  ab  eunbem  ard)ipottti|icrm  ac  martire  ||  gloriopfpintt 

bruotiffima.*^ 

Nttrnbergr^  Caspar  Hochfeder,  circa  1491*     Klein  Quart-Format. 

Zwischen  den  beiden  Sätzen  des  obigen  Titels  befindet  sich  ein  Holzschnitt,  der 
den  Dionysius  von  Paris  darstellt,  vor  ihm  knieend  ein  Papst  und  ein  Bischof. 
Die  Legende  behandelt  das  Leben  und  den  Märtyrertod  des  Heiligen  Dionyaius, 
der  nach  seiner  Enthauptung  mit  dem  Kopfe  in  der  Hand  noch  bis  zu  dem  nadi 
ihm  benannten  8.  Denys  gegangen  sein  soll.  Obiger  Holzschnitt  zeigt  den  Dionysius 
von  Paris  mit  zwei  Köpfen  abgebildet;  den  einen  tragt  er  ganz  correct  auf  den 
Schultern,  während  er  den  andern  mit  geschlossenen  Augen  auf  dem  Schosse  vor 
sich  halt.    Hain  No.  6287.  —        

No.  767. 

^>(Sptllola  Habbi  <3amueli9  J)fral)elttr  nttlfa  ab  %abbi  ^faac 
ttiagiftrü  5i)nago9f  in  fttbiul-||mfta.  .  .^ 

Nfimberg^   Caspar  Hochfeder,  1498«     Klein  Quart-Format. 

Nach  dem  Vorworte  ist  dieser  Brief  eines  Jüdischen  Gelehrten,  der  die  Sache 
des  Christenthums  vertritt,  aus  dem  Arabischen  von  einem  spanischen  Prediger- 
monche  Alphonsius  Bonihomo  im  Jahre  13S8  in's  Latein  übertragen  worden.  Der 
Text  dieser  Ausgabe  ist  mit  hübschen  Schwabacher  Typen  gedruckt.  Hain 
No.  14270.  — 


um  1493. 

No.  768. 

^,i0a0  iH  bic  ttiallllfart  }tt  brn  C£in|t-|jbfln  nnh  btc  Icgrb  | 

Nürnberg^  Hans  Mayr,  circa  1493.     Klein  Folio-Format 
Diese  höchst  seltene  Ausgabe  der  Legende  von  Sant  Meinrat  enthält  10  Blätter 
mit  27  Holzschnitten.    Die  Typen   sind  Schw^abacher.    Die  Schlussschrift  macht  uns 
mit    einem   sonst  nicht    vorkommenden   Nürnberger  Drucker  bekannt;    sie  lautet: 

„(ßetrudft  nwb  feUiöPUcl;cii  voUent  in  bet  lob||Ud?cn  ftöt  Wumnptrg 

von   ^anö  VflCtyv/^    Leider  ist  es  nur  ein  treffliches  Facsimile,  das  wir  von  dieser 
Seltenheit  besitzen.     Hain  No.  Iß  141.  — 


—     Nürnberg.     —  ^^j 

1496  bl0  1525. 

No.  769. 

^f^rbor  QEonfangut-IInrttattd  cum  Tuid  ||  entgmattbue  t  {| 

Nttmberg^  Hieronymus  Holtzel,  1506»     Klein  Qaart-Format. 

Diese   Ausgabe    des   ^Yerwandschafts  -  Baumes"  yon  Johannes  Andreae  enthält 
15  Holzschnitte.    Der  Titel  ist  mit  einer  sehr  grossen  Missaltype  roth  gedruckt.  — 


No.  770. 

,,3iai(Talf  pm  Cljorü  1 1|  «itü  (ir)pitn  (fcclcpe.^^ 

Nttmbergy  Hieronymus  Höltz«!,  1517.     Gross  Folio-Format. 

Dieseo  schöne  Missale  für  Eichstätt,  welches  Holtzel  auf  Kosten  des  Bischofs 
Gabriel  von  Eyb  druckte,  zeichnet  sich  durch  einen  überaus  prächtigen  Titel  aus, 
dessen  Riesen-Lettern  mit  den  schwungvollen  Yeraierimgen  einen  Meister  der  Zeichen- 
kunst verrathen.  Den  Hauptschmuck  aber  bilden  die  beiden  blattgrossen  Holzschnitte, 
welche  auf  einem  Pergamentblatte  sich  vor  dem  gleichfalls  auf  4  Fergamentblättern 
mit  grossen  Missaltypen  gedruckten  Canon  befinden.  Derjenige  auf  der  Vorderseite 
des  bezeichneten  Blattes  stellt  in  wundervoller  Zeichnung  den  Bischof  von  Eychstädt 
vor,  ein  Blatt,  das  auch  in  Bezug  auf  die  Hoizschnitttechnik  Vorzügliches  darbietet; 
die  Abbildung  der  Rückseite  des  Blattes  ist  das  Crucifix. 

Beide  Abbildungen  sind  zuverlässig  von  Dürer's  Meisterhand ;  aber  es  ist  merk- 
würdig, dass  die  letztere  nicht  mit  derjenigen  übereinstimmt,  welche  Herr  Butsch 
in  seiner  „Bücher-Ornamentik  der  Renaissance"  auf  Tafel  3S  von  dem  „Crucifix'^ 
dieses  Holtzel'schen  Missale  von  1517  überliefert  hat.  Beide  Darstellungen  sind  ganz« 
von  einander  abweichend. 

Weiter  findet  sich  in  diesem  schönen  Chorbuche  eine  grosse  Anzahl  schöner 
Holzschnitt- Initiale,  die  leider  nur  stilistisch  in  einer  Weise  ausgeartet  sind,  dass 
es  unmöglich  sein  würde,  die  einzelnen  Buchstaben  zu  enträthseln,  wenn  sie  ausser 
Zusammenhang  des  Textes  ständen.  CoUation:  12  Blätter  Titel,  Kalender  etc., 
23  Blätter  Musik,  5  Blätter  Canon  und  264  numerirte  Blätter.  — 


1502  biß  1513. 

Dieser  Typograph  war  ein  Priester,  der  sich  in  verschiedenen 
Schlussschriften  selbst  ,,sacerdos"  oder  „presbyter**  genannt  hat;  er 
druckte  von  1513  ab  in  Landshut ,  wo  er  noch  bis  zum  Jahre  1531 
thätig  war,  und  wo  wir  ihn  weiterhin  noch  wiederfinden  werden.  — 


No.  771. 

^^ÖConfrfftonalf  cötines  ||  tractatum  bfcem  ptfceptoru  •  (Kt  ftp- 
trm  utciorü  ca  |pitaltü  •  QEum  quibufba  introbuctorija  t  atti- 


358 


—     Nürnberg.     — 


ncti-  |bu0  •  öEoUfctte  per  ffnjelljarbli  Tknn\)üftv  ptunc  ||  prc- 

bicatorem  in  fuabad).^^ 

Nürnberg^  Johann  Weissenburger,  1502*  Quart-Format. 
Es  ist  dies  Johann  Weissenburger's  erster  Druck,  von  dem  man  bisher  nur 
von  1508  ab  datirte  Werke  Jiannte.  Am  Schlüsse  steht  zwar  keine  Druckfirma, 
sondern  nur:  ,,3inpreffiis  •  tturnberge  •  an  ^tm  |loittr-| Iperg  •  fnb  3Cnno  bsmini  •  ittitte- 
ftnoqnilljieitUlillUlfeCttllbo /*  aber  die  Typen  sind  ganx  die  nämlichen,  wie  die  in  dem 
folgenden  «Elucidarius"  mit  Firma  von  1513.  Das  Werkchen  enthält  17  Blätter  und 
ist  mit  gothischer  Schrift  gedruckt  — 


No.  772. 

^fdludbarma  bt)a||l09tcu9  tl^rologir  tripcrtttus:  tnfi-||nttarum 
qttrftionum  rrfolutimts    ||  Dabemrcum/^ 

Xümberg)  Johann  Weyssenburjjer ,  1512.     Klein  Quart-Format, 

Ist  mit  derselben  Type  gedruckt  wie  die  vorige  Nummer.  Unter  dem  Titel  be- 
findet sich  ein  Holzschnitt,  der  in  vier  Medaillons  die  Evangelisten  darstellt.  Weyssen- 
burger  druckte  diesen  „Unterricht  für  Geistliche  in  Frag  und  Antwort"  schon  l.'SO!' 
in  erster  Auflage.  — 


Oleorg  3d)rndi^ 


1) 


um  1502. 

No.  773. 

IkvLXifi  bre  Notariat  mi  mt  (td)  brr  ||  Hotariue  in  feinem 
2Cmpt  galten  \>nb  regieren  folU  3ft  vtxs\\btüt{d)t  •  JDur* 
öen  i£vnroyvbiQcn  geyflUcben  •  l;erren  2tn5refs||nawer, 
iCrcium  WTagifter  •  6cr  ^tit  Pfarer  5U  Cor*  •  JDefe  |3ari5 

2tU0  man  salt  Sunffgcbunbcrt  vrxb  ^vocy  yax^  ♦  /' 

Nürnberg^  Georg  Schenck,  1502,     Klein  Quart-Format 
Sehr  seltener  Druck  eines  wenig   bekannten  Typographen,   und  Jedenfiüls  eine 
der  ältesten  Notariats-Ordnungen.    Panzer's  Annalen  527.  — 


löolflfgang  ^uber, 


1505  bi6  1514. 

No.  774. 

^^19erfel)ttn9  leib:  |1  frll  rer  unb  gutt.^^ 

Nürnberg,  Wolffgang  Huber,  1509.     Gross  Quart-Format. 

Diese  Ausgabe  ist  ein  Nachdruck  der  Editio  princeps  von  Geoi^  Stucks  unter 
No.  7G2;  auch  der  Holzschnitt  auf  der  Kehrseite  des  Titels  ist  darin  copirt.  Sie 
enthält  68  numerirte  Blätter,  denen  1  leeres  und  4  unpaginine  Blätter  Begister 
folgen.     Mit  Schwabacher  Schrift  gedruckt.  — 


—    Nürnberg.    —  359 

No.  775. 

IVürnberg^  WolfFgang  Huber,  circa  1510.     Klein  Quart-Format. 

Diese  Ausgabe   des  Donatus  ist  ganz  unbekannt.    Sie  enthält  10  Blätter,   hat 
keinen  Titel  und  beginnt  sofort  mit ,,( )J,tUf  Orntiöis  qnot  fat  •  |i  <8>Cto  -  ^nt^  llonte  • 
piiome  •  oer-llbi  •  tburrbin  •  partidpin  •  cöinctio  •  ||  ijpofltio  •  intericctio.  .  .*'      Am 
Schlüsse  steht  nur:  ,,3tnpreffttilt  j  tOOlgangü  j^ttber*',  ohne  Zusatz  des  Druckortes  und 
der  Jahrzahl.    Die  Typen  sind  gothisch.  — 


/tietrid)  Ißit^pns^ 

1509  bis  1535. 

In  der  Eitelkeit,  seinen  Namen  recht  vornehm  zu  latinisiren, 
nannte  sich  dieser  bedeutende  Typograph  auch  Artemisius;  ab- 
geleitet von  Artemisia  =  Beifuss.  Er  druckte  auch  für  Johann 
Koberger,  Lucas  Alantsee  von  Wien  und  Leonhard  von  Aich,  — 


Ko.  776. 

^,Sa0  IJftPf  Sfftamtnt  mit  ||  flrt^  t)crtfutfd)t/^    Am  scwusse: 
CSfbruckt  ju  Hfirmbcrg  ||  burd)  3^ribcrid)rn  ||  JSeijpue  || 

m.  0.  XIIII." 

Gross  Folio-Format. 

Es  ist  dies  die  erste,  höchst  prächtige  Nürnberger  Ausgabe  des  Lutherischen 
Neuen  Testunentes,  welche  theils  der  Wittenberger  September-,  theils  der  December- 
Ausgabe  von  1522  nachgedruckt  wurde.  Allgemein  wird  sie  der  schonen  typographi- 
schen und  künstlerischen  Ausstattung  wegen  als  die  prächtigste  und  schönste  an- 
erkannt, aber  Niemand  hat  bisher  entdeckt,  dass  die  schönen  Schwabaoher  Typen, 
mit  denen  sie  gedruckt  ist,  dieselben  sind,  welche  lange  vorher  schon  zu  dem  typo- 
graphischen Meisterwerke  der  grossen  SchedePschen  Chronik  von  Jahre  1493  ge- 
dient hatten. 

Es  geht  also  daraus  hervor,  dass  die  Koberger'schen  Erben  zum  Wenigsten 
einen  Theil  ihrer  Schriftvorräthe  an  Friedrich  Peypus  abgetreten  haben,  und  man 
erhält  einen  Fingerzeig,  welche  Verwerthung  das  Druokwerkzeug  nach  des  alten 
Koberger  Tode  gefunden,  da  die  Erben  später  nur  den  Verleigshuchhandel  fort- 
betrieben und  die  Druckerei  ausser  Betrieb  setzten. 

Der  grosse  und  schöne  Holzschnitt  unter  dem  Titel  stellt  den  neugebornen  Hei- 
land, zwischen  seiner  Mutter  und  dem  Pflegevater  liegend,  nebst  den  Hirten  im 
Stalle  vor;  drei  kleine  Engel  scheinen  mit  dem  strampelnden  Knäblein  zu  spielen. 
Unten  nach  links  befindet  sich  ein  aus  HSK  bestehendes  Künstler-Monogramm,  das 
bisher  noch  von  Niemand  bemerkt  worden  ist,  auch  in  Nagler's  Monogrammisten 
nicht  vorkonunt,  jedenfalls  aber  auf  Hans  Springinklee  deutet.  Ausser  zahlreichen 
schönen  Holzschnitt-Initialen,  die  am  Anfange  der  Capitel  stehen,  enthält  die  Aus- 
gabe noch  zu  Anfang  jeden  Buches  einen  Holzschnitt,  wovon  im  Ganzen  also  27 
vorkommen.  — 


36o 


—    Nürnberg.    — 


No.  777. 

„DI  ILLliGB,  HOC  EST ,  |1  CONCILIATIO  hOGO-l  rum  /cnpfura, 

qui  prima  /acte  ||  int  er    fe    pugnare    ui'Wdentur    ||  Auetor  e 

Andrea  Althamero  ||  Brenzio  ||  Excudehat  Norimbergcß  Fride'\ 

ricus  Peypus,    Anno  falutis  ||  M.  D.  XXVII. 

Klein  Octav-Format. 
Der  Titel  steht  in  einer  Bordüre.   Das  Werkchen  ist  in  Cursivscbrift  gedmekt.  - 


um  1510  bie  1521. 

Dieser  Nürnberger  Typograph,  den  man  für  einen  Sohn  von 
Georg  Stuchs  hält,  hat  vielleicht  schon  früher  zu  drucken  ange&mgeo. 
In  nächster  Nummer  fuhren  wir  einen  undatirten  Druck  an,  der 
wohl  älter  sein  könnte^  und  den  auch  Hain  sogar  in  sein  mit  1500 
abgeschlossenes  Werk  aufgenommen  hat;  da  aber  der  früheste 
datirte  Druck  von  Hans  Stuchs  die  Jahrzahl  1510  trägt,  so  haben 
wir  genanntes  Werk  auch  erst  um  diese  Zeit  gesetzt.  — 


No.  778. 

^,8rractatu0  br  rfpcacia  aquc  bcnebtcte:  ||  magifln  J^ol)anm0 

bf  SurrccrfinÄta.** 

Nttmberg^  Johannes  Stuchs,  circa  1510.     Klein  Quart-Format 

Dieser  kleine  Tractat  von  nnr  8  Blättern  „über  die  Wirksamkeit  geweitaten 
Wassers"  ist  mit  gothischer  Type  gedruckt.  Auf  dem  Titelblatte  befindet  sich  ein 
Holzschnitt,  der  einen  Priester  vorsteUt,  welcher  auf  offiaer  Strasse  den  Weihwedel 
in  ein  von  einem  Chorknaben  gehaltenes  Gefass  steckt,  um  damit  vermuthlidi  die 
versammelte  Menge  zu  besprengen.  Am  Schlüsse  befindet  sich  die  Firma  des  Jo- 
hannes Stuchs  und  sein  Druckerzeichen  mit  den  Initialen  HS.    Hain  No.  15 743.  — 


No.  779. 

^^iBa0  Ubnt  onfers  erUHbigera  <9rfu  €l)n|lt^  nad)  lauttilg 
be0  l)f9||U9fn  (StDangcU^  mit  ml  anbed^ttger  br-ytrat^tung) 
^ud)  mit  bt^lauffung  brs  ||  Ubrna  ber  jundiframtn  lUari^ 
wn  II  einem  parfueffer  ber  obferuan^  jj  ^Ifo  jufamm?  jefe^t...*^ 

Nümber^5  Johannes  Stuchs,  1514*     Quart-Format 

Auf  der  Rückseite  des  Titels  befindet  sich   ein  Holzschnitt,  der  den  Heiligra 
Franciscus  darstellt.    Die  Schlnssschrift  besagt,  dass  das  Werk  //^Urc|^  *^0\^W[VMW^ 


—     Nürnberg.     —  ^5l 

mo^^aft  3U  6ctn»alä  •  ♦    ♦"  gedruckt  sei. 

Der  letEtere,  ein  Mitschüler  Diirer's  bei  dem  Meister  Michael  Wohlgemut,  ist 
jedenfalls  auch  Yerfertiger  der  Holzschnitte,  von  denen  sich  ausser  dem  schon  ge- 
nannten blattgrossen  Titelholz«chnitte  noch  61  kleinere  su  Anfang  der  Capitel  in 
dem  Werke  befinden,  die  in  vorliegendem  Exemplare  colorirt  sind.  Der  Text  des 
Buches  ist  in  Sehwabacher  Schrift  gedruckt.  — 


Jiobfl  (iuthned)t^ 

1514  bie  1525. 

No.  780. 

ÖEtjn  Satfd^lag^  ||  JDcn  etliche  (t^riftetiltcbe  Pfarberrn, 
Prefeiger,  ||  vnnb  anbete,  (BStlicber  fcbrifft  »erftcnfeige,  || 
itincm  S&vfttn ,  welcher  rußigen  ftritigen  ||  leer  Mb, 
auff  fcen  abfcbieb,  jfingft  gebals||tenö  Reicfegtage  5U 
nfirnberg,  (tbrift-||licber  warbait  xjtibcrricbt  begert,  ||  gcs 
maijht  taben,  ♦  ♦  ♦  1525."  Am  Schlüsse.  ,,(BebrucCt  5u 
nftrnberg  ||  burd)  3obfl  (Bütttiecbt." 

Klein  Quart-Format. 

Der  Titel   steht  in  einer  Bordüre*    Die  Ausgabe  ist  mit  Sehwabacher  Schrift 
gedruckt.    Sie  ist  Panser  und  Weller  unbekannt;  enthält  6  Blätter:   Titel  und  Ke 
gister  und  105  numerirte  Blätter  mit  Signaturen.  — 


^an0  3d)önfp(r0er  von  ^ngsburg^ 

1517. 

Der  von  uns  unter  Augsburg  bereits  angeführte  Typograph 
hat  die  erste  Ausgabe  seines  weltberühmten  Hauptwerkes  ,,  Teuer- 
dankk",  wie  die  Schlussschrift  derselben  es  anzeigt,  zu  Nürnberg 
gedruckt.  Zwar  hat  Panzer  und  nach  ihm  auch  andere  Biblio- 
graphen das  Bedenken  erregt,  dass  auch  diese  erste  Ausgabe  wie 
die  zweite  von  1519,  unter  No.  548  unserer  Sammlung,  in  Augsburg 
gedruckt  sein  möchte,  und  Nürnberg  bloss  dem  Melchior  Pfinzing 
zu  Ehren  als  Druckort  angegeben  worden  sei. 

Man  wird  jedoch  auf  Grund  dieser  schwachen  Vermuthung  das 
gedruckte  Zeugniss  des%uches  nicht  umstossen  können,  sondern  viel- 
mehr der  andern  Möglichkeit  Raum  geben,  dass  Johann  Schonsperger 


362  —     Nürnberg.     — 

zum  Drucke  des  Werkes  nach  Nürnberg  berufen  wurde,  um  ihn  unter 
den  Augen  des  Verfassers  Melchior  Pfinting  und  Hand  in  Hand 
mit  den  ebenfalls  zu  Nürnberg  wohnhaften  Künstlern,  welche  die 
Holzschnitte  lieferten,  Hans  Schäufelein  und  Jost  von  Negker,  zu 
Stande  zu  bringen.  — 


No.  781. 

„  S)ie  geuerlidif citen  •  t)nb  einöteife  ||  ber  gef d^idjten  be§  tob- 

lid^en  ftre^t^l  tJaren  t)nb  l^od^berümbteit  I)elb§  ||  t)nb  3Ktter§ 

^crr  2;eiDeTbannd]^^. "    AmBnde:  ,,©ebTudt  in  ber  Äa^fer- 

tid^en  ||  ©tat  SRürnberg  burd^  ||  ben  ©ttem  §annfen  || 

©d^önf t)ergeT  H  Surger  ju  ||  Slugf purg. " 

(1517).     Folio-Format. 

Dieses  berühmte  Werk  ist  so  vielfach  von  Gelehrten  beschrieben  worden,  dass  es 
uberflfissig  erscheinen  dürfte,  darüber  noch  etwas  zu  sagen.  Ueber  den  Inhalt  fähren 
wir  nur  kurz  an,  was  Ebert  darüber  geschrieben  hat.  Er  bezeichnet  das  Werk  aU 
,ein  von  Kaiser  Maximilian  selbst  angegebenes  und  entworfenes,  von  Melchior  ^- 
ztng  ausgeführtes,  allegorisches  Rittergedicht,  dessen  Hauptstoff  die  A.benteaer  sind, 
welche  der  deutsche  Kaiser  Maximilian  I.  zu  bestehen  hatte,  ehe  er  zu  dem  Besits 
der  schönen  und  reichen  Maria  von  Bu/rgund  gelangen  konnte.  Es  ist  nicht  die 
poetische  Ausführung  dieser  Aufgabe,  welche  dem  Werke  ein  Interesse  giebt  (denn 
sie  Ist  matt  und  kalt) ,  sondern  theils  die  allgemeine  chevalereske  Tendenz  des  Ge- 
dichtes, theils  die  eigenthümliche  artistische  und  typographische  Ausstattung  der 
beiden  ersten  Ausgaben,  welche  allein  für  den  Sammler  Werth  haben." 

Von  der  zweiten  Ausgabe  führten  wir  ein  Prachtexemplar  bereits  bei  Augsburg 
unter  No.  548  an,  das  vorliegende  JPergament- Uaßemplar  der  ersten  Ausgabe 
ist  eins  der  schönsten  von  allen,  die  noch  existiren.  Die  118  Holzschnitte  des  be- 
rühmten Schäufelein  sind  mit  gleichzeitigem,  sehr  schönem  Colorit  ausgeführt;  der 
schöne  Mosaik-Einband  von  verschiedenfarbigem  Holze  mit  reichem  Silberbeschlagc 
ist  eip  Meisterstück. 

Dr.  Karl  Haltaus  hat  in  seiner  Ausgabe  des  ,Theuerdank<',  Quedlinburg  18S6, 
eine  meisterliche  Abhandlung  und  kritische  Beschreibung  aller  Ausgaben  des  Werkes 
geliefert,  w^elche  in  der  That  als  musterhaft  in  jeder  Beziehung  gelten  kann.  Eänen 
besondem  Fleiss  hat  er  in  Vergleichung  der  Varianten,  welche  Papier-  und  Perga- 
ment-Exemplare sowohl  unter  einander  als  unter  sich  aufweisen,  angewandt.  Es 
ist  bekannt,  dass  bei  den  Pergament-Exemplaren  solche  vorhanden  sind,  welche  an 
einzelnen  Stellen  aufgeklebte  Zettelchen  aufweisen,  die  zur  Verbesserung  falscher 
Stellen  mit  dem  richtigeren  Texte  dienten.  Auch  von  diesen  Zettelchen  hat  Haltaus 
ein  genaues  Verzeichniss  nach  dem  von  ihm  beschriebenen  Exemplare  gegeben, 
welches  hiernach  mit  dem  unsrigen  bis  auf  zwei  Fälle  übereinstimmt.  Letztere  Ab- 
weichungen sind  folgende:  Bei  Haltaus  lautet  im  Capitel  55  der  in  der  üeberschrift 
aufgeklebte  Zettel:  r,nach  überab  geschlagen  het*,  die  Stelle,  welche  darunter  steht: 
^seinen  hut  vom  haupt  schlugt*.  Bei  uns  ist  nur  das  Wort  „Äe^  für  „sdtlug'^  auf- 
geklebt und  y,8einen  hut  vom  haupt''  ist  stehen  geblieben.  Ferner  ist  an  der  Stelle 
des  Capitel  66  Vers  70,  wo  bei  Haltaus  die  Worte  ^Jeri^er  fand*^  für  j^rysen  fandt* 
aufgeklebt  sind,  bei  uns  gar  keine  Veränderung  bemerkbar.  Was  die  Holzscbnitti' 
betrifft,  so  findet  sich   auch  iu   unserm  E2xemplar  auf  denselben  Holzschnitten  das 


—     Mürnberg.     —  753 

Monogramm  Schiufelein's,  die  Ebert  und  Haltaus  angeben.  Holzschnitt  80,  der  bei 
Haltaus  die  Reste  des  schon  entfernten  Monogramm's  seigt,  hat  bei  uns  das  ganxe 
Zeichen;  ebenso  hat  Holzschnitt  70  das  Monogramm  des  Jobst  de  Negker,  welches 
nach  Ebert  nur  in  den  Papier-Exemplaren  vorkommen  soll.  Da  diese  beiden  Mono- 
gramme erst  später  entfernt  wurden ,  so  lässt  ihr  Vorhandensein  die  frühesten  Ab- 
drücke erkennen.  Hiermit  lässt  sich  dann  die  Resolution  Haltaus*  nicht  in  Einklang 
bringen,  dass  die  Exemplare  mit  aufgeklebten  Zettelchen  zu  den  späteren  Abdrücken 
gehören,  vielmehr  ist  eine  Möglichkeit  vorhanden,  dass  man  nach  dem  fertigen  Druck 
der  ersten  Auflage  jene  Aendenmg  mit  den  Zettolchen  bei  allen  Exemplaren  vorgenom- 
men hat,  und  dass  bei  einzelnen  entweder  spätere  Besitzer  die  unschönen  Zettelchen 
absichtlich  entfernt  haben  oder  auch,  dass  sie  von  selbst  mit  der  Zeit  abgesprungen 
sind,  wie  es  auch  in  unserm  Exemplare  an  den  angeführten  Stellen  wenigstens  zum 
Theil  der  Fall  sein  wird. 

Der  höchst  kunstvolle  l}ruoh  des  Werkes,  der  die  Züge  des  Schreibers  mit 
allen  Launen  auf  das  Glncklicliste  nachgeahmt  hat,  Hess  die  Forscher  iruher  all- 
gemein annehmen,  dass  er  durch  Hol»tafeln  bewirkt  sei;  seitdem  man  aber  in 
Capitel  84  in  der  zweiten  Zeile  das  lungekehrte  i  im  Worte  f(!^l(Iet  wahrgenommen, 
musste  man  sich  dazu  verstehen,  dennoch  den  Druck  mit  beweglichen  Typen  zu  sub- 
stituiren  und  sich  darauf  beschränken,  die  Schnörkel  und  Schreiberzüge  in  Holztafel- 
druck ausgeführt  sein  zu  lassen.  Uebrigens  hat  Haltaus  später  noch  eine  grosse 
Anzahl  ähnlicher  Druckfehler  entdeckt,  die  den  Typendruck  unwiderleglich  erhärten. 

Die  neueste  Ansicht  über  das  jedenfalls  höchst  complicirte  Verfahren  hat  Herr 
Professor  Faolmann  in  seiner  „lUnstrirten  Geschichte  der  Buchdruckerkunst*'  kund- 
gegeben, wo  er  auf  Seite  282  sagt,  der  Text  sei  mit  Nonpareillequadraten  durch- 
schossen, w^orin  die  kleinen  Buch«)taben  und  die  Schnörkel,  welche  über  der  Linie 
stehen,  eingesetzt  wurden,  und  letztere  seien  dann  mit  den  Buchstaben  des  Textes 
znsammengelöthet. 

Man  sagt  von  der  Type  des  .Thenerdank*' ,  dass  sie  die  erste  Fraktur-Type  sei, 
die  überhaupt  in  Anwendung  gekommen,  und  dass  die  Erfindung  der  neuen  Schrift 
von  der  Hofkanzlei  des  Kaisers  Maximilian  ausgegangen  wäre,  wo  man  sich  der- 
selben in  Handschriften  bedient,  und  in  deren  Auftrag  ein  bestimmter  Künstler 
die  Type  gefertigt  hätte,  von  dem  es  ungewiss  ist,  ob  es  Vincenz  Rockner,  Johann 
Neudörfer,  Hieronymus  Hölzel  oder  der  Drucker  Johann  Schönsperger  gewesen  sei. 

Wir  möchten  bei  diesem  Urtheile  aber  doch  zu  bedenken  geben,  dass  man  schon 
viel  frühere  typographische  Erzeugnisse  kennt,  in  denen  sich  der  Charakter  der 
Fractur-Schrift  schon  mit  ganzer  Entschiedenheit  ausprägt.  Wir  haben  Drucke  aus 
den  achtziger  Jahren  des  15.  Jahrhunderts  von  Bämler,  Sorg,  Schönsperger  in  At*gs- 
hurg,  von  Lienhart  Holl  in  Ulm  und  besonders  von  Anton  Koberger,  bei  dessen 
»neunter  deutscher  Bibel"  von  1488  das  Specifische  dieser  neuen  Schrift  schon 
so  charakteristisch  zur  Erscheinung  gelangt,  dass  man  von  einer  „Erfindung"  der 
Fractur-Type  bei  Gelegenheit  des  Theuerdank  -  Druckes  mit  Recht  nicht  sprechen 
kann,  sondern  nur  einen  allmähligen  Uebergang  und  stufenweise  Vervollkommnung, 
die  in  der  schönen  Theuerdank-Type  allerdings  culminirte,  herausfinden  wird. 

Es  scheint  sogar,  dass  die  eigentliche  Quelle  dieser  Schrift  nicht  einmal  in 
Deutschland  gesucht  werden  kann,  vielmehr  im  weiteren  Sinne  Frankreich  als  solche 
zu  betrachten  ist.  Der  Ur-Typus  dieses  Schriftcharakters  ist  ohne  Zweifel  die  fran- 
zösische Batarde,  und  das  erste  Buch,  welches  mit  dieser  Schriftgattung  gedruckt 
worden,  ist  jedenfalls  der  »Recueil  des  histoires  de  Troye",  dessen  erste  Ausgabe 
vor  1467  dem  Ulrich  Zell  in  Cöln  zugeschrieben  wird,  und  wovon  William  Caxion 
im  Jahre  1471  eine  englische  Uebersetzung  mit  denselben  Typen  geliefert  hat.  Die 
Typen  zu  diesem  Werke  wurden  im  Auftrage  des  Herzogs  Philipp  des  Guten  von 
Burgund,  der  das  Buch  herstellen  liese,  extra  gegossen  und  der  schönen,  damals  in 
l^>ankreich  üblichen  Handschrift  nachgebildet. 


364  —     Nürnberg.     — 

Mit  diesen  Typen  wurde  also  durch  einen  Deutschen  jenes  erste  französische 
Werk  gedrackt.  William  Caxton,  der  vermnthlich  eeityreise  auch  Schäler  Ulrich  ZelPs 
war,  erhielt  nach  Deschatnps  34 1  zum  Druclce  seiner  Uebersetzung  später  durch  Ver- 
mittelung  der  Henogin  Marga/rete  von  Burgund  dieselben  Typen  geliehen.  In  seiner 
Offizin  haben  sich  zunächst  in  andern  Druckwerken  Jene  Charaktere  mehr  entwickelt» 
kamen  dann  auch  nach  Holland,  wo  wir  sie  besonders  bei  Veldener  in  Löwen  und 
Utrecht  wahrnehmen  können,  und  haben  sieb  endlich  aut'  dem  Ruckwege  nach  und 
nach  wieder  in  Deutschland  eingebürgert,  wo  sie  in  späterer  Zeit  selbst  alle  anderen 
^ichriften  verdrängten  und  sich  bis  heute  zur  eigentlichen  nationalen  Brodschnft 
herausgebildet  haben. 

Uebrigens  sind  wir  überzeugt,  dass  der  eigentliche  Ursprung  der  Fractur-Sekrift 
noch  früher  als  überhaupt  im  15.  Jahrhunderte  zu  suchen  ist;  wir  selbst  besitaen 
Manuscripte  des  18.  <fc  14.  Jahrhunderts,  in  welchen  derselbe  Ductus  erkennbar  ist. 
Aach  kann  man  selbst  in  dem  beriihmten  Holztafeldracke  r,die  Kunst  CirotnanÜa'^ 
von  Dr.  Hartlieb  um  1450,  unter  No.  XLVI  imserer  Sammlung,  die  lebhaftesten 
Anklänge  an  den  Fractur-Charakter  entdecken. 

Interessant  ist  es  übrigens,  dass  sich  die  Typen  des  llieuerdank  wenigstens  augen- 
scheinlich noch  einmal  in  der  ersten  Ausgabe  des  berühmten  MiUißHer'ßehen^ 
Turnierbtiehes  von  1ß30  wiederfinden,  wo  sie  jedoch  ohne  die  im  Theuerdank 
angehängten  Schreiberzüge  verwende^  und  auch  ohne  Durchschuss  gesetzt  sind,  gana 
so,  wie  es  im  Theuerdank  selbst  in  der  Vorrede  und  bei  den  Ueberschriften  zu  den 
einzelnen  Abschnitten  geschehen  ist.  Immerhin  ist  es  nicht  ausgeschlossen,  dass 
hier  nur  eine  sehr  genaue  Nachbildung  der  Theuerdank-Typen  vorliegt,  wie  es  auch 
Haltaus  Seite  74  annimmt,  obgleich  wir  bekunden  müssen,  dass  selbst  die  Gleich- 
heit der  Kegelstärke  bei  den  Typen  beider  Werke  in  ihrer  vollkommenen  üeberein- 
stimmung  überraschend  ist,  denn  wir  fanden,  dass  tb  Zeilen  des  compressen  Saixes 
der  Vorrede  des  Theuerdank  genau  denselben  Raum  einnehmen  wie  25  Zeilen  des 
Turnierbuches;  wir  können  deshalb  auch  den  Gedanken  an  die  Möglichkeit,  dass  in 
der  That  die  gleichen  Typen  vorliegen  könnten,  keineswegs  ausschliessen. 

Warum  sollten  sich  auch  die  Typen  des  Werkes  nicht  nach  18  Jahren  noch 
erhalten  haben,  da  ja  die  Bolzstöcke ^  wie  es  erwiesen  ist,  nach  162  Jahren  noch 
gebraucht  wurden?  Ebenso  leicht  erklärlich  ist  es,  dass  sie  in  andern  Händen 
gefunden  werden ,  da  Ja  der  jüngere  Schönsperger  bekanntlich  die  Druckerei  ganz 
aufgab,  und  als  er  sich  ausschliesslich  auf  den  Verlag  legte,  die  alten  Bestände  des 
väterlichen  Geschäftes  sicher  veräussert  haben  wird.  Man  vergleiche  das  Rüxner^sche 
Turnierbuch  in  beiden  Auflagen  unter  „ Simmern "  in  unserer  Sammlung;  die  zweite 
Auflage  desselben  von  1S31  hat  die  Theuerdank-Type  nicht  mehr.  Sehr  ähnlich 
und  gleichgross  kommt  dieselbe  im  16.  Jahrhunderte  namentlich  auch  bei  den  Schöffer 
in  Mainz  vor,  dann  in  den  Hessischen  und  Württemberg'schen  Kirchenordnungen, 
Ca^sel  1657  und  Stuttgart  1660;  sie  wurden  ihrer  Schönheit  wegen  eben  vielfach 
nachgeahmt.  — 


3ol)ann  petrejud^ 

1524  bi?  1550. 

Ein   Typograph,    der   durch  Correctheit   und   Schönheit   seiner 
Ausgaben  alle  andern  Nürnberger  Drucker  dieser  Zeit  überragte.  — 


No.  782. 

„aSttruuiuä  II  Stcutfdj  •  ||  9?eintici)en  bc§  aller  ttam^affttgt:^ 
ften  t)n  ^ocf)erfarne[ten,  5Römtfd)en  3lrd|itccti,  önb  Äunft: 


—     Nürnberg.     —  ^65 

reidEjen  Söcrd  ober  S3att)ineifter^,  SRarci  SBttruuij  5ßoÜiont§, 
3cf)cn  95ü||d|er  t)on  bcr  Slrd^itectur  t)nb  fünftlid^cm  öatoen. . . 
l£rftma(d  verteutfcbt,  vnb  in  Zvud  vexovbntt  öurd)  ||  D. 
Gualtherü  H.  ßiuium  Medi.  &  Math.  ||  . . .  3^  SRürnberg 
StrudEtg  Sotiait  5ßetrctu§  •  ;|Anno  M.  D.  XLVIII." 

Folio-Format. 

Erste  deutsche  Ausgäbe  der  herrlichen  Architectur  des  Vitruvius.  Die  schonen 
Fraktortypen  von  mehrerlei  Grosse,  der  meisterhaft  correcte  Druck  und  gegen  2U0 
«chöne  Holzschnitte  machen  das  Werk  zu  einem  Meisterstücke  typographischer  Kunst. 
K«  enthält  18  Blätter:  Titel,  Vorrede,  Register  und  320  numerirte  Blätter.  — 


1525  bis  um  1529. 

Dieser  Typograph  erlitt  ein  sehr  tragisches  Ende,  indem  er 
als  Anhänger  Luther^s  wegen  Pressvergehen  zu  Leipzig  enthauptet 
wurde.  Seine  Frau,  Kunigund  Hergotin,  die  wir  nächstdem  kennen 
lernen,  setzte  nach  seinem  Tode  das  Geschäft  fort.  — 


No.  783. 

,,1Sffd)nierun9   ber  alten  &eüfr||Ufd)rn  <3(i)langen  mit  btm  ,| 

<i5tlid)m  mort.*^    Am  Ende:  (ßc6rucCt  5U  ttßrcmbcrg,  6urd) 

ÖÄttß  II  6errgot,  im  3ar  ttt*  5D.  TüTliv/* 

Quart-Format. 
Verfasser  dieser  seltenen  Schrift  ist  Johann  von  Schwarzenberg ,  von  dem  wir 
•oben  auf  Seite  41  &  275  schon  zu  sprechen  Gelegenheit  fanden.  Er  giebt  darin,  wie 
er  selbst  auf  der  Ruckseite  des  Titels  bemerkt,  „eine  ünterrichtung  und  Ermanuug 
Evangelischer  Lehr  halb  an  seinen  irrenden  Sohn*'.  Auf  dem  Titel  und  am  Schlüsse  steht 
ein  Holzschnitt,  der  einen  Mann  vorstellt,  welcher  eine  Schlange  beschwort  In  dem 
Titelholzschnitte  befindet  sich  die  Schrift:  ,,3d?  WdfWex  Md?.",  welche  offen- 
bar auf  bewegliche  Art  eingesetzt  gewesen,  da  sie  in  dem  Schlussbilde,  das  sonst 
vollständig  dasselbe  ist,  fehlt.  Ausserdem  befinden  sich  noch  8  interessante  Holz- 
Bchnitte  in  dem  Werkchen,  dessen  Text  ganz  mit  Schwabacher  Schrift  gedruckt  ist.  — 


^untgttnb  ^ergotin^ 

um  1530  bis  1540. 


Die  Frau    des    hingerichteten   Hans   Herrgot,  welche   das   Ge- 
schäft ihres  Mannes  fortsetzte.  — 


^66  —     Nürnberg.     — 

No.  784. 

^iSfr  ^uu||bert  »nb  ri)lffte  Pfalm  außgelegt  6ttrd)||J). 
tttartln  Cutter  .  ||  ajittrmbrrg.  ||  Jl.  i0.  mi-  II  ^"^  ^'••^ 
(BetrucCt  51!  nfirmbcrg  feurd)  jj  Kunigunb  ^crgotin«" 

Quart-Format. 
Der  Titel  steht  In  einer  hübschen  Bordüre.  — 


No.  785. 

i,(KuT  ft^finer  fprud)  ||  fo  |td)  r^ner  (Eronica  ||  rergleicbt,  von 
mancbcrlcy  Eries|gcri,  fd)lad)tcn  t>n  anfecrn  wunfeers, 
barlicben  traten  vnb  gefcbidbten  6ie  tiacb  .C^rifli  geburöt 
biß  II  auf  ba&  1537  jar  gcfcbc::|H?en  fttib,  leiii  ycbeei 
mit  feiner  \ax^al  \\  angeseigt/'  Am  scwusse:  „(Bzbxndlt  3^ 
nfirmberg  feurd)  ||  Kunegunfe  ^ergotim" 

circa  1587*     Klein  Octav-Format. 
Dieses  Büchlein   ist  eine  gereimte  Chronik,  deren  Seltenheit  daraus  hervorgebt, 
dass  sie  den  Bibliographen  und  selbst  Gödecke  unbekannt  blieb,  der  ein  so  Mhes 
Dichtwerk   nicht    absichtlich   übersehen   haben    wird.     Sie   enthält   16  Blatter  and 

beginnt : 

„Vor  Christus  geburt  eylff  hundert  Jahr 

Und  neun  vnd  zwentzig*  fürwar 

Ist  die  8  tat  Augsburg  gewesen 

Als  in  Chronica  wird  gelesen." 

Danach  sollte  man   schliessen,  dass  der  Dichter,  der  sich  am  Schlüsse  in  den 

Versen  nennt: 

„Got  geb  seyn  gnad  dem  Keyser  frum 

Das  er  regiere  wol  und  recht 

Wünscht  Jm  Gabriel  Hausknechf^ 
ein   Augsburger  gewesen   ist.    Vom  Jalire  1129   v.  Chr.  geht  die   Chronik  sodann 
gleich  zum  Jahre  908  n.  Chr.  über,  als  ^Sanct  Ulrich  ist  zum  Bischoff  gewelt". 

Mit  Ausführlichkeit  wird  aber  erst  von  1440  an,  Jahr  für  Jahr  bis  zum  Jahre 
1587  gehandelt.  Zu  jenem  Jahre  ist  merkwürdiger  Weise  dieselbe  Notiz  Ton 
Erfindung  der  Buehdrueherkunsl  durch  Hans  MmteUn  zu  Sirassburg  gegeben, 
die  man  in  dem  „Historien-Handbüchlein"  Johann  Schottes,  Strassburg  loS6,  findet. 
8o  scheinen  denn  diese  Verse  und  vielleicht  auch  das  Uebrige  Nachdruck  zu  sein.  — 


1531. 

Zwar  ist  es  nicht  sicher,  ob  dieser  treffliche  Briefmalcr  und 
Formschneider  auch  eine  eigene  Druckerei  gehabt  hat,  es  liesse  sich 
dies  aber  durch  die  Unterschrift  des  folgenden  Werkchens  wohl 
annehmen.  — 


J 


—     Nürnberg.     —  -567 

No.  786. 

,i1Rla9  ;?lntn>ort  unb  t>r-|!tei)l,  juJtfd)m  frauj  ^rmut  mit 
pittto  bem  II  (Bott  6cr  rcicfetumb  wcicbee  rntcr  y^ti  feae 
pcffcr  fcy/'  Am  Ende:  ^^Htclae  tttelfecman  »rieffmalcr 
Sfi  ttfirmbcrg  an  6er  CangenbrucEcn.  ||  ttt*  JD.  XXXI/* 

Quart-Format, 
unter  obigem  Titel  steht  ein  vortrefflicher  Holzschnitt,  den  Process  der  Armuth 
und  des  Reichthums  in  einer  Composition  von  drei  Figuren  in  einer  Landschaft 
vorstellend.  Das  Ganze  enthält  auf  4  Blattern  ein  Gedicht  von  Hans  Sachs.  Die 
kleinen  Schwabacher  Typen  des  Werkchens  sind  sehr  hübsch  und  gefallig;  am 
•Schlüsse  steht  auch  das  Monogramm  des  Künstlers  Meldeman.  — 


3imon  9:iindifl^ 

um  1531. 

No.  787. 

^,®9n  <$enbtbrtff]i  ober  c)itflcl  ||  bes  l)od)9eUrten  Srafmi  rotr  |{ 
rofeami,  an  feen  cfelcn  ö^rrcn  3^^Än  Öcbled)tcn  jj  t>on 
(Coflelcg,  in  welcher  gar  fd)6n  Me  eynigf  waren  mittel 
werfeen  ffirgefdjriben,  burcb  welche  gegent?ertige5weyung 
in  pmjjferm  bcyligen  (ßlauben  mochten  ||  frucbtbarlicb 
^?tngclegt  weröen  ||  ♦  ♦  ♦  |0.  j0.  m]-  II  ^  schlüge:  ^u 
nfirmbcrg  bey  Simon  tuncCeU" 

Klein  Quart-Format. 
Der  Titel  steht  in  einer  Bordüre.     Die  Schrift  enthält  8  Blätter  mit  Schwabacher 
Typen  gedruckt.    Seltener  Druck  eines  wenig  bekannten  Typo(rraphen.  — 


(Sabrifl  %tvß^ 

lim  1550. 

No.  788. 

@t)iegcl  II  ber  Ijaufeu^t,  ||  SefuS  ©praci^  genant:  @amt)t  || 
et)ner  !ur§en  Slufelegimg.  ||  gut  bic  armen  §auJBuättert)nnb|' 
jf)r  ©efinbe,  2Bte  fie  ein  ©ottfeüg  leben  ge^lgen  mentgfticf) 
füllen  erjc^gen.  .  .  6aft)ar  §ubertnuS.  || . . .  Am  Ende:  ®c= 
brndt  ju  9iünnberg  burdj  ||  ©abrielem  öeyn*    (1552.) 

Folio-Format. 
Schwabacher-  und  Praktur-Druck.    Die  zwei  ersten  Zellen  des  Titels  sind  in 
Riesenleitern  in  Holx  geschnitten.  — 


368  —     Nürnberg.     — 

f|ermann  ^am|tn0^ 

1553. 

No.  789. 

,,®cr  flagenbt  @f)ren  ||  t)otbt,   über  gürften  i)nb  2lbel 
^an§  (Baä)^."  Am  Ende:  ©cbrutft  äu  SWürttberg  burd^  ||  Jper- 

matt  §amftng.    1553." 

Quart-Format. 

Auf  dem  Titel   befindet  sich  die  Abbildung  eines  Heroldes  in  Holzschnitt    Das 
<iedicht  umfasst  G  Blättchen  und  ist  mit  bchwabacher  Schrift  gedruckt.  — 


1553. 

No.  790. 

,,@itt  arblid^  gft)red^  ||  fcer  (ßotter,  feie  switracbt  ||  bce 
3^5mifd)cii  Kcyd)ö  betreffen  fee  .  |||)an§  @atf)ö."  Am  Ende. 
„®ebrudt  gu  9tü==||reniberg,  feurd)  (Beorg  ||  ITIer* el  Wofern 
I?;iff  auff  fee  new^Hen  »aw  bey  feer  UalcCbätteti.  ||  1553." 

Quart-Format. 

Auf  dem  Titel  ist  ein  Holzschnitt,  der  den  Rath  der  Gotter:  Jupiter,  Jano,  Satani, 
Pluto,  Mercur,  Mars  und  Venus  vorstellt.  Das  Gedicht  enthält  10  Blätter  und  ist 
mit  Schwabacher  Schrift  gedruckt.  — 


/rieirid)  (iltitknfd)t, 

1554. 

Vermuthlich  ein  Sohn  des  Druckers  yobst  Gutknecht,  den  wir 
auf  Seite  361  anführten.  — 


No.  791. 

„2)ie  Subit  mit  $o||Ioferne,  ob  ber  betege*||rung  bcr  ©tat, 
Set£)utta  .  II  |)an§  ©ac^g."  Am  Ende:  „®ebrudt  ju  SRümber 
(Sic!)  burd^  II  griebrid^  ©utfncd^t  ||  1554" 

Quart-Format. 
Auf  dem  Titel  befindet  sich  ein  primitiver  Holzschnitt,    der  die  Geschichte  von 
Judit  und  Holofernes  darstellt.    Das  Gedicht  enthält  4  Blättchen.    Interessant  ist  die 
Prakturschrift,  womit  es  gedruckt  ist,  — 


J 


—    Nürnberg.     —  36g 

iSalentm  (ieigler^ 

um  1564. 

No.  792. 

„J)er  ©tat  ||  SRürmberg  ||  i)erneute  gic::||fonnation.|  ||  1564." 

Nümberg^^  Valentin  Geissler,  1564«     Folio-Format. 
Schone  Ausgabe  mit  XLIV  und  241  Bl&ttern,  prachtigem  Titel-Holsschnitt   und 
Frontispiz.    Die  Original-Ausgabe  von  1484  führten  wir  bereits  unter  No.  729  an.  — 


um  1560  bie  1590. 

No.  793. 

,,5)aö  erfte  Sud)  ||  ©e^r  |)err||Iid)e  ©d^önc  ||  t)nb  iDarI)affte 
®ebtd)t.  II .  . .  2)urd)  ben  finnreidjen  t)nb  tüeitberümbten 
Jpanö  ©adifen,  ein  Iicb»^||]^aber  bcutfd)er  5ßoetere^,  öom 
M.  D.  XVI.  3ar,  big  auff  bife  M.  D.  LVin.  3ar,  ju^ 
fammengetragen  t)nb  öoHenbet.  ||  ©ebrudtt  ju  SRürttberg, 
burd^  II  SeonI)arbum  |)eufelcr.  ||  3m  Satjr  M.  D.   XC." 

Folio-Format. 

Enthält  YI  und  408  Blätter.    Diese  Ausgabe  scheint  den  Bibliographen  und  selbst 
dödecke  unbekannt  geblieben  zu  sein,  da  er  nur  eine  Ton  Willer  ^590  erwähnt  — 


ff 


|lat|)artne  (!l(rlad)tn  €rben^ 

1594. 

No.  794. 

2)er   f leine  Äated^förnu«  Sutl^et'S,"    Am  End.:   „(Sebtudt 
äu  SRürmberg,  burdi  fiatt)atine  ®er=||Iad§tn  Stben.  ||  M.  D. 

xcmi." 

Klein  Oclav-Format. 

64  Blätter.  Eine  wie  es  scheint  sehr  seltene,  weil  von  den  Bibliographen  niclit 
erwähnte  Ausgabe  mit  24  Holzschnitten.  Wie  alle  Schulbücher  des  16.  Jahrhunderts 
ist  auch  der  „kleine  Katechismus*  Luther's  durch  den  Gebrauch  grösstentheils  xu 
Grunde  gegangen.  — 


Damit  hätten  wir  die  Geschichte  der  Typographie  in  Nürnber 
bis  gegen  das  Ende  des  i6.  Jahrhunderts  verfolgt.  Die  grosse  Be- 
rühmtheit der  von  Georg  Endter  im  Jahre  1604  begründeten  und 
Jahrhunderte  hindurch  blühenden  Officin  veranlasst  uns  jedoch,  auch 

24 


yjQ  —     Nürnberg,     — ► 

noch  einige  Hauptwerke  dieser  grossen  Typographen-Familie  in  Fol- 
gendem genauer  anzuführen. 

CI)n|topi)  ^  Paul  (Stifter, 

vm  1660. 

No.  795. 

Die  Kurfürsten  Bibel: 
„BBLIA,  II  Sag  ift,  II  2)te  gan^e  §.  ||  ©d^rift,  ||  3llte§  t)ub 
$«eueg  SKeftamentS  ||  Scutfd^,  ||  S).  3RaTtm  Sutl)er§:  ||  . . . 
3m  3al)r  6I)riftt  M.  DC.  LXH.  1|  9iürn6erg,  ®ebrud£t  tjnb 
i)erlegt  burd)  6I)rtftot)f)  önb  5ßaul  Snbtertt,  ||  Söud^^änblern." 

Gross  Folio-Format. 

Diese  Riesen-Prachtbibel  enthält  neben  mehreren  Karten  und  Plinen  zur  Bibli- 
schen Qeschichte  ein  Brustbild- Portrait  des  Herzogs  Ernst  von  Sachsen,  nach  einem 
Gemälde  von  Rudolf  Weren/els  von  Jcicob  Sandrart  in  Kupfer  gestochen;  die  Portraits 
von  elf  sächsischen  Kurfürsten  von  Friedrich  dem  Weisen  bis  auf  Bernhard  J.,  und 
das  Portrait  Luiher's,  alle  in  ganzer  Figur,  nach  Zeichnungen  Christian  Richter's  ron 
Peter  Troschel  und  Johann  Dürr  in  Kupfer  gestochen.  Das  Exemplar  von  vorsäg- 
licher  Erhaltung  befindet  sich  im  prachtvollen  Original-Pergamentbande  mit  reich 
vergoldetem  Messingbeschläge.  — . 


|llid)ael  U  ^ol|ann  /rieirid)  dtiMer^ 

um  1668. 

No.  796. 

,,@t)iegel  ber  @I)ren  beö  .  .  .  ©rgliaufeS  Defterretd)  .  .  . 
öerfaffct  burd^  Soljann  Sacob  gugger . . .  S^unmel^r  aber . . . 

ertoeitert  .  .  .  burtf)  ©igmunb  t)on  ©irfett. 
Jlümberg  S5c^  SRid^ael  unb  Soljann  griberid)  @nbtem . . . 

cId  Ioc  LXVIII." 

Folio-Format. 

Ein    umfängliches   Werk   mit    vielen    Portraits,    Abbildungen   und    Planen    in 
Kupferstich.  — 


um  1690. 

No.  797. 

SBoIlftönbigeö  SRürnbergifd^e^  Äoci)bu^. 

Nttrnberg;  Wolfgang  Moritz  Endter.     1691.     Quart-Format. 

Ein  ganz  vortreffliches  Buch,   das  man  noch  heute  sehr  gut  benutsen  konnte 
und   woraus  hervorgeht,   wie  ausgezeichnet  man  im  17.  Jahrhunderte  gespeist  bat 


—     Nürnberg.     —  oy-^ 

Der  Titel  lautet  höchst  luatig:  „Dec  QU«  bem  Parnasso  cl^emalö  enttttufencn  üortteff* 
lidien  Stdd^in,  »etc^e  bei  benen  Göttinnen  Ceres,  Diana  unb  Pomona  üiel  3al^re  gebienet^ 
§intcrlaffcne  unb  Bigl^ero  be^  unterft^iebUcften  bcr  ?öbt.  Äod)*Äimft  beftiffcnen  gfrauen 
5»  gflümberg,  jerflreuet  nnb  tn  großer  ©el^cim  gel^atten  getuefene  S9emerl*3cttul''  etc.  — 


ßo\)mn  ^nhms  ÄnMer'0  M\)nt^ 

um  1690. 

No.  798. 

„BBLIA,  baö  ift,  bie  gan^e  §eit.  ©d)rift.  .  . 
Stiirnberg,   3n  SJerlegung  SoI)ann  Slnbreä  @nbter§  @eel. 

©ö^tte,  Anno  M.  DC.  XC." 

Folio-Format. 

Mit  den  Summarien  des  Saubertus  und  der  Vorrede  Dilherr's  von  Peuerlein 
herausgegeben.  Das  schönste  dieser  Ausgabe  sind  die  darin  enthaltenen  Kupferstiche. 
Vierzig  Blätter,  die  mit  Zahlen  bezeichnet  sind,  enthalten  die  wichtigsten  Begeben- 
heiten des  alten  und  neuen  Testamentes ;  Jedes  Blatt  hat  fünf  bis  sechs  kleinere  Ab- 
theilungen und  in  jeder  derselben  ist  eine  biblische  Historie  vorgestellt.  Das  Portrait 
Liuther^s  und  ein  Frontispiz  in  Kupferstich  gehen  dem  Qanzen  voraus.  Ausserdem 
sind  noch  auf  vier  Blättern  Moses,  die  vier  grossen  Propheten  und  die  vier  Evan- 
gelisten abgebildet.  Letztere  sind  besonders  schon  gestochen.  Sie  scheinen  von 
Sandrart's  Hand  zu  sein,  obwohl  der  Künstler  sich  nicht  genannt  hat ;  doch  könnten 
sie  SU  seinen  besten  Arbeiten  zählen.  Interessant  ist  der  Original-Einband  mit  seiner 
wahrhaft  verschwenderischen  Ornamentik  in  Goldpressung  und  Oelmalerei.  — ' 


^ol|ann  ^nirea©  €nMer^ 

um  1755. 

No.  799. 

„BIBLU,  ®a§  ift:  S)ie  gan^c  ^eilige  ©grifft  beJB  Sitten 
unb  9?euen  Seftament^.  .  .  SWürnberg,  3n  SSertegung  ber 
Sof)antt  Slnbreä  ©nbterifd^en  §anbluttg.  AnnoMDCCLV." 

Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  enthält  ebenfalls  die  Portraits  der  elf  sächsischen  Kurfürsten 
lind  Herzöge,  sowie  Lnther^s  Portrait,  aber  in  andern  Stichen;  im  Texte  befinden 
sich  viele  Holzschnitte.    Panzer  hat  sie  nicht  gekannt.  — 


24 


* 


X72  —     Nürnberg.     — 

Ein   anderer  berühmter  Drucker  des  17.  Jahrhunderts  zu  Nürn- 
berg war  auch: 

um  1680. 

No.  800. 

„©er  ©fjur^^gürftüci^en  ©äd)fifd)ett  ttjeitberuffenen  9ftefibcn|;' 
unb  |)am)tfeftuttg  S)reöben   S5efci)retb:   unb   SSorftellung, 

•Surd)  Slntontum  SBedEen. 

Slürnberg   Sti  SSerIcgung   Sof)ann  ^offmann'ö   ©ebructt 

bafelbft  ht\)  ß^rtftian  ©igtömunb  grobergcr. 

Stnno  MDCLXXX." 

Folio-Format. 

Mit  prachtvollen  Pl&nen  und  Ansicbten  Dresden's  in  Kupferstich.  Die  „Weck'sche 
Chronik''  ist  noch  vielfach  gesucht,  obwohl  sie  weder  zuveHassig  noch  in  Bezug  auf 
Hauptsachen  vollständig  ist.  So  findet  man  zum  Beispiel  über  die  Einfühnmg  der 
Buchdruckerkunst  in  Dresden  gar  nichts,  und  was  von  Buchdruckereien  wirklich 
gesagt  ist,  kann  Uneingeweihte  nur  zu  falschen  Schlüssen  hinsichtlich  der  Zeit 
führen.   — 

No.  801. 

,,2)ie  2)urd)Iaud^tigfte  ßi^f ^^^^""f "«ff t ,  ober:  ^iftortfc^c 
(£räef)Iung,  SEBa^  ber  S)urd)Iaud|tigfte  gürft  unb  ^txx- 
^err  3o^ann  ®eorgc  ber  Slnber  .  .  .  S5e^  Sliituefenl^eit 
©einer  6^urfür[tltd)en  2)urci)Iaud&ttg!eit  |)od)g€et|rte[tcn 
§erren  ©ebrübern  ...  in  S)ero  Stefibenj  2)re§ben  im 
2Ronat  Februario,  beö  M.  DC.  LXXVHIften  Sa^rc^ 
auffütiren  unb  öorftelten  laffen,  2)urd^  ©abricl  2;^fd^immern. 
Siürnberg  in  3SerIegung  Sotiann  §offmanng  .  .  .  (Sebrucft 
bafetbft  bc^  St)riftian=@igniunb  groberger. 
ANNO  M.  DC.  LXXX." 

Folio-Format. 
Das  bekannte  Aufeugs-Werk   mit  den   für  die  Costüm-  und  Cultur-Geschichte 
höchst  wichtigen  Abbildungen  in  Kupferstich.  — 


ScOfußöcmcr&unflen  5u  DflürRöerg. 

Es  finden  sich  in  Nürnberg  noch  eine  Anzahl  von  kleinen  Druck- 
firmen, die  wir  nicht  einzeln  aufführten,  und  von  denen  wir  hier  der 
Vollständigkeit  halber  nur  noch  kurze  Erwähnung  thun  wollen. 


—     Nürnberg.     —  373 

Da  ist  Marx  Ayrer,  der  sich  um  1487  &  1488  daselbst  aufhielt 
und  später  nach  Erfurt  und  Ingolstadt  übersiedelte.  Ein  Ambrosius 
Hueher  kommt  um  1500  &  1501  vor;  Hieronymus  Huber  um  1504. 
Balthasar  Schleifer  druckte  1501  in  Nürnberg  für  einen  Ingolstadter 
Buchhändler,  Johann  Muscatell. 

Adam  Dyon,  der  später  in  Breslau  auftaucht,  druckte  in  Nürn- 
berg von  1509  bis  1515.  Andreas  Schwammarüssel  1515.  Um  1524 
kommt  Johann  Schoner,  der  1521  in  Bamberg  war  und  1533  &  1534 
in  Nürnberg  als  Editor  genannt  wird,,  daselbst  als  Drucker  vor. 
Johann   Gtddenmund  erscheint  1526  bis  15 36. 

Ob  Georg  Wächter  um  1529  &  1530  auch  Typograph  war,  ist 
ungewiss,  doch  findet  sich  seine  Firma  vor.  Von  Hieronymus  Form' 
Schneider,  der  um  1534  auf  Kosten  der  Wittwe  Dürer's  eine  lateini- 
sche Ausgabe  der  „Unterweisung"  druckte,  ist  es  nicht  statthaft 
anzunehmen,  dass  er  mit  dem  Drucker  Hieronymus  Höltzel  identisch 
sei,  da  Letzterer  schon  um  1525  vom  Schauplatze  verschwand. 

Ob  Albrecht  Dürer  selbst  eine  Privatdruckerei  gehabt  hat,  wie 
man  nach  der  Schlussschrift  in  der  berühmten  Ausgabe  der  „Apo- 
calypse"  glauben  müsste,  wo  es  heisst:  „Gedruckt  zu  Nürnbergk 
durch  Albrecht  Dürer  maier** ,  scheint  den  Forschern  gleichwohl 
zweifelhaft.  — 

Als  erste  Verlagsbuchhündler  nennen  wir  die  Koberger, 
von  denen  der  (iltere  Atlton  bei  Amerbach  in  Basel,  Clein  und 
Sacon  in  Lyon  und  Stuchs  in  Nürnberg  drucken  Hess;  ^'tx  jütigere 
j^wton  bei  Sacon,  Clein  und  Marion  in  Lyon,  sowie  ebenfalls  bei 
Stuchs  in  Nürnberg,  der  NeflFe  Johann  aber  die  zahlreichsten  Aufträge 
in  folgenden  Städten  ertheilte:  Basel  bei  Adam  Petri;  Hagenau 
bei  Th.  Anselm;  Lyon  bei  B,  Lescuyer,  J.  Sacon  und  J.  Qein; 
Nürnberg  bei  F.  Peypus;  Paris  bei  J.  Badius  und  B.  Remboldt. 

Ausserdem  haben  sich  noch  Folgende  als  Verlags-Buchhändler 
in  Nürnberg  bekannt  gemacht:  Nicolaus  FUischmann^  der  1503  bei 
Johann  Weissenburger  drucken  Hess;  Jacob  Heller  de  Heinrich 
Herm-ann  von  Wimpfen,  für  die  um  1514  Jobst  Gutknecht  druckte. 
Ferner  kommt  um  1514  Zacharias  Erb  von  Passau  in  Nürnberg 
vor,  ebenso  Lucas  Alantsee  von  Wien,  für  den  um  1522  Friedrich 
Peypus  druckte;  Johann  Hasselberg ,  der  auch  Druckereien  zu  Mainz 
und  Oppenheim  beschäftigte;  auch  druckte  Peypus  um  1529  &  1530 
für  den  Nürnberger  Bürger  und  Buchhändler  Leonhard  de  Aich, 
der  sich  latinisirt  auch  a  Quercu  nennt.   — 

Damit  glauben  wir  das  rege  typographische  Bild,  welches  die 
alte  Patrizierstadt  unter  den  für  die  Typographie  günstigsten  Au- 
spicien  der  Gelehrsamkeit  und  des  Reichthums  entwickelte,  mit 
ziemlicher  Vollständigkeit  gegeben  zu  haben. 


»nA  —     Nürnberg.     — 

Können  wir  die  Stadt  um  der  praktischen  Resultate  willen, 
welche  die  Kunst  dort  zeitigte,  mit  Recht  preisen,  so  gebührt  ihr 
ein  anderer  Preis  noch,  dass  sie  d,€7l  Mann  in  ihren  Mauern  be- 
herbergte, der  für  die  Geschichtschreibung  der  Buchdruckerkunst 
das  wichtigste  Werk  geschaffen,  welches  wir  noch  heute  nur  mit 
Dank  und  Bewunderung  seines  Fleisses  benutzen  können:  Georg 
Wolf  gang  JBanzer. 

Seinen  Namen  wird  Jeder,  dem  das  Werk  dieses  Mannes  im 
wahren  Lichte  als  Quelle  reichen  Nutzens  und  Vergnügens  erschie- 
nen, als  den  eines  Vaters  aller  bibliographischen  Wissenschaft  ver- 
ehren, wenn  wir  selbst  ihn  auch  hier  und  da  berichtigen  und  ver- 
vollständigen müssen.  — 


Crgön^ungs^Ctteratur  5u  JlürnOerg. 

1.  ^^\t  ^xXti  bcr  %t\t^t  btr  lleroen  Hcformacion  ber  iJtat  llurcmberii 

<3lnno  .  bomini .  JUillcRotno  .  cccc  .  Ijrnj: .  ffirgcnotneti.**    Folio. 

NB.  Dieses  Register  zu  der  Reformation  Nürnberg's  ist  eine  grosse  Seltenheit. 
Es  wurde  gedruckt,  ehe  die  Reformation  selbst  als  Druckwerk  erschienen  war,  dj«' 
erst  im  Jahre  1484,  alsq,  5  Jahre  später,  in  erster  Ausgabe  bei  Koberger  herauskam, 
wie  wir  unter  No.  729  selbst  gesehen  haben. 

Die  Nachrichten  der  Bibliographen  hiervon  sind  so  spärlich  und  nichtssagend, 
dass  hieraus  schon  die  grosse  Seltenheit  erhellt.  Panzer  No.  103  hat  keine  Ver- 
muthung  eines  Druckers  und  Hain  No.  15529  hat  ihm  lediglich  nachgeschrieben. 
So  ist  denn  auch  die  Angabe  der  Blattzahl  unrichtig,  die  nicht  23  sondern  22  beträgt, 
indem  das  vorliegende  Exemplar  hiermit  ganz  complet  ist. 

Als  Drucker  dieses  Registers  können  wir  als  ganz  sicher  Conrad  Fyner  in 
Esslingen  substltuiren ,  dessen  grössere  alte  Type  hier  angewendet  ist.  Angebauden 
ist  dem  Exemplare  eine  handHchriftliehe  Reformation  Nürnberg' Sf  die  damals 
noch  nicht  gedruckt  existirte.  Dass  der  ehemalige  Besitzer  Beides  zusammen  benutzte, 
beweist  seine  Handschrift,  die  sich  auch  in  dem  „Register"  findet.  Das  Ganze  ist 
historisch  höchst  wichtig.  — 

2.  „OVIDII  MBTAMORPHOSIS  cbet  Verwanöelutiöö  75ud)ev  . . .  burOf 

ben  *Äunftl>crul;n]ten  Oo^nnn  VOill)elm  Bnur  3n»entlrt  vmb 
%hxa[)am  9Cut>rv  \r\  lluvffer  öeftod;e.  3n  Verleöunö  Vauluö 
Surften  Kutift^dtiMerß  In  tturnberö'^  (1513)^     Quer  Quart. 

NB.  Enthält  150  hübsche  Kupferstiche  zu  Ovid's  „Verwandlungen".  Paul 
Fürst  war  zwar  kein  Typograph,  weshalb  wir  ihm  auch  keine  Stelle  als  solchem 
einräumen;  aber  er  betrieb  einen  grossen  Kunsthandel  und  Verlag  in  Nürnberg  und 
ist  in  Rücksicht 'dieser  verwandten  Beziehungen  immerhin  interessant.  — 

3.  „Katalog   der  Ausstellung   von  Arbeiten   der   vervielfältigenden 

Künste  im  Bayerischen  Museum  zu  Nürnberg  1877." 
NB.    Mit  zahlreichen  Abbildungen  und  vielen  für  die  Typographie  interessanten 
Gegenständen.  — 

4.  „Blancken.     Bildnisse  berühmter  Künstler,   Buchhändler,  Buch- 

drucker .  .  .  Nürnberg  1725." 

NB.     3  Blätter  Text  und  50  wohlausgeführte  Porträts  in  Kupferstich.  — 


—    Foligno.     —  57c 

5.  „Die  Wohleingerichtete  Buchdruckerei  mit  hundert  und  ein  und 

zwanzig  .  .  .  Schriften  .  .  .    Nürnberg,    bei  Johann  Andrea 
Endter's  seel.  Erben  1733."  — 

6.  ,,01iveri  Dissertationes  Philologico-Bibliographicae.    Norimbergae 

1746."  — 

7.  „Nümbergische  Kleider-Arten.     In  Verlegung  Johann  Kramers 

in  Nürnberg  1669." 
NB.    Das  Exemplar   ist  von  dem  rühmlichst  bekannten  Historienmaler  Carl 
Köhler  in  Nürnbei^  höchst  getreu  und  kimstvoll  nachgebildet  bis  auf  mehrere  Blatter, 
welche  noch  aus  einem  gedruckten  Original-Exemplare  stammen.  — 

■8.  „Nürnberger  Schönbart-Buch  und  Gesellen  stechen.     1766."  — 
9.  Panzer.     Aelteste   Buchdruckergeschichte   Nürnbergs   oder  Ver- 
zeichniss  aller  von  Erfindung  der  Buchdruckerkunst  bis  1500 
in  Nürnberg  gedruckten  Bücher.     Nürnberg  1789. 
10.  Hase.     Die  Koburger,  Buchhändler-Familie  zu  Nürnberg.  Leip- 
zig 1869.   — 


3foltgno 

—   Fulgineum.  — 


Jol)ann  Humeifler  oon  IHain^^ 

1470  bi,8  1472. 

Schon  unter  Mainz  No.  3a  &  46  kamen  wir  auf  diesen  Typo- 
■graphen  zu  sprechen,  welcher  wohl  nicht  nur  Gehillfe  Gutenberg' s , 
sondern  nach  dessen  Trennung  von  Fust  &  Schöffer  jedenfalls  auch 
sein  Socius  war,  aber  nach  1462  von  Mainz  auswanderte,  um  in 
Italien  sein  Glück  zu  versuchen.  Nachdem  er  sich  anfangs  in  Rom 
aufgehalten,  wo  er  wahrscheinlich  in  der  Offizin  Georg  Laiter's  thätig 
war,  in  dessen  Ausgabe  des  Chrysostomus  von  1470  wir  eine  der 
seinigen  in  Aretini  „de  bello  ilalico"  überraschend  ähnliche  Type 
erblicken,  kam  er  auf  den  Ruf  des  Emütano  de  Orsinis  im  Jahre 
1470  nach  FolignOf  einem  kleinen  Städtchen  im  Kirchenstaate. 

Hier  druckte  er  bis  1472  im  Hause  und  mit  den  Mitteln  des 
Cmiliano  Orsino,  den  er  in  die  Geheimnisse  „der  deutschen  Kunst", 
wie  man  die  von  Deutschen  erfundene  und  verbreitete  Typographie 
nannte,  einweihen  musste.  Auch  seine  Gehülfen  waren  Mainzer, 
jedenfalls  Gefährten  aus  der  Offizin  Gutenberg's,  die  er  in  der  Fremde 


376  —     Foligno.     — 

angetroffen  hatte  und  dort  für  das  neue  Unternehmen  gewann ;  von 
dreien  derselben  hat  die  Geschichte  uns  sogar  die  Namen  aufbewahrt ; 
sie  hiessen:  Stephan,  Kraft  und  Ambracht. 

Diese  drei  folgten  später  einem  Rufe  nach  Perusia,  als  um 
1472  das  Geschäft  in  Foligno  sich  auflöste;  und  dort  erfahren  wir 
aus  einem  aufbewahrten  Documente  ihre  Namen ;  von  ihrer  dortigen 
Wirksamkeit  werden  wir  auch  weiter  unten  ebenfalls  ein  Beispiel 
aufzufuhren  haben. 

Numeister  selbst  ging  nicht  mit  ihnen;  ihn  finden  wir  1479 
wieder  in  JlliainZf  wo  er  seinen  meisterhaften  Turrecremata  schuf, 
dessen  Typen  nach  Falkenstein  Seite  225  dem  „Mainzer  Psalter^' 
sehr  nahe  kommen  sollen^  was  uns  bei  Betrachtung  unsers  schönen 
unter  Mainz  No.  46  beschriebenen  Exemplares  allerdings  unbegreif- 
lich erscheint,  da  selbst  die  kleinen  Psaltertypen  fast  noch  einmal  so 
gross  sind,  als  die  Typen  des  Numeister'schen  Turrecremata,  welche 
vielmehr  an  diejenigen  der  42  zeiligen  Bibel  von  Gutenberg  er- 
innern. 

In  Mainz  scheinen  unserm  Numeister  wohl  nicht  genügende 
Hülfsquellen  geflossen  zu  sein,  da  er  sich  bald  abermals  zum  Wander- 
stabe entschliessen  musste,  der  ihn  zunächt  nach  Basel,  dann  nach 
AiM  in  Languedoc  und  schliesslich  nach  Z/yon  führte,  wo  seine 
Wirksamkeit  in  Gemeinschaft  mit  Michelet  Topie  bis  zum  Jahre  1507 
aus  datirten  Druckwerken,  durch  welche  er  seinen  Namen  berühmt 
gemacht,  erwiesen  ist. 

Genaueres  darüber  wird  man  in  der  hochinteressanten  Studie 
von  A.  Claudin:  „Antiquit^s  Typographiques  de  la  France",  Paris 
1880  finden,  worin  diesem  Typographen  eine  höchst  wichtige  und 
liebevolle  Spezial-Untersuchung  gewidmet  ist.  — 


No.  802. 

Leonardas  Brunns  Aretinns:  „De  Bello  Italico 

adversns  Gothos". 

Foligno  9  Johann  Numeister,  1470«     Quart-Format. 

Das  er«te  Druckerzeugniss  der  Presse  Foligno's,  welches  am  Schlüsse  das  Coo- 
sortiam,  Emilianus  de  Orfinis  —  mit  dem  Druckfehler  Orfinis  —  Johannes  Numeister 
und  Socii  nebst  der  Jahrzahl  aufführt.  Die  römischen  Charaktere,  mit  weleben  das 
seltene  und  interessante  Werk  gedruckt  ist,  haben  den  Vorzug  grosser  Deutlichkeit 
und  sind  dadurch  dem  Auge  wohlgefällig;  gleichwohl  sind  sie  etwas  unregelinissif 
und  der  Druck  verrath  einen  ersten  Yersuäi. 

Das  Allersonderbarste  aber  ist  dabei,  dass  man  an  vielen  Stellen  die  Ausläufer 
der  langen  Buchstaben  in  die  vorgehenden  und  nachfolgenden  Zeilen,  dass  heisst  in 
den  Raum,  welchen  die  Ausläufer  der  langen  Buchstaben  hier  bedingen,  hineinragen 
sieht,  dergestalt,  dass  eine  gerade  Linie,  über  die  Kopfe  der  höchsten  Typen  einer 
Zeile  gezogen,  die  Füsse  der  Buchstaben  von  der  vorgehenden  Zeile  durchschneidet 


—     Beromünster.     — 


377 


Man  hat  also,  um  den  „Durchschuss"  der  Zeilen  nicbt  cu  gross  werden  zu  lassen», 
wie  es  nicht  anders  zu  erkl&ren  ist,  die  einzelnen  Buchstaben  unterschnitten;  ein 
Beweis,  wie  gross  die  technische  Findigkeit  der  ersten  ausübenden  Kunstler  gewesen, 
da  sie  schon  Kunstgriffe  anzuwenden  wussten,  welche  noch  heute  als  Feinheiten 
typographischer  Technik  unter  Fachleuten  Geltung  haben.  — 

Der  gelehrte  Verfasser  des  Werkes,  welches  die  Kriege  der  Gothen  gegen  Italien 
schildert,  lebte  in  der  ersten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts  und  war  aus  Arezzo  gebürtig, 
weshalb  seinem  Namen  Leonardus  Brunns  der  Beinamen  Aretinus  zugefügt  wurde, 
unter  welchem  letztern  er  dann  fast  ausschliesslich  bekannt  geworden.  Hain 
No.  1558  hat  die .  höchst  seltene  Gimelie  nicht  gesehen.  Uebrigens  ist  in  vorliegendem 
Exemplare  der  Druckfehler  Mulgmas  für  Fulginas  in  der  Schlussschrift  nicht  er- 
sichtlich, w&hrend  der  schon  erwähnte  Schnitzer  Orßnis  für  Orßnis  allerdings  zu 
bemerken  ist.    — 


SSeromünpcr 

Beronis  villae. 


1470  bis  1475. 

Das  Städtchen  Beromünster  im  Canton  Luzern  ist  jedenfalls^ 
bald  nach  dem  Vorgange  von  Basel  in  die  Reihe  der  Schweizer 
Druckstädte  getreten,  denn  es  hat  sogar  den  ersteii  datirten  Druck 
der  Schweiz  in  der  Ausgabe  des  Mammotrectus  von  1470  auf- 
zuweisen, während  Basel's  früheste  Drucke  leider  keine  Jahrzahl 
tragen  und  deshalb  Beromünster  oft  irrthümlich  für  den  ersten 
Druckort  der  Schweiz  überhaupt  gehalten  wurde. 

Indessen  haben  die  Bibliographen  sogar  die  Zuverlässigkeit  der 
Jahrzahl,  welche  sich  in  dem  von  Helyas  Helie  de  LoufFen  im 
siebzigsten  Jahre  seines  Alters  gedruckten  Mammotrectus  findet, 
angefochten,  indem  man  gefunden  haben  will,  es  sei  diese  Ausgabe 
ein  Nachdruck  der  Schöffer'schen  von  1470,  in  welchem  sogar  die 
Dalirung  mit  copirt  sei,  und  sie  könnte  unbedingt  erst  um  [473  bis  1474 
gedruckt  sein,  da  sich  auch  ,, Signaturen'*  in  ihr  befänden,  welche, 
wie  man  annimmt,  zuerst  von  Johann  Koelhoff  in  Cöln  um  14:72^ 
jedoch  von  Helyas  de  Louffen  sogar  noch  nicht  einmal  in  dem  von 
ihm  um  1472  gedruckten  Roderici  „Speculum  vitae  humanae"  an- 
gewendet wurden. 

"Was  nun  die  Schlussschrift  des  Beromünster  Mammotrectus 
betrifft,  von  der  die  meisten  Bibliographen  schreiben,  dass  sie  wort- 


-3^8  —     Beromünster.     — 

lick  übereinstimme  mit  derjenigen  von  Peter  Sckoeffer,  so  fanden 
wir  im  Gcgentheile,  dass  sie  grosse  Unterschiede  aufweist  und  nur 
wenige  Worte  darin  übereinkommen;  wir  würden  auch  zum  Ver- 
gleich hier  beide  Colophons  nebeneinanderstellen,  wenn  nicht  Fischer 
in  seinen  „Typographischen  Seltenheiten" ,  Lieferung  V,  Seite  28, 
diese  Arbeit  schon  übernommen  hätte,  wo  man  sich  denn  von  der 
Thatsache  überzeugen  möge. 

Zweifelhaft  scheint  es  nur,  ob  die  Erwägung  Fischer's  besonders 
glücklich  ist,  dass  nämlich  „der  Canonicus  Helyas  ein  feiner  Copist 
gewesen  sei,  der  absichtlich  nur  einige  Worte  der  Unterschrift 
„gestohlen"  und  um  seinen  ,,Betrug"  besser  zu  decken,  die  Vor- 
sicht gebraucht  habe,  „die  Jahr  zahl  beizubehalten,"  —  Der  gelehrte 
Chorherr  Helyas  dürfte  wohl  schwerlich  der  wenigen  Worte 'wegen, 
um  die  es  sich  handelt,  in  Verlegenheit  gekommen  sein  und  des- 
halb eine  Anleihe  nöthig  gehabt  haben. 

Um  den  Nachdruck  zu  verdecken,,  hätte  er  als  feiner  Copist 
gewiss  klüger  gethan,  die.  Ausdrücke  jener  Schlussschrift  zu  ver- 
meiden und  als  Druckjahr,  wenn  nicht  ein  späteres,  so  ein  noch 
früheres  anzugeben.  Auch  haben  ihm  gewiss  Original-Manuscripte 
dieses  höchst  verbreiteten  Buches  reichlich  zur  Verfügung  gestanden, 
so  dass  er  den  Schöffer'schen  Druck  zu  seinem  Werke  füglich  ent- 
behren konnte,  denn  die  Schrift  war  bereits  im  vierzehnten  Jahr- 
hunderte, in  welchem  sie  auch  entstanden,  sehr  verbreitet  und 
Fischer's  Angabe,  dass  sie  erst  14:66  verfasst  sei,  ist  also  auch 
ein  Nonsens. 

Es  sind  diese  Consequenzen  mithin  alle  sehr  inconsequent.  Das 
einzige  Auffallende  an  der  Sache  ist  nur,  dass  auch  der  Tag,  an 
welchem  beide  Ausgaben  vollendet  sein  sollen,  nach  den  Schluss- 
schriften gleichlautend  „Vigilia  sancti  Martini"  ist.  Was  dagegen 
femer  die  vermeintlichen  Signaturen  angeht,  die  sich  in  dem  Buche 
vorfinden,  so  hat  schon  Brunet  bekundet,  dass  dieselben  keine  Sig- 
naturen, sondern  einfache  „Verweisungszeichen"  sind,  die  auch  in 
der  Art,  wie  sie  angewendet  wurden,  sich  erheblich  von  jenen 
unterscheiden. 

Denn  um  die  Ordnung  der  Ldgert  beim  Einbinden  der  Bücher 
zu  erleichtern,  bezeichnete  man  jede  derselben  mit  einem  Buchstaben, 
welchem  man  auf  jedem  Blatte  eine  diesem  den  Platz  anweisende 
Zahl  hinzusetzte ;  diese  Bezeichnungen  der  Lagen  und  Blatter 
nennt  man  also  Signaturen»  Was  sich  im  Mammotrectus  von 
Beromünster  findet,  ist  hingegen  etwas  ganz  Anderes,  Hier  ist  jede 
einzelne  Columne,  von  denen  sich  zwei  aw/ jeder  Seite  befinden, 
am    untern  Rande    mit    einem  Buchstaben    des   kleinen  Alphabets 


—    Beromünster.    — 


379 


bezeichnet  und   am   obem  Rande  ist  die  Zahl  des  Alphabets  an- 
gegeben. 

Während  also  der  Zweck  der  Signatur  ist,  dem  Buchbinder  die 
Arbeit  zu  erleichtem,  und  deshalb  jede  Lage  und  jedes  Blatt  eine 
Bezeichnung  erhält,  finden  sich  hier  auf  jedem  Blatte  vier  resp. 
acht  Zeichen,  welche  für  den  Buchbinder  gar  nichts  zu  bedeuten 
haben,  mithin  auch  dem  Wesen  der  Signatur  ganz  fern  stehen. 
Nur  ein  flüchtiges  Beschauen  und  Voreingenommenheit  konnten 
also  hier  plausible  Gründe  zu  finden  glauben,  um  die  Authenticität 
der  Jahrzahl  dieses  ersten  datirten  Schweizer  Druckes  anzufechten, 
denn  man  wird  uns  beipflichten,  dass  hierfür  die  wenigen  überein- 
stimmenden Worte  der  beiden  Schlussschriften  nicht  hinlänglich 
sind,  während  es  nur  ein  launischer  Zufall  bleibt,  dass  beide  Werke 
an  Einem  Tage  die  Presse  verliessen.  — 


No.  803. 

Savageti  „Tractatus  super  controversiis  ecclesiae 

Constantiensis". 

BeromUnster^  Helyas  de  Louifen,  circa  1470*    Klein  Folio- Format. 

Einer  der  ersten  Drucke  des  Städtchens  Beromünster ,  ein  undaiirter  Tractat 
von  nur  34  Seiten  klein  Folio,  der  wohl  noch  vor  dem  Mammotrectus  erschienen 
sein  dürfte,  da  ja  fast  alle  frühesten  Drucker  bei  ihren  ersten  Erzeugnissen  es  nicht 
für  nothig,  oder  auch  wohl  geschäftlich  nicht  für  vortheUhaft  erachteten,  die  Druck- 
firma und  Jahrzahl  beizusetzen. 

Nach  Panzer's  Annales  Vol.  I  pag.  208  —  203  kehnt  man  im  Ganzen  sieben 
Beromünster  Drucke  mit  zweierlei  Typen.  Die  grössere  Typengattung  des  Mam- 
motrectus ist  gothisch ;  die  kleineren  Tractate ,  zu  denen  die  vorliegende  zählt, 
sind  aus  einer  mehr  rundlichen  Antiqua  gedruckt,  zwischen  welcher  merkwürdiger 
Weise  hier  und  da  einzelne  grössere  gothische  Versalbuchstaben  eingestreut  sind, 
die  sich  namentlich  auf  Seite  9,  10  und  13  mitten  im  Texte  sonderbar  genug  aus- 
nehmen, und  jedenfalls  schwierig  einzusetzen  waren,  da  sie  gar  nicht  zum  Caliber 
der  übrigen  Schrift  passen.  Die  wenigen  Beromünster  Drucke  des  Holias  von 
Lauffen  zahlen  übrigens  sämmtlich  zu  den  Seltenheiten  ersten  Ranges.  — 

Hain  sagt  unter  No.  14829  bezüglich  des  Druckers  dieser  Ausgabe:  „Romae, 
apud  St.  Eustachium  s.  Ulr.  Han."  Ist  dies  eine  Verwechselung  mit  dem  Kloster 
St.  Eusebius,  so  müsste  es  weiter  Georg  Lauer  hcissen,  der  indessen  keine  auch 
nur  entfernt  ähnliche  Type  gehabt  hat  Die  Aehnlichkeit  jedoch  mit  Ulrich  Han*s 
Charakteren  ist  uns  selbst  aufgefallen,  bevor  wir  noch  die  Notiz  Haines  gelesen 
hatten.  Besonders  die  grossen  gothischen  Majuskeln  haben  etwas  täuschend  Ver- 
wandtes. 

Indessen  bleibt  es  nur  bei  der  Aehnlichkeit,  und  der  nähere  Vergleich  ergiebt, 
dass  von  Gleichheit  der  Charaktere  keine  Rede  sein  kann.  So  ist  denn  Haines  Com- 
bination  nicht  zutreifend,  und  es  liegt  kein  Grund  vor,  Panzers  frühere  Ansicht,  nach 
welcher  der  vorliegende  ein  JBeromünster  Druck  ist,  zu  verlassen;  denn  obgleich 
es  an  einer  völlig  sichern  Bürgschaft  dafür  noch  immer  fehlt,  so  sind  doch  auch 
Gegenbeweise  ebensowenig  beizubringen.  — 


380  —     Paris.    — 


QPariö 


Lutetia;  Parisii;  Parisius. 


Vlrid)  (gering^  IHartin  dxm^ 
t(  |lltd)ael  /ribtttger, 

1470  bis  1477. 

Aehnlich  wie  die  beiden  Deutschen,  Sweinheym  &  Panartz^ 
von  Mainz  aus  nach  dem  Kloster  Subiaco  bei  Rom,  so  wurden  die 
drei  Schweizer  Typographen  Gering,  Crantz  und  Friburger  von 
den  Professoren  des  berühmten  geistlichen  Institutes  der  Sorbonne^ 
Guilaume  Fichet  und  Jean  de  la  Pierre,  im  Jahre  14 70  nach  PaHs 
berufen.  Nachdem  ihnen  in  der  Sorbonne  selbst  eine  Werkstatt 
eingeräumt  war,  druckten  sie  daselbst  gemeinschaftlich,  bis  Fichet 
sich  nach  Rom  begab,  und  Jean  de  la  Pierre  oder  Hans  von 
Stein,  auch  Lapidanus  genannt,  sich  in  das  Kartäuser-Kloster  bei 
Basel  zurückzog. 

Darauf  verliessen  die  beiden  Typographen  die  Sorbonne  und 
mietheten  ein  Haus  unter  dem  Namen  „zur  goldenen  Sonne" ,  wo- 
sie  bis  1477  gemeinsam  arbeiteten ;  von  da  ab  kommt,  nachdem  seine 
beiden  Genossen  entweder  gestorben  waren  oder  die  Buchdrucker- 
kunst aufgegeben  hatten,  Ulrich  Gering  zunächst  allein  als- 
Drucker  vor;  er  associirte  sich  aber  1480  mit  George  Maynyal,  und 
1489  mit  Bertholdus  Remholdt,  auf  welche  Beiden  wir  später  noch  zu 
sprechen  kommen. 

Falkenstein  und  seine  Nachfolger  nennen  den  Ersteren  zwar 
Guillaume  Maynyal  und  lassen  ihn  von  1479  mit  Gering  zusammen- 
drucken, aber  er  nennt  sich  in  seinem  ersten  Drucke  von  14:80 
(Panzer  II  pag.  282  No.  68)  Georgius ,  und  kommt  überhaupt  nur 
noch  in  einem  zweiten  Producte  desselben  Jahres  vor,  welches  wir 
unter  No.  806  anführen.  Aehnlich  steht  die  Sache  mit  Bertholdus 
Remboldt;  ihn  nennen  Falkenstein  und  Nachfolger  Bartholoma^us 
und  lassen  ihn  schon  um  1484  sich  mit  Gering  associiren,  während 
er  erst  14:89  das  erste  Mal  vorkommt.  — 


No.  804. 

Marci  TuUi  Ciceronis  „Officia,  Laelius,  Cato,  Somnium 

Scipionis  et  Paradoxa". 

PariS;  Gering,  Crantz  &  Friburger,  J471,     Folio-Format. 

Höchst  seltene  und  kostbare  Ausgabe,  welche  die  wenigsten  Bibliographen  selbst 
gesehen  haben.    Der  aus  Tours  datirte  Brief  des  Gutllermus  Fichaeius  an  Johannes 


—     Paris.     —  381 

Xapidatms  von  1471 ,  welcher  die  Ausgabe  einleitet,  giebt  auch  die  Jahrzahl  des 
Druckes.  Die  Drucker  sind  nicht  weiter  genannt,  doch  zeigen  die  beiden  Gelehrten 
-der  Sorbonne  und  die  Typen  Jene  zur  Genüge  an.  Das  prachtige  Exemplar  ist  auf 
sehr  grosses  Papier  gedruckt  und  kostbar  in  rothen  Maroquin  mit  vergoldeten  Be- 
.  schlagen ,  Schliessen  und  Ecken  gebunden.  Hain  No.  5258  hat  ebenfalls  die  seltene 
Ausgabe  nicht  gesehen.     — 


1473  bis  1479. 

Die  zweite  Pariser  Druckerei,  deren  Erzeugnisse  beinahe  noch 
seltener  sind,  als  diejenigen  der  ersten.  — 


No.  805. 

Lucii  Annaei  Senecae  „Bpistolae". 

Paris 9  Petrus  Caesaris  &  Johann  StoU,  1475«     Quart-Format. 

Diese  ungemein  seltene  und  erste  datirte  Ausgabe  der  Briefe  des  Seneca  schliesst: 
^Explicmnt  Epistole  Senetjce  ad  Lucilvum  .  Impresse  Parisius  II  Anno  domini 
M.  CCCC.  Lxx.  y.«  Man  hat  diese  Jahrzahl  oft  für  1470  gehalten.  Die  Charactere 
dieser  zweiten  Pariser  Druckergesellschaft,  welche  sich  in  diesem  Werke  nicht  genannt 
hat,  sind  höchst  bemerkenswerth ;  sie  kommen  der  Antiqua  fast  gleich,  die  Majuskeln 
Jedoch  sind  von  eigenthümlicher  Form,  welche  stark  an  Georg  Huszner  in  Strassburg 
■  erinnert.  Jede  Seite  des  Textes  ist  von  vier  roth  gezogenen  Linien  umrahmt.  Die 
meisten  Bibliographen  haben  die  höchst  rare  Ausgabe  nicht  selbst  sehen  können, 
so  auch  Hain,  der  nur  eine  dürftige  Beschreibung  unter  No.  14600  liefert,  welcher 
.wir  die  Anzahl  der  Blätter,  207,  und  Zeilen  auf  jeder  Seite,  25,  hinzufügen  wollen.  — 


Wind)  (Sering  ^  (George  |llat)nt)al^ 

1480. 

No.  806. 

„Summa  de  quatuor  virtutibus  cardinalibus." 

IParis,   Ulrich  Gering   &   George   Maynyal,   1480»     Folio-Format. 

Wie  wir  bereits  auf  voriger  Seite  bemerkten,  kennt  man  von  dieser  Association 
nur  zwei  höchst  seltene  Produote,  welche  weder  Panzer  noch  Hain  selbst  gesehen 
haben.  Vorliegende  Cimelie  ist  der  zweite  Druck,  vom  16.  August  1480,  wahrend 
der  erste  bereits  am  29.  April  desselben  Jahres  erschien. 

Diese  „Summa  über  die  vier  Cardinaltugenden*'  ist  eine  andere  als  das  Werk 
des  Henricus  Arimenensis,  von  dem  wir  unter  Strassburg  No.  19.5a  eine  Ausgabe  an- 
zuführen hatten.  Der  Verfasser  ist  unbekannt.  Die  Ausgabe  ist  mit  sehr  hübscher, 
kleinerer  römischer  Schrift  gedruckt  und  enthält  294  Blätter  in  2  Columnen  zu  48, 
49  auch  50  Zeilen.  Hain  No.  15173  und  Panzer  II  pag.  282  No.  09  beschrieben  das 
Werk,  ohne  es  gesehen  zu  haben.  — 


382  —     Paris.     — 

(itttto  plerrator  aller  JÜlardiant^ 

1483  bie  1500. 

No.  807. 

^fSEractatu^  br  antma  •  ||  ebttua  a  bno  petto  bc  ^iUiaco/^ 

PariS;  Guido  Marchant,  1494«     Quart-Format. 

Diese  Ausgabe  des  Tractates  „über  die  Seele*  ist  den  Bibliographen  unbekannt. 
Unter  dem  Titel  befindet  sich  ein  Holzschnitt  mit  dem  Namen  ,,CratOt  ^ari^aitt**; 
ein  zweiter  Holzschnitt  ist  auf  dem  zweiten  Blatte  und  ein  dritter  auf  der  Rückseite 
des  letzten.  Das  Schriftchen  umfasst  36  Blätter  zu  39  Zeilen  mit  der  Schlussschrift: 
„(Eiplictt  breuis  troctatns  It  anima  et  accibeutibns  ||  (ins  |lrr  rtnerebü  bnm  yittri  ht 
atUiiaco  cöptlatns  11  dmprtffufqj  llariftus  in  cöpa  gaiUarbi  |ler  (Knibon r  II  mercotoris  • 
Unno  biti  -  Üt.  (SCC®  •  rciü)  •  bie  •  ifitii  •  ^eytembris'^ 

Die  gothischen  Typen  dieses  interessanten  Druckes  sind  sehr  hübsch.  Beson- 
ders ins  Auge  fallend  ist  ihre  grosse  Aehnltchkeit  mit  den  Bibeltypen  des  berühmten 
Jenson,  sodass  man  sie  schwer  unterscheiden  würde,  wenn  letztere  nicht  etwas 
kleiner  wären.     Sicher  hat  aber  Jenson^s  Type  hier  zur  Vorlage  gedient.  — 


J)ol)ann  f|tgmann  ^  l^olfgang  ^opt|l^ 

1484  bi8  1498,       1489  bis  1521. 

Diese  beiden  Typographen,  von  denen  Higmann  ein  Deutscher 
war,  druckten  um  1496  bis  1498  einige  Werke  zusammen,  nachdem 
Letzterer  bei  seinem  ersten  Auftreten  1484  im  Hause  der  Academie 
Sorbonne  und  wahrscheinlich  auch  mit  dem  Druckwerkzeuge,  welches 
Gering  t  Crantz  dt  Friburger  dort  als  Eigenthum  der  Academie 
zurückgelassen,  gedruckt  hatte.  Demnächst  erscheint  er  erst  1488 
wieder  mit  einem  Druckwerke;  er  war  bis  1496  allein  thätig  und 
gab  dann  bis  1498  Mehreres  mit  Hopyl  zusammen,  aber  auch  allein 
heraus,  während  Letzterer  1496  auch  mit  dem  berühmten  Etienne 
oder  Heinrich  Stephan  ein  Werk  gemeinschaftlich  gedruckt  hatte, 
und  auch  während  seiner  Varbindung  mit  Higmann  je  und  je  aUein 
bethätigt  war.  Panzer  fiiiirt  Higmann  in  seinem  Register  bis  150a 
auf;  der  letzte  Druck  aber,  der  von  ihm  bekannt  wurde,  ist  von  1498.  — 


No.  808. 

9ioni)ftU0  ^rropagtta :  ^pcra  quaebam,  ^mbrofto  QTamalbu- 

Un|i  tnterpretr. 

PariSy  Johann  Higmann  &  Wolfgang  Hopyl,  1498«     Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  der  ausgewählten  Werke  des  Dionysius  Areopagita  ist  mit  einer 
sehr  schönen  gothischen  Type  gedruckt ;  die  Marginalien  mit  kleinerer  Schrift.  Hain 
No.  6238.  — 


—     Paris.     -  383; 

No.  809. 

Paris,  Wolfgang  Hopyl,  1514.     Folio-Format. 

Prachtdmck  ersten  Ranges,  ebenso  schon  als  selten.  In  diesem  280  Blätter  starken- 
Missale  finden  sich  nicht  weniger  als  148  schöne  Abbildungen,  von  denen  5  in  Blatt- 
grosse,  sowie  zahlreiche  Initialen,  sämmtlich  durch  Metallschnitt  in  Schrotmanier  aus- 
geführt. Es  gehören  diese  Arbeiten  zu  dem  Schönsten,  was  die  Ornamentik  der 
Renaissance  aufeuweisen  hat. 

Der  leider  nicht  bekannte  geniale  Künstler  hat  sicher  dem  spatem  Geoffroy  Tory 
um  1536.  zum  Vorbilde  gedient,  der  sich  durch  seine  Arbeiten  den  Ruf  eines  Haupt- 
Reformators  der  französischen  Kunst  auf  dem  Gebiete  der  Bücher- Ornamentik  er- 
worben hat ;  wenn  man  nicht  gar  annehmen  will,  dass  Letzterer  selbst  der  Yerfertiger 
dieser  kleinen  Kunstwerke  ist.  Dann  wären  diese  Arbeiten  allerdings  das  Früheste 
w^as  von  diesem  Künstler  bekannt  geworden  ist. 

Passavant  in  seinem  Peintre-graveur  I,  Seite  16.*),  vermuthet  allerdings,  dass 
die  ersten  Metallschnitte  dieses  Künstlers  sieh  schon  in  einem  von  Simon  Vosire 
gegen  1515  gedruckten  Gebetbuche  befinden.  Ebensowohl  könnten  freilich  die  Ab- 
bildungen des  vorliegenden  Missaie  seine  Erstlingswerke  gewesen  sein,  obwohl  sie- 
dle Hand  eines  vollkommenen  Meisters  bekunden. 

Von  dem  im  Werke  vorkommenden  ^Canon^  sind  6  Blätter  auf  Pergament  ge- 
druckt; einzelne  der  Abbildungen  sind  in  Farben  ausgemalt.  Die  Kosten  dieses 
wundervollen  Druckes  trug  der  berühmte  Cölner  Verlagsbuchhändler  Franz  Birkmann, 
dessen  Signet  mit  dem  Cölner  Wappen  sich  am  Schlüsse  in  zwei  verschiedenen  Auf- 
fassungen befindet. 

Trotz  seiner  wunderbaren  Schönheit  ist  dieses  Missale  so  wenig  bekannt,  dass 
Panzer  es  gar  nicht  erwähnt,  Brunet  und  Graesse  aber  es  nur  ganz  kurz  citiren^ 
ohne  es  gesehen  zu  haben,  woraus  seine  grosse  Seltenheit  hervorgeht.  Möge  die 
Schiussschrift  hier  noch  Platz  finden: 

,,illiffale   ab  bininn  officittm  vtrllagenbiT  occommobatifftmnm  :  abllofum  ac  ritnm 
tcde/ie  maioris  Co||lonieft8:  imprfts  t^onefli  oiriirrä||circi  birdimä  in  oltua i|Darifiornm  || 
ocabnnto  a  VDolffgango  j|opt)lio  ll  impreflfnm.  ||  Utnale  Ijabetur  Kolonie  opnb  1|  templn  triunt 
Htgiltn  in  pingni  |i  (SaUina.*'    Einband  von  dunklem,  schön  gepresstem  Leder  mit  ver 
goldeten  Messing-Ecken  und  Schliessen.  — 


Pl)ilippe  Pigpttdift^ 

1484  bi0  1512. 

No.  810. 

*  ,,2lu9ufttnu§  be  üirtute  pf almorum. " 

Paris ^  Philippe  Pigouchet,  circa  1490*     Quart-Format. 

Incunabel  von  grösster  Seltenheit  und  eine  den  Bibliogfraphen  unbekannte  Aus- 
gabe. Nur  Hain  hat  ein  Exemplar  beschrieben,  dem  aber  die  Hauptsache,  das 
erste  Blatt  mit  dem  obigen  in  alter  Batarde  gedruckten  Titel  und  dem  schönen 
Druckerzeichen  Pigoitchefs  fehlte ,  weshalb  er,  da  keine  andere  Angabe  des  Druckers 
darin  befindlich.  Letztern  auch  nicht  erkennen  konnte.  Im  Uebrigen  stimmt  seine 
Beschreibung  unter  No.  1977.  — 


384  —    Paris.     — 

1484  bis  1500. 

No.  811. 

,)3ttcipit  al)il)abetü  ||  biuini  amoria  be  rlruatione  mentb  in 
bru  II  ornrrabUtd  macjtftri  ^ol^änie  QIrrfon  can-||cellarij 

panprÄ.*^ 

Paris^  Georgius  Mittelhus,  1493.     Klein  Octav-Format. 

Seltene  Incunabel  von  86  Blättern.    Hain  No.  7(>37  hat  kein  Exemplar  gesehen, 
tiothischer  Druck.  — 


Pierre  jfetift^ 

1486  bi6  1499. 

No.  812. 

,,(Sjrempla  facre  fcripturr.** 

Paris  ^  Pierre  Levct,  circa  14  7  8«     Klein  Octav-Format. 

Verfasser  dieser  anonym  erschienenen  Schrift  ist  nach  Quetif  ein  Cistercienser. 
■Giovanni  Carli;  sie  behandelt  eine  Reihe  theologischer  Materien  nach  Stellen  der 
heiligen  Schrift.  Die  vorliegende  Ausgabe  ist  von  grosster  Seltenheit  und  von  keinem 
der  Bibliographen,  die  sie  citiren,  selbst  gesehen.  Sie  ist  mit  einer  kleinen  wunder- 
hübschen gothischen  Type  gedruckt  und  enthält  104  Blätter  mit  Signaturen  und 
31  Zeilen. 

Obiger  Titel  steht  allein  auf  dem  ersten  Blatte.  Das  sweite  Blatt  beginnt  : 
„Sncipinnt  ttmpiü  facxt  fcriptnre  er  otroq;  te  flamento  fedibitm  orbtne  Htttrart  coleds  : 
et  pri|  mo  be  abflinentia.**  Auf  Blatt  tos  verso  steht  die  Schlussschrift:  „'fttwipia 
facre  fcriptnre  er  oeteri  t  nono  tcfla||mento  coUecta :  recttnbain  (siel)  orbint  ittttrarn 
finin-  ,tnr  feliciUr  .  3npref]raq}  parillns  fnb  nrbiis  facti  ||  gemani  be  gratis  yer  fßttn 
£enet."  Hiemach  folgen  noch  2  Blätter  Tabulae.  Hain  No.  6763  giebt  nur  eine 
ganz  dürftige  Notiz,  ohne  das  Buch  gesehen  zu  haben.  — 


ßnxmh  (Sedier^ 

1489  biö  1520. 

No.  818. 

^^Concorbata  inter  lltontm  jE.  rt  3franct6Cttm  JJ.*^ 

Paris  9  Durand  Gerlier,  1520«     Octav-Format. 

Letzter,  sehr  seltener  und  wenig  bekannter  Druck  Gerlier's.  Am  Kopfe  de9 
Titels  stehen  das  päpstliche  und  das  ft-anzosische 'Wappen ,  dazwischen  zwei  In- 
schriften ;  darunter  der  17  Zeilen  lange  Titel  und  unter  diesem  ,,(EniH  pritrilt^io  1IOV0 
ab  biennin.**  Die  erste  Ausgabe  erschien  1518.  Am  Schlüsse  steht  in  acht  Zeilen 
das  franz<)sische  Privileg,  welches  auch  die  Jahrzabl  1520  enthält.  89  gezählte  und 
7  ungezählte  Blätter. 


—    Paris.     —  385 

1490  W6  1516. 

No.  814. 

„Sermones   &  Epiftol^  Quinti  Flacci   Horatii  ||  cum  fami- 

liari   &    dilucida    explanatione    Jodoci    Badii    Afcenfii    ab 

eodem   diligetius  recognita  ||  Et  in  epiftolas  pr^fertim 

&  aucta  &  repofita:** 

Paris,  Denys  Roce«  lo03.     Folio-Format 

Bildet  mit  den  beiden  nächsten  Nummern,  die  »ber  alle  drei  typograpMsoh  nicht 
zusanmienhängen ,  die  erste  Ausgabe  der  Werke  des  Horaz  mit  dem  Commentar  des 
berühmten  Gelehrten  und  Buchdruckcr^s  Jodocus  Badius  Ascensim,  den  wir  in  seinen 
typographischen  Leistungen  ebenfalls  noch  kennen  lernen.  In  Antiqua  gedruckt, 
mit  dem  schönen  Schrot-Buchdruckerzelchen  des  Denys  Roce  auf  dem  Titel;  enthält 
101  numerirte  Blätter  mit  Signaturen  und  ein  leeres.  Ebert  hat  auch  den  Druck 
dieser  Ausgabe  fölgchlich  dem  AscensiuB  zugeschrieben;  vergleiche  No.  10140.  — 


No.  815. 
„Horatii  Od§  .  Carmen  Epodon  et  Sfculare  cum  ||  exactif- 
fima  Antonii  Mancellini:   Et   cum    familiari  ||  lodoci  Badii 

Afcenfii  explanatione.** 

Paris^  Denys  Roce»  1503.     Folio-Format. 

In  derselben  Ausstattung  wie  die  vorige  Nummer;  mit  dem  Buchdruokerzeichen 
auf  dem  Titel.    Enthält  (IV)  &  und  186  numerirte  Blätter.  — 


No.  816. 

.Horatii  „de  arte  poetica  libellus". 

Paris^  Denys  Roce,  1608,     Folio-Format 
Ohne    Titel;    in   derselben  Ausstattung    wie   die   beiden    vorigen.     Enthält  34 


numerirte  Blätter. 


(ieofrot)  ^  €n0elbert  tu  JUarnef^ 

1490  bi6  um  1540. 

No.  817. 

„j0e  Btta  Cpüali  afe  mgti  ^ä^DJjaniö  Clerfon/^ 

Paris,  Engelbert  &  Marnef,  1493,     Klein  Octav-Format. 

Am  Schlüsse  dieser  kleinen  Schrift  steht  zwar  nur  ,^  3mpr(|flini  ac  finitlim  |lari|ljf 
2^  (Bnqitbtt  \\  t^O  l>t  marnef  . .  "^  aber  auf  dem  Titel  befindet  sich  das  Druckerzcichcu 

25 


386  —    Paris.     — 

mit  dem  Pelican  und  den  Initialen  der  beiden  Brüder  (B  k  16  ht  marnef.  Hübscher 
gothiBcher  Druck  von  68  Bl&ttem  und  hoehst  seltene  Incimabel,  die  Hain  No.  7673 
nicbt  geseben  hat.  — 


1494  bi6  1120. 

No.  818. 

^,$)iufcuU  biui  ^ugUilllim  longe  )ire|lantif|tma  cum  bu)iltct  {| 
inbtctD  rurfu»  parrijifpta  coimprefla.^^ 

Paris  9  Andreas  Bocardus,  1502«     2  Bände  in  Quart-Format. 

Auf  dem  Titel  mit  dem  geschrotenen  Buchdruckerzeichen  des  Jehan  PeÜi,  auf 
dessen  Kosten  diese  Ausgabe  der  Werke  des  Augustinus  hergestellt  wurde.  Mit 
sehr  hübscher  und  kleiner  gothischer  Type  gedruckt  — 


1495  bie  1536. 

War  aus  Asch  bei  Brüssel  gebürtig  und  nannte  sich  deshalb 
Ascensius,  sowie  seine  Druckerei  „Praelum  Ascenstanum",  Badius 
war  Professor  für  scliöne  Literatur  und  Sprachen  und  gab  ver- 
schiedene Ausgaben  der  Classiker  mit  gelehrten  Anmerkungen 
heraus,  und  zwar,  wie  wir  bei  den  vorhergehenden  Nummern  be- 
merkten, auch  für  andere  Druckereien.  Seine  Werkstatt  war  eine 
der  berühmtesten  seiner  Zeit;  nach  seinem  Tode  führte  dieselbe 
sein  Sohn  Conrad  bis  1549  fort.  Seine  drei  Töchter  waren  an 
drei  berühmte  Typographen  verheirathet :  Michael  Vascosan,  Jean 
Roigny  und  Robert  Etienne,  die  wir  ebenfalls  noch  kennen  lernen.  — 


No.  819. 

^^Äptifle  IKantuani  ?8ttCoUca  ||  feu  adolefcentia  in  decem 

sBglogas    diuifa.  ||  A   Jodoco    Badio   Afcenfio  famüiariter  || 

expofita,  cum  indice  dictionum." 

PftrlSy  Jodocus  Badius  Ascensius,  1502«     Quart-Format. 

Gras  citirt  in  seinen  ^Bnchermerkwürdigkeiten*'  pag.  1S9  eine  Ausgabe  des 
Ascensius  vom  91,  März  1503,  was  Panzer  YII  pag.  508  No.  SO  copirt  hat.  Es 
ist  dies  vermtithllch  ein  Irrthum,  da  die  Vorrede  des  Ascensius  in  der  vorliegendea 
Ausgabe  von  „sexto  Ealendas  Apriles  (=  ;97.  M&rz)  Anno  M.  D.  IL"  datirt  ist. 
Eine  weitere  Angabe-  über  den  Druckerj^hat  diese  4  ungM&hlte  und  78  genhlte 
Blätter  enthftltende  Ausgabe  nidit.  — 


—     Paris.    —  387 

No.  820. 

^t9ftnorum  Megü  l^eroüq;  ||  ^iftori^   ftilo   eUgätia  <3a|r||one 

CIrammattco  nattone  ||  3ialanbtco  necitü  üofktl  ||  benfta  mlrlre' 

pre)io|!tto  •  ||  abl)mc  fttpra  trecrntos  an]no6  cö|cri)ite  et  nuc 

primu  II  Uteraria  ferie  illufirate  ter  ||  fif|imf  qj  impreff?/* 

Paris ;  Jodocus  Badius  Ascensius,  1514«    Klein  Folio-Format. 

Erste  Ausgabe  der  „Geschichte  D&nischer  Könige",  aus  einem  Manuscript  gedruckt. 
Unter  obigem  Titel  steht  ein  hübscher  Metallschnitt  in  geschrotener  Manier:  Im 
Yordergmnde  ein  dänischer  König  mit  Schwert  und  Reichsapfel,  vor  ihm  das  däni- 
sche Wappen  und  hinter  ihm  eine  Schaar  gewaffneter  Helden;  links  unten  steht  in 
einem  Bande :  'KEX  DANORVM  und  rechts  die  Marke  des  Künstlers  C  P.  Letztere 
ist,  obwohl  sie  offenbar  das  Zeichen  eines  ausserordentlichen  Meisters  ist,  in  Nagler''s 
Monogrammisten  nicht  erw&hnt  worden. 

Eine  schone  Bordüre  in  derselben  Manier  umgiebt  den  ganzen  Titel.  Zahlreiche 
Scliroi-Initialen  zieren  den  Text  des  Werkes;  auch  erscheint  zu  Anfang  der  Capitel 
noch  mehrmals  das  danische  Wappen  in  zweierlei  AuflEusimg;  einmal  steht  es  im 
Initial  j^  mit  der  Unterschrift  ^amta  rfgis  bocie^;  das  andere  Mal  im  Initial  D. 
Hier  steht  in  den  beiden  obern  Ecken  des  Metallschnittes:  REGIS  und  DACIE; 
in  den  beiden  untern  ARMA  und  (rechts)  die  Initialen  C  P  imd  C  L.  Der  Text  des 
Werkes  ist  in  Antiqua,  der  Titel  mit  Missalschrift  roth  gedruckt.  — 


Jean  petita  paroua  aud)  pu|!Uu0^ 

1496  bis  1536. 

Druckte    unter  den  mannichfachsten  Verhältnissen;    war  aber 
meistens  als  Verleger  thätig.  — 


No.  821. 
^ilTfonarbt    ^relint    be  ||  Bello    Gotthorum:    feu    de    Belio 

Itali-||cO  aduerfus  Gotthos  Libri  ||  QuattUOr,"    Buchdruckerzeichen, 

darunter:  „Venditur  in  vico  diui  Jacobi  ||  Sub  Leone  Argenteo.*' 

Paris  (in  Bellovisu),  Jean  Petit,  1507.     Klein  Quart-Format 
Enthalt  48  numerirte  Blatter,  mit  kleiner  Antiqua  gedruckt.  — 


No.  822. 

^,39rrclarttm,  ac  inpgnf  opus  cöjtcittn-||bartt  cUctionü  Wm- 
taritt  accttum:  .  .  .**  weiter  unten:  ^jlJenübator  JßmfbxB.  ^ 
<3ol)Sne  )iaruD{|in  nico  im  J^acobi^  fub  lilio  aureo  febente/^ 

Paris  ^  Jean  Petit,  1611.     Klein  Octav-Format 
Eine  den  Bibliographen  unbekannte  Ausgabe.    Der  Titel,  von  dem  wir  nur  zwei 
Zeilen  copirten,  umfasst  deren  15,   die  roth  gedruckt  sind;   die  von  uns  wieder- 

25* 


388  —     Paris.     — 

gegebenen  untern  2  Zeilen  sind  roth  und  schwarz  gedruckt.-  Dazwiscben  steht 
das  Bnchdruckeneichen  des  Jehan  Petit  mit  der  Lilie  und  den  Löwen.  Das  Werk 
enthalt  80  Blätter,  die  den  Titel,  Tabula,  Privilege  (mit  der  Datirung  von  1511) 
und  Schreiben  des  Herausgebers  Pttrus  de  Biaxio  an  den  Cardinal  Amaneus  aas- 
machen  (auf  Blatt  20  verso  befindet  sich  ein  Holzschnitt),  und  108  numerirte 
Blatter.  — 


3ean  Petit  ^  3o||>  lial>e 

gemeinfam. 

No.  823. 

^^Uottfm  3F.  ?8apti|le  Jlätttatti  (KarmrltHtaB,  Theologi  poe- 

taöq3  clariflimi  opa  praeter  caetera  moralia.  .  ."     weiter  unten: 

^^IJenunbantur  ab^  Jfoane  JJaruD  et  ipfo  ||  Afcenfio  Parrhifiis  : 

!Et  ab  Jacobo  Foreftario  Rothomagi:  in  fuis  cuiufq3  aedibus." 

Paris  9  Parvus,  Ascensius  &  Jacobus  Forestarius,  1507« 

Folio-Format. 

Zwischen  dem  langen  Titel,  der  28  Zeilen  hat,  und  den  untern  zwei  Zeilen  steht 
das  Buchdruckerzeichen  des  Badius:  die  JBuohdruekerpresse  tdjX  der  Inschrift: 
,,}lrelä  3lfcen/ianä'*.  Wie  aus  dem  Titel  hervorgeht,  hatten  die  beiden  grossen  Pariser 
Druckerherren  bei  der  Herstellung  dieser  Ausgabe  noch  einen  Dritten  theilnehmen 
lassen.  Dieser  ForestaritM  war  aus  Ronen,  und  kommt  auch  als  Verleger  daselbst  vor. 
Der  Druck  dieser  von  Jodocus  Badius  selbst  commentirten  Ausgabe  ist  übrigens 
meisterhaft.  Der  Commentar  ist  mit  einer  ausserordentlich  schonen  Nonparellle- 
Gothisch  gedruckt,  die  beinahe  der  berühmten  Type  der  Froben^schen  Bibel  in  Octav 
an  Schönheit  gleichkommt.  Der  Textdruck  ist  Antiqua  durchschossen.  Von  Folio 
CXCIX  bis  CCXXXVni  ist  merkwürdiger  Weise  die  Nonparellle-Gothisoh  von  Petit- 
Antiqua  abgelöst.  — 

No,  824. 

^iSttt  fitttj  JJatattitti  ?|i|lorict  clarif|||tmt:  que  eirtant  iBe- 

cabeö  cum   ffpt-||tome  L.  Flori   in   omneis  libros.  ||  .  .  .** 

Unten:  ^ ,lJ9enübanlur  ab  j^oannc   parua   rt  ||  ^fcen|to  tpfo.*^ 

Paris^  Parvus  &  Ascensius,  1510  bis  1511«     Folio-Format 

Seltene  Ausgabe  mit  Commentar  des  Antonius  Sabellicus  und  Ascensius,  die 
Ebert  nicht  kannte  und  daher  falsch  beschrieb.  Er  führt  sie  unter  No.  12079  als 
Nachdruck  der  Venediger  Ausgabe  ven  1491  mit  20  und  229  Blättern  Inhalt  an;  sie 
ist  aber  nicht  reiner  Nachdruck,  sondern  um  ein  Register  und  eine  explanatio  von 
Ascensius  vermehrt  und  enthält  86  ungezählte  und  280  gezählte  Blatten 

Unter  dem  Titel  befindet  sich  die  ßuchdrueherpresse,  und  das  Ganze  umgiebt 
dieselbe  Bordüre,  die  in  Saxo  :  Danorum  regum  historia  unter  No.  819  vorkam. 
Mehrere  schone  Initialen  zieren  den  Text,  der  in  Antiqua  gedruckt  ist  Die  Vorrede 
des  Ascensius  ist  von  1.511  datirt,  während  die  Schlussschrift  von  den  Iden  des 
März  1510  lautet.    In  der  Zwischenzeit  geschah  jedenfalls  der  Druck.  — 


—     Paris.     —  389 

No.   825. 

^^^rirnua  Somus  operum  ||  ^rtgcnid  ^bftmfttttij :  cä  ||  pUctrits 

poft   \)mt  tabula  ||  generaUm  rjrpUcanba.  ||  Mehr  unten:  iJrn«- 

bantur  cü  tribu»  reU-üquisi  eorübf  tamid  in  rbib^  ||  J^oan- 

m0  parui:  et  jJaboci  ||  IBabtj  ^fcffij:  €um  jratia  ||  et 

priuilegiD  rrgio/^ 

Paris^  Parvus  &  Ascensius,  1512«     2  Theile  in  Folio-Format, 

Diese  Ausgabe  der  Homilien  des  Origenis  reicht  bis  cum  Propheten  Ezechiel. 
Auf  dem  Titel  befindet  sich  die  Buchdruckerpresse  und  dieselbe  Bordüre  wie  in  voriger 
Nummer.  — 


^tnxi  €ttenne  ober  ^ttpf^mns  I. 

1496  bis  1520. 

Die  Familie  der  Etienne.  gehört  zu  den  gefeiertsten  Namen  in 
der  Geschichte  der  Buchdruckerkunst.  Ihr  Begründer  war  Heinrich 
Stephanus,  zum  Unterschiede  von  seinem  später  berühmten  Enkel 
gleichen  Namens  „der  Erste"  genannt.  Er  druckte  nicht  erst 
von  1509  ab,  wie  Falkenstein  angiebt,  auch  nicht  von  1502^  wie 
Deschamps  sagt,  sondern  kommt  schon  1496  mit  Wolfgang  Hopilius 
beim  Drucke  einer  Ausgabe  von  Joannis  P'abri  „Introductio  in 
Aristotelis  Ethicorum"  zusammen  vor,  und  machte  sich  von  1502 
bis  1520  durch  zahlreiche  Werke  bekannt.  Nach  seinem  Tode 
heirathete  der  berühmte  Bretagner  Simon  de  Colines  seine  hinter- 
lassene  Wittwe  und  übernahm  sein  Geschäft;  wir  werden  auch 
diesen  grossen  Typographen  noch  besonders  anführen.  — 


No.  826. 
„IN  HOC  LIBRO  CONTENT!  OPERA  [|  HYGONIS  DE  SANCTO  VICTORE 

De  institutione  nouitiorum, 
De  operibus  trium  dierum 
De  arra  anime. 
De  laude  charitatis 
De  modo  orandi 

Duplex  expositio  orationis  dominice. 
De  quinq3  septenis 
De  Septem  donis  spiritus  sancti.** 
Paris ^  Henricus  Stephanus,  1506.     Quart-Format. 

Von  Jodocus  Clichtoveus  besorgte  Ausgabe  dieser  Schriften  des  Hugo  de  S.  Victor. 
Correcter  Druck  mit  sehr  deutlicher  Antiqua,  die  aber  durch  das  Zusammenlaufen  der 
einzelnen  Worte  auf  das  Auge  geradezu  peinigend  wirkt.  — 


390 


—     Paris.     — 


No.  827. 
„CONTENT!  •  ||  THEOLOGIi  DA-JMASCBNL" 
I.  De  ineffabili  diuinitate. 
II.  De  creaturarum  genesi  ordine  Moseos. 
III.  De  iis  que  ab  incamatione  vsq3  ad  re- 
surrectionem. 
IUI.  De  iis  que  post  resurrectionem  vsq3  ad 

vniversalem 
RESVRRECTIONEM." 

Paris  9  Henricus  Stephanus,  1507«     Quart-Format. 

Die  erste  Ausgabe  dieser  vier  Bücher  des  Johannes  Damascenus,  welche  man 
als  das  erste  theologische  System  betrachten  kann.  Gras,  Merkwürdigkeiten  pag.  69. 
Wit  derselben  Type  gedruckt  wie  vorige  Nummer.  Beide  Werke  sind  so  gut  erhalten, 
dass  man  annehmen  möchte,  die  Augenschmerzen  der  Leser  haben  sie  vor  stärkerem 
(Gebrauch  bewahrt  — 

No.  828. 
„Galeni  opera  ||  N.  Leoniceno  interprete.  .  ." 

PariS;  Henricus  Stephanus,  1514«     Quart-Format. 
138  ungezählte  Blatter,  davon  ein  leeres.    Ist  mit  derselben  Type  gedruckt  wie 
die  vorige  Nummer.    Der  Titel  steht  in  einer  Bordüre.  — 


8:l)ielman  ^erner^ 

1497  bi6  1534. 

No.  829. 

ISonifacU  YIII.  „fibcr  fr;-tu0  jDrcrrtalium  cum  commcnto 

Paris  5  Thielman  Kerver,  1509*     Quart-Format. 

Es  ist  dies  eine  allen  Bibliographen  unbekannte  Ausgabe.  Durch  ihre  vorzüg- 
liche Schönheit  verdient  sie  umsomehr  bekannt  zu  werden.  Der  brillante  Roth- 
und Schwarzdruck  geschah  in  herrlicher  Gothique  von  zwei  Grössen;  schöne  Schrut- 
loitialen  vollenden  die  prachtige  Ausstattung.  Auf  dem  ersten  Blatte  steht  das  ge- 
schrotene  Druckerzeichen  Thielman  Kerver's ;  Jenes  beginnt  mit  der  rothen  Uebcr- 
schrift: 

^fänli  librt  tnoteria  ci  ca|)ttalorn  nnmero.'^  Blatt  l  verso  und  2  recto  steht  eine 
„Beclarotio  arboris  confangutnitatis";  Blatt  2  verso  und  3  recto  die  Abbildungen  des 
Ärbor  consanguinitatis  und  Arbor  affinitaiis;  Blatt  4  verso  ein  schöner  Holzschnitt, 
die  Ueberreichung  der  Decretalen  an  den  Papst  darstellend.  Die  roth  gedruckte 
Endschrift,  in  der  nur  die  Namen  des  Druckers  und  der  beiden  Verleger  schwarz 
sind,   hat  13  Zeilen,  wovon  wir  nur  den  letzten  Theil  reproduciren: 

„Einern  accepit  opera  ftiielmanni  kertterll  famofiflime  omner|tta$  porifiefit 
i'ibrarii  3n  ino||gno  oico  Mni  üacobi  ab  ftgnnnt  CroticoU  commo||rontis  tnipenfts  ocro 
tinfliem  ac  t)one|lornm  uiro||rnin  3o^(iius  petit  (t  3oi|annis  cobilUr  3lnno  ab  > 
ittcornatiöe  bomittt  quingentertmonono  fupro  inli;  le:  tie  nero  menfls  febmarii.  iüi." 


—    Paris.    — 


391 


Die  Ausgabe  hat  4  ongecählte  und  276  gezahlte  Blatter,  denen  noch  10  Blltter 
Tabula  folgen.  Angebunden  sind  in  derselben  Ausstattung  drei  ingleichen  unbekannte 
Ausgaben  der  „Clementinen'^,  „Exiravcigantes  communet^  und  Johannis  XXII  „Extra- 
vagantes'*, die  wir  in  den  n&chsten  Nummern  specieli  anfahren.  — 


No.  830. 

öElfmenti0  V.  ^,(l0n|litutione0  cum  apparatu  Jfoannis^iibrfae^. 

Paris,  Thielman  Kerver,  1509.     Quart-Format. 

Mit  voriger  und  den  folgenden  Nummern  zusunmengebundene  und  gleich  aus- 
gestattete Ausgabe  der  Clementinen ;  den  Bibliographen  ebenfalls  g&nzlich  unbekannt. 
Die  Ueberschrift  des  ersten  Blattes  ist  roth  gedruckt:  ,,Cleineittinori  moteria  Ptm  ca- 
yitnlorn  et  titnlorü  nnmero."  Das  Druckerzeichen  befindet  sich  auch  hier  auf  dem 
ersten  Blatte ;  auf  der  Rückseite  derselbe  Holzschnitt,  welcher  Blatt  4  verso  in  vori- 
ger Nummer  gefunden  wurde.  Das  im  Wesentlichen  gleiche  Colophon  hat  hier 
11  Zeilen  mit  dem  Unterschiede  in  der  Datirung:  ,,^tfe  febrnarij  circa  fltie.*'  110  ge- 
zählte Blätter  und  6  ungezählte  Blätter  Tabula.  — 


No.  831. 

^t^irtratiagantrs  communf0/^ 

Paris  ^  Thielman  Kerver,  1609.     Quart-Format. 

Auch  diese  mit  den  beiden  vorigen  und  der  nachfolgenden  zusammengebundene 
Ausgabe  der  Extravaganten  ist  den  Bibliographen  unbekannt.  Das  Werk  ist  eine 
den  übrigen  canonischen  Rechtsbüchem  angefügte  Privatsanunlung ,  welche  von 
85  Gelehrten  zusammengestellt  wurde  und  bildet  gleichsam  den  Anhang  zu  dem 
ganzen  Corpus  Juris  canonici,  wovon  den  ersten  Theil  die  Decretalen  Gregorys  IX. 
(Buch  1—5)  den  zweiten  die  Decretalen  des  Bonif actus  VIII.  (Buch  6),  den  driUeti 
die  ConstituUones  Clemens'   Y.  (Buch  7)  bilden. 

Wie  es  scheint,  sind  diese  Extravaganten,  die  für  das  heutige  Recht  keine  Gel- 
tung haben,  da  sie  bei  uns  nicht  recipirt  worden,  sonst  gar  nicht  im  Druck  er- 
schienen, denn  es  ist  gegenwärtige  die  einzige  Ausgabe,  welche  wir  davon  entdecken 
konnten.  Da  auch  sie  bisher  den  Bibliographen  ganz  unbekannt  war,  dürfte  sie 
wohl  einiges  Interesse  erregen.  Wie  die  übrigen  in  diesem  Gollectan-Bande  befind- 
lichen Ausgaben  ist  auoh  diese  mit  Gommentar  versehen,  dessen  Verfasser  sich  auf 
^olio  •  ii.  am  Anfange  nennen:  Johannes  Monachus  Picardus  CardinäUs;  Quiller- 
mus de  Monte  Lauduno  und  Johannes  Franciscus  de  Pavinis. 

Die  Ausstattung  ist  die  nämliche  wie  in  den  vorigen  Nummern.    Auf  dem  ersten 
Blatte    befindet   sieh   w^ieder   das    Druckerzeichen    Kerver's    und   die   rothgedruckte 
Ueberschrift  lautet:  „(SrtrauQgätes  cÖeB^^     Die  Schlussschrift  hat  11  Zeilen  und  Spitz- 
form;   die  Datirung  lautet:   ,,Dte  io  yenultima  i|  mtn|is  iUoctii/'    60  gezählte  Blätter 
8  Blätter  Tabula  und  1  weisses  Blatt.  — 


No.  832. 

i^ffftrauagantra  •  ;-]r  J^otjannis  •  yrü/^ 

Paris 9   Thielman  Kerver,  1510.     Quart-Format. 

Mit  den   vorigen  drei  Nummern  zusammengebunden ;  von  gleicher  Ausstattung ; 
den  Bibliographen  gänzlich  unbekannte  Ausgabe.    Der  obige  Titel  steht  roth  gedruckt 


392 


Paris.     — 


als  Ueberschrift  auf  dem  ersten  Blatte  mit  dem  Druckerzeichen.  Die  15  seilige 
rothe  Schlussschrift  enthält  die  Datirung:  ,^ntto  ab  tttcarnatiöt  bitt  qttttt^nitelinobt- 
cimo  Sn\\pxa  miUe  •  menfe  ^Cprtlt  circa  tnebinm/^  64  gezählte  Blätter,  3  ungezählte 
Blätter  Tabula  und  ein  leeres  Blatt» 

Dieses  Werk  bildet  zu  den  drei  vorigen  Nummern  den  Schlusstheil  dieser 
schonen  Gesammt- Ausgaben  aller  Ergänzungsschriften  zu  den  Decretalen  des  Gregor  IX 
und  also  eine  zweite  Abtheilimg  des  Corpus  juris  canonici.  Alle  vier  Theile  sind 
kurz  nacheinander  auf  Kosten  von  Jean  Petit  und  Jean  Cabiller  gedruckt  und  bil- 
den ein  Ganzes,  das  aber  typographisch  nicht  zusammenhängt,  weshalb  wir  sie  in 
der  Beschreibung  auch  trennen  mussten. 

Die  aus  dem  gänzlichen  Schweigen  der  Bibliographen  hervorgehende  Beltenbeit 
dieser  herrlich  ausgestatteten  Ausgabe  bleibt  in  der  That  merkwürdig.  Das  vor* 
liegende  Exemplar  stanmit  aus  dem  Kloster  Gengenbach,  denn  es  befindet  sich  auf 
dem  1.  Blatte  der  Decretalen  des  Bonifacius  die  Inschrift:  „Monast  •  Gen-\\gen- 
bachensis.  \\  1688.  — 


pott«  le  preuj:  oirer  probus^ 

1498  bi6  1533. 

No.  833. 
„Jacobi  Fabri  Stapulenfis  Introductio   moralis   in  Ethicen 
Ariftotelis:  Judoci  Clichtouei  ||  Neoportinenfis  familiari 

commentatio  explanata". 
Paris  ^  Ponce  le  Preux,  1514*     Klein  Folio-Format 

Es  ist  dieses  eine  den  Bibliographen  gänzlich  unbekannte  Ausgabe.  Die  Zeilen, 
welche  wir  oben  als  Titel  angeführt  haben,  sind  nicht  der  eigentliche  Titel  dieser 
Ausgabe.  Letzterer,  der  in  Spitzform  in  6  Zeilen  auf  dem  Titelblatte  steht,  enthalt 
aber  nur  einen  Wortschwall,  in  dem  das  Wesentliche  nicht  einmal  ausgedruckt  ist; 
darunter  befinden  sich  ein  Tetrastlchon  des  Beatus  Rhonanus.  Obiger  Titel  steht  am 
Kopfe  der  Kehrseite  des  zweiten  Blattes. 

Die  Ausgabe  enthält  45  numerirte  Blätter.  Die  Schlussschrift  wollen  wir,  d* 
sie  durch  einen  Druckfehler  interessant  ist,  vollständig  geben:  „JOrefens  introtttCtiO 
moralis,  oMnndo  fa-|  Imiliari  contnentarto ,  x  pofl  primnm  ebittone^llplerifq}  oMrctis 
ab  ancto  bedarata:  abfolnta  efl  in  3Clma  ]9ar^iftorü  acabemia  per  |)on-|;cetn  leDrrnlf, 
in  fomtnlaria  litterarn  arte  opifice  3Cnno  ab  tncarnatiöe  biti  oirtuttt  •  150  •  14.  (sie!) 
26.  ülaii  •  ttne  in  eMbns  |)onceti  ie  |)ren{  i|  e  regione  illatiinnnornm  ab  Jnterfignisn 
ffnpi  commorantU  Denaiis  proflat.''  Die  Schrift  ist  sehr  klein,  theils  Antiqua,  theils 
gothisch.  — 


Mobert  (ioitrntont) 

1498  bi0  1518. 

Von  diesem  Typographen  ist  im  Verhältnisse  zur  ziemlich 
langen  Dauer  seiner  Thätigkeit  nur  sehr  Weniges  bekannt  Er 
kommt    schon  1498  mit   Antoine  Denidel  bei  einer  Ausgabe  von 


—    Paris.     — 


393 


Pindar's  Uebersetzung  des  Trojanischen  Krieges  vor,  in  welcher 
die  Jahrzahl  eigenthümlich  ausgedrückt  ist,  durch  M.  CCCC.  IUI. 
XX.  XVIII  (quatre  vingt  et  dix  huit).  Dann  jedoch  bringt  ihn 
Panzer  erst  wieder  1505,  1508  und  1518.  Hierbei  steht  freilich  zu 
vermuthen,  dass  dem  genannten  Forscher  sehr  Vieles  entgangen 
sein  mag;  wie  zum  Beispiel  auch  der  nächstfolgende  Druck  Gour- 
mont*s  von  1502  ihm  gänzlich  unbekannt  geblieben  ist.  — 


No.  834. 

^^9ieta  fa(utt0  a  beato  bonaue||tura  Dltimate  emenbatum  ac 

fian|tu0  nottiter  impreDum.^* 

Paris 5  Robert  Gourmont,  1502«     Octav-Format. 

unter  obigem  Titel  steht  das  gescbrotene  Druckerzeichen  Gourmont's ;  am  Ende 
die  vollständige  Datirung.  Das  Werkchen  enthält  116  gezahlte  und  S6  ungezählte 
Blätter.  Die  Type  ist  eine  kleine  Gothisch  von  mehr  holländischem  Ductus.  Panzer 
kannte  die  Ausgabe  garnicht;   Grässe  citirt  sie  kiirz.  — 


1499  bis  1510. 

Dieser  Typograph,  ebenfalls  ein  Deutscher,  hatte  auch  eine 
Druckerei  zu  Lyon,  die  er  gleichzeitig  mit  der  Pariser  von  1498 
bis  1515  versah.  — 

No.  835. 

ji3?t9ure  biblic  clariffimt  uiri  fratris  ||  ?lntl)onü  bc  ISampc- 
10910:  or-||biniö  fanrti  3lu9u|lim.*^ 

Paris^  Nicolaus  WolfF,  1510.     Octav-Format. 

Ist  der  letzte  Pariser  Druck  dieses  Typographcn.  Obiger  Titel  ist  roth  gedruckt ; 
darunter  steht  das  ebenfalls  rothe  Buchdruckerzeichen.  Enthält  16  ungezählte  (da- 
von ein  leeres)  und  174-  gezählte  Blätter,  mit  kleiner  gothischer  Type  in  2  Colum- 
nen  gedruckt.  — 


/ratt9ai8  MegnattU  &  %tm  öe  la  Parte, 

1500  bis  1535,        1516  bie  1520. 

Der  letztere  Typograph  druckte  später  in  Lyon.  — 


394 


—     Paris.     — 


No.  836. 

i^iSptfloU  btut  Pauli  npolioli:  cum  commen:  ||  tarii0  fiteda- 
riffimt  mxi  J>acobt  3^abn  ^tapulrtt  || 

ISrnunbantur  Parrlji|tt9  in  ebibua  ^rancifci  ||  ilepault:  rt 
ßomnxB  br  la  Porte  ISibliopolarum/^ 

1617.     Folio-Format. 

Auf  dem  nummerirten  Blatte  CCYIII  findet  man  die  Schlussschrift  mit  der  Da- 
tirung.  Die  Ausgabe  ist  nur  Nachdruck  derjenigen  von  Heinrich  Stephan  151S, 
aber  wegen  der  schönen  Initialen  in  geschrotener  Manier  von  Werth.  Man  findet 
sie  bei  den  Bibliographen  nicht  aufgeführt.  — 


Engelbert)  ßtm  ht  IHarnef  ^  pierre  ^kxt^ 

1500  bi0  1530. 

Wir  lernten  die  beiden  Brüder  Engelbert  <&  Geoffroy  de  Mamef 
bereits  auf  Seite  385  kennen.  Den  dritten  Bruder  Johannes  führt 
Panzer  um  1500  und  dann  erst  wieder  1519  an;  er  kommt  1536  auch 
in  Poitiers  vor.  Petrus  Viart  kommt  bei  Panzer  erst  in  den  Jahren 
15 21  und  1522  vor;  die  nächste  Nummer,  welche  Panzer  nicht  kannte, 
berichtigt  diese  Daten.  — 

No.  837. 

5,Pe.  II  Molfeti  Uaurrtia»  J|  Stephanis,  Panegyris,  opufculii 

de   puero  Judfo  ||  &   miraculo  Eucharifti§  cum  egregijs  & 

perfpicuis  ||  Nicolai  Bonefpei  Puteani  Trecen  •  commetarijs." 

Paris,  Engelbert,  Jean  de  Mamef  &  Pierre  Viart,  1517. 

Quart-Format. 

Panzer  unbekannte  Collectan-Ausgabe  dieser  Dichtungen  des  Rossetus.  Auf 
Blatt  8  steht  das  Colophon,  in  lA-elchem  die  Datirimg  und  die  Namen  der  drei 
Drucker  angegeben  sind.  Auf  dem  Titel  steht  das  Zeichen  mit  dem  Pelican  und 
der  Inschrift  E  G  DE  MARNEP  und  auf  der  Rückseite  des  Titels  das  Privileg  ftr 
Engelbert  de  Mamef  mit  dem  Datum  y,Paris  le  •  xviij.  iour  de  May  M.  D  &  VIP. 
Der  Druck  ist  Antiqua.    8  ungezählte  und  156  gezählte  Blätter.  — 


^ean  lambert, 

1503  bie  1513. 

Ein  Typograph,  von  dem  nur  sehr  Weniges  bekannt  ist. 
Panzer  führt  ihn  nur  in  den  Jahren  1503  und  1513  an.  Jedoch 
dürfte  ihm  Vieles  unbekannt  geblieben  sein,  wie  er  auch  den  in 
folgender  Nummer  beschriebenen  Druck  nicht  gekannt  hat.  — 


—    Paris.    — 


395 


No.  838. 

^^SrÄCtat^  b^artf  br||nf  uiwenbi  rt  brne  morienM.*^ 

Paris^  Johannes  Lambert,  1504*     Klein  Octav-Format. 

Auf  dem  Titel  steht  das  Yerlegerseichen  des  Denis  Roce.  Am  Schlüsse  ein 
8  zeiliges  Colophon,  in  welchem  sich  Lambert  als  Drucker  nennt.  Die  Type  ist  eine 
kleine  Gothisch,  in  welcher  ähnlich  wie  bei  Friedberg  in  Mainz  abwechselnd  ein 
fettes  halbrömisches  S  erscheint.    36  ungezählte  Blätter.  — 


^tm  Parbier^ 

1505  bie  1514. 

No.  839. 

^)3iima  Btrtu-{|tum    ac  Dttiorü  CluUI)elmi  Paral-|{M  (Spt- 
fcopi  ITujbuncupfii  bc  orMne  prebicatorum.*^ 

Paris  9  Joannes  Barbier,  1512«     Octav-Format. 

unter  dem  Titel  steht  das  Buchdruckerzeichen  des  FranQois  Regnault,  der  zu- 
sammen mit  Jean  Petit  und  Jean  Frellon  die  Kosten  der  Ausgabe  bestritt  Mit 
kleiner  gothischer  Type  gedruckt.  — 


Jol)annes  IHerrator  otttx  l^ardjant^ 

1505  biö  1511. 

Diesen  Typographen  führt  Panzer  erst  um  1510  und  15 ii  an. 
iEls  ist  vermuthlich  der  Sohn  des  Guido  Mercator,  welchen  wir  um 
1483  bis  1500  bereits  verzeichnet  haben.  Panzer  führt  im  Register 
den  Guido  zwar  noch  1505  an,  aber  der  Druck  dieses  Jahres :  Poly- 
dori  Vergilii  „de  Inventoribus  rerum  Libri  tres"  enthält  nur  die 
Angabe:  ,,Parisius  in  Campo  gaülardo  pro  Johanne  peiit  MDV" 
und  kann  daher  ebensowohl  und  wahrscheinlicher  von  Johannes 
Marcator ,  der  auch  ,,in  campo  Gaillardo"  firmirte,  als  von  Guido 
herrühren,  welcher  letztere  mit  1500  bereits  nicht  mehr  erscheint.  — 


No.  840. 

^)Srractatu$  be  ani  ma  rbitua  a  bno  prj  tro  bc  ^(liaco.^^ 

Paris,  Johannes  Marchant,  1505*     Quart-Format. 

Eine  den  Bibliographen  unbekannt  gebliebene  Ausgabe  dieses  Traetates  „über 
■die  Seele"  mit  dem  Zeichen  des  Jehan  Petit  unter  obigem  Titel,  auf  dessen  Kosten 
das  Werkchen  hergestellt  wurde.  Es  enthält  36  in  2  Columnen  gedruckte  Blätter, 
-davon  ein  leeres.    Die  Schlussschrift  lautet: 

,,SractatiiB  brenis  te  anima  et  ||  accibrntibus  einB  |)fr  Heaeren-Ilbiffimttm  bominü 
:Petnim  bf  Miaco  compilotus,  et  |)ari!tns  ||  folertia  caracteribnrqj  3ot)änis  l|  iKardiant 


30 


—     Paris.     — 


morom  Unetif  0äpi  |I  gaiUarbi  SDipreffns  3mptnfts  ll  3o||annis  Detit  Sommorätf  UilBico 
fancti  3acobi  ivb  ftont  ar-llgenteo.  Hvmo  (fic!)  totntni  •  1505.  9ie||rroiu  ttontn- 
bril  il  Sans  teo-*'    Die  Typen  sind  gothisch.  — 


(iiUes  (üotttmont  ^  Claitbe  Clietiallon^ 

1507  big  1533, 

welchen  Letzteren  wir  weiterhin  noch  besonders  kennen  lernen. 


No.  841. 

„Clariffimt  artiü  et  ra||crr  lljfologic  boctom  magri  ^mt 
bet)io  II  QIEaietant  toti^  orbts  fibtcatorü  giialia  titagri.  ||  |n 
pmä    fäctifltmi   boctoris  Sll)omr  Jlqnatia  ||  fumme  tl)eolo$ic 

partrm  cömentaria*  •  /^ 

PariSy  Claudius  Chevallon  &  Egidius  Gourmont,  1514« 

Octav-Format. 
Mit  kleiner  gothischer  Type  gedruckt.    Auf  dem  Titel  stebt  das  Dmckeneicben 
Chevallon^s.    Enthält  8  ungesählte  und  471   gezahlte  Blatter  nebßt  einem  leeren.  — 


|gertl)olb  ^embolbt  ^  ßo\)mn  WnUxiots^ 

1509  b!0  1519. 

Nach  dem  Tode  Ulrich  Gering's  um  1509  begann  Berthold 
Remboldt,  den  wir  auf  Seite  380  als  Socius  des  Ersteren  kennen 
lernten ,  theils  allein ,  theils  mit  andern  Typographen  zusammen  zu 
drucken;  so  erscheint  er  mit  Jodocus  Badius,  Johannes  Farvns, 
Thielmann  Kerver,  Durandus  Gerlier,  besonders  aber  mit  Johannes 
WaterLoes,  den  er  ziemlich  constant  -bis  15 19  als  Socius  behielt,  zn 
welcher  Zeit  beide  Typographen  vom  Schauplatze  verschwinden. 
Aus  den  Schlussschriften  ist  zu  ersehen ,  dass  die  Werkstätte  im 
alten  Druckhause  Gering's  „Zur  Goldnen  Sonne"  bis  zum  Schlnsse 
dieselbe  blieb.  Uebrigens  geht  aus  einem  Drucke  der  Wittwe  Rem- 
boldt's   von  1519   der   damals  erfolgte  Tod  des  Letztem  hervor.  — 


No.  842. 

,^1ieattff!ini  decilit  Cijpriani  carttjaUginenfiü  pr^fulis,   ora- 

toris,  verbiq3  diuini  pr^conis  eloqu^tiffimi:  ac  trini  vniufq3 
dei  proclamatoris  vehementifllmi  opera  hinc  inde  ex-||cerpta, 


—    Paris.     — 


397 


et  in  vnu  vigiliis,  &  füptib^  magiftri  Bertholdi  Rembolt, 
&  Joannis   vvaterloes  calcographoru  peritiflimoru  ac  vera- 
ci(Iimo||rü   coUecta  &   imprefla:   quonum   diftinctio  fronte 

fequenti  notatur.** 

Paris,  Remboldt  &  Waterloes,  1612.     Klein  Quart-Format. 

Ueber  dem  Titel  das  Druckerzeichen  Remboldt's  in  Sobrotnumier.  Darunter 
ein  Tetrastichon  an  die  Leser.  Antiqua-Druck;  IS  ungez&Iilte  und  180  gezahlte 
Blätter.  — 


No.  843. 

^^djpfo^txo  CSrrgorij  |iafir  ru||prr  Cantica  canticorum  •  ||  €an- 
ttca  drcjori^  fr rmonr  breui  maniff Hat :  ||  iBulciuft  Bt  ca|li0 

auribuö  iUa  fonent/^ 

Paris,  Berthold  Remboldt  &  Joh.  Waterloes,  1509. 

Kleia  Quart-Format. 

Unter  dem  Titel  ist  das  schöne  Druckerzeichen  befindlich.  Das  Ganze  umgiebt 
eine  hübsche  Bordüre,  die  wie  das  Druckerzeichen  in  Eisenschnitt  mit  geschrotener 
Manier  hergestellt  ist.  — 


^ntoint  IJerarir  htx  Jüngere, 

1517  W6  1520, 

^  (iutUaitme  ^nfintt^ 

1509  bis  1521. 

Der  ältere  Antoine  Verard  starb  1513.  Seine  Nachfolger  waren 
Barthdlemy,  der  nm  1514  vorkommt,  und  Antoine,  der  unter  der- 
selben Adresse  wie  der  ältere  Antoine  vom  Jahre  1503  ab:  Devant 
la  riie  Neufue  Nostre  Dame,  weiter  druckte. 

Man  hat  den  jüngeren  Antoine  früher  mit  dem  älteren  identi- 
ücirt;  es  beweist  jedoch  das  Privilegium,  welches  sich  in  den 
„Chroniques  de  Saint  Denis"  von  Guillaume  Eustace  1514  befindet, 
dass  der  ältere  Verard  bereits  im  August  desselben  Jahres  uicht 
mehr  lebte,  indem  dort  von  dem  verstorbenen  Antoine  Verard  die 
Rede  ist. 

Guillaume  Eustace  ist  wohl  gewiss  nur  Verleger  gewesen,  der 
schon  1493  bei  der  ersten  Ausgabe  der  „Chroniques",  welche  Jean 
Maurand  druckte,  mit  Antoine  Verard  zusammen  als  Verleger  vor- 
kommt; er  nennt  sich  dort  wie  auch  späterhin  oftmals  „libraire  et 
relieur  de  livres".  Nach  dem  Tode  Antoine  Verard's  muss  er  mit 
dessen  Nachkommen  wohl  gemeinschaftliche  Sache  gemacht  haben. 


3g8  —    Paris.    — 

denn  wir  finden  ihn  dann  wiederholt  wie  auch  in  nächster  Nummer 
in  dem  Quartier  Antoine  Verard's.  — 


No.  844. 

„6e§  prefenteö  I)eure^  a  lufage  be  ||  ^arig  tout  au  long 
fan§  rien  req|  rtr  auecqg  Ic§  .  jü  •  oraifö^  fmte  6rigi||be 
St  fönt  iprimeeS  pour  ®uiKau:=||ine  Suftace,  libraire  bu 
SRo^  t  iure  ||  cn  luniuerfite  be  pariö,  bemourät  a||Ia  tue 

neufue  nre  bantc,  a  Sagn^  bei." 

Paris  9  Antoine  Verard  &  Guillaume  Eustace,  1520* 
Pergament-Druck  in  Octav-Format. 

Diese  von  Brunet  nicht  gekannte  Ausgabe  der  „Heures  de  Paris"  sind  mit  alter 
Bataide  gedruckt.  Der  Typograph  Antoine  Verard  ist  xwar  nicht  angegeben,  aber 
die  Adresse  ,1a  rue  neufue  nostre  dame"  weist  darauf  hin  und  ausserdem  stimmen 
die  Typen  mit  denen  überein,  die  der  Eitere  Yerard  schon  zu  den  Prophecies  de 
Merlin  von  1498  gebrauchte;  vergleiche  Falkenstein  pag.  240. 

Dieser  höchst  seltene  Gebet-Almanach  ist  für  12  Jahre,  1619  bis  1530,  bestimmt 
Er  enthält  125  Bl&tter.  Unter  dem  Titel  befindet  sich  die  Marke  des  Guälawne 
Eustace  und  im  Texte  10  Holzschnitte.  Die  Schlussschrift  ist  fast  gleichlautend  mit 
obigem  Titel,  nur  dass  für  den  Ort  Paris  und  für  die  JPVrma,  die  im  Titel  roth 
gedruckt  sind,  eine  offene  Stelle  gelassen  und  die  Jahrzahl  1520  hinzugetreten  ist. 
Es  konnten  also  auch  eine  beliebige  andere  Stadt  und  Firma  huidschriftlieh  hinein- 
gesetzt werden ;  merkwürdig  bleibt  nur ,  dass  dennoch  die  Adresse  auch  hier  bei- 
behalten ist.  — 


Pierre  (iawiroul^ 

1510  bte  1534. 

No.  845. 

5)1äeguU  moralc0  ßo\)ti\\xB  br  grrjlfonno  boctorb  d)rifltamf|tmt.*^ 

Paris  ^  Petrus  Gaudoul,  1520.     Klein  Octav-Format. 

Seltene  Incunabel  von  S6  Blattern  Inhalt.  Auf  dem  Titel  ist  eine  eigenthöm- 
liche  Darstellung;  in  einem  Schiffe,  das  von  Wellen  geschaukelt  wird,  befindet  sich 
die  Mutter  Gottes  mit  dem  Jesusknaben;  der  Letztere  hält  am  Bande  eine  fliegende 
Taube.    Dieselbe  Darstellung  wiederholt  sich  auf  der  Rückseite  des  letzten  Blattes.  — 


1511  bi8  um  1540. 

Derselbe  Drucker,  den  wir  schon  in  Verbindung  mit  Aegidins 
Gourmont  kennen  lernten.  — 


—    Paris.    — 


399 


No.  846. 

^fftxtxonxB  irtttl)fra-||ne  cöfutatia  ]ßn  Äfuertnbu  ||  Patrem 
J>oannf  Äofftn  ||  fem  (Hpifcopü:  ^ca-||bfmie  (!Eätabri-||9teu(ifit 

«i-||cfUari-|;um. 

Paris 9  Claudius  Chevallon,  1523*    Hoch  Quart-Format. 

Obiger  Titel  ist  roth  gedruckt  und  von  einer  Bordüre  umgeben,  unter  dem  Titel 
steht  das  Buchdruckerzeichen  Remboldfs,  auf  dessen  Kosten  -wohl  das  Werk  gedruckt 
wurde.  Nach  der  Schlusssehrift,  welche  die  Druckfirma  und  Datirung  enthält,  steht 
das  Drackerzeichen  Chwallon's.  Der  Text  des  Werkes  ist  Antiqua,  die  Marginalien 
gothiseh.    Ueber  das  Werk  und  den  Verfasser  John  Fischer  vergleiche  No.  S85.  — 


(gttiUatttne  ft  Houge  ohn  Hubeua^ 

1512  bi0  1517. 

No.  847. 

Augustini  Dathi  „Orationum  duo  partes'^ 

Paris,  Guillelmus  Le  Rouge,  1513  &  1514.     Quart-Format. 

Seltener  Druck  mit  dem  Druckerzeichen  des  JDenis  Eoce,  auf  dessen  Kosten  der 
Druck  veranstaltet  wurde.  Grossere  und  kleinere  Initialen  im  Texte  sind  bemerkens- 
wertb.  Der  erste  Theil  enthält  4  ungezählte  und  116  gezahlte  Blätter;  der  zweit» 
6  ungezählte  und  73  gezählte.  — 


1514. 

war  bisher  nur  durch  einen  einzigen  Druck  bekannt,  des  Johannes 
de  Burgo  „Pupilla  oculi*'  vom  12.  Mai  1514,  für  Franciscus  Reg- 
nault  gedruckt,  den  Panzer  VIII  pag.  16  No.  736  citirt;  wir  be- 
sitzen aber  noch  ein  anderes  Product  vom  16.  Januar  desselben 
Jahres  mit  der  Firma  Pouchin*s,  das  wir  in  nächster  Nummer 
folgen  lassen.  — 

No.  848. 

,^3pfCttlttin  finalta  retributionw  ||  noultrr  impre|fum.** 

Paris  5  Jacobus  Pouchin,  1514«    Octav-Format 

unter  obigem  Titel  dieser  unbekannten  Ausgabe  steht  das  Druckerzeichen  des 
Jehan  PeUtt  für  den  das  Werk  gedruckt  wurde.  In  der  8  zeiligen  Schlussschrift  ist 
der  Name  des  Verfassers:  Fetrtts  ßeffinaldetus y  des  Herausgebers:  Petrus  de  Fonr- 
taneo,  des  Druckers  und  die  Datirung  gegeben.    Der  Schluss  davon  lautet:  ,,3m- 


400 


—    Paris.     — 


preflltttn  iiarifiiu  per  3ocobir  )9oBd)tn  onno  bni  niiUcfi  |ino  qnigentifimo  bfcimo^rts. 
Die  vtro  •  rot  •  men-|,flB  3oiiltorii.''  Enthält  172  ungezählte  Blätter  mit  Signaturen. 
Die  Type  ist  eine  kleine  Gothisch.  — 


JJean  ht  la  (Sarire ^ 

1514  bi0  1518. 

No.  849. 

„Compendium  aureü  ...  de  vnione  beneflciorum  Petri 

de  perusio." 

Paris^  Johannes  de  la  Garde,  1514*     Klein  Octav- Format 

Seltene  Incunabel.  Der  lange  Titel  steht  in  20  Zeilen  mit  ziemlich  groaaei 
gothischer  Schrift  in  Roth-  und  Schwarzdruck  auf  dem  ersten  Blatte.  Auf  dem 
letzten  gezählten  Blatte,  £o,  Irrri  verso  steht  das  Druckerprivileg  mit  der  Jahnabi. 
Eine  andere  Datirung  hat  das  Werkchen  nicht  Es  folgen  noch  8  ungezählte  Blätter 
Tabula.  ~ 


HegnauU  €l)atti»tere^ 

1515  bi6  1534. 

No.  850. 
„Claubij   ÄfpIfeUl  ^rd)if;|PISCOPI  TAVBINBN| .fis  de  Diuina 

prouidentia.  ||  Tractatus." 

PariSy  Regnault  Chaudiere,  1520.     Quart-Format. 

Panzer  unbekannte  Ausgabe.  Auf  dem  Titel  steht  das  Druckerselchen  and  am 
Schlüsse:  ,Excusü  est  hoc  diuinü  de  diuina  prouidentia  opus  ||  Lutacie  Parisioru 
Anno  salutis  Millesimo  •  D.  xx  •  1 1  xxi^  Cal  •  Maias.*'  Darunter  das  Privileg  mit 
der  Datirung  von  1518.  Antiqua-Druck,  152  gezählte  und  14  ungezählte  Blätter. 
Sehr  bemerkenswerth  sind  die  schonen  Schrot-Initialen.  — 


pierw  ^ihom^ 

1518  bi6  um  1540. 

No.  851. 
„DB  PRIMATY  |1  PBTBI  ADYERSYS  LÜDDERVM  ||  JOANNIS  ECKHII 
LIBRI  TRES."    Am  Ende:   ,^MPRESSIT  PARRHISnS  PBTRVS  TI- 
DOVAEYS,  Impenfis  honefti  viri  Joannis  Keruer  Bi-||bIiopoI« 
Parrhifieii  .  Anno    Salutifero.      1521,     Menfe    Se||ptembri.** 

Folio-Format. 

Im  Gegensatze  zu  der  Schlussschrift,  in  in- elcher  gesagt  ist,   dass  das  Buch  auf 
Kosten  Johann  Kerver's  von  Peinis  Vidovaeus  gedruckt  ist,  befindet  sich  auf  den. 


—    Paris.    —  401 

Titel  das  Yerlegerzeichen  des  Conrad  Resch,  dem  wir  schon  unter  Basel  auf  Seite  287 
begegneten.  Auch  lautet  für  Letzteren  das  Privileg,  welches  sich  auf  der  Rückseite 
des  Titels  befindet. 

Der  Titel  steht  in  einer  Bordüre  des  Urs  Oraf,  welche  Butsch  in  seiner  „Bacher- 
Ornamentik  der  Renaissance"  auf  Tafel  99  wiedergegeben  hat,  doch  ist  die  gegen- 
wärtige um  ein  Viertel  grösser.  Möglich,  dass  sie  eine  Copie  ist;  aber  das  Mono- 
gramm ist  ebenfalls  vorhanden.  In  beiden  befindet  sich  übrigens  die  von  Butsch 
nicht  bemerkte  Jahrzahl  l.')19  unter  der  obsconen  Darstellung  der  Rache  des  Tirgil, 
daher  ist  es  nicht  ausgemacht,  dass  die  von  Butsch  reproducirte  Bordüre  aus  einem 
Werke  des  Jodocus  Badius  von  lf)21  das  Original  ist. 

Ein  weiterer  eigenthümlicher  Schmuck  sind  die  Initiale  dieses  Werkes,  deren 
sich  ausser  einem  Schrot-Initial  zu  Anfang  des  Privileg  noch  142  in  Holz  geschnittene 
vorfinden,  wovon  ein  jedes  die  Abbildung  des  Papstes  aufweist  und  zwar  bei  Jedem 
verschiedenen  Buchstaben  in  anderer  Darstellung. 

Wir  fanden  die  Buchstaben  A,  C,  D,  E,  F,  G,  H,  I,  K,  L,  M,  N,  P,  S,  T,  V, 
sodass  die  Fantasie  des  Künstlers  sich  zu  nicht  weniger  als  16  verschiedenen  Auf- 
fassungen des  Papstbildnisses  verstiegen  hat,  wodurch  er  jedoch  den  Ueberdruss,  den 
dieses  immer  wiederkehrende  Bild  erweckt,  leider  nicht  zu  beseitigen  vermochte. 
Es  befinden  sich  ferner  zu  Anfang  jeden  Buches  stehend  ausser  der  Titelbordüre 
noch  drei  Holzschnittbordüren  in  dieser  immerhin  sehr  interessanten  Ausgabe  der  anti- 
reformatorischen  Schrift  des  bekannten  I>r,  Eek  „über  das  Primat  des  Papstes". 
Das  erste  Buch  enthält  8  ungezählte  und  78  gezählte  Blätter;  das  zweite  46,  das 
dritte  49  gezählte  Blätter.  Der  Druck  ist  Antiqua;  die  Ausstattung  eine  höchst 
würdige  auf  sehr  grossem  Papier.  — 


1519  btö  um  1540. 

Der  zweite  Gemahl  der  Wittwe  Heinrich  Stephanus'  I.,  dessen 
auf  Seite  389  schon  Erwähnung  geschah.  Er  war  einer  der  be- 
rühmtesten und  productivsten  Pariser  Typographen,  der  auch  im 
Jahre  1522  den  ersten  Druck  zu  Meaux  ausführte.  Dass  Colinaeus 
schon  1519  als  Drucker  erscheint,  stellt  Deschamps  in  „Dictionnaire 
de  geographie"  col.  999  und  im  Supplement  zu  Brunet  I  col.  271 
fest,  wonach  er  eine  Ausgabe  von  Clichtovei  „Tractatus  de  Regis 
officio"  in  Quart  gedruckt  haben  soll. 

Bei  Panzer  VIII  pag.  55  No.  1093  findet  sich  eine  Ausgabe 
desselben  Buches  und  von  demselben  Jahre  in  Octav,  welche  aber 
noch  Heinrich  Stephanus  selbst  gedruckt  hat.  Wir  zweifeln  in- 
dessen nicht,  dass  jene  doppelte  Nachricht  des  Deschamps  gewissen- 
haft genug  sein  wird  und  müssen  also  zwei  Ausgaben  desselben 
Jahres  annehmen.  — 


26 


402  —    Paris.    — 

No.  862. 
„HOBATIYS  II  Nicolai  Perotti  lihellus  nö  in-\\/rugi/er  de  metris 

Odarum  ||  Horafianarum, 
PAEISnS  II  Apud  Simonem   Colinmum  \\  1531.** 

Duodez-Format. 

Schone  und  correcte  Ausgabe  der  Werke  des  Horax.  Der  Titel  steht  in  einer 
wunderhübschen  Renaissance-Bordüre.  Der  reizende  Nonpareille-Cursiv-Druck  möchte 
zu  dem  Schönsten  gehören,  was  die  Schriftgiesserei  je  geleistet  hat.  Er  ist  für  den 
Fachmann  eine  'vrahre  Augenweide.  — 


1522  bte  1576. 

Einer  der  drei  berühmten  Typographen  -  Schwiegersöhne  des 
Jodocus  Badius,  der  Gemahl  von  dessen  ältester  Tochter  Petronella. 
Im  Verlaufe  seiner  ausserordentlich  langen  Wirksamkeit  lieferte  er 
nicht  weniger  als  279  verschiedene  hochgeschätzte  Ausgaben  von 
Druckwerken  aus  fast  allen  Fächern  des  Wissens,  besonders  von 
Classikem.  Neben  seinem  Ruhm  bei  Gelehrten  und  Mitbürgern 
wurden  ihm  seit  1553  auch  die  öffentlichen  Ehren  und  Titel  eines 
geschworenen  Btic?idruckers  der  Universität  und  seit  1556  die  eines 
königlichen  Typographen  zu  Theil.  Sein  Schwiegersohn  wurde  der 
berühmte  Buchdrucker  Friedrich  Morel  I.  Nach  Falkenstein  und 
seinen  Nachfolgern  soll  Vascosan  erst  von  1530  ab  gedruckt  haben, 
nach  Deschamps  Dictionnaire  de  geographie  col.  1000  soll  sein 
erster  Druck  sogar  erst  von  1532  datirt  sein;  seine  Firma  findet 
sich  aber  schon  von  1522  an  in  zahlreichen  Druckwerken.  — 


No.  853. 

„PEANCISCI  VICO-IIMEECATI  MEDIOLANEN-||SIS  IN   QYATVOE 

LIBROS II  AßISTOTELIS  ||  METEOKOLOGIOORYM  ||  COMIOINTABIL . . 

LUTETIAE  PABISIORVM,  U  APYD  YASCOSANVM.  ||  M.  D.  LTI." 

Folio-Format. 

Pr&chtige  Ausgabe  dieses  Commentar^s  in  schönem  Antiqua-Druck ;  18  vmgesablte 
872  und  ISO  gezahlte  Seiten  nebst  einem  Blatte  Errata.  Graesse  Tresor  VI  2  pag.  296 
cltirt  eine  Ausgabe  von  1550,  kennt  aber  die  vorliegende  nicht.  — 


—    Paris.    —  403 

1524  He  um  1542. 

Der  Name  dieses  Typographen  kommt  zwar  schon  1524  in  einem 
Druckwerke  vor,  dann  aber  bis  1535  gar  nicht  mehr.  Es  dürfte 
Vieles  verloren  gegangen  sein.  Das  Wenige,  was  von  ihm  existirt, 
gehört  zu  den  Seltenheiten.  — 


No.  854. 

„Dialogi  aliquot  ||  JOANNIS  RAYISü  TEXTORIS.  || . . . 

PARISIIS  II  Apud   Mauricium    de   Porta    in    claufo   Brunello 

fubfigno  diui  Claudij  i|  M.  D.  XLII." 

Octav-Format. 

Diese  Dialoge  sind  in   römischer  Schrift  gedruckt  und   enthalten  4  ungezählte, 
236  gezählte  und  wieder  2  ungezählte  Blätter.  — 


Hirolaa  Mnttitx^ 

1525  bi6  1531. 

No.  855. 

„Sc  liure  ||  tntitule  SHternelle  confo||Iatto,  trefötite  et 
proffi' II table  a  tou§  (£t)reftie§  q  ||  befirent  faire  le  falut 
be  II  leurö  ame§,  9^ouuene^||titent  reueu  (sici)  et  corrtge.  ||  ®on^ 
folationeg  tue  letifi  ||  caucrüt  antmant  tneam.  ||  Sntprime  a 
5ßari§  II  le  fepttefme  tour  ||  be  SuiEet  ||  2».  ®.  jjjt" 

Paris  ^  Nicolaus  Savetier,  1581.     Octav-Format. 

Es  ist  dies  die  ft'anzösische  Uebersetzung  der  drei  ersten  Bücher  der  „Imitatio 
Christi"  von  Thomas  a  Kempis;  jedoch  in  anderer  Reihenfolge  wie  in  dem  lateini- 
schen Original,  derart,  dass  hier  das  erste  Buch  dort  dem  zweiten,  hier  das  zweite 
Buch  dem  dortigen  dritten  und  das  dritte  hier  dem  ersten  dort  entspricht.  Der 
Titel  dieser  Ausgabe  steht  in  einer  Holzschnitt -Bordüre  mit  den  Initialen  N.  S. 
Die  Typen  sind  alte  Batarde-Schrift. 

Bmnet  citirt  in  Band  III  Golumne  460  No.  4  eine  Ausgabe:  Paris,  aans  notn 
de  libraire,  1531,  in  -8  und  sagt  dazu :  ^  Cette  edition  a  tme  epitre  dedicatoire 
de  Hubert  de  Suzanne  d  sa  taute,  Madame  Estiennette  Dedmct,  abesse  de 
Si-Estienne-lez-Soissons,  en  B  pp.  Les  lettre»  N.  et  S.,  que  Von  remarque  dans  la 
bordure  du  froniispice,  ont  fait  supposer  que  le  Uvre  se  vendait  chez  Nie.  Savetier.*^ 

Die  vorliegende  Ausgabe  stimmt  damit  genau  uberein;  es  befindet  sich  aber 
am  Schlüsse  auch  das  Colophon,  welches  gar  keinen  Zweifel  lässt,  dass  Savetier  dei 
Drucker  ist:  „(5^  flnc  Ic  liure  tntitule  Itntcmctte  cöfo||totton  nouueMemet  tnH)rtme 
a  $artd  ^ac  92t||coIad  (Sanetter  bentouvät  en  Xa  nie  bed  (Sat«||)ned  a  lenfeigne  be 

26* 


404  —    Paris.    — 

Il^omme  fouuage  •  Ct  fut  adftvt  Ion  •  'SR.  3).  ^^i.  le  j:  •  iour  be  3ulng."  W»hr- 
scheinlich  hat  dem  von  Brunet  beschriebenen  Exemplare  das  Blatt  mit  der  ScUuss- 
schiift  gefehlt.  Die  Ausgabe  enthält  8  ungezählte  und  144  gezählte  Blattei;  die 
letzte  Seite  ist  leer.  — 


Mobert  Ätiennf  ohtv  ^tepjjanttff^ 

1525  hiB  1552, 
fpStcr  bi6  1559  in  (Benf. 

Simon  äe  Colines,  der  zweite  Gemahl  der  Wittwe  Heinrich 
Etienne's,  übernahm  nach  dessen  Tode  die  Offizin;  bei  jenem  er« 
lernte  der  jüngere  Robert  zuvörderst  die  Buchdruckerkunst  und  trat 
alsdann  1525  selbständig  mit  seinem  ersten  Werke  hervor.  Durch 
seine  schönen  nnd  gelehrten  Ausgaben  griechischer  und  lateinischer 
Classiker  machte  er  sich  ebenso  berühmt,  als  durch  seine  correclen 
Ausgaben  der  Bibel  bei  der  Geistlichkeit  verhasst,  da  die  veranstalteten 
Aenderungen  den  Reformirten  Beweisgründe  für  ihre  neue  Lehre  in 
die  Hand  gaben. 

Trotz  des  besondern  Schutzes  des  Königs  Franz  I.,  der  ihn 
1539  zum  Ho fbuchdr ucker  ernannte,  sah  er  sich  doch  endlich  ge- 
nöthigt,  den  Anfechtungen  des  Clerus  zu  entfliehen  und  begab  sich 
1552  nach  Genf.  Seine  Frau  Katharina  war  die  dritte  Tochter 
des  berühmten  Jodocus  Badius ,  wie  wir  auf  Seite  386  schon  be- 
richteten. —  

No.  856. 

„G.  PLINII  SECVNDI  NOVOCOMBN-||SIS, 

Epiftolarum  libri  x.** 

PAEISIIS.  II  EX  OFEICINA  ßOB.  STEPHANI  ||  M.  D.  XXIX. 

Octav-Format. 

Diese  schone  Ausgabe  der  Briefe  des  Plinius  ist  Nachdruck  der  Aldine  von  1518 
mit  der  Vorrede  des  Aldus  Manutius.  Sie  enthält  ausser  den  Briefen  des  Plinius 
noch  desselben  ^Panegyricus'^ ,  „de  Virt's  IlluHtribus^,  Suetonii  „de  Claris  Gramma- 
ticis**,  Julii  yfObsequentis  Prodigioruni  liber'* ,  und  „LatinQ  interpretatio  dictionutn*. 
Auf  dem  Titel  befindet  sich  in  Holz  geschnitten  das  Druckerzeichen  der  EtieDUfc 
der  Oelbaum,  aber  oTtne  den  Mann,  mit  der  Inschrift :  „Noli  altumsaljpere,  sedtime.* 
Der  Druck  ist  schone  Antiqua.  — 


No.  857. 
„NOVUM   D.  N.  JESV  II  Chrifti  teftamentum/'     Darunter  d« 

Oelbaum  mit  der  Unterschrift:    „Oüua  Robcrtl  Stephan!  ||  M.  D.  LVI." 

Gross  Folio-Format. 

Diese  geschätzte  Ausgabe  des   Neuen  Testamentes   ist  die   erste  mit  den  Er- 
Uuterungen  des  gelehrten  Theodor  Beza.    Sie  igt  [schon  nach  der  Flucht  Ktienne's 


—    Paris.    —  405 

in  Qenf  gedruckt,  wir  fähren  sie  jedoch  wegen  des  intimen  Zusammenhanges  mit 
der  typographischen  Geschichte  von  Paris  auch  unter  den  Drucken  dieser  Stadt  an. 
Am  Schlüsse  steht:  „EXCVDEBAT  ROB  ||Stephanus  in  sua  officina,  Anno.lM.D.LYII. 
Calend.  Martü«. 


€l)nfitan  ll^rd)el  h  |ltatt)unn  ill9u))ut)0^ 

1526  big  \xm  1554,  um  1550. 

Christian  Wechel  ist  der  Begründer  einer  berühmten  Typo- 
graphen-Familie,  die  in  gleicher  Weise  Frankreich  wie  Deutschland 
angehört,  da  Christian  Wechel  noch  gegen  das  Ende  seines  Lebens 
wegen  religiöser  Streitigkeiten  Paris  verlassen  musste  und  sich  in 
Frankfurt  am  Main  niederliess,  wo  er  die  Ausübung  seiner  Kunst 
bis  1554  fortsetzte.  Fin  gleiches  Schicksal  hatte  sein  Sohn  Andre, 
den  wir  noch  kennen  lernen;  sein  Enkel  Johann  gehört  schon 
gänzlich  Deutschland  an,  wonach  dessen  Erben  das  Geschäft  noch 
längere  Zeit  mit  Ruhm  fortsetzten.  — 


No.  808. 

,/AP12T0$A'N0Y2  KßMOA01I0TßN||ap£ö'T8  PXouTo<;.t| 

Ariftophanis  Poet§  ||  COMICI  FLVTVS,  ' lAM  NVNC\\ 

per    Carolum    Girardum   Bituricum    c^  Latinus  \factas^    c^ 

Commentarijs  in/uper  fan^  quam  viili/s.  recins  illuftra-^tus, 

EDITIO    PEIMA."     Am  Ende:   „IMPRIMEBAT   CHRISTIAN VS  We- 

chelus  fihiy  c^  Maihur ino  Dupuys^  Anno  1549." 

Quart-Format. 

Ziemlich   seltener  Druck.    214  Seiten  und  1  Blatt,    auf  dessen  l^ückseite  das 
Druckerzeichen  mit  dem  Pegasus.  — 


Conrad  %Mm  ^  Jean  Hoigtit)^ 

1535  bis  1549,        1530  bis  um  1550. 

Conrad  Badius  war  der  Sohn  des  berühmten  Jodocus  Badius, 
von  dem  er  die  Druckerei  erbte.  Seine  drei  Schwager  waren 
Michel  Vascosan,  Johannes  Roigny  und  Robert  Stephanus,  Gleich 
dem  Letzteren  wurde  er  wegen  Glaubenssachen  im  Jahre  1549  ge- 
nöthigt,  eine  Zufluchtsstätte  in  Genf  zu  suchen,  wo  er  noch  einige 
Zeit  weiter  druckte.  Johannes  Roigny  druckte  schon  in  den  letzten 
Lebensjahren  des  älteren  Ascensius  mit  diesem  zusammen,  doch  hat 


4o6  —    Paris.    — 

er  auch  viele  selbständige  Producte  geliefert.  In  nächster  Nummer 
erscheint  er  mit  seinem  Schwager  Conrad  Badius  vereint,  doch 
mehr  als  Verleger  betheiligt.  — 


No.  859. 
„IN  SAECO  SAN-||ctum  Jefu  Chrifti  Euange-|iLIVM  SECVNDYM 
JOANNEM  II  Enarrationes,  ||  JVXTA  ERVDITOKYJtt  SENTEN-||tiam 
factae,  per  Sacrae  Theologiae  doctorem,  Gaudium  Guil-|i 
liandum  Belliiocenfem,  . . ."  Am  Ende:  LVTETIAE  1|  EXCYDEBAT 
CONRADUS  BADIÜS  SYMPTI-HBYS  JOANNIS  ROIGNY,  EBATEIS 
SnilSORORÜ,   ANNO  M.  D.  XLYIU:  ||  DIE   QYARTA  MBN-|  SIÖ 

APRILIS." 

Folio-Format. 

Auf  dem  Titel  steht  das  Druckerzeichen,  die  Buchdruckerpresse  mit  der  In- 
schrift: PRELYM  ASCENSIANYM.  Die  Darstellung  ist  hier  aber  eine  andre  me 
in  den  Drucken  des  Jodocus  Badius ;  während  in  diesen  der  Drucker  den  Bengel 
nur  mit  einer  Hand  hält  und  mit  der  andern  die  Kurbel  dreht,  bat  er  auf  Tor- 
liegendem  Holzschnitte  den  Bengel  mit  beiden  Händen  gefasst,  der  Oberkörper  ist 
ganz  zurück  gelegt,  der  rechte  Fuss  weit  vorgestellt,  der  linke  hinten  aufgestemmt; 
die  ganze  Haltung  verräth  eine  gewaltige  Kraftanstrengung. 

Wenn  Faulmann  Seite  22  De  Yinne^s  Meinung,  dass  die  Drucker  der  alten  Zeit 
mit  einem  grossen  Kraftaufwande  gearbeitet  hätten,  widerlegt,  so  scheint  die  legere 
Haltung  des  Druckers  auf  Jenem  Holzschnitte  von  1498  allerdings  dafür  zu  sprechen, 
Avährend  De  Vinne's  Ansicht  durch  die  vorliegende,  genau  50  Jahre  spätere  Ab- 
bildung augenscheinlich  unterstutzt  zu  werden  scheint.  Jm  Ganzen  wird  man  bei 
den  sich  schnurstracks  widersprechenden  Darstellungen  kaum  etwas  Bestimmtes 
itber  das  Verfahren  sagen  können.  — 


um  1539. 

No.  860. 

,-,DIYI  AMBROSII  ||  Epifcopi  Mediolanenfis  omnia  opera  . . . . 

PARISnS,  II  Ex  officina  Geruafii  Cheuallonii.  ||  1539.** 

Gross    Folio-Format. 

Schöne  Ausgabe  mit  dem  Druckerzeichen  auf  dem  Titeiblatte.    Sie  enthält  12 
ungezählte  und  558  gezählte  Blätter.    Anti(ina-Druck.  — 


—    Paris.    — 


407 


um  1544. 

No.  861. 

„lOANliNOY   TOY  XPY202TO-||ii.ou  Tcspi  ^rpoaeux.^;  |! 

ßtßXCa  8uo. 

FARJSnS  II  Apud   Jacohum  Gazellum,  /üb  in-^figni  InuidicB^ 

k  regtone  gymna^/ij  Camer acen/ts.  ||  1544." 

Duodez-Format. 

Interessanter  und  seltener  griechischer  Druck,  der  die  beiden  Bücher  des 
Chrysostomus  über  das  Gebet  enthält.  26  numerirte  Blatter.  Ist  zusammen  ge- 
bunden mit  dem  Psaltermm  graeco-laiinum,  Paris,  Carola  Quillard  1545  unter 
No.  862.  — 


Carola  ClmllarÄ^ 

um  1545. 

Panzer  VIII  pag.  19  No.  757  erwähnt  einen  Druck  von  Carola 
GuiUard  von  15 14  nach  der  Bibliothek  le  Tellier.  Da  aber  bis  zu 
den  vierziger  Jahren  kein  zweiter  Druck  dieser  Firma  bekannt  ge- 
worden,   dürfte  die  Jahrzahl  1514  ein  Druckfehler  für  1541  sein.  — 


No.  862. 


„PSALTEEIYMIIDAVIDICYM  GME-||colatinum,   ad  fidem  uete- 
rum  II  exemplariura,  atque  adeö  codicis  Grseci  manufcri-|| 
pti.    D.  Victoris,  locis  ||  quam  multis  repur(igatum  c^  nito-| 
ri    fuo    refti-||tutuin    .  .  .**     Am  Ende:  PAEISnS  II  Excudebat 
Carola   Guillard  ||  anno    millefimo   quingentefimo  ||  quadra- 

gefimo  quinto.     {1545.) 

Duodez-Format. 

Hubscher  und  seltener  griechisch  -  lateinischer  Psalter  mit  16  ungezählten, 
278  gezählten  und  wieder  2  ungezählten  Blättern,  wovon  ein  leeres.  Ist  zusammen- 
gebunden mit  X^aoaxoixov  „7Z€qI  Tt^oaevx^S  ßißUa  dvo,'^  Paris,  Jacobus  Gazellus 
1,544  unter    No.  861.    — 


408  —    Paris.    — 

Petrus  Claltertts^ 

1545. 

No.  863. 
„Juuvenci  Hi-  ||  SPANI PRESBYTERI  ÄA]|STOEU  BVAN- 

6ELIGA,  verfu  Heroica  defcripta  ,  .  . 
FARISnS  !l  Excudehai  Petrus   Galterus,  pro  Joanne  ||  Barlxso 

CT  Claudio  Garamötio.  ||  1545." 

D  uode  z-F  orm  at. 

Hübscher  Cursiv-Druck.  Nach  einer  Bemerkung  auf  dem  Titel  dieser  metrischen 
Bearbeitung  der  Eyangelien  blühte  der  Verfasser  Juvencui  Hispcmus  unter  Constantio 
dem  Grossen  um  880  n.  Chr.    80  gesahlte  Blätter.  — 


Jfan  fom  8:ilftatt^ 

1546. 

No.  864. 
„THBOPflYIjA-;|CTI  ARCHIBPISIICOPI  II  Bulgariae    in    quatuor 
Euangelia  ||  enarrationes ,   innumeris  pen^  ||  logis  recognit» 

&  II  reftitutge. 
FARISnS,  II  Apud    Joannem    Lodoicum    Tiletanum,  ||  ex 
aduerfo  Collegij  Remenfis.  ||  1546.** 

Octav-Format. 

Schöner  Antiqua-  und  Cursiv-Druck  dieses  bedeutenden  Typographen.  Auf 
dem  Titel  befindet  sich  das  Druckerzeichen.  Das  umßngliche  Werk  enthalt  8  un- 
gezählte, 417  gezäblte  und  noch  27  ungezählte  Blätter.  — 


(iutlkttine  IHortl^ 

1547  biß  1564. 

War  zuerst  Corrector  bei  Louis  Tiletan,  späterhin  selbständig 
ein  berühmter  und  gelehrter  Buchdrucker,  der  auch  zum  Typo- 
graphen des  Königs  ernannt  wurde.  Nach  Falkenstein  soll  dies 
schon  1551  geschehen  sein.  Wir  besitzen  jedoch  in  Folgendem  ein 
Werkchen  vom  Jahre  1556,  aus  welchem  hervorgeht,  dass  er  könig- 
licher Typograph  für  die  griechische  Sprache  war,  und  da  wir  auf 
Seite  411  sehen  werden,  dass  im  Jahre  1552  noch  Adrien  Turnibe 
königlicher   Buchdrucker   für  Griechisch   war,    und    auch    für  jede 


—    Paris.    — 


409 


Sprache  (Französisch,  Lateinisch,  Griechisch,  Hebräisch)  immer  nur 
ein  königlicher  Typograph  ernannt  wurde,  so  wird  die  Zeit  seiner 
Ernennung  wohl  später  zu  setzen  sein.  — 


No.  865. 

„TOY  MAKAPIO-IITATOY  mnOAY-jT«,  s'maxQirou  xai 

piapTupoc,    Adyo;  7ue-||pt  tt^(;  auvTeXetac  t5  xdajj.»  .  .  ." 

Am  Schlüsse:   ,J?AEISIIS,  M.  D.  LYI.  ||  XVm.  CAL.  JANVAE.  ||  EXCV- 

DEBAT  GVI-;|LIELMYS  MORE-||LIVS,  IN  GRJICIS  ||  TYPO(JRAPflVS|| 

EEGIVS." 

Octav-Format. 

Diese  Ausgabe  der  Rede  des  Hippolyt  „vom  Ende  der  Welt"  ist  in  sofern 
interessant,  als  sie  uns  dieselben  Typen  aufweist,  mit  denen  Adrien  Turnehe  um  1&&S 
mehrere  Ausgaben  der  griechischen  Classiker  druckte,  wie  wir  auf  Seite  411  noch 
erfahren  werden.  Daselbst  werden  auch  genauere  Anmerkungen  über  die  Geschichte 
dieser  schonen,  der  königlichen  Druckerei  zu  Paris  gehörigen  Typen  gemacht  werden. 
Das  Werkchen  enthält  65  gezählte  und  3  ungezählte  Blätter,  der  Herausgeber  ist 
Johannes  Ficus,  Vorsitzender  der  Inquisition  zu  Paris.  — 


^rnolb  l^irdtmann  ^  Marques  ^upui)0^ 

1550. 

Der  Kölner  Buchdruckei  Arnold  Birckmann  druckte  nach  dem 
Tode  seines  berühmten  Vaters  Franz  Birckmann  um  1530  zu  Cöln 
und  setzte  daneben  auch  die  Pariser  Verbindungen  des  Letzteren 
fort  —  

No.  866. 
„Claudij  Galeni  Pergameni,    me-||dicoruin  facile  principis, 

aliquot  opera,  ||  A  LEONARTO  FÜCHSIO  TVBINGENSIS  ||  fcholee 
profeflbre  publico,    Latinita te   donata,    &   Coin-||mentariis 

illuftrata  ||  .  .  . 
PARISIIS,  II  Apud    Arnoldum    BirKman,    c^    Jacobum 

Dupuys,  .  .  .  1550." 

Folio-Format. 

Diese  Ausgabe  der  ausgewälilten  Werke  des  grossen  Mediciners  Galenus  ist  von 
den  Bibliographen  nicht  erwähnt  worden,  obgleich  der  höchst  wichtige  Commentar 
des  berühmten  Leonhart  von  Fuchs  ihren  Werth  sichert.  Auf  dem  Titel  steht  ein 
Holzschnitt;  den  Inhalt  machen  26  ungezählte  und  293  gezählte  Blätter  nebst  einem 
leeren  aus;  Druck:  Antiqua  und  Cursiy.  — 


410  —    Paris.    — 

um  1550  bis  1573. 

Der  Sohn  Christian  WecheVs,  des  Begründers  der  berühmten 
Typographen-Familie,  welcher  wegen  religiöser  Streitigkeiten  gleich 
seinem  Vater  Paris  verlassen  musste  und  später  zu  Frankfurt  a«  M. 
und  Hanau,  wo  er  gegen  i6oo  starb,  gedruckt  hat.  — 


No.  867. 

„PRO  II  SACBRDOTVM  ||  BAßBIS.  ||  Authore  Jo.Pierio  Valeriano.|| 

Prius   Romce   cum    Clementis    VII,    Pont,  ||  Max,    Priuüegio 

emiffus, 

PAEISIIS  l|  Apud   Andream    Wechelum,    /üb    Pega/o    in    vico 

Bellouaco,  ||  1558. 

Octav-Format 
Die  wichtige  Frage,   ob  die  Geistlichen  einen  Bart  tragen  sollen  oder  ni(^t,  hat 
schon  in  frühen  Zeiten  die  Gelehrten  beschäftigt ,  so  auch  in  dieser  kleinen  Schrift, 
die  sehr   dafür   ei|>rt.    Auf  dem  Titel  steht  das  Druckerzeichen  WechePs,  der  Pe- 
gasus. — 


1552  bie  1585, 

Adrien  Turnfebe  war  Professor  der  griechischen  Sprache  und 
wurde,  wie  wir  sicher  annehmen  dürfen,  nach  und  in  Folge  der 
Flucht  des  bisherigen  Königlichen  Typographen,  Robert  Etienne, 
im  Jahre  1552  zu  dessen  Nachfolger  ernannt,  denn  er  erscheint 
nicht  nur  in  eben  diesem  Jahre  in  verschiedenen  Druckwerken  mit 
diesem  Titel,  sondern  es  besagt  auch  ein  weiterer  Zusatz,  dass  er 
mit  Typen  der  Königlichen  Druckerei  gedruckt  habe.  — 


5^ 


No.  868. 

All.XYAOY\\  nPOMH0Er2  JE2MnTH2,  \\  EUTÄ 

Eni  &HBA12,  \\  nEP2Al,  ArAMEMNSiN,  || 

EYMEN1JE2,  II  1KETIJE2.  \\ 

PAEISnS  II  Ex  officina  Adriani  Turnebi  Typographi  Regij.  | 

M.  D.  LH.  II  TYPIS  REGUS." 

Octav-Format. 

Einer  der  ersten  Drucke   dieses  berühmten  Typographen ;  sehr  8ch5ne  A.uflgabe 

der   Tragödien  des  Aeschylos,  über  welche  man  Ebert  No.   187  vei^leichoa  möge. 

Die   kleinen    griechischen  Typen,  die  nach    dem  Zusätze  auf  dem  Titel  Eigenthum 


—    Paris.    — 


411 


der  Königlichen  Druckerei  in  Paris  waren,  sind  von  ausserordentlicher  Schönheit. 
Ueber  die  Geschichte  dieser  Schriften  hat  Faolmann  auf  Seite  289  einige  interessante 
Daten  zusammengestellt,  denen  wir  das  Folgende  entnehmen. 

Die  ersten  griechischen  Typen  verfertigte  in  Paris  der  Buchdrucker  Gilles 
Oourmont  auf  Kosten  Friedrich  Tissard's,  Professor^s  der  griechischen  Sprache  an 
der  Universität  zu  Paris  und  druckte  damit  1507  das  erste  griechische  Buch  „BißXos 

f}  yvooßovtxV"- 

„Aber  die  Typen  GourmonVs  standen  den  aldinischen  an  Schönheit  nach.  Daher 
gab  Franz  L,  welcher  wollte,  dass  Paris  Venedig  übertreffe,  dem  1588  zum  könig- 
lichen Typographen  für  Griechisch  ernannten  Konrad  Neobar  den  Auftrag,  auf 
Kosten  des  Königs  schönere  griechische  Typen  herzustellen.  Die  Zeichnungen  dazu 
lieferte  Ange  Yergere,  der  Kalligraph  des  Königs,  ein  geborner  Cretenser,  von  dessen 
Kunstfertigkeit  das  Sprichwort:  „er  schreibt  wie  ein  Engel"  herrühren  soll,  und 
Claude  Garamond  schnitt  die  Stempel.  Die  Typen  wurden  auf  9,  13  und  20  Punkte 
hergestellt.  Neobar  erlebte  die  Vollendung  nicht,  da  er  1540  starb.  Nach  seinem 
Tode  wurde  Robert  Etienne,  welcher  1589  zum  königlichen  Typographen  für  He- 
bräisch ernannt  worden  war,  auch  zum  königlichen  Typographen  für  Griechisch 
ernannt,  er  erhielt  die  Matrizen  zum  Giessen,  deren  Stempel  in  der  Chambres  des 
comptes  deponirt  waren  und  verwendete  1548  diese  typt  regit  oder  grecs  du  roi  zum 
Druck  von  Dionysius  Halicarnassensis  Werken.  Als  Robert  Etienne  später  nach 
Genf  floh,  nahm  er  die  Matrizen  und  Lettern  mit  und  Ludwig  XIII.  mussie  sie  um 
SOOO  Livres  zurückkaufen.'* 

Diesem  letzteren  Satze  steht  gegenüber,  dass  in  dem  vorliegenden  Drucke,  wie 
auf  dem  Titel  angegeben  ist,  ebenfalls  die  typi  regii  in  Anwendung  gekommen  sind. 
Es  war  nicht  möglich,  in  so  kurzer  Zeit  neue  Typen  zu  fertigen;  es  ist  daher 
zweifellos,  dass  es  dieselben  sind,  welche  Garamond  geschnitten,  und  wir  werden 
die  obige  Nachricht  dahin  einzusckränken  haben,  dass  Robert  Etienne,  wenn  diese 
griechischen  Typen  überhaupt ,  so  doch  nur  einen  Theil  davon  nach.  Genf  mitge- 
nommen haben  kann. 

Die  seltsame  Kunde  übrigens,  dass  Ludwig  XIII.,  der  doch  erst  50  Jahre  später 
das  Licht  der  Welt  erblickte,  diese  Schriften  zurückgekauft  haben  soll,  scheint  uns 
doch  noch  einer  näheren  Prüfung  zu  bedürfen.  Die  Quelle  dieser  Nachricht  ist 
leider  nicht  angegeben,  üebrigens  steht  damit  selbst  eine  andere  Notiz  Faulmann's 
auf  Seite  249  einigermassen  in  Widerspruch. 

Danach  nämlich  schickte  König  Heinrich  III.,  also  der  Sohn  Heinrich*s  IL,  unter 
dessen  Regierung  Robert  Etienne  mit  den  Typen  nach  Genf  geflohen  sein  soll ,  den 
Sohn  des  letzteren,  Heinrich  Etienne,  im  Jahre  1575  nach  der  Schweiz,  um  dort  seltene 
Bücher  und  Handschriften  zu  suchen ,  und  gab  ihm  eine  Pension  von  800  Livres 
für  die  Verdienste  um  den  Druck  schöner  griecliischer  und  lateinischer  Werke,  auch  gab 
er  ihm  ein  Geschenk  von  8000  Livres  für  sein  Werk  „Pr^cellence  du  langage". 

Es  scheint  nicht  recht  begreiflich,  dass  der  König  sich  dem  Sohne  des  Typen- 
raabers  so  gnädig  bewiesen  haben  soll,  der  noch  dazu  als  Erbe  seines  Vaters  damals 
noch  in  ungestörtem  Besitze  der  königlichen  Typen  hätte  gewesen  sein  müssen. 
Aber  auch  Heinrich  Etienne  war  bereits  lange  todt,  als  Ludwig  XIII.  geboren  wurde, 
der  demnach  nur  erst  von  Robertos  Enkel  Paul  Stephanus  jene  Typen  zurückgekauft 
haben  könnte.  In  den  circa  70  Jahren  aber,  die  dazwischen  liegen,  dürften  sich 
diese  Schriften  wohl  kaum  derart  erhalten  haben,  dass  sie  noch  8000  Livres  Werth 
gehabt  haben  sollen. 

Wir  werden  daher  die  ganze  Nachricht  von  dem  für  den  berühmten  Typo- 
graphen so  wenig  schmeichelhaften  Typenraube  dahingestellt  sein  lassen;  Jedenfalls 
aber  daran  festhalten,  dass  erweislich  im  Jahre  seiner  Flucht  1552  mit  den  könig- 
lichen Typen  von  Adrien  Turnebe  tveitergedrueht  worden' ist,  wie  die  vor- 
liegende Ausgabe  des  Aeschylos  und  die  nächste  Nummer  ebenfalls  beweisen.  — 


412 


—    Paris.    — 


Xo.  869. 

^20(P0KAE0Y2  II  TPArnJlAL  \\  A1A2 

MA2Tir0(P0P02.  II  HAEKTPA.  \\  01JinOY2 

TYPANN02.  II  ANTirONH.  \\  0Uin0Y2   EUl 

KOASiNn.  II  TPAXINIAI.  \\  mAOKTHTHX  \\ 

JHMHTPIOY  TOY  TP1KAINI0Y\\ 

Jleqi  (läTQwv  olg  IxqricaTO  2o(poxk^g,  \\  ax'rjfJf'Cct:(0Vy\\2x6Xia, 

II  TTPIS  EEGHS.  ||  PARISIIS,  M.  D.  LIH. 

Apud  Adrianum  Turnebum  typographum  Regium.'* 

Quart-Format. 
Ausgezeichnet  schone  und  seltene  Ausgabe  der  Tragödien  des  SophocUs  mit 
dem  Commentar  des  Lemetrius  TricUnitis,  von  Ebert  No.  21458  als  sehr  gesucht 
bezeichnet.  Der  Commentar  ist  mit  derselben  kleinen  Type  gedruckt  wie  die  vorige 
Nummer,  während  die  Tragödien  selbst  mit  einer  wesentlich  grösseren  Type  her- 
gestellt sind.  Letztere  enthalten  8  imgezählte  und  400  gezählte  Seiten ;  der  Commentar 
4  ungezählte,  148  gezählte  und  wieder  16  ungezählte  Seiten.  — 


€l)arle0  perier^ 

um  1555. 

No.  870. 

„PHILOSOPHO-IIRVM  QVAE    SVNT  ||  apvd  Ciceronem  dicta|| 

c^'  facta,  II  Parisiis.  ||  Apud  Carolum  Peri'er,   in  vico 

Bellouaco,  fuh  Beller ophonte,  ||  1555.** 

Duodez-Format. 
Diese  Saiunlung  der  bei  Cicero  vorkommenden  Stellen  über  die  alten  Philosophen 
ist  mit  einer  sehr  hübsehen  Nonpareille-Cursiv  gedruckt;  auf  dem  Titel  steht  das 
Druckerzeichen :  der  Bellerophon  auf  dem  Pegasus  die  Chimära  bekämpfend.    315  ge- 
zählte und  5  ungezählte  Seiten.  — 


um  1556. 

No.  871. 

„M.  T.  CICEEO-||nis  ad  M.  filium  de  Officiis  ||  LIBRI  TEBS,  [( 

. . .  PARISIIS  II  Ex  typographia  ThomiB  Richardi,  fuh  Bibliis  |; 

aureis,  i  regione  collegij  Remen/is,  |]  1556." 

Quart-Format. 
Dieser  Ausgabe   mit  Commentarien  von  Erasnms,  BehUmis,  Vitus  AmurhatK 
Franciscus  Maturaniius  und  Disquisitiones  von  Calcagninus  ist  von  den  Bibliogn^fecB 


—    Paris.    — 


4'3 


nicht  gekannt.  Sie  enthält  4  ungezählte,  256  gezählte  und  noch  13  ungezählte 
Blätter,  wovon  das  letzte  leer.  Der  Druck  ist  sehr  husch ;  hauptsächlich  bemerkens- 
werth  die  schöne  Nonpareille-Cursiv-Schrift  des  Commentar's.  Auf  dem  Titel  steht 
das  Druckeneichen.  — 


^ttiroenu»  parnua  ober  ^uboin  Pftit, 

1557. 

Dieser  Typograph  ist  wahrscheinlicli  ein  Sohn  des  berühmten 
Jean  Petit,  der  auch  unter  denselben  Zeichen,  der  goldenen  Lilie 
und  dem  silbernen  Löwen,  druckte.  — 


No.  8';2. 

„BEATISSIMI  flIP-i  POLYTI  EPISCOPI  ET  ||  martyris   oratio,    de 

Confumma- |tione  müdi,    ac   de   Antichrifto,    &  ||  Secundo 

aduentu  Domini   no-||ftri   Jefu   Chrifti,  ||  .  .  .  LuteiicB  Pari- 

fiorum^  M.  D.  LVII.  ||  Apud  Audoenum  Paruum  .  .  .** 

Octav-Format. 

Eine  griechische  Ausgabe  dieser  von  Johannes  Picus  herausgegebenen  Schrift 
des  Hippolyt  lernten  wir  bereits  unter  No.  869  kennen;  die  vorliegende  lateinische 
enthält  4  ungezählte  Blätter,  77  gezählte  Seiten  und  noch  1  ungezähltes  Blatt,  auf 
dem  nur  die  Worte  stehen :  ,Esto  fidelis  vsque  ad  morte,  &  da-  ||  bo  tibi  coronam 
vitae.    Apoc.  2."  — 


l^finrid)  ^itif\^mm  IT. 

1557  bi6  1569. 

Der  Sohn  des  Vorigen,  von  dessen  Berühmiheit  das  Wort 
gilt :  patre  excelso  filius  excelsior.  Wo  er  eigentlich  gedruckt  hat, 
ist  ungewiss,  da  er  seinen  Erzeugnissen  den  Ort  nicht  beisetzte. 
Man  könnte  annehmen,  dass  er  die  Druckerei  seines  Vaters  zu  Genf 
fortgesetzt  habe;  aber  er  soll  von  seinem  Vater,  der  m  Genf  zur 
reformirten  Kirche  übergetreten  war,  von  der  Erbschaft  ausgeschlossen 
worden  sein,  weil  er  katholisch  geworden. 

Auf  seinen  Drucken  nennt  er  sich  selbst  „Typograph  des  Herrn 
Ulrich  Fugger*'  und  jedenfalls  hat  er  auch  mit  den  Mitteln  dieses 
Protectors  sein  Geschäft  betrieben;  aber  ob  vielleicht  gar  zu  Augs- 
burg, dem  Wohnsitze  des  Fugger,  darüber  fehlt  alles  Urkundliche. 
Man  weiss  nur,  dass  er  nach  vielem  Unglück  und  spätem  Irrfahrten 
im  Krankenhause  zu  Lyon  sein  Leben  beschlossen  hat.  Vergleiche 
Falkenstein  Seite  244. 


414 


—    Paris.    — 


Wir  setzen  auch  den  Heinrich  Stephanus  des  Zusammenhangs 
wegen  unter  Paris,  da  die  berühmte  Familie  der  Etienne  dort 
ihren  Ursprung  hatte  und  ihren  grössten  Ruhm  entfaltete.  — 


No.  873. 
yy&ovxvdiSov    tS    OXoqov  \\   neql    tS    lleXoTiovvrjaiaxoi 
noXäfiov  II  ßißXia   oxro. .  ||  Thucydidis  Olori   filii  ||  de  hello 
Peloponnesiaco  ||  libri   octo.  ||  ANNO  M.  D.  LXUII  ||  Ex- 
cudebat  Henricus  Stephanus,  illuftris  viri  ||  Huldrichi  Fuggeri 

typographus." 

Folio-Format. 

Schone  griechische  Ausgabe  des  Thukydides  mit  dem  Commentar  des  Laurentius 
Valla.    Auf  dem  Titel  der  Oelbaum,  das  Druckerxeichen  der  Etienne.  — 


1560. 

No.  874. 

„CONFESSIO  II  CATHOLI-||C^  FIDEl  CHMSTIANA:  || . . . 
Defcriptore  D.  Sta-||niflao  Hofio  Epifcopo  Varmienfi.  || . . 
PAßISIIS,  II  Ex  officina  Jacobi  Puteani  e  regione  coUegij 
Cameracenfis,  fub  irifigni  Samaritanaß.  ||  1560." 

Octav-Format.     2  Theile  in  einem  Bande. 

Der  erste  Tbeil  enthält  28  ungezählte,  S05  gezählte  Blätter  und  ein  leeres;  der 
zweite  256  gezählte  und  12  ungezählte  Blätter.  Hübscher  Antiqua-Druck  eines  selten 
vorkommenden  Typographen.  — 


um  1563. 

No.  875. 

„OPTATI  AFRI,  II MILBYITANI  ||  EPISCOPI,  LIBRI  SEX  || 

De    fchifmate    Donatiftarum,  ||  Aduerfus    Parmenianum.  |j 
Multo    quam    ante    hac    emendatiores.  ||  Cum    prafatione 

Fr.  Balduini.  || 


—    Paris.    — 


415 


PAKISüS,  II  Apud  Claudium  Fremy,    via  Jacobsea,  ||  fub  in- 

figni  Diui  Martini.  ||  1563." 

Octav-Format, 

Cursiv-   und  Antiqua  -  Druck  yon  38  ungezählten,   94  gezahlten  und  2  leeren 
Blättern.  — 


dabrifl  f^mn^ 

1564. 

No.  876. 

,^BIANI  TVR-||nebi  Regij  philofophise  gr8e-||CJl  PROFESSORIS  |; 

ADYERSAEOEIVM,  ||  Tomus  primus  duodecim  lihros  continens ,  i; 

.  .  .  PARISIIS ,  II  Ex   officina   Gabrielis  Buonij\  in  clau/o 

Brunello,  ||  fub  figno  D,  Claudij,  ||  1564." 

Hoch   Quart-Format. 

Erste  seltene  Ausgabe  der  philologischen  Streitfragen  des  berühmten  Gelehrten 
und  Buchdruckers  Adrien  Turnehe.  Der  zweite  Theil  mit  Buch  13  bis  24  erschien 
1K65;  der  dritte  mit  Buch  25  bis  SO  erst  1578.  Der  obige  erste  Theil  enthält  4  un- 
gezählte, 240  gezählte  und  noch  18  ungezählte  Blätter.  Auf  dem  Titel  steht  das 
Druckerzeichen.  Zu  bemerken  sind  die  schönen  Initialen  in  der  Federzeichnungs- 
manier des  Oeoffroy  Torry.  Es  lässt  sich  gut  annehmen,  dass  der  berühmte  Typo- 
graph  Tumebe  seine  eigenen  Werke  wohl  nur  einem  ausgezeichneten  Fachgenossen 
zum  Druck  übergeben  habe;  und  in  der  That  ist  der  Antiqua-Druck  des  Werkes 
mit  grosser  Correctheit  und  Eleganz  ausgeführt  — 


Pi)iUpptt0  dalterua  loniUma^ 

1564. 

No.  877. 
„OBSEßVATIONTM  ||  DIYINI   ET   HY-HMANI  JVKIS   LIBER  L|| 
In  quo  explicantur.  L.  Dominico,  de  Specta-'jculis  in  Cod. 

Theod.  &  L.  Omnes  dies,  C.  de  ||  feriis  .  .  , 

PAßISnS,  ||ln    iEdibus   Rouillij,    via    Jacobaea,    fub  ||  figno 

Concordiae.  ||  1564.** 

Octav-Format. 

Verfasser  dieses  Commentar's  über  die  Terordnungen  des  Codex  Theedoeianus 
besüglich  öffentlicher  Schauspiele  an  Festtagen  ist  Bamabas  Brissomus.  Auf  dem 
Titel  befindet  sich  das  Druckerzeichen ;  auf  der  Rückseite  desselben  das  Privileg  für 
Ihilippus  Oalterus  RovillitM.    16  ungezählte  und  229  gesählte  Seiten.  — 


4l6  —    Paris.    — 

1579. 

No.  878. 
,,PARATITLA  |1  IN  LIBROS  IX.  ||  CODICIS  JVSTI-||niani   repetit« 

pr8e.||lectionis.  ||  OPVS  JAC.   CYIACH.  || . . .  PARISHS,  ||  Apud 

Sebaftianum  Niuellium,  fub  Ciconiis,  via  Jacobsea.  || 

M.  D.  LXXIX." 

Duodez-Format. 
Dieser  Commentar  zu    den  Institutionen  des  Justinian  ist  in  Cursiv-Sehrift  ge- 
druckt; er  enthalt  4S  ungezählte  und  784  gezahlte  Seiten.  — 


|Martitttt0  ^mms^ 

1582. 

No.  879. 
„De  re  grammatica  He-| 
BEAEORVM  OPVS  IN  GRATIAM  ||  STVDIOSORYM  LINGVAB  SANCTAB 
mcthodo    quam    facilima    confcriptum,  ||  Auetore    Johanne 

Quinquarboreo  Qurilacenfl,  .  .  . 
PARISnS,  II  Apud  Martinum  Juuenem,  via  S,  Joannis  Late-]; 

ranenfis  ad  infigne  Serpentis,  ||  1582.** 

Quart-Format. 
Diese  Grammatik  der  hebräischen  Sprache  langt  wie  hebräische  Bücher  rfick- 
wärts  an.  Auf  dem  Titel  steht  das  Druckerzeichen.  Sie  enthält  260  gezählte  Seiten 
und  als  Atihangf  zwar  mit  neuem  Titel,  aber  mit  der  Grammatik  tjpograpbiflrh 
zusammenhängend^  eine  Abhandlung  ,DE  NOTIS  HEBR^ORYM  LIBER',  welche 
noch  r6  gezählte  Seiten  umfasst.  — 


ilobcrt  CoMlombd, 

um  1583. 

No.  880. 
„LEX  SIX  COMEDIES  DE  |  j  TERENCE ,  CORRIGEES  EN  PRESQYB 

IKFINIS  ENDROITS.  Par  M.  Ant.  de  Mvret  ||  .  .  . 
A  PARIS  II  Pour  Robert  Coulombel,  rue  S.  Jean  ||  de  Latran. 

a  l'Alde.  II  1583. 

Sedez-Format; 
Ob  Coulombel  der  Drucker  dieser  üebersetzung  des  Terenz  ist,  dürfte  Zweifeln 
unterliegen,  vielmehr  scheint,    wenn   das  auf  dem  Titel  befindliche  Druckerteichen 


—    Paris.    — 


417 


der  Aldus  nicht  eine  blosse  Redame  ist,  die  Ausgabe  hiernach  eine  Ebtrt  unbekannt 
gebliebene  AMine  zu  sein ;  immerhin  tragt  sie  die  genaue  Adresse  des  Pariser  Unier- 
nehmers.  Der  Antiqua-  und  Cursiy- Druck  ist  sehr  schon.  8  ungezählte,  867  g«^- 
zählte  und  ein  leeres  Blatt.  — 


1.  Bernard.     De  l'origine  et  des  debuts  de  rimprimerie  en  Europe. 

2  parties.     Paris  1853. 

2.  Bemard.     Histoire  de  Timprimerie  royale  du  Louvre.     Paris  1867. 

3.  Biblioth^que   Nationale.     Departement  des   manuscrits,    chartes 

et  diplomes.     Departement   des  imprimes.     Notice  des  objets 
expos^s.     Paris  1878. 

4.  Biblioth^que  Patoise  de  M.  Burgaud  de  Marets.     Paris  1873. 

5.  Brunet.    Imprimeurs  imaginaires  et  libraires  snppos^s.   Paris  1866. 

6.  De  Bure.     Bibliographie  instnictive :  ou  traitd  de  la  connoissance 

des  livres  rares  et  singuliers.     7  tomes.     Paris  1763  ä  1768. 

7.  Chevillier.      L'origine    de    Timprimerie    de    Paris,    dissertation 

historique  et  critique.     Divis6e  en  quatre  parties,     Paris  1694. 

8.  Claudin.     Antiquit6s  typographiques  de  la  France.     Origines  de 

l'imprimerie  ä  Albi  en  Languedoc.     Paris  1880. 

9.  (Deschamps).    Dictionnaire  de  Geographie   ancienne  et  moderne 

par  un  biliophile.     Paris  1870. 

10.  Firmin-Didot.     Catalogue  des  livres  pr^cieux  .  .  .  Vente  a  l'hotel 

des  commissaires-priseurs.     Paris  1878  &  1879. 

11.  Firmin-Didot.     Histoire   de   la  typographie.     (Extrait  de  l'Ency- 

clopedie  moderne).     Paris  1882. 

12.  Histoire    de    i'invention    de    l'imprimerie    par    les    monuments. 

Paris  1840. 

13.  Mohr.     Des  impressions  microscopiques.     Paris  1879. 

14.  N6e   de   la  Rochelle.     Recherches    historiques   et  critiqnes   sur 

retablissement  de  l'arf  typographique  en  Espagne  et  en  Por- 
tugal.    Paris  1830. 

15.  De  Petity.     Encyclopedie  elementaire,  ou  introduction  ä  T^tude 

des  lettres,  des  sciences  et  des  arts.     3  tomes.     Paris  1767. 

NB.     Enthält  in  tome  III  die  Geschichte  der  Buchdruckerkunst,  ihre  technischen 
Kinrichtungen,  zahlreiche  Typen-Alphabete  und  dergleichen.  — 

16.  Catalogue  des  livres  de  la  Bibliotheque  de  feu  M.  le  duc  de  la 

Valliere.     3  tomes.     Paris  1783. 


27 


4i8 


—    Lübeck.    — 
—    Lubeca.    — 


Von  allen  Städten  Norddeutschlands  ist  die  alte  Hansestadt 
Lübeck  wohl  jedenfalls  die  erste,  welche  der  Einführung  des  Buch- 
druckes ihre  Mauern  geöffnet  hat.  Seit  neuerer  Zeit  geniesst  sie 
sogar  den  Ruf,  die  Typographie  bereits  im  Jahre  14:ßS  eingeführt  zu 
haben.  Allein  bei  genauerer  Prüfung  der  Quelle,  woher  diese  Nach- 
richt  stammt,   erweist  sich  leider  deren  gänzliche  Unzulänglichkeit. 

In  der  „Zeitschrift  des  Vereins  für  Lübeckische  Geschichte" 
Band  3  pag.  254  befindet  sich  ein  Aufsatz  des  Oberappellations- 
rathes  Dr.  Pauli  „Beiträge  zur  Geschichte  der  ersten  Buchdnickerei 
in  Lübeck".  Hier  lesen  wir  zunächst  eine  durch  Nichts  begründete 
höchst  unwahrscheinliche  Hypothese,  dass  Johann  Koelhoff  von 
Lübeck  vor  seinem  Auftreten  in  Cöln  um  1470  bereits  in  Lübeck 
Buchdrucker  gewesen  sein  soll.  Alsdann  fährt  der  Gelehrte  folgender- 
massen  fort: 

„Wie  dem  aber  auch  sei,  so  bestand  jedenfalls  schon  vor  dem 
Jahre  1470  in  Lübeck  eine  Buchdruckerei.  In  diesem  Jahre  näm- 
lich haben  zwei  hiesige  Bürger,  Cord  Hürlentann  und  Ambrosius 
Segeberg,  eine  Anzahl  verschiedener  gedruckter  Bücher:  2  Bibeln, 
15  Psalter  und  20  Canones  einem  Dritten  zur  Verkaufscommission 
nach  Riga  und  Reval  übergeben.  Ich  glaubte  anfangs ,  in  diesen 
beiden  Bürgern  Lübecker  Buchdrucker  zu  entdecken.  Denn  in  der 
ersten  Zeit  nach  der  Buchdruckerei  gab  es  noch  keinen  eigentlichen 
Buchhandel.  Nun  hat  zwar  aus  mehreren  Inscriptionen  des  Nieder- 
stadtbuches sich  ergeben,  dass  diess  nicht  Buchdrucker ,  sondern 
Kaufleute  waren  und  wenigstens  Ersterer,  der  Schwiegervater  des 
Letzteren,  ein  nicht  unbedeutender.  AUein  €8  hommt  nicht 
viel  darauf  an,^^ 

Mit  diesem  bedeutungsvollen  Nachsatze  glauben  wir  das  Excerpt 
dieser  „Studie*"  schliessen  zu  dürfen  und  können  dem  Leser  selbst 
das  Urtheil  über  den  Werth  solcher  Untersuchungen  überlassen, 
nach  welchen  von  der  festgestellten  Jahr  zahl  IdtOS  für  die  Ein- 
führung der  Buchdruckerkunst  in  Lübeck  also  gar  keine  Rede  sein 
kann,  obgleich  Herr  Dr.  v.  d.  Linde  auf  Seite  109  seines  „Gutenberg" 
in  Folge  jener  Nachricht  die  Jahrzahl  1408  acceptirt  hat. 

Immerhin  sind  auch  wir  der  Ansicht,  dass  schon  ziemlich  lange 
vor   dem  ersten  datirten  Drucke  Lübeck's  „Epithoma  Historiarum 


—   Lübeck.    —  AiQ 

ac  Chronicarum  dictum:  Rudimentum  Noviciorum"  von  Lucas 
Brandts  14:7 5^  in  Lübeck  gedruckt  sein  wird,  denn  das  genannte. 
Prachtwerk  zeigt  die  typographische  Kunst  schon  in  einer  solchen 
Vollkommenheit,  dass  es  unmöglich  als  Erstlingswerk  dieses  Druckers 
gelten  kann.  Wir  glauben  auch  nicht,  dass  Norddeutschland  sich 
so  lange  dem  Eingange  der  herrlichen  Kunst  verschlossen  haben 
sollte  und  sind  überzeugt,  dass  mindestens  schon  vom  Jahre  14:70 
ab  in  der  alten  Hansestadt  die  Kunst  geübt  sein  wird. 

Wir  glauben  daher,  wenn  auch  immerhin  hypothetisch,  mit 
Lübeck  die  chronologische  Reihe  der  frühesten  18  Druckorte  von 
14Ö0  bis  1470  abschliessen  zu  dürfen,  zumal  für  Hollands 
dessen  früheste  typographische  Leistungen  wir  weiterhin  ebenfalls 
besprechen  wollen,  wenigstens  keine  authentischen  Beweisstücke 
vorliegen,  die  uns  auch  dort  mit  Sicherheit  bis  zum  Jahre  1470 
zurückgeleiten,  — 


1474  bi«  1499. 

Dieser  Typograph  kommt  1473  schon  in  Merseburg  vor  und 
nennt  sich  dort  aus  Delczsch  =  Delitzsch  gebürtig.  In  dem  ersten 
datirten  Lübecker  Drucke,  dem  Rudimentum  noviciorum  von  1475, 
heisst  er  aber  Lucas  Brandts  de  Schasz,  worunter  man  sich  freilich 
schwer  Etwas  denken  kann.  Bodemann  in  seinen  „Incunabeln  der 
Königl.  Bibliothek  zu  Hannover"  1866  pag.  33  substituirt  einen 
Druckfehler:  Schasz  für  Sachsen. 

Wenn  wir  übrigens  annehmen,  dass  Lucas  Brandis  in  Lübeck 
derselbe  Typograph  sei,  dessen  Name  schon  in  Merseburg  vor- 
kommt,, so  darf  er  jedenfalls  nur  als  der  erste  bekannte  Lübecker 
Typograph  bezeichnet  werden,  vor  welchem  schon  um  1470  in 
Lübeck  vielleicht  eine  Klosterdruckerei  thätig  war,  die  keine  Firma 
führte  und  deren  typographische  Erzeugnisse  entweder  ganz  ver- 
schwunden sind,  oder  noch  unentdeckt  und  unbezeichnet  in  grossem 
Bibliotheken  ruhen.  Nachstehendes  dürfte  wohl  der  früheste 
bekannte  Lübecker  Druck  sein.  — 


No.  881. 

;iot)attiUfi  be  aum crr mata :  ,,«yp0(itia  fuper  tota  Pfalterio**, 

Lttbeck,  Lucas  Brandis,  circa  1474:.     Klein  Folio-Format. 

Diese  eminent  seltene  Ausgabe  wird  von  Panzer  nach  Seelen  kurz  citirt,  und 
Hain  No.  15694  schrieb  Panzer  nach;  aber  kein  Bibliograph  hat  sie  selbst  gesehen, 
und  keiner  hat  daher  feststellen  können,  dass  sie  ein  Druck  von  iMcas  Brandis   ist, 

27* 


420 


—    Lübeck.    — 


der  mit  demselben  Typon  die  „Rudimenta  novitiorum"  von  1475  druckte.  Aus  der 
Beschaffenheit  dieses  ohne  Druckfirma  und  Jahrzahl  erschienenen  Buches  kann  m&n 
im  Vergleiche  su  dem  genannten  ersten  datirten  Drucke  bestinmit  annehmen,  dass 
es  dem  letsteren  im  Drucke  vorangegangen  und  daher  jedenfalls  schon  im  Jahre  1474 
herausgekommen  ist,  falla  Lucas  Brandis  vielleicht  in  Merseburg  und  Lübeck  su« 
li^leich  gedruckt  hat. 

Eine  Eigenthümlichkeit  dieses  Druckes  ist,  dass  die  Anfangsworte  eines  Jeden 
Psalms  ganz  aus  Majuskeln  gesetzt  sind.  Die  Ausgabe  hat  202  Blätter,  in  88  Zeilen 
gedruckt.  Die  Schlussschrift  auf  Seite  802  rccto  lautet:  tteiierenbiffilni  carbinolU 
titali  fancti  ^irti  hm  ioiian- 1|  nis  be  Surrecremata !  ec^iofitio  bresis  d  Otitis  fnprr  to  il 
to  pfalterto  €iibec  imi»reffo.''    Blatt  202  verso  ist  leer.  — 


1487  big  1519. 

Wir  haben  unter  Foligno  die  drei  Buchdrucker- Gehilfen  erwähnt,, 
mit  denen  Johann  Numeister  dort  seine  Druckerei  betrieb,  und  die 
im  Jahre  1473  nach  Perugia  berufen  wurden,  wo  sie  die  erste 
Druckerei  unter  Leitung  von  Johann  Vydenasi,  dem  Director  der 
Universität  zu  Perugia,  begründeten.  Die  von  Claudin  in  seinen 
„Antiquit6s  typographiques"  pag.  51  veröffentlichten  Untersuchungen 
überlieferten  uns  durch  eine  Prozessurkunde  die  Namen  dieser  drei 
Typograpben,  von  denen  der  erste  sich  Stepkanus  de  Moguntia  nannte. 
In  Frezzi  „II  Quadriregio"  Perugia  1481  (Hain  No.  7362)  nennt 
sich  der  Drucker  dieses  Werkes:  „Steffanus  'arns  almano" ;  in 
Francisd  de  Assisio  „Vita  e  Fioretti'*  von  demselben  Jahre  (Hain 
No.  7326)  ist  als  Drucker  abermals  verschieden  „Steffanus  Arns  de 
Hamborch"  genannt. 

Dies  schliesst  jedoch  die  Möglichkeit  noch  nicht  aus,  dass 
dieser  und  Stephanus  de  Moguntia  Eine  Person  seien,  denn  er 
könnte  in  Hamburg  geboren  sein  und  in  Mainz  die  Buchdrucker- 
kunst  erlernt  haben.  Natürlich  lässt  sich  dies  nicht  bestimmt  be- 
haupten. Nach  Deschamps  „Dictionnaire  de  g6ographie''  coL  1014 
soll  sich  derselbe  Stephan  Arns  an  anderer  Stelle  „van  Aschaffen- 
bürg**  genannt  und  sich  1481  mit  zwei  andern  Deutschen,  Paul 
und  Thomas  Berard  de  Büren,  associirt  haben;  leider  ist  aber 
weder  für  das  Eine  noch  für  das  Andere  ein  Beleg  angeführt. 

Im  Jahre  i486  erscheint  derselbe  Mann  in  Schleswig,  wo  er 
ein  Missale  druckte,  und  im  Jahre  darauf  beginnt  er  seine  Thätig- 
keit  in  Lübeck,  die  bis  1519  —  nicht  1500,  wie  Falkenstein,  und 
auch  nicht  1515,  wie  Dr.  Pauli  angiebt  —  dauert,  denn  nach  Panzer's 
Zusätzen  No.  967  c  erschien  von  ihm  15 19  noch  »»Der  Schapherders 
Kalender" ;  alsdann  in  demselben  Jahre  von  seinem  Sohne  Hans 
Arndes  „Ein  nyge  Calender",   und   15  20   „in  seel.  Steffen  Arndts 


—    Lübeck.    —  421 

nagelatenen  Druckerye*'  eine  zweite  Ausgabe  des  schon  1492  von 
ihm  gedruckten  „Gharde  der  Suntheit**,  Man  vergleiche  auch 
<jesner-Suhl  „Verzeichniss  der  von  1500 — 1520  gedruckten,  auf  der 
Bibliothek  zu  Lübeck  befindlichen  Schriften**  Seite  87  No.  697  und 
Seite  88  No.  703. 

Eine  seltsame  Entdeckung  machte  von  diesem  Stephan  Arndes 
Herr  Oberapellationsrath  Dr.  Pauli  in  seiner  vorerwähnten  Schrift- 
Nämlich  an  eine  Aeusserung  Lappenher g" s  anknüpfend ,  der  diesen 
Typographen  „einen  Mann  von  ungewöhnlichen  Gaben  und  That- 
kraft**  nennt,  kommt  er  auf  Seite  260  zu  der  Betrachtung,  es  könne 
dies  nur  auf  .Gnmd  von  Steffen  Arndes  Buch  ,yDe  ghenoglike  Gharde 
der  Suntheit"  geschehen  sein,  „denn  in  seiner  eigenen  eigenthümlichen 
Vorrede  dieses  Buches  sage  er,  etc." 

Der  Verfasser  citirt  nun  die  bekannte  Vorrede  des  Werkes, 
welche  man  auch  in  der  ersten  Schaff er^ sehen  Ausgabe  von  1485 
unter  Nr.  41  unserer  Sammlung  nachlesen  kann,  und  sagt  darauf: 
,,Hier  sind  seine  Gaben  und  Thatkraft ,  sein  Buch  ist  erschienen 
1492.  Wann  er  seine  Reise  gemacht  hat,  sagt  er  uns  nicht.  Es 
kann  aber  nur  sein  in  einem  der  Jahre,  in  welchem  er,  soviel  wir 
wissen,  hier  keine  andern  Bücher  hat  drucken  lassen,  also  zwischen 
1489  und  1491,  oder  genau  dem  10.  Februar  1492." 

Zwar  ist  die  Wissenschaft  darüber  einig,  dass  der  Autor  jener 
bekannten  Vorrede  im  Hortus  sanitatis  oder  Garten  der  Gesundheit, 
Mainz  1485,  kein  anderer  als  Bernhard  von  Breydenbach,  und  dass 
die  darin  erwähnte  Reise  dessen  berühmte  Fahrt  nach  dem  heiligen 
Grabe  zu  Jerusalem  ist,  deren  Beschreibung  i486  ebenfalls  zu 
Mainz  (No.  42  &  43  unserer  Sammlung)  im  Druck  erschien,  während 
die  Lübecker  Ausgabe  des  „Gharde  der  Suntheit'^  nur  eine  nieder- 
sächsische  Uebersetzung  des  Mainzer  Originales  ist,  worin  auch  die 
bekannte  Vorrede  mit  übergegangen  ist.  ^^AUeifi  €8  kommt 
nicht  viel  darauf  aiu^^  Vergleiche  Seite  418,  Zeile  11  von 
unten.  — 

No.  882. 

^i^t  ISibltc  mit  Dlitigl^er  ad)ttngl)e:  red)t  na  beme  lattuc 
in  bttbcfck  amr^l^rrettet  ||  |lltt  Dorlttd)ttn9i)e  unbe  glofe:  bre 
l)od)-||9^eUi:bm  .^oßtUatoera  Uicolai  be  Ipra  ||  Snbe  anberrr 

DcUn  l^iUigl^en  boctorcn.'^ 

Lübeck^  Steffen  Arndes,  1494*     Gross  Folio-Format. 

Es  ist  dies  die  zweite  Bibel  in  Niedersächsischem  Dialekte;  eine  nicht  geringere 
Seltenheit  als  die  erste  „Colner  Bibel*',  die  wir  unter  No.  342  angeführt  haben. 
Bezäglich  des  Dialektes  sind   beide  Bibeln  jedoch  dadurch  noch  verschieden,  dass 


^^^22  —    Lübeck.    — 

bi«r  cum  ersten  Male  das  reine  yiedersächitische  erseheint,  während  in  der  Cöloer 
Kibel  das  sogenannte  Cölner  Niederdeutsch,  eine  Mischung  des  niedersachsiscben  mit 
dem  ntederländischen  Dialekte  vorherrscht. 

Tn  Ooezen's  „Historie  der  Niedersnchsischen  Bibeln"  ist  diese  Ausgabe  in  Jeder 
Beziehung  erschöpfend  besehrieben  vrorden.  Dies  gilt  anoh  besonders  von  den 
interessanten  Holzschnitten,  wozu  vrir  nur  noch  die  Atisahl  deraelben,  ISO,  hinxo- 
setzen.  Die  Tyi>en,  mit  denen  der  Text  gedruckt  ist,  nennen  vrir  mcht  goGns^,  wie 
Herr  Pastor  Goeze,  sondern  Schtcahacher. 

Die  Einfaltigkeit  der  Glossen,  welche  mit  dem  Texte  fortlaufend  gedruckt  und 
nur  durch  Zeichen  unterschieden  sind,  ist  nicht  erst  dieser  Ausgabe  zur  Last  zu 
legen,  sondern  anf  die  älteren  Glossatoren,  besonders  Lyra  und  S.  Victor,  zurück  zu- 
führen, die  hier  lediglich  fibersetzt  sind.    Wenn  es  I.  Mose  S,  Vers  16  zu  der  Stelle: 

„t>n  ^e   fd7all   aUCr  by  ^Crfd70VC''  (und  er  soU  dein  Herr   sein)  heisst:  „?DV 

Vafem  tO  Vyn^&lj^nbZ  Vn  tO  fläfce"  (Dich  oft  zu  peinigen  und  zu  schlagen), 
HO  ist  diese  geistvolle  Erklärung  nur  Uebersetzung  einer  bezüglichen  Glosse  des 
Hugo  8.  Victor,  wie  auch  Seelen  in  „Selecta  Litteraria"  pag«  242  bereits  ang^e- 
merkt  kat. 

Diese  Lübecker  Bibel  ist  das  Hauptwerk  des  Druckers  Steffen  Arndes  und  g«>- 
hört  besonders  in  completen  Exemplaren,  wie  das  unsrige,  zu  den  grossten  Selten- 
heiten. — 


(irarg  lltdiolf 

druckte   vom  Ende    des    15.  Jahrhunderts  bis  weit  in  das  16.  Jahr- 
hundert; späterhin  setzte  seine  Wittwe  das  Geschäft  fort.  — 


No.  883. 

„35on  bem  ©tein  ||  On  tjenbe  üom  Serge  geriffert:  || 

JESV CHRISTO. ÜÜOCTOR JOANNES IIDRAC0NITB8.  |..."  AmSdüusse. 

,,<Beferud?t  feur*  (Bcorgen  Xi*oIff:  M.  D.  XLIX." 

Folio-Format. 

10  Blätter.  Seltene  Schrift  des  Reformators  Brach  aus  Carlstadt,  der  sich  latinisirt 
Draconites  nannte.  Das  seltene  Werkchen  ist  bei  uns  mit  den  nachfolgenden  btiden 
zusammengebunden.  — 

No.  884. 

„SSon  ben  furftet)ern  ||  ®te  griebe  leren.  || 

DOCTOR    JOANNES  ||  DRACONITES.  ||  .   .  ."      Am  Schlüsse: 

,,(Btbx\xöit  feurd)  (Beorgen  Xicbolff :  1|  M.  D.  L." 

Folio-Format. 

8  Blatter.     Selten  wie  alle  Schriften  dieses  verdienten  Reformators. 


—    Lübeck.    —  A2'X 

No.  885. 

„»on  bf«  3lttntfd)en  ||  5'0nf :    ;9fftt  €ljri|lo.  || 

DOCTOR  JOANNES  ||  DRACONITES.  ||  .  .  ."      Am  Schlüsse: 

„(Btbnxöit  brxxd)  (Beorgcn  Kic^^olff:  ||  M.  D.  L." 

Folio-Format. 

8  lilattor.    Klienso  selten  wie  die  beiden  vorigeD  Schriften  desselben  Autors.  — 


Jiol)ann  |iall)orn^ 

1531  bis  1599. 

Dieser  sprüchwörtlich  bekannte  Typograph  erlangte  seine  Be- 
rühmtheit dadurch,  dass  er  ein  ABC-Buch  herausgab,  auf  dessen 
Titel  gedruckt  stand  „vermehrt  und  verbessert  durch  Johann  Bal- 
horn**,  während  die  Vermehrung  in  nichts  Anderem  als  in  den 
Doppelbuchstaben  fF,  11,  ss,  tt,  bestand;  die  Verbesserung  dagegen 
darin,  dass  er  das  bis  dahin  übliche  Bild  eines  gespornten  Hahnes 
in  das  eines  ungespornten  verwandelte,  dem  ein  Paar  Eier  zur 
Seite  liegen.  — 

No.  886. 

„SSon  bcm  3cic()cn  ||  2)er  Stimmten.  ||  Sefu  ß^rifto.  || 

DOCTOR  JOANNES  |1  DRACONITES.  ||  .  .  ."      Am  Schlüsse: 

„®efd)rie6en   ju   Sübecf.     ÜR.   ®.   XLIX.  ||  «rtrurkt   ju 

ITubrdi :  burd)  f|  Jf oan  1@all)0rn*'. 

Folio-Format. 

10  Blätter.    Selten   wie   alle  Schriften  dieses  Reformators.    Ist  bei  uns  mit  den 
nächstfolgenden  drei  Pi^cen  zusammengebunden.  — 


No.  887. 

,,aSom  (äuangcüfc^en  ||  ^ßrebig  2(mpt  Sefu  Sijriftt  || 

DOCTOR  JOANNES  ||  DRACONITES.  ||  .  .  .''      Am  Schlüsse: 

,®cfd)rteben  ju  Stibed.    3».  ®.  XLIX.  ||  ©ebxudt  buxcli 

3o{)ann  S5alt)orn." 

Folio-Format. 

vS  Blätter.     Auf   der  BiiokKeite  des  letzten  Blattes  befindet  sich  das  Portrait  des 
Verfassers  in  Holzschnitt.  — 


424 


—    Lübeck.    — 


No.  888. 

,SJon  ber  ©tat  ||  SSnfcr^  (Sottet.  || 

DOOTOR  JOANNES  ||  DRAGONITES.  H  . . .''     Am  sehius««: 

„(Befd^rieben  5U  tftbcd?.  M.  D.  L.  ||  ©ebrucft  burd^  3oamt 

S5aU)ont.'' 

Folio-Format. 
EiD  nur  6  Hlätter  ätarkes  sehr  selteDes  Werkchon.  — 


No.  889. 

„SJon  bem  (Seift  ||  S)er  gnaben  t)nb  bc^  gebettet:  || 

JESV  CHRISTI.  II  DOCTOR  JOANNES  ||  DßACONITES.||..."  AmSchiuBse: 

„®ef daneben   ju   Sübed.     2».  ®.  S.  ||  ®cbrudt   burc^  I! 

Folio-Format. 

8  Blatter  starkes  und  selten  vorkommendes  Balliurn^scbes  Druokverk.  — 


No.  890. 

„Sird^en  Dxbnung,  ||  SSitfer  t)on  ||  ®ottcc^  gitabcn,  gran^eii 

^er^ogen  ju  ©adifen,  ©itgern  ||  ünb  SBcftpl^alcn  ...    ©c- 

brudEt  in   ber  Äc^ferltd^cn  freien  ||  9icid^§  ©tabt  Sübecf, 

tnxä)  II  Solian  »al^orn.  ||  Anno  M.  D.  LXXXV." 

Quart-Format. 

YI  und  278  Blätter,  davon  das  letzte  leer.    Auf  der  Rückseite  des  Titels  befindet 
sich  das  schöne  Holzscbnltt-Portrait  des  Herzogs  Franz.  — 


No.  891. 

„Der  Äa^f erliefen  II  gre^en  önb  beS  ^eiligen  Stcic^ö*, 
@tabt  2nhed  Statuta  unb  ||  ©tabt  Siedet.  || . .  .  ©ebrurft 
51t  SübedE,  burc^  3o==j|I|an  S3aII|orn,  im  Scir  nad^  ||  ßfjrifti 

©eburt,  II  1586. " 

Quart-Format. 

l'hithält  13*3  ungezählte  Blätter  und  ist  mit  Frakturscfarift  gedruckt.  — 


1534. 

Dieser   Drucker   ist   derselbe,    welcher  von   1509   ab  schon  in 
Rostock  druckte  und  nach  dem  Drucke  der  schönen  Nie  der  sächsischen 


—    Lübeck.    — 


425 


Lutherbibel,    den    er  in  Lübeck   besorgte,    wieder   dorthin   zurück- 
gewandert ist,  wo  er  1559  gestorben. 

In  der  Nachrede  eines  daselbst  um  1548  bis  1553  gedruckten 
Nie  der  sächsischen  Testamentes  meldet  er  selbst,  dass  er  den  Druck 
dieses  Buches  deshalb  nicht  früher  habe  beenden  können,  weil  er 
inzwischen  vom  Könige  von  Dänemark  berufen  worden  sei,  um  für 
ihn  3000  Bibeln  in  dänischer  Sprache  zu  drucken,  und  dass  er  erst 
nach  seiner  Rückkehr  jenes  Neue  Testament  wieder  in  die  Hand 
genommen  und  den  Druck  vollendet  habe.  — 


No.  892. 

^^Öc  $iblie  ||  Btl)  bcr  öllrjgin-l  ge  ^octoris  IWar-||tmi 
fi\xt\)tx^  jm  byx\)  fcftöcfd^c  ||  vliticb  t)t^?gcfettct,  mit 
fun*||feergcn  l>n^errid)tingen,  ||  alfc  men  fcen  mad)^  || 
3nn  fccr  EcyferliBcn  &t(ibt  Cfibe*  i|  hy  €u6owid) 
JDicg  gefcriid?ct»  ||  M.  D.  XXXllI/*    Am  Ende:  1534. 

Gross   Folio-Format. 

Es  ist  dies  die  erste  Niedersächsische  Bibel,  welche  nach  Luther's  hochdeutsche^' 
l'ebersetzung  bearbeitet  and  gedruckt  wurde.  In  der  Gesanunt-Reihe  der  Nieder- 
sachsischen ist  es  die  vierte,  da  ihr  die  Cölner  von  circa  1476  (No.  342),  die 
Lübecker  von  1494  (No.  882)  und  die  Halbendndter  von  1.522  vorausgingen. 

Diese  niedersächsische  Uebcrsetzung  erschien  selbst  noch  früher,  als  die  erste 
Original  -  Gesammt  -  Ausgabe  der  hochdeutschen  y^Luüier-Bibel'^  von  Hans  Lufft  in 
Wittenberg  1534,  da  schon  je  nach  Erscheinen  der  einzelnen  Theile  des  Originales 
um  1523  bis  1524  die  Uebci'setzungen  gefertigt  wurden,  und  nachdem  auch  der  ver- 
zögerte letzte  Theil,  die  Propheten,  um  1582  herauskamen,  zur  rüstigen  Vollendung 
des  Ganzen  geschritten  wurde. 

Die  Ausstattung  dieser  Bibel  ist  eine  vorzügliche.  l>te  Typen  des  Textes  sind 
Schwabacher  von  ausserordentlicher  Schönheit  und  ebenso  schon  die  meisterhaften 
Holzschnitte,  deren  Urheber  erst  Wiechmann-Kadow  W58  in  Erhard  Altdorffer, 
Hofmaler  des  Herzogs  Heinrich  des  Friedfertigen  von  Mecklenburg,  festgestellt  hat, 
worüber  des  Verfassers  interessante  Schrift:  y^Dte  wecklenhitryisdien  Formschneider 
des  16.  Jahrhunderts'^,  Schwerin  1848,  erschöpfende  Auskunft  giebt. 

Die  Anzahl  der  Holzschnitte,  welche  noch  nirgends  angemerkt  wurde,  betragt  81, 
von  denen  4  blattgrosse  sind.  Auch  ist  zu  erwähnen,  dass  In  diesen  Holzschnitten 
fast  gar  keine  Wiederholungen  vorkommen,  sondern  nur  der  Titelholzschnitt  des 
alten  Testamentes  ein  zweites  Mal  beim  neuen  Testamente  erscheint,  im  Uebrigen 
aber  Jede  Darstellung  eine  neue  ist.  Dieser  Umstand  unterscheidet  den  Bilder- 
schmuck der  vorliegenden  Bibel  auf  das  Vorth eilhafteste  von  den  meisten  andern 
Holzscbnittwerken  jener  Zeit,  in  denen  bis  zur  Ermüdung  immer  dieselben  Dar- 
stellungen für  die  verschiedensten  Begebenheiten  wiederkehren. 

Im  Uebrigen  hat  auch  diese  Bibel  Herr  Pastor  Goeze  so  au.sführlich  beschrieben, 
dass  wir  uns  an  dem  Gesagten  genügen  lassen  können  und  nur  noch  ihrer  grossen 
Seltenheit  Erwähnung  thun ,  welche  derjenigen  der  Lübecker  Bibel  von  1494  wenig 
nachsteht,  während  sie  an  Schönheit  und  Kunstwerth  jene  noch  bei  Weitem  überragt.— 


126  —      Nachträge.     — 

!lad)träge 

5u  ITTains,  »ainberg,  Straßburg,  C5In,  Korn,  »afci, 
2Cug6burg,  TDeticWg,  Ulm  nnb  »cromÄnflcr* 

No.  893. 

„^uguflmi  bf  urrar  Bitar  cognitianr." 

Mäinz^  Fust  &  Schoeffer,  circa  1460.     Quart-Format. 

Hothst  soltene  Cimelie,  mit  der  Durandtistype  aber  unvollkomwener  als  <1m 
Batiomile  Ton  1459  gedruckt,  daher  vielleicht  noch  älter  als  das  letztere.  Diese 
kostbare  Cimolie  wird  durch  9  lateinische  Verse  eingeleitet;  und  offenbar  ist  es  einer 
der  Herren  von  der  Gesellschaft  Fust  &  Schoeffer  selbst,  der  hier  den  Pegasus  reitet, 
denn  es  heisst  darin:  , Vater  Augustinl  Wie  ein  Adler  strebst  Du  mit  den  Geistes- 
fli'igeln  des  Johannes  zu  dem  im  Himmel  Ilochverborgenen,  u-oher  Du  leuchtend 
kommst.  Da  offenbarst  den  Zweifelnden  das  Licht,  welches  ich  darauf  durch  dts 
Buch  beständig  mache." 

Am  Schlüsse  steht  djis  rothe  Fust  &  Schoeffer'sche  Drucker  zeichen  ohne  Firini 
und  Datirung.  Hain  No.  2092.  Einband  von  hellem  Saffianleder  mit  echtem  Silber- 
beschläge.  — 

No.  894. 

3Florentttt0  J)arlfmiMs:  ,,.9fr  ftd)fr  ;3n9an5  her  l)5mrl". 

Mainz^  Peter  Schoeffer,  wohl  1466*     Quart-Format. 

Dieser  neiuHte  bibliographische  Fund  gehört  in  der  That  zu  den  interessantesten 
Erscheinungen  auf  dem  (Gebiete  älterer  Literatur.  Es  ist  das  erste  in  deutseher 
Sprache  »tt  Main»  gedruckte  wirhUche  Buch,  und  das  ttntfangreiehsU 
deutsche  I>ruehwerk  seit  der  Erfindung  der  Buchdmckerkunst.  Der  Umstand, 
dass  es  weder  die  Firma  Fust  &  Schoeffer y  noch  Feter  Sdhoeffer  allein  trägt,  während 
doch  der  Letztere  nach  Fust's  Tode  1466  seine  Drucke  regelmässig  mit  seinem 
alleinigen  Namen  bezeichnet,  legt  die  Vermnthung  nahe,  dass  die  Vollendung  des 
Druckes  in  die  Zeit  ßllt,  wo  die  Nachricht  ron  Fust's  Tode  zwar  von  Paris  gemeldet, 
die  neue  Firma  aber  noch  nicht  festgestellt  war.  .Allen  Forschungen  nach  dürfte 
dieser  Bibliothekschatz  ersten  Ranges  wohl  I7n<ct<fn  sein. 

Das  Buch  ist  bisher  von  keinem  Bibliographen  gesehen  worden.  Panzer  hat  es 
in  den  Zusätzen  Seite  8,  No.  39  d,  nach  einer  Notiz  in  der  „Allgemeinen  deutschen 
Bibliothek*  Band  93,  Seite  ^35  angezeigt,  wo  aber  seinen  Ursprung  nichts  gesagt  ist 
Hain  No.  9185  hat  Panzer  nur  copirt.  Jedenfalls  wurde  das  Buch  früher  einmal  im 
Kloster  Buxheim  gesehen,  woher  das  Exemplar  auch  stammt. 

Die  Type,  mit  welcher  das  Werk  gedruckt  ist,  erscheint  zuerst  im  zweiten  Theile 
der  nGrammatica  rhytmica**  von  1468;  später  häufiger.  Es  ist  die  Schoeffer'sche 
Patdus-Type.  Den  Inhalt  machen  116  Blätter  aus, «wovon  das  letzte  leer  ist  Die 
Zeilenzahl  variirt  zwischen  29  nnd  SO. 

Die  unvollkommene  Technik  des  Druckes,  ungleiche  Länge  der  Zeilen,  schlecht 
gehaltenes  Register  machen  es  wahrscheinlich,  dass  der  Druck  älter  als  die  Qram- 
tnatica  von  1468  ist  nnd  da  man  zudem  auch  annehmen  kann,  dass  Schöffer  eine  neue 
Typa  eher  für  ein  so  umfangreiches  Buch,  als  für  die  kleine  Grammatica  wird  an- 
geschafft haben.  Dafür  spricht  auch  der  Umstand,  dass  darin  Ligaturen,  %.  B.  (fj,  vor- 
kommen, die  im  Latein  niemals  erscheinen.    Ebenso  die  Buchstaben  K,  n  und  lu 

Auf  dem  ersten  Blatte  befindet  sich  eine  Inschrift,  wonach  das  Kloster  Pmell 
bei  Regensburg    eine    lateinische    Uehersetzung   davon   besass,    welche    Loureniius 


—    Nachträge.     —  ^j 

Surius,  der  den  Tauler  in's  Deutsche  übertrug,  gefertigt  hatte.  In  dieser  Inschrift 
wird  auch  der  Name  des  Verfassers  Florentius  Harleniius  genannt.  Das  Interes- 
santeste an  dem  ganzen  Werke  aber  ist  die  Sprache,  in  der  es  geschrieben  ist.  Sie 
bildet  in  ihrem  Gemisch  von  Hochdeutsch  und  Niederdeutsch  eine  der  auflälligsten 
linguistischen  Krscheinungen.  Man  wird  diese  mit  der  Abstammung  des  Verfassers, 
der  offenbar  ein  Niederländer  -war,  in  Verbindung  bringen  dürfen.  So  ist  denn  dieses 
Werk,  das  man  nach  seinem  Inhalte  zur  Literatur  der  Erbauungsbücher  zahlen 
darf,  die  in  Jeder  Beziehung  tvlehtigste  Entdtehung ^  welche  auf  dem  Gebiete 
alter  Druekdenkmäler  wohl  seit  Jahrzehnten  gemacht  wurde.  — 


No.  895. 

€lemcntt9  V.  ^^€ort|lituttonr0*S 

Mainz^  Peter  SchoefFer,  1467*     Folio-Format, 

Von  dieser  Seltenheit  ersten  Ranges  besitzen  wir  ein  prachtvolles  Pergament- 
Exemplar.  Es  ist  die  zweite  Ausgabe  der  «Clementinen*,  welche  mit  denselben 
Typen  gedruckt  ist,  wie  die  erste  von  1460,  nämlich  der  Text  mit  der  Clemenstype 
oder  Bibeltype  von  1462,  die  Glossen  mit  der  Durandustype.  Hain  No.  5411.  — 
Prachteinband  mit  Deckeln  von  verschiedenfarbigen  Holzarten  zusammengesetzt,  die 
dunkeln  Ränder  von  zweitausendjährigem  Bichenholze,  das  ehemals  als  Fundament 
der  alten  Römerbrücke  zu  Mainz  gedient.  — 


No.  896. 

^^(Elagen  Dnb  nu^lid)e   Irre  bi^  fübrrUd)rn  bud)0  nu^  qc- 

meinen  befd)riebenen  red)ten.*^ 

Mainz^  entweder  Johann  Numeister  vor  14 70^  oder  Erhart  Rewich 

um  1480«     Quart-Format. 

Ueber  diese  Seltenheit  ersten  Ranges  haben  wir  unsere  begründeten  Ver- 
muthungen  bezüglich  des  Entstehens  schon  auf  Seite  14  ausgesprochen.  In  dem 
interessanten  Opus  hätten  wir  also  ein  zweites  Mainzer  Druckwerk  in  deutscher 
Sprache  vor  uns,  dessen  Entstehen  in  Jene  frühe  Periode  fällt,  aus  der  man  bisher 
nur  lateinische  Werke  der  Mainzer  Typographen  kannte;  denn  vor  der  deutschen 
Ausgabe  des  „Hortus  sanitatls*  1485  sind  in  deutscher  Sprache  nur  die  beiden 
Strassenplakate  bekannt,  die  wir  von  Fust  &  Scboffer  unter  No.  9  und  10  auf  Seite 
18—19  aufgeführt  haben,  während  die  „Mahnung  widder  die  durken*  1455  sicher 
nach  Bamberg  gehört. 

Die  Typen  der  obigen  deutschen  Incunabel  sind  ein  Gemisch  von  fast  allen 
damaligen  Mainzer  Typen,  als  habe  der  Urheber  es  sowohl  dem  Erfinder  Gutenberg, 
wie  seinen  Nachfolgern  Fust  &  SchÖffer  gleichthun  wollen.  Da  wohl  als  sicher 
anzunehmen  ist,  dass  tTohann  Numeister  Gutenbergs  Mitarbeiter  noch  nach 
dessen  Trennung  von  Fust  &  Schoffer  und  Jedenfalls  mit  am  Catholicon  beschäftigt 
war,  so  kann  man  batmi  anders  annehmen,  als  dass  Numeister  nach  Gutenbergs 
Rücktritte  vom  Geschäft  sich  eine  kleine  Druckerei  auf  eigne  Faust  angelegt, 
und  mit  jenen  neugeschaffenen  schülerhaften  Typen  bis  gegen  1469  eine  Reihe 
Dnickwerke  geschaffen  habe,  deren  bis  Jetzt  mit  dem  unsrigen  neun  bekannt  ge- 
worden sind. 

Im  Jahre  1470  taucht  Johann  Numeister  bereits  in  FoUgno  mit  ednem  eben  so 
schülerhaften  ersten  Drucke  auf,  den  wir  unter  No.  809  genauer  beschrieben.  Der- 
selbe enthält  aber  wieder  ganz  und  gar  andere  Typen,  und  es  ist  keine  Spur  vor- 


428  —     Nachträge.     — 


•lianden ,  dass  er  von  Hains  Typen  mit  nach  Italien  gebracht  habe-  Deniuacb  ver- 
blieben seine  Maiaxer  Typen  auch  in  Mains,  und  von  ihnen  dürften  wohl  die  bessern 
Majuskel  •  Alphabete  später  in  Urharl  Mewieh»  Besits  gelangt  sein ,  wahrend  die 
übrigen  schlecht  geformten  Alphabete  eingeschmolsen  wurden. 

So  erklärt  es  sich  also  leicht ,  dass  ein  Theil  dieser  alten  Typen  —  die  aoeh 
brauchbaren  Majuskeln  —  noch  1488  in  Urhart  MewiehB  holländischer  Ausgabe 
von  Breydenbaehs  „Heyligen  Reisen  nach  Jerusalem"  wieder  auftauchen,  dena  hier 
Knden  wir  sie  in  der  That  wieder.  Da  aber  EUiart  Rewich  unbestritten  besser 
setzen  und  drucken  liess,  als  es  in  der  obigen  deuitehen  IneuntUfel  gescbeben 
ist,  so  möchten  wir  diese  Schülerarbeit  auch  nicht  dem  Rewich  zutrauen,  sondern 
mit  viel  mehr  Wahrscheinlichkeit  haben  wir  hier  jedenfalls  eine  frühe  Leistiuig 
■*Tohann  JSumei^ters  vor  uns,  die  dadurch  ein  erhöhtes  Interesse  gewinnt 

Ziemlich  gelungene  Schriftproben  findet  man  bei  Bemard  „Origine  de  Pim- 
primerie",  Band  I  auf  planche  VIII  unter  No.  10  und  11.  Das  Werk  umfust 
übrigens  285  Blätter,  in  2  Spalten  au  41  Zeilen  gedruckt.  Die  erste  Seite  ist  leer, 
am  Schlüsse  ein  leeres  Blatt.  Das  darin  enthaltene  Deutsch  ist  eben  so  drollig  wie 
die  Interpunetion,  bei  der  wir  übrigens  merkwürdiger  Weise  dasselbe  ganz  langt 
Xo9ntna  vorfinden,  wie  im  „Ingang  der  hymel"  unter  No.  894  unserer  Samniluug.  — 


No.  897. 

j>u|ltntani  „(Kobrjr^S 

Mainz^  Peter  Schoeffer»  1475*     Gross  Folio-Format 

Unserer  ersten  Ausgabe  der  „InslUulionen'^  des  Justinian  von  1468  —  die 
übrigens,  wie  wir  zu  Jio.  19  auf  Seite  24  nachholen  müssen,  in  einem  prachtvollen 
Pergament-Exemplare  vorliegen  —  können  wir  hier  auch  ein  schönes  Exemplar  der 
■ersten  Ausgabe  des  „Codex"  Justinianl  beifügen.  Der  Text  desselben  ist  mit  der 
Bibeltype,  der  Glossar  mit  der  Paulustype  gedruckt  Hain  No.  ».598.  Der  Pra<*bt- 
einband  des  imposanten  Werkes  besteht  in  der  Hauptsache  aus  zweitausendjährigem 
Eichenholze  von  der  ehemaligen  Mainzer  Römerbrficke,  ausgelegt  mit  andersfarbigen 
Holzarten. 

Schaab  sagt  über  dieses  314  Blätter  umfassende  riesige  Werk  in  Band  I  pag.514: 
, Dieses  kostbare  Werk  ist  äusserst  selten;  man  kennt  nur  auf  Pergament  gedruckte 
Exemplare.^  Demnach  wäre  unser  auf  sehr  starkes  Papier  gedrucktes  Exemplar 
eine  doppelte  Seltenheit.  Was  jedoch  Schaab  hier  sagt,  passt  wohl  auf  die  „Tnstitationes-, 
nicht  aber  auf  den  „Codex**.  Das  Exemplar  der  Mainzer  Dombibliothek  ist  nach  Schaab 
spurlos  verschwunden.  —  

No.  898. 

„^pusculü  magm  ||  fiaftlii  ab  iuuenrs.^^ 

MainZ;  Peter  Schoeffer,  circa  1480*     Quart-Format. 

Höchst  seltene  Mainzer  Ausgabe  der  berühmten  Rede  des  BastUus  .Wie  man 
die  heidnischen  Schriftsteller  mit  Nutzen  lesen  soll**,  in  der  Uebersetsung  des  Are- 
Ünus.  Hain  No.  2690.  Das  Schriftchen  ist  in  mehriacher  Besiehung  interessant. 
Der  Titel  ist  in  zwei  Zeilen  mit  der  grossen  Psaltertypc  gedruckt ;  es  ist  dies  viel- 
leicht das  ersle  mit  einem  wirldichen  TUel  gedruckte  JSuehf  obgleich  die  Ausgabt» 
leider  keine  Datirung  hat.  Indessen  wird  man  sie,  da  der  Text  noch  mit  der 
Burandusfype  von  1459  gedruckt  ist,  sjyätestens  um  14S0  setzen  müssen. 

Der  Text  bietet  dadurch  etwas  Auffallendes,  dass  er  mit  einem  ausserordentlicb 
starken  HHtrehsehuss  gesetzt  ist,  welcher  mindestens  doppelt  so  stark  ist  al5 
derjenige  des  Cicero  von  1466   unter  No.  IG  unsorer  Sammlung.     Die  Schlussschrift 


—     Nachträge.     —  xoo 

ist  dagegen  compress  gedruckt.    Hier  begegnet  man  dem  ganz  vereinzelten  Falle^ 
dass  darin  der  Name  des  JRttbriciUor»  typographisch  ausgedruckt  ^tvorden  ist. 

Derselbe  Kubricator,  Martinus  Brenrnngariun,  findet  sich  übrigens  auch  in  der 
Schlussschrift  einer  andern,  zu  Ulm  von  Johann  Zainer  gedruckten  Ausgabe  (Haia 
No.  2689).  Da  indessen  beide  Schlnssschriften  bis  auf  das  Wort  „Tllm^**  für  „Ülagncie*^ 
übereinstimmen,  muss  man  einen  Nachdmieh  annehmen.  Wir  möchten  Jedoch, 
eher  die  Ulmer  Ausgabe  für  die  ältere  halten,  da  diese  noch  keinen  Titel  hat.. 
Jedenfalls  dürfte  es  danach  nicht  absolut  zu  entscheiden  sein,  ob  der  sonst  unbekannte 
Rubricator  Srenninguriun  ein  Mainzer  oder  ein  Ulmer  gewesen  ist.  — 


No.  899. 

Scrnarfc   von  Ärcyfcenbad):    ,,jDic  ^?cvUcil?c  bcuacröcrt 
tot  bat  l)tyliQl)c  gtafft  in  ifjcrufalcm". 

MainZ;  Erhart  Rewich,  1488.     Folio-Format. 

Diese  holländische  Ausgabe  von  Breidenbach^s  Reisen  ist  von  grösster  Seltentieit; 
sie  hat  dieselben  Holzschnitte  wie  die  hiteinische  und  deutsche  Atisgabe  No.  42  &  4S 
unserer  Sammlung;  auch  steht  am  Schlüsse  das  Henneb er g^ sehe  Wappen.  Ueber  die 
Eigenthümlichkciten ,  welche  der  Druck  aufweist,  haben  wir  schon  auf  Seite  14 
gehandelt. 

In  Ansehung  der  interessanten  Perspective,  welche  dadurch  für  die  Bestimmung 
der  an  genannter  Stelle  erwähnten  8  andern  Maineer  Drucke  gewonnen  wird,  ist 
vorliegende  Ausgabe  doppelt  hoch  zu  schätzen.  Hain  No.  S963.  Schoner  Einband 
von  braunem  Leder  mit  vergoldeten  Beschlägen.  — 


No.  900. 

ii^\)\t  l^ractica  unnb  |9renofliration  iß  gebrückt  }\x  IDrtt^ 

im  |tt.  CCCC  :  XCIl.  JTar/^ 

MainZy  Jacob  Meydenbach,  1492«     Quart-Format. 

Wir  sprachen  schon  auf  Seite  86  begründete  Zweifel  gegen  die  bisherige  Annahme 
aus,  dass  Jacob  Meydenbach  von  1491  bis  1495  überhaupt  nur  zwei  Werke  gedruckt 
habe,  die  wir  unter  No.  47  &  48  verzeichneten.  Obiges  reich  iUustrirte  Werk  ist 
ein  Beweisstück  für  diese  uusere  Ansicht,  denn  kein  Anderer  als  Jacob  Meydenbach 
kann  der  Drucker  sein,  der  neben  Peter  Scliöffor  im  Jahre  1492  der  einzige  Mainzer 
Drucker  war,  da  erst  1498  Peter  Friedberg  als  Dritter  hinzukam. 

Dazu  kommt  aber,  dass  die  in  obigem  Werke  verwendeten  Typen  mit  denen 
FriedbergB  und  Schoffers  auch  nicht  entfernt  übereinstimmen,  vielmehr  einen  durchaus 
verschiedenen  Charakter  zeigen.  Ein  fernerer  Beweis  liegt  darin,  dass  Jacob  Meyden- 
bach nach  Schaab  I  pag.  541  in  demselben  Jahre  die  laieiniaehe  Auagäbe  der 
„  Pronosticatio"  druckte,  welche  Typen  aufweisst,  womit  er  im  Jahre  1491  seinen  „Hortus 
sanitatis*',  No.  47  unserer  Sammlung,  druckte,  und  gar  nicht  anzunehmen  ist,  dass 
gleichzeitig  ein  Anderer  die  detttsehe  Ausgabe  der  „Pronosticatio*  gedruckt  haben 
sollte,  was  eben  auch  nur  Peter  Schoffer  gewesen  sein  konnte,  bei  dem  aber  diese 
Type  gar  nicht  vorkommt. 

Es  ist  nämlich  eine  ziemlich  kleine,  äusserst  hübsche  und  lesbare  Schwabacher, 
die  sich  aber  mehr  der  GothJsch  nähert.  Der  Titel  und  die  Ueberschriften  sind  aas 
einer  Art  Schreibschrift  gesetst,  die  schon  in  so  früher  Zeit  an  die  Typen  des 
Theurdnnk  von  1517  erinnert,    Uebrigens  umfasst  das  Buch  46  Blätter  mit  ebensoviel 


430  —     Nachträge.     — 

zum  Tbeil  blattgrosäen  HoUfMhnUlen,  die  äasserst  wirkungsvoll  in  der  äiteäten 
Manier  ausgeführt  »ind,  und  die  das  überaus  seltene  Werk  doppelt  werthvoll 
machen.    Von  der  lateinischen  Ausgabe  existirt  ein  ganz  ähnlicher  Nachdruck.  — 


No.  901. 

JJoljaitnf»  a;ritl)finhi6 :  OEaUatio  br  republica  rcclfpe  tt 
inonad)orum  orbinia  biui  patria  benebicti. 

MainZy  Peter  Friedberg,  1403.     Klein  Quart-Format. 

Sehr  selten  vorkommender  Fried berg'scher  Druck,  den  man  auch  ohne  die 
Druckfirma  wofoi-t  an  dem  fetten" Ä  erkennt,  das  in  dem  ganzen  10  Blatter  starken 
Werkchen  nur  siebenmal  Ter  wendet  ist,  daher  gleichsam  wie  ein  Wahrzeichen  des 
Druckers  auftritt,  und  das  man  hier  gleich  auf  der  ersten  Textseite  ziemlieh  in  der 
Mitte  erblickt.  Wir  verweisen  hier  übrigens  auf  die  schon  Seite  86  bei  No.  49 
gemachten  Bemerkungen  zurück.  Obiges  Werkchen  tragt  sowohl  auf  dem  Titel  wie 
am  Schlüsse  die  Jahrzahl.  — 


No.  902. 

JJoljannfa  ®ritl)cmm6:  0t  laube  Scriplarum. 

Mainz 9    Peter  Friedberg,    1404.     Klein  Quart-Format. 

Auch  ohne  die  vollständige  Druckürma  dieses  seltenen  Werkchens  würde  m«n 
Peter  Friedberg  an  dem  schon  vorstehend  besprochenen  fetten  römischen  8  erkenoco, 
das  hier  gleich  in  dem  fünf  Zeilen  umfassenden  vollständigen  Titel  eingestreut  ist, 
und  in  dem  ganzen  Werkchen  nur  noch  siebenmal  vorkommt. 

Mit  vorstehenden  zioei  Nummern  vermehrt  sich  die  Zahl  unserer  Friedberg'scbeQ 
Drucke ,  die  wir  auf  Seite  SB  bis  39  näher  besprochen ,  von  elf  auf  dreizehn.  Das 
vorstehende  letzte  ist  20  Blätter  stark.  —  Der  Autor  sucht  in  diesem  Werkchen  die 
jungen  Geistlichen  zum  eifrigen  Lesen  der  Iteligionsbücher  und  -zur  Liebe  zu  den 
Wissenschaften  auzucifern.  — 

No.  903. 

,,Ucformacioti   öer  ©tat  Srancfctifort  am  tTTcine  bea 
^cilgc  Komifd)e  Uicbs  Cänicr  ao  1509/' 

Mainz^  Johann  Schoeffer,  1509*    Folio-Format. 

Von  grösster  Seltenheit  und  einer  der  schönsten  Drucke,  die  Johann  Scböifer 
geliefert.  Schaab  und  Würdtwein  beschreiben  diese  Original  -  Ausgabe  unter  dem 
Jahre  1509,  wo  in  Frankfurt  selbst  noch  keine  Buchdruckerei  bestand,  daher  Scböffer 
den  Auftrag  erhielt,  den  er  sichtlich  mit  ganz  besonderer  Sorgfalt  höchst  splendid 
ausführte. 

Der  ganze  fünfzeilige  Titel  ist  mit  zollhohen  Buchstaben  }n  Holz  geschnitteo. 
Die  ganze  Uückseite  des  Titels  füllt  das  Keichswappen ,  verbunden  mit  dem  Frank- 
furter Stadtwappen,  weiches  letztere  auf  roth  colorirtem  Grunde  sehr  schön  hervortritt 
Das  52  Blätter  umfassende  Werk  mit  der  schönen  Schwabacher  Type  SehÖffcrs  iät 
sehr  splendid  gedruckt,  das  Papier  kräftig  und  rund  herum  mit  aussergewöbnlii'h 
breiten  Rundern.  — 


—    Nachträge.     —  431 

No.  904. 

„Inscriptiones  vestutae  romanae  et  earum  fragmenta  in 

Augusta  Vindelicorum.  et  eins  dioecesi  cura  et  diligencia 

Chvonradi  Pevtinger.    Augustani  jurisconsulti."  etc. 

Mainz 5    Johann   Schoeffer,    1520.      Am  Schlüsse  jedoch   mit   der 

Jahrzahl  1525.     Folio-Format. 

Diese  seltene  und  geschatste  Ausgabe  ist  eine  Verbindung  Ton  Holzschnitt  und 
Typendriick.  Schon  der  Titel  befindet  sich  in  einer  prächtigen  fignrenreiehen  Bordüre, 
in  welche  der  Titel  antiqua  ganz  in  Versalien  gesetzt  ist. 

Die  Augsburyer  „römiscben  Inschriften"  sind  aus  einer  grossen  Anticiua  in 
Versalien  gesetst,  die  eigens  dazu  gegossen  sein  dürften.  Wo  die  Inschrift  beim 
Originale  lädirt  gewesen  ist,  hat  man  mit  grosser  Sorgfalt  auch  die  Typen  soweit 
hinweggeschnitten,  so  dass  von  manchem  Worte  blos  noch  einzelne  kleine  Fragmente 
ersiehtlieh  sind. 

Die  letzten  sechs  Inschriften  nebst  der  Schlussschrift  wiederholen  sich  auch  in 
der  nachfolgenden  etwas  stärkeren  Inschriften-Sammlung,  deren  Schlussschrift  wörtlich 
dieselbe  ist  und  ebenso  das  Datum  »M.  D.  XXV.  Mense  Septemb."  trägt.  Schaab 
kannte  unsere  Ausgabe  nicht ,  fuhrt  aber  in  Band  I  pag.  568—664  eine  solche  von 
1520  „Mense  Augusto*'  an.  Er  ist  übrigens  nach  pag.  563  Zeile  5  von  oben  der 
Meinung,  auch  die  Inschriften  seien  ganz  in  Holz  geschnitten.  Unsere  Ausgabe  hat 
übrigens  16  Blätter,  am  Schlüsse  das  Druckerzeichen.  — 


No.  Ö05. 

„CoUeetaiiea  antiquitatam  in  urbe,  atque  agro 
Moguntino  repertarum." 

MaiuZ;  Johann  Schoeffer,  1525*     Folio-Format. 

Die  Sammlung  römischer  Inschriften  von  Maitiz  macht  ganz  den  Eindruck  der 
unter  voriger  Nummer  besclu-iebenen,  zumal  die  letzten  drei  Blätter  dies4>lben  Inschriften 
enthalten,  auch  der  Titel  in  dieselbe  schöne  Bordüre  gesetzt  und  die  Schlussschrift 
mit  Datnm  genau  dieselbe  ist. 

Das  22  Blätter  starke  interessante  und  historisch  wichtige  Opus  ist  die  zweite 
Auflage,  deren  erste  1520  ersclüen.  Schaab  beschreibt  beide  aasführlicher  in  Band  1 
unter  den  betreffenden  Jahrgängen.  Auf  Seite  576  und  576  giebt  Schaab  sehr  treffend 
den  Streit  der  Gelehrten  w^ieder,  der  sich  über  die  vorstehenden  beiden  Collectaneen 
seiner  Zeit  entsponnen  hatte.  — 

No.  906. 

Bartholomaeus  Ooloniensis :  Dialogus  mytholagicus. 

Mainz^  Johanu  Schoeffer,  1521«    Klein  Octav-Format. 

Schttab  führt  diesen  seltenen  Mainzer  Druck  zwar  in  Band  1  Seite  570  an.  Jedoch 
mit  dem  Bemerken  ,ohne  Angabe  des  Druckers^.  Entweder  hatte  er  ein  uncomplettes 
Exemplar  vor  sich,  dem  das  letzte  bedruckte  Blatt  mit  der  vollständigen  Firma 
Joliaan  Schöffers  fehlte,  oder  er  hat  sich  nach  Pariser  gerichtet,  der  den  Druck  in 
Band  VII  Seite  414  verzeichnet,  und  keinen  Drucker  angiebt.  Vielleicht  sah  auch 
er  das  Werkchen  nicht  selbst.  Dasselbe  ist  antiqua  in  zweierlei  («rös-son  gediuckt, 
der  Titel  mit  einer  hübschen  Bordüre  umgeben,  und  enthält  44  Blätter.  — 


432  —     Nachtrige.     — 

No.  907. 

^ntitn  %nhtxt}ittu.   ^ndg  ^olh  bnb  Siiibtt  «smj^t  Mtn  ^etalbn» 

nnsoi  litt  4i^iitt  %n  9ägn^itn.  Pit  bil  KvAtrn  viM%liägtn  "^nnsütn  / 

S^d^nj^iftiiitTn  bn  '^ttgHmtn  MtxltTH  hxbtn  /  irt  fnitn**  ttc. 

ff^lltn  Siägxt^ittn  /  gritff  makrn  /  mxaj^t  n\\btxn  fiolägtx  ^nntUn 
Ihb^nhttn  /  ganti  IvLiAi^  bvA  ftnf^brtxliä^  su  tomtn.** 

Haiiue,  Peter  Jordan,  1581«     Quart-Format 

DJcüCd  11  bedruckte  Bl&tter  umfaHsendc  kleine  interessante  Kunatbiictilein  bUc>>, 
obwtibl  mit  Firma  und  Jalinahl  versehen,  selbst  Bchaab  unbekannt.  £s  durfte  in 
seinen  Uozepten  vielleicht  auch  für  unsere  Zeit  noch  manches  I^raurhirarc  eDthabf>n. 
Die  Tinten  zum  Schreiben  und  Malen  erstrecken  sich  über  alle  Farben,  auch  Qold 
und  Silber.  In  einigen  Anweisungen  durfte  vielleicht  gar  die  Kunst  wiedergefiind«>n 
sein,  wie  man  ehedem  das  Auflegen  und  Poliren  von  Gold  auf  den  prachtigen  Initiales 
der  Incunabeln  bewerkstelligte,  eine  Kunst,  die  unserer  2^it  verloren  gegangen  i^t.  — 


No.  908. 


L.  Plorus:    De  gestis  Romanorum  libri  quatiior,   una 
cnm  adnotationibns  Joan.  Camertis.    . 

MainZf  Ivo  SchoefTer,  1540«     Klein  Octav-Format. 

Das  seltene  Bctiriftchen  ist  mit  802**  Seiten  paginirt,  und  mit  Ausnahme  von 
Seite  176  bis  810,  die  aus  gewGhnlicher  Antiqua  gesetzt  sind,  ans  einer  sehr  hfibsdieo 
kleinen  (.'nrniv  gedruckt.  Es  k«mmcn  dazu  noch  48  Seiten  Titel,  Yorwort  und 
Index.  — 


No.  909. 


„£\n  (Cf?riftlid)c  lere  |  5U  gränfelicbem  vxxb  beflenfeigem 

t)nfeerrld)t  fee5  recbten  (Erlaubend« 
JDurd)   feen   ^o&iro\xb'\%tn   ^txxn  3o^?anfen  »ifcfeofen 

5u  nteyffen  fftrgeflellft/' 

Mainz^  Franz  Behem,  1541«     Quart-Format. 

Mit  einer  ziemlich  grossen,  sehr  hübschen  gothischen  Schrift  gedruckt.  Das 
Werk  umfasst  im  Ganzen  104  bezeichnete  Blfittcr,  die  ganze  Rückseite  des  Tltalt 
füllt  ein  schöner  fignrenrcicber  Holzschnitt. 

Intercssannt  ist,  dass  wir  hier  mit  der  Druckfirma  auf  dem  Titel  saglei«*!) 
genauen  Aufschluss  über  die  Oertlichkeit  der  Behem'icben  Druckerei  erhalten.  E* 
heisst  nämlich  hier:  „Gedrückt  zu  S.Victor  ausserhalb  Mentz,  durch  Franciarom 
Behem*'.  — 


—     Nachträge.     —  a-}^ 

No,  910. 

Valerius  Maximus:   „Factorum  dictorumque 
memorabilium  libri  Nouem'^ 

Mainz^  Ivo  Schoeffer,  1544*     Klein  Octav-Format. 

Ein  höchst  selten  vorkommender  Mainzer  Druck  von  ziemlichem  Umfange,  denn 
er  umfasst  475  numerirte  Seiten,  nebst  12  Blättern  Titel,  Voi-wort  und  Index.  Der 
Text  ist  ganz  aus  einer  niedlichen  und  ungemein  leserlichen  Cursivantiqua  gesetzt. 
Von  den  zwei  verschiedenen  Druckerzeichen  Ivo  Scböffers  befindet  sich  das  kleinere 
auf  dem  Titel»  während  das  grössere  die  letzte  Seite  eines  im  Uebrigen  leeren  Blatte» 
am  Schlösse  des  Werkes  einnimmt.  Auch  an  seiner  zweimaligen  ausführlichen  Firma 
vorn  und  hinton  hat  es  der  Typograph  nicht  fehlen  lassen.  — 


No.  911. 

„Litnrgia  S.  Basilii  Magni  nuper  e  tenebris  ervta,  et 

in  Incem  nnnc  primam  edita." 

Cnm  praevatione   Georgii   Vuicelij. 

Mainz^   Ivo  Schoeffer,  1546*     Klein '  Octav-Format 

Seltener  Mainzer  Druck  von  44  Blättern,  ohne  Firma,  aber  mit  Ivo  Schöfi'ers 
Druckerseichen  in  zwei  verschiedenen  Grössen,  auf  dem  Titel  und  auf  der  letzten 
Seite  des  niedlichen  Werkchens.  — 


No.  912. 

Erasmi  Roterdami  Opus  de  conscribendis  epistolis. 

Valentini  Libellus  vere  aureus.  Conradi  Celtis  Methodus. 

Christophori  Hegendorfi  Epithoine. 

Mainz^  Ivo  Schoeffer,  1550*     Klein  Octav-Format. 

Wohl  der  älteste  so  umfassende  Briefsteller,  von  vier  Autoren  zusammengetragen, 
und  von  grosser  Seltenheit.  Das  Werk  enthält  574  numerirte  Seiten,  2  Blatt  Titel 
und  Vorwort,  am  Schlüsse  erst  ein  ganz  leeres  Blatt,  dann  ein  zweites,  auf  dessen 
Rückseite  sich  nur  das  grössere  Ivo  SchöfFer'sche  Druckerzeichen  befindet.  Die  Typt' 
ist  die  schon  erwähnte  kleine  zierliche  Cursivantiqva.  — 


No.  913. 

„aiiti  Ibij  be^  aller  lSfbfpred)|lfn  mh  1|od)berump(ien 
®ffd)td)tfcl)mbfr0,  S5mtfd)f  ^iflorien  etc/^ 

Mainz^   Ivo  Schoeffer^  1551*     Folio-Format. 

Mit  dieser  Erwerbung  ist  die  Reihe  der  neun  Mainzer  deutschen  Ausgaben  de! 
Livius  in  unserer  Sammlung  vervollständigt  bis  auf  diejenige  von  1538,  die  wir  in- 
de.ss  auch  noch  ausfindig  zu  machen  hoffen.  Obiges  ist,  wie  wir  nun  feststeLer 
können,  die  achte  und  vorletzte  Ausgabe  in  einem  sehr  schön  erhaltenen  Exemplaio 
im  alten  Original-Einbandc  von  Schweirsleder  mit  reicher  Pressung. 

28       • 


4^4  —     Nachträge.     — 

Diese  wenig  l>ekaiintc  AuHage  ,  die  auch  bei  Ebei-t  fehlt ,  enthalt  vriedcrum  die 
bisturiscb  wichtige  Dedicatiou  uii  Kaiser  Maximilian,  worin  Johann  duieuberf}  aiu- 
drücklich  als  Erfinder  der  Bw-hdruckerJcunst  zu  Mainz  iin  Juhre  1450  anerkannt  wird. 

Wir  haben  hiervon  den  Woi-tlaut  schon  bei  der  «lösten  Auflage  von  IßOS  uuf 
Seite  40  angeführt,  und  da  auch  der  Chr«>nit>t  Tritlmnius  in  den  rAnnulcs  Spanbe- 
mcnsis"  wie  in  den  „Annales  Hirsaugienscs"  nach  Mitthoilun^fen  von  Ptttr  Schößtr 
aelhat  unter  dem  .Jahre  14&0  dem  JohaiMl  Gutenberg  die  Ehre  der  1^-tinduiio' 
giebt,  so  kann  mau  nur  die  ( Gelehrsamkeit  neuer jr  l'^urscher  bew^underu,  welche 
die  Existenz  eines  Erfinders  f, Johann  (iutenberg^  rundweg  rcrneinea,  weil  historische 
Untersuchungen  angeblich  dagegen  sprechen. 

Dasd  auch  die  Colner  Chronik  von  1499  nach  dem  Zeugnisse  Ulrich  Zeli's  den 
Johann  Qulenberg  als  Erfinder  nennt,  aber  keinen  Andern,  darf  das  heutige  viel 
bcs.'iere  Wissen  nicht  geniren ;  und  wenn  auch  der  Eine  allenfalls  noch  einen  „Henne 
(«ensfleLsch"  bestehen  läs.st,  der  aber  gar  nicht  unser  Johann  Gutenberg  gewesen 
sein  soll,  so  streicht  der  Andere  unbarmherzig  Alles,  was  sowohl  von  Zeitgenosspu 
wie  von  den  spätem  Mainzer  Historikern  und  Hibliograplieu  der  leichtgläubigen 
Welt  aufgebunden  worden  ist. 

Dass  die  Mainzer  Gelehrten  vor  fünfzig,  hundert  und  mehr  .lahren  so  mancbed 
Nebensächliche  noch  nicht  wussten,  was  inzwischen  erforscht  und  entdeckt  worden 
ist ,  finden  wir  sehr  natürlich.  Dies  hebt  aber  die  Thatsache  nicht  auf,  da»s  die 
Mainzer  Vorarbeiten  der  Uauptsache  nach  die  Grundlage  der  heutigen  biblio- 
graphischen Wissenschaft  gebildet,  und  ebenso  eifrig  studirt,  wie  nacbgeschrie>>eii 
und  —  verhöhnt  wurden  sind. 

Unsere  übrigen  sieben  verschiedenen  Mainzer  Auilagen  des  deutschen  Liriu.^ 
sind  unter  ^Mainz"  mit  folgenden  Nummern  bezeichnet  und  wo  nöthig  näher  i*e- 
sctirieben  worden:  No.  60,  68,  8G,  108,  l'il.  124  und  131.  Die  laleinlsche  Ausgal»e 
findet  man  in  zwei  Varianten  unter  No.  72  und  73.  Ein  Vergleich  derselben  iit. 
wie  wir  uns  in  unserm  Museum  öfter  überzeugen  konnten,  für  den  Bibliophilen 
von  ganz  besonderem  Interesse.  Uebrigens  muss  es  nunmehr  bei  der  Erläuterang 
zu  No.  131  auf  Seite  G7  heissen  f,netinte  und  letzte  Mainzer  Auflage*'  anstatt  achtt,  — 


No.  914. 

3«ifi  i90nat-3Fra9mrntf, 

;////  (/en  Typen  der  36  zeüigen  Bibel  auf  Pergament  gedruckt, 

Bamberg^  Albrecht  Pfister,  wohl  um  1458. 

Diese  interessanten  und  bibliographisch  hochwichtigen  Fragmente  befinden  sieb 
bei  uns  noch  nnabgelöst  in  den  mit  Leder  überzogenen  Holzdeckeln  eines  alten 
Buches,  das  selbst  nicht  mehr  vorhanden  ist.  Die  Fragmente  von  7 — 8  Centimeter 
Breite  bei  84  Centimeter  Lange  haben  wie  gewöhnlich  zur  Befestigung  des  Burii- 
rückeus  an  die  Holzdeckel  gedient,  wozu  das  Pergament  durch  seine  Haltbarkeit 
den  Buchbindern  das  beste  Material  bot. 

Die  PVagiiiente  sind  auf  der  nicht  festgeklebten  Seite  vorzüglich  erhalten ,  m 
dass  man  den  Druck  lüar  und  deutlich  erkennt.  In  dieser  Beuehung  sind  sie 
jedenfalls  noch  werthvoller,  als  die  beiden  berühmten  27  zeiligen  Donatfragmente 
in  der  National-Bibliothek  zu  Paris,  die  wir  schon  auf  Seite  80  Mä  83  aasföhr- 
lich  besprochen  haben. 

Merkwürdiger  Weise  scheinen  auch  unsere  Fragmente  einem  Exemplare  jened 
27 zeiligen  Donatus  angehört  zu  haben,  denn  bei  dem  einen  Fragmente  weist  die 
Oolumne  ebenfalls  27  Zeilen  auf,  auch  scheint  da,  wo  hier  unten  der  Band  weg- 
geschnitten ist,  der  Druck  nicht  fortgesetst  zu  haben,  während  das  aweite  Fragment 


Nachträge.     —  ^^c 


nur   V6*  Zeilen   hat,   hier  aber  die  Columne  ofi'enbar  um  eine  Zeile  küi*zer  gewesen 
sein  dürfte,  denn  es  findet  sich  unten  ein  l'/a  Centimeter  breiter  leerer  Kand. 

Das  berühmte  Pariser  „ünicum",  über  dessen  Alter  und  Ursprung  seit  mehr 
als  einem  halben  Jahrhunderte  soviel  gelehrtes  Stroh  gedroschen  worden  ist,  dürfte 
also  hier  seinen  ebenbürtigen  Cuncurrecten  gefunden  haben.  Interessant  ist  es  für 
den  Fachgelehrten,  hier  alle  Eigenthümlichkeiten ,  welche  die  Typen  der  36  zeiligen 
Bibel  aufweisen,  so  klar  und  deutlich  zu  erkennen.  Die  charakteristischen  Versalien 
(S,  D,  a,  £,  ®  und  {)  kommen  meist  mehrfach  vor,  und  gerade  das  vielbewunderte  von 
hinten  aufwärts  geschwänzte  S  findet  sicli  sechsmal.  Dass  wir  den  Donatus  weder 
in  das  Jahr  14:51  setzen,  noch  ihn  dem  Johann  (iutenberg  zuschreiben,  haben  wir 
unter  ^liamberg",  Seite  77  bis  83,  schon  genugsam  motivirt.  — 


Na.  915. 

^^iirclii  ^U9u|lini  „j0e  buobmm  abu|tDiö  facculi^^ 

Strassburg^  Huszner  &  Bekenhub,  circa  1474« 
Klein  Folio-Format. 

Mit  der  hübschen  Type  Huszner  &  Bekeuhub's  gedruckte  seltene  Ausgabe,  di 
Hain  2104  nicht  gesehen  hat. 

Des  heiligen  Augustin-s  „Zwölf  üebel  des  Jahrhunderts"'  sind:  Ein  Weiser  ohne 
Stärke;  ein  Greis  ohne  Religion;  ein  Jüngling  ohne  Gehorsam;  ein  Keicher  ohne 
Barmherzigkeit;  eine  Frau  ohne  Schamha/tigkeit ;  ein  Herr  ohne  Tugend;  ein  Christ, 
der  streitsüchtig;  ein  Armer,  der  hoekmüthig ;  ein  König,  der  ungerecht ;  ein  Bischof, 
der  nachlässig  ist;  das  Volk  ohne  Zucht  und  eine  Nation  ohne  Gesetz. 

Dos  letzte  des  nur  8  Blätter  starken  Schriftchens  ohne  Firma  und  Datirung 
nehmen  die  beiden  kleinen  Traktate  „De  origine  aniraae"  und  „De  divinatione  daemo- 
num"*  ein.  — 


No.  916. 

^regorii  Ittagni  ^^MeguU  pafloralia^^ 

Strassbnrgr^  Martin  Flach,  rubrizirt  1476.     Quart-Format. 

In  welchem  heitern  Zustande  sich  unsere  ganze  Bibliographie  bis  auf  den 
heutigen  Tag  befindet  und  wie  durch  die  Bank  hindurch  der  eine  grosse  Gelehrte 
dem  andern  selbst  die  greifbarsten  Irrthümer  kritiklos  nachschreibt,  davon  giebt  der 
vorliegende  angeblich  Mainzer  Druck  unter  tausend  ähnlichen  Fallen  wieder  ,einen 
recht  schlagenden  Beweis. 

Hain  hat  diesen  allerdings  seltenen  Druck  unter  No.  7982  nach  dem  Exemplare 
der  Münchner  Hofbibliothek  angeführt,  auch  im  Explizit  den  Druckfehler  in 
^  JohSnen"  nicht  übersehen.  Wie  er  aber  die  Druckfirma  Fttst  &  Schoeffer  in  Paren- 
these beifügen  konnte,  ist  gradezu  komisch,  da  Mains  auch  nicht  entfernt  eine  ähn- 
liche Type  aufzuweisen  hat,  deren  origineller  Ductus  nur  auf  Sirassburg  und  allen- 
falls ähnlich  auf  Basel  hinweist.  Jedenfalls  verliess  er  sich  auf  die  Schriften  seiner 
grossen  Yoi^nger,  namentlich  Denis  „Supplement  zu  Maittaire"  1789  II,  pag.  677; 
Zapf  „älteste  Bnchdruckergeschichte  von  Mainz*'  1790,  pag*  131 ;  Panzerl„Ann9,lea  II, 
pag.  141  nnd  Andere.  Ihnen  folgten  sodann  Ebert  „Bibliographisches  Lexicon"  1840, 
Spalte  710;  selbst  Brunei  „Manuel  du  libraire"  1861,  II.  Spalte  1737,  spricht  von 
„caraoteres  de  Fust  &  Schoeffer  vers  1470".  Und  so  findet  sich  auch  nicht  ein 
Bibliograph,  der  sich  die  Mühe  genommen  hätte,  den  Druck  genauer  anzusehen  und 
ihn  lieber  dem  bekannten  „Typographus  ignotus"  zuzuschreiben,  als  Fust&  Schöfferr 
oder  gar  dem  Fttst  allein. 

28* 


^.^5  —    Nachträge.    — 

Dieser  GewiMenhaftigkeit  d«i'  Herren  Bibliographen  ist  es  su  danken,  dass  jener 
einfache  Strassbttrger  Druck  bisher  als  Mainzer  Reliquie  mit  hohen  Bammen  bezahlt 
wurde  wenn  er  ja  einmal  in  den  Handel  kam.  Aach  der  Herr  Vei  fasser  des  Anetions- 
Catalogs  der  ehemaligen  Bnxheimer  Kloster-Bibliothek,  welche  im  September  188& 
in  Mönchen  nnter  den  Hammer  kam,  führte  unter  No.  8199  des  Qregwii 
Pastorale  als  Druck  von  WuBt  Jt  Sehomfftr  auf,  sogar  mit  dem  komischen  Zo- 
satze  y,ante  1469* ,  als  ob  bis  dahin  eine  Firma  „Pust  &  Schoeflfer"  überhaupt 
exiatirt  habe! 

Kekanntllch  starb  Fnst  schon  14ißß,  und  von  1467  ab  führt  Peter  6chd£Fer  in 
allen  seinen  Drucken  nur  seinen  alleinigen  Namen  als  Drucktirma  an.  Dass  du 
Bu<^  in  Folge  jener  unrichtigen  Catalognotlz  doch  nur  mit  160  Hark  erstaaden 
wurde,  ist  doppelt  interessant,  erstens  weil  ein  Fust- Schaff  er' scher  Druck  von  diesem 
Umfange  und  bei  so  scbünur  Erhaltung  das  vierfache  werth  getresen  tcäre,  und 
xweitens  weil  der  glückliche  Ersteher  für  den  nachweislich  Strassbttrger  Druck 
mehr  als  den  vierfachen  Werth  bezahlt  hat.  In  der  Folge  wird  man  bei  solchen  Ge- 
legenheiten wahrscheinlich  etwas  genauer  zusehen. 

Unser  eignes  Exemplar  des  Pastorale  ist  mit  152  Blattern  ganz  oomplet  und 
dabei  wie  neu  erhalten,  selbst  bis  auf  den  reichgepressten  Schweinslederband  mh 
gravirten  Messing-Beschlägen.  Das  Buch  ist  ohne  jede  Blattbezeichnung,  die  Initialen 
sowie  die  sonstige  Rubrication  sind  mit  rother  Tinte  ausgeführt. 

Höchst  wichtig  ist  aber  der  Umstand,  dass  der  Rubricator  am  Schlüsse  gleich- 
zeitig und  mit  derselben  rotben  Tinte  die  Jahrzahl  147S  deutlich  beigeschriebeo 
hat.  Das  Werk  ist  also  in  demselben  Jahre  gedruckt,  wie  Martin  Fladis  ersttr 
mit  Firma  und  Jahrzalil  1475  versehener  Druck  unter  No,  802  unserer  Sanmilnng, 
der  genau  tnU  denselben  lypen  ausgeführt  ist,  die  wir  auf  Seite  114  und  115 
genauer  beschrieben  haben  ;  auch  No.  20S  bis  805  lutben  dieselben  Typen.  Es  li^en 
also  dafür,  dass  Martin  Flach  in  Strassbui^  auch  der  Drucker  der  obigen  Aus- 
gabe des  Pastorale  ist,  bei  uns  schon  vier  zwerlässige  Betceisstück»  vor,  denen  wir 
aber  sogleich  noch  drei  weitere  hinzufügen  wollen.  — 


No.  917. 

Johannes  Andreae:   Tractatas,  seu  summata  brevls  de 

sponsalibas  et  matrimoniis. 

Strassbnrg^  Martin  Flach,  circa  1476* 

Diese  auch  unter  „Summa  super  quarto  deoretalium"  aufgeführte  Schrift  besteht 
nur  aus  einer  einzigen  Lage  von  10  Blattern  in  Klein  Folio-Format.  Das  letzte  Blatt  ist 
leer,  weshalb  Hain  unter  No.  1068  auch  nur  9  Blätter  angiebt.  Die  gothisohen  Typen 
sind  wieder  dieselben,  wie  in  dem  vorigen  starkern  Druckwerke,  und  namentiich 
sind  die  Versalien  3,  ^,  U  und  |)  unter  hundert  andern  Alphabeten  damaliger  Typo- 
graphen  sofort  zu  unterscheiden. 

In  Hain's  „Repertorium  bibliographicum"  —  dem  Evangelium  der  Fachgelehitea 
Welt  —  darf  man  sich  allerdings  nicht  wundern,  die  mit  Jener  originellen  Plaeh'schen 
Type  gedruckten  Werke  b€Ud  diesem,  bald  einetn  andern  Drucker,  oder  dem 
beliebten  Typographus  ignotus  zugeschrieben  zu  sehen;  thut  er  dies  doch  bei  vielen 
andern  Typographen  nicht  anders. 

Während  also  werkwürdiger  Weise  das  vorstehende  Werkchen  bei  Hain  unter 
No.  1068  ganz  richtig  dem  Martin  Flach  zugeschrieben  wird,  linden  wir  untv 
No.  7988  Gregorys  „Regula  pastoralis*'  keiner  geringern  Firma  als  dem  J?W*t  ^ 
Sehoeffer  zugeschoben.  Die  mit  der  gleichen  Type  gedruckten  Epistoku  de:» 
Jiarzizius  Qasparinus  überlässt  er  unter  No.  2669  stillschweigend  dem   grossen  Cn- 


—    Nachträge.     —  437 

bekannten,  ebenso  unter  No.  2iK)0  Bernhardi  „De  honestate  vitae*';  endlich 'aber 
schiebt  er  unter  No.  9386  des  Jacobi  de  Clusa  „Traetatus  de  verltate  dicenda  aut 
tacenda"  dem  Bemhani  Jtiehel  in  Basel  zu!  Fürwahr  eine  erstaunliche 
bibliographische  Virtuosität  I  — 

No.  918. 

Albertanus:  De  arte  loquendi  et  tacendi. 

Strassbnrg^   Martin  Flach,  circa  1477,     Klein  Folio-Format. 

Diesen  Druck  hat  Hain  unter  No.  893  richtig  dem  Martin  Flach  zugeschrieben, 
w&hrend  er,  -wie  wir  gesehen,  andere  Drucke  mit  genau  denselben  Typen  und  der- 
selben Ausstattung  bald  diesem  bald  jenem  Drucker  zuschreibt  oder  lieber  stillschweigt. 
Auch  im  Uebrigen  hat  er  den  Druck  richtig  bezeichnet.  — 


No.  919. 

(Sasparitti  38arjijii  „(SpiftDlar^*. 

Strassbnrg,  Martin  Flach,  circa  14  7  8«     Klein  Folio-Format. 

Ebenfalls  mit  der  ältesten,  originellen  Type  Flaches  gedruckte  Ausgabe,  deren 
Drucker  bisher  unbekannt  war.    Hain  No.  2669. 

Ueber  die  Eigenthümliohkeiten  dieser  Charaktere  handelten  wir  schon  ausführlich 
auf  Seite  113  bis  115.  Hier  sind  alle  dort  angeführten  merkwürdig  geformten 
Buchstaben  in  Flaches  ältesten  Majuskel- Alphabeten  vertreten,  auch  das  schauderhaft 
«ebledite  K  und  O ,  wie  es  in  der  „guldin  bull*'  unter  No.  808  unserer  Sammlung 
Auftritt.  — 

No.  920. 

^occi  ^f3'rrmonr0  be  temporre  et  be  fanctia^S 

Strassburg^  Johann  Grüninger,  1484*     Folio-Format. 

Seltener  und  früher  Druck  Grüninger's  mit  seiner  Firma  und  mit  der  Jahrzahl 
.am  Schlüsse.  Hain  No.  14886.  Die  gothische  Type  ist  eine  noch  andere  Gattung, 
als  diejenigen  Grüninger'schen  Schriften,  welche  wir  auf  Seite  137  bis  143  schon 
gewürdigt  haben.  Ans  diesem  Grunde  schon  ist  der  vorliegende  Druck  von 
grösstem  Interesse.  — 

No.  921. 

Bern&arb  t>on  »rcyfeenbad):    „ö^iKge  Keifen  n«^ 

3erufalem"* 

Strassbnrg^  Johann  Pryss,  circa  1487«     Folio-Format. 

Vorliegende  ist  die  von  Hain  imter  No.  3958  beschriebene  undaMrie  Ausgabe^ 
-welche  von  Baumgärtner  in  den  „Nachrichten  von  merkwürdigen  Büchern*'  II  pi^.  833 
für  die  Original-A-usgdbe  gehalten  wurde.  Allein  sie  ist  nur  ein  Ni»ehdruek. 
Panzer  sagt  zwar  in  den  „Annalen"  No.  78,  sie  käme  mit  der  deutschen  Mainzer 
Ausgabe  von  1486  „auch  in  Ansehung  der  Typen**  genau  überein  und  die  Holz- 
schnitte wären  die  gewöhnlichen.    Beide  Behauptungen  sind  nicht  zutreffend. 

Am  Auffallendsten  erkennt  man  die  Unterschiede  an  den  grossen  Typen  der 
Capt'tel-Ueberschriften,  die  niemals  in  Mainz  gebräuchlich  waren,  dagegen  von  Johann 


438  —    Nachträge.    — 

l'r^s»  in  sammtlirhen  4  Auflagen  seines  „//orfitö  Sf/nitutis'^  und  auch  in  dem  mit 
Firma  und  Jahraahl  versehenen  „Vocabularius"  von  1512  angewendet  wurden.  Eben- 
iall8  ist  die  Schwabacber  Terttype  von  der  Mainzer  Ausgabe  verschieden,  und  möglicher- 
weise eine  jSachbildung  von  Pryss,  der  die  Holzschnitte  der  Ausgabe  von  1486  in 
vorliegendem  Nachdrucke  ebenfalls  ziemlich  genau  eopirte,  derart,  dass  man  nur 
l.f'i  genaiteiii    Vergleiche  die  Verschiedenheit  der  MoUsstöehe  herausfindet. 

Die  Widmung  an  den  Charfürsten  von  Mainz  ist  hier  ausgefallen,  ebenso  das 
Ilennebergische  Wappen  am  Schlüsse;  dagegen  ist  auf  dem  Titel  eine  Abbildung, 
die  Ansiebt  des  heiligen  (irabes  zu  Jerusalem,  hinzugefügt.  Pracht-Einband  von 
dunklem  JiCder  mit  vergoldeten  Beschlägen. 

Eis  ist  jedenfalls  bibliographiscb  von  höchster  Wichtigkeit,  dass  es  uns  gelungen 
ist,  nicht  nur  aUe  drei  Mainzer  Ausgaben  dieses  Bibliothekschatzes  —  lateinisch, 
deutsch  und  holländisch  —  in  unserer  Sammlung  zu  vereinigen,  sondern  auch  den 
Fo  täuschend  ähnlichen  Strassburger  Nachdruck  hinzufügen  zu  können,  um  in  das 
Canzp  völlige  Klarheit  zu  bringen.  — 


No.  922. 

^,£i)rologia  S^eutfd).    i9a$  iß  ain  rbles  mi  hoftlid)$  bttd)lin 

iMim  rrc^ten  Dfrflanb  nias  ^bam  mh  QTIinfiua  fe$  onb  toir 

^bam  tfti  Dn0  flrrbrtt  mi  QTI^nflus  rr^ertt  foU.^^ 

Strassblirg,    Jobann    Knobloch,    J519.      Quart  -  Format. 

Die  Original  -  Ausgabe  lAiihers  von  1Ö18  werden  wir  in  unserer  Sammlung 
unter  Wittenberg  vorfinden.  Ausser  obiger  Strassburger  Ausgabe  erschien  noch  im 
Jahre  1518  auch  eine  solche  bei  Otmar  in  Augsburg;  beide  sind  Nachdruck,  aber 
abenfalls  sehr  gesucht,  da  die  überaus  seltene  Wittenberger  Ausgabe  von  1518  schwer 
zu  erlangen  ist  und  selten  einmal  in  den  Handel  kommt.  Panzer  Ite.schreibt  sie 
unter  No.  898  in   den  Annalen.    — 


No.  923. 

SI)oma$  br  ^qttino:  ,,^e  bratitubinr  artrrnitatt6^^ 

angeblich:    Cöln^  Johann  Veldener,  circa  1470«     Qaart-Format 

Es  Find  die  Bibliographen  Lairet  Panzer  un4  Hain  (No.  136S),  welche  diesen 
Tractat  ..über  die  ewige  Seeligkeit"  des  Thomas  von  Aquino  dem  Johann  Veldener 
in  Cöin  zuschreiben,  ohne  dass  man  sagen  könnte,  mit  welcher  grösseren  oder 
geringeren  Berechtigung  dieses  geschehen  ist.  Dass  eine  solche  aber  den  grösaten 
Zweifeln  unterliegen  müsse,  scheint  uns  aus  dem  gediehen  Mangel  eines  Druck- 
erztMignisses  mit  der  Firma  Johann  Veldener^s  in  Cffln  hervorzugehen,  dessen  An- 
wesenheit in  dieser  Stadt  überhaupt  wohl  nur  auf  eine  conjecturale  Annahme  surück- 
zuf Uhren  ist. 

Hain  hat  diese  Ausgabe,  welche  die  einzige  des  15.  Jahrhunderts  ist,  nicht  gesehen. 
Zur  Ergänzung  geben  wir  Anfang  und  Schluss:  FoL  la:  „Sliciyit  trtctfttBf  kMÜ 
ll)Oine  ^e  oqvlno  |)  orbinis  frotnmt  ^tbicatorum  It  beatitn  il  binr  etrrvitttis*'.  Fol.  S6  a: 
„CrpUdt  tractotns  bettt  i^omt  be  tqvtno  ||  orbU  iirebicatori  be  btttnbtvc  ctmitatif**. 
Fol.  86b  ist  leer.  — 


—    Nachträge.    —  azq 

No.  924. 

Guillermus:  Postilla  snper  epistolas  &  evangelia. 

Cöln^   Johannes  Koelhoflf  de  Lübeck,  1481.     Gross  Quart-Format. 

Dieses  sclteno  Predigtbuch  zur  hauslichen  Erbauung  hat  auch  Hain  nach  No.  82n7 
nicht  selbst  gesehen,  daher  unvollständig  angeführt.  Wir  \volIen  deshalb  das  Wichtigste 
nachtragen.  Das  Werk  enthiilt  174  Blätter,  das  erste  leer,  mit  40  Zeilen  und  dem 
alten  Wasserzeichen  p,  und  beginnt:  ,(  )  Jtam  bona3  et  exitü  beatum".  Am  Schlüsse 
die  vollständige  Datirung  und  Koelhoffs  Firma.  Das  Buch  ist  von  ausserordentlicher 
Seltenheit.  — 

No.  925. 

^,Corbialc  quatiior  noDifpmorum/^ 

CÖI1I5  Bartholomaeus  de  Unckel,  1483.     Quart-Format. 

Höchst  seltene  Aasgabe  und  dadurch  interessant,  das  hier  dieselben  Charaktere 
erscheinen,  wie  sie  die  „Cölner  Bibel*  und  Quentel's  „Summa  Astexani"  von  1479 
aufweisen.  Ein  Beweis,  dass  diese  Druckereien  mit  einander  in  Verbindung  gestanden 
haben  müssen.     Hain  No.  .5703.   — 


No.  926. 

Lactantii  Firmiani  Opera. 

Rom^  Ulrich  Han  &  Simon  Nicolas  de  Lucca,  1474. 

Folio-Format. 

Wir  lernen  durch  die  Schlussschrift  dieses  seltenen  und  prächtigen  Folianten 
noch  eine  von  den  wenigen  Firmen  kennen,  welche  um  diese  Zeit  in  Rom  thatlg 
waren,  wo  der  beliebte  LacüitiUus  mehrfach  gedruckt  wurde,  und  dessen  frühere 
römische  Ausgabe  von  Sweinheim  &  Pannartz  14ß8  wir  bereits  unter  No.  411 
kennen  lernten. 

ririch  Han  oder  Hahn  fanden  wir  unter  seiner  alleinigen  Firma  bereits  auf 
Seite  199  —200,  und  zwar  mit  zwei  seiner  schönsten  datirten  Drucke,  wo  er  sich  das 
einemal  „Ma^ster  Ulricus  Han  de  Yienna*',  das  anderemal  latinisirt  ,Udalricus  Gallus*' 
nennt.  Im  Jahre  1471  verband  er  sich  mit  Simon  Nicolas  aus  Lucca.  Die  obige 
Ausgabe  des  Lactantius  ist  mit  einer  ziemlich  grossen  Antiqua  auf  starkes  Papier 
mit  sehr  breitem  Rande  splendid  gedruckt;  sie  enthält  257  Blätter  mit  87  Zeilen  und 
die  vollständige  Datirnng.  Hain  führt  die  schöne  Ausgabe  unter  No.  9911  an,  Panzer 
hat  sie  in  Band  II  Seite  444  naher  bezeichnet ,  führt  auch  die  ganze  typographisch 
interessante  Schlussschrift  an.  — 

No.  927. 

^,1@iblia  Utina.^^ 

Basel,    Berthold  Ruppel  &  Bernard  Richel,    um  1468   bis  1470. 

Folio-Format. 

Für  das  typographische  Curiosum,  welches  diese  höchst  seltene  älteste  Baseler 
Jiihel  dadurch  aufweist,  dass  deren  erster,  mit  dem  Psalter  abschliessender  Theil 
mit  den  Typen  Berthold  KuppeVs,  der  zuleite  Theil  dagegen  mit  den  Charakteren 
Jiernhard  Rieheis  gedruckt  ist ,  dürfte  eine  vollständig  befriedigende  Erklärung 


440  —    Nachträge.    — 

srhwer  su  finden  sein.  Braun  I  pag.  58  Tentükte  die  Ansicht,  dass  da«  Alter  dieser 
Bibel  zwiscben  die  Jahre  1460  bis  14ßS  zu  setzen  sei;  Rnppel  sei  mit  Kiehel  cu- 
sammen  bald  nach  der  Ertkämiung  Ton  Mainz  nach  Basel  gelconunen ,  und  Beide 
hätten  alsdann,  well  jeder  allein  einem  solchen  Werke  nicht  gewachsen  gewesen, 
dasselbe  gcTneinschaftlich  übernommen,  indem  sie  es  auf  angegebene  Weise  unter  sich 
theilten. 

Dem  widerspricht  jedoch  der  Umstand,  dass  liicher»  erster  datirter  Druck  von 
1 174  zu  weit  von  jenem  Zeitpunkte  entfernt  liegt.  Als  Erstlmf/sti^erk  RuppePs  ist  der 
erste  Tbeil  dieser  Bibel  auch  deshalb  nicht  gut  anzusehen,  weil  der  Druck  desselben 
M<'hon  ein  sehr  vollkommener  und  jedenfalls  viel  vorzüglicher  ist,  als  zum  Beispiel 
die  Ausführung  der  von  uns  unter  No.  423  verzeichneten  „Moralia  in  Jobum<^. 

Zweifelhaft  erscheint  übrigens  auch  das  Urtheil  der  Herren  Stockmeyer  &  Reber, 
welche  die  Typen  des  von  Eichel  gedruckten  zweiten  Theiles  im  Gegensätze  zu  den 
JtuppeVschen  Charakteren  als  ^nicht  mehr  so  roh'^  wie  die  letzteren  bezeichnen.  Wir 
i-i-lauben  uns,  der  Ansicht  zu  Hein,  dass  RuppeVs  Typen  um  Vieles  schöner,  glatter 
lind  schwungvoller  sind,  auch  der  Druck  eleganter  erscheint,  als  RicIieVs  elgenthiim- 
liche  Charaktere,  die  etwas  Spitziges  und  Steifes  an  sich  tragen. 

Das  Einzige,  was  indessen  den  Druck  des  zweiten  Theiles  der  Bibel  zu  seinem 
Vortheile  von  dem  ersten  unterscheidet,  sind  die  bemerkenswerthen  JBolzschniU- 
JniHalen,  welche  bedeutend  schöner  und  grösser  sind,  als  diejenigen,  die  wir  in 
KichePs  späterer  Bibel  von  circa  1472  unter  No.  433  unserer  Sanunlung  bemerken- 
Da  diese  Initialen  jedenfalls  zu  dem  Frühesten  gehören,  was  die  Holzschneide- 
kunst in  dieser  Art  von  Biicherschmuck  hervorgebracht  hat,  so  sind  sie  um  so  mebr 
einer  Aufmerksamkeit  werth,  die  ihnen  seltsamer  Weise  bisher  auch  bei  den  detail- 
lirtesten  Beschreibungen  dieser  Bibelausgabe  nicht  zu  Theil  geworden  ist. 

Wir  zählen  83  dieser  Initialen,  unter  denen  sieh  fast  ein  completes  Alphabet 
zusammenstellt,  als:  A,  B,  C,  D,  B,  P,  G,  H,  I,  L,  M,  N,  O,  P,  Q,  R,  S,  T,  V.  Viele 
di(>fler  Buchstaben  sind  sogar  in  doppelter  Auffassung  vorhanden;  die  Grösse  stellt 
sich  bei  sämmtlichen  auf  ÖV*  Centimeter  im  Geviert. 

Wenn  sich  nun  dieser  ztreite  Theil  der  Bibel  von  dem  ersten  durch  den  Druck 
in  geschilderter  Weise  unterscheidet,  so  ist  im  Uebrigen  eine  Gleichheit  und  Zu- 
sammengehörigkeit, die  sich  durch  das  Papier  mit  gleichem  Wasserzeichen,  die  Rubri- 
cation  und  den  gleichzeitigen,  beide  Volumina  vereinigenden  Original- Einband 
unsers  schönen  Exemplars  kundgiebt,  gar  nicht  zu  verkennen. 

Durch  welche  besonderen  Umstände  aber  die  Verschiedenheit  hier,  und  die 
(ileiohartigkeit  dort  entstanden,  ebenso  die  Möglichkeiten,  wodurch  RuppePs  Tbatig- 
keit  vielleicht  plötzlich  tmterbrochen  wurde,  ob  durch  Tod  oder  Verlust  des  Druck- 
werlueuges ,  so  dass  die  Beendigung  des  Werkes  ein  Anderer  übernehmen  muBstc, 
—  dies  Alles  gehört  in  das  weite  Reich  der  Conjectur,  da  es  an  historischen  Belegen 
jeder  Art  fehlt,  um  diese  oder  jene  Ansicht  zu  stützen. 

Zweierlei  scheint  uns  gewiss,  dass  nämlich  der  erste  Theil  der  Bibel  schon  zu  den 
späteren  Drucken  mit  der  RuppeVschen  Type,  der  zneite  aber  zu  den  frühesten  mit 
der  Type  RichcVs  zu  zählen  ist,  weshalb  wir  in  der  Annahme  der  Jahre  1468  bi.< 
1470  auch  wohl  den  rechten  Zeitpunkt  für  die  Herstellung  des  ehrwürdigen  Bibel- 
AVf-rkes  getrofifen  haben  dürften.  Die  grosse  SeltetHicii  dieses  Bibliothekschatzes  ist 
uns  den  sprechenden  Thiitsaclieii  gegenüber  für  ein  höheres  als  da«  von  uus  an- 
genommene Alter  nicht  massgebend,  wenn  andererseits  auch  feststeht,  dass  die 
Buchdruckerkunst  in  Basel  um  mehre  Jahre  fnCiher  ausgeübt  wurde,  als  man  bisher 
angenommen  hat. 

Die  Gründung  der  Baseler  Universität  im  Jahre  1460  rief  sofort  auch  aus  Deutsch- 
land Männer  als  Studenten  dahin,  die  später  als  Buchdrticl&r  erscheinen,  und  naob 
dorn  Studium  des  unentbehrlichen  Latein  gewiss  sobald  wie  möglich  auch  der  Er- 
Urnung  der  Topographie  sich  widmeten.     In    den  Matrikeln  der  Baseler  Universität 


—    Nachträge.    —  ^41 

kommen  daher  schon  in  den  ersten  drei  Jahren  des  sechsten  Decenniums  ganz  be- 
kannte Damen  vor,  wie  Michel  Wenssler  aus  Strassburg,  der  1468  als  akademischer 
Bürger  vorkommt;  femer  Ulrich  Gering,  Michel  Friburger,  Martin  Krantz,  Eberhart 
Promolt,  Bernhardt  Richel  und  Andere. 

Wenn  aber  cum  Beispiel  grade  dieser  Richel  aus  Strossbiirg  erst  1474  das 
Bürgerrecht  als  Buchdrucker  erkaufte,  in  welchem  Jahre  auch  sein  erster  datirter 
Druck,  der  Sachsenspiegel,  erschien,  so  erklart  sich  dies  dadurch,  dass  das  Bürger- 
recht nach  altem  Herkommen  immer  erst  nach  mehijährigem  Aufenthalte  ertheilt 
wurde.  Auch  Wenssler  kam  schon  1468  von  Strassbnrg  nach  Basel  und  kaufte  1478 
das  Bürgerrecht.  Wir  verdanken  übrigens  diese  speziellen  Mittheilungen  aus  den 
Urkunden  der  fJiite  des  Herrn  Universitiits-Bibliothekar  Dr.  Sieber  in  Basel.  — 


Xo.  928. 

Oldradus  de  Laude:   Consilia  Juridica. 

Basels    Eberhart  Fromolt,    1481.     Folio-Format. 

Wie  schon  am  Schluss  von  Seite  212  zu  No.  438  bemerkt,  kennt  man  von  diesem 
Tjpographen  überhaupt  nur  swei  Drucke,  und  wir  freuen  uns,  hier  auch  den 
zweiten  nachtragen  zu  können.  An  jener  Stelle  auf  Seite  812  steht  übrigens  in 
der  letzten  Zeile  ,De  laude  consilia  Juridica*'  anstatt  Olradi  de  I^audc  „Consilia 
Juridica",  welchen  Satzfehler  wir  gleichzeitig  berichtigen  wollen.  Hain  führt  das 
seltene  Werk  aoter  No.  9B35  genauer  an.  — 


No.  929. 

Petrup  Lombardus:   Textus  sententiaram  cum 
conclusionibus  Henrici  Grorichem. 

Basels  Nicolaus  Kessler,  1489«     Mittel  Folio-Format. 
Schone  Ausgabe  mit  vollständiger  Datirung  und  Firma  Kesslers,    mit  der  das 
Werk  von  1487  bis  149S  fiinffnal  gedruckt  erscheint.     Hain   beschreibt   die  vor- 
liegende  Ausgabe  unter  No.  1019(i.    Firma  und  Druckerzcichcn    befinden  sich  auf 
Blatt  34  von  hinten.  — 


No.   930. 

Augustinus:  Liber  epistolarum. 

Basels  Johann  von  Amerbach«  1498«     Mittel  Folio-Format. 

Hain  beschreibt  diese  seltene  Ausgabe  unter  No.  1969  ausführlicher;  sie  ist 
antiqua  gedruckt,  der  Titel   mit  einer  sehr  grossen  Qothisoh.  — 

No.  931. 

Isidori  Hispalensis  „De  responsione  mundi  &  astrorum 

ordinatione". 

Augsburg^  Günther  Zainer,  1472.     Klein  Folio-Format. 

Die  einzige  und  seltene  Ausgabe  dieses  astrologischen  Schriftchens  dos  Isidorus. 
Sie  ist  mit  derselben  schonen  Antiqua  -  Schrift  gedruckt,  wie  die  Etymologiarum 
libri  IX  desselben  Verfassers,  Druckers  und  Jahres.     Hain  No.  9302.  — 


4 12  —    Nachträge.    — 

No.  932. 

Socci  Sermones  de  tempore  per  circulum  anni. 

Augsburg,  Anton  Sorg,  1476.     Gross  Folio-Format. 

Ein  imposanter  Foliant  von  293  Blättern,  am  Schlüsse  nur  mit  der  Jahrzahl 
versehen.  Dass  aber  Anton  Sorg  in  Augsburg  der  Drucker  ist,  bcweisst  die  piüehtige 
jcothiache  Type  mit  ihren  schon  gezeichneten  und  theilweise  ganz  orginell  versierten 
Versalbuchstaben,  die  man  auf  den  ersten  Rück  wiedererkennt.  Denn  wer  vollte 
nicht  beispielsweise  dieses  schwungvolle  II  und  R  von  hundert  andern  gothischen 
Alphabeten  des  ffinfzehntcn  Jahrhunderts  sofort  unterscheiden. 

Diese  schonen  Typen  mögen  wohl  von  einem  besonders  guten  Metalle  gegossen 
gewesen  sein,  da  der  Typograph  dies  in  der  Schlussschrift  von  No.  628  unserer 
Sammlung  besonders  hervorhebt.  Diese  Schiassschrift  mit  der  vollständigen  Firma 
Anton  Sorgs  beweisst  aber  tugleich,  dass  wir  in  den  obigen  Predigten  des  Soccu»^ 
wirklich  einen  Sorg^schen  Drack  vor  uns  haben,  und  wir  freuen  uns,  ein  zweites 
iil)erau8  seltenes  Werk  mit  denselben  kunstvollen  Typen  hier  nachtragen  zu  können. 
Hain  No.  14837.    Panzer  Annales  I  pag.  lt'7.  — 


No.  933. 

%\nonr}mm:   ,i9ä9  bud)  ber  l)fUi(ifn  altuätcr  mit  ffinm 
brpfpUrn,  bas  cm  latein  grnannt  tfl  ottaspatrttm^^ 

Augsburg,  Anton  Sorg,  1492. 
Interessante  und  seltene  deutsche  Incunabel,  die  Hain  in  der  Münchner  Hof- 
bibliothek nicht  voi^efnnden ,  aber  unter  No.  8607  ungesehen  anfährt.  Es  fehlt 
daher  jede  genauere  Beschreibung.  Das  ,in  Quart  gedruckte  Werk  mit  Firma  und 
Jahrzahl  besteht  complet  in  284  Blättern,  mit  zahlreichen  in  unserm  Exemplare  alt- 
colorirten  Holzschnitten,  deren  wir  260  zahlen,  darunter  ein  blattgrosses  Ütelbild. 
Alle  sind  in  der  alten  groben  Spielkartenmanicr  gezeichnet  und  geschnitten;  sie 
find  zumeist  auch  durch  die  Gegenstände  der  Darstellung  hochinteressant.  — 


No.  934, 

Lactantius  Pirmianus:   Opera. 

Tenedig^   Andreas  de  paltasichis  catarensis  &  Boninus  de  boninis^ 

1478.    Folio-Format. 

Hain  hat  diese  siemlich  seltene  Ausgabe  unter  No.  9813  nach  dem  Miinchaer 
Exemplare  richtig  bezeichnet.  Unser  schönes  breitrandiges  Exemplar  hat  am  Beginn 
des  Textes  auf  Blatt  10  eine  schöne  und  höchst  Interessante  Randmalerei.  Die  Aus- 
gabe hat  die  vollständige  Datirung.   — 


No.  935. 

Gregorins  IX.,  Decretalium  nova  compilatio  Francisci 
geniiensis  de  monelia  cum  glossis. 

Yenedig^   Johann  von  Seigenstadt,  1481«     Gross  Folio-Format. 

l>ieser   prächtige  Foliant    von   318  Blättern  wurde  nach   dem  Colophon   durch 
Johann  von  Seigenstadt  ^unter  den  Ausp'cien   der  ausgezeichneten  Societät  Johann 


Nachträge.    —  /^^t^ 


von   Cöln  und    Niculaus   Jenson*'    gedruckt.     Text   und  Glosse   sind   mit   reizender 
Gothisch  in  zweierlei  Grössen  ausgeführt.    Hain  No.  8011. 

Merkwürdig  ist  der  Umstand,  dass  man  nicht  die  Mühe  gescheut  hat,  die  meist 
nur  aus  ein  paar  Wörtern  bestehenden  Capitel-Ueberschriften  roth  einzudrucken, 
während  alle  Initialen  mit  der  Hand  eingeschrieben  sind,  und  zwar  zur  Hälfte 
ebenfalls  roth,  abwechselnd  mit  Blau.  Auch  sämmtliche  Kubricationszeichen  sind 
roth  eingemalt.  Offenbar  war  es  dem  Kunstler  darum  zu  tbun,  das  Werk  so  pompös 
wie  möglich  auszustatten,  obgleich  man  von  eigentlichen  Malereien  und  Verwendung 
von  Gold  hier  abgesehen  hat.  Am  Schlüsse  findet  sich  das  ziemlich  grosse  Drucker- 
zeichen in  Weiss  auf  rothem  Grunde.  — 


No.  936. 

Augustinus:  De  ciyitate  Dei  cum  commento. 

Yenedig^    Octavian  Scotus,    1489.     Mittel  Folio-Format. 

Diese  seltene  Ausgabe  hat  Hain  No.  2065  nicht  vor  sich  gehabt;  sie  fehlte  in 
Manchen.  Der  Titel  steht  auf  der  ersten  Seite  ganz  nach  links.  Die  Rückseite 
enthält  einen  grossen  schönen  Holzschnitt  mit  Zwischensatz  von  Typen.  Es  folgen 
2S4  Blätter  mit  Bezeichnung  der  Lagen  und  mit  der  Scblussschrift  endigend,  dann 
5  Blatt  Tabula,  auf  der  ersten  Seite  des  letzten  Blattes  mit  der  Druekermarko 
schliessend,  die  mit  den  Buchstaben  O,  S,  M  den  Drucker  Octavianus  Scotus  aus 
Monza  bezeichnet.    Das  Werk  ist  aus  der  Gothisch  in  zweierlei  (irössen  gedruckt.  — 

No.  937. 

Thomas  de  Aquino:  Summae  theologiae  pars  prima. 
Tenetiis  impressa  per  Antonium  de  strata  de 

Cremona.    1489. 

Ejusdem  Prima  pars  secunde  partis  sacre  theologie. 
VeneHis  impressa  per  Theoderü  de  rogazonibus  de 

asula  1490. 

Mittel  Folio-Format. 

Zwei  schöne  gleichmässige  Druckwerke,  die  auch  in  Bezug  auf  die  Kubrication 
in  Roth  imd  Blau  wie  ,aus  Einem  Gnss  zu  sein  scheinen.  In  Beiden  sind  die 
Initialen  abwechselnd  roth   und  blau  eingeschrieben.    Hain  No.  1145  und  1430.  — 


No.  938. 

Quintilianus:  Declamationes  a  Georgio  Alexandro 

recognitae. 

Yenedig,   Lucas  Venetus,  1482« 

Ejusdem  Oratoriae  institutiones. 

Venedig^  Bonetus  Locatellus  sumptibus  Octaviani  Scoti,  1493. 

Beide  Ausgaben  fuhrt  Hain  unter  No.  18649  und  18652  an.   Das  letztere  seltene 
Druckwerk  ist  doppelt  interessant  durch  den  DrucJcfehler  in  der  Jahrzahl,  indem 


AAi  —    Nachträge.    — 

fiUHchUrh  MCOCCLXXIII  uistott  IfCCCCLXCni  stellt.  Oefcavian  Scotus  betrieb  seiir 
Geschäft  erst  von  1480  ab,  zugleich  als  einer  der  grossten  imd  reichsten  Verleger, 
da  er  noch  viele  andere  Druckereien  für  sich  beschäftigte.  Auch  hier  ist,  wie  die 
Fiima  in  der  Sehlusssehrift  seigt»  der  wirkliche  Drucker  Boneius  LocaUüus ;  dwinoeh 
steht  am  Schlüsse  des  Werkes  das  schon  bei  voriger  Nummer  erwähnte  Drueker- 
zeicfaen  des  Octavian  Scotus. 

No.  939. 

Albertus  Magnus:    „De  adhaerendo  vero  deo  cum  aliis 

tribus  tractatibus". 

UI11I9  Johann  Zainer,  circa  1470*     Klein  Folio-Format. 

Nach  Hassler^s  „Bnchdmckergeschichte  ülm's*'  stand  in  dem  Exemplare,  welches« 
.sich  von  vorliegender  Ausgabe  dieser  4  kleinen  Traktate  in  dem  Benedictiner  -  Stift 
8t.  Georgenberg  in  Tyrol  befand,  die  Notiz  y^eniptuft  1470'*^  eingeschrieben.  Die 
Typen  hat  man  mit  denen  übereinstimmend  gefunden,  welche  Jobann  Zainer  147S 
für  die  „Epistola  Petrachae  de  insigni  obedientia  et  fide  Griseldis"  benutzt  hat. 
Demnach  waren  die  römischen  Charaktere  des  vorliegenden  Druckes  die  erste 
Schriftgattung,  mit  welcher  Johann  Zaincr  mindestens  schon  1470  zu  drucken  be- 
gonnen hätte. 

Johann  Zainer  wäre  also  nächst  MenteUn,  der  jedenfalls  schon  um  14ß9  seine 
schonen  Antiqua-Drucke  mit  dem  bizarren  R  zu  ediren  begann  —  der  mweite  deut- 
sche Typograph,  welcher  mit  den  unrechtmässig  so  genannten  „Characteres  romani'' 
gedruckt  hat.  Günther  Zainer  in  Augsburg  schlösse  sich  dann  mit  seinem  Isidorus 
„Etjrmologiarum  liber''  von  1472  erst  als  dritter  an.  Es  darf  daher  der  Isidonis 
nur  als  erster  dtxHrter  deutscher  Antiqua-Druck,  keineswegs  aber  als  erster  deut- 
scher überhaupt  gelten,  wie  dies  bisher  fast  allgemein  angenommen  worden  ist. 

Interessant  ist  das  vorliegende  Werk  auch  durch  die  xylographische  Bordüre, 
welche  sich  auf  dem  ersten  Blatte  befindet.  Sie  wäre  ebenso  der  früheste  derartige, 
von  Johann  Zainer  erfundene  Bücberschmuck.  Bewundernswerth  ist  ferner  der  hier 
zur  Interpunction  an  ganz  beliebigen  Stellen  benutzte  PUnhi,  der  trotz  seiner 
Kleinheit  genau  das  Bild  eines  zierlichen  Sternchens  erkennen  lässt,  und  hier  eben- 
falls auerat  vorkommt.     Hain  No.  429.  — 


No.   940. 

(Eonrabud  Sljurccrnftd:  Sractatus  it  (Eometia. 

Beromttnster,   Helyas  de  Louffen,  1472.     Folio-Format. 

In  Denis  Supplement  Seite  680,  bei  La  Yalliere  Seile  .»iW,  in  ^Dictionaire  de 
yeographie'^  180,  bei  Panzer  I  Seite  803  und  Hain  No.  15  .'SIS  ist  diese  Seltenheit 
ersten  Ranges  übereinstimmend  dem  Helyas  de  Lou£fen  in  der  Klosterdruckerei 
jBeromüntffer  zugeschrieben,  und  es  liegt  kein  Grund  vor,  daran  zu  zweifeln,  wenn 
«uch  das  Opus  keine  Druckfirma  trägt. 

Dann  aber  müssen  wir  die  Annahme,  dass  diese  Druckerei  nur  „zweierlei  Typen" 
besessen  habe ,  wie  wir  schon  auf  Seite  879  bemerkten ,  dahin  berichtigen ,  dass  in 
den  Beromünster  Drucken  allerdings  nur  Gothisch  und  Antiqua  vorkommt,  dass  ab<*r 
beide  Gattungen  wieder  in  drei-  und  beziehentlieh  zweierlei  Formen  vorhanden  sind. 
Alle  fünf  Arten  sind  eine  so  kracklich  und  schülerhaft  wie  die  andere. 

Von  der  grossem  Gothisch  des  Mammotrectus  von  1470  giebt  Palkenstein  auf 
Seite  268  ein  Facsimile,  ebenso  findet  man   die  Alphabete  einzeln  und  besser  aus- 


—    Nachträge.    —  ^j^c 

geffilirt  in  Brauns  Noticia  II,  Tabula  8  unter  No.  Y.  Gleicbgrosse  und  zum  Theil 
noch  grossere  Versalbuchstaben  sind  in  dem  auf  Seite  379  von  uns  beschriebenen 
Werlcchen  von  Savagetus  zwischen  den  Text  verstreut,  und  die  Texttypen  selbst 
sehen  denen  in  obigem  „Tractatus  de  Cometis"  so  täuschend  ähnlich,  dass  man 
bisher  angenommen  hat,  es  seien  ganz  dieselben. 

Diese  Annahme  ist  durchaus  falsch,  denn  in  dem  zuerst  angeführten  Werkchen 
sind  40  compresse  Zeilen  20*/«  Centimeter  hoch,  im  zweiten  nur  19'/«,  und  zwar  von 
der  höchsten  bis  zur  tiefsten  Stelle  der  längsten  Buchstaben  gemessen.  Aber  auch 
die  Form  der  einzelnen  Typen  ist  bei  genauerer  Vergleichung  vielfach  verschieden,, 
sowohl  in  den  Majuskeln,  wie  in  den  Minuskeln.  Ein  Vergleich  der  einzelnen  Buch- 
staben ist  hier  besonders  interessant,  denn  man  stösst  da  auf  Verschiedenheiten,  die 
man  vorher  gar  nicht  geahnt  hat. 

So  ist  zum  Beispiel  in  dem  einen  Druckwerke  das  v  anUqua  und  ganz  schief, 
in  dem  andern  hat  es  vollständig  den  SchwaLucher  Ductus.  Die  Vergleichung  des 
!E,  F,  S  und  Q  ist  ebenso  überraschend.  Das  M  ist  bei  dem  einen  Drucke  rein 
Antiqua,  die  Seitenbalken  stehen  also  gerade;  beim  andern  ist  dieser  Buchstabe 
himmelweit  verschieden,  denn  hier  liegen  die  Balken  schief;  besonders  stark  ist  dies 
beim  vordersten  der  Fall,  so  dass  das  M  wie  zusammengestaucht  aussieht.  Durch 
weitere  Vergleicbungen  kommt  man  bald  zu  der  Ueberzeugung ,  dass  hier  ganz  und 
gar  verschiedene  Typen  vorliegen,  so  überraschend  ähnlich  sich  auch  beide  Druck- 
werke auf  den  ersten  Blick  dem  Auge  darstellen.  Die  Beromünster  Drucke  sind 
übrigens  von  grösster  Seltenheit  und  werden  mit  enormen  Preisen  bezahlt.  Die 
Druckerei  bestand  nur  bis  zum  Jahre  1475.  — 


Bufag  5U  7lo.  740  auf  Seite  347  unter  aflurnöerg. 

Zu  der  von  uns  unter  No.  740  beschriebenen  Ausgabe  von 
Guülermi  ,,  Opera**  möge  nach  weiteren  gründlichen  Untersuchungen 
hier  die  ergänzende  Notiz  Platz  finden,  dass  es  sich  in  der  That 
bestätigt,  was  wir  dort  schon  begründeten:  dass  nämlich  die  be- 
treflfende  Ausgabe  keineswegs  ein  Koberger^ scher  Druck  sei. 
Das  "Werk  ist  vielmehr,  wie  wir  nun  ganz  bestimmt  versichern 
können,  von  Johann  Schönsperger  in  Augsburg  gedruckt. 

Man  vergleiche  No.  740  mit  dem  von  Schönsperger  gedruckten 
Vocabularius  (Hain  No.  3709)  unter  No.  544  unserer  Sammlung,  so 
wird  man  durch  die  vollständige  XJebereinstimmung  der  Typen  beider 
Druckwerke  über  Vorstehendes  die  vollständigste  Gewissheit  erlangen. 
"Wir  wollten  hiermit  nur  noch  das  f  actische  Beweisstück  beibringen.  — 


(Einioe  Bemerkungen 
über  bie  prototi)po0rapl)te  ber  llieberlanbe. 

Nach  der  gänzlichen  Vernichtung  des  Costerianismus  durch 
Dr.  van  der  Linde  in  dessen  „Coster-Legende"  und  „Gutenberg" 
hat  die  Stadt  Harlern  nicht  nur  ihre  Rolle  als  Bewerberin  um  den 
Ruhm  der  Erfindung  der  beweglichen  Typen  ausgespielt,  sondern 
sie  hat  zugleich  aufgehört,  als  Wiege  der  niederländischen  Buch- 
druckerkunst überhaupt  zu  gelten.  Vielmehr  muss  in  der  Reihe 
niederländischer  Druckstädte,  solange  nicht  nach  gedruckter  oder 
geschriebener  documentärer  Evidenz  etwas  Anderes  bewiesen  wird, 
die  Stadt 

Utrecht 

unbedingt  als  erste  betrachtet  werden.  Denn  hier  findet  sich  das 
älteste  gedruckte  Datum  für  die  Buchdruckerkunst  der  Niederlande 
in  der  zu  Utrecht  erschienenen  y,Historia  Scholastica'* ,  1473 
von  Nicolaus  Ketelaer  und  Gherard  de  Leempt  gedruckt.  Hier  in 
Utrecht  tauchen  auch  dieselben  Tafeln,  die  als  Holzschnitte  in  den 
ältesten  /'W^b -Ausgaben  des  „Sfeculum  hufnanae  salvationis"  er- 
schienen waren,  zuerst  in  einer  1481  von  Johann  Veldener  be- 
sorgten ^z/flr/-Ausgabe  wieder  auf.  In  der  vortreflFlichen  Reproduction 
des  „Speculuvi  humanae  salvationis'*  von  Berjeau  findet  man  jene 
Holztafeln  noch  undurchschnitten,  und  von  der  vorletzten  derselben 
kann  man  bei  Iloltrop  „Monuments  typographiques"  Tafel  39  (29) 
auch  die  erste  Hälfte  des  Durchschnittes  sehen. 

Camphell  führt  in  seinen  „Annales  de  la  Typographie  Neerlan- 
daise"  No.  690  den  letztgenannten  Druck  „Epistelen  ende  Evangelien 
mitten  sermonen  van  al  den  jaere'%  Utrecht  Jan  Veldener  1481,  mit 
folgender  Bemerkung  an:  „Comme  cette  edition  des  Epistelen  conlient 
des  planches  qui  ont  fait  partie  des  xylographies  employees  pour 
les  6ditions  in-folio  du  Speculum  humanae  salvationis  et  comme 
c*est  ici  la  premiere  fois  qu*elles  se  montrent  sciees  en  deux  parties, 
on  en  conclut  que  Veldener  les  a  trouvees  et  a^heties  ä  Utrecht 
et  aussi  que  la  prototypographie  Nierlandaise  a  eti  etablie  dans 
cette  ville," 

Auch  in  der  fünften  Auflage  des  „Speculum  humanae  salva- 
tionis",  die   Johann   Veldener   in    Culenhorg   druckte,   wo  er   sich 


—    Die  Piototypographie   der  Niederlande.    —  117 

inzwischen  niedergelassen  hatte,  kommen  dieselben  in  zwei  Hälften 
getheilten  Tafeln  vor.  Das  sind  bis  jetzt  die  einzigen  Anhaltspunkte, 
mit  welchen  man  bei  Beurtheilung  der  niederländischen  Wiegen- 
drucke als  mit  unumstösslichen  Thatsachen  rechnen  darf. 

Campbell  verzeichnet  in  seinem  ausgezeichneten  Cataloge  auf 
pag.  517  &  518  sechszehn  Werke  in  nicht  weniger  als  45  ver- 
schiedenen Ausgaben,  die  bisher  von  anonymen  niederländischen 
Drucken  bekannt  geworden  sind,  und  deren  Aussehen  und  Schrift- 
charakter an  ihrer  niederländischen  Primitivität  nicht  zweifeln  lässt. 

Muss  man  nun  freilich  die  exacte  Forschung  billigen,  die  kein 
anderes  als  ein  urkundlich  beglaubigtes  Datum  anerkennen  und 
demzufolge  für  die  Geschichte  des  holländischen  Buchdrucks  keine 
andere  Jahrzahl  als  etwa  „vor  1473'*  einräumen  will,  so  wird  man 
dennoch  im  Anblick  jener  stattlichen  Reihe  von  Wiegendrucken, 
die  doch  eine  nicht  wegzuleugnende  Thatsache  sind,  sich  einge- 
stehen müssen,  dass  es  in  Holland  schon  fi^her  zum  Drucke  mit 
beweglichen  Lettern  gekommen  sein  müsse,  als  die  unerbittlich 
historischen  Beweise  es  zulassen  wollen. 

Wirft  man  zum  Beispiel  nur  einen  Blick  in  den  durch  unsere 
Sammlung  dargebotenen,  höchst  seltenen  holländischen  Miscellan- 
Druck,  der  die  folgenden  Schriften  vereinigt:  CiSutUeltni  ht  ^alicrto 
^,3:rartatuö  be  saluU  corpoiis'';  3ol)«itniö  ht  itiirrcrrrmata  ^^ÖLraclatus 
be  Salute  animat'';  |lii  II  ^^Jiractatus  be  amorc'*;  ^,^xts  lawbf  ^omm 
liraefalio*^ ;  „l^omtri  %u^  t  (Srarro  in  Jatimim  iifrfa'";  ^,|lro  laube 
J^omtxi  iUustrium  üirorwin  tfrtimonia'';  ^,(gpitapt)ia  waria"  (Campbell 
No.  1493),  so  wird  man  sich  dem  totalen  Eindrucke  der  kostbaren 
Incunabel  als  dem  eines  sehr  frühen  Druckwerkes  gar  nicht  ver- 
schliessen  können. 

Ja  man  läuft  sogar  leicht  Gefahr,  durch  die  bei  den  hollän- 
dischen Drucken  mehr  als  bei  allen  andern  frühesten  Incunabeln 
auffallende  Rohheit  und  durch  die  besonders  grossen  Schriftgattungen 
derselben  verführt  zu  werden,  ihnen  ein  noch  höheres  Alter  zu 
vindiciren  als  unbedingt  nöthig  ist;  der  aufmerksame  Beobachter 
wird  jedoch  diesen  Fehler  leicht  vermeiden  können. 

Man  hat  sich  daran  gewöhnt,  bei  Beurtheilung  von  Incunabeln 
die  Thatsache  sprechen  zu  lassen,  dass  bei  uns  in  Deutschland 
nach  Erfindung  des  verbesserten  Gussverfahrens  alsbald  die  Gattung 
der  Missaltypen  als  Textschrift  ausser  Curs  gesetzt  wurde,  so  dass 
schon  bei  deutschen  Incunabeln  der  sechsziger  Jahre  des  15.  Jahr- 
hunderts fast  allgemein  die  mit  härteren  Leitern  gedruckten  kleinen 
Schriftgattungen  Eingang  gefunden  hatten. 

Als  nun  aber  jene  niederländischen  anonymen  Drucke  bekannt 


aaQ  —    Die  Prototypographie  der  Niederlande.    — 

wurden,  und  man  ausnahmslos  darin  jene  grossen  unbequemen 
Typen  gewahr  wurde,  die  in  Deutschland  nur  die  allerfrüheste  Zeit 
markiren,  so  war  der  Schluss  ebenso  leicht  als  gefährlich,  dass  man 
es  hier  ftiit  mindestens  ebenso  alten  Drucken  zu  thun  habe,  wie 
diejenigen  sind,  die  in  Deutschland  mit  derselben  Schriftgattung 
gedruckt  wurden.  Leider  übersah  man  nur  dabei  den  Einen  Um- 
stand, der  die  Rechnung  mit  einem  Schlage  anders  stellt. 

Während  nämlich  in  Deutschland  jene  grossen  Typen  schon  in 
den  sechziger  Jahren  als  Textschrift  vielfach  ausser  Gebrauch  "kommen 
und  nur  als  Auszeichnungsschrift  für  Titel,  Capitel -Rubriken -und 
dergleichen  fortbestehen,  geht  es  in  den  Niederlanden  ganz  anders 
zu.  Hier  kommen  dieselben  grossen  Schriftgattungen  noch  in 
datirten  Druckwerken  der  achtziger  und  neunziger  Jahre  als  Text- 
schrift vor,  wie  man  auch  aus  den  in  unserer  Sammlung  vertretenen 
niederländischen  Incunabeln  leicht  ersehen  kann.  Es  ist  daher  die 
Grösse  der  meist  rohen  Charaktere  in  einem  niederländischen  Druck- 
werke flicht  wie  bei  uns  der  Beweis  für  das  höhere  Alter  eines 
bezüglichen  Werkes. 

Es  ist  eine  allgemeine  Phrase,  wenn  bezüglich  der  Erfindung 
der  Buchdruckerkunst,  und  der  zur  Zeit  überlebten  Concurrenz  der 
Niederlande  gegen  Deutschland,  der  grosse  Goethe  angeführt  wird, 
der  „so  treffend**  sagt:  „Jedes  Zeitalter  schwebt  in  einer  Atmo- 
sphäre gemeinsamer  Gesinnungen  und  Gedanken,  und  ist  es  ebenso 
natürlich,  dass  dieselben  Entdeckungen  von  verschiedenen  Personen 
ungefähr  um  dieselbe  Zeit  selbständig  gemacht  werden,  als  dass  in 
verschiedenen  Gärten  Früchte  einerlei  Art  zu  gleicher  Zeit  vom 
Baume  fallen."  —  So  ein  allgemeiner  schöner  Gedanke  ist  eben 
weiter  nichts  als  eine  sanfte  Musik,  die  dem  Texte  tintr  f actischen 
Erfahrung  zur  erhebenden  Begleitung  dienen  kann,  aber  es  ist 
absurd,  damit  historische  Lücken  ausfülUn  zu  wollen. 

Wenn  es  zutrifft,  dass  die  in  den  alten  niederländischen  Druck- 
denkmälern vorgefundenen  Typengattungen  in  ihrer  Gestalt  von 
allen  deutschen  und  von  Deutschland  entlehnten  Schriften  ver- 
schieden sind ,  dass  sie  dagegen  mit  dem  Ductus  der  niederländischen 
Bücherhandschriften  des  15.  Jahrhunderts  vollkommen  überein- 
stimmen, so  ist  leicht  eine  Erklärung  zu  finden,  ohne  dass  man 
das  Goethe*sche  „Naturwunder"  zu  Hilfe  zu  nehmen  braucht. 

Es  ist  eine  allgemein  bekannte  Sache,  dass  um  1462,  vielleicht 
auch  schon  früher  —  da  Werner  Rolevinck  in  seinem  Fasciculus 
schon  das  Jahr  I457  angiebt  —  sich  die  Kunst  von  Mainz  aus 
verbreitete.  Wir  wissen,  dass  es  Mainzer  Gehülfen  waren,  die 
nach  Cöln,  Subiaco,  Rom,  Basel,  Nürnberg,  Foligno  etc.  kamen  und 


—    Die  Prolotypograpbie   der  Niederlande.    —  440 

auf  unmittelbarem  Wege  zugleich  mit  der  Kunst  auch  ihre  in  Mainz 
srlangte  Vollkommenheit  dahin  übertrugen.  Neben  dieser  unmittel- 
baren Fortpflanzung  durch  die  That,  deren  Segnungen  gewissen 
prädestinirten  Orten  zu  Theil  geworden,  hat  aber  ohne  Frage  an 
andern  Orten  eine  Ueberlicfeiung  nur  durch  das  Wort  stattgefunden; 
hierhin  und  dorthin  mag  das  vielzüngige  Gerücht  die  neue  Kunde 
getragen  haben;  warum  also  nicht  nach  den  Niederlanden?  Wir 
glauben  dies  ganz  gewiss  1 

So  sehen  wir  denn  auch  hier  zwar  die  grosse  Mainzer  Er- 
findung  verwerlhet,  aber  unabhängig  von  den  V ortheilen  des  Ver- 
fahrens,  welche  die  Kunst  in  Mainz  schon  gezeitigt  hatte ;  hier 
sehen  wir  sie  gewisserraassen  noch  einmal  geboren  werden;  wir 
sehen  die  ersten  Niederländer  Typographen  mit  denselben  Schwierig- 
keiten ringen,  die  vielleicht  Jahrzehnte  vorher  schon  Gutenberg, 
,  der  Frfinder,  ebenfalls  durchgekämpft  hatte  und  zwar,  wie  wir  bereits 
betonten,  findet  hier  der  Kampf  mit  ungleich  geringerem  Erfolge 
statt,  denn  Jahrzehnte  hindurch  quälte  man  sich  hier  noch  mit 
denselben  unbequemen  Schriften  ab. 

Es  war  also  nicht  bloss  die  Eine  Idee ,  die  nur  erst  gegeben, 
hier  wie  dort  denselben  Effect  hervorbringen  musste.  Wir  sehen, 
dass  in  Holland  noch  Jahrzehnte  hindurch  mit  denselben  plumpen 
Schriften  gedruckt  wird,  während  in  Deutschland  das  verbesserte 
Gussverfahren  mit  härterem  Metall  fast  in  unmittelbarem  Gefolge 
der  ersten  Idee  erscheint,  und  so  der  eigentliche  Zweck,  Wohlfeü- 
heit  und  Schnelligkeit ,  durch  Herstellung  kleinerer  Typen  erst 
vollständig  erreicht  wird. 

Wann  und  auf  welche  Weise  sehen  wir  aber  die  Erfindung 
bis  zu  diesem  Culminationspunkte  auch  in  den  Niederlanden  empor- 
schreiten? Dann  erst,  als  auch  in  den  Niederlanden  deutsche  Typo- 
graphen .ihre  Offizinen  errichteten,  und  endlich  durch  diese  €Ule 
Vortheile  der  Kunst  auch  hier  verbreitet  wurden.  Der  berühmte 
Richard  Paffroed  aus  Cöln  führte  in  Deventer  die  Buchdrucker- 
kunst ein,  'Johann  der  Westphale,  aus  der  Gegend  von  Paderborn 
gebürtig,  war  1473  in  Alost  und  1474  in  Löwen  thätig.  Beide  druckten 
mit  kleinen  deutschen  Schriften,  während  ringsherum  noch  die  grossen 
niederländischen  Typengattungen  in  Gebrauch  waren. 

Unsere  Sammlung  gewährt  die  Annehmlichkeit,  diese  Ent- 
wickelung  der  niederländischen  Typographie  nicht  nur  mit  dem 
geistigen  Auge,  sondern  auch  an  den  Originaldrucken  selbst  er- 
kennen zu  können. 

So  giebt  der  von  uns  schon  auf  Seite  447  angeführte  Miscellan . 
Wiegendruck  ein  Oiriginalbild ,    wie    die    erstet^  niederländischen 

29 


^co  —    Die  Prototypographie   der  Niederlande.    — 

Drucke  aassahen,  während  das  schöne  Facsimile-Werk  des  f,jS|icnilttiii 
^nmanae  ^Aloatiome*^  von  J.  Ph.  Berjean,  Londres  1861,  auch  eine 
Vorstellung  von  diesem  für  den  allerältesten  Niederländischen 
Druck  gehaltenen  Werke  giebt.  Eine  Seltenheit  ersten  Ranges 
erblicken  wir  femer  in  der  Editio  princeps  von  ^l)omae  s  finnpt« 
M^ptt«",  welche  die  ersten  bekannten  Typographen  TJtreehVs, 
Keteiaer  und  Leempt,  daselbst  wahrscheinlich  noch  vor  1473 
druckten  (Campbell  No.  1657). 

Ein  seltener  Druck  von  Geraert  Leeu  in  Ootula:  ,,13aii 

lim  Uofn  bnr  ^filijjljfr  oabernt  tn  bcr  rocfflinm**  1480  (Campbell  No.  9.^7) 
zeigt  ebenfalls  noch  grosse  niederländische  Typen;  ebenso  die  beiden 
kostbaren  Harlemer  Drucke  des  ersten  Typographen  dieser  Stadt 
Jncop  Bellaert:  ^,^nmmt  U  rot)  of  bee  rontnre  fumme  in  but^tfclyt 
lioor  ^ait  tian  JBrfbftorbf**  1484  (Campbell  No.  1630)  und  C^ngelfmairs 
,,9ordt  mn  htn  ei)9enffappfn  htx  bingen*^  1485,  mit  interessanten  Holz- 
schnitten.    (Campbell  No.  258). 

Ferner  citiren  wir  die  frühen  Delfter  Drucke  von  Jacques 
flls   de  Jacques   van  der    Meer   oder  Jacohszoan  und 

dessen  Socius  Maurifs  Yemanfszoon:  ,,5uinme  Ic  roi)"  von 
1478  (Campbell  No.  1627)  und  das  von  ersterem  allein  gedruckte: 
ffJBoec  oan  brn  gl)ebobtn  (!Sot0**  1482  (Campbell  No.  802);  desgleichen 
von  Henrich  Eckert  van  Homherch:  ^^jDat  liabttbofdt**  des 
Hieronymus  1498  (Campbell  No.  939). 

Diesen  folgen  die  seltenen  Jncunabeln  von  Peter  Os  de 
Breda  in  Zwolle:  H^nnarbM«  ^rrmonen,  iDintrr-enbe  domerpndi^^ 
1495  (Campbell  No.  276)  mit  hochinteressanten  Holzschnitten,  und 
des  Ludolphus  „SBofc  onö  odnben  leorn  Ijffrm  ^ffu  CITIjrifli*^  1499  mit 
einer  grossen  Anzahl  prächtiger  Holzschnitte    (Campbell  No.  Ii85). 

Mit  allen  diesen  bieten  dann  interessante  Vergleiche  die  mit 
kleinen  Schriften  hergestellten  Drucke  holländischer  Typographen 
deutscher  Herkunft,  zum  Beispiel  des  Johannes  de  Westphalia 
in  Loewen:  (Bmllebrrti  i2;orna((n|id  ^,j5ermoneö**  circa  1481  —  83 
(Campbell  No.  896) ;  Aeneae  Silvii  „Epistolae  ad  amicos  in  quadru- 
plici  vitae  statu"  1483,  mit  römischer  Schrift  gedruckt.  (Campbell 
No.  23);  3ol)anni«  .^uniorifl  ^i.Scdla  codi  1485  (Campbell  No.  1044) 
und  Sortii  ^,ör  confolationf  pl)ilofopl)iae  Ubri  V"  1485  (Campbell 
No.  308).  Ferner  die  Drucke  des  berühmten  JRichard  Poffroed 
in  Devenfer^  von  dem  ein  schönes  Exemplar  der  ,,i^l|(olo9ia 
tMtwralift**  des  Raymundus  de  Sabunde  circa  1480  (Campbell  No.  1490^ 
bei  uns  vorliegt,  wie  auch  paptiötar  l^antuam  „bf  pattentta^^  iSOK 
und  ^oanntft  pin  ,^iDi6putationrs  aboerfu»  aprologoft"  1502.  — 

Zu  einem  andern  Genre  von  Druckwerken  gehören  die  Producte 


—    Die  Prototypographie   der  Niederlande.    —  ^:^I 

des  Colard  Mansion  in  Brügge  und  des  Johann  Veldener 

in  Löwen  und  Utrecht f  welcher  letztere  später  auch  in  Culetl- 
bürg  druckte.  Von  beiden  Typographen  ist  es  wahrscheinlich, 
dass  sie  ihre  Vorschule  in  Cöln  durchgemacht  haben  und  dort 
die  schöne  Type  des  ^^Recueil  des  histoires  de  Troyes'*  kennen 
lernten  y  dessen  erste  Auflage  Ulrich  Zell  mit  einer  eigens  dazu 
gefertigten  Batarde-Ty^^  im  Auftrage  des  Herzogs  Philipp  des 
Guten  von  Burgund  gedruckt  haben  soll.  Denn  mit  ganz  ähnlichen 
Schriften  druckte  Colard  Mansion  in  Brügge  eine  ganze  Reihe  von 
Werken,  und  von  Jan  Veldenaer  liegen  dessen  prächtige  Ausgaben 
des  „5a§ciciilu§  temporum"  von  Löwen  1476  und  Utrecht  1480, 
letztere  mit  schönen  Holzschnitten  (Campbell  No.  1478  &  1479), 
bei  uns  vor,  die  eine  ähnliche  Type  aufweisen^  wie  der  „RecueiP*, 
von  welchem  die  späteren  englischen  Ausgaben  bekanntlich 
Williadn  Caxton  mit  denselben  Typen  gedruckt  hat. 

Von  Colard  Mansion  dagegen  sind  wir  so  glücklich,  einen 
kostbaren  Druck  zu  besitzen,  der  mit  einer  andern  als  seiner  ge- 
wöhnlichen Batarde -Type,  nämlich  mit  einer  ziemlich  grossen 
semig othischen  Schrift  gedruckt  ist,  welche  trotz  ihrer  Härten  eben- 
falls den  deutschen  Einfluss  unverkennbar  hervortreten  lässt,  der 
erwähnte  Druck,  eine  Seltenheit  ersten  Ranges,  sind  des  iPtont)|iUd 
Arfopagita  ,,J)puöcula"  mit  der  Schlussschrift:  jJmpre(Tum  prugie  ptr 
arol«r-  Ij  b«m  ^^tnnffonis*^  (Campbell  No.  579  vers  1480)    — 

Wir  haben  am  Schlüsse  dieses  ersten  Theiles  zu  unserm  Cataloge, 
welcher  nur  die  18  frühesten  Druckstädte  bis  zum  Jahre  14:70 
umfasst,  auch  die  Ansprüche  Hollandes  in  Kurzem  würdigen  zu 
müssen  geglaubt,  weil  die  vorhandenen  ältesten  niederländischen 
Druckdenkmäler  allerdings  den  Eindruck  in  uns  hervorrufen,  als 
konnten  sie  vor  1470  entstanden  sein. 

Da  indessen  auf. der  andern  Seite  ein  früheres  Datum  als  die 
Jahrzahl  14:73^  sei  es  gedruckt  oder  sonst  documentirt,  überall 
nicht  aufzufinden  ist,  so  gehört  die  ganze  Reihe  der  holländischen 
Druckstädte  in  das  Gebiet  unsers  später  erscheinenden  zweiten 
Theiles,  in  welchem  mehr  als  dreihundertfünfzig  zum  Theil  bisher 
unbekannte  Druckorte  nach  1470  in  alphabetischer  Reihenfolge 
und  zumeist  mit  ihren  frühesten  Erzeugnissen  aufzuführen  sein 
werden.  Hier  werden  dann  auch  die  niederländischen  Drnckstädte 
im  Einzelnen  zxx  behandeln  sein,  während  an  dieser  Stelle  mit  der 
Darlegung  unserer  Motive  der  Sache  Genüge  gethan  sein  möge. 


20* 


AnQang. 


erfter  |?ud)brtirkpre|Te  »om  3al)te  1441^ 

wkbzv  auf^cfunöen  im  eljcmaligen  Drucfljaufe  &uicnbzrq,s, 
6cnx  „t)of  5um  3un9cn"  in  iTlain^. 

OiU  Abbtlbung  als  Sitrlbill)  }n  oorlirgrndnn  ((alalodc. 

Beim  Anblick  dieser  ehrwürdigen  Reliquie  kann  man  sich  im 
Geiste  so  recht  in  jene  grosse  Epoche  des  fünfzehnten  Jahrhunderts 
zurückversetzen,  wo  Gutenbergs  gewaltige  Erfindung  des  Buchdrucks 
mit  beweglichen  Typen  eine  ganz  neue,  höhere  Culturstufe  des 
Menschengeschlechts  anbahnte,  und  man  mit  Recht  ausrufen  konnte: 
Es  ward  Licht!  Denn  Finsterniss  und  Aberglaube  umfingen  im 
Allgemeinen  die  Geister,  bevor  nach  dem  Jahre  14ÖO  die  ersten 
Druckerzeugnisse  Johann  Gutenbergs  die  Welt  in  Erstaunen  setzten, 
wo  nicht  nur  als  erstes  grösseres  Druckwerk  die  heilige  Schrift, 
sondern  in  den  folgenden  Jahren  bald  auch  andere  wichtige  Erbauungs- 
bücher, historische  und  naturwissenschaftliche  Werke,  Gesetzbücher, 
Grammatiken  und  allerhand  Bildungsmittel  auch  für  das  Volk  aus 
der  Presse  hervorgingen. 

Aus  den  Studirstuben  der  Gelehrten,  aus  den  Klöstern  und  den 
Schlössern  der  Reichen  drang  das  Licht  hinaus  in  das  Volk,  dem  es 
früher  kaum  vergönnt  gewesen  war,  ein  belehrendes  Buch  zu  sehen 
oder  zu  lesen,  wo  man  überhaupt  schon  lesen  konnte.  Wie 
schwierig  und  kostspielig  früher  ein  Schriftwerk  herzustellen  war, 
dies  zeigt  unser  Bibliographisches  Museum  in  den  verschiedenen 
prächtig  geschriebenen  Betbüchern,  theologischen  Abhandlungen, 
Psalterien,  Missalen  und  andern  handschriftlichen  Denkmälern  aus 
dem  Mittelalter  bis  in  das  fünfzehnte  Jahrhundert,  die  als  Vorläufer 
des  gedruckten  Wortes  unsere  ganze  Aufmerksamkeit  und  Be- 
wunderung verdienen. 

Dass  wir  diese  prächtigen  Schriftwerke  zumeist  den  Klöstern 
verdanken,  ist  bekannt ;  ihrer  rühmlichen  Thätigkeit  im  Abschreiben 
und  Vervielfältigen  alter  Handschriften  verdanken  wir  aber  auch  die 
Erhaltung  der  Meisterwerke  vieler   klassischer  Autoren  des  griechi- 


—    Anhang.    —  Ac-y 

sehen  und  römischen  Alterthums.  Als  aber  die  Thätigkeit  der  Kloster 
gegen  das  fünfzehnte  Jahrhundert  hin  in  dieser  Richtung  allmählig 
nachliess,  die  Aebte  der  weltlichen  Gelehrsamkeit  mehr  und  mehr 
entsagten  und  ihre  Sorge  auf  ein  strengeres  ascetisches  Leben  in  den 
Klöstern  gerichtet  war,  da  wurden  die  Werke  mancher  klassischer 
Autoren  immer  seltener,  und  die  Gefahr  ihres  gänzlichen  Ver- 
schwindens  lag  nur  zu  nahe,  als  Gutenbergs  grosse  Erfindung  wie 
ein  rettender  Engel  dazwischen  trat. 

Wie  viele  unschätzbare  klassische  Werke  waren  aber  damals 
schon  gänzlich  verloren,  von  andern  fanden  sich  nur  noch  vereinzelt 
Abschriften  vor,  zum  Theil  sogar  nur  Fragmente.  Die  ersten  fünf 
Bücher  des  Tacitus  fanden  sich  glücklicher  Weise  noch  in  dem 
Kloster  Corvey  vor,  und  wurden  durch  die  Vermittelung  von  Papst 
Leo  X.  ans  Licht  gezogen.  Von  den  Werken  des  Polybius,  Dio 
Cassius,  Ovidius  und  mehrern  Andern  sind  wichtige  Theile  ganz 
verschwunden,  und  von  des  Livius  Römischen  Geschichten  waren 
von  1505  ab  die  ersten  Auflagen  des  bis  dahin  noch  Vorhandenen 
bereits  in  Mainz  erschienen,  als  man  weitere  Stücke  davon  erst  in 
der  Dombibliothek  zu  Mainz  selbst,  dann  im  Kloster  Lork  am  Rhein 
entdeckte.  Wie  leicht  hätten  auch  diese  Fragmente,  gleich  den 
immerhin  noch  heute  fehlenden,  verloren  gehen  können,  wären  sie 
nicht  zum  Zwecke  der  Vervielfältigung  durch  die  Buchdruckpresse 
an*s  Licht  gezogen  und  der  Allgemeinheit  zugeführt  worden. 

Wie  traurig  es  bis  dahin  mit  der  allgemeinen  Volksbildung 
gestanden,  kann  man  leicht  ermessen,  wenn  man  die  Kostspieligkeit 
dei  geschriebenen  Bücher  vor  Guten bergs  Zeit  in  Betracht  zieht. 
Das  Abschreiben  war  ebenso  mühsam  und  theuer,  wie  das  bis  zum 
vierzehnten  Jahrhunderte  ausschliesslich  dazu  verwendete  Pergament 
in  hohem  Preise  stand,  denn  zu  einem  leidlich  starken  Buche  mussten 
schon  eine  ziemliche  Heerde  von  Schafen  oder  Ziegen  ihr  Fell  her- 
geben, woraus  das  Pergament  hergestellt  wurde.  Von  der  Selten- 
heit und  dem  hohen  Werthe  der  Bücher  im  Mittelalter  mögen  hier 
nur  einige  Beispiele  Platz  finden. 

Die  Geschichte  hat  es  als  etwas  Ausserordentliches  aufbewahrt, 
dass  die  Merovingerin  Gisela,  als  sie  nach  dem  Sturze  ihres  Vater- 
hauses im  8.  Jahrhunderte  den  Schleier  nahm,  dem  Kloster  Kochel 
in  Oberbayern  einen  Bücherschatz  von  21  Bänden  mitbrachte,  auch  im 
Kloster  Benedictbeuren  fünf  Capläne  zum  Copiren  von  Handschriften 
besoldete.  Schon  im  neunten  Jahrhunderte  war  dieses  Kloster  berühmt 
als  Pflanzstätte  der  Wissenschaft  und  des  Bücherwesens,  nicht  minder 
Wessobrunnn,  Andechs,  Rottenbuch,  Ettal,  PoUing,  Tegernsee  und 
andere,  wo  die  Bücherei  schon  frühzeitig  blühte. 


^^^  —    Anhang.    — 

Von  einem  Mönche  Namens  Ulrich  hat  sich  die  Nachricht  er- 
halten, dass  er  im  Jahre  1054  einen  grossen  Weinberg  bei  Bozen 
in  Tyrol  erwarb,  den  er  mit  einem  schön  geschriebenen  Messbuche 
bezahlte.  Die  Nonne  Diemut  aus  Wessobrunn  tauschte  im  Jahre 
1130  ein  grosses  Landgut  am  Peissenberge  gegen  eine  von  ihr  selbst 
geschriebene  lateinische  Bibel  ein.  Um  das  Jahr  1250  besass  der 
berühmte  italienische  Rechtsgelehrte  Accursius  eine  der  grössten 
Privatbibliotheken,  die  in  20  Bänden  bestand,  aber  das  umfängliche 
Corpus  juris,  das  er  sehr  nöthig  brauchte,  hatte  sich  der  wohlhabende 
Mann  doch  nicht  anschaffen  können. 

Von  Kaiser  Karl  IV.  ist  bekannt,  dass  er  1378  seine  berühmte 
Bibliothek  von  120  Bänden  seiner  Vaterstadt  Prag  hinterliess,  und 
dass  aus  diesem  Bücherschatze  die  dortige  bedeutende  Universitäts- 
Bibliothek  hervorgegangen  ist.  Die  ebenfalls  hochberühmte  Heidel- 
berger Bibliothek  begründete  Kurfürst  Ludwig  der  Bärtige;  er 
besass  den  grÖssten  damaligen  Bücherschatz  von  152  Bänden,  den 
er  1436  der  Stadt  Heidelberg  hinterliess.  Noch  im  Jahre  1455,  wo 
das  erste  gedruckte  Buch  in  Mainz  erschien,  verkaufte  Anton  Peca- 
tellus  von  Palermo  einen  schönen  Meierhof  für  120  Goldgülden,  um 
sich  dafür  die  Abschrift  eines  Livius  zu  kaufen;  der  Verkäufer, 
Namens  Peggio,  erwarb  aber  für  diese  damals  bedeutende  Summe 
ein  schönes  Landhaus  bei  Flotenz. 

Unter  solchen  Umständen  war  es  sehr  natürlich,  dass  bei  dem 
gewöhnlichen  Volke  selten  ein  Buch  zu  sehen  war.  Nur  die  schou- 
besser  situirten  Leute  vermochten  allenfalls  sich  ein  einfaches  Gebet- 
buch zu  erzeugen;  der  Arme  konnte  ja  ohnedies  selten  lesen.  Erst 
die  Buchdruck  presse  sorgte  ausreichender  nicht  nur  für  Er- 
bauungsschriften, sondern  auch  für  Unterrichtsbücher,  und  er- 
möglichte die  Einrichtung  von  Schulen.  Und  wenn  dies  auch  im 
ganzen  fünfzehnten  Jahrhunderte,  ja  selbst  bis  zur  Reformations- 
zeit noch  ziemlich  langsam  vor  sich  ging,  so  wurde  doch  ein  er- 
freulicher Umschwung  herbeigeführt,  und  der  Anfang  zum  Besseren 
war  gemacht;  dem  Volke  war  geistige  Nahrung  geboten. 

Mögen  wir  daher  auch  noch  so  viele  wichtige  Erfindungen  und 
Entdeckupgen  in  Wissenschaft,  Kunst  und  Industrie  an  unserm 
geistigen  Auge  vorübergehen  lassen,  immer  werden  wir  mit  er- 
hebendem Gefühle  und  dankbaren  Herzens  auch  des  grossen  Er- 
finders der  Buchdruckerkunst  gedenken;  denn  sie  war  es  ja, 
durch  deren  Verbreitung  Wissenschaft,  Kunst  und  allgemeine 
Bildung  ermöglicht  und  gefördert,  ja  grossentheils  erst  hervorgerufen 
worden  sind. 

Ein    doppelt    erhebendes  Gefühl   muss    aber    in   uns   erwachen, 


—    Anhang.    —  4^^ 

wenn  wir  hier  die  ehrwürdigen  Fragmente  von  Gutenbergs  erster 
JBtlchdruckprestte  mit  des  Erfinders  Monogramm  ^«  <&«  und 
der  Jahrzahl  MGDXLI  vor  uns  sehen,  sorgfaltig  ergänzt  nach 
allen  Abbildungen  von  Buchdruckpressen  des  fünfzehnten  Jahr- 
hunderts, und  dergestalt  wieder  zusammengefügt,  dass  die  alten 
Original-Holztheile,  sowie  sie  am  22.  März  1856  im  ehemaligen  Guten- 
berg'schen  Druckhause,  dem  „Hof  zum  Jungen"  in  Mainz,  aus  dem 
Brandschutte  herausgearbeitet  wurden,  genau  erkenntlich  hervortreten. 

Die  bei  unserer  Abbildung  dunkler  gehaltenen  obern  Par- 
thien  zeigen  die  Fragmente  in  ihrem  Zustande  nach  der  Auf- 
findung; es  ist  der  obere  Querbalken  mit  der  Inschrift  und 
die  obeni  Theiie  der  beiden  Seitenbalken,  mit  denen  auch  die 
Presse  über  drei  Fuss  tief  in  den  Fussboden  befestigt  war.  Nur 
der  Querbalken  ist  von  Eichenholz;  alle  übrigen  Theiie  und  selbst 
die  starken  Seitenbalken  waren  von  weicherem  Holze;  sie  zerbrachen 
und  zerfielen  daher  grösstentheils  beim  Ausgraben.  Die  im  Fuss- 
boden befestigten  Seitenbalken  mussten  von  den  Arbeitern  abge- 
hauen werden,  und  der  eine  Stumpf  steckt  noch  heute  an  der  be- 
treffenden Stelle. 

Von  weiteren  Nachsuchungen  in  der  vom  Brandschutte  noth- 
dürftig  befreiten  Localität  musste  abgesehen  werden,  da  es  nöthig 
wurde,  in  der  Gegend,  wo  die  Presse  gestanden,  schnell  eine  neue 
Grundmauer  aufzuführen.  Bevor  die  Arbeiter  ahnten,  was  sie  vor 
sich  hatten,  waren  natürlich  manche  Theiie  der  Presse  zerhauen 
worden,  die  man  hätte  retten  können.  Hinzugekommene  Sachver- 
ständige retteten  wenigstens  was  noch  zu  retten  war. 

Darauf  wurden  sammtliche  Arbeiter  sofort  auf  die  Bürger- 
meisterei geladen,  und  über  den  Hergang  einzeln  protokollarisch 
vernommen;  auch  wurde  zur  Beglaubigung  an  sammtliche  aus- 
gegrabene Gegenstände  und  Fragmente  das  Mainzer  Stadt- 
siegel gelegt.  Diese  Siegel  sind  sämmtlich  noch  vorhanden.  Am 
obern  Querbalken  der  Presse  befinden  sich  — *•  wie  auch  unsere 
genaue  Abbildung  zeigt  —  sogar  zwei  Siegel,  bei  denen  selbst 
die  Anhängefaden  noch  heute  völlig  unverletzt  sind.  Von  dem  im 
Mainzer  Stadtarchive  aufbewahrten  Aktenstücke  über  den  wich- 
tigen Fund  besitzen  wir  doppelt  beglaubigte  Abschrift,  die 
sich  ebenfalls  bei  der  Gutenbergpresse  befindet. 

Mit  dieser  wurden  übrigens  in  dem  nassen  Brandschutte  noch 
vorgefunden  und  ausgegraben  mehre  Stücke  von  terra  sigillata, 
einige  römische  Münzen  und  acht  kleine  steinerne  Kegel,  deren 
einige  auf  unserer  Zeichnung  mit  dargestellt  sind.  Es  waren  dies 
wohl   ursprünglich   römische  Gewichtsteine,  wie   sie  in  dem  Boden 


456  —    Anhang.     — 

des  von  den  Römern  erbauten  Mainz  sich  auch  sonst  noch  finden. 
Guten  berg  benutzte  sie  aber  jedenfalls  als  Farben  reiber,  auch  wohl 
als  Handgriff  für  die  „Druckerballen"  zum  Auftragen  der  Druck- 
schwärze, wie  sie  von  jeher  und  bis  zur  Erfindung  der  Gummi- 
walzen beim  Drucken  gebräuchlich  waren. 

Der  Mainzer  Gymnasiallehrer  Dr.  Karl  Klein,  Ehrenmitglied 
mehrer  antiquarischer  und  historischer  Vereine,  übernahm  nun  1856 
die  genauere  Untersuchung  und  eingehendere  Beschreibung  des 
so  überaus  wichtigen  Fundes.  Aus  dessen  5  Bogen  starken 
Schrift,  welche  zu  Mainz  1856  in  französischer  und  1857  in  deutscher 
Sprache  erschien  und  damals  grosses  Aufsehen  in  der  wissen- 
schaftlichen Welt  erregte,  mögen  nun  hier  noch  einige  Notizen  mit 
den  nothwendigsten  Ergänzungen  folgen. 

Dass  Johann  Gutenberg  schon  in  Strassburg  von  1436 — 1439 
mit  der  Herstellung  von  Druckwerkzeugen  sich  beschäftigte, 
geht  aus  den  durch  Schöpflin  im  Jahre  1745  aufgefundenen 
Strassburger  Prozessacten  zwischen  Gutenberg  und  seinen 
Geschäftstheilhabern  Riffe,  Drit  zehn  und  Heil  mann  unwiderleg- 
lich hervor,  so  sehr  man  sich  auch  von  gewissen  Seiten  Mühe  giebt, 
manche  unbestimmte  oder  veraltete  Ausdrücke  in  den  Acten  anders 
zu  deuten,  um  entweder  die  Anfange  der  Gutenberg'schen  Er- 
findung in  Strassburg  zu  leugnen,  oder  die  Erfindung  über- 
haupt dem  deutschen  Vaterlande  streitig  zu  machen.  Wie 
aber  gerade  deutsche  Gelehrte  es  fertig  bringen  konnten,  die  ganze 
typographische  Thätigkcit  Gutenbergs  in  Strassburg  zu  leugnen  und 
lächerlich  zu  machen,  bleibt  um  so  unerfindlicher,  als  man  Guten- 
bergs Aufenthalt  in  Strassburg  von  mindestens  1434  ab  bis 
zum  Jahre  1444  nicht  anzuzweifeln  wagt. 

Wenn  Gutenberg  im  Jahre  14:40  sich  noch  mit  nichts  Anderm 
beschäftigt  hätte,  als  „Spiegel  zu  poliren",  wozu  soll  er  das  in 
den  Acten  erwähnte  viele  Blei  verbraucht  haben?  Und  wenn 
er  erst  1450  seine  Erfindung  in  Mainz  begonnen,  also  auch 
nicht  früher  eine  JBuchdruckpresse  construirt  hätte,  wie  käme 
dann  die  Jahrzahl  1440  in  so  viele  alte  Chroniken  und  andere 
historische  Nachrichten !  Und  würde  wohl  der  Geldmann  F  u  s  t 
dem  Erfinder  im  Jahre  1450  eine  für  damalige  Zeit  enorme  Summe 
von  achthundert  Gulden  vorgestreckt  haben  „zur  Einrichtung 
der  Druckerei",  wenn  die  Erfindung  der  beweglichen  Typen  in 
der  Hauptsache  nicht  bereits  perfect  gewesen  wäre,  und  einen  an- 
gemessenen Gewinn  in  sichere  Aussicht  gestellt  hätte? 

In  den  Strassburger  Prozessacten  von  1439  sagt  unter  anderm 
der   Zeuge  Beil  deck  aus,   Gutenberg  habe  ihn  während  des  Pro- 


—    Anhang.    —  457 

zesses  zu  Dritzehn  gesandt  mit  dem  Auftrage,  dass  er  die  Presse ^ 
die  dieser  bei  sich  stehen  hätte,  Niemandem  zeigen,  auch  die  zween 
Würbelein  öffnen  solle,  so  fielen  die  Stücke  voneinander;  diese 
solle  er  dann  in  oder  auf  die  Presse  legen,  so  könne  Niemand 
etwas  daran  sehen  oder  ausmerken. 

Ein  anderer  Zeuge,  Goldschmied  Duene,  sagte  aus:  dass  er 
schon  vor  drei  Jahren,  also  1436  j  von  Gutenberg  nahe  bei 
100  Gulden  verdient  habe  „blos  für  Sachen,  welche  zum  Drucken 
gehörten".  Die  fragliche  Presse  von  1439  verschwand  jedoch  spur- 
los, denn  als  Beildeck,  Gutenbergs  Diener,  den  obigen  angeführten 
Auftrag  bei  Dritzehn  ausrichten  wollte,  fand  sich  die  Presse  nicht 
mehr  vor.  Der  Prozess  wurde  aber  von  Rathswegen  am  12.  De- 
cember  1439  zu  Gunsten  Gutenbergs  entschieden,  an  welchen 
seine  obgenannten  Geschäftstheilhaber  die  damals  bedeutende  Summe 
von  160  und  beziehentlich  250  Gulden  zu  zahlen  gehabt  hatten 
dafür,  „dass  Gutenberg  ihnen  die  Kunst  lehre'*. 

Als  dritter  Zeuge  in  dem  Prozesse  war  ein  gewisser  Conrad 
Sahsbach,  betheiligt,  und  wir  erfahren  nicht  nur  aus  den  Acten, 
dass  dieser  jene  Presse  gebaut  gehabt,  sondern  er  bestätigt 
auch  das  Verschwinden  derselben  bei  Dritzehn.  Mag  nun 
Gutenberg  diese  Presse,  wie  Manche  annehmen,  nur  zu  dem  Zwecke 
erfunden  gehabt  haben,  um  auf  vortheilhaftere  Weise  Holztafel- 
drucke herzustellen,  die  vordem  nur  mühsam  mit  dem  Reiber 
und  blos  auf  einer  Seite  des  Blattes  gedruckt  werden  konnten ,  so 
wäre  die  Erfindung  und  Herstellung  einer  Druckpresse  durch 
Gutenberg  in  Strassburg  um  1440  immerhin  erwiesen. 

Man  würde  aber  in  diesem  Falle  sogar  schon  mit  Recht  von 
einer  Jßuchdruckpresse  reden  können,  denn  um  diese  Zeit 
druckte  man  von  geschnittenen  Holztafeln  sicher  schon  nicht  mehr 
blos  Heiligenbildchen,  Ablassbriefe  und  Spielkarten,  sondern  auch 
kleine  Bücher  blos  mit  Text,  indem  man  nach  geschehenem 
Druck  die  einzelnen  anopistographischen  Blätter  mit  ihren  leeren 
Rückseiten  je  zwei  und  zwei  zusammenklebte,  wie  dies  recht  augen- 
scheinlich das  in  unserm  Museum  unter  No.  53  der  ersten  Abihei- 
lung verzeichnete  Original -Exemplar  der  berühmten  „Ciromantia** 
erkennen  lässt,  das  ebenfalls  noch  ohne  Presse  mit  dem  Reiher 
gedruckt  ist. 

Das  Verschwinden  jener  Druckpresse  bei  Dritzehn  lässt  aber 
um  so  sicherer  annehmen,  dass  Gutenberg  nunmehr  zum  Baue 
einer  neuen  und  gewiss  auch  schon  verbesserten  Druckpresse 
verschritt,  die  nach  völliger  Auseinandersetzung  mit  den  Erben  des 
inzwischen    verstorbenen    Socius    Dritzehn    recht    wohl    bis    zum 


458  —    Anhang.    — 

Jahre  1441  hergcätellt  sein  konnte,  und  dass  wir  in  unserer 
G utenbergpreS9e  von  14:41  dieses  neue  in  seiner  Art  bereits 
YoUkommnere  Druckwerkzeug  vor  uns  haben,  die  aber  zugleich 
die  erste  wirkliche  Buchdruckpresse  war,  mit  welcher 
Gutenberg  später  auch  in  Mainz  Bücher  mit  beweglichen  Typen 
druckte. 

Der  Ge  Seilschaft  s  vertrag  Gutenbergs  mit  Riffe  und  Heil  mann 
ging  Mitte  1443  ^^  Hnde,  und  jedenfalls  im  Jahre  1444,  wo  er  im 
Strassburger  Zollbuche  unter  dem  12.  März  bei  Erlegung  von  i  Gulden 
Zollgebühr  zum  letztenmale  genannt  wird,  und  dann  überhaupt  nicht 
mehr  vorkommt,  zog  Gutenberg,  mit  seiner  Presse  nach  Mainz. 
Ausführlicheres  hierüber  unter  buchstäblicher  Anfuhrung  der  be- 
treffenden Stellen  in  den  Strassburger  Acten  findet  man  in  Schaab's 
Buchdruckergeschichte,  erster  Band  Seite  136  bis  160. 

In  Mainz  hatle  bereits  im  Jahre  1443  Gutenbergs  Oheim 
Johann  Gens  fleisch  den  „Hof  zum  Jungen"  gepachtet,  und 
hier  im  Souterrain,  dessen  Fenster  nach  dem  Hofe  gingen,  und 
möglichst  abgeschlossen  von  der  Welt  richtete  Gutenberg  seine 
Werkstatt  ein,  um  seine  grosse  Erfindung  zu  vollenden,  sie  weiter 
auszubilden  und  nutzbar  zu  machen,  was  keineswegs  ausschliesst, 
dass  er  auch  hier  auf  seiner  Presse  vorerst  noch  Holz ta  feldrucke 
hergestellt  haben  mag.  Für  kleinere  Drucksachen,  Donate,  Abc- 
darien  und  dergleichen  Unterrichtsmittel  war  das  Schneiden  der 
Schrift  in  feste  Holztafeln  und  das  Drucken  derselben  jedenfalls  vor- 
theilhafter,  als  die  Anwendung  von  noch  unvollkommenen  bleiernen 
oder  gar  mühsam  herzustellenden  geschnitzten  Holztypen,  deren 
Anwendung  nach  den  vorhandenen  historischen  Zeugnissen  kaum 
wegzuleugnen  sein  dürfte,  so  entschieden  dies  auch  von  einem 
namhaften  Bibliographen  der  Neuzeit  geschehen  ist,  während  Herr 
Professor  Faulmann  in  Wien  in  seinem  neuesten  Werke  ad  oculus 
nachweist,  dass  man  mit  geschnitzten  Holzbuchstaben  ganz  wunder- 
schön drucken  kann.  Dass  man  übrigens  noch  lange  nach  Er- 
findung  und  Anwendung  auch  der  gegossenen  Metall  typen 
noch  von  Holztafeln  druckte,  beweisst  in  unserer  Sammlung  unter 
andern  ein  Ablassbrief  von  1482,  ebenso  der  Donatus  von 
Conrad  Dinckmut  in  Ulm,  ein  bei  seiner  grossen  Textschrift  ganz 
stattliches  Buch,  das  zwar  noch  ganz  in  Holz  geschnitten,  im 
Uebrigen  aber  bereits  auf  der  Buchdruckpresse  hergestellt  ist. 

Dass  Johann  Gutenberg  die  beweglichen  Typen  schon  vor 
1450  erfunden  gehabt,  liegt  wohl  ausser  allem  Zweifel,  denn  der 
blosse  Holztafeldruck  war  durchaus  nichts  Neues  mehr,  und 
hätte  bei  seiner  einfachen  Natur  die  Itinrichtung  einer  kostspieligen 


—    Anhang.    —  ^^g 

Druckerei  in  Mainz  gewiss  nicht  nöthig  gemacht.  Der  Vertrag 
zwischen  Gutenberg  und  Johann  Fust  wurde  aber  bereits  im 
Jahre  14:50  abgeschlossen  und  im  Monat  August  erlegte  Johann 
Fust  die  ersten  800  Gulden,  denen  er  1452  noch  weitere  800  „zur 
Vollendung  des  Werkes"  hinzufügte,  worunter  aber  jedenfalls  nicht 
erst  die  Vollendung  des  Druckwerkzeuges,  sondern  wohl  mehr  der 
AVeiterdruck  der  42zeiligen  Bibel  zu  verstehen  ist,  die  unge- 
heure Massen  von  kostspieligem  Pergament  und  Papier  erforderte 
und  1455  vollendet  wurde,  so  dass  1452  wahrscheinlich  noch  nicht 
der  erste  starke  Folioband  fertig  war. 

Nach  glücklicher  Vollendung  dieses  herrlichen  Werkes  forderte 
Johann  Fust  plötzlich  die  ganze  Vorschusssumme  nebst  hohen 
Zinsen  von  Gutenberg  zurück,  von  dem  er  wusste,  dass  er  sein 
ganzes  Vermögen  ebenfalls  der  grossen  Erfindung  geopfert  und 
nicht  in  der  Lage  war  zu  bezahlen,  umsomehr  als  Fust  &  Schöffer 
die  Druckerei  sammt  dem  ganzen  Vorrathe  an  Bibeln  mit  Beschlag 
belegten.  Dem  einflussreichen  Fust  wagte  das  Gericht  nicht  Un- 
recht zu  geben,  und  so  wurde  der  beklagenswerthe  Erfinder  am 
6.  November  1455  ^^^  Zahlung  verurtheilt;  da  er  diese  aber  nicht 
leisten  konnte,  wurde  die  ganze  Druckerei  mit  allen  Vorräthen  von 
Fust  &  Schöffer  in  Beschlag  genommen. 

Fust  verlegte  ohne  Weiteres  die  Druckerei  in  sein  eignes  Haus, 
den  „Hof  zum  Humbrecht",  das  nunmehr  für  die  Folge  das  neue 
oder  zweite  Druckhaus  benannt  wurde.  Bei  der  Uebersiedelung 
des  Werkzeugs  blieb  jedoch  die  in  den  Fussboden  befestigte  alte 
Gutenberg'sche  Druckpresse  im  „Hof  zum  Jungen"  stehen, 
wahrscheinlich  weil  sie  nicht  von  Fust's  Gelde  angeschafft  war  und 
desshalb  nicht  mit  abgepfändet  werden  konnte.  Vielleicht  war  sie 
auch  schon  zu  abgenützt,  um  für  Fust  &  Schöffer  einen  besondern 
Werth  zu  haben. 

Gutenberg  blieb  im  „Hof  zum  Jungen**,  und  mit  pekuniärer 
Unterstützung  des  Stadt  -  Syndicus  Dr.  Humeri  richtete  er  hier 
seine  neue  zweite  Druckerei  ein,  in  der  ersieh  wohl  zunächst 
^vieder  mit  kleinen  Drucksachen  beschäftigt  haben  dürfte,  von  denen 
nichts  auf  unsere  Zeit  gekommen  ist ,  bis  endlich  im  Jahre  14:S0 
sein  grosses  herrliches  „Catholicon'^  mit  Druckort  und  Jahrzahl 
erschien,  das  wir  unter  No.  2  der  gedruckten  Bücher  unserer 
Sammlung  schon  auf  Seite  13  näher  besprochen  haben. 

Dieses  grosse  lateinische  Wörterbuch  von  373  Folioblättern 
war  sicher  eine  ganz  gewaltige  Leistung  Gutenbergs,  die  er  nach 
Verlust  seines  ganzen  Miteigenthums  an  der  ersten  Druck  Werkstatt 
"bis  zum  Jahre  1460  ermöglichte,  wahrscheinlich  nur  unterFtützt  von 


460  —    Anhang.    — 

wenigen  ihm  treu  gebliebenen  Gehilfen,  'als  welche  wohl  nur 
Johann  Numeister,  Heinrich  K e fe r  und  Bertholdt  von  Hanau 
zu  nennen  sein  dürften,  von  denen  die  letzten  beiden  am  6.  November 
1455  bei  Entscheidung  des  Fust'schen  Prozesses  gegen  Gutenberg 
zugegen  waren,  und  in  den  Prozessakten  ausdrücklich  als  Guten- 
bergs Diener  bezeichnet  werden. 

An  gedruckten  Beweisstücken,  dass  Gutenberg  seine  zweite 
Druckerei  auch  nach  1460  eben  so  rüstig  fortgesetzt  habe,  fehlt 
es  leider  gänzlich,  wenn  wir  nicht  die  beiden  seltenen  Druckwerk- 
chen No.  3  &  4  unserer  Sammlung  in  jene  Zeit  versetzen  wollen. 
Vielleicht  siedelte  Gutenberg  schon  1462  vor  der  Erstürmung  von 
Mainz  nach  Eltvil  über,  wo  seine  Verwandten  Bechtermünze  das 
Druckwerkzeug  übernahmen.  Die  alte  Buchdruckpresse  von 
14:4:1.  blieb  auch  bei  diesem  Umzüge,  vielleicht  weil  nicht  mehr 
brauchbar,  im  „Hof  zum  Jungen"  stehen.  Verfolgen  wir  nun  ihr 
Schicksal  weiter. 

Bei  der  Erstürmung  und  Verwüstung  von  Mainz  durch  Adolph 
von  N  ä  s  s  a  u  am  28.  Oktober  1462 ,  wo  auch  die  nahe  gelegene 
Druckerei  von  Fust  &  Schoeffer  abbrannte,  mag  wohl  auch  der 
„Hof  zum  Jungen"  arg  verwüstet  worden  sein.  Der  Umstand  jedoch, 
dass  bei  dem  Wiederauffinden  der  alten  Buchdruckpresse  nur 
so  wenig  andere  und  meist  werthlose  Gegenstände  mit  ausgegraben 
worden  sind,  beweisst  zur  Genüge,  dass  Gutenberg  sein  übriges 
Druckwerkzeug  bereits  geborgen  hatte.  Beim  Wiederaufbau  der 
verwüsteten  Häuser  wurde  durch  bedeutende  Aufschüttungen  das 
Niveau  dieses  tief  gelegenen  Stadttheiles  bedeutend  erhöht,  und 
die  ganz  zu  Tage  gelegenen  Fenster  der  Gutenberg'schen  Werkstatt 
wurden  dabei  versetzt  und  verschüttet. 

Eine  zweite  derartige  Planirung  fand  nach  der  abermaligen 
Zerstörung  von  Mainz  durch  die  Schweden  li>S2  statt,  wobei  auch 
das  Druck  haus  —  wie  der  Hof  zum  Jungen  damals  noch  immer 
benannt  wurde  —  zum  Theil  mit  abbrannte,  und  hierbei  dürfte  wohl 
das  Souterrain  mit-  Gutenbergs  ehemaliger  Werkstatt  zusammen- 
j^estürzt  sein,  weil  man  es  nunmehr  ganz  verschüttete  und  beziehent- 
lich mit  Brandschutt  ausfüllte,  um  nur  oberirdische  Localitäten  her- 
zustellen. Somit  wurde  auch  die  Gutenberg-Presse  völlig  ver- 
schüttet. Durch  die  wiederholten  Aufschüttungen  behufs  Erhöhung 
des  Stadttheiles  kam  es  auch ,  dass  die  Presse  bei  ihrer  Wieder- 
ausgrabung über  2oFuss  tief  unter  dem  jetzigen  Strassen -Niveau  stand. 
Die  Veränderungen  des  Letzteren  bestätigen  sich  in  Wirklichkeit 
dadurch,  dass  man  bei  Aufgrabungen  in  diesem  Stadttheile  jedes- 
mal unterirdisch   noch    auf  zweimaliges  altes  Strassenpflaster  stösst. 


—     Anhang.     —  461 

Im  Jahre  18öi>  wurden  hier  Aufgrabungen  und  Neubauten 
dadurch  veranlasst,  dass  der  damalige  Besitzer  des  „Hof  zum  Jungen", 
Braumeister  Borzner,  sich  veranlasst  fand,  im  vordem  Flügel 
seines  Grundstücks  Restaurations - Localitäten  und  besonders  auch 
Keller  herzustellen.  Zu  diesem  Zwecke  wurden  nun  die  alten 
unterirdischen  Gewölbe  wieder  freigelegt,  wobei  das  äussere  Mauer- 
werk wieder  benutzt  werden  konnte.  Die  Wände  waren  zum  Theil 
noch  völlig  gut  verputzt  und  mit  einem  in  den  Kalk  gedrückten 
Muster  verziert,  auch  fanden  sich  noch  Reste  von  Thüren  und 
Fenstern  vor. 

Hier  nun  stiessen  die  Arbeiter,  nachdem  ein  grosser  Theil  des 
Brandschuttes  bereits  entfernt  war,  auch  auf  die  Gutetibergpresse^ 
natürlich  ohne  zu  wissen  was  sie  vor  sich  hatten,  obwohl  sich  schon 
bald  die  Meinung  aussprach,  dass  es  eine  Presse  sein  könne. 
Die  weitern  Vorgänge  sind  bereits  weiter  oben  constatirt  worden. 
Nach  völliger  Aufräumung  und  Reinigung  des  Locals  Hess  der  Be- 
sitzer dasselbe  photographisch  aufnehmen.  Das  interessante  Bild 
befindet  sich  nicht  nur  bei  der  Gutenbergpresse ,  sondern  wurde 
auch  1870  mit  allen  auf  die  Erfindung  der  Buchdruckerkunst  be- 
züglichen Mainzer  Bauten  und  Merkwürdigkeiten  in  das  prächtige 
„Mainzer  Gutenberg-Album"  aufgenommen. 

Die  wesentlichsten  Thatsachen  bezüglich  des  wichtigen  Fundes 
stehen  actenmässig  fest;  die  nebensächlichen  Vorgänge  werden 
von  vielen  noch  lebenden  Mainzer  Zeugen  bestätigt,  darunter  auch 
von  dem  uns  befreundeten  Vorbesitzer  des  „Hof  zum  Jungen" 
Herrn  Jacob  Dollhofen,  der  die  Gutenbergpresse  nur  un- 
gern verkaufte,  aus  Rücksicht  auf  unser  Museum  aber  doch  vor 
einigen  Jahren  sich  davon  trennte.  Kein  Mensch  hatte  die  Aecht- 
heit  der  Fragmente  jemals  bezweifelt,  oder  gar  die  tolle  Idee  ge- 
habt ,  es  könne  hier  ein  Betrug  vorliegen ,  indem  ein  früherer 
Besitzer  des  „Hof  zum  Jungen*'  eine  beliebige  Presse  22  Fuss  tief 
unter  sein  Haus  vergraben  habe,  „um  sie  später  mit  grossem  Eclat 
wieder  aufzufinden".  Das  Vergraben  könnte  dann  nur  kurz  nach 
dem  Schwedenkriege  stattgefunden  haben,  bevor  das  Haus  neu  auf- 
gebaut worden  ist. 

Was  nun  in  neuerer  Zeit  gegen  die  Aechtheit  der  Gutenbeig- 
presse  vorgebracht  aber  mit  nichts  bewiesen  worden  ist,  beruht 
theils  auf  Unkenntniss  der  Vorgänge  und  Thatsachen  bei  der  Auf- 
findung, theils  auf  Voreingenommenheit  gegen  Mainz  und  seine 
Bibliographen,  die  nun  einmal  manchen  Leuten  schon  zu  viel  Geschichte 
gemacht  und  das  Beste  weggeschrieben  haben,  daher  man  ihnen 
nun    alle    möglichen    „Fälschungen"    untergeschoben   hat,   die   sich 


462  —     Anhang.     — 

anf  einen  einzigen  Fall  bei  Professor  Bodmann  reduziren,  ein 
Fall,  der  sich  übrigens  nach  Schaab  Band  I  Seite  38  wohl  nnr  als 
ein  boshafter  Scherz  gegen  Bodmanns  Rivalen  Fischer  und 
Ob  erlin  herausstellt,  da  Bodmann  selbst  von  den  auf  Gutenberg 
bezüglichen  zwei  Schriftstücken  keinerlei  Gebrauch  bei  seinen  eignen 
historischen  Arbeiten  gemacht  hat,  wie  Schaab  auf  Seite  42  eben- 
falls bekundet.  — 

Nachdem  wir  nun  hier  so  Manches  vorausgeschickt  haben,  was 
dem  Fachgelehrten  genugsam  bekannt,  aber  zur  Orientirung  vieler 
Besucher  unsers  Museums  nothwendig  ist,  halten  wir  es  für  eine 
Ehrenpflicht,  bezüglich  der  ehrwürdigen  Fragmente  der  Gutenberg- 
presse  diejenigen  völlig  unbegründeten  Ansichten  klar- 
zustellen, die  in  der  neueren  Zeit  verbreitet  worden  sind,  durch 
persönliche  Ueberzeugung  des  betreffenden  Herrn  aber  in  der 
Hauptsache  bereits  ihre  Erledigung  gefunden  haben,  ohne  bis  jetzt 
berichtigt  zu  sein. 

Der  Herr  Verfasser  des  Werkes  „Gutenberg.  Geschichte  und 
Erdichtung",  Stuttgart  1878,  hatte  nämlich  auf  Grund  einer  ganz 
falschen  Abbildung  des  obern  Querbalkens  der  Guten- 
bergpres^e  diese  selbst  und  die  ganze  Mainzer  Auffindungs- 
geschichte in  einer  Note  auf  Seite  87—88  seines  Werkes  voll- 
ständig ins  Lächerliche  gezogen,  und  zwar  in  der  irrigen 
Meinung,  die  Inschrift  am  Querbalken  der  Presse  sei 
wirklich  in  Cursivschvift  eingeschnitten,  sowie  er  sie 
abgebildet  gesehen  hatte,  während  dieser  Schriftductus  erst  Ende 
des  fünfzehnten  Jahrhunderts  von  Aldus  Manutius  in  Venedig  er- 
funden sein  soll.  Als  aber  der  betreffende  Herr  Verfasser  im 
Frühjahre  1881  als  unser  Gast  seine  Ferien  hier  in  Dresden  verlebte, 
und  die  Gutenbergpresse  selbst  in  Augenschein  nahm, 
bekannte  er  freimüthig,  dass  hier  von  keiflPr  Cursivschrift 
die  Rede  sein  könne,  und  dass  er  also  leider  durch  eine  falsche 
Zeichnung  getäuscht  worden  sei! 

Bedauerlich  bleibt  hierbei  nur  noch,  dass  in  Folge  jenes  ab- 
sprechenden Urtheils  Herr  Professor  Faulmann,  wie  er  selbst  schrieb, 
in  seiner  „Geschichte  der  Buchdruckerkunst**,  Wien  1880,  sich  hat  ab- 
halten lassen,  neben  den  Abbildungen  einiger  andern  alten  Pressen 
auch  die  Gutenbergpresse  mit  aufzunehmen,  und  nur  noch  auf 
Seite  777  ihrer  flüchtig  gedenkt.  In  Wahrheit  liegt  nicht  der  ge- 
ringste Anhalt  vor,  anderAechtheit  derMainzerFragmente 
zu  zweifeln;  denn  man  wird  schwerlich  hinwegstreiten  können, 
dass  Gutenberg  im  „Hof  zum  Jungen"  gedruckt,  dass  Holz  sich 
auch  in  nassem  Boden  Jahrhunderte  und  länger  conservirt,  und  dass 


—     Anhang.     —  463 

auch  eine  Buchdruck  presse  sich  auf  diese  Weise  recht  wohl  erhalten 
konnte.  War  aber  die  alte  Gutenber'gsche  Presse  abgenützt,  so 
lohnte  es  wahrlich  nicht,  beim  Verlassen  des  Locals  den  Fussboden, 
in  den  sie  befestigt  war,  so  tief  aufzurei^sen ,  abgesehen  von  der 
Möglichkeit,  dass  die  schleunige  Wegschaffung  der  Druckerei  1462 
erst  so  kurz  vor  der  Erstürmung  von  Mainz  geschehen  sein  könnte, 
dass  zur  Rettung  auch  der  alten  Presse  keine  Zeit  mehr  blieb. 

Wenn  zuletzt  als  Argument  gegen  die  Presse  noch  geltend 
gemacht  worden  ist,  die  daran  befindliche  Jahrzahl  MCDXLI  sei 
im  fünfzehnt  en  Jahrhunderte  gr.r  nicht  möglich,  weil  man 
die  Abkürzung  CD  für  CCCC  oder  400  noch  gar  nicht  gekannt 
habe,  so  hat  der  schriflkundige  HerauFgeber  der  „Zeitschrift  für 
Museologie",  Herr  Geheimer  Hofrath  Dr.  Grässe  in  Dresden,  jenen 
Irrthum  schon  in  Nr.  23  und  24  seiner  Zeitschrift  von  1882  genug- 
sam widerlegt.  Die  bei  Hain  in  Menge  ersichtlichen  Jahrzahlen, 
in  welchen  nicht  nur  die  Abkürzung  CD,  sondern  noch  viel  merk- 
würdigere Fälle  dieser  Art  vorkommen,  sprechen  schon  genugsam 
gegen  jene  Behauptungen;  sie  beweisen  sogar,  dass  der  Gebrauch 
dieser  Abkürzungen  ziemlich  allgemein  bekannt  gewesen  sein  muss, 
da  sie  bei  Druckern  des  fünfzehnten  Jahrhunderts  in  den  ver- 
schiedensten Ländern  vorkommen. 

Natürlich  bediente  man  sich  derselben  um  so  häufiger,  jemehr 
das  Jahrhundert  zu  Ende  ging  und  die  erforderlichen  römischen 
Zahlzeichen  sich  mehrten.  Während  zum  Beispiel  der  Drucker 
Bazalerius  in  Reggio  —  wie  man  bei  Hain  Nr.  5344  sehen  kann 
—  zur  Jahrzahl  1499  nicht  weniger  als  die  15  Zahlzeichen 
MCCCCLXXXX Villi  verwendete,  macht  Aldus  Manutius  in 
Venedig  in  seinem  berühmten  Polifilo  es  viel  kürzer  mit  den  drei 
Zeichen  MID  ab;  viele  Andere  dagegen  druckten  MCDXCIX,  und 
brauchten  also  zu  derselben  Jahrzahl  noch  immer  7  Zeichen.  Ein 
Beispiel  nennen  wir  nur  bei  Hain  Nr.  14125. 

So  sind  auch  die  Jahrzahlen  MIID,  MIIID  und  dergleichen  bei 
Hain  gar  nichts  Seltenes.  Ganz  eigenthümlich  ist  aber  noch  unter 
Nr.  15021  die  Jahrzahl  1492  durch  M.VIIID  ausgedrückt.  Panzer 
citirt  ein  Buch  von  1490  mit  der  ganz  richtigen  Datirung  MXD. 
Sonderbar  erscheint  dagegen  die  Jahrzahl  1477  bei  Hain  Nr.  13946, 
wo  man  anstatt  zu  kürzen  ganz  unnöthig  viele  Zahlzeichen  ver- 
wendete, indem  man  MCCCCLXXIIIIIII  setzte.  Jedenfalls  darf 
man  aber  nicht  annehmen,  dass  einer  von  diesen  Druckern  die  An- 
wendung ihrer  besondem  Schreibweise  selbst  erst  erfunden  habe» 
sondern  dass  Jeder  annehmen  konnte,  die  Sache  sei  längst  bekannt 
und  gar  nicht  misszuverstehen. 


464  —     Anhang.     — 

Warum  soll  überhaupt  die  Abkürzung  CD  für  CCCC  oder  400 
nicht  auch  schon  einige  Decennien  früher  bekannt  gewesen  sein, 
als  sie  schon  überall  gedruckt  vorkommt,  und  wo  beispielsweise 
sogar  die  Anwendung  des  CJS.  für  DCCCC  oder  900  schon  in  viel 
früheren  Zeiten  nachweisbar  ist!  In  einer  Zeit  allerdings,  wo  man 
noch  Muse  fand,  die  längsten  Jahrzahlen  in  den  meisten  Fällen 
buchstäblich  auszuschreiben  oder  zu  drucken,  so  dass  sie 
oft  ganze  lange  Zeilen  füllten,  da  verwendete  man  jene  Abkürzungen 
meist  nur  in  Fällen,  wo  es  sich  um  Raumersparniss  handelte, 
und  dies  dürfte  grade  für  den  Erbauer  der  Gutenbergpresse  dringende 
Veranlassung  gewesen  sein,  die  Jahrzahl  1441  so  und  nicht  anders  ein- 
zuschneiden. Unsere  heuligen  Ziffern  kannte  man  noch  nicht,  und  jene 
Jahrzahl  durch  eine  längere  Reihe  römischer  Zahlzeichen  auszu- 
drücken, hätte  nicht  nur  mehr  Raum,  sondern  auch  mehr  Arbeit  gekostet. 

Die  Presse  blieb  übrigens  Eigenthum  des  schon  genannten 
wohlhabenden  Braumeisters  Borzner  bis  zu  dessen  leider  früh 
erfolgtem  Tode,  trotzdem  ihm  —  wie  Professor  Dr.  Klein  in  seiner 
"bezüglichen  Schrift  anführt  —  von  einem  Franzosen  25  000  Franken 
dafür  geboten  waren.  Durch  Wiederverheirathung  der  Wittwe  kam 
die  Presse  in  die  Hände  des  Vorbesitzers,  des  noch  lebenden 
Herrn  Dollhofen.  Der  Wunsch  des  Herrn  Borzner,  die  ehrwürdigen 
Fragmente  der  Stadt  Mainz  zu  erhalten,  ist  nicht  lange  in  Erfüllung 
gegangen,  aber  sie  verbleiben  dem  deutschen  Vaterlande, 
•dafür  ist  durch  den  Schreiber  dieses  gesorgt. 

„Die  Fragmente  sind  ohne  Zweifel"  —  so  bemerkt  Dr.  Klein 
weiter  —  „ein  Fund,  wie  wenig  ähnliche  ihm  zur  Seite  gesetzt 
werden  können,  daher  seine  Auffindung  überall,  wo  die  Nachricht 
hinkam,  grosse  Aufmerksamkeit  erregte.  Es  ist  nicht  nur  gewiss, 
dass  mit  dieser  Presse  die  ersten  Druckversuche  ge- 
macht, sondern  auch  das  erste  Buch  gedruckt  wurde.  Es  ist  eine 
Reliquie  derjenigen  Kunst,  welche  den  grössten  und  wichtigsten 
Einfluss  auf  die  Menschen  und  deren  Geschick  übt,  und  welche 
•daher  die  erste  aller  Künste  genannt  wird." 

„Da  Gutenberg  der  grösste  Wohlthäter  der  Menschheit  gewesen, 
•so  würde  gewiss  jede  Reliquie,  welche  wir  von  ihm  besässen,  der 
höchsten  Ehre  werth  sein.  Da  nun  die  Fragmente  zu  dem  In- 
strumente gehören,  wodurch  Gutenberg  der  grösste  Wohlthäter 
■der  Menschheit  geworden  ist,  so  nennen  wir  sie  die  kostbar  ste 
Reliquie,  welche  das  Menschengeschlecht  besitzen  kann." 


Sach-Register. 


In  diesem  Register  sind  die  geschriebenen  Werke  und  die 
Holztafeldrtiche  No.  1  bis  82  nur  summarisch  mit  angeführt, 
da  sie  auf  Seite  6  bis  9  dieses  Bandes  vollkommen  übersicljitlich 
verzeichnet  sind.  Das  Register  enthält  dagegen  alle  Druckwerke 
von  Seite  11  bis  445,  also  mit  Einschluss  der  Nachträge. 

Dieser  erste  Bund  unserer  Sammlung  umfasst  also  im  Ganzen 
1022  Nutnuiern,  wobei  indess  alle  nur  im  Texte  citirten  Druck- 
werke, die  selbst  keine  Nummer  tragen  und  in  diese  Abtheilung 
nicht  gehörten,  hier  auch  nicht  mit  eingerechnet  sind. 


Seite 

Abdruck  ains  lateiniscben  sandtbrieues.     Augsburg.    Erhard  Oeglln,  1518. .   .  266 
Ablass-Brlef  des  Papstes  Nicolans  V.  zu  Gunsten    Johannes'  II.  von  Cypern. 

Bamberg,  Albrecht  Pßster,  1454 84 

—  Sixtus  iV.    Nürnberg,  Friedrich  Creussner,  1482 350 

Abschidt  des  Reichstags  zu  Augsburg.     Mainz,  Mathes  Auerbach,  1530.      ...  58 

Mainz,  Ivo  Schoefifer,  1548 65 

Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1551 65 

—  des  Reichstages  zu  Regensburg.    Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1582 59 

Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1541 64 

—  des  Reichstags  zu  Speyer.     Mainz^  Mathes  Auerbach,  1529 57 

Mainz,  >o  Schoeffer,  1544 64 

Adrianns.    Liber  de  remediis  utriusque  fortunae.    Cöln,    A.  Therhoernen,  1471.  165 
Aeearifii  da  Cento.    La  grammatica  volgare.    Venedig,    Francesco  Bindoni  & 

Mapheo  Pasini,  1548 313 

Ae§:ldlii8  (Franeiscus).    Aurea  verba.    Mainz,  Fust  &  Schoeffer  circa  1468.    .   .  80 

AeiiMS  Silvius.    Epistolae.     Nürnberg.  Anton  Koberger,  1496 846 

Aeschjlns.    Tragoediae;  graece,  Paris,  Adrien  Turnebe,  1553 410 

Afer  (Optatus).    De  schismate  Donatistarum.     Paris,  Claude  Fremy,  1563.    .   .  414 

Agenda  Moguntina.    Mainz,  Johann  Schoeffer,  1518 43 

Agrippa.     De  incertitudine  et  vanitate  scientiarum.    Cöln,  Eucharius  Cervi- 

eornus,    1581 185 

Aflllaco  (Petrus  de).    Quaestiones  super  libros  sententiarum.    Strassburg,  Jo- 
hann Grüninger,  1490 140 

—  Tractatus  de  anima.    Paris,  Guido  Marchant,  1494 882 

Paris,  Jean  Marchant,  IbOb 895 

AlannB  ab  Insulis.    Distinctiones  dictionum  theologicalium.    Strassburg,  C.  W. 

(=  Clas  Wencker?)  circa  1476 115 

30 


466  —     Sach-Register.     — 

Seite 

AlberUna«.    Ars  loquendi  et  taeendi.    Coln,  Heinrich  Quentel.  1497 177 

—  De  «rte  loquendi  et  tacendi.    Strassbuiig^,  M.  Flach,  circa  1477 437 

AlbArtni  (Lieander).    Deseriptio  totius  Italiae.    Cöln,  Nicolaus  Graphaeus,  1566.  198 

—  Magnus.    Compendium  Theologicae  veritatis.     Ulm,  Johann  Zainer,  1476.    .  330 

—  De  laudibus  virginis  Mariae.     Strassburg,  Jobann  Mentelin,  circa  1475.    .   .  101 

—  Opus  in   Evangelium:    Missus    est   Gabriel    Angelus.     Strassburg,    Johann 

Mentelin,  circa  1474 101 

—  De  virtntibus  animae.    Cöln.  Heinrich  Quentel,  1498 177 

—  De  adhaerendo  vero  deo  cum  aliis  tribus  tractatibus.    Ulm,  Johann  Zainer, 

circa  1470 444 

AllniBUUiar.    Flores  antrologiae.     Augsburg,  Brhard  Katdolt,  1488 36» 

AlcliaUUas  cum  commento.     Venedig,  Melchior  Sesüa,  1513 Sil 

AlOBaBBia   (Conradus   de).      Coneordanciae    UibiiuruDi.     8trassburg,    Johann 

Mentelin,  circa  1465 9ß 

AlezMder  Anglicus.    Destructorium  vitiomm.   Nürnberg,  Ant.  Koberger,  14<*(t.  34(? 

—  Magnus.    EJusdem  Historia.     Strassburg,  Johann  Grüninger,  1485 189 

Strasaburg,  Johann  Grüninger,  1489 140 

deutsch.    Augsburg,  Anton  Sorg,  1483 253 

Allerle  J  Mackel  und  Flecken  auss  Gewandt  zu  bringen.    Mainz,  P.  Jordan,  1532.  68 

AlthAiBiuer  (Andreas)  Diallage.    Nürnberg,  Friedrich  Peypus,  1527 360 

Alnnno  (Francesco).    Le  richecze  della  lingua  volgare  sopra  il  Boccaccio.    Ve- 
nedig, Paulo  Gherardo    1557 316 

AmbroBlm  (Sanctus).    Opera.    Basel,  Johann  Amerbach,  149? 214 

Paris,  Gervais  Chevallon,  15R9 406 

—  Explanatio  in  corpus  evangelii  8.  Lucae.  Augsburg,  Anton  Sorg,  1476.  .  .  25% 
Ammonins  Alexandrinus.  Evangelische  Historie.  Augsburg.  Simpr.  Rufif,  1524.  278 
Andrea«  (Johannes).    Arbor  consanguinitatlB.     Nürnberg,   Fr.  Creussner,  1478.  850 

Nürnberg,  Hieronymus  Höltzel,  iöOfi 357 

deutsch.    Augsburg,  Johann  Bamler,  1474 246 

Tractatus  de  sponsalibus.    Strassburg,  Martin  Flach,  circa  1476 486 

Anlian;:  Guteoberg's  erste  Buchdxiickpresse  vom  Jahre  1441 451 

ABtonlnos,  Archiep.  Fioreut.    Confessionale.    Strassburg,  Martin  Flach,  1488.  .  IV* 

—  Summa  tbeologica.     Nürnberg,  Anton  Koberger,  1477  bis  1479 841 

—  —  Strassburg,  Johann  Grüninger,  1496 141 

—  Summae  theologicae  pars  secunda.  Venedig,  Nicolaus  Jenson,  1480.  .  .  .  S88 
Ai^urodlseas  (Alexander).    Super  nonnullis  physicis  quaestionibus   solutionum 

über.    Basel,  Andreas  Cratander,  1520 884 

Apologetlei  libri  duo  pro  Carolo  V.    Mainz,  Johann  Sohoeffer,  1527 52 

Aqnino  (Thomas  de).    Summae  theologicae  secundae  partis  pars  prima.    Mains, 

Peter  Schoeflfer,  1471 2ö 

—  Summae   theologicae  secundae   partis    pars    secunda.      Strassburg,  Johann 

Mentelin,  circa  1465 96 

Mainz,  Peter  Schoeffer,  1407 28 

Summae  theologicae  pars  prima.    Venedig,  Antonius  de  Strata,  1488.  .    . 

—  Summae  theologicae  prima  pars  secunde  partis.  Venedig,  Th.  de  asula,  1490.  44S 

—  Summae  theologicae  pars  tertia.    Venedig,  Bernardinus  de  Tridino,  i486- .   .  999 

—  Commentaria  in  quatnor  libros  sententiarum.    Basel,  Nicol.  Kesler,  1492.  .  2l6 

—  Super  primo  sententiarum.    Venedig,  Antonius  de  Strata,  14^6 996 

—  Bxpositio  quarti  libri  sententiarum.    Mainz,  Peter  Schoeffer,  1469 24 

—  —  Venedig,  Johannes  de  Golonia  &  Nioolaus  Jenson,  1481 297 

—  Catena  aurea.    Augsburg,  Günther  Zainer,  circa  1472 148 

—  De  veritate  catholicae  fidei.    Strassburg,  Heinrich  Eggestein,  circa  1470.  .   .  107 

—  De  corpore  Christi.    Cöln,  Arnold  Therhoemen,  circa  1471 166 


0 

—     Sach-Register.     —  467 

Seite 

Aqnino  (Thomas  de).    De  corpore  Christi.    Cöln,  Mieolsus  Götz,  circa  1478.  1*31 

—  Tres  tractnli.     C51n,  Heinrich  Quentel,  circa  1492 175 

Coln,  Heinrich  Quentel,  circa  1495 < 176 

—  Summa  de  articulis  fidei.    Mainz,  Johann  Gutenberg,  circa  1461 13 

—  —  Cöln,  Conrad  von  Homburg,  circa  1474 170 

—  —  Siehe  auch  Scripta  theologorum — 

—  Modus  procedendi  in  sermones   de   sacramento  euoharistiae.     Cöln,  Arnold 

TherhÖrnen,  drca  1469 ,    .   .   .   .  165 

—  Quaestiones  disputatae  de  veritate.    Cöln,  Johann  Koelhoff,  1475 168 

—  Quaestiones  de  duodecim  quodlibet.   Nürnberg,  Sensenschmid  &  Frisner,  1474.  348 

—  De  beatudine  aeternitatis.     Cöln,  Johann  Yeldener,  circa  1470  (?) 4S8 

Aretinas  (Leonardus).     De   amore  Guiscardi  et  Sigismundae  filiae  Tanrredi. 

Mainz,  Fust  &  Schöffer,  circa  1465 23 

—  De  bello  Italico  adversus  Gotbos.    Foligno,  Johann  Numeister,  1470.    .    .    .  376 

BeUovisum.    Paris,  Jean  Petit,  1507 3»7 

Arimenensis  (Henricus)    Tractatus  de  qnatuor  yirtutibus  cardinalibus.    Strass- 

burg,  Heinrich  Eggestein,  1473 108 

Arlstophanes.  Plutus;  graece.  Paris,  Christian  Wechel&  Mathurin  Dupuys,  1549.  405 
Aristoteles.    Historia  de  animalibus.  Venedig,  Johannes  de  Colonia  &  Johannes 

Manthen  de  Gheretzem,  1476 2{t0 

—  Opera  latina   cum   commentarils  Averrois   Tomus  III.     Venedig,    Andreas 

Toresanus  de  Asula,  1483 296 

—  Primus  tomus  naturalis  philosophiae  interprete  Johanne  Argyropylo.    CÖln, 

Arnold  Birckmann's  Erben,  1568 192 

—  Pars  quarta  operum;  giaece.    Venedig,  Aldus  Manucius,  1497 807 

Armandas  de  Bellovisu.  De  declaratione  diffieilium  terminorum  tamtheologicomm 

quam  philosophicorum.    Cöln,  Heinrich  Quentel,  1502 177 

Amoldug  de  Villa  Nova.    Breviariam  practicae  medicinae.    Mailand,  Christoph 

Valdarfer,  1483 819 

ArUiche  knnste  mancherlei  weise.     Mainz,  Peter  Jordan,  l.'SSl 432 

An  bene  vivendi  et  moriendi.     Paris,^  Jean  Lambert,  1504 395 

— >  moriendi.    Augsburg,  Günther  Zainer,  circa  1467 840 

Siehe  auch  Scripta  theologorum — 

ABtexanus  de  Ast.  Summa  de  casibus  conscientiae.  Strassburg,  Joh.  Mentelin,1472.  100 

Cöln,  Heinrich  Quentel,  1479 174 

Anctoritates  Aristotelis  etc.     Coln,  Johann  Guldenschaff,  1487 174 

Angastinns  (Sanctns).  Opuscula  plurima.  Strassburg,  Mart.  Simus  (Flach),  1491.  116 
Paris,  Andreas  Bocardus,  1502 886 

—  Eplstolac.    Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1471 100 

—  Basel,  Johann  Amerbach,  1493 441 

—  De  civitate  DeL     Subiaco,  Sweynheim  &  Pannartz,  1467 197 

Venedig,  Johann  «fc  Wendeün  von  Speyer,  1470 284 

Mainz,  Peter  Sohoeffer,  1473. 28 

Basel,  Michael  Wensaler,  1479 210 

Basel,  Johann  Amerbach,  1490 218 

Venedig,  Octfivian  Scotus,  1489 448 

—  Coofessionum  libri  XIII.    Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1469    ....  99 

—  De  arte  praedicandi.    Strassburg,   Johann  Mentelin,  circa  1464 96 

Mainz,  Johannes  Fust  circa  1466 23 

—  De  vita  christiana.    Mainz.  Fust  &  Schoeffer,  circa  1461 18 

—  De.  vita  christiana  et  de  singularitate  clericomm.   Cöln,  Ulrich  Zell,  1467.    .  168 

—  Sermo  super  oratlonem  dominicam.    Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1472 163 

—  Psalmorum  explanatio.    Basel,  Johann  Amerbach,  1489. 213 

30* 


^68  —     Sach-Register.     — 

Seite 

AlgvitlBnt-    De  virtute  päalinoruxn«    Paris,  Philippe  Pigouchct.  circa  1490.  .   .  383 

—  Traotatus  de  trinitato.     Venedig,  Paganinns  de  Paganini»,  148H 301 

Basel,  Johann  Amerbaöh.  1490. 218 

—  Über  de  sancta  virginitate.    Eltyyl,  Heinrich  BeehtermSnze,  146.'> 15 

—  De  animae  quantitate.     Aug8l)urg,  Gnnther  Zainrr,  circa  1468 240 

Siehe  auch  Scripta  theologorum.  — 

—  Soliloqnium.    Augsburg,  Günther  Zainer.  circa  1468 240 

Cöln,  Arnold  Therhoernen,  circa  1175 166 

—  —  Siehe  auch  Scripta  theologorum.  — 

—  Liber  qui  vocatur  Quinquaginta.     Ang8l>urg,  Anton  Sorg,  1475.    .......  251 

—  Liber  prolucutionis  et  meditationis.    Strassburg,  Heinrich  Bggestein,  ca.  1472.  109 

—  De  spiritu  et  litera.    Cöln,  Hero  Alopecius,  1527 187 

—  Canones  Jaxta  triplicem  quam  edidit  regulam.    Strassburg,  M.  Schott,  1490.  123 

—  De  verae  vitae  cognitione.    Mainz.  Fust  ft  Schoeffer,  circa  1460 426 

—  De  duodecim  abusivis  saeculi.  Strassburg,  Huszner  &  Bekenhub,  circa  1474.  435 
— -  Von  der  Üppigkeit  der  Welt.  Augsburg,  Dr.  Grimm  &  Wirsung,  1.523.  .  .  269 
Airbaeh  (Johannes  de).  Summa  de  sacramentis.  Augsb.,  Günther  Zainer,  14G9.  241 
Amolu  (Petms).     De  conceptiooe  virginis  Mariae.    Mainz,  P.  Schoeffer,  1480.  30 

—  Compendium  litteralis  sensus  totius  bibliae.  Venedig,  Las.  de  Soardis,  1507.  305 
Anileging  des  Amts  der  heiligen  Messe.     Augsburg,  Johann  Bämler,  1484.  .   .  217 

JjftlbDS  de  Janua.     Catholicon.    Mainz,  Jobann  (iutenberg,  1460 13 

Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1462 94 

Augsburg,  Günther  Zainer,  1469.    Fragment 241 

Nnrnbei^,  Anton  Koberger,  1486 844 

Bftldnn^    (Hieronymus).     Apborismi   compunctionis  theologicales.     Strassburg, 

Johann  Grüninger,  1497 142 

Baldns.    Expositio  super  codice  Justiniani.    Venedig,  Philippus  Pincius,  1519.  304 

Baptlsta  Mantuanus.     Opera.    Paris,  Parvus,  Ascensius  &  Jac.  Forestarius,  1507.  388 

—  Bucolica.     Paris,  Jodocus  Badius,  1502 386 

—  Parthenices.     Venedig,  Jacobus  de  Leucho,  1499 809 

Bartholomaeas  Brixiensis.    Casus  decretorum.    Basel,  Nicolaus  Kesler,  1489.    .  215 

—  de  Chaymis.   Interrogatorium  sive  Confessionale.  Mainz,  Peter  Schoeffer,  1478.  SO 

Mailand,  Dominicus  Vespolate  &  Jacobus  de  Marliano,  1478 320 

Mailand,  Christoph  Valdarfer,  circa  148a 819 

Venedig,  Raynaldus  de  Novimagio,  1484.           293 

—  de  Glanvilla.   Liber  de  proprietatibus  rerum.  Strassburg,  Joh.  Grüninger,  1485.  139 

—  Coloniensls.    Dialogus  mythologicus.   .Mainz,  Johann  SchÖffer,  1521 481 

Baraizins  (Gasparinus).    Liber  epistolarum.    Basel,  Michael  Wenszler  &  Fried- 
rich Biel,  circa  1469 208 

Strassburg,  Martin  Flach,  circa  1478 437 

BmIIU  (S.).    LIturgU.    Mainz,  Ivo  Schöffer,  1546 438 

BmIUos  Magnus.  Oratio  de  legendis  antiquorum.  Mainz,  Peter  Schoeffer,  circa  1480.  438 
Baysio   (Guido   de).    Rosarium    super    decreto.     Strassburg,   Johann   Mentelin, 

circa  1472 101 

—  —  Venedig,  Johannes  Herbort  de  Seigenstadt,  1431 297 

B^beBbnrglns  (Lupoldus).    Germanorum  veterum  principum  zelus  et  ferror  in 

christianam  religionem.  Basel,  Johannes  Bergmann  von  Olpe,  1497.  .  .  .  221 
B«neveneta8  de  S.  Georgia.     De  origine  Guelphorum  et  Gibellinoram.     Basel, 

Andreas  Cratander,  1519 223 

Berehorlns  (Petrus).    Liber  bibliae  moralls.    Ulm,  Johann  Zainer,  1474.  .   .  .  329 

Strassburg,  C.  W.  (=r  Clas  Wencker?)  1474 112 

Cöln,  Bartholoniaeus  de  Unckel,  1477 173 


—     Sach-Register.     —  a()q 

Seite 
B«rgpe]laBD8  (Arnuldus).  De  chaleograpbiae  inventionc  poema.   Mainz,  Franciseus 

Behem.  1641 70 

Bemardlnag  de  Senis.    De  glorios«  yirgine  Maria.    Cöln,' Ulrich  Zell,  drca  1466.  16S 

—  Sermones  de  festivitatibus  gloriosaeVirginis.  Nürnbeiig,  Priedr.  Creussner,  1498.  S51 

—  Tractatus  de  contractibus  et  usuris.    Strassburg,  Heinr.  Eggeetein,  ca.  1469.  107 
Beniardiis  Parmensis.  Casus  longi  super  decretales.  Strassburg,  J.  Grüninger,  1488.  140 

—  (Sanctus).    Sermones  de  tempore  et  de  aanetis.    Mains,  Peter  Schoefier,  1475.  29 
Basel,  Nicolaus  Kesler,  1495 216 

—  Bpistolae  cum  aliis  eiusdem  tractatibus.   Strassburg,  Heinrich  Eggestein.  1470.  107 

—  De  honestate  vitae.    Strassburg,  Martin  Flach,  circa  1477 115 

—  Epistola  de  cura  et  modo  rei  familiaris.     Augsburg,  Günther  Zainer,  1478.  244 

—  Speculum  de  honestate  vitae.    Mains,  Fust  &  Schoefifer,  circa  1464 21 

—  Sermones  super  Cantica  canticomm,  iidem  tilllbertl  de  Hoglandia.  Strassburg, 

Martin  Flach,  1497 117 

Btexio  (Petrus  de).   Opus  conficinndarum  electionum  directorium  accitum.  Paris, 

Jean  Petit,  1511 387 

Blblia  germanica.   Die  erste  deutsche  Bibel.  Strassburg,  Heinr.  Eggestein,  1466.  .  103 

—  Die  vierte  deutsche  Bibel.    Nürnberg,  Sensenschmid  und  Frisner,  1473.  .   .  818 

—  Die  fünfte  deutsche  Bibel.    Augsburg,  Gfinther  Zainer,  1473 244 

—  Die  neunte  deutsche  Bibel.    Nürnberg,  Anton  Koberger,  1488 943 

—  Verdeutscht  von  Johann  Dietenberger.    Mainz,  Peter  Jordan,  1634.    ....  68 

—  Die  Kurfarsten-Bibel.    Nürnberg,  Christoph  &  Paul  Endter,  1662 370 

—  Nürnberg,  Johann  Andreas  Endter^s  Sohne,  1690 871 

—  Nürnberg,  Johann  Andreas  Endter,  1755 871 

—  in  dialecto  Saxoniae  inferioris.    Die  erste  niederdeutsche  Cölqer  Bibel.    CÖln, 

Nicolaus  Götz,  circa  1476 172 

Lübeck,  SteflFen  Arndes,  1494 421 

Lübeck,  Ludwig  Dietz,  1534 425 

—  hebraica.    Venedig,  Daniel  Bomherg,  l.'i45 812 

—  latina.    Die  48seiiige  Bibel.    Mainz,  Johann  Gutenberg,  1450  bis  14&5.    .   .  11 

Bamberg,  Albrecht  Pßster  um  1457  bis  1460  (Fragmente) 87 

Mains,  Fust  A  Schoefifer,  1462 20 

Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1463 94 

Strassburg,  Heinrich  Eggestein,  circa  1468 108 

Basel,  Berthold  Kuppel  &  Bernhard  Kichel,  um  1468  bis  1470 489 

Mainz,  Peter  Schoefifer,  1472 26 

Basel,  Bernhard  Eichel,  circa  UTZ 211 

Nürnberg,  Anton  Koberger,  1475* 841 

Basel,  Nicolaus  Kesler,  1487 215 

Strassburg,  Johann  Pryss,  1489 183 

Basel,  Johann  Froben,  1495 220 

Venedig,  Peter  Schoefifer  Jun.,  1542 814 

Basel,  Thomas  Guarinus,  1578 285 

—  cum  glossa  ordinaria  Walafridi  Strabonis  et  interlineari  Anselmi  Laudunensis. 

Strassburg,  Adolf  Kusch,  1478  bis  1480 120 

—  cum  postillis  Nicolai  de  Lyra.    Nürnberg,  Anton  Koberger,  1481 343 

—  -^  Venedig,  Franciseus  Kenner  de  Hailbronn,  1483 291 

—  cum  postillis  Nicolai  de  Lyra.  Novam  Testamentum.  Strassburg,  Pryss,  1492.  184 
Bitl  (Gabriel).    Expositio  canonis  missae.    Basel,  Jacob  von  Pforzheim,  1510-  .  217 

—  Passionis  dominice  sermo  historialis.   Mainz,  Friedrich  Hewmann,  1509.  .   .  56 
Boecaedo.    Decameron,  deutsch.    Strassburg,  Paul  Messerschmidt,  1561.  .   .   .  155 

—  Buch  von  den  berühmten  Weibern;  deutsch  von  Steinhövel.     Ulm,  Jobann 

Zainer,  1473 82* 


4/0  —     Sach-Register.     — 

Seite 
Boettivf.  De  consolatione  philosophiae.  Cöln,  Hfinrich  Quentel,  1497.  ...  177 
deutsch.    Strassbnrg,  Johann  Schott,  1500 148 

—  De  diseiplina  scholarium.  Strwaburg,  Johann  Grüninger,  1415  statt  1495.     .   .  141 

—  De  Trinitate.  Siehe  Ang^ostinus.  — 
B«Ba?Mtnni.  Bibüa  pauperum.  Venedig,  Hermann  Liechtenstein,  circa  1483.  299 
Strassburg,  Johann  Pryss,  1490 ISS 

—  Brerüoqniam.    Nürnberg,  Sensenschmid  A  Kefer,  1472 S38 

—  Diaeta  salutis.    Paris,  Robert  Gounnont,  1509 39.') 

—  Sermonea  de  tempore  et  de  sanctia.    Ulm,  Johannes  Zainer,  1481 S.^0 

—  Sermones  de  tempore.    Strassburg,  Johann  Gruninger,  149(> 141 

—  Solüoquittm  venerabilis.    Strassburg,  Heinrich  Egtrestein,  circa  14f^9.     ...  104 

—  Libri  et  traotatus  rarü.    Strassburg,  Martin  Flach,  1489 116 

BoBer'l  Edelstein  oder  Fabelbueh.    Bamberg,  AJbrecht  Pfister,  1461.    Facsim.  87 

BOBlfhetas  Till.    Decretalium  liber  VI.    Strassburg,  Heinrieh  Eggpstein,  1467.  103 

Mains,  Peter  Schoeffer.  147S 28 

Paris,  Thielmann  Kerver,  1509 390 

Botho  (Conrad).    Cronechen  der  sassen.    Mainz,  Peter  Schoeffer,  149? 33 

BralNlBtlniit  (Johannes).  De  diseiplina  scbolarium.  Siehe  Boethius.  — 
Brock  (Wenceslaus).  Yocabularios  rerum.  Augsburg,  Joh.  Schoensperger,  1495.  S60 
Bnnt  (Sebastian).  Der  Klagspiegel.  Augsburg,  Peter  Berger,  eirra  1488.  .  .  263 
Strassburg,  Johann  Albrecfat  &  Wendel  Rihel,  15<38. 15.^ 

Das  Narrenschiff.    Basel,  Nicolaus  Lamparter,  1509 22  t 

BroTloriam  Babenbergense.    Bamberg,  Johann  Pfeyl,  1601 90 

—  Moguntinum.    Marienthal,  Brüder  yom  gemeinsamen  Theben,  1474.   2  B&nde.  980 

(auf  Pergament,  Fragment) 282 

Marienthal,  Brüder  vom  gemeinsamen  Leben,  circa  1476.    Fragment.  .   .  282 

Mainz,  Johann  Schoeffer,  1509.  .  ■ 42 

Mainz,  Johann  Schoeffer,  circa  1510 42 

Brejdeiibaeh  (Bemardus  de).    Opusculum  sanctarum  peregrinationum.     Miüns, 

Erhart  Rewich,  1488 82 

deutsch.    Mainz,  Erhart  Rewich,  1486 S3 

Strassburg,  Johann  Pryss,  circa  1487 437 

—  Augsburg,  Anton  Sorg,  1488 254 

holländisch.    Mainz,  Erhart  Rewich,  1488 429 

Brinonlal  (Barnabas).     De  spectaculis  in   Codice  Thcodosiano.     Paris,  Phil- 

lippus  Galterus  Rovillius,  1564 415 

Bnrni  des  Raths.    Strassburg,  Mathias  Hüpfuff,  1504 147 

BnuiBB  (Vincentius).    Meditationes  in  septem  praecipua  festa  b.  Yirginis.    CoIn, 

Arnold  Birckmann^s  Erben,  1599 192 

BmtliS  (Jacobus).    Corona  aurea  de  laudibus  litterarum.     Venedig,   Johannes 

Tacuinus,  1498 906 

Boeh  der  Weisheit  oder  alten  Weisen.      Ulm,  Lienbart  Holl,  1484 331 

—  der  zehn  Gebote.    Venedig,  Erhart  Ratdolt,  1483 291 

Bnllo  contra  errores  Martini  Lutheri.  Rom,  päpstliehe  Druckerei,  1520.  .  .  .  tOl 
deutsch.    Rom,  p&pstliche  Druckerei,  1520 802 

—  aurea  Caroli  quarti.    Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1549 65 

deutsch.     Strassburg,  Martin  Flach,  circa  1475 114 

—  Kaiser  Friedrich's  III.  gegen  Diether  von  Isenburg.    Mainz,  Fast  A  Schoeffer, 

Placat  vom  10.  August  1461 18 

Birger,  der  evangelische.    Basel,  Pamphilus  Gengenbach,  circa  1522 223 

BorlOOM  (Gualterus).  De  vita  et  moribus  philosophorum  et  poetarum.   Nürnberg, 

Anton  Koberger,  circa  1472 341 

deutsch.     Augsburg,  Anton  Sorg,  1490 254 


—     Sach-Register,     —  47 1 

Seite 

BasoMiiS  (Hermannus).    Ars  memorandi.    C61n,  Ludovicus  Bencben,  1501. .  .  1*^8 

Bvtti  (Bernardinus  de).    Mariale.    Strassbnrg,  Martin  Flach,  1496 117 

x/aeur    (Cajus   Julius).     Historien   vom  Gallier   und   der  Römer  Burgerische 

krieg.    Maine,  Johann  Schoeffer,  15S0 53 

Calepinufi  (Ambroeius).  Dictionarium  latinae  linguae.  Basel,  'Job.  Walder,  1540.  8?9 
CalTtaras  (Johannes).  Der  Heylig  Brotkorb.  Christiingen  =  Strassburg,  Bernhard 

Jobin,  1584 15rv 

Cammergsrioht«  Romisch  Kayserlicher  Maiestat.    Mainz,  Johann  Schoeffer,  1521.  49 

CanonM  Apostolorum.     Mainz,  Johann  Schoeffer,  1525 51 

<CarraeiohiB    (Robertus).      Opus    Qnadragesimale.       Venedig,    Wendelin    von 

Speyer,   1472 287 

—  Sermones  per  adventum.     Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1461 95 

Strassburg,  Martin  Schott,  circa  1481 121 

—  Sermones  quadragesimales,  de  adventn  etc.  Venedig,  Gabriel  de  Grassis,  1486.  301 
Darben  (Victor  de).   Opus  anreum  de  Judaeorum  erroribus.    Coln,  Henricus  de 

Nussia,  1509 183 

CarchuiO  (Michel  de).   Sermonarium  per  adventum  et  per  duas  quadragesimas. 

Venedig,  Franz  von  Hailbronn  &  Nicolaus  von  Frankfurt,  1476 890 

Basel,  Michael  Wenszler,  1479 211 

—  Sermonarium  de  commendatione  virtutam  et  reprobatione  viciorum.  Mailand, 

Ulrich  Scinzenzeler,  1495 .* S23 

€aro]hia.   Peinliche  Gerichtsordnung  Kaiser  CarPs  V.   Mainz,  I vo  Schoeffer,  1588.  59 

Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1587. 68 

Maine.    Ivo  Schoeffer,  1542 64 

Mainz.  Ivo  Schoeffer,  1555 66 

Mainz,  Johann  Albin,  1615 71 

CaMlOdoms*    In  Psalterium  expositio.    Basel,  Johann  Amerbach,  1491.    ...  218 

Cathwrinm  (Sancta).  Vita;  italice.  Mailand,  Johannes  Antonius  de  Honate,  1489.  .  822 
■CaaliMSO  (Guido  de).    Chirurgia  cum  aliorum  tractatibus.  Venedig,  Petrus  Job. 

de  Quai-engis  &  Johannes  Maria  de  Monteferrato,  1498 305 

Ohronlea  von  C51n.    Cöln,  Johann  Koelhoff,  1499 169 

—  Hennebergische.    Strassburg,  B.  Jobin's  sei.  Erben,  1599 157 

—  mancherlei  Historien.    Augsburg,  Philipp  Uhlhard,  1530. 276 

Clironicoram  summa  aucta  et  emendata.    Basel,  Jacobus  Parcus,  1552 284 

Chrjiostoiiliii  (Johannes).  Homiliae  in  evangelium  Matthaei.  Strassburg,  Johann 

Mentelin,  circa  1467 97 

Coln,  Johann  Koelhoff,  1487. 168 

—  Homiliae  super  evangelio  Johannis.     Rom,  Georg  Lauer,  1470 200 

Coln,  Johann  Koelhoff,  1486 168 

—  Sermo  in  dictum  Apostoli  ad  Corinthios  etc.    Mainz,  Johann  Schoeffer,  1582.  50 

—  De  orando  Deum;  graece.     Paris,  Jacobus  Gazellus,  1544 407 

—  Der  heiligen  Messen  brauch.    Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1540 64 

-Ciioero*    Rhetorica  nova  et  vetus.     Venedig,  Philipp  Condram  Petri,  1479.  .   .  294 

—  —  Venedig,  Marinus  Saracenus,  1487. 294 

—  De  oratore.     Subiaco,  Sweynheim  &  Pannartz,  1464 — 65.    Erster  ital.  Druck.  196 

—  Orationes.    Mailand,  Antonius  Zarotus,  circa  1474 818 

Venedig,  haeredes  Aldi  &  Andreas  Toresanus,  1519. 813 

—  Epistolae  familiäres.    Venedig,  Nicolans  Jenson,  1471 887 

—  Offioia.    Paris,  Thomas  Richard,  1556 412 

deutsch.    Augsburg,  Heinrich  Steiner,  1585 274 

—  Officia  et  Paradoxa.    Mainz,  Fust  &  Schoeffer,  1466 82 

—  Officia,  paradoxa,  de  amicitia,  de  senectute.   Mailand ,  Antonius  Zarotus,  1476.  319 


4*72  —     Sach-Regisler.     — 

Seite 
Cic«r«.    De  Officiis,  de  amicitia,  de  seoectute  et  paradoxa.     Venedig,  Marinut 

8aracenu8,  1487 294 

—  Officia,  Laelius,  Cato,  Somnium  Sdpionis  et  Paradoxa.  Paris,  Gering,  Crantz  A 

Friburger,  1471 880 

—  Tuscnlanae  quaestiones,  paradoxa,  de  amicitia,  de  senectute,  somnium  Scipioois. 

Rom.  Ulrieus  Han,  1469 200 

Clagem  vnd  nutzliche  lere   diss  süderlichen  buchs.    Mainz,  Johann  Nimieiflter 

vor  1470,  oder  Ertiard  Rewich  um  14B0 427 

CIatuIo  (Angelus  de).  Summa  Angelica.  Strassburg,  Martin  Flach,  1489.  .  .  11<S 
Strassburg,  Martin  Flach,  1496 '. 117 

—  —  Nürnberg,  Anton  Koberger,  1498 347 

Clemmif  Y.    Constitutiones.     Mainz,  Peter  Schoeffer,  1467 427 

Basel,  Michael  Wenszler,  1476 810 

Paris,  Thielman  Kerver,  1509 391 

CliditOTeag.    De  veneratione  sanctorum.    Cöln,  Peter  Quentel,  1525 187 

ClaM  (Jacobus  de).  Traetatus  de  veritate  dicenda  aut  tacenda.  Strassburg,  Martin 

Flach,  circa  1476. 115 

CoohlAens    (Johannes).      Commentaria    de    actis  et    scriptis    Martini    Lutheri. 

Mainz,  Franciscus  Behem,  1549 70 

UollMtanea  antiquitatum  in  urbe  Moguntina.  Mains,  Johann  Schofler,  1585.  481 
Columella.    Siehe  Herr,  Michael. 

^Olamna  (Franciscus).  Poliphili  Hypnerotomachia.  Venedig,  Aldus  Manutius,  1499.  307 
Comettor    (Petrus).      Historia   Scholastica.     Strassburg,    Heinrich   Eggestein, 

circa  1469 107 

Strassburg,  Johann  Grüninger,  1485 189 

Compendlam  Juris  canonici.    Strassburg,  Johann  Grüninger.  1499 142 

ConcUlam  zu  Constanz.    Augsburg,  Anton  Sorg,  1488 258 

—  Paulo  III.  ipso  Jubente   conscriptum,  anno  M.  D.  XXXVIII.     CÖln,  Melchior 

Novesianus,  1588 189 

Conoordata  inter  Leonem  X.  &  Franciscum  I.    Paris,  Durand  Gerlier,  1520.    .  384 

ConstitntiOBes  Römischer  Keyserlicher  Maiestat.    Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1549.  .  65 

ConsaetndiDes  feudorum.    Strassburg,  Heinrich  Eggestein,  1472 108 

Cordiale  quatuor  novissimorum.    Cöln,  Peter  von  Olpe,  1477 170 

—  —  Cöln,  Bartholomaeus  de  ünckel,  1483 4.?9 

Cöln,  Heinrich  Quentel,  1492 176 

ComelloB  Nepos.    Llber  de  virorum  excellentium  vita.  Mailand,  Scinzenzeler  A 

Pachel,  circa  1481 321 

Corriong  (Laurentius).     Compendiosa  diversorum  carminum  structura.    CÖln, 

Martin  von  Werden,  1508 18S 

CreseentUi  (Petrus   de).     Opus   ruralium   commodorum.     Strassburg,   Johann 

Grüninger,  1486 189 

Cuba  (Johannes  de).     Hortus  sanitatis.    Strassburg,   Johann  Pryss,   circa  1483.  124 

Strassburg,  Johann  Pryss,  circa  1487 IM 

Strassburg,  Johann  Pryss,  circa  1491 184 

Strassburg,  Johann  Pryss,  circa  1498 135 

Mainz,  Jacob  Meydenbach,  1491 35 

deutsch.    Mainz,  Peter  Schoeffer,  148^ 31 

Strassburg,  Mathias  Apiarius,  1,'>86 g 158 

€i|J*ciaH   (Jacobus).     Paratitla  in  libros   quinquaginta  Digestorum  Justiniani. 

Cöln,  Maternus  Cholinus,  1570 193 

—  Paratitla  in  libros  IX  codicis  Justiniani.  Paris,  Sebastianus  Nivellius,  1579.  416 
Curmig  devotionales  varii  cum  Septem  Psalmis  poenitentialibus  vigiliis  mortuo- 

rum.    Augsburg,  Anton  Sorg,  1489 854 


—     Sach-Register.     —  ^nv^ 

Seite- 
Carte  (Jacobus  de).    De  urbis  Collosonsis  obsidione  a  Tureis  tentata.   Venedig, 

Erhard  Ratdolt,  circa  1480 291 

CnntOf  (Dominicus).    Tirolensium  principum,  comitum  icones.     Augsburg,  Jo- 
hannes Praetorius,  1599 277 

CypriaBiil,    Opera.    Basel,  Johann  Proben,  1520.  .   . , 220 

Basel,  Johann  Herwagen,  1540 228 

—  Opera  hinc  inde  excerpta.    Paris,  Berth.   Remboldt  A  Joh.  Waterloes,  1512..  89& 

—  Epistolae.    Rom,  Sweynheim  &  Pannartz,  1471 198 

€jrrllltt8.    Speculum  sapientiae.    Basel,   Michael  Wenszler,  circa  1475 210 

lianuitoeBiis  (Johannes).  Theologia.  Paris,  Henricus  Stephanus,  1507.  .  .  .  390 
Danbnssen  (Petrus).    Uelatio  de   obsidione  urbis   Rhodiae.    Nürnberg,  Anton 

Koberger,  1480 348 

Dante  Alighieri.  LaComedia.  Mikroscopische  Ausgabe,  Mailand,  Ulr.  Hoepli,  1878.  324 

—  La   Commedia  col   commento   di    Landino.    Venedig,    Petrus  Johannes    de 

Quarengüs,  1497 306 

Dathos  (Augustinus).  Orationum  duo  partes.  Paris,  Guillaume  le  Rouge,  1513  u.  1514.  399 

DaTld'8  Ehebruch,  Mord,  Strafe  und  Busse.     Ulm,  Hans  Varnier,  1534.      .    .   .  335 

Deelsfones  Rotae  Romanae.    Mainz,  Peter  Schoeffer,  1477 30 

Venedig,  Johannes  &  Gregorius  de  Gregoriis  de  Forlivio,  1496 296 

Declaraiio  modi  et   formae   venditionis  ac   emtionis  redituum  perpetuorum  et 

vitalium.    üöln,  Arnold  Therhoernen,  circa  1473 166 

Diaeonns  (Paulus).    Siehe  Jomandes. 

Diaeta  salutis.    Göln,  Johann  Koelhoff,  1474 167 

Dieta  et  facta  philosophorum  apud  Ciceronem.    Paris,  Jacques  Perier,  1555.    .  412 

Diepold  (Johann).    Ein  nützlicher  Sermon.     Ulm,  Johann  Grüner,  1!S22.    .   .   .  335 

Dlether*g  Manifest  gegen  Adolf  von  Nassau.     Mainz,  Fust  &  Schoeffer,  1462.  .  19 

Diodoms.    Opera.    Basel,  Henricus  Petri,  1531 225 

—  Bibllotheca  seu  historiarum  priscarum  libri  IV.    Venedig,  Andreas  Jacobus 

Catharensis,  1476 293 

Diogenes  Laertius.     Vitae  et  sententiae  philosophorum.     Venedig,    Phillppus 

Pincius,  1497 304 

Dionysios  Areopagita.  Opera.  Paris,  Joh.  Higmann  &  Wolfgang  Hopyl,  1498.  S82 
Strassburg,  Johann  Grüninger,  1508 142 

—  Vita  cum  oratione.    Nürnberg,  Caspar  Hochfeder,  circa  1491 356 

—  de  Leuwis.  Specula  omnis  Status  yitae  humanae.  Nürnberg,  Peter  Wagner,  1495.  354 

Directorivm  Missae.    Miünz,  Johann  Schoeffer,  1506 40 

Mainz,  Friedrich  Hewmann,  1509 ?»7 

—  Statuum.    Strassburg,  Peter  Attendorn,  1489 144 

Donatas  von  27  Zeilen,  angeblich  von  1451.    Bamberg,  Albrecht  Pfister  um  1460.  86 

—  Bamberg,  Albrecht  Pfister  um  1458—60 .  434 

—  de  octo  partibus  orationis.     Nürnberg,  Wolfgang  Huber,  circa  1510 359 

—  allegoricus.    Siehe  Scripta  theologorum — 

Draoonltes  (Johannes).  Von  dem  Stein  ohne  Hände  vom  Berge  gerissen.  Lübeck, 

Georg  Richolff,  1549 422 

—  Von  den  Fürstehem,  die  Friede  lehren.    Lübeck,  Georg  Richolff,  1550.    .    .  422 

—  Von  des  Menschen  Sohne.    Lübeck,  Georg  Richolff,  1550 423 

—  Von  dem  Zeichen  der  Niniviten.    Lübeck,  Johann  Balhom,  1549 423 

—  Vom  Evangelischen  Predigt-Amt    Lübeck,  Johann  Balhorn,  1549 423 

—  Von  der  Stadt  unsers  Gottes.    Lübeck,  Johann  Balhorn,  1560 424 

—  \ron  dem  Geist  der  Gnaden  und  des  Gebetes.  Lübeck,  Johann  Balhorn,  1550.  424 
Dmi  (Johannes).    Scriptum  in  quatuor  libros  sententiarum.    Nürnberg,  Anton 

Koberger,  1481 343 


474  —     Sach-Register.     — 

Seite 
Danf.  Quodlibeta  qaesUonam.  Venedig,  Johaones  de  Colonia,  Nicoiaus  Jenson  Sc 

Johannes  Herbort  de  Selgenstadt,  1481 2\*7 

DuraBdos.  Rationale  divinorum  officiorum.  Mainz,  Job .  Fust &  Peter  Schoeffer,  1 45».  17 

Augsburg,  («iinther  Zalner,  circa  1470 241 

Ulm,  Johann  Zainer,  147H : S88 

Ulm,  Johann  Zainer,  1476 880 

Nürnberg,  Anton  Koberger,  1481 848 

btrassburg,  Johann  Pryss,  1486 182 

—  Speculum  Judiciale.    Htrassburg,  Huscner  &  Beckenhub,  1473 110 

mÜjA  (Johannes).  Deprimatu  Petri  adveraus  Lndderum.  Paris,  Pierre  Vidove,  1»21.  400 
Edens  (Georgius).    Oeconomia  bibliorum.    Coln,  Gervinas  Calenius  &  Johann 

QuentePs  Erben,  1R68 191 

ElMldarlai  diaiogicus  theologiae.    Nürnberg,  Johann  Weiuenburger,  1M2.  .   .  858 

Epiphaulat.    Panarium.    Basel,  Johann  Oporin  A  Johann  Herwagen,  1580.     .  284 

Entail  Koterdami  Oe  conscribendis  Epistolis.  Mains,  Ivo  Schöffer.  1560.  .  483 
firaamnA  Roterodamus.    Pamiliarium  colloquionun  formulae.    Mains,  Johann 

Schoeffer,  1620 ' 47 

—  De  dupUce  copiif  verborum  ac  rerum.    Coln,  Johannes  Qymnicus,  1588.  .   .  184 

—  Das  Sprichwort,    Man   muss   entwer  ein  Koning  oder  aber  ein  narr  gebom 

werden.    Mainz,  Johann  Schoeffer,  1^20. 47 

—  Die  verteutscht   Epistel    Tor   seinem   handtbuehlein   von  'dem  Christliehen 

Ritter.    Mainz,  Johann  Schoeffer,  1.')21 48 

—  Yerteutschte  ausszlegung  über  „Nement  auff  euch  mein  Joch'*.    Mains,  Joh. 

Schoeffer,  1.521 40 

—  Auslegung  der  Epistel  Pauli  an  Titus.     Augsburg,  Dr.  Sigm.  Grimm,  1522.  989 

—  Ein  Sendbrief.     Nürnberg,  Simon  Tunckel  1.531 867 

Enrons  Judaeorum  extracti  ex  Talmut.    Siehe  Scripta  theologorum — 

Eseheabaeh  (Wolfram  von).    Titurel.    Strassburg,  Johann  Mentelin,  1477.  .   .  101 

Etterlthi.     Chronik  der  Eidgenossenschaft.    Basel,  Michael  Furter,  IS07«     .    .  219 

Kulpides.    Tragoediae  graeco-latinae.     Basel,  Johann  Oporin,  15'>2 288 

Ezempla  sacrae  scripturae.    Paris,  Petrus  Levet,  circa  1478 884 

Eitrarmgantes  communes.    Paris,  Thielmann  Kerver,  1509 891 

Ejb  (Albrecht  von).    Margarita  poetica.     Strassbui^,  Johann  Pryss,  1508.     .    .  185 

—  Ob  einem  Manne  seizu  nehmen  ein  ehelich  Weib.  Nürnberg,  F.  Creussner,  1472.  849 

Augsburg,  Sylvan  Otmar,  1517 271 

E  jdiBluiii  (Jodocus).Vocabulariu8  praedlcantium.  Nürnberg,  Petrus  Currifex,  1488.  8S3 

SjB  Cliriatliche  lere  des  rechten  Glaubens.    Mainz,  Franz  Behem^  1641 4S2 

h  aber  (Jacobus).    Introductio  moralis  in  Ethicen  Aristotelis.    Paris,  Ponce  le 

Preux,  1614 892 

—  (Johannes).    Opus  super  institutionibus.    Venedig,.  Baptista  de  Tortis.  1497.  298 

—  (Johann).     Cbristenliche    Ableynung  des    Caspar   Schwenekfelder.     Mains, 

Johann  Schoeffer,  1529 58 

Fabrica  (Johannes  de).    De  indulgentlls   pro  animabus  in  Purgatorio.    Mainz, 

Fust  &  Schoeffer,  circa  1464 21 

Fasdeoliii«  temporum.    Siehe  Rolevlnk  (Werner). 

Faastinns  Tradocius.    De  honesto  appeütu  et  de  triumpho  stultitiae.    Venedig, 

Johannes  Franciscus  &  Antonius  de  Rusconibus,  1624 818 

Fayser  (Johann).     Beschreibung  der  bewerten  Rossartznei.     Augsburg,  Michael 

Manger,  1.576 276 

FerrerlttS  (Vincentius).  De  fine  mundi.  Nürnberg,  Conrad  Zeninger,  1480.  .  85t 
Nürnberg,  Augustiner-Kloster,  1483 .  862 


—     Sach-Register.     —  ^yc 

Seite 

'Fidnm  (MarHÜins).    De  ohristiana  religione.    Venedig,  Ottinus  Papiensis,  1500.  309 

^schwrl  (Johann).   Das  Ehezuchtbüohlin.   Strassburg,  Jubin^B  sei.  Erben,  1597  .  157 

—  Siehe  Marnix  (Philippas)  und  Calvinus  (Johannes). 

Fifiher  (John).   Assertionis  Lutheranae  confutatio.  Paris,  Claude  Chevallon,  1523.  399 

Cöha,  Peter  Quentel,  15S4 187 

Fliaeng  (Stephanus)  Varietates  sententiarum  seu  Synonyma.   Strassbiurg,  Johann 

Pryss,  1487 188 

Florentlns  Harlemius.  Der  sicher  Ingang  der  Hymel.  Mainz,  P.  Schoeffer,  146^—67.  töd 

Florall  (Lucius\    De  gestis  Romanorum.     Basel,  Johann  Herwagen,  1532.    .    .  228 

—  De  gestis  Romanoram.    Mainz,  Ivo  Schoffer,  1540 4S2 

Folletlnns  (Hugo).    De  claustro  animae.    Göln,  Retro  Minores,  1504 182 

Formnlarbncli.    Augsburg,  Anna  Rügerln,  1484 258 

—  Strassburg,  Johann  Pryss,  1488 138 

—  Strassburg,  Johann  Pryss,  1502 135 

—  Strassburg,  Johann  Knobloch,  1511 145 

Franck  (Sebastian).    Chronica  oder  Zeitbuch.    Strassburg,  Balthasar  Beck,  1531.  151 

—  Chronica.     Ulm,  Hans  Varnier,  153« 335 

FrieR.    Siehe  Phryes. 

Frols  (Ludoyicus).     Drey  Japponische  Schreiben.     Mainz,  Johann  Albin,  1.599.  70 

Fechs  (Leonhart).  Der  neu  Herbarius.  Basel,  Michael  Isengrin,  1548.  .  .  .  229 
Fvgger  (Johann  Jacob).    Spiegel  des  ßrtzhauses  Oesterrelch.    Nürnberg,  Michael 

und  Johann  Friederich  Endter,  1668 870 

FaBdAmeBtum  aeternae   felicitatis   cum  libro  de  miseria  conditiuniti  humanae. 

Cöln,  Retro  Minores,  1503 182 

ixalemas.    Opera.    Paris,  Henrieus  Stephanus,  1514 890 

—  (Claudius).   Aliquot  opera.    Paris,  Arnold  Birckmann  &  Jaques  Dupuys,  1.550.  409 
>-€lalleii8i8  (Johannes).    Communiloquium  sive  summa  collationum.    Strassburg, 

Johann  Grüninger,  1489 140 

deboto)  die  zebn,  erklärt.    Strassburg,  Johann  Grüninger,  1516 143 

deiler  Keysersbergius.    De  oratione  domioica  sermones.    Strassburg,  Matthias 

Schurer.  1510 149 

—  Navicula  sive  speculum  fatuorum.    Strassburg,  Johann  Knobloch,  1513.    .   .  145 
deutsch.    Basel,  Sebastian  Henric  Petri,  1574 235 

—  Navicula  poenitentiae.    Strassburg,  Mathias  Schürer,  1512 •    •    *  149 

—  Predigten.    Augsburg,  Johann  Otmar,  1508 267 

—  Das  buch  Granatapfel.    Strassburg,  Johann  Knobloch,  1516 146 

Gelllas  (Aulus).    Nootes  Atticae.    Strassburg,  Johann  Knobloch,  1521 146 

Coln,  Eucharius  Hirtzhorn,  1526 185 

Oeminlsno  (Johannes  de).   Summa  de  exemplis  et  similitudinibus  rernm.    Basel, 

Johann  Petri  von  Langendorf  &  Johann  Proben,  1499 221 

OesgenbMli   (Pamphilus).    Clag  über  die    Todtenfresser.    Augsburg,  Melchior 

Ramminger,  circa  1522 872 

Geriehtsordnvng,  peinlich.    Siehe  Carolina. 

-  OerSOn   (Johannes).      De    spiritualibus    nuptiis.      Nürnberg ,   Sensenschmid   & 

Kefer,  1470 387 

—  Alphabetum  divini  amoris.    Paris,  Georg  Mittelhns,  1498 884 

—  ConcluBiones  de  diversis  materiis  moralibus.  Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1470.  162 
Augsburg,  Johann  Wiener,  circa  1475 255 

—  Tractatus  de  pollutione  nocturna.    Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1464 — 1465.     .   .  161 

—  Modus  vivendi.    Cöln,  Henrieus  de  Nussia,  1510 188 

—  Regulae  morales.    Paris,  Pierre  Gaudoul,  1580 398 

—  De  vita  spirituali  animae.     Paris,  Engelbert  de  Mamef,  1498 885 


^76  —     Sach-Register.     — 

Seite 
GerMB.  Tractatus  de  meditatiuneet  expositio  super  Septem  psalmos  poenitentiales, 

Cöln,  Ulrich  Zell,  ein»  14^ 164 

—  Tractatus  de  regulis  mandatorum.  Nürnberg,  SensenBchmid  &  Kefer,  1472.  .  .  .  338 
QUibertus  de  Hoglandia.  Sermones  de  Cantica  canticorum.  S.  Bemardus  (Sanctus).  — 
ttlarMnu^  HenrieuB.  De  geographia.  Venedig,  Nicolaus  de  Sabio,  1584.  .  .  814 
dratlABm*    Decretum  cum  apparatu.     Strassbnrg,  Heinrich  E^estein,  1471.    .  106 

Strassburg,  Heinrieh  Eggestein,  1472 108 

Maine,  Peter  Schoeffer,  14?2 «7 

Venedig,  Nicolaus  Jenson,  1474 287 

Basel.  Bernhard  Richel,  1476 21» 

Basel,  Michael  Wenszler,  1481 211 

Venedig,  Baptista  de  Tortis,  1496 »8 

GreifOrtas  Magnus.  Moralia  in  Jobum.  Basel,  Berthold  Kuppel,  circa  1464.  .  206 
Venedig,  Raynaldus  de  NoTimagio,  1484 298 

—  Dialogorum  libri  IV.     Basel,  Michael  Furter,  1496 218 

—  In  Septem  psalmos  poenitentiales.    Mains,  Jacob  Meydenbach,  1495.     ...  86 

—  Super  cantiea  eantie4>rum.    Paris,  Berthold  Remboldt  &  Job.  Waterloes,  1509.  397 

—  Regula  pastoralis.     Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  146?» 161 

Strassburg,  Martin  Flach,  1475 435 

Basel,  Michael  Furter,  1496 «18^ 

—  IX.  Decretalium  libri  V.  Strassburg.  Heinrich  Eggestein,  circa  1468.  .  .  104 
Mainz,  Peter  Schoeffer,  1478 27 

—  Decretalium    nova   eompilatio  Francisci  genuensis    cum  glossis.     Venedig. 

Joh.  von  Selgenstadt  1481 442 

—  von  Nazanz.  Ein  ser  Christliehe  predig.  Mainz,  Johann  Schoeffer,  1521.  .  4S 
QregorIa&  Nyssenus.    Siehe  Nyssenus. 

dresomundiis   (Theodoricns).     De    Septem    artibus    liberalibus.    Münz,    Peter 

Friedberg,  1494 37 

Grfinberk  (Josepb).  Spiegel  der  prophetischen  Sehungen.  Nürnberg,  Stuchs,  1508.  355 

Gruner  (Vlneentlus).  Expositio  officii  missae.  Strassburg,  Heinr.  Eggestein,  147^.  108 

Guido  de  monte  Uotherii.  Manipulus  Curatorum.  Augsburg,Christmann  Heyny,1471 .  246 

Strassburg,  Martin  Flach,  circa  1490 116 

GnlllermaR.    Opera.    Angeblich  Nürnberg,  Anton  Koberger,  richtig :  Augsburg, 

Johann  Schönsperger,  circa  1496 847  u.  445 

—  Postilla  super  epistolas  et  evangelica.     Augsburg,  Günther  Zainer,  ca.  1470.  241 

Cöln,  Johann  Koelhoff,  1481 439 

Cöln,  Ulrich  Zell,  1488 163 

Ulm,  Conrad  Dinckmut.  1486 338 

Guillluidas  (Claudius).    In  evangelium  secundum  Joannis  enarrationes.   Paris, 

Conrad  Badins  &  Jean  Roigny,  1548 406 

Gntenberg's  erste  Buchdmckpresse  vom  Jahre  1441 451 

Ualflgerlehts-Ordennng,  Bambergische.    Mainz,  Johann  Schoeffer,  1508  ...  40 

Handschriften.   No.  1  bis  51 1-6^ 

Hassla  (Henricus  de).  Expositio  super  ave  maria.  Cöln,  Am.  Therhoernen,  1478.  166 

Hausknecht  (Gabriel).    Ein  schöner  Spruch.  Nürnberg,  Kunegund  Hergotin,  1587.  366 

HaymO;  Episcop.  Halberst.  In  Esaiam  commentarii.  Cöln,  Peter  Quentel,  1531.  187 

—  De  varietate  librorum  sive  de  amore  coelestis  patriae.    Cöln,  Joh.  Prael,  1531.  188 

Httrbnrins  cum  herbanim  figuris.    Mainz,  Peter  Schoeffer,  circa  1484 81 

Herodianul.    Historia  Komana,  deutsch.    Augsburg,  Heinrich  Steiner,  1531.    .  273 

Herodotut.    Historiae;  deutsch.    Augsburg,  Heinrich  Steiner,  1585. 274 

Herolt    (Johannes).    Liber  de  eruditione  Christi  Fidelium.    Strassburg,  Georg 

Huszner,  circa  1476 118 


—     Sach-Register.     —  47*7 

Seite 
Herp  (Hcnricus).    Hpeculum  aureum  decem  praeceptofum  Dei.     Mainz,  Peter 

Schoeffer,  1474 28 

Herr  (Michael).    Das  Ackerwerck.    Strassbui^,  Wendel  Rihei,  1588 15t 

Heares  de  Paris.     Paris,  Antoine  Verard  &  Guillaume  Eustace,  1520 398 

Hleroeles.    In  aurea  Pythagorae  carmina  commentarius.    Strassburg,  Mathias 

Schiirer,  IMl 149 

Hleroiiyvas  (Sanctus).  Epistolae.  Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1466.  .  97 
Mainz,  Peter  Schoeflfer,  1470 25 

—  —  Rom,  Sweinheim  &  Pannartz,  1470 198 

—  De  essentia  divinitatis.    Siehe  Scripta  theologorum — 

—  Das  Buch  der  heiligen  Altväter.    Augsburg,  Anton  Sorg,  1492 442 

—  vmd  ttreniiadliiB.    De  viris  illuatribus.    Siehe  Scripta  theologorum — 

HiluliU.    De  trinitate.    Siehe  Augustinus — 

Hlppolftas    episcopus.    De    consumatione   mundi;   graece.      Paris,    Guillaume 

Morel,  15.^6 409 

--  latine.    Paris,  Audoin  Petit,  1567 413 

UlsiHinas  (Andreas).  Modus  confitendi.  Strassburg,  Johann  Mentelin  circa  1460.  93 
HochstratoB  (Jacobus).    Tractatus  quam  graviter  peccent  quaerentes  auxilium 

a  maleficis.    Cöln,  Martii.  von  Werden,  1,M0. 188 

Hoffgerlclits-Ordiivng,  Meintzlsch.    Mainz,  Johann  Schoeffer,  1521 49 

Holstftfeldrnoke.   No.  52  bis  82 6—9 

Homrrns.    Opera  graeco-latina.     Kasel,   Niculaus   Brylinger  Sc  Bartholomaeus 

Calybaeus,  1551 231 

—  Odyssea;  deutsch.    Augsburg,  Alexander  Weissenhorn,  1587 276 

Honorins  (Christianus).     Libri  tres  de  imagine  mundi.     Nürnberg,    Anton  Ko- 

berger,  circa  1472 841 

—  Lacidarius;  deutsch.     Strassburg,  Martin  Schott,  circa  1484 122 

Horatlns  Flaccus.    Opera.    Venedig,  Benedictus  Fontana,  1495 808 

Paris,  Denys  Roce,  1508 885 

Paris,  Simon  de  Colines,  1531 402 

—  Opera  ab  omni  obscoenitate  purgata.  Cöln,  Arnold  Birckmann's  Erben,  1588.  192 

HortiüiUI  anlmae.    Mainz,  Johann  Schoeffer,  1514 43 

Hortat  sanitatis.    Siehe  Cnba  (Johannes  de).  — 

Hosins  (Stanislaus).    Confessio  catholicae  fidei.    Paris,  Jacobus  Puteanus,  1560.  414 

Hnberinnfl  (Caspar).     Spiegel  der  Hauszucht.    Nürnberg,  Gabriel  Heyn,    1552.  367 

Hugo  de  S.  Caro.    Postilla  super  quatuor  Evangelia.    Basel,  Bernh.  Richel,  1482.  212 

—  de  S.  Victore.    Opera.     Paris,  Henricus  Stephanus,  1506 389 

—  Soliloquium  in  modum  dialogi.    Strassburg,  C.  W.   1473 111 

Hnmbertns.  Auslegung  über  St.  Augustinus  Regel.  Ulm,  Lienhart  Holl,  1482.  381 
Hatton  (Ulricus  de).    Hoc  in  volumine  &c.   (Colleetio  Ebern burgica).     Mainz, 

Johann  Schoeffer,  1519 46 

—  Dialogi.    Mainz,  Johann  Schoeffer,  1520 47 

—  De  guaiaci  medicina  et  morbo  gallico.    Mainz,  Johann  Schoeffer,  1524.     .   .  51 

—  (Ulrich  von).  Gespräch-Büchlein.  Neu  Karsthans.  Basel,  Thom.  Wolf,  1521.  22t 
Hnttichlo!}  (Johannes).    Imperatorum  romanorum  libellus.    Strassbui^,   Wolff 

Kopffei,  1525 151 

Hjglnnfl*    Poeticon  astronomicon.    Venedig,  Thomas  de  Blavis,  1488 293 

Hynelstrass,  das  Buch  genannt.    Augsburg,  Lucas  Zeissenmayr,  1501 265 

waeobus  de  Clusa.    Sermones  notabiles  et  formales  per  totum  annum.    Ulm, 

Ludwig  Hohenwang,  circa  1470 327 

Jamblichns.    De  mysterüs  Aegyptioriun.  Chaldaeorum,  Assyriorum  et  alia  opus- 

cula;  latine.    Venedig,  Aldus  Manucius,  1497 •  .  a  .   .  .  807 


478  —     Sach -Register.     — 

Seite- 

Jerun;  (Heoricus).  Rluoidarius  scripturanim.  Nürnberg,  Frdr.  Creussner,  1476.  350 
JMI18  Syrach     Siehe  Haberino8. 

lanoceBtia«  Ili.    Opera.    Cöln,  Johannes  Novesianus,  1552 190 

InMrlptloiies  vestutae  romaa.  in  Augusta  Vind.  Mainz,  Joh.  Schoffer,  1520  A  25.  4SI 

Instltorls  (Henricus).    Malleus  maleficarum.     Strassburg,  Johann  Pryse,  1487.  133 

Nürnberg,  Anton  Koberger,  1494 346 

Intemene  Consolation.    Paris,  Nicolas  Savetier,  1.531 408 

JohftBBM  XXII.    Extravagantes.    Paris,  Thlelman  Kerver,  1510 391 

—  Priburgensis.    Summa  confessorum ;  deutsch.    Ulm,  Conrad  Dinckmut,  1  i84.  S32 

—  Bpiscop.  Hildishomiensis.  Historia  de  gestis  et  trina  trium  regum  translatione 

Cöln,  Johann  GuldenschaflF,  1486 174 

—  Junior.    Scala  coelL    Ulm,  Johann  Zainer,  1480 330 

—  abbas   Nivicellensis.      Concordantiae   bibliorum   et  canonum.      Basel,    Nie. 

Kesler,  1487 215 

—  PithsanuB.  Liber  de  oculo  morali.  Augsburg,  Anton  Sorg,  circa  1475.  .  .  251 
Jordanas  de  Quedlinburg.  Sermones  de  tempore.  Strassburg,  Joh.Grönioger,  1483.  138 
Jornandet«    De  rebus  Gothorum  cum  Pauli  JDiaconi  de  gestis  Longobardorum. 

Augsburg,  Johannes  Miller,  1515 271 

JOMpbus  (Plavius).    Opera  latine.     Augsburg,  Johannes  Schüssler,  1470.  .   .   .  245 

—  Opera ;  deutsch.    Strassburg,  Balthasar  Beck,  1535 152 

IsldoruR  Hispalensis.  Etymologiarum  libri  XX.   Augsburg,  Günther  Zainer,  1472.  242 

Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1472 100 

Venedig,  Peter  Löslein,  1483 29« 

—  De     responsione    mundi    &    astrorum    ordinatione.        Augsburg,     Günther 

Zainer,   1472 441 

Julias.    Dialogua  vir!  cuiuspiam  eruditissimi  etc.  Venedig,  unbek.  Drucker,  1515.  311 

Justinianus  (Imperator).    Institutiones     Mainz,  Peter  Schoeffer,  1468 24 

Mainz,  Johann  Schoeflfor,  1,529 52 

—  NoTellae  Constitutiones.    Mainz,  Peter  Schoeffer,  1477 29 

^  Codex.     Mainz,  Peter  Schoeffer,  1475 428 

JttStlnianan  (Bernardus).    Orationes,  nonnuUae  epistolae  etc.    Venedig,  Bernar- 

dinus  Benalius,   circa  1498 300 

JastioQfi.  Epitome  historiarum  TrogI  Pompeji ;  deutsch.  Augsburg,  H.  Steiner,  1531.  273 

JuTenalto.    Satyrae.    Venedig,  Wendelin  von  Speyer,   1470. 286 

—  Satyrae.    Nürnberg,  Anton  Koberger,  1497 846 

JuTencos  Hispanns.    Historia  evangelica.    Paris,  Petrus  Galterus,  1545.   .   .   .  408 

■Halender,  Augsbnrger  für  1472.    Augsburg,  Günther  Zainer,  1471 242' 

—  deutsch  1481.    Augsburg,  Johann  Blaubirer,  1481 256 

Kempls  (Thomas  a;.    De  imitatione  Christi.    Siehe  Scripta  theologorum.  ...  — 

deutsch.    Augsburg,  Anton  Sorg,  1486 253 

Kirchono rdnaDg  der  Stadt  Lübeck.    Lübeck,  Johann  Balhom,  1585 424 

Klag,  Antwort    und  Urtheil,  zwischen  Frau   Armuth  und    Pluto.     Nümbe^, 

Niclas  Meldeman,  1531      367 

Koehbut'h,  Nümbergisches.    Nürnberg,  Wolfgang  Moritz  Endter,  1691 S70 

Kobel,  (Jacob).    Eyn  Künstliche  Sonnuhr.     Mainz,  Peter  Jordan,  1532 67 

Koeloer  de  Vanckel.    Summarium  textuale  et  conclusiones  Sexti  Deoretalium 

et  Clementinarum.    Cöln,  Johann  Koelhoff,  1484 168 

Kohn  (Joseph)  Hebräische  Chronik.    Venedig,  unbekannter  Drucker,  1554.    .  816 

Krauts  (Albertus).  Wandalia  et  Saxoniar  Cöln,  Johannes  Soter,  1519  &  15iO.  18^ 
Knnhofer  (Engelhardus).    Confessionale.     Nürnberg,  an  dem  Ponerperg  Jobann 

Weissenburger,  1502 867 

Kunst  V  des  Notariats.    Nürnberg,  Georg  Schenck,  1502 858- 


—     Sach-Register.     —  ^yg 

Seite 

JiMt«BtllUU    Opera.     Rom,  Sweynheim  &  Pannartz,  14(t8 198 

Rom,  Ulrich  Han  &  Simon  de  Lucca,  1474. 4S9 

Venedig,  Andreas  de  Paitasichis  Catarensis  &  Boninus  de  Boninis,  1478.  442 

—  De  divinis  institutionibus  adversus  gentes.    Venedig,  Theodorus  de  Raga- 

sonibus  de  Asula,  1890  für  1490 303 

LMapshelm  (Johannes  de).     De  fratemitate  et  rosario  Mariae  virginis.    Mainz, 

Peter  Priedberg,  1495 38 

Lmdtfrld  durch  KayserCarol  den  funfftenauffgericht.  Mainz,  Joh.  Schoeffer,  1528.  50 
liMCsris    (Constantinus).      Grammatices    graecae    epitume;    graece.      Venedig, 

Aldus  Manucius,  circa  1498 307 

liSnde  (Oldradus  de).    Consilia  Juridica.    Basel,  Eberh.  Fromolt,  1481 441 

Leben  der  Heiligen.     Nürnberg,  Jobann  Sensenschmid,  1475 849 

—  Jesu  Christi.    Nürnberg,  Johannes  Stuchs,  1.M4 860 

Iiehonrecht  verteutscht.    Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1531 58 

LeO)  Papa.    Sermones  et  epistolae.  Venedig,  Andreas  de  Sociis  Parmensis,  148.5.  800 

Liehtenbe^or.    Practica  vnnd  Prenostication.    Mainz,  Peter  Schöffer,  1492.    .  429 

lilfini  (Titus).    Römische  Historien.     Mainz,  Johann  Schoeffer,  1505 89 

Mainz,  Johann  Schoeffer,  1514 48 

Mainz,  Johann  Schoeffer,  1,528 50 

Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1583 60 

Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1541:      64 

Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1546 65 

Ivo  Schoeffer,  1551 

Mainz,  Ivo  Schoeffer's  seel.  Erben  &  Georg  Wagner,  1557— -1559 67 

—  Decades  cum  epitome  Plori.     Paris,  Parvus  &  Ascensius,  1510 — 1511.    .    .   .  8SS 

Mainz,  Johann  Schoeffer,  1518 45 

Lombardus  (Petrus).    Textus  senteutiarum.    Basel,  Nicolaus  Kesler,  1486.   .   .  21.^ 

Basel,  Adam  Petri  de  Langendorff,  151G 222 

Textus  sentent.  cum  oonclusionibus  H.  Gorichem.   Basel,  Nie.  Kesler,  14S9.  441 

liOtharittll.  Liber  miseriae  conditioniB  humanae.   Strassburg,  H.  Eggestein,  1475-  109 

Cöln,  Nicolaus  Götz,  circa  1477 172 

Lvcidarliui.    Siehe  Honorius — 

liOdolphns  de  Saxonia.     Opus  vitae  Christi.    Strassburg,  Heinr. Eggestein,  1474.  109 

—  Rector  in  Suchen.     De  terra  sancta  et  itlnere  Jherosolomitano.    Strassburg, 

Heinrich  Eggesiein  oder  Nicolaus  Pistoris  &  Marc  Reinhard,  circa  1485.  .  144 
Liillns  (Raimnndus).      De  secretis  naturae  et  Alberti  Magni  De  mineralibus  & 

rebus  metallids.    Venedig,  Peter  Schoeffer,  1542 315 

Luther.    Das  neue  Testament.    Nürnberg,  Friedrich  Peypus,  1524 859 

—  Der  kleine  Katechismus.    Nürnberg,  Katharine  Gerlachin  Erben,  1594.    .   .   .  869 

—  Auslegung  des  109.  Psalm.    Augsburg,  Sylvan  Otmar,  1518 271 

—  Der  111  Psalm.    Nürnberg,  Kunigund  Hergotin,   1581 866 

—  Die  sieben  Busspsalmen.    Strassburg,  Jobann  Knobloch,  1519 146 

—  Die  Ordnung  der  Messe.    Strassburg,  Wolff  Köpffei,  1.524 150 

Lyrm  (Nicolaus  de).  Postilla  super  Psalterium.  Strassburg,  Johann  Mentelin,  1468.  98 

Rom,  Sweynheim  &  Pannartz,  1472 199 

Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1478 168 

—  Glossae  super  libros  novi  testamenti.    Rom,  Sweynheim  &  Pannartz,  1472  .  199 

—  Postilla  super  quatuor  evangelistas.    Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1474 103 

maerobinB.    In  somnium  Scipionis  libri  duo  et  Satumaliorimi  libri  VILCöIn, 

Eucharius  Cervicomus,  1526 184 

Mameraoas   (Nicolaus).     Catalogus  expeditionis   rebellium  principum.     Cöln, 

Henricus  Mameranus  &  Henricus  Artopaeus,  1550 190 


^So  —     Sach-Register.     — 

Seit« 

HAB^iBellm  (Antooius).    Soribendi  orandique  modus.  Ulm.  Joh.  Schaeffler,  1^9.  8S4 

Manul«  confessorum  metriciun.     Cöln,  Hermann  Baumgart  de  Ketwieh,  1496>  180 

lüuiniig  der  crusteoheit  widd*  die  durken.    Uamberg,  Albrecht  Pfister,  circa  1456.  86 

Namitlufl  (Paulus).     Epistolarum  libri  XII.     Cöln,  Petrus  Horst,  1586 194 

HarctllM  (Nonius).    De  proprietate  sermonum.    Venedig,  Nicolaug  Jenson,  1476.  288 

ÜArrheslilBl  (Johannes).     Mammotractns.     Mainz,  Peter  Schoeffer,  1470.    ...  2.^ 

Cöln,  Conrad  von  Humburg,  1476 171 

Nürnberg,  Georg  Stucha,  1489 S54 

lliiryarit«  Decretalium.    Cöln,  Johann  Koelhoff,  1481 168 

ÜAria  (Paulus  de  8.).    Scrutinium  scripturarum.    Rom,  Udalrious  Gallus,  1470.  200 

Strassburg,  Johann  Mentelln,  1471 99 

Mainz,  Peter  Schoefter,  1478 30 

Harlale  sive  de  laudibus  Marlae.     Strassburg,  Martinus  Simns  (Flach)  1493.    .  116 
Haralx  (Philipp).   Hinenkorb;  deutsch  von  J.  Pischart.    Christiingen  =  Strass- 
burg, Bernhard  Jobin.  1.Ö79 156 

Christiingen  ss  8tras8burg,  Bernhard  Jobin,  1581 I.'i6 

HMtyrologlam  der  Heiligen  nach  dem  Kalender,  »itraasburg,  Joh.  Pryss,  1484.  181 
MAtaratiufl  (I^^aneiscus).    De  componendis  vcrsibus.    Venedig,  Erhard  Ratdolt, 

1468  für  1478 291 

Vefflreth.     Sermones  de  tempore  et  de  sanctis.    Nürnberg.  Anton  Koberger,  1487.  844 

Heinrat  (Sanct).     Passio.     Basel,  Michael  Purter,  1496 218 

deutsch.     Nürnberg,  Hans  Mayr,  circa  1493 856 

Helnnchthou.    Annotationes  in   epistolas  Pauli  ad  Romanos   et  ad   Corinthios. 

Strassburg,  Johannes  Hervagius,  1524 1.50 

—  Moralis  philosophiae  epitome.    Strassburg,  Crato  Mylius,  1.540 155 

—  Verzeichnung  und  Anzeigung  in  das  Evangelium  Johannis.     Basel,  Thomas 

Wolf,  1524 225 

Helber  (Johannes).     Vocabularius  praedicantium.    tiiehe  Eychmann  (Jodocus).  — 

HCBM  philosophica.     Cöln.  Johann  (jnldenschaff,  circa  1481 173 

Coln,  Cornelius  de  Zyrychzee.  1508 180 

Mensn.  De  moribus  et  facetiis  mensae.  Basel,  Michael  Furter,  1490.  ....  317 
HeUiodiDS*   Opusculum  divinarum  relationum  et  de  vita  Antichrist!.   Augsburg, 

Johann  Froschauer,  1496 264 

HilM  de  Verona.    Repe;:torium  juris..    Cöln,  Nicolans  Goetz,  1475. 171 

KiüMÜe  Augustense.    Augsburg,  Erhard  Ratdolt,  1491 262 

—  Babenbergense.    Bamberg,  Johann  Sensenschmid,  1481 ;   .  88 

Bamberg,  Sensenschmid  &  Petzensteiner,  1490 89 

—  Coloniense.     Paris,  Wolfgang  Hopyl,  1514 883 

—  Eystettense.   Nürnberg,  Hieronymus  HÖltzel,  1517 357 

—  Frisingense,     Venedig,  Peter  Liechtenstein,  1520 310 

—  Moguntinum.    Mainz,  Peter  Schoeflfer,  1483 31 

Mainz,  Peter  Schoeffer,  1498,  Fragmente 34 

—  Olomucense.    Bamberg,  Johann  Sensenschmid,  1488 89 

—  dominicanum  ordinis  praedicatorum.    Venedig,  OctAvianus  Scotus,  1482.     .  295 

—  Pragense.    Nürnberg,  Georg  Stuchs,  1508 V6 

—  Romanum.     Nürnberg,  Georg  Stuchs,  1484.      .   .   • 854 

Venedig,  Lucas  Antonius  de  Giunta,  1504 SOS 

Slavonico  idiomate.    Rom,  Congregation  der  Propaganda,  1631 202 

—  Salisburgense.     Nürnberg,  Georg  Stuchs.  1492 Sö5 

Basel,  Jacob  Ton  Pfortzheim,  1510. 217 

—  Itinerantium.     Cöln,  Retxo  Minores,  1503 ^^^ 

Modestns.    Libellus   de  voeabulis  rei   militaris  ad  Tacitnm.     Rom,  Eucharina 

Silber,  1487 201 


—     Sach -Register.     —  481 

Seite 

Modus  eligendi  imperatorexn.     Basel,  Pampbilus  Gengenbacb,  1519 223 

—  legendi  et  studendi  abbreviaturas  in  utroque   jare.     Nfirnberg,    Friedrich 

Creussner,  1489 Sf^O 

—  —  Strassburg,  Jobann  Gräninger,  1494 141 

HoMrh  (Joh.)>  Tractatas  de  horis  canonicis  dicendit.  Basel,  Job.  de  Besiekein,  1483.  tl4 

Honte  (Petms  de).    Repertorium  juris.   Nürnberg,  Prisner  A  Sensenschmid,  1476.  349 

H3sat«r  (Sebastian).    Cosmogr^phey.    Basel,  Sebastian  Henric  Petri,  1598.  .   .  235 
Vliro    (Conradas    de).      Repertorinm  vocabulorum.      Basel,    Berthold    Rappel, 

circa  1466 207 

Narnor  (Thomas).    Die  Schelmenzuoft.    Strassburg,  Wendel  Rihel,  circa  1540.  153 

Hustam  malorum  granatorum.     Strassburg,  Heinrich  Bggestein,  circa  1476.    .   .  109 

.NwiaeA  (Fridericus).  Catholicae  postillae  et  homiliae.     Coln,  Johann  QuenteFs 

Erben,  1565 191 

Nestor  (Dionysius).    Yocabnlarius.    Venedig,  Phillppus  Pincius,  1496 304 

Nieaslns  de  Voerda.    Arbor  consanguinitatis.    CÖln,  QuentePs  Erben,  1608.     .  182 
Niger  (Franciscus).    Grammatica.    Venedig,  Jobannes  Lucilius  Santritter  und 

Franz  Theodor  von  Würzburg,  1480 295 

Nilns  Episcopus.    Sententiae  morales.    Coln,  Conrad  Caesar,  1522 186 

Hyder  (Johannes).    Tractatus  de  morali  lepra.    C51n,  Ulrich  2<ell,  circa  1485.  .  164 

—  Johannes.    Die  vierandzwanzig  goldnen  Harfen.   Augsburg,  J.  Bämler,  1472.  246 

Augsburg,  Johann  B&mler,  1488. 247 

Nyssevns    (Gregorius).     De   hominis  opificio ;  graeco  -  latine.     Basel  ,^  Johann 

Oporin,  15^7 283 

UlMequisle  secundum  ecclesiam Constantiensem.  Augsburg,  Erhard  Ratdolt,  1510.  262 
Oeeolsmpidtns.    Der  Missverstand  Dr.  Martin  Luther's.    Basel,  Andreas  Cra- 

tander,  1527 224 

Oratio  querulosa  contra  invasores  sacerdotum.   Strassburg,  Job.  Grüninger,  1488.  140 

(Mgenes.    Homiliae.    Paris,  Parvus  &  Ascensius,  1512 389 

OrosioB  (Paulus).    Historiarum  adversus  paganos  libri  VII.    Venedig,  Bernar- 

dinus  Venetus,  1500 "" 295 

Coln,  Matemus  Cholinus,  1574 193 

Ortolff  von  Bayrland.    Arzneibuch.    Augsburg,  Anton  Sorg,  1488 254 

OsorisB  (Hieronymus).    In  Isaiam  libri  V.    Coln,  Gotefridus  Kempensis,  1579.  193 

Otftridu.    Evangeliorum  über.    Basel,  (Josias  Münsch?),  1571 236 

Otto  von  Passau.    Die  vierundzwanzig  Alten  oder  der  golden  Thron.    Strass- 

*  bürg,  Martin  Schott,  1483 121 

Coln,  Johann  KoelhoflF,  1492 169 

Strassburg,  Johann  Schott,  1500 148 

Oridins.    Opera.    Basel,  Henricus  Petrus,  1587 226 

—  Tristtum  libri  cum  commento.    Venedig,  Johannes  Tacuinus,  1499.    ....  306 

—  Dess  aller  Sinreichsten  Poeten  Metamorphosis.    Mainz,  Ivo  8cboeffer,   1551.  66 

x  AciflcA  somma  della  'Scienza  di  confessare.    Mailand,  Phil,  de  Lavagna,  1479.  318 
PaUngenius  (Marcellas).    Zodiacus  vitae.    Basel,  Thomas  Platter.  1543.     .   .  .  231 
PineelsnN.    Archidoxa;  zehn  Bücher  von   Heimlichkeiten   der  Natur.    Strass- 
burg, Theodosius  Rihel,  1570 155 

Pftraldns  (Guilelmus).    Summa  virtutum.    Paris,  Jean  Barbier,   1512 395 

PmsIo  Jesu  Christi;  deutsch.     Strassburg,  Matthias  Hüpfuff,  1513 147 

PaoIus  Apostolus.    Epistolae.    Paris,  Fran^ois  Regnault  &  Jean  de  la  Porte,  1517  394 

—  Sein  und  des  h.  Antonius  Lebei.    Strassburg,  Johann  Pryss,  1498 135 

—  de  Sancta  Maria.     Siehe  Maria,  Paulus  de. 

31 


482  —     Sach-Register.     — 

Seite 
Peroflo   (Petrus  de).      Compendium  anreum  de  unione   beneficiomm.     Paris, 

Jean  de  la  Garde,  1514 400 

PetnureliA  (Franciscus).    Opera.     Basel,  Johann  Amerbach,  1496 214 

—  De    rimedi    de     Tuna     et   Taltera   fortuna.     Venedig,.  Gabriel   Giolito    dl 
Perrara,  1549 315 

Pcotinger.    Siehe  Inscriptiones. 

Pfefferkorn  (Johann).   Büchlein  der  Jndenpeicht.  Augsburg,  Georg  Nadler,  1508.  268 

PfelffelmAim  (Johann).    Von  den   übertrefflichsten  und  berümptisten  frawen.  . 

Mainz,  Ivo  SchoeiFer,  15.H3 59 

PhilofftrAtu  (Flavius).    De  vita  ApoUinli.    Coln,  Johannes  Gymnicus,  1532.    .  184 

Phryes  (Laurentius).    Spiegel]  der  Artznei.     Strassbnrg,   Joh.  Grüninger,  1518  143 

PiccolondniUI  (Jacobus).    Eplstolac.    Mailand,  Alexander  Minutianus,  1506.     .  391 

PliMBttnnf*    De  varietate  actionum.    Mainz,  Johann  Schoeffer,  1581 58 

PlfttO«  Opera  latine.  Venedig,  Bernardinns  de  Choris  &  Simon  de  Luere,  1491.  803 
PlmArinm  oder  Eyangelienbuch.  Basel,  Adam  Petri  von  Langendorff,  1516.  .  828 
PllidnR  (Cajus).  Historia  naturalis.  Venedig,  Bernardinns  Benalius,  1497.  .  .  300 
Venedig,  Paulus  Manutius,  l.'i59 314 

—  (Cajns  Caecilius).    Epistolae.     Paris,  Robertus  Stephanus,  1529 404 

—  Epistolarum  libri  X.  Panegyricus.  Venedig,  Alexander  Minutianus,  1506-  .  331 
PlatAMhnf.    Apophtegmata.    Venedig,  Wendelin  von  Speyer,  1471 887 

—  Vitae  illustrinm  virorum.    Strassbnrg,  Johann  Mentelin,  circa  1470 99 

Basel,  Andreas  Cratander  &  Johannes  ßebel,  1583 227 

—  Amatoriae  narrationes.    Basel,  Andreas  Cratander,  1520 224 

Poesltentfoiuiriiii  slve  Poeniteas  cito.    Coln,  Heinrich  Quentel,  1495 176 

PoUieel  -  Ordnung    Anno   MDxxx    zu    Augsburg    yffgericht.     Mainz ,    Johann 

Schoeffer,  1531 58 

Mainz,  Mathes  Auerbach,  1530 58 

Probationei  novi  testamenti  ex  yeteri  testamento.  Siehe  Scripta  theologorum.  — 
ProeeMvs  Judlciarius  ipsins  Mascaron  contra  genus  humanum.    Siehe   Scripta 

theologorum — 

PrOgnoRllcon«    Opusculum  repertorii  prognosticon  in  mutationes  aeris.  Venedig, 

Erhart  Ratdolt,  14%. 292 

Pro^per.    Epigrammata  de  vitiis  et  virtutibus.     Mainz,  Peter  Priedberg,  1494.  37 

—  Do  gratia  dei  &  de  libero  arbitrio  sententia  Aurelii  Augustini.    Mainz,  Johann 

Schoeffer,  1524 51 

PlAlmornm  Codex.    Mainz,  Pust  &  Schoeffer,  14.57  bis  1516 16 

Mainz,  Jobann  Schoeffer,  1516 44 

Psalter,  deutsch-lateinisch.  Strassburg,  Heinrich  Eggestein,  circa  1470 107 

—  deutsch  von  Caspar  Amman.     Augsburg,  Dr.  Sigmund  Grimm,  1523.     .    .  .  269 

—  unser  lieben  Frauen.    Augsburg,  Lucas  Zeissebnair,  1495 265 

PlAlterlam  latlnum.    Bamberg,  Joh.  Sensenschmid  &  H.  Petzensteiner,  ca.  1485.  88 

—  latino-germanicum.    Augsbui^,  Erhard  Ratdolt,  1499 262 

—  graeeo-latinum.     Paris,  Carola  Guillard,  1545 407 

PtolemAeuR  (Claudius).    Astronomiae  über  diversarum  rerum.     Venedig,  Peter 

Liechtenstein,  1509 310 

^uaestloneit  naturales  antiquorum  philosophorum  de  diversis  generibua  ciborum 

et  potus.    Coln,  Cornelius  de  Zyrychzee,  circa  1495 179 

—  theologicae  de  incarnatione  et  sacramentis.  Basel,  Michael  Wenazler,  1474  209 
QiilBqB«rborea«  (Johannes).  GranamaticaHebraeorum.  Paris.Mart.  Juvenis,1588  416 
QvlntiliAniM.    Oratoriarum]  institutionum   libri   XIL    Venedig,  Johannes    de 

Colonla,  circa  1473 289 

—  Dedamationes.    Venedig,  Lucas  Venetus,  1482 443 


—     Sach-Register.    —  483 

Seito 

QnintfliftBiig.      Oratoriae  institutioneH.    Venedig,  Bonetus  Locatellus,  1493.  .   .  443 

—  Oratoriarum  institutionum  libri  XII.  Venedig,  Peregrinus  de  Pasqualibns,  1494.  899 

iCabamu  Manrus.    Opus  de  Universo.    Strassbui^,  Joh.  Mentelin,  eirc«  1464.  95 

—  Commentaria  in  Hieremiam  prophetam.    Basel,  Henricus  Petras,  1584.  .   .  326 

—  De  elericorum  institutione.    Coln,  Johann  Prael,  1538 188 

BanplgroIliB  (Antonius).    Aurea  biblia.    Ulm,  Johann  Zainer,  1475 829 

Coln,  Johann  Guldenschaff,  circa  1477 173 

Nürnberg,  Friedrich  Creussner,  1481 350 

Paris,  Nicolaus  Wolff,  1510 398 

deutsch.    Augsbui^,  Kloster  St.  Ulrich  &  Afra,  circa  1475 249 

Bathsehlag  etlicher  Pfarrherm.    Nürnberg,  Jobst  Gutknecht ,  1525 361 

BaTennas  (Pet.).  Compendium  juris  civilis.  CÖln,  Herrn.  Baumgart  de  Ketwich,  1506.  181 

Barisias  (Johannes).    Dialogi  aliquot    Paris,  Maurice  de  Porta,  1542 408 

Bedmuigsbaeh  der  Froben  &  Episcopius.     Herausg.   v.  Rudolf  Wackernagel. 

Basel,  Benno  Schwabe,  1881 227 

Befonnacion  der  Stat  Frankenfort  am  Meine.    Mains,  Juh.  Schöffer,  1609.  .   .  480 

Beformation  der  Stadt  Nürnberg.     Nürnberg,  Anton  Koberger,  1484 844 

Nürnberg,  Valentin  Geissler,  1564 369 

—  der  Stat  Worms.     Mainz,  Peter  Schocffer  jun.,  1507 55 

Mainz,  Peter  Schoeffer  Jun.,  1509 55 

Bflffinaldetas  (Petrus).  Speculumtinalisretributlonis.  Paris,  Jaques  Pouchin,  1514  399 
Bcgiao  (Monach.  Prüm.)   Annales  de  Augustorum  yitis  et  Germanomm  gestis. 

Mainz,  Johann  Schoeffer,  1521. 49 

Begioptontanos  (Johannes).    Ephemerides  astronomicae.    Nürnberg,   Johannes 

Regiomontanus,  1474 389 

Beiclisordanng  in  sachen  Christlichen  glauben.     Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1538.  .  60 

Beyserus  de  Pisis.     Pantheologia.     Nürnberg.  Sensenschmid  &  Kefer,  1473.  .   .  338 

Venedig,  Peter  Liechtenstein,  1486 299 

Biedei^r  (Friedrich).    Spiegel  der  wahren  Rhetorik.    Augsburg,  U.  Steiner,  1585.  274 

Bodericns  Zamorensis.  Specnliim  vitaehumanae.  Augsburg,  Günther  Zainer,  1471.  242 

—  -  Straasburg,  Martin  Flach,  1475 113 

Bolerlnk  (Werner).   Fasciculus  temporum.    Basel,  Bernhard  Richel,  1482.    .   .  212 

— ,—  Strasaburg,  Johann  Pryss.  1488 133 

deutsch.     Basel,  Bernhard  Richel,  1481 212 

Straasburg,  Johann  Pryss,  circa  1493 134 

Bore  (Cipriano  de).  II  quinto  libro  di  Madrigali.  Venedig,  Antonio  Gardano,  1568.  317 

Bosanhajm  (Petrus  de).    Roseum  memoriale.    Nürnberg,  Friedr.  Creussner,  1493  851 
BoMetnS  (Petrus).   De  pnero  Judaeo.    Paris,  Engelbert,  Jean  de  Marnef&  Pierre 

Viart,  1517 394 

BopertoB*    In  evangella  Matthaei  &  Johannis  item  in  Apocalvpsim  commen- 
taria.   Coln,  Franz  Birckmann,  1529 188 

SabelllooH  (Antonius).    Breviores  epistolae.    Coln,  QuentePs  Erben,  1516.     .   .  182 

Sabnnde  (Raymundus  de).  Theologia  naturalis.  Strassburg,  Martin  Flach,  1496.  117 

Strassburg,  Martin  Flach,  1501 118 

Sachs  (Hans).    Der  klagende  Ehrenholdt.    Nürnberg,  Herman  Hamsing,    1553.  868 

—  Gespräch  der  Gotter.    Nürnberg,  Georg  Merckel,  1558 868 

—  Die  Judit  mit  Holofernes.    Nürnberg,  Friedrich  Gutknecht,  1554 368 

—  Das  erste  Buch  Gedichte.    Nürnberg,  Leonhard  Heussler,  1590 869 

Sachienspi^el.     Augsburg,  Johann  Schoensperger,  1496 260 

SacrobOSCO  (Johannes  de).    Sphera  mundL    Venedig,  Simon  Bevilaqua,   1499.  801 

Sadoletvs  (Jacobus).    Epistolarum  libri  XVI.    Cöln,  Petrus  Horst,  1580.  ...  194 

31* 


Aß±  —     Sach-Register.     — 

Seite 
Saldls  (Hermannus  de).  Kpeculum  manuale  sacerdotum.   Nürnberg,  gednickt  im 

Augustiner-Kloster,  1480 352 

SalonO.    Glossae.    Augsburg,  Kloster  St.  Ulrich  &  Afra,  circa  1476. 350 

Salleeto  (Guilielmus  de).     Chirurgia.    Venedig.  Nicolaus  de  Ferrariis,  1491.    .  805 

Salls  (Baptista  de).     Summa  Rosella.    Venedig,  Georgias  Arrirabenus,  1495*    .  SOS 

Sallnslins. Bellum  Catilinarium et lugurtliinum.Venedig,  Wendelin  von  Speyer,U70.  286 

ßAmoel  (Rabbi).    Epistola  ad  R.  Isaac.    Nürnberg,  Caspar  Hocbfeder,  1498.    .  d£6 

Saxo  Grammaticus.    Historia  Danorum.    Paris,  Jodocus  Badius,  1514 387 

SATAgetn««  TractatuB  super  controversüs  ecclesiae  Constantiensis,   Beromünster, 

Helyas  de  Louffen,  circa  1470 379 

SehatsliebAlter  oder  Schrein  der  wahren  Reichthumer  des  Heils.    Nürnberg, 

Anton  Koberger,  1491 M5 

Schädel  (Hartmann).    Liber  cronicarum.     Augsburg,  Job.  Schoensperger,  1497.  961 

deutsch.    Nürnberg,  Anton  Koberger,  1498 436 

Augsburg,  Johann  Schoensperger,  1496 860 

Sehllditz  (Hermannus  de).    Siehe  Saldis. 

Sehillier  (Jörg).    Meisterlied  vom  Tod  als  Bettelmann.    Augsburg,  Anton  Sorg, 

circa  1480 85« 

Sehrlek  (Michael).  Von  ausgebrannten  Wassern.   Augsburg,  Job.  Bämler,  1483.  847 

SehwabensplegeL    Strassburg,  Mathias  Hüpfuff,  1507  oder  1512? 147 

Sehirursenberg  (Johann  von).     Beschwörung  der  alten  teufelischen  Schlange. 

Nürnberg,  Hans  Hergot,  1525 865 

Scripta  varia  antlquorum  tbeologorum.  Augsburg,  Günther  Zainer,  1466—1468.  840 

SeeUntrost.    Das  ist  der  Sele  trost  genannt.    Augsburg,  Anthon  Sorg,  1478.  .  258 

SeneCA.     Opera  omnia.    Venedig,  Bartholomaeus  de  Zanis,  1503 302 

Basel,  Johannes  Herwagen  &  Bernard  Brand,  1557 284 

—  Epistolae.    Paris,  Petrus  Caesaris  &  Johann  Stoll,  1475 381 

Sennones  de  sanctis.    Cöln,  Ulrich  Zell,  circa  1468 168 

—  Dormi  secure.    Strassbui^,  Johann  Grüninger,  1485 139 

Strassburg,  Johann  Grüninger,  1489 1^ 

—  Quadragesimales  Thesauri  novl.    Strassburg,  Martin  Flach,  1491 116 

—  Thesauri  novi  de  Sanctis.     Strassburg,  Johann  Pryss,  1484 131 

SerrlttS  (Maurus).    Commentarius  in  Virgilium.   Venedig,  Chr.  Valdarfer,  1471.  288 

SejBSel  (Claudius).    De  divina  Providentia.    Paris,  Regnault  Chaudiere,  1580.  .  400 

SocOttS«    Sennones  de  tempore  per  circulum  anni.    Augsburg,  Anton  Sorg,  1476.  442 

—  Sennones  de  tempore  et  de  sanctis.    Strassburg,  Job.  Grüninger,  1484. .    .   .  437 
SomiDA  Pacifica.    Siehe  Pacifica. 

Sophodes.    Tragoediae;  graece.     Paris,  Adrien  Turnebe,  155ß 412 

Specnlam  peccatoris.    Siehe  Scripta  tbeologorum. 

Spiegel  der  menschlichen  Behaltniss.     Augsburg,  Peter  Berger,  1489 264 

—  der  menschlichen  Blödigkeit.    Strassburg,  Wendel  Rihel,  1546 154 

SplnA  (Alphonsus  de).    Fortalicium  fidel.     Strassburg,    Johann  Mentelin,  1467.  97 
Spreterns  (Johannes).     Von  der  wahren  christlichen  Kirche.    Basel,  Bartholo- 
maeus Westheymer,  1548 831 

Statuta  Synodalia  ecclesiae  Babenbergensis.     Bamberg,  Johann  Pfeyl,  1512.     .  90 

—  Synodalia  Eystettensia.     Strassburg,  Martin  Schott,  circa  1485. 122 

—  criminalia  Mediolani.     Mailand,  Paulus  de  Suardis,  1482 821 

—  Provincialia  antiqua  et  nova  Moguntina.    Strassburg,  Job.  Pryss,  circa  14S2.  128 

—  der  Stadt  Lübeck.    Lübeck,  Johann  Balhorn,  1586 484 

Stella  (Johannes).    Vitae  ducentorum  &  triginta  summorum  pontificum.    Basel, 

Jacob  von  Pfortzheim,  1507 816 

Stoeflierns  (Johannes).    Eiusdem  et  Jacobi    Pflaumen   Almanach   nova.     Ulm, 

Johann  Reger,  1499 SSS 


—     Sach-Register.     —  485 

Seite 

Stoefflearan  (Johannes).    Venedig,   Peter  Liechtenstein,  1507 809 

—  Variorum  astrolabioruni  compositio  seu  fabrica.  Mainz,  Peter  Jordan,  153.5.  69 
Stromer  (Heinrich).  Regiment  wider  die  Pestilentz.  Mainz,  J.  Schoeffer,  1.517  41 
Ssidu  Lexicon  graecum.  Mailand,  Chalcondylas,  Bissolus  &  Mangius,  1499.  .  883 
Smnnia  de  quatuor  virtutibus  cardinalibus.  Paris,  Ulrich  Gering  &  G.  Maynyal,  1480  381 
Snrguit  (Johannes  Ulricus).  Manuale  confessorum.  Mainz,  Joh.  Schoeffer,  1508.  41 
Raso  (Henricus).    Das  Buch  des  Vater  A.manda8.    Augsburg,  Joh.  Otmar,  1513.  267 

J  acitss  (Cornelius).    Opera.  Venedig,  Wendelin  von  Speyer,  ca.  1470 285 

deutsch.    Maintz,  Ivo  Schoeffer,  1535 26 

Taoler  (Johann).     Predigten.    Augsburg,  Johann  Otmar,  1508 ^.  266 

Terentlas.    Formulae  ex  eiusdem  Comoediis.    Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1537.  .    .  62 

—  Lex  six  com6dies.    Paris,  Robert  Coulombel,  1583 416 

TertallUnus.    Opera.    Basel,  Johann  Proben,  1528 220 

Testameat.    Siehe  auch  Luther. 

TestMueBtiim  novum.    Genf,  Kobertus  Stephanus,  ItiSl 404 

TheolOf  Ift  Teutsch.    Strassburg.  Johann  Knobloch,  1519 4S8 

TheophjUctus.  In'quatuor  evangelia'enarrationes.  Paris,  Jean  Louis  Tiletan,li46.  408 
Theramo  (Jacobus  de).   Consolatio  peccatorum  sive  Dialogus  Belial.    Augsburg, 

Johannes  Schüssler,  1472 245 

deutsch.    Bamberg,  Albrecht ^.Pfister,  circa  1462,  Faosim 87 

Strassburg,  Heinrich  Knoblochzer,  1481 119 

Theuerdank.     Nürnberg,  Jobann  Scbönsperger,  1517 M2 

—  Augsburg,  Johann  Schoensberger,  1619 261 

Thokjdides.     De  hello  Peloponnesiaco.    Genf?  Henricus  Stephanus,  1564.   .   .  414 

ThnreceBlls  (Conr.).  Tractatus  de  Cometis.  Beromünster,  Helyas  de  Louffon,  1472.  444 

Tlbaldeo  (Antonio).     L'opere  d'amore.    Venedig,  Nicolaus  de  Aristotele,  1534.  311 

Torre]itiiiii8(Hermannus).  Evangelia  et  epistolae.  Coln,J.Gymnicus' Erben,  1544  190 

—  Elucidario  poetico.    Venedig,  Nicolo  Bevilatiua,  1.561 316 

Tortelllus  (Johannes).    Commentarlorum  Grammaticorum  de  Orthographia  dic- 

tionum  e  Graecis  opus.    Venedig,  Johannes  Tacuinus,  1495 306 

Traetatuf  de  Turcis.     Nürnberg,  Conrad  Zeninger,  1481 358 

Trithemias  (Joh.).  De  statu  et  ruina  monastici  ordinis.  Mainz,  Peter  Fried berg,1493.  86 

—  Collatio  de  republica  eccletiae.     Mainz,  Peter  Friedberg,  1493 430 

—  De  laude  Scriptonim.    Mainz,  Petet  Friedberg,  1494 430 

—  De  laudibus  Sanctae  Annae.     Mainz,  Peter  Friedberg,  14^)4 87 

—  De  vanitate  et  miseria  vitae  humanae.    Mainz,  Peter  Friedberg,  14?5.  ...  38 

—  De  proprietate  monachorum.    Mainz,  Peter  Friedberg,  1495. 38 

—  Catalogus  illustrium  virorum.    Mainz,  Peter  Friedberg,  1495 88 

—  De  operatione  divini  amoris.     Mainz,  Peter  Friedberg,  1497 39 

—  De  tripllci  regione  claustralium  et  spirituali  exercitio  Monachorum.    Mainz, 

Peter  Friedberg,   1498 39 

—  Compendium  sive  Breviarium  primi  voluminis  annalium.     Mainz,  Johann 

Schoeffer,  1515 43 

Ttzschimmer   (Gabriel).      Die    Durchlauchtigste   Zusammenkunft.     Nürnberg, 

Christian  Sigmund  Froberger,  1680 379 

TarnebDR  (Adrianus)  Adversarorium,  primus  tomus.    Paris,  Gabriel  Buon,  1564.  415 

Turreeremata  (Joh.  de).  Expositio  super  toto  Psalterio.  Mains,  Pet  Schoeffer,  1474.  29 

Lübeck,  Lucas  Brandisj,  circa  1474 419 

Mainz,  Peter  Schoeffer,  1476 29 

Strassburg,  Martin  Schott  (?)  1482 121 

Strassburg,  Johann  Grüninger,  1485 138 

—  Ikieditationes.    Mainz,  Johannes  Numeister,  1479. 35 


^86  —     Sach-Register.     — 

Seite 
TnrreereiiiatA«  Quaestiunes  evangelicorumitam  de  tempore  quam  de  sanctis  et  flos 

theologiae.  •  Basel,  Eberhard  Fromolt,  1481 212 

—  Tractatas  de  efficacia  aquae  benedictae.    Nürnberg,  Hans  Stuchs,  ca.  1510.  360 
Typus  ecclesiae  prioiis,  deutsch.    Mainz,  Ivo  Schoeffer,   1540 63 

UndergeriehtoordniiBg  des  Erzstiflts  Meyntz.  Mainz,  Ivo  SchoefiFer,  1534  .  .  61 
Mainz,  Ivo  8choe£Fer,  1535 61 

—  des  Erzstiffts  Trier.    Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1587 62 

Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1539 68 

Utlno  (Leonardus  de).      Sermones  quadragesimales.     Cöln,   Conrad  von  Hom- 
burg, circa  1478 170 

Venedig,  Franz  von  Hailbronn  &  Nicolaus  von  Frankfurt,  1478 290 

—  Sermones  aurei  de  sanctis.    Augsburg,  Kloster  St.  Ulrich  &  Afra,  1474.   .   .  248 
ürbaoiis.    Grammaticae  institntiones  graeoae.    Basel,  Valentin  Ourio,  1530.     .  225 

Valerlftnns  (Jo.  Petrus).  Pro  sac^rdotum  barbls.  Paris.  Andr^  Wechel,  1558.  410 
Talerlns  Maximus.    Factomm  dictorumque  memorabilium  llbri  IX.   Strassburg, 

Johann  Mentelin,  circa  1469 98 

Mainz,  Peter  Schoeffer,  1471 25 

Venedig,  Bonetus  Locatellus  &  Octavianus  Scotus,  1493 302 

Venedig,  Albertinus  de  Lisona,  1503 311 

Mailand,  Leonardus  Vegius,  1513 324 

deutsch.     Strassburg,  Jacob  Cammerlander,  l.Ml 154 

Mainz,  Ivo  Schöffer,  1544 483 

V«ll«  (Laurentius).    De  libero  arbitrio.    Strassburg,  Georg  Huszner,  circa  1478.  118 

TerABtwortung  Podagrae  vor  dem  Richter.    Mainz,  Ivo  Schoeffer,  1537.  ...  62 

Verlags* Verzeichnisse  von  Johann  Mentelin  in  Strassburg 91 

VerBehong  leib,  sei,  ehr  imnd  gutt.     Nürnberg,  Georg  Stuchs,  1489 354 

Nürnberg,  Wolfgang  Huber,  1509 358 

Vloomercatoi   (Franciscus).     In    quatuor    libros    Aristotelis    meteorologicorum 

commentarii.     Paris,  Michel  Vascosan,  lf)56 402 

VlBCentius    Bellovacensis.    Specnlum  historiale.     Strassburg,  Johann  Mentelin, 

circa  1468 98 

Strassburg,  Johann  Mentelin,  1473,  datirte  Ausgabe  mit  Firma 101 

—  Speculum  naturale.    Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1470—1471 99 

—  Speculum  doctrinale.    Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1472 100 

—  Speculum  morale.    Strassburg,  Johann  Mentelin,  circa  1472 100 

Vlo  (Thomas  de).    Commentaria  in  primam  partem  Thomae  Aquinatis  summae 

theologiae.     Paris,  Claude  Chevallon  &  Gilles  Gourmont,  1514 396 

Viola  sanctorum.    Nürnberg,  Peter  Wagner,  i486 353 

Vlrgilini.    Opera.    Nürnberg,  Anton  Koberger,  1492 345 

Strassburg,  Johann  Grüninger,  1502 142 

^-  Bucolica.    Mailand,  Johannes  de  Castelliono,  1523 323 

—  Bucolica,  Georgica  et  Aeneis.    Basel,  Johannes  Walder,  1534 229 

Vltrorins.    Deutsch.    Nürnberg,  Johann  Petrejns,  1648 864 

Vires  (Ludovicus).    Opuscula.    Basel,  Robert  Winter,  1538 230 

YoCftbiilariiis  latino-teutonicus.     Ulm,  Ludwig  Hohenwang,  circa  1469 386 

Eltvyl,  Nioolaus  Bechtermünze,  1472 15 

Augsburg,  Johann  Keller,  1478 266 

—  gemma  gemmarum.    Strassburg,  Johannes  Pryss  Jun.,  1512 1S6 

—  juris  ntriusque.     Basel,  Michael  Wenszler,  circa  1473 209 

-*-  poeticus  sive  Elucidarius  carminum  et  bistoriarum.     Coln,   Praedicatores, 

Com.  de  Zyrychzee  circa  1489 179 


—     Sach-Register.     —  487 

Seite 
VorAgilie(Jacobusde).  Legendasanctonunaurea.  Cöln,  Conrad  v.  Humburg,1476.  171 
Ulm,  Conrad  Dinckmut,  1488. 833 

—  Opus  sermonum  de  sanctis.    Augsburg,  Hermann  KEstlin,  1484 258 

fValfart  unser  lieben  Frauen.    Augsburg,  Hanns  Schobscr,  1489 263 

Warnniigy  Wie  die  bäpst  allwegen  wider  die  Keyser  gewesst.    Strassburg,  Jacob 

Cammerlan  der,  circa  1542.  .    .    . ' 154 

VirMSer,  ausgebrannte  und  destillirte.  IStrassburg,  Christian  Egenolph,  1530.  .  151 
Weck  (Antonius).    Dresden^s  Beschreibung  und  Chronik,    tfürnberg,  Christian 

Sigismund  Proberger,  1680 372 

>?lcellos  (Georgius).    De  Traditione  apostolica  et  Ecclesiastica.    Cöln,  Johann 

Quentel,  1549 189 

—  Chorus  sanctorum  omniuin.    Cöln,  Johann  QuentePs  Erben,  1554.       .     .     .  191 

—  Homiliae  Orthodoxae.  Postill  oder  Predigbuch.    Cöln,  Joh.  Gymnicus,  1539.  184 

—  Antwort  wider  der  Lutherischen  Theologen   Hedenken  gegen    das   Interim. 

Cöln,  Johann  Quentel,  1549 189 

IVllUchus    (Jodocus).      Erotematum    dialeetices  libri  III.     Strassburg,    Crato 

MyUus,  1540 155 

Wimpheling  (Jacobus).    Elegantiarum  medulla.    Mainz,  Peter  Friedberg,  1493.  37 

—  Philippica.    Strassburg,  Martin  Schott,  1498 133 

—  De  Integritate  libeUus.    Strassburg,  Johann  Knobloch,  1605 145 

—  De  fide  meretricum  in  suos  amatores.  Mainz,  Friedrich  Hewmann,  1508.  .  .^5 
Würfel-BSchleln,  das.    Augsburg,  Johann  Blaubirer,  circa.  1482.  Facsim.    .    .  257 

Wyle  (Nicolas  Ton).   Transzlation  oder  Tütschun gen.   Strassburg,  J.Pryss,  1510.  136 


.«cLenoplioii.    Cyropacdia;  deutsch.    Augsburg,  Heinrich  Steiner,  1540.    .    .    . 


275 


iUAbftrellls  (Franciscus  de).   Lectura  super  Clementinis.  Venedig,  Joh.  Herbort 

de  Seigenstadt,  1481 298 

Zeichen  der  falschen  Gulden.    Augsburg,  Anna  Kügerio,  circa  1484 259 

Zutphanift  (Gerardusde).    De  spiritualibus   ascensionibus,  de  vita  et  benefioiis 

salvatoris  Jesu  Christi  etc.   Cöln,  Heinrich  Quentel  circa  1484 175 


Alphabetisches  Register 

der  achtzehn  ersten  Dmckorte  bis  1470  mit  deiyenigen  Typographen^ 
von  welchen  dieser  Catalog  Druckwerke  enthält. 


NB.  Hier,  wie  auch  bei  dem  darauffolgenden  Register  sind  hänfig  die  ToniABien 
als  Stiebworte  vorangesatact,  weil  augenscheinlich  oder  selbst  nachweislich  der  andere 
beigesetste   Name   nur   den  Geburtsort   oder   das  HeimAthland   des   betreffenden 

Typographen  ausdrückt. 


Augsburg,   1466. 

.    Seite  239—279,  439—442,  446. ,  . 

Seite 

Bämler,  Johann 246 — 248 

Berger,  Peter 263—264 

Blaubirer,  Johannes 256—257 

Druckerei  des  Klosters  St.  Ulrich  & 

Afra 248—251 

Froscbauer,  Johann 864 — 265 

Grimm,  Sigmund,  Dr 269—270 

—  Sc  Marx  Wirsung 268—269 

Heyny,  Christmann 245 — 246 

Kästlein,  Hermann 257—258 

Keller,  Johannes 2.')6 

Manger,  Michael   .  .  « 276—277 

Miller,  Johannes 271—272 

Nadler,  Georg 268 

Oeglin,  Erhard 266 

Otm^r,  Johann 266 — 268 

—  Sylvan 270—271 

Praetorius,  Johannes    277 

Ramminger,  Melchior 272 

Ratdolt,  Erhard 261—862 

Ruff,  Simprecht 278—273 

Rfigerio,  Anna 858—259 

Schobsar,  Hanns 863 

Schonsperger,  Johann 

259—261,  347—848,    445 

Schuessler,  Johannes 844—245 

Sorg,  Anton 261-255,    448 


Seite 

Steiner,  Heinrich 273-275 

UHiard,  PhiUpp 276 

Weissenhom,  Alexander 875 

Wiener,  Johann  de  Wienna  ....    855 

Zainer,  Günther  ......    239—244,    441 

Zeissenmayer,  Lucas 265—266 

Bamberg,  1454. 

Seite  77— 9a  484—435. 

Pfeyl,  Johannes 89—  90 

Pfister,  Albrecht  .  .  .  77-88,  484— 4S5 
Sensenschmid,  Johann 88 

—  &  Heinrich  Petcensteiner  .     88 —  81^ 

Basel,  um  1464. 

Seite  205-238,  489—441. 

Amerbach,  Johann  von     213 — 214,    441 

Bebel,  Johannes 286-887 

Bergmann,  Johannes,  von  Olpe  .  .  881 
Brylinger,  Nicolaus,  <&Bartbolomaeus 

Calybaeus 881 

Cratander,  Andreas 288— 8S4 

Curio,  Valentin  ' S8S 

Proben,  Hieronymus,  &  Nicolaus 

Episcopius 887 

—  Johannes 819 — ^890 

Fromolt,  Eberhard    .  .  .  212—218,    441 

Furter,  Michael 217—819 

Gengenbach,  Pamphilus 

Guarinus,  Thomas' 


—     Alphabetisches  Register.     — 


489 


Seite 
Henric-Petri,  Sebaetian  ....    235—236 

Herwagen,  Johannes 228 

der  Sohn 234 

Jacob  von  Pfortzheun 216—217 

Johannes  de  Besiken 214 

IsengTin,  Michael 229 

Kesler,  Nicolaus 214—216,    441 

Lamparter,  Nicolaus 221—222 

Mansch,  Josias 236 

Oporinus,  Johannes 282—238 

Parcus,  Jacobus 234 

Petri,  Adam,  von  Langendorff .  .  .    222 

—  Heinrich 225—226 

Platter,  Thomas 230—231 

Richel,  Bernhard  .  .  211—212,  489—441 
Ruppel,  Berthold  .  .  205—207,  489—441 

Walder,  Johannes 229—230 

Wensler,  Wolfgang 207-211 

Westheymer,  Bartholomaeus  ....    231 

Winter,  Robert 230 

Wolf,  Thomas 224—225 

Beromünster,  1470. 

Seite  377—879,  444—445. 

Helyas  Helye  de  Lou£fen 

877—879,  444—445 

Cöln,  1464. 

Seite  161-195,  438—439. 

Alopecius,  Hero 187 

Bartholomaeus  de  Unckel   .  .  173,    439 
Baumgart,    Hermann,    de  Ketwich 

180-181 

Bergmann,  Peter,  von  Olpe 170 

Birckmann,  Frans 188 

—  Amold^s  Erben 192 

Caesar,  Conrad 186 

Chollnus,  Matemus 193 

Cornelius  de  Zyrychzee    .  .  .    179 — 180 

Qotefridns  Kempensis 193 

Goetz;   Nicolaus,    von   Schlettstadt 

171—173 

Qraphaeus,  Nicolaus 192 

Guldenschaff,   Johann,   von  Mainz 

173—174 

Gymnicus,  Johann 184 

Erben 190 

Heinrich  von  Neuss 183 

Hirtzhom,  Eucharius 184—185 

Homburg,  Conrad  von,  s.  Winter. 

Horst,  Peter 194 

Jobannes  Novesianua 190 

Koelhoff,  Johann 167—169,    439 


Seite 
Mameranus,  Henrlcus,  Sc  lleoricns 

Artopaens 190 

Martin  von  Werden 182-183 

Melchior  von  Neus 189 

Mylius,  Arnold 192—193 

Prael.  Hans 188 

Quentel,  Elisabeth,  Witwe  .  .    185—186 

—  Heinrich 174-178 

Kinder 182 

—  Johann 189 

Erben 191 

—  Peter 187 

Renchen,  Ludovicus 178 — 179 

Betro  Minores ISl— 182 

Soter,  alias  Heil,  Johannes 186 

Therhoernen,  Arnold 164 — 167 

Veldener,  Johann 438 

Winter,  Conrad,  von  Homburg  170—171 
Zell,  Ulrich,  von  Hanau    .  .  .    161—164 

Eltville  bei  Mainz, 
um  1465. 

Seite  14—16. 

Bechtermünze,  Micolaus 15 — 16 

Gutenberg,  Johann 14 — 15 

Foligno,  1470. 

Seite  375—377. 
Neumeister,  Johann,  von  Mainz  875 — 377 

Lübeck,  um  1470. 

Seite  418-425. 

Arndes,  Steffen 420—422 

Balhorn.  Johann 423—424 

Brandis,  Lucas 419—420 

Dietz,  Ludwig 424—425 

Richolff,  Georg 422—423 

Mailand,  1469. 

Seite  318—325. 

Chalcondylus,  Demetrius,  Johannes 

Bissolus  &  Benedictus  Mangius    828 
Dominicus  de  Vespolate  &  Jacobus 

de  Marliano 320 

Honate,  Johannes  Antonius  de  .  .    822 

Johannes  de  Castilliono 328 

Lavagna,  Philippe  de 818 

Minutianus,  Alezander  ....    380—891 

Paulus  de  Suardis 821 

Scincenzeler,  Ulrich 322 

Sc  Leonhard  Pachel   .  .    821—828 

Valdarfer,  Christoph,  von  Regens- 
burg   819-820 


490 


—     Alphabetisches  Register.     — 


Seite 

Vegius,  Leonardus 322—888 

Zarotus,  Antonins 318—819 

Mainz,  1450. 

Seite  11-72,  426—434. 

Albin,  Johann 70—  71 

Auerbach,  Matthes 57 —  58 

Behem,  Franz 69—70,    432 

Friedberg,  Peter 86—89,    430 

Fu.st,  Johannes 28 

&  Peter  SchöflFer  16—22,  426—427 

Guteuberg,  Joh.  &  Johannes  Fust  11 —  14 

llemnann,  Friedrich 55 —  76 

Jordan,  Peter 67—  69 

Kiichler,  Christoph 71—  72 

Meydenbach,  Jacob  .  85—86,  429—430 
Neumeister,  Jobannes  .  .  85,  427 — 428 
Rewich,  Erhard  .  .  .  32—33,  427—429 
SchöflFer,  Johann  .  .  .  39—54,    430—431 

—  Ivo 58—66,    482—484 

sei.  Erben 67 

—  Peter  (Vater)  .  .  .  23-34,    487—429 

(Sohn) 54—  55 

Wagner,  Georg 67 

Marienthal,  1468. 

Seite  280—283. 

Klosterdruckerei  der  Brüder  vom 
gemeinsamen  Leben.  .  .  .    280 — 283 

Nürnberg,  1470. 

Seite  387—371. 

Creussner,  Friedrich 349 — 851 

Druckerei  des  Augustiner  Klosters  352 
Endter,  Christoph  &  Paul 370 

—  Johann  Andreas 371 

Sohne 371 

—  Michael  &  Johann  Friedrich.  .    370 

—  Wolfgang  Moritz 370-871 

Geissler,  Valentin 869 

Gerlachin,  Katharine  Erben  ....  869 
Gntknecht,  Friedrich 368 

—  Jobst 861 

Hamsing.  Hermann 368 

Herrgot,  Hans 365 

Herrgotin,  Kunignnde    ....    36d — 866 

Heussler,  Leonhard 869 

Heyn,  Gabriel 367 

Hochfeder,  Caspar 356 

Höltzel,  Hieronymus 357 

Haber,  Wolfgang 358—859 

Koberger,  Anton 389—347 


Seit« 

Mayr,  Hans 356 

Meldeman,  Nielas 866—867 

Merckel,  Georg 368 

Petrejus,  Johann 864—365 

Peypus,  Friedrich 359—860 

Regiomontanus,  Johannes 389 

Schenck,  Georg 858 

Schönsperger,  Hans,  von  Augsbui^ 

361—864 
Sensenschmidt,  Johann,  &  Andreas 
Frisner 348—349 

—  &  Heinrich  Kefer 337—338 

Stuchs,  Georg 354—356 

_  Hans 360—861 

Tunkel,  Simon 367 

Wagner,  Peter 353—354 

Weyssenburger,  Jobann    .  .  .    357 — 858 
Zeninger,  Conrad 352 — 358 

Paris,  1470. 

Seite  380—417. 

Radius,  Conrad,  &  Jean  Roigny  405—406 

—  Jodocus,  Ascensius    ....    386 — 387 

Barbier,  Jean 395 

Birckmann,  Arnold,  &  J  aques  Dupuys  409 

Buon,  Gabriel 415 

Caesaris,  Peter,  &  Johann  Stoll.  .    881 

Chaudiere,  Regnault 400 

Chevallon,  Claude 398—899 

—  Gervais 406 

Colinaeus,  siehe  Colines. 

Colines,  Simon  de 401-402 

Coulombel,  Robert 416—417 

Etienne,  Henri  (I) 889—890 

—  Henri  (II) 418—414 

~  Robert 404—403 

Fremy,  Claude 414 — 415 

Galterus,  Petrus 408 

Garde  de  la,  Jean 400 

Goudoul,  Pierre 308 

Qazellus,  Jacobus 407 

Gering,    Ulrich,  Martin  Crantz  A 

Michael  Friburger 880—881 

—  Ulrich,  &  George  Maynyal  ...    381 

Gerlier,  Durand 884 

Gourmont,   Gilles  &  Claude  Che- 
vallon     896—397 

—  Robert 89S— 398 

Guillard,  Carola  .  .  .  .  • 407 

Higmann,    Johann,    &   Wolfgang 

Hopyl 382—888 

Juvenis,  Martinus 416 

Kerver,  Thielman S90— 391 


—    Alphabetisches  Register.     — 


491 


Seite 

Lambert,  Jean 395 

Levet,  Pierre 884 

Marchant,  Guido 888 

—  Jean ,  .  •    395 

Marnef  de,  Engelbert,  Jean  &  Pierre 

Viart 894 

—  Geoffroy  &  Engelbert  .  .  .    885—886 
Mercator,  siehe  Marchant. 

Mittelhus,  Georg 884 

Morel,  Guillaume 408—409 

JNivelUus,  Sebastian 416 

Parvus,  siehe  Petit. 

Perier,  Charles 412 

Petit,  Audoin 418 

—  Jean 887—888 

&  Josse  Bade 888—389 

Pigouehet,  Philippe 888 

Porta  de,  Maurice 408 

Pouchin,  Jacques 399 

Preux  le,  Ponce 892 

Probus,  siehe  Preux. 

Puteanus,  Jacobus 414 

Kegnault,  Fran^ois,  &  Jean  de  la 

Porte 893—394 

Remboldt.     Berthold    &    Johann 

Waterloes 896—397 

Richard,  Thomas 412—418 

Roce,  Denis 886 

Rouge,  Le,  Guillaume 899 

Rovillius,  Philippus  Galterus    ...    415 
Rubens,  siehe  Rouge. 

Savetier,  Nicolas 408—404 

Stephanns,  siehe  Etienne. 

Tiletan,  Jean  Louis 408 

Tumebe,  Adrien 410—412 

Vascason,  Michel 402 

Verard,  Antoine,  le  Jeune  &  Guillaume 

Enstace 397—398 

Vidove,  Pierre 400—401 

Wechel,  Andreas    410 

—  Christian  &  Matburin  Dupuys    405 
Wolff,  Nicolaus 893 

Rom,  1467. 

Seite  197—202,  489. 

Congregation  der  Propaganda .  .  .    202 

Druckerei,  Päpstliche 201—202 

Gallus  de  Yienna,  siehe  llan. 

Han,  Ulrich 199—200 

&  Simon  Nicolas  de  Lucca.    439 

Lauer,  Geor» 200—201 

Silber  alias  Frank,  Eucharius  ...    201 
Sweynheim  &  Pannartz  ....  197—199 


Strassburg,  1458. 

Seite  91—157,  435—488.      ^^^^ 

Apiarius,  Matthias 152 

Attendorn,  Peter 144—145 

Beck,  Balthasar 151—152 

Cammerlander,  Jacob 154 

Cephalaeus,  siehe  Köpffei. 

Egenolph,  Christian 151 

Eggestein,  Heinrich 102—110 

PUch,  Martin  ....  113—118,  485-487 
Grüninger  alias  Reinhardt,  Johann 

187—143.  437 

Herwagen,  Johann 180 

Hüpfiiff,  Matthias 147—148 

Huszner,  Georg 118 

&  Johann  Beckenhub  .     110,  485 

Jobin,  Bernhard 156—157 

Knobloch,  Johann.  .  .  .  145 — 147,    438 

Knoblochzer,  Heinrich 119 

Kopffei,  Wolff 150—151 

Mentelin,  Johann 91—102 

Messerschmidt,  Paul 155 

Mylius,  Crato 155 

Pistoris  &  Reinhardt 144 

Pryss,  Johann,   zum  Thiergarten 

128-136,    4:^7-438 
Rihel,  Theodosins 155 

—  Wendel 152—154 

Rusch,  Adolph 119—120 

Schott,  Johann 148 

—  Martin .    121—128 

Schiirer,  Matthias 149 

Scotus,  siehe  Schott. 

Simus,  siehe  Flach. 

W.,  C 110-118 

Subiaco,  1464. 

Seite  196—197. 

Sweynheim,     Conrad,    &    Arnold 
Pannartz 196—197 


Ulm,  um  1469 

Seite  825—356.  444. 

Dinckmut,  Conrad 

Grüner,  Johann 

Hohenwang,  Ludwig 

Holl,  Lienhard 

Reger,  Johann 

Schaeffler,  Johann 

Varnier,  Hans 

Zainer,  Johann 328— 


832—883 
334-835 
825-328 
830—832 
833—334 
.  .  834 
.  .  335 
330,    444 


492 


—     Alphabetisches  Register.     — 


Venedig,  1469. 

Seite  «84—317,  412-444.     ^^^ 

Aldus,  ÜADUÜus 307—308 

Aldi   iuteredes   &   Andreas  Turre- 

sanus  de  Asula 312—313 

Andreas  Jacobas  Catbarensis  292—293 
Arrivabenns,  Georgias   ....    802—303 

Benalius,  Bemardinus 300 

Bernardinus  de  Tridino  ex  Monte- 

ferrato 299 

—  Venetus  de  Vitalibus  .  .  .  294—295 
Bevilaqua,  Nicolaus 316 

—  Simon  Papiensis 301— 3  2 

Bindoni, Francesco,  &  Mapheo  PasiDi    313 

Blavis  de,  Thomas 2;>3— 294 

Bomberg,  Daniel 312 

Cereto  de,  Johannes,    de  Tridino 

alias  Tacainus 30Ö— .S06 

Choris  de,  Bernardus,  de  Cremona 

&  Simon  de  Luere 403 

Drucker,  anonymer 316 

—  unbekannter 311—312 

Kontana,  Benedictun 308—809 

(«ardano,  Antonio 317 

Oherardo,  Paulus 816 

Giolito,  Gabriel,  de  Ferrara  ....  315 
(iiunta  de,  Lucas  Antonius.  .  308—304 
Grassis  de,  Gabriel,  de  Papia  ...  801 
llerbort,  Johannes,  de  Seigenstadt 

297— 29S,    443—443 

Jenson,  Nicolaus 287—288 

Johann  von  Speier 284 

Johanne«  de  Colonia 289 

—  *  Nicolans  Jenson 297 

&  Johannes  Herbort  de  Seigen- 
stadt  297 

—  &  Johannes  Manthen  de  Gheretsem 

289-290 
Isoardis,  siehe  Soartis  de. 
Levilapis,  siehe  Liechtenstein. 
Liechtenstein,  Hermann  .  .  .    209— 2M 

—  Peter 809—310 

Lisona  de,  Albertinus,  Vercellensis  811 
Locatellus  Bonetus 448—444 


Seite 
Loslein,  Peter  von  Langenzenn  .  .    292 

Lucas  Venetus 413 — 444 

Luna  de,  Ottiuas  Papiensis  ....    309 

Manutius,  Paulus 314 

Nicolaus  de  Aristotele 311 

Nicolaus  de  Ferrariis  de  Pralormis  305 
Paganinus  de  Paganinis  Brixiunsis  301 
Paltaslehis  de,  Andreas  Catarensis 

&  Boninus  de  Boninis 442 

Pasqualibus   de,    Bernardinus,    de 

Bononia 299 

Pencius,  Jaeobus,  de  Lencho.  .  .  .    309 

Philipp  Petri  Condam «M 

Pincius,  Philippus  Mantuanus  .  .  .  304 
Quarengiis   de,    Petrus   Johannes, 

Bergomensis 306—307 

—  de   Palazago  &  Johanne.s  Maria 

de  Monteferrato 305 

Kagazonibus    de,    Theodorus,     de 

Asula 803,    443 

Katdolt,  Erhart,  von  Augsburg    231—292 

Raynaldus  de  Novimaglo 293 

Renner,  Franciscus  von  Heilbronn, 

&  Nicolaus  von  Frankfurt    290—291 
Rusconibus  de,  Johannes  Francis- 
cus, &  Johannes  Antonius  ...    313 
Sabio  de,  Nicolaus  Nicolini  ....    34 
Sabis  de,  siehe-  Bevilaqua. 
Santritter,  Johanoes  Lucilius  von 
Heilbronn  &  Franz  Theodor  von 

Würzburg 295 

Saracenus,  Marinus 894 

Schöffer,  Peter,  Jun.,  von  Mainz  814—  315 
Scotus,  Octavianus 295,    443 

—  &  Bonetus  Locatellus 302 

Sessa,  Melchior 31t 

Soardis  de,  Lazarus 305 

Sociis  de,  Andreas,  Parmensis  .  .  .  900 
Strata  de,  Antonius,  de  Cremona  296,  443 
Torresanus,  Andreas,  de  Asula  .  .     296 

Tortis  de,  Baptista 298 

Yaldarfer,  Christoph,  von  Kegens- 

burg 288-889 

Wendelin  von  Speier 285—287 

Zanis  de,  Bartholomaeus 302 


Alphabetisches  Verzeichniss 

der  sämmtliclien  in  diesem  Cataloge  erwähnten  Drucker  mit  Angabe 
der  Orte  und  der  Zeit,  in  welcher  sie  thätig  waren. 


NB.    Die  mit  *  bezeichneten  OruciLer  sind  diejenigen,  von  welchen  im  Cataloge  keine 

Dmcke  angegeben,  sondern  die  nur  in  den  Bemerkungen  aufgeführt  und  von  denen 

einige  auch  nur  Verleger  sind,  welche  mit  ihrer  Firma  drucken  Hessen. 

Seit« 

AlbiB,  Johann,    Mains  (1594- 1622) 70—71 

*A11iiii*«,  Johann,  Erben,  Mains  (1628-1631) 79 

^llbreeht,  Jobann,  Strassburg  (von  15S8  ab) 167 

&  Wendel  Rihel,  Strassburg  (1538) 158 

Aldi  ffÜl,  siehe  Manutlus,  Paulus. 

—  haeredet  &  Andreas  Torresanus  de  Asola,  Venedig  (1515—1529)      .     .    S12— SIS 

Aldns  Manuüus  Romanus,  Venedig  (1496—1515) 307—808 

Alopedu,  Hero,  Cöln  (1580—1588) 187 

Amerbacli,  Jobann  von,  Basel  (1478-1518) 818—214,  441 

AndrMS  Jacobns  Catharensis,  Venedig  (1476—1477) 298—898 

Aplarins,  Matthias,  Strassburg  (1536) 158 

AprOBlanaf,  Johannes,  siehe  Schöffer,  Peter  (Sohn)  etc. 

*Ariotiis  de  Trino,  Rom  (1521) 808 

Arndes,  Steffev,  Lübeck  (1487—1519) 480-488 

«Arnoldos  de  Villa,  Rom  (1474) 803 

•Amt  von  AJch,  Cöln  (1614—1519) 194 

ArriTAbenns,  Georgius,  Venedig  (1486—1515) 308 

Artopievs,  Henricus,  siehe  Mameranus  etc. 

Attendorn,  Peter,  Strassburg  (1489) 144—145 

Auerbach,  Matthes,  von  Aschaffenburg  in  Mainz  (1529—1580) 57—58 

*ATlgador,  Isaac,  Jom  Tov  und  Jacobus,  Rom  (1618) 808 

•Ayrer,  Marx,  Nürnberg  (um  1487—1488) 878 

Jlade,  Josse,  siehe  Radius. 

BadioB,  Conrad,  Paris  (1586—1649) 405—406 

&  Jean  Boigny,  Paris  (1548) 406 

—  Jodocns,  Ascensius,  Paris  (1495—1536)    [Siehe  auch  Petit,   Jean  etc.]    386—887 
Baldarfer,  siehe  Valdarfer. 

Balbom,  Johann,  Lübeck  (1581-1599) 428—484 

Bimler,  Johann,  Augsburg  (1478—1495) 246—248 

*Barbatiis,  Angelus,  Rom  (1580) 808 

Barbier,  Jean,  Paris  (1505— 1514) 8fc5 


^q^  —     Alphabetisches  Verzeichniss.     — 

*  Seite 

*Bartholoiiiiieiis,  Gregorius,  Basel  (1509) 8S7 

—  Justinopolitanus,  siehe  Bissolus  etc. 

—  de  Unckel  Cöln  (1476-1488) 178,    489 

BarnngArt,  Hennann,  de  Ketwich.  Cöln  (149&— 1509) 180—181 

Bebel,  Johannes,  Basel  (von  1528  ab)  [Siehe  auch  Cratander  etc.]  .    .     .    816—227 

Beohtermfinze,  Nicolaus»  Eltville  (1472) 15 

B«ek,  Balthasar,  Stragsburg  (am  1!V80) 151—152 

•—  Renatns,  Strassburg  (um  1511—1526) 157 

Beekcnhab,  Johann,  siehe  Huszner  etc. 

Behem,  Franz,  Mainz  (1540—1558) 69—70,  482 

BenailvH,  Bemardinus,  Venedig  (1484—1584) 800 

*B«i»Ilii,  Jobannes,  de  Argentina,  Rom  (1512) 206 

B«rgcr,  Peter,  Augsburg  (1488— li89) 26»-264 

BergmABB,  Johannes,  von  Olpe,  Basel  (1494—1499) 221 

—  Peter,  von  Olpe,  Cöln  (1470—1477) 170 

Bemardfnns  de  Tridino  ex  Monteferrato,  Venedig  (1488—1495) 299 

*—  Venetus  de  Vitalibus,  Rom  (1508) 208 

Venedig  (1480-1586)       294—295 

B^Tilaqaa,  Nicolaus,  Venedig  (um  1561) 816 

—  Simon,  Papiensis,  Venedfg  (1485—1500) 801 

Biet,  Friedrich,  siehe  Wenszier  etc. 

BiiMl«Dl,  Francesco  &  Mapheo  Pasini,  Venedig  (1524—1548) 318 

Blrckmann,  Arnold  &  Jaccjues  Dnpnys,  Paris  (1850) 409 

Erben,  Cöln  (um  1550  bis  15&5) 192 

—  Franz,  Cöln  (1518—1529) 18S 

*BlsRoln8 ,    Johannes ,    Benedictus    M angius ,    Bartholomaeus   Justinopolitanus 

^  Gabriel  BrasicheUensis ,  Venedig  (1498^    [Siehe  auch  Chalcondylus  etc.]    823 
*BUdlf,  Antonius,  de  Asula,  Rom  (1520—1586) 203 

BUablrer,  Johannes,  Augsburg  (um  1481) 256—257 

BUtIs  de,  Thomas,  aus  Alexandria,  Venedig  (1477—1491) 293—294 

Boourdns,  siehe  Bonchard. 

Boccard*  siehe  Bouchard. 

Boignj,  Jean,  siehe  Badius,  Conrad  etc. 

Bomber?,  Daniel,  Venedig  (1515—1550) 312 

Bonngart,  siehe  Baumgart. 

Bonions  de  Boninis,  siehe  Paltasichis  etc. 

Bonchard,  Andre,  Paris  (1494-1590) 386 

BnndlSy  Lucas,  Lübeck  (1474—1499 419—420 

*BraBt,  Matthias,  Strassburg  (um  l.SOO) 157 

"BremM*,  alias  Bulle,  Johannes,  Rom  (1478—1479) 203 

Briese,  siehe  Pryss. 

Brüder,  die,  vom  gemeinsamen  Leben,  Marienthal  (1468 — 1507) ....    280—283 

Brylinger,  Nicolaus,  Basel  (von  1537  ab) 231 

&  Bartholomaeus  Calybaeus,  Basel  (von  1587  ab) 231 

*BiieUBg,  siehe  Pannartz. 
*BnlJe,  siehe  Bremer. 

BOBgBert,  siehe  Baumgart 

BnOB,  Gabriel,  Paris  (1564) 415 

Borger,  Conrad,  Cöln  (1518) 194 

v/mlenhM,  Gervinus,  siehe  Johann   Quenters  Srben  A  Gervinus  Caleniua. 

*CalIergn8,  Stephanns,  Rom  (151!^— 1523). 203 

*Cb1th8,  Franciscus  Minitins,  Rom  (1524—1581) 903 


—     Alphabetisches  Verzeichniss.     —  40^ 

Seite 

Galybaeus,  Bartholomaeus,  siehe  Brylinger  etc. 

Cammerlander,  Jacob,  Strassbnrg  (nm  1582  —  um  1542) IH 

Caesar,  Conrad,  Coln  (1519—1528) 186 

•  —  Nicolaus,  Cöln  (1518) 194 

Caeraria,  Petrus  A  Johann  Stoll,  Paris  (1473—1479) 381 

Caphalaeas,  siehe  Köpffei. 

Careto  de,  Johannes  da  Tridino  alias  Tacuinus,  Venedig  (1492—1536)    .     805-306 

Cerrleoraus,  siehe  Hirtzhorn. 
*ChBim  ben  David,  Augsburg  (1534—1536) 277 

Cbaleoadjlos,  Demetrius,  Johannes  Bissolus  &  Benedictus  Kangius,  Mailand  (1499)    328 

Chaodiere,  Regnanlt,  Paris  (1515—1534) 400 

dteralloii,  Claude,  Paris  (1511—1540)  [Siehe  auch  Gourmont,  Qilles  etc.]    398—899 

—  Gervais,  Paris  (um  1539) 406 

ChoUnns,  Matemus,  Cöln  (um  1660— um  1586  [?]) 193 

Choris  de,  Bernardinus,  de  Cremona  A  Simon  de  Luere,  Venedig  (um  1491) .    303 
Chrlstophonis  Katisponensis,  siehe  Valdarfcr. 

«Ciiiiai,  Augustinus.  Rom  (1515) 203 

CoUnea  de,  Simon,  Paris 401--402 

«CoUotias,  Angelus,  Rom  (1517) 203 

COBgreg'ation  der  Propaganda,  Rom  (um  1630) 202 

*Conrado8  de  Bopardia,  Cöln  (1486) 194 

Cornelios  von  Zyrychzee,  Cöln  (1489—1517) 179—180 

€oiilonibel,  Robert,  Paris  (um  1588) 416—417 

Cranta,  Martin,  siehe  Gering  etc. 

Cratander,  Andreas,  Basel  (1518—1536) 223—224 

—  &  Johannes  Bebel,  Basel  (1583) 227 

Creaaitner,  Friedrich,  Nürnberg  (1472-1479) 849—851 

Carlo,  Valentin,  Basel  (1521—1535) 225 

Cnrrifex,  siehe  Wagner,  Peter,  Nürnberg. 

Cialner,  siehe  Zaincr. 
Caeiner,  siehe  Zainer. 
Caejrner,  siehe  Zainer. 

Dienecker,  Jobst,  Augsburg  (1522) 277 

Oleta,  Ludwig,  Lübek  (1534) 424—425 

Dinckmut,  Conrad,  Ulm  (um  1475  und  1482—1496) 7,  332-333 

Oomlniena  de  Vespolate  &  Jacobus  de  Marliano,  Mailand  (1477—1478)   .    .    ■    320 

Dorstlns«  Johannes,  Cöln  (1532) 194 

Dracker,  anonymer,  Venedig  (1554) 316 

—  unbekannter,  Venedig  (um  1615) 311 — 312 

Drackerei  des  Augustiner  Klosters,  Nürnberg  (1479 — 1491) 852 

—  der  Brüder  vom  gemeinsamen  Leben,  siehe  Brüder  etc. 

—  des  Klosters  St.  Ulrich  und  Afra,  Augsburg  (1472—1516?)      ....    248—251 

—  Päpstliche,  Rom  (um  1620)  ....  - 201—202 

*ODCaa,  Demetrius,  Rom  (1526) 203 

Dapajra,  Jacques,  siehe  Birckmann,  Arnold  etc. 

—  Mathnrin,  Paris  (um  1.550).   [Siehe  auch  Weehel,  Christian  etc.]    ....    405 
*D70ii,  Adam,  Nürnberg  (1509—1515) 373 

Egenolph,  Christian,  Strassburg  (1529—1530) 151 

Eggesteln,  Heinrich.  Strassburg  (1464—1478) 102—110 

*fi]clilnger,  Matthaeus,  Ausgburg  (ohne  Jahr) 377 

Ellas  Elie  de  Louffen,  siehe  Helyas  Helle  de  Ijouffen. 


iq6  —     Alphabetisches  Verzcichniss.     — 

Seite 
Ehumii,  siehe  Paber.  Johannett. 

*EmMr,  Hieron ymu8,  Ifaios  (16ft7) 78 

Endtcr,  Christoph  A  Paul,  Nfirnberg  (am  1660) 370 

—  .lohann  Andreas,  Nürnberg  (1755) 371 

86hne,  Nürnberg  (um  1690) 371 

—  Michael  &  Johann  Friedrieh,  Nürnberg  (am  1668) 370 

—  Wolfgang  Mori«,  Nürnberg  (um  1690) 370—371 

EpiMoplnSj  Nicolaos,  siehe  Proben,  Hieronjmus  etc. 

Btlcane  (I),  Henri,  Paris  (1496—1580) 389—880 

—  (II),  Henri,  Paris  (Genf)  (1557—1698) 413—414 

—  Robert,  Paria  (1586—1»«) 404—406 

• Genf  (1552-1659) 404 

EttSÜiCf,  Guillaume,  siehe  Vorard,  le  Jeune  etc. 

*FalMr,  Johannes,  Emmeus,  Basel  (1586—1589) 837 

• Fireiburg  (von  1630  ab) 287 

FerrMÜS  de,  siehe  Nicolans  de  Ferrariis. 

Flach,  Martin,  Strassbnrg  (1475—1501) 113—118,  485—487 

F^ntona,  Benedietas,  Venedig  (1495—1506) 808—300 

ForMtler»  Jacques,  aiehe  Petit,  Jean  etc. 
'FranccMO  da  Udine,  Rom  (s.  a.) 203 

Frank,  siehe  Silber. 

Frans  Theodor  Ton  Worsbarg,  aiehe  Santritter  etc. 

Frcny,  Claude,  Pari«  (um  1668) 414—415 

Frlborger,  Michael,  siehe  Gering  etc. 

Friedberg,  Peter,  Mains  (1498—1498) 86—89,  480 

Frisner,  Andreas,  siehe  Sensenschmid  etc. 

«Fritag,  Andreas,  Gaeta  (1487) 803 

• Rom  (1492—1496) , 208 

Froben,  Hieronymae,  &  Nicolans  Episcopias,  Basel  (1531 — 1561) 887 

—  Johann,  Basel  (1491—1527).    [Siehe  auch  Petri,  Johannes.]  ^    .    .    .     219—280 

Froberger,  Sigiamand,  Nürnberg  (um  1680) 878 

Fromalt,  Eberhard,  Basel  (1481) 218—213,  441 

FrotCbaner,  Johann,  Augsburg  (1494—1619) 264—265 

Fiehi,  siehe  Alopecius. 

Furter,  Michael,  Basel  (1490—1517).    [Siehe  auch  Schott,  Johann  etc.]   .    217—219 
Fast,  Johannes,  Mainz  (14C6) ' 83 

—  A  Peter  SehÖffer,  Mainz  (1456—1466) 16—22,  426 

vi'abriel  Brasichellensis,  siehe  Bissolus  etc. 
Dallas  de  Yienna,  siehe  Han. 

•—  Wolfgang,  Rom  (1476) 203 

Cialterafl,  Petrus,  Paris  (1545) 408 

Ctardano,  Antonio,  Venedig  (um  1568) 817 

Garde  de  la,  Jean,  Paris  (1514—1518) 400 

Gaodont,  Pierre,  Paris  (1510—1534) 398 

Gazellas,  Jacobus,  Paris  (um  1544) 407 

Geissler,  Valentin,  Nürnberg  (um  1564) 369 

*Gemnsaea8,  Polycarpus,  Basel  (um  1560—1572) -    .    .  837 

Gengenbaeh,  Pamphilus,  Basel  (1509—1528) 228 

*6enBberg,  Johannes,  Rom  (1473—1474) 808 

Gering,  Ulrich  A  George  Maynyal,  Paris  (1480) 381 

,  Martin  Crantz  &  Michael  Friburger,  Paris  (1470-1477)     ....    380—881 


—    Alphabetisches  Verzeichniss.    —  4Q7 

Seite 

derlaefcln,  Katharine  Erben,  Nürnberg  (159,4) 399 

Gerller,  Durand,  Paris  (1489—1520) 884 

SherardOy  Panlns,  Venedig  (um  1557) 81  <S 

GioUto,  Gabriel,  de  Ferrara,  Venedig  (um  1549) 815 

«Ünnt«  de,  Lucas  Antonius,  Venedig  (1489—1586) 808—804 

Clldtsch,  Bartholomaeue,  siehe  Sachsel  etc. 

Ootefirldas  Kevpensis,  Cöln  (um  1577—1579) 198 

Qoetz,  Nicolaus,  Ton  Schlettstadt,  Cöln  (1474—1478)  .    .    .  • 171—178 

*Ootx,  Paul,  Strassbnrg  (um  1514) 158 

OmtmiOiit,  Gilles  &  Claude  Cherallon,  Paris  (1507-1583) 396 

—  Robert,  Paris  (1498—1518) 398—398 

tiraphaeii,  Nicolaus,  Cöln  (um  1566) 192 

erMflii  de,  Gabriel,  de  Papia,  Venedig  (1485—1486) 301 

*Greff,  Hieronymns.  Straseburg  (um  150^) 153 

Gregorils  de,  Johannes  &  Gregorins,  de  Forlivio,  Venedig  (1480-^1516)       .     .    296 

Grimm,  Sigmund  Dr.,  Augsburg  (1522—1524) 269—270 

&  Marx  Wirsung,  Augsburg  (1512—1522) 268—269 

Grfiner,  Johann,  Ulm  (1522—1582) 384—385 

Orininger,  Johannes,  Strassbui^  (1483—1528) 187—143,  437 

*6rupp«nbaeh,  Oswald,  Ton  Tübingen,  Ulm  (1563—1569) 336 

Gaarlnas,  Thomas,  Basel  (von  1564  ab) 235 

*G«itoretU  Stephanns,  de  Lotharingia,  Rom  (1506—1524).  [Siehe  auch  Nanio  etc.]    208 
GnilJard,  Carola,  Paris  (um  1U!>) 407 

*Gtt{tii€liaiff,  Hermann,  Cöln  (1512) 194 

'Gnldenmund,  Johann,  Nürnberg  (1526—1586) 873 

Galdensohafr,  Johann,  Ton  Mainz.  Cöln  (1477—1487) 173—174 

*Galdinberk,  Bartholomaeus,  de  Sultz,  Rom  (1475—1481) 208 

GntOBberg  in  Eltville  (um  1465) 14—16 

Gvtenberg  A  Pust,  Mainz  (1450—145^) 11—14 

Gatknerht,  Friedrich,  Nürnberg  (1.^54) 368 

—  Jobst,  Nürnberg  (1514—1525) 361 

GjrmDirns,  Johannes,  Cöln  (1516  —  um  1540) 184 

Erben,  Cöln  (um  1540) 190 


llamsing,  Hermann,  Nürnberg  (1558) 368 

Hau,  Ulrich,  Rom  (1467—1478) 199—300 

&  Simon  Nicolas  de  Lucca,  Rom  (1474) 439 

*ilaiiheymer.  Johannes  Nicolaus,  de  Oppenheim  &  Johannes  Schardner  de  Bo- 

pardia,  Rom  (1474-147.^) 203 

Heil,  siehe  Soter. 

Heinrieli  von  Neus,  Cöln  (1509—1515) 183 

•Helmann,  Johann,  Cöln  (1505) 194 

Helyas  Helye  de  Louffen,  Beromünster  (1470—1475)  ....      877—879,  444—445 
Henrle-  Peirt,  Sebastian.  Basel  (1574—1627) Sfö— 23'» 

*He]iriCU8  Novesiensis,  Cöln  (1517—1522) 194 

Herbort,  Johannes,  de  Seigenstadt,  Venedig  (1481 — 1485).   [Siehe  auch  Johannes 

de  Colonia  etc  ] 297—298.  412— 44S 

Hergott  siehe  Herrgot. 

*Herolt,  Georgias,  de  Bamberga,  Rom  (1481) 208 

Herrgot,  Hans,  Nürnberg  (um  1523—1527) 365 

Herrgotln,  Knnigund,  Nürnberg  (1527—1540) 865—366 

UerragiiiS,  siehe  Herwagen. 

32 


498  —     Alphabetisches  Verzeichniss.     — 

Seite 

Herwflf  60,  JohannM,  Strmssburg  (151^— 15W) 150 

BMel  (16S1-15&5) 82S 

(Sohn).  Basel  (1557—1564).    [Siehe  aoch  Oporinns  etc.] 2S4 

ft  Bernhard  Brand,  Basel  (1567) 234 

Utwaumm,  Friedrieh,  Mains  (1508— ISO») 55—57 

HMSll«r,  Leonhard.  Nömberg  (om  1560—1590) 369 

•H«yl,  MieoUns,  Hains  (1649) 72 

Htyo,  Qabriel,  NÖmbecg  (um  1560) 867 

HejBX,  Christmann,  Angsbnri;  (1471—1481) 245—246 

*HiebMr,  Paul,  Ton  DUlingen,  Ulm  (1570—1578) 336 

HifHftim,  Johann,  Paris  (1484-1496) 3R8 

&  Wolligang  Hopyl,  Paris  (um  1496—1498)  .     .     .    • 382-883 

Hlrtah«ra,  Eoeharius,  Cöln  (1517— 15S6) 184—185 

Hoefcfedery  Caspar,  Nürnberg  (1491—1498) 356 

*Hoehtprlnff,  Johann,  Ulm  (um  1488—1499) 838 

Hofisr,  Hans,  Briefisialer  in  Angsbnrg  (Ende  d.  15.  Jahrh.) 9 

*Hofn»eher,  Käthes.  Ulm  (um  1582—1536)     . 336 

HoheBwanff,  Ludwig,  Ulm  (um  1469—1501) 325—328 

HoU,  Lienhard,  Clm  (1482-1484) 330-333 

HSiUel,  Hieronymus,  von  Traunstein,  Nörnbei^  (1496—1525) 357 

H^aburg,  Conrad  von,  stehe  Winter. 

HoBAte  de,  Johannes  Antonius,  Mailand  (1483—1489) 322 

ItoPXlf  Wol^ang,  Paris  (1489—1521).    [Siehe  auch  Higmann  etc.] 3R3 

Bont,  Peter,  Cöln  (um  1565  bis  um  1592) 194 

*Httber,  Hieronymus,  Nürnberg  (um  1504) 873 

—  Woligang,  Nürnberg  (1505—1514) 358—359 

*HiebMr,  Ambrosius,  Nürnberg  (um  ISOO— 1501) 873 

Hlpfkir,  Matthias,  Strassburg  (1499—1620) 147—148 

Hiizner,  Georg,  Strassbsrg  (1476—1498) 118 

&  Johann  Beckenhub,  Strassburg  (1473) 110,  436 

tiaeob  von  Pfortaheim,  Basel  (1488—1518) «16—217 

JftCObttt  de  Marljano,  siehe  Dominicus  etc. 

jMMn,  Nicolaus,  Venedig  (1470—1482).    [8.  auch  Johannes  de  Colonia  etc.] 

287-283 

JoblB,  Bernhard,  Strassburg  (Ton  1578  ab) 156—157 

JoUn'S,  Bernhard  sei.  Erben,  Strassburg  (1597) I57 

JohMin  &  Wendelin  von  Speyer,  Venedig  (1469—1470) 284 

—  Maria  de  Monteferrato,  siehe  Quarengiis  etc. 

JohanBes  de  Besicken  oder  Besickeio,  Basel  (1483) 314 

• Rom  (1484—1506) ^ .*    .    203 

• &  Martinus  de  Amsterdam,  Eom  (um  1500) 208 

* &  Sigismundus  Mayr  de  Marchfiim,  Rom  (1493—149.'?) 803 

—  de  Castelliono,  Mailand  (1506—1523) 883 

—  de  Colonia,  Venedig  (1471— 1487) -289 

&  Nicolaus  Jenson,  Venedig  (148C— 1481) 297 

— '  —  * *  Johannes  Herbort  de  Seigenstadt  (1481) 297 

&  Johannes  Manthen  de  Gheretzem,  Venedig  (1473—1480)     .    .    .    239—290 

•—  Reynardi  de  Eningen,  Rom  (1478—1476) 20S 

* —  Brphordianus,  Augsburg  (1519) 377 

—  Novesianus,  Coln  (um  1550) 190 

Jordan,  Peter,  Mainz  (1532—1536) 67-69  432 

•'3rg Ulm  (1493) '386 


—    Alphabetisches  Vcrzeichniss.     —  aqq 

Seite 

•Jos Ulm  (1484) 886 

Isengrln,  Michael,  Basel  (von  1531  ab) «    .    889 

IsoardlSj  siehe  Soardls  de,  Lazarus. 

Jnnghangfl,  Briefimaler  in  Nürnberg  (1472) 9 

Jorenis,  Martinas,  Paris  (1582) 416 

Kaitlip,  Hermann,  Augsburg  (1481—1488) 257—858 

Kefer  Heinrich,  siehe  Sensenschmid  etc. 

KelieF,  Johannes,  Augsburg  (1478) 256 

Kempensls,  siehe  Gotefridus. 

*KerBer,  Conrad,  Strassburg  (um  1517) 168 

Kerrer,  Thitlmann,  Paris  (1497—1534) 390—898 

Keiler,  NicoUus,  Basel  (1486—1509) 214—216,  441 

^Kejrser,  Anton,  Coln  (1511) 194 

KnOblitzer,  siehe  Knoblochzer. 

KBObloch,  Johann,  Strassburg  (1497—1528) * .    .    .    .      145—146,  438 

Knoblochzer,  Heinrich,  Strassburg  (1477—1485) 119 

Koberger  (oder  Koburger),  Anton,  Nürnberg  (1472—1613) 339—847 

Koelhoir,  Johann,  aus  Lübeck,  Coln  (1470—1500) 167—169,  489 

KopiTel,  WolflF,  Strassburg  (von  1524  ab) 150—151 

*Konmanii,  Peter,  Strassburg  (um  1526) 158 

KSobler,  Christoph,  Mainz  (1666—1691) 71-78 

^Knnnast,  Jörg,  Strassburg  (um  1520) 158 

*KyttIer,  Bartholomaeus,  Strassburg  (um  1497—1506) 158 

Lambert,  Jean,  Paris  (1503—1513) 394—395 

Lamparter,  Nicolaus,  Basel  (1505—1519) 221—228 

•Landen,  Johannes,  Coln  (1490—1521) 194 

Langendorff  von,  siehe  Petri,  Johannes  und  Petri,  Adam. 

Laner,  Georg,  Rom  (1470—1481) 200'— 201 

Lantitivg  Perusinus,  siehe  Ludovicus,  Yincentinus  etc. 

Laragna  de,  Philippo,  Mailand  (U69— 1489) 818 

•Leenen,  Paulus,  Rom  (1474—1476) 203 

* Trevi  (um  1470) 208 

Leneho'de,  siehe  Pencius,  Jacobus. 

Leret,  Pierre,  Paris  (1486—1499) 384 

LeTÜapiii,  siehe  Liechtenstein. 

Liechtenstein,  Hermann,  Venedig  (1482—1497) 298—299 

-  Peter,  Venedig  (1497—1522) 309-  310 

•Lfgnamine  de,  Joannes  Philippus,  Rom  (1470—1481) 203 

•Lippios,  Balthasar,  Mainz  (um  1599) 72 

LisODS  de,  Albertinus  Vercellensis,  Venedig  (1501—1505) 311 

Loeatellas,Bonetus,  Venedig  (1493).  [Siehe  auch  Scotus,Octavianu8  etc.]  302,  443—444 

Loslein,  Peter,  von  Langenzenn,  Venedig  (1476-1483) 298 

Lbors  Venetus,  Venedig  (1482) 443—444 

*Lodorieas  degli  Arrighi,  Rom  (1524) 803 

♦—  Vincentinus,  Rom  (1524—1527) 203 

♦ &  Lautitius  Perusinus,  Rom  (1524—1525) 803 

Lnna  de,  Ottinus  Papiensis,  Venedig  (1496—1507) 309 

Juameranns,  Henricus  &  Henricus  Artopaens,  Coln  (um  1550) 190 

Maager,  Michael,  Augsburg  (um  1575) 276—877 

•Mangias,  Benedictus,  Reggio  (1501).  [S.  auch  Bissolus  etc.  und  Cbaicondylus  etc.    388 
Manthen,  Johannes,  de  Gheretzem,  siehe  Johannes  de  Colonia  etc. 

32* 


CQO  —    Alphabetisches  Verzeichniss.     — 

Seite 

*HABii«  Conrad.  Blaubeuern  (1475) 886 

MuntlU,  Paalus,  Venedig  (1540—1661) 814 

Marclunt,  QuJdo,  Paris  (1488—1500) 882 

—  Jean,  Paris  (1565—1511) 39&— 896 

■•ntf,  Bngelbert,  &  Jean  &  Pierre  Viart,  Paris  (1500—1580) 894 

—  GeoflFroy  &  Bngelbert,  Paris  (1490—  um  1540) 885—886 

r  Martin  von  Werden,  Cöln  (1504— 1516) 182-183 

*Xart1iiliS  de  Amsterdam,  Neapel  (nm  1495).  [Siehe  auch  Job.  de  Besieken  etc.]    208 

MmjnjMl^  George,  siehe  Gering  ete. 

IfAfr,  Hans,  Nämberg  (um  1498) 356 

—  Sigitmimdns  de  Marehfam,  siehe  Johannes  de  Besicken  etc 

«■■sooklaff,  Jacobus.  Rom  (1506—1524) 208 

• Zürich  (von  1525  ab) 203 

MeleUor  von  Neus,  CÖln  (1580—1588) 189 

Meldemmn,  Niolas,  Nürnberg  (1581) 866—367 

Meatelln,  Johann,  Strassburg  (1458—1478) 91-102 

Mereator,  siehe  Marchant. 

Xerckel,  Georg,  Nürnberg  (1558) 368 

*M«resittt,  Hermann,  Mains  (1624) 72 

McSMnehnldt,  Panl.  Strassburg  (1561) 155 

■«XdenlNieh,  Jacob,  Mains  (1491—1498) 35—36,  429—430 

*Hejer,  Johannes,  Mainz  (1698) 72 

HlUer,  Johannes,  Augsburg  (1514-1519) .    271-272 

*Mfaiitl«fl,  siehe  Calvus. 

Hlnvtianai»  Alexander,  Mailand  (1478—1520) 320—321 

Mittolhas,  Georg,  Paris  (1484—1500) 884 

Honteregl*  de,  siehe  Regiomontanus. 

Morel,  Gulllanme,  Paris  (1547—1564) 408—409 

*M*rhard,  Ulrich,  Strassburg  (um  1519—1522) 158 

HBdmIi,  JosJas,  Basel  (157l) 236 

MjrliM,  Amoid,  Cöin  (1585—1605) 192—193 

—  Crato,  Strassburg  (um  154<  ) 155 

Nadlw,  Georg,  Augsburg  (1508—1521) 268 

*]!fanle,  Hercules.  &  Stephanus  Guilereti,  Rom  (1511—1514) 203 

Neomeister,  Johannes,  von  Mains,  Foligno  (1470 — 1472) 375 — 377 

—  Johannes,  Mainz  (1478—1479) 35.  427—429 

Nieoian«  de  Aristotele.  Venedig  (1508— 1536) 811 

—  de  Ferrariis  de  Pralormis,  Venedig  (1491—1492) 805 

—  von  Frankfurt,  siehe  Renner  etc. 
Nicoliul,  siehe  Sabio  de. 

NIrellittS,  Sebastian,  Paris  (1579) 416 

NoresiftBUl,  siehe  Melchior  von  Neus  und  Johannes  Noveslanus. 
Ilameister)  siehe  Neumeister. 
Nnssia  de,  siehe  Heinrich  von  Neus. 

Oeglin,  Erhard,  Augsburg  (1505—1518) 266 

Olpe  von,  siehe  Bei^mann. 

OpIUOy  siehe  Schö£Fer. 

Oporinna,  Johannes,  Basel  (1540—1568) 332—238 

&  Jobannes  Her^iragen,  Basel  (1560) 234 

*Otmar,  Johann,  ReutUngen  (1479—1495) 266 

* Tübingen  (1496—1505) 266 


—     Alphabetisches  Verzeichniss.     —  501 

Seite 
(Hmar,  Johann  von  Reaflingen,  Augsburg  (160S— 1514) 866—868 

—  Sylvan,  Augsburg  (1514—1580). 870—871 

OttiBBt  Papieosis,  siebe  Luna  de. 

1:  aehd)  Leonhard,  siehe  Scinxenseller  etc. 

PagaiüniiS  de  Paganinis  Brixiensis,  Venedig  (1485—1518) 801 

PaltMlehls  de,  Andreas,  Catbarensis  9t,  Boninns  de  Boninis,  Venedig  (1478)  .    448 
*Pauiarta,  Arnold,  Rom  (1478—1478).     [Siehe  auch  Sweyobeim  etc.]  ....    197 
Psplenilfl,  siehe  Luna  de. 

Pareos,  Jocobus,  Basel  (1552) 234 

Parrns,  Audoinus,  siehe  Petit,  Audoin, 

—  Johannes,  siehe  Petit,  Jean. 
Pasfni,  Mapheo,  siehe  Bindoai  etc. 

Pasqvallba«  de,  Peregrinus,  de  Bononia,  Venedig  (1482—1494) 299 

Pavlat  de  Suardis,  Midland  (1480—1482) 321 

Penclu,  Jacobus,  de  Leneho,  Venedig  (1495—1528) 309 

Perier,  Charles,  Paris  (um  1555) 412 

Peilt,  Audoin,  Paris  (1557)    .    , 413 

—  Jean,  Paris  (1496—1586) 387—888 

&  Josse  Bade,  Paris  (1507—1512) 888—889 

&  —  &  Jacques  Porestier  Paris  (1507) 888 

Petreju,  Johann,  Nürnberg  (1524—1550) 864—365 

Petrl,  Adam,  von  Langendorff,  Basel  (1509—1528) 222 

—  Heinrich,  Basel  (1523—1579) 225—226 

—  Johannes,  von  Langendorff,  Basel  (1494 — 1514) 221 

&  Johannes  flohen,  Basel  (1499) 221 

Petras  de  la  Turre,  Rom  (1490-1497) 208 

Petzensteiner,  Heinrich,  siehe  Sensenschmid  etc. 

*Pe]rpns,  Friedrich.  Nürnberg  (1509—1535) 359—860 

«Pfefferkorn,  Johann,  Cöln  (1508) 194 

Pfeyl,  Johannes,  Bamberg  (1497—1512) 89—90 

Pflster,  Albrecht,  Bamberg  (um  1458—1462) 77—88,  434—435 

*PllugeI,  Leonhard,  Rom  (1472—1474) 208 

Pforczen,  siehe  Johann  von  Pfortzheim. 
Pfortzen,  siehe  Johann  von  Pfortzheim. 

Philipp  Petri  Condam,  Venedig  (1478—1482) 294 

Phorczen,  siehe  Johann  von  Pfortzheim. 

Pigouchet,  PhiUppe,  Paris  (1484—1512) 383 

Pincing,  Philippus,  Mantuanus,  Venedig  (1490—1525) 304 

*PirliD>  Hans,  Augsburg  (1606) 277 

«Plstophllu,  Nicetas,  Rom  (1528) 203 

Pittoril,  Nicolaus,  &  Marcus  Reinhard,  Strassburg  (um  1485) 144 

«PJanek,  Adam,  Ulm  (1486) .336 

*—  Stephanus,  de  Patavia,  Rom  (1479—1499) 203 

Platter,  Thomas,  Basel  (von  1586  ab) 280—281 

Porta  de,  Maurice,  Paris  (1524  —  um  1542) 403 

Porte  de  la,  Jean,  Paris  (1516—1520).     [Siehe  auch  Regnault  etc.]      ....    898 

*Potkenaar,  Jobannes,  Cöln  (1518) 194 

JPoeehlii,  Jacques,  Paris  (1514) 399—400 

Prael,  Hans,  Coln  (1580—1583)      • 188 

Praetor fais,  Johannes,  Augsburg  (gegen  Ende  des  16.  Jahrh.) 277 

Preax  le,  Ponce,  Paris  (1498—1583) 892 

Prils,  siehe  Pryss. 


K02  —     Alphabetisches  Verzeichniss.     — 

Seite 
PriJMiiiS,  siehe  Pryss. 
PMbas,  siehe  Preux  le,  Ponce. 
PnM,  siehe  Pryss. 
Pnu,  siehe  Ptjbb. 
Pnu,  siehe  Pryss. 
Prylu,  siehe  Pryss. 
Pryse,  siehe  Pryss. 
Prygs,  Joh.  sum  Thiergiirt<^n  (senior),  Strassburg  (nm  1482^1508)  123—136,  437—438 

CJuniop),  Strassburg  (1508—1521) 136 

«Pielier,  Vitus,  Rom  (1476—1478) 203 

Puillttt,  siehe  Petit,  Jean. 

Pateftimi,  Jaeobus,  Paris  (1560) 414 

Cjiuii^ongUt  de,Piero  de  Zuanne  oderPet.Joh.Bergomensi8,Yenedig(1492— 1516)306— 307 

—  Petr.  JoIl,  de  Palazago&Joh.  Maria  de  Monteferrato,  Venedig  (1492—1500)    305 
*Qiieiitel,  Arnold,  Cöln  (1504) 194 

—  Elisabeth,  Witwe,  Cöln  (1518—1519) 185—186 

—  Heinrich,  Cöln  (1479—1502) 174—178 

Kinder,  Cöln  (1502—1520) 18« 

—  Johann,  Coln  (um  1540  —  um  1550) 189 

Erben,  Coln  (um  1550  —  um  1560) 191 

&  Gervinus  Calenius,  Cöln  (um  1560—1670) 191 

—  Peter,  Cöln,  (1520  —  um  1640) 137 

Jlagazonlbiifl  oder  Rogazonibus  de,  Theodorus,  de  Asula,  Venedig  (1480—1500)  803, 443 

Baouningery  Melchior,  Augsburg  (1620—1523) S72 

Batdolt,  Erhard,  Augsburg  (1486—1616) 261—262 

von  Augsburg,  Venedig  (1476—1486) 291—292 

BaynftldoB  de  Novimagio,  Venedig  (1477—1496) 893 

Beger,  Johann,  Ulm  (1486—1499) 333—334 

BegiomontanttS,  Johannes,  Nürnberg  (1471—1474) 339 

Begnanlt,  Fran^ois,  Paris  (1600—1535) 893 

&  Jean  de  \a,  Porte,  Paris  (1517) 393 

Belnhard,  Marcus,  siehe  Pistoris  etc. 
Beinhardt,  siehe  Grüninger. 

Bemboldt,  Berthold  de  Johann  Waterloes,  Paris  (1509—1519) 396—397 

Beaehen,  Ludwig,  Cöln  (1484—1501) 178—179 

Beuier,  Franc,  vonHailbronn  &  Nicol.  von  Frankfurt,  Venedig  (1473— 1476)  290—891 

Betro  Minores,  Cöln  (1501—1504) 181—182 

Bewicb,  Erhard,  Mainz  (1486) 32—33,    427—428 

Blcbard,  Thomas,  Paris  (um  1656) 412—413 

Biehel,  Bernhard,  Basel  (1472—1482).     [Siehe  auch  Rappel  etc.]     .    .    .    211-212 

Bleholff,  Georg,  Lübeck  (um  1495—1550) 422—423 

Bibel,  Theodosius,  Strassburg  (nm  1565—1600) 156 

—  Wendel,  Strassburg  (nm  1525—1556).      [Siehe  auch  Albrecht  etc.]  .    .    162—154 

Boee,  Denis,  Paris  (1490—1516) 885 

Bodt  Ton  Hanau  siehe  Ruppel. 

BogaEOnibns,  siehe  Ragazonibus. 

Bolgny,  Jean,  Paris  (1580  —  um  1560) 406—406 

*B<rt,  Adam,  Rom  (1471—1474) 203 

Boage  le,  Guillaume,  Paris  (1512—1517) 399 

BorÜlins,  Philippus  Galterus,  Paris  (1561) 415 

Rubens  siehe  Rouge,  le,  Guillaume. 


—     Alphabetisches  Verzeichniss.     —  e03 

Seite 

Baff,  SImpreoht,  Augsburg  (1524) 278— 27S 

Bfigerin,  Anna,  Augsburg  (1482-1484) 2&8— 269 

Biipp«l,  Berthold,  Basel  (um  1464—1478) 205—207 

Sc  Bernhard  Riehel,  Basel  (um  146ar-1470) 439—441 

Buch,  Adolph,  Strassburg  (1478—1489) 119—120 

Busconlbvs  de,  Johannes  Franclscus  &  Johannes  Antonius,  Venedig  (1 522 — 1524)    813 

8abio  de,  Nicolaus  NicoUni,  Venedig  (um  1534) S14 

Siehe  Berilaqua,  Simon. 

'Baehsel,  Georgius,  de  Beicbenthal  ä  BarthoL  Goltsch  de  Hohenbart,  Rom  (1474)    203 

Saatrltter,  Joh.  Lqc,  von  Heilbronn  &  Franz  Theodor  von  Würzburg  (um  1480)    295 

Saracenng,  Marinus,  Venedig  (1478—1491) 294 

Savetler,  Nicolas,  Paris  (1625—1531) 403—404 

*Sant«r,  Ulrich,  Ulm  (1488-1499) 886 

*ü»€luiffeneT  (de  Raperschwiler)  Wilhelm,  Strassburg  (um  1500—1515).    ...     158 

Sehaeffler,  Johann,  Ulm  (1493—1501) 884 

«Sehaitter,  Christoph,  Augsburg  (1498) 277 

Scliapff,  Jörg,  Formschneider  in  Augsbui^  (um  1450) 6 

Scbaoer,  Johann,  siehe  Froschauer,  Johann. 

Schenck,  Georg,  Nürnberg  (um  1502) 858 

^Schenckberher,  Theobaldus,  Bom  (1473) 208 

*8ehlelfrr,  Balthasar,  Nürnberg  (1501) ..^78 

6Ghob«er,  Hanns,  Augsburg  (1488—1493) 268 

Scboffer,  Johann,  Mainz  (1508—1581) 39—54,  480—481 

—  Ivo,  Mainz  (1531—1555) 58—66,  482—484 

sei.  Erben,  Mainz  (1556—1557) 67 

—  Peter  (Vater),  Mainz  (1467—1502) 23-84,  426—428 

(Sohn),  Mainz  (1507—152?) 64—55 

* Strassburg  (1532—1535) 158 

* Sc  Johannes  Apronianus,  Strassburg  (1630 — 1531) 158 

Venedig  (um  1540) 314—815 

*8ehoiier,  Johann,  Bamberg  (um  1521) 373 

* Nürnberg  (1524) 373 

Schoenspergcr,  Johann.  Augsburg  (1481-1524) 259—261,  347—848 

von  Augsburg,  Nürnberg  (1517) 361—364 

der  Jüngere,  Augsburg  (von  1502  ab) ?6ö 

^Sehonwetter,  Johann  Baptist,  Mainz  (1670) 72 

«Sehott,  Johann,  Preiburg  (um  1508—1504) 237 

Strassburg  (von  1500  ab) 148 

• &  Michael  Purter,  Basel  (1508) 287 

-—  Martin,  Strassburg  (1481—1498) 121-123 

«Schroetter,  Johannes,  Basel  (1597) 237 

«Sehnrener,  Johannes,  de  Bopardia,   Rom  (1474  —  1478).     [Siehe  auch  Han- 

heymer  etc.] 203 

Sfhfirer,  Matthias,  Strassburg  (1.^00-1521) 149 

8chaet8ler,  Johannes,  Augsburg  (1470—1472)  244—245 

«Sehirammarnggel,  Andreas,  Nürnberg  (1515) 373 

«Sehiran,  Johann,  Strassburg  (um  15^4)      , 158 

Sdosenzeler,  Ulrich,  Mailand  (1494—1500) S22 

—  —  &  Leonhard  Pachel,  Mailand  (1480—1498) 821-322 

Scotoi,  Octavianus,  Venedig  (1480—1500) 295.  443 

&  Bonetus  Locatellus,  Venedig  (1486—1.^(10) 302 

—  siehe  Schott. 


C04  —    Alphabetisches  Verzeichniss.     — 

Seite 

ScBieniebmld,  Johmn,  Bamberg  (1481—1490) S8 

ft  Heinrich  Petsensteiner.  Bamberg  (1488—1490) »8—89 

ft  AndreM  Frisner,  Nürnberg  (147S— 1478) 348—349 

ä  Heinrich  Kefer.  Nürnberg  (1470—1473) 337—338 

SenratiM  Cmftanus,  Cöln  (^520—1531) .     .    • 194 

SMta,  Melchior.  Venedig  (1506— 1&S4) 311 

80ber,  aUas  Frank,  Eaoharins,  Rom  (1478—1512) 201 

♦—  Maroellaa,  Rom  (1513-1527) 201,  203 

SUlcevaSy  Henrieog,  siehe  Steiner,  Heinrich. 

*fitaBOn  Nicolai  de  Laea,  Rom  (1472—1479).    [Siehe  auch  Han  etc.]     ....    20$ 

—  de  Luere,  siehe  Ghoria  etc.  « 
SImM,  Martinus,  siehe  Flach,  Martin. 

*Snticfc|  Johann,  Augsburg  (1511) 277 

Soardil  de,  Lasams,  Venedig  (1490-1517) 305  j 

ftocila  de.  Andreas,  Parmeniis,  Venedig  (1484—1485) 300  | 

SOIV,  Anton,  Augsburg  (1475—1493) 251—255 

Soter,  alias  Heil,  Johannes,  Coln  (1.518  —  um  1536) 18ß 

Stajnery  Heinrieh,  siehe  Steiner,  Heinrich. 

Steiner,  Heinrich,  Augsburg  (1524—1545; 273—275  I 

StephABiifi,  siehe  Btienno.  j 

Stoehs,  Stöohs,  siehe  Siuchs.  i 

Stoll,  Johann,  siehe  Caeaaris  etc. 
StfAU  de,  Antonius,  de  Cremona,  Venedig  (1480—1489) 296,  448 

*8tT0heker,  Anton,  Mainz  (1622) 72 

Mndil,  Georg,  von  Sulsbach,  Nürnberg  (1484—1515) 354—365 

—  Hans,  Nürnberg  (1510—1521)     , 360—361 

Saardls  de,  siehe  Paulus  de  Suardis. 

Swejnlieln,  Conrad  &  Arnold.  Pannartz,  Rom  (1467—1473) 197—199 

Subiaco  (1464—1467) 194—195 

«Sybold,  Heinrich,  Strassburg  (um  1529—1530) 158 

XacnlBM,  siehe  Cereto  de,  Johannes. 

*Tatz,  Caspar,  Augsburg  (1536) ' 277 

*tep  Baem,  Gerardus,  de  Bercka,  CÖln  (1478) 194 

Therlioernen,  Arnold,  CÖln  (1469—1483) 164—167 

Tiletan,  Jean  Louis,  Paris  (1546) 408 

Torrcaanns,  Andr.,  de  Asula,  Venedig  (1480—1506).  [Siehe  auch  Aldi  haeredes  etc.] 

296.  312—318 

Tortls  de,  Baptista,  Venedig  (1481—1514) 29  J 

TridInO)  siehe  Bemardinus  de  Tridino. 

Tvnckel,  Simon,  Nürnberg  (um  1531) 367 

Tnnibe,  Adrien,  Paris  (1552-1585) 410—412 

*UliUiard,  Johann  Anton,  Ulm  (um  1579) 883 

—  siehe  ülhard,  Philipp. 
Ulhard,  Philipp,  Augsburg  (1528—1533) 276 

*Ulrlfher,  Georg,  Strassburg  (von  1529  ab) 158 

Tftidaifer,  Christoph  von  Regensburg,  Mailand  (1474—1484)      ....    819—320 

Venedig  (1470- 1472) 288—289 

Yaldarpher,  siehe  Valdarfer. 

Yarnler,  Hans,  aus  dem  Etschlande,  Ulm  (1532—1560) .335 

Vaseanoii,  Michel,  Paris  (1522—1576) 402 

Veglos,  Leonardus,  Mailand  (1507—1515) 324—825 


—    Alphabetisches  Verzeichniss.    —  C05 

Seite 

Vddener,  Conrad,  Cöln  (um  1470) 438 

Terard,  Antoine,  le  jeune,  Paris  (1517—1590) 397 

le  Jenne  &  Gxiillaume  Eustaoe,  Paris  (um  1580) 398 

Teipolate  de,  siehe  Dominicus  de  Yespolate. 
Yiart,  Pierre,  siehe  Marnef,  Engelbert  etc. 

YMoT«,  Pierre,  Paris  (1518  —  nm  1540) 400—401 

«YindeliBttS  de  Villa,  Rom  (1473—1475) 303 

*VoImar,  Johann,  Mains  (um  1615) 78 

W.,  C,  (Clas  Wencker?)  Strassburg  (um  1473—1478) 110—113 

•Waeker,  Jacob,  Augsburg  (1503) 377 

Ws||rn«r>  Peter,  Nürnberg  (1483—1499) 353—354 

*Wahinger,  Johann,  Strassburg  (um  1502—1504) 158 

Waldarfer)  siehe  Yaldarfer. 

Wftlder,  Johannes»  Basel  (von  1538  ab) 339—230 

*WaldJkirch,  Conrad,  Basel  (von  1585  ab) 337 

Waterloes,  Johann,  siehe  Remboldt  etc. 

IVechel,  Andreas,  Paris  (um  1550—1572) 410 

—  Christian,  Paris  (1526  —  um  1554) 405 

&  Mathurin  Dupuys,  Paris  (lf^49) .405 

Weissenhora,  Alezander,  Augsburg  (1528—1537) 375 

Wendelln  von  Speyer,  Yenedig  (1470—1477).    [Siehe  auch*  Johann  etc.].    385—387 

Wenszler,  Michael,  Basel  (um  1469-1491) 207—211 

&  Friedrich  Biel,  Basel  (um  1469) 207—208 

Werdens  de,  siehe  Martin  von  Werden. 

Westhemer,  siehe  Westheymer. 

Westheymer,  Bartholomaens,  Basel  (von  1536  ab) 231 

^Weyssenbvi^r,  Johann,  Landshut  (1513—1531) 357 

Nürnberg  (1502—1513) 357—358 

Wiener,  Johann,  de  Wienna,  Augsburg  (1475—1479)       255 

•Wind,  Simon,  von  Kirchberg,  Ulm  (um  1488—1499) 336 

Winter,  Conrad,  von  Homburg,  C51n  (1472—1489) 170—171 

—  Robert,  Basel  (von  1533  ab) 280 

Wirflang,  Marx,  siehe  Grimm  etc. 

Wolf,  Thomas,  Basel  (1519—1535) 224-325 

Wolir,  Nicolaus,  Paris  (1499—1510) 398 

* xsenfcnt,  Leonhard,  Basel  (1489) 237 

Zainer,  Günther,  von  Reutlingen,  Augsburg  (1466—1478)   ....     289—244,  442 

—  Johann,  von  Reutlingen,  Ulm  (1473—1515) 338—830,  444 

*Zaneta8,  Bartholomaens,  Rom  (1516) 308 

Zanis  de,  Bartholomaens,  Yenedig  (1486—1514) 302 

ZarotDS,  Antonius,  Mailand  (1470—1497) 318—319 

Zeiner,  siehe  Zainer. 

Zelflsenmayer,  (auch  Zeisselmaier)  Lucas,  Augsburg  (1495—1502)  .    .    .    265—266 

WesBobrunn  (von  1502  ab) 365 

Zell,  Ulrich  (von  Hantu),  Coln  (1464—1494) 161—164 

Zeninger,  Conrad,  Nürnberg  (1480—1483) 352-353 

*Zorel],  Johannes,  ükn  (1528) 836 

*Zttbrodt,  Johann  Peter,  Mainz  (1676) 72 


Berichtignngen  und  Znsätze. 


2. 

No. 

2, 

tt 

5, 

t. 

31, 

n 

88, 

» 

84. 

» 

86, 

»> 

Seite      2,  No.    14,  Zeile  5:  Sa  so  statt  Saso. 

14,  letEte  Zeile:  philosophiae,  statt  philosophicae. 

44,  Zeile    2:  Johann  statt  Johanm. 

14,     „        3:  animalibuB  statt  animabus. 

16,     „      88   von  unten:  auf  28  Zeilen   des  Ratio  aale  nur  84 

der  Officia,  statt  umgelcehrt. 
19,  nach  dem  Titel  beizusetsen:  Pergamentexemplar. 
82,  Zeile    7:  Sohlussschrift  der  Grammatica  rhythmica   von 
1468  statt  des  Mammotractns. 
87,  Zeile  9:  1468  statt  1464. 
45,  No.    78,  Zeile    9:  mit  statt  mti.  ' 

61,    „      87,     „        8    und  4  von  unten:  Gnade  Gottes  statt  DanlLbar- 

keit  gegen  Gott. 
,        3:-pnritate  a-||de8  statt  purititia-jdes. 
,        1    der  Anmerkung:  neunten  statt  achten. 

1:  Blanck  statt  Blancken. 
,        1:  Lesser  statt  Lessern. 

8:  (1880)  statt  (1800). 
,      10    von  unten:  Was  he  statt  Was  hi. 
,      11:  höchst    umfangreiche    statt    höchs   tumfang- 

r  eiche. 
,      18:  No.  195  a  statt  194. 

9:  Seite  106  statt  Seite  107. 
10:  Consuetudines  statt  Consuetutines. 
110,  Zeile  19:  Hanau  statt  Honau. 

110,     „        5   von  unten :  Der  Drucker  C.  W.  =  Clas  oder  Claus  Weneker  muss 

nach  einer  Mittheilnng  des  Herrn  C.  Schmidt  in  Strass- 
bürg  noch  immer  als  rathselhafte  Persönlichkeit  be- 
trachtet werden.  Wir  \irürden  für  weitere  Aufklärung 
des  dunkeln  Gegenstandes  sehr  dankbu*  sein. 

117,  No.  816,  Zeile    8   von  unten:  Hollandia  statt  Hoilandia. 

118,  „     818,     „        5:  No.  198  statt  No.  192. 

119,  „     820   letzte  Zeile  hinsuznfügen :  Nur  Heller  in  seiner  Geschichte  der 

Holzschneidekunst  (Seite  77)  erwähnt  dieselbe,  doch 
glaubt  er,  dass  die  darin  befindlichen  Holzschnitte  be- 
reits zu  einer  früheren  Ausgabe  verwendet  gewesen  seien. 


62, 

n 

91. 

«7, 

»> 

131. 

73, 

>, 

6. 

76. 

M 

40. 

75, 

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57. 

86, 

.  ,» 

144, 

98, 

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166, 

104, 

M 

186, 

108, 

»f 

194, 

108. 

>» 

194. 

—     Berichtigungen  und  Zusätze.     —  cqj 

fleite  131,  Zeile  25:  Sehobser  statt  Schopser. 

„  139,  No.  25i,  Zeile  3:  Die  Sermones  dorm!  secure  etc.  sind  nicht  als  Nacht- 
gebete zu  bezeichnen,  sondern  als  Predigten  für  bequeme 
Geistliche,  die  des  Nachts  schlafen  und  doch  gut  predigen 
wollten. 

„     140,    „     259,     „        3:  Bernardus  statt  Bernadus  und   weitläufige  statt 

weitl&nftige*  • 

„     144,  No.  274,  Zeile    1:  Ludolphus  statt  Rudolphus. 

.,,     151,    „     151,  Anmerkung:  Unsere  Vermuthung,  dass  Egenolph  von  Strassburg 

nach  Frankfurt  am  Main  fibexsiedelte,  wird  durch  neuere 
Forschungen  bestätigt.  VergL  Grotefend,  Christian 
Egenolff,  der  erste  ständige  Buchdrucker  zu  Frankfurt 
am  Main  und  seine  Vorläufer.    Frankfurt  1881.    4fi. 

„     160,    „        2:  Closener  statt  Clösener. 

„     160,    „       12:  Steigenberger  statt  Steinberger. 

„      167,  Zeile    3:  astror)  statt  astort. 

„     182,  No.  370,  Zeile    2:  edibs  statt  edipo. 

s,     186,    „     383,     „        2:  e  greeo  statt  egreco. 

„     188,  Zeile    2:  1518  bis  1589  statt  1524  bis  1529. 

„      188,  No.  390,  Zeile    3:  ad  statt  ac. 

„      192,  Zeile  10 :  um  1550  bis  1585  statt  ,um  1568  bis  um  1600«. 

„     192,  Tor  No.  402  zu  setzen  :AruoldM7lius  (Ofßcina  Birckmannica)  1585—1605. 

„     193,  Zeile    8:  um  1560  bis  um  1586  (?)  statt  um  1570  bis  1575. 

„      194,     „        2:    „     1565    „     „    1592  stott  um  1580. 

„      195,     „        8:  Arnold  Mylius  der  Schwiegersohn  (Arnold)  Johann  BLrckmann^s, 

des  älteren  Sohnes  Arnold  Birkmann's,  betrieb  das  Ge- 
schäft unter  seinem  eigenen  Namen  mit  dem  Beisatze 
ex  officina  Birckmannica  seit  1535.  Die  Firma  Haeredes 
A!moldi  Birckmanni  wurde  von  ihm  nach  dem  Tode 
seines  Schwiegervaters  (1574)  bis  zu  genanntem  Jahre  1585 
beibehalten,  wie  auch  dieser  selbst  mit  seinem  Bruder 
Gottfried  Birckmann  und  wahrscheinlich  auch  später 
mit  Arnold  Mylius  neben  seiner  eigenen  Firma  Johann 
Birckmann  diese  Firma  geführt  hatte.  Wie  wir  unter 
No.  406  gesehen  haben,  liess  Arnold  Mylius  unter  der 
Firma  apnd  haeredes  Birckmanni  bei  Gotefridus  Kem- 
pensis  im  Jahre  1579  drucken. 

„  195,  zur  Ergänzungsliteratur  sind  noch  beizufügen:  Kirchho£f.  Beiträge  zur  Ge- 
schichte des  deutschen  Buchhandels.  Bd.  1.  Leipzig  1851 
(Franz  Birckmann  und  seine  Familie  8.  88 — 131.) 
Merlo,  Die  Buchhandlungen  und  Buchdruckereien  zum 
Einhorn  etc.  in  Köln.  (Annalen  des  histor.  Vereins  für 
den  Niederrhein,  Heft  30,  Köln  1876.)  Pallmann,  Sig- 
mund Feyerabend,  sein  Leben  und  seine  geschäftlichen 
Verbindungen.    Frankfurt  1881. 

M     199,  lotete  Zeile:  Barbatus  statt  Barbatum. 

„     211 :  Bernhard  Richel  1472—1482  statt  1472—1486. 

,      212,  lotete  Zeile:  Oldradi  de  Laude:  „ConsiliaJuridica"  statt  Oldradi: 

„De  Laude  consilia  Juridica**. 

M     214,  Zeile    7  von  unten:  Brant  statt  Brand. 

„     224,     „•       2:  Alexandrinus  statt  Alexdrinns. 

„     228,  No.  482,  Zeile    5:  emarculatior  statt  emaculator. 

„      238,    „     491,     „        9:  toto  statt  loto. 


eo8  —     Berichtigangen  und  Zusätze.     — 


Seite  283,  No.  492,  Torletxte  Zeile:  Gregoriua  statt  Greorgorias. 

„     Mö,    „     515.  Zeile    5  naeh  Bamberg  xn  setxen:  und  Strassburg. 

„     245,    .,     515,     „        <     „      Beite  fft  su  setwn:  und  119. 

„     252,    ..     528,     „        2   ron   ontea  soll  stBlien:  »Hain    No.  900   hat    anriehtig 

Btanneis  abgesehrlebeB." 

„     200.    „     544,    „        4:  No.  6S8  statt  No.  6S7. 

,.      277,  Zeile    6  Ton  unten:  Dienecker  statt  Deneeker. 

„     277,     „        5    „        „      :  PhiUpp  Uhlbard  1536  fiUlt  dort  ans. 

„      277,     „        2     ..        „      :  und  statt  oder. 

,.      281,  Torletete  Zeile:  Seite  86  stott  Seite  f7. 

„     28C,  No.  589,  ZeUe    3  von  unten:  Blatt  88  und  Blatt  f4  statt  Blatt  8S6  und 

Blatt  246. 

„     807.  Zeile    6:  1494— 151Ö  statt  1494—1516. 

„     909,     „        6:  Jacobus  statt  Joeo^bus. 

„     810,  No.  661,  Zeile  4  und  7:  Freising  statt  Freisingen. 

„     812,  Zeile  12  von  unten:  Uaeredes  statt  Aedes. 

„     812,     „     11    .,        „       lolö-1589  statt  lol7->1589. 

„     814,     „      12:  1&40— 1561  statt  1540—1562. 

„     816.     „       4:  Kohn  statt  Rohn. 

„      St8,     .,       2:  Mediolanum  statt  Mediolanl. 

„     829,     „       1:  Seltenheiten  statt  Sellenheiten. 

„     884,     „       6:  Freising  statt  Freisingen. 

„     886,  No.  714,  vorletzte  und  letzte  Zeile:    „wo  wir  auf  Seite  287  seiner  schon 

gedachten*'  f&llt  aus. 

„     846,    „     788,  Zeile    1:  Junii  statt  Jurii. 

„     847.    „     740,     „        6:  statt  ,  Nürnberg,  angeblich  Anton  Koberger,  circa  1^6*" 

zu  setzen  ,  Augsburg,  Hans  Schonsperger,  1496". 

„      869.    „     776,     „        8:  M.  D.  XXIIII  statt  M.  D.  XIHI. 

„     864,  Zeile  15|:  zwischen  No.  und  XL  VI  ist  53  einzufügen  und  XLYI'  in  (  )  su 

setzen. 

„     865.     „      18:  um  1588—1587  statt  1585  bis  um  1589. 

„      867,  No.  788,  Zeile    1:  Syrach  statt  Sprach. 

„     372.  Zeile    8:  Froberger  statt  Frohberger. 

„     874,  No.      4,  Zeile    1:  Blanck  statt  Blancken. 

„      880,  Zeile    2:    Nach    Lutetia     ist    Parisiorum     einzufügen     und    Parisius    zu 

streichen. 

„      886,     „       5:  1494—1580  statt  1494—1120. 

„     888,  No.  884,  Zeile    2:  omnes  statt  omneis. 

„      888,    „     884,     „        4    von  nnten:  No.  8£0  statt  810. 

„      895,  Zeile  11  von  unten:  Mercator  statt  Marcator. 

„     408,  No.  854,  Zeile    3:  sub  signo  statt  subsigno. 

„     404,  Zeile  6  und  11:  1586  statt  1585. 

„     405:  Zu  Christian  Wechel  ist  nach  neueren  Forschungen  zu  bemerken,   dass 

nicht  er,  sondern  sein  Sohn  Andreas  (s.  die  Beriehtigimg 
zu  Seite  410)  sich  in  Fl'ankfnrt  am  MiUn  niedei^elaflsea 
hat.  Der  erwähnte  Johann  Wechel  war  nicht  der  Bakel 
Christian  Weehels,  derselbe  stammte  ans  Goln  und 
scheint  in  keinem  näheren  Yerwandtsehaftsverhiltoias 
zu  dem  mit  ihm  gleichzeitig  in  Franldiirt  befindlichen 
Andreas  Wechel  gestanden  zu  haben.  (VergL  Fallmann. 
Sigmund  Feyerabend  ete.  Frankfurt  1881,  und  Seibt. 
Frandscus  Modius  etc.  Frankfurt  1882.) 

„     410.  ZeUe  8:  1578  statt  1578. 


—     Berichtigungen  und  Zusätze.     —  cqq 

Seite  410 :  Andreas  Wechel,  der  Sohn  Christian  Wediels,  hatte  sich  nach  der  Bartholo- 

maeusnacht  mit  seiner  Familie  nach  Frankfurt  a.  Main 
geflüchtet,  war  im  December  1572  dort  Bürger  geworden 
and  starb  daselbst  Ende  October  1581.    Seine  beiden 
Schwiegersöhne   Johann  Aubry  und   Claude  de  Marne 
führten  das  Geschäft  unter  der  Firma  „Wechel's  Erben*' 
fort,  später,   Anfang  des  17.  Jahrhimderts ,  wurde   es 
nach  Hanau  verlegt. 
„     418,  Zeile  15  von  unten:  1557—1698  statt  1557—1569. 
„     415,  No.  876,  Zeile  4  von  unten:  Tory  statt  Terry. 
„     425,    „     892,      „      16  von  unten:  Wichmann-Kadow  statt  Wi echmann- 

K  a  d  o  w. 
„     425,    „     892,     „      18  von  unten:  1858  statt  1848. 

„     428  zu  No.  894 :  Hain  scheint  nach  No.  6555  doch  ein  Exemplar  dieser  seltenen 

Incunabel  in  München   gesehen  zu  haben,   während  er 
merkwürdiger    Weise    dasselbe    Buch    unter  No.  9185 
nochmals  als  ungesehen  nach  Panzer  aufführt. 
„     426,  No.  894,  Zeile  11  von  unten:  rhythmica  statt  rhytmica. 

„       1:  mythologicus  statt  mytholagicus. 
.,       3:  praefatione  statt  praevatione. 
„       7:  Majuskel-Alphabeten   statt   Majuskel-Alpba- 
heten. 
444,    „    [940,     „       3:.Dictionnaire  statt  Dictionaire. 


431, 

»» 

906, 

483, 

»» 

911, 

437, 

» 

919, 

Oflicin:    Wilhelm  Baensch.     Dresden. 


Officin:     Willielm  Fiaen.sth.     Dresden. 


^ 


■ 


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